Neue kaufmännische Abschlussprüfungen: kommentierter Tabellenband der schriftlichen Prüferbefragungen zu den Abschlussprüfungen in den Ausbildungsberufen. Automobilkaufmann/Automobilkauffrau, Buchhändler/Buchhändlerin, Verlagskaufmann/Verlagskauffrau, Versicherungskaufmann/Versicherungskauffrau
Abstract
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Full text
Stohr, Andreas Research Report Neue kaufmännische Abschlussprüfungen: kommentierter Tabellenband der schriftlichen Prüferbefragungen zu den Abschlussprüfungen in den Ausbildungsberufen. Automobilkaufmann/ Automobilkauffrau, Buchhändler/Buchhändlerin, Verlagskaufmann/Verlagskauffrau, Versicherungskaufmann/Versicherungskauffrau Wissenschaftliche Diskussionspapiere, No. 60 Provided in Cooperation with: Federal Institute for Vocational Education and Training (BIBB), Bonn Suggested Citation: Stohr, Andreas (2002) : Neue kaufmännische Abschlussprüfungen: kommentierter Tabellenband der schriftlichen Prüferbefragungen zu den Abschlussprüfungen in den Ausbildungsberufen. Automobilkaufmann/Automobilkauffrau, Buchhändler/Buchhändlerin, Verlagskaufmann/Verlagskauffrau, Versicherungskaufmann/Versicherungskauffrau, Wissenschaftliche Diskussionspapiere, No. 60, ISBN 978-3-88555-721-0, Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Bonn, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0035-0029-0 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/236027 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. You are not to copy documents for public or commercial purposes, to exhibit the documents publicly, to make them publicly available on the internet, or to distribute or otherwise use the documents in public. If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/de/
WISSENSCHAFTLICHE DISKUSSIONSPAPIERE Heft 60 Neue kaufmännische Abschlussprüfungen Andreas Stöhr Kommentierter Tabellenband der schriftlichen Prüferbefragung zu den Abschlussprüfungen in den Ausbildungsberufen Automobilkaufmann/Automobilkauffrau Buchhändler/Buchhändlerin Verlagskaufmann/Verlagskauffrau Versicherungskaufmann/Versicherungskauffrau Bonn, im Juni 2002 Schriftenreihe des Bundesinstituts für Berufsbildung Der Generalsekretär • Bonn
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3 Vorwort An die Aussagefähigkeit von Abschlussprüfungen werden hohe Erwartungen und Ansprüche gestellt. Abschlussprüfungen sollen abbilden, welche Fertigkeiten und Kenntnisse von den Auszubildenden in welcher Qualität während der Ausbildungszeit erworben worden sind, sollen Auskunft darüber geben, wie die zukünftige berufliche Leistungsfähigkeit der jeweiligen Fachkraft einzuschätzen ist, sollen den Ausprägungsgrad individueller beruflicher Handlungskompetenz erfassen und darüber hinaus einen Vergleich zwischen den erzielten Prüfungsergebnissen ermöglichen. Im Rahmen der Ordnung der dualen Ausbildungsberufe werden neue Prüfungsformen in Ausbildungsordnungen festgeschrieben, die aussagefähiger, praxisnäher und wirtschaftlicher sein sollen als bisher bestehende Prüfungsformen. Diese neuen Prüfungsformen, wie z. B. Projektauftrag und ganzheitliche Aufgaben1 oder Kundenberatungsgespräch, müssen nach ihrer Einführung darauf hin überprüft werden, ob sie sich in der Praxis bewähren und ob sie die hohen Anforderungen und Erwartungen erfüllen. Im Rahmen eines BIBB-Vorhabens zur Evaluation von Prüfungsformen2 werden in insgesamt 16 neuen und modernisierten Berufen die jeweiligen Abschlussprüfungen genauer betrachtet. Um Erkenntnisse über die neuen Prüfungsformen gewinnen zu können, wurde ein mehrstufiges Evaluierungskonzept entwickelt, welches qualitative und quantitative Methoden umfasst (vgl. Abbildung 1). Auf der jeweils ersten Stufe wurden Informationsquellen gesichtet und analysiert, um erste Hypothesen ableiten zu können. Auf der zweiten Stufe wurde durch Vorgespräche in Kammern (Industrieund Handelskammern und Handwerkskammern) und Betrieben geprüft, ob diese Hypothesen der Prüfungspraxis entsprechen. Parallel dazu erfolgten Sachstandsanalysen, mit denen benötigte Grunddaten bei allen Kammern erhoben wurden (z. B. die Zahl der Prüfungsausschussmitglieder für den jeweils zu untersuchenden Beruf). Die bei den Kammern erhobenen Daten stellten die Planungsgrundlage für die dritte Stufe und damit für den Untersuchungsschwerpunkt dar. Im Rahmen des Untersuchungsschwerpunktes wurden quantitative Daten bei allen, für die jeweiligen Berufe zuständigen Prüfungsausschussmitgliedern anhand von Fragebogen erhoben. Die Datenerhebung erfolgte jeweils zeitnah zur Durchführung des ersten regulären Prüfungsdurchgangs im jeweiligen Ausbildungsberuf. Ausnahme war der Ausbildungsberuf Versicherungskaufmann / Versicherungskauffrau (von 1996), bei dem bereits früher reguläre Abschlussprüfungen stattgefunden haben. 1Ebbinghaus, M., Görmar, G. & Stöhr, A.: Evaluiert: Projektarbeit und Ganzheitliche Aufgaben. Bundesinstitut für Berufsbildung, Der Generalsekretär (Hrsg.). Bielefeld: Bertelsmann, 2001. 2Forschungsvorhaben 4.0522: Evaluation von Prüfungsvorschriften in Ausbildungsordnungen. Informationen zum Vorhaben unter http://www.bibb.de/aufgaben/arbprogr/vorhaben/vor40522.htm und unter http://www.bibb.de/forum/aprojekt.htm.
4 Qualitative Daten wurden über Fallstudien erhoben, bei denen leitfadengestützte Interviews mit Vertretern aus allen für das Prüfungsgeschehen relevanten Personengruppen geführt wurden. Die Interviews wurden auf Tonband aufgezeichnet, in Schriftform übertragen und inhaltsanalytisch ausgewertet. Teilnehmende Beobachtungen an Prüfungen sowie Expertisen zu Prüfungsaufgaben rundeten das methodische Vorgehen ab. Abb. 1: Evaluationskonzept (Quelle: BIBB, 2001) Zu den Abschlussprüfungen in vier der 16 untersuchten Berufe liegen Ergebnisse aus der schriftlichen Befragung von Prüfungsausschussmitgliedern vor. Diese Ergebnisse sind Gegenstand der vorliegenden Veröffentlichung.
5 Inhaltsverzeichnis Seite Vorwort..........................................................................................................................................3 Inhaltsverzeichnis..........................................................................................................................5 I. Ergebnisse aus der schriftlichen Prüferbefragung zur Abschlussprüfung im Ausbildungsberuf Automobilkaufmann/ Automobilkauffrau......................................6 1. Die Befragungsteilnehmer .......................................................................................................7 2. Zeitaufwand ..............................................................................................................................8 3. Prüfungsvorbereitung, Weiterbildungsund Informationsbedarf........................................9 4. Aussagekraft der Abschlussprüfung........................................................................................9 5. Schwächen und Stärken der neuen Prüfungsform...............................................................14 6. Fazit..........................................................................................................................................15 Fragebogen .................................................................................................................................16 II. Ergebnisse aus der schriftlichen Prüferbefragung zur Abschlussprüfung im Ausbildungsberuf Buchhändler/ Buchhändlerin.............................................................20 1. Die Befragungsteilnehmer .....................................................................................................21 2. Zeitaufwand ............................................................................................................................22 3. Prüfungsvorbereitung, Weiterbildungsund Informationsbedarf......................................23 4. Aussagekraft der Abschlussprüfung......................................................................................23 5. Schwächen und Stärken der neuen Prüfungsform...............................................................28 6. Fazit..........................................................................................................................................29 Fragebogen .................................................................................................................................30 III. Ergebnisse aus der schriftlichen Prüferbefragung zur Abschlussprüfung im Ausbildungsberuf Verlagskaufmann/ Verlagskauffrau................................................34 1. Die Befragungsteilnehmer .....................................................................................................35 2. Zeitaufwand ............................................................................................................................36 3. Prüfungsvorbereitung, Weiterbildungsund Informationsbedarf......................................37 4. Aussagekraft der Abschlussprüfung......................................................................................37 5. Schwächen und Stärken der neuen Prüfungsform...............................................................42 6. Fazit..........................................................................................................................................43 Fragebogen .................................................................................................................................44 IV. Ergebnisse aus der schriftlichen Prüferbefragung zur Abschlussprüfung im Ausbildungsberuf Versicherungskaufmann/ Versicherungskauffrau.......................48 1. Die Befragungsteilnehmer .....................................................................................................49 2. Zeitaufwand ............................................................................................................................50 3. Prüfungsvorbereitung, Weiterbildungsund Informationsbedarf......................................50 4. Aussagekraft der Abschlussprüfung......................................................................................51 5. Schwächen und Stärken der neuen Prüfungsform...............................................................55 6. Fazit..........................................................................................................................................56 Fragebogen .................................................................................................................................57
6 I. Ergebnisse aus der schriftlichen Prüferbefragung zur Abschlussprüfung im Ausbildungsberuf Automobilkaufmann / Automobilkauffrau Am 1. August 1998 trat der neue Ausbildungsberuf Automobilkaufmann / Automobilkauffrau in Kraft. Die Ausbildung ist sowohl im Handwerk als auch in Industrie und Handel möglich. Der neue Ausbildungsberuf verbindet die ehemals getrennten kaufmännischen und technischen Bereiche in Kraftfahrzeugbetrieben. „Automobilkaufleute sind in Autohäusern, bei Fahrzeugvermietungen, bei Automobilherstellern und Importeuren von Automobilen tätig. Typische Arbeitsgebiete sind Disposition, Beschaffung, Vertrieb, Verkauf von neuen und gebrauchten Kraftfahrzeugen und Kundendienst. Automobilkaufleute beobachten den Markt und bereiten die gewonnenen Informationen für Marketingentscheidungen auf. Sie bieten alle das Kraftfahrzeug betreffenden Dienstleistungen an. Sie sind mit der Vorbereitung, dem Angebot und der Vermittlung von Finanzierungs-, Leasing-, Flottenmanagement-, Versicherungsund Garantieverträgen befasst. Automobilkaufleute arbeiten kundenorientiert und tragen dazu bei, einen wirtschaftlichen Betriebsablauf zu sichern.“ (Quelle: Ausbildungsprofil3). Ob die künftigen Automobilkaufleute nach der Ausbildung in der Lage sind, ihre Aufgaben in den im Ausbildungsprofil genannten möglichen Arbeitsgebieten zu erledigen, soll die Abschlussprüfung zeigen. Es wurde eine handlungsorientierte Abschlussprüfung in der Ausbildungsordnung festgelegt, damit die berufliche Handlungsfähigkeit der künftigen Fachkräfte möglichst aussagefähig geprüft werden kann. Die Abschlussprüfung für Automobilkaufleute (vgl. Abbildung 2) gliedert sich in einen schriftlichen und einen mündlichen Teil (praktische Übungen): Im schriftlichen Teil sollen drei komplexe praxisbezogene Aufgaben bearbeitet werden. Zwei dieser Aufgaben entfallen auf den Bereich Vertriebsund Serviceleistungen, eine bezieht sich auf den Prüfungsbereich Finanzdienstleistungen. Hinzu kommen praxisbezogene Aufgaben oder Fälle aus der Berufsund Arbeitswelt im Bereich Wirtschaftsund Sozialkunde. Im mündlichen Teil der Abschlussprüfung wird ein Prüfungsgespräch geführt, in dessen Verlauf der Prüfling zeigen soll, dass er Gespräche kundenorientiert und situationsbezogen führen und betriebliche Leistungen anbieten kann. Durch diese Prüfungsform sollen Ganzheitlichkeit und Handlungsorientierung der Prüfung sichergestellt werden. 3Ausbildungsprofil zum Ausbildungsberuf Automobilkaufmann/Automobilkauffrau. In: Bundesanzeiger, Jg. 50, Nummer 201a vom 27.10.1998.
7 Abb. 2: Prüfungsmodell für die Abschlussprüfung Automobilkaufmann /Automobilkauffrau: Abschlussprüfung Automobilkaufmann / Automobilkauffrau Schriftliche Prüfung Praktische Prüfung Prüfungsbereich Prüfungsbereich Prüfungsbereich Prüfungsbereich Vertriebsund Serviceleistungen Finanzdienstleistungen Wirtschaftsund Sozialkunde Praktische Übungen Eine praxisbezogene Aufgabe als Ausgangspunkt für das folgende Prüfungsgespräch höchstens 180 Minuten höchstens 90 Minuten höchstens 90 Minuten höchstens 35 Minuten (davon 20 Minuten Prüfungsgespräch) Gewichtung: 2 : 1 : 1 : 2 Quelle: BIBB, 2001 1. Die Befragungsteilnehmer4 Die schriftliche Vorbefragung, die das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in allen Industrieund Handelskammern und Handwerkskammern in Deutschland durchgeführt hat erbrachte, dass zur Abschlussprüfung im Sommer 2001 für die Abnahme der Prüfung insgesamt 754 Prüfer und Prüferinnen gewonnen werden konnten, die sich auf 183 Prüfungsausschüsse verteilten. Diesen Prüfern und Prüferinnen wurde der Fragebogen aus der folgenden Anlage zur Abschlussprüfung von Automobilkaufleuten zugesandt. 198 Prüfer und Prüferinnen aus 15 Bundesländern (außer Hamburg) haben den ausgefüllten Fragebogen an das BIBB zurückgesandt (dies entspricht einer Rücklaufquote von 26,3%5). 4Die schriftliche Befragung erfolgte in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft „Evaluation Prüfungsvorschriften“: Intelligenz System Transfer (IST), Dresden und dem Institut für Arbeitspsychologieund Gesundheitsforschung (AuG), Hamburg. 5Das Wort „Prozent“ wird im gesamten Text durch das Zeichen „%“ ersetzt.
8 75 der 198 antwortenden Prüfungsausschussmitglieder sind als Arbeitgebervertreter, 62 als Arbeitnehmervertreter und 59 als Berufsschullehrer im Prüfungsausschuss tätig. Zwei Personen machten keine Angabe über ihre Funktion im Prüfungsausschuss. Aus den Zahlen ergibt sich die nachfolgende Verteilung (in %): F1) Funktion im Prüfungsausschuss BerufsschullehrerArbeitnehmerArbeitgeber Prozent 40 38 36 34 32 30 28 30 31 38 2. Zeitaufwand Die befragten Prüfungsausschussmitglieder gaben an, wie viel Zeit sie für die Vorund Nachbereitung sowie für die Durchführung der Abschlussprüfung pro Prüfungsteilnehmer benötigen. Es zeigt sich, dass die Prüfer und Prüferinnen im Durchschnitt 2,6 Stunden pro Prüfungsteilnehmer aufwenden. Der niedrigste Wert wurde mit 20 Minuten, der höchste Wert mit 60 Stunden Zeitaufwand pro Prüfungsteilnehmer angegeben. Als häufigster Wert wurde 1 Stunde genannt (61 Prüfer und Prüferinnen). Der Zeitaufwand für Fahrten zu externen Prüfungsorten wurde gesondert erfasst. 154 Prüfer und Prüferinnen machten Angaben zu dieser Frage. Der durchschnittliche Zeitaufwand pro Prüfer/Prüferin beträgt hier 1,8 Stunden. Auch hier wurde als häufigster Wert 1 Stunde genannt (56 Prüfer/Prüferinnen).
15 6. Fazit Die Daten aus der schriftlichen Befragung lassen den Schluss zu, dass die erste regulär durchgeführte Abschlussprüfung im Ausbildungsberuf Automobilkaufmann/Automobilkauffrau ohne größere Schwierigkeiten organisiert und umgesetzt werden konnte. Die durchschnittliche Arbeitszeit, die ein Prüfer pro Prüfungsteilnehmer für die Prüfungsdurchführung aufgewandt hatte, betrug einschließlich der Fahrzeiten 4,4 Stunden. Von 55 Prüfern und Prüferinnen (N = 198) wurde der Zeitaufwand als problematisch eingestuft. 43 Prüfer und Prüferinnen halten das Zeitproblem für nur schwer korrigierbar. Das Prüfungsmodell wird von der überwiegenden Mehrheit der Prüfungsausschussmitglieder positiv beurteilt. Auch die Praxisnähe der Abschlussprüfung wurde von den meisten Prüfern und Prüferinnen positiv beurteilt. 66% der Befragten sehen reale berufliche Anforderungen in den Prüfungsaufgaben als „eher gut“ und 14 % als „gut“ abgebildet. Das ist für einen ersten Prüfungsdurchgang ein gutes Ergebnis, bedeutet aber auch, dass die Praxisnähe der Prüfungsaufgaben noch weiter verbessert werden kann. Schwachstellen bei der Aufgabenerstellung wurden von jedem dritten Prüfungsausschussmitglied bemängelt (66 Prüfer und Prüferinnen, N =198). Zwischen der Praxisnähe und der Aussagekraft der Abschlussprüfung scheint ein positiver Zusammenhang zu bestehen. Um diesen Zusammenhang abschließend bestätigen zu können, werden weitere Auswertungen vorliegender Daten erfolgen. Die Prüfungsform wird von 96% der Befragten als offen für zukünftige Entwicklungen eingeschätzt. Zunehmende Erfahrungen mit der Prüfungsdurchführung und bei der Aufgabenerstellung können Probleme des Zeitaufwands und der Praxisnähe der Prüfungsaufgaben erheblich mildern. Zusammenfassend lässt sich bereits jetzt feststellen, dass das Prüfungsmodell für den neuen kaufmännischen Ausbildungsberuf Automobilkaufmann/Automobilkauffrau von der Prüfungspraxis überwiegend positiv bewertet wird und in der Abschlussprüfung insgesamt erfolgreich umgesetzt werden konnte.
16 1Ich bin im Prüfungsausschuss tätig als: Arbeitgebervertreter/in Arbeitnehmervertreter/in Berufsschullehrer/in 2Für Vorund Nachbereitung sowie Durchführung der Abschlussprüfung benötige ich pro Prüfling: Stunden 3Fahrtzeiten zu externen Prüfungsorten sind erforderlich: N Nein Ja , und zwar ins g esamt: Stunden 4Auf die Prüfung habe ich mich vorbereitet durch die Nutzung von: (Mehrfachnennungen möglich) Kontakte mit Kollegen schriftliches Material Schulung Vortrag Eigeninitiative Veranstaltungen der Kammer Internet Sonstiges 5Meinen größten Weiterbildungsund Informationsbedarf zur Ausübung der Prüfertätigkeit in diesem Beruf sehe ich: bei Fachkenntnissen in der Gesprächsführung für die Leistungsbewertung Sonstiges: Erfahrungen mit der Zwischenprüfung: 6 Die Zwischenprüfung informiert über den erreichten Ausbildungsstand: gut eher gut eher schlecht schlecht Die Zwischenprüfung eignet sich als Vorbereitung auf die Abschlussprüfung: gut eher gut eher schlecht schlecht Beurteilung der Aussagekraft der Abschlussprüfung insgesamt: 7 Die Prüfung gibt insgesamt Auskunft darüber, ob ein/e Prüfungsteilnehmer/in ... Bitte kreuzen Sie jeweils einen Wert an: 1 = gut, 2 = eher gut, 3 = eher schlecht, 4 = schlecht Fachkenntnisse sicher anwenden kann: fehlende Informationen beschaffen und auswerten kann: Zusammenhänge erkennen und verstehen kann: fachliche Kenntnisse und Fertigkeiten einsetzt, um selbstständig Probleme zu lösen: selbstständig Arbeitsabläufe planen kann: Fortsetzung auf der nächsten Seite ... Bundesland: ______ Erfahrungen mit den neuen Prüfungsformen im Ausbildungsberuf Automobilkaufmann, Automobilkauffrau Fragen an Prüfungsausschussmitglieder 1234 1234 1234 1234 1234
17 Fortsetzung ... Bitte kreuzen Sie jeweils einen Wert an: 1 = gut, 2 = eher gut, 3 = eher schlecht, 4 = schlecht Arbeitstechniken in unterschiedlichen Situationen eigenständig anwenden kann: Arbeitsabläufe fortlaufend kontrollieren und korrigieren kann: sich klar ausdrücken und überzeugend argumentieren kann: wirtschaftliche Angebote unterbreiten und erläutern kann: kundenorientiert handeln kann: insgesamt über berufliche Handlungskompetenz/Berufsbefähigung verfügt: Beurteilung der Aussagekraft der einzelnen Prüfungsteile der Abschlussprüfung: Bitte kreuzen Sie jeweils einen Wert an: 1 = gut, 2 = eher gut, 3 = eher schlecht, 4 = schlecht 8 Die einzelnen Prüfungsteile tragen dazu bei festzustellen, ob ein/e Prüfungsteilnehmer/in ... Praktische Übungen Schriftliche Prüfung Fachkenntnisse sicher anwenden kann: fehlende Informationen beschaffen und auswerten kann: Zusammenhänge erkennen und verstehen kann: fachliche Kenntnisse und Fertigkeiten einsetzt, um selbstständig Probleme zu lösen: selbstständig Arbeitsabläufe planen kann: Arbeitstechniken in unterschiedlichen Situationen eigenständig anwenden kann: Arbeitsabläufe fortlaufend kontrollieren und korrigieren kann: sich klar ausdrücken und überzeugend argumentieren kann: wirtschaftliche Angebote unterbreiten und erläutern kann: kundenorientiert handeln kann: insgesamt über berufliche Handlungskompetenz/Berufsbefähigung verfügt: 9Die Differenzierung in Praktische Übungen und schriftliche Prüfung ist geeignet, die unterschiedlichen Aspekte beruflicher Befähigung abzubilden: gut eher gut eher schlecht schlecht 12341234 1234 1234 12341234 1234 1234 12341234 1234 1234 1234 1234 12341234 1234 1234 1234 1234 1234 1234 12341234 1234 1234 12341234
18 10 Bitte kreuzen Sie jeweils einen Wert an: 1 = gut, 2 = eher gut, 3 = eher schlecht, 4 = schlecht Praktische Übungen Schriftliche Prüfung Prüfung insgesamt Die Abschlussprüfung entspricht meiner Meinung nach den realen beruflichen Anforderungen: Die Prüfungsleistungen können objektiv und vergleichbar beurteilt werden: 11 Schwierigkeiten bei der Bewertung der Prüfungsleistungen ergaben sich ... in den praktischen Übungen in der schriftlichen Prüfung keine weil Bewertungshilfen fehlen wegen falscher, unvollständiger Lösungshilfen durch zu hohen Zeitaufwand wegen problematischer Vergleichbarkeit durch unklare Prüfungsaufgaben weil zuviel Detailwissen abgefragt wird Sonstiges: ................................. ................................. ................................. ................................. Schwächen weist diese Prüfungsform meiner Meinung nach noch auf hinsichtlich: 12 Benotung Zeitaufwand Organisation Information Prüfervorbereitung Aufgabenstellung Anforderung Kommunikation Sonstiges: Auch zukünftig für schwer korrigierbar halte ich Probleme bei: 13 der Benotung dem Zeitaufwand der Organisation der Information der Prüfervorbereitung der Aufgabenstellung den Anforderungen der Kommunikation Sonstiges: Grundsätzlich finde ich, dass diese Prüfungsform offen ist für zukünftige Entwicklungen: 14 ja eher ja eher nein nein 123412341234 123412341234
19 Die Vorzüge dieser Prüfungsform sind aus meiner Sicht: 15 Meine Verbesserungsvorschläge, bzw. weitere Kommentare zu dieser Prüfungsform: 16 Vielen Dank für Ihre Unterstützung! Bitte senden Sie Ihre Fragebogen in dem beiliegenden Umschlag an die dort angegebene Adresse zurück.
20 II. Ergebnisse aus der schriftlichen Prüferbefragung zur Abschlussprüfung im Ausbildungsberuf Buchhändler/Buchhändlerin Am 1. August 1998 trat der neugeordnete Ausbildungsberuf Buchhändler / Buchhändlerin in Kraft. Die Ausbildung ist in Industrie und Handel möglich. Die Ausbildung erfolgt zu einem Drittel der Ausbildungszeit in einem der drei Schwerpunkte Sortiment, Verlag oder Antiquariat. Der neugeordnete Beruf wurde um Ausbildungsinhalte zum Marketing, zu Verkauf und Absatz, kundenorientierte Kommunikation, buchhändlerische Dienstleistungen, neue Medien und Fremdsprachen erweitert. „Buchhändler/Buchhändlerinnen sind in Buchhandlungen, Buchverlagen, Antiquariaten und im Zwischenbuchhandel tätig. Sie üben eine kaufmännische Tätigkeit aus. Diese erhält über die verbreiteten Produkte eine kulturund bildungspolitische Bedeutung. Zu ihren wichtigsten Aufgabenbereichen gehören Verkauf, Einkauf und Marketing.“ (Quelle: Ausbildungsprofil6). Ob die künftigen Buchhändler nach der Ausbildung in der Lage sind, ihre Aufgaben in den im Ausbildungsprofil genannten möglichen Arbeitsgebieten zu erledigen, soll die Abschlussprüfung zeigen. Es wurde eine handlungsorientierte Abschlussprüfung in der Ausbildungsordnung festgelegt, damit die berufliche Handlungsfähigkeit der künftigen Fachkräfte möglichst aussagefähig geprüft werden kann. Die Abschlussprüfung für Buchhändler (vgl. Abbildung 3) gliedert sich in einen schriftlichen und einen mündlichen Teil: Im schriftlichen Teil sollen praxisbezogene Aufgaben oder Fälle aus den Prüfungsbereichen Buchhandel sowie Arbeitsorganisation und Rechnungswesen bearbeitet werden. Hinzu kommt der Prüfungsbereich Wirtschaftsund Sozialkunde. Im mündlichen Teil der Abschlussprüfung wird ein Prüfungsgespräch geführt. Der Prüfling soll eine von zwei ihm zur Wahl gestellten praxisbezogene Aufgaben aus den Gebieten kundenorientierte Kommunikation, Produkte und Dienstleistungen bearbeiten. Die ausgewählte Aufgabe soll Ausgangspunkt für das Prüfungsgespräch sein in dessen Verlauf der Prüfling zeigen soll, dass er in der Lage ist, Gespräche kundenorientiert und situationsbezogen zu führen. Der Schwerpunkt der Ausbildung ist dabei zu berücksichtigen. 6Ausbildungsprofil zum Ausbildungsberuf Buchhändler/ Buchhändlerin. In: Bundesanzeiger, Jg. 50, Nummer 197a vom 21.10.1998.
21 Abb. 3: Prüfungsmodell für die Abschlussprüfung Buchhändler/Buchhändlerin: Abschlussprüfung Buchhändler/Buchhändlerin Schriftliche Prüfung Praktische Prüfung Prüfungsbereich Prüfungsbereich Prüfungsbereich Prüfungsbereich Buchhandel Arbeitsorganisation und Rechnungswesen Wirtschaftsund Sozialkunde Praktische Übungen Eine praxisbezogene Aufgabe Prüfungsgespräch höchstens 180 Minuten höchstens 90 Minuten höchstens 90 Minuten max. 15 Minuten max. 20 Minuten beide Teile werden zusammen gewertet Gewichtung: 2 : 1 : 1 : 2 Quelle: BIBB, 2001 1. Die Befragungsteilnehmer7 Die schriftliche Vorbefragung, die das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in allen Industrieund Handelskammern und Handwerkskammern in Deutschland durchgeführt hat erbracht, dass zur Abschlussprüfung im Sommer 2001 für die Abnahme der Prüfung insgesamt 236 Prüfer und Prüferinnen gewonnen werden konnten, die sich auf 54 Prüfungsausschüsse verteilten. Diesen Prüfern und Prüferinnen wurde der Fragebogen aus der folgenden Anlage zur Abschlussprüfung von Buchhändlern zugesandt. 41 Prüfer und Prüferinnen aus 8 Bundesländern haben den ausgefüllten Fragebogen an das BIBB zurückgesandt (dies entspricht einer Rücklaufquote von 17,4%8). 7Die schriftliche Befragung erfolgte in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft „Evaluation Prüfungsvorschriften“: Intelligenz System Transfer (IST), Dresden und dem Institut für Arbeitspsychologie und Gesundheitsforschung (AuG), Hamburg. 8 Das Wort „Prozent“ wird im gesamten Text durch das Zeichen „%“ ersetzt.
22 Befragt werden konnten also 41 Prüfungsausschussmitglieder, die im Ausbildungsberuf Buchhändler/Buchhändlerin als Prüfer und Prüferinnen tätig sind. 12 der 41 antwortenden Prüfungsausschussmitglieder sind als Arbeitgebervertreter, 14 als Arbeitnehmervertreter und 14 als Berufsschullehrer im Prüfungsausschuss tätig. Eine Person machte keine Angabe über ihre Funktion im Prüfungsausschuss. Aus den Zahlen ergibt sich die nachfolgende Verteilung (in %): F1) Funktion im Prüfungsausschuss keine Angabe Berufsschullehrer Arbeitnehmer Arbeitgeber Prozent 40 30 20 10 02 3434 29 2. Zeitaufwand Die befragten Prüfungsausschussmitglieder gaben an, wie viel Zeit sie für die Vorund Nachbereitung sowie für die Durchführung der Abschlussprüfung pro Prüfungsteilnehmer benötigen. Es zeigt sich, dass die Prüfer und Prüferinnen im Durchschnitt 3,8 Stunden pro Prüfungsteilnehmer aufwenden. Der niedrigste Wert wurde mit 30 Minuten, der höchste Wert mit 40 Stunden Zeitaufwand pro Prüfungsteilnehmer angegeben. Als häufigster Wert wurde 1 Stunde angegeben (7 Personen). Der Zeitaufwand für Fahrten zu externen Prüfungsorten wurde gesondert erfasst. 32 Prüfer und Prüferinnen machten Angaben zu dieser Frage. Der durchschnittliche Zeitaufwand pro Prüfungsausschussmitglied beträgt hier 1,9 Stunden. Als häufigster Wert wurde 2 Stunden genannt (7 Personen).
23 3. Prüfungsvorbereitung, Weiterbildungsund Informationsbedarf Die Prüfungsausschussmitglieder gaben an, auf welche Weise sie sich auf die Prüfertätigkeit vorbereitet haben, bzw. wie sie auf ihre Tätigkeit vorbereitet worden sind. Als Antwortmöglichkeiten standen die Kategorien Schulung, Veranstaltungen der Kammer, Internet, Kontakte mit Kollegen, Vortrag, schriftliches Material, Eigeninitiative und Sonstiges zur Auswahl. Mehrfachnennungen waren möglich. Die Prüfer und Prüferinnen haben sich am häufigsten in Eigeninitiative (37 Nennungen) und mit Hilfe von schriftlichen Materialien (31 Nennungen) vorbereitet. Kontakte zu Kollegen als Möglichkeit der Vorbereitung wurden von 30 Prüfern und Prüferinnen genutzt, 9 Prüfer und Prüferinnen nahmen an Veranstaltungen der Kammern teil. Internet (7 Nennungen), Schulungen (5 Nennungen), Vorträge (2 Nennungen) und sonstige Vorbereitungsmöglichkeiten (11 Nennungen), die nicht in den im Fragebogen vorgegebenen Antwortmöglichkeiten enthalten waren, spielten eine nachgeordnete Rolle. Ihren größten Weiterbildungsbzw. Informationsbedarf sahen die 39 Prüfer und Prüferinnen, die diese Frage beantworteten, im Bereich der Bewertung von Prüfungsleistungen (17 Nennungen) und für Gesprächsführung (16 Nennungen). Weiterbildungsbzw. Informationsbedarf wurde auch für den Bereich der Fachkenntnisse genannt (15 Nennungen). Auch hier waren Mehrfachnennungen möglich. 4. Aussagekraft der Abschlussprüfung Die Aussagekraft der Abschlussprüfung zur beruflichen Handlungskompetenz der künftigen Fachkräfte wurde von den befragten Prüfungsausschussmitgliedern anhand vorgegebener Merkmale beruflicher Handlungskompetenz eingeschätzt. Die Prüfer und Prüferinnen gaben Auskunft darüber, ob sich mit der Abschlussprüfung feststellen lässt, dass ein/e Prüfungsteilnehmer/in -Fachkenntnisse sicher anwenden, -fehlende Informationen beschaffen und auswerten, -Zusammenhänge erkennen und verstehen, -selbstständig Arbeitsabläufe planen, -Arbeitstechniken in unterschiedlichen Situationen eigenständig anwenden, -Arbeitsabläufe fortlaufend kontrollieren und korrigieren, -sich klar ausdrücken und überzeugend argumentieren, -wirtschaftliche Angebote unterbreiten und erläutern -und kundenorientiert handeln kann, darüber hinaus -fachliche Kenntnisse einsetzen kann, um selbstständig Probleme zu lösen und -insgesamt über berufliche Handlungskompetenz bzw. Berufsbefähigung verfügt.
24 Der Auskunftsgrad der Prüfung zu den einzelnen Aspekten konnte mit „gut“, „eher gut“, „eher schlecht“ oder „schlecht“ bewertet werden. Es zeigt sich, dass nach Meinung der Prüfungsausschussmitglieder mit der Prüfung besonders gut festgestellt werden kann, ob die Prüfungsteilnehmer fachliche Sachverhalte darstellen können (als „gut“ bzw. „eher gut“ geeignet beurteilt von 90% der Befragten) und ob die Prüfungsteilnehmer Zusammenhänge erkennen können (als „gut“ bzw. „eher gut“ geeignet beurteilt von 88% der Befragten). Deutlich weniger geeignet ist die Prüfung nach Ansicht der Prüfer und Prüferinnen, Auskunft darüber zu geben, ob die Prüfungsteilnehmer Arbeitsabläufe fortlaufend korrigieren und kontrollieren können (als „schlecht“ bzw. „eher schlecht“ geeignet beurteilt von 65% der Befragten) und ob die Prüfungsteilnehmer in der Lage sind, Informationen zu beschaffen und auszuwerten (als „schlecht“ bzw. „eher schlecht“ geeignet beurteilt von 41% der Befragten). Nachfolgend die Bewertungen im Einzelnen:
31 Fortsetzung ... Bitte kreuzen Sie jeweils einen Wert an: 1 = gut, 2 = eher gut, 3 = eher schlecht, 4 = schlecht Arbeitstechniken in unterschiedlichen Situationen eigenständig anwenden kann: Arbeitsabläufe fortlaufend kontrollieren und korrigieren kann: sich klar ausdrücken und überzeugend argumentieren kann: kundenorientiert handeln kann: fachliche Sachverhalte nachvollziehbar darstellen und erläutern kann: insgesamt über berufliche Handlungskompetenz/Berufsbefähigung verfügt: Beurteilung der Aussagekraft der einzelnen Prüfungsteile der Abschlussprüfung: Bitte kreuzen Sie jeweils einen Wert an: 1 = gut, 2 = eher gut, 3 = eher schlecht, 4 = schlecht 8 Die einzelnen Prüfungsteile tragen dazu bei festzustellen, ob ein/e Prüfungsteilnehmer/in ... Praktische Übungen Schriftliche Prüfung Fachkenntnisse sicher anwenden kann: fehlende Informationen beschaffen und auswerten kann: Zusammenhänge erkennen und verstehen kann: fachliche Kenntnisse und Fertigkeiten einsetzt, um selbstständig Probleme zu lösen: selbstständig Arbeitsabläufe planen kann: Arbeitstechniken in unterschiedlichen Situationen eigenständig anwenden kann: Arbeitsabläufe fortlaufend kontrollieren und korrigieren kann: sich klar ausdrücken und überzeugend argumentieren kann: kundenorientiert handeln kann: fachliche Sachverhalte nachvollziehbar darstellen und erläutern kann: insgesamt über berufliche Handlungskompetenz/Berufsbefähigung verfügt: 9Die Differenzierung in Praktische Übungen und schriftliche Prüfung ist geeignet, die unterschiedlichen Aspekte beruflicher Befähigung abzubilden: gut eher gut eher schlecht schlecht 12341234 12341234 12341234 1234 1234 12341234 12341234 1234 1234 1234 1234 1234 1234 1234 1234 1234 1234 12341234 12341234 12341234
32 10 Bitte kreuzen Sie jeweils einen Wert an: 1 = gut, 2 = eher gut, 3 = eher schlecht, 4 = schlecht Praktische Übungen Schriftliche Prüfung Prüfung insgesamt Die Abschlussprüfung entspricht meiner Meinung nach den realen beruflichen Anforderungen: Die Prüfungsleistungen können objektiv und vergleichbar beurteilt werden: 11 Schwierigkeiten bei der Bewertung der Prüfungsleistungen ergaben sich ... in den praktischen Übungen in der schriftlichen Prüfung keine weil Bewertungshilfen fehlen wegen falscher, unvollständiger Lösungshilfen durch zu hohen Zeitaufwand wegen problematischer Vergleichbarkeit durch unklare Prüfungsaufgaben weil zuviel Detailwissen abgefragt wird Sonstiges: ................................. ................................. ................................. ................................. Schwächen weist diese Prüfungsform meiner Meinung nach noch auf hinsichtlich: 12 Benotung Zeitaufwand Organisation Information Prüfervorbereitung Aufgabenstellung Anforderung Kommunikation Sonstiges: Auch zukünftig für schwer korrigierbar halte ich Probleme bei: 13 der Benotung dem Zeitaufwand der Organisation der Information der Prüfervorbereitung der Aufgabenstellung den Anforderungen der Kommunikation Sonstiges: Grundsätzlich finde ich, dass diese Prüfungsform offen ist für zukünftige Entwicklungen: 14 ja eher ja eher nein nein 123412341234 123412341234
33 Die Vorzüge dieser Prüfungsform sind aus meiner Sicht: 15 Meine Verbesserungsvorschläge, bzw. weitere Kommentare zu dieser Prüfungsform: 16 Vielen Dank für Ihre Unterstützung! Bitte senden Sie Ihre Fragebogen in dem beiliegenden Umschlag an die dort angegebene Adresse zurück.
34 III. Ergebnisse aus der schriftlichen Prüferbefragung zur Abschlussprüfung im Ausbildungsberuf Verlagskaufmann/Verlagskauffrau Am 1. August 1998 trat der neugeordnete Ausbildungsberuf Verlagskaufmann/Verlagskauffrau in Kraft. Die Ausbildung ist in Industrie und Handel möglich. Die Ausbildung erfolgt zu einem Drittel der Ausbildungszeit in einem der zwei Schwerpunkte Zeitungsund Zeitschriftenverlag oder Buchverlag. „Verlagskaufleute sind in Zeitungsund Zeitschriftenverlagen sowie Buchverlagen tätig. Dort werden die unterschiedlichen Medienmärkte analysiert und die dabei erzielten Ergebnisse produktund kundenorientiert umgesetzt. Wesentliche Arbeitsgebiete der Verlagskaufleute sind Verkauf, Vertrieb, Anzeigen, Marketing, Rechte und Lizenzen, kaufmännische Planung, Steuerung und Kontrolle sowie Redaktion/Lektorat, Technik und Herstellung. Verlagskaufleute können im Innenund Außendienst tätig sein.“ (Quelle: Ausbildungsprofil9). Ob die künftigen Verlagskaufleute nach der Ausbildung in der Lage sind, ihre Aufgaben in den im Ausbildungsprofil genannten möglichen Arbeitsgebieten zu erledigen, soll die Abschlussprüfung zeigen. Es wurde eine handlungsorientierte Abschlussprüfung in der Ausbildungsordnung festgelegt, damit die berufliche Handlungsfähigkeit der künftigen Fachkräfte möglichst aussagefähig geprüft werden kann. Die Abschlussprüfung für Verlagskaufleute (vgl. Abbildung 4) gliedert sich in einen schriftlichen und einen mündlichen Teil: Im schriftlichen Teil sollen praxisbezogene Aufgaben oder Fälle aus den Prüfungsbereichen Verlagswirtschaft, Arbeitsorganisation und kaufmännische Steuerung und Kontrolle sowie Wirtschaftsund Sozialkunde bearbeitet werden. Im mündlichen Teil der Abschlussprüfung soll der Prüfling eine von zwei ihm zur Wahl gestellten praxisbezogene Aufgaben aus den Gebieten Kommunikation, Produkte und Dienstleistungen bearbeiten. Die ausgewählte Aufgabe soll Ausgangspunkt für das Prüfungsgespräch sein in dessen Verlauf der Prüfling zeigen soll, dass er betriebliche und wirtschaftliche Zusammenhänge versteht sowie verlagsspezifische Problemstellungen lösen kann. Dabei soll der Prüfling auch zeigen, dass er Gespräche systematisch und situationsbezogen vorbereiten und führen kann. Der Schwerpunkt der Ausbildung ist dabei zu berücksichtigen. 9Ausbildungsprofil zum Ausbildungsberuf Verlagskaufmann/ Verlagskauffrau. In: Bundesanzeiger, Jg.50, Nummer 167a vom 08.09.1998.
35 Abb. 4: Prüfungsmodell für die Abschlussprüfung Verlagskaufmann/Verlagskauffrau: Abschlussprüfung Verlagskaufmann / Verlagskauffrau Schriftliche Prüfung Praktische Prüfung Prüfungsbereich Prüfungsbereich Prüfungsbereich Prüfungsbereich Verlagswirtschaft Arbeitsorganisation und kaufmännische Steuerung und Kontrolle Wirtschaftsund Sozialkunde Praktische Übungen Eine praxisbezogene Aufgabe als Ausgangspunkt für das folgende Prüfungsgespräch höchstens 180 Minuten höchstens 90 Minuten höchstens 90 Minuten höchstens 35 Minuten (davon 20 Minuten Prüfungsgespräch) Gewichtung: 2 : 1 : 1 : 1 Quelle: BIBB, 2001 1. Die Befragungsteilnehmer10 Die Vorbefragung, die das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in allen Industrieund Handelskammern und Handwerkskammern in Deutschland durchgeführt hat ergab, dass zur Abschlussprüfung im Sommer 2001 für die Abnahme der Prüfung insgesamt 233 Prüfer und Prüferinnen gewonnen werden konnten, die sich auf 53 Prüfungsausschüsse verteilten. Diesen Prüfern und Prüferinnen wurde der Fragebogen aus der folgenden Anlage zur Abschlussprüfung von Verlagskaufleuten zugesandt. 61 Prüfer und Prüferinnen aus 10 Bundesländern haben den ausgefüllten Fragebogen an das BIBB zurückgesandt (dies entspricht einer Rücklaufquote von 26,2%11). 10 Die schriftliche Befragung erfolgte in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft „Evaluation Prüfungsvorschriften“: Intelligenz System Transfer (IST), Dresden und dem Institut für Arbeitspsychologie und Gesundheitsforschung (AuG), Hamburg. 11 Das Wort „Prozent“ wird im gesamten Text durch das Zeichen „%“ ersetzt.
36 Befragt wurden 61 also Prüfungsausschussmitglieder, die im Ausbildungsberuf Verlagskaufmann/Verlagskauffrau als Prüfer und Prüferinnen tätig sind. 26 der 61 antwortenden Prüfungsausschussmitglieder sind als Arbeitgebervertreter, 15 als Arbeitnehmervertreter und 18 als Berufsschullehrer im Prüfungsausschuss tätig. Zwei Personen machten keine Angabe über ihre Funktion im Prüfungsausschuss. Aus den Zahlen ergibt sich die nachfolgende Verteilung (in %): F1) Funktion im Prüfungsausschuss BerufsschullehrerArbeitnehmerArbeitgeber Prozent 50 40 30 20 10 0 31 25 44 2. Zeitaufwand Die befragten Prüfungsausschussmitglieder gaben an, wie viel Zeit sie für die Vorund Nachbereitung sowie für die Durchführung der Abschlussprüfung pro Prüfungsteilnehmer benötigen. Es zeigt sich, dass die Prüfer und Prüferinnen im Durchschnitt 1,7 Stunden pro Prüfungsteilnehmer aufwenden. Der niedrigste Wert wurde mit 15 Minuten, der höchste Wert mit 6 Stunden Zeitaufwand pro Prüfungsteilnehmer angegeben. Als häufigster Wert wurde 1 Stunde angegeben (17 Prüfer und Prüferinnen). Der Zeitaufwand für Fahrten zu externen Prüfungsorten wurde gesondert erfasst. 51 Prüfer und Prüferinnen machten Angaben zu dieser Frage. Der durchschnittliche Zeitaufwand pro Prüfer/Prüferin beträgt hier 1,9 Stunden. Als häufigster Wert wurde 1 Stunde genannt (17 Prüfer und Prüferinnen).
37 3. Prüfungsvorbereitung, Weiterbildungsund Informationsbedarf Die Prüfungsausschussmitglieder gaben an, auf welche Weise sie sich auf die Prüfertätigkeit vorbereitet haben, bzw. wie sie auf ihre Tätigkeit vorbereitet worden sind. Als Antwortmöglichkeiten standen die Kategorien Schulung, Veranstaltungen der Kammer, Internet, Kontakte mit Kollegen, Vortrag, schriftliches Material, Eigeninitiative und Sonstiges zur Auswahl. Mehrfachnennungen waren möglich. Die Prüfer und Prüferinnen haben sich am häufigsten in Eigeninitiative (57 Nennungen) und mit Hilfe von schriftlichen Materialien (50 Nennungen) vorbereitet. Kontakte zu Kollegen als Möglichkeit der Vorbereitung wurden von 39 Prüfern und Prüferinnen genutzt, 8 Prüfer und Prüferinnen nutzten die Möglichkeiten des Internets zur Vorbereitung. 7 Prüfer und Prüferinnen nahmen an Veranstaltungen der Kammern teil und ebenfalls 7 Prüfer und Prüferinnen nahmen an Schulungen teil. Vorträge (3 Nennungen) und sonstige Vorbereitungsmöglichkeiten (16 Nennungen), die nicht in den im Fragebogen vorgegebenen Antwortmöglichkeiten enthalten waren, spielten nur eine nachgeordnete Rolle. Ihren größten Weiterbildungsbzw. Informationsbedarf sahen die 48 Prüfer und Prüferinnen, die diese Frage beantworteten, im Bereich der Fachkenntnisse (20 Nennungen), bei der Gesprächsführung (16 Nennungen) und der Bewertung von Prüfungsleistungen (16 Nennungen). Auch hier waren Mehrfachnennungen möglich. 4. Aussagekraft der Abschlussprüfung Die Aussagekraft der Abschlussprüfung zur beruflichen Handlungskompetenz der künftigen Fachkräfte wurde von den befragten Prüfungsausschussmitgliedern anhand vorgegebener Merkmale beruflicher Handlungskompetenz eingeschätzt. Die Prüfer und Prüferinnen gaben Auskunft darüber, ob sich mit der Abschlussprüfung feststellen lässt, dass ein/e Prüfungsteilnehmer/in -Fachkenntnisse sicher anwenden, -fehlende Informationen beschaffen und auswerten, -Zusammenhänge erkennen und verstehen, -selbstständig Arbeitsabläufe planen, -Arbeitstechniken in unterschiedlichen Situationen eigenständig anwenden, -Arbeitsabläufe fortlaufend kontrollieren und korrigieren, -sich klar ausdrücken und überzeugend argumentieren, -wirtschaftliche Angebote unterbreiten und erläutern -und kundenorientiert handeln kann, darüber hinaus -fachliche Kenntnisse einsetzen kann, um selbstständig Probleme zu lösen und -insgesamt über berufliche Handlungskompetenz bzw. Berufsbefähigung verfügt.
38 Der Auskunftsgrad der Prüfung zu den einzelnen Aspekten konnte mit „gut“, „eher gut“, „eher schlecht“ oder „schlecht“ bewertet werden. Es zeigt sich, dass nach Meinung der Prüfungsausschussmitglieder mit der Prüfung besonders gut festgestellt werden kann, ob die Prüfungsteilnehmer sich klar ausdrücken und argumentieren können (als „gut“ bzw. „eher gut“ geeignet beurteilt von 91% der Befragten) und ob die Prüfungsteilnehmer Zusammenhänge erkennen können (als „gut“ bzw. „eher gut“ geeignet beurteilt von 88% der Befragten). Deutlich weniger geeignet ist die Prüfung nach Angabe der Prüfer und Prüferinnen, darüber Auskunft zu geben, ob die Prüfungsteilnehmer Arbeitsabläufe fortlaufend korrigieren und kontrollieren können (als „schlecht“ bzw. „eher schlecht“ geeignet beurteilt von 66% der Befragten) und ob die Prüfungsteilnehmer in der Lage sind, Informationen zu beschaffen und auszuwerten (als „schlecht“ bzw. „eher schlecht“ geeignet beurteilt von 65% der Befragten). Nachfolgend die Bewertungen im Einzelnen:
39 Fachkenntnisse anwenden schlechteher schlechteher gutgut Prozent 50 40 30 20 10 0 22 47 30 Informationen beschaffen schlechteher schlechteher gutgut Prozent 50 40 30 20 10 0 22 43 30 5 Zusammenhänge erkennen eher schlechteher gutgut Prozent 70 60 50 40 30 20 10 0 12 60 28 fachliche Kenntnisse einsetzen schlechteher schlechteher gutgut Prozent 70 60 50 40 30 20 10 0 25 58 15 Arbeitsabläufe planen schlechteher schlechteher gutgut Prozent 50 40 30 20 10 0 15 37 39 8 Arbeitstechniken anwenden schlechteher schlechteher gutgut Prozent 50 40 30 20 10 0 14 39 37 10
40 Arbeitsabläufe korrigieren schlechteher schlechteher gutgut Prozent 60 50 40 30 20 10 0 15 51 31 3 klar ausdrücken und argumentieren eher schlechteher gutgut Prozent 50 40 30 20 10 0 9 45 47 komplexe Sachverhalte darstellen schlechteher schlechteher gutgut Prozent 70 60 50 40 30 20 10 0 12 60 24 Gespräche situationsgebunden führen schlechteher schlechteher gutgut Prozent 60 50 40 30 20 10 03 16 53 28 berufliche Handlungskompetenz eher schlechteher gutgut Prozent 70 60 50 40 30 20 10 0 29 59 12
47 Die Vorzüge dieser Prüfungsform sind aus meiner Sicht: 15 Meine Verbesserungsvorschläge, bzw. weitere Kommentare zu dieser Prüfungsform: 16 Vielen Dank für Ihre Unterstützung! Bitte senden Sie Ihre Fragebogen in dem beiliegenden Umschlag an die dort angegebene Adresse zurück.
48 IV. Ergebnisse aus der schriftlichen Prüferbefragung zur Abschlussprüfung im Ausbildungsberuf Versicherungskaufmann/Versicherungskauffrau Am 1. August 1996 trat der neugeordnete Ausbildungsberuf Versicherungskaufmann / Versicherungskauffrau in Kraft. Die Ausbildung ist in Industrie und Handel möglich. „Versicherungskaufleute sind in allen Geschäftsbereichen der Versicherungswirtschaft tätig. Sie können Mitarbeiter einer Versicherungsgesellschaft sein oder selbstständige Versicherungsvermittler und Versicherungsmakler. Auch in anderen Wirtschaftsunternehmen in Industrie, Handel und Banken sind Versicherungskaufleute beschäftigt. Ihre Kernaufgaben sind insbesondere: Beratung und Betreuung von Kunden, Verkauf von Produkten und Dienstleistungen, Bearbeitung und Änderung von Verträgen, Bearbeitung von Leistungsund Schadensfällen.“ (Quelle: Ausbildungsprofil12). Ob die künftigen Versicherungskaufleute nach der Ausbildung in der Lage sind, ihre Aufgaben in den im Ausbildungsprofil genannten möglichen Arbeitsgebieten zu erledigen, soll die Abschlussprüfung zeigen. Es wurde eine handlungsorientierte Abschlussprüfung in der Ausbildungsordnung festgelegt, damit die berufliche Handlungsfähigkeit der künftigen Fachkräfte möglichst aussagefähig geprüft werden kann. Die Abschlussprüfung für Versicherungskaufleute (vgl. Abbildung 5) gliedert sich in einen schriftlichen und einen mündlichen Teil: Im schriftlichen Teil sollen praxisbezogene Aufgaben oder Fälle aus den Prüfungsfächern Arbeitsorganisation und Rechnungswesen sowie Versicherungswirtschaft bearbeitet werden. Hinzu kommt das Prüfungsfach Wirtschaftsund Sozialkunde. Im mündlichen Teil der Abschlussprüfung wird ein Kundenberatungsgespräch geführt. Der Prüfling soll auf der Grundlage einer von zwei ihm zur Wahl gestellten Aufgaben aus den Gebieten Kundeninteressen, kundenorientierte Kommunikation, Produktgestaltung sowie Produkte und Leistungserstellung zeigen, dass er in der Lage ist, Gespräche mit Kunden systematisch und situationsbezogen vorzubereiten und zu führen. Die betrieblichen Schwerpunkte der Ausbildung sind dabei zugrunde zu legen. Mit dem Kundenberatungsgespräch wurde im Ausbildungsberuf Versicherungskaufmann/Versicherungskauffrau eine innovative und praxisnahe Prüfungsform eingeführt. 12 Ausbildungsprofil zum Ausbildungsberuf Versicherungskaufmann/ Versicherungskauffrau. In: Bundesanzeiger, Jg. 48, Nummer 107a vom 13.06.1996.
49 Abb. 5: Prüfungsmodell für die Abschlussprüfung Versicherungskaufmann/Versicherungskauffrau: Abschlussprüfung Versicherungskaufmann/Versicherungskauffrau Schriftliche Prüfung Mündliche Prüfung Prüfungsfach Prüfungsfach Prüfungsfach Prüfungsfach Arbeitsorganisation und Rechnungswesen Versicherungswirtschaft Wirtschaftsund Sozialkunde Kundenberatung (Beratungsgespräch) höchstens 90 Minuten höchstens 180 Minuten höchstens 60 Minuten höchstens 20 Minuten (und 20 Minuten Vorbereitungszeit) Quelle: BIBB, 2001 1. Die Befragungsteilnehmer13 Die Vorbefragung, die das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in allen Industrieund Handelskammern und Handwerkskammern in Deutschland durchgeführt hat ergab, dass zur Abschlussprüfung im Sommer 2001 für die Abnahme der Prüfung insgesamt 1.191 Prüfer und Prüferinnen gewonnen werden konnten, die sich auf 266 Prüfungsausschüsse verteilten. An der Erhebung haben sich 216 Prüfer und Prüferinnen aus 13 Bundesländern beteiligt. Das entspricht einer Rücklaufquote von 18,1%14). 93 der 216 befragten Prüfungsausschussmitglieder sind als Arbeitgebervertreter, 74 als Arbeitnehmervertreter und 47 als Berufsschullehrer tätig. Zwei Personen machten keine Angabe über ihre Funktion im Prüfungsausschuss. Aus den Zahlen ergibt sich die nachfolgende Verteilung (in %): 13 Die schriftliche Befragung erfolgte in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft „Evaluation Prüfungsvorschriften“: Intelligenz System Transfer (IST), Dresden und dem Institut für Arbeitspsychologie und Gesundheitsforschung (AuG), Hamburg. 14 Das Wort „Prozent“ wird im gesamten Text durch das Zeichen „%“ ersetzt.
50 F1) Funktion im Prüfungsausschuss BerufsschullehrerArbeitnehmerArbeitgeber Prozent 50 40 30 20 10 22 34 43 2. Zeitaufwand Die Prüfer und Prüferinnen benötigten im Durchschnitt 2,5 Stunden pro Prüfungsteilnehmer. Der niedrigste Wert wurde mit 15 Minuten, der höchste Wert mit 45 Stunden Zeitaufwand pro Prüfungsteilnehmer angegeben. Als häufigster Wert wurde 2 Stunden angegeben (51 Prüfer und Prüferinnen). Der Zeitaufwand für Fahrten zu externen Prüfungsorten wurde gesondert erfasst. 138 Prüfer und Prüferinnen machten Angaben zu dieser Frage. Der durchschnittliche Zeitaufwand pro Prüfer / Prüferin beträgt hier 1,4 Stunden. Als häufigster Wert wurde 1 Stunde genannt (43 Prüfer und Prüferinnen). 3. Prüfungsvorbereitung, Weiterbildungsund Informationsbedarf Die Prüfungsausschussmitglieder gaben an, auf welche Weise sie sich auf die Prüfertätigkeit vorbereitet haben, bzw. wie sie auf ihre Tätigkeit vorbereitet worden sind. Als Antwortmöglichkeiten standen die Kategorien Schulung, Veranstaltungen der Kammer, Internet, Kontakte mit Kollegen, Vortrag, schriftliches Material, Eigeninitiative und Sonstiges zur Auswahl. Mehrfachnennungen waren möglich. Die Prüfer und Prüferinnen haben sich am häufigsten in Eigeninitiative (186 Nennungen) und mit Hilfe von schriftlichen Materialien (186 Nennungen) vorbereitet. Kontakte zu Kollegen als Möglichkeit der Vorbereitung wurden von 126 Prüfern und Prüferinnen genutzt. 65 Prüfer und Prüferinnen nahmen an Veranstaltungen der Kammern teil und 51 Prüfer und Prüferinnen nahmen an Schulungen teil. 17 Prüfer und Prüferinnen nutzten die Möglichkeiten des Internets zur Vorbereitung, 9 gingen zu Vorträgen. Sonstige Vorbereitungsmöglichkeiten, die nicht in den im Fragebogen vorgegebenen Antwortmöglichkeiten enthalten waren, wurden von 31 Prüfern und Prüferinnen genutzt.
51 Ihren größten Weiterbildungsbzw. Informationsbedarf sahen die 191 Prüfer und Prüferinnen, die diese Frage beantworteten, im Bereich der Bewertung der Prüfungsleistungen (104 Nennungen), bei der Gewinnung von Fachkenntnissen (57 Nennungen) und im Bereich der Gesprächsführung (34 Nennungen). Auch hier waren Mehrfachnennungen möglich. 4. Aussagekraft der Abschlussprüfung Die Aussagekraft der Abschlussprüfung zur beruflichen Handlungskompetenz der künftigen Fachkräfte wurde von den befragten Prüfungsausschussmitgliedern anhand vorgegebener Merkmale beruflicher Handlungskompetenz eingeschätzt. Die Prüfer und Prüferinnen gaben Auskunft darüber, ob sich mit der Abschlussprüfung feststellen lässt, dass ein/e Prüfungsteilnehmer/-in -Fachkenntnisse sicher anwenden, -fehlende Informationen beschaffen und auswerten, -Zusammenhänge erkennen und verstehen, -selbstständig Arbeitsabläufe planen, -Arbeitstechniken in unterschiedlichen Situationen eigenständig anwenden, -Arbeitsabläufe fortlaufend kontrollieren und korrigieren, -sich klar ausdrücken und überzeugend argumentieren, -wirtschaftliche Angebote unterbreiten und erläutern -und kundenorientiert handeln kann, darüber hinaus -fachliche Kenntnisse einsetzen kann, um selbstständig Probleme zu lösen und -insgesamt über berufliche Handlungskompetenz bzw. Berufsbefähigung verfügt. Der Auskunftsgrad der Prüfung zu den einzelnen Aspekten konnte mit „gut“, „eher gut“, „eher schlecht“ oder „schlecht“ bewertet werden. Es zeigt sich, dass nach Meinung der Prüfungsausschussmitglieder mit der Prüfung besonders gut festgestellt werden kann, ob die Prüfungsteilnehmer Kunden kompetent beraten können (als „gut“ bzw. „eher gut“ geeignet beurteilt von 93% der Befragten) und ob die Prüfungsteilnehmer sich klar ausdrücken und argumentieren können (als „gut“ bzw. „eher gut“ geeignet beurteilt von 91% der Befragten). Das positive Ergebnis in diesen beiden Kategorien ist ein auch ein Beleg für den Erfolg der neuen Prüfungsform Kundenberatungsgespräch. Deutlich weniger geeignet ist die Prüfung, nach Ansicht der Prüfer und Prüferinnen, darüber Auskunft zu geben, ob die Prüfungsteilnehmer Arbeitsabläufe fortlaufend korrigieren und kontrollieren können (als „schlecht“ bzw. „eher schlecht“ geeignet beurteilt von 80% der Befragten) und ob die Prüfungsteilnehmer in der Lage sind Arbeitsabläufe zu planen (als „schlecht“ bzw. „eher schlecht“ geeignet beurteilt von 60% der Befragten). Nachfolgend die Bewertungen im Einzelnen:
52 Fachkenntnisse anwenden schlechteher schlechteher gutgut Prozent 70 60 50 40 30 20 10 04 9 60 28 Informationen beschaffen schlechteher schlechteher gutgut Prozent 50 40 30 20 10 0 9 45 37 9 Zusammenhänge erkennen schlechteher schlechteher gutgut Prozent 60 50 40 30 20 10 0 18 56 25 fachliche Kenntnisse einsetzen schlechteher schlechteher gutgut Prozent 70 60 50 40 30 20 10 0 15 61 21 Arbeitsabläufe planen schlechteher schlechteher gutgut Prozent 60 50 40 30 20 10 0 10 49 33 7 Arbeitstechniken anwenden schlechteher schlechteher gutgut Prozent 60 50 40 30 20 10 0 8 48 38 6
53 Arbeitsabläufe korrigieren schlechteher schlechteher gutgut Prozent 70 60 50 40 30 20 10 0 16 64 18 klar ausdrücken und argumentieren schlechteher schlechteher gutgut Prozent 60 50 40 30 20 10 0 9 50 40 Kunden kompetent beraten schlechteher schlechteher gutgut Prozent 60 50 40 30 20 10 0 6 49 44 kundengerechte Angebote erstellen schlechteher schlechteher gutgut Prozent 60 50 40 30 20 10 0 18 55 26 berufliche Handlungskompetenz schlechteher schlechteher gutgut Prozent 70 60 50 40 30 20 10 04 18 62 15
54 Die Prüfer und Prüferinnen wurden auch befragt, ob sie die Differenzierung in schriftliche Prüfung und praktische Übung für geeignet halten, die unterschiedlichen Aspekte beruflicher Befähigung abzubilden. Die Beurteilung des Prüfungsmodells für Versicherungskaufleute stand bei dieser Frage im Vordergrund. 86% der 206 Prüfer und Prüferinnen, die diese Frage beantwortet haben, beurteilen das derzeitig bestehende Prüfungsmodell für „gut“ bzw. „eher gut“ geeignet, berufliche Befähigung zu erfassen. F9) Eignung der Differenzierung zur Erfassung beruflicher Befähigung schlechteher schlechteher gutgut Prozent 60 50 40 30 20 10 0 13 55 31 Prüfungen sollen möglichst praxisnah sein. Sie sollen die Anforderungen, die in der realen beruflichen Praxis an Fachkräfte gestellt werden, abbilden. Eine der wichtigsten Fragen an die Prüfer und Prüferinnen war daher, ob die Abschlussprüfung für Versicherungskaufleute realen beruflichen Anforderungen entspricht. Die Praxisnähe der Abschlussprüfung von Versicherungskaufleuten wird von 76% der Prüfer und Prüferinnen (151 Personen), die eine Beurteilung zu dieser Frage abgegeben haben, als „gut“ bzw. „eher gut“ gesehen. „Eher schlecht“ bzw. „schlecht“ im Hinblick auf die Praxisnähe der Prüfung urteilten 22% der Prüfer und Prüferinnen (44 Personen). 21 Prüfer und Prüferinnen wollten oder konnten kein Urteil zur Praxisnähe der Prüfung angeben. (N = 195) F10a-insg.) Abschlussprüfung entspricht realen beruflichen Anforderungen schlechteher schlechteher gutgut Prozent 80 60 40 20 0 21 69 7
55 5. Schwächen und Stärken der neuen Prüfungsform Die Frage nach Schwächen der Prüfungsform wurde von 184 Prüfern und Prüferinnen beantwortet (Mehrfachnennungen waren möglich!). Die Prüfer und Prüferinnen sehen Schwachstellen bei der Aufgabenstellung (76 Nennungen), beim Zeitaufwand (60 Nennungen) und bei der Benotung (57 Nennungen). Viele der Probleme, die bei der Durchführung eines Prüfungsdurchgangs auftreten können, lassen sich erfahrungsgemäß durch wachsende Routine beheben. Andere Schwierigkeiten, können dauerhaft bestehen und die Prüfungsdurchführung weiterhin belasten. Die Prüfer und Prüferinnen wurden deshalb befragt, welche der aufgetretenen Schwierigkeiten bzw. Schwächen der Prüfungsform sie für schwer korrigierbare Probleme halten. Dabei zeigte sich, dass Probleme mit der Benotung (48 Nennungen) und Problem des Zeitaufwands für die Prüfung (38 Nennungen) von 22% bzw. 17% der Prüfer und Prüferinnen als dauerhaftes Problem angesehen werden (Mehrfachnennungen waren möglich!). Dass die gewählte Prüfungsform im Ausbildungsberuf Versicherungskaufmann / Versicherungskauffrau offen für zukünftige Entwicklungen ist, denken 92% der antwortenden Prüfer und Prüferinnen (ja 40%, eher ja 52%). (N = 209) F14) Prüfungsform Zukunftsoffen neineher neineher jaja Prozent 60 50 40 30 20 10 0 8 52 40
56 6. Fazit Die Daten aus der schriftlichen Befragung lassen den Schluss zu, dass die in 2001 durchgeführte Abschlussprüfung im Ausbildungsberuf Versicherungskaufmann/Versicherungskauffrau ohne größere Schwierigkeiten organisiert und umgesetzt werden konnte. Die durchschnittliche Arbeitszeit, die ein Prüfer pro Prüfungsteilnehmer für die Prüfungsdurchführung aufgewandt hatte, betrug einschließlich der Fahrzeiten 3,9 Stunden. Von 60 Prüfern und Prüferinnen (N = 216) wurde der Zeitaufwand als problematisch eingestuft. 38 Prüfer und Prüferinnen halten das Zeitproblem für nur schwer korrigierbar. Das Prüfungsmodell wird von der überwiegenden Mehrheit der Prüfungsausschussmitglieder positiv beurteilt. Auch die Praxisnähe der Abschlussprüfung wurde von den meisten Prüfern und Prüferinnen positiv beurteilt. 69% der Befragten sehen reale berufliche Anforderungen in den Prüfungsaufgaben als „eher gut“ und 7% als „gut“ abgebildet. Die Praxisnähe der Prüfungsaufgaben kann noch weiter verbessert werden. Schwachstellen bei der Aufgabenerstellung wurden von jedem dritten Prüfungsausschussmitglied (76 Prüfer und Prüferinnen, N = 216) bemängelt. Zwischen der Praxisnähe und der Aussagekraft der Abschlussprüfung scheint ein positiver Zusammenhang zu bestehen. Um diesen Zusammenhang abschließend bestätigen zu können, werden weitere Auswertungen vorliegender Daten erfolgen. Die Prüfungsform wird von 92% der Befragten als offen für zukünftige Entwicklungen eingeschätzt. Durch weiterhin verbesserte Aufgabenerstellung und weitere Prüferschulungen im Hinblick auf die Bewertung von Prüfungsleistungen, können bestehende Probleme weiter reduziert werden. Diese Maßnahmen könnten auch zu einer weiteren Reduzierung des Prüferzeitaufwands beitragen. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass das Prüfungsmodell für den 1996 neugeordneten kaufmännischen Ausbildungsberuf Versicherungskaufmann/Versicherungskauffrau von der Prüfungspraxis überwiegend positiv bewertet wird und in der Abschlussprüfung 2001 insgesamt erfolgreich umgesetzt werden konnte.