Deutschland als Zwischenstation? Rückkehr- und Weiterwanderungsabsichten von Eingewanderten im Lichte neuer Daten des International Mobility Panel of Migrants in Germany (IMPa)
Abstract
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Full text
Kosyakova, Yuliya et al. Research Report Deutschland als Zwischenstation? Rückkehrund Weiterwanderungsabsichten von Eingewanderten im Lichte neuer Daten des International Mobility Panel of Migrants in Germany (IMPa) IAB-Forschungsbericht, No. 15/2025 Provided in Cooperation with: Institute for Employment Research (IAB) Suggested Citation: Kosyakova, Yuliya et al. (2025) : Deutschland als Zwischenstation? Rückkehrund Weiterwanderungsabsichten von Eingewanderten im Lichte neuer Daten des International Mobility Panel of Migrants in Germany (IMPa), IAB-Forschungsbericht, No. 15/2025, Institut für Arbeitsmarktund Berufsforschung (IAB), Nürnberg, https://doi.org/10.48720/IAB.FB.2515 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/330575 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. You are not to copy documents for public or commercial purposes, to exhibit the documents publicly, to make them publicly available on the internet, or to distribute or otherwise use the documents in public. If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de
IAB-FORSCHUNGSBERICHT Aktuelle Ergebnisse aus der Projektarbeit des Instituts für Arbeitsmarktund Berufsforschung 15|2025 Deutschland als Zwischenstation? Rückkehrund Weiterwanderungsabsichten von Eingewanderten im Lichte neuer Daten des International Mobility Panel of Migrants in Germany (IMPa) Yuliya Kosyakova, Lukas Olbrich, Katia Gallegos Torres, Luisa Hammer, Theresa Koch, Simon Wagner ISSN 2195-2655
Deutschland als Zwischenstation? Rückkehrund Weiterwanderungsabsichten von Eingewanderten im Lichte neuer Daten des International Mobility Panel of Migrants in Germany (IMPa) Prof. Dr. Yuliya Kosyakova (IAB, Universität Bamberg) Dr. Lukas Olbrich (IAB) Dr. Katia Gallegos Torres (IAB) Dr. Luisa Hammer (IAB) Dr. Theresa Koch (IAB) Simon Wagner (IAB) In der Reihe IAB-Forschungsberichte werden empirische Analysen und Projektberichte größeren Umfangs, vielfach mit stark datenund methodenbezogenen Inhalten, publiziert. The IAB Research Reports (IAB-Forschungsberichte) series publishes larger-scale empirical analyses and project reports, often with heavily dataand method-related content.
IAB-Forschungsbericht 15|2025 3 In aller Kürze • Das neue International Mobility Panel of Migrants in Germany (IMPa) ist eine längsschnittliche Online-Befragung, die systematisch Ursachen, Muster und Auswirkungen der Abwanderungsdynamik von nach Deutschland Eingewanderten untersucht. In der ersten Welle (Dezember 2024 bis April 2025) wurden rund 50.000 Personen befragt. Zukünftig sollen alle zwei Jahre neue Erstbefragungen stattfinden, ergänzt durch jährliche Wiederholungsbefragung über vier Jahre hinweg. • Mithilfe statistischer Hochrechnungsverfahren lassen sich repräsentative Aussagen über Personen in Deutschland treffen, die bis zum 2. April 2024 nach Deutschland eingewandert sind, in den Daten der BA erfasst wurden (durch Beschäftigung, Leistungsbezug oder Maßnahmenteilnahme) und im erwerbsfähigem Alter (18 bis 65 Jahre) sind. • Der Bericht präsentiert erste Befunde zur Abwanderungsdynamik von Eingewanderten auf Basis der ersten Welle. Zum jetzigen Stand liegen ausschließlich Informationen zu Abwanderungsabsichten und Weiterwanderungsplänen vor. Angaben zu tatsächlich realisierten Auswanderungen werden erst mit der zweiten Welle (geplant für die zweite Jahreshälfte 2025) verfügbar sein. Zentrale Ergebnisse: • Eine knappe Mehrheit der Eingewanderten (57 Prozent bzw. rund 5,7 Millionen Personen) plant, dauerhaft in Deutschland zu bleiben. Rund 1,2 Millionen (12 Prozent) streben nur einen vorübergehenden Aufenthalt („temporäre Bleibeabsichten“) an, etwa 3 Millionen sind unentschlossen (30 Prozent). 2,6 Millionen Personen (26 Prozent) haben im vergangenen Jahr über eine Ausreise nachgedacht; rund 300.000 Personen (3 Prozent) hegen bereits konkrete Abwanderungspläne – jeweils etwa zur Hälfte in Richtung Herkunftsland oder in ein Drittland. • Rückkehrwillige steuern vor allem europäische Länder wie Polen oder Rumänien an, während Weiterwandernde insbesondere die Schweiz, die USA oder Spanien bevorzugen. Rückkehrentscheidungen haben häufig familiäre Gründe, für eine Weiterwanderung sind vor allem die damit potenziell verbundenen ökonomischen Chancen ausschlaggebend. Als Hauptgründe für Auswanderungsüberlegungen werden politische Unzufriedenheit, persönliche Vorlieben, sowie hohe steuerliche Belastungen und Bürokratie in Deutschland genannt. Diese Motive zeigen sich sowohl bei Arbeitsmigrantinnen und -migranten als auch bei Bildungsund Familienzuwandernden; Geflüchtete nennen zusätzlich Diskriminierungserfahrungen als wichtigen Grund. • Männer äußern häufiger temporäre Bleibeabsichten, Auswanderungsüberlegungen und konkrete Auswanderungspläne als Frauen. Geringere Abwanderungstendenzen zeigen Geflüchtete und Personen, die im Rahmen eines Familiennachzugs nach Deutschland gekommen sind. Höhere Mobilitätsneigungen finden sich bei Personen aus EU-Staaten sowie mit unbefristetem Aufenthaltsstatus oder deutscher/EU-Staatsangehörigkeit – vermutlich wegen erweiterter Freizügigkeitsrechte.
IAB-Forschungsbericht 15|2025 4 • Höherqualifizierte äußern deutlich häufiger Auswanderungsüberlegungen und konkrete Auswanderungspläne als Personen mit niedrigerem Bildungsniveau. Auch Personen mit in Deutschland oder in Drittstaaten erworbenen Abschlüssen sowie mit in Deutschland anerkannten ausländischen Qualifikationen überlegen häufiger auszuwandern – vermutlich aufgrund der höheren internationalen Übertragbarkeit ihrer Qualifikationen. Gute Deutschund Englischkenntnisse erhöhen ebenso die Abwanderungsneigung, was auf bessere internationale Arbeitsmarktoptionen hindeuten könnte. • Erwerbstätige wollen nach eigenen Angaben häufiger nur vorübergehend in Deutschland bleiben als Nichterwerbstätige oder Auszubildende. Auch höhere Verdienste sind mit stärkeren Auswanderungsüberlegungen und -plänen verbunden, was darauf hinweist, dass die besonders gut in den Arbeitsmarkt integrierten Migrantinnen und Migranten Deutschland wieder verlassen wollen. Arbeitszufriedenheit ist dagegen mit schwächeren Auswanderungsüberlegungen und -plänen verbunden. • Besonders hoch ist das Abwanderungsrisiko in wissensintensiven Branchen wie IT und technischen Dienstleistungen – Sektoren, die zugleich vom Fachkräftemangel besonders betroffen sind. In anderen engpassgefährdeten Bereichen – etwa im Gesundheitswesen, der Bauwirtschaft, der öffentlichen Verwaltung oder im Einzelhandel – bestehen zwar keine überdurchschnittlichen, aber dennoch relevante Abwanderungstendenzen. • Auch soziale Integration und gesellschaftliche Teilhabe beeinflussen Abwanderungsneigungen maßgeblich. Familiäre Bindungen, soziale Kontakte zu Deutschen, eine starke emotionale Verbundenheit mit Deutschland sowie ein subjektives Willkommensgefühl wirken stabilisierend. Diskriminierungserfahrungen – insbesondere im Kontakt mit Behörden oder am Arbeitsplatz – erhöhen dagegen die Abwanderungsneigung deutlich. • Bislang hat nur etwa ein Fünftel der Auswanderungswilligen konkrete Schritte unternommen. Gleichzeitig wünscht sich rund ein Fünftel dieser Gruppe eine langfristige Rückkehr nach Deutschland, während ein Drittel eine Rückkehr ausschließt und etwa die Hälfte unentschlossen ist. Somit ergibt sich ein Rückkehrpotenzial von etwa zwei Dritteln der Auswanderungswilligen. • Insgesamt verdeutlichen die Ergebnisse, dass Abwanderungsabsichten nicht zufällig entstehen, sondern das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels individueller Merkmale, sozialer Integration, wirtschaftlicher Verankerung und wahrgenommener gesellschaftlicher Akzeptanz sind. • Für eine zukunftsfähige Migrationspolitik reicht es nicht aus, den Zuzug zu fördern – ebenso entscheidend ist es, dauerhaft Bleibeperspektiven zu schaffen. Die Befunde aus der Befragung liefern hierfür wichtige Anhaltspunkte und unterstreichen die Dringlichkeit, strukturelle Hürden abzubauen, Migrationsund Verwaltungsprozesse zu beschleunigen und zu vereinfachen, soziale Integration zu stärken und gesellschaftliche Offenheit aktiv zu fördern.
IAB-Forschungsbericht 15|2025 5 Inhalt In aller Kürze ............................................................................................................................ 3 Inhalt ........................................................................................................................................ 5 Zusammenfassung ................................................................................................................... 7 Summary .................................................................................................................................. 9 Danksagung ............................................................................................................................ 12 1 Einleitung ......................................................................................................................... 13 2 Die IMPa-Befragung .......................................................................................................... 16 2.1 Design der Befragung ......................................................................................................... 16 2.2 Grundgesamtheit und Stichprobenbasis .......................................................................... 17 2.3 Methoden und Feldverlauf ................................................................................................ 18 2.3.1 Einladungsschreiben, Modus und Incentivierung .................................................. 18 2.3.2 Ausschöpfung .......................................................................................................... 19 2.3.3 Record Linkage und Panelbereitschaft .................................................................. 21 2.4 Inhalte der Befragung ........................................................................................................ 22 2.5 Datenqualität ..................................................................................................................... 23 2.5.1 Qualitätssicherung während der Feldzeit .............................................................. 23 2.5.2 Paradaten ................................................................................................................ 23 2.5.3 Item-Nonresponse .................................................................................................. 24 2.6 Gewichtung ........................................................................................................................ 24 2.6.1 Designgewichte ....................................................................................................... 24 2.6.2 Kalibrierung ............................................................................................................. 25 2.6.3 Randverteilungen vor und nach der Gewichtung .................................................. 25 2.7 Soziodemografische Merkmale auf Basis der Befragungsdaten ...................................... 26 3 Wanderungsabsichten, Zielländer und Auswanderungsgründe ........................................ 28 3.1 Umfrageitems zu Migrationsbestrebungen ...................................................................... 28 3.2 Entwicklung der allgemeinen Bleibeabsichten seit dem Zuzug ...................................... 29 3.3 Kurzfristige Auswanderungsüberlegungen und -Pläne .................................................... 31 3.4 Rückkehr und Weiterwanderung: Zielländer und Migrationsmotive ............................... 32 3.5 Unterschiede in Gründen der Zuund Auswanderungsabsichten nach Auswanderungsform .......................................................................................................... 33 3.6 Vorbereitungen für die Abwanderung ............................................................................... 38 3.7 Rückkehrpläne nach Deutschland .................................................................................... 40 4 Wanderungsabsichten nach soziodemographischen Merkmalen ...................................... 41
IAB-Forschungsbericht 15|2025 6 4.1 Geschlecht, Alter und Bildung ........................................................................................... 41 4.2 Aufenthaltsdauer, Herkunftsland und Zuzugsgrund ........................................................ 43 5 Rolle von Arbeitsmarktfaktoren für Wanderungsabsichten ............................................... 48 5.1 Anerkennung ausländischer Abschlüsse ........................................................................... 48 5.2 Erwerbsgruppen und Verdienste ....................................................................................... 50 5.3 Branchen ............................................................................................................................ 53 5.4 Arbeitszufriedenheit .......................................................................................................... 54 6 Soziokulturelle Verankerung und Wanderungsabsichten .................................................. 55 6.1 Familie und soziale Kontakte ............................................................................................ 56 6.2 Sprachkenntnisse .............................................................................................................. 59 6.3 Willkommensgefühl und Diskriminierungserfahrungen .................................................. 60 6.4 Verbundenheit mit Herkunftsland und Deutschland ....................................................... 63 7 Multivariate Analysen der Auswanderungsabsichten ........................................................ 64 7.1 Soziodemografische Merkmale ......................................................................................... 64 7.2 Arbeitsmarktkontext und ökonomische Verankerung ..................................................... 66 7.3 Soziokulturelle Verankerung ............................................................................................. 68 8 Fazit und Handlungsempfehlungen .................................................................................. 71 Literatur ................................................................................................................................. 77 Anhang A1 .............................................................................................................................. 83 Anhang A2 .............................................................................................................................. 87 Abbildungsverzeichnis ............................................................................................................ 94 Tabellenverzeichnis ................................................................................................................ 94
7 Zusammenfassung Temporäre Migration von Menschen, die nach Deutschland eingewandert sind, ist ein häufig wahrgenommenes Phänomen, Tendenz steigend. Zwischen 2014 und 2023 lag die durchschnittliche jährliche Fortzugsrate ausländischer Personen je nach Datenquelle bei 6 bis 11 Prozent. Gleichzeitig ist Deutschland zur Stabilisierung seines Arbeitskräftepotenzials auf eine jährliche Nettozuwanderung von rund 400.000 Personen angewiesen. Eine hohe Mobilitätsneigung unter Eingewanderten kann das Erreichen dieses Ziels gefährden – mit weitreichenden negativen Konsequenzen für Fachkräftesicherung, Integration und die langfristige Tragfähigkeit des Sozialstaats. Um belastbare Erkenntnisse zu Ursachen, Mustern und Auswirkungen von Mobilität zu gewinnen, wurde mit dem International Mobility Panel of Migrants in Germany (IMPa) eine neue längsschnittliche Online-Befragung etabliert. Dabei sollen alle zwei Jahre neue Erstbefragungen stattfinden, ergänzt durch eine jährliche Wiederholungsbefragung über einen Zeitraum von insgesamt vier Jahren. In der ersten Welle (Dezember 2024 bis April 2025) haben rund 50.000 Migranten und Migrantinnen teilgenommen, die erste Wiederholungsbefragung startet in der zweiten Jahreshälfte 2025. Mithilfe statistischer Hochrechnungsverfahren lassen sich repräsentative Aussagen über Personen in Deutschland treffen, die bis zum 2. April 2024 nach Deutschland eingewandert sind, in den Daten der BA erfasst wurden (durch Beschäftigung, Leistungsbezug oder Maßnahmenteilnahme) und im erwerbsfähigen Alter (18 bis 65 Jahre) sind. Zentrale Ergebnisse der ersten Welle zeigen: Eine knappe Mehrheit der Eingewanderten (57 Prozent, rund 5,7 Millionen Personen) plant, dauerhaft in Deutschland zu bleiben. Rund 1,2 Millionen (12 Prozent) streben dagegen nur einen vorübergehenden Aufenthalt an („temporäre Bleibeabsichten“), etwa 3 Millionen (30 Prozent) sind unentschlossen. 2,6 Millionen Personen (26 Prozent) gaben an, im vergangenen Jahr über eine Ausreise nachgedacht zu haben; rund 300.000 (3 Prozent) hegen bereits konkrete Abwanderungspläne – jeweils etwa zur Hälfte in Richtung Herkunftsland oder in ein Drittland. Angesichts des wachsenden strukturellen Fachkräftebedarfs wird also nicht nur der Zuzug, sondern auch die dauerhafte Bindung Zugewanderter wird zur zentralen Herausforderung. Die Befunde zeigen, dass sich die konkreten Wanderungsabsichten stark von Gruppe zu Gruppe unterscheiden. Rückkehrwillige steuern vor allem europäische Länder wie Polen oder Rumänien an, während Weiterwandernde insbesondere die Schweiz, die USA oder Spanien bevorzugen. Die Motive variieren ebenfalls: Bei der Rückkehr ins Herkunftsland spielen vor allem familiäre Gründe eine Rolle, während verbesserte ökonomische Chancen ein zentrales Motiv für die Weiterwanderung sind. Als Hauptgründe für Auswanderungsüberlegungen werden politische Unzufriedenheit, persönliche Vorlieben sowie hohe steuerliche Belastungen und Bürokratie in Deutschland genannt. Diese Motive zeigen sich sowohl bei Arbeitsmigrantinnen und -migranten als auch bei Bildungsund Familieneinwandernden; Geflüchtete nennen zusätzlich Diskriminierungserfahrungen als wichtigen Grund. Insgesamt deutet vieles darauf hin, dass staatliche Maßnahmen wie Bürokratieabbau, Verfahrensvereinfachungen oder Steuererleichterungen die Abwanderungsneigung verringern könnten.
IAB-Forschungsbericht 15|2025 8 Hinsichtlich der soziodemografischen und migrationsspezifischen Faktoren zeigen die Umfrageergebnisse, dass diese eine zentrale Rolle für die Abwanderungsabsichten spielen. Männer äußern häufiger temporäre Bleibeabsichten, Auswanderungsüberlegungen und konkrete Auswanderungspläne als Frauen. Herkunftsregion und Zuzugsgrund beeinflussen die Abwanderungsneigung ebenfalls erheblich: Geflüchtete und Personen, die im Rahmen des Familiennachzugs kamen, zeigen deutlich geringere Abwanderungstendenzen, während Migrantinnen und Migranten aus EU-Staaten sowie aus arbeitsund bildungsbezogenen Migrationskontexten eine höhere Mobilität aufweisen. Zudem ist die Abwanderungsneigung unter Personen mit unbefristetem Aufenthaltsstatus oder EU-/deutscher Staatsangehörigkeit größer – vermutlich aufgrund erweiterter Mobilitätsoptionen. Zudem haben Arbeitsmarktfaktoren und ökonomische Verankerung einen wichtigen, aber differenzierten Einfluss auf die Abwanderungsabsichten von Eingewanderten. Bildung ist ein zentraler Prädiktor: Höherqualifizierte äußern deutlich häufiger Auswanderungsüberlegungen und konkrete Auswanderungspläne als Personen mit niedrigerem Bildungsniveau. Auch Personen mit in Deutschland oder in Drittstaaten erworbenen Abschlüssen sowie in Deutschland anerkannten ausländischen Qualifikationen überlegen häufiger, ins Ausland zu gehen – vermutlich aufgrund der höheren internationalen Übertragbarkeit ihrer Qualifikationen. Erwerbstätige wollen nach eigenen Angaben häufiger nur vorübergehend in Deutschland bleiben als Nichterwerbstätige oder Auszubildende. Jene Branchen, in denen das Abwanderungsrisiko unter Eingewanderten besonders hoch ist – wie IT und technische Dienstleistungen – zählen zugleich zu den Sektoren mit erheblichem Fachkräftemangel. Zudem fällt auf, dass in anderen besonders engpassgefährdeten Bereichen – etwa im Gesundheitswesen, der Bauwirtschaft, der öffentlichen Verwaltung oder im Einzelhandel – zwar keine überdurchschnittlich hohen, aber dennoch relevante Auswanderungstendenzen bestehen. Auch höhere Verdienste sind mit stärkeren Auswanderungsüberlegungen und -plänen verbunden, was darauf hinweist, dass besonders die gut in den Arbeitsmarkt Integrierten, Deutschland wieder verlassen wollen. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Arbeitszufriedenheit: Je unzufriedener die Beschäftigten mit ihrer Tätigkeit sind, eher neigen sie dazu, Deutschland den Rücken zu kehren. Arbeitszufriedenheit erweist sich damit als wichtiger Stabilitätsfaktor. Auch Sprachkenntnisse machen einen Unterschied: Während deskriptive Befunde darauf hindeuten, dass Personen mit schlechten Deutschkenntnissen eher seltener die Absicht haben, dauerhaft in Deutschland zu bleiben, zeigen multivariate Analysen, dass gerade gute Deutschkenntnisse mit einer erhöhten Mobilitätsneigung verbunden sind. Auch gute Englischkenntnisse erhöhen tendenziell die Abwanderungsneigung, was auf bessere internationale Arbeitsmarktoptionen hindeuten könnte. Auch soziale Integration und gesellschaftliche Teilhabe haben einen entscheidenden Einfluss auf die Abwanderungsabsichten von Eingewanderten. Familiäre Bindungen in Deutschland sowie soziale Kontakte zu Deutschen wirken stabilisierend. Auch eine starke emotionale Verbundenheit mit Deutschland festigt den Wunsch, sich dauerhaft hierzulande niederzulassen, während eine enge Bindung an das Herkunftsland die Abwanderungsneigung erhöht. Auch ein starkes subjektives Willkommensgefühl und geringe Diskriminierungswahrnehmungen senken deutlich die Wahrscheinlichkeit von Auswanderungsüberlegungen und -plänen. Umgekehrt verstärkt die Wahrnehmung von Diskriminierung – insbesondere im Kontakt mit Behörden, Polizei und am
IAB-Forschungsbericht 15|2025 15 Wie Bekaert et al. (2024) betonen, fokussierten sich frühere Studien vornehmlich auf die Theoretisierung von Rückkehrmigration (vgl. Cassarino 2004; Constant und Massey 2002; Dustmann und Görlach 2016; Dustmann und Weiss 2007). Die empirische Evidenz bleibt bislang uneinheitlich – insbesondere zur Weiterwanderung, die bisher nur wenig erforscht wurde. Eine zentrale Herausforderung der empirischen Migrationsforschung liegt im Mangel an geeigneten Längsschnittdaten, die die Nachverfolgung von Migrantinnen und Migranten über Ländergrenzen hinweg ermöglichen (Constant 2020, 2021; Dustmann und Görlach 2016). Auch die wenigen vorhandenen Studien in Deutschland wie die German Emigration and Re-migration Panel Study (GERPS) (Ette et al., 2019) beschränken sich überwiegend auf deutsche Staatsangehörige oder auf bereits wieder ausgewanderte Migrantinnen und Migranten, jedoch auf Basis nichtrepräsentativer Stichproben (Boockmann et al., 2022; Loschert et al., 2025).1 Belastbare Daten zur Abwanderung von Geflüchteten und anderen Migrantengruppen fehlen weitgehend insbesondere im Längsschnitt. IMPa setzt genau hier an: Die Befragung ermöglicht es, Personen auch nach einer möglichen Weiteroder Rückwanderung hinaus zu befragen. Die Befragung erhebt dabei gezielt Informationen zu Niederlassungsund Migrationsabsichten. Da sich die erste Welle der IMPaBefragung auf aktuell in Deutschland lebende Personen konzentriert, liegen derzeit noch keine tatsächlichen Daten zu Rückkehroder Weiterwanderung vor. Dennoch ermöglichen die erhobenen Daten zu Migrationsabsichten eine Annäherung an zukünftiges Verhalten. Selbstverständlich werden Absichten nicht immer realisiert, etwa aufgrund fehlender Ressourcen oder unvorhergesehener Hürden (vgl. Carling und Schewel 2018). Zahlreiche Studien belegen jedoch konsistent, dass Migrationsabsichten ein signifikanter Prädiktor für spätere Auswanderung sind (Bekaert et al. 2024; De Haas and Fokkema 2011; Sallam 2024; Tjaden et al. 2019; Van Dalen und Henkens 2013; Wanner 2021). Ergänzend zu allgemeinen Auswanderungsabsichten erfasst die erste Erhebungswelle auch Migrationsüberlegungen, konkrete Migrationspläne und -vorbereitungen, angestrebte Zielländer, Gründe für die Abwanderung bzw. die Wahl des Zielortes sowie Rückkehrabsichten nach Deutschland. Diese Informationen liefern eine wichtige Grundlage, um zukünftige Mobilitätsentscheidungen systematisch zu analysieren und besser zu verstehen. Neben ihrer Bedeutung für die Prognose individueller Migrationsverläufe ist die Frage, wie lange Migrantinnen und Migranten in Deutschland bleiben möchten, auch aus gesellschaftsund migrationspolitischer Perspektive zentral. Sie beeinflusst unter anderem die Planung von Wohnraum und Bildungsangeboten sowie die Ausgestaltung integrationspolitischer Maßnahmen. Erkenntnisse über Migrationsbestrebungen können zudem helfen, arbeitsmarktbezogene Risiken frühzeitig zu erkennen und sozialpolitische Prioritäten gezielter zu steuern (Mjelva und Carling 2023). Der vorliegende Bericht liefert erstmals empirisch fundierte Einblicke in zentrale Fragen der Abwanderungsdynamik in Deutschland auf Basis der IMPa-Daten: Wer plant, wer erwägt 1 Dustmann und Görlach (2016) geben einen Überblick über die verfügbaren Datensätze zur Analyse temporärer Migration. Zusätzlich bieten Mjelva und Carling (2023) eine umfassende Übersicht über verwendete Befragungen zur Analyse von Migrationsbestrebungen und -plänen. Die am häufigsten verwendeten Datensätze sind Umfragen in den Herkunftsländern (vgl. Gallup, Labor Force Survey, Mexican Migration Project); in den Zielländern (vgl. German Socio-Economic Panel, Swiss Migration-Mobility Survey), administrativen Daten (vor allem aus den skandinavischen Ländern: Finnland, Schweden, Norwegen) und verknüpfte Umfragemit administrativen Daten (hauptsächlich auch für diese Länder, aber meist nur im Querschnitt).
IAB-Forschungsbericht 15|2025 16 auszuwandern – wohin und aus welchen Gründen? Er gliedert sich in acht Kapitel, die unterschiedliche Facetten der Lebenssituation und der Abwanderungsabsichten von Zugewanderten in Deutschland untersuchen – differenziert nach Herkunftsregionen, soziodemografischen Merkmalen sowie Integrationsverläufen. Vor dem Hintergrund des Arbeitsmarktfokus werden für die inhaltliche Analysen nur Personen im Alter von 18 bis 65 Jahren berücksichtigt. Kapitel 2 erläutert die Methodik der IMPa-Erhebung, Stichprobenziehung, Gewichtungsverfahren und Befragungsinhalte. Kapitel 3 analysiert das Auswanderungspotenzial anhand der Veränderung von Bleibeabsichten beim Zuzug und dem Zuzugszeitpunkt der IMPa Befragung, den Auswanderungsüberlegungen in den letzten zwölf Monaten sowie den konkreten Plänen für die kommenden zwölf Monate. Zudem werden angestrebte Zielländer, Gründe für die Auswanderung und Rückkehrabsichten nach Deutschland beleuchtet. Kapitel 4–6 analysieren Migrationsabsichten in Zusammenhang mit soziodemografischen Merkmalen, Arbeitsmarktintegration (z. B. Berufsabschlüsse, Erwerbstatus, ökonomische Verankerung) sowie soziokulturellen Aspekten (Sprachkenntnisse, Wahrnehmung von Diskriminierung, soziale Bindungen). Kapitel 7 stellt Regressionsanalysen vor, die zentrale Einflussfaktoren auf Abwanderungsabsichten identifizieren. Kapitel 8 schließt mit einer Zusammenfassung der Befunde und formuliert evidenzbasierte Empfehlungen für Politik und Praxis. 2 Die IMPa-Befragung Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die IMPa-Befragung, insbesondere über (1) das Design der Befragung, (2) die Grundgesamtheit und Stichprobenbasis, (3) Methoden und Feldverlauf, (4) Inhalte der Befragung, (5) die Datenqualität, (6) die Gewichtung sowie (7) einen Überblick über die soziodemografischen Merkmale der Befragten. 2.1 Design der Befragung Das zentrale Ziel der Befragung ist die Struktur und Selektivität von Rückund Weiterwanderinnen und -wanderern sowie deren Auswirkungen auf die Arbeitsmarktintegration und das Arbeitskräftepotenzial in Deutschland zu analysieren. Hierfür wird eine längsschnittlich Online-Befragung von Eingewanderten durchgeführt. Das Design basiert auf einer MultiKohorten-Panelbefragung, bei der mehrere Kohorten von Eingewanderten über einen längeren Zeitraum hinweg (bis zu fünf Jahren) wiederbefragt werden. In der ersten Erhebungswelle werden Informationen zur Migrationsbiographie, Niederlassungsund Auswanderungsabsichten, konkrete Migrationspläne und -vorbereitungen, angestrebte Zielländer, Gründe für die Abwanderung bzw. die Wahl des Zielortes sowie Rückkehrabsichten nach Deutschland erhoben. Die zweite Welle fokussiert sich auf tatsächliche Wanderungsbewegungen sowie zukünftige Wanderungsabsichten. Insgesamt sind bis zu vier Wiederbefragungen geplant. Abbildung 2-1 zeigt den geplanten Verlauf der Befragung über die Kohorten hinweg.
IAB-Forschungsbericht 15|2025 17 Abbildung 2-1: Multi-Kohorten-Paneldesign der IMPa-Befragung Quelle: Eigene Darstellung. Eine Besonderheit der Studie ist die Verknüpfung der Befragungsdaten mit administrativen IEBDaten2, die ebenfalls im Rahmen der Befragung abgefragt wird. Diese Verknüpfung ermöglicht eine dynamische und lebenslaufbezogene Perspektive (über die Zeit) von Rückund Weiterwanderungsabsichten. 2.2 Grundgesamtheit und Stichprobenbasis Die Grundgesamtheit der Befragung bilden alle Personen im Alter von 18 bis 65 Jahren, die in den Daten der Integrierten Erwerbsbiographien (IEB) jemals mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit gemeldet waren und für die am Stichtag der Stichprobenziehung (30.04.2024) mindestens eine aktuelle Meldung vorlag. Durch die Einschränkung, dass die Personen „jemals mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit gemeldet waren“ umfasst die Stichprobe auch Personen, die inzwischen die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, z. B. aufgrund von Einbürgerung. Da die Meldungen der IEB auf verschiedenen Datenquellen beruhen, z. B. Beschäftigungsinformationen von Betrieben, sowie Informationen der BA bei Arbeitslosigkeit oder Maßnahmen, kommt es gelegentlich vor, dass Staatsangehörigkeiten nicht korrekt angegeben werden. Es konnte also vorkommen, dass Personen ohne Migrationshintergrund, bei denen die Staatsangehörigkeit einmal falsch angegeben wurde, in der Stichprobe enthalten sind. Diese wurden aber später bei der Befragung herausgefiltert. Aufgrund der verzögerten Aufbereitung wurde die aktuelle Version der IEB (31.12.2023) um einen Querschnitt aktueller Meldungen zum 30. April 2024 mit begrenzter Anzahl an Variablen (Geschlecht, Geburtsdatum, Meldungsursprung, Wohnort und Staatsangehörigkeit) ergänzt. 2 Die Integrierten Arbeitsmarktbiografien (IEB) ermöglichen eine tagesgenaue Nachzeichnung individueller Erwerbsverläufe. Sie umfassen alle Personen, die im Beobachtungszeitraum mindestens einmal einen der folgenden Erwerbsstatus aufweisen: Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung (erfasst ab 1975), geringfügige Beschäftigung (erfasst ab 1999), Bezug von Leistungen nach dem Rechtskreis SGB III (erfasst ab 1975) oder SGB II (erfasst ab 2005), bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) als arbeitsuchend gemeldet (erfasst ab 2000) oder (geplante) Teilnahme an arbeitsmarktpolitischer Maßnahme (erfasst ab 2000). Diese Informationen stammen aus verschiedenen administrativen Datenquellen und werden in den IEB zusammengeführt (vgl. Graf et al., 2025).
IAB-Forschungsbericht 15|2025 18 Hintergrund ist, dass ein Großteil der Abwanderungen in den ersten Monaten und Jahren nach der Einreise stattfindet, so dass ein zu großer zeitlicher Abstand zwischen dem Stichtagsdatum der Stichprobe und der Kontaktierung der Befragten dazu führen könnte, dass viele Personen zum Zeitpunkt der Kontaktierung Deutschland bereits wieder verlassen haben. Da gerade diese Gruppe von besonderem Interesse ist, wurde auf den aktuelleren Querschnittsdatensatz zurückgegriffen. Bei der Interpretation der Ergebnisse ist zu berücksichtigen, dass aufgrund der Stichprobenbasis Beamte, Selbständige, Studierende und die sogenannte stille Reserve – solange für sie keine parallele Meldung in der BA vorliegt – nicht Teil der Grundgesamtheit sind. Wie in Kapitel 1 beschrieben, wird die Abwanderungsrate auf maximal sechs Prozent der ausländischen Bevölkerung geschätzt. Hauptziel der Befragung ist es, möglichst viele Personen, die Deutschland zukünftig wieder verlassen haben werden, für die zweite Befragungswelle zu gewinnen. Diese Gruppe ist jedoch aufgrund ihrer höheren Mobilität (Schündeln 2014) generell schwer zu erreichen und nach der Ausreise vermutlich schwieriger zu kontaktieren. Daher wurden Personen mit höherer Abwanderungswahrscheinlichkeit überproportional in der Stichprobe berücksichtigt. Dafür wurde die Population in 47 Gruppen eingeteilt, die auf fünf Aufenthaltsdauergruppen (weniger als 1 Jahr, 1 bis unter 2 Jahre, 2 bis unter 5 Jahre, 5 bis unter 10 Jahre, mehr als 10 Jahre) und zehn Herkunftsländergruppen (EU-Ost, Türkei, Asylherkunftsländer3, EU/Schengen, Asien, Afrika, Englisch, Osteuropa, Lateinamerika, Ukraine4) basieren. Die genaue Aufenthaltsdauer der Befragten liegt in den IEB nicht vor und wurde über die Dauer seit der ersten IEB-Meldung approximiert. Für diese Gruppen wurden auf Basis des Ausländerzentralregisters (AZR) des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) Fortzugsraten berechnet. Für die Bruttostichprobe wurde für jede Gruppe eine minimale Gruppengröße (N = 6.250) festgelegt, um ausreichende Fallzahlen für die Nettostichprobe zu erhalten5. Die übrige Bruttostichprobe wurde proportional zu den AZR-basierten Fortzugsraten verteilt. Insgesamt besteht die Bruttostichprobe aus 700.000 Personen. Die Zusammensetzung der Stichprobe wird in den Abschnitten 2.5 und 2.6 detailliert besprochen. 2.3 Methoden und Feldverlauf 2.3.1 Einladungsschreiben, Modus und Incentivierung Die Rekrutierung der 700.000 Zielpersonen für die Befragung erfolgte durch eine postalische Einladung. Das Einladungsschreiben enthielt eine einseitige deutsche Version des Anschreibens, eine einseitige englische Version des Anschreibens, eine Seite mit zehn kurzen Absätzen, die jeweils in weiteren Sprachen zur Teilnahme einladen (Rumänisch, Polnisch, Bulgarisch, Ungarisch, Russisch, Arabisch, Spanisch, Französisch, Portugiesisch, Tschechisch) und ein 3 Zu dieser Gruppe werden folgende Länder gezählt: Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran Islamische Republik, Nigeria, Pakistan, Somalia, Syrien. 4 Für die Ukraine wurden nur für die Aufenthaltsdauer-Kategorien „weniger als 1 Jahr“ und „1 bis unter 2 Jahre“ separate Kategorien erstellt. Für die übrigen Kategorien wurden ukrainische Staatsangehörige der Ländergruppe „Osteuropa“ hinzugefügt, da die Gruppengröße ukrainischer Einwanderungskohorten vor 2022 zu klein war. 5 Für die beiden Ukraine-Gruppen wurde die Bruttostichprobe aufgrund ihrer aktuellen Bedeutung jeweils auf 31.250 festgelegt. Gleichzeitig wurden für diese Gruppen Fortzugsraten auf Basis der AZR-Daten vor dem Ukraine-Krieg verwendet.
IAB-Forschungsbericht 15|2025 19 Datenschutzblatt (siehe Anhang A1). Das Anschreiben enthält einen Link zur BefragungsHomepage sowie ein personalisiertes Passwort (bestehend aus 6 bis 10 Großbuchstaben), welches die Teilnehmenden zu Beginn eingeben müssen. Des Weiteren wurde im Anschreiben die Incentivierung in Form eines Gutscheins im Wert von 5 Euro angekündigt. Die Homepage der Befragung enthält ergänzende Informationen zum Datenschutz sowie häufig gestellte Fragen und ist in verschiedenen Sprachen verfügbar. Der Versand der Anschreiben wurde am 2. Dezember 2024 initiiert und erfolgte in täglichen Etappen von jeweils 100.000 Briefen. Schätzungsweise 10 Prozent der Briefe konnten nicht zugestellt werden. Analysen anhand der Daten des Pretests6 ergaben, dass sich die Gruppe von Personen, deren Briefe nicht zustellbar waren, nur marginal von anderen Nicht-Teilnehmenden unterscheidet, sodass auf eine gesonderte Berücksichtigung von nicht-erreichbaren Befragten im weiteren Verlauf (zum Beispiel für die Gewichtung) verzichtet wurde. Die Teilnahme an der Befragung erfolgte lediglich online. Eine Zusendung eines Papierfragebogens an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wäre eine mögliche Alternative gewesen, da jedoch das Hauptziel des Projekts in der Befragung von Personen liegt, die Deutschland zwischen der ersten und zweiten Welle verlassen und in der zweiten Welle bei Fortzug nicht mehr erreichbar wären, wurde auf diesen Modus verzichtet. Den Teilnehmenden wurde für ihre Mitwirkung ein Gutschein im Wert von 5 Euro als Anreiz gewährt. Für eine Subgruppe der Befragten erhöhte sich dieser Betrag im Rahmen eines Experiments zur Panelbereitschaft auf 10 Euro. Nach Abschluss der Befragung wurden die Befragten auf das Gutscheinportal weitergeleitet, um den Gutschein einzulösen. Dort bestand die Möglichkeit, unter verschiedenen Anbietern (darunter Supermärkte, Baumärkte und Möbelhersteller) auszuwählen. 2.3.2 Ausschöpfung Abbildung 2-2 zeigt den Feldverlauf der Befragung. 70 Prozent aller vollständigen Interviews (29.103 Beobachtungen) wurden in den ersten beiden Wochen erhoben. Bis Ende 2024 wurden 84 Prozent aller vollständigen Interviews (34.778 Beobachtungen) erhoben. Insgesamt konnten die eingeladenen Personen bis zum 15. April 2024 teilnehmen. 6 Für den Pretest wurden Ende Juni 2024 10.000 Personen postalisch kontaktiert und zur Teilnahme eingeladen. Für die Teilnahme wurden keine Incentives vergeben. Mit diesem Vorgehen sollten mögliche Probleme im Ablauf und Fragebogen identifiziert werden, um diese in der tatsächlichen Befragung zu vermeiden.
IAB-Forschungsbericht 15|2025 20 Abbildung 2-2: Kumulative Befragungsteilnahme im Feldverlauf Anmerkung: Screenout bezieht sich auf die ausgeschlossenen Teilnehmenden, die nicht zu der Grundgesamtheit der Befragung gehören, da sie in Deutschland geboren wurden. Quelle: International Mobility Panel of Migrants in Germany (IMPa), Welle 1, ungewichtet. Die Auswertung der finalen Ausschöpfung ist in Tabelle 2-1 dargestellt. Insgesamt haben 51.770 Personen (7,4 Prozent der Bruttostichprobe) die Befragung begonnen. Jedoch haben 13,3 Prozent von ihnen den Fragebogen nicht beendet. Der Fragebogen wurde als beendet klassifiziert, sobald die Befragten die Frage nach ihrer Panelbereitschaft am Ende des Fragebogens beantwortet hatten. Ferner wurden 6,2 Prozent der Teilnehmenden ausgeschlossen, da sie in Deutschland geboren wurden („Screenout“ in Abbildung 2-3). Für Personen, die angaben, dass sie in Deutschland geboren wurden, sind die Personen entweder vor 2000 geboren, sodass eine Geburt in Deutschland nicht automatisch zur deutschen Staatsbürgerschaft führte, sie haben eine doppelte Staatsbürgerschaft und sind Migranten zweiter oder dritter Generation, oder es liegt in den Meldungen der IEB möglicherweise eine fehlerhafte Meldung der ausländischen Staatsbürgerschaft vor. Daher erhielten sie einen alternativen Fragebogen. Zudem wurde auch für diese Personen die Bereitschaft zur Verknüpfung der Befragungsdaten mit den IEB erfragt, sodass für Personen, die ihr Einverständnis gegeben haben (2.681 Beobachtungen; 83,1 Prozent), eine detaillierte Untersuchung der Fehlerquelle möglich ist. Diese Befragtengruppe wird im weiteren Verlauf des Berichts jedoch nicht mehr behandelt.
IAB-Forschungsbericht 15|2025 21 Tabelle 2-1: Ausschöpfung Leere Zelle N Prozent Bruttostichprobe 700.000 100,0 Begonnene Interviews 51.770 7,4 darunter: Vollständig 41.637 80,4 Abbrüche 6.908 13,3 Screenouts 3.225 6,2 Teilnahmequote (Anteil vollständiger Interviews) 41.637 5,9 Quelle: International Mobility Panel of Migrants in Germany (IMPa), Welle 1, ungewichtete Werte. Insgesamt beträgt die Teilnahmequote 5,9 Prozent und ist vergleichbar mit ähnlichen IABBefragungen (unter Berücksichtigung der schwierigen Zielpopulation und des Verzichts auf ein Erinnerungsschreiben) (u. a. Coban et al. 2024, Haas et al. 2021, Osiander et al. 2020). Der Fragebogen konnte in 19 verschiedenen Sprachen beantwortet werden (Deutsch, Englisch, Russisch, Spanisch, Türkisch, Ukrainisch, Arabisch, Polnisch, Italienisch, Rumänisch, Französisch, Portugiesisch, Kroatisch, Ungarisch, Griechisch, Serbisch, Bulgarisch, Dari, Tschechisch). Die Fragebögen wurden von professionellen Dienstleistungsfirmen übersetzt und von Muttersprachlerinnen und Muttersprachlern geprüft. Ein Großteil der Teilnehmenden hat den Fragebogen in Deutsch (32,7 Prozent) oder Englisch (31,6 Prozent) beantwortet. Weitere 7,7 Prozent haben den Fragebogen in Russisch beantwortet, für Spanisch lag der Anteil bei 5,3 Prozent. Für die übrigen Sprachen lag der Anteil jeweils bei unter 4 Prozent. Bezüglich des genutzten Endgeräts zeigt sich, dass 73,9 Prozent mit dem Smartphone an der Befragung teilgenommen haben. 25,7 Prozent haben einen Computer verwendet. Nur 0,3 Prozent nutzten ein Tablet. 2.3.3 Record Linkage und Panelbereitschaft Der Fokus des Projekts liegt auf der Kontaktierung von Befragten, die zwischen der ersten und zweiten Befragungswelle Deutschland verlassen haben. Folglich ist die Zustimmung zu einer erneuten Kontaktierung zentral. Den Befragten wurde am Ende der Befragung die Möglichkeit gegeben, ihr Einverständnis für eine erneute Kontaktaufnahme zu erteilen. Dabei konnten die Befragten angeben, dass sie nur per E-Mail, nur per SMS, per E-Mail oder SMS oder nicht erneut kontaktiert werden möchten. Personen, die einer Kontaktaufnahme zustimmten, wurden im Anschluss gebeten, entsprechende Kontaktdaten zu hinterlegen. Befragte, die eine erneute Kontaktaufnahme zunächst ablehnten, wurden einmal gebeten ihre Entscheidung zu überdenken. Insgesamt haben 89,4 Prozent ihr Einverständnis gegeben (vgl. Tabelle 2-2). Diese hohe Zustimmungsquote ermöglicht, dass ein Großteil der Befragten erneut kontaktiert werden kann. Das wiederum erhöht die potentielle Anzahl an Interviews mit weggezogenen Personen. Bezüglich des Modus der Rekontaktierung gaben 81,1 Prozent an, dass sie ausschließlich per EMail kontaktiert werden möchten. 3,5 Prozent möchten nur per SMS kontaktiert werden. 15,4 Prozent möchten per E-Mail oder SMS kontaktiert werden. Dieser Anteil ist im Vergleich mit ähnlichen Befragungen relativ hoch (siehe Coban et al. 2024, für OPAL; Dollmann et al., 2023, für
IAB-Forschungsbericht 15|2025 22 dezim.panel), wobei die generell höhere Teilnahmebereitschaft an diesen Befragungen berücksichtigt werden muss. Tabelle 2-2: Record Linkage und Panelbereitschaft Leere Zelle N Prozent Panelbereitschaft 37.217 89,4 Zustimmung zur Verknüpfung 38.291 92,0 Panelbereitschaft, aber keine Zustimmung zur Verknüpfung 2.329 5,6 Quelle: International Mobility Panel of Migrants in Germany (IMPa), Welle 1, ungewichtete Werte. Für Untersuchungen zu Fortzügen ist außerdem eine Verknüpfung der Befragungsdaten mit den am IAB vorliegenden administrativen Daten besonders informativ. Im Rahmen der Studie wurden die Befragten zu Beginn des Fragebogens um ihr Einverständnis zur Verknüpfung der erhobenen Daten mit den am IAB vorliegenden Prozessdaten gebeten. Befragte, die dieser Bitte nicht zustimmten, wurden am Ende des Fragebogens noch einmal um ihre Zustimmung gebeten. Insgesamt gaben 92,0 Prozent der Befragten hierfür ihre Zustimmung, 8,0 Prozent verweigerten ihre Zustimmung (vgl. Tabelle 2-2). 5,6 Prozent der Befragten gaben keine Zustimmung, erklärten sich aber bereit, an weiteren Befragungen teilzunehmen. In den Folgewellen werden diese Befragten – sofern sie teilnehmen – erneut um ihre Zustimmung gebeten. 2.4 Inhalte der Befragung Bei der Konzeption des Fragebogens wurde der Fokus auf die Erhebung zentraler Variablen bezüglich der Fortzugsentscheidung gelegt. Die Module wurden in folgender Reihenfolge abgefragt: 1. Staatsangehörigkeit, Herkunft und Ankunft in Deutschland 2. Migrationsbiografie 3. Wohnsituation 4. Bleibeabsichten 5. Lebenserfahrungen in Deutschland 6. Familie und Partnerschaft 7. Selbsteinschätzung 8. Sprachkenntnisse 9. Bildung und Qualifikation 10. Erwerbstätigkeit 11. Soziale Kontakte 12. Gesundheit 13. Lebenssituation und Präferenzen Die Fragen und Fragebogenmodule orientieren sich in weiten Teilen an bestehenden und getesteten Erhebungen, darunter die IAB-BAMF-SOEP-Befragung von Geflüchteten (Brücker et al., 2017), die IAB-SOEP-Migrationsstichprobe (Brücker et al., 2014), OPAL (Coban et al., 2024), DEZIM.panel (Dollmann et al., 2023), GERPS (Ette et al., 2019), Make it in Germany (Liebig und Senner, 2024), HOPP (Haas et al. 2021) und der Labor Force Survey (Eurostat, 2022). Es erfolgte
IAB-Forschungsbericht 15|2025 23 eine Anpassung an den Web-Modus sowie die Ergänzung mit projektspezifischen Fragen. Der Fragebogen wurde zunächst intern getestet und dann in einem Pretest evaluiert. Im Rahmen dessen wurde insbesondere auf die Begrenzung der Belastung der Befragten geachtet, wobei eine durchschnittliche Befragungsdauer von 20 Minuten vorgesehen war. Die Inhalte der Befragung und das generelle Vorgehen wurden von der Ethikkommission am IAB begutachtet und genehmigt (Begutachtungs-Nr.: 2024_003). 2.5 Datenqualität 2.5.1 Qualitätssicherung während der Feldzeit Zur Sicherung der Qualität der Daten und zum Monitoring des Feldverlaufs wurde ein Dashboard programmiert, das mehrere Qualitätsindikatoren beinhaltet und zum Beispiel eine schnelle Untersuchung von Verteilungen von Variablen ermöglicht. Dadurch hätten beispielsweise Programmierfehler identifiziert und entsprechend angepasst werden können. Bei anderen Qualitätsproblemen (zum Beispiel bei häufigen Abbrüchen an bestimmten Stellen) wäre ein Eingriff durch das Projektteam durch die tägliche Aktualisierung des Dashboards ebenso möglich gewesen. 2.5.2 Paradaten Die Bearbeitungsdauer für den Fragebogen liegt im Median bei knapp unter 22 Minuten. Jedoch variiert sie stark zwischen den Befragten (5. Perzentil: 11,2 Minuten, 95. Perzentil: 60,3 Minuten). Bei der Betrachtung der Gesamtdauer muss für Online-Befragungen jedoch berücksichtigt werden, dass Unterbrechungen während der Beantwortung des Fragebogens zu einer Überschätzung der Gesamtdauer führen können. Zudem hängt die Fragebogenlänge stark von der individuellen Filterführung ab. Abbildung 2-3 zeigt die Mediandauer für jeden Fragebogen-Screen über das Interview hinweg. Wie zu erwarten, variiert die Dauer stark zwischen den einzelnen Screens. Zum Beispiel weisen komplexere Fragen wie die zu Record Linkage und zur Panelbereitschaft deutlich längere Dauern auf als Fragen zu demografischen Merkmalen. Screens, die mehrere Fragen beinhalten, weisen ebenfalls längere Dauern auf. Zudem unterscheiden sich die Screens zum Teil stark in der Variation der gemessenen Dauern. Diese Unterschiede können sich beispielsweise aus Differenzen in der Komplexität der Fragen oder der Zusammensetzung der Befragten ergeben.
IAB-Forschungsbericht 15|2025 24 Abbildung 2-3: Mediandauer nach Fragebogen-Screen Quelle: International Mobility Panel of Migrants in Germany (IMPa), Welle 1, ungewichtete Werte. 2.5.3 Item-Nonresponse Der Anteil von sog. Item-Nonresponse pro Frage, also das Fehlen von Antworten auf einzelnen Fragen, beträgt im Durchschnitt 1,4 Prozent. Der Median – also der mittlere Wert der Verteilung – hingegen ist mit 0,01 Prozent deutlich geringer. Diese Diskrepanz ist auf auf die relativ hohe ItemNonresponse für einzelne Fragen zurückzuführen, die den Durchschnittswert stärker beeinflussen als den Median. Dabei weisen vier Fragen im Vergleich zu den restlichen Fragen deutlich höhere Anteile auf. Hierzu gehören die Fragen zum Arbeitsverdienst: Bruttoverdienst (40,3 Prozent) und Nettoverdienst (38,3 Prozent). Fragen zum Arbeitsverdienst weisen oft hohe Item-Nonresponse-Raten auf, da viele Befragte solche Angaben als sensibel empfinden, ihre Einkünfte nicht genau kennen oder aus Datenschutzgründen keine Auskunft geben möchten. Weitere Fragen mit vergleichsweise hohen Item-Nonresponse-Raten sind Fragen mit offenen Angaben zur beruflichen Tätigkeit zum Zeitpunkt der Befragung (30,4 Prozent) und vor Zuzug (26,1 Prozent). Diese offenen Fragen sind im Vergleich zu den anderen Fragen kognitiv anspruchsvoller, erfordern mehr Aufwand und viele Befragte sind sich womöglich unsicher, wie sie ihre Tätigkeit treffend benennen können. Abgesehen von diesen vier Fragen beträgt die ItemNonresponse-Rate bei allen weiteren Fragen weniger als 4 Prozent. 2.6 Gewichtung Aufgrund der ungleichen Ziehungswahrscheinlichkeit und der vermutlich selektiven Teilnahme der kontaktierten Befragten werden die Befragungsdaten gewichtet, um Repräsentativität zu gewährleisten. Hierfür wird in zwei Schritten vorgegangen, die in den nächsten Abschnitten genauer erläutert werden. 2.6.1 Designgewichte Um möglichst viele Personen zu kontaktieren, die Deutschland nach der ersten Befragung wieder verlassen könnten, wurden bestimmte Gruppen mit höherer beziehungsweise niedrigerer
IAB-Forschungsbericht 15|2025 31 3.3 Kurzfristige Auswanderungsüberlegungen und -Pläne Ende 2024 bis Anfang 2025 gaben 26 Prozent der Eingewanderten in Deutschland an, in den letzten 12 Monaten vor der Befragung darüber nachgedacht zu haben, das Land zu verlassen (siehe Tabelle 3-1). Hochgerechnet entspricht das knapp 2,6 Millionen Personen. Konkrete Pläne, innerhalb der nächsten 12 Monate auszuwandern, äußerten rund 3,1 Prozent – etwa 312.000 Eingewanderte. Etwa die Hälfte dieser Personen (1,5 Prozent) plante eine Rückkehr ins Herkunftsland, die andere Hälfte (1,7 Prozent) eine Weiterwanderung in ein anderes Land. Tabelle 3-1: Durchschnittswerte der Abwanderungsabsichten Anteil an Personen im erwerbsfähigen Alter (18-65), in Prozent Leere Zelle Alle Nur Personen mit… Temporären Bleibeabsichten Ungewissen Bleibeabsichten Dauerhaften Bleibeabsichten Mit Auswanderungsüberlegungen in den letzten 12 Monaten 25,8 68,0 41,2 8,6 Mit Auswanderungspläne in den nächsten 12 Monaten 3,1 17,2 2,2 0,6 Darunter Zurück ins Herkunftsland 1,5 9,0 0,8 0,2 In ein anderes Land 1,7 8,2 1,4 0,4 Beobachtungen 41.573 6.368 15.228 19.973 Quelle: International Mobility Panel of Migrants in Germany (IMPa), Welle 1; Beobachtungen: 41.573, gewichtet. Ein Vergleich von Auswanderungsüberlegungen und konkreten Auswanderungsplänen zeigt, dass der größte Anteil (etwa 74 Prozent, berechnet als Rest) auf Personen entfällt, die weder über Migration nachgedacht noch konkrete Auswanderungspläne geäußert haben (ohne Abbildung). Rund 24 Prozent der Befragten gaben an, zwar Migrationsgedanken zu haben, jedoch keine konkreten Pläne. Weitere 3 Prozent äußerten sowohl Migrationsgedanken als auch konkrete Auswanderungsabsichten. Ein sehr kleiner Anteil von 0,7 Prozent gab an, Auswanderungspläne zu haben, ohne zuvor über Migration nachgedacht zu haben. Während die Gruppe mit sowohl Gedanken als auch Plänen vermutlich gefestigte Auswanderungsabsichten widerspiegelt, könnte der kleine Anteil mit Plänen ohne vorherige Überlegungen auf spontane Entscheidungen oder unerwartete Ereignisse hinweisen. Werden nur die Personen betrachtet, die zum Befragungszeitpunkt eine temporäre Bleibeabsicht äußerten (vgl. Tabelle 3-1), zeigt sich ein deutlich stärkeres Ausmaß an Migrationsüberlegungen und -plänen. In dieser Gruppe haben 68 Prozent über eine Auswanderung nachgedacht, und 17 Prozent gaben an, konkrete Auswanderungspläne zu verfolgen. Darunter planten 9 Prozent eine Rückkehr ins Herkunftsland und 8 Prozent eine Weiterwanderung in ein anderes Land. Auffallend ist, dass auch die Eingewanderten mit unbekannter Aufenthaltsdauer hohe Auswanderungsüberlegungen (41 Prozent), aber viel geringere Auswanderungspläne (2,2 Prozent). Die meisten von ihnen (1,4 Prozent) möchten jedoch in ein anderes Land umziehen und deutlich weniger (0,8 Prozent) möchten in ihr Heimatland zurückkehren. Ganz im Einklang mit den dauerhaften Absichten zeigen die Daten, dass unter denjenigen mit dauerhaften
IAB-Forschungsbericht 15|2025 32 Niederlassungsabsichten nur 9 Prozent an eine Auswanderung gedacht haben und 0,6 Prozent tatsächlich eine Auswanderung planen. 3.4 Rückkehr und Weiterwanderung: Zielländer und Migrationsmotive Wie bereits erwähnt, konzentrierte sich die bisherige Forschung vorrangig auf die theoretische Fundierung und empirische Untersuchung von Rückkehrmigration (vgl. Bekaert et al. 2024; Cassarino 2004; Constant und Massey 2002; Dustmann und Görlach 2016; Dustmann und Weiss 2007). Der Bereich der Weiterwanderung hingegen wurde bislang deutlich seltener thematisiert. Die IMPa-Daten ermöglichen es nun, auch dieses Phänomen differenzierter zu analysieren – insbesondere mit Blick auf Zielländer und Migrationsmotive. Zu diesem Zweck wurden Personen mit Auswanderungsplänen für die nächsten zwölf Monate zunächst nach dem angestrebten Zielland gefragt. Anhand dieser Angaben und der Information zum Geburtsland wurde im Weiteren zwischen Rückkehr ins Herkunftsland und Weiterwanderung in ein anderes Land als unterschiedliche Formen von Auswanderung unterschieden. Abbildung 3-2 zeigt die zehn am häufigsten genannten Zielländer von Personen mit Auswanderungsplänen, differenziert nach Rückkehr ins Herkunftsland und Weiterwanderung in ein anderes Land. Die Zielländer der Rückwandernden liegen überwiegend in Europa und größtenteils innerhalb der Europäischen Union. Mit 15 Prozent ist Polen das häufigste Zielland, gefolgt von Rumänien mit 10 Prozent. Dieses Muster deutet auf eine ausgeprägte Mobilität im Rahmen bestehender rechtlicher Möglichkeiten – insbesondere der Freizügigkeit innerhalb der EU – hin und lässt auf Muster zirkulärer Migration schließen. Auch einige europäische Nicht-EUStaaten wie die Türkei (8 Prozent) und die Ukraine (6 Prozent) gehören zu den häufigen Rückzugszielen. Bei der Weiterwanderung ist die Schweiz mit 19 Prozent das häufigste Zielland, gefolgt von den Vereinigten Staaten und Spanien mit jeweils 10 bzw. 9 Prozent. Mit Ausnahme von Spanien und Österreich überschneiden sich die zehn häufigsten Zielländer von Rückund Weiterwandernden nicht – ein Hinweis auf unterschiedliche Migrationsmuster je nach Auswanderungsform.
IAB-Forschungsbericht 15|2025 33 Abbildung 3-2: Zielländer der geplanten Abwanderung (Top 10) Anteil an Personen im erwerbsfähigen Alter (18-65) mit Auswanderungsplänen, in Prozent Quelle: International Mobility Panel of Migrants in Germany (IMPa), Welle 1. Nur Befragte mit Auswanderungsplänen (Beobachtungen: 1.964), gewichtet. 3.5 Unterschiede in Gründen der Zuund Auswanderungsabsichten nach Auswanderungsform Für die Befragten, die über eine Rückkehr oder Weiterwanderung aus Deutschland nachdenken oder diese konkret planen, sind in Abbildung 3-3 die wichtigsten Gründe zusammengefasst.
IAB-Forschungsbericht 15|2025 34 Abbildung 3-3: Gründe Deutschland verlassen zu wollen, nach Auswanderungsüberlegungen und Auswanderungsplänen Anteil an Personen im erwerbsfähigen Alter (18-65), nur Personen mit Auswanderungsüberlegungen und -plänen, in Prozent, Mehrfachnennung möglich Quelle: International Mobility Panel of Migrants in Germany (IMPa), Welle 1; Beobachtungen: 12.832, gewichtet. Bei Migrantinnen und Migranten mit Auswanderungsüberlegungen sind am häufigsten genannte Gründe die politische Situation in Deutschland (44 Prozent), gefolgt von persönlichen Präferenzen (41 Prozent), der steuerlichen Belastung (40 Prozent), aufwändiger Bürokratie (39 Prozent) und der allgemeinen wirtschaftlichen Lage in Deutschland (36 Prozent). Hierbei gilt es zu berücksichtigen, dass der Befragungszeitraum zeitgleich mit der Auflösung der vorherigen Bundesregierung und dem Bundestagswahlkampf 2025 stattfand. Da der Wahlkampf sich stark um das Thema innere Sicherheit und Zuwanderung drehte (siehe ARD-aktuell 2025), war das Thema Migration und die politische Situation bei allen in Deutschland lebenden Personen sehr präsent. Etwas anders werden sind die Auswanderungsgründe unter Migrantinnen und Migranten mit Auswanderungsplänen verteilt: Dabei sind die steuerliche Belastung (38 Prozent), der hohe
IAB-Forschungsbericht 15|2025 35 bürokratische Aufwand (38 Prozent) und die allgemeine wirtschaftliche Lage in Deutschland (37 Prozent) die ausschlaggebenden Gründe. Weniger relevant für die Ausreisepläne beziehungsweise -überlegungen sind aufenthaltsrechtliche Gründe (7 beziehungsweise 3 Prozent), bildungsbeziehungsweise ausbildungsbezogene Gründe (9 beziehungsweise 5 Prozent) sowie die Tatsache, dass nur wenige Personen aus dem eigenen Herkunftsland in Deutschland leben (4 beziehungsweise 3 Prozent). Ein interessanter Unterschied könnte sich ergeben, wenn wir die verschiedenen Motive für die Abwanderung nach Wohnsitz analysieren. Dabei wird zwischen dem Wohnsitz in Berlin, Ostund Westdeutschland unterschieden. Zusätzliche Analysen (ohne Abbildung) zeigen, dass die Bewohner Berlins eher einen höheren Abwanderungswunsch aus beruflichen und Gründen der Wohnsituation haben als Eingewanderten in Ost-/Westdeutschland. Eingewanderte in Westdeutschland geben häufiger gesamtwirtschaftliche Gründe inkl. steuerliche Last an als Bewohner in Ostdeutschland oder Berlin. Ein weiterer wichtiger Grund für Eingewanderte in Ostdeutschland ist die geringere Anzahl von Freunden und von Personen aus ihren Herkunftsländern. Sowohl bei den Eingewanderten in Berlin als auch bei denen in Ostdeutschland werden die Probleme mit der deutschen Sprache häufiger genannt als bei denen in Westdeutschland. Überraschenderweise gibt es keine statistisch signifikanten Unterschiede bei der Angabe der politischen Situation als Hauptgrund für Einwohner in Ost und West. Hingegen geben Eingewanderte in Ostdeutschland häufiger Diskriminierungserfahrung als Grund der Auswanderung an als jene in Westdeutschland. Wie sehen die Fortzugsgründe nach ursprünglicher Zuzugsgrundlage aus? Abbildung 3-4 stellt die fünf am häufigsten genannten Gründe für Auswanderungsüberlegungen, differenziert nach den vier zentralen rechtlichen Grundlagen für den Zuzug nach Deutschland, dar. Dabei fällt auf, dass für Eingewanderte, deren Zuzug auf Arbeit/Arbeitssuche, Bildung/ Anerkennung oder auf familiäre Gründe zurückgeht, dieselben fünf Gründe am häufigsten genannt werden – wenn auch in teils unterschiedlicher Reihenfolge. Dazu zählen persönliche Vorlieben, die steuerliche Belastung, die aufwändige Bürokratie, die allgemeine wirtschaftliche und politische Lage in Deutschland. Bei Asylsuchenden und Geflüchteten ergibt sich ein abweichendes Muster: In dieser Gruppe stehen die politische Lage in Deutschland, die Bürokratie und Diskriminierungserfahrungen an vorderster Stelle. Ebenfalls häufig genannt werden die steuerliche Belastung sowie – mit etwas größerem Abstand – persönliche Vorlieben.
IAB-Forschungsbericht 15|2025 36 Abbildung 3-4: Die fünf wichtigsten Gründe, Deutschland verlassen zu wollen, nach rechtlicher Grundlage beim Zuzug Anteil an Personen im erwerbsfähigen Alter (18-65), nur Personen mit Auswanderungsüberlegungen und -plänen, in Prozent, Mehrfachnennung möglich Quelle: International Mobility Panel of Migrants in Germany (IMPa), Welle 1; Beobachtungen: 11.409, gewichtet. Die Befragten mit Auswanderungsüberlegungen und konkreten Auswanderungsplänen wurden zusätzlich nach den Gründen für die Wahl eines bestimmten Ziellandes gefragt. Dabei fällt auf, dass sich die ausschlaggebenden Beweggründe deutlich unterscheiden – je nachdem, ob eine Rückkehr ins Herkunftsland angestrebt wird oder ein Umzug in ein anderes Land geplant ist (vgl. Abbildung 3-5). Allgemeine w irtschaftliche Lage in Deutschland Aufw ändige Bürokratie Steuerliche Last Persönliche Vorlieben Politische Lage in Deutschland 36 39 40 41 36 Allgemeine w irtschaftliche Lage in Deutschland Aufw ändige Bürokratie Steuerliche Last Persönliche Vorlieben Politische Lage in Deutschland 37 43 39 44 42 Allgemeine w irtschaftliche Lage in Deutschland Aufw ändige Bürokratie Steuerliche Last Persönliche Vorlieben Politische Lage in Deutschland 40 39 44 47 47 Aufw ändige Bürokratie Steuerliche Last Persönliche Vorlieben Politische Lage in Deutschland Diskriminierungserfahrungen in DE 40 36 28 43 40 Asylsuchende / Geflüchtete Familienmitglieder Bildung /Anerkennung Arbeit / Arbeitssuche 0 5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 Am häufigsten genannte Gründe für Gedanken fortzuziehen ( nach Zuzugsgrundlage )
IAB-Forschungsbericht 15|2025 37 Abbildung 3-5: Gründe in ein bestimmtes Land auswandern zu wollen, nach Zielland Anteil an Personen im erwerbsfähigen Alter (18-65), nur Personen mit Auswanderungsüberlegungen und -plänen, in Prozent, Mehrfachnennung möglich Anmerkung: Nur Personen mit Auswanderungsplänen, die ein Zielland angegeben haben Quelle: International Mobility Panel of Migrants in Germany (IMPa), Welle 1; Beobachtungen: 1.974, gewichtete Werte. Für Migrantinnen und Migranten, die in ihr Herkunftsland zurückkehren möchten, sind die drei am häufigsten genannten Gründe: dass dort Freunde oder Bekannte leben (44 Prozent), persönliche Vorlieben wie ein besseres Klima oder eine andere Lebensweise (44 Prozent), sowie partnerschaftliche oder familiäre Bindungen (43 Prozent). Am wenigsten relevant sind für diese Gruppe die politische Lage im Zielland (6 Prozent), aufenthaltsrechtliche Gründe (3 Prozent), sowie Schwierigkeiten bei der Einreise in ein anderes Land (2 Prozent). Für Befragte, die eine Migration in ein anderes Land als ihr Herkunftsland planen, zeigen sich deutlich andere Prioritäten: Für knapp die Hälfte sind persönliche Vorlieben der wichtigste Beweggrund (49 Prozent), gefolgt von beruflichen Motiven (45 Prozent) und der wirtschaftlichen Lage im Zielland (40 Prozent). Auch in dieser Gruppe zählen aufenthaltsrechtliche Hürden (9 Prozent) und Schwierigkeiten bei der Einreise (3 Prozent) zu den am seltensten genannten Gründen. Ein signifikanter Unterschied besteht im drittunwichtigsten Grund: Nur 11 Prozent dieser Personen nennen das Vorhandensein von Menschen aus dem eigenen Herkunftsland im Zielland als Motiv – im Vergleich zu deutlich höheren Werten bei Rückkehrinteressierten.
IAB-Forschungsbericht 15|2025 38 Zusammenfassend zeigt sich: Während bei Personen mit Rückkehrwunsch vor allem persönliche und soziale Faktoren im Vordergrund stehen, spielen bei Auswanderungswilligen mit Ziel in ein Drittland eher ökonomische Überlegungen eine zentrale Rolle. 3.6 Vorbereitungen für die Abwanderung Um den Grad der Konkretisierung der Auswanderungspläne innerhalb der nächsten 12 Monate zu erfassen, wurde erhoben, ob bereits konkrete Vorbereitungen getroffen wurden. Zum Zeitpunkt der Befragung hatten 20 Prozent der Eingewanderten mit Auswanderungsplänen entsprechende Schritte unternommen (Tabelle 3-2). Weitere 21 Prozent gaben an, dass keine Vorbereitungen notwendig seien, während 59 Prozent bislang keine Maßnahmen ergriffen hatten. Tabelle 3-2: Umzugsvorbereitung nach Form der Auswanderung Anteil an Personen im erwerbsfähigen Alter (18-65), nur Personen mit Auswanderungsplänen, in Prozent, Mehrfachnennung möglich Umzugsvorbereitung Insgesamt Abwanderungsform Zurück ins Herkunftsland Ein anderes Land Ja 20,0 23,6 17,0 Nein 59,5 51,6 66,1 Keine Vorbereitungen notwendig 20,5 24,8 16,9 Quelle: International Mobility Panel of Migrants in Germany (IMPa), Welle 1; Beobachtungen: 1.973, gewichtet. Ein differenzierter Blick nach Auswanderungsform zeigt: Unter den Rückkehrwilligen hatten 24 Prozent bereits Vorbereitungen getroffen, bei den Weiterwandernden waren es hingegen nur 17 Prozent (vgl. Tabelle 3-2). Zwei Drittel der Weiterwandernden hatten zum Befragungszeitpunkt noch keinerlei Vorbereitungen für einen Umzug ins Zielland getroffen (66 Prozent). Um die Konkretisierung der Auswanderungspläne noch weiter zu beleuchten, wurde zusätzlich erhoben, welche konkreten Schritte bereits unternommen wurden. Dabei zeigt sich: Etwa 40 Prozent der Befragten mit Vorbereitungen haben einen Vorbereitungsschritt vollzogen, 21 Prozent haben zwei Schritte, 19 Prozent drei Schritte und 10 Prozent vier Schritte umgesetzt (ohne Abbildung). Im Durchschnitt gaben Rückkehrwillige an, zwei Maßnahmen getroffen zu haben; bei den Weiterwandernden waren es drei Maßnahmen. Abbildung 3-6 stellt die konkreten Vorbereitungsschritte differenziert nach der angestrebten Auswanderungsform dar. Bei Rückkehrerinnen und Rückkehrern wurden am häufigsten eine Jobsuche oder bereits gefundene Beschäftigung (47 Prozent) genannt, gefolgt von der Wohnungssuche (34 Prozent) sowie dem Kontakt zu Bekannten oder Freundinnen und Freunden im Herkunftsland (34 Prozent). Besonders die ersten beiden Aspekte deuten auf eine ernsthafte Absicht hin, sich langfristig wieder im Herkunftsland niederzulassen. Es sei jedoch nochmals darauf hingewiesen, dass 25 Prozent der Rückkehrwilligen angaben, keine Vorbereitungen für notwendig zu halten – was unter anderem dann zutreffen kann, wenn eine Rückkehr ins elterliche Zuhause oder zu Angehörigen geplant ist.
IAB-Forschungsbericht 15|2025 39 Abbildung 3-6: Konkrete Vorbereitungsschritte bei geplanten Auswanderungen Anteil von Personen im erwerbsfähigen Alter (18-65), die sich auf dem Umzug vorbereiten, in Prozent, Mehrfachnennung möglich Anmerkung: Nur Personen, die angaben, in den nächsten zwölf Monaten auswandern zu wollen und bereits konkrete Vorbereitungen getroffen haben. Quelle: International Mobility Panel of Migrants in Germany (IMPa), Welle 1; Beobachtungen: 459, gewichtet. Bei den Weiterwandernden wurden ebenfalls am häufigsten die Jobsuche oder eine bereits gefundene Beschäftigung (61 Prozent) sowie die Wohnungssuche bzw. ein bereits vorhandenes Wohnangebot (48 Prozent) genannt – jedoch mit deutlich höheren Anteilen. Diese Ergebnisse unterstreichen, dass arbeitsund wohnortbezogene Aspekte zentrale strukturelle Voraussetzungen für die Umsetzung geplanter Auswanderungen darstellen – unabhängig vom Zielland.
IAB-Forschungsbericht 15|2025 40 An dritter Stelle steht der Besuch eines Sprachkurses bzw. das Erlernen der Zielsprache (41 Prozent gegenüber nur 5 Prozent bei Rückkehrenden), was auf eine gezielte Vorbereitung und Investition in das Humankapital für den Neustart im künftigen Zielland hinweist. Auch administrative Schritte wie die Visumsbeantragung (23 Prozent gegenüber 3 Prozent) sowie die Beteiligung in Social-Media-Gruppen (21 Prozent gegenüber 14 Prozent) kommen bei Weiterwandernden häufiger vor – möglicherweise aufgrund höherer Anforderungen oder Informationsbedarfe im Zielkontext. 3.7 Rückkehrpläne nach Deutschland Sollten sich die Auswanderungspläne von Eingewanderten realisieren, verliert Deutschland diese Personen zunächst an ein anderes Aufnahmeland. Allerdings könnten viele diese Auswanderungen temporärer Natur sein. Deshalb wurde im Rahmen der IMPa-Befragung zusätzlich erhoben, ob die Eingewanderten grundsätzlich den Wunsch haben, eines Tages nach Deutschland zurückzukehren. Tabelle 3-3 zeigt die Rückkehrwünsche in Abhängigkeit von der jeweiligen Form der Auswanderung. Tabelle 3-3: Wunsch zurück nach Deutschland zu kommen, nach Form der Auswanderung Anteil an Personen im erwerbsfähigen Alter (18-65), nur Personen mit Auswanderungsplänen, in Prozent, Mehrfachnennung möglich Rückkehrpläne Insgesamt Abwanderungsform Zurück ins Herkunftsland Ein anderes Land Ja 21,0 22,6 19,4 Nein 33,7 36,8 31,0 Weiß nicht 45,4 40,5 49,6 Anmerkungen: Nur Personen mit Auswanderungsplänen, die ein Zielland angegeben haben. Quelle: International Mobility Panel of Migrants in Germany (IMPa), Welle 1; Beobachtungen: 1.973, gewichtet. Rund 21 Prozent der Eingewanderten mit konkreten Auswanderungsplänen äußerten den Wunsch, langfristig nach Deutschland zurückzukehren. Der Anteil ist sowohl unter Rückkehrerinnen und Rückkehrern als auch unter Weiterwandernden nahezu gleich. Weitere 34 Prozent schließen eine Rückkehr nach Deutschland aus – etwas häufiger unter jenen, die ins Herkunftsland zurückkehren möchten (37 Prozent) als unter Weiterwandernden (31 Prozent). Dies könnte auf ein bereits „abgeschlossenes Migrationsprojekt“ hindeuten. Etwa die Hälfte der Eingewanderten mit Auswanderungsplänen zeigte sich hingegen unentschlossen in Bezug auf eine mögliche Rückkehr nach Deutschland. Besonders unter Weiterwandernden ist der Anteil mit 50 Prozent hoch, während er bei Rückkehrenden bei 41 Prozent liegt. Der hohe Anteil Unentschlossener sowie der Anteil mit explizitem Rückkehrwunsch deuten auf ein beträchtliches Rückkehrpotenzial hin – hochgerechnet rund 199.000 Personen. Entsprechende politische Maßnahmen – etwa Rückkehrprogramme, gezielte Informationsangebote oder Unterstützungsstrukturen für rückkehrinteressierte Migrantinnen und Migranten – könnten hierbei eine denkbare Strategie darstellen, um ausgewanderte Eingewanderte langfristig wieder für Deutschland zu gewinnen.
IAB-Forschungsbericht 15|2025 47 Insgesamt wird deutlich, dass Personen mit einem eher temporären oder stark mobilitätsorientierten Zuzugsprofil – insbesondere im Bereich Arbeit, Bildung oder Tourismus – signifikant höhere Abwanderungsabsichten aufweisen als Personen mit Schutzstatus oder familiären Bindungen. Bezüglich des aktuellen Aufenthaltsstatus zeigt sich, dass mittlerweile 31 Prozent der Befragten die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen (vgl. Tabelle 4-6). Weitere 24 Prozent sind EUBürgerinnen oder -Bürger und 17 Prozent verfügen über eine Niederlassungserlaubnis. Das bedeutet, dass insgesamt 72 Prozent der befragten Personen einen rechtlichen Status besitzen, der einen langfristigen Aufenthalt in Deutschland ermöglicht. Tabelle 4-6: Aktueller Aufenthaltsstatus und Abwanderungsabsichten Anteil an Personen im erwerbsfähigen Alter (18-65), in Prozent Aufenthaltsstatus Anteil an der Population Anteil mit Abwanderungsabsichten Temporäre Bleibeabsichten Auswanderungsüberlegungen Auswanderungspläne Deutsche Staatsbürgerschaft 30,6 10,1 29,7 2,3 EU-Bürger 24,4 20,1 31,3 5,4 Niederlassungserlaubnis 17,3 10,4 23,3 1,8 Befristete Aufenthaltsgenehmigung 11,2 12,0 22,8 3,0 Visum 1,9 16,2 27,4 4,3 Anerkannter Schutzstatus 2,9 4,3 11,0 2,3 Duldung/Aufenthaltsgestattung 3,4 3,9 11,7 1,8 Ukraine-Aufenthaltserlaubnis 4,5 4,9 11,7 2,6 Sonstige 3,8 9,9 18,0 2,6 Anmerkung: Bei mehrfacher Einreise nach Deutschland bezieht sich die Befragung auf die rechtliche Grundlage der zuletzt erfolgten Einreise. Die Spalte „Anteil an der Population“ summiert sich auf 100 Prozent. Die restlichen drei Spalten zeigen den Durchschnitt der jeweiligen Variablen und summieren sich nicht auf 100 Prozent. Quelle: International Mobility Panel of Migrants in Germany (IMPa), Welle 1; Beobachtungen: 41.571, gewichtet. Auffällig ist, dass deutsche Staatsangehörige sowie EU-Bürgerinnen und -Bürger mit jeweils rund 30-31 Prozent die höchsten Anteile an Auswanderungsüberlegungen aufweisen. Auch temporäre Bleibeabsichten und konkrete Auswanderungspläne sind in diesen Gruppen – sowie ebenso wie unter Personen mit einem Niederlassungserlaubnis überdurchschnittlich stark ausgeprägt. Damit bestätigen sich die bisherigen Ergebnisse: Personen mit sicheren Aufenthaltsstatus zeigen eine erhöhte Mobilitätsneigung. Dieser Befund steht einerseits im Widerspruch zu früheren Erkenntnissen über die Rückwanderungsneigung ehemaliger Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter (Constant und Massey, 2002, 2003), andererseits aber im Einklang mit den Befunden zur zirkulären Migration (Constant und Zimmermann, 2011). Wie diese Studien betonen, eröffnet insbesondere die deutsche oder eine EU-Staatsangehörigkeit umfangreiche Migrationsoptionen – etwa durch visumsfreies Reisen oder dauerhafte Niederlassungsrechte –, was spontane Rückoder Weiterwanderung begünstigt. Darüber hinaus zeigen auch Personen mit einem temporären Aufenthaltsstatus – etwa mit einem Visum oder einer befristeten Aufenthaltserlaubnis – erhöhte Abwanderungstendenzen: Rund 23
IAB-Forschungsbericht 15|2025 48 Prozent haben über eine Ausreise nachgedacht und 3-4 Prozent planen diese innerhalb der nächsten zwölf Monate. Diese Werte liegen deutlich über denen von Personen mit einem anerkannten oder vorübergehenden Schutzstatus sowie einer Duldung oder Aufenthaltsgestattung. 5 Rolle von Arbeitsmarktfaktoren für Wanderungsabsichten Die empirischen Befunde zur Wirkung der Arbeitsmarktintegration auf Migrationsabsichten sind uneinheitlich. Für Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter zeigt sich, dass eine schwache Arbeitsmarktbindung – etwa in Form von Teilzeitarbeit oder Arbeitslosigkeit – mit einer erhöhten Rückkehrwahrscheinlichkeit einhergeht (Constant und Massey 2003). Neuere Studien finden hingegen entweder keinen klaren Zusammenhang zwischen Arbeitsmarktintegration und Abwanderungsabsichten (Bekaert et al. 2024) oder nur dann, wenn nach differenzierten Erwerbsstatusgruppen unterschieden wird. So weisen nicht erwerbstätige Personen oder Personen in Ausbildung deutlich höhere Abwanderungsabsichten auf als Beschäftigte (vgl. Wanner 2021). Vor diesem Hintergrund beschreibt das folgende Kapitel Bleibeabsichten sowie Auswanderungsüberlegungen und -pläne bezugnehmend auf Variablen des Arbeitsmarktkontexts. Im Fokus stehen dabei insbesondere: (1) das Land des höchsten Bildungsabschlusses und die Anerkennung ausländischer Qualifikationen, (2) der Erwerbsstatus, Verdienste und Wohneigentum im Deutschland, (3) Sektorenstruktur sowie (4) die Arbeitszufriedenheit. 5.1 Anerkennung ausländischer Abschlüsse Zwei Drittel der Eingewanderten in Deutschland haben ihren höchsten Bildungsabschluss im Geburtsland (61 Prozent) oder in einem anderen Land (6 Prozent) erworben (vgl. Tabelle 5-1). Etwa ein Drittel hat diesen Abschluss in Deutschland erhalten.
IAB-Forschungsbericht 15|2025 49 Tabelle 5-1: Abwanderungsabsichten nach Land des höchsten Bildungsabschlusses Anteil an Personen im erwerbsfähigen Alter (18-65), in Prozent Land des höchsten Bildungsabschlusses Anteil an der Population Anteil mit Abwanderungsabsichten Temporäre Bleibeabsichten Auswanderungsüberlegungen Auswanderungspläne In Deutschland 32,4 12,0 32,6 2,3 In meinem Geburtsland 60,5 12,3 21,7 3,4 In einem anderen Land 6,1 13,7 29,0 4,5 Anmerkung: Die Spalte „Anteil an der Population“ summiert sich auf 100 Prozent. Die restlichen drei Spalten zeigen den Durchschnitt der jeweiligen Variablen und summieren sich nicht auf 100 Prozent. Quelle: International Mobility Panel of Migrants in Germany (IMPa), Welle 1; Beobachtungen: 41.574, gewichtet. Dabei fällt auf, dass Personen mit im Ausland erworbenen Bildungsabschlüssen tendenziell geringere Bleibeabsichten zeigen: Unter den Eingewanderten mit Abschluss in Deutschland gaben 12 Prozent an, nicht dauerhaft in Deutschland bleiben zu wollen (vgl. Tabelle 5-1). Bei Personen mit Abschluss im Geburtsland lag dieser Anteil bei 12 Prozent, bei solchen mit Abschluss in einem Drittstaat bei 14 Prozent. Ein ähnliches Muster zeigt sich bei den konkreten Auswanderungsplänen: Die Gruppe mit einem in Deutschland erworbenen Abschluss weist den niedrigsten Anteil auf (2,3 Prozent), verglichen mit 3,4 Prozent bei einem Abschluss im Geburtsland und 4,5 Prozent bei einem Abschluss in einem anderen Land. Ein abweichendes Bild ergibt sich jedoch bei den Auswanderungsüberlegungen: 33 Prozent der Personen mit einem in Deutschland erworbenen Bildungsabschluss gaben an, in den letzten zwölf Monaten über eine Auswanderung nachgedacht zu haben. Dieser Anteil liegt deutlich über dem der beiden anderen Gruppen – 22 Prozent bei Abschlüssen im Geburtsland und 29 Prozent bei Abschlüssen in einem Drittstaat. Die Anerkennung ausländischer Abschlüsse ermöglicht Migrantinnen und Migranten nicht nur den Zugang zu reglementierten Berufen, sondern hat auch eine Signalfunktion auf dem deutschen Arbeitsmarkt, indem sie die Unsicherheit über die Qualifikationen der zugewanderten Beschäftigten reduziert. Brücker et al. (2021) zeigen, dass die Anerkennung beruflicher Abschlüsse die Beschäftigungschancen und Verdienste von Migrantinnen und Migranten deutlich erhöht. Dies erleichtert, dass eingewanderte Arbeitskräfte zum Niveau der Einheimischen aufschließen. Jedoch führen u. a. Hindernisse beim Anerkennungsverfahren oft dazu, dass nicht alle Migrantinnen und Migranten eine Anerkennung ihres Abschlusses beantragen. Unter den Eingewanderten, die ihren höchsten beruflichen Abschluss im Ausland erworben haben geben 32 Prozent an, eine gleichwertige und 13 Prozent, eine teilweise Anerkennung des Abschlusses erhalten zu haben (vgl. Tabelle 5-2). Bei 17 Prozent wurde der Abschluss nicht anerkannt und bei 5 Prozent der Befragten ist das Anerkennungsverfahren noch nicht abgeschlossen. Etwa ein Drittel der Befragten hat (noch) keine Anerkennung beantragt.
IAB-Forschungsbericht 15|2025 50 Tabelle 5-2: Anerkennung des höchsten Ausbildungs-/Hochschulabschluss und Wanderungsabsichten Anteil an Personen im erwerbsfähigen Alter (18-65), in Prozent Anerkennung des höchsten Ausbildungs- /Hochschulabschluss Anteil an der Population Anteil mit Abwanderungsabsichten Temporäre Bleibeabsichten Auswanderungsüberlegungen Auswanderungspläne Ja, gleichwertig 31,9 14,6 29,6 4,5 Ja, teilweise 12,5 14,3 26,4 2,8 Nein, wurde nicht anerkannt 16,6 13,4 24,3 3,0 Das Verfahren läuft noch 4,8 7,0 15,0 3,2 Nicht beantragt 34,2 12,2 21,7 3,8 Anmerkung: Nur Personen, die ihren höchsten Ausbildungs-/Hochschulabschluss im Ausland erworben haben. Die Spalte „Anteil an der Population“ summiert sich auf 100 Prozent. Die restlichen drei Spalten zeigen den Durchschnitt der jeweiligen Variablen und summieren sich nicht auf 100 Prozent. Quelle: International Mobility Panel of Migrants in Germany (IMPa), Welle 1; Beobachtungen: 27.918, gewichtet. Unter den Befragten, deren höchster Ausbildungsoder Hochschulabschluss in Deutschland als gleichwertig anerkannt wurde, gaben 30 Prozent an, in den letzten zwölf Monaten darüber nachgedacht zu haben, Deutschland zu verlassen (vgl. Tabelle 5-2). Dieser Anteil liegt bei Befragten, deren Abschluss nur teilweise oder nicht anerkannt wurde, mit 26 beziehungsweise 24 Prozent etwas niedriger. Auch unter denjenigen, die (noch) keine Anerkennung ihres ausländischen Abschlusses beantragt haben, liegt der Anteil mit 22 Prozent darunter. Den deutlich geringsten Anteil an Auswanderungsüberlegungen weist die Gruppe auf, deren Anerkennungsverfahren zum Zeitpunkt der Befragung noch nicht abgeschlossen war – hier lag der Anteil bei 15 Prozent. Diese Gruppe stellt allerdings auch den kleinsten Teil der Eingewanderten dar. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den konkreten Auswanderungsplänen: etwa 4 Prozent der Eingewanderten mit gleichwertiger Anerkennung planen, Deutschland innerhalb der nächsten zwölf Monate zu verlassen. Insgesamt lässt sich festhalten, dass Befragte mit teilweise oder nicht anerkannten Abschlüssen nicht häufiger Auswanderungsüberlegungen oder Auswanderungspläne äußern als Personen mit vollständiger Anerkennung. Im Gegenteil: Die höchsten Werte zeigen sich unter jenen, deren Abschluss in Deutschland als gleichwertig anerkannt wurde. 5.2 Erwerbsgruppen und Verdienste Knapp drei Viertel der Eingewanderten im erwerbsfähigen Alter gehen zum Zeitpunkt der Befragung einer bezahlten Erwerbstätigkeit nach (77 Prozent; vgl. Tabelle 5-3), darunter 47 Prozent in Vollzeit. Weitere 10 Prozent sind aktiv arbeitssuchend, 14 Prozent sind weder erwerbstätig noch auf Jobsuche. Auffällig ist, dass die Wanderungsabsichten unter erwerbstätigen Migrantinnen und Migranten am stärksten ausgeprägt sind: Im Vergleich zu nicht erwerbstätigen Gruppen äußern sie häufiger temporäre Bleibeabsichten in Deutschland (13 Prozent) und haben in den letzten zwölf Monaten häufiger über eine Auswanderung nachgedacht (27 Prozent). Die konkreten Auswanderungspläne sind hingegen nur geringfügig stärker ausgeprägt als bei anderen Gruppen.
IAB-Forschungsbericht 15|2025 51 Tabelle 5-3: Wanderungsabsichten nach Erwerbstatus Anteil an Personen im erwerbsfähigen Alter (18-65), in Prozent Erwerbstatus Anteil an der Population Anteil mit Abwanderungsabsichten Temporäre Bleibeabsichten Auswanderungsüberlegungen Auswanderungspläne Erwerbstätig 76,9 13,3 27,4 3,2 Darunter Vollzeitbeschäftigt 46,6 14,5 28,8 3,7 Teilzeitbeschäftigt 15,7 11,3 24,5 2,6 Erwerbstätige ohne Stundenangabe 8,8 12,3 27,8 2,4 In bezahlter Ausbildung 4,1 8,8 21,0 2,1 Geringfügig beschäftigt 1,6 17,1 31,0 2,8 Aktiv arbeitssuchend 9,8 9,7 23,7 2,9 Nicht arbeitssuchend 13,5 8,3 18,0 2,8 Anmerkung: Erwerbstätigkeit ist definiert als die Ausübung einer bezahlt abhängigen oder selbstständigen Tätigkeit. Die aufgeführten Merkmale zur Tätigkeit sind nicht gegenseitig ausschließbar. Daher wurde ein sukzessiver Ausschluss vorgenommen: Personen, die erwerbstätig und gleichzeitig arbeitsuchend sind, werden nur als erwerbstätig gezählt. Arbeitsuchende werden – sofern sie nicht auch erwerbstätig sind – nur als arbeitsuchend definiert. Unter „Sonstiges“ werden nur Personen aufgenommen, die in keine der beiden anderen Kategorien fallen (z. B. Arbeitslos sind oder sich gerade in der Schule/im Studium befinden und keine Tätigkeit ausüben). Die Spalte „Anteil an der Population“ summiert sich auf 100 Prozent. Die restlichen drei Spalten zeigen den Durchschnitt der jeweiligen Variablen und summieren sich nicht auf 100 Prozent. Quelle: International Mobility Panel of Migrants in Germany (IMPa), Welle 1; Beobachtungen: 27.918, gewichtet. Ein genauerer Blick auf die Wanderungsabsichten innerhalb der Gruppe der Erwerbstätigen zeigt, dass insbesondere Vollzeitbeschäftigte sowie Personen ohne Angabe zur Arbeitszeit und geringfügig Beschäftigte mit jeweils 29, 28 beziehungsweise 31 Prozent auffallend häufig Auswanderungsüberlegungen äußern (vgl. Tabelle 5-4). Die beiden letztgenannten Gruppen sind allerdings relativ klein. Personen in Ausbildung weisen mit 21 Prozent hingegen den mit Abstand niedrigsten Anteil an Auswanderungsüberlegungen unter den Erwerbstätigen auf. Unter den nicht erwerbstätigen Befragten scheinen arbeitsuchende Personen häufiger Auswanderungsüberlegungen zu haben als andere nicht erwerbstätige Gruppen (24 gegenüber 18 Prozent).
IAB-Forschungsbericht 15|2025 52 Tabelle 5-4: Wanderungsabsichten und Verdienste Anteil an erwerbstätigen Personen, in Prozent Bruttoverdienst Quintile Anteil an der Population Anteil mit Abwanderungsabsichten Temporäre Bleibeabsichten Auswanderungsüberlegungen Auswanderungspläne Insgesamt Weniger als 2100 € 10,2 12,1 24,3 2,7 2101-3000 € 11,4 16,0 24,5 3,3 3001-3750 € 8,5 13,8 25,3 3,2 3750-5300 € 10,0 14,8 32,6 3,1 Mehr als 5300 € 10,0 16,5 38,9 4,2 Keine Lohnangaben 49,9 11,7 24,9 3,1 Vollzeit Erwerbstätige Weniger als 2800 € 11,4 15,6 21,0 3,6 2801-3450 € 11,2 15,6 24,5 3,1 3451-4300 € 11,3 15,9 31,3 3,7 4301-6000 € 11,6 15,1 34,2 2,9 Mehr als 6000 € 11,1 16,4 38,9 4,4 Keine Lohnangaben 43,5 12,9 27,4 3,8 Anmerkung: Erwerbstätigkeit ist definiert als die Ausübung einer bezahlt abhängigen oder selbstständigen Tätigkeit. Die Spalte „Anteil an der Population“ summiert sich jeweils auf 100 Prozent. Die restlichen drei Spalten zeigen den Durchschnitt der jeweiligen Variablen und summieren sich nicht auf 100 Prozent. Quelle: International Mobility Panel of Migrants in Germany (IMPa), Welle 1; Beobachtungen: 30.309 (Vollzeit: 20.194), gewichtet. Ein Blick auf die konkreten Auswanderungspläne zeigt, dass Vollzeitbeschäftigte am häufigsten Pläne zur Ausreise äußern (3,7 Prozent). Die geringsten Anteile finden sich unter Personen in Ausbildung sowie unter Teilzeitbeschäftigten – in beiden Gruppen liegen die Werte bei jeweils 2 und 3 Prozent. Zusätzlich wurde in der IMPa-Befragung auch nach den Verdiensten gefragt. Tabelle 5-4 zeigt die Verteilung der Bruttoverdienste in Quintilen – für alle Befragten sowie gesondert für Vollzeiterwerbstätige – sowie die Gruppengrößen und die jeweiligen Abwanderungsabsichten. Knapp die Hälfte der erwerbstätigen Befragten machten keine Angaben zu ihrem Verdienst (50 Prozent). Diese Gruppe, gemeinsam mit den Befragten in den beiden untersten Einkommensquintilen, weist die niedrigsten Anteile an Auswanderungsüberlegungen (24 bis 25 Prozent) und Auswanderungsplänen (jeweils 3 Prozent) auf. Auffällig ist, dass die Auswanderungsüberlegungen mit steigendem Bruttoverdienst deutlich zunehmen: Im obersten Quintil äußerten 39 Prozent der Befragten entsprechende Überlegungen – dieser Zusammenhang zeigt sich auch unter Berücksichtigung der Erwerbsintensität (Vollzeitbeschäftigung). Die konkreten Auswanderungspläne sind ebenfalls im obersten Einkommensquintil am stärksten ausgeprägt (4 Prozent). In der bisherigen Forschung finden sich kaum eindeutige Zusammenhänge zwischen Einkommen und Abwanderungsabsichten. Die vorliegenden Befunde deuten jedoch – insbesondere in Verbindung mit den Ergebnissen zur Bildung – auf eine mögliche positive Selektion derjenigen Eingewanderten hin, die Auswanderung in Erwägung ziehen.
IAB-Forschungsbericht 15|2025 53 Im Gegensatz zum Einkommen hat der Besitz von Wohneigentum im Aufnahmeland nachweislich einen großen Einfluss auf die Rückkehrmigration (vgl. Constant und Massey 2002, 2003). Die IMPa-Daten zeigen, dass etwa 74 Prozent der Eingewanderten kein Wohneigentum in Deutschland haben (ohne Abbildung). Obwohl die Auswanderungsüberlegungen zwischen denjenigen mit und denjenigen ohne Wohneigentum fast gleich sind, sind die Auswanderungspläne bei denjenigen mit Wohneigentum in Deutschland deutlich geringer (1,6 vgl. 3,6 Prozent). 5.3 Branchen Tabelle 5-5 stellt die Abwanderungsabsichten von erwerbstätigen Eingewanderten in Deutschland nach Branchen dar, basierend auf der aggregierten Klassifikation der Wirtschaftszweige (SNA/ISIC-A10). Der größte Anteil der Eingewanderten arbeitet im Bereich Handel, Verkehr und Lagerei (22 Prozent), gefolgt vom verarbeitenden Gewerbe, Bergbau, Energie, Wasser, Abfall (18 Prozent) sowie dem Gesundheitsund Sozialwesen (17 Prozent). Die kleinste Gruppe entfällt mit einem Prozent auf die Landund Forstwirtschaft. In den wissensintensiven und international orientierten Branchen – insbesondere Information und Kommunikation, Finanzund Versicherungsdienstleistungen sowie unternehmensnahe Dienstleistungen – zeigen sich die höchsten Anteile an Auswanderungsüberlegungen (30 bis 39 Prozent) und konkreten Auswanderungsplänen (4 bis 6 Prozent). Besonders auffällig ist zudem der hohe Anteil an Auswanderungsplänen in der vergleichsweisen kleinen Gruppe der in der Landwirtschaft Beschäftigten (10 Prozent). Dagegen sind die Abwanderungsabsichten in den großen Beschäftigungssektoren – Gesundheitsund Sozialwesen, verarbeitendes Gewerbe sowie Handel, Verkehr und Lagerei – vergleichsweise moderat: Zwischen 24 und 28 Prozent der Befragten haben in den letzten zwölf Monaten über eine Ausreise nachgedacht, rund 3 Prozent verfolgen konkrete Pläne. Noch geringer sind diese Anteile in staatlich geprägten Bereichen wie Erziehung und Unterricht (1,6 Prozent konkrete Pläne) sowie öffentlicher Verwaltung (1,8 Prozent). Ein Abgleich mit der Fachkräftelücke des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA) macht deutlich, dass gerade jene Branchen, in denen das Abwanderungsrisiko unter Eingewanderten besonders hoch ist – wie IT und technische Dienstleistungen – zugleich zu den Sektoren mit erheblichem Fachkräftemangel zählen (Tiedemann und Kunath 2024). Zugleich fällt auf, dass in anderen besonders engpassgefährdeten Bereichen – etwa im Gesundheitswesen, der Bauwirtschaft, der öffentlichen Verwaltung oder im Einzelhandel (Herzer und Kunath 2024) – zwar keine überdurchschnittlich hohen, aber dennoch relevante Auswanderungstendenzen bestehen.
IAB-Forschungsbericht 15|2025 54 Tabelle 5-5: Branchen und Wanderungsabsichten Anteil an erwerbstätigen Personen, in Prozent Branchen Anteil an der Population Anteil mit Abwanderungsabsichten Temporäre Bleibeabsichten Auswanderungsüberlegungen Auswanderungsp läne Landund Forstwirtschaft 1,2 19,1 16,4 9,5 Verarbeitendes Gewerbe, Bergbau, Energie, Wasser, Abfall 18,4 13,5 27,0 2,9 Baugewerbe 7,2 11,7 22,6 3,0 Handel, Verkehr und Lagerei 21,5 14,4 24,2 3,2 Information und Kommunikation 7,8 16,4 38,7 6,0 Finanzund Versicherungsdienstleistungen 3,0 12,8 34,6 3,7 Unternehmensnahe Dienstleistungen 15,1 14,4 29,8 3,8 Öffentliche Verwaltung, Sozialversicherung 2,8 9,1 30,2 1,8 Erziehung und Unterricht 5,4 8,2 24,8 1,6 Gesundheitsund Sozialwesen 17,1 12,4 28,1 2,8 Anmerkung: Nur Personen, die erwerbstätig sind und eine Angabe zu der derzeitigen Branche haben. Unternehmensnahe Dienstleistungen schließen di Wirtschaftszweige, wie die Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen sowie von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen ein. Die Spalte „Anteil an der Population“ summiert sich auf 100 Prozent. Die restlichen drei Spalten zeigen den Durchschnitt der jeweiligen Variablen und summieren sich nicht auf 100 Prozent. Quelle: International Mobility Panel of Migrants in Germany (IMPa), Welle 1; Beobachtungen: 24.607, gewichtet. Vor dem Hintergrund, dass viele dieser systemrelevanten Sektoren stark auf das Arbeitskräftepotenzial von Migrantinnen und Migranten angewiesen sind (Khalil et al. 2020), kann selbst eine moderate Abwanderungsdynamik ausreichen, um bestehende Engpässe weiter zu verschärfen. Dies gilt insbesondere für das Gesundheitsund Sozialwesen, dessen Funktionsfähigkeit wiederum Rückwirkungen auf andere Berufsfelder und Versorgungsbereiche entfalten kann (Herzer und Kunath 2024). 5.4 Arbeitszufriedenheit Tabelle 5-6 zeigt die Abwanderungsabsichten von erwerbstätigen Befragten in Abhängigkeit von ihrer Zufriedenheit mit der aktuell ausgeübten Tätigkeit. Die Arbeitszufriedenheit wurde auf einer Skala von 1 (überhaupt nicht zufrieden) bis 7 (vollkommen zufrieden) gemessen. Fast drei Viertel der erwerbstätigen Befragten geben an, mit ihrer aktuellen Tätigkeit eher oder vollkommen zufrieden zu sein (Antwortkategorien 5 bis 7). Dabei zeigt sich ein klarer Zusammenhang zwischen Unzufriedenheit mit der Arbeit und der Neigung zur Auswanderung: 39 Prozent derjenigen, die ihre Tätigkeit mit 1 oder 2 bewerten, haben in den letzten zwölf Monaten über eine Ausreise aus Deutschland nachgedacht, 11 Prozent äußern sogar konkrete Auswanderungspläne. Im Vergleich dazu liegen diese Werte bei den vollständig Zufriedenen (Antwortkategorie 7) bei nur 17 Prozent beziehungsweise 2 Prozent. Auch bei den temporären Bleibeabsichten zeigt sich ein deutlicher Unterschied: Unter den unzufriedenen Erwerbstätigen liegt der Anteil bei bis zu 25 Prozent (Antwort 1 oder 2), während er unter den sehr Zufriedenen (Antwort 7) nur 9 Prozent beträgt.
IAB-Forschungsbericht 15|2025 55 Tabelle 5-6: Wanderungsabsichten nach Arbeitszufriedenheit Anteil an erwerbstätigen Personen, in Prozent Zufrieden mit der Arbeit Anteil an der Population Anteil mit Abwanderungsabsichten Temporäre Bleibeabsichten Auswanderungsüberlegungen Auswanderungspläne 1 = überhaupt nicht zufrieden 4,0 24,7 36,2 10,6 2 3,6 25,0 42,0 12,0 3 6,3 20,3 34,8 6,1 4 12,3 18,2 36,0 4,0 5 21,2 12,8 30,9 2,5 6 24,2 12,0 25,9 2,1 7 = vollkommen zufrieden 28,4 8,5 17,3 1,6 Anmerkung: Nur Personen, die erwerbstätig sind. Die Spalte „Anteil an der Population“ summiert sich auf 100 Prozent. Die restlichen drei Spalten zeigen den Durchschnitt der jeweiligen Variablen und summieren sich nicht auf 100 Prozent. Quelle: International Mobility Panel of Migrants in Germany (IMPa), Welle 1; Beobachtungen: 28.952, gewichtet. Insgesamt zeigt sich, dass Jobzufriedenheit stark mit Migrationsabsichten korreliert – sowohl in Bezug auf temporäre Bleibeorientierung als auch auf Auswanderungsüberlegungen und -pläne. Die Unterschiede zwischen den Zufriedenheitsgruppen zählen zu den deutlichsten im Bereich der Einflussfaktoren im Bereich des Wohlbefindens (Sallam 2024; Wanner 2021). 6 Soziokulturelle Verankerung und Wanderungsabsichten Neben dem Arbeitsmarktkontext spielen auch soziokulturelle Bindungen an das Herkunftsund das Aufnahmeland eine zentrale Rolle für die Rückkehrwünsche von Eingewanderten (Bilgili und Siegel 2017; Constant und Massey 2002; de Haas und Fokkema 2011; de Vroome und van Tubergen 2014; Hannafi und Marouani 2022; Kaya und Orchard 2020). Studien zeigen, dass durch den Aufbau sozialer Kontakte vor Ort, den Erwerb von Sprachkenntnissen oder die Entwicklung eines Zugehörigkeitsgefühls zum Aufnahmeland die Absicht zur Rückkehr oder Weiterwanderung deutlich abnehmen kann (vgl. Bekaert et al. 2024; Constant und Massey 2003; Steiner und Velling 1994; Wanner 2021). Insbesondere die Sprachkompetenz in der Sprache des Aufnahmelandes gilt als zentraler Indikator für Integration: Sie beeinflusst nicht nur die Erwerbschancen und das Risiko von Diskriminierung am Arbeitsmarkt (Constant und Massey 2003), sondern auch die Bleibeabsichten (Ette et al. 2016). Soziale Kontakte zu Personen im Aufnahmeland wirken in zweifacher Hinsicht: Sie verbessern einerseits die Sprachkenntnisse und fördern andererseits die Integration in den Arbeitsmarkt (Barreto et al. 2022) – beides reduziert nachweislich die Wahrscheinlichkeit einer Abwanderung. Auch familiäre Bindungen spielen eine wichtige Rolle. Während enge Verbindungen zum Herkunftsland die Rückkehrwahrscheinlichkeit erhöhen können, stärken familiäre Netzwerke im Aufnahmeland oftmals die Verbleibsperspektive (Bekaert et al. 2024; Constant 2020; Ette et al. 2016).
IAB-Forschungsbericht 15|2025 56 Vor diesem Hintergrund untersucht das folgende Kapitel die Zusammenhänge zwischen sozialer Integration und den Wanderungsabsichten der Befragten. Es handelt sich um rein deskriptive Analysen. Die soziale Integration wird hierbei über mehrere Dimensionen abgebildet: familiäre Bindungen, soziale Kontakte, Sprachkenntnisse, Verbundenheit mit Herkunftsland und Deutschland, subjektives Willkommensgefühl sowie Diskriminierungserfahrungen. 6.1 Familie und soziale Kontakte Die Familiensituation und der Aufenthaltsort naher Angehöriger zählen zu den zentralen Determinanten von Migrationsentscheidungen (vgl. Constant und Massey 2003; Constant 2020; Dustmann und Görlach 2016;). Häufig ist nicht die eingewanderte Person allein, sondern die Familie als Einheit ausschlaggebend für die Entscheidung über Verbleib oder Rückkehr. Sie steht dabei für eine zentrale soziale Bindung – sei es zum Aufnahmeland oder zum Herkunftsland. In der Migrationsforschung gilt der transnationale Ansatz als bedeutsam für das Verständnis von Rückkehrund zirkulärer Migration. Diese werden häufig als strategische Entscheidungen verstanden, die durch familiäre Bindungen motiviert sind. Insbesondere bei wiederholten Heimatbesuchen bleibt der Erhalt sozialer Netzwerke in beiden Ländern zentral, um sowohl gesellschaftlich als auch wirtschaftlich flexibel agieren zu können (Constant 2020). Unter den erwachsenen Eingewanderten in Deutschland leben etwa 77 Prozent gemeinsam mit ihren Partnerinnen oder Partnern oder mit Kindern. Diese Gruppe weist im Vergleich die geringsten Anteile vorübergehenden Bleibeabsichten (12 Prozent), Auswanderungsüberlegungen (25 Prozent) und konkreter Migrationspläne (2 Prozent) auf – insbesondere im Kontrast zu jenen, deren gesamte Kernfamilienangehörige oder nur die Partnerin oder der Partner beziehungsweise mindestens ein Kind im Ausland leben. Letztere machen zwar jeweils nur rund 3 Prozent der Eingewanderten aus, zeigen jedoch mit 10 beziehungsweise 8 Prozent die höchsten Anteile konkreter Auswanderungspläne innerhalb der nächsten zwölf Monate. Diese Befunde stehen im Einklang mit der Literatur zur Rolle familiärer Bindungen im Herkunftsland (vgl. Bekaert et al. 2024; Wanner 2021).
IAB-Forschungsbericht 15|2025 63 auch weniger (2 vgl. 10 Prozent) im Vergleich zu denjenigen, die sehr unzufrieden sind. Allerdings ist die Gruppe der sehr unzufriedenen relativ klein (nur 3 Prozent; ohne Abbildung). 6.4 Verbundenheit mit Herkunftsland und Deutschland Ein weiteres Element soziokultureller Integration ist das emotionale Zugehörigkeitsgefühl zum Herkunftsland beziehungsweise zu Deutschland. Aus migrationssoziologischer Perspektive gilt eine stärkere Identifikation mit dem Aufnahmeland als stabilisierend für den Verbleib, während eine enge Bindung an das Herkunftsland die Wahrscheinlichkeit erhöht, über eine Rückkehr oder Weiterwanderung nachzudenken (de Haas und Fokkema 2011). Zur Erfassung dieser kulturellen Orientierung wurden die Befragten gebeten, ihre emotionale Verbundenheit mit beiden Ländern auf einer Skala von 1 (überhaupt nicht verbunden) bis 7 (sehr stark verbunden) einzuschätzen. Für die Analyse wurden Werte von 5 bis 7 als hohe Verbundenheit klassifiziert. Die Ergebnisse zeigen klare Muster: Personen mit geringer Deutschlandbindung äußern deutlich häufiger temporäre Bleibeabsichten (22 Prozent), Auswanderungsüberlegungen (37 Prozent) und konkrete Auswanderungspläne (6 Prozent) als Personen mit starker Bindung an Deutschland (vgl. Tabelle 6-6). Umgekehrt steigt die Mobilitätsneigung mit wachsender emotionaler Nähe zum Herkunftsland: In dieser Gruppe sind temporäre Bleibeabsichten (17 Prozent), Auswanderungsüberlegungen (30 Prozent) und Auswanderungspläne (4 Prozent) überdurchschnittlich verbreitet. Diese Befunde bestätigen: Soziale und kulturelle Verwurzelung im Aufnahmeland kann stabilisierend wirken, während eine anhaltende Orientierung am Herkunftsland mit erhöhter Auswanderungsbereitschaft einhergeht. Tabelle 6-6: Verbundenheit mit Herkunftsland, Deutschland und Wanderungsabsichten Anteil an Personen im erwerbsfähigen Alter (18-65), in Prozent Verbundenheitsgefühl Anteil an der Population Anteil mit Abwanderungsabsichten Temporäre Bleibeabsichten Auswanderungsüberlegungen Auswanderungspläne Gefühlsmäßig mit Deutschland verbunden Überhaupt nicht 39,2 21,9 36,6 5,6 Sehr verbunden 60,8 6,1 18,8 1,5 Gefühlsmäßig mit HKL verbunden Überhaupt nicht 49,3 7,3 22,0 2,1 Sehr verbunden 50,7 17,2 29,5 4,1 Anmerkung: Die Spalte „Anteil an der Population“ summiert sich jeweils auf 100 Prozent. Die restlichen drei Spalten zeigen den Durchschnitt der jeweiligen Variablen und summieren sich nicht auf 100 Prozent. Quelle: International Mobility Panel of Migrants in Germany (IMPa), Welle 1; Beobachtungen: 41.568, gewichtet.
IAB-Forschungsbericht 15|2025 64 7 Multivariate Analysen der Auswanderungsabsichten Um die Zusammenhänge zwischen den – in den vorangegangenen Kapiteln analysierten – Einflussfaktoren und den Abwanderungsabsichten systematisch zu analysieren, werden logistische Regressionsmodelle eingesetzt. Während in den deskriptiven Auswertungen (Kapitel 4-6) erste Zusammenhänge anhand bivariater Analysen dargestellt wurden, erlaubt die Regressionsanalyse eine weiterführende Betrachtung: Sie ermöglicht es, den isolierten Einfluss einzelner unabhängiger Variablen – etwa sozio-demografischen Merkmalen, arbeitsmarktbezogenen oder soziokulturellen Faktoren – auf die abhängigen Variablen (Abwanderungsabsichten) gleichzeitig zu untersuchen. Dies ist besonders relevant, wenn bestimmte Merkmale stark miteinander korrelieren. So zeigen sich in den deskriptiven Befunden beispielsweise höhere Abwanderungstendenzen sowohl bei Personen mit sehr guten Englischkenntnissen als auch bei Hochqualifizierten. Da rund 60 Prozent der Befragten mit einem Masteroder Promotionsabschluss auch über sehr gute Englischkenntnisse verfügen, ist unklar, welcher dieser Faktoren tatsächlich mit der Abwanderungsneigung zusammenhängt. Die Regressionsanalyse erlaubt es, den Zusammenhang von Sprachkompetenz zu isolieren, während das Bildungsniveau konstant gehalten wird – und umgekehrt. Ein ähnliches Beispiel betrifft Geschlecht und Erwerbsstatus: Wenn Männer häufiger (vollzeit-)erwerbstätig sind und Erwerbstätigkeit mit einer erhöhten Abwanderungsneigung einhergeht, könnte ein beobachteter Geschlechterunterschied in Wahrheit durch Unterschiede im Arbeitsmarktstatus erklärbar sein. Auch für solche Überschneidungen lässt sich im Regressionsmodell kontrollieren. In den folgenden Abschnitten werden die Zusammenhänge verschiedener Merkmalsgruppen (Soziodemografie, Arbeitsmarktintegration und soziokulturelle Einbindung) dargestellt. Auch wenn die Ergebnisse thematisch gegliedert erläutert werden, basieren sie jeweils auf einem gemeinsamen Regressionsmodell pro abhängige Variable. Abbildung 7-1, Abbildung 7-2 und Abbildung 7-3 zeigen die marginalen Effekte für drei Zielgrößen: (1) die temporären Bleibeabsichten, (2) Auswanderungsüberlegungen sowie (3) die Auswanderungspläne. Alle abhängigen Variablen sind als Dummy-Variablen kodiert. Die dargestellten Ergebnisse sind als statistische Zusammenhänge zu interpretieren – sie erlauben keine kausalen Aussagen. 7.1 Soziodemografische Merkmale Abbildung 7-1 zeigt anhand multivariater Regressionsmodelle, welchen Zusammenhang verschiedene soziodemographische Variablen mit den Auswanderungsabsichten haben. Im Einklang mit den deskriptiven Auswertungen zeigt sich, dass Frauen insgesamt seltener beabsichtigen, Deutschland zu verlassen als Männer. Dies gilt sowohl für temporäre Bleibeabsichten (–1,7 Prozentpunkte), für Auswanderungsüberlegungen (–2 Prozentpunkte) als auch für konkrete Auswanderungspläne (–0,6 Prozentpunkte).
IAB-Forschungsbericht 15|2025 65 Abbildung 7-1: Zusammenhang zwischen der Auswanderungsabsichten und soziodemografischen Faktoren. Abhängige Variablen: temporäre Bleibeabsichten, Auswanderungsüberlegungen und Auswanderungspläne Durchschnittlichen marginale Effekte mit 95% Konfidenzintervallen, in Prozentpunkten Anmerkungen: *,+ signifikant auf dem 5und 10-Prozentniveau. Robuste Standardfehler. Die Abbildung zeigt die Schätzergebnisse – dargestellt als marginale Effekte – einer multivariaten Regressionsanalyse (logistische Regression). Die abhängigen Variablen sind binär kodiert: 1 bei temporären Bleibeabsichten / Auswanderungsüberlegungen / Auswanderungsplänen, 0 bei dauerhaften oder ungewissen Bleibeabsichten bzw. bei fehlenden Überlegungen oder Plänen zur Auswanderung. Die weiteren erklärenden Variablen sind in Abb. 7-2 und Abb. 7-3 abgebildet, zusätzliche Kontrollvariablen sind die Anzahl der bisherigen Aufenthalte in Deutschland, ein Indikator für andere Familienmitglieder im Ausland und ein Indikator für Wohnort in Ost-/Westdeutschland. Tabelle A2-3 im Appendix zeigt die vollständigen Regressionsergebnisse. Lesebeispiel: Frauen weisen im Vergleich zu den Männern – alle anderen Faktoren gleichbelassend – eine um rund 1,7 Prozentpunkte geringere Wahrscheinlichkeit auf, temporäre Bleibeabsichten zu haben, eine um 2 Prozentpunkte geringere Wahrscheinlichkeit auf, Auswanderungsüberlegungen zu haben und eine um 0,6 Prozentpunkte geringere Wahrscheinlichkeit auf Auswanderungspläne zu haben. Quelle: International Mobility Panel of Migrants in Germany (IMPa), Welle 1. Beobachtungen: 41.170, gewichtet. Mit steigendem Alter nehmen temporäre Bleibeabsichten zunächst deutlich ab, steigen jedoch ab der Altersgruppe 50–59 Jahre wieder leicht an – ein Muster, das auf einen umgekehrt Uförmigen Zusammenhang hinweist. Für konkrete Auswanderungspläne zeigt sich ein ähnlicher Verlauf, jedoch sind Unterschiede nach Altersgruppen nicht statistisch signifikant. Die Überlegungen, Deutschland zu verlassen, nehmen hingegen mit dem Alter kontinuierlich ab:
IAB-Forschungsbericht 15|2025 66 Personen ab 60 Jahren haben eine um 12 Prozentpunkte geringere Wahrscheinlichkeit, über eine Ausreise in den letzten 12 Monaten nachzudenken als unter 30-Jährige. Beide Muster – der nichtlineare Zusammenhang bei temporären Absichten und die negative Beziehung bei Überlegungen – bestätigen die Erkenntnisse aus Kapitel 3 und stehen im Einklang mit bisherigen Studien (z. B. Bekaert et al. 2024). Auch in Bezug auf die Aufenthaltsdauer zeigen sich differenzierte Befunde. Während frühere Studien eine erhöhte Rückkehrwahrscheinlichkeit innerhalb der ersten fünf bis zehn Jahre nach Ankunft betonen, weisen die IMPa-Daten ein differenziertes Bild auf: Personen, die seit mehr als elf Jahren in Deutschland leben, äußern häufiger Auswanderungsüberlegungen als neu Zugewanderte. Bei den konkreten Auswanderungsplänen zeigt sich hingegen ein gegensätzliches Muster – hier ist die Wahrscheinlichkeit bei längerem Aufenthalt um rund 1,5 Prozentpunkte niedriger. Das deutet darauf hin, dass tatsächliche Ausreisepläne besonders in den ersten Jahren nach Zuzug konkretisiert werden – ein Befund, der mit früheren Studien übereinstimmt. Deutliche Unterschiede zeigen sich auch nach Herkunftsländern: Bürgerinnen und Bürger aus EU-Staaten weisen die höchsten Anteile an Auswanderungsüberlegungen und -plänen auf. Demgegenüber äußern Geflüchtete aus klassischen Asylherkunftsländern sowie aus der Ukraine seltener entsprechende Absichten. Diese Ergebnisse verdeutlichen den prägenden Einfluss der Herkunftskontexte auf die individuelle Bleibeperspektive. Unabhängig vom Herkunftsland zeigen sich zudem klare Unterschiede nach aktuellem Aufenthaltsstatus: Eingewanderte mit deutscher oder EU-Staatsangehörigkeit sowie mit einem unbefristeten Aufenthaltstitel äußern häufiger Abwanderungsabsichten als Personen mit befristetem Aufenthaltsstatus. Dieser Befund steht zwar im Gegensatz zu früheren Ergebnissen für Rückwanderung – etwa zu den sogenannten Gastarbeiterinnen und Gastarbeitern (vgl. Constant und Massey 2002) – erscheint jedoch plausibel und im Einklang mit Befunden für zirkulärer Migration der gleichen Gruppe: Ein gesicherter rechtlicher Status erhöht die Mobilitätsoptionen und kann somit die Schwelle zur Weiterwanderung oder Rückkehr senken. 7.2 Arbeitsmarktkontext und ökonomische Verankerung Abbildung 7-2 zeigt die marginalen Zusammenhänge von Bildungsniveau und Arbeitsmarktfaktoren auf die Abwanderungsabsichten. Obwohl Bildung in den vorangegangenen Abschnitten als soziodemografisches Merkmal behandelt wurde, stellt sie zugleich eine zentrale Voraussetzung für den Arbeitsmarkterfolg dar – etwa durch höhere Verdienstaussichten. In der Forschung finden sich uneinheitliche Befunde zum Zusammenhang zwischen Bildung und Abwanderung: Während einige Studien keinen klaren Effekt feststellen (z. B. Bekaert et al. 2024; Constant und Massey 2003), weisen andere auf einen positiven Zusammenhang hin – insbesondere für Weiterwanderung (z. B. Bekaert et al. 2024; Dustmann und Weiss 2007). Eine mögliche Erklärung für diese Diskrepanz liegt in den Erwartungen hochqualifizierter Personen, die ihre Kompetenzen in einem anderen Land für sich besser nutzbar sehen und daher mobiler sind. Unsere Analysen stützen Letzteres: Personen mit einem Masteroder Promotionsabschluss zeigen statistisch signifikant höhere Abwanderungsabsichten als Personen mit Sekundarbildung – mit einem Anstieg um 2 Prozentpunkte bei temporären Bleibeabsichten, 12 Prozentpunkten bei
IAB-Forschungsbericht 15|2025 67 Auswanderungsüberlegungen und 1 Prozentpunkt bei konkreten Auswanderungsplänen. Damit bestätigen die multivariaten Ergebnisse die zuvor berichteten deskriptiven Befunde. Abbildung 7-2: Zusammenhang zwischen den Auswanderungsabsichten und Arbeitsmarkt bezogenen Faktoren. Abhängige Variablen: temporäre Bleibeabsichten, Auswanderungsüberlegungen und Auswanderungspläne Durchschnittliche marginale Effekte mit 95% Konfidenzintervallen, in Prozentpunkten Anmerkungen: *,+ signifikant auf dem 5und 10-Prozentniveau. Robuste Standardfehler. Die Abbildung zeigt die Schätzergebnisse – dargestellt als marginale Effekte – einer multivariaten Regressionsanalyse (logistische Regression). Die abhängigen Variablen sind binär kodiert: 1 bei temporären Bleibeabsichten / Auswanderungsüberlegungen / Auswanderungsplänen, 0 bei dauerhaften oder ungewissen Bleibeabsichten bzw. bei fehlenden Überlegungen oder Plänen zur Auswanderung. Die weiteren erklärenden Variablen sind in Abb. 7-1 und Abb. 7-3 abgebildet, zusätzliche Kontrollvariablen sind die Anzahl der bisherigen Aufenthalte in Deutschland, ein Indikator für andere Familienmitglieder im Ausland und ein Indikator für Wohnort in Ost-/Westdeutschland. Tabelle A2-3 im Appendix zeigt die vollständigen Regressionsergebnisse. Lesebeispiel: Eingewanderte mit einem Master oder Promotionsabschluss weisen im Vergleich zu denjenigen mit Sekundarstufe oder weniger– alle anderen Faktoren gleichbelassend – eine um rund 2 Prozentpunkte höhere Wahrscheinlichkeit auf, temporäre Bleibeabsichten zu haben, eine um 12 Prozentpunkte höhere Wahrscheinlichkeit auf , Auswanderungsüberlegungen zu haben und eine um 1 Prozentpunkt höhere Wahrscheinlichkeit auf, Auswanderungspläne zu haben. Quelle: International Mobility Panel of Migrants in Germany (IMPa), Welle 1. Beobachtungen: 41.170, gewichtet.
IAB-Forschungsbericht 15|2025 68 Auch das Land des höchsten Bildungsabschlusses ist relevant: Sowohl ein in Deutschland als auch im Drittland erworbener Abschluss geht mit einer höheren Wahrscheinlichkeit von Auswanderungsüberlegungen einher – jeweils im Vergleich zur Referenzkategorie „Geburtsland“. Gleichzeitig sind die Unterschiede in Hinblick auf grundsätzliche Bleibeabsichten und konkreten Auswanderungsplänen statistisch nicht signifikant. Diese Diskrepanzen lassen sich möglicherweise durch selektive Migrationsverläufe erklären. Die positive Selektion im Hinblick auf Bildung spiegelt sich auch in den Zusammenhängen mit der Arbeitsmarktbindung wider. Während in der Literatur häufig angenommen wird, dass eine schwächere Arbeitsmarktbindung – etwa in Form von Teilzeitoder geringfügiger Beschäftigung – die Abwanderungswahrscheinlichkeit erhöht, zeigt sich in unseren Daten ein differenzierteres Bild: Bei den temporären Bleibeabsichten fällt die Tendenz zur Ausreise unter Erwerbstätigen sogar höher aus als unter nicht Erwerbstätigen oder Personen in bezahlter Ausbildung. Innerhalb der erwerbstätigen Personen sind die Unterschiede nicht statistisch signifikant. Eine geringere Neigung von Personen in Ausbildung, in Deutschland nur vorübergehend zu bleiben, deutet darauf hin, dass Investitionen in aufnahmelandspezifisches Humankapital – wie etwa durch eine Ausbildung – die Abwanderungsneigung reduzieren können (siehe auch Kapitel 6). Ein sehr ähnliches Muster wird für die Auswanderungsüberlegungen gefunden. Hingegen spielt der Erwerbsstatus für die Auswanderungspläne keine systematische Rolle. Insgesamt zeigt sich somit, dass der Zusammenhang zwischen Arbeitsmarktstatus und Abwanderungsabsichten weniger klar ausfällt als erwartet und in Teilen den gängigen Annahmen widerspricht. Ökonomische Verankerung im Aufenthaltsland bzw. fortbestehende finanzielle Bindungen zum Herkunftsland werden abschließend anhand zweier Indikatoren betrachtet: Immobilienbesitz in Deutschland geht mit statistisch signifikant geringeren Abwanderungsabsichten einher, während regelmäßige Rücküberweisungen („Remittances“) die Auswanderungsneigung erhöhen. Diese Ergebnisse stehen im Einklang mit den theoretischen Überlegungen zur Rolle ökonomischer Integration und transnationaler Ressourcen (vgl. Constant und Massey 2003). 7.3 Soziokulturelle Verankerung Abbildung 7-3 zeigt die marginalen Effekte verschiedener soziokultureller Faktoren auf die Abwanderungsabsichten. Der Aufenthaltsort der Kernfamilie spielt – wie erwartet – eine zentrale Rolle: Leben Partnerin oder Partner bzw. Kinder im Ausland, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit temporärer Bleibeabsichten sowie von Auswanderungsüberlegungen deutlich. Befinden sich hingegen alle Familienangehörigen in Deutschland, sinken Auswanderungsüberlegungen und - pläne im Vergleich zur Referenzgruppe ohne Partnerin, Partner oder Kinder. Bei den Auswanderungsplänen zeigt sich ein ähnlicher, jedoch statistisch nicht signifikanter Trend. Für das Vorhandensein weiterer Verwandter im Ausland ergeben sich keine signifikanten Zusammenhänge auf die Abwanderungsabsichten (nicht in der Abbildung dargestellt). Ein weiterer relevanter Faktor ist die soziale Einbindung im Aufnahmeland. Eingewanderte mit mindestens wöchentlichen Kontakten zu Deutschen zeigen geringere Abwanderungsabsichten – sowohl temporärer als auch konkreter Natur (vgl. Abbildung 7-3). Diese Ergebnisse bestätigen bestehende Forschung, wonach der Austausch mit Personen aus der Mehrheitsgesellschaft sowohl zur sozialen Integration als auch zur Verfestigung von Bleibeabsichten beiträgt.
IAB-Forschungsbericht 15|2025 69 Eingewanderten mit häufigerem Kontakt zu Personen aus ihren Heimatländern zeigen keinen relevanten Unterschied in ihren Auswanderungsabsichten verglichen zu Personen mit geringerem Kontakt. Abbildung 7-3: Zusammenhang zwischen den Auswanderungsabsichten und soziokulturellen Faktoren. Abhängige Variablen: temporäre Bleibeabsichten, Auswanderungsüberlegungen und Auswanderungspläne Durchschnittlichen marginale Effekte mit 95% Konfidenzintervallen, in Prozentpunkten Anmerkungen: *,+ signifikant auf dem 5und 10-Prozentniveau. Robuste Standardfehler. Die Abbildung zeigt die Schätzergebnisse – dargestellt als marginale Effekte – einer multivariaten Regressionsanalyse (logistische Regression). Die abhängigen Variablen sind binär kodiert: 1 bei temporären Bleibeabsichten / Auswanderungsüberlegungen / Auswanderungsplänen, 0 bei dauerhaften oder ungewissen Bleibeabsichten bzw. bei fehlenden Überlegungen oder Plänen zur Auswanderung. Die weiteren erklärenden Variablen sind in Abb. 7-1 und Abb. 7-2 abgebildet, zusätzliche Kontrollvariablen sind die Anzahl der bisherigen Aufenthalte in Deutschland, ein Indikator für andere Familienmitglieder im Ausland und ein Indikator für Wohnort in Ost-/Westdeutschland. Tabelle A2-3 im Appendix zeigt die vollständigen Regressionsergebnisse. Lesebeispiel: Eingewanderte, die sich sehr willkommen in Deutschland fühlen, weisen im Vergleich zu denjenigen, die sich kaum willkommen fühlen,– alle anderen Faktoren gleichbelassend – eine, um rund 4 Prozentpunkte niedrigere Wahrscheinlichkeit auf, temporäre Bleibeabsichten zu haben, eine um 10 Prozentpunkte niedrigere Wahrscheinlichkeit auf , Auswanderungsüberlegungen zu haben und eine um 2 Prozentpunkte niedriger Wahrscheinlichkeit auf, Auswanderungspläne zu haben. Quelle: International Mobility Panel of Migrants in Germany (IMPa), Welle 1. Beobachtungen: 41.170, gewichtet.
IAB-Forschungsbericht 15|2025 70 (Sehr) gute Deutschkenntnisse sind mit einer höheren Wahrscheinlichkeit von Auswanderungsüberlegungen verbunden – nicht jedoch mit temporären Bleibeabsichten oder konkreten Auswanderungsplänen. Der Zusammenhang bei den Englischkenntnissen fällt hingegen klar positiv aus: Mit besseren Englischkenntnissen steigen sowohl die Auswanderungsüberlegungen als auch die konkreten Pläne, Deutschland zu verlassen. Dies dürfte vor allem auf erweiterte berufliche Optionen im internationalen Kontext zurückzuführen sein. Die allgemeine Lebenszufriedenheit spiegelt nicht nur die aktuelle Lebenslage, sondern häufig auch die Bewertung verschiedener Teilbereiche wie Arbeit, soziale Beziehungen oder gesellschaftliches Klima wider. Die Ergebnisse zeigen einen durchgängig negativen Zusammenhang zwischen Lebenszufriedenheit und Abwanderungsabsichten: Jeder zusätzliche Punkt auf der siebenstufigen Skala reduziert signifikant die Wahrscheinlichkeit temporärer Bleibeabsichten, Auswanderungsüberlegungen und konkreter Auswanderungspläne. Dies unterstreicht die Bedeutung individueller Zufriedenheit als stabilisierender Faktor für Verbleibsperspektiven – ein Befund, der im Einklang mit aktuellen Studien steht (z. B. Sallam 2024). Auch das subjektive Willkommensgefühl wirkt sich signifikant aus: Wer sich in Deutschland überwiegend oder vollkommen willkommen fühlt, hat eine deutlich geringere Neigung, über Auswanderung nachzudenken oder konkrete Pläne zu verfolgen. Wie die Lebenszufriedenheit spiegelt auch dieses Gefühl die wahrgenommene gesellschaftliche Akzeptanz wider – ein zentrales Element für langfristige Integrationsund Bleibeentscheidungen. Diskriminierungserfahrungen in den letzten zwölf Monaten sind ein weiterer signifikanter Prädiktor: Personen, die häufiger Diskriminierung wahrnehmen – sei es im öffentlichen Raum, am Arbeitsplatz oder im Kontakt mit Behörden –, zeigen durchgängig höhere Auswanderungsneigungen. Besonders deutlich ist dieser Zusammenhang bei den Auswanderungsüberlegungen. Zudem spielen emotionale Bindungen an Deutschland und das Herkunftsland eine wichtige Rolle: Eine starke emotionale Verbundenheit mit Deutschland reduziert Abwanderungsabsichten deutlich – insbesondere in Bezug auf temporäre Bleibeabsichten und Überlegungen. Umgekehrt erhöht eine starke Bindung an das Herkunftsland die Wahrscheinlichkeit, Deutschland wieder verlassen zu wollen – ein Ergebnis, das frühere Forschung bestätigt (vgl. Constant und Massey 2003). Schließlich wurde unter den häufigsten Gründen für eine Auswanderung aus Deutschland die politische Lage genannt (Kapitel 3). Die Schätzergebnisse in Abbildung 7-3 bestätigen dieses Muster und zeigen einen klaren Zusammenhang zwischen politischer Zufriedenheit und Abwanderungsneigung: Jeder zusätzliche Punkt auf der Skala zur Zufriedenheit mit der politischen Lage in Deutschland (1 bis 7) senkt die Wahrscheinlichkeit temporärer Bleibeabsichten, von Auswanderungsüberlegungen sowie konkreter Auswanderungspläne. Die Ergebnisse decken sich somit mit den am häufigsten genannten Motiven für eine Auswanderung in der IMPa-Befragung.
IAB-Forschungsbericht 15|2025 71 8 Fazit und Handlungsempfehlungen Temporäre Migration, Rückund Weiterwanderungen haben in Deutschland ein hohes Niveau erreicht. Je nach statistischer Erfassung belaufen sich die Fortzugsraten von 2014 bis 2023 auf durchschnittlich knapp 6 Prozent (Ausländerzentralregister) bis 11 Prozent (Wanderungsstatistik des Statistischen Bundesamtes) der ausländischen Bevölkerung – wobei in der Wanderungsstatistik auch sehr kurzfristige Aufenthalte berücksichtigt sind. Deutschland ist auf eine jährliche Nettozuwanderung von rund 400.000 Personen angewiesen, um den demografisch bedingten Rückgang des Arbeitskräftepotenzials auszugleichen (Fuchs et al. 2021). Eine hohe Mobilitätsneigung unter Zugewanderten kann das Erreichen dieser Zielmarke gefährden und so zu einer zentralen Herausforderung für die Stabilisierung des Arbeitskräftepotenzials werden. Rückund Weiterwanderung prägen das Migrationsgeschehen in Deutschland wesentlich. Sie beeinflussen unmittelbar die Integrationsperspektiven, die wirtschaftliche Teilhabe und die Tragfähigkeit des Sozialstaats. Vertiefte Erkenntnisse über Ursachen, Motive und Zusammensetzung der Rückund Weiterwandernden sowie über die Auswirkungen temporärer Migration auf Integrationsund Teilhabechancen sind daher wichtig – sowohl für die Sicherung des verfügbaren Arbeitskräftepotenzials als auch für die Gestaltung der Arbeitsmarktund Sozialpolitik. Um diese Wissenslücke zu schließen, untersucht die neue longitudinale Online-Befragung International Mobility Panel of Migrants in Germany (IMPa) systematisch die Mobilitätsdynamik: Wer bleibt, wer geht – und warum? Geplant sind alle zwei Jahre neue Erstbefragungen ergänzt durch jährliche Wiederholungsbefragung über vier Jahre hinweg. In der ersten Welle (Dezember 2024 bis April 2025) haben rund 50.000 Migranten und Migrantinnen, die erste Wiederholungsbefragung startet in der zweiten Jahreshälfte 2025. Mithilfe statistischer Hochrechnungsverfahren lassen sich repräsentative Aussagen über Personen in Deutschland treffen, die bis 2. April 2024 nach Deutschland eingewandert sind, in den Daten der BA erfasst wurden (durch Beschäftigung, Leistungsbezug oder Maßnahmenteilnahme) und zwischen 18 bis 65 Jahre alt sind. Dieser Bericht präsentiert erste Befunde zur Abwanderungsdynamik von Eingewanderten in Deutschland auf Basis der ersten Welle. Die zentralen Erkenntnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen: Eine knappe Mehrheit der Eingewanderten (57 Prozent) plant, dauerhaft in Deutschland zu bleiben – das entspricht rund 5,7 Millionen Personen. Etwa 1,2 Millionen streben dagegen nur einen vorübergehenden Aufenthalt an (12 Prozent), und rund 3 Millionen sind in ihren Bleibeabsichten unentschlossen (30 Prozent). 26 Prozent der Eingewanderten – hochgerechnet etwa 2,6 Millionen Personen – denken darüber nach, Deutschland zu verlassen, und 3 Prozent bzw. 312.000 Personen haben konkrete Auswanderungspläne – jeweils etwa zur Hälfte in Richtung Herkunftsland oder Drittland. Ob und in welchem Umfang sich diese angegebenen Pläne tatsächlich realisieren, wird sich mit der zweiten Welle der IMPa-Befragung zeigen. Klar ist jedoch: Diese Mobilitätsdynamik kann das Erreichen des demografischen Ziels einer jährlichen Nettozuwanderung von 400.000 Personen erschweren. Nicht nur der Zuzug, sondern auch die dauerhafte Bindung Zugewanderter wird zur zentralen Herausforderung für die Fachkräftesicherung.
IAB-Forschungsbericht 15|2025 72 Die wichtigsten Auswanderungsziele unterscheiden sich je nach Migrationsform: Rückkehrwillige steuern vor allem europäische Länder wie Polen oder Rumänien an, während Weiterwandernde insbesondere die Schweiz, die USA oder Spanien bevorzugen. Die Motive variieren ebenfalls: Familiäre Gründe dominieren die Rückkehr ins Herkunftsland, während ökonomische Chancen eine zentrale Rolle bei der Weiterwanderung spielen. Als Hauptgründe für Auswanderungsüberlegungen werden politische Unzufriedenheit, persönliche Vorlieben, steuerliche Belastungen und Bürokratie genannt. Diese Motive zeigen sich sowohl bei Arbeitsmigrantinnen und -migranten als auch bei Bildungsund Familienzuwandernden; Geflüchtete nennen zusätzlich Diskriminierungserfahrungen als wichtigen Grund. Insgesamt deutet vieles darauf hin, dass staatliche Maßnahmen wie Bürokratieabbau, Verfahrensvereinfachungen, Zentralisierung der Prozesse oder Steuererleichterungen die Abwanderungsneigung verringern könnten. Bislang hat nur etwa ein Fünftel der Personen mit Auswanderungsplänen konkrete Vorbereitungsschritte unternommen. Besonders bei Weiterwandernden sind Maßnahmen wie Jobsuche, Wohnungssuche oder Sprachkurse verbreitet. Rund 20 Prozent der Personen mit Auswanderungsplänen wünschen sich eine langfristige Rückkehr nach Deutschland, ein Drittel schließt diese aus, und rund die Hälfte ist unentschlossen. Da damit etwa zwei Drittel der Auswanderungswilligen potenziell für eine Rückkehr offen sind, ergibt sich ein erhebliches Potenzial, ausgewanderte Personen langfristig wieder für Deutschland zu gewinnen. Entsprechende politische Strategien – etwa Rückkehrprogramme oder Unterstützungsangebote für rückkehrinteressierte Migrantinnen und Migranten – könnten hierfür eine sinnvolle Strategie darstellen. Hinsichtlich der soziodemografischen und migrationsspezifischen Faktoren zeigen die IMPaErgebnisse, dass diese eine zentrale Rolle für die Abwanderungsabsichten spielen. Männer äußern häufiger temporäre Bleibeabsichten, Auswanderungsüberlegungen und konkrete Auswanderungspläne als Frauen. Mit steigendem Alter nehmen Auswanderungsüberlegungen deutlich ab, während temporäre Bleibeabsichten eine umgekehrt U-förmige Beziehung zum Alter aufweisen. Eine längere Aufenthaltsdauer geht mit mehr Auswanderungsüberlegungen, aber seltener mit konkreten Plänen einher. Herkunftsregion und Zuzugsgrund prägen die Abwanderungsneigung erheblich: Geflüchtete und Personen mit Familiennachzug zeigen deutlich geringere Abwanderungstendenzen, während Migrantinnen und Migranten aus EUStaaten sowie aus arbeitsund bildungsbezogenen Migrationskontexten eine höhere Mobilität aufweisen. Zudem ist die Abwanderungsneigung unter Personen mit unbefristetem Aufenthaltsstatus oder EU-/deutscher Staatsangehörigkeit größer – vermutlich aufgrund erweiterter Mobilitätsoptionen. Die IMPa-Ergebnisse verdeutlichen, dass Arbeitsmarktfaktoren und ökonomische Verankerung einen wichtigen, aber differenzierten Einfluss auf die Abwanderungsabsichten von Eingewanderten haben. Bildung ist ein zentraler Prädiktor: Höherqualifizierte (mit Masteroder Promotionsabschluss) äußern deutlich häufiger Auswanderungsüberlegungen und konkrete Auswanderungspläne als Personen mit niedrigerem Bildungsniveau. Auch Abschlüsse aus Deutschland oder Drittstaaten sowie in Deutschland anerkannte ausländische Qualifikationen sind stärker mit Auswanderungsüberlegungen verbunden – vermutlich aufgrund ihrer höheren internationalen Übertragbarkeit.
IAB-Forschungsbericht 15|2025 79 van Dalen, H. P.; Henkens, K. (2013): Explaining emigration intentions and behaviour in the Netherlands, 2005–10. In: Population Studies, 67(2), S. 225–241. DOI: https://doi.org/10.1080/00324728.2012.725135 Damelang, A.; Kosyakova, Y. (2021): To work or to study? Postmigration educational investments of adult refugees in Germany – Evidence from a choice experiment. In: Research in Social Stratification and Mobility, 73, 100610. DOI: https://doi.org/10.1016/j.rssm.2021.100610 de Haas, H.; Fokkema, T. (2011): The effects of integration and transnational ties on international return migration intentions. In: Demographic Research, 25, S. 755–782. DOI: https://doi.org/10.4054/DemRes.2011.25.24 DESTATIS. (2024): Statistischer Bericht. Ausländische Bevölkerung 2023. Statistisches Bundesamt (Destatis). Zuletzt abgerufen: 29.04.2025. DESTATIS. (2025a): Ausländer: Deutschland, Stichtag, Geschlecht/Altersjahre/ Familienstand. Ausländer: Deutschland, Stichtag, Geschlecht/Altersjahre/ Familienstand. In: GENESIS-OnlineDatenbank, Tabelle 12521-0001. Zuletzt abgerufen: 29.04.2025. DESTATIS. (2025b): Gesamtwanderungen über die Grenzen der Bundesländer: Deutschland, Jahre, Nationalität, Geschlecht. In: GENESIS-Online-Datenbank. Tabelle 12711-0001. Zuletzt abgerufen: 29.04.2025. Dollmann, J.; Mayer, S. J.; Lietz, A.; Siegel, M.; Köhler, J. (2023): DeZIM. panel–Data for Germany’s post-migrant society. Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik, 243(1), 93-108. Dustmann, C.; Weiss, Y. (2007): Return migration: Theory and empirical evidence from the UK. In: British Journal of Industrial Relations, 45(2), S. 236–256. DOI: https://doi.org/10.1111/j.14678543.2007.00613.x Dustmann, C.; Görlach, J. S. (2016): The economics of temporary migrations. In: Journal of Economic Literature, 54(1), S. 98-136. Ebbinghaus, M.; Bahl, A.; Gruber, T.; Schwerin, C.; Soja, E.-M. (2017): Betriebliche Ausbildungspartnerschaften kleiner und mittlerer Betriebe. Ergebnisse aus dem BIBBExpertenmonitor Berufliche Bildung. In: Bonn: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) Ette, A.; Heß, B.; Sauer, L. (2016): Tackling Germany’s Demographic Skills Shortage: Permanent Settlement Intentions of the Recent Wave of Labour Migrants from Non-European Countries. In: Migration and Integration, 17, S. 429–448. DOI: https://doi.org/10.1007/s12134-015-0424-2 Ette, A.; Décieux, J.; Erlinghagen, M.; Auditor, J. G.; Mansfeld, L.; Sander, N.; Schneider, N. F.; Witte. N. (2019): German Emigration and Remigration Panel Study (GERPS): Neue GERPS-Daten Über Deutsche AusUnd Rückwandernde. In: Bevölkerungsforschung Aktuell, 6, S. 1–10. Eurostat. (2022). Labour market situation of migrants and their immediate descendants – 2021 module (lfso_21). European Commission. URL: https://ec.europa.eu/eurostat/cache/metadata/en/lfso_21_esms.htm Fuchs, J.; Söhnlein, D.; Weber, B. (2021): Projektion Des Erwerbspersonenpotenzials Bis 2060: Demografische Entwicklung Lässt Das Arbeitskräfteangebot Stark Schrumpfen. In: IABKurzbericht, 25.
IAB-Forschungsbericht 15|2025 80 Geis-Thöne, W., 2022, Fachkräftesicherung durch Zuwanderung über die Hochschule, in: IWTrends, Nr. 3, S. 67–88 Graf, T.; Grießemer, S.; Köhler, M.; Lehnert, C.; Moczall, A.; Oertel, M.; Schmucker, A.; Schneider, A.; vom Berge, P. (2025): Schwach anonymisierte Version der Stichprobe der Integrierten Arbeitsmarktbiografien (SIAB) – Version 7523 v1. Forschungsdatenzentrum der Bundesagentur für Arbeit (BA) im Institut für Arbeitsmarktund Berufsforschung (IAB). DOI: https://doi.org/10.5164/IAB.SIAB7523.de.en.v1 Granovetter, M. S. (1973): The strength of weak ties. In: American journal of sociology, 78(6), S. 1360–1380. Haas, G. C., Müller, B., Osiander, C., Schmidtke, J., Trahms, A., Volkert, M.; Zins, S. (2021). Development of a new COVID-19 panel survey: the IAB high-frequency online personal panel (HOPP). Journal for labour market research, 55(1), 16. Hannafi, C.; Marouani, M. A. (2023): Social integration of Syrian refugees and their intention to stay in Germany. In: Journal of Population Economics, 36, S. 581–607. Herzer, P.; Kunath, G. (2024): Fachkräftelücken belasten wichtige Wirtschaftszweige, Studie im Rahmen des Projektes Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK), Köln Kaya, S.; Orchard, P. (2020): Prospects of Return: The Case of Syrian Refugees in Germany. In: Journal of Immigrant and Refugee Studies, 18(1), S. 95–112. DOI: https://doi.org/10.1080/15562948.2019.1570579 Khalil, S.; Lietz, A.; Mayer, S. J. (2020): Systemrelevant und prekär beschäftigt: Wie Migrant*innen unser Gemeinwesen aufrechterhalten. In: DeZIM Research Notes 3 - RN-2020-05, Berlin: Deutsches Zentrum für Integrationsund Migrationsforschung (DeZIM). Kosyakova, Y.; Kristen, C.; Spörlein, C. (2022): The dynamics of recent refugees’ language acquisition: how do their pathways compare to those of other new immigrants? In: Journal of Ethnic and Migration Studies, 48(5), S. 989–1012. Kosyakova, Y.; Rother, N.; Zinn, S. (Hrsg.); Bartig, S.; Biddle, L.; Büsche, M. J.; Cardozo Silva, A.; Cumming, P.; Eckhard, J.; Gatskova, K.; Koch, T.; Kosyakova, Y.; Marchitto, A.; Schwanhäuser, S.; Siegert, M.; Sommer, E.; Süttmann, F.; Tanis, K.; Rother, N.; Zinn, S. (2025): Lebenssituation und Teilhabe ukrainischer Geflüchteter in Deutschland: Ergebnisse der IAB-BAMF-SOEP-Befragung. In: IAB-Forschungsbericht 05/2025, Nürnberg, S. 127. DOI: https://doi.org/10.48720/IAB.FB.2505 Liebig, T.; Ewald, H. (2023): Deutschland im internationalen Wettbewerb um Talente: Eine durchwachsene Bilanz. In: Policy Brief Migration. Liebig, T.; Senner, A.-S. (2024). Wer will nach Deutschland und wer schafft es? Neue Erkenntnisse aus einer Befragung ausländischer Fachkräfte. OECD Berlin Centre. URL: https://blog.oecdberlin.de/wer-will-nach-deutschland-und-wer-schafft-es-neue-erkenntnisse-aus-einerbefragung-auslaendischer-fachkraefte Loschert, F., Leisenheimer, M.; Komitowski, D. (2025). Willkommen zurück? Abwanderungsgründe und Rückwanderungspotenziale von aus Deutschland abgewanderten EUund Drittstaatsangehörigen. Friedrich-Ebert-Stiftung. URL: https://library.fes.de/pdf-files/a-pb/22042.pdf
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IAB-Forschungsbericht 15|2025 82 WirtschaftsWoche. (2025). Koalitionsvertrag 2025: Der Koalitionsvertrag als PDF zum Download. URL: https://www.wiwo.de/politik/deutschland/koalitionsvertrag-2025-der-koalitionsvertragals-pdf-zum-download/30290756.html
IAB-Forschungsbericht 15|2025 83 Anhang A1 Nürnberg, im November 2024 Wissenschaftliche Studie „Mein Weg in Deutschland“ Guten Tag «Vorname» «Nachname», gemeinsam mit unserem Team bitten wir Sie herzlich, an unserer wissenschaftlichen Studie „Mein Weg in Deutschland“ teilzunehmen. Diese wird vom Institut für Arbeitsmarktund Berufsforschung (IAB) in Nürnberg durchgeführt. In unserer Studie wollen wir verstehen, wie es Migrantinnen und Migranten7 hier in Deutschland geht. Wir interessieren uns für Ihren Weg in Deutschland: Von den alltäglichen Herausforderungen und Erfolgen bis hin zu Ihren Hoffnungen und Überlegungen – Ihre Perspektive ist für uns entscheidend. Warum ist Ihre Teilnahme wichtig? – Die Erfahrungen von Migrantinnen und Migranten in Deutschland sind sehr divers. Wir betreiben wissenschaftliche Forschung und beraten politische Entscheidungsträger. Wir möchten der Politik wirklich gute Ratschläge geben und besser verstehen, was Migranten hier bewegt. Daher ist es wichtig, dass auch Sie mit Ihren ganz persönlichen Erfahrungen an dieser Befragung teilnehmen. Wie können Sie mitmachen? – Einfach den QR-Code mit ihrem Smartphone scannen oder folgenden Link in einen Internetbrowser eingeben: www.iab-myway.de Ihr persönliches Passwort zur Teilnahme lautet: «Passwort» Was haben Sie von der Teilnahme? – Sie erhalten als kleines Dankeschön für die Teilnahme einen Gutschein über mindestens 5 Euro. Sie können selbst entscheiden, wofür Sie es einlösen möchten (z. B. Media Markt, Zalando, IKEA, Otto, OBI, ...). Woher hat das IAB Ihre Adresse? – Ihre Kontaktdaten wurden uns von der Bundesagentur für Arbeit zur Verfügung gestellt, und zwar ausschließlich für diese Studie. Wir versichern Ihnen, dass wir Ihre Daten streng vertraulich behandeln und Ihre Privatsphäre respektieren. Weitere Informationen zum Datenschutz finden Sie unter www.iab-myway.de/privacy. Warum gerade Sie? – Sie wurden nach dem Zufallsprinzip aus Personen mit Migrationshintergrund ausgewählt. Ihre Teilnahme ist freiwillig. Ihre Geschichte, aber, ist ein entscheidender Beitrag für unsere Studie. Wie lange wird es dauern? – Wir schätzen, dass die Beantwortung der Fragen etwa 20 Minuten dauert. Mit freundlichen Grüßen und der herzlichen Bitte um Ihre Unterstützung Prof. Dr. Yuliya Kosyakova (Studienleiterin) 7 Möglicherweise leben Sie schon sehr lange hier und identifizieren sich nicht als Migrant*in. Wir bitten Sie trotzdem an unserer Studie teilzunehmen. Weitere Erläuterungen dazu, warum wir Sie angeschrieben haben, finden Sie unter www.iabmyway.de/FAQ. Prof. Dr. Herbert Brücker «Vorname» «Nachname» «StrasseHausnr» «PLZ» «Ort»
84 Nuremberg, November 2024 Online personal survey "My way in Germany" Dear «Vorname» «Nachname», together with our team, we would like to invite you to take part in our scientific study "My way in Germany". It is conducted by the Institute for Employment Research (IAB) in Nuremberg. In our study, we want to understand how migrants8 are doing here in Germany. We are interested in your path in Germany: from everyday challenges and successes, to your hopes and thoughts – your perspective is crucial to us. Why does your participation matter? – The experiences of migrants in Germany are very diverse. We carry out scientific research and advise policy-makers. We want to give excellent advice to policy-makers and better understand what matters to migrants here. Therefore, your participation in this survey and sharing your personal experiences is so important. How can you take part? – Simply scan the QR code with your smartphone or enter this link in your internet browser: www.iab-myway.de Your personal password for participation is: «Passwort» What's in it for you? – For your participation you will receive a voucher for at least 5 euros as a small thank you. You can decide for yourself what you want to redeem it for (e.g., Media Markt, Zalando, IKEA, Otto, OBI, ...). Who are we? – We are researchers from the Institute for Employment Research. Where did the IAB get your address? – Your contact details were shared with us by the Federal Employment Agency, strictly for this study. We assure you, your details are treated with the utmost confidentiality and respect for your privacy. For more information on data protection, visit www.iabmyway.de/privacy. Why you? – You were randomly selected from all people with migration background. Your participation is voluntary. Your story, however, is a crucial contribution to our study. How long does it take? – We estimate that answering the questions will take about 20 minutes. Further information can be found under www.iab-myway.de. Yours sincerely and with a heartfelt request for your support Prof. Dr. Yuliya Kosyakova (Director of the study) 8 You may have lived here already for a very long time and do not identify as a migrant. We would still like to ask you to take part in our study. You can find further explanations as of why we have written to you under www.iab-myway.de/FAQ. Prof. Dr. Herbert Brücker
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IAB-Forschungsbericht 15|2025 86 Datenschutzinformation gemäß Art. 13 Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) Das Institut für Arbeitsmarktund Berufsforschung (IAB) führt die Online-Personenbefragung „Mein Weg in Deutschland“ durch. Mit den erhobenen Daten wird untersucht, welche Erfahrungen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland machen, und wie dies ihre Lebenssituation beeinflusst. Ihre Daten werden streng vertraulich behandelt. Die Teilnahme ist freiwillig! Es entstehen Ihnen keine Nachteile, egal, ob Sie sich für oder gegen eine Teilnahme entscheiden. Was geschieht mit meinen Angaben? – Ihre Angaben werden unter Beachtung der strengen Vorschriften des Datenschutzes verarbeitet und getrennt von Ihrem Namen und Ihrer Adresse aufbewahrt. Die Forscherinnen und Forscher, die die Daten auswerten, bekommen diese Daten nur ohne Namen und Adresse und können daher nicht wissen, wer Sie sind. Ergebnisse der Befragung, die veröffentlicht werden, enthalten keine Angaben zu einzelnen Personen, sondern nur zu größeren Gruppen (z. B. Prozentoder Durchschnittswerte). Die Veröffentlichung erfolgt also anonym. Die Auswertung der Daten erfolgt zu rein wissenschaftlichen Zwecken. Die Verwendung für kommerzielle Zwecke (Werbung, Marketing) ist nicht erlaubt. Wie hat das IAB meine Kontaktdaten erhalten? – Das IAB hat Ihre Kontaktdaten – unter strikter Wahrung des Datenschutzes – von der Bundesagentur für Arbeit (BA) erhalten. Das IAB gehört zur Bundesagentur für Arbeit (BA), ist von dieser jedoch – zur Sicherung der Wissenschaftsund Forschungsfreiheit – räumlich, personell und organisatorisch getrennt. Das IAB darf Personen bitten, sich an Befragungen zu beteiligen, wenn sich notwendige Informationen nicht aus vorhandenen Daten entnehmen lassen. Gesetzlich geregelt ist das in § 282 Abs. 5 SGB III. Bei der BA sind unter anderem die betrieblichen Meldungen von Beschäftigungszeiten an die Sozialversicherung gespeichert. Die Befragung selbst sowie die Zusammenführung der in der Befragung erhobenen Daten mit Daten, die beim IAB vorhandenen sind oder dort erhoben werden, erfolgen nur, wenn Sie zuvor dazu eingewilligt haben (Art. 6 Abs. 1 lit. a DSGVO). Wieso wird meine E-Mailadresse und / oder Handynummer abgefragt? – Um Sie erneut befragen zu können und um Ihnen Ihren Gutschein zukommen zu lassen, brauchen wir Ihre E-Mailadresse. Ihre persönlichen Daten werden nicht an Dritte weitergegeben und stehen unter dem datenrechtlichen Schutz des Instituts für Arbeitsmarktund Berufsforschung. Ihre Einwilligung hierfür wird in der Befragung abgefragt und kann jederzeit widerrufen werden. Wer ist für die Datenverarbeitung verantwortlich? – Verantwortlich für die Verarbeitung von personenbezogenen Daten im Rahmen dieser Befragung ist die Bundesagentur für Arbeit, vertreten durch den Vorstand, Regensburger Str. 104, 90478 Nürnberg. Die Einladung zur Befragung erhalten Sie vom IAB. Die technische Ausführung der Befragung übernimmt Ingress als Auftragsverarbeiter des IAB. Ingress handelt ausschließlich nach Weisungen des IAB und ist zur strengsten Geheimhaltung verpflichtet. Löschung Ihre Befragungsdaten werden bei Ingress jeweils mit Ablauf der nachfolgenden Befragungswelle gelöscht, beim IAB mit Ablauf der Aufbewahrungsfrist zur Sicherung der guten wissenschaftlichen Praxis. Ihre Rechte Sie können auf Antrag Auskunft über Ihre beim IAB vorliegenden Daten verlangen und außerdem prüfen lassen, ob eine Berichtigung, Löschung, Übertragung ihrer Daten oder eine Einschränkung der Verarbeitung erfolgen muss sowie ob Ihrem Widerspruch gegen die Verarbeitung stattgegeben werden muss. Auch können Sie Ihre Einwilligung widerrufen. Ihre Einwilligung können Sie jederzeit postalisch oder per E-Mail über die im Briefkopf angegebenen Adressen widerrufen. Die Rechtmäßigkeit der bisherigen Verarbeitung bleibt hiervon unberührt. Für die Geltendmachung Ihrer Betroffenenrechte nutzen Sie bitte ebenfalls die im Briefkopf angegebenen Adressen. Datenschutzbeauftragter der BA Den Datenschutzbeauftragten der BA, Marc Rompf, können Sie bei Fragen oder Anliegen unter folgender Adresse erreichen: Bundesagentur für Arbeit, Stabsstelle Datenschutz, Regensburger Straße 104, 90478 Nürnberg. Kontaktformular: https://web.arbeitsagentur.de/portal/kontakt/de/weitere-themen/datenschutz. Datenschutzaufsichtsbehörde Sie haben ein Beschwerderecht gegenüber dem BfDI - Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit, Graurheindorfer Str. 153, 53117 Bonn. Weitere Informationen zum Datenschutz finden Sie unter www.iab-myway.de. Wir danken Ihnen für Ihre Mitwirkung und für Ihr Vertrauen in unsere Arbeit!
IAB-Forschungsbericht 15|2025 87 Anhang A2 Tabelle A 2-1: Randverteilungen der Kalibrierungsmerkmale in der Population, der Bruttostichprobe, der Nettostichprobe und nach der Gewichtung Variable Kategorie Population, Prozent Bruttostichprobe, Anzahl Nettostichprobe, Prozent Nettostichprobe gewichtet, Prozent Geschlecht Männlich 54.5 55.0 50.8 54.5 Weiblich 45.5 45.0 49.2 45.5 Alter 18-28 18.3 30.0 24.6 18.3 29-38 27.5 31.4 39.2 27.5 39-48 25.7 21.2 22.6 25.7 49-58 20.4 13.0 10.4 20.4 59-65 8.0 4.4 3.2 8.0 Bildung (Fach-)Hochschule 19.3 21.2 45.5 19.3 Abitur 7.7 6.9 7.1 7.7 Abitur und Berufsausbildung 8.0 5.0 5.3 8.0 Berufsausbildung 25.4 13.5 7.7 25.4 Kein Abschluss 25.4 22.2 12.3 25.4 Missing 14.2 31.2 22.2 14.2 Beschäftigt Beschäftigt 73.2 74.7 76.5 73.2 Nicht beschäftigt 26.8 25.3 23.5 26.8 Bundesland Baden-Württemberg 16.2 15.3 15.1 16.2 Bayern 17.0 18.1 19.5 17.0 Berlin 6.6 8.2 11.1 6.6 Brandenburg 1.3 1.6 1.7 1.3 Bremen 1.2 1.1 1.0 1.2 Hamburg 3.3 3.3 3.7 3.3 Hessen 9.6 9.1 8.7 9.6 MecklenburgVorpommern 0.7 0.9 0.9 0.7 Niedersachsen 7.8 7.8 7.0 7.8 Nordrhein-Westfalen 23.7 20.5 17.6 23.7 Rheinland-Pfalz 4.5 4.5 3.8 4.5 Saarland 1.0 0.9 0.8 1.0 Sachsen 2.1 2.9 3.8 2.1 Sachsen-Anhalt 1.1 1.4 1.3 1.1 Schleswig-Holstein 2.5 2.5 2.3 2.5 Thüringen 1.2 1.5 1.3 1.2 Missing 0.1 0.4 0.3 0.1
IAB-Forschungsbericht 15|2025 88 Variable Kategorie Population, Prozent Bruttostichprobe, Anzahl Nettostichprobe, Prozent Nettostichprobe gewichtet, Prozent Deutsch gemeldet Jemals deutsch gemeldet 45.2 22.2 19.6 45.2 Nie deutsch gemeldet 54.8 77.8 80.4 54.8 Aufenthaltsdauer 0 bis unter 2 17.1 43.4 43.5 17.1 2 bis unter 5 11.7 21.5 23.3 11.7 5 bis unter 10 24.8 20.0 19.8 24.8 Mehr als 10 46.4 15.1 13.4 46.4 Ländergruppe Afrika 4.9 7.2 6.6 4.9 Asien 7.0 9.0 10.5 7.0 Asylherkunftsländer 14.6 8.6 6.7 14.6 EU-Ost 22.8 26.4 14.3 22.8 EU/Schengen 12.2 11.8 14.0 12.2 Englischsprachig 1.3 5.4 11.0 1.3 Lateinamerika 1.8 5.6 11.6 1.8 Osteuropa 14.1 10.2 8.6 14.1 Türkei 14.3 6.2 6.0 14.3 Ukraine 7.1 9.7 10.8 7.1 Beobachtungen Leere Zelle 10.077.286 700.000 41.627 leere Zelle Quelle: International Mobility Panel of Migrants in Germany (IMPa), Welle 1.
IAB-Forschungsbericht 15|2025 95 Tabelle 5-2: Anerkennung des höchsten Ausbildungs-/Hochschulabschluss und Wanderungsabsichten................................................................................................... 50 Tabelle 5-3: Wanderungsabsichten nach Erwerbstatus ................................................................... 51 Tabelle 5-4: Wanderungsabsichten und Verdienste ......................................................................... 52 Tabelle 5-5: Branchen und Wanderungsabsichten .......................................................................... 54 Tabelle 5-6: Wanderungsabsichten nach Arbeitszufriedenheit ....................................................... 55 Tabelle 6-1: Standort der Familie, Pläne für Familiennachzug und Wanderungsabsichten ........... 57 Tabelle 6-2: Soziale Kontakte und Wanderungsabsichten .............................................................. 59 Tabelle 6-3: Sprachkenntnisse und Wanderungsabsichten ............................................................. 60 Tabelle 6-4: Willkommensgefühl und Wanderungsabsichten ......................................................... 61 Tabelle 6-5: Wanderungsabsichten nach wahrgenommener Diskriminierung ............................... 62 Tabelle 6-6: Verbundenheit mit Herkunftsland, Deutschland und Wanderungsabsichten ............ 63 Tabelle A 2-1: Randverteilungen der Kalibrierungsmerkmale in der Population, der Bruttostichprobe, der Nettostichprobe und nach der Gewichtung ............................ 87 Tabelle A 2-2: Soziodemografische Merkmale, ungewichtet und gewichtet. .................................... 89 Tabelle A 2-3: Determinanten der temporären Bleibeabsichten, Auswanderungsüberlegungen und Auswanderungspläne ............................................................................................ 92
Impressum IAB-Forschungsbericht 15|2025 Veröffentlichungsdatum 11. Juni 2025 Herausgeber Institut für Arbeitsmarktund Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit Regensburger Straße 104 90478 Nürnberg Nutzungsrechte Diese Publikation ist unter folgender Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht: Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International (CC BY-SA 4.0) https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de Bezugsmöglichkeit dieses Dokuments https://doku.iab.de/forschungsbericht/2025/fb1525.pdf Bezugsmöglichkeit aller Veröffentlichungen der Reihe „IAB-Forschungsbericht“ https://iab.de/publikationen/iab-publikationsreihen/iab-forschungsbericht/ Website https://www.iab.de ISSN 2195-2655 DOI 10.48720/IAB.FB.2515 Rückfragen zum Inhalt Yuliya Kosyakova Telefon: 0911 179-3643 E-Mail: [email protected]
