IMK Inflationsmonitor: Hohe Unterschiede bei haushaltsspezifischen Inflationsraten. Energie- und Nahrungsmittelpreisschocks belasten Haushalte mit geringem Einkommen besonders stark
Abstract
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Full text
Dullien, Sebastian; Tober, Silke Research Report IMK Inflationsmonitor: Hohe Unterschiede bei haushaltsspezifischen Inflationsraten. Energie- und Nahrungsmittelpreisschocks belasten Haushalte mit geringem Einkommen besonders stark IMK Policy Brief, No. 121 Provided in Cooperation with: Macroeconomic Policy Institute (IMK) at the Hans Boeckler Foundation Suggested Citation: Dullien, Sebastian; Tober, Silke (2022) : IMK Inflationsmonitor: Hohe Unterschiede bei haushaltsspezifischen Inflationsraten. Energie- und Nahrungsmittelpreisschocks belasten Haushalte mit geringem Einkommen besonders stark, IMK Policy Brief, No. 121, Hans- Böckler-Stiftung, Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Düsseldorf This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/264318 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. You are not to copy documents for public or commercial purposes, to exhibit the documents publicly, to make them publicly available on the internet, or to distribute or otherwise use the documents in public. If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/
POLICY BRIEF IMK INFLATIONSMONITOR Hohe Unterschiede bei haushaltsspezifischen Inflationsraten: Energie- und Nahrungsmittelpreisschocks belasten Haushalte mit geringem Einkommen besonders stark Sebastian Dullien, Silke Tober IMK Policy Brief Nr. 121 · April 2022
Seite 1 von 11 IMK INFLATIONSMONITOR Hohe Unterschiede bei haushaltsspezifischen Inflationsraten: Energie- und Nahrungsmittelpreisschocks belasten Haushalte mit geringem Einkommen besonders stark Sebastian Dullien, Silke Tober1 Zusammenfassung Der anhaltende Krieg in der Ukraine hat die Energiepreise im März 2022 auf Höchststände getrieben und die bereits durch die Pandemie stark gesteigerten Nahrungsmittelpreise emporschnellen lassen. In Deutschland machen Nahrungsmittel durchschnittlich nur rund 10 % der Konsumausgaben aus und die globalen Agrarrohstoffpreise sind ein relativ geringer Bestandteil der Lebensmittelpreise. Aber auch hier belasten die um 5,9 % verteuerten Nahrungsmittel einschließlich alkoholfreier Getränke die Haushalte mit geringeren Einkommen. Deutlich stärker schlagen allerdings weiterhin die Preise für Energie zu Buche: 4 Prozentpunkte der Inflationsrate in Höhe von 7,3 % im März 2022 sind den Preisen für Haushaltsenergie sowie für Kraft- und Schmierstoffe geschuldet. Die Spanne der aktuellen haushaltsspezifischen Inflationsraten beträgt 1,9 Prozentpunkte. Sie reicht von 6 % für einkommensstarke Alleinlebende bis 7,9 % für einkommensschwache vierköpfige Familien. Noch ausgeprägter ist der Unterschied zwischen der kombinierten Belastung durch die Preise von Nahrungsmitteln, Haushaltsenergie und Kraftstoffen mit 2,6 Prozentpunkten, wobei einkommensschwache Familien einen Inflationsbeitrag von 5,9 Prozentpunkten verzeichnen, verglichen mit 3,3 Prozentpunkten im Falle von einkommensstarken Alleinlebenden. Im März 2022 erreichte die Inflationsrate dem Basisprognoseszenario des IMK zufolge ihren Höhepunkt. Die Zusatzbelastung durch die Preisschübe bei Energie und Nahrungsmitteln betrug im ersten Quartal 2022 271 Euro für eine vierköpfige Familie mit geringem Einkommen und 84 Euro für einkommensarme Alleinlebende. Die beiden von der Regierung auf den Weg gebrachten Entlastungspakete dürften die Zusatzbelastungen relativ sozial ausgewogen zu einem erheblichen Teil abdecken. 1 Prof. Dr. Sebastian Dullien Wissenschaftlicher Direktor [email protected] Dr. Silke Tober Referatsleitung Geldpolitik [email protected]
Seite 2 von 11 Einleitung Der Krieg in der Ukraine hat Hoffnungen auf eine zügige Entspannung und Erholung von den Pandemiefolgen zunichte gemacht. Die globalen Energiepreise kletterten im März 2022 auf historische Höchststände (Abbildung 1) und verteuerten die Energiepreiskomponente des deutschen Verbraucherpreisindex um 39,5 %. Die Inflationsrate erreichte mit 7,3 % den höchsten Stand seit mehr als 40 Jahren, wobei allein 4 Prozentpunkte auf das Konto der Preise für Haushaltsenergie sowie Kraft- und Schmierstoffe gingen. Ohne Energie gerechnet lag die Inflationsrate im März 2022 bei 3,6 % (Abbildung 2). Der Anstieg der von der Welternährungsorganisation ermittelten globalen Nahrungsmittelpreise um 33,6 % gegenüber dem Vorjahresmonat schlug sich bisher nur mit einem Anstieg von 6,2 % in der Nahrungsmittelkomponente des Verbraucherpreisindex nieder,2 was auch daran liegt, dass die Preise von Agrarrohstoffen in entwickelten Volkswirtschaften nur einen geringen Anteil der Lebensmittelpreise neben den Verarbeitungs-, Vertriebs- und Verkaufskosten sowie der Mehrwertsteuer und der Gewinnmarge ausmachen. Dieser Policy Brief geht der Frage nach, wie sich die anhaltend hohen Preisschocks auf unterschiedliche Haushaltsgruppen auswirken, indem haushaltsspezifische Inflationsraten berechnet werden. Aufbauend auf Tober (2022) und Dullien/Tober (2022a,b) stehen dabei neben den Energiepreisen diesmal die Nahrungsmittelpreise im Vordergrund. Untersucht wird erstens die unterschiedliche Belastung verschiedener Haushaltsgruppen und zweitens, inwieweit die von der Regierung auf den Weg gebrachten Entlastungspakete die bisherige Zusatzbelastung durch die deutlich über der Zielinflationsrate liegende Inflation kompensieren. Abbildung 1: Internationale Energie- und Agrarrohstoffpreise Index (2021=100) Quellen: FAO, Macrobond; U.S. Energy Information Administration; Berechnungen des IMK. Abbildung 1 zeigt die Entwicklung der globalen Preise für Rohöl, Erdgas, Weizen und Nahrungsmittel insgesamt. Den höchsten Anstieg gegenüber dem Vormonat und dem Vorjahresmonat verzeichnete im März 2022 Erdgas mit einem Sprung um 79 % bzw. 741 %. Damit lag der 2 Einschließlich alkoholfreier Getränke betrug die Teuerungsrate der Nahrungsmittel im März 2022 5,9 %. 0 50 100 150 200 250 300 2006 2009 2012 2015 2018 2021 Rohöl (Brent, EUR) Nahrungsmittelpreisindex (FAO) Weizen (USD) Erdgas (NCGI, EUR) März 2022
Seite 3 von 11 Erdgaspreis um 319 % über dem Durchschnittswert von 2021. Rohöl (Brent, Euro) verteuerte sich um 24 % gegenüber Februar 2022 und um knapp 94 % seit März 2021 und überstieg im März 2022 den Wert von 2021 um 178 %. Weizen verteuerte sich unter dem Eindruck des Ukrainekriegs um 58 % gegenüber März 2021 und um knapp 20 % allein seit Februar 2022. Während der Preisanstieg bei Rohöl nahezu unmittelbar auf die Preise für Heizöl und Kraftstoffe wirkt, wirkt der Börsenpreis für Gas erst verzögert, weil viele Haushalte längerfristige Verträge mit den Versorgungsunternehmen haben. Auch bei den Nahrungsmittelpreisen dürfte der Preisschub auf den Weltmärkten erst zum Teil auf den Verbraucherpreisindex durchgeschlagen haben. Krieg treibt globale Nahrungsmittelpreise in die Höhe Die Inflationsrate hat im März 2022 mit 7,3 % den höchsten Stand seit mehr als 40 Jahren erreicht. Ausschlaggebend sind weiterhin die Energiepreise, auf deren Konto mehr als die Hälfte des Preisanstiegs gehen. Die Nahrungsmittelpreise zogen so stark an wie zuletzt in der internationalen Finanzkrise 2008 und schlugen sich mit 0,8 Prozentpunkten im Anstieg des Verbraucherpreisindex nieder. Durch den Ukrainekrieg ist die erwartete Beruhigung bei den Preisen bisher ausgeblieben. Zudem verursacht auch die Pandemie weiterhin Lieferschwierigkeiten wie zuletzt durch die quarantänebedingten Verzögerungen im wichtigsten Containerhafens Chinas in Shanghai. Durch die moderate Lohnentwicklung besteht allerdings bisher nicht die Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale und die Inflation dürfte in dem Maße abebben, indem sich der Ukrainekrieg entschärft. Abbildung 2: Inflation und Kerninflation in Deutschland, Januar 1999 - März 2022 Veränderungen der Indizes gegenüber Vorjahresmonat in % Quelle: Statistisches Bundesamt. Unter den Nahrungsmitteln verzeichneten Tomaten und Gurken mit 43,9 % bzw. 39,6 % besonders hohe Preissteigerungen gegenüber März 2021. Hier dürften die stark gestiegenen Energiekosten für die Betreibung von Gewächshäusern eine entscheidende Rolle gespielt haben. Die Verteuerung von Sonnenblumenöl, Rapsöl und ähnlichen Ölen um 30 % steht demgegenüber in direktem Zusammenhang mit dem Ukrainekrieg, da die Ukraine zu den wichtigsten Lieferanten 7,3 2,0 3,6 -1 0 1 2 3 4 5 6 7 8 99 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 Verbraucherpreisindex (VPI) Inflationsziel der EZB VPI ohne Energie
Seite 4 von 11 von Sonnenblumenöl gehört. Das Gleiche gilt für Weizenmehl, das einen Preissprung um 9,2 % verzeichnete. Üblicherweise kann bei Nahrungsmittelpreisen kurzfristig einfacher substituiert werden als bei Haushaltsenergie und zu einem gewissen Grad ist das auch aktuell der Fall, da beispielsweise Reis nur um 1,6 % teurer wurde und Möhren sich um 11,6 % verbilligten. Die kombinierte Wirkung des Energiepreisschubs und des Ausfalls von Lieferungen aus Russland und aus der Ukraine verringert aber die Substitutionsmöglichkeiten erheblich. Energiepreise prägen haushaltsspezifische Inflationsunterschiede Wie bereits in den vergangenen Monaten spielten die Energiepreise im März 2022 eine entscheidende Rolle für die unterschiedliche Inflationsbelastung der neun hier betrachteten repräsentativen Haushaltstypen in unterschiedlichen Nettoeinkommensklassen. Tabelle 1: Ausgewählte Haushaltstypen mit unterschiedlichem Nettoeinkommen Nr. Haushaltstyp Nettoeinkommen 2018 (Euro) Sp alt e1 1 Paar mit 2 Kindern unter 18 Jahren 2.000 - 2.600 2 Paar mit 2 Kindern unter 18 Jahren 3.600 - 5.000 3 Paar mit 2 Kindern unter 18 Jahren ≥ 5.000 4 Paar 3.600 - 5.000 5 Alleinerziehende mit 1 Kind 2.000 - 2.600 6 Alleinlebende < 900 7 Alleinlebende 1.500 - 2.000 8 Alleinlebende 2.000 - 2.600 9 Alleinlebende ≥ 5.000 Quelle: Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 2018. Drei der betrachteten Haushaltsgruppen bestehen aus zwei Erwachsenen und zwei ledigen Kindern unter 18 Jahren, in einem Haushalt lebt eine alleinerziehende Person mittleren Einkommens mit einem Kind, vier sind Ein-Personen-Haushalte und ein Haushalt ist ein Paar-Haushalt ohne Kinder mit mittlerem Einkommen (Tabelle 1). Der Medianhaushalt unter den Paaren mit zwei Kindern fiel im Jahr 2018 in die Gruppe mit einem monatlichen Nettoeinkommen von 3.600- 5.000 Euro. Unter den Alleinlebenden hatte der Medianhaushalt ein Nettoeinkommen von 1.500- 2.000 Euro (Statistisches Bundesamt 2020a).3 Diese beiden mittleren Haushalte werden durch die Haushaltsgruppe 2 bzw. die Haushaltsgruppe 7 abgebildet. Haushaltsgruppe 9 (alleinlebend 3 Berechnet auf Grundlage des Statistischen Bundesamtes (2020a, S. 138 und S. 115). Das jeweilige Durchschnittseinkommen liegt mit 5.604 Euro bzw. 2.142 Euro höher (Statistisches Bundesamt 2020b, S. 124 und S. 100).
Seite 5 von 11 mit einem Nettohaushaltseinkommen von über 5.000 Euro) bildet den oberen Rand der Einkommensverteilung ab, während der untere Rand durch Haushaltsgruppe 6 (alleinlebend mit einem Nettohaushaltseinkommen von unter 900 Euro) und Haushaltsgruppe 1 (Paar, 2 Kinder, Nettohaushaltseinkommen von 2.000-2.600 Euro) abgedeckt ist.4 Abbildung 3 zeigt die Inflationsrate und den Beitrag der einzelnen Ausgabenpositionen zur Inflationsrate für die neun repräsentativen Haushalte im März 2022 und für den Warenkorb, der dem Verbraucherpreisindex zugrunde liegt.5 Abbildung 3: Haushaltsspezifische Inflationsraten und Inflationsbeiträge im März 20221 in % bzw. Prozentpunkten 1 Die Angaben für den Haushaltstyp „Paar mit 2 Kindern“ mit einem Nettoeinkommen von 2.000-2.600 € sind teilweise wegen einer geringen Haushaltszahl mit Angaben sehr unsicher. Eine Darstellung der Methodik findet sich in Tober (2022). Quellen: Statistisches Bundesamt; Berechnungen des IMK. Die höchste Teuerungsrate im März 2022 verzeichneten mit 7,9 % Familien mit geringem Einkommen (2.000-2.600 Euro). Die niedrigste Teuerungsrate hatte wie bereits im Februar 2022 ein Ein-Personen-Haushalt mit einem Nettoeinkommen von mehr als 5.000 Euro (6,0 %). Die 4 Nach Hartz-IV errechnet sich ein Gesamtbedarf für eine alleinstehende Person in Höhe von rund 900 Euro, während ein Paar mit zwei Kindern Anspruch auf finanzielle Hilfe für den Lebensunterhalt in Höhe von rund 2.300 Euro (einschließlich rund 700 Euro Wohngeld und 130 Euro Heizkosten) hat. 5 Diese Untergruppen weichen von den 12 Abteilungen des Verbraucherpreisindex ab, um die besonders einflussreichen Gütergruppen gezielt auszuweisen. Entsprechend wurde die Haushaltsenergie aus der Abteilung 4 (Wohnen) herausgelöst und die Kraft- und Schmierstoffe aus der Abteilung 7 (Verkehr). Mit dem Ziel der Übersichtlichkeit wurden dann Abteilungen 1 und 2 in die Untergruppe Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren zusammengefasst und das Bildungswesen (Abteilung 10) mit einem Gewicht von durchschnittlich 0,9 % am Warenkorb und einer aktuell unauffälligen Preisentwicklung der Abteilung 12 (Andere Waren und Dienstleitungen) zugeschlagen. 7,3 7,9 7,4 6,8 7,2 7,4 6,7 7,0 6,9 6,0 0 1 2 3 4 5 6 7 8 Verbraucherpreisindex Paar, 2 Kinder 2000-2600€ Paar, 2 Kinder 3600-5000€ Paar, 2 Kinder ≥5000€ Paar 3600-5000€ Alleinerziehende, 1 K 2000-2600€ Alleinlebende <900€ Alleinlebende 1500-2000€ Alleinlebende 2000-2600€ Alleinlebende ≥5000€ Mieten, Nebenkosten, Wohnungsinstandhaltung Haushaltsenergie Nahrungsmittel, Getränke, Tabak Nachrichtenübermittlung Kraft- und Schmierstoffe für Fahrzeuge Verkehr ohne Kraft- und Schmierstoffe Bekleidung und Schuhe Freizeit und Kultur Gaststätten- und Übernachtungsdienstleistungen Innenausstattung, Haushaltsgeräte und -gegenstände Gesundheitspflege Andere Dienstleistungen, Bildungswesen
Seite 6 von 11 Inflationsrate für Alleinlebende mit einem Nettoeinkommen von unter 900 Euro betrug 6,9 %. Für Alleinerziehende mit einem Kind lag die Inflationsrate mit 7,4 % etwas über der allgemeinen Verbraucherpreisinflation, während sie bei Familien mit höherem Einkommen deutlich niedriger ausfiel (6,8 %). Insgesamt ist die Spanne der Inflationsraten der hier betrachteten Haushaltsgruppen mit 1,9 Prozentpunkten beträchtlich. Dabei sind einkommensstarke Haushalte weniger stark betroffen, Familien mit Kindern stärker, es sei denn sie haben ein hohes Einkommen. Noch ausgeprägter ist der Unterschied zwischen der zusammengefassten Belastung durch die Preise von Nahrungsmitteln, Haushaltsenergie und Kraftstoffen. Die Differenz bei den haushaltsspezifischen Belastungen durch Nahrungsmittel, Haushaltsenergie und Kraftstoffe betrug im März 2022 2,6 Prozentpunkte, wobei einkommensschwache Familien einen Inflationsbeitrag von 5,9 Prozentpunkten verzeichneten, verglichen mit 3,3 Prozentpunkten im Falle von einkommensstarken Alleinlebenden (Tabelle 2). Ausschlaggebend sind die Preissteigerungen bei Haushaltsenergie, die im Warenkorb der einkommensärmeren Haushalte etwa doppelt so stark ins Gewicht fallen wie bei einkommensstarken Haushalten.6 Im März 2022 lieferte Haushaltsenergie einen Beitrag von 2,3 Prozentpunkten zur Verbraucherpreisinflation (nach 1,4 Prozentpunkten im Februar 2022, 1,2 Prozentpunkten im Januar 2022 und 0,8 Prozentpunkten im Dezember 2021). Wie in Tabelle 2 ersichtlich, schlug sich die um 35,3 % gegenüber März 2021 verteuerte Haushaltsenergie bei einkommensarmen Alleinlebenden mit 3,2 Prozentpunkten in der Inflationsrate nieder, bei einkommensreichen Alleinstehenden mit 1,4 Prozentpunkten (Tabelle 2). Eine überdurchschnittliche Belastung erfuhren auch Familien mit Kindern und niedrigem Einkommen (2,5 Prozentpunkte), während der (in Tabelle 2 nicht aufgeführte) reiche Paarhaushalt mit zwei Kindern eine knapp halb so hohe Inflationsbelastung durch Haushaltsenergie erfuhr (1,3 Prozentpunkte). Kraft- und Schmierstoffe verteuerten sich im März um 47,1 % und lieferten trotz ihres geringen Gewichts am durchschnittlichen Warenkorb (3,5 %) einen Inflationsbeitrag von 1,7 Prozentpunkten. Dabei war der Inflationsbeitrag für Alleinerziehende mit Kind und mittlerem Einkommen am höchsten (2 Prozentpunkte), für einkommensarme Alleinlebende am niedrigsten (0,7 Prozentpunkte). Relativ stark gestiegen sind zudem die Preise für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke (5,9 %), Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen (5,6 %), die Instandhaltung und Reparatur der Wohnung (10,3 %), Fahrzeuge (8,2 %) und Pauschalreisen (11,2 %). Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke trugen 1,1 Prozentpunkte zur haushaltsspezifischen Inflationsrate des einkommensschwachen Paarhaushalts mit Kindern und einen Prozentpunkt zu jener der einkommensschwachen Alleinlebenden bei.7 Demgegenüber lag der Inflationsbeitrag für einkommensstarke Alleinlebende bei nur 0,4 Prozentpunkten, da diese zwar mehr Geld für Nahrungsmittel ausgeben, der Anteil am Warenkorb aber deutlich geringer ist. 6 Der Warenkorb, der dem Verbraucherpreisindex zugrunde liegt, repräsentiert den Durchschnitt aller privaten Haushalte in Deutschland. Die Gewichte einzelner Güter am Warenkorb unterscheiden sich allerdings erheblich zwischen den Haushalten, beispielsweise zwischen einem Ein-Personen-Haushalt und einem Paarhaushalt mit Kindern sowie zwischen Menschen mit mittlerem oder hohem Einkommen und solchen mit geringem Einkommen. Zur Berechnung der Warenkorbanteile für ausgewählte Haushaltsgruppen wurde die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe verwendet, die auch die Grundlage für den Verbraucherpreisindex bildet (Tober 2022). 7 Die Werte in Tabelle 2 sind höher, weil sie neben Nahrungsmitteln und alkoholfreien Getränken auch Alkohol und Tabakwaren beinhalten.
Seite 7 von 11 Tabelle 2: Ausgewählte haushaltsspezifische Inflationsbeiträge Inflationsbeiträge in Prozentpunkten Paar, 2 Kinder 2.000 - 2.600 € Paar, 2 Kinder 3.600–5.000 € Alleinlebende < 900 € Alleinlebende ≥ 5.000 € Nahrungsmittel, Getränke, Tabak 1,2 0,9 1,1 0,5 Miete, Nebenkosten, Instandhaltung 0,5 0,5 0,6 0,6 Haushaltsenergie 2,5 1,8 3,2 1,4 Kraft- und Schmierstoffe 2,2 2,2 0,7 1,5 Verkehr ohne Kraftstoffe 0,5 0,6 0,2 0,4 Freizeit und Kultur 0,3 0,5 0,3 0,7 Übrige Konsumausgaben 0,6 0,8 0,6 1,0 Inflationsrate in % 7,9 7,4 6,7 6,0 Die Inflationsbeiträge summieren sich nur rundungsbedingt nicht zur Inflationsrate. Quellen: Statistisches Bundesamt, Berechnungen des IMK. Die Position Mieten, Nebenkosten und Wohnungsinstandhaltung schlug sich bei allen betrachteten Haushalten mit einem Inflationsbeitrag von 0,5 bis 0,6 Prozentpunkten nieder, allerdings primär wegen des starken Anstiegs der Preise für die Wohnungsinstandhaltung. Letztere fallen stärker bei den einkommensstarken Alleinlebenden ins Gewicht und kompensierten dadurch die Wirkung der schwächer gewichteten Mieten und Nebenkosten, die um 1,7 % teurer wurden. Der Kauf von Fahrzeugen in der Untergruppe Verkehr fiel für Haushalte mit geringem Nettoeinkommen sowie Alleinlebende mit Kind gar nicht ins Gewicht. Für einkommensstarke Alleinlebende war der Inflationsbeitrag gering, während Paare mit Kindern und hohem Einkommen sowie der Paar-Haushalt mit mittlerem Einkommen überdurchschnittlich belastet wurden (0,5 Prozentpunkte). Der Anstieg der Preise von Pauschalreisen um 11,2 % in der Ausgabenkategorie Freizeit und Kultur fiel bei dem Paarhaushalt ohne Kinder mit 0,4 Prozentpunkten am stärksten ins Gewicht, bei einkommensstarken Alleinlebenden mit 0,3 Prozentpunkten. Für die beiden einkommensschwachen Haushaltsgruppen – mit Kindern und alleinlebend – wirkte sich der Preisanstieg so gut wie gar nicht aus, da Pauschalreisen im Warenkorb dieser Haushalte kaum enthalten sind. Inflationsdämpfend wirkten von den hier betrachteten 30 Ausgabenkategorien lediglich die Preise für Nachrichtenübermittlung sowie für Dienstleistungen sozialer Einrichtungen, die um 0,1 % bzw. 2,6 % gesunken sind. Ein deutlicher Unterschied besteht bei der haushaltsspezifischen Inflationsrate zwischen Haushalten, die eine Gasheizung haben und jene mit Ölheizung, wobei letztere eine um 2 Prozentpunkte höhere Teuerungsrate haben. Zur Berechnung wird angenommen, dass Haushalte 46 % der Haushaltsenergieausgaben für Strom (Destatis 2021) und die übrigen 54 % entweder für