Hidden Value: Wohlfahrtsökonomische Effekte internationaler Sportgroßveranstaltungen
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Heyne, Malte; Süssmuth, Bernd Article Hidden Value: Wohlfahrtsökonomische Effekte internationaler Sportgroßveranstaltungen Schmollers Jahrbuch – Journal of Applied Social Science Studies. Zeitschrift für Wirtschaftsund Sozialwissenschaften Provided in Cooperation with: Duncker & Humblot, Berlin Suggested Citation: Heyne, Malte; Süssmuth, Bernd (2007) : Hidden Value: Wohlfahrtsökonomische Effekte internationaler Sportgroßveranstaltungen, Schmollers Jahrbuch – Journal of Applied Social Science Studies. Zeitschrift für Wirtschaftsund Sozialwissenschaften, ISSN 1865-5742, Duncker & Humblot, Berlin, Vol. 127, Iss. 4, pp. 511-529, https://doi.org/10.3790/schm.127.4.511 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/292207 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. You are not to copy documents for public or commercial purposes, to exhibit the documents publicly, to make them publicly available on the internet, or to distribute or otherwise use the documents in public. If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/
Schmollers Jahrbuch 127 (2007), 511-529 Duncker & Humblot, Berlin Hidden Value: Wohlfahrtsökonomische Effekte internationaler Sportgroßveranstaltungen Eine Betrachtung vom anderen Ende des Contingent-Valuation-Spektrums: Maradonavs. Beckenbauer-Effekt Von Malte Heyne und Bernd Süssmuth* Abstract This paper analyzes and quantifies the intangible benefits for the German population resultant from Germany's hosting of the FIFA Soccer World Cup 2006. We compare this legacy of Franz Beckenbauer with welfare effects generated by athletic success of the German national squad, labelled "Maradona-Effect" by Rätzel and Weimann (2006) and summarized in Brenke and Wagner (2006). Our analysis relies on data from two contingent valuation surveys before and after the tournament. Zusammenfassung Dieser Beitrag untersucht und quantifiziert den intangiblen Nutzen, der der deut schen Bevölkerung durch das Ausrichten der FIFA Fußballweltmeisterschaft 2006 ent standen ist. Wir vergleichen dieses Vermächtnis Franz Beckenbauers mit den Wohl fahrtseffekten, die durch sportlichen Erfolg der deutschen Nationalmannschaft entste hen und die von Rätzel und Weimann (2006) als „Maradona-Effekt" bezeichnet und in Brenke und Wagner (2006) zusammenfassend dargestellt werden. Unsere Untersuchung stützt sich auf Daten zweier Umfragen auf Grundlage der Contingent-Valuation-Metho de vor und nach dem Turnier. JEL-Classification: H49, H59, L83 Received: July 31, 2007 Accepted: October 9, 2007 * Der Beitrag wurde abgeschlossen während eines Gastaufenthalts an der University of California, Santa Barbara. Bernd Süssmuths Dank gilt dem Department of Econom ics der UCSB für seine Gastfreundschaft und Unterstützung. Wir bedanken uns darüber hinaus bei zwei anonymen Gutachtern und Gert G. Wagner für eine Fülle an sehr kons truktiven Hinweisen und wertvollen Verbesserungsvorschlägen. Schmollers Jahrbuch 127 (2007) 4 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.127.4.511 | Generated on 2023-04-04 12:38:49
512 Malte Heyne und Bernd Süssmuth 1. Einleitung und Motivation Am 6. Juli 2000 vergab das Exekutivkomitee des Weltfußballverbandes FIFA die Ausrichtung der Fußball-WM 2006 äußerst knapp mit zwölf Stim men, elf Gegenstimmen und einer Enthaltung an Deutschland. Franz Becken bauer leitete erfolgreich die deutsche Delegation, was ihm endgültig den Ruf der „Lichtgestalt" des deutschen Fußballs einbrachte. Als Kopf des Orga nisationskomitees (OK) der WM 2006 wird sein Beitrag für das Image der Deutschen im Ausland sogar für größer erachtet als derjenige von „50 Jahren Diplomatie und zehn Goethe-Institute zusammen".1 In ihrem Beitrag „Der Maradona Effekt" untersuchen Rätzel und Weimann (2006) auf Grundlage der Contingent-Valuation-Methode (CVM) die Zah lungsbereitschaft (ZB) der erwachsenen, deutschen Wohnbevölkerung für das Betrachten eines WM-Spiels mit deutscher Beteiligung im Vergleich zu einem Spiel ohne Beteiligung der deutschen Nationalelf (vgl. Brenke/Wagner, 2006, 29 -31 ). Das gezeichnete hypothetische Szenario der Interview-Abfrage be zieht sich dabei auf das Viertel-, Halbfinalund Finalspiel der bekannterma ßen in Deutschland ausgerichteten FIFA-WM 2006. Die errechneten aggre gierten Wohlfahrtseffekte reichen dabei von 189 Millionen Euro (Ausscheiden im Viertelfinale) bis 747 Millionen Euro (Erreichen des Finalspiels). Im Kernstück ihrer Studie ermitteln die Autoren einen Wert für die Kompensa tionsforderung der Deutschen bei einer Finalniederlage in Höhe von mehr als 17 Milliarden Euro zur Wiederherstellung „kollektiver Indifferenz". Der kor respondierende, in dieser Studie ermittelte aggregierte Zahlungsbereitschafts wert liegt bei vergleichsweise konservativ geschätzten 2,3 Milliarden Euro für den WM-Titel.2 Rätzel und Weimann (2006) belegen diese beachtlichen posi tiven Wohlfahrtseffekte nationalen sportlichen Erfolgs mit dem Schlagwort ,,Maradona-Effekt". Der Maradona-Effekt ist unabhängig vom Ort der WM-Ausrichtung, da Wohlfahrtsgewinne auch bei einem Erfolg der DFB-Elf in Südafrika in ent sprechender Höhe möglich sind. Wirtschaftspolitisch interessanter ist -wenn man davon absieht, dass der Heimvorteil die Spielstärke der Nationalelf beflü geln kann -daher der Beckenbauersche Vermächtnis-Effekt, also der Fakt, dass Deutschland Gastgeber der WM 2006 war und insbesondere durch diesen 1 Siehe in diesem Zusammenhang DIE ZEIT, Nr. 18, 25. April 2001, ,,Ich, Franz, Kaiser und Hofnarr" (Leben). 2 Dieser Wert basiert auf dem für Ausreißer bekanntermaßen anfälligen ersten Mo ment, dem arithmetischen Mittel, der Individualpräferenzen. In einer Research Note zeigen Brenke und Wagner (2007), dass sich für ein Zugrundelegen des Medians als robustem Maß deutlich niedrigere Werte aus den von Rätzel und Weimann (2006) er hobenen Zahlen ergeben. Demnach läge die aggregierte Kompensationsforderung bei 3,4 Milliarden Euro, die aggregierte Zahlungsbereitschaft der Deutschen für den Ge winn des WM-Titels bei 670 Millionen Euro. Schmollers Jahrbuch 127 (2007) 4 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.127.4.511 | Generated on 2023-04-04 12:38:49
Wohlfahrtsökonomische Effekte von Sportgroßveranstaltungen 513 Umstand bereits nicht unmittelbar messbare Wohlfahrtsgewinne für die deut sche Volkswirtschaft entstanden. Gegenstand dieses Beitrags ist die Bewertung und Monetarisierung der in tangiblen Wirkungen, die sich alleine durch die Ausrichtung der WM 2006, für die deutsche Volkswirtschaft ergaben. Es geht also um die Beantwortung der Frage, ob der Vermächtnis-Effekt des Franz Beckenbauer mit einem mög lichen Maradona-Effekt durch den (hypothetischen) Gewinn des WM-Titels durch die DFB-Elf mithalten kann. Das Spektrum der möglichen intangiblen Wirkungen ist vielfältig. Der ausrichtenden Bevölkerung können einerseits Erlebnisund Freizeitnutzen entstehen, andererseits kann die Ausrichtung das gesellschaftliche Zusammengehörigkeitsgefühl und „ Civic Pride" fördern. In der Literatur werden diese intangiblen, nutzenstiftenden Größen des Außen und Innen-Images als Feelgood-Factor bezeichnet. Der Feelgood-Factor umfasst Aspekte, wie gesellschaftlichen Zusammenhalt, Civic Pride, Anse hen im Ausland und ähnliche gesamtwirtschaftliche Wohlfahrtskomponenten. Tabelle 1 gibt einen Überblick über die 42estandteile potentiellen nicht-unmit telbaren Nutzens einer WM-Ausrichtung. Tabelle 1 Nutzendimensionen einer Fußball-WM-Ausrichtung Kategorie Art des Nutzens Beispiele Use-Value Direkter Konsum Erlebnisund Freizeitnutzen durch Stadionbesuch; EventErlebnis in den WM-Spielorten; Nachnutzung der EventInfrastruktur Indirekter Konsum Konsum dieses Erlebnisund Freizeitnutzens über die Medien (nicht der Konsum der Fußballspiele über die Medien) Nonuse-Existenzwert Präferenz für die Lokalisierung der Nutzenstifter im Value eigenen Land Optionswert Möglichkeit Erlebnisund Freizeitnutzen zu konsumieren Vermächtniswert Motivation von Kindern; Vermittlung sportlicher Werte; Sozialisationsund Integrationsgewinne; Förderung sportlicher Betätigung; Vererbung des WM-Ausrichter-Status Feelgood-Factor Positives Gefühl WM-Gastgeber zu sein; psychologische und ökonomische Impulswirkung; politische und persönliehe Sendungsgewinne; Freude in einem weltweit bedeutenden Land zu leben; Förderung gesellschaftlichen Zusammenhalts und Civic Pride; Stärkung regionaler/ nationaler Identität; Imagewerbung Darüber hinaus ist allerdings zu beachten, dass eine WM-Ausrichtung auch negative externe Effekte auslösen kann. Beispiele für solche Kosten sind über füllte Innenstädte während des Turniers, Beeinträchtigungen durch bauliche Schmollers Jahrbuch 127 (2007) 4 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.127.4.511 | Generated on 2023-04-04 12:38:49
514 Malte Heyne und Bernd Süssmuth Maßnahmen oder Ausschreitungen während der Spiele, Transportverzögerun gen, individuelle Belästigung durch übermäßige Medienberichte, negative Ex temalitäten durch übersteigerten Nationalismus sowie ökologische Probleme oder auch die Opportunitätskosten einer alternativen Steuermittelverwendung. 2. Weitere existierende Literatur Auch unsere im Folgenden skizzierte Studie bedient sich der ausführlich in Rätzel und Weimann (2006) beschriebenen Technik der CVM zur Ermittlung der ZB oder Kompensationsforderungen von Wirtschaftssubjekten für die Be reitstellung oder den Entzug öffentlicher Güter. Es sollte allerdings erwähnt werden, dass erstmals Johnson und Whitehead (2000) den CVM-Ansatz im Rahmen einer sportökonomischen Studie genutzt und die Verwendungsfähigkeit der Methode für sportökonomische Fragestel lungen aufgezeigt haben. Die Autoren versuchen dabei den Wert der öffent lichen Güter zu bestimmen, den Sportteams für eine Region erzeugen. Dies dient der Feststellung, ob öffentliche Subventionen für Stadien durch die Be reitstellung solcher öffentlichen Güter gerechtfertigt sind. Die Ergebnisse zei gen, dass der Wert der Summe der zusätzlich entstehenden öffentlichen Nut zenbestandteile deutlich unter den Investitionskosten liegt. Aufbauend auf dieser Studie führen Johnson, Groothuis und Whitehead (2001) eine CVM-Studie über die von einer Major-League-Mannschaft er zeugten Extemalitäten durch. Am Beispiel der National Hockey League Mannschaft Pittsburgh Penguins fragen sie die Bewohner der Region nach ihrer ZB dafür, dass die Stadt Pittsburgh das Team aufkauft und somit dauer haft keine Gefahr eines Wegzugs besteht. Die Ergebnisse bestätigen die ur sprüngliche Studie. Allerdings ist anzumerken, dass die Sportart Eishockey in den USA im Vergleich zu American Football, Basketball und Baseball wenig populär ist. Daher erscheinen die Ergebnisse nicht auf die anderen Major Sportarten übertragbar. Rappaport und Wilkerson (2001) beurteilen den CVM-Ansatz zur Bewer tung der Vorteile, die die Beheimatung eines Sportteams auslöst, grundsätzlich positiv. Zur Studie von Johnson, Groothuis und Whitehead (2001) über die Pittsburgh Penguins merken sie jedoch kritisch an, dass die Werte deshalb so niedrig liegen könnten, weil Pittsburgh neben den Penguins noch zwei weitere Major-League-Teams beheimatet. Auch wenn die Penguins die Stadt verlas sen würden, besäße Pittsburgh immer noch den Status einer Major-League Stadt. Siegfried und Zimbalist (2000) identifizieren diesen Status als Trieb kraft für öffentliche Subventionen in Trainingsstätten und Stadien. Rappaport und Wilkerson (2001) sprechen daher von einem abnehmenden Grenznutzen zusätzlicher Major-League-Teams für eine Stadt oder Region. Schmollers Jahrbuch 127 (2007) 4 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.127.4.511 | Generated on 2023-04-04 12:38:49
Wohlfahrtsökonomische Effekte von Sportgroßveranstaltungen 515 Johnson, Mondello und Whitehead (2005) führen ebenso eine CVM-Studie über die Wertschätzung von Effekten mit Öffentlichem-Gut-Charakter, die durch ein National Football League Team erzeugt werden, am Beispiel der Jacksonville Jaguars durch. Jacksonville erhielt erst durch die Ansiedlung der Jaguars den Major-League-City-Status. Daher kann die Frage überprüft wer den, ob die Ergebnisse der Pittsburgh-Studie allein wegen der Anwesenheit von zwei weiteren Major-League-Teams und der relativ unpopulären Sportart Eishockey so niedrig ausfielen. Aber auch die Ergebnisse dieser Studie spre chen gegen öffentliche Subventionen für Stadienbauten zur Erzeugung positi ver Extemalitäten. Der CVM-Ansatz wurde jüngst auch auf eine Sportgroßveranstaltung an gewendet. Im Auftrag der britischen Regierung, der London Development Agency und Interessenvertretern der Londoner Olympiabewerbung hat die Wirtschaftsberatung eftec eine Studie über die Bedeutung der Ausrichtung Olympischer Spiele für einen lokalen, regionalen und nationalen Feelgood Factor erstellt. Die Studie ergab, dass Olympische Spiele intangible Wirkun gen außerhalb von London hervorrufen und dass die Vertrautheit der Befrag ten mit den öffentlichen Gütern, die Olympische Spiele erzeugen, die Höhe ihrer ZB stark positiv beeinflusst. Insgesamt wird geschätzt, dass die Bevölke rung Großbritanniens bereit ist, etwa 4,6 Milliarden Euro für die Olympischen Spiele 2012 in London zu zahlen (eftec, 2005). 3. Untersuchungsdesign zum Beckenbauerschen Vermächtnis-Effekt Unser Vorgehen orientiert sich an den Empfehlungen des National Oceanic & Atmospheric Administration (NOAA-) Panels zur Durchführung von CVM Studien (Arrow et al., 1993). Eine wesentliche Abweichung von den Richtlinien wurde allerdings vor genommen, um den spezifischen Anforderungen dieser Studie gerecht zu wer den: Statt persönlicher Interviews wurden von uns Online-Befragungen durch geführt, da diese Befragungsform die Vorteile einer schriftlichen Befragung mit denen eines Computer-gestützten Interviews kombiniert. Dazu sind zwei Punkte anzumerken. Zum einen bestand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der NOAA-Richtlinien noch nicht die Möglichkeit einer flächendeckenden Online-Erhebung. Daher trifft das Panel hierzu weder positive noch negative Aussagen. Zum anderen wird in der methodischen Literatur zur CVM auch das Auseinanderfallen kognitiver und konativer3 Einstellungselemente, d. h. 3 Gemeint ist hier weniger konativ im engen Sinne von versuchsweise, sondern viel mehr im Sinne der (Sozial-)Psychologie, die die drei Komponenten von Einstellungen kognitiv, affektiv und konativ unterscheidet und sie mit Wissen, Fühlen und Handeln assoziiert. Schmollers Jahrbuch 127 (2007) 4 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.127.4.511 | Generated on 2023-04-04 12:38:49
516 Malte Heyne und Bernd Süssmuth der Nicht-Übereinstimmung von Aussage über ein Handeln und tatsächlichem Handeln, der Umfrageteilnehmer problematisiert. Insbesondere trifft dies auf die Diskussion über den so genannten „ Warm Glow"-Effekt im Rahmen CVM-basierter Studien zu. Demnach ziehen Studien-Teilnehmer möglicher weise eine Art moralische Befriedigung (,,a warm glow") allein aus dem Akt des Gebens per se (Andreoni, 1989; Kahnemann/Knetsch, 1992; Nunes/ Schokkaert, 2003). Dieser in Zusammenhang mit sozialem Druck, Schuld und Sympathiegefühlen, etc. stehende Effekt überlagert nun die „kalte" Zah lungsbereitschaft vor allem für Face-to-Face-Interviews. Die Ursache liegt darin, dass der Befragte das Bedürfnis eines „ Warm Glow"-Gefühls als zwi schenmenschliches Erlebnis im Rahmen der Befragungssituation befriedigen kann. Dieses zum Ausdruckbringen einer allgemein wohltätigen Haltung dem Befragenden gegenüber haben Schkade und Payne (1994) anhand von Pro tokollen zu Interviews auf Grundlage der CVM dokumentiert und untersucht. Die Verzerrung durch „ Warm Glow"-Effekte ist daher für Online-Umfragen weit weniger gegeben als für persönliche Interviews. Die Konstruktion des ersten Fragebogens beruhte auf den Erkenntnissen aus vorhergehend durchgeführten Tests. Der Fragebogen wurde zunächst in zwei Fokus-Gruppen diskutiert, anschließend in Kognitiv-Interviews getestet und in einem zweistufigen Pre-Test erprobt.4 Nach der Einwilligung der Testperson in die Befragung, wurde sie gebeten, sich eine kurze Einführung mit Informationen zum Bewertungsobjekt durch zulesen. Das Auftreten von in der Literatur so genannten Embedding-Effekten ist im Rahmen dieser Art der Befragung sehr unwahrscheinlich: Die Ausrich tung einer Fußball-WM stellt für ein bestehendes, demokratisches Land in Friedenszeiten ein in der Regel einmaliges Ereignis dar, weswegen lediglich der marginale Einfluss der WM auf bereits existierende öffentliche Güter wie dem gesellschaftlichen Zusammengehörigkeitsgefühl erfasst wird. Es ist nicht zu befürchten, dass die Probanden eine ZB etwa für den prinzipiellen gesell schaftlichen Zusammenhalt angeben. Im Anschluss an die Einführung werden den Testpersonen Fragen gestellt, die darauf abzielen, ihre Einstellung zur Fußball-WM herauszufiltem. Der zweite Abschnitt des Online-Interviews umfasste das folgende kontrafaktische Szenario und die eigentliche Bewertungsfrage: 4 Für eine detaillierte Darstellung aller Fragen der Umfrage, ihres genauen Aufbaus und Wortlauts verweisen wir den interessierten Leser auf Heyne (2006) und Heyne / Süssmuth (2007). Schmollers Jahrbuch 127 (2007) 4 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.127.4.511 | Generated on 2023-04-04 12:38:49
Wohlfahrtsökonomische Effekte von Sportgroßveranstaltungen 517 Vor Beginn der WM 2006 wurden erhebliche Sicherheitsmängel in den Stadien auf gedeckt. Es besteht akute Gefahr von Terroranschlägen, vergleichbar mit den Attentaten während der Olympischen Spiele 1972 in München. Die FIFA hat daher die Verlegung des WM-Turniers in die Schweiz angeordnet, wo wegen der Vorbereitungen zur Fuß ball-Europameisterschaft 2008 bereits sämtliche Voraussetzungen vollständig gegeben sind. Dort wären weder Spieltermine und Ablauf noch die Fernsehübertragung beein trächtigt. Die WM könnte nur in Deutschland stattfinden, wenn die Sicherheit während des Tur niers vollständig garantiert werden kann. Das Budget des OK ist allerdings erschöpft. Die Kosten entsprechender Maßnahmen, wie z. B. die bauliche Anpassung der Stadien nach Sicherheitsaspekten und die Einstellung zusätzlicher Sicherheitskräfte, könnten daher nur durch freiwillige Zuzahlungen aus der Bevölkerung getragen werden. Dieses hypothetische Szenario ermöglicht es den Probanden, ihre subjektive ZB für den Saldo der öffentlichen Nutzen und Kosten anzugeben, welche für sie durch die WM-Ausrichtung entstehen. Die WM fällt nicht aus. Die deut sche Bevölkerung kann also immer noch Nutzen aus möglichem sportlichen Erfolg der Nationalmannschaft und dem Verfolgen der andernorts ausgetrage nen Spiele am Fernseher ziehen. Somit quantifiziert die Angabe einer ZB der Befragten ausschließlich den Wunsch, dass die WM in Deutschland (lokali siert) stattfindet. Der hypothetische Ausweich-Ort für die Austragung der FIFA WM 2006 wurde nach verschiedenen Pre-Tests und Focus-Group-Dis kussionen bewusst als Schweiz gewählt. Im Vortest wurde zunächst auch Frankreich als Austragungsland der WM 1998 mit adäquater Stadieninfra struktur geprüft. Hier war eine deutliche Verzerrung der ZB nach oben zu ver zeichnen. Der Grund hierfür liegt in der langen Rivalität zwischen Frankreich und Deutschland. Die befragten Personen bewerteten nicht die öffentlichen Nutzenbestandteile der WM-Ausrichtung sondern wollten lediglich verhin dern, dass Frankreich in den Genuss der Gastgeberfunktion kommt. Die Schweiz ist als neutrales Land, das in einer wenig ausgeprägten Konkurrenz zu Deutschland steht, für diese Art von Verzerrungen kaum anfällig.5 Räum lich in weiterer Entfernung liegende und als Ausrichter bewährte Standorte wie die U.S.A. oder Japan als Gastgeberlandalternative des Szenarios heran zuziehen wurde von uns als eher problematische Möglichkeit eingestuft. Zwar wäre so weder die Rivalität noch die räumliche Nähe relevant gewesen, dafür wäre ein gewisser Grad an Realitätsferne entstanden: Da es bekannte Praxis s Wegen der Befürchtung, die Angst vor Terroranschlägen könnte die Probanden zu einer Bewertung des öffentlichen Gutes innere Sicherheit veranlassen, wurde im Sze nario der Stadiensicherheitsaspekt in den Vordergrund gestellt. Die im Januar, zwei Monate vor der Befragung veröffentlichte Studie der Stiftung Warentest zu Sicherheits mängeln in den WM-Stadien hat die Realitätsnähe des Szenarios deutlich erhöht. Vgl. Internet-Version, 31. 07. 07: http: //www.stiftung-warentest.de/ online/ freizeit_reise / test/ 1335490 / 1335490 / 1336832 / 1336850.html. Schmollers Jahrbuch 127 (2007) 4 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.127.4.511 | Generated on 2023-04-04 12:38:49
518 Malte Heyne und Bernd Süssmuth der FIFA ist, die Ausrichtung der WM-Endrunden möglichst in kontinentaler Abwechslung zu vergeben,6 wäre etwa Japan (als Mitausrichter der WM 2002) kaum als realistischer Ausweichstandort in Betracht gekommen. Der Umstand, dass (Herren-)Fußball in den U.S.A. -weitgehend unbeeinflusst von der WM Ausrichtung 1998 -eher den Charakter einer Randsportart hat, ließ uns auch die Vereinigten Staaten als Alternativausrichter für ein realistisches Szenario ungeeignet erscheinen. Hinzu tritt in beiden Fällen eine mögliche Verzerrung der ZB durch eine Aversion gegen eine Zeitverschiebung der Berichterstattung der Spiele des Turniers. Die eigentliche ZB wäre so durch eine Präferenz für die Ausrichtung der Spiele zu mitteleuropäischer Zeit überlagert. Nach einer Verständnisprüfung schloss sich die eigentliche Bewertungs frage an, mit welchem Betrag die Teilnehmer das OK unterstützen würden, damit die angesprochenen Maßnahmen finanziert werden können und die WM 2006 weiterhin in Deutschland ausgerichtet wird. Die Frage wurde im so ge nannten ,payment card'-Format gestellt. In umfangreichen Pre-Tests wurde das mögliche Spektrum der Zahlungsbereitschaften ermittelt und eine Zah lungskarte mit einer Betragsauswahl von 0 bis 70 Euro in sechs Intervallkate gorien (0-5, 5 -10, 10-20, 20-30, 30-50 und 50-70 Euro) gestaltet. Die obere Begrenzung der ZB auf 70 Euro ergibt sich aus den in den Pre-Tests ermittelten Werten. Unser Vorgehen bei der Ermittlung dieses Wertes orien tierte sich hier in erster Linie an den pragmatischen Vorschlägen in Whitehead (2006): So wurden von uns in den Vortests sowohl offen gestellte ZB-Ab fragen als auch immer wieder variierte ZB-Intervallkategorien benutzt zur Feststellung des Maximalwertes von 70 Euro und zur Eingrenzung der ,pay ment card'-Intervalle. Am Ende des Online-Interviews wurde den Teilneh mern noch die Möglichkeit zur Korrektur ihrer zunächst angegebenen ZB ge geben. Auf weitere Details unserer ZB-Betragsabfrage wird im Einzelnen auch im folgenden Abschnitt, der unsere Ergebnisse präsentiert, eingegangen. 4. CVM-Ergebnisse zum Beckenbauerschen Vermächtnis-Effekt Der zu evaluierende Personenkreis umfasste die gesamte Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland. Hierbei ist zu beachten, dass Personen unter 14 Jahren aus rechtlichen Gründen und Personen über 70 Jahren aus Verständ nisund Akzeptanzgründen nicht in die Stichprobe aufgenommen werden konnten. Zunächst wurde die Umfrage Anfang März 2006 durchgeführt. Insgesamt wurden 1.027 Personen des onund offline rekrutierten Panels angeschrie ben. 7 Als die aus Gründen der Repräsentativität erforderliche Anzahl von 500 6 Seit der 1958 in Schweden stattgefundenen WM wurde das Turnier kein Mal in Folge auf demselben Kontinent ausgerichtet. Schmollers Jahrbuch 127 (2007) 4 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.127.4.511 | Generated on 2023-04-04 12:38:49
Wohlfahrtsökonomische Effekte von Sportgroßveranstaltungen 525 Tabelle 4 TOBIT-Modell-Schätzungen Variable Marginaler Effekta) Marginaler Effektbl Marginaler Effekte) Konstante -66,84*** -90,44*** -77,27*** ALTER -0,309 ---0,382* - BILDUNG +6,307** +6.056** +6,369** WMEFFEKTE +3,215*** +3.773*** +3.160*** GESPRÄCH -8,098** --8,036** Anmerkung: *, **,*** = signifikant auf dem 10, 5 %, 1 % Signifikanzniveau. Gütemaße: a) McFadden-R2: 8,50 %, bJ McFadden-R2: 7,96 %, cJ McFadden-R2: 8,30 %. Der Erklärungsgehalt der Schätzungen liegt über demjenigen vergleichbarer Schätzungen (Greene, 2003). Im Wesentlichen wurden also drei Variablen identifiziert, die einen signifi kanten positiven Einfluss auf die Höhe der Ex-ante-ZB besitzen: 1. GESPRÄCH und ALTER: Beide Variablen geben (direkt und indirekt) Aufschluss über den Grad des Interesses eines Probanden an Fußball. Die geschätzten marginalen Effekte unterstreichen die integrierende und nach haltige Wirkung der Fußball-WM gerade für die jüngeren Generationen in Deutschland. 2. WMEFFEKTE: Je stärker eine Person den potentiellen positiven Effekten der WM-Ausrichtung zustimmt und die möglichen negativen Effekte ab lehnt, desto höher ist ihre ZB. Dieser Einfluss stellt den statistisch Ge sichertsten dar. Auch dies erscheint aus theoretischer Sicht einleuchtend. 3. BILDUNG: Die Regressionsanalyse ergab, dass mit steigendem Bildungs grad eine höhere ZB einhergeht. Dies verwundert zunächst, weil das Inte resse an Fußball und der WM ein gesellschaftsübergreifendes Phänomen darstellt. Bei gründlicher Betrachtung ist dieses Ergebnis aber plausibel. Die Höhe der ZB ist abhängig davon, in welchem Ausmaß die befragte Person in der Lage ist, die Chancen der WM-Ausrichtung einzuschätzen. Personen mit einem höheren Bildungsgrad erkennen öffentlichen Nutzen eher, sind also auch eher bereit, für die gesamtgesellschaftlichen, den in dividuellen Konsum übersteigenden Potentiale einer WM-Ausrichtung zu zahlen, als Personen mit einem niedrigeren Bildungsgrad. Hinzukommt, dass in der hier dargestellten Regressionsanalyse die Exogene BILDUNG die kollineare exogene Größe EINKOMMEN instrumentiert, so dass eine höhere ZB der Besserqualifizierten auch daher rührt, dass diese sich durch ihr höheres Einkommen eine entsprechend höhere ZB „leisten" können. Schmollers Jahrbuch 127 (2007) 4 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.127.4.511 | Generated on 2023-04-04 12:38:49
526 Malte Heyne und Bernd Süssmuth 5. Diskussion des Beckenbauer-Effektes Die Höhe der WM-bezogenen Ausgaben des Staates ist nicht exakt zu bestimmen, weil die Ausgaben auf verschiedenen administrativen Ebenen getätigt werden und der Grad des WM-Bezugs der Ausgaben nicht eindeutig zugeordnet werden kann. Deshalb wird geschätzt, dass sich das direkte finan zielle Engagement des Staates auf etwa 2,5 bis 3 Milliarden Euro (Verkehrs infrastruktur, Stadien, Sicherheit) beläuft (Heyne, 2006). Eine aggregierte Ex ante-ZB der Deutschen von 350 Millionen Euro für den Verbleib der WM in Deutschland zeigt also, dass die öffentliche Subventionierung der WM nicht durch die Bereitstellung öffentlicher Güter gerechtfertigt war. Auch die weit verbreitete Meinung, dass die intangiblen Nutzen der Ausrichtung von Sport großveranstaltungen die tangiblen, finanziellen Effekte übersteigen muß hin terfragt werden. Allerdings werden die Ergebnisse von früheren sportökono mischen CVM-Studien grundsätzlich bestätigt.14 Zur Erklärung dieses Sachverhaltes können verschiedene Ansätze heran gezogen werden: 1. Ein abnehmender Grenznutzen kann erklären, warum die zusätzliche Pro duktion öffentlicher Nutzenbestandteile durch die WM ex ante geringer bewertet wurde, als vermutet: Teile der durch die WM zu erzeugenden Güter mit öffentlichem Charakter sind in Deutschland bereits in einem hohen Maß vorhanden. Hier ist vor allem zu bemerken, dass Deutschland bereits Ausrichter einer Fußball-WM und anderer Mega-Events war. Auch ohne die WM 2006 gehört Deutschland zu der Liga der Nationen, die das Ansehen genießen, WM-Ausrichter (und Mega-Event-Ausrichter) gewesen zu sem. 2. Im Vergleich zu Rätzel und Weimann (2006) verdeutlichen unsere Ergeb nisse, dass der Wert der öffentlichen Güter durch sportlichen Erfolg der Nationalmannschaft den Wert des öffentlichen Nutzen durch die bloße Ausrichtung der WM im eigenen Land, wenn auch nicht um ein großes Vielfaches, so doch übersteigt. Allerdings muss beachtet werden, dass die von Rätzel und Weimann gewonnenen Ergebnisse etwas zu relativieren sind. Die Abfrage der minimalen Kompensationsforderung widerspricht den Richtlinien des NOAA-Panels. Hierdurch sind höhere Ergebnisse vor programmiert, weil die Leute mit der Verkaufssituation nicht vertraut sind und dazu neigen, aus Angst übervorteilt zu werden, eine nach oben verzerrte Kompensationsforderung anzugeben. 15 14 Eine Ausnahme bildet hier die Studie von eftec zu den intangiblen Effekten Olym pischer Spiele 2012 in London. Bei dieser Studie ist jedoch zu beachten, dass die Auf traggeber womöglich ein strukturelles Interesse an einer hohen ZB haben, was sich in der technischen Ausgestaltung der CVM-Studie widerspiegelt. 15 Die Abfrage der Zahlungsbereitschaft für den Gewinn des WM-Titels liefert ja auch ein wesentlich vorsichtigeres Ergebnis. Die aggregierte ZB beträgt 2,3 Milliarden Euro - Schmollers Jahrbuch 127 (2007) 4 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.127.4.511 | Generated on 2023-04-04 12:38:49
Wohlfahrtsökonomische Effekte von Sportgroßveranstaltungen 527 3. Die Vorab-ZB für die WM war auch deswegen verhältnismäßig gering, weil davon ausgegangen werden kann, dass die WM ein (meritorisches) ,,Erfahrungsgut" (Nelson, 1970; Ungern-Sternberg/von Weizsäcker, 1985) darstellt, dessen Preis und Qualität vorher nur schwierig abzuschätzen sind und erst durch Konsum bewertet werden können. Dieser Aspekt wird von Heyne, Maennig und Süssmuth (2007) überprüft, indem sie das selbe reprä sentative Sample, das im März 2006 nach der Zahlungsbereitschaft für den Verbleib der WM gefragt wurde, nach dem WM-Erlebnis im Oktober 2006 erneut befragt haben. Drei Monate nach der WM wurden die Personen ge beten, sich in die Befragungssituation vom März 2006 zurück zu versetzen, und anzugeben, ob und wie sich ihre Zahlungsbereitschaft durch die Erfah rung der WM verändert hat. Die Ergebnisse zeigen, dass die WM tatsäch lich den Charakter eines Erfahrungsguts besitzt: Die mittlere Zahlungs bereitschaft hat sich durch das WM-Erlebnis auf 10,06 Euro erhöht und somit mehr als verdoppelt. Insgesamt war die WM den Deutschen also rund 850 Millionen Euro wert. Dieser Anstieg entsteht vor allem dadurch, dass die WM Bevölkerungsschichten zusätzlich angesprochen und bei die sen eine Zahlungsbereitschaft generiert hat, welche noch im März 2006 keine Wertschätzung für die WM im eigenen Land besessen haben. Vor allem Ostdeutsche und Personen mit niedrigerem Bildungsstand konnten die positiven Wirkungen vor der WM mangels Erfahrung nicht richtig ein schätzen (Heyne / Maennig / Süssmuth, 2007). 4. Einen wichtigen Grund für die gering ausgeprägte ZB sehen wir darin, dass gut 90 % der befragten Personen ohne Ex-ante-ZB angegeben haben, sie seien nicht bereit einen Betrag zu entrichten, weil sie der Meinung sind, profitierende Unternehmen und Organisationen sollten hierfür zahlen. Dies kann als Ausdruck der Tendenz gewertet werden, dass die Ökonomisierung der WM das Ereignis von den Fußball-Fans entfernt hat. In die positive Wahrnehmung der Fußball-Weltmeisterschaft in der Öffentlichkeit mischen sich mittlerweile auch kritische Stimmen. Die Rolle der FIFA und WM Sponsoren im Ausrichtungsprozess wurde von den Fans vor dem Event teilweise negativ bewertet, wie es z. B. die Diskussion um die Ticket-Ver gabe oder der Biersponsoren-Streit im Vorfeld der WM verdeutlichten. Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass der Zuschauer in den Mittelpunkt einer FIFA WM gestellt werden muss, damit die intangiblen Wirkungen in vol lem Umfang realisiert werden können. Es bleibt festzuhalten, dass das Beckenbauer-Vermächtnis den aus dem Gewinn eines WM-Titels resultierenden positiven öffentlichen Wohlfahrts wirkungen massiv unterlegen ist, auch wenn zu berücksichtigen ist, dass der Beckenbauersche Vermächtnis-Effekt erst durch das Erlebnis der WM seine in der auf Medianwerten-basierenden Berechnung von Brenke/Wagner (2007) 670 Millionen Euro. Schmollers Jahrbuch 127 (2007) 4 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.127.4.511 | Generated on 2023-04-04 12:38:49
528 Malte Heyne und Bernd Süssmuth volle Wirkung entfaltet konnte. Diese Erfahrungswirkung zeigt, dass die Orga nisatoren durch ein hohes Maß an Aufklärung über die möglichen Effekte und Partizipation der Bevölkerung an den Turniervorbereitungen den Becken bauer-Effekt durchaus hätten steigern können. Darüber hinaus beschränken die Restriktionen der FIFA die positiven Externalitäten im Ausrichterland. Für Südafrika wird dies 2010 sicherlich in noch höherem Maße gelten als für die hoch entwickelte Volkswirtschaft Deutschland. Literatur Andreoni, J. (1989): Giving with Impure Altruism: Applications to Charity and Ricardi an Equivalence, Journal of Political Economy 97, 1447-1458. Arrow, K. / Solow, R. I Portney, P. I Leamer, E. / Radner, R. I Schuman, H. (1993): Report of the NOAA Panel on Contingent Valuation, Federal Register 58, No. 10. Brenke, K. / Wa gner, G. G. (2006): The Soccer World Cup in Germany: A Major Spor ting and Cultural Event -But without Notable Business Cycle Effects, DIW Weekly Report 2, No. 3, 23-31. Brenke, K./Wagner, G. G. (2007): Zum volkswirtschaftlichen Wert der Fussball-Welt meisterschaft 2006 in Deutschland, DIW Research Notes 19, April 2007. eftec (2005): Olympic Games Impact Study -Stated Preferences Analysis, Final Report for the Department of Culture, Media and Sport. Greene, W. H. (2003): Econometric Analysis, 5. Auflage, New Jersey. Heer, B. / Süssmuth, B. (2007): The Savings-lnflation Puzzle, Applied Economics Let ters (forthcoming). Heyne, M. (2006): Die ökonomischen Effekte von Fußball-Weltmeisterschaften -am Beispiel ,Fußball-WM 2006', Marburg. Heyne, M. / Süssmuth, B. (2007): Wieviel ist den Deutschen die Ausrichtung der FIFA WM 2006 wert und warum? Eine repräsentative Studie auf Grundlage der Contin gent-Valuation-Methode, in: M.-L. Klein/M. Kurscheidt (Hrsg.), Neue Perspektiven ökonomischer Sportforschung, Schorndorf. Heyne, M. / Maennig, W. / Süssmuth, B. (2006): Mega-Events as Experience Goods, nicht publiziertes Manuskript, TU München. Ireland, T. R. (1976): Psychological Economics by George Katona, Journal of Behavio ral Economics 5, 203 -205. Johnson, B. K. / Groothuis, P. A. / Whitehead, J. C. (2001): The Value of Public Goods Generated by a Major League Sports Team: The CVM Approach, Journal of Sports Economics 2, 6-21. Johnson, B. K. / Mondello, M. J. / Whitehead, J. C. (2005): What ist the Value of Public Goods Generated by a National Football League Team? A CVM Approach, Internet Version: http: //econ.appstate.edu/ RePEc / pdf / wp0510.pdf. Schmollers Jahrbuch 127 (2007) 4 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.127.4.511 | Generated on 2023-04-04 12:38:49
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