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Mehr als ein Trend?: Wie Low-Code die digitale Transformation unterstützt

Elshan, Edona,Binzer, Björn

Abstract

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Elshan, Edona; Binzer, Björn Article — Published Version Mehr als ein Trend?: Wie Low-Code die digitale Transformation unterstützt HMD Praxis der Wirtschaftsinformatik Provided in Cooperation with: Springer Nature Suggested Citation: Elshan, Edona; Binzer, Björn (2024) : Mehr als ein Trend?: Wie Low-Code die digitale Transformation unterstützt, HMD Praxis der Wirtschaftsinformatik, ISSN 2198-2775, Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, Wiesbaden, Vol. 61, Iss. 5, pp. 1070-1087, https://doi.org/10.1365/s40702-024-01107-x This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/316644 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. 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In diesem Grundlagenbeitrag werden die Prinzipien, Vorteile und Herausforderungen der Low-Code-Entwicklung untersucht. Es wird gezeigt, wie Low-Code-Entwicklungsplattformen Geschäftsinnovationen fördern, indem sie die Effizienz und Flexibilität der Softwareentwicklung erhöhen und eine schnellere Anpassung an Marktveränderungen ermöglichen. Unsere Analyse basiert auf umfassender Literaturrecherche und über 30 Interviews mit Vertretern aus über 20 Unternehmen. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Low-Code-Plattformen nicht nur die Entwicklungszeit und -kosten reduzieren, sondern auch eine Kultur der Innovationund Zusammenarbeit innerhalb der Unternehmen fördern. Darüber hinaus werden konkrete Handlungsempfehlungen vorgeschlagen, die für eine erfolgreiche Implementierung von Low-Code-Plattformen erforderlich sind. Abschließend geben wir einen Ausblick auf zukünftige Forschungsthemen, einschließlich der Integration von Künstlicher Intelligenz und Machine Learning in Low-Code-Plattformen, um deren Potenzial weiter zu maximieren. Schlüsselwörter Low-Code-Entwicklung · Digitale Transformation · Citizen Developer · Change Management · Innovationskultur Edona Elshan Vrije Universiteit Amsterdam, De Boelelaan 1105, 1081 HV Amsterdam, Niederlande E-Mail: [email protected] Björn Binzer FernUniversität Hagen, Universitätsstraße 47, 58097 Hagen, Deutschland E-Mail: [email protected] K Mehr als ein Trend?: Wie Low-Code die digitale Transformation unterstützt 1071 More Than a Trend?: How Low-Code Supports Digital Transformation Abstract Low-code development platforms are increasingly pivotal in the digital transformation of businesses. These platforms enable the creation of software applications with minimal coding effort, reducing the complexity of software development and involving personnel from non-IT business areas in application development. This foundational article explores the principles, benefits, and challenges of low-code development. It illustrates how low-code platforms drive business innovation by enhancing the efficiency and flexibility of software development and enabling quicker adaptation to market changes. Our analysis is based on extensive literature research and over 30 interviews with representatives from more than 20 companies. The findings highlight that low-code platforms not only reduce development time and costs but also foster a culture of innovation and collaboration within organizations. Additionally, we present specific recommendations necessary for the successful implementation of low-code platforms. Finally, we provide an outlook on future research topics, including the integration of artificial intelligence and machine learning into low-code platforms to further maximize their potential. Keywords Low-code development · Digital transformation · Citizen developers · Change management · Innovation culture 1 Einleitung In der heutigen digitalen Welt sind Geschwindigkeit und Effizienz der Softwareentwicklung entscheidend für den Geschäftserfolg. Traditionell erfordert die Entwicklung von Softwarelösungen umfangreiche Programmierkenntnisse und lange Entwicklungszyklen, was Unternehmen vor Herausforderungen stellt, die sich schnell an Marktveränderungen anpassen und kontinuierlich innovieren möchten (Elshan et al. 2023a). Low-Code-Entwicklungsplattformen, wie Microsofts Power Plattform, OutSystems, oder Mendix reduzieren diese Hürden, indem sie die Komplexität der Softwareentwicklung abstrahieren und einer breiteren Gruppe, einschließlich Personen ohne IT-Ausbildung oder tiefgehende Programmierkenntnisse, die Erstellung von Software ermöglichen (Carroll und Maher 2023). Low-Code-Entwicklungsplattformen verändern die Art und Weise, wie Softwareanwendungen entwickelt und bereitgestellt werden (Prinz et al. 2021). Durch die verstärkte Nutzung grafischer Benutzeroberflächen und vorgefertigter Vorlagen minimieren sie die Komplexität der Anwendungsentwicklung und erleichtern die Erstellung digitaler Anwendungen (Iho et al. 2021; Sahay et al. 2020). Im diesem Sinne können Low-Code-Plattformen die Softwareentwicklung „demokratisieren“, indem sie die Kluft zwischen IT-Abteilungen und Geschäftseinheiten überbrücken (Binzer et al. 2024; Binzer und Winkler 2022; Krejci et al. 2021). Gegebenenfalls kann der Einsatz von Low-Code gar eine engere Zusammenarbeit zwischen ITund Geschäftsbereichen fördern (Elshan et al. 2023c). Ein wesentliches Merkmal der Low-Code-Entwicklung ist die Einbindung von sogenannten „Citizen Developern“ – Mitarbeitende ohne formale Ausbildung im K 1072 E. Elshan, B. Binzer Bereich der Softwareentwicklung, die dank Low-Code-Plattformen eigenständig digitale Lösungen erstellen können (Binzer und Winkler 2022; Lebens et al. 2021). Gleichzeitig wandelt sich die Rolle traditioneller Softwareentwickler: Sie können sich verstärkt auf komplexere IT-Projekte konzentrieren und treten im Kontext von Low-Code zunehmend als Mentoren und Unterstützer für Citizen Developer auf. Dieser Beitrag zielt darauf ab, den aktuellen Stand der Low-Code-Entwicklung in Unternehmen umfassend zu beleuchten. Zunächst wird der Begriff Low-Code definiert und kontextualisiert (Abschn. 2). Anschließend werden die Chancen und Auswirkungen, die Low-Code-Entwicklungsplattformen für Unternehmen bieten, detailliert dargestellt (Abschn. 3). Daraufhin werden die damit verbundenen Herausforderungen für Unternehmen analysiert (Abschn. 4). Im weiteren Verlauf bietet der Beitrag konkrete Handlungsempfehlungen für eine erfolgreiche Implementierung von Low-Code-Plattformen (Abschn. 5) und schließt mit einer Zusammenfassung der zentralen Erkenntnisse sowie einem Ausblick auf zukünftige Entwicklungen und Trends (Abschn. 6). Die Erkenntnisse der folgenden Abschnitte basieren auf einer sorgfältigen Kombination aus umfassender Literaturrecherche und empirischen Daten, die durch Interviews gewonnen wurden. Unsere methodische Vorgehensweise umfasste mehrere Schritte, um eine fundierte und detaillierte Analyse sicherzustellen. Zunächst führten wir eine umfangreiche Literaturrecherche durch, um den aktuellen Stand der Forschung im Bereich Low-Code-Entwicklung zu erfassen. Dabei wurden wissenschaftliche Artikel, Bücher und Berichte von Fachleuten und Organisationen analysiert, um ein tiefes Verständnis der Prinzipien, Vorteile, Herausforderungen und Auswirkungen von Low-Code-Entwicklungsplattformen zu gewinnen. Ergänzend zur Literaturrecherche führten wir insgesamt über 30 semi-strukturierte Interviews mit Vertretern aus mehr als 20 Unternehmen durch, die frühzeitig in Low-Codeund Citizen-Development-Initiativen investiert haben. Die Unternehmen stammten aus verschiedenen Branchen und Größenordnungen, um eine breite Perspektive zu gewährleisten. Die Interviews wurden je nach Verfügbarkeit und Präferenz der Teilnehmenden persönlich oder virtuell durchgeführt. Die Interviewergebnisse wurden mit den Erkenntnissen aus der Literaturrecherche trianguliert, um die Validität der Ergebnisse zu erhöhen und ein umfassendes Bild der Low-Code-Entwicklung in Unternehmen zu zeichnen. Weitere Informationen und detaillierte Ergebnisse der Interviews sind unter anderem in den Beiträgen von Elshan et al. (2023a); Elshan et al. (2023c), Binzer et al. (2024) und Binzer und Winkler (2024) zu finden. 2 Was ist «Low-Code»? In den letzten Jahren hat sich „Low-Code“ als eine neue Klasse von Softwareentwicklungsumgebungen etabliert (Bock und Frank 2021). Low-Code-Entwicklungsplattformen bieten zahlreiche Vorteile, darunter die Nutzung von Cloud-Umgebungen, automatische Code-Generierung sowie deklarative und grafische Abstraktionen, um voll funktionsfähige Anwendungen zu erstellen (Sahay et al. 2020). Im Gegensatz zur traditionellen Softwareentwicklung, die detaillierte manuelle ProgrammieK Mehr als ein Trend?: Wie Low-Code die digitale Transformation unterstützt 1073 rung erfordert, ermöglicht Low-Code die Erstellung von Anwendungen mit minimalem Programmieraufwand. Benutzer können visuelle Entwicklungsumgebungen nutzen, um Anwendungen durch das Ziehen und Ablegen von Komponenten (Dragand-Drop) zu entwickeln, was den Bedarf an manuellem Codieren erheblich reduziert (Carroll et al. 2021). Low-Code-Plattformen zeichnen sich durch vorgefertigte Komponenten und Vorlagen aus, die häufig verwendete Funktionen und Prozesse abdecken (Elshan et al. 2023a, b). Diese vorgefertigten Bausteine beschleunigen die Entwicklung, da Benutzer auf bewährte Komponenten zurückgreifen können, anstatt jedes Element von Grund auf neu zu erstellen. Eine zentrale Funktion von Low-Code-Plattformen ist die automatische Code-Generierung, bei der Benutzer die Funktionalitäten und Geschäftslogik visuell definieren, während die Plattform den entsprechenden Code im Hintergrund generiert. Dies spart Zeit, reduziert Fehler und ermöglicht eine schnellere Bereitstellung von Anwendungen. Ein anschauliches Beispiel aus unserer Forschung zeigt, wie ein Citizen Developer mithilfe von Microsoft PowerAutomate und PowerApps eine App entwickelt hat, die die Koordination von Feedback und internen Anfragen optimiert. Diese App bietet eine benutzerfreundliche Oberfläche, über die Anfragen zentral eingereicht und verwaltet werden können. Dadurch wurde der Citizen Developer, der im Geschäftsbereich angesiedelt ist, selbst zu einem Entwickler, der intern als Ansprechpartner für die App fungierte. Die Anwendung sorgt dafür, dass Anfragen zentral gesammelt werden und erleichtert dem Team, den Überblick zu behalten und schnell auf diese zu reagieren. Ein weiteres Beispiel ist die Verwendung von der OutSystems-Plattform durch ein Unternehmen, um den Onboarding-Prozess neuer Mitarbeiter zu digitalisieren und zu automatisieren. Diese Plattform ermöglichte es, den zuvor papierbasierten Prozess effizienter zu gestalten und die Zufriedenheit der neuen Mitarbeiter zu erhöhen. Neue Mitarbeiter können nun über eine zentrale App ihre persönlichen Daten eingeben, Schulungsunterlagen abrufen und ihre Fortschritte verfolgen. Dies hat den Onboarding-Prozess nicht nur beschleunigt, sondern auch die Fehlerquote reduziert und die Zufriedenheit der neuen Mitarbeiter erhöht. Obwohl Low-Code-Plattformen heute weit verbreitet sind, handelt es sich oft um weiterentwickelte Produkte mit einer längeren Marktgeschichte, die nun unter dem Begriff „Low-Code“ vermarktet werden (Bock und Frank 2021; Frank et al. 2021). Ein zentrales Problem dabei ist die Heterogenität dieser Plattformen, die sich erheblich in Funktionsumfang, Anwendungszweck und eingesetzten Technologien unterscheiden. Plattformanbieter aus verschiedenen Bereichen bewerben Low-Code-Lösungen, die von der Geschäftsprozessautomatisierung, wie bei Appian (2024), bis hin zu umfassenden Applikationsentwicklungsplattformen wie Microsoft Power Platform (2024), OutSystems (2024) und Mendix (2024) reichen. Neben diesen bekannten Plattformen existieren über 100 weitere (Bratincevic et al. 2024), darunter weniger bekannte wie smapOne (2024) und BRYTER (2024). Low-Code-Plattformen lassen sich dabei in zwei Kategorien einteilen: solche, die für Citizen Developer geeignet sind, und solche, die sich eher an professionelle Entwickler richten (Novales und Mancha 2023). Darüber hinaus gibt es allgemeine Plattformen und domänenspezifiK 1074 E. Elshan, B. Binzer sche Plattformen, die für spezifische Anwendungsbereiche optimiert sind (Novales und Mancha 2023). Daher gilt, dass die Nutzung von Low-Code-Plattformen unterschiedliche Kenntnisse erfordert, abhängig von der Zielgruppe: Citizen Developer benötigen keine tiefgehenden Programmierkenntnisse, sondern sollten ein grundlegendes Verständnis von Geschäftsprozessen und Datenmanagement haben. Mit einfachen Schulungen können sie produktive Anwendungen erstellen. Professionelle Entwickler profitieren von den automatisierten Funktionen der Plattformen und der Möglichkeit, bei Bedarf manuellen Code einzufügen, um komplexere Anwendungen schneller zu entwickeln. Trotz der zahlreichen Vorteile, die Low-Code-Plattformen bieten, gibt es auch zahlreiche Herausforderungen (Elshan et al. 2023a; Käss et al. 2023a; Khorram et al. 2020). Dazu gehören technische Einschränkungen, Integrationsprobleme mit bestehenden IT-Systemen und Sicherheitsbedenken (siehe Abschn. 4). Zudem erfordert die erfolgreiche Implementierung von Low-Code-Plattformen ein effektives Change-Management, um sicherzustellen, dass alle Mitarbeitenden die notwendigen Fähigkeiten und das Wissen erwerben, um diese Tools effektiv zu nutzen (Binzer und Winkler 2024; Carroll und Maher 2023; Prinz et al. 2022). Abschließend lässt sich festhalten, dass die Heterogenität der Low-Code-Plattformen eine einheitliche Definition ihrer Funktionalitäten erschwert. Wir definieren Low-Code als einen Entwicklungsansatz, der es ermöglicht, digitale Lösungen mit minimalem manuellem Programmieraufwand zu erstellen, und sehen LowCode-Plattformen als benutzerfreundliche, visuelle Softwareentwicklungsumgebungen, die viele Aspekte der Code-Generierung und Anwendungsentwicklung automatisieren. 3 Chancen und Potenziale von Low-Code für Unternehmen Low-Code-Entwicklungsplattformen bieten das Potenzial tiefgreifende Auswirkungen auf die Unternehmenskultur zu haben, indem sie neue Möglichkeiten bieten Geschäftsinnovationen voranzutreiben und die Zusammenarbeit zwischen IT-Abteilungen und Geschäftseinheiten zu verbessern. Im Folgenden beschreiben wir diese Potenziale und die Chancen, die sich für Unternehmen ergeben. Wie in Abb. 1zu sehen, können sowohl Geschäftsbereiche (das „Business“) als auch IT-Abteilungen (die „IT“) von Low-Code-Plattformen profitieren. 3.1 Implikationen für die Geschäftsbereiche Ein wesentliches Merkmal von Low-Code Entwicklungsplattformen ist ihre Zugänglichkeit für Citizen Developer. So können Mitarbeitenden ohne tiefgehende ITKenntnisse eigene leichtgewichtige Softwarelösungen entwickeln (Binzer und Winkler 2022; Lebens et al. 2021). Diese Zugänglichkeit fördert nicht nur Kreativität und Innovationsbereitschaft, sondern entlastet auch die IT-Abteilungen, die sich dadurch K Mehr als ein Trend?: Wie Low-Code die digitale Transformation unterstützt 1075 auf komplexere und strategisch wichtigere Projekte konzentrieren können (Krejci et al. 2021). Gleichzeitig ermöglicht die Einbindung von Mitarbeitenden aus verschiedenen Geschäftsbereichen die Entwicklung von Anwendungen, die besser auf die spezifischen Bedürfnisse ihrer Abteilungen abgestimmt sind. Es überrascht daher nicht, dass immer mehr Unternehmen wie Shell (Carroll und Maher 2023), Volvo (Novales und Mancha 2023) oder BASF (2022) eigene Citizen Development-Initiativen mit tausenden von Citizen Developern etablieren und ausbauen. Allerdings existiert keine einheitliche Definition für den Begriff „Citizen Developer“, da verschiedene Typen von ihnen anzutreffen sind (Binzer und Winkler 2023). Einige entsprechen der ursprünglichen Gartner-Definition (Gartner 2024), wonach es sich um Mitarbeitende ohne formale IT-Ausbildung handelt, die mithilfe von Low-Code-Tools eigene Softwarelösungen entwickeln. Andere hingegen ähneln eher dem Profil von Power Usern, die bereits über ein grundlegendes Verständnis von Datenkonzepten und IT verfügen und daher besonders gut geeignet sind, digitale Lösungen zu erstellen, ohne tiefgehende Programmierkenntnisse zu besitzen. Die Befähigung (von vielen Unternehmen als „Empowerment“ oder „Enablement“ bezeichnet) dieser unterschiedlichen Citizen Developer bietet Unternehmen vielfältige Chancen, die im Folgenden näher erläutert werden. Durch die Einbindung von Citizen Developern wird das Innovationspotenzial innerhalb eines Unternehmens erheblich erweitert (Elshan et al. 2023c; Iho et al. 2021; Krejci et al. 2021). Citizen Developer bringen ihre „Geschäftsperspektiven“ und ihr spezifisches Fachwissen aus ihren jeweiligen Abteilungen ein, was möglicherweise zu innovativeren Ideen und Lösungsansätzen führt. Außerdem sind sie in der Lage, Anwendungen zu entwickeln, die möglicherweise zu klein für die Entwicklung durch zentrale IT-Abteilungen sind (Binzer et al. 2024), wodurch Nischenprobleme mit Lösungen angegangen werden können, die direkt auf ihre eigenen spezifiErhöhung des Innovationspotenzials 1 Geschäftsbereiche Citizen Developer IT-Abteilungen IT-Professionals / Softwareentwickler Reduzierung der Abhängigkeit von IT-Abteilungen 2 Schnelligkeit, Anpassungsfähigkeit & Flexibilität (z.B., Prototypen) 3 Upskilling & digital-affine Belegschaft 4 Fokussierung auf komplexere Projekte und Initiativen 1 Schnellere und effizientere Erstellung digitaler Lösungen 2 Verändertes Rollenverständnis hin zu Mentoren & Förderern 3 Business-IT „Vertrauen“ durch verändertes Rollenverständnis 4 Abb. 1 Implikationen von Low-Code für Unternehmen K 1076 E. Elshan, B. Binzer schen Bedürfnisse oder die ihrer entsprechenden Abteilungen zugeschnitten sind. Hierdurch können Unternehmensprozesse effizienter gestaltet und die Abhängigkeit von langen Entwicklungszyklen durch die zentralen IT-Abteilungen aufgelöst werden. Da mehr Mitarbeiter mithilfe von Low-Code die Entwicklungskapazität von Software in ihren Unternehmen erweitern, erhöhen Unternehmen somit auch ihre Flexibilität und Anpassungsfähigkeit (Binzer und Winkler 2022). Ein weiterer Vorteil der Einbindung von Citizen Developern ist die Ermöglichung agiler und iterativer Entwicklungsprozesse (Rafi et al. 2022). Citizen Developer nutzen die Vorteile von Low-Code-Plattformen, um schnell Prototypen zu erstellen, Feedback zu sammeln und Anwendungen iterativ zu verbessern. Dies führt zu einer schnelleren Markteinführung und einer höheren Anpassungsfähigkeit an sich ändernde Marktanforderungen (Varajão 2021). Die Möglichkeit, schnell zu iterieren und sich nahezu in Echtzeit an Feedback anzupassen, erhöht die Reaktionsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens erheblich. Citizen Development-Initiativen bieten Unternehmen die Chance, die digitale Kompetenz ihrer gesamten Belegschaft zu steigern. Durch gezielte Schulungsund Weiterbildungsprogramme können Mitarbeitende grundlegende sowie fortgeschrittene digitale Fähigkeiten erlernen und vertiefen. Technische Schulungen sollten die wesentlichen Funktionen der Low-Code-Plattformen abdecken, wie die Bedienung der Benutzeroberfläche, die Nutzung vorgefertigter Komponenten, die Integration mit anderen Systemen und Sicherheitsaspekte der Anwendungsentwicklung. Ergänzend zu den technischen Schulungen sind auch Schulungen zu Best Practices in der Softwareentwicklung und im Projektmanagement essenziell (Elshan et al. 2023a, c). Diese sollten Themen wie Anforderungsanalyse, Designprinzipien, Testverfahren und Dokumentation umfassen, um sicherzustellen, dass die entwickelten Anwendungen von hoher Qualität sind und den organisatorischen Standards entsprechen. Zudem ist es wichtig, ein grundlegendes Verständnis für Datenmanagement, Cybersicherheit und digitale Transformation zu vermitteln. Zusätzlich kann die Einführung von Mentorenprogrammen Citizen Developer gezielt unterstützen. Erfahrene Softwareentwickler fungieren dabei als Mentoren, die bei technischen Fragen beraten, konstruktives Feedback geben und sicherstellen, dass die entwickelten Anwendungen den Qualitätsstandards entsprechen. Diese Programme fördern den Wissensaustausch und die bereichsübergreifende Zusammenarbeit innerhalb der Organisation und tragen dazu bei, dass Citizen Developer kontinuierlich ihre Fähigkeiten ausbauen und qualitativ hochwertige Lösungen entwickeln. 3.2 Implikationen für die IT-Abteilung Die wachsende Verbreitung von Low-Code-Plattformen beeinflusst auch die Rolle traditioneller Softwareentwickler (Viljoen et al. 2024). Obwohl professionelle Entwickler Low-Code-Technologien oft mit Skepsis betrachten und deren Einführung mitunter Widerstand auslösen kann (Käss et al. 2023b), bieten diese Plattformen auch Chancen. Einige Unternehmen legen den Fokus darauf, Low-Code erfolgreich in IT-Abteilungen zu integrieren und die Akzeptanz innerhalb dieser Teams zu fördern (Binzer und Winkler 2024). K Mehr als ein Trend?: Wie Low-Code die digitale Transformation unterstützt 1077 Die zunehmende Etablierung von Citizen Development-Initiativen ermöglicht es professionellen Entwicklern, sich auf strategische und komplexe Projekte zu konzentrieren (Rokis und Kirikova 2022). Dies führt zu einer effizienteren Nutzung der Entwicklerressourcen und einer höheren Qualität der entwickelten Lösungen. Indem sich Entwickler von Routineaufgaben lösen und in strategischere Rollen übergehen, können sie die Qualität der im gesamten Unternehmen entwickelten Lösungen gezielt verbessern. Dabei liegt ihr Fokus verstärkt auf der Architektur und dem Design von IT-Systemen, die langfristige strategische Ziele unterstützen (Siemon und Kedziora 2023). Erste Studien zeigen, dass die Entwicklung voll funktionsfähiger digitaler Lösungen durch Low-Code zweibis dreimal schneller realisiert werden kann als mit traditionellen Softwareentwicklungsmethoden (Trigo et al. 2022). Geschwindigkeit und Effizienz zählen zu den wesentlichen Vorteilen der Low-Code-Entwicklung. Durch den Einsatz von Drag-and-Drop-Tools und visuellem Programmieren lässt sich die Entwicklungszeit erheblich verkürzen (Pinho et al. 2023). Dies erlaubt es Unternehmen, schneller neue Anwendungen zu entwickeln und auf den Markt zu bringen, was besonders in Branchen mit schnellen Innovationszyklen und hohem Wettbewerbsdruck von Vorteil ist (Luo et al. 2021). Die schnelle Bereitstellung von Anwendungen ermöglicht es Unternehmen zudem, rascher auf Kundenfeedback zu reagieren und Anpassungen vorzunehmen, was die Benutzerzufriedenheit und -bindung steigern kann. Professionelle Entwickler übernehmen zunehmend auch die Rolle von Mentoren und Unterstützern für Citizen Developer. Sie stellen sicher, dass die von Citizen Developern entwickelten Lösungen den organisatorischen Standards entsprechen und helfen bei der Bewältigung technischer Herausforderungen, die über die Fähigkeiten der Citizen Developer hinausgehen (Viljoen et al. 2024). Diese Mentorenrolle erfordert eine sorgfältige Balance zwischen der Förderung von Innovationen und der Aufrechterhaltung von Qualitäts-, Complianceund Sicherheitsstandards. Um dies zu gewährleisten, müssen Unternehmen klare Governance-Richtlinien und entsprechende Unterstützungsstrukturen bereitstellen, die sicherstellen, dass die Anwendungen den Unternehmensanforderungen entsprechen. Dies umfasst die Überprüfung von Code, die Durchführung von Sicherheitstests und die Einhaltung von Datenschutzbestimmungen. Die neuen Strukturen und das veränderte Rollenverständnis bieten zudem die Möglichkeit, die oft bestehenden Spannungen zwischen IT und Business zu verringern. Häufig sind Mitarbeiter aus den Geschäftsbereichen mit der internen ITAbteilung unzufrieden, es bestehen Missverständnisse, oder langwierige Abstimmungsprozesse sind keine Seltenheit (Hoogsteen und Borgman 2022). Low-Code kann hier eine Kultur der Zusammenarbeit und des gegenseitigen Lernens fördern. Während Citizen Developer Low-Code-Plattformen zum Großteil eigenständig nutzen, um digitale Lösungen für ihre Probleme zu entwickeln, können sie auch enger mit professionellen Entwicklern zusammenarbeiten. Dieses Modell, oft als „Fusion Development“ bezeichnet, integriert beide Seiten in den Softwareentwicklungszyklus. Professionelle Entwickler konzentrieren sich dabei auf komplexe Aufgaben wie das Backend und die Integration in andere Systeme, während Citizen Developer für die Erstellung passender grafischer Benutzeroberflächen verantwortlich sind. Diese K 1084 E. Elshan, B. Binzer sorgfältige Planung und umfassende Change-Management-Strategien,um den Erfolg von Low-Code-Initiativen sicherzustellen. Trotz der vielen Vorteile, wie der Steigerung von Geschwindigkeit und Effizienz, müssen Unternehmen auch technische Einschränkungen, Integrationsprobleme und Sicherheitsbedenken berücksichtigen. Mit der richtigen Strategie können diese Herausforderungen jedoch gemeistert und die digitalen Transformationsziele erreicht werden. Ausblickend ist zu erwarten, dass die Bedeutung von Low-Code-Plattformen weiter zunehmen wird, insbesondere durch die Integration von Künstlicher Intelligenz wie Copilot und ChatGPT. Diese Entwicklungen werden die Leistungsfähigkeit und Vielseitigkeit der Plattformen weiter steigern. Zukünftige Forschung sollte sich auf die Rolle der Citizen Developer und die organisatorischen Veränderungen konzentrieren, die durch deren Einbindung entstehen, wie von Binzer und Winkler (2024) gezeigt. Ebenso ist die Entscheidungsfindung, ob ein Bedarf durch Low-Codeoder traditionelle Entwicklung gedeckt wird, ein wichtiges Thema, wie Prinz et al. (2024) darlegen. Zusammenfassend bieten Low-Code-Entwicklungsplattformen eine vielversprechende Lösung für die Herausforderungen der modernen Softwareentwicklung. Mit der richtigen Strategie können Unternehmen die Vorteile dieser Plattformen maximieren und ihre digitale Transformation erfolgreich vorantreiben. Die fortgesetzte Forschung wird dazu beitragen, das volle Potenzial dieser Technologien weiter zu erschließen. Danksagung Gerne möchten wir allen Interviewpartner:innen unseren herzlichen Dank aussprechen, die durch ihre wertvollen Beiträge und Einblicke unsere Forschung ermöglicht haben. Ihre Bereitschaft, ihre Erfahrungen und ihr Fachwissen zu teilen, hat entscheidend dazu beigetragen, ein tieferes Verständnis der Herausforderungen und Chancen im Zusammenhang mit der Einführung und Nutzung von Low-CodeEntwicklungsplattformen zu gewinnen. Funding Open Access funding enabled and organized by Projekt DEAL. Open Access Dieser Artikel wird unter der Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz veröffentlicht, welche die Nutzung, Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung und Wiedergabe in jeglichem Medium und Format erlaubt, sofern Sie den/die ursprünglichen Autor(en) und die Quelle ordnungsgemäß nennen, einen Link zur Creative Commons Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. 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