Editorial: Einführung in das Schwerpunktheft ,Wirtschaftswissenschaft(en) – Quo vadis?'
Abstract
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Full text
Heise, Arne Article Editorial: Einführung in das Schwerpunktheft ,Wirtschaftswissenschaft(en) – Quo vadis?' Schmollers Jahrbuch – Journal of Applied Social Science Studies. Zeitschrift für Wirtschaftsund Sozialwissenschaften Provided in Cooperation with: Duncker & Humblot, Berlin Suggested Citation: Heise, Arne (2015) : Editorial: Einführung in das Schwerpunktheft ,Wirtschaftswissenschaft(en) – Quo vadis?', Schmollers Jahrbuch – Journal of Applied Social Science Studies. Zeitschrift für Wirtschaftsund Sozialwissenschaften, ISSN 1865-5742, Duncker & Humblot, Berlin, Vol. 135, Iss. 2, pp. 109-110, https://doi.org/10.3790/schm.135.2.109 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/292464 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. You are not to copy documents for public or commercial purposes, to exhibit the documents publicly, to make them publicly available on the internet, or to distribute or otherwise use the documents in public. If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/
Editorial Einführung in das Schwerpunktheft ‚Wirtschaftswissenschaft(en) –Quo vadis?‘ In seiner Präsidalansprache an die Association of Evolutionary Economics sprach James Kenneth Galbraith 2013 von der ‚Dritten Krise der Ökonomik‘ und nahm dabei Bezug auf den Titel der Ely Lecture ‚Second Crisis in Economic Theory‘, die Joan Robinson auf der 1971er Tagung der American Economic Association hielt. Der Hintergrund für Galbraiths Krisendiagnose ist natürlich die vorgebliche Unfähigkeit der Wirtschaftswissenschaft, die jüngste Weltfinanzkrise in ihrer Entstehung vorhergesehen zu haben, ihren Ablauf erklären und wirksame Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung vorlegen zu können. Besonders unangehm an dieser Kritik ist, dass sie vor allem dem ökonomischen Mainstream –dem Dynamisch-Stochatischen Gleichgewichtsmodell –gilt, das sich in der akademischen Ausbildung an (fast) allen Universitäten, aber auch in der wirtschaftspolitischen Beratung und der ökonomischen Anwendung, z. B. im Bereich der Versicherungsund Finanzmärkte, so weit durchgesetzt hatte, dass noch kürzlich von einem ‚New Consenus‘gesprochen (z. B. Michael Goodfriend 2007) und die endgültige Beherrschung ökonomischer Instabilitäten gefeiert wurde (so etwa von Robert Lucas 2003: 1). Der Ruf nach einem ‚New Economic Thinking‘wird nun aber nicht nur von heterodoxen Ökonomen lauter, die sich mit Hyman P. Minsky auf einen anerkannten Instabilitätstheoretiker berufen können und mit John Maynard Keynes den Vordenker für die Notwendigkeit staatlicher Marktinterventionen aufgrund von Instabilitäten und Ineffizienzen der Märkte in Ehren halten, sondern auch von prominenten Vertretern des Ökonomie-Mainstreams wie etwa den Nobelpreisträgern Joseph Stiglitz (2011) und Paul Krugman (2009) oder auch dem Wirtschaftshistoriker Bradford DeLong (2015) wird ein „Neues Denken“eingefordert. Die Kritik betrifft einerseits die starke Konzentration der Forschung auf allokative Optimierungsfragen und die Verdrängung von Verteilungsund Stabilisierungsproblemen, andererseits die methodologische Verengung der Ökonomik als Sozialwissenschaft auf formal-deduktiven Modellbau und einen quantitativen Empirismus zulasten abduktiver, qualitativer und narrativer Methoden und Ansätze. Es geht in dem vorliegenden Schwerpunktheft nicht in erster Linie darum, erneut den ökonomischen Mainstream, ob seiner Unzulänglichkeiten, an den Schmollers Jahrbuch 135 (2015), 109 –110 Duncker & Humblot, Berlin Schmollers Jahrbuch 135 (2015) 2 OPEN ACCESS | Licensed under | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.135.2.109 | Generated on 2023-01-16 13:37:27
Pranger zu stellen, sondern vielmehr soll nach den Entwicklungsbedingungen und -kontexten der Wirtschaftswissenschaft –also den Diskursen, Dispositiven und Dispositionen im akademischen Feld der Ökonomik –gefragt und nach den Ursachen dafür gesucht werden, weshalb die regelmäßig wiederkehrende Erkenntnis dieser Unzulänglichkeiten (‚erste, zweite, dritte Krise der Ökonomik‘) ebenso wie der bereits vor geraumer Zeit ertönte Ruf einflussreicher Ökonomen nach einer (Re-)Pluralisierung der Wirtschaftswissenschaft(en) (vgl. Abramowitz al. 1992) bislang so wirkungslos blieben und welche Schlussfolgerungen für die Weiterentwicklung der Volkswirschaftslehre daraus zu ziehen sind. In der Vorbereitung des Schwerpunktheftes wurden Wissenschaftler um einen Beitrag gebeten, die sich bereits in der Vergangenheit in der Befassung mit der Fragestellung des Schwerpunktheftes hervorgetan hatten bzw. deren Arbeitsschwerpunkte einen konstruktiven Beitrag erwarten ließen. Wichtig war es, in der Zusammenstellung der Beiträge zu gewährleisten, dass verschiedene methodische und disziplinäre Zugänge –dogmenund wissenschaftshistorische, wissenschaftstheoretische und -soziologische –wie auch unterschiedliche Darstellungsformen –wissenschaftliche Formate und essayistische Pointierung –Berücksichtigung finden und dem Leser möglichst viele –teilweise auch recht provokante –Denkanstöße liefern. Wir hoffen, dass dieses Unterfangen gelungen ist. Zur Qualitätssicherung haben alle Beiträge einen Refereeprozess durchlaufen –an dieser Stelle sei den Gutachten für ihre schnelle und unprätentiöse Arbeit herzlich gedankt. Arne Heise, Hamburg im Juni 2015 Literatur Abramovitz, M. et al. (1992): Plea for a Pluralist and Rigorous Economics, American Economic Review 82 (2), XXXV. DeLong, B. J. (2015): New Economic Thinking, Hicks-Hansen-Wicksell Macro, and Blocking the Back Propagation Induction-Unraveling from the Long Run Omega Point: The Honest Broker for the Week of May 31, 2015 (download 23. 6.15): http:// delong.typepad.com/delong_long_form/2015/06/new-economic-thinking-hicks-hansenwicksell-macro-and-blocking-the-back-propagation-induction-unraveling-from-the-longrun.html. Krugman, P. (2009): How Did Economists Get It So Wrong? The New York Times v. 6. Sep. 2009. Lucas, R. E. Jr. (2003): Macroeconomic Priorities, American Economic Review 93 (1), 1–14. Stiglitz, J. E. (2011): Rethinking Macroeconomics: What Failed and How to Repair It, Journal of the European Economic Association 9 (4), 591–645. 110 Editorial Schmollers Jahrbuch 135 (2015) 2 OPEN ACCESS | Licensed under | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.135.2.109 | Generated on 2023-01-16 13:37:27