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Die Säugethiere in zoologischer, anatomischer und palæontologischer Beziehung

Giebel, Christian Gottfried

Abstract

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Full text

This is a r epr oduction of a libr ary book that was digitiz ed by Google as part o f an ongoing eff ort to pr eserv e the inf ormation in book s and mak e it univ ersally accessible. https: / /books .google. com Über dieses Buch Dies ist ein digitales Exemplar eines Buches, das seit Generationen in den Reg alen der Bibliotheken aufbe w ahrt wurde, be v or es v on Google im Rahmen eines Projekts, mit dem die Bücher dieser W elt online verfügbar gemacht werden sollen, sor gfältig gescannt wurde. Das Buch hat das Urheberrecht überdauert und kann nun öf fentlich zugänglich gemacht werden. Ein öf fentlich zugängliches Buch ist ein Buch, das niemals Urheberrechten unterlag oder bei dem die Schutzfrist des Urheberrechts abgelaufen ist. Ob ein Buch öf fentlich zugänglich ist, kann v on Land zu Land unterschiedlich sein. 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Unsere neuesten Hand- und Lehrbücher für den Unterricht in der Zoologie verfehlen diese Auf gabe, indem sie einseitig nur die äusseren Formen oder ebenso ein seitig den physiologischen und vergleichend anatomischen Theil dar stellen, die zeitliche Entwickelung des Organismus aber, die ich in der zweiten Auflage meiner Paläozoologie (Allgemeine Paläontologie. Leipzig i8^2) bis auf die Gattungen und Arten hinab erörtert habe, gänzlich vernachlässigen. Sie erheben sich damit nicht über die ersten Elemente der Wissenschaft und es kann nicht wundern, wenn immer noch der Unterricht in der Zoologie wie in der Naturwissen schaft überhaupt bei Schulmännern und Pädagogen in Miscredit steht, wenn man denselben für ein wenig erspriessliches, ja hie und da sogar für ein zweifelhaftes und selbst gefährliches Bildungemittel hält Eine bis höchstens drei wöchentliche Unterrichtsstunden, aller meist von nicht einmal gründlich unterrichteten Lehrern gehalten, von den dürftigsten Hülfsmitteln unterstützt, können selbstverständ lich nicht solche Resultate erzielen als ein achtjähriger wöchentlich acht- bis zehnstündiger Unterricht im Griechischen und Lateinischen oder in der Mathematik und solcher begreiflicher Weise schlechten Resultate wegen werden die Naturwissenschaften nun als ein höchst VI Vorrede. untergeordnetes Bildungsmittel gehalfen. Was zieht denn der ab gehende Quartaner von seiner Kenntniss der griechischen und latei nischen Sprache für Vortheile ? Tüchtige Lehrer, ausreichende Hülfs- mittel und Zeit werden gewiss auch den naturwissenschaftliche!] Unterricht mit dem schönsten Erfolg krönen. Die grosse Zahl der alljährlich erscheinenden Leitfaden und Handbücher der Zoologie hielt mich ab dieselben noch zu vermeh ren und brachte die Berücksichtigung eines schon frühzeitig von mir erkannten Bedürfnisses zum festen Entschluss. Die zoologischen Untersuchungen — die Systematik, die Anatomie, die Physiologie und die vorweltlichen Thiere betreffend — sind in den letzten zwanzig Jahren so ungeheuer gefördert und dabei in der Literatur so weit zerstreut worden, dass selbst der Zoologe von Fach nicht mehr in allen Theilen gleichmassig folgen kann. Ein Zusammenfassen dieses ungeheuren Materiales nach dem oben bezeichneten gegenwärtigen Stande der Wissenschaft in der Weise, dass es dem Zoologen als unentbehrliches Handbuch und Repertorium bei seinen Forschungen dient, den Lehrer auf die Höhe der Wissenschaft erhebt und die ihm sonst unzugänglichen Quellen eröffnet, eine solche Bearbeitung der Zoologie ist ein tiefgefühltes Bedürfhiss. Die vorliegende Dar stellung der Säugethiere bildet den Anfang dazu. Ich habe es versucht eine möglichst vollständige Characteristik aller Abtheilungen des Systems bis auf die Arten hinab zu geben. Den dazu nöthigen literarischen Apparat herbeizuschaffen, scheuete ich kein Opfer, und es blieben mir nur wenige der kostbarem Reise werke unzugänglich. Frühere gelegentliche Auszüge und die be kannten Sammelwerke mussten sie mir ersetzen. Citirt habe ich nur die Quellen, alle Sammelwerke, Verzeichnisse etc. aber unbeachtet gelassen, weil sie nicht mehr, meist aber weniger als meine Arbeit bieten und für das massenhafte Aufhäufen von völlig werthlosen Citaten hier kein Raum war. Eben wegen mangelnden Raumes nnterliess ich es auch jeder Gattung und Art eine Geschichte von ihrer Kenntniss beizufügen und lange Verzeichnisse von Messungen aufzunehmen. ' Letztere gehören zur Beschreibung von Exemplaren, mit der man Quartanten zu füllen pflegt, in der Characteristik der Art genügt vollkommen das allgemeine Grössenverhältniss. Vorrede. ' VU Hinsichtlich der Nomenclátor bin ich überzeugt, dass nur die strengste Consequenz in der Durchführung der anerkannten Regeln ia grenzenlos verworrenen Synonymie Schranken setzen kann und Вт. k. Wagner wird es mir wohl nicht übel deuten, dass ich der von ihm beliebten Willkür und Inconsequent nicht beitrete, in welcher er alle von Fr. Cuvier eingeführten barbarischen Namen durch neue ersetzt, die Barbarismen aller anderen Autoren aber ohne Bedenken beibehält, in der er einen aethiopicus verwirft, weil mög licher Weise noch eine zweite Art in Aethiopien entdeckt werden könnte, während er doch sonst den americanus, africanus etc. neben anderen amerikanischen, afrikanischen etc. Arten beibehält. Wo ich dieselbe Benennung fur zwei Arten einer Gattung vorfand, habeich nicht immer sofort die eine Art neu getauft; Bedenken gegen die Selbständigkeit, gegen die Nothwendigkeit eines neuen Namens hielten mich ab. Die ungeheure Menge flüchtig beschriebener, nur nach der Farbe und einigen anderen Eigentümlichkeiten sehr zweifel haften Werthes characterisirten Arten gehörigen Orts unterzuordnen ist eine schwierige ohne die unausführbare Vergleichung der Ori ginal-Exemplare unlösbare Aufgabe. Bei Weitem die Mehrzahl solcher Arten ist ohne allen wissenschaftlichen Werth. Differiren sie wirklich in wesentlichen Characteren, warum werden dann die Differenzen nicht bestimmt angegeben? Ein bräunlicher oder schwärz licher Farbenton, etwas kürzeres oder längeres, dichteres oder dünneres Haarkleid, etwas kürzerer oder längerer Schwanz etc. be dingen wahrlich keine specifische Differenz. Nicht selten beruhen solche Artdifferenzen in der blossen Präparation des Balges. Muss denn aber jeder einzelne Balg durch einen systematischen Namen verherrlicht werden! Er ist doch nur ein Theil und zwar der ober flächlichste des Organismus; wenn er nicht entschieden auf Diffe renzen in der inneren Organisation deutet, ist er für die Systematik werthlos. Für Diejenigen, welche den Werth naturhistorischer Schriften dot nach dem Titel und den schönen Bildern beurtheilen und dater die vorliegende Arbeit für eine gemeine Compilation halten, diene die Bemerkung, dass mir die hiesigen Sammlungen bei der Bearbeitung zur Disposition standen. Um den Reichthum derselben VUI Vorrede. wenigstens nach einer Richtung hin näher zu bezeichnen, erwähne ich nur die weit über 500 vollständigen Skelete der Meckelschen und zoologischen Sammlung, darunter die seltensten und schönsten. Ihre sorgfältige Untersuchung setzte mich in den Stand, die Familien, zahlreiche Gattungen und Arten ausfuhrlicher und schär fer zu characterisiren als es in ähnlichen monographischen Bear beitungen der Säugethiere bisher geschehen. Mancher Irrthum und mancher Zweifel ist durch die Benutzung dieses schönen Mate riales beseitigt, zugleich eine Fülle von osteologischen Details ge boten, welche für die von zoologischen unzertrennlichen paläontolo gischen Untersuchungen auch nicht ganz ohne Werth sein möchte. Gern hätte ich ausser den hiesigen Sammlungen auch die leicht er reichbaren und zugänglichen Museen der nachbarlichen Universitäten zu Rathe gezogen und die hier unlösbaren Fragen dort zu beseitigen, die Lücken auszufüllen gesucht, aber leider gestattet mir die täg liche Sorge um die physische Existenz keine derartigen Unter suchungereisen, wie sie denn auch die Befriedigung der literarischen Bedürfnisse in empfindlicher Weise beeinträchtigt. Mein Eifer und meine Liebe zur Arbeit vermochten nicht diese Schranken zu durch brechen, mag daher die Kritik Nachsicht üben. Halle, im Juli 1855. C. Giebel. Inhalt. Allgemeine Characteristik Seile 1-68 Stassencharacter 1 — Das Skelei 2 — Das Zahnsystem 19 — Das Muskelsystem 25 — Das Nervensystem 30 — Die Sinnesorgane 31 — Das Gelasssystem 36 — Das Respirations- und Stimmorgan 38 — Das Verdauungsorgan 39 — Die Harn organe 43 — Die Geschlechtsorgane 43 — Die äussere Körperuedeckung 46 — Aufenthall, Nahrung. Lebensweise 48 — Fortpllanzung und Entwickelung 51 — Geologische Geschichte 60 — Einteilung 62. Seile 68 A. PINNATA. Flossensäugethiere. I. CETACEA. Characteristik . . . Cete 75 1. Fam. Balaenodea .... 76 Baiaena 79 — bal au nop ter a 81. 2. Farn. Delphinodea .... 86 PhyseterS8 — Phocaena 91 — Delphi- nns 98 — Inia 107 — Platanista 107 — Hvperoodon 108 — Berardius 110 — Sphius 110 — Oelphinapterus 112. 3. Fam. Monodonta .... 112 Monodon HZ Sírvala 114 В. UNGOLATA. III. HULTUNGULA. Cfcaracteristík . . . . .153 1. Farn. Proboscidea .... 155 Qepbas 157 — Mastodon 170. 2. Farn. Germina 176 Tapiras 179 — Palaeotherium 184 — АкОДелит 188 — Lophtodoe 188 — 4. Farn. Sir enta Щ Rhyline 115 — Halicore 117 — Maoa- tus 118 — Halilheriura 120 — Dino- therium 122. II. PINNIPED1A. Characteristik 124 5. Fam. Trichechoidea . . . 127 Trichecbus 127. 6. Fam. Phocina 129 Halicuoerus 132 — Phoca 133 — Lepto- nyx 138 — Cyslophora 140 — otaria 143. 7. Fam. Zeuglodontidae . . . 148 Zeuglodon 148 — Squalodon 150. Hufsäugethiere 150. Anthracolherium 190 — Rhinoceros 191 — Elasmotherium 209 — Hyrax 210 — Hippopotamus 214 — Mcryco- p ota m и s 220. 3. Fam. Suma 221 Sus 224 — Porcus 231 — Dicotyles 232 — Pbacochoerus 235 — Palaeo- choerus 237 — En telodon 238 — Choero X Inhalt. Seite potamus 238 — Ilyopotamus 239 — Hip- poliytis 240 — Hyracotherium 240 — Hyotherium 240 — Adapir 241. 4. Farn. Toxodontidae ... 241 Toxodon 241 — Nesodon 243. 5. Farn. Anoplotheridae . . 243 Hoplotheriuui 243 — Chalicotherium 245 — Dichodon245 — Anoplothcrium 245 — Xiphodon 247 — Dichobune 247. IV. BISULCA. Characteristik 248 6. Farn. Cavicornia . . . 254 Bos 255 — Ovis 274 — Capra 283 — Antilope 292. C. ÜNGÜICULATA. VI. EDENTATA. Characteristik 389 1. Fam. Monotremata . . . 390 Ornithorhynchus 392 — Echidna 397. 2. Fam. Vermilinguia . . . 399 Manis 401 — Myrmecophaga 407. 3. Fam. Fodientia . . . . 412 Orycleropus 413 — Glossotherinm416 — Chlamydophorus 416 — Dasypus 417 — Euryodon, Heterodon, Glyplodon 426 — Chlamydotherium 427. 4. Fam. Gravigrada . . . 427 Megatherium 428 — Megalonyx 429 — Mylodon 430 — Scelidotherium 431. 5. Fam. Tardigrada ... 431 Bradypus 433 — Choloepus 437. VII. GLIBES. Characteristik ...... 438 6. Fam. Leporina .... 442 Lepus 443 — Lagomys 453 — Titano- mys 456. 7- Fam. Cavini 457 Cavia 458 — Kerodon 461 — Dolicho- tis 464 — Hydrochoerus 464 — Coelo- genys 466 — Dasyprocta 467. Sefli 7. Fam. Cervina ... 324 Moschus 326 — Cervus 331 — Dorca- therium 360. 8. Fam. Camelopardalidae 36C Camelopardalis 361 — Sivatherfum 363 9. Fam. Tylopoda .... 36^! Auchenia 365 — Camelus 369. V. SOLIDUNGULA. 10. Fam. Equina .... 372 Hipparion 375 — Hippolherium 375 — Equus 376. Nagelsaugethiere 388. 8. Fam. Hystrices .... 471 Cbaetomys 472 — Cercolabes 473 — brethizon 477 — Hystrix 478 — Albe^ iura 483 — Theridomys 484 — Ano- malurus 485. 9. Fam. Muriformes . . . 48C Myopotaraus 487 — Capromys 489 — Plagiodontia 491 — Echinomys 491 — Mesomys 494 — Habrocoma 496 — Dactylomys 497 — Cercomys 499 -- Carterodon 499 — Aulacodus 500 — Loncheres 501 — Ctenorays 505 — Petromys 508 — Oclodon 508 — Cleno- daclylus510 — Schizodon 51 1 — Spala- copus 512. 10. Fam. Chinchillidae . . 512 Lagostomus 513 — Lagidium 514 — Chinchilla 515 — Archaeomys 517. 11. Fam. Spaladni .... 517 Bhizomys 518 — Heterocephalus 520 — Spalax521 — Siphneus 522 — Bath y - ergus 523 — Georychus 524 — Helio- phobius 525 — Haplodon 526 — Ello- bius 527. 12. Fam. Sciurospalaeim . . 526 Geomys 529. Inhalt. 13. Fa 531 Astomys 532 — Smintlms 535 — Reith го don 536 — Sigmodon 53V — Neotoma 538 — Hespcromys 539 — Mus 552 — Steatomys 568 — Pseudomys 569 — Demiromys 569 — Anodon 570 — Drymomys 571 — Saccomys 571 — Pero- gnathus 571 — Saccostomus 5T2 — Crice iomys 573 — Cricetus 574 — Hydromys 578 — Phloeomys 579 — Hapalotis 579 14. Farn. Merionides ... 580 Menorías 581 — Myslromys 587 — Oto mys 588. 15. Fam. Dtpodidae . . . 590 Dipus 591 — Alaclaga 595 — Jaculus 598 — Macrocolus 599 Dipodomys 600 — Pedetes 60O. 16. Fam. ArvicoHni .... 602 Mi od es 602 — Arvícola 605 — Fiber 616 17. Fam. Castorini .... 617 Castor 617. 18. Fam. Myoacini - - . 621 Glis 622 — Muscardinus 623 — Elio- mys 624 — Graphiurus 625. 19. Fam. Scivrini . ... 626 Arclomys 627 — Plesiarclomys 630 — Spermophüus 631 — Tamias 638 — Pleromys 640 — Sciurus 644. 20. Fam. Ckiromyini . ■ ■ 663 Chiromys 663. VIO. MARSUPIALIA. Glbaracleristik 21. Fam. Rhizophagti • ■ Pbascolomys 669. 22. Fam. Po ej? haga. . . ■ Macropus 671 — Dendrolagus 685 — Hypsiprymnus 685 — Diprotodoii 690 — Nolotherium 691. 23. Fam. Carpophaga ... 691 Phascolarctos 692 — Phalangista 694 - 70O- 664 668 670 24. Fam. Entomophaga . . 703 Tarsipes 704 — Cheironectes 705 — Didelphis 706 — Perameles 719 — Choeropus 723. 25. Fam. Creatophaga . . . 723 Myrmecobius 724 — Thylacolherium 735 — Phascolotherium 726— Phasco- iogale 726 — Dasyurus 729 — Thyla- cinus 733. ¡X. FERAE. Characteristtk 734 a. 0 m ni V o rae 735 26. Fam. Ursinae .... 736 Ursus 737— Procyon745 — Nasua 749— Cercoleptes 751 — Ar. litis 753 — Ail u • rus 754. 27. Fam. Arctocyoninae . . 755 Agriotberium 755 — Palaeocyon 757 — AmphicyoD 757. b. Carnivorae 758 28. Fam. Mustelinae ... 758 Meies 759 — Mydaus 762 — Mephitis 763 — Helictis 767 — Ratelus 768 — Galictis 769 — Rhabdogale 771 — Mustela 772 — Iclicyon 785 — Culo 785 — Lutra 786 — Ptemra 792 — Enbydris 793. 29. Fam. Viverrinae . . . 794 Cynogale 796 — Paradoxurus 797 — Cryptoprocta 802 — Bassaris 802 — Viverra 803 — Galidictis 809 — Her- pestes 809 — Rhyzaena 819 — Cros- sarcbus 820 — Galidiu 820. 30. Faro. Caninae .... 821 Otocyon 823 — Cynodon 823 — Canis 825 — Protocyon 851 — Speothos 851 — Hyaenodon 852. 31. Fam. Hyaeninae ■ . ■ 653 Hyaena 855 — Proteles 859 32. Fam. Felinae .... 859 Pseudaelurus 862 — Machairodns 862— Cynailurue 863 — Felis 865. хп Inhalt. Seite Insectivorae 886 33. Farn. Talpinae .... 887 Chrysochloris 887 — Condylura 890 — Talpa89i — Dimylus. Geotrypus. Hypo- ryssus 894 — Palaeospalax. Scalops 895 — Spalacotherium. Urotrichus 896. 34. Farn. Soriänae .... 897 Sorex 897 — Solenodon 906 — Myo- gale 906 — Macroscelides 908 — Rhyn- chocyon 911 — Cladobates 913 — Ptilo- cercus. Hylomys. Gymnura915 — Euple- res 916. 35- Farn. Aculeatae . . . 916 Cenleles 917 — Ericulus. Echinogale 918 — Erinaceus 919. X. CHIROPTEKA. Characteristik 923 36. Fam. Gymnorhina ... 926 Furia. Nycticejus 926 - Vespertilio 930 — Thyroptera 952 — Dysopes 953 — Diclidurus 958 — Emballonura 959 — Noctilio 961 — Taphozous 962 — Chilonycteris 965 — Morra ops 966. 37. Fam. Istiophora ... 967 Stenoderma 967 — Brachyphylla 968 — Rhinopoma 968 — Glossopbaga 969 — Phyllostoma 971 — Nycteris 977 — Nyctophilia 978 — Megaderraa 979 — Rfainolophus 990 — Phyllorhina 985 — Desmodus 989 — Diphylla 991. Ми 38. Fon». Frugívora ... 991 Hypoderma 992 — Harpy ia 992— Macro- glossus 993 — Pteropus 993. 39. Fam. Dermoptera . . . 1003 Galeopilhecus 1003. XI. QUADRUMANA. Characteristik 1006 a. Prosimiae 1006 40. Fam. Lémures .... 1008 Tarsius 1009 — Ololicnus 1011 — Micro- cebus 1013 — Pterodicticus 1014 — Slenops 1015 — Chirogaleus 1017 — Lepidilemur 1018 — Lemur 1019 — Propithecus 1023 — Lichanotus 1024. b. Simiae ..... 1025 41. Fam. Simiae platyrrhinae 1025 Hapale 1026 — Chrysothrix 1033 — Callithrix 1034 — Nyctipithecus 1037 — Brachyurus 1038 — Pilhecia 1039 — Cebus 1041 — Lagothrix 1047 — Ateles 1047 — Myceles 1051. 42. Fam. Simiae catarrhinae 1053 Cynocephalus 1054 — Inuus 1060 — Cercopithecus 1065 — Semnopithecus 1071 — Hylobates 1073 — Pithecus 1082. M A M M A L I A. Allgemeine С h a г a с t e r i s t i к. Säugethiere sind warmblütige Rückgratthiere mit theils homonomen, theils heleronomen Bewegungsorganen, mit Haarkleid und Zitzen zur Ernährung der lebendig geborenen Jungen. Das knöcherne Skelet, die vollkommenen Sinnesorgane und das rollie Blut haben die Säugethiere mit den übrigen Riiekgratthieren gemein, sie unterscheiden sich aber von den Amphibien und Fischen sogleich durch das warme Blut und die Zitzen zur Ernähning der Jungen. Durch letztern Cha rakter sondern sie sich zugleich von der zweiten Klasse der warmblütigen Wirbehhiere , den Vögeln, welche überdies noch durch die allgemeine Ueber- einstimmung ihrer Körpergestalt, durch die stete Heleronomität ihrer Bewegungs organe, durch das Federnkleid und die eigentümliche Schnabelbildung scharf von den Säugethieren geschieden sind. Die Säugethiere sind zwar ihrer innern Organisation nach typische Land bewohner, aber als vollendetste Gruppe des ganzen Thierreiches wiederholen sie in sich die frühem durch die Elemente bedingten Slufen der Entwicklung Die hierin begründete auffallende Mannichfaltigkeit im Typus der Säugethiere Hl jedoch nur eine rein äusserliche, die allgemeine Körpergestalt und r die Bewegungsorgane berührende. Bei den strengen Wasserbewohnern dehnt sich der Körper in die Länge aus und nimmt eine fischförmige Gestalt an, indem ach die Extremitäten dieser Analogie gemäss zu Flossen sich umgestalten. Bei minder entschiedenen Wasserbewohnern verkürzt sich der Körper, schei det sich auch äusserlich deutlich in Kopf, Rumpf und Schwanz, nur der Rompt bewahrt noch die eigentümliche Gestalt, die Bewegungsorgane verlie ren die Flossen mehr und mehr. Die antibiotischen Säugethiere haben eine kurze, gedrungene, plumpe Gestalt , wenig beweglich, am Rumpfe ist Brust and Bauch äusserlich noch nicht geschieden, die Bewegungsorgane kurz ohne äusserlich sichtbare Gliederung. Dagegen" verlängern sich die Gliedmassen aunaUend und nehmen eine breite Flügelform an bei den Repräsentanten des Luftlebens, deren Körper durch geringe Grösse und zarten Skelelbau die für sein Element nöthige Leichtigkeit erhält. Die eigentlichen Landsäugelhiere, welche den Klassentypus entschieden repräsentiren , zeichnen sich durch eben massigen und zierlichen Körperbau aus. Der Rumpf ist schlank, je nach der Lebensweise etwas comprimirt oder deprimirt, schon äusserlich in Brust und Bauch geschieden, die Gliedmassen zeigen in der ebenfalls äusserlich erkenn baren Gliederung ihre grosse Beweglichkeit und stehen zur Länge des Rumpfes 2 Allgemeine Characterislik. in einem harmonischen Verhällniss, welchem aucli die Grösse des Kopfes und die Lange des Halses und Schwanzes entspricht. In dieser Harmonie dei einzelnen Theile erreicht die allgemeine Körpergcslalt des Ihierischen Orga nismus ihre vollendetste Gestalt. Die Amphibien und Fische zeigen zwar eine ebenso grosse Mannigfal tigkeit ihrer äussern Erscheinung als die Säugelhiere, allein dieselbe beruhl in beiden Thierklassen auf einer mehr weniger durchgreifenden Umgestaltung des Typus selbst. Die Kluft zwischen Batrachiern, Sauriern und Schildkrö ten oder zwischen Myxinoiden und Cyprinoiden ist eine bei Weilern grössere als zwischen Walen und Kalzen. Dort entspreclien den äussern Unterschie den noch auffallendere im Skelet, im Nervensystem, der Respiration une Cir culation und im Verdauungs- und Geschlechtsapparale; bei den Säugelhieren dagegen sind die Unterschiede in der innern Organisation ebenso gering al.< die äussere Mannicbfaltigkeit gross ist. Bevor wir die allgemeinen Organisationsverhällnisse der Klassen weiter verfolgen, wollen wir den Bau und die Modificalionen der einzelnen Organe untersuchen und hier mit dem Skelet als den Form bestimmenden soliden Gerüst des Körpers beginnen. Das Skelet*). Das Skelet der Säugelhiere zeichnet sich von dem der übrigen Wirbel- thiere durch die vollkommenste Entwicklung aller einzelnen Theile aus, durch die Solidität aller Knochen , durch die scharf ausgeprägten Formen derselben, die bestimmt umgränzten und vollkommen ausgebildeten Gelenk- und Berüh rungsflächen der einzelnen Knochen unter einander, die markirten Fortsätze, Leisten, Kämme und Anheflungsstellen der Muskeln, die scharf umrandeten lncisuren, Kanäle und Oeffnungen für Gefässe, Nerven und Sehnen, durch die Selbstständigkeit der einzelnen Knochen und die vollendete Gliederung des Ganzen. Hinsichtlich der allgemeinen Gliederung des Skeleles stimmen die Säuge lhiere mit den Vögeln vollkommen überein , aber die vollendete Symmetrie des ganzen Gerüstes erscheint bei der Vergleichung der einzelnen Theile vielfach gestört. An jedem Skelet kann man zahlreiche Anomalien in den Einzelnhei ten beobachten, die auffallendsten in den Nasenbeinen und Nahlzacken der übrigen Schädelknochen, in den Fortsätzen, Höckern und Leisten der Wirbel, in den Muskelanheftungen, in den Ernährungskanälen aller Knochen. Es stei gert sich diese Asymmetrie gar nicht seilen bis zum Verschwinden einzelner Theile, zumal einer Rippe, oder entgegengesetzt zum Auftreten eines über zähligen Theiles. Ihren höchsten Grad erreicht diese Eigentümlichkeit im Schädel der Flossensäugelhiere, bei welchem die Asymmetrie normal ist. In den übrigen Wirbellhierklassen und besonders bei den zunächst stehenden Vögeln sucht man vergebens nach so vielen und auffallenden Störungen in der Symmetrie der einzelnen Knochen und darum betrachten wir dieselbe als eine auszeichnende Eigentümlichkeit des Säugethierskeleles, die um so mehr Beachtung verdient, als sie gerade der vollkommensten Klasse des Thier reiches zukömmt. *) Die wichtigsten Schrillen über vergleichende Osteologic sind: Cuvier, re cherches sur les ossemens fossiles. Paris 1834. tom. 1-Х. — Blainville. ostéo- graphie ou description iconographique comparée du squelette et du systems den taire etc. Paris. (Nicht vollendet). — Cuvier, Leçons d'anatomie comparée, torn- 1. Ii- Paris 1835—37. — Meckel, System der vergleichenden Anatomie IIb Halle 1825. Das Skelet. 3 Eine zweite Eigenthümlichkeit des Säugethierskeleles als besonders unter scheidend von dem der Vögel liegt in den langen Röhrenknochen, deren lauere Höhlen das ganze Leben hindurch mit Mark erfüllt sind, bei den Vögeln dagegen nur so lange sie wachsen, indem sie später pneumatisch werden. Verwachsung nicht blos einzelner Knochen, sondern ganzer Ablheilungen des Skeletes kommen bei den Vögeln häufig in der Wirbelsäule vor und auf- bUender noch bei den Schildkröten und Fischen. In der ganzen Klasse der Säagethiere ist eine Verwachsung mehrerer Knochen nur in der Kreuzgegend, in dir Bildung des Kreuzbeines normal und ausnahmsweise findet eine solche unter den Mitlelfussknochen bei Bradypus und zuweilen unler einigen Hals wirbeln Statt. Uebrigen-s bleiben alle einzelnen Theile des Skeletes selbstän dig und etwaige Verschmelzungen zweier oder mehrer Knochen dürfen nur ais individuelle Anomalien betrachtet werden. Abweichend von den Vögeln, deren übereinstimmende Lebensweise eine ebenso gleichmässige Ausbildung aller wesentlichen Theile des Skeletes zur Dothwendigen Folge hat , kömmt bei den Säugethieren eine Verkümmerung der zur Bewegung dienenden Skeleltheile vor, die bis zur Verschwindung der selben fortgeht. Sie betrifft die Gliedmassen selbst, von denen die hintern bei den typischen Meeresbewohnern verschwinden, oder sie beschränkt sich in den andern Gruppen auf einzelne Zehen, Von gleicher Bedeutung ist der Ш durchgreifende Mangel des einen untern Quadranten im Schultergürtel tmd die häufige "Verkümmerung und selbst Abwesenheit des andern oder Schlüsselbeines. Zu der allgemeinen Symmetrie des Skeletes, welche die Säugethiere mit den übrigen Wirbelt hieren gemeinsam haben, tritt bei erstem noch der Ge gensatz von Vorn und Hinten. Diese Gegensätzlichkeit bezweckt eine innigere Beziehung der einzelnen Formen zu einander. Am entschiedensten spricht se sich in dem Rumpfe und den Gliedmassen aus. Für letztere sind die entsprechenden Glieder der vordem und hinlern Extremitäten einander entge gengesetzt, zunächst die obern und untern Quadranten im Schulter- und Beekengürtel dann der Oberschenkel und Oberarm , der Unterschenkel und Unterarm. In der letzten Abtheilung, in Fuss und Hand ist sie aufgehoben. Ganz entschieden aber ist die Gegensätzlichkeit in der Wirbelsäule des Rumpfes auszenrä-'t. Die Körper der Brustwirbel nehmen von vorn nach hinten all- máhh" an Grösse ab und von dem kleinsten findet wieder eine Grössenzu- iSam durch die Lendenwirbel bis zum ersten Kreuzwirbel Statt. Dem ent sprechend richten sich die Dornfortsälze in der vordem Gegend der Wirbel lute nach hinten, die der hinlern Gegend nach vorn, ebenso die Querfort sätze Selbst dann , wenn der Gegensatz von vordem und hintern Extremi täten fehll wie bei den Bipinnaten, ist in der Wirbelsäule dieser Character own nicht verschwunden. Bei den Fischen zeigt sich die Gegensätzlichkeit noch in keinem Theile des Skeiets, erst bei den Amphibien und Vögeln tritt sie mehr weniger deutlich hervor. In Vergleich mit diesen beiden Klassen konnten wir sie freilich in etwas andrer Bedeutung, auch in den vor und hinter dem Rumpfe gelegenen Abtheilungen des Skeletes, im Halse und Schwänze "щшептеп veranlasst werden. Bei den Säugethieren bietet die Länge des Halses und Schwanzes die grossie Mannichfaltigkeit , aber erstrer wird con Mari us «ieben Wirbeln gebildet, letzterer meist aus einer grössern und selbst iri " sern Anzahl. Be* den Vögeln dagegen verkürzt sich der Schwanz dar h™3 und der Hals vermehrt seine Wirbelzahl, bei den Amphibien wird 4 Allgemeine Characterislik. umgekehrt der Hals sehr kurz mit Verminderung der Wirbelzahl während die Zahl der Schwanzwirbel enorm wächst. Die einzelnen Formen des Säugethierskeletes gewähren mannichfallige in systematischer und physiologischer Hinsicht sehr beachlenswerthe Modificalio- sen, daher widmen wir denselben noch eine übersichllich vergleichende Betrachtung. Die Wirbelsäule. Die Wirbelsäule gliedert sich fast allgemein in die Hals-, Rücken-, Len den-, Kreuz- und Schwanzgegend, deren jede aus mehrern eigenlhümlich ge stalteten Wirbeln gebildet wird. Jeder Wirbel besteht aus einem vollkommen ossificirten , soliden, mehr weniger cylindrischen oder prisma! ischen Körper und einem damit innig ver schmolzenen oberen Bogen nebst Dorn- und Querforlsätzen. Letzlere, Bogen und Fortsätze verkümmern und verschwinden nur in der hintern Sehwanzge- gend. Andere elementare Theile des Wirbels, unlere Bögen mit ihren Fort sätzen, treten nur auf der niedrigsten Stufe des Süugethiertypus bei den Bi- pinnalen in der vordem Schvvanzgegend auf. Die Wirbel der einzelnen Abtheilungen der Wirbelsäule bieten nach Zahl und Form mehrfache, zum Theil sehr erhebliche Differenzen. Halswirbel. Die Zahl der Halswirbel beträgt mit wenigen geringfügigen Ausnahmen constant sieben. Eine Steigerung dieser Zahl wird bei dem Faulthier, eine Verminderung bei einigen Celaceen beobachtet. Die Länge des Halses ist von der Zahl der Wirbel völlig unabhängig, und wird lediglich durch die Länge der einzelnen Wirbel bestimmt. Sie steht nur mit der Länge der vordem Gliedmassen in geradem Verhältnis, zurLänge desKop fes, Rumpfes und Schwanzes lässt sich keine nähere Beziehung nachweisen. Dagegen steht in innigstem Zusammenhange mit der Länge der einzelnen Wirbel auch deren gegenseitige Beweglichkeit, welche um so freier und grösser wird, je länger die Wirbel werden. In gleichem Grade steigert sich die Convexitäl der vordem Körpergelenkfläche bis zur Kugelwölbung und ihr entsprechend die Goncavitiil der hintern. Auch verkümmern in demselben Masse die Fortsätze, so dass die längsten Halswirbel der Giraffe nur noch niedrige Leisten statt der Dornen tragen. Je kürzer die Halswirbel werden, desto beschränkter ist ihre gegen seitige Beweglichkeit, die Gelenkflächen ihrer Körpsr platten sich bis zur völligen Ebene ab, und Dorn- und Querfortsälze gewinnen an Länge und Breite. Hier tritt endlich auch eine wirkliche Verwachsung einzelner Wrirbel ein. Der Atlas zeichnet sich durch völlige Verkümmerung seines Domforlsalzes durch überwiegende Entwicklung seiner Querfortsätze, durch zwei tief concave vordere Gelenkflächen für die Condyli occipitales und zwei plane oder leicht concave für die seitliche Bewegung auf dem Epistropheus stets von den übri gen Halswirbeln aus. Der Epistropheus ist immer länger als der Atlas, sein Dornfortsalz enorm in Länge und Höhe entwickelt, die Querfortsätze dagegen verkümmert, zwei vordere gegen den sie trennenden und verlängerten Zahnfortsatz geneigte Gelenkflächen sind mehr weniger convex, die hintere Fläche der der folgen den Halswirbel analog, mehr weniger concav bis flach. Die übrigen Halswirbel haben eine mehr übereinstimmende Form unter einander und nehmen gewöhnlich bis zum siebenten in allen ihren Theilen Das Skelet. 5 за Umfang allmühhg zu. Cbaraclerislisch für sie sind die breiten kräftigen Gelenkfortsätze und die schief nach unten gerichteten, sich beillörmig erwei ternden oder zugleich gabelnden Querforlsälze. deren Basis allermeist für diu Arteria vertebralis durchbohrt ist. Untere Dornfortsätze finden sich niemals, ofl dagegen in der Mille der untern Körperfläche Leisten. Der Körper der Halswirbel pflegt im Verhältnis» zu dem der folgenden Wirbel breit und flach zu Brustwirbel. Der achte Wirbel der Säule beginnt die Bru*tgegend und trägt die erste Кщ», alle folgenden rippentragende werden gewöhnlich zu den Brustwirbeln gerechnet und beträgt deren Zahl meist 12 bis Í4. Indes* gibt es noch viele Säugethiere mit 15. mehre mit 11, einige mit 16 bis 20. Die niedrigste Zahl 10 besitzt Dasypus niger und die höchste 24 das zweizeilige Faulthier. Diese Schwankungen der Zahl scheinen ganz zufällig zu sein, denn weder indem sie mit der Lebensweise der Thiere ab, wie die auffallenden Unter schiede zwischen den Schweinen und übrigen Pachydermen und die grosse rd.*reinslimmung zwischen Nagern und Raubthieren darlhut, noch lassen sie -ich nach den Aenderungen eines andern Theiles des Skeletes normiren. Die characteristischen Eigentümlichkeiten der Brustwirbel liegen in der Anbeftung der Rippen uud der dadurch bedingten Kürze der Querfortsätze, in der Länge und Dicke der nach hinten geneigten Dornfortsätze, welche von vorn nach hinten abzunehmen pflegt, und in der schmalen Form ihrer nach hinten an Grösse abnehmenden Körper. Zur Aufnahme der Rippen hat jeder der vordem Brustwirbel am vordem und hintern Rande seines Körpers eine halbe Gelenkfläche, welche durch die entsprechende des anliegenden Wirbels vervollständigt wird, und eine be sondere Gelenkfläche am Querforlsatz. An den hintern Wirbeln verkümmern die Rippen-Gelenflächen am Körper, liegen nicht mehr auf der Gränze zweier Kör per, sondern nur an einem und, zumal bei den Flossensäugethieren geschieht die Anheftung der hintern Rippen nur an den sieb verlängernden Querfort- sätzen. Diese gehen von den Bögen aus, sind immer sehr kurz und gerade nach Aussen gerichtet- Den Schnabelthieren allein fehlen sie gänzlich. Die Demrortsätze nehmen mit der Länge des Halses und Grösse des Kopfes an Hohe und Stärke zu- Sellen ist schon der erste der höchste, meist erst der zueile bis vierte und diese höchsten entstehen nicht blos aus der Vereinigung der Bogenschenkel, sondern zugleich noch aus einem auf dieselben aufgesetzten Kmochenstûck. Sind die Domrortsätze von gleicher oder nur wenig und all- rnähhg zu- oder abnehmender Höhe: so haben sie gewöhnlich eine beträcht liche Breile in der Längsachse des Wirbels, wie bei vielen Edentaten und Pinaalen. Die Neigung der Dornen nach hinten variirt auffallend und isl am geringsten bei den unvollkommensten Säugethieren. Ganz verkümmert erscheinen die Dornen bei den Chiropteren. Gelenkforlsätze tragen alle Brust wirbel mit Ausnahme der hintern bei den Cetaceen. Immer sind sie vorn kräftiger als hinten. An ihnen sowie an den Querfortsätzen und an der Ba sis der Dornen bilden sich häufig Leisten, Kämme oder Höcker zu Muskel- insälzen aus. Lendenwirbel. Die Zahl der Lendenwirbel steigt nie so hoch als die der Brustwirbel herabsinkt. Bei den me'slen Säugethieren schwankt dieselbe zwischen " 6 Allgemeine Chacrateristik. und sieben. Sie sinkt beim Schnabelthier und einigen andern Edentaten auf 2 herab und steigt bei Stenops auf 9. Diese Schwankungen sind ganz un abhängig von denen in der Brustgegend, denn der Klippdachs z. B. hat bei 21 Brust- 8 Lendenwirbel, der Tal« bei 12 Brust- nur 2 Lendenwirbel. Doch pflegt die normale Zahl (5 — 7) mit derselben in der Brustgegend (12 — 14) zusammenzufallen. An Grösse ihrer Körper und der Länge der Querfortsätze übertreffen die Lendenwirbel alle übrigen der Wirbelsäule und zwar nimmt ihre Grösse von vorn nach hinten zu. Die Querforlsälze gewinnen in gleicher Richtung an Länge, gehen horizontal, häufiger abwärts und nach vorn gerichtet vom Körper ab. In seltenen Fällen berühren sie einander. Die Dornforlsätze richten sich gleichfalls nach vorn mit abnehmender Höhe und zwar um so mehr je länger der Schwanz ist. Wenn die Dornen der Rückenwirbel eine gleiche Höhe bewahren: so geht diese auch auf die Lendenwirbel über ohne Rück sicht auf die Zahl der Wirbel, die etwaige Länge der Gegend oder des Schwanzes. Dienen die Dornfortsätze zugleich als Stütze einer Rückenflosse: so nehmen sie vom ersten Brustwirbel und letzten Lendenwirbel gleichmässig an Höhe bis unter die Flosse zu und zwar unabhängig von der Antiklinie. Als natürliche Gränze zwischen Brust- und Lendenwirbeln kann keineswegs die Rippenbildung betrachtet werden, denn wenn auch im gewöhnlichen Zustande den letzten Wirbeln der Rumpfwirbelsäule die Rippen fehlen: so kommen doch Beispiele vor, in denen dieses nicht der Fall ist und die vielmehr be weisen, dass auch bei den Säugethieren noch alle Wirbel der ganzen Säule Rippen tragen können. Statt der blos äusserlichen und zufälligen Unterschei dung der Brust- und Lendenwirbel in Rippentragende und Rippenlose ist der in den Wirbeln selbst deutlich ausgeprägte Character der Antiklinie zu Abgren zung beider Gegenden zu wählen. Danach sind alle Wirbel der ¡ vordem Rumpfgegend Brustwirbel, welche nach hinten an Grösse abnehmen, und zur Lendengegend gehören die folgenden bis zum Kreuzbein hin an Grösse zu nehmenden Wirbel. Der Wechsel dieser Ab- und Zunahme liegt in dem so genannten antiklinischen Wirbel, der passender der diaphragmatische genannt werden dürfte und weder Brust- noch Lendenwirbel ist, daher einen beson deren Namen verdient. Durch diese Bestimmung wird die Zahl der Lenden wirbel bei den meisten Säugethieren etwas grösser als die gewöhnliche Zäh lung angibt, seilen etwas kleiner, je nach der Lage des diaphragmalischen Wirbels.*) Kreuzbein. Die mit dem Becken sich verbindenden Wirbel bilden das Kreuzbein, welches den Bipinnalen zugleich mit dem Becken fehlt. Gewöhnlich verwach sen Körper und Querforlsälze der das Becken tragenden Wirbel und zugleich noch einige der folgenden Wirbel. Die Querfortsätze bieten durch diese Ver schmelzung den Hüftbeinen und seltener auch noch den Slizbeinen eine breite Fläche zur Anheftung. Die Dornfortsätze variiren in Dicke, Breite und Höhe auffallend. Die gewöhnliche Zahl der Kreuzbeinwirbel beträgt drei bis vier, seltener nur zwei und in einem einzigen Falle, bei Perameles nur einen, dagegen *) Vergl. meine Mitlheilungen über die Gränze zwischen Brust- und Lendenge gend in der Wirbelsäule der Säugethiere und deren Zahlenverhältniss in der Zeit schrift f. d. gesammten Naturwissenschaften 1853, April S. 261. Das Skelel. 7 Zabi öder auf fünf und sechs, bei den Edentaten sogar auf acht Die Grösse der Wirbel pflegt vom ersten bis letzten merklich abzuneh men, nur zuweilen baben einige eine gleiche Breite und Länge. Die relative tírfcse des ganzen Kreuzbeines, sein Längen- und Breiten verhältniss zu den übrigen Wirbeln zeigt auffallende Differenzen. Bei Wiederkäuern und Einhu fern z. B. ist es sebr schmal und lang, noch mehr bei Chiropleren. bei den Edaitaten dagegen sebr breit, bei den Affen fällt seine Breite noch auf. Die Verschmelzung der Wirbel, wenigstens der vordem, ist meist eine sehr innige, bei den hintern bleiben die Querlbrtsälze zuweilen mehr wenig felhsländig und beim Sebnabellbier allein bleiben alle Kieuzwirbcl getrennt. Das Verhält niss der Fortsätze ändert schon bei den nächst verwandten iiiflaUend ab , indem z. В. die Dornfortsälzc zu einer Leiste verwach- völlig getrennt bleiben, sich auffallend verlängern oder verkürzen bis Verschwinden, sich am Ende zuspitzen, abrunden oder verdicken und nur an den verdickten Enden mit einander verschmelzen, nur einzelne mit Einander verwachsen und der erstere oder andere völlig getrennt bleiben. Schwanzwirbel. Die Schwanzgegend ist in ihrer Länge die veränderlichste der ganzen Wirbelsäule und bietet hinsichtlich der Anzahl und Form ihrer Wirbel die grösste ManniclifaUigkeit. Von Körperlänge und diese selbst noch übertreffend variirt die Läri^e des Schwanzes bis zum äusserlich wenigstens völligen Verschwin den unabhän^i" von der übrigen Organisation des Thieres. Unter den Affen and Nagern finden wir die Extreme dieses Verhältnisses in derselben Fa- Dit^Zahl der Schwanzwirbel erreicht das Maximum von 46 bei Manis macrora das Minimum von 4, vielleicht selbst 3 bei einigen Affen der Allen Welt Die zwischenliegenden Zahlen ändern so vielfach unbestimmt ab, dasa eine herrschende oder mittlere Zahl nicht angegeben werden kann. Die Grösse der Schwanzwirbel nimmt allgemein vom ersten an mehr weniser schnell ab, wobei jedoch nicht selten bei sehr langgeschwänzten -ми- -thieren mit der Verkümmerung der Wirbel, mit dem Verlust der Bögen und Fortsätze die Länge der -K örper gewinnt. Die ersten sind stets noch lista duze mit Bogen und Fortsätzen versehene Wirbel, aber schnell ver- Lf d" T die Bö"en und mit ihnen die Forlsätze und es bleibt nur der cy- ььтгоегп * ^ prismatische Körper mit falschen Forlsätzen und Leisten übrig Г?*^1*^ ^ letzten auch diese verschwinden und nur der ganz einfache Kör- ^wh*" >rhonden ist- Die Länge der Fortsätze und deren Grösse über- V°m keinem abhängigen Verhältnisse zur Länge des Schwanzes. Ei- ■ j yurnal den unvollkommenen Säugethieren untere Bögen undDorn- SinO AU j II m ' dèr^vordern Schwanzgegend, welche auf der Gränze je zweier Wirbel liegen und in gleichem Verhältnis mit den obern nach hinten verkümmern. Die Rippen. Au*eebildete Rippen tragen bei den Säugethieren nur die Brustwirbel, tare können wie bei den übrigen Wirbellhieren auch an fast allen Wirbeln vorkommen. Am häufigsten ist letzleres bei den Halswirbeln ter Fall wo der eine Schenkel der Basis des Querfortsatzes als Bippenrudi- ' Гц1 Ы-trachlet wird und am letzten Halswirbel auch wohl perennirend vom 8 Allgemeine Chr.acteristik. Querfortsatze getrennt ist. Bei den Monotremen bleiben diese Halsrippen lange Zeit hindurch selbständig. Sellener beobachtet man die rudimentären Rippen an den Lendenwirbeln z. B. bei dem Schweine im totalen Zustande, an den Querfortsätzen der Kreuz- und ersten Schwanzwirbeln bei jungen Gürtelthieren. Nach der oben gegebenen Gränze zwischen Brust- und Len dengegend gehören jedoch die letzten falschen Rippen der meisten Säugethiere normal den Lendenwirbeln an, so dass streng genommen nur die wahren Rippen ausschliesslich an den Brustwirbeln vorkommen, falsche an allen Wir beln sich finden können, gewöhnlich aber nur an den letzten Brust- und ersten Lendenwirbeln auftreten. Die Rippen des Thorax sind lange, bogenförmig gekrümmte Knochen, welche mit den Brustwirbeln durch Gelenkung, mit dem Brustbein durch Knorpel verbunden sind. Mit Ausnahme des dreizehigen Faulthieres, dessen überzähliger achler und neunter Halswirbel verlängerte, nicht an das Brust bein reichende Rippen trägt, sind die vordem Rippen wahre, die sich durch Knorpel unmittelbar mit dem Brustbein verbinden, die hintern falsche, weil sie das Brustbein nicht mehr erreichen. Die Gestalt anlangend sind die Rippen abgerundet, cylindrisch, oder kan tig, prismatisch, allermeist breiter als dick, selbst ganz flach gedrückt und bei Myrmecophaga didactyla so sehr, dass sich ihre Ränder bedecken. Zu weilen sind alle Rippen fast gleich breit und stark, häufiger aber ist die erste kürzere und stark gekrümmte die breiteste, bei den Wiederkäuern pflegen die mittleren breiter als die vordem zu sein, beim Stier die hintern; bei Nagern, Beutel-, und Raubthieren und bei den Cetaceen sind sie üherhaupl sehr schmal. Die Länge nimmt meist von der Mitte des Thorax nach vorn und nach hinten ab, so jedoch, dass die letzten falschen Rippen die kürze sten sind. Die Krümmung dagegen erscheint meist bei den vordem oder mittleren am stärksten. Jede einzelne Rippe hat einen obem Kopf und Höcker und ist hier am stärksten, das untere Ende dagegen abgestumpft oder zuge spitzt, bisweilen auch erweitert, sogar keulenförmig verdickt bei Zeuglodon. Die Verbindung mit den Rückenwirbeln geschieht durch den Rippen kopf, welcher in eine Gelenkfläche auf der Gränze zweier Wirbelkörper ein greift, und durch den Rippenhöcker, der an den Querfortsatz sich anlegt. Hiervon machen die Monotremen insofern eine Ausnahme, als ihr Tuberculum nicht mit dem Qerfortsatze articulirt, also die Gelenkung nur durch das Ca- pitulum bewerkstelligt wird. Allgemein liegt die Gelenkfläche für das Köpf chen der hintern Rippen nur an einem Wirbel und bei den Cetaceen fehlt dieselbe sogar, indem die Rippen nur an das Ende der Querfortsälze ange heftet sind. Für das Brustbein geht vom untem Ende jeder vordem oder wahren Rippe ein besonderer Knorpel ab. Diesen besitzen auch die fal schen Rippen noch, aber hier erreicht er das Brustbein nicht mehr, sondern legi sich an die der hintern wahren Rippen an. Die letzten verkümmerten Rippen haben eine solche unmittelbare untere Verbindung nicht. Die Knor pel verknöchern schon sehr frühzeitig bei den Cetaceen, vielen Edentalen, Fledermäusen, und gleichen darin den Stemoeostalrippen der Vögel. Bei dem Ornithorhynchus und Manis zerfallen sogar einige Rippenknorpel in mehre Stücke. Die Zahl der Rippen entspricht der der Rückenwirbel, dagegen variirt das Verhältnis der wahren zu den falschen Rippen unabhängig von der Zahl. Im Allgemeinen überwiegt die Zahl der falschen bedeutend nur bei den Ce taceen, schon bei den Robben zählt man doppelt so viel wahre als falsche Das Skelet. 9 Rippen. Uebrigens schwankl die überwiegende Zahl der wahren innerhalb ziemlich enger Gränzen und sinkt nur ausnahmsweise ins Umgekehrte herab. Das Brustbein. Das Brustbein besteht aus mindestens zwei, oft melirern hinler einander liegenden cylindrischen , prismatischen oder ganz flach gedrückten Wirbelkör pern, an deren Berührungsflächen jederseits sich die Knorpel der wahren Rippen anheften. Bei vielen Säugelhieren ist der vordere Theil des Brustbeines beträcht lich erweitert und dessen vorderstes Stück als Manubrium ausgebildet. Das selbe nimmt selbst bei den Robben und Monotremen noch einen verschieden gestalteten Episternalknoclien auf, welcher bei letztern die Schlüsselbeine trägt. Die umgekehrte Ausbildung, ein nach hinten erweitertes Brustbein besitzen die Camele. Uebrigens pflegt die Breite nach hinten nur wenig abzunehmen c-der das Brustbein ist in seiner ganzen Länge gleich breil. Eine Annäherung an die grosse Spina des Sternums der Vögel zeigt eine hervorspringende Leiste bei den flatternden Säugelhieren. Die Länge des Brustbeines ändert vielfach ab und ist im Allgemeinen am beträchtlichsten bei den Raublhieren, am geringsten im Verhällniss zur eigenen Breite und zur Tolallänge des Kör pers bei den Cetaceen, Elephanten und Rhinoceroten. Die Zahl der Wirbelkörper des Brustbeines sinkt nur beim Walfisch auf zwei, bei allen übrigen Säugelhieren ist sie beträchtlicher als bei den Menseben. Bei den Monotremen beträgt sie 4 bis 5, bei den meisten Beu- tehhieren 6, bei den Ungulaten meist 6 bis 7, bei den Raublhieren 8 und 9, und am meislen, 13 bei dem zweizehigen Faullhier. Die einzelnen Körper bleiben entweder beständig von einander getrennt oder verwachsen bald frü her bald später mit einander. Bei dem Elephanten verschmelzen die zwischen der zweiten bis fünflen Rippe gelegenen Körper, bei den Einhufern die zwi schen der sechsten bis achten Rippe. Zwischen den einzelnen Körpern treten, jedoch nur selten, kleine Sesambeine auf. Die vordem Extremitäten. Die vordem Gliedmassen weichen wesentlich, in der Anlage nicht von denen der Vögel ab, zeigen aber in der Ausbildung einige durchgreifende und mannichfaltige Unterschiede. Dieselben betreffen die Verkümmerung der bei den untern Quadranten des Sehultergürtels , die grössere Slärke des obern Quadranten, die höchst veränderliche Ausbildung der Unlerarmknochen und die stets vollkommenere Entwickelimg der Glieder vom Wurzelgelenk an. Al so dasselbe umgekehrte Verhällniss als in der Wirbelsäule, denn gerade die untern Quadranten des Schullergürtels sind bei den Vögeln am stärksten ent wickelt und die Glieder der Hand verkümmern. Die einzelnen Glieder der vordem Extremitäten zeigen sowohl in ihrem gegenseitigen Verhällniss, als hinsichtlich der Zahl und Form der zusammen setzenden Knochen erhebliche Differenzen. Der Schultergürtel. Der Schullergürtel beslehl allgemein nur aus dem obern Quadranten oder Schulterblatt, von den untern Quadranten ist häufig das Schlüsselbein banden der zweite unlere Quadrant wird nur beim Schnabelthier als selb- Seliger Koocben beobachtet. 10 Allgemeine Characteristic Das Schulterblatt hat eine mehr weniger regelmässige, flach drei- oder vierseilige Gestalt mit scharfem oberen Rande, einer deutlichen Gelenkfläche für den Oberarm am vordem untern Ende und mit einer langen Gräle, welche die Aussenfläche. in zwei Hälften der Länge nach theilt. Am schmälsten und längsten ist es bei dem Maulwurf, demnächst bei den Wiederkäuern und Ein hufern, dann wird es breiter bald durch Erweiterung des hintern Randes nach unten wie bei dem Elephanlen oder nach oben wie bei vielen Raubthie- ren, bis es endlich die grösste Kürze und Breite bei den Walen erreicht. Die Gräle erhebt sich am hintern Rande und läuft mit zunehmender Höhe geradlinig bis zur Humeralgelenkfläche hin, die sie jedoch niemals wirklich erreicht. Sie ist in der Mille am höchsten und fällt nach vorn wieder ab, verdickt und krümmt sich in ihrer gi össten Höhe oder verlängert sich sogar in einen hakenförmigen Fortsatz wie bei dem Elephanten; oder ihre Höhe steigt bis an den vordem Rand und fällt dann plötzlich ab, nicht selten mil einem nach vorn und unten verlängerten Haken (Grätenecke) versehen, der mit der Ausbildung dés Schlüsselbeines in näherer Beziehung sieht. Die Lage der Gräte und die dadurch bedingte Theilung der Aussenfläche der Skapula in eine vordere lund hinlere Grube ändert schon bei sehr nah verwandten Thieren ab, indem z. B. bei dem Elephanlen die Gräle ganz dem vordem, beim Tapir mehr dem hinlern Rande genähert ist, bei Rhinoceros dagegen fast in der Mille liegt. Ueber der Gelenkfläche tritt mit steter Neigung oder Biegung nach Innen der Rabenschnabelfortsalz hervor, der oft nur, zumal bei den Säugethieren ohne Schlüsselbein ein plumper Höcker ist , bei andern dagegen als wirklicher Haken ausgebildet ist. Die Gelenkfläche für den Ober arm hat einen mehr weniger kreisförmigen Umfang und ist der Wölbung des Humeralgelenkkopfes entsprechend vertieft, daher bei Säugethieren mit wenig gewinkelten und ausschliesslich zum Gehen eingerichteten Vordergliedmassen flach concav, bei denen mit grösserer und mannichfalligerer Beweglichkeit des Oberarms tief bis halbkuglig ausgehöhlt, welche Form die grösste Frei heit der Bewegung mit der Sicherheit des Gelenkes verbindet. Da der Schullergürtel die Stütze der vordem Extremität bildet, so wird er um so vollständiger ausgebildet, in seiner Zusammensetzung um so solider sein, als die Lebensweise des Thieres die Thätigkeit und Kraft der Vorder gliedmassen beansprucht und diese einer sicheren Stütze bedürfen. Das Schlüsselbein fehlt daher allen Säugethieren, welche diese Gliedmassen nur zum Gehen, also blos zum Tragen des Körpers brauchen, der Schulter gürtel besteht bei ihnen nur aus der Skapula. Das Schlüsselbein ist dagegen um so vollkommener entwickelt , je mehr die Vordergliedmassen auch zu an dern Verrichtungen als zum Gehen dienen. Der Hase z. B. gräbt mit den Vorderfüssen eine kleine Grube für seine Jungen, der Löwe schlägt mit den selben seine Beute nieder, und beide haben ein rudimentäres Schlüsselbein, welches weder, das Brustbein noch das Schultergelenk berührt. Alle graben den, fliegenden und kletternden Säugelhiere bedürfen zur bessern Ausführung dieser Functionen eine feste Stütze ihrer Vordergliedmassen, daher ihr Schlüs selbein vollkommen ausgebildet ist. Dasselbe verbindet sich in einer wenig beweglichen Kapsel mit dem Brustbeine einerseits und dem Acromion des Schulterblattes andrerseits. Die nächst liegenden und selten vorkommenden Grade der Verkümmerung äussern sich in Auflösung der unmittelbaren Ver bindung mit dem Brustbein oder mit dem Schulterblatt. Uebrigens ist das Schlüsselbein immer ein länglicher, gerader oder mehr weniger gebogener Das Skelet. 11 Knochen, der dîe- grossie Länge bei den Fledermäusen , die grossie Dicke zugleich mil der solidesten Verbindung bei dem Maul würfe besitzt. Der Oberarm. Bei den Säugelhieren ist der Oberarm verhältnissmässig kür/er und dicker als bei den Vögeln, in der obern Hälfte von vorn nacb hinten, in der UHieni von aussen nacb innen stärker, daher in der Mitte mehr weniger ge dieht Der obere Gelenkkopf ist stark und nicht durch einen besondern Uab vom Rórper «Jes Knochens abgesetzt, aussen mit dem grossen, innen mit dem kleinen, von jenem durch eine Sehnenrinne getrennten Höcker verschen. Der untere Gelenkkopf bildet eine quere Rolle mit grösserer äusserer und klei nerer innerer Gelenkfläche, über welchen jederseils der Deuge- und Streck knorren und hinten die Grube für das Olecranon der Elle sich befindet. Am kürzesten i-t der Oberarm bei den Flossensäugethieren in Folge der Verkür zung der ganzen Extremität, demnächst bei den Huflhieren, wo die Verkür zung im näheren Verhältniss zu der verlängerten Mittelhand steht, bei den übrigen Säugelhieren ist er meist sehr schlank, am längsten hei den Chirop- tertn und lebenden Faullhieren. Besondere Eigenlhümlichkeilen zeigt er in der Entwicklung seiner Leisten und Kämme z. B. bei dem Gürtellhier und IfatuVurf, ferner in der Perforation der Olecranongrube bc-i AlTtn, vielen Raubtliieren und Nagern u. a., in der Anwesenheit eines kleinen Kanales an der Innenseite über dem untern Gelenk zum Durchtritt des Nervus medianus und der Arteria ulnaris ebenfalls bei einigen Aßen, Katzen, Bären, mehrein Die beiden Knochen des Unterarmes, Speiche und Elle, zeigen in ihrem gegenseitigen Verhältniss und ihrer Gestalt bei den Säugelhieren eine bei Wei tem grössere Mannichfaltigkeil als bei den Vögeln, welche wiederum in dem vielseitigeren Gebrauche der vorderen Extremitäten bedingt ist. Fast allgemein ist die Speiche stärker als die Elle, von deren Olecra non ihr oberer Gelenkkopf stets überragt wird. Am obern sowohl als arr untern Ende pflegt sie eine quere, concave, nicht selten zusammengesetzte GeJenkfläche lur Oberarm und Handwurzel zu haben. Die Elle übertrifft bei vollkommener Entwicklung die Speiche in der Länge, indem sie nicht blos mit dem Olecranon das obere Gelenk, sondern »di mit einem kurzen Fortsatze das untere Gelenk überragt. Sehr allgemein verdünnt sie sich mehr weniger von oben nach unten. Sie liegt theils hinler, Yhefts neben der Speiche und zwar innig und unbeweglich an derselben oder wenn der Vorderarm drehende Bewegungen auszuführen bestimmt ist wie be: ▼telen kletternden Säugethieren, freibeweglich. Hienach vervollständigt sie auch die Humeral- und Garpalgelenkfläche der Speiche bald nach hinten bald seitlich. Der Ellenbogenfortsatz ist gewöhnlich comprimirt, nicht selten am lüde rerdirkf, von sehr veränderlicher Länge, welche der des übrigen Kno den* sogar gleichkommen kann. Dieser verkümmert bei Einhufern, Wicder- lioern und Fledermäusen auffallend und verschmilzt sogar als kleiner kurzer SrffTe/ mit der Speiche. Bei andern geht er zwar tiefer an der Speiche hinab, Iber erreicht auch das Wurzelgelenk noch nicht. Bei völliger Verkümmerung (Tsete/nt zuweilen das untere Gelenkstück als ein kleiner freier Griflelknocheni Am längsten ist der Vorderarm bei den Chiropteren, demnächst bei cini- u. a. hie Unter armknochen. 12 Allgemeine Ccharacterisük. Die Handtvurzelknochen. Die Haudwurzcl besteht aus zwei Reihen kleiner polyedrischer Knochen, deren normale Zahl in der ersten Reihe 3, in der zweiten 4 beträgt, aber durch Verschmelzung einzelner sowohl sich verringert als durch Theilung und Hinzutreten überzähliger sich vermehrt, so dass ihre Gesammlzahl zwischen 4 und 11 variirt. Eine Verschmelzung einzelner Knochen wird bei den Ce- taceen und Nagern beobachtet, eine Vermehrung besonders hei grabenden Säugethieren, unter denen der Maulwurf die höchste Zahl 11 besitzt. Die Vertheilung der einzelnen Knochen auf beide Reihen zeigt mehrfache Verschie denheilen; keineswegs hat die zweile Reihe stets mehr als die erste und beide Reihen selbst sind nicht immer gleichmässig ausgebildet, oft vielmehr dehnen sich einzelne Knochen überwiegend aus und gehören scheinbar beiden Reihen zugleich an. Die Formen der einzelnen Knochen bieten eine überraschende Mannich- faltigkeit, die jedoch für die Zoologie kein besonderes Interesse hat. Bei der grossen Uebereinstimmung der Hand mit dem Fusse vereinigen wir die Betrachtung beider und wenden uns zunächst zu den hinlern Gliedmassen. Die hintern Extremitäten. Die hintern Gliedmassen fehlen den Bipinnaten völlig und sind bei allen übrigen Säugethieren ebenso vollkommen entwickelt als die vordem. Darin liegt der wesentliche Unterschied von den Vögeln und den Amphibien, bei welch' letztern alle Stufen von den vollkommen ausgebildeten Hinlergliedmas sen durch eine allmählige Verkümmerung hindurch bis zu dem völligen Man gel derselben beobachtet werden. Die einzelnen Glieder entsprechen denen der vordem Extremitäten jedoch bis zum Wurzelgelenk hinab in gegensätzlicher Richtung sich verhallend. Die Unterschiede beider beruhen daher lediglich in der relativen Grosse und in der Form und Beweglichkeit einzelner Glieder. Der Beckengürtel. Das Becken der Säugethiere besteht allgemein jederseits aus einem obern und zwei untern, unbeweglich mit einander verbundenen Quadranten, den Hüft-, Scham- und Sitzbeinen, welche in der Gelenkpfanne für den Ober schenkel zusammentreffen. Die Verbindung des Beckens mit der Wirbelsäule geschieht durch das Hüftbein, seltener zugleich auch durch das Silzbein. Ab weichend von den Vögeln ist das Becken unten durch die Vereinigung der Schambeine geschlossen, wovon allein die Fledermäuse eine Aus nahme machen. Das Hüft- oder Darmbein ist der grossie Knochen des Beckens und zeichnet sich bei dem Elephanten, den Faulthieren und einigen Affen durch überwiegende Breite aus, bei den meisten übrigen Säugethieren ist er schlank, schmal und gestreckt. Mit der Breite steht in innigem Zusammenhange die Neigung gegen die Wirbelsäule. Sie ist bei dem Elephanten mit dem breite sten Hüftbeine fast rechtwinklig, wogegen die ganz schmalen Hüftbeine paral lel neben der Wirbelsäule, nur abwärts geneigt liegen. Die hinter den Hüft beinen gelegenen Sitzbeine sind allgemein schlank und dünn. Sie verlängern sich nach hinten und enden bei mehrern Säugethieren mit einer starken Ver dickung. Diese Sitzbeinhöcker verschmelzen bei einigen Fledermäusen und Das Skelet. 13 Edenlaim hinten mit einander oder mit dem Kreuzbeine und ersten Schwanz- Wirbel. Die Schambeine, welche das Becken vorn und unten begrenzen, M gemeinlich die schwächsten Knochen im Beckengürtel. Unten treffen, sie roo beiden Seiten in der Schambeinfuge zusammen. Die Verbindung ist liier bald eine sehr innige, so bei Wiederkäuern, Einhufern und einigen Pachyder- roen eine völlige Verschmelzung, bei den meisten Säugethieren bleibt die Ver bindungslinie immer kenntlich — bald ist sie aber nur eine sehr lockere wie bei einigen Nagern und lnsectenfiessern oder die Schambeine beriihren sich gar nicht einmal wie bei den Fledermäusen, die bierin den Vögeln am näch sten stehen. Uebrigens wird die Fuge nicht immer von den Schambeinen allein gebildet, bei sehr langen Becken nehmen auch die Sitzbeine daraa Thetl i. B. bei Beutelthieren , iNagem und einigen andern. Das von Silz- und Schambeinen umgränzte eiförmige Loch ändert in Grösse und Form verschie dentlich ab. Die Gelenkpfanne endlich ist allermeist sehr tief, halbkuçlig aus gehöhlt, ihr unterer Rand gewöhnlich mit tiefem Ausschnitt, ihr Boden ge schlossen, nur bei Echidna vogelähnlich durchbrochen. Am kleinsten ist sie bei dem Känguruh und Ai, bei letzterem zugleich sehr flach. Bei den Säugethieren ohne hintere Extremitäten findet sich ein völlig ïprkùmmertes Becken vor. Dasselbe wird bei den Delphinen nur durch einen kleinen länglichen Knochen jederseils gebildet, der weder mit der Wirbelsäule noch mit dem der entgegengesetzten Seile sich verbindet. Bei andern Cela- ceen tritt unten noch ein zweiter Knochen hinzu und bewerkstelligt eine Ver bindung der beiden Seiten. Der Oberschenkel. Der Oberschenkel übertrifft den Humerus gewöhnlich an Länge, häufig auch an Stärke, ist aber allermeist kürzer als der Unterschenkel und selbst ab der Fuss. Auflallend kurz und flach ist er bei den Pinnipediern, dem nächst bei den Einhufern, wo er zugleich sehr dick wird, bei allen übrigen Säugethieren ist er länger, bald dick, bald schlank, rundlich cylindrisch oder von vom nach hinten stark zusammengedrückt. Der kugiige obere Gelenkkopf ist durch einen dünnen Hals vom Körper des Knochens abgesetzt und neben ihm erhebt sich ein sehr grosser äusserer und ein kleiner innerer, zuweilen fehlender Rollhügel. Der untere Gelenkkopf wird von zwei sehr grossen, besonders nach hinten stark gewölbten Gelenk- knorren gebildet, zwischen denen an der vordem Seite die Gelenkfläche lür die Kniescheibe liegt. Am obern Gelenkkopf findet sich in der Rege) eine markirte Vertiefung fiir das sogenannte Ligamentum teres, welches nur dem Oran Ulan, dem FauU thier, Schnabelthier, Elephant, Igel und Walross fehlt. Häufig dehnt sich dieses Grübchen bis zum Rande des Gelenkkopfes aus und zeigt überhaupt in seinem Umfange vielfache, oft individuelle Eigentümlichkeiten. Die Kniescheibe bewegt sich auf der eben angegebenen Fläche des Oberschenkels und stützt sich gewöhnlich auch noch auf die vordere Ecke der Tibia. Sie ist breit, dick, dreikantig bei den Hüft hieren, bei den meisten übrigen Säugethieren schmal, verlängert, bald dicker bald dünner. Sie fehlt iiiehren Beutelthieren völlig, kömmt aber wahrscheinlich den Chiropteren all gemein zu. Der Unterschenkel. Das Sellien- und Pfeifétibein verhalten sich ähnlich wie die Knochen des 14 Allgemeine Characteristic Vorderarmes. Ersteres ist stets sehr stark, in der obern Hälfte gewöhnlich dreikantig prismatisch, nach unten sich verdünnend und abrundend. Oben »ragt es eine horizontale, für die beiden Gelenkknorren des Femur getheille GeJenkfläche , unten eine gerade oder schiefe und lief ausgehöhlte Fläche iür die Rolle des Astragalus. Die Fibula ist immer viel schwächer, aussen an die Tibia mit ihren ver dickten und flach gedrückten Enden angelegt, beweglich verbunden bei voll kommenster Entwicklung, bei Verkümmerung häufig verwachsen. Vollständig ausgebildet ist die Fibula bei den Pachydermen, Edentalen und Pinnipediern, bei letztem beiden erreicht sie zugleich die grösste Dicke. Die Verkümme rung betrifft das obere Ende nur bei den Wiederkäuern, deren Pfeifenbein als schwacher kurzer Gritfeiknochen neben dem untern Gelenkkopf des Schien beines liegt. Umgekehrt verkümmert bei den Einhufern der unlere Theil und es bleibt ein oben gelegener Griffelknochen übrig. Ein ähnlicher langer und dünner, zuweilen unten innig mit dem Schienbein verwachsen findet sich bei den Raublhieren und Nagern. Die Fusswurzel Abweichend von den Vögeln, wo der sehr verlängerte Tarsusknochen die Fusswurzel bildet, besteht diese bei Säugelhieren stets aus mehr als zwei, gewöhnlich 4 bis 9 Knochen, indem nur beim Ai die beiden Keilbeine früh zeitig mit dem Mitlelfussknochen verwachsen und dann blos Fersen- und Sprungbein als einzige frei bewegliche Tarsusknochen übrig bleiben. Calca neus und Astragalus fehlen daher niemals und pflegen auch die grösslen Kno chen dieser Abtheilung zu sein. Das Fersenbein zieht sich in einen langen Fortsatz aus, an welchen sich die Achillessehne anheftet. Bei Tarsius und Otolicnus verlängert es sich zugleich mit dem Kahnbeine und beide gleichen hinsichtlich ihrer Länge dann dem Tarsus der Vögel. Der Astragalus ist im mer kürzer und hat eine Rolle für das Schienbein und eine einfache untere Gelenkfläche für die zweite Tarsusreihe, deren Knochenzahl durch Auflösung einzelner sich sehr vermehren kann und denen der Handwurzel besser ent spricht als die ersten beiden. Hand und Fuss. Die letzten Glieder der Extremitäten, die Mitttelhand, der Miltelfuss und die an diesen gelenkenden dreigliedrigen Zehen sind im Allgemeinen nach demselben Plane gebildet, bieten aber im Einzelnen sowohl untereinander als nach den verschiedenen Familien mehrfache und z. Th. sehr beachtenswerthe Unterschiede. Die Zahl der neben einander liegenden Mittelhand und Fussknochen zu nächst betreffend finden sich 5 bei den vollkommnern Säugelhieren. Aber schon bei den Raubthieren pflegt einer zu verkümmern und nur 4 bleiben vollkommen ausgebildet. Bei den Nagern geht die Verkümmernng noch einen Schritt weiter und es sind bei einigen derselben nur noch drei vorhanden, ja bei Dipus verschmelzen die drei Mitlelfussknochen sogar zu einem einzigen, diese Reduction ist bei Einhufern und Wiederkäuern Regel. Nur ein verlän gerter, zehentragender Knochen, bei den Ruminanten aus der Verschmelzung zweier entstanden, findet sich in diesen Familien, ein äusserer und innerer verkümmerter griffelförmiger legt sich an denselben an. Bei den Pachyder men steigt die Zahl wieder von 3 bis auf 5 und letztere ist auch die nor male für die Flossensäugethiere. Das Skelet. 15 Die Knochen selbst sind schlank, cylindrisch oder undeutlich prismatisch ш obéra Ende gewöhnlich mit einer planen oder concaven Gelenkflärhe für die Wurzelknochen, unten mit einer sehr gewölbten für das erste Zehen- jüed. Die relative Länge ist je nach den Functionen der Hand und des Fus ses veränderlich. Dienen Hände und Füsse zum Greifen, Graben, Klettern: да sied die Mittelhand- und Miltelfussknochen verkürzt, bei den plumpen Uufihierai verlängern sie sich gleichzeitig mit dem Halse meist auf Kosten de Oberarmes und Oberschenkels, daher sie bei Einhufern und Wiederkäuern an längsten. Auch bei den Chiropteren, wo sie die Flughaut spannen, er reichen sie eine sehr beträchtliche Länge. 6er Unterschied zwischen Mittelhand und Mitlelfuss spricht sich theils in der Zahl, theils in der Stärke und Länge der einzelnen Knochen aus und gebt sehr gewöhnlich auch auf die Zehen über. In der Hegel sind die Mit- lelmssknochen grösser als die des Metacarpus, aber keineswegs so häufig auch die zahlreichem. Die normale Zahl der Zehen beträgt 5 und zwar 4 dreigliedrige und ein zweigliedriger Daumen. Die Vcrkümmemng schreitet hier gleichfalls so weit vor, dass bei den Einhufern endlich nur eine einzige Zehe übrig bleibt, welche der mittlem der fünfzehigen Säugelhiere entspricht. IJebrigcns ist die Verkümmerung der äusserlich sichtbaren Zeilen derer des Skeleles gewöhn lich um einen Schritt voraus. Die normale Gliederzahl der Zehen erleidet bei den Cetaceen eine merkwürdige Ausnahme, indem die mittlem vier- bis sieben- gfcedrig werden, ein Ersatz für die fehlenden Hinterfïisse. Die Gestalt der Phalangen ändert vielfach ab. Sie sind cylindrisch, flach gedruckt oder etwas prismatisch , kürzer als die Metacarpus- und Met a tarsos - koochen und die erste Phalanx stets grösser als die zweite. Am wichtigsten ю zoologischer Hinsicht ist die Bildung des letzten Zehen- oder Nagelgliedes, die sich sehr bestimmt nach der Lebenweise des Thieres modifkirt. Die leBptiâchhchsten Unterschiede bilden die kurzen, flachen, vorn abgestumpften, welche mit Plattnägeln bedeckt sind, dann die comprimirten , zugespitzten, oll schon sanft gebogenen, die bei stärkerer Krümmung sich mit scharfen Kral len bewaffnen, und endlich die sehr kurzen und breiten, abgerundeten, die schubförmig vom Hufe bekleidet werden. Die Gelenkung der einzelnen Zehen oder deren Glieder ändert gleichfalls mehrfach ab und der wichtigste hierin begründete Unterschied ist der zwischen Hand und Fuss, erslere mit einem den übrigen Fingern entgegengesetzbaren Daumen, letetrer mit sämmllichen Zehen in gleicher Ebene. Die ächte Hand bildung kömmt nicht blos an den Vorderfüssen, sondern häufiger vielmehr an den Hmlerfü.-sen vor. Eine ganz abnorme Einlenkung einzelner Zehenglieder • wird bei dem Megatherium beobachtet. Eodlidi verdienen noch eine Erwähnung die an den Zehen vorkommen den accessoriseben Knochen oder Sesambeine, welche in einfacher oder dop- Zahl an der untern Seile neben den Gelenkküpfen liegen und mit der der Zehen auch die ihrige verändern. Der Schädel*). Die allgemeine Gestalt des Säugethierschädels zeigt ebenso auflallende ") lieber den Schädel der Säugelhiere sind ausser den oben angeführten Schrif ten über das Skelet noch zu vergleichen: Kösllin, der Bau des knöchernen Kop ie« in den 4 Klassen der Wirbelthiere. Stuttgart 1844; Erdl, Tafeln zur verglei- des Schädels. München 1941. 16 Allgemeine Characteristik. Unterschiede als die Körpergeslall. Bald ist er gestreckt, walzenförmig, com- primirt oder deprimirt, nach vorn schnabelartig verlängert oder abgestumpft, prismalisch, bald ist er verkürzt, höher als lang, abgerundet oder kantig und eckig. Immer aber unterscheidet er sich von dem der Vögel und Amphibien bestimmt durch zwei dem Grundbeine angehörige Gelenkhöcker neben dem grossen Hinlerhauplsloche für die Gelenkung mit der Wirbelsäule. Ebenso bezeichnend ist der stets unbeweglich und innig mit dem Schädel verbundene Oberkiefer, der aus zwei einfachen Aesten bestehende Unterkiefer und dessen unmittelbare Gelenkung am Schädel. Andere Eigentümlichkeiten des Säuge- thierschädels liegen in der innigen Verbindung aller Schädelknochen, in dem Mangel an Lücken zwischen denselben, in der bald frühern hald spätem völ ligen Verwachsung einzelner Nähte, in dem allinähligen Ueberwiegen des hirn tragenden Theiles über das Antlitz in den vollkommneren Familien, in den mannichfachen besonders die Kiefer und die Leisten und Kämme des Hinter haupts betreffenden individuellen Altersdifferenzen, endlich in der Zusammen setzung aus drei modificirten Wirbeln und den Knochen der Sinnes- und Kauorgane. Das Hinlerhaupt besteht allgemein aus dem Grund-, den beiden seitli chen und dem obern Hinterhauptsbeine, die gemeinlich schon frühzeitig mit einan der verschmelzen. Die beiden Gelenkköpfe am grossen Foramen sind um so stärkfir gewölbt, je länger und schwerer der Kopf bei grosser Beweglichkeit ist wie bei Baubthieren und Wiederkäuern. Sie sind dagegen flach und wenig her vortretend bei ganz verkürztem Halse und beschränkter Beweglichkeit wie bei den Cetaceen und inseclenfressenden Baubthieren. In Uebereinstimmung hier mit steht auch die Neigung der Hinterhauptfläche und die Stärke der Kämme und Ausbildung der Muskelansätzc überhaupt. Im Einzelnen bieten die ver schiedenen Familien und Gattungen beachtenswerte Eigenthümlichkeiten, die wir bei der speciellen Darstellung hervorheben werden. Das Keilbein zerfällt in zwei allermeist nicht mit einander verschmelzende Stücke, in das hintere und vordere Keilbein. Ersteres nicht immer das grös sere, pflegt schnell mit dem Grundbeine innig zu verwachsen. Ihm gehören die Alae temporales und die absteigenden Fortsätze an, dem vorderen dage gen die Alae orbitales. Letzteres überwiegt bei mehren Familien an Grösse das hinlere Keilbein und während die Flügel dieses nicht seilen zur Ilm schliessung der Trommelhöhle beitragen, dient das Vordere Keilbein zum Durchtrilt der Sehnerven, deren Foramina bald mehr bald weniger von ein ander gelrennt sind. Die Schläfengegend bilden mehre Knochen von sehr verschiedener Form und Bedeutung. Die Schuppe ist ein gerader oder gewölbter Knochen, von welchem ein starker Fortsatz mit der Gelenkfläche für den Unterkiefer und zur Verbindung mit dem Zygoma ausgehl. Der Umfang der Schuppe ist besonders im Verhältniss zum menschlichen Schädel sehr gering und ihre Mannichfaltigkeit bei Weitem nicht von so hohem Interesse als die veränder liche Beschaffenheil der horizontalen Gelenkfläche für den Unterkiefer, welche je nach der Bewegungsweise des letztem abändert. Bei den Baubthieren г. B. ist die kräftigste Bewegung des Unterkiefers die verticale, daher die Gelenk fläche tief querconcav, vorn und hinten mit stark entwickelten Bändern, welche eine Verschiebung weder nach vorn noch nach hinten gestatten. Die Wieder käuer dagegen haben eine sehr plane Gelenkfläche , auf welcher ihr Unterkiefer sich seitlich frei bewegen kann, und bei den Nagern ist in höherem Grade Das Skelet. • 17 lie Bewegung von vorn nach hinten möglich. Ausser der Schuppe liegen in der Schläfengegend noch das Paukenhein, Felsenbein und das zuweilen feh lende oder mit letzterem verwachsende Zitzenbein. Das Paukenbein bleibt te vielen Säuget liieren stets getrennt , und entsteht ursprünglich aus einem das Trommelfell einfassenden Ringe. Es erscheint mehr weniger blasig auftrieben und kann, jedoch nur selten, so nah an die Mittellinie der Schä delbasis heranrücken, dass es das der andern Seite berührt. Bei den Cetá cea ist das Paukenbein besonders gross, elfenheinhart und völlig vom Schlä fenbein getrennt. Das Zitzenbein ändert in Grösse und Form vielfach ab und scheint einigen Säugethieren ganz zu fehlen. Ueber der Scmäfengegend liegen die paarigen Scheitel- und Stirnbeine, welche die ffirnhöhle nach oben schliessen. Die Scheitelbeine verwachsen meist frühzeitig in der Mittellinie und geben dem Scheitel bald eine platte oder abgerundete gewölbte, bald eine kantige Gestalt. Besonders entwickelt ist letztere in dem starken Pfeilkamme der Raublhiere. Zwischen Scheilel- und oberes Hinterhauptsbein schiebt sich bei sehr vielen Säugethieren noch ein kleines Zwickelbein ein, welches bei einigen mit dem Scheitel-, bei an dern mit dem Hinterhauptsbeine verschmilzt. Die Stirnbeine bleiben häutiger getrennt als die Scheitelbeine, und ändern in Grösse und Form auflallend ab schon bei nahverwandten Thieren wie den Delphinen und Walen. Eigen- thümlich sind ihnen in der Familie der Wiederkäuer besondere zapfenlörmige, solide oder weitzellige Knochenfortsätze. Aiich an dem bei vielen Säugethie ren kantig vorspringenden Augenhöhlenrande der Stirnbeine kommen beson dere Fortsätze vor. Durch einen solchen, der zum Jochbogen sich abwärts wendet und diesen erreicht oder nicht, wird die Augenhöhle nach hinten von der Schläfengrube geschieden. Ganz andrer Art ist der Supraorbitalfortsatz z. B. bei dem Hasen, der an das Superciliarbein der Vögel erinnert. Der letzte zum hirntragenden Schädeltheil gehörige, die Hirnhöhle nach vorn ab schliessende Knochen ist das unter den Stirnbeinen gelegene Siebbein, welches nur wenig oder gar nicht an der Oberfläche des Schädels hervortritt. Seine Platte ist allermeist siebförmig durchlöchert, nur bei den Delphinen und dem Narwal merkwürdiger Weise nicht, und bei Ornithorhynchus nur von zwei grossen Löchern durchbohrt. Die eben betrachteten Knochen bilden den eigentlichen Schädel oder den himtragenden Theil des knöchernen Kopfes, an dessen Zusammensetzung also die Knochen des Gehörorganes und das zum Geruchsorgan gehörige Siebbein Theil nehmen. Ausserdem beünden sich am Kopfe noch die Antlitzknochen und die Kiefer mit den Zähnen. Im Gesiebt liegen vor den Stirnbeinen nach vorn sich ausdehnend die Nasenbeine, paarige Knochenplalten , die nur bei wenigen Säugethieren früh zeitig zu einem Stück verwachsen. Sie überwölben die Nasenhöhle und bil den auch deren vordem Rand, wovon nur die Cetaceen eine Ausnahme machen, iodem sie bei diesen ganz nach hinten genickt und verdickt sind. Hinsicht- Ben ihrer Grösse, ihrer Form und der Begränzung durch die anliegenden Knochen gewähren sie vielfache Unterschiede, die jedoch von untergeordnetem Interesse Лаг die systematische Zoologie sind. Unter den Nasenbeinen, in seltenen Fällen von diesen selbst ausgehend, befinden sich die Muscheln, welche von sehr dünnen gewundenen Platten gebildet werden. Bei den Raub- tbiereo und mehren Nagern sind dieselben am stärksten entwickelt, bei an dern wie den Wiederkäuern ist nur die untere Muschel sehr ausgebildet, bei 18 Allgemeine Characteristic. den Affen der neuen Welt gerade diese am einfachsten. Uebrigens ändert der Bau schon bei den nächst verwandten Gattungen zuweilen auffallend ab. Das Thränenbein ist als ein kleiner platter Knochen zwischen Stirn-, Nasen- und Oberkieferbein eingeschoben, ohne jedoch das Nasenbein immer zu berühren. Bei den Huflhieren hat es den beträchtlichsten Umfang und nimmt sogar bei einigen Wiederkäuern in einer äussern Grube besondere Drüsen auf. Uebrigens tritt es gewöhnlich aus dem Antlitz in die Augen höhle zurück, verkümmert auch hier bei den Affen sehr, und scheint bei vielen Flossensäugelliieren ganz zu fehlen oder wenigstens schon sehr früh zeitig innig mit dem Oberkiefer zu verwachsen. An der untern Schädelseite legen sich vor das vordere Keilbein und einen Theil des obern Gewölbes der Bachenhöhle bildend die Gaumenbeine, von bald grössern bald geringem Dimensionen und die zu diesen gehörigen, aber nur sehr selten damit verwachsenen Flügelbeine von ebenfalls sehr ver änderlicher Grösse. Der einfache Vomer verwächst meist früh mit dem Riech- und Keilbein und ist als senkrechte Scheidewand in der Nasenhöhle gewöhn lich stark comprimirl, verlängert drei- oder vierkantig und niedrig. Die seitliche und vordere Gegend des Antlitzes wird vom Oberkiefer gebildet, der in die beiden Kieferbeine und den Zwischenkiefer zerfällt. Letz terer nimmt die vorderste Stelle ein und ist paarig. Beide Hälften treten nur ausnahmsweise in der Mittellinie nicht zusammen wie bei mehrern Chiropte- ren, unter denen Taphozous und Megaderma nur knorplige Zwischenkiefer hat, Nyderis, Bhinolophus und Hypoderma nur durch Bandmasse mit dem Oberkiefer verbundene, Hypoderma sogar bewegliche. Die Berührung mil den Nasen- und Kieferbeinen sowie die Grösse ist sehr veränderlich. Bei den meisten Säugelhieren trägt der Zwischenkiefer im vordem oder Alveolarrande die Schneidezähne, wenn dergleichen überhaupt vorhanden. An der untern Seite umgränzt er die foramina incisiva allein wie bei vielen Nagern, oder nur zum Theil und diese selbst sind von sehr verschiedener Grösse , bald einfach, bald doppelt. Das Oberkieferbein breitet sich an der Seite des Antlitzes und über das Rachengewölbe aus. Am grössten ist es bei den Celaceen, demnächst am längsten bei einigen Edentaten. An der untern Schädelseite bildet es zwischen dem Gaumenbeine und Zwischenkiefer gewöhnlich den grössten Theil des Bachengewölbes und an der Seite sendet es nach hinten den Jochfortsatz aus, dessen Basis bei vielen Säugelhieren von dem Unter- augenhöhlenloche durchbohrt ist. Der Alveolarrand trägt allein Zähne. Das Jochbein verbindet den Jochfortsatz des Oberkiefers mit dem des Schläfen beines und begränzt die Schläfenhöhle nach Aussen, deren Umfang wie die Stärke und Krümmung des Jochbogens von dpr Grösse der Kaumuskeln ab hängt. Bei wenigen Säugelhieren verkümmert das Jochbein und scheint in seltenen Fällen sogar zu fehlen, während es bei andern einen beträchllicben Umfang erreicht und einen Fortsatz nach oben aussendet, der sich zur Ab- schliessung der Augenhöhle mit dem absteigenden Aste des Stirnbeines verbindet. Hier mögen noch die am Schädel vorkommenden accessorischen Knochen einiger Säugethiere erwähnt werden, nämlich das bei allen Faulthieren und dem Dasypus beobachtete unpaare os praenasale, das von Meckel beschrie bene os praemaxillare des Schnabelthieres und der bei dem Schweine, dem Maulwurfe und dem Perameles in der Spitze des Nasenknorpels sich bildende Büsselknochen. Das Skelet. 19 Dar Unterkiefer besteht aus zwei vorn mit einander unbeweglich ver- Aeslen. Bei sehr vielen Säugelhieren bleibt die Verbindung in einer Naht fortwährend sichtbar, bei andern, wie den Affen, vielen Huf) hieren u. a. tritt schon frühzeitig eine innige Verschmelzung ein und der ganze Unterkie fer besieht dann aus einem einzigen Stück. Die Länge dieses vordem oder Sympüysentheiles varürt sehr, und ist bei den Cetaceen am beträchtlichsten. Her horizontale Ast ist bald dicker, bald dünner, höher oder niedriger, über haupt nach der Lebensweise des Thieres mannichfaltig modificirt. Nach hin ten setzt er sich in den Kronfortsatz, den Kondylus und den Winkelfortsatz fori. Letztrer ist stark entwickeil nur bei Nagern, Faulthieren und Beutel- thieren. Mill aber nicht selten ganz. Der Kronfortsatz ist schwach bei den launlosen und allen Säugelhieren mit wenigkräfligem Gebiss. Bei den Her- bnoren steigt er immer als schmaler Forlsatz auf, bei den Baubthieren ist er besonders hoch und breit. Mil seiner Entwicklung steht in innigem Zu- Mmmenhange die Ausbildung der Grube an der Aussenseite des hintern Kie- ferlheiles, in welcher sich der Kaumuskel anheftet, und ebenso die höhere oder liefere Lage des Gelenkkopfes. Dieser steht in der Höhe des Alveolar- randes oder noch etwas tiefer bei den raubgierigsten Thieren und rückt bei minder raubgierigem Naturell über das Niveau der Zahnreihe, bei Pflanzen fressern befindet er sich hoch über demselben, bis er selbst den höchsten Punct des hintern Kieferrandes einnimmt. Mit der höhern Lage des Condylus wmi die Hebelkraft des Kieferastes geschwächt. Von der vordersten Spitze bis m die Nähe des Kronfortsatzes kann sich der obere Band des Kieferastes mit Zähnen bewaffnen. Wiewohl im Dienste des Verdauungsorganes stehend, reihen wir hier an die Betrachtung des Schädels, von der wir die Knochen der Sinnesorgane nicht ausschliessen konnten, aus eben dem Grunde die Characteristik des Zahnsystemes an, um so mehr als dasselbe gerade für die systematische Zoo logie von der höchsten Wichtigkeit ist. Das Zahnsystem *). Das Gebiss fehlt nur den wenigsten Säugelhieren völlig und unterschei det sich im Allgemeinen von dem der Amphibien und Fische wesentlich da durch , dass es stets nur auf die Kiefer selbst und zwar nur mit je einer einlachen Zahnreihe beschränkt ist , und dadurch , dass in der Form , Zahl und Anordnung der Zähne eine bei Weitem grössere Bestimmlheit herrscht. Die Slructur und Zusammensetzung betreffend, bestehen die Zähne ge wöhnlich aus dem Zahn- oder Elfenbein, aus Cäment und Schmelz. Diese drei Substanzen treten in sehr verschiedenen Verhältnissen ihrer Menge sowohl ab ihrer Verlheilung zur Bildung der Zähne zusammen und bedingen zunächst den wichtigen Unterschied von einfachen und zusammengesetzten Zähnen. Erstere zeigen, soweit sie frei über den Kieferrand hervorragen, nur eine jener Substanzen, den Schmelz, welcher die Zahnsubstanz ganz überzieht, daher die Zähne auch schmelzhöckerige genannt werden. Dringt die äussere Sehmekschicht in die Zahnsubstanz ein, so dass auch diese äusserlich sicht- *) l'eber Odoutographie sind ausser Cuvier's oss. foss. und ßlainville's Osleogr. «fie wichtigsten Schriften: Fr. Cuvier, Pents des mammifères. Paris 1825; Owen, Odcmtoeraphv. London Í840 — 45; Giebel, Odontographie. Leipzig 1853. (Erscheint in " u 6 Tafeln 4- mit dazu gehörigem Te*t). 2* 20 Allgemeine Cliaracteristik. bar wird, so ist der Zahn zusammengesetzt und heisst schmelzfaltig, wenn der Schmelz in gewundenen Falten in die Zahnsubstanz dringt und der Zahn am untern Ende eine einfache Oeffnung hat, lamellirt dagegen oder blättrig, wenn der Schmelz dünne Platten bildet, die den Zahn der ganzen Länge nach zusammensetzen. Zahnsubstanz , Schmelz und Cäment sind keineswegs in jedem Zahne zu gleich vorhanden. Das Cäment fehlt sogar sehr häufig. Bei dem Elephanten dient es zur Verbindung der einzelnen Schmelzplatten und auf der Kaufläclie dieser Zähne wechseln neben einander ab das Cäment , der Schmelz und die von diesem umschlossene Zahnsubstanz. Bei vielen andern Säugethieren bildet das Cäment nur einen dünnen Ueberzug der Zahnkrone und bei andern fehlt es völlig. Der Schmelz beschränkt sich bisweilen auf eine Seile des Zahnes, wie an den Nagezähnen, wo er nur die vordre oder äussere Fläche über zieht, oder er fehlt, jedoch seltener, ebenfalls ganz. Die Zahnsubstanz zeigt hinsichtlich ihrer feineren Struclur mehrfache erhebliche Unterschiede. Von dieser gewöhnlichen Struclur und Zusammensetzung weichen die Zähne einiger weniger Säugcthiere merkwürdig ab. So die des Orycteropus und der Rytina durch ihre röhrige Struclur, die des Schnabeltieres durch ihre faserig knor plige Beschaffenheit und die ganz aus hornigen Fasern besiehenden Barten der Walfische. Die aus thierischer Gallerle und kohlensaurem Kalk bestehende Zahn substanz isl bei den Säugethieren mit wenigen Ausnahmen (Nager, Edentaten) nicht wie bei den Fischen und meisten Amphibien von Kanälen durchzogen. Die feinern Zellen oder Röhrchen , welche die Kalkerde enthalten, haben eine rundliche oder sechsseitige Gestalt und ihr Durchmesser wechselt von Vioooo bis Уялооо Zoll. Sie gehen vom Centrum in geradem oder gekrümmtem Lauf sich verästelnd und kleiner werdend radial zur Peripherie. In ihrer weitern Beschaffenheit und Anordnung zeigen sie manche Eigentümlichkeiten, die wir im speciellen Theil berücksichtigen werden. Das Cäment besieht gewöhnlich aus parallelen Lagen radialer Kalkröhrchen von sehr veränder lichem Durchmesser, der bei den Carnivoren kleiner als Viooo Zoll, bei den Pachydermen grösser ist. Im Schmelz zeigt die microscopische Untersuchung mehr weniger gekrümmte oder wellenförmige prismatische Fasern von etwa V4000 Zoll Durchmesser und in verticaler Richtung gegen die radialen Rülir- chen der Zahnsubstanz. Die Befestigung der Zähne im Kieferknochen geschieht in besondern Ver tiefungen des lelztern, in Alveolen, und die wahren Zähne aller Säugethiere heissen daher eingekeilte, an- und aufgewachsene wie bei den meisten Amphi bien und allen Fischen kommen ausser den Barten der Walfische und den hornigen Fasern des Schnabellhieres nicht vor. Die Basis oder der untere Theil des Zahnes ist in der Alveole verborgen und der obere oder freie Theil verrichtet das Kaugeschäft. Jener heist die Wurzel, dieser die Krone. Beide sind entweder in Form und Zusammensetzung scharf geschieden oder am Zahn selbst nicht abgegränzl sondern nur durch den Alveolarrand des Kie fers bestimmt. In letzterem Falle nennt man die Zähne geradezu wurzellos, obwohl ihr untrer Theil in der Alveole verborgen ist. Alle lamellirten und schmelzfalligen Zähne sind wurzellos, alle am untern Ende geöffneten. Die Wurzel ist eine ein- oder mehrfache und letztere nur den Zähnen der Säuge thiere eigentümlich, wie überhaupt wahre Wurzelzähne dieser Klasse allein zukommen. Die Zahl der Wurzeläste pflegt mit den Zacken oder Höckern Das Zahnsystem. 21 der Krone in einem nähern Zusammenhange zu stehen , denn einfache Kronen »erden топ einer einfachen Wurzel gelragen, mehrhöckerige Kronen von zwei oder mehren Wurzelästen. Die Gestalt der Kronen ist für die systematische Zoologie von besonderer Wichtigkeit. Sach der Stellung im Kiefer Iheilen sich die Zähne in Schneide-, Eck- irnd Backzähne. Die Schneide- oder Vorderzähne sind ohne Ausnahmen аиГ den Zwischenkiefer beschränkt Ihre Form ist sehr einfach, die Krone meissel-, löffei- oder kegelförmig mit scharfem schneidenden Rande, seltener stumpf, mil ebener Kaufläche (Einhufer) oder ungeheuer verlängert wie die Steszähoe des Elephanten und Dinotherium. Die Wurzel ist einfach oder fehlt, indem die Zähne nach unten grösser werdend am Ende weit geöffnet ¿ind. Getheilte oder tiefgezackte Kronen kommen nur äusserst stillen vor, öfters dagegen durch seichte Eindrücke undeutlich gelappte. Eckzahn heissl der auf der Gränze des Zwischen- und Oberkiefers ste hende, allermeist einfache, kegelförmig gestaltete Zahn. Die eigentümliche Gestalt unterscheidet ihn gewöhnlich schon von den Schneide- und Backzäh nen, wo er aber mit denselben übereinstimmt oder von der gewöhnlichen Kegelgestalt durch Basalzacken an der Krone und doppelle Wurzel abweicht, kann er nur noch durch seine Stellung im Kiefer bestimmt werden. Die Backzähne stehen im eigentlichen Kieferbeine und weichen in mehr facher Hinsicht unter einander ab. Die vordem pflegen in ihrer Gestalt ein lacher zu sein als die hintern. Aber nicht auf die Gestalt gründet sich der Unterschied der vordem und hintern oder eigentlichen Backzähne, sondern anf ihre Entwicklung. Die Unterscheidung von vordem und ächten Back zähnen ist indess für die Systematik ungenügend. Entweder stimmt nämlich die Form aller Backzähne überein oder bittet wenigstens keine wesentlichen Unterschiede und dann hat ihre Trennung keinen systematischen Werth , oder die Form ist abhängig von der Function eine wesentlich verschiedene und gewährt wichtigere systematische Charactere als die Entwicklung. Bei den Pflanzenfressern sowie den Säugethieren mit unvollkommenen Baubthiergebiss sind die formellen Differenzen der einzelnen Backzähne sehr gering, in dem entschieden carnivoren Zahnsystem dagegen tritt ein dreifacher Typus der Zähne auf, welcher nicht durch die Entwicklung, sondern durch die Form imd Function bestimmt wird. Wir unterscheiden daher die ersten Backzähne als Lückzäbne sobald sie durch geringere Grösse, durch einfachere Formen, durch Kronen mit einfacher Höckerreihe, durch geringe Zahl der Wurzeläslc sich auszeichnen, die übrigen als ächte Back- oder Mahlzähne, wenn sie eine übereinstimmend zusammengesetztere Form, eine vielhöckerige Krone.und mehr aktige Wurzel haben, w;enn dagegen unter ihnen die scharfzackige Form von der stumpfhöekerigen auffallend verschieden ist: so bildet jene den Fleisch- zahn, diese die Kau- oder ächten Mahlzähne. In der gleich festzustellenden Formel des Zahnsyslemes dürfen diese wichtigen Unterschiede nicht unbe rücksichtigt bleiben. Die Kronen der Backzähne sind wie eben erwähnt zackig oder höcke rig und in dieser Beschaffenheit isl die Lebensweise, das Naturell derThiere ganz entschieden ausgedrückt. Je spitzzackiger und scharfkantiger die Kronen sind, desto raub- und blutgieriger ist das Thier, je mehr sich die Zacken und Kanten abrunden und in stumpfe Höcker verwandeln, desto milder wird das raobgierige Naturell und deutet endlich die omnivore Lebensweise an. Ganz :tumpfhôckerige Backzähne oder Mahlzähne mit breiten ebenen Kauflächen 22 Allgemeine Chara cteristik. dienen nur zum Zermalmen vegetabilischer Substanzen und kommen also auch nur den herbivoren Säugethieren zu. Die ursprüngliche Beschaffenheit der Krone, die Schärfe ihrer Höcker und die Zeichnung ihrer Käufliche verändert sich bei sehr langem Gebrauch. Die Höcker sehr alter Thiere sind abgenutzt, die spitzen Zacken der Raub- Ihierzähne abgestumpft, die Höcker und zierlichen Falten auf den Kauflächen des herbivoren Zahnsystemes abgeschliffen. Diese durch das Alter des Thie- res hervorgerufenen Unterschiede gewinnen zuweilen eine besondere Wichtig keit und verdienen vor Allem bei der systematischen Bestimmung vereinzelter fossiler Zähne eine sorgfältige Berücksichtigung. Schneide-, Eck- und Backzähne sind in jedem vollkommen entwickelten Zahnsystem, also bei allen höhern Säugethieren vorhanden und zugleich durch ihre eigenthümliche Gestalt von einander verschieden. Bei mehrern Säuge thieren, z. B. vielen Edentaten und Cetaceen schwindet jedoch der formelle Unterschied und die drei Zahnarten sind nur noch nach ihrer Stellung im Kiefer zu erkennen. Dieser Verkümmerung in der Form folgt ein Verschwin den einzelner Zahnarten. Am häufigsten fehlen die Eckzähne und demnächst die Schneidezähne. Völlig zahnlos sind nur sehr wenige Säugelhiere, wie die Ameisenbären. Die Zahnreihen des Ober- und Unterkiefers stimmen meist nicht voll kommen überein, sondern zeigen mehr weniger auffallende Unterschiede in der Zusammensetzung aus den einzelnen Zahnarten , in der Form, Grösse und Zahl der Zähne selbst. Schneide- oder Eckzähne oder auch beide zugleich können in einem Kiefer fehlen und in dem andern vorhanden sein. Ob ein solcher Mangel die obere oder die untere Zahnreihe betrifft, hängt von Zu fälligkeilen ab und lässt sich nach keinem durchgreifenden Gesetze normiren. Hinsichtlich der Grösse pflegen die Zähne des Unterkiefers meist kleiner, stärker comprimir! zu sein als die obern, wenn überhaupt ein Grössenunter- schied beobachtet wird. Die Eck- und Schneidezähne weichen von dieser Regel ab. So sind die untern Nagezähne bei vielen Nagethieren grösser und stärker als die obern, bei dem Dinotherium sind dieselben in gewaltige Stoss- zähne umgewandelt und obere Schneidezähne gar nicht vorhanden. Die Un terschiede in der Form beziehen sich auf grössere Einfachheit der untern, indem deren Höckerzahl geringer oder die Falten minder gewunden sind. Nur selten, z. B. bei Rhinoceros, ist die Gestalt der obern und untern Zähne eine auflallend verschiedene, durch eine abweichende Ausbildung der einzelnen Elemente bedingt. Immer aber, mag die Form in beiden Kiefern eine völlig gleiche oder eine mehr weniger abweichende sein, ist die Stellung der Zähne in der obern zur untern Reihe eine entgegengesetzte, so dass die rechte obere Reihe der linken untern oder in den Zahnreihen derselben Seite das Aussen der obern dem Innern der untern und umgekehrt entspricht. Vollkommen geschlossen sind die Zahnreihen nur bei den Affen und Menschen, schon bei den Chiropteren und allen übrigen Säugethieren sind Lücken im Gebiss vorhanden. Die häufigsten Lücken treten zur Trennung der drei Zahnarten auf, also zwischen Schneide- und Eckzähnen, zwischen letztem und den Backzähnen. Andere Lücken kommen in der Mitte der Schneidezahnreihen, zwischen dem ersten und zweiten, oder zwischen allen vordem, selbst zwischen sämmtlichen Backzähnen vor. Ist der Rachen ge schlossen: so alterniren in der Regel die Zähne der obern Reihe mit denen der untern und die Zacken und Höcker jener greifen zwischen die dieser. Dàs Zahnsystem. 23 Audi liier zeigen sich ausser den durch Unterbrechung in jeder Reihe enl- •landenen Lücken andere Lücken im Schluss des Gebisses , indem die Spitzen der eisten verkümmerten Backzähne von oben und unten einander nicht mehr berühren. Solche Zähne pflegen für das Thier bedeutungslos zu sein und veranlassen durch ihre Hinfälligkeit auch häufig eine Schwankung im Zah- lenrerhällniss. Die Zahl der Zähne ändert bei den Säugethieren überhaupt in grösster Maoaichíaltigkeil ab. Ihr Maximum erreicht sie bei den Delphinen, wo sie von 50 auf 90 und darüber steigt, ohne jedoch jemals Einhundert voll zu machen. Diese hohen Zahlen kommen indess ebenso selten vor als die Mi nima, welche 4 bis О betragen. Bei den meisten Säugethieren schwankt die Gesammtzahl zwischen 30 bis 40, etwas darüber oder darunter. In der Systematik verdient aber weniger die Gesammtzahl, als vielmehr das Zahlen- rátállnis-s der verschiedenen Zahnarten eine besondere Berücksichtigung, aus dessen Angabe die Totalsumme sich von selbst ergiebt. Die Zahl der Schneide zähne schwankt in der obern und untern Reihe unabhängig von einander wischen 0 , 2 , 4 , 6 , 8. Die Zahl der Eckzähne kann 4 nicht übersteigen. Die Schwankungen beschränken sich also nur auf das Eehlen in einem Kie fer und auf völlige Abwesenheit. Die Backzähne werden, wenn ihre Formen auf keine verschiedenen Functionen deuten, insgesammt gezählt, und schwan ken in allen Verhältnissen der oben angegebenen äussersten Gränzen. Treten fuactionelle Formdifferenzen auf: so ist deren Zahlenverhällniss wichtig. Die Zahl der Lückzähne kann geringer, gleich oder grösser als die der Mahl zähne sein und für beide von 1 bis 5 jederseits variiren. Theilen sich die ächten Backzähne in Fleisch- und Kauzähne: so beschränkt sich die Zahl, denn niemals (vielleicht Hyaenodon ausgenommen) ist mehr als ein Fleisch- zann und 0 bis 3 Kauzähne jederseits vorhanden. Für da,? Zahlenverhällniss ist mit Berücksichtigung der Zahnarten behufs der übersichtlichen und kurzen Bezeichnung eine Formel gewählt worden, deren Fassung jedoch bald nach diesem bald nach jenem Princip ausgeführt wird. Wir fordern von einer solchen Formel Einfachheit, Bestimmtheit und Deutlichkeit. Die obere und untere Zahnreihe zerfällt stets in zwei streng symmetrische Hälften, in eine rechte und linke. Es genügt daher in allen Fallen die Angabe der Hälfte des ganzen Zahnsystemes. Hiergegen ist ein gewandt worden, dass in der Reihe der Schneidezähne nicht immer eine mittle Scheide "sichtbar ist. Abgesehen aber davon, dass ursprünglich über all eine wirkliche Gränze in der Mittellinie existirt, ist Zahl und Form der Schneidezähne ohne Ausnahme symmetrisch und die Angabe nur einer Hälfte m der Formel vollkommen gerechtfertigt. In den Backzähnen pflegt man besonders in Frankreich und England allgemein nur den Unterschied zwischen vordem und ächten Backzähnen anzugeben, deren Begriff selbst verschiedent lich aufgefasst wird. Diese Bezeichnungsweise genügt bei der Ausbildung dreier ranctionell verschiedener Backzahnarten nicht. Die Formel muss die nstematiscb wichtigen Unterschiede angeben, sich also nach dem Zahnsystem modificiren und nicht umgekehrt dieses nach der Formel. Die Anwesenheit rerschiedener Backzahnarten ist daher in der Formel auszudrücken. Die Zah len der einzelnen Zahnarten überhaupt genügt es durch das mathematische + zu trennen, denn durch die beigefügten Abkürzungen inc., can., mol., oder Sehn., Eckz , Backz. u. a., welche bei dem steten Anfange der Zählung von den Sclmeidezähneu überflüssig erscheinen, wird die Formel zerrissen und der 24 Allgemeine Characteristik. schnelle Ueberblick gestört Schwankungen in der Zahl ein und derselben Zahnart werden am passendsten in ( — ) gefasst und die obere und untere Zahnreihe durch die Stellung übereinander bezeichnet. Für dus mannichfal- tigste Zahnsystem der carnivoren Raublhiere wird beispielsweise die Formel folgende Fassung erhalten: з*г1|[з1{] d. h. jederseits oben und unten 3 Schneidez. , 1 Eckz. , 3 bis 4 Luckz. , 1 Fleischz. und 2 Kauzähne oben , 1 unten, zusammen 38 bis 44 Zähne. Bei den Insectenfressern fällt der Un terschied von Fleisch- und Kauzähnen weg, es sind nur Lück- und ächte Backzähne vorhanden, also erhält die Formel z. B. folgende Fassung: |^4vy+§ d. h. in jedem Kiefer 3 Schneidez., 1 Eckz., 4 Lückz. und 3 ächte Back zähne. Bei nur einer Backzahnart erhält man z. B. für die Formel des Tapir 3 + 1 + 6 ' un(* w'" man c'en m ^er Entwicklung bedingten Unterschied von vordem und hintern Backzähnen ausdrücken l^jr^rlj- Fehlende Zahnar ien werden durch 0 bezeichnet, also bei den Nagern z. B. î-rÂxî • bei dem n UV 0+0+5 ' 1+U+« Faulthier: ÓTST*. Die Entwicklung der Zähne hat erst von der Geburt des Thieres an ein zoologisches Interesse. Nur wenige Säugelhiere zeigen bei der Geburt noch keine Spur von Zähnen und ebenso wenige sogleich das vollzählige Zahn- syslem. Bei den meisten sind dagegen im vordem Theile der Kiefer einige Zähne vorhanden, die sich alsbald vervollständigen und das sogenannte Milch- gebiss bilden. Dasselbe gehört nur dem jugendlichen Alter an und wird meist gleichzeitig mit dem Hervorwachsen der hintern Backzähne durch neue ersetzt, welche dann das bleibende Gebiss bilden. Die Zähne entstehen in den Alveolen und diese sind anfangs vereinigt, werden allmählich durch un vollkommene Scheidewände getrennt, die sich bei weiterer Entwickelung der Zähne vervollständigen und endlich so sehr verdicken, dass sie den Wurzel theil des Zahnes rings umschliessen. Die Zähne selbst entwickeln sich aus doppelthäutigen Kapseln, deren innere Haut die Zalinsubslanz, die äussere den Schmelz absondert. Die Bildung dieser festen Substanzen beginnt an der höchsten Kronenspitze des Zahnes und zwar an einem Puñete, wenn der Zahn einspitzig, an mehrern, wenn er mehrzackig ist. Durch schichtenweise Ablagerung des Zahnbeines vergrössert sich die Krone immer mehr, und erst, nachdem sie ausgebildet ist, und über den Alveolarrand sich erheben will, beginnt die Wurzel. Bei den einfachen oder den Zähnen mit wahrer Wurzel schliesst sich deren Bildung bald völlig ab, bei den sogenannten wur zellosen Zähnen, die noch lange, nachdem sie in Function getreten, weiter wachsen, endet die Wurzelbildung erst sehr spät. Sobald die Zähne ausge bildet sind, nutzen sie sich wieder durch die gegenseitige Reibung der untern auf den obern ab; die ganz mit festem Schmelz überzogenen wenig und langsam, die zusammengesetzten Zähne, bei denen die weichere Zahnsubstanz einen Theil der Kaufläche bildet, schneller und stärker. Die scharfen und spilzzackigen Zähne verlieren hierdurch die Spitzen und scharfen Kanten , die stumpfhöckerigen flachen sich ganz ab und je nach der innern Structur än dert die Zeichnung der Kaufläche mit zunehmender Abnutzung ab. Ist das Milchgebiss, welches ausser den Schneide- und Eckzähnen nur vordere Back zähne, alle bald in gleicher bald in geringerer Zahl als das bleibende Gebiss besitzt, völlig abgenutzt : so wird es durch neue senkrecht oder schief darun ter sich ausbildende Zähne abgestossen. Zugleich vervollständigt sich nun Das Muskelsystem. 25 das Zahnsystem durch allmähliges Hervortreten der hintern oder ächten Back zähne, welche hinter einander den Kieferrand durchbrechen. Hinsichtlich der Zeit des Zahnwechsels, der Zahl und Form der Milch- und Ersatzzähne fin det bei den verschiedenen Familien und Gattungen eine grosse Mannigfaltig keit Statt, so dass fast alle Zwischenstufen nachgewiesen werden können zwischen den äussersten Extremen, welche einerseits der Walfisch mit Zäh nen nur im fötalen Zustande und andrerseits der Elephant mit achtmaligem Wechsel der Backzähne bis ins höchste AJter darstellt. Auch in bleibendem Gebiss treten noch ausser den durch Abnutzung bedingten eigentümliche Veränderungen hervor, die nicht übersehen werden dürfen. Einige und bis weilen sogar alle Schneidezähne, die ersten einfachen Lückzähne, selbst der letzte Backzahn, wenn er verkümmert ist, fallen in späterem Alter aus, wo durch das Zahienverhältniss in einzelnen Fällen auflallend umgestaltet wird. Dieses erleidet auch dadurch zuweilen ein ganz abnormes Ansehen, dass ein zelne Milchzähne noch lange nach dem Wechsel in der Reihe der Ersatz zähne stehen bleiben. Das Muskelsystem*). An das Skelet als inneres Gerüst heften sich die Muskeln und bestim men die äussere Configuration des Säugelhierkörpers. Knochen und Muskeln stehen in innigster Beziehung zu einander und die Aenderungen in einem die» ser Organe bedingen entsprechende im andern. In der speciellen Zoologie wird daher gewöhnlich auch nur das Knochengerüst berücksichtigt, von dem Muskelsyslem der von diesem unabhängige Theil. Eine allgemeine Ueber- sicht des ganzen Muskelsystemes ist jedoch zur Einsicht in den Organismus wesentlich nothwendig und auf eine solche wollen wir unsere Darstellung beschränken. Unter den Muskeln des Rumpfes sind zunächst die der Wirbelsäule zu betrachten, welche mit Ausnahme derCelaceen, wo der Hals verkümmert und die Rückengegend vom Schwänze nicht gesondert ist, in die Hals-, Rücken- und Schwanzmuskeln sich theilen. Der den Kopf und Hals zurückziehende M. splenius heftet sich an das Hinterhaupt des ersten und die Born- und einige Querfortsätze des letzten und ist allermeist einfach. Unter ihm liegt ein langer innerer Kopfstrecker, dessen innerer Theil von den Querfortsätzen der ersten Rückenwirbel und den lernen der letzten Halswirbel entspringt, während der äussere nur von den Querfortsätzen ausgeht, beide heften sich oben an die Hinterhauplsschuppe. Neben diesen beiden Muskeln nach aussen befindet sich der allermeist ver einigte Nackenzitzenmuskel und Quermuskel, an welchen sich bei einigen Säugelhieren ein eigentümlicher aufsteigender Nackenmuskel, bei den meisten aber der obere Theil des langen Rückenmuskels anlegt. Ausserdem bestitzen die Halswirbel noch Zwischendorn- und Zwischenquerfortsatzmuskeln , welche и den ersten beiden Wirbeln durch beträchtliche Grösse sich auszeichnen und an das Hinterhaupt sich anheften. Von den Qucrforlsätzen gehen ge wöhnlich noch drei, seltener zwei oder nur ein Rippenhalter zur ersten oder den Widen ersten Rippen hin. Die untere Fläche der Halswirbel bedecken der v«i den vordem Brustwirbeln bis zum Atlas reichende lange Halsmuskel und der grosse und kleine gerade Kopfmuskel, welche von den vordem Halswirbeln ent- *) Die umfassendsten Arbeiten über die Muskeln sind die von Cuvier in den Leçons und von Meckel in dem System der vergleichenden Anatomie gelieferten. 26 Allgemeine Characteristic. springen und nicht überall deutlich von einander getrennt sind. Alle diese untern Muskeln bedeckt der vom Brustbein, Schlüsselbein und selbst Ober arm entspringende und meist an das Zilzenbein sich heftende Kopfnicker. In der Rückengegend tritt der grosse gemeinschaftliche Rückgratsstrecker be sonders hervor. Er entspringt an den Lenden- und Kreuzbeinwirbeln, ver einigt sich allermeist mit dem Dornmuskel der Brustwirbel und heftet sich an die Querforlsätze dieser oder zugleich auch an die Rippen. Bei den Ce- taceen entspringt er mit starker Sehne am Schwänze und befestigt sich flei schig an der Schuppe des Hinterhauptbeines. Unmittelbar auf den Wirbeln liegt der vieltheilige Rücken- und der Halbdornmuskel. Lelztrer dehnt sich vom Kreuzbein bis zum Epistropheus aus und ist zuweilen innig mit dem erstem verschmolzen. Die Zwischendorn- und Zwischenquerfortsalzmuskeln der Brust- und Lendenwirbel sind allermeist sehr schwach und häufig nicht scharf vom Dorn- und Halbdornmuskel geschieden. Die Muskeln des Schwanzes sind je nach dessen Länge, Stärke und be sondern Functionen verschiedentlich entwickelt. Sehr allgemein finden sich an ihm Heber oder Strecker, Seitwärtszieher und Niederzieher oder Beuger. Die Heber können als Fortsetzung der Muskeln an den Dornfortsätzen der Rücken- und Lendenwirbel betrachtet werden und sind ein innerer schwä cherer, zwischen den Dornfortsätzen und an den vordem Gelenkforlsälzen, und ein äusserer stärkerer, der schon von den Querfortsätzen der Lenden wirbel entspringt und mit seinen zahlreichen Sehnen bis ans Ende des Schwan zes reicht. Von den Seitwärtsbeugern ist der eine Zwischenquerfortsatzmus- kel und der andre äussere Sitzbeinschwanzmuskel, der vom Becken, gewöhn lich nur vom Sitzbein zu den vordem Querfortsätzen geht. Die Beuger an der untern Seite der Schwanzwirbel theilen sich in den untern Dornmuskel, der nicht in der ganzen Länge des Schwanzes ausgebildet ist, in einen zweiten vom Kreuzbein und den vordem Querforlsätzen entspringenden mit langen Seh nen an die folgenden Wirbel sich anheftenden, und in den getheilten obern und vordem Schwanzbeuger, jener vom Hüftbein, dieser vom Scham bein zu den untern Dornfortsätzen der vordem Schwanzwirbel sich erstreckend. Am Thorax fällt zuerst der sägeförmige Muskel auf, der von den Dorn- fortsälzen der letzten Halswirbel, der Brust- und ersten Lendenwirbel ent springt und sich mit einzelnen Sehnen an den obern Theil der meisten Rip pen zur Erweiterung des Bruslkaslens anheftet. Er zerfällt häufig in eine vordre absteigende und hintre aufsteigende Hälfte. Beide sind sehr selten z. B. bei Nagern gar nicht oder undeutlich geschieden, bei einigen Raubthie- ren dagegen verstärkt sich der vordre auffallend auf Kosten des hintern. Unter ihnen liegen die länglich dreieckigen Rippenheber, welche von den Quer fortsätzen der Brustwirbel entspringend zur hintern Gegend der Rippen gehen und in kurze an allen und lange meist nur an den hinlern Rippen vorhan dene, bisweilen selbst ganz fehlende sich theilen. Allgemein vorhanden sind die Zwischenrjppenmuskel , denen sich bei der Anwesenheit einer Clavicula nach der von dieser zur ersten Rippe gehende Schlüsselbeinmuskel anscbliesst. Letz trer erreicht bei dem Maulwurf, den Fledermäusen und den Quadrumaneii sogar eine sehr beträchtliche Grösse. An die Rippenknorpel und das Brust bein heftet sich als Niederzieher der Rippen der dreieckige Brust beinmuskel. D ie Brust- und Bauchhöhle werden bei allen Säugethieren ohne Aus nahme durch einen sehr entwickelten Muskel, das Zwergfell von einander ge schieden. Dasselbe entspringt mit einem dickern Theile von den Körpern Das Muskelsystem. 27 und Querfortsätzen der vordem Lendenwirbel, breitet sich dann zu dem Rip* peolbeüe aus und heftet sich an die Knorpel der hintern Rippen und den Sdrwertfbrlsatz des Brustbeines. Auf der Gränze des Lenden- und Rippen thaies findet sich eine meist starke Zwischensehne, das Centrum tendineum. Das Zwergfei! bildet aber niemals eine völlig geschlossene Wand, sondern besitzt mehre Oeffnungen zum Durchgang andrer Organe, so in der Mitteilt- nie der Wirbelsäule zunächst den Aortenschlitz, davor der SpeiseröhrenschliU, reehterseits die viereckige Oeffnung für die untere Hohladcr. An lelztrer be säten die wiederkäuenden Tylopoden eine Ossification, der Igel zwei ähnliche am Aorlenschlitz. Die Wandungen der Bauchhöhle bilden gemeinschaftlich mehrere allge mein als Bauchmuskeln aufgeführte Muskeln, welche an dem Hüftbeine, den Lendenwirbeln, Rippen und Brustbeine befestigt sind. Der erste derselben, der äussere schiefe Bauchmuskel geht vom Rande des Hüflbeines und der Schambeinfuge, hier bei den Säugethieren mit äussern Hoden durchbrochen, ni den letzten Rippen. Viel kleiner, unter demselben liegend und mit ent gegengesetzt verlaufenden Fasern versehen, ist der innere schiefe Bauchmuskel, der von dem Hüftbeinkamme und den Querfortsätzen mehrer Lendenwirbel entspringt und sich an die Knorpel der hintern Rippen heftet. Darunter folgt mit fast gleichen Ansatzpuncten der quere Bauchmuskel und dann der vier eckige Lendenmuskel, der vom Hüftbeinknorren unter den tiefen Rückenmus- kem hin an die Querfortsätze der Lendenwirbel und letzten Rippen verläuft und bei langer Lendengegend auch sehr stark wird, überhaupt am grössten aber beim Känguruh ist. Die viel schmälern geraden Rauchmuskeln, von einer Scheide umschlossen, dehnen sich von den Schambeinen bis an den nntem Tbeil mehrerer Rippen ans. Hinsichtlich der Anordnung der Sehnen, der Grösse und Ausbreitung nach vorn bieten diese Muskeln erhebliche Unter schiede nach den einzelnen Familien. Endlich der ebenfalls vom Schambein «(■springende Pyramidenmuskel, welcher sehr vielen Säugethieren gänzlich fehlt. Die Muskeln der Extremitäten sind zur Bewegung der einzelnen Glieder fieser bestimmt und daher in ihrer speciellen Ausbildung ebenso mannichfal- üjt als die Functionen der Vordergliedmassen selbst. Sie theilen sich nach den einzelnen Gliedern ein. Ton den Schultermuskeln zeigt der Kappemnuskel, der von Hinterhaupte, dem Nackenbande und den Domfortsätzen der Brustwirbel entspringend an die Gräte und Ecke des Schulterblattes sich heftet, vielfache Abänderungen, »dem er sich bald mit dem äussern Kopfnicker und dem dreieckigen Ober- armheber verbindet , bald völlig isolirl ist, oder er löst sich in zwei sehr ver schieden entwickelte Bäuche auf wie beim Maulwurf und Igel, geht wohl gar nur von den Brustwirbeln zur Sehultergräte wie bei den Fledermäusen, zer- Ш selbst in mehr als zwei Portionen u. s. w. Der Schulterblatlheber geht unter dem vorigen von der Ecke der Skapula an die Querfortsätze der letz ten Halswirbel. Er fehlt nirgends, verschmilzt jedoch bisweilen mit dem grossen gezahnten Muskel. Ein dritter nicht allgemein vorhandener, längli- Aer und platter Schultermuskel reicht vom untern Ende der Gräle bis an den Qnerfortsatz des ersten Halswirbels. Der Raute"nmuskel entspringt von ilen Dornen der letzten Hals- und ersten Brustwirbel und befestigt sich an den hintern Oberrand des Schulterblattes. Er ist bald einfach, bald getheilt rad von'sehr veränderlicher Grösse. Nach Innen von ihm und an dem obern Sîhoflerblattrande entstehend geht der grosse vordere gezahnte oder Säge 28 Allgemeine Characleristik. muskel mit mehrern Zacken an die vordem Rippen und meist auch an die Querfortsätze der hintern Halswirbel. Die Muskeln des Oberarmes kommen allermeist vom Schulterblatt und sind folgende: der Oberarmheber sehr veränderlich in Grösse und Gestalt, der Öbergrätenmuskel von der Obergrätengrube an den obern Höcker des Humeras gehend und meist stark, der Untergrätenmuskel bald grösser bald kleiner als voriger, überhaupt am ansehnlichsten bei dem Maulwurf, der grosse runde Armmuskel von ebenfalls sehr veränderlicher Grösse, der breite Rücken muskel von den Rippen oder Braslwirbelu oder beiden zugleich zur hinlern Fläche des Humeras laufend, der grosse Brastmuskel, der an der Innenseite der Skapula gelegene und an den innern Höcker des Oberarms sich heftende Unterschullerblattmuskel, mit dem mehr weniger getrennten kleinen runden Muskel, endlich der Hakenarmmuskel, welcher jedoch dem Känguruh und eini gen Omnivoren Raubthieren fehlt. Am Unterarm befinden sich mit Ausnahme der Cetaceen zunächst der lange und kurze Beuger, jener vom Schulterblatt ausgehend und an das obere Ende des Vorderarmes geheftet, dieser auch Ellenbogenbeuger genannt am Humerus entspringend. Der Vorderarmstrecker kommt vom untern Rande des Schulterblattes und heftet sich mit einer starken Sehne an das Olecranon. Minder allgemein werden noch zwei Vorwärtswender beobachtet und ihnen entsprechend zwei Rückwärtswender. Zur Bewegung der Hand dienen zwei Beuger und Strecker und die äus sern und innern Speichen- und Ellenbogenmuskeln, zu der der Finger ein ge meinschaftlicher Fingersirecker, vom äussern Humerasknorren entspringend, und die beiden langen Fingerbeuger vom innern Knorren des Humerus aus gehend. Je nach der Zahl der Finger und deren besondern Bewegungen fin den sich auch noch eigentümliche Muskeln vor, welche jedoch nur den Un- guiculaten allgemein zukommen und bei diesen selbst wieder grosse Verschie denheiten zeigen, daher wir sie nicht namentlich aufzählen. Die Muskeln -der hinlern Gliedmassen fehlen natürlich den Cetaceen und vertheilen sich bei den übrigen Säugelhieren wieder auf die einzelnen Glieder. Am Oberschenkel fungirt zunächst der grosse oder äussere Gesässmuskel, der gewöhnlich nur vom obern Hüflbeinrande entspringend eine sehr verschiedene Entwicklung und Anheftung besitzt. Der mittlere Gesässmuskel befestigt sieb an der äussern Fläche des grossen Rollhügels und ist meist von beträchtli cher Grösse. Der kleine gleich verlaufende Gesässmuskel verschmilzt bisweilen mit vorigem, seltener ist er grösser wie beim Pferde. Der vom Hüft- und Kreuz bein kommende Birnmuskel heftet sich an die innere Fläche des grossen Roll hügels. Er scheint nicht selten zu fehlen und übrigens sehr veränderlich in der Stärke zu sein. Der innere Hüftbeinlochmuskel geht aus der Höhle des Beckens um den absteigenden Ast des Sitzbeines und fasst mit einer starken Sehne, welche zwei vom Sitzbeinaste entspringende Zwillingsmuskeln begleiten, die innereFläche des grossen Rollhügels. Einigen Säugelhieren z. B. dem Schweine fehlt dieser Muskel, andern nur die Begleiter desselben, noch andern Beide. Der viereckige Schenkel muskel vom Silzbein bis zur hintern Fläche des Femu rrei- chend fehlt ebenfalls bisweilen. Wenig Unterschiede dagegen bietet der äus sere Hüftbeinlochmuskel. Als Beuger des Oberschenkels fungiren der runde Len denmuskel und der Hüftbeinmuskel, die sich gemeinschaftlich an den kleinen Roll hügel heften, als meist sehr stark entwickelte Anzieher, der nicht seilen in 4 zerlegte vom Scham- und Sitzbein zur innern Fläche des Oberschenkels reichenden Muskeln. Das Muskelsystem. 29 Der Unterschenkel hat gewöhnlich sechs Beuger von sehr verschiedener Entwicklung. Sie kommen theils vom Becken herab, theils vom Oberschen kel und setzen sich an die Tibia und Fibula. Der Strecker theill sich in einen oberflächlichen und einen tiefen, letztrer meist mit mehrern Köpfen. Erstrer entspringt über der Pfanne am Hüftbein , wird am untern Femoralge- lenk sehnig und geht über die Kniescheibe an die Schienbeinhöcker. Die Muskeln des Fusses sind wie die der Hand Beuger und Strecker, nämlich der vordere Schienbeinmuskel, die Wadenbeinmuskel, der meist drei köpfige Wadenmuskel mit der Achillessehne, der hintere Schienbeinmuskel. Für die Zehen finden sich allgemein ein langer und kurzer gemeinschaftlicher Zebenslrecker und ein langer Strecker der grossen Zehe, und ebensolche Beuger. Jedes Zehenglied hat wiederum seine eigenen Muskeln. Diese alle modiGciren sich mannichfach nach der Zahl und den besonderen Verrichtun gen der Zehen. Die den Kopf bewegenden Muskeln sind schon oben erwähnt, ausser diesen befinden sich aber an demselben noch die Gesichts- und Kaumuskeln, deren verschiedene Entwicklung die auffallende Mannichfaltigkeit der Gesichts- Pbysiognoraie bedingt und die Säugethiere wesentlich von den übrigen Wir- bellhierklassen unterscheidet. Die eigentlichen Gesichlsmuskeln fehlen den Schnäbelt hieren völlig und bestehen auch bei den Delphinen nur aus den Na- senringmuskeln , den Augenlidmuskeln und einer geringfügigen Lage auf dem Oberkiefer. Bei den meisten übrigen Säugethieren sind zunächst mehr weni ger bewegliche Lippen vorhanden. In denselben liegt ein sehr ansehnlicher Kreis- muskel, der Mundschliesser und von dessen äussern Rande strahlen die eige nen Antagonisten aus, welche sich in obere, mittlere und untere theilen. Die obern kommen vom Stirnmuskel oder sellener vom Jochbeine und gehen in den Mundwinkel. Vor diesem einfachen oder doppelten Jochmuskel liegt der vom untern Augenhöhlenrande herabsteigende breite Heber der Oberlippe und der meist mit diesem innig verbundene, vom Oberkiefer und Nasen beine zum äussern Umfange der knorpligen Nase und dem Mundschliesser ge hende gemeinschaftliche Heber der Nase und Oberlippe. Der Heber des Mund winkels hat seine Lage unter den eben erwähnten Muskeln. Die untern Mus keln sind der Niederzieher des Mundwinkels, ein tiefer gelegener und der Backenmuskel. Den weichen Gaumen bewegen zwei Erweiterer und zwei Ver engerer der hintern Mundgegend. Im Dienste des Unterkiefers stehen 5 Muskeln. Der grosse mehr we niger deutlich gelheilte Masseter liegt auf der äussern Fläche des Kronfortsat zes unter dem Jochbogen und variirt nur hinsichtlich seiner Grösse. Der Schlafmuskel geht als stärkster Heber von der Seitenfläche des Schädels zum Zackenfortsatze des Unterkiefers und der innere Heber aus der Flügelgrube des Keilbeines an die Innenfläche des Kronfortsatzes. Als Niederzieher dient der vom Zitzenfortsatz an den vordem Unlerrand des Kiefers reichende Un terkiefermuskel und als Seitwärtszieher ein oben und innen am Kronfortsatz befestigter Quermuskel. Die Hautmuskeln der Säugethiere endlich sind im allgemeinen sehr voll kommen ausgebildet und erreichen sogar bei denen mit Kugelungsvermögen wie beim Gürtelthier, Echidna und Igel eine sehr überwiegende Grösse. Dem nächst sind sie bei den Cetaceen sehr stark entwickelt. Gewöhnlich hüllen m als ein zusammenhängender Muskel den ganzen Rumpf ein und gehen auch über den Hals, einen Theil des Kopfes und Gesichtes hinweg, wo sie mit den 30 Allgemeine Characteristik. Lippenmuskeln eine innigere Verbindung einzugehen pflegen, während sie vo den Rumpfmuskeln durch Zell- oder Fettgewebe geschieden sind. Das Nervensystem*). Das Nervensystem zeigt zwar in der Klasse der Säugelhiere noch sei verschiedene Grade der Entwicklung, unterscheidet dieselbe doch aber dure das Ueberwiegen des Gehirnes über das Rückenmark und die in innigst« Deziehung dazu stehende gleichmässige Ausbildung der Sinnesorgane wesen lieh von den übrigen Wirbellhieren. Wir wenden uns sogleich zur Betracl tung der einzelnen Abtheilungen desselben. Das centrale Nervensystem. Das Gehirn füllt wie bei den Vögeln die Schädelhöhle vollständig ai und besitzt in der stark entwickelten Brücke, in der beträchtlichem Ausbi dung der Seitenlappen des kleinen Gehirnes, in der Längscommissur für d Ammonshörner und Sehhügel und endlich in der Solidität der mehr mind< scharf gesonderten Vierhügel durchgreifende Unterschiede von dem Gehii der Vögel. Die in den verschiedenen Säugethierfamilien beobachteten Differenz e lassen eine fortschreitende Entwicklung zu höherer Vollkommenheit nicht vei kennen. Am vogelähnlichsten und unvollkommensten ist das Gehirn des Sehn; belthieres. In demselben erscheint Brücke und Balken, dieser auch bei de Beirtelthieren , noch sehr wenig entwickelt, fast rudimentär, die Hemisphäre des kleinen Gehirnes gleichsam nur als Anhänge des sehr ausgebildeten Wui mes, die Vierhügel als nur ein Paar Anschwellungen, die Sehhügei in d< Mitte fast verschmelzend und die Hemisphären noch ohne Windungen. I>¡ Hemisphären des grossen Gehirnes nehmen allmählig an Umfang zu ; bei Ma: supialien, Nagern, Edentaten und. Fledermäusen sind sie ganz glatt, furcher los oder nur mit schwach angedeuteten Furchen und bedecken das kleine G< hirn noch nicht; erst bei den Affen bilden sich die hintern Lappen aus un die Windungen, den inseclenfressenden Raubthieren noch fehlend erscheint deutlicher bei den Katzen, mehr bei den Hunden, dann den Pferden ur Wiederkäuern, den Delphinen und Elephanten. Sehr gross sind gewöhnt к die Vierhügel, in den angegebenen Ordnungen frei liegend, aber niemals m einer Spur von Höhlung, bei den Affen verhältnissmässig am kleinsten, b den Raubthieren, die hintern Hügel, bei den Einhufern, Wiederkäuer Nagern, Insectenfressern die vordem grösser. Die Sehhügel werden gleicl falls allmählig grösser, der gestreifte Körper dagegen ist ansehnlich besoi ders bei den niedem Ordnungen. Die allgemein vorhandene Zirbel ande in Form und Grösse mehrfach ab. Beachtenswerthe Eigentümlichkeiten sir die allgemein vorhandenen Corpora trapezoidea, Erhabenheilen von quer* Markfasern dicht hinter der Brücke und neben den Pyramiden, von den« Fascikel des sechsten und siebenten Hirnnerven ausgehen, ferner die häuf vom an den Hemisphären befindlichen hohlen Anschwellungen der Geruch nerven und die zu denselben in näherer Beziehung stehenden seitlichen E habenheiten an der Basis der Mittellappen des grossen Gehirnes. *) Treviranus, Untersuchungen über den Bau und die Functionen des Gehirne etc. Bremen 1820. — Swan, illustrations of the comparative anatomy of the ne; vous system. London 1841. — Tiedemann, Anatomie und Bildungseeschichte de Gehirnes etc. Nürnberg 1816. — Serres, anatomie comparée du cerveau etc. Pari bas Nervensystem. 31 Das Bückenmark besteht allgemein aus vier Strängen und reicht wie bei den Vögeln wenigstens fast allgemein bis ans Ende des Markkanales der Wir belsäule, indem nur der Igel, bei welchem es nicht bis an das Ende der Brustgegend reicht, und Echidna hiervon eine Ausnahme machen. In seiner geizen Länge finden sich zwei Anschwellungen, welche den Ursprungsslellen der Nerven für die Gliedmassen entsprechen, aber auch bei den Cetaceen trotz der mangelnden hintern Extremitäten deutlich ausgebildet sind. Die Grösse und Stärke dieser Anschwellungen ändert mehrfach ab. Der bei den Vögeln am hintern Ende des Rückenmarks befindliche Sinus rhomboidale fehlt den Säugethieren allgemein, dagegen erhält sich der im embryonalen Zustande allgemein vorhandene centrale Kanal bisweilen erkennbar das ganze Liben hindurch. Der meist vor dem Austritt aus dem Markkanale gelegene Ursprung der Spinalnerven führt immer zur Bildung einer Cauda equina sekhe um so stärker ist, je mehr sich das Rückenmark verkürzt. Das peripherische Nervensystem. In dem Ursprünge der Spinalnerven weichen die Säugethiere nicht von den übrigen Wirbelthieren, insbesondre den Vögeln ab. Dagegen zeichnen sie sich -«deich durch den Besitz eines eigenlhümlichen Nervens, des N. phrenicus aas, der durch die vordem Aeste mehrer Halsnerven gebildet wird und seine ebenen zahlreichen Aeste im Zwergfell ausbreitet. Der Plexus brachialis ent steht gewöhnlich durch die vier letzten Halsnerven und den ersten Rücken- iwrveo. Unter den zahlreichen aus denselben hervortretenden Aesten ist der N. mediaous hinsichtlich seines häufigen Durchganges durch das Foramen ^jpracondyloideum des Oberarmes bemerkenswert!). Der N. ischiadicus der hintern Extremitäten entspringt allgemein aus einem von den letzten Lenden- uod ersten Kreuznerven gebildeten Lumbargefiechte , welches auch bei den Cetaceen vorhanden ist und hier einen Nervenstamm aussendet, dessen Zweige pcb in den Muskeln des Beckenrudimentes, der Genitalien und in der Afler- Eegend verbreiten. Bei den Säugethieren mit einem längerem Schwänze bil det sich aus den vordem Aesten der Kreuznerven ein besonderer Plexus. Cnter den Sinnesnerven, welche dem Hirn entspringen, ist zunächst der Sehnoerv allgemein vorhanden und nur rudimentär bei den unterirdisch le benden blödsichtigen Insectenfresseru , bei welchen denn auch die Augenmus- keJnerven vermisst werden. Die Primitivfasern kreuzen sich nur zum Theil, rädern Theils laufen sie auf derselben Seite vom Chiasma aus. Dagegen fehlt der Riechnerv den Delphinen bestimmt und zeichnet sich bei den meisten übri gen Säugethieren durch die grossen hohlen Corpora mammillaria aus. Der Nervus acusticus ist besonders bei den Cetaceen sehr stark, ebenso der stets mit zwei Wurzeln entspringende N. trigeminus, dessen Aeste sich je nach der Bildung der Schnauze und des Rüssels sehr verschiedentlich entwickeln, wo nach auch der N. facialis vielfach und auffallend sich verändert. Letztrer versorgt zugleich die Bart- und Schnurrhaare mit besonderen Fäden. Der N. glosso- i'hanngfus. N. vagus und N. hypoglossus zeigen einzelne Eigentümlichkeiten, «eicfWi aber im Wesentlichen nicht von denen der Vögel ab. Ebenso ver hält sich der N. sympathicus in seinen drei nach der Hals-, Brust-, und Bauchgegend geschiedenen Abtheilungen. Die Sinnesorgane. Die gleichmässigere Entwicklung aller Sinnesorgane zeichnet, wie oben "rwähnt, die Säugethiere vor allen übrigen Wirbelthierklassen aus. Damit 32 Allgemeine Characteristic. ist aber keineswegs gesagt, dass jeder einzelne Sinn bei jedem Säugelhiere vollkommener sei, als derselbe bei den Amphibien oder Vögeln. Ueberhaupt treten bei den Vögeln Geruch und Geschmack am meisten zurück, soweit als sie bei den Säugethieren kaum ausnahmsweise zurückstehen, demnächst das Gehör, während das Gesicht allgemein überwiegend ausgebildet ist. Bei den Säugethieren bildet sich ein Sinnesorgan nirgends in so hohem Grade überwiegend aus, ihre grössere Vollkommenheit besteht eben nur in der Gleichmässigkeit überhaupt, welche durch die seltenen Ausnahmen den andern Thierklassen gegenüber nicht gestört wird. Wir wenden uns sogleich zu dem Bau der Organe und deren Eigenthümlichkeiten selbst. Das Gesichtsorgan*). Die Augen der Säugelhiere sind im Verhällniss zum Kopf«: durchweg kleiner als bei den Vögeln, und schwankt dennoch ihre Grösse zwischen weitern Extremen, indem viele Halbaffen von geringer Körpergrösse verhält- nissmässig enorm grosse Augen haben, Spalax und Talpa dagegen ganz ver kümmerte. Die riesenhaftesten Gestalten, der Elephant und die Wale haben relativ sehr kleine Augen, die kleinen Fledermäuse dagegen sehr grosse. Mit Ausnahme der vollkommenen Affen, deren beide Augen wie bei dem Menschen mit parallelen Achsen nach vorn gerichtet sind, divergiren bei allen übrigen Säugethieren diese Achsen, die Augen stehen seitlich am Kopfe und die Augenhöhle öffnet sich nach hinten in die Schläfengrube, indem höchstens eine knöcherne, Stirn- und Jochbein verbindende Brücke eine äussere Gränze bildet. Als Scheide beider Höhlen tritt mit Ausnahme der eigentlichen Affen, wo eine knöcherne Wand sich findet, eine fibröse Membran von verschiedener Stärke auf. Von Aussen wird das Auge wie bei den Vögeln durch ein oberes und unteres Augenlid geschützt, wozu auch häufig noch die Nickhaut kömmt. Letztere fehlt den ächten Cetaceen gänzlich und reducirt sich bei den Affen auf eine kleine Falte. Bei den durch viele Vogelcharaclere ausgezeichneten Schnabellhieren wird das Auge merkwürdiger Weise durch ein einziges kreis förmiges Augenlid geschlossen. Uebrigens werden alle drei Augenlider meist durch Knorpel gestützt und das obere pflegt das grössere zu sein. Die Be wegung der Augenlider geschieht durch besondere Muskeln, die aber in ihrer Ausbildung ein höchst abweichendes Verhalten zeigen. Der Nickhaut kommen eigene Muskeln nur bei den wenigsten Säugethieren zu und kann dieselbe auch nie über das ganze Auge vorgezogen werden. Umgekehrt verhalten sich die Lider der verkümmerten Augen z. B. bei Spalax, indem sie gar nicht ge spalten sind, sondern das Auge verschlossen halten. Augenwimpern und Braunen besitzen nur wenige Säugelhiere. Der Augapfel ist gewöhnlich fast kuglig, bald vorn mehr abgeplattet, bald stark gewölbt, bei einigen mit überwiegendem Querdurchmesser, bei an deren mit grösserer Längsachse. In der Zusammensetzung aus den einzel nen Theilen stimmt er bis auf den steten Mangel des knöchernen Sklerotikal- ringes sowie des Kammes mit dem der Vögel überein und die in dieser Hinsicht beobachteten Modifikationen sind in der mannichfaltigen Lebensweise bedingt. Bei den wasserbewohnenden Flossensäugelhieren z. B. wird die *) Sömmering, de octilorum humanorum animatiumque sectione horizontaü. Gotting. 1818. — Treviranus, Beiträge zur Anatomie und Physiologie der Sinnes werkzeuge, tieft I. Bremen 1828. — Cuvier, Leçons d'anatomic comp. tom. III. 1845. Die Sinnesorgane. 33 Lmsemehr kuglig, die Hornhaut flacher, die wässrige Feuchtigkeit geringer, bei den in der Lufl lebenden Säugethieren dagegen wird die Linse flacher, die Cornea con- тнег, die Menge der wässrigen Feuchtigkeit grösser. Die Sklerotica zeigt nicht sel- tai besonders bei Wasserbewohnern eine verschiedene Dicke in ihrer Ausdehnung. Ihre Oeflhung für den Sehnerv ist entweder erweitert oder dieser schnürt sich voT seinem Eintritt ein. Uebrigens ändert die Lage der Eintrittsstelle mehrfach ab. Die Pupille weicht in ihrer runden, vertical oder horizontal veilângerten Gestalt öfter ab, als bei den Vögeln und wird dadurch bisweilen für die Systematik besonders wichtig. Dem Säugelhierauge eigenlhümlich ist das sogenannte Tapetum, eine aus dünnen Fasern gewebte Membran in der Umgebung des Sehnerven und von verschiedener, bei Delphinen und Rob ben über den ganzen Grund des Auges sich erstreckender Ausdehnung. In diesem Tapetum hat der metallische Glanz vieler Augen seinen Silz, ja bei den Wiederkäuern ist sogar die Pigmentschicht in das Tapetum selbst verlegt. Bei den Carnivoren ist dieses Gebilde zellig und hinten mit einer kalkarligen kreideweissen Substanz belegt. Die Bewegung des Augapfels vollziehen wie bei den Vögeln fast allgemein vier gerade und zwei schiefe Muskeln, zu de nen, ausgenommen bei den Alfen, noch ein Zurückzieher kömmt , welcher den Sehnerv umfasst und hinter die Hornhaut an die Sklerotica sich ansetzt, und gewöhnlich in vier Portionen gelheilt, oder wie bei den Wiederkäuern trich terförmig ist. Der Thränenapparal scheint den Säugethieren ganz allgemein zuzukom men, aber er bietet hinsichtlich der Grösse der Thränendrüse, der Thränen- puncte und des Kanales mancherlei Verschiedenheiten, die jedoch für die Systematik bedeutungslos sind. Das Gehörorgan*). Durch die fast allgemeine Anwesenheil einer Ohrmuschel, durch die Läufige Verknöcherung des äussern Gehörganges und den Besitz dreier Ge hörknöchelchen unterscheidet sich dieses Organ durchweg von dem der Vögel. Die Ohrmuschel fehlt vielen Flossensäugethieren und einigen unterirdisch bebenden Insect enfressern, allen übrigen kömmt sie zu, aber in sehr verschie denen Graden der Ausbildung. Bei einigen ist sie noch klein, wohl gar durch eine besondere Klappe zum Verschliessen des äussern Gehörganges vertreten, äusserlich nicht bemerkbar, bei andern ragt sie mehr weniger hervor in den mannichfaitigslen Formen schon bei den nächst verwandten Thieren sich ver ändernd, immer aber durch einen sehr entwickelten Muskelapparat, der z. B. bei dem Pferde aus siebzehn gesonderten Muskeln besteht, mehr weniger be weglich. Grösse und Gestalt, Stellung und äussere Beschaffenheit verdienen bei der systematischen Bestimmung der Arien, Gattungen und Familien eine besondere Beachtung. Welche bedeutende Rolle die Ohrmuschel aber in die ser Hinsicht noch bei Raçenbildung spielt, davon gibt der Hund ein schönes Beispiel. In ihrem innern Bau lassen sich gemeinlich drei Knorpel unterschei den. Der grösste derselben ist trichterförmig und heisst die Muschel. An ihn legt sich der Schild zur Aufnahme mehrer Muskeln. Am untern Ausschnitt der Muschel und den äussern Gehörgang gleichsam vervollständigend befindet ") Scarpa, disquisitiones anatomicae de auditu et olfactu. Ticini 1789 — 92. — Bresche!. Etudes anatomiques et physiologiques sur l'organe de l'ouie et sur Гаи- ttion elé. Paris 1835. — Günther, Beobachtungen über Entwickelung des Gehör- argsnes etc. Leipzig 1842. Sta*eUi«re. 3 34 Allgemeine Characteristik. sich der Kürass oder Ring. Ossifikationen in dem Ohrknorpel sind nur sehr seilen beobachtet worden*). Der äussere Gehörgang ist bei den meisten Säugethieren knöchern, bei sehr wenigen fibrös häutig, durch Knorpel unterstützt, namentlich bei den Cetaceen. Diese Verschiedenheit steht aber keineswegs in einem näheren Zu sammenhange mit der Anwesenheil oder dem Mangel der Ohrmuschel und wird diess z. B. durch Chlamydophorus ohne letztere und mit einem knöcher nen Gange bestätigt. Die Theile des innern Ohres zeigen viele z. Th. sehr auffallende Verschie denheiten. So ändern die Formen der drei stets vorhandenen Gehörknöchel chen Hammer, Ambos, Steigbügel, mannichfaltig ab. Zuweilen werden sie noch um ein viertes Knöchelchen vermehrt, so bei Stier und Pferd durch ein Sesambeinchen im Musculus stapedius, bei Chrysochloris durch einen keu lenförmigen zwischen Hammer und Ambos. Die Bewegungen der drei Knö chelchen vollziehen wahrscheinlich überall nur zwei Muskeln. Die Schnecke erscheint bei den Monotremen noch ganz vogelähnlich und beschreibt nur einen Bogen. Bei dem Igel und den Cetaceen macht sie i Va Windungen, bei der Gemse und Robbe 2 und so steigt die Zahl bis auf 5 bei Coclogenys раса. Die Grösse ist von der Zahl der Windungen unabhängig, dagegen wird die Ge stalt bei mehr als drei Windungen kegelförmig und ragl in die Paukenhöhle hinein. Diese variirt besonders in ihrer Grösse, selten wie bei Pferd und Schwein ist sie zellig, oder in Fächer gelheilt, bei dem Faullhier dringt sie sogar in den Jochbogen vor**). Das Trommelfell zieht sich meist etwas nach Innen, und liegt, horizontal, etwas geneigt oder senkrecht. Die halbcirkelförmi- gen Kanäle bieten sowohl in Grösse als in der Krümmung 'vielfache Unterschiede und die Eustachischen Röhren endlich sind theils knorplig, theils knöchern, bei den Delphinen durch Krümmung und eine Wulst an ihrer Mündung in den Nasenkanal, bei den Einhufern durch die Verbindung mit einem unter dem Grundbeine gelegenen Luftfacke ausgezeichnet. Das Geruchsorgan***). Das Geruchsorgan der Säugethiere zeigt im Allgemeinen eine viel grös sere Uebereinstimmung als das Ohr, indem nur die Cetaceen einen wesent lich abweichenden Typus haben. Die äusserlich von einander getrennten Nasenöffnungen werden von selb ständigen Knorpeln unterstützt wie bei den Wiederkäuern und Einhufern oder von nach Aussen gerollten Erweiterungen der knorpligen Nasenscheidewand umgeben wie bei vielen Raubthieren. Diese feslern Theile bedingen gewöhn lich die Gestalt der äussern Nase, welche kurz, platt, gewölbt, vorstehend, spitz oder abgestumpft, röhrig verlängert, rüsselartig sein kann. Die Nasen löcher liegen entweder ganz nah beisammen oder durch ein , breites Septum getrennt, bald mehr nach oben, oder nach vorn, bald mehr seillich. Dit äussere Nase erhöht nicht allein die Empfänglichkeit riechender Stoffe, sie dient zuweilen auch noch zu besondern Functionen, so zum Wühlen, Gra ben, Tasten und Greifen. So eigenlhümlich der lange Rüssel des Elephanteri ist, so merkwürdig erscheint die häutig muskulöse Blase des Klappemützen- ") Hannover, de cartilaginibus, musculis, nervis auris externae atque de nexu nervi vagi et facialis. Ilavinae 1839. 4. ") Hagenbacli, Die Paukenhöhle der Säugethiere. Leipzig 1835. 4. "") Harwood, System der vergleichenden Anatomie und Physiologie. A. d. Engl, von Wiedemann. Berlin 1790. Die Sinnesorgane. 35 Seehundes. Nach dieser verschiedenen Grösse und Function ist der zur Be wegung dienende Muskelapparat verschieden entwickelt, der nur äusserst sei len wie dem Schnabelthier völlig fehlt und immer unter dem Einflüsse des Nervus facialis sieht. Die nach Innen sich fortsetzenden Nasenhöhlen werden durch den Vomer und eine diesem aufgesetzte Knorpelplatle, welche bei Rhi noceros tichorhinus ebenfalls verknöchert, von einander geschieden und von den in Grösse und Gestalt niannichfallig abändernden Muscheln erfüllt. Diese iheflen jede Höhle in drei Gänge und dienen zur Erweiterung der Fläche, welche den Riechstoff aufzunehmen bestimmt ist. Ihre Windungen sind da her auch um so zahlreicher und complicirter, je empfindlicher das Geruchs- <>rgan ist. Sehr häufig communiciren die Nasenhöhlen noch mit Nebenhöhlen ñ den sie begrenzenden Kopfknochen. Am gewöhnlichsten finden sich der gleichen in den Stirnbeinen, von denen aus sie sich bei dem Elephanten so gar durch die Scheitel- und Schläfenbeine bis ins Hinterhaupt ausbreiten, ninder umfangsreich erscheinen sie bei andern Pachydermen, den Wieder käuern und Faulthieren, am kleinsten sind sie bei den Raubt!. ieren. und eini gen Affen, Nagern, Edentaten fehlen sie. Nicht so allgemein und beträcht- kb sind die Nebenhöhlen im Oberkieferbeine, welche bei Einhufern, Wieder käuern und Beutelthieren eine besondere Beachtung verdienen. Im Keilbeine gewinnen sie wiederum bei dem Elephanten die grossie Ausdehnung, dem nächst bei einigen andern Pachydermen, aber vielen Säugelhieren fehlen sie чет ganz. Eigentümliche Gebilde in den Nasenhöhlen der Säugelhiere sind die Stensonschen Gänge und die Jacobson'schen Organe, welche beide nur weni gen Säugelhieren fehlen. Erslere bestehen in mit Schleimhaut ausgekleideten Kanälen, welche durch die Foramina incisiva laufen und an der Gaumenfläche münden. Mit ihnen in Verbindung treten gewöhnlich die langen und engen, am Boden der Nasenhöhle gelegenen und gleichfalls mit Schleimhaut ausge kleideten Röhren, welche das Jacobson'sche Organ genannt worden sind. Die Nase der Cetaceen ist in einen eigentümlichen Spritzapparat umge wandelt. Ihre knöcherne, einfache oder doppelle Nasenhöhle sieht senkrecht, enthält keine Muscheln und wird von einem .derben [fibrösen Gewebe ausge kleidet. Ein kräftiger Muskel umgibt die obere Oeffnung. Nach Innen nimmt sie die Spritzsäcke mit ihren Nebensäcken aufundmundet in die Rachenhöhle. Geschmacksorgan *) . Die Zunge der Säugethiere fungirt allgemein als Geschmacksorgan und ist daher weder jemals so hornig und unempfindlich wie bei den Vögeln, noch verkümmert sie. Im Gegentheil ist sie allgemein weich, mit Geschmacks warzeben besetzt, feucht und sehr beweglich, bietet aber dennoch in Betreff ihrer Grösse. Gestalt, der Beweglichkeil und der Bekleidung ihrer Oberfläche еще nicht geringe Mannichfaltigkeit. Bei den meisten Säugelhieren ist die Zunge schmal, mehr weniger dick ■od vorstreckbar, nur bei dem Ameisenbär auffallend lang, rundlich, wurm- ßnnig, bei den Cetaceen dagegen breit, platt nicht vorstreckbar und am Rande gefranzL Letztem fehlen auch die Geschmackswärzchen. Die Wärzchen über- baopt gind von verschiedener Grösse, Zahl und Anordnung. Die grössern •ferselben, die papilae vallatae, haben bei den Alfen eine Y förmige Stellung *) Mayer, über die Zunge als Geschmacksorgan. Nov. act. Leop. XX« 1843. — Поогепз rech. anat. p. I.c orps muqueux delà langue. Ann. sc. nat. 1837. VII. 3G Allgemeine Characteristik. und sind zu 3 bis 7 vorhanden, häufiger beträgt ihre Zahl nur 2 bis 3, ändert aber schon bei den nächst verwandten Thieren auffallend ab, denn neben der geringsten Zahl bei den Fleischfressern kommen doch den Katzen 8, dem braunen Bär 20, dem amerikanischen Bär 15 zu; die Ziege besitzt deren 30. Gewöhnlich bedecken Epithelialborslen die obere Fläche der Zunge, die sich bei dem Stachelschwein im vordem Theile in knochenharte Schup pen verwandeln, bei dem Schnabellhier vorn in harte Hornstacheln, hinten in . weiche Zollen, bei den Katzen in spitze schneidende Hornstacheln, bei den Fledermäusen in ebensolche dreizackige, bei vielen andern treten an deren Statt weiche Papillen oder die Zunge ist, jedoch seilen, ganz glatt. Unterhalb des freien Theiles der Zunge besitzen mehre Chiropteren und Affen eine einfache oder (bei Slenops) doppelte Vorragung, eine sogenannte Unterzunge. Die Bewegung der Zunge geschieht durch einen eigentümlichen und verschiedentlich entwickelten Muskelapparat und der Nervus hypoglossus zeich net sich nicht selten durch eine hintere gangliöse Wurzel aus. Das Zungenbein der Säugethiere besteht aus dem gewöhnlich sehr ver änderlichen Körper, den kleinern vordem und grössern hintern Hörnern. Der Körper ist bogenförmig, prismatisch, gewölbt oder ausgehöhlt, bei Myceles zu einer grossen knöchernen Blase aufgetrieben. Die vordem Hörner betten das Zungenbein an die Pars petrosa des Schädels und ändern «lehr weniger in ihrer Länge ab. Die hintem Hörner fehlen einigen Nagern, Edentaten und Cetaceen und bestehen aus einfachen Knochenstücken, welche ausnahms weise mit dem Körper völlig verschmelzen oder ganz von demselben ge trennt bleiben. Tastorgan. Ein besonderes Tastorgan, welches in den Fingerspitzen des Menschen ausgebildet ist, besitzen die Säugethiere nicht. Nur wenige Affen scheinen in den Fingerspitzen Tastgefühl zu haben. Gewöhnlich dienen die Oberlippe, von Borsten und Taslhaaren unterstützt, und die Nase oder der Bussel als Tastorgan. Das Gefasssystem. Das Centraiorgan des Kreislaufes der Säugethiere gleicht im Wesentli chen dem Herzen der Vögel, indem es sich nur durch die mehr nach hin ten gerückten und in der vom Bauche abgeshlossenen Brusthöhle befindlichen Lage sowie in Grösse und Form unterscheidet. Lei ziere ist bei allen Ceta ceen breit und platt, bei einigen derselben sind die beiden Herzkammern mehr weniger gespalten, häufiger ist es dagegen beträchtlich dicker und rundlich. Es wird vom Herzbeutel umschlossen, der nur ausnahmsweise durch Zellgewebe mit dem Zwergfell verbunden ist. Von seinem irinern Bau ist nur beachtenswerth die späte Schliessung des eirunden Loches bei vielen Cetaceen, der öftere Mangel der eustachischen Klappe, die fleischige Valva tricuspidalis der rechten Herzkammer bei dem Schnabelthier und die in der Scheidewand zuweilen vorkommenden Verknöcherungen der sogenannten Herz knochen der Wiederkäuer und einiger anderer. In dem Arteriensystem kommen vielfache Verschiedenheiten unter den Säugelhieren vor, von denen die wichtigsten auch ein zoologisches Interesse haben. Der aus dem Herzen hervortretende einfache Stamm der Aorta wen det sich alsbald in einem Bogen nach links und läuft nun als absteigende Das Gefásssystem. 37 Aorte mil allmâhliger Verengerung an der Wirbelsäule entlang. Gleich nach seinem Austritte gibt er fast allgemein zwei ansehnliche Kranzarterien des Herzens ab. Die aus dem Aortenbogen entspringenden Aeste bieten erhebliche Differenzen. So theill sich bei Einhufern und Wiederkäuern die einfache Aorte sogleich in einen vordem Stamm, welcher die beiden Carotiden und Schlüsselbein -Pulsadern abgibt, und in einen hintern für die Aorta abdomi- ualis. Dagegen entspringt bei den meisten Nagelsäugel hieren die linke Schlüs- selbemarterie unmittelbar aus dem Aortenbogen. Bei den Chiropteren und einigen andern sind zwei Trunci anonymi vorhanden, jeder seine Carotis und ¿obelaría bildend. Seltener haben beide Carotiden einen gemeinschaftlichen Stamm. Bei vielen tauchenden Säugethieren werden Erweiterungen des Aor tenbogens beobachtet. Von den vielfachen Verschiedenheiten in der Yerästlung und dem Verlauf der einzelnen Arterienstämme verdienen etwa folgende besonders hervorgeho ben zu werden. Die Carotis communis theilt sich nur selten in zwei Aeste und die von diesem dem Hirne das Blut zuführenden Aeste treten bald als einlache in die Schädelhöhle wie bei den Chiropteren, Affen, Insectivoren u. a., bald durch Wundernelze verschiedenen Ursprungs hindurch wie bei Felis und Sos. Auch die Wirbelarterien gehen in die Schädelhöhle ein. Die Arteria -obelaría zeigt in ihrer Fortsetzung durch die axillaris als A. brachialis be sondere Eigentümlichkeiten. Bei den meisten Flossensäugethieren zerfällt Hzlere sogleich oder erst nach einer Gablung in zahlreiche, büschelförmig neben einander liegende Zweige, bei mehrern Edentaten und einigen Halbaf fen tritt sie durch Wundernetze hindurch oder bildet dergleichen selbst. Ihre Theflung in die beiden Vorderarmarterien schwankt in der Lage vom obern Tbeile des Oberarmes bis in die Mitte des Vorderarmes. Die Arteria thora cica gibt die Intercostalarterien nicht unmittelbar, sondern aus verschieden ^bildeten Aestcn ab, welche auch an den Wundernetzen in der Brusthöhle Ibeil nehmen. Die Unterleibsaorte theilt in ihrer weitern Verästelung viele Eigentümlichkeiten mit denen des Darmes und Magens und die Arterien der bnkem Gliedmassen entsprechen in vieler Hinsicht denen der vordem. Die Venen der Säugethiere besitzen allgemein innere Klappen, welche bisweilen selbst in der Pfortader vorkommen. Der Stamm der vordem Hohl vene ist gewöhnlich einfach, doch bei einzelnen Galtungen fast aller Ordnun gen auch doppelt. Die diesen angehörigen Jugularvenen zeigen hinsichtlich der Grösse und Verästelung wiederum mehrfache Verschiedenheiten. Die vordem Whrbelvenen verhalten sich ähnlich wie bei den Vögeln, die hinlern liegen mit wenigen Ausnahmen in der Bauchhöhle und ihre beiden Stämme pflegen von verschiedener Stärke zu sein. Die Lungenarterie ist ein einfacher Stamm, der sich in zwei Aeste für die beiden Lungen theilt. Bei vielen tauchenden Säugethieren wird eine aosebnlkbe Erweiterung an ihrem Ursprung beobachtet. Lungenvenen finden ach gewöhnlich zwei Stämme jederseits, seltener mehre an einer oder an beiden Seiten, welche mit nur sehr einzelnen Ausnahmen getrennt in den Baken Vorhof des Herzen eintreten. Das Saugadersystem zeigt mehrfache Eigenthümlichkeiten. Die aus netz- ffinnigen Anastomosen der Chylus- und Lymphgefässe bestehenden Drüsen sind zahlreich und in den verschiedensten Körpergegenden verbreitet, bei den fleischfressenden Säugethieren häufen sich die Mesenterialdrüsen sogar zu einer Pancreas AseUii zusammen, in welches alle Chylusgefässe des Darmes 38 Allgemeine Characteristik. übergehen. Unterhalb des Zwergfelles besitzen viele Säugethiere eine er weiterte Cisterna chyli, aus der ein doppelter oder einfacher Ductus thora- cicus seinen Ursprung nimmt, welcher wie bei den Vögeln in die vordere Hohlader mündet. Das Respirations- und Stimmorgan. Die Brusthöhle ist abweichend von den Vögeln stets durch ein voll ständiges Diaphragma von der Bauchhöhle geschieden und enthält allein die paarigen Lungen, welche von besondern Säcken umschlossen, frei in ihr aufgehängt sind. Die Dicke des Pleuraüberzuges ändert mehrfach ab, ist aber bei den Cetaceen am beträchtlichsten. In dieser Familie erreicht auch die Lunge die beträchtlichste Grösse. Gewöhnlich übertrifft eine und zwar die rechte Lunge die linke an Grösse und damit stimmt auch die sehr allgemein asymmetrische Zerlheilung in Lappen übercin. Bei den Cetaceen, mehrern Hufthieren und einzelnen andern findet gar keine Lappenbildung Statt, bei allen übrigen dagegen zerfällt die rechte Lunge gewöhnlich in vier oder selbst fünf, die linke in zwei oder drei Lappen; bei den Nagern steigt die Zahl der rechten Lungenlappen sogar auf 6 und 7, während häufig die linke Lunge gar nicht oder nur undeutlich getheilt ist. Die Bronchien verästeln sich baumförmig in jeder Lunge und enden mit besondern Bläschen. Eine Erweiterung des Respirationsorganes über die Lungen- und Brusthöhle hin aus wie durch besondere Luftsäcke und Kanäle bei den Vögeln hat bei den Säugethieren niemals Statt. Die Luftröhre und Bronchien sind zwar von sehr verschiedener Länge, erreichen hier jedoch niemals die ungeheure Länge und die darin bedingte ungeheure Anzahl der sie zusammensetzenden Ringe, welche bei den Vögeln beobachtet wird. Von der Länge des Halses abhängig pflegt die Luftröhre mit zunehmender Kürze auch breiter zu werden, bis sie bei den Cetaceen fast so weit als lang ist. Die bei den Vögeln nicht seltenen Windungen der Luftröhre kommen unter den Säugethieren nur den dreizehigen Faulthieren zu. Ebenso abweichend von den Vögeln ist die Beschaffenheit der Ringe, welche knorplig sind und nur äusserst selten ossificiren, auch sehr gewöhn lich hinten geöffnet bleiben durch einen von Membranen und Muskelfasern geschlossenen Raum. Bei den Hyänen und einigen andern wird dadurch eine Schliessung bewerkstelligt, dass sich die hintern freien Enden der Ringe über einander schieben. Eigenthümlich ist den Cetaceen und Sirenen die spiralige Form, Gabelung und theilweise Verschmelzung der Trachealknorpel. Die Zahl der Ringe steht mit der Länge der Luftröhre in geradem Verhältniss. So haben die kurzhalsigen nur 7 bis 12 Tracheairinge, die carnivoren Raublhiere meist 30 bis 50, die langhalsigen Wiederkäuer CO bis 100, das Kameel so gar 110. Indess kommen auch individuelle Verschiedenheiten in den Zah len vor. Von der gewöhnlichen Theilung der Luftröhre in zwei Bronchien für die beiden Lungen machen die Cetaceen und mehre Huflhiere eine Ausnahme, indem bei ihnen noch vor der Bifurcation ein dritter Bronchus für die rechte Lunge abgeht, welcher als überzähliger stets kleiner ist, als die andern beiden. Im Allgemeinen sind die Bronchien sehr kurz und theilen sich schon vor ihrem Eintritte in die Lungen in mehre Aeste. Die Knorpel zeigen dasselbe Verhalten als die der Luftröhre. Meist verkümmern sie bereits in den ersten Verzweigungen, nur bei den lauchenden Säugethieren erhallen sie sich in den Das Respirations- und Stimmorgan. 39 Bronchialästen tief in die Lungen hinein, hier bei den Delphinen jogar rerknôchert- In der Bildung des Stimmorganes weichen die Säugethiere auffallend von den Vögeln ab. Es ist bei ihnen stets nur ein Kehlkopf vorhanden, welcher im vordem Anfange der Luftröhre liegt und aus einer constanten Zahl nur sehen verknöchernder Knorpel besteht. Die Eigenthfimlichkeiten der einzelnen Familien beruhen in dem gegenseitigen Verhältnis dieser Knorpel und in dein Auftreten kleinerer accessorischer Knorpel. Der grosse die Vorder- und Sei tenflächen einnehmende Schildknorpel, in der Form mehrfach abrindernd, ver- biodel sich durch seine untern, zuweilen slielförmig verlängerten Spitzen mit dem Ringknorpel und häufig auch durch obere Horner mit dem Zungenbeine. .Vor bei einigen Cetaceen mit ihm verbunden, bei allen übrigen stets davon tretrennt ist die Cartílago epiglottica, welche gleichfalls in Grösse und Form mehrfache Unterschiede bietet. Det Ringknorpel nimmt von hinten nach vorn in Höhe ab und ist wiederum mit Ausnahme der Cetaceen vorn geschlossen. Auf seinem obern Bande sitzen die dreieckigen Giessbeckcnknorpel , deren fordere von einander entfernte Ränder eine Scbleimhaulfallc spannen, iu wel cher sich bei einigen Säugethieren zwei keilförmige, die sogenannten Wris- berg'schen Knorpel entwickeln. Ausserdem nehmen die beiden Giessbccken- knorpel zuweilen noch einen kleinen unpaaren Zwischengelenkknorpel zwischen ach und tragen auch wohl auf ihrer obern Spitze den accessorischen ein fachen oder getheilten sogenannten Santoriniscben Knorpel. Stimmbänder kommen mit Ausnahme der Cetaceen und dem Flusspferde bei allen Säuge thieren vor. In Verbindung mit dem Kehlkopfe stehen bei mehrern Säugethieren eigentümliche Luftsäcke: so bei den ächten Walen ein solcher Sack unter dem Schildknorpel, ein ähnlicher bei dem Frettchen und Hapale. Ganz eigen tümlich ist der Apparat des Rrüllaffen. Den ganzen Kehlkopf bewegen auf- und abwärls ziehende Muskeln, und kleinere dienen zur Bewegung der einzelnen Knorpel. Unter dem Kehlkopfe und die Luftröhre mehr weniger bedeckend liegt die Schilddrüse. Sie ist meist völlig in zwei Körper getrennt, bei vielen Nagern, Affen und Baubthieren verbindet ein schmaler Streifen beide Körper und nur bei den Cetaceen und einigen Affen wird eine wirkliche Verschmel zung beobachteL Im Brustkasten aller Säugethiere, vielleicht mit Ausnahme einiger Reu- lelthiere, findet sich eine eigenthümliche, den Vögeln fehlende Drüse, der Tlivmus. Sie bedeckt die Rasis des Herzens und der grossen Gefässstämme und erstreckt sich weit nach vorn, in einzelnen Fällen bis zur Schilddrüse hin. Ihre Grösse ändert jedoch bei vielen Thieren mit dem Alter ab, indem sie gewöhnlich unmittelbar nach der Geburt am grössten ist , später mehr und mehr an Volumen verliert. Bei tauchenden Säugethieren ist sie über haupt und das ganze Leben hindurch am grössten. Das Verdauungsorgan. Je nach der Nahrung und Lebensweise überhaupt zeigt der Dannkanal in seinen verschiedenen Abteilungen und den seine Functionen unterstützen den Orcaneu mehrfache und selbst sehr erhebliche Verschiedenheilen, durch welche sich die Säugethiere auffallender von den Vögeln unterscheiden , als durch die allgemeine Einrichtung des Verdauungsapparates überhaupt. Hin 40 Allgemeine Characteristik. sichtlich dieser ist die eigentümliche Beschaffenheit der am Anfange und Ende des Darmkanales gelegenen Organe, der stete Mangel eines drüsigen Vormagens, das öftere Zerfallen des Magens und die relativ grössere Länge des eigentlichen Darmes für die Säugethiere besonders characteristisch. Am Eingange des Darmkanales ist der Mund und die Rachenhöhle zu berücksichtigen. Ersterer wird allgemein mit alleiniger Ausnahme der ächten Cetaceen und Monotremen von beweglichen, weichen Lippen umschlossen und ändert in Grösse und Form auffallend ab. Die Seitenwandungen der Rachen höhle bilden die den Vögeln ebenfalls fehlenden Backen, deren Muskel, der Buccinatorius, sich an beide Kiefer anheftet. Bei einigen Affen der allen Welt, vielen Nagern u. a. finden sich an der Innenseite der Backen beson dere Höhlungen, die Backenlaschen, deren sich die Thiere bei dem Einsam meln und dem Transporte ihrer Nahrungsmittel bedienen. Dieselben haben bisweilen einen sehr beträchtlichen Umfang, über die Seilen des Kopfes hin aus am Halse entlang, sind bei andern aber sehr klein. Ihre Erweiterung und Verengerung geschieht durch den an diesen Stellen verdickten Hautmus kel. Bei Coelogenys und Ascomys liegen die Backentaschen ausserhalb der Mundhöhle und öffnen sich mit einem schmalen Schlitz an den Seiten des Gesichtes. Die innere Fläche der Mundhöhle ist gewöhnlich glatt, bei den Wiederkäuern jedoch mit harten Warzen bekleidet,' bei einigen Nagern mit Borsten oder Haaren, bei Echidna mit scharfen Stacheln. Am Gaumeogewölbe befinden sich häufig Querfalten, deren Zahl bei den Fledermäusen wenigstens für die Systematik wichtig geworden ist. Das halbmondförmig ausgeschnittene Gaumensegel zeigt nur selten beachtenswerte Eigentümlichkeiten, so bei den Cetaceen und Elephanten in der auffallenden Erweiterung nach hinten. Nur die Affen haben ein kleines Zäpfchen, allen übrigen Säugethieren fehlt dasselbe, dagegen ist der Schlundkopf allgemein mit einem sehr entwickelten Muskel apparat versehen. In der Umgebung der Mundhöhle liegen Drüsen theils um dieselbe feucht zu erhalten, theils zur ersten Einweichung der Nahrungsmittel während des Kauens. Die Schleimdrüsen verbreiten sich über alle Gegenden der Mund höhle, an der Innenseite der Lippen, längs der Zahnhöhlenränder, am Gaumen u. a. 0., allgemein vorhanden sind jedoch nur die Mandeln, aber auch in verschiedener Ausbildung. Speicheldrüsen fehlen nur den ächten Cetaceen, übrigens sind sie bei den Pflanzenfressern allgemein viel stärker entwickelt als bei den fleischfressenden Thieren. Sehr gewöhnlich sind sie in drei Paaren vorhanden, nämlich die Ohrspeicheldrüsen, die Unterzungen- und Unterkieferdrüse. Die Speiseröhre hat bis zum Magen hin ziemlich gleiche Weite, welche mit der Länge in umgekehrtem Verhältnisse steht, indem sie bei den Ceta ceen bei grösster Weite am kürzesten, bei den Wiederkäuern bei grössler Länge am engsten ist. Kropf- oder sackartige Erweiterungen fehlen überall. Sie senkt sich gewöhnlich unmittelbar nach ihrem Durchgang durch das Zwergfell in den Magen, nur bei einigen Nagern, Beutellhieren und Insecten- fressern läuft sie noch eine kürzere oder längere Strecke in der Bauchhöhle fort. Ihre Innenfläche ist glatt, oder mit feinen Wärzchen besetzt oder selbst schwach längsgefaltet. Vor ihrer Mündung in den Magen kommen bisweilen Querfalten, stachelförmige Erhöhungen oder wohl gar eigentliche Klappen wie bei dem Pferde vor, welche den Rücktritt der Speisen aus dem Magen er schweren und selbst unmöglich machen. Das Verdauungsorgan. 41 Der Magen zeigt die auffallendsten Verschiedenheiten in Grösse, Gestalt and Stractur. In seiner einfachsten Gestalt ist er ein mehr weniger erwei tertet Sack , der sich gegen den Pförtner hin umbiegt und erst liier , wenn nicht in seiner ganzen Ausdehnung, eine quere Lage erhält. Gleich neben der Mündung des Oesophagus bildet er einen besonder« Blindsack , klein und unscheinbar bei Hyänen und Katzen, grösser schon bei den Monolremen, Beulehhieren und Nagern, dann bei den Pachydermen, Inseclivoren u. a. Mit mnehmender Ausdehnung dieses Blindsackes rückt die Cardia weiter nach rechts und nähert sich dem Pylorus. Die Gestalt des Magens geht von der langgestreckten darmähnlicben durch die kegelförmige in die kuglige über, jene mehr bei Pflanzenfressern, diese bei Fleischfressern ausgebildet. Durch eine quere Einschnürung geht der einfache Magen allmählig in den zusam mengesetzten über, indem er zunächst in zwei mehr weniger tief gelheille Säcke zerfällt und an diesen sich wiederum besondere Aussackungen bilden. Der Hase, Hamster, Klippdachs, einige Schweine und Seekühe stellen diese verschiedenen, mit Aendrungen in der Textur verbundenen Formen dar. Bei den ächten Cetaceen, Faulthieren und Wiederkäuern erscheint endlich der Magen wirklich zusammengesetzt. Bei erstem lassen sich drei Abteilungen unterscheiden, die erste gleichsam das erweiterte Ende der Speiseröhre , die zweite als eigentlicher Magen und die dritte darmähnliche oft wiederum ge seilte, wodurch die Zahl der Magensäcke beträchtlich vermehrt wird. Das drei- zehige Faultbier besitzt gleichfalls einen dreitheiügen Magen. Die erste Abtheilung ist durch dicke Falten wiederum in drei runde Höhlen geschieden, die zweite ist schmal und lang, durch breite Falten in tiefe Taschen getheilt, die letzte Abtheilung steht in der Grösse am meisten zurück und in sie führt eine besondere Rinne топ der Speiseröhre her. Von wiederum anderer Beschaf fenheit ist der dreifache Magen bei den tylopoden Wiederkäuern, und der vierfache der übrigen Ruminanten. Der erste sehr grosse in Taschen ge- ! beilte Magensack ist der Pansen, der zweite mit einem erhabenen Netzwerk îof seiner Innenfläche die Haube, der dritte mit zahlreichen blattartigen Fal len im Innern der Psalter und der wieder grössere vierte mit innemLängs- fafcen der Labmagen. Die ersten drei stehen durch besondere Rinnen mit der Speiseröhre in unmittelbarer Verbindung. Hier wie bei den Faulthieren, einigen Beutel- und vielleicht auch Nagethieren findet das Wiederkäuen Statt, indem das gekauete und verschluckte Futter aus dem zweiten Magen durch die Speiseröhre wieder in die Mundhöhle zurückgeführt wird und abermals gekäuet dann in den dritten Magen gelangt. Die innere Beschaffenheit des Magens zeigt besonders noch hinsichtlich der Magendrüsen, deren Grösse, Zahl und Anordnung sehr beachtenswerthe EigentbümJicbkeiten. Bei dem Siebenschläfer z. B. drängen sich die Drüsen nach тот zusammen, bei dem Biber, den Edentaten und Beutellhieren sind dieselben sehr stark entwickelt, bei vielen Nagern concentriren sie sich auf einen Sack. Der Darm wird durch die beständig vorhandene Pförtnerklappe vom Magen gesdueden und sondert sich gewöhnlich in einen vordem langem Dann- und einen hintern kürzern und weiten Dickdarm, deren Gränze durch die Anwesenheit eines besondern Blinddarmes bezeichnet ist. Bei den äch tet Celaceen fehlt eine deutliche Trennung in Dünn- und Dickdarm und bei éugeo andern Sáugethieren wird sie nur in der mehr weniger abweichenden >fracfur erkannt. Der Dünndarm ist allgemein bei Pflanzenfressern viel 42 Allgemeine Characteristik. länger als bei Raubthieren , wovon nur die Robben eine Ausnahme machen. Häufig ist seine Innenfläche mit Längs- oder Querfallen oder wohl gar mit beiden zugleich ausgekleidet. Das Duodenum nur bei wenigen Säugelhiereii inil einer plötzlichen starken Erweiterung beginnend ist mit Zotten oder an deren Statt mit netzförmigen Falten auf der Innenseite besetzt und durch einen grossen Reichlhum an drüsigen Gebilden ausgezeichnet. Eine innere Klappe auf der Gränze des Dünn- und Dickdarmes besitzen sehr viele Säuge- thiere, nur die ächten Cetaceen,, viele Edentaten u. a. nicht. Der Blinddarm, bei den Vögeln allermeist paarig vorhanden, ist hier nur bei einigen Eden- laten doppelt, übrigens höchst veränderlich in Grösse, Gestalt und Anwesen heit überhaupt. Er fehlt in den meisten Familien einigen Repräsentanten ganz oder erscheint verkümmert, während er bei andern sehr beträchtliche Dimensionen erreicht. Am grössten ist er bei einigen fruchtfressenden Beu- telthieren und mehrern Nagern, wo er den Dickdarm und selbst den Magen an Weite übertreffen kann und die Tolallänge des Körpers hinter sich lässl. Auch theilt sich seine Höhle zuweilen in zahlreiche Taschen oder er versieht sich mit besonderen Anhängen. Der Dickdarm endlich ist gewöhnlich sehr kurz, nur bei entschiedenen Pflanzenfressern wird er so lang oder selbst beträchtlich länger als der Dünndarm. Ebenso ändert seine Weite vielfach ab. Die innere Wandung ist meist glatt, seltener mit netzförmigen Maschen und nur ausnahmsweise mit Zotten bekleidet. Der After mündet nur bei den Monotremen in eine bei den Vögeln allgemein vorhandene Kloake und bei den Beutelthieren gemeinschaftlich mil den Genitalien, bei allen übrigen Säugelhiereii ist er von der Mündung der Harn und Geschlechtsorgane getrennt. Er wird von einem kräftigen Schliess- muskel und einem Heber umgeben. Die. Totallänge des Darmkanales weicht nach dem eben Dargelegten in ihrem Vcrhältniss zur Körperlänge des Thieres vielfach und beträchtlich ab. Bei Fledermäusen hat der Darm die dreifache, bei den meisten Raubthieren die vierfache Körperlänge, bei den Wiederkäuern aber die 15- bis 20fache, bei dem Schafe sogar die 28fache. Alle Shugethiere haben wie die Vögel Leber, Pankreas und Milz. Die Leber an einem besondern Bande befestigt, liegt unmittelbar unter dem Zwerg fell und zerfällt in zwei oder drei Lappen, welche wiederum durch mehr oder minder tiefe Einschnitte in vier, fünf und mehr Theile zerlegt erschei nen. Beim Koala lassen sich 30 bis 40 Leberläppchen zählen. Unabhängig von dieser Zertheilung ist die sehr verschiedene Grösse der Leber. Eine Gallenblase fehlt den ächten Cetaceen, sehr vielen Hufthieren, Eden taten und Nagern, bei allen übrigen ist sie vorhanden und liegt in einer besondern Grube der concaven Leberoberfläche. Bei dem Löwen ist die innere Höhle der Blase gelheilt und beim Orycteropus zerfällt sie auch äusserlich in zwei Blasen. Von ihr führt stets nur ein einfacher Gang in den Darm, welcher die Lebergänge aufnimmt, wenn dieselben nicht schon in die Gallenblase münden. Bei Abwesenheit der letztern vereinigen sich die Lebergänge in einen gemeinschaftlichen Kanal. Zuweilen bildet der Gang vor seinem bald höher bald liefer gelegenen Eintritt in den Darm eine be trächtliche Erweiterung, welche meist innere Spiralklappen enthält. Die Bauchspeicheldrüse besieht gewöhnlich aus zwei, sellener aus drei Haupllappen mit einfachem oder doppeltem pankreatischen Gange, der ge wöhnlich im erstem Falle in den Ductus cholcdochus, minder häufig isolirl Die Harnorgane. 43 в den Darm mündet. Sind zwei Gänge vorhanden, so geht entweder der eine aim Gallengang und der andere zum Darm oder beide treten getrennt in den Darm ein. Diese Unterschiede sind indes* von .sehr geringer Bedeu tung, niweilen nur individuell. Die Milz ist bald länglich und schmal, bald kurz und breit, eng an dem Magen anliegend, bei den Cetaceen gewöhnlich zerfallen, so dass man z. B. bei den Delphinen fünf bis sechs, bei D. phocaena bis 17 kleinere Neben mäzen neben der grossen kugelrunden zählt. Das die Bauchhöhle auskleidende und das Verdauungsorgan umhüllende Bauchfell zeigt in den verschiedenen Familien keine UeberehHimmung, son dern ändert mit der Beschaffenheit des Darmes ab. Die Eigentümlichkeiten desselben haben kein besonderes zoologisches Interesse. Die Harnorgane. Während bei den Vögeln die Grösse und Gestalt der Nieren auffallend aliândert, dieselben noch völlig mit einander verschmelzen können, keine Harnblase vorbanden ist und die Harngänge unmittelbar in die Kloake füh ren, ist bei den Säugelhieren die Grösse der Nieren relativ geringer, ihre Form bestimmter, eine Verschmelzung findet niemals Stall, die Ifarngänge münden in eine niemals fehlende Harnblase, deren Ausführungsgang nur aus nahmsweise in eine Kloake ausgeht. Die Lage der Nieren in der Bauchhöhle und ausserhalb des serösen Bauehfellsackes zu beiden Seiten der Wirbelsäule ist nur insofern eigentüm lich, ab meist die rechte Niere höher als die linke liegt. Die eigenlhüm- fiehe Gestalt verlängert oder verkürzt sich ohne von dem nach ihr benann ten Typus des Nierenförmigen weit abzuweichen. Dagegen ist die Ober flächenbeschaffenheit vielen Veränderungen unterworfen. Bald erscheint nämlich die Oberfläche der Nieren vollkommen glatt und eben, bald ist sie höckerig und die diese Höcker trennenden Einsenkungen können immer tiefer ein schneiden, bis die Niere zerfällt und ein Iraubenförmiges Ansehen erhält. Höckerige Nieren besitzen z. B. mehre Baubthiere, ticfgetheilte der Bär, ganz traubenförmige die Bobben und Cetaceen. Bei den Bohlten zählt man nah an Hundert und mehr Nierenlappen, bei dem Delphin sogar 200. Die böndelförmig gruppirlen Harnkanäle laufen, wenn die Niere ungeteilt ist, gewöhnlich in eine einzige Papille zusammen, bei höckeriger Beschaffenheil der Niere öfters schon in mehre, und die Zahl derselben steigt beträchtlich, wenn die Niere ganz traubenförmig wird. Die Harnleiter laufen vom Innenrande der Nieren herab und münden allermeist in den Hals der Blase, wovon nur einige Nager und Edentaten eine beach tens werth e Ausnahme bilden. Die Grösse, Gestalt und Stärke der Bfase zeigt mehrfache Unterschiede. Bei den Baublhieren ist ihre Muskelhaut та Allgemeinen viel stärker als bei den Pflanzenfressern. Die nie fehlenden Nebennieren liegen bald über dem oberu, bald an dem innera Rande der Nieren, sind von verschiedener Grösse selbst in ver schiedenen Lebensaltern und bestehen wie die Nieren aus Binden- und Jbrksubifanz. Die Geschlechtsorgane. Die Genitalien der Säugethiere sind durchweg vollkommener entwickelt, jfe die der Vögel, sowohl hinsichtlich der äussern Beiz- und Begattungs 44 Allgemeine Characteristic organe, als der producirenden Drüsen und der für die Ernährung des Embry bestimmten Organe, welch letztere den Vögeln ganz fehlen. Die männlichen Geschlechtsorgane zunächst betreffend sind die paarigei ineist ovalen oder rundlichen Hoden stets von einer eigenthümlichen fibre sen Membran, der sogenannten Tunica fibrosa umhüllt, um welche die Sehe denhaut sich legt. Sie sind ausserhalb der Beckenhöhle in einem besonder Sacke aufgehängt oder im Becken verborgen. Bei vielen Edentaten, de Cetaceen u. a. rücken sie nicht aus der Nähe der Nieren fort, bei viele Nagern, einigen Wiederkäuern und Baubthieren verharren sie in der Leistei gegend unter der Haut, von wo sie bisweilen wie bei den Fledermäuse während der Brunstzeit, da der Scheidenkanal beständig offen bleibt, in dt Unterleib zurücktreten, bei andern endlich ist ein äusserer Hodensack ba' mit bald ohne inneres Septum vorhanden. Die Sperma führenden Kanä zeigen in ihrer Länge, Weite und Anordnung mancherlei noch nicht gem gend erforschte Differenzen. Sie vereinigen sich in einige grössere Kanal welche als Nebenhode mehr weniger dicht am Hoden anliegen und in d; Vas deferens führen. Dieses hat je nach der Lage des Hodens eine ve schiedene Länge und Dicke und windet sich bisweilen sogar sehr stark. Die Samenfäden zeigen stets ein vorderes verdicktes oder umgeschl genes Ende, den sogenannten Kopf der Spermatozoen, von knöpf-, schaufe oder sichelförmiger Gestalt. Der Faden selbst oder der Schwanz ist mel weniger verlängert. In der Grösse sowohl ab in der Gestalt des vorder* Endes werden vielfache Unterschiede beobachtet, welche nicht selten bis a die Galtungen herab erheblich sind. Zwei besondere Secretionsorgane gehören zum Hoden, obwohl sie mel weniger entfernt von demselben liegen. Die irrlhümlich sogenannten Same blasen kommen bei einem Theil der Säugethiere in verschiedentlicher Ei wicklung vor, bei andern fehlen sie. Sie sind gewunden, verzweij gelappt oder einfach, dickwandig, und drüsig , inwendig zellig u. s. w. Wä rend sie z. B. bei dem Hasen in eine grosse Blase verschmolzen sind, lr bei dem Pferde noch eine dritte unpaare auf. Ihr schmaler enger At fübrungsgang mündet vor der Prostata in das Vas deferens. Auch dies die Vorsteherdrüse, scheint bisweilen, wie den Monotremen und Wiedt käuern, zu fehlen. Sie umgibt die Harnröhre und ist bald einfach, bi getheill, traubig, keulenförmig oder platt, aus verschiedentlich gestaltet Schläuchen bestehend, welche in die Harnröhre münden. Die Ruthe fehlt keinem männlichen Säugethier, zeigt aber in Lage u Gestalt die überraschendsten Eigenthümlichkeilen. Hinsichtlich der Lage 1; sen sich im Allgemeinen drei Modificationcn unterscheiden. Bei den АП und Fledermäusen hängt sie, von einer Scheide der äussern Bauchhaut ui hüllt, frei vom Schambogen herab. Bei den übrigen Nagelsäugethieren sie allermeist mittelst dieser Duplicalur der äussern Haut ihrer ganzen Län nach äusserlich an den Bauch angeheftet, und öffnet sich mit wenigen Ai nahmen hinter dem Nabel. Bei den Huf- und Flossensäugethieren endli bleibt sie, oft gekrümmt oder gewunden, in der Bauchhöhle versteckt. E zelne Ausnahmen hiervon bilden z. B. die Monotremen und Beutelthie deren Ruthe in der Kloake liegt und von deren Schliessmuskel umgeben wii bei vielen Nagern und den Katzen ist sie nach hinten gerichtet und müui neben dem After. Die Länge der Ruthe ist sehr verschieden und ebec ihre Gestalt, besonders die der Eichel. Letztere theilt sich bei mehr Die Geschlechtsorgane. 45 EdenUten in zwei und selbst vier Lappen und ist hier gar nicht selten mit hornigen Stacheln besetzt. Die meisten Säugelhiere haben jedoch eine ein fache Eichel mit Haaren, Schuppen, Warzen, selbst hornigen Haken besetzt oder glatt; bald kurz, scheibenförmig, pilzförmig, bald verlängert und dünn. Bei vollkommenster Entwicklung besteht die Ruthe aus einem dreifachen Zell körper, die Corpora cavernosa des Penis verschmelzen indess oft völlig mit einander oder sind nur durch ein . unvollständiges Septum geschieden und bëweilen wie bei dem Känguruh verschmilzt mit diesen auch der Zellkörper der Harnröhre , so dass die Ruthe einen einfachen cylindrischen Körper bildet. Häufig enthält die Ruthe einen eigentümlichen Knochen, dessen vorderes Ende zur Gestallung der Eichel beiträgt. Bei Nagern, Raubthieren, Fleder mäusen und Affen ist ein solcher Ruthenknochen bald von der Länge des ganzen Penis, bald kürzer oder nur auf die Eichel beschränkt, vorhanden. Die Harnröhre durchläuft gewöhnlich, nachdem sie in der Gegend der Pro- strata die Àusfûhrungsgânge der Hoden aufgenommen, ihren Zellkörper, indem sk nur bei den mit gespaltener Eichel versehenen Edenlaten im Winkel der Spaltung mündet, der Samenkanal dagegen gelheilt in die Spitzen der Eichel verläuft. Der die Ruthe bewegende Muskelapparat ist meist sehr entwickelt. Nicht minder grosse Verschiedenheit, als die männlichen Genitalien zei gen auch die weiblichen unter einander sowohl als von denen der übrigen Wirbelthiere. Paarige Eierstöcke, ein eigentümliches zur Entwicklung des Embryo dienendes Organ, besondere äussere Genilalien und endlich Milch drüsen zur Ernährung der Jungen unmittelbar nach der Geburt sind die wesentlichen Theile des Geschlechtsorganes. Die Eierstöcke sind paarig und zugleich auch symmetrisch, denn nur bei den Monotremen verkümmert der rechte, wodurch an den unpaaren linken Eierstock der Vögel erinnert wird. Bei mehren Säugelhieren liegen die Ova rien in einer von dem Peritonäum gebildeten mehr weniger vollständigen Tasche, bei andern in der erweiterten Mündung der Eileiter, bei noch andern völlig frei, Ihre Gestalt ist rundlich, eiförmig oder traubig. Die von einer doppel ten Hülle umschlossenen Graafschen Follikel sind in ein verschiedentlich ent wickeltes Faserlager eingebettet und enthalten je ein kugelrundes sehr kleines Ovulum mit einer dicken durchsichtigen Zona pellucida, mit einer ebenfalls chxrcfasichiigen, die zähe körnige Dottermasse umschliessenden Dotterhaut und einem Keimbläschen mit einfachem Keimfleck. Die Eileiter führen von dem Ovarium zu dem Fruchthälter oder Uterus. Sur bei den Monotremen sind dieselben asymmetrisch und entbehren der Fimbrien an der hier taschenartig erweiterten AbdominalöfTnung. Die Länge, der Verlauf und die Verbindung der Eileiter mit dem Uterus ändert mehrfach ab. Letzlrer zeigt sehr auffallende Eigentümlichkeiten. Bei den Monotremen zunächst ist kein einfacher Uterus vorhanden, vielmehr erweitert sich bei ihnen jeder Eileiter darmariig und mündet für sich in die Kloake. Die Beu- tehhiere haben ähnlich erweiterte Eileiter, welche aber in einen innerlichge- lheilten ßJindsack münden und von diesem gehen oben zwei henkeiförmig gestaltete Kanäle zu dem Harnleiter ab. Bei vielen Nagern bleiben die darm- ßnnigen Uteri auch nach ihrer äusserlichen Vereinigung noch innerlich ge trennt, bei andern bildet sich schon ein einfacher Gebärmulterkörper. Dieser fcwioDl in den übrigen Ordnungen an Umfang, und in eben dem Grade ver feinern sich die Hörner, bis dieselben bei den Fledermäusen sehr verküm 4G Allgemeine Characterislik. mert und bei vielen Edenlaten und den 'Affen völlig verschwunden sind. Die Eileiter münden dann scharf abgesetzt unmittelbar in die Höhle des Uterus körper. Eine mehr weniger verlängerte, bald glatte bald runzelige Scheide bildet den Ausführungsgang des Uterus. Die äussere Oeffnung derselben wird von etwas erhabenem Rande oder von einfachen Wülsten begrenzt. Das Wollustorgan der Weibchen nähert sich in Form und der Bildung aus Zellkörpern dem Penis der Männchen,* enthält auch bisweilen einen Knochen oder Knorpel und wird sogar, wenn auch nur in sehr seltenen Fällen (Maki, Lori) von der Harnröhre durchbohrt. Am grössten ist die meist mit einem besondern Musculus erector versehene Clitoris bei den Affen, Raubthieren und Nagern, bei den Beutellhieren ist sie gespalten. Die Ernährungsorgane für das neugeborne Junge fehlen bei keinem Säu- gethiere. Es sind Milchdrüsen, welche aus blinden zolligen Röhren, oder aus sich verästelnden Blinddärmen oder aus verzweigten, in Lappen vereinigten Kanälen bestehen. Das Secret dieser Organe, die Milch, kann durch eine oder durch mehre nah beisammen liegende Oeffnungen entleert werden. Mit Ausnahme der Monotremen geschieht die Entleerung allgemein durch eine per- forirle Milchwarze. In Function treten übrigens die Milchdrüsen nur kurz vor und eine Zeillang nach der Zeugung. Ihre Zahl und Lage bietet die grössten Verschiedenheiten. Bei geringer Anzahl sind sie auf die Brust, den Bauch oder Schamgegend beschränkt , bei zunehmender 'Anzahl verbreiten sie sich über die ganze Bauchgegend und endlich zugleich noch über die Brust. Die Zahl schwankt zwischen 2 und 12 und wenn auch in einzelnen Ordnungen die Zahl sehr veränderlich ist: so erhält sie doch in andern zugleich mit der bestimmten Lage und den entsprechenden Eigentümlichkeiten der männlichen Genitalien eine systematische Bedeutung. Die äussere Körperbedeckung. Von dem Knochengerüst als der soliden Grundlage des Körperbaues der Säugethiere beginnend sind wir durch alle Organe hindurch bis an die äus sere Hülle gelangt, welche in der grossen Mannichfaltigkeit ihrer Bildung die vielfachen Beziehungen der Säugethiere zur Aussenwelt entschiedener als in irgend einer andern Thierklasse darlegt und indem sie das äussere Ansehen des Thieres bedingt, auch für die beschreibende und systematische Zoologie von ganz besonderer Wichtigkeit ist. Die Haut haftet meist innig an den zunächst unter ihr liegenden Ge bilden, indem sie nur bei einer Fledermaus (Nycteris) von dem Körper durch von der Mundhöhle hineingetriebenen Luft sackförmig aufgeblasen werden kann. Ihre Dicke ist höchst veränderlich. Bei den Gürtellhieren haben sich auf Kosten der Cutis eigenlhümliche Knochenschilder gebildet; daher sie selbst ungemein verdünnt ist. Bei andern wie bei den Pachyderrnen verdickt sie sich dagegen sehr beträchtlich und bildet an verschiedenen Stellen des Körpers Schwielen. Häufig beschränkt sich für die übrigen Säugethiere die Bildung von Schwielen z. B. auf die Innenseite der Zehen in den sogenannten Bal len bei sehr vielen Nagelsäugelhieren , auf das Gesäss bei mehren Affen, auf Ellbogen, Knie- und Handwurzelgelenk bei den Kàmeelen. Unmittelbar un ter der Haut häuft sich bisweilen Fett in ungeheurer Menge an. Die allermeist hornigen Epidermalgebilde zeigen eine sehr verschieden artige Entwicklung. Gewöhnlich bedeckt ein Haarkleid den Körper der Säu gethiere, daher man sie zum Unterschiede von den1 in Federn gekleideten Die äussere Körperhedeckung 47 Vögeln audi wold Haarthiere genannt hat. Diese fehlen indess den Cetaceen billig, nur einige derselben haben im fötalen Zustande Rarthaare. Auch bei den Pachydernien troten sie oft nur sparsam und dünn zerstreut auf. Das vollständige Haarkleid lässt immernoch einzelne Gegenden des Körpers nackt; «o die schwieligen Stellen an den Füssen und am Gesäss, die Schamge gend, die .Nase , den Mundsaum, seltener auch wohl das ganze Gesicht. Das Haarkleid ist ein einfaches oder doppeltes. Ersteres besteht z. R. bei allen Huflhiereii aus überall gleich starken und langen Ilaaren, letzteres, dagegen bei den Cnguiculalen aus Woll- und Grannenhaaren. Diese sind länger, stärker und steifer und stehen minder gedrängt, die Zwischenräume iwischen ihnen füllen die Wollhaare aus, welche kürzer, dünner und weicher shhL Diesen Unterschied berührt die Structur und Entwicklung jedoch nicht. Sowohl die Grannen- als Wollhaare stecken in Taschen der Epidermis, bil den sich von dem untern hohlen und verdickten Ende aus durch Ablagerung aeuer die alten nach oben vorschiebender Schichten und bestehen aus Rin ken- und Marksubstanz in sehr veränderlichem VerhSItniss zu einander. Die Oberfläche der Haare ist bald glatt, bald gerunzelt, ihre Gestalt nicht immer drehrund, sondern öfters noch platt oder kantig. Durch grössere Dicke und Steifheit gehen die Grannenhaare in Borsten und Stacheln über, theils nur an einzelnen Kürperstellen wie an den Lippen in die Schnurrhaare, theils über den ganzen Körper wie bei manchen Nagern und Insectenfressern. Wie die Amphibien sich häuten, die Vögel ihr Federkleid durch die Mauser wechseln, so rauhen sich die Säugethiere, indem sie ihr leichtes dün nes Sommerkleid für den Winter mit einem dichtem und besser wärmenden Pehe vertauschen. Die alten Haare werden abgestossen und neue, zuweilen anders gefärbte treten hervor. Das Haarkleid ist zugleich Träger des Colorites. Die Färbung der Säu- g&hiere spielt in beschränktem und minder grellen Tönen als das Federn kleid der Vögel. Nur Schwarz und Weiss kommen intensiv vor, Blau und Grün, reines Gelb und reines Roth werden nicht beobachtet. Die Mischfarbe n» Weiss und Schwarz, das Grau findet sich in den verschiedensten Tönen und diese drei Farben mit dem Rothgelb für sich oder in Mischung mit je nen bestimmen allein das manuichfaltige, bald einfache, bald bunte Coloril der Säugethiere. Von den Haaren verschieden sind die bei den Säugethieren nur seilen iuttnitenden Schuppen, breite, ganz platte Horngebilde der Epidermis. Ihr Vorkommen beschränkt sich auf den Schwanz einiger Nager und auf das Schuppenthier. Der Panzer des Gürtelthieree besteht aus knöchernen Schil dern die von einer festen hornigen Epidermis überzogen sind. Bei den Wiederkäuern und dem Rhinoceros bilden sich auf der Stirn and Nase Horner , die Substanz derselben besteht bei den Wiederkäuern, wo sie einen Knochenzapfen überzieht, aus wellenförmigen sich einschliessen- 4en, zu Bändern vereinigten Streifen. Das Horn des Rhinoceros dagegen 'W ab aus innig verbundenen Haaren bestehend betrachtet werden. Die hornige Bekleidung des letzten Zehengliedes zeigt einen sehr beslimm- tm Character, der die Lebensweise des Thieres unverkennbar darlhut. Rei den Cetaceen allein fehlt dieselbe, indem die Zehen in eine sehnige Haut ein- -'•sdilossen die ungeteilten Flossen bilden. Rei den Pinnipediern sind die ^tizelnen Zehen in den Flossen schon äusserlich unterscheidbar und das letzte ¿efceaalied auch mit einem Nagel versehen. Die Hufthiere haben ihren Namen 48 Allgemeine Cliaracteristik. von den Hufen, in welchen ihre letzte Zehenphalanx eingehüllt ist. Die übri gen Säugethiere heissen Unguiculaten , weil ihr drittes Zehenglied einen Nagel trägt. Der Unterschied von Huf und Nagel ist in der Art und Weise begrün det, nach welcher die hornige Hülle das letzte Glied bedeckt oder einschliesst. Bei der Hufbildung steckt nämlich das dritte Zehenglied ganz in dem hornigen Ueberzuge, der Huf hüllt dasselbe wie ein Schuh den Fuss ein. Der Nagel dagegen bedeckt niemals die untere Fläche dieses Gliedes, stets die obere und oft auch die Seilen. Der Nagel heisst Plaltnagel, sobald er nur die obere Fläche des Nagelgliedes bedeckt, Kuppnagel, wenn er sich vorn sanft über- biegl, wobei er zugleich auch seillich sich etwas herabsenkt und in der Milte wölbt, Krallnagel, wenn die stark comprimirte, gekrümmte und zugespitzte Phalanx von einem ebenso gestalteten Nagel bedeckt ist. Die Grösse, Krüm mung und scharfspitzige Gestalt der Kralle ist je nach ihrer Bestimmung ver schieden. Zuweilen können die Krallen in eine hornige Hülse an ihrer Basis zurückgezogen werden, damit sich die Schärfe ihrer Spitze bei der Berüh rung mit dem Boden nicht abnutzt. Mit der verschiedenen Beschaffenheit des letzten Zehengliedes steht die Fussbildung der Säugethiere überhaupt in innigster Beziehung. Bei den typi schen Wasserbewohnern sind alle Zehen unbeweglich mit einander verbunden und die Füsse heissen in diesem Falle flossenförmig. Die Hufgänger berüh ren beim Gehen nur mit der Spitze des letzten Zehengliedes, mit dem Hufe den Boden und wenn dieser zu klein und schwach ist, den plumpen und schweren Körper allein zu tragen, unterstützt ihn ein Theil der folgenden, mit verdickten Schwielen versehenen Zehenglieder. Die Unguiculaten treten beim Gehen entweder nur mit den Zehen oder auch mit dem ganzen Fusse auf und sind also im ersten Falle Zehengänger oder digitigrad, im letztem Soh lengänger oder plantigrad. Durch Oeffnungen in der Haut münden besondere an der Oberfläche des Körpers gelegene Drüsen. Die allgemeinsten derselben sind die in die Haar bälge mündenden Talgdrüsen und die Schweissdrüsen, deren Eigentümlich keiten jedoch erst bei den wenigsten Säugethieren sorgfältig untersucht wor den sind. Andere Drüsen sondern ein eigenthümliches oft durch den Geruch besonders ausgezeichnetes schmieriges Secret ab, treten aber nur vereinzelt in den verschiedensten Gegenden des Körpers, am After, den Genitalien, den Nabel, den Füssen, am Kopfe und andern Orten auf. Sie characterisiren meist nur einzelne Galtungen oder kleine Familien, selten grössere Gruppen wie die Klauendrüsen der Wiederkäuer. Aufenthalt, Nahrung und Lebensweise. Der eben dargelegte anatomische Bau der Säugethiere weist schon auf die vielseitigen Lebensverhältnisse hin, welche in so hohem Grade wohl nur bei den Insecten, der vollkommensten Gruppe der Gliederthiere beobach tet werden. Ihrer natürlichen Bestimmung gemäss sind die Säugethiere Landbewoh ner, aber nur in den höhern Familien der Huf- und der Nagelsäugethiere ist das Landleben vollkommen repräsenlirt. Diese typischen Landbewohner sind ihre Körpergestalt anlangend die schönsten Säugethiere, so das Pferd und der Löwe, um nur zwei Beispiele anzuführen. Beide zeigen uns zugleich den Unterschied der entschieden herbivoren und carnivoren Lebensweise. Un ter den Nagelsäugethieren leben viele auf Bäumen und dieser Aufenthalt ist Lebensweise. 49 tie" einigen so bestimmt ist, dass sie nur klcllernd sich bewegen können und auf dem Boden ihren Körper nur höchst mühsam und unbeholfen fortschleppen. Andere dagegen leben unterirdisch, in natürlichen oder in selbst gegrabenen Höhlen. Sie sind in der Regel sehr schnelle Läufer. Der Aufenthalt in un terirdischen Höhlen isl ein beständiger, indem die Thiere darin wohnen und zngleich auch ihre Nahrung suchen, oder er dient nur zur Erholung, zur Ruhe, als Zuflucht bei drehender Gefahr, zur Pflege der Jungen, während die Thiere im Uebrigen ganz im Freien leben. Noch andere gehen ins Was ser, wiederum entweder nur um darin ihre Nahrung zu suchen oder weil ihnen dieser Aufenthalt besonders behagl. Bei den typischen Wasserbewohnern, welche das Land gar nicht betreten, ist der allgemeine Körperbau dem Aulenthalte in dem flüssigen Elemente ganz angepasst. Ihre Bewegungen sind leicht und geschickt, ihr Vei bveitungsbeziik minder beschrankt Die grössten und colos- saislen Gestalten dir ganzen Ihieriscben Schöpfung sind unter die Meeressäu- gelhiere verwiesen. Die eigentlich amphibiotischen Säugelhiere, durch ihre plumpe Genial l . ihre wenig geschickten Bewegungen, ihren Stumpfsinn cha- racterisbrl, finden sich unter den Pachydermen. Ihr Körper ist zum ausschliess- Ikhen Aufenthalte auf dem Lande eingerichtet, aher sie -wälzen sich gern im Schlamme und lieben ebenso sehr ein häufiges Bad. Trotz ihrer plumpen Gestalt und trotz des Mangels eigentümlicher Schwimmorgane bewegen sie sieb sehr behend im Wasser. Die Luft bewohnenden Säugelhiere verlieren das Gehvermögen , indem ihre Bewegungsorgane zu falschen Flügeln umge staltet sind. Die Fledermäuse durchschneiden flatternd die Luft so geschickt und behende als die Wale die Fluthen des Oceans; aber sie fliegen nicht wie die Vögel. Sehr wenig kletternde Säugelhiere besitzen in einer zwischen den vordem und hinlern Gliedmassen ausgespannten Haut einen eigeiilhûmli- chen Fallschirm , mittelst dessen sie leicht und sicher von höhern Orten auf weitere Dimensionen sich herabschwingen können. Ihre Nahrung wählen die Säugelhiere entweder nur aus dem Pflanzpn- odei nur aus dem Thierreiche oder aus beiden zugleich. Die Pflanzenfresser haben, je nachdem sie weiche oder feste Pflanzenstoffe lieben, unter einan der wieder eine verschiedene Organisation, welche sich im Zahnsystem, in dem Magen und Dann, besonders auch in den zum Venlauungsapparale zebörigen Drüsen aiu auffälligsten zeigt. Einige ziehen weiche, saftige Früchle vor, andere Wurzeln und Knollen, noch andere Dlälter und junge Triebe. Die auf harte Substanzen angewieseneu wählen Körner, Nüsse, trockene vegeiabi- lische Stoffe oder wie der Biber Holz. Die fleischfressenden Säugelhiere näh ren sich von kleinem Weich- und Gliedorlhieren und heissen dann gewöhn lich lasectivoren oder von Fischen wie die meisten Wasserbewohner. Die eigentlich carnivoren Raublhiere jagen auf lebende Vögel und Säugelhiere, die sie ganz verzehren oder nur theil weise, indem sie mit frischen Blut ünen Hunger stiUen. Todtes Vieh wählen nur die wenigsten Raublhiere zur Näh me und gewöhnlich auch erst dann , wenn der Hunger sie dazu- treibt. Da- "<"»en lieben viele Omnivoren thierische Subslamen. Ueberhaupt wählen diese «cht feinschmeckerisch unter den vegetabilischen und animalischen Sl0ffen, nur w grosser Ueberfluss an Nahrung ist, verrathen einige eine Neigung zu ge wissen Lieblingsspeisen. Viele Omnivoren ziehen dem Aas und irockenen Iberischen Substanzen lebende Thiere vor, die sie ohne grosse Kiaflanstren- gug erbeuten können, also besonders Inseclen und Weichlhiere, sellener icbon kaltblütige Wirbellhiere. 50 Allgemeine Characteristik. Die meisten Sâugelhiere wachen den Tag über und pflegen Nachts der Ruhe. Ihre Beschäftigung ist auf Erhaltung und wenn diese keinen Zeitauf wand erfordert auf Unterhaltung gerichtet. Die Pflanzenfresser gelten auf die Weide oder suchen nach Körnern , Früchten und Wurzeln, die Raubthiere ja gen, einige auf ihre Kraft, andere auf ihre List und Gewandtheit vertrauend. 1st die Beute verzehrt: so ruhen sie eine Zeitlang und suchen dann neue Nah rung. Die gesellig lebenden spielen, andere sitzen stumpfsinnig und unbeweg lich da. Die unterirdisch lebenden graben ihre Wohnungen und Gänge und viele derselben tragen Vorrath für die kalte Jahreszeit ein. Die Zahl der nächtlichen Säugethiere ist gering. Diese halten sich wälirend des Tages an verborgenen und versteckten Orten auf und gehen mit eintretender Dämme rung und während der Nacht auf Raub aus, den sie in der Dunkelheit um so sichrer verfolgen können. Das lichtscheue Wesen, die Feigheil und Schwäche, gewöhnlich auch Mangel an Gewandtheit und List characterisirl die hSssliche Physiognomie dieser nächtlichen Räuber. Das Verfallen in einen lethargischen Zustand bei eintretendem Mangel an Nahrung und in der rauhen empfindlichen Jahreszeit ist unter den Säugelhie- ren, besonders deñ Körner- und Insect enfressenden eine gar nicht seltene und regelmässige Erscheinung, während dieselbe normal bei keinem Vögel beob achtet, hier vielmehr durch die regelmässigen Wanderungen vermieden wird. Der Winterschlaf trifft zumeist den Säugethieren der gemässigten und kalten Zone, da in den Tropen ein völliger und anhallender Mangel der Nahrung nicht ein tritt, auch die Temperatur nicht so lange Zeit des Jahres hindurch und nicht so lief als bei uns in höherem Norden herabsinkt. Regelmässige Winterschla fer sind die Fledermäuse, mehre insectivore Raubthiere und besonders Na ger, einige grössere omnivore Raubthiere schlafen eine Zeitlang aber versin ken nicht in Lethargie wie jene kleinern Thiere. Die meisten dieser Thiere beginnen ihren Winterschlaf im November, selt ner und bei frühzeitig eintretender Kälte schon im October, oder bei mildem und gelindem Herbstwetter erst im December. Von dieser Zeit an dauert der Schlaf nun bloss einige Wochen oder ununterbrochen auch einige (bis 7) Mo nate. Warme Tage, auch künstliche Wärme weckt viele Winlerschläfer auf, aber die darauf folgende Kälte versenkt sie wieder in Schlummer. Um äusserlich vor dem Einflüsse der rauhen Jahreszeit geschützt zu sein suchen sich die Winterschläfer gesicherte Verstecke auf, in Gebäuden, altem Gemäuer, in Felsenrissen oder hohlen Bäumen, seltner blos unter Buschwerk und Hecken, viele in ihren unterirdischen Sommerwohnungen oder sogar in eigens zu diesem Zwecke gegrabenen tiefen Höhlen. Sie ruhen meist verein zelt, nur wenige wie das Murmelthier Familienweise, die Fledermäuse allein hängen sich in Gesellschaften von einigen Hunderten in Höhlen und Felsen- spallen auf. Während letztere hängend diesen Zustand überdauern, rollen sich alle andern Winterschläfer ein, indem sie den Kopf gegen den After oder Schwanz Biegen, die Gliedmassen einziehen und auf die Seite sich legen. Augen, Mund und After sind geschlossen. Während des Winterschlafes sinkt die Lebenswärme der Schlafenden auf die Hälfle der gewöhnlichen und viel tiefer, selbst bis auf 0 Grad herab, die Respiration wird schwach, Herz- und Pulsschlag langsam und selten, die Empfindlichkeit gegen äussere Reize vermindert sich auffallend, Magen und Darm schrumpfen zusammen, die Secretion ist gering, die Genitalien ohne Thätigkeit. Der auf das Minimum reducirte Lebensprocess wird durch Ver Lebensweise. 51 dirung des Fettes unterhalten, welches alle Winterschläfer gegen den Herbst bin durch die reichliche Nahrung des Sommers gewonnen haben. Nach dem Erwachen sind sie daher abgemagert. Die ausschliesslich Körnerfressenden wie der Hamster finden auch im Frühlinge noch keine Nahrung und leben während dieser Zeit von den Vorräthen, welche sie in ausreichender Menge pad Güte im Herbste eingesammeil und aufgespeichert haben Grösser aber als der Nahrungslrieb ist bei dem erwachten Winlerschläfer der Geschlechts trieb, dessen zeitige Befriedigung ihm nicht blos ein angenehmes Bedürmiss sondern zugleich nolhwendig ist, wenn die junge Nachkommenschaft für den oachslen Winter schon erhallungsfahig seinesoll. Bei allen Säugelhieren, deren Nahrung im Winter ganz aufhört oder sehr dürftig wird, sammelt sich gegen den Herbsl hin reichliches Fett au und dies« ersetzt den Verlust an Nahrung. Wanderungen unternehmen nur einige Säugelhiere des kallen Nordens und auch diese nicht regelmässig, sondern nur bei sehr strengen Wintern. So ziehen die schwarzen Landbären aus Canada nach den Vereinten Staaten, das geraeine Eichhörnchen in Lappland gegen Süden, der Lemming in Sehaa- rra von Millionen aus Skandinavien nach den Südwesten. In Sibirien unter nimmt das Rennlhier Streifzüge in die Ebenen des Polarmeeres bei Beginn der warmen Jahreszeil. Die wilden Esel am Aralsee ziehen Heerdenweise nach dem nördlichen Indien und Persien. Unter den Robben und Celaceen wan dern ebenfalls einige nach Norden, andere nach Süden. Kunsltriebe verrathen die Säugethiere im freien Naturleben nur wenige. Die Wohnungen, welche einige selbst bauen, sind einfach und ebenso das Nal der Jungen. Der Biber scheint der geschickteste Baumeister von Allen m sein. Diesen im Verhällniss zu den Vögeln und Inserten besonders auf feilenden Mangel an Ihierischem Kunstsinn ersetzen die Säugelhiere durch ihre grosse Gelehrigkeit und Achtsamkeil auf alles, was um sie vorgeht. Es zeich nen sicli in dieser Hinsicht nicht blos die Hauslhiere aus, welche durch ihren beständigen Umgang mit dem Menschen ihre Fähigkeilen bis zur Bewundrung und zum Staunen sieigem, auch die wilden geben iin gezähmten Zustande überraschende Beweise ihrer Gelehrigkeit. Bei der nahen Beziehung der Säugelhiere zu dem Menschen möchte es hier überflüssig erscheinen den Nutzen und Schaden derselben aufzuzählen. Hinsichtlich des gen einsamen Lebens findet ein ziemlich schroffer Gegen satz zwischen den Pflanzenfressern und den Raublhieren Stall. Erslere leben !*i ihrem milden und gulmüthigen Naturell meist gesellig, paarweise, in Fa milien, Rudeln, Haufen und Hecrden , dk: Raubthiere dagegen gewöhnlich ein- iem. nicht seilen in ebenso grosser Feindschaft mit ihrer eigenen Arl, als mit den von ihnen verfolgten Herbivoren, nur sehr wenige jagen gemeinschaft lich. Unter ganz einsam lebenden suchen die Manne! en zur Zeit der Brunst die Weibchen auf, ziehen sich aber nach dieser Zeit wieder zurück und über lassen den letzlern allein die Sorge für die Jungen, welche, sobald sie her anwachsen sind, von der Mutter sich trennen. Fortpflanzung und Entwicklung *). Die Säugelhiere leben theils monogamisch, theils polygamisch, im letztern falle ist jedoch die Zahl der von einem Männchen geführten Weibchen nicht ") Tli. L. W. Bischoff, Entwicklungsgeschichte der Siiugetliiere und des Menschen. Leipzig 1842. 8.; Entwicklungsgeschichte des Kaninchen-Eies. Mil 10 ТПп. Braun Allgemeine Characleristik. so gross, als bei einigen Vögeln. Die Brunstzeit tritt gewöhnlich nach der strengen Jahreszeil ein und ist bei den meisten von kurzer Dauer, bei einigen findet jedoch eine wiederholte jährlich zwei bis dreimalige Begattung Statt. Der Act derselben wird bei allen Säugelhieren ohne Ausnahme durch Copu lation vollzogen, bei welcher die Bulhe in die weibliche Scheide eindringt und auf diese Weise der männliche Samen in die innern weiblichen Genitalien er gossen wird. Nach der Befruchtung erfolgt die Entwicklung der Eier und des Embryo im Uterus des Weibchens und wenn diese eine gewisse Stufe erreicht hat, wird das Junge gebo.en. Nach der Geburt säugt das Junge noch eine Zeitlang an den Zitzen der Mutler, wird von derselben gepflegt und bei dem weiteren Heranwachsen zur eigenen Erhaltung geleitet. Die Ent wicklung des Jungen im Ei und Uterus bis zur Geburt weicht in mancher Beziehung von der der Vögel und übrigen Wirbelthiere ab, daher wir die Hauptmomente derselben kurz darlegen wollen. Die Befruchtung des weiblichen Eies durch den männlichen Samen er folgt am Eierstock selbst und zwar erst einige Zeit nach dem Begattungs- acte. Schon vor diesem, in der Brunstzeit überhaupt, werden einige der Graafschen Bläschen sehr gefäss- und blutreich, schwellen durch die in ihnen enthaltene Flüssigkeit bedeutend an, wobei ihre Hüllen verdünnt und ausge dehnt werden, bis sie nach der Einwirkung des Samens an ihrer erhabensten Stelle platzen und ihren Inhalt mit dem Eichen in den Eileiter ergiessen. Dieses Platzen der Graafschen Bläschen und das Eintreten der Eier in die Tuben erfolgt bei einigen Säugelhieren .-chon wenige Stunden nach der Be fruchtung, bei andern erst in einigen Tagen, doch geschieht das Eintreten aller zur Entwicklung kommenden Eier gleichzeitig. Das Eichen selbst erlei det durch die Befruchtung sogleich einige Veränderungen. Die Zellen oder Körner des umgebenden Discus verändern ihre rundliche Gestalt in eine ge streckte spindelförmige, der Dotier wird voller und dichter, und das Keim bläschen scheint zu verschwinden. Im Eileiter selbst erfahren die Eier bei verschiedenen Thieren auch verschiedene Veränderungen. Bei dem Kaninchen bildet sich um die Zona herum eine dünne Schicht Eiweis, welche mit dem weitern Herabrücken des Eies dicker wird. Der Doller gerälh in eine lang same drehende Bewegung und zerfällt alsbald in rundliche Kugeln (2 bis 16 und mehr). In diesem Zustande gelangt das Ei in den Uterus. Bei dem Hunde dagegen konnte Bischolf, dessen Darstellung wir folgen, keine Eiweiss- bildung beobachten, ebensowenig eine drehende Bewegung, wohl aber deut lich den Furchungsprocess, der bei den befruchteten Eiern aller Thiere eintritt. In den Uterus eingetreten, ist der weitere Bildungsgang zunächst noch ein wenn auch nur wenig verschiedener bei den am meisten und sorgfältig sten untersuchten Thieren, dem Kaninchen und Hunde. Bei ersterem ver wandeln sich die kleinen Dotterkugeln in polygonale Zellen, die sich an die innere Fläche der Zona anlagern und eine wirkliche Zellenmembran , die eigent liche Keimblase bilden. Gleichzeitig verschmilzt hei steter Grössenzunahme des Eies die Eiweissschicht mit der Zona und beide stellen endlich eine voll kommen durchsichtige, structurlose Hülle des Eies dar, welche auch bei schweig 1842. 4.; des Hunde-Eies. Mit 15 Tfln. Ebd. 1845.; des Meerschwein-Eies. Giessen 1852. 4. Mit 8 Tfln. — R. Wagner, Lehrbuch der specialen Physiologie. Leipzig 1842. 8. — G. Valentin, Handbuch der Entwicklungsgeschichte des Menschen mit vergleichender Rücksicht der Säugethiere und Vögel. Herlin 1835. 8. Fortpflanzung und Entwicklung. 53 stärkster Vergrößerung noch ganz einfach erscheint. In dem nunmehr eine Linie grossen hellen Bläschen mit doppelter Hülle häufen sich allmählig an einer Stelle in der Keimblase Zellen und Zellenkerne zu einem rundlichen Embryonalfleck zusammen, an welchem sich alsdann zwei sehr zarte Blätter deutlich unterscheiden lassen, ein äusseres seröses oder animalisches und ein inneres vegetatives oder Schleimblatt. Bis zu zwei Linien Durchmesser des Eichens wachsen diese Blätler und der Embryonalfleck oder Fruchlhof gleich- massig an Umfang fort. Dann wird das Ei elliptisch und auf seiner Ober fläche zeigen sich körnige Erhabenheiten, welche sich später zu Zotten aus bilden. Bei vier Linien Länge hat das Ei schon eine feste Stelle an der Wand des Uterus gewonnen, deren Schleimhaut sich um dasselbe herumlegt. Dieser blos äusserlichen Anheftung folgt sehr bald eine innige Verbindung, welche eine unverletzte Trennung des Eies vom Uterus nicht mehr gestattet. Der Fruchthof wird jetzt in der Mitte heller, und geht aus der bisher run den durch die ovale in die birnförmige Gestalt über. Die erste Spur des Embryo zeigt sich- Bei dem Hundeei bildet sich auch nach dem Eintritt in den Uterus keine Eiweissschicht, die Bildung der Keimblase, der beiden Blät ter, die Anheflung und innige Verbindung mit dem Uterus, des birnförmigen Fleckes ist im Wesentlichen dieselbe. Im Uterus selbst beginnt schon vor dem Eintritt des Eichens eine erhöhele Thätigkeit. An der Bildung des Fruchlhofes haben beide Blätter der Keimblase Theil genommen. Ihr äusserer dunkler Ring wird der spätere Gefässhof, der von diesem eingeschlossene helle Raum ist der durchsichtige Fruchlhof , in dessen Achse ein heller Streifen, eine von dem serösen Blatte allein gebildete Rinne sich zeigt. Zu beiden Seiten der Rinne treten zwei dunklere Ansammlungen auf, welche den nächsten Gestaltänderungen des Fruchthofes folgen und die Anlage des Embryokörpers sind. Sobald der durchsichtige Hof eine bisquit- oder guilarrenförmige Gestalt annimmt, schlagen sich dieselben als Platten über der Rinne zusammen, diese wird dadurch ein geschlossener Kanal, in dessen Innerem neue Zellen das Material für Rückenmark und Gehirn produ- ciren, und an dessen Aussenseite sich kleine dunkle viereckige Plättchen, die Bogenstücke der Wirbel hervordrängen *). Die äusseren Ränder jener An sammlungen biegen sich gegen die Höhlung der Keimblase um und es ent steht die vordere Leibeshöhle. Mit der Bildung der Nervensubstanz in dem eben geschlossenen Kanäle erweitert sich das vordere Ende der Primitivrinne blasenartig zum Gehirn und das hintere bleibt breit und flach zur Bildung der Cauda equina. Ersteres hebt sich alsbald über die Keimblase empor, schnürt sich ab und biegt sich nach vorn fast rechtwinklig herab. Während dieser Vorgänge mit dem animalischen Blatte beginnt zwischen demselben und dem vegetativen Blatte die Ablagerung beosnderer Zellen, welche zu Gefässen und Blut sich ausbilden und da sie eine besondere Schicht darstellen, als Gefässblalt unterschieden werden. Ein starkes Kreisgefäss zeichnet sich als bald darin aus, von dem aus bis zum Embryo hin und wieder zu ihm zurück ein doppeltes Gefässnetz sich entwickelt. Im Embryo entsteht an der Ver bindungsslelle des abgeschnürten Kopfes mit der Keimblase ein Kanal, der *) Die Bildung dieser Plättchen beginnt in der Mitte der Länge des Primitiv streifens und schreitet von hieraus nach vorn und hinten fort, also an der Stelle, wo auch in der ausgebildeten Wirbelsäule der Gegensatz von vorn und hinten auf gehoben ist und welche wir mit dem diaphragmatischen Wirbel (S. 6) be zeichneten. 54 Allgemeine Characteristic bald rythmische Conlraclionen äussert und als Herz sich zu erkennen gibt Er theilt sich oben und unten in je zwei Aeste. Die obern derselben laufen nach abwärts und verästeln sich in der Ebene der Kcimblase, die untern gehen in diese da , wo das Kopfende des Embryo mit ihr verbunden ist. Inzwischen dehnt sich das seröse Blatt weiter aus, und umschliesst mit be sonderen sich vereinigenden Falten den ganzen Embryo. Eine eigentümliche Flüssigkeit trennt alsbald das nunmehrige Amnion von dem eingeschlossenen Embryo. Nach diesen einander schnell folgenden Vorgängen beginnt die Bildung des Darmes und die Abschnürung des Embryo von der Keiinblase. Zunächst sondert sich das Schwänzende ebenso wie vorher das Kopfende von der Ebene der Keim blase und bildet das hintere Ende der Visceralröhre. Nun neigen sich all- mählig auch die Seitenränder des serösen Blattes als mittler Thcil der Vis- ceralplallen gegen einander, um später die Brust und Bauchhöhle zu schlies- sen. Aus dem centralen Theile des Gefäss- und Schleimblattes entwickelt sich anfangs als Rinne das Dannrohr, nach dessen Abschnürung die bisherige Keimblase zur Nabelblase wird. Die mit letzlrer vorgehenden Veränderun gen' sind je nach den Familien z. Tb. erheblich verschieden. Gleichzeitig mit ihrer Bildung tritt an dem untern Ende des Embryo eine kleine gefäss- reiche Blase hervor, die Allantois oder Harnhaut, deren Anlage eine gefäss- reiche Zellenmasse, als eine Wucherung der Visceralplallen des Schwanzes erscheint. Bei Schliessung dieser Platlen zur Bauchhöhle wird die Blase in zwei Abtheilungen gelrennt, indem der kleinere Theil innerhalb des Embryo zur spätem Harnblase verwandt wird, der äussere alsbald die Ernährung des Embryo durch die Muller vermittelt. Zu diesem Behufe erweitert sich die Allantois mit ihren Gelassen schnell gegen die äussere Eihaut hin, verwächst mit derselben, sendet ihre Gelasse in deren äussere Zollen , zugleich entwickelt sich die Schleimhaut und das GefSsssystem des Uterus ausserordentlich und die Vereinigung beider Gebilde erzeugt die Plácenla oder den Mutterkuchen, in welchem die Gefässe der Allantois mit denen des Uterus in innigste Ver bindung gebracht sind. Auch in dieser Bildung der Placenta zeigen sich ziemlich auffallende Differenzen bei einigen Familien. Der Embryo ist nunmehr ein isolirtes, nur noch durch den Nabelstrang, durch welchen die ernährenden Gefässe von der Placenta und der Allantois in sie eintreten, mit der Mutter verbundenes Geschöpf, dessen einzelne Organe sich selbständig weiter entwickeln. Das Gehirn zunächst erscheint als einfache blasige Ausbuchtung der Medullarröhre, zuerst eine vordersle Hirnzelle, gleich darauf zwei hintere. Die vordere und hinterste Zelle theilen sich alsbald wieder in je zwei, so dass fünf Abtheilungen, das Vorder- und Zwischenhirn, das Mittelhirn , das Hinter und Nachhirn unterschieden werden. Durch eine dreifache Biegung ist das ganze Gehirn aus der Achse der Medullarröhre und der Ebene der Keim blase gehoben. Das Vorderhirn wächst schnell weiter und scheidet sich durch eine Falte der Gefässhaul schärfer vom Zwischenhirn ab. Dieses spaltet sich vorn und indem es dadurch zusammensinkt kann das Vorderhirn sich mit seinen hintern Rändern leichter darüber wölben. Diese Ausdehnung erstreckt sich endlich auch über das Mittel- und Hinterhirn und da gleichzeitig eine früher erst angedeutete, dann tiefergreifende Trennung durch das Septum sich mehr und mehr ausbildet, so characterisirt sich endlich das Vorderhirn deutlich als die grossen Hemisphären, auf welchen erst spät oder gar nicht Fortpflanzung und Entwicklung. 55 die Windungen beroerkhch werden. Inzwischen entwickeln sich im obern Ibeile des Zwischetihirnes die Selihügel, an dessen hinlerem Rande die Zir beldrüse, und der niedergedrückte Boden desselben gestaltet sich zum Hirn- iiichter. Das Millolhirn senkt sich mit Zunahme der Hemisphären gleichfalls herab, bildet unten die Hirnschenkel und theilt sich von oben her durch eine kreuzförmige Einrenkung in die Vicrhügel. Das Hinterhirn gestaltet sich zum Meinen Gehirn, welches sich über das aus dem Nachhirn entstandene verlan ge Mark herüberwölbt. Pie Ablagerung der Nervensubstanz in den einzel nen ursprünglich mit einer völlig durchsichtigen Flüssigkeit erfüllten Zellen geschieht von unten und von den Seiten her bis zur Ausbildung der soliden tournasse. Ebenso geschieht die Bildung des Rückenmarkes, in dessen Achse 1и einigeu Saugethieren ein nicht ausgefülller Kanal zurückbleibt. Die peri pherischen Nerven wachsen nicht aus dem Centralnervensysterac hervor oder ron aussen her in dasselbe, sondern sie entstehen gleichzeitig mit den Orga nen, denen sie angehören, und zwar durch Diflerenzirung der ursprünglich homogenen Substanz beider. Der Sympathicus erscheint schon frühzeitig, Evuentlich in seinem Brusttheile, stark entwickelt und bleibt dann gegen die feilere Ausbildung des Rückenmarkes zurück. Die Entwicklung der Sinnesorgane, wenigstens der höhern. schliesst sich der des Gehirns innig an. Schon bei der frühesten Bildung der ersten Hirn- KÜe zeigt diese vorn zwei sanfte Ausbuchtungen, die sich immermehr von (kr Zelle abschnüren und zu zwei kegelförmigen Ausstülpungen gestalten. Es and die vom ersten Ursprünge an von einander getrennten Augen, denn das fordere geschlossene Ende des hohlen Fortsatzes der Medullarröhre wird durch kuglige Ausdehnung zum Bulbus oculi, das hintere röhrige Ende zum soliden Sehnerven. In ersterem bildet sich alsbald eine besondere Augenhaut, die in Cornea und Sklerotica zerfällt. Darauf zeigen sich die Anfänge der Cboroidea, später die Iris und eine die Pupille und Linse kapselartig ein hüllende Membran, welche bei weiterer Ausbildung der einzelnen Theile wie der verschwindet. Sehr früh erscheint auch die Retina, anfangs beträchtlich dick und allmählig dünner werdend, umgekehrt nimmt der Glaskörper an Grösse zu. Die ersten Anfänge der Linse, deren Fasern aus Zellen der Lin senkapsel und des Gefässsackes entstehen, sind nach nicht mit genügender Sicherheit erkannt. Später als diese innern Theile entstehen die Augenmus keln, die Augenuder als sich allmählig vereinigende und bei der Geburt häufig schon wieder getrennte Haut/allen, und die Thränendrüse. Das Gehörorgan entwickelt sich getrennt aus der Medullarröhre und aus den Visceralplatten , aus jener das Labyrinth, aus diesen die Trommelhöhle und das äussere Ohr. Das Labyrinth beginnt als blasenartige Auftreibung an der dritten Hirnzelle, zwischen Hinter- und Nachhirn, nur wenig später deut lieh erkennbar als die Augen. Das Bläschen schnürt sich demnächst ab und sein Stiel wird der Hörnerv, und es selbst das Labyrinth, indem es sich mit einer ringförmig entstehenden Kapsel (das Felsenbein) umgibt. Das nunmeh rige Vorhofbläschen gibt durch Abschnürung seiner Ränder zur Bildung der lalbcirkel/ormigen Kanäle Veranlassung und durch eine untere Aussackung zur Bildung der Schnecke, welche stark weiter wächst. Die übrigen Theile des Gehöres entstehen aus dem ersten Visceralbogen. In demselben bildet sich ш der Nahe des Labyrinthes anfänglich ein Kanal, dessen oberes Ende sich m Trommelhöhle erweitert, dessen unteres verengtes die Eustachische Röhre wird Ein aus der allgemeinen Bildungsmasse des Bogens entstehender Knor 56 Allgemeine Characteristic pelstreifen theilt sich in ein vorderes unteres und hinteres oberes Stück, je nes gestaltet sich zum Hammer, dieses zum Amboss. Der Steigbügel ist das ursprünglich mittlere Stück des zweiten in drei Theile zerfallenen Visceral- bogens. Gleichzeitig entsteht das Trommelfell und der dasselbe spannende Ring. Die Verknöcherung der Paukenhöhle sowie des äussern Gehörganges erfolgt viel später, ebenso die Knorpelbildung des äussern Obres. Später als Auge und Ohr erscheint die blasige Auftreihung der Medullar- röhre, aus welcher sich der Riechnerv entwickelt. Ihr entgegen strebt eine Einstülpung Her Kopfwand, die erste Spur der äussern Nase, lange vor der Bildung der Mundhöhle. Die ersten Spuren des Skeletes zeigen sich bereits in der frühesten Ent wicklung des Keimes als kleine Plättchen neben dem Primitivstreifen. Zwi schen denselben in der Mitte liegt die Rückensaite als ein feiner Streifpn, die Grundlage der Wirbelsäule. Um diese Chorda lagert sich nämlich frühzeitig ein grobkörniges, zelliges Blastem ab, welches rechts und links an gewissen Stellen besonders wuchert und dadurch eine Menge kleiner Platten erzeugt. Paarweise wachsen dieselben nun über und unter der Chorda einander ent gegen und verschmelzen zu Ringen, welche endlich die Rückensaite einschnü ren und zuletzt nur noch in ihren Zwischenräumen übrig lassen. Die Ringe sind die Wirbelkörper geworden und der Rest der Chorda die Ligamenta in tervertebrals. Ehe aber die Ringe geschlossen sind, sendet die Belegungs- masse schon Fortsätze nach oben aus, welche das Rückenmark umfassen und die spätem Bögen der Wirbel bilden. Aehnliche seitliche Ausstrahlungen wer den zu Querfortsätzen und wenn sie sich abschnüren zu Rippen. Die Ver- knöclierung geschieht bald früher, bald später, bei den einzelnen Wirbeln so wohl als bei einzelnen Thieren von einer verschiedenen Anzahl von Verknö- cherungspuneten aus. Nachdem die häutigen Viscernlplatten bereits die Visceralhöhle umschlos sen haben, dringen in ihnen die seitlichen obern Ausstrahlungen des Chordal belegs nach unten und bogenförmig vor und indem sie sich oben abschnü ren, bildet sich an ihrem untern Ende jederseits ein verbindender Längsstrei- fen. Diese Streifen treten in der Mittellinie zusammen und verschmelzen zum Brustbein. 4 Als Grundlage des Kopfskeletes ist die dreigetheilte Kapsel der primiti ven Hirnzellen zu betrachten. Die Chorda dorsalis spitzt sich zwischen den aus der hintersten Gehirnzelle hervortretenden Gehörbläschen aus und von der sich hier ansammelnden ßelegungsmasse, die nach vorn und oben weiter wuchert, geht die Bildung der Schädelknochen aus. Zuerst entsteht ganz nach Art der Wirbelkörper das Grundbein des Hinterhauptes und vor demselben, auch vor der Spitze der Chorda, der Körper des hintern Keilbeines, welcher allmählig nach hinten rückt und, da kein Rest der Chorda als Ligamentum intervertébrale vorhanden ist, sich unmittelbar zur spätem Verschmelzung an das Grundbein anlegt. Vor diesem hintern Keilbeinkörper und noch unab hängiger von der Chorda entsteht bei vielen Säugethieren ein besonderer vor derer Keilbeinkörper. Die seillichen Hinterhauptsbeine streben unmittelbar aus der Belegungsmasse der Chorda empor und da sie weit auseinander stehen, schiebt sich die Schuppe als Schaltslück ein. Die beiden Flügel der Keil beine sind dagegen niemals solche Ausstrahlungen ihrer Körper, sondern bil den sich selbständig in den Seitenwänden der Hirnkapsel aus. Das beträcht liche Wachsthum des Gehirns lässl sie oben nicht zum Schluss kommen, son Fortpflanzung und Entwicklung. 57 dem bewerkstelligt diesen ebenfalls durch eigentümliche Schaltknochen, die Scheitel- und Stirnbeine. Aus den Fortsätzen der ursprünglichen Belegungs- nas«e nach vorn geht die Scheidewand dor Nasenhöhlen mit den Riechmu scheln und dem Vomer, das Siebbein, die Nasenbeine und Zwisrhenkiefer her rar. Die Mundhöhle und der Schlund entstehen aus dem vordersten unter der ersten Gehirnblase blind endenden Theile der Visceralhöhle. In den Plat ten dieser zeigen sich schon sehr früh vier von der Hirnkapsel ausgehende Streifen, welche bald die Visceralplalten selbst verdrängen und dann die Visce ralbogen und Spalten darstellen, deren Verknöcherung sehr schnell aus einer grössern Anzahl von Puncten erfolgt. Ein vom obern Ende des Bogens aus gehender Fortsatz gestaltet sich zu den Gaumen - und Flügelbeinen um und an gleichzeitig an der Aussenseite dieses Fortsatzes ausgeschiedenes Blastem gibt die Grundlage für den Oberkiefer und das Jochbein. Eine an der Aussenseite des Visceralbogens hervorwucbernde Belegungsmasse wird zum Unterkiefer, der ebenfalls früh zu verknöchern beginnt. Von der Spalte zwi schen dem ersten und zweiten Visceralbogen bleibt der äussere Gehörgang ab letzte Spur zurück, der also keineswegs als eine Einstülpung von aussen gegen das Labyrinth zu betrachten ist. Vom zweiten Visceralbogen sahen wir oben den Steigbügel entstehen, das obere Stück desselben verschwindet, das drille und längste Stück zerfällt bei der weitern Metamorphose in das vordere Horn des Zungenbeines, in den Processus styloideus und einige nahliegende Theüe. Von der zweiten Visceralspalte erhält sich später keine Spur. Der dritte Visceralbogen löst sich bei seiner Verknorpelung in vier Stücke jeder- seits. Die beiden obern Stücke verkümmern schnell und verschwinden. Die beiden mittlem bilden den Körper des Zungenbeines, die beiden seitlichen die Yôsâem Hörner desselben; die vordem Stücke erhalten sich bis zur Entste llung des Kehldeckels und Kehlkopfes. Die drille Visceralspalle und der vierte Bogen liefern das Material zu den Muskeln, Gefässen, Drüsen und andern Weich t heilen des Halses. Erst wenn Gehirn und Schädel, Rückenmark und Wirbelsäule in der Anlage vollendet, erheben sich an den Seiten des Embryo in Form kleiner Leisten die Extremitäten. Diese Leisten verlängern sich stiellörmig und er hallen alsbald einige Verknöcherungspuncte , mit denen die Gliederung und zugleich auch die Differenzirung ihrer Masse in Muskeln, Nerven, Gefässe и. s. w. eintritt. Die Anlage des Gefässsyslemes wurde in einem Kanäle und den davon ausgehenden Stämmen erkannt. Beide, Kanal und Stämme, bestehen anfangs ner aus locker zusammenhängenden Zellen ohne Höhle. Mit dem Fester- w er den der äussern Wandung bildet sich die innere Höhle, welche mit Flüs sigkeit und losen Zellen als erste Spur des Blutes gefüllt erscheint. Der Herzkanal krümmt sich dann S förmig und beginnt seine Contractionen, durch welche der flüssige Inhalt nach vorn ausgetrieben und durch, die hintern Ve- oeustämme neuer- herbeigezogen wird. Mit diesen treten die ebengebildeten Gefasse des Gefässblalles in Communication. Die beiden obern Stämme des Henkanales, die Aortenbogen, gehen an der Basis der Hirnkapsel vorbei in de Hintergrund des Embryo, vereinigen sich vor den Rückenplallen wieder ю einen Stamm, der abwärts laufend sich abermals theilt und mit beiden iesten bis zum Schwänzende sich erstreckt. Einzelne im Verlaufe abgehende Ътще verästeln sich in der Ebene der Keimblase und stellen die Verbin- àsmg mil dem venösen Systeme her. Inzwischen hat sich das Herz schon Allgemeine Ccharacterisük. stärker gekrümmt und die losen Zellen in der Flüssigkeit sind zu Blutkörper chen umgebildet. Der erste Kreislauf des Blutes ist vollständig entwickelt. Das kanalartige Herz erweitert sich an drei Stellen zur Bildung der Kammern, Vorkammern und des Bulbus Aorlae und seine ursprüngliche Lage unter dem Kopie rückt in die Brust, sobald diese und der Hals am Embryo sich zei- gen^ Allmählig und zwar mit der Entwicklung des Darmes treten die von der Wirbelarterie in die Keimblase führenden Aeste bis auf einen sich ver stärkenden zurück und dieser wird die Arteria orriphalomesenterica. Vorn am Herzen bilden sich drei Paare von Aortenbogen, deren vorderste beide die Carotiden und Subclavien, deren zweiter linker die bleibende Aorte (der rechte obliterirt), und deren dritter beiderseits zur Arteria pulmonalis wird. Venen stämme bilden sich anfangs je zwei in der vordem und in der hintern Kör perhafte aus, nachdem schon vorher die Nabelgekrösvene den Kreislauf zwi schen Embryo und Keimblase eröffnet hat, aber auch diese Hauptstämme er leiden eine durchgreifende Metamorphose. Die Lungen beginnen mit der Wucherung eines Blastems an der äussern Darmlage vor der Magengegend, Die Bronchien und die Luftröhre entwickeln sich selbständig in demselben und allmählig löst sich das Organ vom Darm ab. Den Kehlkopf deuten zuerst zwei Wülste am Eingange der Luftröhre in den Oesophagus an; sie sind die Anlagen der Giesskannenknorpel , unter de nen sich später Schild- und Ringknorpel entwickeln. Die erste Anlage des Darmes macht sich in einer Rinne zwischen Schleim und Gefässblatt bemerklich. Diese Rinne schliessl sich von vorn und hinten gegen die Mitte hin zu einem Kanäle, anfangs noch innig mit der Keimblase verbunden, dann nur noch durch den Nabelblasengang und endlich bis auf die Nabelblasengelasse aus der Verbindung mit dieser heraustretend. Gleich zeitig verlängert sich das Darmrohr beträchtlich und theilt sich in drei Ab theilungen. Der Anfangs- oder Munddarm verläuft auch später noch gerad linig und gestaltet sich zur Mundhöhle mit der Zunge, zur Speiseröhre, dem Magen und Zwölffingerdarm um, in seiner Umgebung die Speicheldrüsen, Lun gen, Leber und Pankreas erzeugend. Der eigentliche Mund öffnet sich erst mit der oben beschriebenen B/Jdung der Kiefer. Die Zunge wuchert ana Bo den der Mundhöhle, von der innern Fläche des ersten Visceralbogens hervor. Der Magen erweitert sich ganz allmählig aus einer Ausbuchtung des Darm rohres Der Milleldarm wächst sehr stark unter vielfachen Krümmungen zu den dünnen Gedärmen aus, der nur zum Mastdarm sich umgestaltende End darm erleidet dagegen die geringsten Veränderungen. Zur Entwicklung der dem Darmkanale angehörigen Drüsen biegt sich zuerst die innere Darmlage an der betreffenden Stelle sanft aus, alsbald auch die äussere und es entsteht ein kleiner Höcker, gleichsam eine Knospe des Darmes. Die Speicheldrüsen zeigen sich nicht gleichzeitig, sondern nach einander, erst die Unterkieferdrüse, dann die Unterzungen und zuletzt die Ohrspeicheldrüse. Früher als diese wuchert schon das Pankreas hervor auf der linken Seite des Darmes. Die Leber zeichnet sich unter diesen drüsigen Organen durch ihr sehr schnelles Wachslhum aus, indem sie frühzeitig den grösslen Theil der Bauchhöhle ein nimmt und gegen die Geburt hin und später wieder kleiner wird. Die Asym metrie ihrer beiden Lappen wie auch der der Lungen bildet sich erst all mählig aus. Die Entwicklung der Milz geht vom Magen aus und ist in ih rem Blastem häufig mit dem des Pankreas vereinigt. Die Schilddrüse ent steht zu beiden Seiten des Kehlkopfes ganz selbständig, ebenso die Thymus Fortpflanzung und Entwicklung; 50 drüse an den Seiten der Luftröhre, beide ohne besondere Ausführungs- Den ilarnorganen geben bei den Säugethieren und höhern Wirbellhieren überhaupt die Urnieren oder WolfVhen Körper voraus, welche gleich nach d<T Bildung des Darmrohres 7.U beiden Seilen der Wirbelsäule auftreten. Sic -ind schon in der erslen Anlage paarig, aus zwei Reihen kleiner gestielter Bläschen mit verbindendem Längskanal lind Aüsführungsgarig bestehend. t)ie Bläschen verwandeln sich in schlängelnde blind endende Kanäle, die sich end lich ru Knäueln gestalten, wobei gleichzeitig die Länge der ganzen Körner sich beträchtlich zurückzieht und die bandförmige Gestalt in die bohnenför- mipe oder rundliche übergeht. Die Ausfiihrungsgänge senken sich in die Al- bnlois. Sobald nun die Nieren sich zu entwickeln anfangen, treten die WoIP- M'lien Körper zuriiek und verschwinden endlich ganz. Dieselben zeigen sich reerst als ovale glatte Körperchen, die von hinten nach vom vorrücken und bald such auf der Oberfläche sich finchen und zertheilen. Die Zerlheilung bleibt bei einigen Sängelhieren das ganze Leben hindurch, bei andern ver- ■ilmindel sie wieder vor oder b;.ld nach der Geburt. In dem sie bildenden Blastem erscheinen anfänglich kleine mit ihren Stielen vereinigte Kolben, de ren Zahl sich mehrt und die Krümmung der Niere veranlasst. Dann macht «Ii auch der Harnleiter bemerklich. Mit noch grösserer Vermehrung der ЫЬеп strecken sicli dieselben in die Länge, schlängeln und winden sich. Die Anlage der Geschlechtsorgane macht sich schon vor der der Nieren ;ra innern Rande der Wolfschen Körper bemerklich als ein weisses ans klei nen Zellen und Zellenkerncben bestehendes Blastem. Kin Unterschied zwi schen männlichen und weiblichen Organen zeigt sich zuerst in der Form, dann in der Stellung. Der Hode wird kurz, cylindrisch, rückt nach und nach in die Leistengegend herab und zeigt in Querstreifen die er sten Spuren der Samenkanälchen. Der Eierstock bleibt länglicher und plat ter, -stellt sich schief und endlich ganz quer, rückt nicht so tief herab als der Hode, und die Follikel bilden sich in ihm später als die Samenkanäle m Hoden. Die Ausführungsgänge, die Samenblase, der Uterus, die Abschnü- ning der Harnblase vom Darme und ihre Verbindung. mit den Genitalien ent- w.ckell sich ziemlich schnell, später erst die anfangs völlig unterschiedslosen äussern Genitalien, mit deren Diüerenzirung auch die Milchdrüsen sich her anbilden. In der Entwicklung der Muskeln im Allgemeinen ist noch gar kein Un- ierschied der Säugelhiere von den Vögeln beobachtet worden. Dieselbe be ginnt später als die der Knochen und zwar aus kernhaltigen sich verlängern den Zellen, welche gleichzeitig für die ganze Länge des Muskels von einem bheftunsspunete zum andern erscheinen. Die Körperoberhaut beginnt frühzeitig sich zu entwickeln und zwar aus "iuer einfachen von primären kernhaltigen Zellen gebildeten Lage, in der durch Faserbildung alsbald die unlere Lederhaut von der Epidermis sich fbeidet. Letztere bleibt noch lange Zeil hindurch sehr dünn und durchsich- tig- Die Haultalgdriisen erscheinen gleichzeitig oder später als die Haarbälge, 'i' »eichen noch lange vor der Geburt die Haare oder sonstigen Epidermal- ifbilde ihre Entwicklung gewinnen. Die Ausbildung des Embryo erfolgt bei den Säugethieren ohne Ausnahme te zur Geburt hin im Uterus. Der höchst zarte und weiche Embryo hängt ror an der Nabelschnur befestigt frei im Frucht- oder Schafwasser, welches länge. 60 Allgemeine Characteristik. ihm die leichtesten Bewegungen gestattet und gegen mechanischen Druck von Aussen her möglichste Sicherheit gewährt. Die Ernährung erfolgt durch die Mutter unter Vermiltelung der Nabelgefässe. lieber die Functionen der ein zelnen Organe während des fötalen Lebens werden wir im allgemeinen Theile unserer Arbeit Ausführlicheres miltheilen. Die Geburt der Jungen erfolgt nun sobald dieselben ausgetragen sind, d. h. die Entwicklung der einzelnen Organe bis zur selbständigen Erhallung vorgeschritten ist. Frühgeburten kommen normal nur bei den Beulelthieren vor. Die Zeit von der ersten Entwicklung des Embryo durch das fötale Leben bis zur Geburt ist bei den verschiedenen Säugethieren eine höelist verschiedene; von einigen Wochen bis zu einem Jahre und darüber. Schon die nächst verwandten Thiere weichen hierin, wenn auch nur wenig , von ein ander ab. Dagegen werden allgemein die Jungen der Pflanzenfresser und der niedern Säugethiere überhaupt verhältnissmässig vollkommener geboren als die der Fleischfresser. Letztere sind allermeist nackt und blind, bedürfen aber nur kurze Zeit der Milchernährung durch die Mutter, die erstem dagegen werden sehend geboren, folgen sogleich derMulter, säugen aber längere Zeit. Nach der Geburt liegt die Pflege und Ernährung der Jungen der Mut ler ob. Sie ernährt dieselben mit ihrer Milch, bringt ihnen die erste Nah rung, führt sie auf die Weide, oder Hält sie zur Jagd an, schützt sie gegen Gefahren und vertheidigt sie gegen den Feind mit eigner Aufopferung. Der Vater lebt entweder völlig unbekümmert um seine Jungen, bisweilen ist er sogar feindlich gegen sie gesinnt, oder er nimmt höchstens nur an der Her beischaffung der Nahrungsmittel und der Verteidigung gegen den Feind Antlieil. Die Zahl der auf einmal erzeugten Jungen ist bei den grössten und bei den vollkommensten Säugethieren gering, meist nur eins, seltner zwei. Sie haben auch nur zwei höchstens vier Zitzen zu deren Ernährung. Bei andern steigt die Zahl auf 5, 7 und 9, höher nur bei sehr wenigen wie bei dem Schwein, wo Fälle von 22 Jungen bei einer Geburt bekannt sind. Die Lebenszeit der Säugethiere dauert im Allgemeinen viel geringer, als die des Menschen, denn nur Walfische und Elephanten werden älter. Die grössern erreichen durchschnittlich ein Alter von 20 bis 30, die kleinern von 6 bis 15 Jahren. Geologische Geschichte *). Die Säugethiere geben in ihrem geologischen Auftreten den schlagendsten Beweis für eine allmählige Vervollkommnung des thierischen Organismus auf der Erdoberfläche und durch ihr Studium erlangle die Paläontologie über haupt zuerst eine höhere Bedeutung, die Geologie und Geognosie eine fesle Stütze. Das erste noch nicht genügend begründete Auftreten eines Säugethieres fällt an das Ende der Triasischen Epoche und beruht auf dem Zahne eines kleinen insectenfressenden Raubthieres oder Beutelthieres , welchen Plieninger in den Keuperbreccie bei Degerloch erkannte. Die ältesten unzweifelhaften Spuren von der Existenz der Säugethiere haben uns die Unterkiefer, von Stonesfield aus Schichten der mittlem Juraepoche geliefert. Diese Reste be weisen ganz entschieden das Dasein frühgebärender Beulelthiere in einer Pe riode, welche durch die höchste Entwicklung des Amphibientypus chara cterisirt *) Giebel, Fauna der Vorwelt. Säugethiere. Leipzig 1847. 8. und Allgemeine Paläontologie. Ebd. 1852. 8. Geologische Geschichte, Gl wird, und in einer Gegend der Erdoberfläche, deren Fauna in der gegenwär tig« Schöpfung keine einzige jener ältesten näher verwandle Gestalt mehr besitzt. Also Beulelthiere, die noch heutigen Tages unvollkommen geboren »erdin, sind die ersten Vorboten der vollendetsten Thierklasse, nicht fisch- artige oder amphibiotische Gestalten, sondern Nagelsäugethiere. Mit Eintritt der tertiären Periode erscheinen die Säugelhiere zahlreich und maonichfallig und schliessen in dieser die geologische Entwicklung des Ihienschen Organismus ab, indem nunmehr alle Stufen des Tliierlebeus re- präsentirt sind. Ihre eigene Geschichte beschränkt sich also auf die letzte Periode der Erdbildung, deren schnell folgende Epochen uns den Wechsel der Gestalten bis zur Schöpfung der heutigen Fauna zeigen. In der ersten tertiären Epoche erscheinen einige Flossensäugethiere, Raublhiere, Fledermäuse, Affen und in überwiegender Anzahl und Mannieh- blligkeit eigentümliche Gattungen' der Hulthiere, besonders Pachydermen. Letztere, die Repräsentanten des amphibioliscben Säugethierlebens, characle- nsiren diese äitesle Säugel hierfauna des Erdbodens am augenfälligsten. Ge rade diese Gruppe ist gegenwärtig arm an Arten und Gattungen, ärmer als damals; die Gestalten stehen scharf geschieden neben einander, in jener älte sten Epoche dagegen waren sie einander mehr genähert. Die entschieden eoceneii Reste von Pachydermen deuten auch ausschliesslich auf die Existen/, íigenthümlicher Gallungen, also auf eine von der heutigen durchweg verschie dene Fauna. Die im Allgemeinen grössere Mannichfaltigkeit neben den ver einzelten Repräsentanten der andern Gruppen, beweist, wie sehr sich die Bildumrefähigkeit des Säugel hiertypus Concentrin hatte. Die Paläotherien, Lophiodonten und Anoplotherien vereinigen in sich Characlere, welche heule juí verschiedene Gallungen und selbst Familien vertheilt sind. In der nächst folgenden Epoche vermehrt sich die Anzahl und Mannich- (alligkeit der Säugelhiere beträchtlich. Cetaceen in noch lebenden und eigen tümlichen Gallungen, wiederum viele Pachydermen zugleich mit Wiederkäuern mi Einhufern , einige Nager und zahlreichere Raublhiere , auch Fledermäuse and Affen. Das Verhältniss zwischen Pflanzenfressern und Raublhieren gleicht seh allraählig aus. Von den eigenthümlichen Gallungen der erslen Epoche -ind mehre verschwunden und neue an ihre Stelle getreten, zugleich erschei nen noch jetzt lebende Gattungen. Die Zahl dieser steigert sich von nun an ■dad. In der folgenden Epoche treten die Raublhiere bereits in ein völ liges Gleichgewicht mit den Huflhieren. Aber während diese schon mehr den gegenwärtigen sich genähert haben, sind unter den erstem noch viele eigenthümliche Gattungen. In der Epoche des Diluviums endlich sind alle heuligen Familien bereits vertreten und zwar zumeist auch durch jetzt lebende •■altimgen, ja einzelne Arten sind aus jener Zeit unverändert in die gegen wärtige Schöpfung übergegangen. Der Unterschied zwischen der diluvialen Ш lebenden Sänget hierfauna ist daher nur ein sehr geringer. Wie die Gestallen der ältesten bis auf die diluviale Epoche den heutigen 'lamer ähnlicher werden: so nimml auch die Verbreitung mehr und mehr gegenwärtigen Gliaracler an. Die Säuget hierfauna des mittlem Europa ' B. war während der ersten und zweiten tertiären Epoche zum grössten Ibeile aus Repräsentanten der heutigen Tropenbewohner gebildet. Erst in ■kr Diluvialepoche gränzen sich die einzelnen Verbreitungsbezirke schärfer ab •d nur gewisse Arten bewegen sich noch in viel umfangreichem Gebieten ■ ihren heutigen Vertretern angewiesen sind. Allgemeine Cliaracteristik. Eintheilung. Die Klasse der Säugethiere wurde zuerst scharf und nalürlich begránzt und unter ihrem noch heute allgemein als passend beibehaltenen Namen ein geführt von dem Schöpfer der neuem Naturgeschichte, von Linné in der zehnten Ausgabe des Systema naturae 1758. Er vereinigte hier die Vögel und Säugethiere, als Warmblüter von den kaltblütigen Wirbelthieren geschie den, und trennte die Säugethiere als lebendiggebärende von den eierlegenden Vögeln. Durch diese glückliche Wahl der durchgreifenden Charactere, das rothe warme Blut , das Lebendiggebären und Säugen, war zum ersten Male und für alle Zeiten eine scharfe Gränze zwischen Amphibien , Säugethieren und Fischen gezogen, welche bis dahin Niemand mit gleicher Sicherheit erkannl hatte. Für die weitere Eintheilung der Säugethiere wählte Linné ganz richtig die Bewegungsoigane und das Gebiss. Nach erstem schied er die Flossen- säugethiere, die heuligen Celaceen, von den übrigen vierlüssigen Säugethieren aus und nannte sie Cete. Die übrigen Ordnungen bestimmte er nach dem Zahnsystem, insbesondere den Schneidezähnen, nämlich: Belluae: mehre stumpfe Schneidezähne, oben sechs; Pferd, Nilpferd. Pécora: nur unten Schneidezähne; wohin unsere Wiederkäuer. Glires: oben und unten 2 Schneidezähne, keine Eckzähne; die heutigen Nagethiere und das Nashorn. Besliae: oben und unten Schneidezähne in unbestimmter Zahl, mehr ab ein Eckzahn; Schwein, Armadill, Igel, Maulwurf, Spitzmaus, Beu- telthier. Ferae: Schneidezähne oben und unten 6; die carnivoren und Omnivoren Raubthiere mit den Robben und Walross. Bruta: ohne alle Schneidezähne; Elephant und Zahnlose. Primales: vier Schneidezähne oben; Fledermäuse, Affen, Mensch. So glücklich auch die Organe zur Gruppirung hier gewählt waren: so sehr mussle bei der damals noch sehr oberflächlichen und lückenhallen Kennt- niss derselben dieser Versuch missglücken. Linné selbst uberzeugle sich noch, dass die Ordnung der Bestiae unnatürlich sei und in der letzten Ausgabe seines Systèmes wurden die Insectenfiesser zu den Raubthieren, das Arma dill zu dem Schuppenthier versetzt, auch das Schwein, Nashorn, Pferd und Nilpferd in eine Gruppe vereinigt. Der Weg zu einer natürlichen Eintheilung der Säugethiere war indess durch Linné bestimmt vorgezeichnet und die fortgesetzten Untersuchungen mussten zur sichern Lösung der Aufgabe führen. Pennant hob alsbald') die wichtigsten Unterschiede in der Fussbilduug her vor und begründete auf dieselben vier Ordnungen, nämlich die Säugethiere mit Hufen, mit Zehen, mit Finnen und mit Flughaut. Skopoli-) vereinigte mit Recht die Zehenthiere und Flughäuter in eine einzige Gruppe, characle- risirt durch die Klauen, so dass nunmehr drei grosse Ordnungen begründet waren. In der Anordnung der Familien halte schon Pennant das Pferd von den übrigen Hufthieren gesondert, auch die Edentalen als harmlose Thiere in eine Familie vereinigt, aber er konnte die lnsectivoren noch nicht von den 1) Pennant, Synopsis of Quadrupeds. Chester 1771. 8. — 2) Scopoli, Introduc- tio ad historian) naturalem sistens genera lupidum, plantarum et animaliuin hac- tenus detecta, charaetcribus essentialibus donata in tribus divisa, subinde ad leges naturae. Pragae 1777. 8. Eintheilung. 63 Nagern, die Beuleltliicre nicht топ den Raublhieren, die Wiederkäuer nicht ton den Vielhufem trennen. Für die SSugethiere mit Klanen fand Skopol. «neo glücklichen Character in der Zahl der Zitzen, nach welcher er zwei1 Abtitfilungen, nämlich solche mit 2 und solche mit mehr als 2 Milchorganen, aufteilte. In der ersten Abtheilung slelren Mensch, Affen, Fledermäuse und Faullhier neben einander. Eine flüchtige Vergleichung der männlichen Ge schlechtsorgane hätte genügt, um das Faulthier aus dieser unnatürlichen Stel lung zu vertreiben. Die Familien der zweiten Abiheilung bestimmte und ord nete Skopoli nicht geschickter als Pennant, und während er unter den Huf- thieren die Wiederkäuer absondert, vereinigt er das Pferd mit den Vielhufern. Völlig misslungen ist die Gruppe der Wasserthiere bei Skopoli, in welcher (Se verschiedensten Geschöpfe beisammen stehen. Erxleben ') theilte diese Irrthümer nicht, aber er reihte nicht minder unpassend Didelphis den Le- mnren an, liess dann die Edentaten folgen, verkannte die insectivoren Raub- thiere ebenfalls noch ganz und stellte die carnivoren Raubthiere zwischen Nager und Pinnaten. Das Material war seit Linné bereits bet rechlich vermehrt worden und mil dieser Erweiterung auch die Einsicht in den Organismus der Säugethiere fort geschritten, daher es dem emst und thätig forschenden Blumenbach gelang Se Ordnungen schärfer zu characterisiren und in eine ihrer Dignität mehr relsprechende Reihenfolge zu bringen. Schon in der ersten Aullage seines Handbuches der Naturgeschichte von 1779 wählte er folgende Uebersicht der Ordnungen, an der er auch später nichts mehr änderte: 1. Bimanus. II. Qua- dromana. Ш. Chiroplera. IV. Digilata, welche in Glires, Ferae, Bruta гегЬНеп. V. Solidungula. VI. Bisulca. VII. Multungula. VIH. Pálmala, welche Güres, Ferae oder Bruta sind, und IX. Cetácea. Bis auf die Digilata und Pálmala mit ihren parallelen Reihen hat sich diese Classification bis auf den heutigen Tag als die natürlichste bewährt. Hätte Rlumenbach bei Aufstellung seiner Doppelreihe der Glires, Ferae, Bruta dem Zahnsystem die gebührende Aufmerksamkeit geschenkt: so würde ihm die Verwandtschaft des Bibers mit semen Zehen -Nagern und der Ottern mit seinen Zehen -Raublhieren nicht fßlpngen sein, für die Palmaten würde er nur die Seehunde und das Wei ras übrig behalten haben. Diesen Irrt hum vermied denn auch Storr*) als er 1780 sein System der Säugethiere entwarf. Er versetzte unter die ñossenfüsser mir Robben, Walross und Manati, schied die Nagethiere und Edentalen als gleichwertig Ordnungen aus und trennte auch die Beutellhiere ят ersten Male von den Raublhieren. Zu bedauern ist, dass Storr bei die ser scharfsinnigen und gründlichen Verbesserung der bisherigen Eintheilung gegen Blumenbach die Fledermäuse wieder mit den insectivoren und Omnivo ren Raubthieren in eine Familie den carnivoren gegenüber rereinigte. Die nächst folgenden Versuche das System der Säugethiere naturgemäss ra gliedern haben bei Weitem nicht den Werth als die eben angeführten von Blunvnbach und Storr, obwohl sie einzelne Familien richtiger erkannten. So finden wir bei Hermann3) die Insectivoren von den übrigen Raublhieren geschieden, bei Balsch4) die Raubthiere in vier natürliche Familien aufgelöst, 1) Emleben, Systema regni animalis. Mammalia. I.ipsiae. 1777. 8. — 2) Storr, frodromus method i mammalium et avium Tubingac. 1789, 4. — 3) Hermann, Tabula 'íÍDitatom animalium per totum animale regnum in tribus foliis expósita. Argento- Tti I7S3 4 — 4) Batsch , Versuch , einer Anleitung zur Kenntniss und Geschichte 4er Tbiere und Mineralien. Jena. 1788. 8. 64 Allgemeine Characteristic aber neben diesen glücklichen Griffen leidet das System beider an grossen Mängeln, selbst an solchen, welche schon gründlich beseitigt waren. Durch die epochemachenden Arbeiten Cüviers wurde endlich die volle Einsicht in die Gliederung des Säugel hierly pus gewonnen, Der erste Entwurf von 1798 ') gewährt folgende Uebersicht: Hinter dieser Einlheilung bleibt die spätere von Iiiiger2) in 14 Ordnun gen weil zurück, denn sie vereinigt die fleischfressenden Beulellhiere wieder mit den Affen, bildet aus dem Känguruh die Ordnung der Springer und löst die Edenlaten in drei Ordnungen auf. Dagegen begränzl sie die Fami lien der Ferae, als Krall enfüssler in unterirdische (insectivore), Sohlengänger (omnivore) und eigentliche Raubthiere (carnivore) getbeilt, schärfer als Cüvier und versetzt auch die Elephanten wieder unter die Vielhufcr. In seinem neuen fast 20 Jahre später erschienenen Systeme, welches durch das seither bedeutend vermehrte Material zu einer viel strengem und speciellern Gliederung führte, reducirle Cüvier3) die Zahl der Ordnungen auf 9, indem er die antibiotischen Säugethiere als besondere Zunft unter die Ferae und die Elephanten unter die Pachydermen versetzte, die Beutellhiere aber als eigentümliche Ordnung von den Carnivoren ausschied. Indem Cüvier durch seine vergleichend anatomischen Untersuchungen das richtige Princip der neuern Systematik begründete und dieses für die Säugethiere glücklich durchführte, machte sich gleichzeitig eine naturphilosophische Rich tung in der Naturgeschichte gellend, welche zwar eine tiefere Einsicht in das Wesen der Organismen erstreble, aber doch in der Wahl der bestimmenden Momente ihrer Begriffe irrte und daher das Ziel ihrer Aufgabe verfehlte. Oken, der eifrigste und geistreichste Vertreter dieser Richtung, erkannte das Zahn system als das wichtigste Organ für die Classification der Säugethiere und scheidet danach die ganze Klasse in zwei Hauplgruppen : unlere Haavtliiere mit Zahnlücken, obere Haarthiere mit angeschlossenen Zähnen. Die erstem (heilen sich in 3 Ordnungen: Nagmäuse, wohin die eigentlichen Nager, Kau- mause oder Edenlaten und Beutellhiere, und Raubmäuse, zu denen die in- sectivoren Raubthiere und Fledermäuse gehören. Die obem Haarthiere haben Hufe und gleichförmige stumpfe, Backzähne und bilden die vierte Ordnung als Hufthiere, wohin Wale, Schweine und Rinder oder sie sind Nagellhiere mit allen Zalinarten wie Robben, Hunde, Bären, Affen und Mensch. Die irrthümliche Deutung des Zahnsyslemes, sowie die einseilige Bevor zugung desselben vor den Bewegungsorganen führte zur Trennung der nächst verwandten Gruppen und zur Vereinigung der fremdartigsten Familien in dem Oken'schen Systeme. Edenlaten und Beutellhiere haben, wie wir im specia len Theile ausführlich darlegen werden, ein völlig verschiedenes Zahnsyslem 1) Georg Cuvier, Tableau élémentaire de l'histoire naturelle des animaux. Paris au 6. 8. — 2) Iiiiger, Prodromus systematis mammalium el avium. Berolini 1811. 8. — 3) G. Cuvier, Le régne animal, distribué d'api es son organisation. Paris 1817. (Paris 1829 — 1836) 8. 1. Quadiumana II. Ferae V. Elephanlina VI. Pachydermata VII. Ruminantia VIII Solidungula IX. Amphibiotica X. Cetácea. 1) Chiroptera 2) Plantigrade 3) Carnivora III Rodenlia IV. Edentata Einteilung. G5 und ílelien Iiier in einer Ordnung beisammen. Das Gebiss der Nager ist dem der Pferde und Wiederkäuer viel ähnlicher als dem der inseclivoren Raublhiere und doch siud diese, weit von ihren nächsten Verwandten den carnivoren Raubtliieren getrennt, mit den Nagern vereinigt. Die Wale sollen wie die Pferde, Wiederkäuer und Schweine Hufthiere sein, wem aber möchte es ge lingen, in der Form, dem anatomischen Bau und den Functionen einer Wal- fechflosse eine grossere Aehnlichkeit mit den Hufen der Schweine und Pferde als wischen diesen und den Zehen aller Nagelsäugelhiere nachzuweisen. So unnatürlich Oken die Ilaupigruppen begränzle und ordnete, ebenso unnatürlich sind die meisten seiner Zünfte und Familien. Das System bat sich daher auch nur den Beifall der Dilettanten erwerben können, welche nicht über die Bewumlrung des Scharfsinnes hinausgehen, der in dem gewaltsamen und über raschenden Parallelismus der verschiedenen Organe des thierischen Kör pers und der hühern und niedern Abibeilungen des Systems dem Unkundi gen imponirL Die wichtigsten Unterschiede im Typus der Säugelhiere sind in den Be- iegungsorganen und dem Z;ihnsystcm am auffälligsten ausgesprochen. Beide Organe ändern je nach der Lebensweise empfindlich ab und ihre Modifikatio nen ferralhen daher auch am bestimmtesten die Aenderungen in der gesamm- leo Organisation. Sie gewähren die ersten und schärfsten Charactere zur Fetstellung der Hauptgruppen und Ordnungen. Die Digniläl dieser und die darauf begründete Reihenfolge ergibt sich aus der Stufe, welche die Säuge lhiere in der Enlwicklungsreihe des thierischen Organismus einnehmen, und *вз den Elementen , welche die Entwicklungsstufen der höhern Thiei Massen überhaupt bestimmen. Hienach scheiden wir zunächst die strengen Wasser bewohner rail ihrem gestreckten fischförmigen Körper und den flossenförmi- gen Gliedmassen als die unvollkommenste Gruppe aus. Ihre Mitglieder thei- sich je nach dem Mangel oder der Anwesenheit der hintern Flossenfüsse ш »ei gleichwertige Ordnungen in die eigentlichen Wale oder Celaceen und in die Flossenfüsser oder Pinnipidier. Alle übrigen Säugelhiere haben tesartige Bewegungsorgane. Dieselben zeigen einen zwiefach verschiedenen Tjpus, indem entweder ihr letztes Zehenglied ganz von der hornigen Be deckung eingehüllt ist und bei seiner ausschliesslichen Bestimmung zum Gehen mir mit der Spitze den Boden berührt, oder das letzte Zehenglied nur teil weise von der hornige Hülle umschlossen und ganz oder zugleich mit den übri gen Zehengliedern den Boden beim Geben berührt. Der Unterschied beider ronden tlossenförmigen Bewegungsorganen ist also ein formeller, anatomischer und funclioneller, er ist dasselbe aber auch für die Nagelgänger mit Hufen und lur die Zellengänger mit Nägeln, daher die Ungulaten und Unguiculalen r*ei den Pinnalen gleichwertige Hauptgruppen bilden. Die typischen Beprä- snUnten der Huftiere sind die Schweine. Sie nehmen die Stelle in der Reihe der Säugelhiere ein, welche die Amphibien in der Reihe der Wirbel- (fiiere haben, d. b. sie bilden den Uebergang von den niedern zu den höhern uod vollkommener organisirten Säugethieren. Die wesentlichen Differenzen и Typus der Hufthiere entsprechen der Zahl der Hufe, mit welchen die Tliiere den Boden beim Gehen berühren. Darin ist die Trennung der drei «ion von Bluinenbach erkannten Ordnungen der Vielhufer, Zweihufer oder Wiederkäuer und der Einhufer begründet. Die Mitglieder der eben bezeichneten fünf Ordnungen bedienen sich ih- f«r Gfiedrnassen ausschliesslich nur zur Bewegung im Wasser oder zum Gehen 66 Allgemeine Cliaracteristik. auf dem Festlande. Ihr Zahnsystem ist unvollkommen. Bei den Nagelsäuge- thieren dienen die Extremitäten zugleich noch als Greif-, Grab-, Kletter- und Flugorgane, sie haben überhaupt eine mannichfaltigere Function. Dieser Man- nichfalligkeit entspricht die Bildung des Zahnsystemes, welches meist alle Zahn arten enthält und also ein vollständiges ist. Schon hierdurch characterisiren sich die Unguiculaten als die vollkommneren Säugelhiere im Verhältniss zu den Hufthieren und Pinnalen und ihre ganze innere Organisation bestätigt diese höhere Bangordnung. Die einzeln Stufen innerhalb derselben scheiden sich ebenso scharf und bestimmt von einander als bei den Ungulalen und Flossensäugelhieren. Zunächst werden sie durch das Zahijsyslem in zwei Ab theilungen gesondert, in solche mit unvollständigem und solche mit vollstän digem, aus allen Zahnarien gebildetem Gebiss. Ersteren fehlen alle Zähne oder mir gewisse Zahnarten. Unter diesen bilden die Nagelhiere mit ihren eigentümlichen Nagzähnen und stets fehlenden Eckzähnen den vollkommnem Typus, die Edenlaten haben ein in jeder Hinsicht, in der Zahl der Zahnar ten, in deren Form und Sructur unvollkommneres Gebiss und beginnen da her die Beihe der Nagelsäuget hiere. Die höhern Ordnungen mit allen Zahn arten sind ihrer gesammlen Organisation und ihrer Dignilät nach leichter zu erkennen als nach einem durchgreifenden Character zu unterscheiden. Einige Beutellhiere schliessen in ihrer Lebensweise, in Zahnbau und Fussbildung noch ziemlich eng an die Nager an, andere dagegen sind entschiedene Baubthiere. Deesen ungeachtet sind beide durch den physiologischen Character der Früh geburt, der nirgends in der Beihe der Säugelhiere vorkömmt und von wesent licher Bedeutung ist, vereinigt und insgesammt von den Nagern sowohl als den eigentlichen Baublhieren scharf unterschieden. Ein dieser physiologischen Eigentümlichkeit entsprechender äusserer Unterschied der Beutellhiere von den Baublhieren ist in dem Beutel oder der Tasche gegeben, in welcher sich die Zitzen befinden und die Jungen ausgetragen werden. Wir hätten also in den Beutelthieren die dritte Ordnung der Unguiculaten, welchen als vierte die eigentlichen Baubthiere sich anschliessen , sowohl hinsichtlich des Zahnsys temes als der zahlreichen Zitzen am Bauch und an der Brust, nur dass diese hier nicht in Taschen befindlich sondern frei sind. Durch die zahlreichen Zitzen und deren Lage erhallen wir zugleich einen sichern Character, alle noch übrigen Nagelsäugelhiere von den Baublhieren zu unterscheiden, indem dieselben nur zwei Zitzen und zwar an der Brust haben. Auch in den männ lichen Genitalien isl dieser Unterschied, wie schon früher erwähnt, entschie den ausgesprochen, in der äusserlich am Bauche angehefteten Buthe der Baub thiere und der frei herabhängenden der Fledermäuse und Affen. Beide zeichnen sich überdies* noch durch ihre abweichenden Gliedmassen aus, welche bei den Fledermäusen durch Flughäute verbunden, bei den Affen zwar frei sind wie bei den Ferae, aber dagegen hinten stets, häufig auch vorn Hände ha ben. Die Affen nehmen die höchste Stufe in der Beihe der Säugethiere ein, zugleich auch die letzle, denn der Mensch mil seinem selbst bewussten Geiste bildet ein eignes, durch eine weite Kluft von dem Thierreiche geschiedenes Beich, und nicht eine den Affen gleichwertige Ordnung der Säiigethiere. Die Aehnlichkeit dieser mil dem Menschen berührt blos die thierische Seite des letztem , wie sich in gleichem Grade eine Aehnlichkeil des Thierreiches mit dem Pflanzenreiche in vielen Infusorien, Polypen und den Haarsternen ausspricht. Nach den angegebenen Characteren stellen wir die Hauptgruppen und Ordnungen der Säugelhiere nochmals übersichtlich zusammen: Einthellung. 67 A. Flossemäugethiere. Himala. Mil zwei Flüssen /. Cetácea. Mil vier Flossen II. IHnnipedia. II. Hußäugethiere. Vngulata. Mit mehr als zwei auftretenden Hufen .... ///. Mullungula Mit nur zwei auftretenden Hufen IV. Витка Mit einem Huf V. Solidungula C. Nayehäugethiere. Unguiculala. Mit unvollständigem Zahnsystem Sclmeidczähne, oft auch Eckzähne oder aHe fehlen V7. Edentata Magezühoe; nur Ute Eckzähne lehlen . . . MI Glire» Mit vollständigem Zahnsystem Mit zahlreichen Zitzen an Bauch und Brust in Taschen .... Mil. Marsupialia frei /.V. Ferae Mit zwei Zitzen an der Brust Cliedinassen mit Flughaut -V. Cltiroptera Giedmassen frei , hinten stets Hände . . . XI. Uuadiumaiia. Von den zahlreichen systematischen Arbeilen über die ganze Klasse der Säu gelhiere mögen hier mir folgende hervorgehoben werden: F. Ch. D. v. Schrebei. Naturgeschichte der Säugelhiere. Mit den Fortseizungen von Aug. Goldfuu und 1. A. Wagner. 1775 — 1845. 4. (Neue Nachträge weiden erwartet). — Geoffroy St. HUaire et Fred. Cuvier, Histoire naturelle des Mammifères. Paris 1829 sq. fol. — À. G. Detmarest, Maminalogie ou Description des espèces de Mammifères. Paris 1*20 — 22. 4. — С. t. Temminck, Monographie de rnammalogie ou description de quelques genres rie Mammifères, dont les espèces ont été observées dans les difié reos musées del' Europe, l'aris 1825 — 39. 4. — 1. B. Fitcher, Synopsis Mammaliura. Stuttgart 1829. 8. — II. Я. Schinz, Systematisches Verzeichniss aller bis jetzt be kannte« Säugelhiere oder Synopsis Mnmmalium nach dem Cüuerschen Systeme. Sololhiirn 1845. 46. 8. — C. G. Giebel, Fauna der Vorwelt. Säugelhiere. Leipzig. 1847. 8. — ßuerotay de Blainville, Ostégraphie ou descriplion iconographique com parée du squelette et du système dentaire des cinq classes d'animaux vertébrés recens et fossiles, l'aris 1839 — 48. fol. (unvollendet). — G. Cuvier, Recherches sur les ossemens fossi.es. Paris 1835 — 37.4. édit, 8. — Й. Owen, A history of british fossil M.unmals and Birds. London 1843 — 46. 8. — Paul Genau, Zoologie et Pa léontologie française. I. Paris 1848 — 52. 4. 5* A. PINNATA. Flossensäugethiere. Die typischen Wasserbewohner unter den Säugethieren liaben einen der Lebensweise in ihrem Elemente entsprechenden Körperbau. Die allgemeine Gestalt ihres Körpers ist gestreckt, fischförmig; der Kopf nicht scharf vom Rumpfe abgesetzt, im Verhältniss zu diesem von ungeheurem Umfange oder sehr klein; die äussern Organe an demselben, Ohren, Augen, Nase gar nicht oder nur wenig hervortretend; der Hals äusserlich nicht sichtbar oder kurz und nur wenig dünner als der Kopf; der Rumpf nach hinten in den Schwanz sich zuspitzend, etwas deprimir! oder seitlich zusammengedrückt; die Glied massen im Verhältniss, zur Körperlänge sehr kurz, die hintern oft ganz feh lend und dann durch eine sehr entwickelte Schwanzflosse ersetzt, die fünf Zehen nicht frei beweglich, von einer derben Flossenhaut umschlossen. Der Körper ist nackt oder mit einem kurzen, straffen Haarkleide bedeckt Die verschiedene theils herbivore, theils carnivore Lebensweise bedingt einen mehrfach verschiedenen anatomischen Bau und nur der beständige Aufent halt im Wasser zeichnet diesen durch einige besondere, vorzüglich im Res pirations- und Circulationssyslcm beruhende Eigentümlichkeiten aus. Die Weibchen haben nur zwei , höchstens vier Zitzen und gebären diesen entsprechend nur ein oder zwei Junge, die der Mutter gleich nach der Geburt folgen. Das Naturell ist meist munler und lebhaft, viele leben gesellig, be wegen sich leicht und schnell. Alle Fischsäugethiere bewohnen das Meer, zumeist des hohen Nordens, nach den Tropen hin nehmen sie an Zahl und Mannichfaltigkeil ab. Die beiden hierher gehörigen Ordnungen der Cetácea s. Bipinnata und Pinnipedia s. Quadripinnata sind durch die Zahl und den Bau ihrer Flossen- füsse scharf geschieden. Erste Ordnung. CETACEA. Wale. Die Wale oder Fischsäugethiere entfernen sich am Weitesten von allen übrigen Säugethieren, um sich den Fischen, den eigentlich wasserbewohnen den Wirbelthieren zu nähern. Kopf und Bumpf liegen, durch keinen äusser lich sichtbaren Hals geschieden, in einer Flucht. An crslerein fehlen die Ohr muscheln, die Augen sind klein, die Nase tritt gar nicht oder nur wenig her vor, der Rachen ist gross und meist weit gespalten, die hinlern Extremitäten fehlen völlig, die vordem sind bis auf die Wurzelgelenke im Bumpfe verborgen, die fünf nagellosen Zehen durch eine derbe sehnige Haut zu einer Flosse Pinnata. Cetácea. 69 verbunden, auch der Schwanz sehr gewöhnlich mit einer horizontal gestellten, zweilappigen ans faserigknorpliger Masse bestehenden Flosse versehen. Die Oberfläche ist völlig nackt oder nur mit einzelnen zerstreuten Borsten besetzt. Die Knochen des Skeletes zeichnen sich durch ihre schwammige, locker zellige Struclur aus und haben nirgends Markhöhlen, sondern sind von flüs sigem Fett ganz durchdrungen, so innig, dass sie selbst nach längerem Blei chen nicht die schöne weisse Farbe der Knochen höherer Säugethiere trhallen. Der Schädel, bei einigen von ungeheuren Dimensionen, bei andern in normalem Verhältnis zur Grösse des Rumpfes, zeichnet .sich fast allgemein durch grosse Asymmetrie aus, welche oft schon frühzeitig, im lötalen Zustande und nicht erst nach der Geburt sich ausbildet. Am Hinterhaupt ist das grosse Foramen ganz an die hintere Fläche gerückt, meist von beträchtlichem, rundlichem Umfange, seitlich von dengrossen, flachen, breiten und sehr stei len Gelenkflächen für den Alias begränzt. Das Grundhein ist sehr gross, breit und dünn, ebenso die starkgewölbte Schuppe, welche in der Mitte ver tieft ist und hier an der Innenseite einen nach unlen sich (heilenden sichel förmigen Fortsalz trägt. Besondere Muskelforlsälze fehlen, häufig kommen dagegen unverknöcherte Stellen vor, wie denn auch die ganze Nackenfläche geneigt ist. Das hinlere Keilbein verschmilzt schon frühzeitig mit dem Grund beine des Hinterhauptes, ist übrigens wie dieses breit und lang, flach ausge höhlt. Die grossen Flügel haben einen mässigen Umfang, die unlern einen beträchtlichen und vergrössern besonders die untere Schädelfläche. Nach vorn an das Gaumenbein slossend bilden sie einen Theil der hintern Gaumenfläche, hie Schuppe des Schläfenbeines ist sehr klein, der Jochforlsatz allgemein sehr dick, seine Unterkiefergelenkfläche platt und durch keine Vorspriinge begränzt. Das Felsenbein bleibt stets vom Schläfenbein gelrennt, indem es nur durch fibrösknorpliges Gewebe verbunden ist. Die Scheitelbeine verschmälern sich gegen die Mittellinie hin in einen dünnen Fortsatz und erreichen sich hier ircht immer, sondern das Stirnbein berührt unmittelbar die Hinterhauptsschuppe. Bei jungen Thieren schiebt sich jedooh das os inlerparietale ein. Deslo grösser sind die Stirnbeine, die schon frühzeitig mit einander verschmelzen. Das Siebbein ist häufig nicht durchlöchert, nur ein bis drei kleine Löcher perforiren dasselbe. Der Oberkiefer besitzt bei der grossen Mannichfaltigkeit seiner Formen immer eine beträchtliche Grösse, hinten breit und platt, zu weilen das Stirnbein bedeckend, nach vorn verlängert, an der Gaumenfläche schmal. Wo ein selbständiges Zygoma fehlt, stösst sein Jochfortsatz unmit telbar an den des Schläfenbeines. Der Zwischenkiefer ist meist lang und schmal,, an der untern Seite nur vorn sichtbar. Die Nasenbeine" haben eine ganz eigentümliche Gestalt und Lage. Ein kleines undurchbohrtes Thränen- bein scheint wohl allgemein vorhanden zu sein, wenigstens in der Jugend. Das Jochbein ändert auflallend ab. Die Gaumenbeine zeichnen sich durch ansehnliche Dicke aus. Die Muschelbeine scheinen verkümmert zu sein oder fehlen vielleicht ganz. Dagegen ist die Pflugschar sehr gross und stark. Der Unterkiefer ändert je nach den Familien in seiner Gestalt mehrfach und auffallend ab. In der Wirbelsäule ist der Hals die kürzeste Gegend. Ihre sieben Wir bel gleichen dünnen platten Ringen, von denen in Folge der geringen Beweg lichkeit nicht selten einige mit einander verwachsen, aber auch dann ist die normale Zahl noch aus der Zahl der Kanäle zu erkennen, durch welche die 70 Pinnata. Cetácea. Halsnervenpaare hervortreten. Die Verwachsung trifft gewöhnlich einige der vordem, ausnahmsweise bis sechs oder sämmtliche Wirbel. Eine wirkliche Verringerung der Halswirbel auf sechs ist erst bei Manalus und Ryline mit Bestimmtheit nachgewiesen. Der Atlas hält sich gern frei von der Verwach sung und zeichnet sich häufig nicht blos durch grosse Querforlsälze , sondern auch durch einen grossen Domfortsatz aus. Dem Epistropheus fehlt bisweilen dor Zahnforlsatz. An den übrigen Halswirbeln bleiben die bald mehr bnld weniger entwickelten Quer- und Dornfortsätze, wenn sie nicht völlig abwesend sind, auch bei der Verwachsung frei. Die Zahl der Brustwirbel schwankt nach der gewöhnlichen Zählung zwischen 11 bis 19, wird aber für die ein zeln nach dem diaphragmatischen Wirbel bestimmt um einige grösser auf Kosten der Lendenwirbel. Hinsichtlich der Zahl dieser übertreffen die Cela- ceen alle übrigen Säugethiere, indem sie von 10 bis 24 besitzen. Doch sinkt bei einigen Sirenen die Zahl auch auf das Minimum von 2 und3 herab, so dass beide in der ganzen Klasse der Säugethiere vorkommende Extreme in der Ordnung der Cetaceen vereinigt sind. Bei dem Mangel eines Beckens und des damit verbundenen Kreuzbeines kann eine beslimmle Gränze gegen die Schwanzgegend hin erst in das Auftreten untrer Dornforlsälze gelegt werden. Danach zählt man 22 bis 34 Schwanzwirbel. Die Dornfortsätzc nehmen ab weichend von den übrigen Säugelhieren bei den Cetaceen vom ersten Brust wirbel bis in die mittlere Lendengegend an Höhe zu und von hier bis zum Verschwinden auf den letzten Schwanzwirbeln wieder allmählig ab. Sie sind meist auch sehr breit. Gelenkfortsätze besitzen nur die vordem Brustwirbel. Die hindern Gelenkfortsälze verschwinden schon an den hinlern Brustwirbeln und gle chzeitig heben sich die vordem an den Dornfortsätzen empor und bilden Gabeln, welche den vor ihnen stehenden Dornfortsatz umfassen. Die Querfortsätze verhalten sich in ihrer Längenzunahme wie die Dornforlsälze. Die untern Dornen sind Gabelbeine, welche auf der Gränze je zweier Schwanz wirbel frei angeheftet sind und in den von ihnen gebildeten Kanal die Aorte aufnehmen. In den ersten 4 oder 5 findet eine Grössenzunalime Statt, dann aber eine allmählige Abnahme bis zum Verschwinden. Die Verkümmerung der Fortsätze in der hintern Schwanzgegend trifft znersl die queren, dann die obern und zuletzt die untern Dornen. Die Wirbelkörper sind cylindrisch, ihre Epiphysen meist sehr lange oder stets getrennt, die Zwischenwirbel löcher sehr gross. Von den Rippen articuliren nur die vordersten gleichzeitig mit dem Wirbelkör per und dem Querfortsatze, die folgenden nur mit dem lefztern. Ausnahmsweise heften sich alle Rippen nur an die Querfortsätze und die letzten rudimentären lösen sich auch noch von diesen ab. Die Zahl der wahren Rippen sinkt hier auf ibr Minimum herab, denn die Walfische haben nur eine; überhaupt scheint deren Zahl nicht über sechs zu steigen, so dass stets mehr falsche vorhanden sind. Die Rippenknorpel verknöchern meist, oft schon während des fötalen Lebens. Das Brustbein besteht nur aus einem einzigen, oder aus wenigen hinler einander liegenden Stücken, ist meist sehr kurz und breit, oft mit einem milderen Loche versehen. Bei einigen Cetaceen bleibt es lange Zeit hindurch knorplig In den vordem Extremitäten wird der Schullergürtel nur aus dem sehr breiten und starken Schulterblatt gebildet. Der obere Rand desselben ist sehr convex, die Gräte fehlt völlig oder isfsehr klein, nach vom gerückl. mit hakig ausgezogener Ecke. Die übrigen Gliedmassenknochen zeichnen sich durch ihre Kürze und platte Form aus. Der brcile Oberarm gelenkt milteist Pinnata. Cetácea. 71 eines halbkugligen Kopfes am Schullerblatt und hat an dessen innerer Seite einen sehr dicken Höcker. Der untere Kopf trägt zwar zwei besondere Fliehen für die Unterarmknoclien, aber gemeinlicli ist dieses (¡elenk nicht frei. Speiche und Elle, meist so breit als lang, verwachsen an beiden Knden unbeweglich mit einander. Die Handwurzel besteht aus wenigen (3 bis 6) m rwei Reihen liegenden, rundlirlten , ebenfalls unbeweglichen Knochen. Die fünf Millelhandknochcn sind völlig platl, nur die beiden äussern kleinen etwas gerundet. In den Fingern mehrt sich hier allein unter allen Säugethiercn die IM der Wieder über drei, aber dieselben sind unbeweglich verbunden. Die Qiederahl steigt in einzelnen Fingern auf 6, 9, sogar 12. Doch gibl es auch Gattungen mit der normalen Zahl drei. Die Phalangen werden bis zum Uzten hin kleiner, dieses spitzt sich zu, trägt aber allermeist keinen Nagel oder besonders ausgezeichnete hornige Hülle. Die hinlern Extremitäten fehlen und mit ihnen auch das Becken. Statt liessen finden sich ausser unmittelbarer Verbindung mit der Wirbelsäule bei den Delphinen zwei cylindrische Knochen, welche den Zellkörper der Ruthe tragen. Bei andern Cetaceen sind diese Knochen breit und flach, auch wohl durch einen dritten queren mit einander verbunden. Ihre Lage ist da, wo das Auftreten untrer Dornen den Anfang der Schwanzgegend bezeichnet. Das Zahnsystem ändert je nach der herbivoren oder carnivoren Lebens weise auffallend ab. Im Allgemeinen sind aber die Zähne einer Reibe und die der obem und untern Reihe von sehr fibereinstimmender Form. Die grossie bei den Säugelhieren vorkommende Zahl der Zähne haben die Ceta ceen und dennoch fehlen im Gegentheil Einigen alle Zähne, wenigstens ver lieren sie dieselben schon in der frühesten Jugend. Die Muskulatur der Celaceen isl einfach und sehr kräftig, zur Ausfüh rung schneller und leichter Bewegungen in dem flüssigen Element eingerich tet, zu Bewegungen auf dem Lande ganz untauglich. Das Auf- und Nieder- stejgen sowie die horizontale Bewegung vollführt der von einer kräftigen wag rechten Flosse unterstützte Schwanz, die seitlichen Wendungen die vordem Flossen. Die Muskeln sind von dunkelrother F'arbe, sehr grobfaserig und serliereft bald nach dem Tode ihr faseriges Ansehen. Bei dem Mangel der liiolern Gliedmassen fehlt auch die für dieselben bestimmte Muskulatur, ebenso «od die Muskeln der untern Glieder in den vordem Extremitäten durch de ren Umgestaltung zu Flossen entbehrlich geworden. Von der Schuppe des llmterhaupls beginnt der grosse Musculus spinalis dorsi, heftet sich mit langen Sehnen an die Wurzeln aller Dornfortsätze und verwächst schon von den vordem Rückenwirbeln an mit dem M. sacrolumbal^ und M. longissimus dorsi, deren äusserer Rand sich an die Rippen und später an die starken Querfort atze heftet. Letzlrer beginnt gleichfalls an der Schuppe des Hinterhauptes md löst sich, bevor er die Schwanzflosse erreicht in neun lange Sehnen auf. Ihnen entgegen wirkt der M. psoas major, der von den letzten Rippen und Rückenwirbeln, von den Körpern und Querforlsätzen der Lendenwirbel ent springt und mit zahlreichen Sehnen an den Spitzen der untern Domen ange heftet ist. Die zur Bewegung der Rippen bestimmten Muskeln bieten keine bejondem Eigentümlichkeiten. Der M. rectus abdominis läuft von der ersten Rippe bis in die Gegend der Genitalien, wo er sich dann sehnig in der zwischen Streck- und Beugemuskeln des Schwanzes liegenden fibrösen Haut verliert. D»s stark muskulöse Zwergfell hat fasl keine pars tendinea und biegt sich °ben weil nach hinten. An seiner vordem Fläche wächst ein grosser Theil 72 Pinnata. Cetácea. des Herzbeuleis fest. Von den Muskeln der vordem Extremitäten entspringt der Heber des Schulterblattes am Querfortsalz des Atlas und ist sehr kurz. Der grosse Sägemuskel kömmt von den vier obern Rippen. Ein M. cephalo- liumeralis geht neben dem M. sternomastoideus herab an den Höcker des Oberarmes und zieht die ganze Brustflosse nach vorn. Der entgegengesetzt wirkende M. lalissimus dorsi entspringt dreizackig an der vierten bis sechsten Rippe, verbindet sich mit dem M. teres major und legt sich an den biulern Rand des Oberarmes. Der Deltoideus ist kurz und stark. An Stelle des Triceps geht ein kurzer Muskel vom Schulterblaltrande an das Olecranon. Der Temporaiis und Masseler ist sehr schwach, die Gesichlsmiiskeln verküm mert, der Hautmuskel aber deutlich entwickelt. Die Schwanz- und Rücken flosse besieht aus festem faserigknorpligen Gewebe. Das Nervensystem zeichnet sich im Allgemeinen durch geringe Grösse des Gehirnes und dessen beträchtliche Breite aus. Bei einem 11000 Pfund schweren Walfisch von 19 Fuss Länge wog das Gehirn noch nicht 4 Pfund. Die Windungen auf der Oberfläche der Hemisphären sind zahlreicher sogar noch als bei dem menschlichen Gehirn, zugleich aber in höherem Grade asymmetrisch als bei irgend einem andern Säugethier. Die beide Hemisphä ren des grossen Gehirns trennende Furche wird im vordem Theile, wo auch der Sichelfortsalz fehlt, von der Arachnoidea brückenarlig überwölbt. Auf der Basis ist ein tiefer querer Einschnitt, die Fossa Sylvii wie bei den Qua- drumanen und Robben vorhanden. Die gestreiften Körper sind sehr klein. Dem Ammonshom fehlen die wellenförmigen Einschnitte und der seitliche Ventrikel hat wiederum mit den Affen ein drilles Horn gemein. Das kleine Gehirn wird fast ganz von den Hemisphären des grossen bedeckt, ist aber im Verhältnis zu diesem sehr beträchtlich. Die Vierhügel sind gross, die darauf liegende Zirbeldrüse klein, die varolischc Brücke lang und die Gorpora Irape- zoidea wohl allgemein vorhanden. Das Rückenmark füllt den Kanal der Wir belsäule nicht ganz aus und wird nur bis zur Gauda equina von der dünnen Dura maier eingehüllt, durch welche die Wurzeln der Spinalnerven getrennt hindurchtrelen. Von den Sinnesnerven fehlt der Riechnerv bisweilen völlig. Der N. trigeminus bildet innerhalb der Hirnhöhle keine Anschwellung und der N. facialis endet meist in der das Spritzloch umgebenden Muskelschicht. Unler den Sinnesorganen zeichnen sich zunächst die Augen ') durch ihre sehr geringe Grösse aus. Zuweilen fehlt ihnen das innere Augenlid, slets die Tarsen und die Meibom'schen Drüsen, aber niemals die Thränendrüsc. Im Augapfel ist die Sklerolika von ausserordentlicher Dicke, so dass sie die in nere Höhle linsenförmig verengt. Um den Sehnerven bildet sie eine flache trichterförmige Verliefung, in der wieder kleinere für die Giliargefässe und Nerven bemerkt werden. Gegen die Hornhaut hin färbt sie sich schwarz braun und in diese hinein trelen ihre Fasern. Diese selbst ist quer elliptisch und sehr flach. Das der Choroidea angeliörigo Tapeluin ist verschiedentlich (blau, grün, weiss) und prächtig gefärbt. Die Pupille hat eine quer verlängerte, zuweilen fast nierenförmige Gestalt, die Linse eine kugelige. Im Gehörorgan sind die weilen Sinus der Trommelhöhle, der Mangel einer knorpligen Grund lage der Eustachischen Röhre, die Klappen in derselben beachtenswerth. Der Hümmer ist fast dreieckig, grösser als der Ambos, und der kleine Steig- ") Mayer, anatomische Untersuchungen über das Auge vom Walfisch und ande rer Celaceen. Rhein. Verhandl. X. 1. Pinnata. Cetácea. 73 bügel oll gar nicht perforirt, sondern solide. Bei dem Mangel der Ohrmuschel entzieht sich die auffallend kleine äussere Ohröffnung häufig der Beobachtung. Sie fuhrt in den engen häuligen, von einer schwarzen Membran ¡msgekleide- len, äussern Gehörgang. Das Geruchsorgan ist bei den pflanzen- und fleisch fressenden Celaceen sehr verschieden gebildet. Den Eingang zum Respirationsorgane bildet der sehr grosse, oft pyra midal zu den hintern Nasenlöchern aufragende Kehlkopf, der wenig geeignet ist eine Slimme hervorzubringen. Quer vor der Luftröhre liegt die bald einfache bald gelheille Schilddrüse. Die Luftröhre selbst ist sehr weit und kurz, bei den pflanzenfressenden Celaceen mit einem spiralen Knorpelstreifen statt der Finge, bei einigen mit sich gabelnden, bei andern mit vorn geöff- nelen Knorpeln. Noch vor der Tlieüung in die beiden Bronchien geht zu weilen ein kleiner Ast in die rechte Lunge ab. Die Lungen sind von sehr beträchtlichem Umfange, besonders oben weil nach hinten verlängert, und nicht gelappt, aber von festem elastischem Gewebe. Die sich in ihnen ver breitenden Luftröhrenäsle stehen unter einander in Verbindung, so dass man von einem Aste aus die ganze Lunge aufblasen kann. Der aus zwei Hälften besiehende Thymus bleibt wie bei andern tauchenden Säugelhieren das ganze Leben hindurch sehr gross. Das Herz, in eine Grube der Lungen eingesenkt, ist platt , breit, gross, an der Spitze meist eingekerbt und hat in der linken Kammer dreimal dickere Wandungi n als in der rechten. Die Eustachische und Thebesiscbe Klappe fehlt, aber am Ursprung der dünnhäutigen Lungen pulsader finden sich drei Klappen mit deutlichen Muskelfasern. Das eiförmige Loch schliesst sich sehr frühzeitig. Lungenpulsader und Aorte bilden nach ihrem Austritte aus den Herzen eine sackförmige Erweiterung. Im Gefäss- system zeigen sich noch mancherlei Eigentümlichkeiten, die jedoch nicht allgemein sind. Bei der Verkümmerung der vordem Extremitäten ist auch die Arteria subclavia sehr klein. Sie sendet Zweige über das Schulterblatt, in die äussere Fläche der Brust und lös't sich auf dem Oberarme in zwei Büschel auf, welche die Haut und Knochen der Flossen versorgen. Ein dich tes Arteriengeflechl liegt in der Brusthöhle zu beiden Seilen der Wirbelsäule, ein ähnliches umgibt das Bückenmark. Die Venen, denen die Klappen feh len, bilden häufiger ausgedehnte Geflechte, auch erweitert sich die untere Holllader, bevor sie durch das Zwergfell tritt, zu einem sehr beträchtlichen Sinus. Die lymphatischen Gelasse sind sehr entwickelt. Der Verdauungsapparal bietet mannichfache und höchst beachtenswerte Eigentümlichkeiten. In den Umgebung der Bachenhöhle fehlen zunächst die Speicheldrüsen den fleischfressenden Cetaceen völlig, dagegen sind sie bei den lierbivoren sehr gross, zu nal die Ohrspeicheldrüse. Die Zunge ist glatt oder grubig vertieft, zuweilen mit gefran/.lern rtinde versehen, bei den Pflanzen fressern sehr kurz und rauh, auch die Innenseite der Backen mit Borsten besetzt. Gaumenfalten fehlen. Das Gaumensegel ist bei denen mit Spritzap parat versehenen eigentümlich, zugleich theilt bei diesen der hervorragende Kehlkopf den Eingang in die Speiseröhre in zwei Oeffnungjn. Die Speise röhre und der Magen sind je nach der Lebensweise verschieden, letztrer je doch meist geteilt, seltner einfach. Das Duodenum beginnt bisweilen mit einer sackförmigen Erweiterung, in welche die Ausführungsgänge der Leber und des Pankreas münden. An der innern Wandung des Darmkanales treten 3 bis 8 Längsfalten hervor. In der Länge des Darmes weichen die pflan zenfressenden Cetaceen wieder von den fleischfressenden erheblich ab, ebenso 74 Pinnata. Cetácea. in Betreff des Blinddarmes, der irtnern Schleimhaut Und andern Structurver- liältnissen. Die Leber ist allermeist sehr klein, beld«? Hälften wenig oder gar nicht gelappt, dagegen zerfällt die ebenfalls kleine MHZ häufig in mehre Milzen. Das Fell fehlt im Gekröse und concentrirl sich vielmehr auf die mächtige Specklage unter der Haut. Die Nieren zerfallen sehr gewöhnlich in zahlreiche kleine Läppchen und erhallen dadurch ein traubenförmiges Ansehen. Die Auslührungsgänge der Läppchen vereinigen sich nach und nach zu dem Harnleiter, der vom hintern Ende der Nieren seinen Ursprung nimmt. Uebrigens sind die Nieren sehr gross, die Nebennieren dagegen klein. Die kurzen Harnleiter münden nah am Blasenhalse in die dickwandige, längliche und merkwürdig kleine Blase. Gleich hinter den Nieren liegen die gestreckten Hoden mit den engverbundc- Hen Nebenhoden, von welchen das Vas deferens in vielfachen, selbst knäuel- förmigen Windungen ausgeht. Samenblasett besitzen nur die Sirenen. Die Prostata hat ein schwammiges Ansehen, umgibt ringförmig die Harnröhre und wird selbst von einem kräftigen Muskel bedeckt, der auf sie wirkt. Die bald getrennten bald vereinigten Zellkörper der schlangeniörmig gekrümmten Buthe sind an den rudimentären Beckenknochen befestigt und bilden vorn eine verschieden gestaltete Eichel, welche von keiner Vorhaut geschützt wird. Die Ovarien der Weibchen sind eiförmig, die Gebärmutter zweihörnig mit kurzem Körper, der Band der Tuben nicht gefranzt, die Eileiter mitten längsgefaltet. Die Scheide öffnet sich unmittelbar vor dem After in einem schmalen Längsspalt. Milchdrüsen sind nur zwei in der Schamgegend oder an der Brust vorhanden. In der Körperhaut besitzt das Malpighi'sche Netz eine ausserordentliche Dicke und wird von fadenförmigen Verlängerungen durchzogen, welche von der aus weissen, zähen, sich kreuzenden Fasern bestehenden Lederhaut aus gehen Die Epidermis ist glatt und allermeist auch nackt. Unter der Haut sammelt sich allgemein, zumal auf der obern Körperseile eine mächtige Lage flüssigen Fettes an, welches nicht wenig zur Erleichterung des schweren Körpers beiträgt. Die Wale bewohnen das Meer und zwar die grösslen unter ihnen, die zugleich die riesenhaftesten aller Thiere sind, den offenen Ocean nach dem Nord- und Südpole hin, fern von den Küsten, die kleinern dagegen lieben die Nähe der Küsten, besonders grosser Flussmündungen, in die sie auch zuweilen hinaufsteigen. Sie schwimmen ungemein schnell und leicht, halten sich meist an der Oberfläche, um zu alhmen, da sie nicht lange unter dem Wasser ohne frische Luft zu schöpfen ausdauem. Auf dem Festlande kön nen sie sich nicht bewegen und schon nach kurzem Aufenthalle im Trock nen sind sie dem Verderben preisgegeben. Die meisten leben gesellig , fam- lienweise, einige isolirt, nur zur Brunstzeit paarweise. Sie tragen mehre Monate bis ein Jahr und gebären ein sehr grosses Junge, welches lange säugt und Schutz und Pflege der Multer geniesst. Bire Sinnesorgane sind stumpf, daher auch ihre Fähigkeiten gering. Angegriffen suchen sie durch unbän dige Bewegungen, einzelne auch mit ihrem scharfen Gebiss sich zu verthei- digen. Hire Nahrung ist Iheils vegetabilisch, Iheils animalisch, im erslern Falle Meerespflanzen, im andern besonders Fische und Mollusken. Grosse Gefrässigkeit zeichnet alle aus. Ueber ihr Alter und ihre Entwicklungsge schichte sind noch keine befriedigenden Beobachtungen gesammelt. ^innata. Cetácea. 75 Streng an das Wesser gebunden iiiitl in ihrer ganzen Organisation am weitesten von den typischen Säugelhieren sich entfernend nchmeu die Wale die niedrigste Stufe in der Reihe der Säuget hiere ein. Das wanne Blut und die Lungenathmung , das Lebendiggebären und Säugen der Jungen, die voll kommenere Entwicklung des centralen Nervensj sternes, diese wesentlichen Charaetere des Säugelliierlypus sind zugleich die einzigen, welche die Reta ceen mit den übrigen Ordnungen ihrer Klasse (heilen. Der fischförmige Kör per, der völlige Mangel der hintern Extremitäten, der Delitz einer Schwanz-, aweílen audi noch einer Rückenflosse, die Umgestaltung der vordem Glied- roas*en in Flossen, din geringe Ausbildung eller Sinnesorgane, die unbestimm ten Verhältnisse in der Wirbelsäule und den Zeilengliedern, die Asymmetrie des Schädels, die nackte Epidermis, die Unvollkommenheit des Zahnsj sternes, der Lungen urtd der Drüsen des A'erdauungsapparales, sowie des Muskel - íjslemes erniedrigen iosgesarrimt hier den Klasseälypüs allf étntí viel liefere Stufe der Entwicklung als die auf einzelne wenige Organe beschränkte, liöchil einseitige VogelälltiHchkeil der Monolremen oder gar die cigenlhftm- fkhen Frühgeburten der Beulelthiere. Die Cetaceen repräsentiren unter den Sauget hieren das Wasserleben ganz in derselben Weise wie die Fische unter den Wirbellhieren. Nach der verschiedenen Lebensweise sondern sich die Cetaceen in zwei Gruppen, nämlich in die fleischfressenden oder ächten Wale und in die pflan zenfressenden oder Seekühe. Ausser den oben angeführten allgemeinen Schriften sind Ober die Cetaceen insbesondere zu vergleichen: W. Rupp. Die Maceen zoologisch-anatomisch darge stellt. Stuttgart 1937. 8. Mit 8 Tfln. — H. Schlegel, Abhandlungen aus dem Gebiete Фт Zoologie und vergleichenden Anatomie. Heft 1,2. Leiden 1841 -43 4. Tf. 1—9.— B. P. Lesson. Histoire naturelle des mammifères et des oiseaux. Cétacés. Paris 1*24. 8. — Fr. Cuvier, Histoire naturelle des Cétacés. Paris 1836. 8. — I. C. Gray, Zoology of the voynge of II. M. S. Erebus and Terror. Mammals P.nts 3—5. — BuTcrnoy, Annules ties sciences naturelles 1851. XV. 5. 65. Ж. Crte. Aechte Cetncren. Die fleischfressenden oder ächten Cetaceen sind characlerisirt durch den reriingerten , nach vorn meist zugespitzten Kopf, den weit gespaltenen Mund ohne Lippen, die ganz nach hinten gerückte Nasenhöhle mit einfachem oder doppeltem Eingänge, den Mangel des innern Augenlides, die quere Pupille, (fie kegelförmigen Zähne oder Barten .statt derselben, den völligen Mangel der Spaclieldrfisen , den vielfach getbeillen Magen, das schwammige zellige Ge webe aller Knochen, die vermehrte Zahl der Zehenglieder, die Unbeweglich- keit der Glieder in den Brustflossen, die Lage der Milchdrüsen neben den Genitalien, und endlich den völlig" nackten Körper. Von den besondern Eigentümlichkeiten in anatomischer Hinsicht sind schon m der allgemeinen Schilderung einige der wichtigsten hervorgehoben worden, andere minder allgemeine werden bei der speciellen Cliaracteristik Erwähnung finden. Vor Allem ist es der Verdauungsapparat, der abweichend von den herbivoren Seekühen für die carnivore Lebensweise eingerichtet ist Eine sehr gross« Anzahl starkkegelförmiger Zähne bewaffnet die langen liefrr, aber keine Lippen schliessen den Mund und keine Speicheldrüsen «wessen ihr Secret in die Rachenhöhle. Die Zunge ist glatt und ohne her- wrragende Papillen, die Speiseröhre weit und dehnbar, der Magen vierfach. Der erste Magen hat den beträchtlichsten Umfang, die dickste Muskulatur, 76 Pinnata. Cetácea. unregelmässige Runzeln der innern Wandung und zahlreiche kleine Drüsen. Der zweite viel kleinere Magen, der so lange das Thier säugt jedoch der grossie ist, liegt rechts neben dem ersten und mündet nah an der Speise röhre mit einer weilen kreisförmigen OetTnung in denselben. Seine Muskel lage ist schwächer und die innere Wandung mit einer be?ondcrn aus Fasern bestehenden zelligen Schicht ausgekleidet. Der dritte kleinste Magen ragt mit einem erhöhten Rande seiner Mündung in die Höhle des zweiten und besitzt eine ähnliche nur dünnere zellige Schicht. Der vierte grössere Magen hat eine cylindrischc gekrümmte Gestalt und ist nur von einer faltenlosen Schleimhaut ausgekleidet. Der enge Darm hat die 12- bis löfache Körper länge. Durch die Pförtnerklappe vom Magen geschieden beginnt das Duo denum mit einer blasigen Erweiterung und von dieser aus verengt sich der Darm bis zum Rectum hin allmählig, wo auch die Längsfalten verschwinden. Der ganze Darmkanal ist an einer einfachen Falle des Bauchfells befestigt. Die kleine, undeutlich gelappte Leber führt ihr Secret durch einen zweiwurz ligen Gang, dessen Inneres gefächert ist, in den Zwölffingerdarm, die Gallen blase fehlt und die mit 5 bis 6 Ausführungsgängen versehene Bauchspeichel drüse ist klein und feinkörnig. Die nach der Stirn hinaufgerückle Nasenöffnung führt senkrecht m den, in dem Eingange der Speiseröhre hervorstehenden sehr grossen Kehlkopf und brauchen daher die Thiere beim Alhmen nur den obern Theil des Kopfes über die Oberfläche des Wassers zu erheben. Am Kehlkopf ver längern sich besonders die Giessbeckenknorpel röhrenförmig mit dem fest verbundenem Kehldeckel, dem alle Elasticität abgeht. Der Ringknorpel hegt horizontal und ist vorn nicht geschlossen, auch fehlen Slimmrilzenbänder. Das Herz hat nur eine sehr schwache Kerbung an der Spitze. Im Skelet ist hier die Asymmetrie des Schädels, die Verwachsung der Halswirbel, die geringe Zahl der wahren Rippen, die vermehrten Zehenpha langen und deren völlige Unbeweglichkeit characleristisch. Unter den ächten Cetaceen finden sich die grössten kolossalsten Thiere der ganzen Schöpfung, von 50 bis 100 Fuss Länge und entsprechender Dicke. Ihre Nahrung besieht besonders in kleinern \Vasserlhieren, in Fischen, Krebsen und Mollusken, die sie bei ihrer grossen Gefrässigkeil in ungeheuren Mengen vertilgen. Die ganze Gruppe umfasst nur drei Familien, die durch das Zahnsystem characterisirt sind, nämlich: 1) Balaenodea ohne Zähne, aber mit Barten im Oberkiefer. 2) Delphinodea mit zahlreichen Backzähnen. 3) Monodonta nur mit Stosszähnen im Oberkiefer, ohne Backzähne. 1. Familie. Balaenodea. Walfische. Cetaceen von ungeheuren Dimensionen, mit sehr grossem Kopfe, weit gespaltenem Rachen, mit auf dem Scheitel gelegenen doppelten Nasenlöchern, neben dem Mundwinkel befindlichen sehr kleinen Augen, versteckter OhröfT- nung, mit zahlreichen Hornplatten oder Barten in zwei Reihen im Oberkiefer. Der Kopf misst den dritten bis höchstens fünften Theil von der Ge- sammtlänge des bald plumpen bald schlanken Körpers und spitzt sich nach vorn kegelförmig zu. An der Schnauzenspilze stehen in der Jugend einzelne Borsten, die zuweilen auch bei ältern Thieren noch sichtbar sind. Die Augen liegen ganz nah und etwas über dem Mundwinkel. Cete. Balaenodea. 77 Die Barten sind vier- oder dreiseitige hornige Platten, an denen man Rinden- und Marksubstanz unterscheiden kann. Die erslere besieht aus übereinanderliegenden Hornblättern wie die Nägel an den Zehen andrer Thiere. Die innere Substanz bilden parallele Röhren, welche am un tern Rande der Platte in borstenarlige Fasern enden. Sie beginnt erst etwas über der Basis, daher diese hohl ist. Ein aus gekrümmten Hornlamellen bestehender Kranz an der Basis, der bei den kleinern noel) in der Ausbil dung begriffenen Barten als eine weisse faserige Masse erscheint, verbindet à» neben einander stehenden Rarten und so vereinigt ruhen dieselben auf «пет Zoll dicken gefässreichen Haut, welche mit einer Falle in die basale Bohle einer jeden hineinragt und von dieser fadenartige Verlängerungen in die Röhreben der innern Substanz absendet. Die Gelasse, deren letzte Ver zweigungen die Fäden begleiten, -kommen mit sehr starken Aesten aus dem (lanmentheil des Kiefers hervor. Zur Aufnahme der zahlreichen Barten ist das Rachengewölbe zu beiden Seiten eines in seiner Mitte hervortretenden Längskieles muldenförmig vertieft. In diesen Mulden stehen die Platten quer und hinter einander, nach vorn dicht gedrängt, nach hinten in grössern Zwischen räumen, und nach beiden Richtungen hin kleiner werdend. Mit ihrem stumpfen Ende erscheinen sie am äussern Rande ties Kiefer wie regelmässig geordnete senkrechte Stäbe, wie die Zinken eines Kammes, nach der Mille der Gaumen- fläche hin verschmälern sie sich und enden zugespitzt. Die Zahl der Barten beider Kiefer beläuft sich auf 300 bis 1000. Die Barten weichen nach diesen Angaben, die wir den Untersuchungen Romenthals *) verdanken, wesentlich von der Struclur und Anordnung der Zähne aller übrigen Säugethiere ab. Ihre quere Stellung am Gewölbe der Mundhöhle erinnert vielmehr an die Gaumenzfdine der Fische als an irgend ein Säugethier und Struct ur sowohl als die Bildung gleicht unverkennbar den hornigen Epidermalgebilden. Wirkliche Zähne besitzt kein Walfisch, obwohl die Anlage zu denselben irn fötalen Zustande vorhanden ist, denn man fand in dem Zahnfleisch des Ober- und Unterkiefers linsenförmige knochenähnliche Körper als Keime von Zähnen **). Am Schädel sind die Kiefer schnahelattig verlängert, die Aesle des Un terkiefers schmal und niedrig, bogenförmig gekrümmt, ohne oder mit nur schwach angedeuteten Kronfortsatz und völlig zahnlos. Die Stirnbeine liegen frei, nicht vom Oberkiefer bedeckt ; auch die Nasenbeine sind verlängert, ho rizontal, über das Stirnbein vorragend. Die Nasenhöhle ist durch eine breite SnochenJaroelle auf jeder Seile in zwei Abtheilungen geschieden, von denen le obere mit Etlimoidalzellen und durch diese mit einem Loche im Siebbeine b Verbindung steht. Das kleine Thränenbein liegt locker zwischen Stirnbein Und Oberkiefer, das Jochbein ist kurz und dick , der Jochfortsalz des Schlä fenbeines last gerade nach Aussen gerichtet. Die hintern Nasenlöcher öffnen sich wat nach hinten und das Foramen occipitale zeichnet sich durch rela tiv ?erinffe Grösse aus. Alle Fortsätze der Wirbel sind breit und kurz. Die Wirbelsäule bestellt aus 7 Hals-, 14 bis 15 Brust-, 11 bis 15 Lenden- und 21 und mehr Schwanz wirbel. Von den Rippen verbindet sich nur eine mit dem Brustbeine, die übrigen sind falsche. Das Schulterblatt » .V.K „Л1 RPi-lin Akad. 1832. S. 127. ТГ. 1—3.. vgl. auch Owen. Odontography ■>„ ?. « «^ Geoffroy St. Hilaire, Ann. d. Mus. d'hist. nat. X. 364; Eschricht, Ui \lnk7videak. Selak.naturvid. og math. Afhandl. XI. 1845. p.281. 78 Pinnnta. Cetácea. ist sehr breit und kurz, statt der Gräle nur mit einem Haken verseben. Die Zahl der Zeilen verschieden *). Im Verdauungsapparate fallt die sehr geringe Weile der Speiseröhre auf. Der Magen ist dreifach und der Dannkanal mit unregelmässigen, viel fach zusammenflicssendon Längsfalten ausgekleidet. Ein kleiner spitzer Blind darm bezeichnet die Gränze zwischen dünnem und dickem Darme. Die Zunge ist ihrer ganzen Länge nach unbeweglich am Doden der Mundhöhle an geheilet. Ausgewachsen erreichen die Walfische eine Länge von mehr denn 50 Fuss, einige sogar bis 100 Fuss. Sie zeigen sich bisweilen inSchaaren bei sammen, bisweilen nur einzeln oder paarweise. Einige lieben die Regionen des äussersten Nordens, und verlassen nur selten die Buchten der grossen Eisfelder, andere dagegen ziehen die gemässigten Meere vor. Hier treiben sie mit über den Wasserspiegel erhobenen Rücken und Spritzlöchern ruhig und langsam umher, bis sie ein Vogel, der sich auf dem schwimmenden Coloss niederlässt, erschrickt oder ein feindlicher Angriff stört. Dann schies sen sie pfeilschnell in die Tiefe oder fliehen mit unbändigen Schwanzschlägen von dannen. Zuweilen naht sich ein Walfisch dem Sclufl'e und begleitet das selbe eine weite Strecke hin. Mit besonderem Wohlbehagen wirft er sich auf den Rücken, plätschert mit den gewaltigen Flossen, die stille Luft mit Donnergelöse erfüllend, stellt sich senkrecht auf den Kopf und schüttelt mit dem Schwänze die ungeheure Wassermasse, dann hebt er schnell den Kopf empor und taucht ebenso schnell wieder unter. Die gewaltige Muskelkraü, mit welcher die grosse Schwanzflosse die Wogen peitscht, führt Hin 12 Mei len weit in der Stunde fort und befähigt ihn den unabsehbaren Ocean nach allen Richtungen schnell zu durchkreuzen. Bei seiner gewöhnlichen Wande rung pflegt er jedoch nur vier Meilen in der Stunde zurückzulegen. Bei dem Tauchen geht er in die hedeulendsten Tiefen hinab, bleibt aber nur wenige Minuten unten, nur in Todesgefahr verbirgt er sich bisweilen eine Stunde lang in der Tiefe. Dann kömmt er wieder an die Oberfläche und bläst laut und stark. Aus seinen Spritzlöchern schiesst 4 bis 5 Mal in der Minute ein Wasserstrahl empor. Sind viele Walfische beisammen: so gleichen in der Ferne die Wasserstrahlen den rauchenden Schornsteinen einer Stadt. Die Männchen lieben die Weibchen sehr und hallen sich gern in deren Nähe aut Bei der Begattung, die zu jeder Zeit des Jahres, am häufigsten wohl gegen Ende des Sommers vollzogen wird, wirft sich das Weibchen auf den Rücken und senkt den Schwanz, das Männchen rutscht dann auf den Bauch und plätschert mit den Flossen. Sie tragen 9 bis 10 Monate und gebären im Februar bis April ein, seltener zwei Junge. Diese sind schwarz, 10 bis 14 Fuss lang und ihre Barten schon einige Zoll gross- Sie säugen die fette und nahrhafte Milch der Mutter, wobei sich diese auf die Seite oder den Rücken legt. Unter der Leitung und dem Schutz der Mutter wachsen sie heran. Erst nach dem zwanzigsten Jahre scheinen sie vollkommen ausgewaclisen zu sein. Ihre Lebensdauer kennt man nicht, aber die Zeichen eines hohen Allers sind Zunahme des Grau am Körper und Kopf, Gelblichwerden der weissen Farbe, Abnahme des Thranes, grosse Härle des Specks und Zähigkeit der sehnigen Theile desselben. Die Feinde der Walfische sind besonders der Hay und Schwerdtfisch, die sich in Kampf mit ihnen einlassen und ihren Cada- *) Cuvier, ossemens fossiles VIH.b p. Balaenodea. Balaena. 79 ver mil grossem Wohlbehagen verzehren. Ihr gefährlichster Feind aber ist der Mensch, der seit 1000 Jahren ihre Jagd systematisch verfolgt. Zur Walfischjagd segeln die Schiffe im Frühjahr aus. Jedes derselben hat mindestens zwei leicht bemannbare Bote bei sich. Wird ein Walfisch in der Ferne aus dem Mastkorbe erblickt: so hält sich die Mannschaft be reit. Er taucht und sowie er wieder emporkömmt, werden die Bote zur Verfolgung bemannt. Sie nähern sich dem Ungeheuer, werfen die lödtliche Harpune aus, und feuern auch wohl eine Geschütz-Harpune mit Bomben und Carcassen ab. Das verwundete Thier schiesst blilzesschnell in die Tiefe, kömmt aber bald wieder an die Oberfläche und zeigt durch gewaltige Schwanzschläge seinen Todeskampf an. Ist die Verwundung nicht lödllich; so sucht es unter einem Eisfelsen oder in wiederholtem Tauchen Schulz. Aber bald unterliegt es, da ihm bei jedem Athemzuge an der Oberfläche neue Verwundungen beigebracht werden. Früher war die Jagd viel ergiebi ger als in diesem Jahrhundert. Zwischen dem 77. bis 79.° N. Br. sam melten sich mehr denn 300 Schiffe und fingen in zwei Monaten gegen 2000 Wale. Der hauptsächlichste Nutzen der Walfische" besteht in dem Thran und Fischbein. Letzteres liefern die Barten und am reichsten und besten die von Balaena mysticelus. Der Thran wird aus dem Speck gewonnen, von welchem 4 Tonnen schon 3 Tonnen Thran geben. Am meisten enthalten die Kieferüberzüge, die Zunge und die Finnen. Die Familie der Bartenwale zählt nur zwei Gallungen, nämlich Balaena ohne Rückenfinne und Balaenoptera mit Hückenfinne. So bestimmt beide von einander zu unterscheiden sind: so wenig sicher sind die speeifischen Differenzen bei ihnen. Auch hinsichtlich ihrer Lebensweise ist Vieles von den Walfischen auf die Finnfische und umgekehrt übertragen worden. Gerade die grossartigen Verhältnisse, welche diese Thiere bieten, entziehen ihre Naturgeschichte der Beobachtung, so dass trolz des regelmässigen Fanges schon seit Jahrhunderten die Wissenschaft hier noch wenig vorgeschritten ist. Balaena L. Die eigentlichen Walfische haben einen plumpen gedrungenen Körper von 50 bis 70 Fuss Länge, keine Rückenflosse und keine Furchen am Bauch, eine nach vorn verschmälerte und abwärts gekrümmte Schnauze, sehr lange Barten, breite Brustflossen und eine grosse tief ausgeschnittene Schwanzflosse. Der Skeletbau ist sehr kräftig; am Schädel der Anlütztheil sehr verschmälert, die Un'.erkiefer stark nach Aussen gebogen, der hirn tragende Theil kurz und breit, die Zwischenkiefer, Nasen- und Stirnbeine von eigentümlicher Form. Mit Sicherheit unterscheidet man nur eine nordische und eine südliche Art, von denen die erstere die häufigere und die besser bekannte ist. B. mysticelus Lin.1) Der gemeine Walfisch erreicht eine Länge 1) Linné Fauna suce. II, 16; Scoresby, Account Ol (lie aret. reg. I. 449, 26 12 26 1 2 B: Bonnet. Vech. Haarl. Manisch. V. 1. 262; Camper, Celac. 261; Cuvier, oss. foss. V. 26 25. flg. 9. 10; Hunier, Philos. Transact. LXXVII. 6. 371. 26 16—23; A- Wagner, Schreb. Säugeth. VIL 173; Brandl und Ratzeburg, medic. Zool. I. III. TÎ- 14 fig. 4. Tf. 16. fig. 3. 4. • — Synonym mit B. mysticelus sind B. borealis Lesson, ft- Groenlandica Lin., В. vulgaris Brisson. Als besondere Art wurde B. glacialis Lacepede, Cetac. 26. 2. aufgeführt, weil er dünner und kleiner, grau von Farbe sei, grössere Flossen und schiefstehende Augen habe. Allein diese Unterschiede sind theils geringfügig theils beruhen sie auf ungenauer Beobachtung. 80 Pinnata. Cetácea. von 60 Fuss und in der grössten Dicke etwa '/4 bis Va dieses Masses. Der Kopf raisst ein Drittheil der Totallänge. Die Schnauze ist sehr schmal, vorn stark abwärts gebogen, nach hinten nur leicht gekrümmt. Die Brust flosse breit, mit sehr stumpfer Spitze, die Schwanzflosse in der Mitte lief ausgeschnitten. Der obere Theil des Körpers ist schwarz, der uutere weiss gefärbt, an den Seilen gehen beide Farben in einander über. Im Alter ändert das Colorit bisweilen ab, in der Jugend zieht es ins Bläuliche. Die ersten zuverlässigen und ausführlichen Beobachtungen über die Naturgeschichte des gemeinen Walfisches verdanken wir Scoresby, der bei dem Fange von 322 Individuen persönlich beschäftigt war. Kein einziges derselben mass über 60 Fuss Länge und ein von Gieseke 1813 bei God- have gemessenes Exemplar von 67 Fuss Länge ist das zuverlässig grösste. Der Umfang hinter den Flossen beträgt 30 bis 40 Fuss und hieraus lässt sich das Gewicht eines grossen Walfisches auf 224,000 Pfund abschätzen. Der klaffende Rachen ist 6 bis 8 Fuss weit, 10 bis 12 Fuss hoch und 15 bis 16 Fuss lang. Die Brustflossen liegen etwa 2 Fuss hinler dem Mundwinkel und erreichen bis 9 Fuss Länge und 5 Fuss Breite, die Schwanzflosse bei 6 Fuss Länge 20 bis 26 Fuss Breite. Die Augen sind nur wenig grösser als Ochsenaugen. Die Barten werden gewöhnlich 10 Fuss lang, bei den grössten 15 Fuss. Vorn tragen beide Lippen ein zelne kurze weisse Haare. Eine 8 bis 20 Zoll dicke Speckschicht umgibt den ganzen Körper unmittelbar unter der Haut. Das Fleisch junger Wal fische ist roth und schmeckt gut zubereitet wie derbes Rindfleisch, bei alten Thieren ist es beinah schwarz und sehr grobfaserig. Die Knochen enthalten in ihrem locker porösen Gewebe viel Oel. Das Gehör scheint gegen Schallschwingungen in der Luft unempfindlich zu sein, ebenso ist das Gesicht über der Oberfläche des Wassers sehr schwach, im klaren Wasser dagegen scharf. Die Stimme fehlt ganz, aber das Athemholen und Ausspritzen des Wassers geschieht mit grossem Geräusch. Die Nahrung besteht in kleinen Wasserthieren, in Medusen, Krebsen, Sepien und be sonders in Clio. Diese Thierchen verwickeln sich in den Fasern der Barten, wenn der Walfisch mit geöffnetem Rachen schnell an der Ober fläche hinstreicht. Schliesst er das Maul, so tritt das Wasser an den - Seiten zwischen den Barten heraus und die Thiere bleiben zurück und werden verschluckt. Der Wallfisch bewohnt ausschliesslich dje nordischen Meere soweit hinauf als das Eis ihm den Zugang gestattet. Besonders häufig ist er um Grönland ostwärts bis Spitzbergen, westlich durch die Davisstrasse in die Baffins-Bay und durch die Hudsonsstrasse in die Hudsons-Bay. Die süd lichen Grenzen seines Bezirkes lassen sich nicht überall angeben, doch kömmt er an der europäischen Seite nicht an die skandinavischen und schottischen Küsten herab, wenn er nicht dahin verschlagen wird. Esch- richt gibt als südliche Gränze der Verbreitung bei Grönland den 65.° an. Die unausgesetzten Nachstellungen haben die Zahl der Walfische bereits ungemein verringert und ihnen zu entgehen, ziehen sie sich mehr und mehr zurück in Gegenden, wo der gefährliche Fang den Nutzen zweifel haft lässt. Von der grossartigen Vertilgung geben z. B. die Jahre 1814 bis 1817 einen Beleg, während welcher von den englischen Grönlands fahrern und in der Davisstrasse 5030 Stück erlegt wurden. Balaenodea. Balaenoptera. 81 В aiistralis Desmoid.*) Der südliche Walfisch erreicht nicht ganz die Grösse des nordischen, hat einen kleineren Kopf, der nur ein Vier theil der Totallange einnimmt und zwischen den Augen relativ breiter ist, fine breitere Schnauze, vorn mit einer starken Erhabenheit und an der Spitze weniger gekrümmt, einen nach dem Mundwinkel hin viel tiefer ab wärts und nach aussen steigenden Oberkiefer, kürzere Barten, grössere spitzere Brustflossen, eine minder lief ausgeschnittene Schwanzflosse und eine fast ganz schwarze Färbung, indem das Weiss der Unterseite auf eine kleine Stelle dos Bauches beschränkt ist. Im Skelet ist die speeifische Differenz nicht minder ausgeprägt. Der Schädel ist hinten viel höher und breiter, die Kiefer an den Seiten weniger bauebig vortretend, die Stirnbeine und der hintere Ast des Oberkiefers nicht schräg nach hinten, sondern seitlich gewandt, die Nasenbeine schmä ler, das Schläfenbein von fast quadratischem Umfang. Während der nor dische Wallfisch 13 Rippenpaare besitzt, finden sich bei diesem 15, von welchen die dritte bis zehnte Köpfchen besitzen, die nicht die Wirbel körper berühren, drei Paare erreichen das Brusthein. Die erste Rippe gelenkt an zwei Wirbeln, so dass eigentlich 16 Rücken-, 8 Lenden- und 24 Schwanzwirhel gezählt werden. Die Dornforlsatze der Halswirbel ver schmelzen in einen zusammenhängenden scharfen Kamm. Von den weichen Theilen sind noch keine Eigenthümlichkeiten bekannt. Diese Art liebt die Nähe der Küsten in den südlichen Meeren ; an der Südspitze Amerika's, Afrika's, Neuholland's zeigt sie sich häufig und gebt von hier weiter nach Norden. An der Ostseite Asien's besucht sie Japan und steigt vielleicht bis Kamtschatka hinauf, ebenso berührt sie die Kiiste von Peru, Neuseeland und das mittlere Afrika. Die Existenz der Walfische in frühem Schöpfungsperioden ist erst durch einige Ueberreste aus tertiären Straten nachgewiesen worden, die jedoch zu einer streng systematischen Bestimmung noch keineswegs ge nügen. Das Schädelfragment eines etwa 24 Fuss langen Thieres aus einer angeblich tertiären Schicht in Paris, welchem Desmoulins 3) den Namen B. Lamanoni gab, unterscheidet sich von dem nordischen Walfisch durch ein abweichendes (irösseuverhältniss des unvollständigen Schläfenbeines. Andere Vorkommnisse gestatten Jteiue speciellere Vergleichung mit den lebenden Arten. Balaenoptera Lacep. Die Finnfische unterscheiden sich von dem Walfisch durch ihren schlan kem Körperbau, durch meisl beträchtlichere L.änge, durch eine Feltflosse hinler der Mille des Rückens, eine kleinere Schwanzflosse, schmälere Brust- flosseD, eine weniger gekrümmte Schnauze, viel kürzere Harten und 2} Desmoulins, Diction, class. II. 161 ; Olivier, nss. foss. Va 368. th. 25 fig. 1—8 Ib. 26 fig. 7. 11. 13. 23. th. 27 fig. 10—15; Wagner, Schrei). Sâugelh. Vit. 197; Schlegel." Faun, japon. 18. Tf. 28. 29; Abhandlungen I. 37; Lesson, Cetac. 391 (В. antárctica). — Gray begründet in der Zool. of the voyage of Erebus a. Terror noch t-ine besondere Art, B. marginara, ans Westaustralien, von der er nur 3 Barten, sehr lanp und dünn, rein weiss, mil ziemlich breitem schwarzen Rand an der äussern Seite pesehen. Die Veränderlichkeit der Barlen mit dem Alter und nach den fatfi vidualiläten macht den Werth dieser Art mehr als zweifelhaft. 3) Desmoulins, Diction, class. II. 107; Cuvier, oss. foss. 4 edit. Vfllb 315 Ib. 22S fig- 16- Sioçetbiere. 6 82 Pinna (a. Cetácea. durch zahlreiche vom Unterkiefer rande bis zur Nabelgegend verlaufende Furchen. Die Körperlänge erreicht 90 und meist über 60 Fuss und von dieser nimmt der Kopf meist weniger als ein Viertheil ein, so dass derselbe relativ kleiner als bei dem Wallisch isl. Die Schnauze biegt sich weder vorn so stark herab noch bildet sie unter dem Auge einen so liefen Bogen. Die Rückenlinne hat eine dreiseilige, bald schmälere bald breilere Gestalt. Die Schwanzflosse theill sich in zwei lief getrennte, schmale und zugespitzte Lappen. Die schmalen Brustflossen sind meisl zugespitzt, und von sehr ver änderlicher Länge. Das Skelet zeichnet sich durch gedrungene und kräftige Schädelknochen, durch schlanke und zierliche Formen der Bumpfknochen aus. Am Schädel selbst erscheint im Vergleich mit Balaena der Oberkieferkörper, dessen äussere Wand weniger senkrecht abgedacht, die Zwischenkiefer mil flach gewölbter Oberfläche, in der Mille des obern Endes ohne bemerkbare Bogenleisle, vorn durch den zwischenliegenden Vomer getrennt, die Stirnbeine mil plallenför- inigem breiten Oibilalfortsalz, die Nasenbeine kürzer, vorn und oben mit einer Furche. Der Unterkiefer hat einen deutlichen Kronfortsatz. Die Hals wirbel bleiben in der Begel getrennt und tragen ansehnliche QuerlortsiiUe. Binen folgen 15 Bücken-, 14 Lenden- und 20 bis 24 Schwanzwirbel, von denen 15 untere V förmige Dornen tragen. Die erste Bippe verbindet sich mit dem letzten Hals- und ersten Bückenwirbel, die zweite bis vierte haben noch einen, den Wirbelkörper nicht erreichenden Kopf, die letzte liegt frei in den Muskeln. Die lebenden Arten bewohnen gleichfalls die Meere der nördlichen und südlichen Hemisphäre, nähren sich von Fischen und Weichthieren und haben ein wilderes Naturell als die Walfische, daher ihr Fang gefährlicher, zugleich auch wegen der kleineren Barten und des geringeren Speckes minder vorteil haft. Man fängt sie deshalb nur gelegentlich. Die fossilen Arien sind aus tertiären Straten in vollständigem Besten bekannl als die Baläneu. a) Mil verlängerten Brustflossen: B. longimana Rud.4) Der iangflossige Kinnfiseli nähert sich durch seinen gedrungenen und plumpen Körperbau und dem relativ grossen Kopf mehr als alle übrigen Arten dem Walfisphe. Besonders charakteristisch für ihn sind die am vordem und hintern Rande buclitig gekerbten, rundlich 4) r.mtolplii, ALhamll. 11<мМп. Akad. 1829. Tf. 1—5; Cuvier, oss. foss. Va tb. 26. fig. 1. 2. 9. 22; Iii audi und Haneburg, median. Zool. t. 122. Tf. 15. lig. 2. Tf. 16. lig. 5 — 7. — Schlegel liai in der fauna japon. Mamrn. 21. Tf. 30, wo er diesen langflossigen Finr.lisch ala 1). sulcata antárctica aufluhrt, zuerst diu vielfachen Miss- grilfe in der systematischen Bestimmung nachgewiesen. Synonym sind Balaena Lalandi Fisch , Balaena boops hei Fabricius, Faun, groenland. 30' und Pallas, Zoogr. I. 291, Balaena auslralis bei Lesson, Lélac. 372, Rorqualus antárcticas bei Fr. Cuvier, Cétac. 347. Gray hat aus dieser Art in der Zoology of the voy. of Erebus a. Terror, Mainm., die eigenlhunihche Gattung Megaptera gebildet und derselben 4 Arten zu geschrieben, nä nil ich M. I'oeskop nach Desiuoulins, Diet, class. II. 164, welche der Cüviersclie Korqual du Cap ist, dann die Schleselsclie Art. M. antárctica, die eigent liche Af. longimana und eine neue AT americana. Hie Identität der drei ersten unterliegt bei sorgfältiger Vergleichung der Beschreibungen keinem Zweifel, die letzte beruht auf einer blossen Handzeichnung, welche eine niedrigere Huckenflosse und eine breitere Schwanzflosse ab specitisch eigentümlich angibt. Weder der Ursprung der Zeichnung noch die angegebenen Unterschiede gestatten dieser Art eine Stelle im Systeme einzuräumen. Balaenodea. Balaenoplera. 83 Brustflossen, welche 'Д der Totallänge des Körpers messen, und die halbkugligen Höcker mit fusslangen Bartborsten am Unterkiefer. Am kegelförmigen, wenig über den vierten Theil der Körperlange ein nehmenden Kopfe ist der Unterkiefer länger und breiter als der Oberkie fer, dieser fast gerade, niedrig zugespitzt und mit mehr als 800 Barten besetzt. Die kleinen Augen liegen dicht hinter und über dem Mundwinkel. Die Ruckenfinne, über der Nabelgegend gelegen, steigt allmählig auf und fallt von ihrer höchsten Spitze mit buchtigem Hinterrande ab. Die Lappen der Schwanzflossen sind gerade nicht tief getheilt, ziehen sich aber spitz aas. Die Bauchfurchen beginnen hinter der zweiten Reihe der Unterkiefer höcker und laufen parallel bis zum Nabel. Die Furche in der Mittellinie des Bauches ist die längste, die zehn andern jederseits allmählig kürzer. Hinter dem After macht sich eine starke Auftreibung, vielleicht als Andeu tung einer Afterflosse bemerklich. Die schwarze Färbung der obern Kör- perbälfte geht an der Bauchseite und den Brustflossen in ein Graulich- weiss über. Am Schädel zeigen einzelne Knochen unverkennbar speeißsche Eigen- thümltchkeiten, so die Nasenbeine in der starken Vertiefung ihrer Ober flache und der beträchtlichen Abdachung, die langen vorn hohen und breiten Gaumenbeine, der sehr gewölbte und gebogene Unterkiefer mit kleinem wenig gekrümmten Kronfortsatz. Die Zahl der Rückenwirbel wird nur auf 14- angegeben, die der Lendenwirhel auf 11 und 22 Schwanzwirbel. Alle Wirbel sind stark und kräftig. Das Schulterblatt ist höher als breit, die Unterarmknochen lang. Drei Handwurzelknochen liegen in einer Reihe. Der Daumen fehlt, der Zeigefinger hat zwei Glieder, der mittlere 7, der vierte 5 und der fünfte wieder zwei Glieder*). Die Beckenknochen sind lang; und haben in der Mitte einen starken Höcker. Das grossie gemessene Exemplar hatte 88 Fuss Länge und 26 Fuss langre Brustflossen. Es strandete an den Küsten der Bermudas-Inseln. Zur ersten Untersuchung erhielt Cüvier das Skelet eines Exemplars vom Kap, ein drittes strandete an der Elbmündung und gelangte in das Berliner Vuse«m. Der Verbreitungsbezirk dieses Finnfisches dehnt sich über die Meere beider Halbkugeln aus und er scheint seine Wanderungen über die- unbegränzten Bezirk auszudehnen. Im Frühjahr nähert er sich den und im Winter entfernt er sich in die offene See. Seine Nahrung besteht hauptsächlich in kleinen Fischen, b) Mit kleinen Brustflossen*). B. boops Lin. Das längste aller Thiere, meist mehr denn 80 Fuss Lange ja über 100 (105) Fuss erreichend und das schlankste in der ") Cuvier zählte im mittlem und vierten Finger 7, im fünften 2 Glieder. 5} Die Brustflossen der hieher gehörigen Arten messen höchstens den achten Theil der Körperlänge, meist weniger, und sind zugespitzt. Ausserdem sind allge mein die Lappen der Schwanzflosse tiefer getheilt und did Rückenflosse kürzer und höher Der Körper aller Arten ist schlanker als bei B. longimana und der Kopf relatif k/einer. Gray hat Ann. a. mag. nat. hist. 1847. XX. 277 diese Arten in 2 besondere Gattungen vertheilt, nämlich in Balaenoplera, bei welcher die Uruslfinne V i d die Bückenfinne */s der Körperlänge von der Nase entfernt, die Dornfort- ösj Л -<t 2 und 3- Halswirbels verwachsen und 46 bis 48 Wirbel vorhanden sind, au - oL *1ii¡ wo die Brustfinne '/4 "^d die Rückenfinne % der Körperlänge X e л rf^rNase entfernt, alle Halswirbel getrennt und die Zahl der Wirbel aul M Encle 4bF, jj¡e Stellung der Flossen betreffend müssen wir derselben, bevor " bis 64 steig»- g4 [Document text truncated for crawler view.]