Das Quartier - fit fürs Alter
Abstract
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Full text
Krefting, Gabriele Book Part Das Quartier - fit fürs Alter Provided in Cooperation with: ARL – Akademie für Raumentwicklung in der Leibniz-Gemeinschaft Suggested Citation: Krefting, Gabriele (2018) : Das Quartier - fit fürs Alter, In: Baumgart, Sabine Köckler, Heike Ritzinger, Anne Rüdiger, Andrea (Ed.): Planung für gesundheitsfördernde Städte, ISBN 978-3-88838-085-3, Verlag der ARL - Akademie für Raumforschung und Landesplanung, Hannover, pp. 366-368 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/180815 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. You are not to copy documents for public or commercial purposes, to exhibit the documents publicly, to make them publicly available on the internet, or to distribute or otherwise use the documents in public. If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. http://creativecommons.org/licenses/by-nd/3.0/de/
366 08 _ PLANUNG FÜR GESUNDHEITSFÖRDERNDE STÄDTE Gabriele Krefting DAS QUARTIER – FIT FÜRS ALTER Im südlichen Teil des Ruhrgebiets liegt Hattingen – mit ca. 55.000 Einwohnerinnen und Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Ennepe-Ruhr-Kreises (NRW). Das rund 7.140 ha große Stadtgebiet besteht aus elf Stadtteilen, wobei die zentrumsnahen die höchste Bedeutung als Wohnstandort aufweisen. So wie die Einwohnerzahl unter den einzelnen Stadtteilen teils stark differiert, ergeben sich ebenfalls deutliche Unterschiede in der Altersstruktur – die Zahl der Kinder und Jugendlichen ist stark rückläufig, der Anteil der Älteren nimmt hingegen zu und liegt sogar über dem Durchschnitt des Landes NRW. In Anlehnung an diese demografische Entwicklung wird das vom Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter (MGEPA) geförderte Projekt „Entwicklung altengerechter Quartiere.NRW“ (MGEPA 2013) unter Trägerschaft der Stadt Hattingen (Angliederung an den FB Soziales und Wohnen/Seniorenbüro) und der Hattinger Wohnungsbaugenossenschaft (hwg eG) im Rauendahl (ca. 3.000 Einwohner), einem der beiden Quartiere des Stadtteils Winz-Baak (ca. 8.000 Einwohner), seit 2015 durch den Einsatz einer Quartiersentwicklerin realisiert. Die Erkenntnisse des fast zweijährigen Projekts werden in einem Handlungskonzept mit „Leuchtturmfunktion“ für weitere Hattinger Quartiere, die hinsichtlich ihrer Strukturprägung der des Rauendahls vergleichbar sind, erfasst. Das Quartier Rauendahl liegt abseits des Hattinger Kernstadtgebietes. Alter Baumbestand und zahlreiche Grünflächen in unmittelbarer Nähe der Ruhr schmücken dieses ruhige, überwiegend homogen mit meist drei- bis viergeschossigen Mehrfamilienhäusern bebaute Quartier. Der in den sechziger Jahren entstandene Stadtteil ist allerdings mit seinen Bewohnerinnen und Bewohnern „in die Jahre gekommen“ – so bemerkt man tagsüber überwiegend ältere Menschen, oftmals auch mit Migrationshintergrund, die die wenigen Geschäfte des Quartiers aufsuchen und sich später im topographisch anspruchsvollen Gelände mit ihren Einkäufen abmühen. Soziale Kontakte werden häufig nur während dieser täglichen Erledigungen gepflegt, da es im Quartier an Treff- und Austauschpunkten mangelt. Dieser kurze Einblick in das Quartiersleben verdeutlicht einige der vorrangigen Ziele des Projekts „Entwicklung altengerechter Quartiere.NRW“, welche einerseits anhand einer umfassenden Sozialraumanalyse, andererseits durch eine Befragung der Bürgerinnen und Bürger als Expertinnen und Experten für ihre Wünsche und Bedürfnisse ermittelt werden konnten. So steht die Schaffung eines Wohnumfeldes, in welchem auch Menschen mit Beeinträchtigungen möglichst lange selbstständig die eigene Versorgung sicherstellen und sich am sozialen Leben beteiligen können, im Fokus der Quartiersentwicklung – eng verknüpft mit der Frage der Umsetzung einer erfolgversprechenden Gesundheitsförderung in physischer wie auch psychischer Hinsicht.
367DAS QUARTIER – FIT FÜRS ALTER Abb. 1: Ruheinsel an der Rauendahlstraße / Quelle: Gabriele Krefting (2016) Über die Verwirklichung dieses Vorhabens wird seit Anfang 2016 beraten. Zahlreiche Aktive des Quartiers haben sich, unterstützt durch die Quartiersentwicklerin, zusammengefunden und den Bürgerkreis WIR (Wir Im Rauendahl) gegründet. In wöchentlichen Treffen der in der Regel 13 bis 15 im Rauendahl lebenden Seniorinnen und Senioren werden Ideen gesammelt und Aktionen geplant – so vorrangig zunächst das Projekt „Ruheinseln im Quartier“. Im Rahmen dessen wurden bereits verschiedene Rundgänge organisiert, um es den Aktiven zu ermöglichen, ihr Quartier mit dem Bewusstsein für die Bedürfnisse von Menschen mit Beeinträchtigungen neu zu erleben und zu begutachten. Deutlich wurde, dass sich viele Wege für ältere Menschen häufig als zu lang und zu bergig steil erweisen, um zumindest die alltägliche Versorgung ohne größere Belastung sicherzustellen. Abhilfe sollen hier in Zukunft kleine Ruheinseln schaffen – seniorengerechte Bänke, die zum einen eine kurze Rast ermöglichen, um Kraft für den verbleibenden Weg zu schöpfen, zum anderen aber auch die Möglichkeit zum Austausch bieten. So fördert diese Aktion nicht nur die Selbstständigkeit der älteren Menschen im Quartier, sondern unterstützt durch die an exponierten Stellen aufgestellten Bänke die tägliche Bewegung, indem sie der unterschwellig vorhandenen Sorge entgegenwirkt, den Strapazen des Weges nicht gewachsen zu sein, was u. U. dazu führt, dass die Wohnung erst gar nicht verlassen wird. Neben der Förderung der Mobilität steht aber auch maßgeblich die psychische Gesundheit im Fokus. Der soziale Austausch, ein kurzes Gespräch auf einer der Ruheinseln, unterstützt besonders ältere Menschen, die häufig erlebte Einsamkeit ein wenig zu überwinden. Ziel ist es, die informellen Gespräche durch Regelmäßigkeit zu verstetigen und so kleine soziale Netzwerke entstehen zu lassen – Nachbarschaftshilfen, Einkaufsunterstützung oder andere gemeinschaftliche Treffen.
368 08 _ PLANUNG FÜR GESUNDHEITSFÖRDERNDE STÄDTE Autorin Gabriele Krefting (*1964), Gerontopsychologin, seit 2015 Quartiersentwicklerin in Hattingen im Projekt „Entwicklung altengerechter Quartiere.NRW“, seit 2009 Psychologische Fachberaterin der Alzheimer Gesellschaft Hattingen und Sprockhövel e. V. Literatur MGEPA NRW – Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen (2013): Masterplan altengerechte Quartiere.NRW. Strategie- und Handlungskonzept zum selbstbestimmten Leben im Alter. Düsseldorf.