Bankkalkulation als Marktproblem (Teil I)
Abstract
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Full text
Breuer, Ralf; Skaruppe, Martin Article Bankkalkulation als Marktproblem (Teil I) Kredit und Kapital Provided in Cooperation with: Duncker & Humblot, Berlin Suggested Citation: Breuer, Ralf; Skaruppe, Martin (1993) : Bankkalkulation als Marktproblem (Teil I), Kredit und Kapital, ISSN 0023-4591, Duncker & Humblot, Berlin, Vol. 26, Iss. 2, pp. 274-312, https://doi.org/10.3790/ccm.26.2.274 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/293253 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. You are not to copy documents for public or commercial purposes, to exhibit the documents publicly, to make them publicly available on the internet, or to distribute or otherwise use the documents in public. If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/
Bankkalkulation als Marktproblem (Teil I) Von Ralf Breuer und Martin Skaruppe, Bonn I. Einleitung Trotz einer Vielzahl von einschlägigen Beiträgen ist die „Marktzinsmethode"1 noch kein theoretisch völlig abgesichertes und in allen praktisch relevanten Bereichen ausformuliertes Konzept für die entscheidungsorientierte Kalkulation im bankbetrieblichen Kundengeschäft. Ursächlich hierfür ist die Tatsache, daß in der vorliegenden Literatur die Grenze dort gezogen wird2, wo das Instrumentarium der Investitionsrechnung bei Sicherheit 1 Grundlegend zur Marktzinsmethode vgl. Rolf Flechsig / Hans-Rudolf Flesch (1982), Die Wertsteuerung - ein Ansatz des operativen Controlling im Wertbereich, in: Die Bank, o. J.(1982).10, S. 454 - 465, Klaus D. Droste/Heino Faßbender/Burkhardt Pauluhn/Peter F. Schlenzka/Eberhard von Löhneysen (1983), Falsche Ergebnisinformation - Häufige Ursache für Fehlentwicklungen in Banken, in: Die Bank, o. J.(1983).7, S. 313 - 323 und Henner Schierenbeck (1991), Ertragsorientiertes Bankmanagement, 3. Aufl., Wiesbaden 1991, S. 78ff. sowie die dort angegebene Literatur. Zu den Vorzügen dieses Ansatzes vgl. Joachim Süchting (1987), Bankmanagement, 2. Aufl., Wiesbaden 1987, S. 112. Zum Vorschlag der Kalkulation von Wertpreisen mit Marktzinssätzen als Ausfluß des Opportunitätskostenprinzips vgl. bereits Joachim Süchting (1967), Zur Kontroverse um die Bankkalkulation, in: Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen, 20.(1967).9, S. 15 - 20, S. 18. 2 So stellen Schierenbeck/Rol fes (1988) unter der Überschrift „Die Grenzen der Marktzinsmethode" auf S. 53, fest: „Grundsätzlich sind am Kundenmarkt Geschäfte üblich, die in dieser Form am Geld- und Kapitalmarkt (noch) nicht existieren. Dies gilt beispielsweise für Spareinlagen. Im Gegensatz zu Geld- und Kapitalmarktgeschäften, die i.d.R. Festzinsgeschäfte sind (dortige Ausnahmen z.B. die Floating Rate Notes), sind nämlich bei Spareinlagen i. d. R. Zeitpunkt und Höhe der Rückzahlungen nicht nur unbekannt, sondern zum größten Teil fremdbestimmt. Wenn aber der Kapitalbetrag und die zeitliche Bindung eines Kapitalbetrages nicht bekannt ist, läßt sich grundsätzlich eine Alternative gar nicht finden. Hier können dann nur mehr oder weniger plausible Näherungslösungen empfohlen werden." Henner Schierenbeck/ Bernd Rolfes (1988), Entscheidungsorientierte Margenkalkulation, Frankfurt/M. 1988. Schierenbeck (1991, S. 140) meint, daß sich dieses Problem von selbst erledige, weil „... die Prognose gewagt werden darf, daß die Probleme der Marktzinsmethode mit fristen- und konditionsunspezifischen Produkten sich in dem Maße lösen werden, wie die bereits beobachtbare Entwicklung auf den Finanzmärkten voranschreitet und die Bedeutung solcher »archaischen4, nicht marktkonformen Produkte für das Bankgeschäft schwindet. Die Entwicklung auf dem Markt für Spargelder weist zumindest in diese Richtung." OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.26.2.274 | Generated on 2023-01-16 13:03:34
Bankkalkulation als Marktproblem (I) 275 nicht mehr ausreicht, die Entscheidungssituation abzubilden, weil sich der Anwender unsicheren Erwartungen gegenüber sieht3. Dem mit dem Stand der modernen Finanzierungstheorie vertrauten Leser wird auffallen, daß die Grenze eines anwendungsbezogenen Verfahrens, wie es die Marktzinsmethode sein will, gerade dort gezogen wird, wo durch die Einführung unsicherer Erwartungen in den Kalkül erst Realitätsnähe entsteht. Immerhin bleibt ein wesentlicher Aspekt realer Entscheidungssituationen völlig unberücksichtigt, wenn Sicherheit unterstellt wird4. Dessen unbeachtet haben Entscheidungskalküle unter Quasi-Sicherheit selbstverständlich den bedeutsamen Wert, einfach handhabbare Entscheidungshilfen bereitzustellen5. Die Analyse und Bewertung von Finanztiteln unter Unsicherheit über Auftreten, Zeitpunkt und Höhe zukünftiger Zahlungen ist Gegenstand der Optionspreistheorie. Und es zeigt sich, daß eine Vielzahl von Sachverhalten im Bankgeschäft, die zu einer nicht-deterministischen Zahlungscharakteristik führen, Optionscharakter haben und folglich auch so bewertet werden müssen. Dies wird besonders anhand der Kündigungsrechte deutlich, die Schuldnern und Gläubigern im Rahmen von Kredit- und Einlagenverträgen eingeräumt werden können. Dies soll anhand einer eingehenden Analyse der Entscheidungssituation bei der vorzeitigen Ablösung von Krediten verdeutlicht werden. IL Die Marktzinsmethode im Lichte der Bankabsatz- und Finanzmarkttheorie Die Marktzinsmethode wird mit dem Anspruch versehen, ein entscheidungsorientiertes Mittel zum Controlling im Kundengeschäft zu sein6. Erstaunlicherweise beschäftigt sich die Diskussion um die Marktzinsmethode zwar mit der kostenrechnerischen Bewertung von Marktbereichen, berücksichtigt dagegen nicht explizit das Marktgeschehen7. Damit wird die Bewer- 3 Zu dieser Einschätzung vgl. Bernd Rudolph (1988), Grundlagen einer kapitalmarktbezogenen Ermittlung bankgeschäftlicher Perioden- und Spartenergebnisse, in: Bankpolitik, finanzielle Unternehmensführung und die Theorie der Finanzmärkte, hrsgg. von Bernd Rudolph und Jochen Wilhelm, Berlin 1988, S. 177 - 196, S. 195 f. 4 Vgl. Günter Franke/Herbert Hax (1990), Finanzwirtschaft des Unternehmens und Kapitalmarkt, 2. Aufl., Berlin u.a. 1990, S. 183. 5 Vgl. ebenda. 6 Vgl. Schierenbeck (1991), S. 5ff. et passim. 7 Vgl. zum folgenden auch die kritische Würdigung der Diskussion um die Marktzinsmethode bei Ralf Breuer (1992), Probleme der Risikosteuerung im Rahmen der Marktzinsmethode, Mitteilungen aus dem Institut für das Spar-, Giro- und Kreditwesen an der Universität Bonn, Nr. 37, 2. Aufl., Bonn 1992, S. 3ff. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.26.2.274 | Generated on 2023-01-16 13:03:34
276 Ralf Breuer und Martin Skaruppe tung von Bankgeschäften zu einem Akt, dessen Zweckbezug sich unmittelbar nicht erkennen läßt8. Dabei läßt sich die Marktzinsbewertung von Bankgeschäften gerade aus dem Geschehen in den Kundenmärkten rechtfertigen. Eine konkrete Rechtfertigung für die Anwendung von Marktzinskalkülen ergibt sich unmittelbar aus der Verhandlungssituation im Kundengeschäft. Eine auf Marktzinssätzen aufbauende Steuerungsvorgabe folgt konsequent den bestehenden theoretischen Vorstellungen über die Preispolitik von Kreditinstituten9. Verhandlungen über Kundengeschäfte werden als bilateral monopolistische Spiele aufgefaßt10. Ein Verhandlungsgleichgewicht kann sich nur im Bereich zwischen der Preisobergrenze des Kunden und der Preisuntergrenze der Bank ergeben. Während Kunden ohne Verhandlungsmacht Leistungen zu Standardkonditionen (Listenpreisen) angeboten werden, steigt die Bereitschaft der Bank, von diesen Listenpreisen nach unten abzuweichen mit der Verhandlungsmacht des Kunden. Diese wird wesentlich durch die zu erwartende Gesamtabnahme von Bankleistungen in der Zukunft bestimmt11. Die Grenzpreisvorstellungen der Kunden leiten sich aus den ihnen zugänglichen Informationen über die herrschenden Preise an den institutionalisierten Finanzmärkten ab. Von dort bezogene Informationen (z.B. in Form der Umlaufsrendite öffentlicher Anleihen) üben eine erhebliche vorprägende Wirkung auf den Verlauf von Verhandlungen mit Kreditinstituten aus. Abweichungen der Bankpreise von den „reinen" Marktsätzen erklären sich aus räumlichen Präferenzen (z.B. Einkaufswirtschaftlichkeit), Transaktionskosten und über die Ausstattung von Marktgeschäften hinausgehenden Leistungselementen. Die Vorgabe eines Marktzinssatzes zuzüglich eines Aufschlages - der „Mindestmarge" - als Preisuntergrenze trägt den denkbaren Verhandlungsmachtkonstellationen unmittelbar Rechnung. Kaum ein Kunde wird unter relativ schwachen Annahmen an die Vollkommenheit der Finanzmärkte rational begründbar eine gegenüber den Marktverhältnissen günstigere Preisgrenze zugrunde legen können. Mit der Vorgabe einer Maximierung der 8 Dies zeigen besonders deutlich die Ausführungen von Jan F. Djebbar (1990), Zur Kritik an der Marktzinsmethode, in: ÖBA, 38.(1990).11, S. 920 - 931. 9 Vgl. Süchting (1987), S. 383 ff., Hans E. Büschgen (1989), Bankbetriebslehre, 2. Aufl. 1989, S. 468ff., sowie ausführlich Hans J. Krümmel (1964a), Bankzinsen, Köln u.a. 1964 und Werner Gladen (1985), Gebührenpolitik der Kreditinstitute, Berlin 1985. 10 Vgl. Peter Dolff (1974), Die Konditionenverhandlungen im Kreditgeschäft der Banken, Wiesbaden 1974, S. 11 f. 11 Vgl. Krümmel (1964a), S. 230. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.26.2.274 | Generated on 2023-01-16 13:03:34
Bankkalkulation als Marktproblem (I) 277 Konditionenbeiträge durch die Kundenbereiche sollen die Bedingungen für Geschäftsabschlüsse möglichst den jeweiligen Preisgrenzen angenähert werden. Anzustreben ist eine kundenindividuelle Erlösmaximierung12. Die vorausgegangenen Überlegungen motivieren unmittelbar eine Beschäftigung mit den Alternativen, die zur Verfügung stehen, ein Bankgeschäft durch den Erwerb eines Portefeuilles von Geld- und Kapitalmarkttiteln zu substituieren. Eine solche Betrachtung muß selbstverständlich auch die Substitutionsmöglichkeiten der Kundschaft einschließen, um zu gewährleisten, daß die Preisobergrenze des Kunden tatsächlich „in der richtigen Richtung" von der Preisuntergrenze der Bank abweicht, da nur dann ein Verhandlungsergebnis erzielbar ist. Damit zeigt sich auch, wo nach auch das Problem der Unsicherheit einschließenden Lösungsansätzen für die Bewältigung der realen Bewertungsprobleme zu suchen ist: Duplizierungs- bzw. Duplizierbarkeitsprobleme bilden nämlich gerade den Kernpunkt der modernen Finanzierungstheorie. Ist es möglich, die Zahlungscharakteristik eines Finanztitels durch geeignete Bündelung anderer Titel nachzubilden, bildet der Kaufpreis des Portefeuille den gesuchten Wert. Unter der Bedingung der Arbitragefreiheit müssen unter der Voraussetzung eines vollkommenen Marktes und unter Vernachlässigung von Transaktionskosten alle Titel und Bündel von Titeln, die in allen Zuständen der Welt gleiche Zahlungen gewährleisten, auch den gleichen Marktpreis haben13. Diese Überlegungen münden in das „Gesetz des Einheitspreises" oder „Gesetz der Unterschiedslosigkeit (law of indifference)", das den Anknüpfungspunkt der modernen Finanzierungstheorie bildet14: 12 Vgl. Krümmel (1964a), S. 265ff. 13 Vgl. Hai R. Varian (1987), The Arbitrage Principle in Financial Economics, in: Economic Perspectives, 1.(1987).2, S. 55 - 72 und Herbert Hax/Thomas Hartmann- Wendeis / Peter von Hinten (1988), Moderne Entwicklungen der Finanzierungstheorie, in: F. Wilhelm Christians (Hrsg.), Finanzierungshandbuch, 2., völlig überarbeitete und erweiterte Auflage, Wiesbaden 1988, S. 689 - 713, 699ff. Zur nutzbringenden Anwendbarkeit einer arbitragetheoretisch begründeten Bewertung von Finanztiteln mit komplexen Zahlungscharakteristika vgl. z.B. Thomas Ebertz (1989), Optionspreistheoretische Bewertung von Aktienindexanleihen, Mitteilungen aus dem Institut für das Spar-, Giro- und Kreditwesen, Nr. 33, Bonn 1989; Ludwig Jurgeit (1989), Bewertimg von Optionen und bonitätsrisikobehafteten Finanztiteln, Wiesbaden 1989; Georg Kanders (1991), Bewertung von Genußscheinen, Berlin 1991. Zur Anwendung von Arbitrageargumenten in der Finanzierungstheorie vgl. auch Dieter Bender (1977), Arbitrage, in: Handwörterbuch der Wirtschaftswissenschaften, Bd. 1, Stuttgart 1977, S.325-333; Hans J. Krümmel (1964 b), Kursdisparitäten im Bezugsrechtshandel, in: Betriebswirtschaftliche Forschung und Praxis, 16.(1964), S. 485 -498; Klaus Spremann (1986), The simple Analytics of Arbitrage, in: Günter Bamberg/Klaus Spremann (Hrsg.), Capital Market Equilibria, Berlin 1986, S. 193. 14 Vgl. Jochen Wilhelm (1985), Arbitrage Theory, Berlin u.a. 1985, S. 1. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.26.2.274 | Generated on 2023-01-16 13:03:34
278 Ralf Breuer und Martin Skaruppe „Wenn ein Gut vollständig einförmig oder homogen seiner Beschaffenheit nach ist, so kann jeder Teil unterschiedslos an Stelle eines gleichen Teiles gebraucht werden: deshalb müssen sich auf dem gleichen Markte und zur selben Zeit alle Teile in dem gleichen Verhältnisse austauschen. Es kann keinen Grund geben, warum eine Person die genau gleichen Dinge verschieden behandeln sollte, und der geringste Überschuß, welcher für ein Gut über das andere verlangt wird, wird sie veranlassen, das letztere an Stelle des ersteren zu nehmen. ... Hieraus folgt, was bei richtiger Auslegung unzweifelhaft wahr ist, nämlich daß auf demselben offenen Markte, zu irgendeinem Zeitpunkte, nicht zwei Preise für die gleiche Art von einem Gegenstande vorhanden sein können15." Eine vollständige Charakterisierung eines Finanztitels - Bankgeschäfte bilden eine u. a. durch die Form der Plazierung und die rechtliche Begründung von Zahlungsansprüchen abzugrenzende Unterklasse von Finanztiteln - erfordert die erschöpfende Beschreibung seines Zahlungsstromes. D.h. alle aus ihm resultierenden Ein- und Auszahlungen unter Angabe von Ort, Zeitpunkt und Umstand, in dem sie dem Inhaber des Titels zur Verfügung stehen bzw. von ihm zu leisten sind16. Aus den Charakteristika der Zahlungsströme ergeben sich unmittelbar die Gründe, weshalb Preisdifferenzen auftreten können. Die Bereitstellung von Leistungen in der Bankstelle am Wohnort des Kunden, vermiedene Risiken, durch Kündigungsrechte oder Usancen erhöhte Liquidität, reduzierte Losgrößen, ersparte Transaktionskosten etc. rechtfertigen ökonomisch die Existenz von Abweichungen der Konditionen für Bankgeschäfte gegenüber den an den institutionalisierten Märkten beobachtbaren Preisen. Wie ein Blick auf die Theorie der Finanzintermediation lehrt, begründen diese Preisabweichungen die Existenz von Kreditinstituten und es gilt, sie im Kundengeschäft zu „verkaufen". Hierzu bildet die „Marktzinsmethode" die geeignete Grundlage, da sie in der Sichtweise der Theorie des Bankabsatzes die Determinanten für die Verhandlungen im Kundengeschäft richtig abzubilden im Stande ist. 15 W[illiam] Stanley Jevons (1879), The Theory of Political Economy, 2nd ed., London 1879, zitiert nach der deutschen Übersetzung der gegenüber der zweiten Auflage unveränderten vierten Auflage von 1911: Die Theorie der Politischen Ökonomie, Jena 1924, S. 87 f. Zur Identität der Auflagen vgl. ebenda das Vorwort des Übersetzers, S. VI. 16 Vgl. Jochen Wilhelm (1983), Finanztitelmärkte und Unternehmensfinanzierung, Berlin u.a. 1983, S. 4. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.26.2.274 | Generated on 2023-01-16 13:03:34
Bankkalkulation als Marktproblem (I) 279 III. Probleme der Bestimmung von Bewertungsalternativen für Bankgeschäfte Als zur Bewertung des Erfolgs eines Bankgeschäftes geeignet kommen nach Schierenbeck (1991), S. 128 „nur fristenkongruente, real durchführbare Alternativgeschäfte in Betracht". Diese Zuordnungsregel problematisiert er hinsichtlich - des Fristenmerkmals (Zinsbindung, formelle, materielle Verweildauer oder Kündigungsfrist?), - der Fristfestschreibung (Ursprungsversus Restlaufzeit), - dem Zuordnungsgegenstand (Einzelgeschäft versus Gesamtposition) und - der Frage, ob zwischen endfälligen und nicht-endfälligen Geschäften unterschieden werden muß. Zur Beantwortung dieser Fragestellungen schlägt Schierenbeck einen Katalog von sechs Regeln vor, aus dem er folgende Systematik für die Zuordnung von Alternativgeschäften ableitet17 (siehe Abb. 1). Für die beiden ersten Geschäftskategorien ist das Auffinden von zur Bewertung geeigneten Alternativen weitestgehend unproblematisch. Die hier zuzuordnenden Geschäfte weisen - unter der Vernachlässigung etwaiger Kündigungsrechte und Möglichkeiten der Sondertilgung - deterministische Zahlungsströme auf. Typ I kann deshalb unmittelbar mit einem Geld- oder Kapitalmarkttitel gleicher (Rest-)Laufzeit und Zinsbildung verglichen werden. Typ II ist dagegen ein Portefeuille von Titeln gegenüberzustellen, daß die gleiche Zahlungscharakteristik aufweist. Hierbei sollen die Regeln, nach denen dieses zu bilden ist, zunächst noch nicht Gegenstand der Diskussion sein. Geschäfte, die dem Typ III zuzuordnen sind, bezeichnet Schierenbeck als „die »offene Flanke' der Marktzinsmethode, da weder die Fristigkeitsdimension eindeutig geregelt ist noch die Verzinsungscharakteristika den Usancen auf den Geld- und Kapitalmärkten entsprechen"18. Für diese Geschäfte hat sich noch keine abschließende Lösung über „das" zur Bewertung heranzuziehende Vergleichsgeschäft herausgebildet. Deshalb wird ein Katalog möglicher Bewertungsalternativen genannt, wobei weiter nach den Unterkate- 17 Vgl. Schierenbeck (1991), S. 129. Dieser Regelkatalog ist aus jenem Katalog von sieben Regeln bei Schierenbeck/Rolfes (1988), S. 103, fortentwickelt. Die folgende Übersicht lehnt sich eng an Schierenbeck/Rolfes (1988), S. 105 und Schierenbeck (1991), S. 130 an. 18 Schierenbeck (1991), S. 133. 19 Kredit und Kapital 2/1993 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.26.2.274 | Generated on 2023-01-16 13:03:34
280 Ralf Breuer und Martin Skaruppe Sonstige Bilanzpositionen variabel verzinsliche Positionen ohne Fälligkeit - Eigenkapital - Barreserve - Sachanlagen Typ lllc Kundengeschäfte variabel verzinsliche Positionen unregelmäßige Verfugungen bzw. Kapitalbestände mit z.T. täglicher Fälligkeit - Kontokorrent und Dispositionskredite - Sichteinlagen - Spareinlagen Typ lllb Kundengeschäfte variabel verzinsliche Positionen mit und ohne laufender (nomineller) Tilgung - variabel verzinsliche Positionen mit ansonsten festgelegtem Zahlungsstrom (z.B. Sparpläne) Typ lila Kundengeschäfte Festzinspositionen mit veränderlicher Kapitalbasis über eine feste Laufzeit - mittel- und langfristige Darlehen mit laufenden Tilgungen • Darlehen mit Agio oder Disagio - Diskontpapiere - Thesaurierungspapiere Typ II Kundengeschäfte Festzinspositionen mit konstanter Kapitalbasis über eine feste Laufzeit - endfällige Darlehen ohne Disagio, mit laufenden Zinszahlungen - Wechselkredite • Termineinlagen a Beispiele Zuordnungstypen OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.26.2.274 | Generated on 2023-01-16 13:03:34
Bankkalkulation als Marktproblem (I) 281 gorien III a und III b differenziert wird19. Diese beiden Zuordnungstypen unterscheiden, ob die in ihnen erfaßten Positionen einen ex ante fixierten Zahlungsverlauf (Typ III a) aufweisen oder nicht (Typ III b) (s. Abb. 2). Während die Zuordnung von Bewertungsgeschäften für die Typen I und II bis auf die Wahl des Kongruenzkriteriums (Zahlungsversus Kapitalstrukturkongruenz, vgl. unten) unmittelbar einsichtig ist, erscheinen die Bewertungsvorschläge für Typ III diskussionsbedürftig: - Eine Bewertung des Typs III a anhand eines Portefeuilles von Festzinstiteln führt dazu, daß Laufzeit und Ausgestaltung von Vereinbarungen über die Zinsanpassung ex ante keinerlei Auswirkung auf das Bewertungsegebnis haben20. Damit werden variabel- und festverzinsliche Darlehen bei gleichem Zahlungsstrom (Zins + Tilgung) auch gleich bewertet. Die Laufzeit einer gegebenenfalls getroffenen ZinsbindungsVereinbarung spielt im Zeitpunkt des Geschäftsabschlusses keine Rolle. - Als Lösungsansatz für die Bewertung variabel verzinslicher Bankgeschäfte des Typs III a schlagen Rolfes und Schierenbeck die Konstruktion einer „elastizitätskongruenten" Alternative vor21. Die Zinselastizität eines Bankgeschäftes mißt, um wieviel Prozentpunkte sich die Kundenkondition bei einer Veränderung des Marktzinsniveaus um einen Prozentpunkt verändert22. Als indikativ für das Zinsniveau wird in der Literatur zur Elastizitätsanalyse der Tagesgeldzins angesehen23. Es könnte aber auch jeder beliebige andere Marktzinssatz als Bezugsgröße verwendet werden24. Für Elastizitätswerte e zwischen 0 und 1 kann folgende Überlegung angestellt werden25: Die Kondition eines Geschäftes lasse sich bei nach dem 19 Auf eine Diskussion der Positionen des Typs IIIc wird hier verzichtet, da es sich nicht um Kundengeschäfte handelt. 20 Zur Darstellung möglicher Bewertungsalternativen im Falle einer Zinsfestschreibung nur über den Beginn der Laufzeit vgl. Schierenbeck / Rolf es (1988), S. 170ff. Zu einer kritischen Würdigung dieser Vorschläge s. Breuer (1991), S. 57ff. 21 Vgl. Rolfes/Schierenbeck (1992), S. 405ff. 22 Vgl. grundlegend Henner Schierenbeck (1983), Strategische Finanzplanung in Kreditinstituten, in: Hans J. Krümmel/Bernd Rudolph, Strategische Bankplanung, Frankfurt/M. 1983, S. 224 - 239, S. 233 ff. Zur Darstellung vgl. Schierenbeck (1991), S. 537 ff. 23 Zu den hierzu führenden Plausibilitätsüberlegungen vgl. Bernd Rolfes (1985), Die Steuerung von Zinsänderungsrisiken in Kreditinstituten, Frankfurt/M. 1985, S. 157 ff. 24 Vgl. Schierenbeck (1991), S. 85. 25 Die Fälle von außerhalb dieses Intervalles liegenden Elastizitätswerten werden bei Rolfes/Schierenbeck (1992) nicht berücksichtigt, die entweder von einer Anlage- oder einer Refinanzierungsstrategie handeln. Ihre Behandlung würde die Kombina- 19* OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.26.2.274 | Generated on 2023-01-16 13:03:34
288 Ralf Breuer und Martin Skaruppe Als Marktkonstellation seien - wiederum in Anlehnung an Schierenbeck/ Rolfes (1988, S. 110) bzw. Schierenbeck (1991, S. 171) - folgende Zinssätze für Kuponanleihen angenommen, wobei in den Zahlenbeispielen stets unterstellt wird, daß Kupon- und Effektivzinssatz übereinstimmen (s. Abb. 4). Laufzeit Zinssatz 6 Monate 5 % 12 Monate 6 % 18 Monate 6,5% 24 Monate 7 % Abbildung 4: Zinsstruktur in der Ausgangssituation Auf der Grundlage dieser Angaben werden im folgenden die beiden grundsätzlich zu unterscheidenden Konzepte36 zur Konstruktion von Geld- und Kapitalmarktalternativen in Form eines Portefeuilles aus den oben charakterisierten Kupontiteln dargestellt: Während eine zahlungsstrukturkongruente Alternative von einer Identität aller Zahlungen nach t0 ausgeht, soll ein kapitalstrukturkongruentes Portefeuille die Kapitalbindung über die Kreditlaufzeit nachbilden37. Hierbei wird davon ausgegangen, daß beliebige 35 Die letzte, mit „Kreditsaldo" bezeichnete Zeile gibt die Bezugsbasis für die Ermittlung der Effektivzinsen gemäß PAngV wieder. Unterjährig werden keine Zinsen vereinnahmt, vielmehr werden die gezahlten nominellen Zinsen bis zur Zinsverrechnung als Tilgungsleistungen behandelt. So ergeben sich die Kreditzinsen für die ersten 12 Monate aus Zinsen von 11,84793% bezogen auf DM 180000 für das erste und DM 176000 für das zweite Halbjahr. Der hieraus resultierende Zinsbetrag setzt sich aus Nominalzinsen von DM 8000,- und für den Zeitraum [t0, ti2] vereinnahmtes Disagio von DM 13089,30 zusammen. 36 Auf die verschiedenen Wege zur Ermittlung der Marge bei zahlungsstrukturkongruenten Geld- und Kapitalmarktalternativen soll hier nicht näher eingegangen werden. Vgl. hierzu Schierenbeck (1987), Ertragsorientiertes Bankmanagement, 2. Aufl., Wiesbaden 1987, S. 146ff.; Schierenbeck/Rolfes (1988), S. 113ff.; Alfred W. Marusev (1990), Das Marktzinsmodell in der bankbetrieblichen Einzelgeschäftskalkulation, Frankfurt/M. 1990, S. 51 ff. 37 Vgl. Henner Schierenbeck/Bernd Rolfes (1987a), Effektivzinsrechnung und Marktzinsmethode, in: Die Bank, o. J.(1987).l, S. 25 - 33. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.26.2.274 | Generated on 2023-01-16 13:03:34
Bankkalkulation als Marktproblem (I) 289 Volumina erworben werden können. Die Teilbarkeit der Titel wird also nicht auf bestimmte „glatte" Nennwerte beschränkt angesehen38. 2. Zahlungsstrukturkongruente Bewertung Eine zahlungsstrukturkongruente Alternative ist gekennzeichnet durch die Identität ihrer zukünftigen Zahlungen in allen Zeitpunkten nach t0. Unter Berücksichtigung der zwischenzeitlich anfallenden Kuponzahlungen hat ein zur Zahlungsstruktur des Kredites kongruentes Portefeuille folgende Gestalt:39 (s. Abb. 5). Der Auszahlungsbetrag des Kredites beträgt im Beispiel DM 180 000,-. Dagegen ist zur Erzielung identischer Zahlungen mit Geld- und Kapitalmarktpapieren ein Anlagebetrag von DM 192 865,83 erforderlich. Die Differenz zwischen beiden Beträgen ist der Nettokapitalwert der Investition in eine Kreditvergabe statt in ein Marktportefeuille. Im Sprachgebrauch der Marktzinsmethode ist der mit Marktzinssätzen ermittelte Nettokapitalwert der Kundenzahlungsreihe der Barwert aller zukünftigen Konditionenbeiträge. Es ist aus Sicht des Kreditinstitutes gleichgültig, wann dieser Betrag im Zeitraum zwischen £0 und der letzten Zahlung entnommen wird40. In den meisten Veröffentlichungen wird ein Bewertungszinssatz aus dem internen Zinsfuß der Zahlungsreihe der strukturkongruenten Alternative abgeleitet. Die Differenz zum nach PAngV ermittelten Effektivzins der Kreditzahlungsreihe gibt dann die dem Kundenengagement zurechenbare Marge an. Der periodische Erfolgsbeitrag aus einem Kundengeschäft, der dem akquirierenden Marktbereich zugerechnet wird, ist das Produkt aus dem durchschnittlichen Kontosaldo und der Marge. Im Gegensatz hierzu schlagen Benke et al. vor, den Auszahlungsunterschied zwischen Kundengeschäft und Marktportefeuille als Erfolgsbeitrag dem akquirierenden Kundenbereich bei Geschäftsabschluß gutzubringen, da er die Erfolge nur in diesem Zeitpunkt auch verantworten kann41. „Verrentungsprobleme", die einen relativ breiten Raum in der Diskussion um die 38 Präziser ausgedrückt wird unterstellt, daß auch Volumina erworben werden können, die einen Nennwert von DM 0,01 oder kleiner repräsentieren, sofern ungerundete Zahlen verwendet werden. 39 Vgl. Schierenbeck/Rolfes (1988), S. 111 und Schierenbeck (1991), S. 171. 40 Vgl. Marusev (1990), S. 36ff. 41 Vgl. Holger Benke/ Burkhard GebauerIFriedrich Piaskowski (1991), Die Marktzinsmethode wird erwachsen: Das Barwertkonzept (I), in: Die Bank o. J.(1991).8, S. 457 -463. S. 460. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.26.2.274 | Generated on 2023-01-16 13:03:34
290 Ralf Breuer und Martin Skaruppe 8 T— + 8 C\J + s + 8 + "D O > "-P © « JZ c o ® S £ g < H 8 8 8 CM + 8 8 Cvi in r*. CVJ o CO CM CD + + + + 8 8 o 8 Tf CM 5 CO GO Q o> cm" in s CO S> s 8 $ i 58 0> T— 1 o> CO 1 CM 1 1 1 + 3 ¿P © ts © <0 c o 2 CO c o 5 OS c o 5 ^ CM 00 CM CO c o s 8 c> 8 cT 8 cT N C © Ì "ö <0 o> CO N OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.26.2.274 | Generated on 2023-01-16 13:03:34
Bankkalkulation als Marktproblem (I) 291 Marktzinsmethode eingenommen haben, sind nach dieser Sichtweise nunmehr obsolet42. 3. Kapital(struktur)kongruente Bewertung a) Grundkonzept Als mit praktischen Vorzügen ausgestattete Alternative zur Konstruktion eines Portefeuilles mit identischen Zahlungen in allen Zeitpunkten nach t0 sehen Schierenbeck/Rolfes43 das Konzept der „Kapitalstrukturkongruenz" an. Dieser Ansatz geht von der Konstruktion eines Portefeuilles aus, das nach Entnahme der periodisierten Konditionenbeiträge in allen Zeitpunkten eine mit dem Kredit identische Kapitalbindung aufweist. Als besonderen Vorteil für die praktische Anwendung betont Schierenbeck (1991), daß die resultierende „... Effektivzins- und Margenkalkulation bei einer kapitalstrukturkongruenten Opportunität mit der Finanzrechnung exakt übereinstimmt"44. Dies trifft allerdings nur unter speziellen Voraussetzungen zu, von denen die beiden ersten dem oben zitierten „Durchführbarkeitspostulat" widersprechen: - eine erste Möglichkeit besteht darin, die Zinserlöse (-kosten) der kapitalstrukturkongruenten Alternative (Refinanzierung) gemäß den in der Preisangabenverordnung unterstellten Modalitäten zu vereinnahmen bzw. zu verauslagen. - Zweitens kann eine andere Abgrenzung des Disagios gewählt werden, die die Synchronität von kalkulierten und vereinnahmten Periodenerfolgen sicherstellt45. Diese Lösung ist allerdings lediglich bei Disagiokrediten gangbar46. - Drittens kann ein anderer Weg zur Bestimmung des erforderlichen kapitalstrukturkongruenten Portefeuilles beschritten werden, der die Identität von Zins- und Kapitalanteilen in allen Zahlungen sicherstellt47. 42 Vgl. ebenda, passim, insbesondere S. 459f. 43 Vgl. Schierenbeck/Rolfes (1987) und dieselben (1988), S. 129ff. 44 Schierenbeck (1991), S. 195. In diesem Sinne vgl. auch ebenda, S. 199, 201 und 202f. 45 Vgl. Henner Schierenbeck (1985), Effektivzinskonstante Disagioabgrenzung bei Kreditgeschäften, in: ifk Nachrichten aus dem Institut für Kreditwesen Münster, Nr. 29/85, S. 44 - 56, S. 45 und Marusev (1990), S. 94. 4® Vgl. Marusev (1990), S. 94f. 47 Vgl. Marusev (1990), S. 70ff. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.26.2.274 | Generated on 2023-01-16 13:03:34
292 Ralf Breuer und Martin Skaruppe Die Fortführung des Beispiels zeigt, daß die Erfüllung der Bedingung „Kapitalstrukturkongruenz" an sich noch nicht zu einer Übereinstimmung von kalkulierten und realisierten Ergebnissen führt. Für die schon zuvor angenommene Kreditzahlungsreihe wird in der folgenden Übersicht das Alternativportefeuille aus Geld- und Kapitalmarkttiteln angegeben, das stets eine mit dem Kredit identische Kapitalbindung aufweisen soll48 (s. Abb. 6). Aus dieser Gegenüberstellung ist zunächst eine Kapitalbindungsneutralität nicht unmittelbar erkennbar, da sich nach 12 und 24 Monaten Einzahlungsüberschüsse ergeben. Dies ist auch gewollt: Es sind die - aus der Gegenüberstellung von internen Zinsfüßen im Rahmen der Margenkalkulation resultierenden - periodisierten Konditionenbeiträge der Bank49. Im folgenden soll von der Annahme ausgegangen werden, daß die Kupontitel nicht nur am Markt erworben, sondern vom Kreditinstitut auch zu den beispielhaft unterstellten Bedingungen emittiert werden können. So läßt sich die kapitalbindungsorientierte Alternative in Anlehnung an Schierenbeck/Rolfes (1988) und Schierenbeck (1991) auch als denkbare Refinanzierungsstrategie interpretieren50. Die Zinszahlungen auf die Alternativtranche sind dann Zinsaufwand für die Refinanzierung des Kundengeschäftes51. Damit erkennbar wird, ob sich tatsächlich eine identische Fremdkapitalbindung ergibt, müssen die Kundenzahlungen in Zins- und Tilgungsanteile aufgespalten werden. Bei Schierenbeck/Rolf es (1988) und Schierenbeck (1991), von denen das Beispiel übernommen wurde, findet dies im Rahmen der folgenden Aufstellung statt, die als „vollständiger Finanzplan" bezeichnet wird (s. Abb. 7). Im oberen Teil der Übersicht werden wiederum die Zahlungen aus dem Kredit und der kapitalstrukturkongruenten Refinanzierung wiedergegeben. Aufbauend auf den zuvor schon ermittelten Zahlungssalden sind dann die Zins- und Tilgungsanteile zu ermitteln. Dabei zeigt sich, daß in dieser Übersicht der Zinsaufwand für die Refinanzierung nicht aus den auf die verschiedenen Tranchen anfallenden Kuponzahlungen gewonnen wird. Viel- 48 Vgl. Schierenbeck (1987), S. 166, Schierenbeck/Rolfes (1988), S. 141 oder Schierenbeck (1991), S. 196. 49 Vgl. Schierenbeck/Rolfes (1988), S. 148 und Schierenbeck (1991), S. 202. 50 Dies ist kein Verstoß gegen das Opportunitätskonzept, da seine Gültigkeit nicht vorausgesetzt wird. 51 Dieses Vorgehen soll an dieser Stelle keine bestimmte ökonomische Interpretation des Vergleichszinssatzes nahelegen. Es hat zunächst einen rein praktischen Hintergrund für die eingängigere Darstellung der Zusammenhänge: So kann ohne eine sonst erforderliche Doppelbehandlung anhand von Bilanzen die Identität der Kalkulation mit der Finanz- und Geschäftsbuchhaltung geprüft werden. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.26.2.274 | Generated on 2023-01-16 13:03:34
Bankkalkulation als Marktproblem (I) 293 5 CO a CO in E 8 io* CsJ 8 8 CVJ 8 + s 0> 8 cT g 8 IO o K co O) 8 7 CO Csí S 5 evi 8 CO 3 3 "O <D O ì • CO .c c o ® S £ 2 < I- 0 o "S "3 c c o o 2 5 ^ co CM T- CÖ c o S CVJ O 'S c o 2 (O N C £ o £ •ö (0 o> CO N OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.26.2.274 | Generated on 2023-01-16 13:03:34
294 Ralf Breuer und Martin Skaruppe 8 + CO Si & 8 TT + 8 8 8 cf CVJ + CM 8 | + 8 8 8 IO CVJ <D 8 II ai + 8 8 8 cT 8 8 5 5 8 CO + SS + 8 g $ • ! c 3 a .-e © N "O i O) c 3 C « c oc o 5 CO I c o 5 CM a> © w « c c o o 2 2 00 S t- CM o <o <o <0 a> « N OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.26.2.274 | Generated on 2023-01-16 13:03:34
Bankkalkulation als Marktproblem (I) 295 + 10.910,70 -6.139,14 + 4.771,56 + 91.089,30 •91.089,30 OO'O OO'O 0,00 0,00 OO'O + 2.000,00 - 2.000,00 -91.089,30 + 91.089,30 + 21.089,30 - 11.866,32 + 9.222,98 + 82.910,70 - 82.910,70 - 93.089,30 + 93.089,30 OO'O OO'O OO'O + 4.000,00 - 4.000,00 -176.000,00 + 176.000,00 OO'O OO'O OO'O 0,00 0,00 • 180.000,00 + 180.000,00 Zinsen Kredit (PAngV: 11,84793) Opportunität (PAngV: 6,66648%) Zinssaldo Tilgung Kredit Refinanzierung Kapitalbindung Kredit Refinanzierung 20 Kredit und Kapital 2/1993 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.26.2.274 | Generated on 2023-01-16 13:03:34
296 Ralf Breuer und Martin Skaruppe mehr wird er kalkulatorisch aus dem nach Preisangabenverordnung ermittelten internen Zinsfuß der Zahlungsreihe der Refinanzierung und den auf dieser Basis fortgeschriebenen Kontosalden bestimmt. Da die interne Rendite der Refinanzierungsreihe lediglich die durchschnittlichen Zinsaufwendungen abbildet, weichen die tatsächlich zu leistenden Zinszahlungen bei nichtflacher Zinsstrukturkurve von den kalkulierten ab53. Die nach 12 Monaten anfallende Zinszahlung von DM 11866,32 ergibt sich aus jeweils 6,66648% aus dem gebundenen Kapital von DM 180 000,- im ersten und DM 176 000,- im zweiten Halbjahr. Ebenso resultiert der nach 24 Monaten anfallende Zinsaufwand von DM 6139,14 aus einer jeweils halbjährlichen Verzinsung der Salden von DM 93 089,30 bzw. DM 91 089,30 mit 6,66648%. Im zweiten Jahr der Kreditlaufzeit wird deutlich, daß die kalkulierten Zahlen nicht den bei Durchführung einer kapitalbindungsorientierten Refinanzierungsstrategie tatsächlich zu leistenden Aufwendungen entsprechen: In ¿24 fallen nämlich Kuponzahlungen auf die Zweijahrestranche in Höhe von DM 6360,74 (7% von DM 90 867,70) an. Dagegen werden nach PAngV kalkulatorische Zinskosten von DM 6139,14 ermittelt. Abweichungen zwischen kalkulierter und tatsächlich auftretender Ergebnisentwicklung ergeben sich auch noch in allen anderen Zahlungszeitpunkten. Dies zeigt eine Fortschreibung des Bankergebnisses über die Laufzeit des Kredites, die im folgenden explizit vorgenommen wird. b) Kapitalstrukturkongruente Bewertung in pagatorischer Sicht Der Kredit und seine kapitalstrukturkongruente Refinanzierung seien die einzigen Bilanzpositionen. Da ausdrücklich die Identität des gebundenen Kapitals gefordert wird und in t0 gerade der Auszahlungsbetrag des Kredites zufließt, sind sowohl die Bilanzidentität als auch die Liquiditätsnebenbedingung erfüllt. Die Refinanzierungsmittel werden mit ihren nominellen Rückzahlungsbeträgen bilanziert. Für das mit dem Kreditnehmer vereinbarte Disagio wird ein Rechnungsabgrenzungsposten gebildet (s. Abb. 8). Nach einem halben Jahr (Zeitpunkt t6) werden auf den Kredit DM 4000,- geleistet. Gemäß Preisangabenverordnung wird dieser Betrag nicht als Zinssondern als Tilgungszahlung vereinnahmt54. Anders ist dies bei der 52 Auch bei Schierenbeck (1991), S. 200. 53 Vgl. Marusev (1990), S. 94. 54 Vgl. Schierenbeck/Rolfes (1988), S. 81 f. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.26.2.274 | Generated on 2023-01-16 13:03:34
Bankkalkulation als Marktproblem (I) 297 8 8 8 O CM 8 5 T— GO IO o CM OJ rC N 8 8 œ 8 CO s 8 .ti -o Í OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.26.2.274 | Generated on 2023-01-16 13:03:34
304 Ralf Breuer und Martin Skaruppe <D E E 3 CO c N (0 .ts CL 2 .ti "O I <0 3 <0 *5 N & O CJ (O 8 8 o c <0 <0 CO CD 3 < Ü 8 IT) O) Ci CD in o> evi CO c © 2 (0 CO Ol Sì Ö N ? •c» -o »o OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.26.2.274 | Generated on 2023-01-16 13:03:34
Bankkalkulation als Marktproblem (I) 305 S O I**. 8 h- o <8 O) <d 8 o> c .•g "O c 15 s # I C O S S O "5) « û .3 o. « c o OD ÜJ $ 8 O) S £ 3 ö> £ S S -o g OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.26.2.274 | Generated on 2023-01-16 13:03:34
306 Ralf Breuer und Martin Skaruppe Summe + 102.000,00 - 97.228,44 + 4.771,56 0,00 + 4.771,56 Zins 10.910,70 - 6.360,74 + 4.549,96 - 62,95 + 4.487,01 Kapital + 91.089,30 - 90.867,70 + 221,60 + 62,95 + 284,55 Zufluß aus Kredit 3 9 JZ o c s H Salden «0 «-T in 3 CO o> 2 tr £ J« c c <D "ö CO CO OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.26.2.274 | Generated on 2023-01-16 13:03:34
Bankkalkulation als Marktproblem (I) 307 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.26.2.274 | Generated on 2023-01-16 13:03:34
308 Ralf Breuer und Martin Skaruppe t c o c$ 1 c o 2 I c o CM 8 + 8 CM + 8 | + 5 CO Si 5; 8 8 8 CM 8 8 (O » + 8 o $ o> + £ cf o> ö <0 8 cf 8 8 g 8 8 0> § + CM $ O) + 8 Cö c o 2 <o 8 8 O 8 cf 8 5>" ¡8 £ 8 8 5 i CO + s + 0 N s s 1 ! 8 cf 8 cf 8 cf 8 cf £ c è O N •u i o> c © _ N 5 c « c % CO i c o £ - <8 c o © © 4S ^ « « c c o o ® J5 o 2 CO 8 0 c 3 N c © <0 c N * I 2 < 2 c 3 •e o Q. Q. O O 2 CO 3 c N OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.26.2.274 | Generated on 2023-01-16 13:03:34
Bankkalkulation als Marktproblem (I) 309 + 91.089,30 - 90.867,70 0,00 0,00 0,00 + 13.994,54 + 13.994,54 + 2.000,00 - 1.937,05 -91.089,30 + 90.867,70 + 6.910,70 + 9.444,58 + 9.222,98 + 82.910,70 • 83.292,81 • 93.089,30 + 92.804,75 + 6.910,70 + 9.507,53 + 9.222,98 + 4.000,00 - 3.902,44 -176.000,00 + 176.097,56 + 20.000,00 -97,56 0,00 OO'O OO'O • 180.000,00 + 180.000,00 + 20.000,00 0,00 OO'O Tilgung Kredit Refinanzierung Kontostände Kredit Refinanzierung Disagio Eigenkapital Kasse Gi £ 8 Ö i »5 I1 w -ö ß § M Öi 2 e o I e e g Ö II 5 S I 2 I 2 •I o £ ä P, o 81 ö £ Ct. t^ Sì §> OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.26.2.274 | Generated on 2023-01-16 13:03:34
310 Half Breuer und Martin Skaruppe Damit kann an dieser Stelle folgendes Zwischenergebnis festgehalten werden: - Die Konstruktion einer kapitalstrukturkongruenten Alternative ist noch keine hinreichende Voraussetzung für voll mit der Finanz- und Geschäftsbuchhaltung kompatible Zahlen, da die kalkulatorische Wirkung auf der Reinvermögensebene nicht der tatsächlichen Erfolgswirkung entspricht. Dies beruht darauf, daß die kalkulatorische Verauslagung von Refinanzierungskosten gemäß PAngV nicht mit den tatsächlich zu leistenden Zahlungen übereinstimmt. - Die kapitalbindungsorientierte Alternativenbestimmung in der hier untersuchten Form zeichnet lediglich die Nettokapitalbindung unter Einbeziehung von Eigenkapital nach. Kalkulatorisch berücksichtigt wird aber lediglich das erforderliche Fremdkapital. Die Wahl des Kongruenzkriteriums wirkt sich nicht allein auf die kalkulatorische Abbildung von Geschäften aus. Vielmehr zeigt sich anhand der Entscheidungssituation über eine vorzeitige Ablösung und den hierbei zugrundezulegenden Ablösebetrag, daß mit dem Kapitalbindungskriterium keine geeignete Rechnungs- und damit auch Verhandlungsgrundlage gegeben ist. Die Analyse der Entscheidungssituation von Kreditinstitut und Kunde zeigt, daß dies ausschließlich bei einer Zahlungsstrukturkongruenz, also der Duplizierung des vertraglichen Zahlungsstroms mit Markttiteln der Fall ist. Zusammenfassung Bankkalkulation als Marktproblem Der erste Teil beleuchtet die theoretischen Grundlagen der „Marktzinsmethode". Gegenüber den vorliegenden Ansätzen zur theoretischen Begründung solcher entscheidungsorientierter Kalküle wird nicht die Evidenz eines oder mehrerer Engpässe, sondern die Bankabsatz- und Finanzmarkttheorie als Anknüpfungspunkt gewählt. Das Kundengeschäft der Kreditinstitute ist ein insbesonders durch die aus den abweichenden Zugangsmöglichkeiten und Vertriebswege charakterisierter Teil der Gesamtheit der Finanzmärkte. Grundproblem ist die Identifizierung von zu Kundengeschäften vergleichbaren Portefeuilles aus Geld- und Kapitalmarkttiteln. In der Literatur wurden zu deren Bildung verschiedene „Kongruenzkriterien" entwickelt. Die auf ihrer Grundlage gebildeten Vergleichsgeschäfte werden exemplarisch dahingehend untersucht, ob und inwieweit sie in pagatorischer Sicht tatsächlich geeignet sind, die aus dem Abschluß eines Kundengeschäftes resultierenden Erfolge zutreffend wiederzugeben. Es erweist sich insbesondere, daß die Heranziehung eines sogenannten „kapitalstrukturkongruenten" Portefeuilles nicht auch buchhalterisch stets zu einer zutref- OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.26.2.274 | Generated on 2023-01-16 13:03:34
Bankkalkulation als Marktproblem (I) 311 fenden Abbildung der erzielten Erfolge führt. Die als wesentliches Argument für diesen Ansatz angeführte Kompatibilität von Kalkulation sowie Finanz- und Geschäftsbuchhaltung ist nur unter bestimmten Voraussetzungen gewährleistet. Summary Banks' Cost and Revenue Accounting as a Market Problem The first part throws some light on the theoretical foundations of the 'market interest method'. Compared with the attempts hitherto made at theoretically justifying decision-oriented cost and revenue accounting by banks, this contribution does not seek to evidence one or more bottlenecks, but choses the bank selling and the financial market theories as its approach. The credit institutions' customer business is part of the totality of the financial markets; characteristic of it are the divergent modes of access and distribution channels it entails. The basic problem is to identify portfolios, comparable with customer business transactions, which are composed of money and capital market papers. In the technical literature, various "congruence criteria" have been developed for forming such portfolios. The comparable transactions made on the basis of such portfolios are examined by way of example as to whether and, if so, to what extent they are really appropriate, from the point of view of cash-basis accounting, for adequately reflecting the successes that result from transacting customer business. It has turned out in particular that using a portfolio with a congruent capital structure does not of itself result in the successes obtained being adequately represented also in accounting. The compatibility of banks' cost and revenue accounting with financial or general accounting, which has been cited as an important argument in favour of this approach, can only be ensured under certain conditions. Résumé Calcul bancaire comme problème du marché La première partie explique les bases théoriques de la «méthode des taux d'intérêt du marché». Contrairement aux théories existantes qui justifient théoriquement de tels calculs orientés vers la décision, les auteurs ne partent pas de l'évidence d'un ou de plusieurs goulots d'étranglement, mais choisissent comme point de départ la théorie du marché bancaire et celle du marché financier. Les opérations pour clients des établissements bancaires représentent une partie de l'ensemble des marchés financiers, caractérisée particulièrement par les possibilités d'accès et canaux de distribution divergents. Le problème de base est celui d'identifier des portefeuilles de titres monétaires et de fonds provenant du marché des capitaux, comparables aux opérations pour clients. Dans la littérature, on a développé différents «critères de congruence» pour expliquer leur formation. Les opérations comparables formées sur base de ces critères sont analysées à titre d'exemple pour savoir si et à quel point elles sont en réalité adéqua- 21 Kredit und Kapital 2/1993 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.26.2.274 | Generated on 2023-01-16 13:03:34
312 Ralf Breuer und Martin Skaruppe tes, du point de vue de la comptabilité financière, pour rendre correctement les résultats provenant de la conclusion d'une opération pour clients. Il s'avère avant tout que le recours à un portefeuille dit «conforme à la structure des capitaux» ne conduit pas toujours aussi à une représentation comptable correcte des résultats obtenus. La compatibilté de calcul avec la comptabilité financière et commerciale, argument essentiel pour cette théorie, n'est garantie que sous certaines conditions. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.26.2.274 | Generated on 2023-01-16 13:03:34