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Arbeitsbedingungen und gesundheitliche Beschwerden in Basisarbeit: Eine sektorübergreifende Untersuchung im Dienstleistungsbereich

Lück, Marcel,Hünefeld, Lena,Kaboth, Arthur

Abstract

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Lück, Marcel; Hünefeld, Lena; Kaboth, Arthur Article — Published Version Arbeitsbedingungen und gesundheitliche Beschwerden in Basisarbeit: Eine sektorübergreifende Untersuchung im Dienstleistungsbereich Zeitschrift für Arbeitswissenschaft Provided in Cooperation with: Springer Nature Suggested Citation: Lück, Marcel; Hünefeld, Lena; Kaboth, Arthur (2023) : Arbeitsbedingungen und gesundheitliche Beschwerden in Basisarbeit: Eine sektorübergreifende Untersuchung im Dienstleistungsbereich, Zeitschrift für Arbeitswissenschaft, ISSN 2366-4681, Springer, Berlin, Heidelberg, Vol. 77, Iss. 4, pp. 553-566, https://doi.org/10.1007/s41449-023-00393-3 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/308642 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. 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Neben Varianzanalysen wurden multivariate Regressionen zum Zusammenhang von Arbeitsbedingungen und psychosomatischer sowie muskuloskelettaler Gesundheit durchgeführt. Die Ergebnisse verweisen auf eine sektorspezifische Ausprägung von Anforderungen, Ressourcen und gesundheitlichen Beschwerden bei Basisarbeitenden. Übergreifend wird deutlich, dass in allen drei Sektoren emotionale Belastung eine zentrale Rolle für das Aufkommen psychosomatischer Beschwerden einnimmt. Die Ergebnisse verdeutlichen unter anderem die Wichtigkeit der Durchführung der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung und dies unter Einbezug aller Tätigkeitsgruppen. Praktische Relevanz: Basisarbeitende im Dienstleistungsbereich sind vielseitigen Anforderungen ausgesetzt, die ein gesundheitliches Risiko darstellen. Das Wissen zum Zusammenhang von Arbeitsbedingungen und Gesundheit ist eine entscheidende Voraussetzung für die angemessene Gestaltung der Basisarbeit. Hier identifizierte Prädiktoren können explizit in der Arbeitsgestaltung, der Gefährdungsbeurteilung oder in den Maßnahmen betrieblicher Gesundheitsförderung berücksichtigt werden. Schlüsselwörter Einfacharbeit · Arbeitsanforderungen · Gesundheitsbeschwerden · Erwerbstätigenbefragung · Varianzanalyse · OLS-Regression Working conditions and health complaints of workers in low-skilled jobs: A cross-sectoral study in the service sector Abstract This paper examines job demands, resources and health of workers in low-skilled jobs in the service sectors “Trading”, “Finance” and “Public services”. The analyses are based on data of the BIBB/BAuA Employment Survey 2018, a representative sample of the German labour force. In addition to analyses of variance, multivariate regressions were performed on the relationship between working conditions and psychosomatic and musculoskeletal health. The results indicate sector-specific characteristics of demands, resources and health complaints among workers in low-skilled jobs. It is clear that in all three sectors emotional burden plays a central role in the occurrence of psychosomatic complaints. The results highlight, among other things, the importance of carrying out psychosocial risk assessment at work, including all groups of employees. Marcel Lück, M.A. [email protected] 1Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), Friedrich-Henkel-Weg 1–25, 44149 Dortmund, Deutschland K 554 Zeitschrift für Arbeitswissenschaft (2023) 77:553–566 Practical Relevance: Workers in low-skilled service jobs are faced with various work demands that pose a health risk. Knowledge of the relationship between working conditions and health is a crucial prerequisite for appropriately designing low-skilled jobs. Predictors identified here can be explicitly taken into account in work design, risk assessment or interventions of workplace health promotion. Keywords Low-skilled-work · Job demands · Health complaints · Employment survey · Analysis of variance · OLS-regression 1 Einleitung In den letzten Jahrzehnten hat der Dienstleistungssektor kontinuierlich an Bedeutung gewonnen. Im Jahr 2022 waren im Dienstleistungssektor mit 75,2% aller Erwerbstätigen mehr Arbeitskräfte beschäftigt als in der Landund Forstwirtschaft (1,2%) und der produzierenden Industrie (23,6%) zusammen (Statistisches Bundesamt 2023). Die Ausdehnung des Dienstleistungssektors ist auf verschiedene Faktoren zurückzuführen. Zum einen wird sie durch neue Bedürfnisse angetrieben, die unter anderem durch neu entstehende Dienstleistungen erfüllt werden sollen. Zum anderen spielt die Tertiärisierung der Produktion eine wichtige Rolle, wobei Produktionsgüter zunehmend durch Dienstleistungen und Serviceangebote ergänzt werden (Minssen 2019). Ein Kennzeichen des Dienstleistungssektors ist die Heterogenität der Tätigkeiten und Anforderungen (Kulke 2023). Diese reicht von Tätigkeiten im Gesundheitswesen sowie der Gebäudereinigung über Beratungs-, Lehrund Verkaufstätigkeiten bis hin zu Tätigkeiten in der Unterhaltungsbranche (Kaboth et al. 2021). Ein wichtiges Merkmal der Tätigkeiten ist allerdings die „Arbeit mit und an Menschen“ (Böhle et al. 2015, S. 13; Kulke 2023). So haben ca. 70% der Beschäftigten im Dienstleistungssektor Kontakt zu Kundinnen und Kunden, Klientinnen und Klienten oder Patientinnen und Patienten (DGB-Index Gute Arbeit 2018). Studien weisen im diesem Zusammenhang darauf hin, dass Beschäftigte im Dienstleistungssektor häufig mit psychischen Arbeitsanforderungen wie hoher Arbeitsintensität konfrontiert sind (Stab und Schulz-Dadaczynski 2017; Wagner et al. 2022), die insbesondere das Risiko von psychosomatischen Gesundheitsbeschwerden erhöhen können (Franke 2015). Tätigkeiten, die keine berufliche Qualifikation erfordern bzw. schnell erlernbar sind, werden derzeit ebenfalls anteilig überwiegend im Dienstleistungssektor ausgeübt (Kaboth et al. 2021,2022). Spezifische Untersuchungen zu Basisarbeit im Dienstleistungssektor sind bislang rar (Bosch und Weinkopf 2011; Kaboth et al. 2021; Widmer und Geisen 2022). Die bestehenden Untersuchungen konzentrieren sich oft auf den Arbeitsmarkt und befassen sich mit der Frage, ob Basisarbeit dazu dienen kann, ungelernte oder gering qualifizierte Arbeitslose in den Arbeitsmarkt zu integrieren (Abeletal.2009b). Dabei bieten sie jedoch nur begrenzte Einblicke in die konkreten Arbeitsbedingungen von Basisarbeitenden in diesem Sektor. Studien zu den Arbeitsbedingungen von Basisarbeitenden im Allgemeinen (z.B. Hall und Sevindik 2020; Lyly-Yrjänäinen 2008) oder im industriellen Sektor (z.B. Abel et al. 2009a, 2014)deuten darauf hin, dass Basisarbeit vermehrt mit physischen und umweltbezogenen Arbeitsbedingungen verbunden ist. Ebenso zeichnet sich Basisarbeit durch einen hohen Anteil an Routineaufgaben aus und bietet nur wenig Autonomie und soziale Unterstützung. Zudem ist die Verbreitung von unsicheren Beschäftigungsverhältnissen in der Basisarbeit weit verbreitet. Erste Untersuchungen anhand der BIBB/ BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018 zeigen, dass Basisarbeit im Dienstleistungssektor wie im industriellen Sektor mit höheren körperlichen Arbeitsbedingungen und geringerem Handlungsspielraum verbunden ist. Allerdings sind Basisarbeitende im Dienstleistungssektor auch von hohen psychischen Anforderungen betroffen, wie dem gleichzeitigen Betreuen verschiedener Arbeiten oder auch dem sehr schnellen Arbeiten (Kaboth et al. 2021). Ferner ist Basisarbeit im Dienstleistungssektor teilweise mit hohen Anforderungen an die Interaktionsarbeit mit Kundinnen und Kunden verbunden (Geisen und Widmer 2023). Insgesamt ist Basisarbeit im Dienstleistungssektor unter anderem durch vielfältige und komplexe wie interaktive Tätigkeitsstrukturen geprägt. Diese Anforderungen widersprechen dem klassischen Bild der Basisarbeit – einfachen Tätigkeiten, die lediglich zivilisatorische Mindestanforderungen erfordern (Pöser et al. 2023; Sengenberger 1978). Der stetige Wandel der Arbeitswelt führt zu „neuer Basisarbeit“ im Dienstleistungssektor, die unter anderem durch eine Veränderung der Arbeitsmittel sowie durch neue Anforderungen an Beschäftigte charakterisiert ist (Hassler et al. 2019; Widmer und Geisen 2022). Allerdings fehlen bislang weitestgehend quantitative Einblicke mit Befragungsdaten, mit denen die Arbeitsanforderungen und Ressourcen von Basisarbeitenden im Dienstleistungssektor differenzierter untersucht werden. Vor allem mangelt es an Studien, die die Auswirkungen der im Dienstleistungssektor vorherrschenden Anforderungen in Basisarbeit auf die Gesundheit der Beschäftigten untersuchen. Analysen der gesundheitlichen Situation von Basisarbeitenden insgesamt im Vergleich zu Facharbeiter/-innen und hochqualifizierK Zeitschrift für Arbeitswissenschaft (2023) 77:553–566 555 ten Beschäftigten deuten darauf hin, dass Basisarbeitende die eigene Gesundheit häufig schlechter oder weniger gut einschätzen und vor allem häufiger von Muskel-SkelettBeschwerden berichten (Lück und Kopatz 2021). Ob sich dies auch so im Dienstleistungssektor zeigt, bleibt offen. In Anbetracht des weiteren Wachstums des Dienstleistungssektors und der Zunahme von Basisarbeit in diesem Bereich, stellen die differenzierte Betrachtung der Arbeitsund Gesundheitssituation eine relevante zu füllende Forschungslücke dar. Vor diesem Hintergrund untersucht die vorliegende Studie die Arbeitsund Gesundheitssituation von Basisarbeitenden in drei ausgewählten Dienstleistungssektoren. Dabei wird zunächst allgemein überprüft, ob es Unterschiede in den Gesundheitsrisiken von Erwerbstätigen in den Dienstleistungssektoren Handel, Finanzwesen, öffentliche Dienstleistungen gibt und ob sich gesundheitliche Unterschiede aus dem Zusammenspiel der jeweiligen Sektoren und Basisarbeit bzw. Nicht-Basisarbeit ergeben. Anschließend werden die Arbeitsbedingungen von Basisarbeitenden in den drei Dienstleistungssektoren in den Fokus gerückt. Hierfür wird der Zusammenhang von Arbeitsbedingungen und Gesundheit der im jeweiligen Sektor tätigen Basisarbeitenden beleuchtet. In Anlehnung an den explorativen Charakter der Untersuchung wird zwei grundlegenden Fragestellungen nachgegangen: Tab. 1 Basisarbeitende im Dienstleistungsbereich nach den jeweils fünf häufigsten Wirtschaftszweigen in % Table 1 Low-skilled service jobs by the five most common sectors in each case in % Code Wirtschaftszweige Handelssektor Finanzsektor Öffentliche Dienstleistungen %%% 47 Einzelhandel (ohne Handel mit Kraftfahrzeugen) 32,2 – – 56 Gastronomie 14,3 – – 53 Post-, Kurierund Expressdienste 12,9 – – 49 Landverkehr und Transport in Rohrfernleitungen 12,9 – – 52 Lagerei sowie Erbringung von sonstigen Dienstleistungen für den Verkehr 8,5 – – 81 Gebäudebetreuung; Gartenund Landschaftsbau – 38,8 – 80 Wachund Sicherheitsdienste sowie Detekteien – 12,2 – 82 Erbringung von wirtschaftlichen Dienstleistungen für Unternehmen und Privatpersonen a. n. g. – 11,0 – 73 Werbung und Marktforschung – 8,6 – 64 Erbringung von Finanzdienstleistungen – 6,5 – 86 Gesundheitswesen – – 23,6 84 Öffentliche Verwaltung, Verteidigung; Sozialversicherung – – 19,4 88 Sozialwesen (ohne Heime) – – 16,4 85 Erziehung und Unterricht – – 12,3 87 Heime (ohne Erholungsund Ferienheime) – – 10,1 Quelle: BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018, ungewichtete Ergebnisse Grundlage: Abteilungen der Klassifikation der Wirtschaftszweige, Ausgabe 2008 (WZ 2008) nStichprobengröße, %Spaltenprozent 1. Berichten Basisarbeitende über ein unterschiedliches Maß an Arbeitsanforderungen und Ressourcen sowie psychosomatischen und muskuloskelettalen Gesundheitsbeschwerden in Abhängigkeit vom jeweiligen Dienstleistungssektor? 2. Welche Prädiktoren sind innerhalb der Dienstleistungssektoren für psychosomatische und muskuloskelettale Beschwerden von Basisarbeitenden die wichtigsten? Die Analysen basieren auf der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018, einer repräsentativen Stichprobe der deutschen Erwerbstätigen. Bestehende Erkenntnisse zu Basisarbeit im Dienstleistungssektor werden durch die vorliegende Studie zum einen durch die Berücksichtigung der Heterogenität der Tätigkeiten erweitert. Zum anderen ist das Wissen zum Zusammenhang von Arbeitsbedingungen und Gesundheit eine entscheidende Voraussetzung für die angemessene Gestaltung der Basisarbeit. 2 Daten und Methoden 2.1 Studienpopulation Die BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018 ist eine repräsentative Querschnittsbefragung von Erwerbstätigen ab 15 Jahren, die mindestens 10h pro Woche einer bezahlten Tätigkeit nachgehen (Rohrbach-Schmidt und Hall 2020). K 556 Zeitschrift für Arbeitswissenschaft (2023) 77:553–566 Die Befragung stellt eine der umfangreichsten Erhebungen von Arbeitsbedingungen und Arbeitsbelastung in Deutschland dar. Sie verfolgt das Ziel, differenzierte und repräsentative Aussagen über Erwerbstätige und ihre Arbeitsplätze treffen zu können. Für die nachfolgenden Analysen wurde die ungewichtete Stichprobe verwendet und auf abhängig Beschäftigte (d.h. Arbeiterinnen und Arbeiter, Angestellte, Beamtinnen und Beamte) im Dienstleistungssektor beschränkt (n= 12.386). In Anlehnung an die Klassifikation der Wirtschaftszweige WZ 2008 (Eurostat 2008) wurden die Dienstleistungssektoren in drei Bereiche unterteilt: a) den Handelssektor (d.h. Abschnitte G bis J, n= 3276), zu dem z.B. der Großund Einzelhandel etc. gehören; b) den Finanzsektor (d.h. Abschnitte K bis N, n= 2099), zu dem z.B. das Versicherungsgewerbe und das Grundstücksund Wohnungswesen etc. gehören; und c) den öffentliche Dienstleistungen (d.h. die Abschnitte O bis U, n= 7011), zu dem z.B. die öffentliche Verwaltung, das Gesundheitswesen und das Bildungswesen gehören. Diese Differenzierung basiert auf Untersuchungen von Beermann (2014) und Pundt und Lück (2021), in denen Arbeitsbedingungen von Beschäftigten und Führungskräften in Dienstleistungssektoren anhand der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragungen 2012 und 2018 untersucht wurden. Für die Operationalisierung von Basisarbeit gibt es in der bisherigen Forschung unterschiedlichste Konzepte (Kaboth et al. 2022). In den nachfolgenden Analysen wurde Basisarbeit in Anlehnung an Hall und Sevindik (2020) mithilfe der folgenden Frage operationalisiert: „Welche Art von Ausbildung ist für die Ausübung Ihrer Tätigkeit als <Tätigkeit einblenden> in der Regel erforderlich? Eine abgeschlossene Berufsausbildung, ein Fachhochschuloder Universitätsabschluss, ein Fortbildungsabschluss, z.B. zum Meisteroder Techniker, oder ist kein beruflicher Ausbildungsabschluss erforderlich?“. Wenn kein beruflicher Ausbildungsabschluss für die Ausübung erforderlich ist, wird angenommen, dass es sich bei der derzeitigen TätigTab. 2 Effektstärken der Unterschiede von psychosomatischen und muskuloskelettalen Beschwerden für alle Beschäftigten im Dienstleistungsbereich unter Berücksichtigung von Dienstleistungssektoren, Basisarbeit und Nicht-Basisarbeit sowie einem Interaktionsterm Table 2 Effect sizes of differences in psychosomatic and musculoskeletal complaints for all service workers, considering service sectors, low-skilled and non-low-skilled jobs, and an interaction term Faktoren Psychosomatische Beschwerden Muskuloskelettale Beschwerden df F Partielles η2F Partielles η2 Dienstleistungssektoren 2, 12.041 14,451 0,002*** 15,994 0,003*** Basisarbeit 1, 12.041 1,270 0,000 89,148 0,007*** Dienstleistungssektoren× Basisarbeit 2, 12.041 0,116 0,000 0,235 0,000 R2– – 0,01 – 0,02 Adjustiertes R2– – 0,01 – 0,02 Quelle: BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018, ungewichtete Ergebnisse Dienstleistungssektoren (1= Handelssektor, 2= Finanzsektor, 3= Öffentliche Dienstleistungen), Basisarbeit (1= Basisarbeit, 2= Nicht-Basisarbeit) df Freiheitsgrade, FF-Statistik, Partielles η2Effektstärke des Faktors ***p< 0,001 keit um Basisarbeit handelt. Bei allen anderen Tätigkeiten wird von Nicht-Basisarbeit ausgegangen. Da in dieser Untersuchung Basisarbeitende betrachtet werden, sind, mit Ausnahme von Tab. 2, Nicht-Basisarbeitende (n= 10.697) aus den Analysen ausgeschlossen. Aufgrund fehlender Werte konnten weitere n= 234 nicht in den Analysen berücksichtigt werden, sodass insgesamt n= 1455 Basisarbeitende Grundlage der Auswertungen sind, darunter n= 715 im Handelssektor, n= 245 im Finanzsektor und n= 495 in öffentlichen Dienstleistungen. Die Sektoren der WZ 2008 können für einen genaueren Einblick in die Zusammensetzung der Gruppen noch weiter ausdifferenziert werden (siehe Tab. 1). Im Handelssektor sind die größten Anteile von Basisarbeiten demnach im Einzelhandel (32%), der Gastronomie (14%) und in Post-, Kurierund Expressdiensten sowie im Bereich Landverkehr und Transport in Rohrfernleitungen (jeweils 13%) zu finden. Im Finanzsektor sind die meisten Basisarbeitenden der Gebäudebetreuung; dem Gartenund Landschaftsbau (39%), den Wachund Sicherheitsdiensten (12%) und dem Wirtschaftszweig „Erbringung von wirtschaftlichen Dienstleistungen für Unternehmen und Privatpersonen“ (11%) zuzuordnen. Im Wirtschaftszweig „Öffentliche Dienstleistungen“ sind Basisarbeitende vorwiegend im Gesundheitswesen (24%), in der Öffentlichen Verwaltung, Verteidigung; Sozialversicherung (19%) und im Sozialwesen (16%) tätig. Insgesamt besteht die ungewichtete Stichprobe von Basisarbeitenden im Dienstleistungssektor zu 56% aus Frauen und zu 44% aus Männern mit einem Durchschnittsalter von 46,3 Jahren (Standardabweichung: 12,7). Rund 25% haben keinen Berufsabschluss, 58% haben eine betriebliche, schulische Berufsausbildung oder sind Beamte im einfachen und mittleren Dienst, 4% haben eine weiterführende Berufsausbildung (z.B. Meister, Techniker, Fachwirt u.ä.), und 13% haben einen Universitätsoder Fachhochschulabschluss bzw. sind Beamte im höheren Dienst. K Zeitschrift für Arbeitswissenschaft (2023) 77:553–566 557 2.2 Untersuchungsvariablen Nachfolgend werden die in der Studie verwendeten Untersuchungsvariablen zur Operationalisierung der Bereiche gesundheitliche Beschwerden, Ressourcen, psychische Anforderungen sowie physische und umgebungsbezogene Anforderungen beschrieben. Für die verschiedenen Bereiche wurden, mit Ausnahme der Ressource „soziale Unterstützung“ und der psychischen Anforderung „emotionale Belastung“, Summenindizes oder Mittelwertskalen gebildet. Die angegebenen internen Konsistenzen (Cronbachs αbzw. Spearman-Brown r) beziehen sich dabei auf die Stichprobe aller abhängig beschäftigten Basisarbeitenden im Dienstleistungssektor (n= 1455). Mittelwerte, Standardabweichungen, Stichprobengröße und Post-hoc Tests der Untersuchungsvariablen für Basisarbeitende im Dienstleistungssektor sind der Tab. 3zu entnehmen. Für den genauen Wortlaut der Items sei hier auf den Datenund Methodenbericht verwiesen (siehe Rohrbach-Schmidt und Hall 2020). Die gesundheitlichen Beschwerden wurden durch acht Items zu psychosomatischen Beschwerden (unter anderem Kopfschmerzen, Niedergeschlagenheit) und acht Items zu muskuloskelettalen Beschwerden (unter anderem Rückenoder Nackenschmerzen) berücksichtigt. Dabei wurde die Anzahl der Beschwerden jeweils gezählt und über einen Summenindex abgebildet, sodass die Werte der Skalen von 0 (keine Beschwerden) bis 8 (alle Beschwerden) reichen (Franke 2015; Pundt und Lück 2021). Im Rahmen der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018 wurden Erwerbstätige jeweils auf einer Skala von 1 (häufig) bis 4 (nie) gefragt, wie häufig sie bei ihrer Arbeit unterschiedliche Ressourcen aufweisen und verschiedenen psychischen und körperlichen sowie umgebungsbezogenen Arbeitsbedingungen ausgesetzt sind. Um die Interpretation der Ergebnisse zu erleichtern, wurden die Antwortkategorien der Items vor der Analyse in 1 (nie) bis 4 (häufig) umcodiert. Für die Ressourcen wurden im Sinne von sozialer Unterstützung drei Einzelitems zur Häufigkeit von Unterstützung durch Kolleginnen und Kollegen, Unterstützung vom bzw. von der direkten Vorgesetzten sowie Lob und Anerkennung vom bzw. von der direkten Vorgesetzten in die Analysen integriert. Der arbeitsbezogene Handlungsspielraum wurde durch eine Mittelwertskala abgebildet, dessen einbezogene Items sich auf den Einfluss auf die Arbeitsmenge, Pausengestaltung und das Planen und Einteilen der eigenen Arbeit beziehen (α= 0,60). In Bezug auf die Kontrollmöglichkeiten der Beschäftigten wurden zwei Items zu fehlender Kontrolle als Mittelwertskala in die Analysen integriert, darunter die Abfragen dazu, wie oft Befragte nicht rechtzeitig über wichtige Änderungen informiert werden und wie häufig sie nicht alle notwendigen Informationen erhalten, um ihre Arbeit ordnungsgemäß auszuführen (demnach gehen höhere Werte mit geringeren Kontrollmöglichkeiten einher, Spearman-Brown r= 0,71). Für die psychischen Arbeitsanforderungen wurden Mittelwertskalen zu Arbeitsintensität, Monotonie und kognitiven Anforderungen gebildet. In Anlehnung an Franke (2015) wurden zur Messung von Arbeitsintensität fünf Items in einer Mittelwertskala berücksichtigt, darunter Abfragen zur Häufigkeit von starkem Terminoder Leistungsdruck, sehr schnellem Arbeiten, gleichzeitiger Betreuung verschiedener Arbeiten, Störungen oder Unterbrechungen und Arbeiten an der Grenze der Leistungsfähigkeit (α= 0,74). Die Skala zu Monotonie beinhaltet zwei Items zur Häufigkeit von Vorgaben in der Arbeitsdurchführung und ständig wiederkehrenden Arbeitsvorgängen (Spearman-Brown r= 0,49). Für die Messung von kognitiven Anforderungen wurden in Anlehnung an Meyer und Hünefeld (2018)dreiItemszurAuseinandersetzung mit neuen bzw. ungelernten Aufgaben und Verfahren in einer Skala berücksichtigt (α= 0,63). Die Messung von emotionaler Belastung erfolgte durch die Frage „Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass Ihre Tätigkeit Sie in Situationen bringt, die Sie gefühlsmäßig belasten?“ und wurde als Einzelitem in die Analysen integriert. Physische Arbeitsbedingungen und Arbeitsumgebungsbedingungen wurden in Anlehnung an Pundt und Lück (2021) jeweils über einen Summenindex abgebildet. Bei physischen Arbeitsbedingungen umfasst der Summenindex vier Items, darunter Arbeiten im Stehen, Heben bzw. Tragen schwerer Lasten, Arbeiten mit Händen und Arbeiten in Zwangshaltungen. Der Summenindex zu Arbeitsumgebungsbedingungen umfasst insgesamt sechs Items zu Arbeiten bei Rauch, Staub oder unter Gasen, Dämpfen, Arbeiten unter Kälte, Hitze, Nässe, Feuchtigkeit oder Zugluft, Arbeiten mit Öl, Fett, Schmutz oder Dreck, Arbeiten bei grellem Licht oder schlechter bzw. zu schwacher Beleuchtung und unter Lärm sowie Arbeiten unter störenden Geräuschen. Die Werte der Skalen für körperliche und umgebungsbezogene Anforderungen reichen von 4 (nie) bis 16 (häufig) bzw. von 6 (nie) bis 24 (häufig). Weiterhin wurde ein Indikator zu der Anzahl von Restrukturierungsmaßnahmen als Summenskala in die Analysen integriert. In Anlehnung an Pundt und Lück (2021) enthält diese Skala acht Items zu verschiedenen Veränderungen in den letzten zwei Jahren, darunter die Einführung von neuen Computerprogrammen, die Erbringung von neuen oder deutlich veränderten Dienstleistungen, eine Umsetzung wesentlicher Umstrukturierungen oder Umorganisationen, die das unmittelbare Arbeitsumfeld betrafen, Stellenabbau oder Entlassungen, der vermehrte Einsatz von freien Mitarbeitern, Aushilfen, Praktikant/-innen oder Leiharbeitnehmenden, der Einsatz eines/einer neuen Vorgesetzten und die Zunahme von Stress und Arbeitsdruck K 558 Zeitschrift für Arbeitswissenschaft (2023) 77:553–566 Tab. 3 Effektstärken der sektoralen Unterschiede von Basisarbeitenden im Dienstleistungsbereich unter Berücksichtigung aller Untersuchungsvariablen Table 3 Effect sizes of the sector differences of workers in low-skilled service jobs considering all study variables Dienstleistungssektoren df F Partielles η2 Unterstützung von Kolleginnen und Kollegen 2, 1424 1,58 0,00 Unterstützung von Vorgesetzten 2, 1411 0,56 0,00 Lob und Anerkennung von Vorgesetzten 2, 1422 2,97 0,00 Handlungsspielraum 2, 1452 9,29 0,01*** Arbeitsintensität 2, 1452 5,47 0,01** Monotonie 2, 1452 6,75 0,01** Kognitive Anforderungen 2, 1452 10,73 0,01*** Fehlende Kontrolle 2, 1450 0,10 0,00 Emotionale Belastung 2, 1450 12,20 0,02*** Arbeitsumgebungsbedingungen 2, 1452 2,30 0,00 Physische Arbeitsbedingungen 2, 1452 11,46 0,02*** Restrukturierung 2, 1452 9,46 0,01*** Arbeitszeit 2, 1449 1,03 0,00 Alter 2, 1442 4,04 0,01* Psychosomatische Beschwerden 2, 1439 3,91 0,01* Muskuloskelettale Beschwerden 2, 1445 3,58 0,00* Quelle: BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018, ungewichtete Ergebnisse Dienstleistungssektoren (1= Handelssektor, 2= Finanzsektor, 3= Öffentliche Dienstleistungen) df Freiheitsgrade, FF-Statistik, Partielles η2Effektstärke des Faktors ***p< 0,001; **p< 0,01; *p<0,05 sowie fachlichen Anforderungen. Die Skala reicht von 0 (keine Veränderungen) bis 8 (alle Veränderungen). Verschiedene Kontrollvariablen wurden in die Regressionsanalysen integriert, um Verzerrungen der Schätzer durch unbeobachtete Heterogenität auszuschließen. Die tatsächlich geleistete durchschnittliche Wochenarbeitszeit (einschließlich Nebentätigkeiten) wurde als metrische Variable in die Analysen integriert. Zudem wurden die Analysen für Alter und Geschlecht adjustiert. Für den Bildungsgrad wurden die Analysen über die „International Standard Classification of Education 97“ (ISCED-97, siehe UNESCO 1997) kontrolliert, die aus den Abfragen des höchsten allgemeinbildenden Schulabschlusses und des höchsten Ausbildungsabschlusses konstruiert wurde. In Anlehnung an Hippach-Schneider et al. (2007) und Van der Velden und Wolbers (2003) wurde die zusammengefasste ISCEDKlassifikation mit den Stufen (1) „Primärund Sekundarbereich“ (ISCED 0–2), (2) „Sekundarbereich II“ (ISCED 3–4) und (3) „Tertiärbereich“ (ISCED 5–6) verwendet. 2.3 Statistische Auswertungen Zur Beantwortung der Forschungsfragen werden Varianzund Regressionsanalysen herangezogen. Dabei sind in den Berechnungen, mit Ausnahme von Tab. 2, ausschließlich Basisarbeitende des Dienstleistungssektors integriert. Zunächst wurde überprüft, ob es allgemeine Unterschiede in den Gesundheitsrisiken von Erwerbstätigen in den ausgewählten Dienstleistungssektoren gibt und ob sich gesundheitliche Unterschiede durch die Interaktion aus Dienstleistungssektoren und Basisarbeit ergeben. Dazu wurde mittels zweifaktorieller Varianzanalyse geprüft, ob sich die Mittelwerte der gesundheitlichen Beschwerden zwischen Dienstleistungssektoren und Basisarbeit vs. Nicht-Basisarbeit sowie einem Interaktionsterm, bestehend aus diesen beiden genannten Dimensionen, voneinander unterscheiden. Zur Untersuchung der Forschungsfrage 1 (Unterschiede in Arbeitsanforderungen und Ressourcen sowie gesundheitlichen Beschwerden von Basisarbeitenden) wurden für jede der Untersuchungsvariablen weitere zweifaktorielle Varianzanalysen durchgeführt. Zur Kontrolle des Fehlers vom Typ I wurden die p-Werte der Posthoc-Tests mit der konservativen Bonferroni-Korrektur adjustiert. Zur Beantwortung von Frage 2 (Anforderungen und Ressourcen als Prädiktoren für gesundheitliche Beschwerden von Basisarbeitenden) wurden für jeden der drei Sektoren Ordinary Least Squares-Regressionsanalysen (OLS) mit standardisierten Koeffizienten und robusten Standardfehlern für psychosomatische und muskuloskelettale Gesundheitsbeschwerden durchgeführt. 3 Ergebnisse In diesem Kapitel berichten wir zunächst von Ergebnissen zur gesundheitlichen Situation von Erwerbstätigen in und K Zeitschrift für Arbeitswissenschaft (2023) 77:553–566 559 Tab. 4 Mittelwerte, Standardabweichungen, Stichprobengrößen und Post-hoc-Tests (Bonferroni-Korrektur) aller Untersuchungsvariablen für Basisarbeitende in den drei Sektoren Table 4 Means, standard deviations, sample sizes, and post-hoc tests (Bonferroni correction) of all variables for workers in low-skilled service jobs Variablen HandelssektoraFinanzsektorbÖffentliche DienstleistungencPost-hocTests M SDn M SDn M SD n Unterstützung von Kolleginnen und Kollegen 3,56 0,82 703 3,52 0,90 237 3,62 0,79 487 ns Unterstützung von Vorgesetzten 3,22 1,04 702 3,27 1,05 237 3,28 1,00 475 ns Lob u. Anerkennung von Vorgesetzten 2,82 1,06 704 2,97 1,06 240 2,95 1,05 481 ns Handlungsspielraum 2,66 0,94 715 2,91 0,87 245 2,84 0,92 495 b> a, c> a Arbeitsintensität 2,84 0,73 715 2,67 0,78 245 2,73 0,79 495 a> b, a> c Monotonie 3,04 0,86 715 3,09 0,83 245 2,88 0,94 495 a> c, b> c Kognitive Anforderungen 2,26 0,74 715 2,34 0,75 245 2,46 0,74 495 c> a Fehlende Kontrolle 2,27 0,91 713 2,26 0,86 245 2,25 0,91 495 ns Emotionale Belastung 2,04 1,05 715 1,93 0,96 243 2,29 1,06 495 c> a, c> b Arbeitsumgebungsbedingungen 12,03 4,67 715 11,66 4,59 245 11,46 4,57 495 ns Physische Arbeitsbedingungen 10,44 3,52 715 9,21 3,72 245 10,35 3,54 495 a> b, c> b Restrukturierung 2,54 1,91 715 2,09 1,79 245 2,14 1,74 495 a> b, a> c Arbeitszeit 33,50 14,25 714 32,95 15,08 244 32,33 12,63 494 ns Alter 45,52 12,85 711 46,01 12,43 243 47,62 12,62 491 c> a Geschlecht 1,51 0,50 715 1,50 0,50 245 1,66 0,47 495 – ISCED-97 2,06 0,55 699 2,09 0,55 231 2,02 0,58 482 – Psychosomatische Beschwerden 2,37 2,39 709 2,06 2,23 244 2,57 2,41 489 c> b Muskuloskelettale Beschwerden 2,47 2,21 712 2,04 1,94 245 2,36 2,18 491 a> b Quelle: BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018, ungewichtete Ergebnisse Geschlecht (1= männlich, 2= weiblich), ISCED-97 (1= Primärund Sekundarbereich, 2= Sekundarbereich II, 3= Tertiärbereich) MMittelwert, SD Standardabweichung, nStichprobengröße, ns nicht signifikant außerhalb der Basisarbeit, in Dienstleistungssektoren sowie in der Kombination aus Tätigkeit und Sektor. Anschließend berichten wir die Ergebnisse in der Reihenfolge unserer zwei Forschungsfragen. Tab. 2zeigt, dass die Effektstärken für muskuloskelettale Beschwerden bei einer Differenzierung von Basisarbeit vs. Nicht-Basisarbeit nach Cohen (1988) eine „kleine“ Ausprägung aufweisen. Dabei wird durch diese Differenzierung geringfügig mehr Varianz erklärt als durch die Differenzierung der Dienstleistungssektoren. Auch für die psychosomatischen Beschwerden zeigen sich im Bereich der Dienstleistungssektoren kleine Effektstärken. Der Interaktionseffekt zwischen Dienstleistungssektoren und Basisarbeit vs. Nicht-Basisarbeit ist hingegen nicht signifikant. Die Ergebnisse der Varianzanalysen zeigen somit, dass sich Basisarbeitende und Nicht-Basisarbeitende sowie Beschäftigte in unterschiedlichen Dienstleistungsbereichen in Bezug auf die Anzahl gesundheitlicher Beschwerden geringfügig voneinander unterscheiden. 3.1 Forschungsfrage 1: Unterschiede in Arbeitsanforderungen und Ressourcen sowie gesundheitlichen Beschwerden von Basisarbeitenden Nachfolgend gehen wir auf die signifikanten Unterschiede zwischen den Sektoren hinsichtlich der Arbeitsanforderungen und Ressourcen sowie gesundheitlichen Beschwerden von Basisarbeitenden ein (Tab. 3und 4). In Bezug auf die Tab. 3sei erwähnt, dass die hier aufgezeigten Effektstärken laut Interpretationshilfe von Cohen (1988) durchweg als „klein“ zu werten sind. Die signifikanten Faktoren erklären jeweils ca. 1–2% der ohne die jeweiligen Faktoren ungeklärten Fehlervariation. Tab. 3gibt einen genauen Einblick in die Mittelwertdifferenzen. Die Ergebnisse zeigen insgesamt eine Variation der Arbeitsbedingungen und gesundheitlichen Beschwerden zwischen den drei Dienstleistungssektoren. Tiefergehend betrachtet wird deutlich, dass Basisarbeitende im Handelssektor im Vergleich zu den anderen Sektoren signifikant K 560 Zeitschrift für Arbeitswissenschaft (2023) 77:553–566 Tab. 5 Ergebnisse der Regressionsanalysen für psychosomatische Beschwerden von Basisarbeitenden in den drei Sektoren unter Berücksichtigung aller Untersuchungsvariablen Table 5 Results of the regression analyses for psychosomatic complaints of workers in low-skilled service jobs concerning all variables Variablen Handelssektor Finanzsektor Öffentliche Dienstleistungen βsHC-SEBβsHC-SEBβsHC-SEB Unterstützung von Kolleginnen und Kollegen –0,01 0,12 –0,06 0,23 –0,19*** 0,15 Unterstützung von Vorgesetzten –0,07 0,11 –0,16 0,18 0,02 0,13 Lob und Anerkennung von Vorgesetzten –0,06 0,09 0,06 0,17 –0,06 0,11 Handlungsspielraum –0,06 0,09 0,08 0,19 0,04 0,11 Arbeitsintensität 0,14** 0,14 0,14 0,28 –0,03 0,18 Monotonie 0,00 0,09 0,09 0,20 0,08 0,11 Kognitive Anforderungen –0,03 0,12 –0,17* 0,26 0,03 0,17 Fehlende Kontrolle 0,05 0,10 0,15 0,21 0,13* 0,14 Emotionale Belastung 0,30*** 0,09 0,24** 0,18 0,34*** 0,11 Arbeitsumgebungsbedingungen 0,06 0,02 0,19* 0,04 0,14** 0,03 Physische Arbeitsbedingungen 0,08* 0,03 –0,19* 0,04 0,02 0,03 Restrukturierung 0,14*** 0,05 0,22** 0,10 0,08 0,08 R20,40*** 0,32*** 0,36*** Adjustiertes R20,38*** 0,26*** 0,34*** n661 214 441 Quelle: BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018, ungewichtete Ergebnisse Modelle adjustiert für Geschlecht, Alter, Wochenarbeitszeit, Bildungsgrad nach ISCED-97 βsstandardisierter Regressionskoeffizient, HC-SEBHeteroskedastizitäts-konsistenter Standardfehler (HC3), R2Bestimmtheitsmaß der Anpassungsgüte ***p< 0,001; **p< 0,01; *p<0,05 häufiger von hoher Arbeitsintensität und Restrukturierungen betroffen sind. Darüber hinaus berichten Basisarbeitende im Handelssektor häufiger von körperlichen Anforderungen als im Finanzsektor sowie über eine höhere Prävalenz von monotonen Arbeitsbedingungen als in öffentlichen Dienstleistungen. Im Finanzsektor sind ebenfalls monotone Arbeitsbedingungen deutlicher ausgeprägt als in öffentlichen Dienstleistungen. Ferner ist der arbeitsbezogene Handlungsspielraum von Basisarbeitenden in diesem Sektor stärker ausgeprägt als im Handelssektor. Basisarbeitende in öffentlichen Dienstleistungen sind im direkten Vergleich mit allen anderen Sektoren häufiger von hoher emotionaler Belastung betroffen. Im Vergleich zum Handelssektor zeigen sich für Basisarbeitende dieses Sektors signifikant höhere Mittelwerte für kognitive Anforderungen und für arbeitsbezogenen Handlungsspielraum. Im Vergleich zum Finanzsektor berichten Basisarbeitende in öffentlichen Dienstleistungen signifikant häufiger von physischen Arbeitsbedingungen. In Bezug auf die Gesundheit berichten Basisarbeitende im Handelssektor signifikant häufiger als im Finanzsektor von muskuloskelettalen Beschwerden. Psychosomatische Beschwerden werden von Basisarbeitenden in öffentlichen Dienstleistungen signifikant häufiger berichtet als im Finanzsektor. Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass es spezifische Muster von Arbeitsbedingungen und Gesundheitsbeschwerden in den drei Dienstleistungssektoren gibt. Daher wurden die nachfolgenden Analysen zum Zusammenhang von Arbeitsanforderungen, Ressourcen und gesundheitlichen Beschwerden getrennt für die drei Dienstleistungsbereiche durchgeführt. 3.2 Forschungsfrage 2: Anforderungen und Ressourcen als Prädiktoren für gesundheitliche Beschwerden von Basisarbeitenden Hinsichtlich Forschungsfrage 2 zeigen die Ergebnisse der Regressionsanalysen insgesamt, dass sich zum einen Arbeitsbedingungen identifizieren lassen, die nur in spezifischen Sektoren im Zusammenhang mit gesundheitlichen Beschwerden stehen. Zum anderen lassen sich aber auch sektorenübergreifende Determinanten für die Gesundheit der Basisarbeitenden identifizieren. Im Folgenden gehen wir tiefergehend auf die Ergebnisse ein und erläutern zuerst die Ergebnisse der Regressionsanalysen zum Zusammenhang von Arbeitsbedingungen und psychosomatischen Beschwerden (Tab. 5). Danach gehen wir auf die Ergebnisse zum Zusammenhang von Arbeitsbedingungen und muskuloskelettalen Beschwerden ein (Tab. 6). Jede Spalte der Tabellen zeigt die Schätzungen eines separaten Regressionsmodells. In Anlehnung an die Interpretationshilfe von Gignac und Szodorai (2016), nach der Effektgrößen von r= 0,10 als relativ klein, r=0,20 K