scieee AI-readable full text Open interactive document viewer

Forschungsmonitoring "Arbeit der Zukunft". Ausgabe 23: Juli bis September 2023 (Berichtszeitraum)

Niebler, Valentin

Abstract

EconStor is a publication server for scholarly economic literature, provided as a non-commercial public service by the ZBW.

Full text

Niebler, Valentin Working Paper Forschungsmonitoring "Arbeit der Zukunft". Ausgabe 23: Juli bis September 2023 (Berichtszeitraum) Working paper Forschungsförderung, No. 318 Provided in Cooperation with: The Hans Böckler Foundation Suggested Citation: Niebler, Valentin (2024) : Forschungsmonitoring "Arbeit der Zukunft". Ausgabe 23: Juli bis September 2023 (Berichtszeitraum), Working paper Forschungsförderung, No. 318, Hans-Böckler-Stiftung, Düsseldorf This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/281756 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. You are not to copy documents for public or commercial purposes, to exhibit the documents publicly, to make them publicly available on the internet, or to distribute or otherwise use the documents in public. If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/de/legalcode Auf einen Blick Das Forschungsmonitoring Nr. 23 gibt einen Überblick über aktuelle Studien und Publikationen zur Arbeitswelt der Zukunft für den Berichtszeitraum Juli bis September 2023. Es orientiert sich an den Schwerpunkten der Forschungsstelle „Arbeit der Zukunft“: Digitalisierung und Arbeit der Zukunft, Standards für digitale Arbeitsformen, Beschäftigung im Wandel, Aufwertung der Arbeit, Humanisierung der Arbeit 4.0, Atmende Arbeitszeiten und Zeitarrangements, Künstliche Intelligenz und Sozial-ökologische Transformation. Valentin Niebler studierte Sozialwissenschaften an der Humboldt Universität Berlin, der Universität Würzburg und der New School for Social Research in New York. Zum Themenbereich Zukunft der Arbeit war er in Forschungsprojekten der Europäischen Kommission und der Friedrich-Ebert-Stiftung tätig. Er promoviert derzeit an der Humboldt Universität Berlin zu Arbeitskonflikten hochqualifizierter Beschäftigter in der Digitalökonomie. © 2024 by Hans-Böckler-Stiftung Georg-Glock-Straße 18, 40474 Düsseldorf www.boeckler.de „Forschungsmonitoring ‚Arbeit der Zukunft‘ Ausgabe 23“ von der Forschungsstelle „Arbeit der Zukunft“ ist lizenziert unter Creative Commons Attribution 4.0 (BY). Diese Lizenz erlaubt unter Voraussetzung der Namensnennung des Urhebers die Bearbeitung, Vervielfältigung und Verbreitung des Materials in jedem Format oder Medium für beliebige Zwecke, auch kommerziell. (Lizenztext: https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/de/legalcode) Die Bedingungen der Creative-Commons-Lizenz gelten nur für Originalmaterial. Die Wiederverwendung von Material aus anderen Quellen (gekennzeichnet mit Quellenangabe) wie z. B. von Schaubildern, Abbildungen, Fotos und Textauszügen erfordert ggf. weitere Nutzungsgenehmigungen durch den jeweiligen Rechteinhaber. ISSN 2509-2359 FORSCHUNGSMONITORING „ARBEIT DER ZUKUNFT“ AUSGABE 23 | 3 Inhalt Über das Forschungsmonitoring............................................................. 5 1. Überblick über aktuelle Publikationen und Studien ............................ 6 1.1 Digitalisierung ........................................................................... 6 Gesellschaftspolitische Studien und Beschäftigungsprognosen ........................................................ 6 Betrieblich orientierte Studien ................................................... 8 International vergleichende Studien ........................................ 10 Digitalisierung in der Industrie ................................................. 11 1.2 Standards für digitale Arbeitsformen ....................................... 12 Digitalisierung im Dienstleistungssektor .................................. 12 Plurale Arbeitsformen und Wandel der Beschäftigungsstrukturen ....................................................... 14 Plattformarbeit ........................................................................ 14 Wandel von Mitbestimmung .................................................... 18 Arbeitszeit ............................................................................... 22 1.3 Beschäftigung im Wandel ....................................................... 26 Veränderung von Tätigkeiten und Berufen .............................. 26 Die Geschlechterverhältnisse und Beschäftigung ................... 29 Diversity am Arbeitsmarkt – Ältere, Menschen mit Behinderung, Migrant*innen, LGBTQI .................................... 30 Qualifizierung ......................................................................... 32 1.4 Arbeit aufwerten ..................................................................... 34 Faire Entlohnung .................................................................... 34 Bezahlte und unbezahlte Sorgearbeit ..................................... 36 1.5 Humanisierung der Arbeit 4.0 ................................................. 39 Digitale Transformation der Arbeit am Menschen ausrichten ........................................................ 39 Gesundheit und Vorbeugung psychischer Risiken .................. 40 FORSCHUNGSMONITORING „ARBEIT DER ZUKUNFT“ AUSGABE 23 | 4 1.6 Atmende Arbeitszeiten und Zeitarrangements ........................ 42 Arbeitszufriedenheit ................................................................ 42 Flexibilisierung ........................................................................ 42 1.7 Innovationsbegriff weiten ........................................................ 44 Soziale Innovation und alternative Wirtschaftsformen ............. 44 1.8 Künstliche Intelligenz (KI) ....................................................... 45 Einsatz von KI......................................................................... 45 Ethik von KI ............................................................................ 48 1.9 Sozial-ökologische Transformation ......................................... 50 2. A Closer Look: Zusammenfassung ausgewählter Studien des Monitorings ............. 55 3. Keep in Mind! Initiativen und Projekte im politischen und wissenschaftsnahen Feld ................................................................. 59 3.1 Auswahl neuer Forschungsprojekte der HBS ......................... 59 3.2 Auswahl weiterer Forschungsprojekte .................................... 62 3.3 Termine, Initiativen und Projekte............................................. 66 Aktuelle Veranstaltungen ........................................................ 66 Veranstaltungsdokumentationen ............................................ 67 FORSCHUNGSMONITORING „ARBEIT DER ZUKUNFT“ AUSGABE 23 | 5 Über das Forschungsmonitoring Das Forschungsmonitoring gibt einen Überblick über aktuelle Studien und Publikationen zur Arbeitswelt der Zukunft. Es orientiert sich an den Schwerpunkten, die unter dem Dach „Arbeit der Zukunft“ im Nachgang zum Kommissionsbericht „Arbeit transformieren!“ bearbeitet werden. Schwerpunkte sind die Bereiche Digitalisierung und Arbeit der Zukunft, Standards für digitale Arbeitsformen, Beschäftigung im Wandel, Aufwertung der Arbeit, Humanisierung der Arbeit 4.0, Atmende Arbeitszeiten und Zeitarrangements, Künstliche Intelligenz und Sozial-ökologische Transformation. Das Forschungsmonitoring erscheint als exklusiver Informationsservice für unsere Stakeholder bereits seit 2018. Es wird seit Ausgabe 17 auf www.boeckler.de und auf der Microsite der Forschungsstelle „Arbeit der Zukunft“ veröffentlicht. Das Monitoring ist in drei Teile gegliedert. Nach einem „Überblick über aktuelle Publikationen und Studien“ hebt Teil 2 einzelne Publikationen hervor und fasst diese hinsichtlich ihrer Relevanz für Gewerkschaften und Betriebsräte zusammen. Im dritten Teil wird auf eine Auswahl neuer laufender Forschungsprojekte der HBS und auf weitere aktuelle Initiativen und Projekte hingewiesen. Die Recherche erfolgt online, wobei neben allgemeiner Stichwortsuche auch auf den Webseiten wichtiger Akteure (Gewerkschaften, Stiftungen, Institute, Organisationen, Parteien, Ministerien) systematisch nach neuen Publikationen und Initiativen gesucht wird. Sofern vorhanden, basieren die Kurzerläuterungen auf online auffindbaren Abstracts oder Zusammenfassungen, die leicht überarbeitet werden. Das Monitoring erscheint in der Regel alle drei Monate. Über die Webdatenbank „zukunftarbeit“ (BibSonomy) kann auf die gesammelten Studien und Publikationen online zugegriffen werden. Verschlagwortung und Stichwortsuche vereinfachen die Recherche. Der Link zur digitalen Publikationssammlung lautet: www.bibsonomy.org/user/ zukunftarbeit. Anregungen und Hinweise auf Publikationen und Projekte können gerne geschickt werden an: [email protected] Viel Spaß beim Lesen des Monitorings wünscht Die Forschungsstelle „Arbeit der Zukunft“ Dezember 2023 FORSCHUNGSMONITORING „ARBEIT DER ZUKUNFT“ AUSGABE 23 | 6 1. Überblick über aktuelle Publikationen und Studien 1.1 Digitalisierung Gesellschaftspolitische Studien und Beschäftigungsprognosen OECD Employment Outlook 2023. Artificial Intelligence and the Labour Market OECD 11. Juli 2023 www.oecd-ilibrary.org/employment/oecd-employment-outlook2023_08785bba-en Der OECD-Beschäftigungsausblick bietet eine jährliche Bewertung der wichtigsten Arbeitsmarktentwicklungen und -aussichten in den OECDMitgliedsländern. Die Ausgabe 2023 des OECD-Beschäftigungsausblicks untersucht die jüngste Entwicklung der Arbeitsnachfrage und weitverbreitete Engpässe sowie die Lohnentwicklung in Zeiten hoher Inflation und damit verbundener politischer Maßnahmen. Darüber hinaus wird eine Bestandsaufnahme der aktuellen Erkenntnisse über die Auswirkungen künstlicher Intelligenz auf den Arbeitsmarkt vorgelegt. Dabei wurde untersucht, wie das richtige Gleichgewicht zwischen negativen und positiven Auswirkungen auf die Arbeitsmarktergebnisse gefunden werden kann. FORSCHUNGSMONITORING „ARBEIT DER ZUKUNFT“ AUSGABE 23 | 7 Jansen, Anika Die Fachkräftesituation in Hotelund Gaststättenberufen – Nachwehen der Corona-Lockdowns KOFA Kompakt 7, 2023 Institut der Deutschen Wirtschaft Köln 26. August 2023 www.iwkoeln.de/studien/anika-jansen-die-fachkraeftesituation-in-hotelund-gaststaettenberufen-nachwehen-der-corona-lockdowns.html Die Fachkräftelücke in Hotelund Gaststättenberufen hat nach der Corona-Pandemie deutlich zugenommen. Im Jahresdurchschnitt 2022/ 2023 konnten etwa 17.000 Stellen nicht besetzt werden. Das entspricht 39 Prozent aller offenen Stellen in den Hotelund Gaststättenberufen. Am stärksten sind die Engpässe im Bereich Hotellerie. Dort können 43 Prozent der offenen Stellen nicht besetzt werden. Der Engpass ist bei „Koch/ Köchin“ mit einer Fachkräftelücke von mehr als 7.500 am größten. Insgesamt suchen immer weniger Personen eine Beschäftigung in Fachkraftberufen im Hotelund Gaststättenbereich. Tiedemann, Jurek; Quispe, Valeria Fachkräftereport Juni 2023 – Leichter Rückgang der Fachkräftelücke KOFA Kompakt 8, 2023 Institut der Deutschen Wirtschaft Köln 25. September 2023 www.iwkoeln.de/studien/jurek-tiedemann-valeria-quispe-leichterrueckgang-der-fachkraefteluecke.html Der Report gibt einen Überblick zu Nachfrage und Angebot von Fachkräften in Deutschland. Im Juni 2023 betrug die Anzahl der offenen Stellen für Qualifizierte über 1,26 Millionen, gleichzeitig gab es etwas über eine Millionen qualifizierte Arbeitslose, die eine Stelle suchten. Ohne Berücksichtigung der berufsfachlichen Passung sind es bereits rein rechnerisch ca. 250.000 weniger qualifizierte arbeitslose Personen, als entsprechend offene Stellen angeboten wurden. FORSCHUNGSMONITORING „ARBEIT DER ZUKUNFT“ AUSGABE 23 | 8 Mengay, Adrian Zur Entwicklung von Qualitätsmanagement, Lean Production und Digitalisierung von Arbeit Westfälisches Dampfboot August 2023 www.dampfboot-verlag.de/shop/artikel/produktions-system-kritik Mit dem Toyota-Produktionssystem, der Lean Production und den Ganzheitlichen Produktionssystemen hat sich in den letzten Jahrzehnten eine neue, postfordistische Form der industriellen Produktion entwickelt und durchgesetzt. Adrian Mengays Studie analysiert die damit verbundenen Veränderungen der Arbeitswelt von ihren Ursprüngen im modernen Qualitätsmanagement des 20. Jahrhunderts bis ins gegenwärtige Zeitalter der Digitalisierung. Die Kritik des Autors richtet sich auf die Gesamttendenz dieser Entwicklungen – den Versuch, den Prozess der Arbeit einer immer weitreichenderen Kontrolle und immer tieferen Eingriffsmöglichkeiten von oben zu unterwerfen. Dabei lässt sich im historischen Verlauf ein Paradigmenwechsel beobachten: weg von der direkten Kontrolle und streng überwachten Fabrikdisziplin, hin zu Formen der Selbststeuerung und Selbstkontrolle. Eine wichtige Rolle spielen hierfür der Einsatz von Kennzahlen und die Automation der Kontrolle durch technische Instrumente. An die Stelle persönlicher Herrschaft tritt unpersönliche Herrschaft, die sich hinter Zahlen und Technik versteckt. Die Produktions-System-Kritik macht diese versteckte Herrschaft sichtbar und zeigt Ansätze zu ihrer Überwindung auf. Betrieblich orientierte Studien Kutlu, Yalcin; Seibold, Bettina; Mugler, Walter; Kirner, Eva; Klatt, Sandra Betriebliche Digitalisierungsprozesse Arbeit 32 (1), S. 51–74 9. Juni 2023 https://doi.org/10.1515/arbeit-2023-0004 Mit der fortschreitenden Digitalisierung werden sowohl Hoffnungen auf steigende Beteiligungsmöglichkeiten von Beschäftigten und betrieblichen Interessenvertretungen als auch Befürchtungen bezüglich neuer Kontrollpotenziale und Rationalisierungsmöglichkeiten von Arbeit verbunden. Ausgehend von der arbeitspolitischen Prämisse, dass Digitalisierung ge- FORSCHUNGSMONITORING „ARBEIT DER ZUKUNFT“ AUSGABE 23 | 15 Regelsetzungen und algorithmischen Kontrollverfahren der Plattformen. In erweiterter Perspektive werden auch die netzwerkorientierte und produktbezogene Plattformarbeit einbezogen, weil die Bedingungen des Online-Verkaufs oder der Produktion von Inhalten für die sozialen Netzwerke viele Gemeinsamkeiten mit Gigund Crowdwork aufweisen. Meistens handelt es sich um selbstständige Erwerbsarbeit, überwiegend im Nebenerwerb. Bei aller Heterogenität dieses weiten Spektrums von Plattformarbeit finden sich aus der Selbstständigen-Forschung bekannte Merkmale: Konkurrenzdruck, Einkommenskombinationen, partialisierte Interessenlagen. Für die Interessenvertretung stellen sich ähnliche Herausforderungen wie bei arbeitspolitischen Rahmensetzungen für soloselbstständigen Erwerb. Sorg, Christoph; Alves Vestena, Carolina; Scheper, Christian; Zajak, Sabrina Digital worker feedback infrastructures. The digitalisation of worker rights monitoring in global value chains The Economic and Labor Relations Review 34 (3), S. 518–535 28. September 2023 https://doi.org/10.1017/elr.2023.36 Der Beitrag stellt eine empirische Untersuchung sogenannter „digital worker feedback infrastructures“ (DWFIs) vor. Dabei handelt es sich um Kommunikationssysteme auf der Grundlage digitaler Technologien, die es ermöglichen, sogenannte„Feedback-Daten über verschiedene Formen der Informationseingabe von Beschäftigten in globalen Wertschöpfungsketten zu erstellen. Das Papier gibt einen Überblick über mehr als 50 aktuelle DWFIs in globalen Wertschöpfungsketten und fragt nach den Unterschieden zwischen managementorientierten und arbeitnehmer*innen-zentrierten digitalen Feedback-Infrastrukturen in ihrer Nutzung solcher Daten. Besonderes Augenmerk richtet der Artikel auf von der Zivilgesellschaft entwickelte Instrumente, unter der Annahme, dass diese einen Einblick in das Potenzial von Technologien „von unten“ geben, die zu einer besseren Übersicht der Arbeitnehmer*innenrechte beitragen und eine demokratischere Koordinierung von Arbeitsplätzen und globalen Wertschöpfungsketten erleichtern können. FORSCHUNGSMONITORING „ARBEIT DER ZUKUNFT“ AUSGABE 23 | 16 Bronowicka, Joanna How the Platform Work Directive Protects Workers’ Data Verfassungsblog 19. Juli 2023 https://verfassungsblog.de/how-the-platform-work-directive-protectsworkers-data/ Seit die EU-Kommission im Dezember 2021 eine Richtlinie zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Plattformarbeit vorgeschlagen hat, richten sich alle Augen auf deren Umsetzung. Die im Sommer beginnenden Trilog-Verhandlungen könnten dazu führen, dass einige der Versprechen in Bezug auf Schutz und transnationale Harmonisierung von Arbeitsrechten umgesetzt werden. Der Beitrag beleuchtet den Schutz von Beschäftigtendaten, der mit der Umsetzung der Direktive einhergehen könnte. Die Autorin argumentiert, dass dadurch ein Paradigmenwechsel in der europäischen Datenpolitik in Gang gesetzt werden könnte, der Fragen nach Datensammlung und algorithmischen Entscheidungen mit dem Thema Arbeitsbedingungen explizit verbindet. Geyer, Leonard; Vandaele, Kurt; Prinz, Nicolas Riding together? Why app-mediated food delivery couriers join trade unions in Austria Economic and Industrial Democracy 0 (0) 10. September 2023 https://doi.org/10.1177/0143831X231195151 Eine wachsende Zahl von Studien haben in den letzten Jahren untersucht, wie und warum Plattformarbeiter*innen ihre Stimme gegen Unternehmen erheben. Während die Handlungsbereitschaft der Plattformbeschäftigten in mehreren Ländern belegt ist, gibt es nur wenige Untersuchungen über ihre Mitgliedsbereitschaft gegenüber Gewerkschaften. Sind Plattformbeschäftigte bereit, Gewerkschaftsmitglieder zu werden und Beiträge zu zahlen? Auf der Grundlage neuer Umfragedaten aus Österreich schließt der Artikel diese Lücke, indem er die Bereitschaft von App-vermittelten Lebensmittelkurieren analysiert, einer Gewerkschaft beizutreten. Ähnlich wie in herkömmlichen Branchen zeigen die Ergebnisse, dass die Entscheidung, einer Gewerkschaft beizutreten, von instrumentellen und wertrationalen Motiven bestimmt wird. Im Vergleich zu angestellten Kurieren ist die Wahrscheinlichkeit einer Gewerkschaftsmitgliedschaft bei FORSCHUNGSMONITORING „ARBEIT DER ZUKUNFT“ AUSGABE 23 | 17 „freien Dienstleistern“, d. h. Freiberufler*innen, jedoch geringer. Dennoch sind die Gewerkschaften nicht chancenlos: Sie können die Beziehungen zwischen ihnen und den Kurieren erheblich verbessern, indem sie Beschäftigte bei Basisarbeit unterstützen. Niebler, Valentin; Altenried, Moritz; Animento, Stefania Der Fragmentierung begegnen. Zur Organisierung migrantischer Reinigungskräfte in der Plattformökonomie WSI-Mitteilungen 4/2023, S. 252–260 Wirtschaftsund Sozialwissenschaftliches Institut der Hans-BöcklerStiftung www.wsi.de/de/wsi-mitteilungen-zur-organisierung-migrantischerreinigungskraefte-in-der-plattformoekonomie-50913.htm Der Beitrag beschäftigt sich mit der Frage nach den Arbeitsbedingungen, kollektiven Ressourcen und der Organisierung von migrantischen Arbeitskräften auf der Reinigungsplattform Helpling. Auf Basis qualitativer Forschung in Berlin gehen die Autor*innen der Frage nach, weshalb sich Arbeit und Organisierung auf Reinigungsplattformen in anderen Dynamiken vollzieht als in anderen Bereichen der Plattformarbeit. Sie argumentieren, dass die räumliche Verteilung auf Privathaushalte, die Abwesenheit einer Betriebssozialisation und die rechtlichen Bedingungen eine Organisierung von Arbeitskräften auf Reinigungsplattformen erschweren. Gleichzeitig zeigen sie, dass dies nicht zu einer Abwesenheit von Organisierung und sozialen Kämpfen führt, sondern vielmehr deren Formen verändert. Arbeiter*innen auf Helpling in Berlin organisieren sich vorwiegend in informellen Gruppen zur gegenseitigen Hilfe, durch eine Beratungsstelle sowie in migrantischen politischen Gruppen. Aus diesen Umständen ergeben sich sowohl Potenziale wie Hürden für die Entwicklung kollektiver Gegenmacht, die auch für die Analyse anderer Formen der Plattformarbeit relevant sind. FORSCHUNGSMONITORING „ARBEIT DER ZUKUNFT“ AUSGABE 23 | 18 Wandel von Mitbestimmung Flemming, Jana Folgen der Ausweitung mobiler Arbeit für die betriebliche Mitbestimmung Discussion Paper SP III 2023–301 Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung Juli 2023 https://bibliothek.wzb.eu/pdf/2023/iii23-301.pdf In diesem Policy-Brief werden Thesen und Handlungsempfehlungen formuliert, die sich mit den Neuerungen und damit einhergehenden Spannungsfeldern hinsichtlich der Ausweitung mobiler Arbeit im Zuge der Covid-Krise aus der Perspektive von Betriebsrät*innen befassen. Die empirischen Befunde über deren Einstellungen und Handlungsstrategien hinsichtlich der Regulation ortsund zeitflexibler Arbeit basieren auf einer explorativen Studie mit qualitativen Interviews in den Branchen der Automobilund Chemieindustrie sowie den Finanzdienstleistungen. Die nur als exemplarisch zu verstehenden Befunde zeigen, dass sich die Betriebsrät*innen hinsichtlich mobiler Arbeit in einem Spannungsfeld von Arbeitsschutz einerseits und den wandelnden Bedürfnissen der Beschäftigten nach Flexibilität und größeren Entscheidungsspielräumen andererseits befinden. Diesen mitunter gegenläufigen Ansprüchen begegnen sie mit Strategien, die in unterschiedlichem Ausmaß auf die Regulierung oder De-Regulierung mobiler Arbeit setzen. Insgesamt zeigt sich, dass auf betrieblicher Ebene Flexibilitätsund Autonomieansprüche der Beschäftigten an Legitimation gewinnen und sich dadurch Governance-Kompromisse in den Betrieben neu justieren. FORSCHUNGSMONITORING „ARBEIT DER ZUKUNFT“ AUSGABE 23 | 19 Wirth, Carsten Homeoffice und Betriebsrat. Neue Herausforderungen für einen „alten Hasen“ WSI-Mitteilungen 4/2023, S. 305–311 Wirtschaftsund Sozialwissenschaftliches Institut der Hans-BöcklerStiftung www.wsi.de/de/wsi-mitteilungen-homeoffice-und-betriebsrat-neueherausforderungen-fuer-einen-alten-hasen-50908.htm Die Studie untersucht, ob sich Sichtweisen auf Homeoffice-Arbeit verändern, welche Herausforderungen diese Arbeitsform für Betriebsräte generiert, wie Betriebsräte mit diesen umgehen und welche ökonomischen Effekte entstehen. Es wird gezeigt, dass sich im Management die Sichtweisen im Zuge der Pandemie ändern. Betriebsräte behalten ihre Promotorenrolle bei. Die Ergebnisse zeigen ferner, dass Homeoffice-Arbeit wahrscheinlich Teil eines neuen Normal wird. Die Betriebsräte stehen dann vielfältigen Herausforderungen gegenüber. Die Kommunikation mit der Belegschaft und deren Aktivierung erweisen sich dabei als zentrale Probleme. Diesen Schwierigkeiten begegnen sie vor allem mit einer Virtualisierung der Betriebsratsarbeit, der Nutzung ihrer Mitbestimmungsrechte und einer „Politik des offenen Ohrs“. Aus der Perspektive der Betriebsräte steigert Homeoffice-Arbeit i. d. R. die Wirtschaftlichkeit. Sie trägt durch Entgrenzung, geringere Koordinations‑ und Mietkosten sowie eine höhere Produktivität zur Ökonomisierung bei. Artus, Ingrid; Fischer, Andreas; Gellenthien, Tobias; Holland, Judith; Whittall, Michael Ostdeutsche Mitbestimmung revisited Prokla. Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft 212, S. 493–513 4. September 2023 www.prokla.de/index.php/PROKLA/article/view/2064 Auch 30 Jahre nach der „Wende“ sind die Mitbestimmungskulturen in Ostdeutschland noch immer heterogener, prekärer und weniger gewerkschaftlich verankert als in westdeutschen Betrieben. Die empirisch vorfindbaren Muster variieren dabei stark – zwischen Konsolidierung, krisenhaftem Wandel sowie kontinuierlicher Erosion. Im vorliegenden Beitrag zeigen die Autor*innen anhand von sechs Betrieben der ostdeutschen Metallund Elektroindustrie, wie diese drei verschiedenen Muster und die ihnen entsprechenden Gestaltungsräume der Betriebsräte von betrieblichen Entwicklungspfaden abhängen und beeinflusst werden. FORSCHUNGSMONITORING „ARBEIT DER ZUKUNFT“ AUSGABE 23 | 20 Bader, Verena; Kaiser, Stephan Mit Widersprüchlichkeiten aktiv umgehen. Mitbestimmung 4.0 Forschungsförderung Working Paper 297 Hans-Böckler-Stiftung Juli 2023 www.boeckler.de/de/faust-detail.htm?sync_id=HBS-008670 Digitalisierungsprozesse verlaufen oft unvorhersehbar, sind komplex und widersprüchlich. Gerade die Widersprüche aber schaffen einen Raum für unterschiedliche Gestaltungsoptionen. Auf Basis einer Diskursanalyse und anhand von sieben Fallstudien in Unternehmen unterschiedlichster Branchen zeigt dieses Working Paper, wie eine beteiligungsorientierte Gestaltung betrieblicher Digitalisierungsprojekte davon profitiert, wenn Widersprüche und Ambivalenzen, die mit dem Einsatz digitaler Technologien verbunden sind, aktiv bearbeitet werden. Stroheker, Stefan Digitale Teilhabe einfordern und gestalten Arbeitsrecht im Betrieb 7–8/2023 IMU Institut 12. Juli 2023 www.imu-institut.de/fileadmin/Downloads/Publikationen/ 202307_AiB_Digitale_Teilhabe.pdf Unternehmensinterne Information, Kommunikation und Abläufe finden immer mehr digital statt. Ein erheblicher Teil der Beschäftigten hat aber keinen Zugang zur digitalen Infrastruktur. Betriebsräte stehen vor der Aufgabe, digitale Teilhabe einzufordern und bei der Gestaltung die Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen im Blick zu behalten. Mit Bring Your Own Device (BYOD) sind für die Beschäftigten in der Regel mehr Risiken als Chancen verbunden. Betriebsräte können und sollten bei der Umsetzung digitaler Teilhabe umfassend mitbestimmen. FORSCHUNGSMONITORING „ARBEIT DER ZUKUNFT“ AUSGABE 23 | 21 Cafaro, Nuria; Hüttner, Bernd; Tekin, Caner Gelingende und misslingende Solidarisierungen Luxemburg Beiträge 18 Rosa-Luxemburg-Stiftung Juli 2023 https://nrw.rosalux.de/publikation/id/50904/gelingende-undmisslingende-solidarisierungen Im August 2023 jähren sich zum 50. Mal die Streiks beim Autozulieferer Pierburg in Neuss und bei Ford in Köln. Diese Streiks erregten schon damals große Aufmerksamkeit, in den folgenden Jahrzehnten erlangten sie, insbesondere im Kontext des (post-)migrantischen Aktivismus, eine geradezu ikonische Bedeutung. Ausschlaggebend dafür war sowohl ihr „inoffizieller“ Charakter als auch die Tatsache, dass der Anteil der Migrant*innen an den Streikenden und Initiator*innen überproportional groß und zudem maßgeblich war. Was macht die Faszination der Streiks von 1973 aus? Wie sind sie aus geschichtswissenschaftlicher und aktivistischer Perspektive einzuschätzen? Welche Potenziale und Bedeutungen dieser Streiks blieben bisher unterbelichtet oder lassen sich noch freilegen? Wie lässt sich produktiv daran anknüpfen? Der Sammelband stellt in knapper Form die damaligen Entwicklungen, ihre späteren Deutungen und vor allem ihre Protagonist*innen dar und versucht, diese Streiks auch für Menschen zugänglich machen, die sich noch nicht eingehender mit ihnen befasst haben. Zimmer, Reingard The Supply Chain Due Diligence Act HSI Working Paper 19 Hans-Böckler-Stiftung September 2023 www.hugo-sinzheimer-institut.de/faust-detail.htm?sync_id=HBS-008712 Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz ist zum Januar 2023 in Kraft getreten. Der Bericht gibt einen Überblick über die für die Unternehmenspraxis besonders relevanten Bestimmungen des Gesetzes. Sie zeigt auf, welche legalen Instrumente Arbeitnehmervertreter*innen und Gewerkschaften im Inund Ausland mit dem Gesetz an die Hand gegeben werden, um die unternehmerische Sorgfalt für die Einhaltung von Menschenrechten und Umweltschutz in Lieferketten zu erhöhen. Dabei wird insbesondere die Verknüpfung mit dem Betriebsverfassungsgesetz geprüft. FORSCHUNGSMONITORING „ARBEIT DER ZUKUNFT“ AUSGABE 23 | 22 Arbeitszeit Frey, Philipp Die Vier-Tage-Woche im Vereinigten Königreich: Die Ergebnisse des bislang größten Pilotprojekts weltweit Rosa-Luxemburg-Stiftung September 2023 www.rosalux.de/publikation/id/51000/die-vier-tage-woche-imvereinigten-koenigreich Nach Jahrzehnten weitgehenden Stillstands auf dem Gebiet der Arbeitszeitpolitik hat das Thema im europäischen Ausland in den letzten Jahren wieder deutlich an Fahrt aufgenommen. Von Island über Großbritannien bis Spanien experimentieren immer mehr Unternehmen, Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und öffentliche Dienststellen erfolgreich mit der Vier-Tage-Woche. Der bislang größte derartige Feldversuch fand im vergangenen Jahr in Großbritannien statt. Über 60 Unternehmen mit insgesamt rund 2.900 Beschäftigten erprobten von Juni bis Dezember 2022 eine Vier-Tage-Woche in Form des 100–80–100-Modells: 100 Prozent Bezahlung, 80 Prozent Arbeitszeit, 100 Prozent Leistung. Jänicke, Sophie C. „Bock auf gute Arbeit“ – Tarifliche Arbeitszeitpolitik in der IG Metall WSI-Mitteilungen 4/2023, S. 317–320 Wirtschaftsund Sozialwissenschaftliches Institut der Hans-BöcklerStiftung www.wsi.de/de/wsi-mitteilungen-bock-auf-gute-arbeit-tariflichearbeitszeitpolitik-in-der-ig-metall-50906.htm In dem Beitrag wird die Renaissance der tariflichen Arbeitszeitpolitik in der IG Metall seit Mitte der 2010er Jahre beschrieben. Mit der Tarifbewegung 2018 hat die IG Metall tarifpolitisches Neuland betreten: Erstmalig wurden für die Metallund Elektroindustrie individuelle Wahloptionen für Beschäftigte zwischen Geld und Zeit vereinbart. Seit den 2020er Jahren gewinnt die Idee der kollektiven Arbeitszeitverkürzung wieder an Bedeutung – als Instrument zur Beschäftigungssicherung während Pandemie FORSCHUNGSMONITORING „ARBEIT DER ZUKUNFT“ AUSGABE 23 | 23 und Transformation, aber auch, weil das Interesse der Beschäftigten an einer guten Work-Life-Balance wächst. Die Vier-Tage-Woche kann aus Sicht der IG Metall eine Antwort auf die Frage sein, wie der Strukturwandel in der Industrie gelingen und Gute Arbeit in Zukunft aussehen kann. Müller, Thorsten Friday on my mind – Working time in the manufacturing sector Working Paper 2023.08 European Trade Union Institute Juli 2023 www.etui.org/publications/friday-my-mind-working-time-manufacturingsector Die digitale und ökologische Transformation der Wirtschaft wird weitreichende Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt im verarbeitenden Gewerbe haben, was die Quantität, den Charakter und die Qualität der Beschäftigung betrifft. Die Auswirkungen des Übergangs werden zwischen den Ländern und Regionen, den verschiedenen Branchen und den verschiedenen Kategorien von Arbeitnehmer*innen ungleich sein, je nach ihren sozioökonomischen Ausgangspositionen und dem unterschiedlichen Ausmaß, in dem sie von diesem doppelten Übergang betroffen sind. Vor diesem Hintergrund fordert die Gewerkschaftsföderation industriAll einen gerechten Wandel („just transition“), der für alle Arbeitnehmer*innen fair ist und hochwertige Arbeitsplätze nicht zerstört, sondern erhält. Arbeitszeitpolitik im Allgemeinen und Arbeitszeitverkürzung im Besonderen ist ein wichtiges Instrument, um einen solchen gerechten Wandel zu erreichen, indem sie dazu beiträgt, Beschäftigung zu sichern und gute Arbeitsund Lebensbedingungen zu gewährleisten. FORSCHUNGSMONITORING „ARBEIT DER ZUKUNFT“ AUSGABE 23 | 24 Kümmerling, Angelika Arbeitszeiten in der Krise – Kein Bock oder keine Zeit für mehr Arbeit? WSI-Mitteilungen 4/2023, S. 321–323 Wirtschaftsund Sozialwissenschaftliches Institut der Hans-BöcklerStiftung www.wsi.de/de/wsi-mitteilungen-arbeitszeiten-in-der-krise-kein-bockoder-keine-zeit-fuer-mehr-arbeit-50905.htm Im Zuge des Fachkräftemangels werden Forderungen nach einer Verlängerung der Arbeitszeit laut. Während Arbeitgeberverbände längere Arbeitszeiten und eine Aufhebung der täglichen Höchstarbeitszeitgrenze zugunsten einer wöchentlichen fordern, sieht die Fachkräftestrategie der Bundesregierung u. a. vor, die Arbeitsbeteiligung von Frauen weiter zu erhöhen, auch durch das Gewähren von mehr Arbeitszeitflexibilität. Der Beitrag argumentiert anhand der Entwicklung der Frauenerwerbstätigkeit, bestehender Arbeitszeitwünsche und der Debatte um das Potential von Arbeitszeitflexibilität, dass Ansätze der Arbeitszeiterhöhung und -flexibilität allein zu kurz greifen, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Hierfür bedarf es einer konzertierten Anstrengung auf unterschiedlichen Ebenen: Dazu zählen der Ausbau und die bessere Verzahnung flexibler arbeitnehmerbezogener Arbeitszeitinstrumente bei gleichzeitigem Schutz vor einer Reduzierung der Ruhephasen, die Umverteilung von Sorgearbeit und die Ablösung des herrschenden Vollzeit-Teilzeit-Dualismus zugunsten eines vollzeitnahen Arbeitszeitstandards sowie massive Investitionen in den quantitativen wie qualitativen Ausbau sozialer Dienstleistungen. Hammermann, Andrea; Schäfer, Holger Arbeitszeitwünsche. Kürzere Arbeitswoche auch in Vollzeit? IW-Kurzbericht 52 Institut der deutschen Wirtschaft Köln 11. August 2023 www.iwkoeln.de/studien/andrea-hammermann-holger-schaeferkuerzere-arbeitswoche-auch-in-vollzeit.html Rund zwei Drittel aller Beschäftigten sind zufrieden mit der Länge ihrer vereinbarten Arbeitszeiten. Doch ganz nach dem Vorbild des vor kurzem eingeführten Anspruchs auf eine verkürzte Arbeitswoche in Belgien kön- FORSCHUNGSMONITORING „ARBEIT DER ZUKUNFT“ AUSGABE 23 | 31 Zwysen, Wouter; Akgüç, Mehtap Analysing the flows and labour market outcomes of short-term mobile workers in the EU Working Paper 2023.07 European Trade Union Institute Juli 2023 www.etui.org/publications/analysing-flows-and-labour-market-outcomesshort-term-mobile-workers-eu Obwohl immer mehr Beschäftigte innerhalb der EU ihren Arbeitsort wechseln, ist oft unklar was diese antreibt oder welche Bedingungen mobile Arbeitnehmer*innen vorfinden. In diesem Working Paper werden die Ströme von Personen im erwerbsfähigen Alter beschrieben, die zwischen den EU-Mitgliedstaaten umziehen. Es wird untersucht, wer sich für einen Umzug entscheidet und ob diese Umzüge ähnlichen Pushund Pull-Faktoren folgen wie die Migration im Allgemeinen. Untersucht wird nicht nur, warum EU-Bürger*innen von einem Land in ein anderes ziehen, sondern auch wie ihre Arbeitsmarktsituation am Zielort aussieht. Üblicherweise resultiert die Migration von Beschäftigten in schlechteren Arbeitsmarktchancen als bei der Mehrheit der Bevölkerung im Ankunftsland. Es gibt jedoch starke Unterschiede je nach Region innerhalb der EU. In der Studie wird auch die Situation derjenigen, die erst vor kurzem zugewandert sind, mit der Situation derjenigen verglichen, die in ihrem Herkunftsland geblieben sind. Yalçın, Serhat; Hubenthal, Natalie Soziale Repräsentationen und migrantische Deutungen der Arbeit in der Gastronomie Zeitschrift für Migrationsforschung 3 (2), S. 29–51 September 2023 https://doi.org/10.48439/zmf.222 Durch Migration geprägte Arbeitsfelder bieten Migrant*innen einfachen Zugang zu Beschäftigung, unterscheiden sich aber als Ankunftsarbeit von traditionell berufsfachlich organisierten Arbeitsmarktbereichen. Der Beitrag geht am Beispiel der Gastronomie der Frage nach, wie Zugezogene ihre Ankunftsarbeit deuten. Mit Rückgriff auf das Konzept der sozialen Repräsentation werden folgende migrantisch-subjektive Deutungen vorgestellt: Die Gastronomie wird zwar als ein Ort des Einstiegs in den Arbeitsmarkt gedeutet. Vor dem Hintergrund der jeweiligen Erwerbsbiogra- FORSCHUNGSMONITORING „ARBEIT DER ZUKUNFT“ AUSGABE 23 | 32 fie und beruflichen Aspiration aber ergeben sich zwei konfligierende soziale Repräsentationen, in denen die Gastronomie ganz unterschiedlich – nämlich entweder als nichtberuflicher Ort des Umstiegs oder als beruflicher Ort des Aufstiegs – gedeutet wird. Qualifizierung Baumhauer, Maren; Meyer, Rita Digitalisierung und Qualifizierung. Ein (un)bestimmtes Verhältnis WSI-Mitteilungen 4/2023, S. 383–391 Wirtschaftsund Sozialwissenschaftliches Institut der Hans-BöcklerStiftung www.wsi.de/de/wsi-mitteilungen-digitalisierung-und-qualifizierung-einun-bestimmtes-verhaltnis-52297.htm Digitale Transformationsprozesse gehen branchenübergreifend mit einer kontinuierlichen Veränderung der Facharbeit einher. Angesichts der Dynamik der Entwicklungen lassen sich die Qualifikationsanforderungen der Zukunft nicht genau bestimmen. In diesem Beitrag diskutieren die Autorinnen die damit verbundenen Problemlagen, Herausforderungen und Lösungsansätze. In einer berufsund arbeitspädagogischen Perspektive werden am Beispiel der Chemieindustrie die betrieblichen Strategien, der digitalen Transformation zu begegnen, besonders in den Blick genommen. Der Beitrag zeigt, dass die formale Qualifizierung gegenüber der Kompetenzentwicklung (non-formal und informell) in betrieblichen Praxisgemeinschaften und auch in sozialen Netzwerken an Bedeutung verliert. Demgegenüber gewinnen eine umfassende berufliche Handlungskompetenz der Subjekte und deren Bereitschaft, diese in die digitalisierten Arbeitsprozesse einzubringen, an Relevanz. Vor diesem Hintergrund bedarf es individueller, flexibler und betriebsspezifischer Lernmöglichkeiten, um die Beschäftigten sowohl auf die steigende Komplexität von Arbeitsprozessen als auch auf den Umgang mit Unbestimmtheit im digitalen Wandel vorzubereiten. FORSCHUNGSMONITORING „ARBEIT DER ZUKUNFT“ AUSGABE 23 | 33 Pfeiffer, Iris; Weber, Heiko Zum Konzept der Nachhaltigkeit in Arbeit, Beruf und Bildung – Stand in Forschung und Praxis Bundesinstitut für Berufsbildung 2023 www.bibb.de/dienst/publikationen/de/download/19032 Der Sammelband bündelt die Erkenntnisse zum Konzept der Nachhaltigkeit und dessen Auswirkungen in Arbeit, Beruf und Bildung. Hierbei werden aktuelle Ergebnisse verschiedener Initiativen, Ansätze und Maßnahmen von betrieblichen und schulischen Bildungseinrichtungen vorgestellt. Auf der Ebene des Arbeitsmarktes werden die Veränderungen beruflicher Anforderungen, Kompetenzen und Tätigkeiten und ihre Auswirkungen auf Beschäftigung und Arbeitswelt beschrieben. Auf der Ebene der Lernorte geht es um die Einbindung von Nachhaltigkeit in die betriebliche (Ausbildungs-)Praxis, die Rolle beruflicher Didaktiken und der Professionalisierung des Bildungspersonals in Unternehmen und Bildungseinrichtungen. Auf der Ebene der Berufsbildung stehen die Ausbildungsberufe und Curricula sowie die Verknüpfung nachhaltigkeitsbezogener Kompetenzmodelle mit den Ordnungsmitteln im Fokus. FORSCHUNGSMONITORING „ARBEIT DER ZUKUNFT“ AUSGABE 23 | 34 1.4 Arbeit aufwerten Faire Entlohnung Kärcher, Anneliese; Walser, Manfred Vereinbarkeit eines Direktanstellungsgebots in der Paketzustellung mit dem Verfassungsund Unionsrecht HSI Working Paper 18 Hans-Böckler-Stiftung September 2023 www.hugo-sinzheimer-institut.de/faust-detail.htm?sync_id=HBS-008692 In der Paketbranche herrscht trotz des Booms, den die Branche im Zuge des wachsenden Versandhandels erlebt, ein erheblicher Druck auf die Arbeitsbedingungen, der an die Subunternehmen in der Auftragskette weitergereicht wird. Schlechte Arbeitsbedingungen, insbesondere ein nicht zu bewältigender Workload, ein hohes Maß an Überwachung durch Technik, eine hohe Fluktuation und erhebliche Gesundheitsgefahren sind ein belegtes Problem. Das Hugo Sinzheimer Institut hat Manfred Walser und Anneliese Kärcher von der Hochschule Mainz damit beauftragt, einen Überblick über Regulierungsmöglichkeiten für bessere Arbeitsbedingungen in verschiedenen Branchen und zur Beseitigung von Durchsetzungsdefiziten des Arbeitsrechts zu geben. Aufgrund der Aktualität der Debatte um die Paketbranche erscheinen die darauf bezogenen Forschungsergebnisse aus dieser umfassenderen Untersuchung vorab als Working Paper. Die Ergebnisse geben einen Einblick in den Forschungsstand zur Situation der Branche, prüfen die rechtlichen Rahmenbedingungen eines Gebots der Direktanstellung, einschließlich des Unionsrechts. FORSCHUNGSMONITORING „ARBEIT DER ZUKUNFT“ AUSGABE 23 | 35 Janssen, Thilo; Lübker, Malte. Europäischer Tarifbericht des WSI – 2022/2023 WSI Report 86 Hans-Böckler-Stiftung Juli 2023 www.wsi.de/de/faust-detail.htm?sync_id=HBS-008656 Mit einem Rückgang der Reallöhne um 4,0 Prozent erlitten die Beschäftigten in der Europäischen Union im Jahr 2022 einen bisher einmaligen Verlust an Kaufkraft. Ursächlich war der rapide Anstieg der Verbraucherpreise, hinter den das Nominallohnwachstum deutlich zurückfiel. Inzwischen wird die Teuerung nicht mehr von den Importpreisen für Energie, sondern von inländischen Faktoren bestimmt. Die gestiegenen Gewinnmargen der Unternehmen sind dabei eine wesentliche Ursache der beharrlichen Inflation. In diesem schwierigen Umfeld ergibt sich für die Gewerkschaften die Herausforderung, die Reallöhne zu sichern – und für die Unternehmen die Verantwortung, durch den Abbau der Übergewinne ihren Beitrag zur Rückkehr auf den stabilitätspolitischen Pfad zu leisten. Dittmar, Nele; Böhnke, Leonie; Nguyen, Truc Digitalisierung und Tarifpolitik Study 485 Hans-Böckler-Stiftung August 2023 www.boeckler.de/de/faust-detail.htm?sync_id=HBS-008683 Im Fokus der industriesoziologischen Forschung zur Digitalisierung der Arbeitswelt in Deutschland stehen bisher die Gestaltung der Entwicklungen auf betrieblicher Ebene und die neu entstehende Plattformökonomie. Ein Blick auf die tarifpolitische Gestaltung von Digitalisierung fehlt weitgehend. Diese Study gibt einen ersten Überblick über tarifvertragliche Regelungen zu Digitalisierung und einzelnen Digitalisierungsaspekten in den Organisationsbereichen der DGB-Gewerkschaften. Sie sieht große Unterschiede zwischen verschiedenen Branchen bei der tarifpolitischen Gestaltung von Digitalisierung. Mit Blick auf sowohl Betriebsparteien und Beschäftigte berichten Interviewpartner*innen, dass das Thema Digitalisierung und entsprechende tarifvertragliche Regelungen (noch) als eher wenig bedeutsam wahrgenommen werden. FORSCHUNGSMONITORING „ARBEIT DER ZUKUNFT“ AUSGABE 23 | 36 Jochmann-Döll, Andrea; Rabe, Elisa; Specht, Johannes Neuer Wind aus Brüssel für die Entgeltgleichheit Analysen zur Tarifpolitik 97 Hans-Böckler-Stiftung September 2023 www.wsi.de/de/faust-detail.htm?sync_id=HBS-008695 Der Artikel beleuchtet die wesentlichen Bestandteile und Implikationen der europäischen Entgelttransparenzrichtlinie (EU-Richtlinie 2023/970), die am 29. März 2023 vom Europäischen Parlament verabschiedet wurde. Der Artikel erklärt zuerst die wesentlichen Elemente der Richtlinie und diskutiert dann die die daraus notwendigen Änderungen am deutschen Entgelttransparenzgesetz. Anschließend werden (neue) Möglichkeiten dargelegt, die sich aus der Richtlinie in Betrieben und für die Tarifpolitik ergeben könnten. Ob sie genutzt werden, hängt maßgeblich davon ab, wie Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände, Unternehmen und Betriebsräte die Bestimmungen der Richtlinie in die Praxis umsetzen. Bezahlte und unbezahlte Sorgearbeit Mallat, Anja Bessere Vereinbarkeit im Homeoffice? Erfahrungen und Grenzgestaltungen von Eltern IAQ Report 2023-08 Institut Arbeit und Qualifikation August 2023 https://duepublico2.uni-due.de/receive/duepublico_mods_00079083 Homeoffice kann für Eltern zu mehr Flexibilität und Freiheit in ihrer Alltagsgestaltung, jedoch auch zu einer zunehmenden Entgrenzung der Lebensbereiche Beruf und Familie führen. Insbesondere erwerbsbezogene erweiterte Erreichbarkeiten werden in der Forschung als negative Konsequenz von Homeoffice bewertet. Der Beitrag zeigt auf, dass es aufseiten der Beschäftigten sehr verschiedene Sichtweisen auf das Arbeiten außerhalb regulärer Arbeitszeiten und folglich auch unterschiedliche Regulierungsbedarfe für eine gelingende Vereinbarkeit gibt. Deswegen gilt es, in der betrieblichen Praxis nicht einzig auf kollektive Regelungen zu erwerbsbezogenen Erreichbarkeiten zu fokussieren, sondern auch die Ver- FORSCHUNGSMONITORING „ARBEIT DER ZUKUNFT“ AUSGABE 23 | 37 einbarkeitsideale der Beschäftigten zu berücksichtigen. Dies setzt zum einen voraus, Führungskräfte für Vereinbarkeitsfragen zu sensibilisieren. Zum anderen müssen die Beschäftigten familiäre und berufliche Leitbilder und Vereinbarkeitsideale reflektieren und befähigt werden, aktive Grenzsetzungsstrategien zu erlernen. Gaugisch, Petra; Risch, Beate; Stolze, Dennis; Strunck, Stefan Future Care and Services. Chancen und Potenziale von New Work in der Altenpflege Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation Juli 2023 https://pflege.iao.fraunhofer.de/wpcontent/uploads/FuCaSe_ChancenundPotenzialevonNewWorkinderAlte npflege_oi24098fu4.pdf Wie können die vielfältigen Möglichkeiten von New Work auch in der Altenpflege genutzt werden? Unter der Leitung des Fraunhofer IAO zeigen die Partner des Verbundprojekts „Future Care and Services“ in einer aktuellen Studie, wie die Pflege in Deutschland zukunftsfähig gestaltet werden kann. Dazu hat das Projektteam mögliche New Work Umsetzungsmaßnahmen formuliert, um Handlungsoptionen trotz der akuten Pflegekrise aufzuzeigen. Der Report besteht aus sieben Fallbeispielen, welche die Möglichkeiten von New Work im Bereich der Altenpflege beschreiben: Flexibilisierung der Arbeitszeit, Selbstorganisation, Kompetenzorientiertes Arbeiten im Qualifikationsmix, Arbeiten im Versorgungsnetz, KI-gestützte Dienstund Tourenplanung, Technikgestützter Arbeitsalltag und Ideenkultur. Lott, Yvonne; Bünger, Paula Mental Load. Frauen tragen die überwiegende Last WSI-Report 87 Hans-Böckler-Stiftung August 2023 www.wsi.de/de/faust-detail.htm?sync_id=HBS-008679 Wie ist der Mental Load zwischen Frauen und Männern verteilt? Der Mental Load ist neben der Aufteilung von Kinderbetreuung, Hausarbeit und Pflege von Angehörigen eine zentrale Dimension partnerschaftlicher bzw. geschlechtsspezifischer Ungleichheit. Auf Basis der WSI-Erwerbsper- FORSCHUNGSMONITORING „ARBEIT DER ZUKUNFT“ AUSGABE 23 | 38 sonenbefragung zeigt der Report, dass Frauen bzw. Mütter den größten Teil des Mental Loads tragen. Insbesondere, wenn Kinder im Haushalt leben bzw. Frauen in Teilzeit arbeiten, übernehmen sie die Hauptlast. Der Mental Load ist jedoch selbst dann ungleich zuungunsten von Frauen verteilt, wenn diese in Vollzeit beschäftigt sind. Erdmeier, Dietmar Live-in-Betreuung. Alternativen zum systematischen Gesetzesbruch WSI-Mitteilungen 4/2023, S. 312–316 Wirtschaftsund Sozialwissenschaftliches Institut der Hans-BöcklerStiftung www.wsi.de/de/wsi-mitteilungen-live-in-betreuung-alternativen-zumsystematischen-gesetzesbruch-50907.htm Angesichts der demografischen Entwicklung wächst der Bedarf an Pflege und Betreuung alter und pflegebedürftiger Menschen. Vielen erscheint das Versprechen der sogenannten 24-Stunden-Betreuung verlockend, bei der pflegebedürftige Menschen „rund um die Uhr“ in ihrem Zuhause versorgt werden. Doch dieses Modell ist nur mit systematischen Verstößen gegen Arbeitsschutzgesetze, Persönlichkeitsrechte und auf Kosten der Qualität und Sicherheit der Versorgung zu haben. Das belegen sowohl Studien als auch Urteile, die klarstellen, dass die deutschen Gesetze auch auf diese Arbeitsverhältnisse angewendet werden müssen. Die Schlussfolgerung muss sein: Pflegeleistungen ausweiten, Unterstützung im Haushalt bieten und die Pflegeteilleistungsversicherung zu einer bedarfsorientierten Pflegebürgerinnenvollversicherung im Rahmen der Solidarischen Pflegegarantie weiterzuentwickeln. FORSCHUNGSMONITORING „ARBEIT DER ZUKUNFT“ AUSGABE 23 | 39 1.5 Humanisierung der Arbeit 4.0 Digitale Transformation der Arbeit am Menschen ausrichten Suchy, Oliver Digitalisierung – strategischer Baustein zur Aufwertung von Arbeit WZB Blog „Perspektiven auf die postpandemische Konstellation“ Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung 25. September. 2023 https://wzb.eu/de/forschung/digitalisierung-und-gesellschaftlicher-wandel/globalisierung-arbeit-und-produktion/projekte/blog-postpandemischekonstellation/digitalisierung-strategischer-baustein-zur-aufwertung-von Der Beitrag zieht Bilanz zur Debatte um Digitalisierung im letzten Jahrzehnt und zeigt Möglichkeiten für die Humanisierung der Arbeitswelt auf. Der Autor sieht Potenziale bei der Entlastung von Fachkräften, etwa durch Arbeitsassistenzsysteme in der Pflege. Er verweist auf die Notwendigkeit präventiver Gestaltung von algorithmischen oder KI-gestützten Systemen und die vom DGB entwickelten Leitlinien zu diesen Fragestellungen. Stolze, Dennis Cognitive Environments. Potenziale kognitiver Umgebungen in der Post-Covid-Zeit Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation September 2023 https://publica.fraunhofer.de/entities/publication/a0aaaf6b-d60b-402f8b05-34492142b3fe/details Der Beitrag untersucht die Potenziale und Risiken von „Cognitive Environments“, die in Zukunft mithilfe integrierter, auf dem Internet der Dinge beruhender Technologie, Sensoren in Smart Watches und maschinellem Lernen individuelle Arbeitsumgebungen ermöglichen könnten. Dazu wurden rund 50 mögliche Funktionen für Nutzende und Betreiber in einer Online-Befragung untersucht. Die Ergebnisse zeigen großes Interesse potenzieller Nutzer*innen, geben aber auch Hinweise zu möglichen Herausforderungen bei der Umsetzung. FORSCHUNGSMONITORING „ARBEIT DER ZUKUNFT“ AUSGABE 23 | 40 Gesundheit und Vorbeugung psychischer Risiken Sultan-Taïeb, Hélène; Villeneuve, Tania; Chastang, Jean-François; Niedhammer, Isabelle The fractions and burden of cardiovascular diseases and depression attributable to psychosocial work exposures in the European Union ETUI Report 2023.08 European Trade Union Institute Juli 2023 www.etui.org/publications/fractions-and-burden-cardiovasculardiseases-and-depression-attributable-psychosocial Die Studie analysiert die Häufigkeit von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Depressionen im Zusammenhang mit verschiedenen psychosozialen Arbeitsfaktoren (Arbeitsbelastung, Ungleichgewicht zwischen Lohn und Leistung, Arbeitsplatzunsicherheit, lange Arbeitszeiten und Mobbing) und psychosozialen Arbeitsbelastungen. Die Studie zeigt eine hohe Belastung durch koronare Herzkrankheiten und Depressionen, die auf die untersuchten psychosozialen Arbeitsbelastungen in den EU-Ländern im Jahr 2015 zurückzuführen sind. Terhoeven, Jan; Meyer, Sophie-Charlotte; Lück, Marcel Arbeitsbedingungen von Beschäftigten im Kurier-, Expressund Paketdienst baua Bericht kompakt Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin Juli 2023 www.baua.de/DE/Angebote/Publikationen/Berichtkompakt/Kurierdienst.pdf?__blob=publicationFile&v=2 Unter anderem aufgrund der Covid-Pandemie nimmt das Paketaufkommen durch den Online-Handel immer weiter zu. Auswertungen auf Basis der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018 deuten darauf hin, dass Beschäftigte der Paketbranche mit überdurchschnittlich hohen physischen und psychosozialen Arbeitsbelastungen konfrontiert sind und entsprechender Gestaltungsbedarf besteht. Zum Schutz der Beschäftigten FORSCHUNGSMONITORING „ARBEIT DER ZUKUNFT“ AUSGABE 23 | 47 Schaller, Daria; Wohlrabe, Klaus; Wolf, Anna; Demary, Vera; Mertens, Armin; Fregin, Marie-Christine; Stops, Michael; Gillhuber, Andreas; Heckmann Walter, Johannes; Grunwald, Armin Künstliche Intelligenz: Chance oder Gefahr? ifo Schnelldienst 76 (8), S. 3–9 ifo Institut www.ifo.de/DocDL/sd-2023-08-ki-chancen-risiken.pdf Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) wird Wirtschaft und Gesellschaft weltweit verändern. Befürworter erwarten Vorteile wie größere Effizienz von Arbeitsabläufen, Unterstützung und Entlastung von menschlichen Tätigkeiten und die Möglichkeit, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Risiken sehen Kritiker in fehlenden Kontrollmöglichkeiten dieser Technologie, im Verlust von Arbeitsplätzen und beim Datenschutz. Ist ihr Einsatz eher eine Chance oder doch eher eine Gefahr? Der Bericht sieht Risiken in der Konzentration der Technologien durch wenige Großunternehmen und untersucht die Potenziale staatlicher Eingriffe. Seemann, Michael Künstliche Intelligenz, Large Language Models, ChatGPT und die Arbeitswelt der Zukunft Forschungsförderung Working Paper 304 Hans-Böckler-Stiftung September 2023 www.boeckler.de/de/faust-detail.htm?sync_id=HBS-008697 Die rasante Entwicklung von Systemen Künstlicher Intelligenz wie ChatGPT, die inhaltlich und sprachlich überzeugende Texte generieren können, hat eine intensive Debatte ausgelöst. Es stellt sich die Frage, welche Auswirkungen solche Systeme auf die Prozesse und Arbeitsweisen z. B. in Wissensund Kreativberufen haben werden. Diese Literaturstudie wertet den aktuellen Stand der Debatte aus. Sie führt in die technische Grundlage, die sogenannten „Large Language Models“, ein und untersucht abschließend, welche Auswirkungen auf die Arbeitswelt zu erwarten sind. FORSCHUNGSMONITORING „ARBEIT DER ZUKUNFT“ AUSGABE 23 | 48 Ethik von KI Vöpel, Henning; Bertschek, Irene; Brühl, Volker; Engels, Barbara Chancen und Risiken von Künstlicher Intelligenz für die deutsche Wirtschaft Wirtschaftsdienst 8/2023, S. 512–529 August 2023 www.wirtschaftsdienst.eu/inhalt/jahr/2023/heft/8/beitrag/chancen-undrisiken-von-kuenstlicher-intelligenz-fuer-die-deutsche-wirtschaft.html Künstliche Intelligenz (KI) stellt eines der wichtigsten digitalen Zukunftsthemen dar und stößt auf immer größeres Interesse in Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. Die Entwicklungen schreiten rasch voran. Dabei werden mit KI große Potenziale für die Zukunft, aber auch Gefahren, wie z. B. die Ausgrenzung von Minderheiten, verbunden. So hat die Bundesregierung bereits 2018 eine KI-Strategie auf den Weg gebracht. Hierdurch soll der Standort Deutschland in Erforschung, Entwicklung und Anwendung von KI im internationalen Wettbewerb gestärkt werden. Wo steht Deutschland bei der Anwendung und Entwicklung von KI? Genügen die ergriffenen Maßnahmen? In welchen Bereichen besteht noch Handlungsbedarf? Carstensen, Tanja; Ganz, Kathrin Gendered AI. German news media discourse on the future of work AI & Society 25. August 2023 https://link.springer.com/article/10.1007/s00146-023-01747-5 Der Beitrag untersucht, wie die Geschlechterfrage im Diskurs der Medien über Künstliche Intelligenz und die Zukunft der Arbeit behandelt wird, wobei der Schwerpunkt auf Deutschland liegt. Der Artikel nähert sich dieser Frage aus der Perspektive der feministischen Technologiestudien und der Diskursanalyse. Die Ergebnisse zeigen, dass kritisches KIund GenderWissen im öffentlichen Diskurs in Form von spezifischen diskursiven Frames zirkuliert, die algorithmische Voreingenommenheit, Automatisierung und Enhancement sowie Geschlechterstereotypen thematisieren. Der Diskurs greift feministische und wissenschaftliche Diskurse über Gender auf und diskutiert KI auf eine Weise, die von Sozialkonstruktivismus FORSCHUNGSMONITORING „ARBEIT DER ZUKUNFT“ AUSGABE 23 | 49 und Standpunkttheorien geprägt ist. Zweitens erscheint Geschlecht als eine bis zu einem gewissen Grad intersektionale Diversitätskategorie, die für KI kritisch ist, während gleichzeitig wichtige Perspektiven ausgelassen werden. Drittens kann gezeigt werden, dass eine Neuverhandlung der idealen Arbeiternorm stattfindet. Der Artikel schließt mit einer Kritik an der Figur des männlichen Entwicklers in der KI-Debatte. FORSCHUNGSMONITORING „ARBEIT DER ZUKUNFT“ AUSGABE 23 | 50 1.9 Sozial-ökologische Transformation Stuckenhoff, Annika ISO/TC 323 Circular Economy Bundesverband der Deutschen Industrie 13. Juli 2023 https://bdi.eu/publikation/news/iso-tc-323-circular-economy-deutsch Das Positionspapier beschäftigt sich mit der internationalen Norm ISO/TC 323 zur Circular Economy. Um eine solide und harmonisierte Normenstruktur zu erarbeiten, die die Ziele des Green Deals, des Circular Economy Action Plans (CEAP) und der deutschen Industrie mitträgt, braucht es eine verlässliche und progressive Struktur, um die Transferleistung der internationalen in die europäische Normung – und umgekehrt – zu garantieren. Der ISO/TC 323 Circular Economy auf internationaler Ebene ist mit fünf Arbeitsgruppen eines der ambitioniertesten Projekte in der Gremienlandschaft horizontaler Normung. Die Initiierung und der Grundgedanke hinter dem TC sind laut der Autorin begrüßenswert, jedoch sieht sie zum Teil große inhaltliche Diskrepanzen und Harmonisierungsbedarf durch die Arbeit in den unterschiedlichen Arbeitsgruppen. Demary, Vera; Schaefer Thilo Mit Digitalisierung zu klimaneutralem Wachstum und Wohlstand Wirtschaftsdienst 7/2023, S. 450–453 9. August 2023 www.iwkoeln.de/studien/vera-demary-thilo-schaefer-mit-digitalisierungzu-klimaneutralem-wachstum-und-wohlstand.html Wachstum und Wohlstand in Deutschland scheinen durch die verschiedenen gleichzeitigen Krisen zunehmend unter Druck zu geraten. Die geopolitischen Verwerfungen machen sich hierzulande in gestörten Lieferketten und Unsicherheit bei der Energieversorgung bemerkbar, die Auswirkungen des fortschreitenden Klimawandels lassen sich durch die Häufung von extremen Wetterereignissen bereits erahnen und der demografische Wandel äußert sich vielerorts schon heute in Fachkräfteengpässen. Aktive Politikmaßnahmen können dafür sorgen, die Probleme we- FORSCHUNGSMONITORING „ARBEIT DER ZUKUNFT“ AUSGABE 23 | 51 nigstens zu lindern, indem sie sowohl Gegenmaßnahmen vorantreiben als auch den Umgang mit den Auswirkungen adressieren. Die Digitalisierung führt dem Bericht nach für viele Unternehmen ebenfalls zu disruptiven Veränderungen und Anpassungserfordernissen, hat aber gleichzeitig das Potenzial klimafreundliche Innovationen voranzubringen. Damit dies unter den derzeitigen krisengeprägten Bedingungen gelingen kann, sind jedoch eine Reihe von Voraussetzungen zu erfüllen. Bauermann, Tom Abschätzung der Gestehungskosten und ihrer Entwicklung für die grüne Stromproduktion in Deutschland, Europa und den USA IMK Policy Brief 157 Hans-Böckler-Stiftung www.imk-boeckler.de/fpdf/HBS-008687/p_imk_pb_157_2023.pdf Der Inflation Reduction Act (IRA) hat für Verunsicherung in Europa gesorgt. Insbesondere die Förderung von grünem Strom bereitet vor dem Hintergrund stark gestiegener Strompreise in Europa Sorgen hinsichtlich der Wettbewerbsfähigkeit. Die Untersuchung führt zu drei Erkenntnissen. Erstens zeigt sich, dass Deutschland und Europa über vorteilhafte Finanzierungsbedingungen im Vergleich zu den USA verfügen, die wiederum einen dämpfenden Effekt auf die Gestehungskostenunterschiede haben. Zweitens haben europäische Standorte mit idealeren Gestehungsbedingungen als Deutschland keine nennenswerten Nachteile gegenüber den USA. Drittens ist zu erwarten, dass der IRA eine vorübergehende Wirkung auf die US-Stromkosten hat und der kostendämpfende Effekt in den USA in den 2030er Jahren wieder nachlässt, sodass sich die Gestehungskosten zwischen Europa und den USA dann wieder annähern. Piétron, Dominik; Hofmann, Florian; Jaeger-Erben, Melanie Die digitale Circular Economy FES Diskurs Friedrich-Ebert-Stiftung August 2023 http://library.fes.de/pdf-files/a-p-b/20544.pdf Die Digitalisierung ist ein wichtiger und mächtiger Hebel, um die Transformation zu einer umfassenden Kreislaufwirtschaft in Gang zu setzen. Um FORSCHUNGSMONITORING „ARBEIT DER ZUKUNFT“ AUSGABE 23 | 52 zirkuläre Wertschöpfung zu ermöglichen, bedarf es eines komplexen Managements von Materialund Stoffströmen entlang des gesamten Lebenszyklus eines Produkts. Der Schlüssel dazu sind Daten. Aufgrundlage konkreter Use-Cases aus unterschiedlichen Branchen analysiert die vorliegende Studie Chancen und Hürden einer datengestützten Circular Economy. Die Offenlegung und das Teilen von Produktinformationen über Unternehmensgrenzen hinweg wird als zentraler Erfolgsfaktor für neue zirkuläre Ökosysteme und Geschäftsmodelle entlang des gesamten Produktlebenszyklus identifiziert. Das Schlüsselinstrument auf Umsetzungsebene ist das europäische Projekt des digitalen Produktpasses (DPP) mit seinen umfassenden Transparenzpflichten für Unternehmen. Jacobsen, Heike; Knuth, Matthias; Pflücke, Virginia Kimey Der Arbeitsmarkt der Lausitz vor dem Kohleausstieg WSI Mitteilungen 4/2023, S. 243–251 Wirtschaftsund Sozialwissenschaftliches Institut der Hans-BöcklerStiftung www.wsi.de/de/wsi-mitteilungen-der-arbeitsmarkt-der-lausitz-vor-demkohleausstieg-50914.htm Der Arbeitsmarkt bildet als Arena der Verteilung von Chancen und Risiken für die Verwirklichung der eigenen Lebensziele einen wichtigen Bezugspunkt für Erfahrungen und Erwartungen der Bürger*innen. In der Lausitz überlagern sich die massiven Krisen des Erwerbssystems nach der Vereinigung mit den neuerlichen Anforderungen an ihre Veränderungsund Anpassungsbereitschaft, die im Zuge des politisch beschlossenen Kohleausstiegs auftreten. Die Braunkohlewirtschaft stand damals und steht heute im Zentrum dieser Erfahrungen. Aus dem Strukturbruch dieser Branche, langanhaltender hoher Arbeitslosigkeit, demografischer Alterung und erst auf den zweiten Blick sichtbaren Veränderungen in der Erwerbsbeteiligung von Frauen hat sich eine restriktive Dynamik am Arbeitsmarkt herausgebildet. Trotz massiver finanzieller Unterstützung des strukturellen Wandels hin zu einer postfossilen Wirtschaft prägen die Krisenerfahrungen der postsozialistischen Transformation die Orientierungen der Bürger*innen. Es kommt darauf an, diesen Erfahrungshintergrund expliziter als bisher anzuerkennen, um den Weg freizumachen für eine erfolgreiche sozial-ökologische Transformation. FORSCHUNGSMONITORING „ARBEIT DER ZUKUNFT“ AUSGABE 23 | 53 Krebs, Tom Ökonomische Analyse einer Verlängerung und Modifizierung der Strompreisbremse Forschungsförderung Working Paper 305 Hans-Böckler-Stiftung September 2023 www.boeckler.de/de/faust-detail.htm?sync_id=HBS-008699 Der deutschen Wirtschaft droht wegen der immer noch hohen Strompreise das Wegbröckeln von Teilen der Industrie. International konkurrenzfähige Preise für regenerativen Strom sind absehbar in Sicht, aber es droht Gefahr, dass auf dem Weg dorthin Wertschöpfung und Arbeitsplätze unwiederbringlich verloren gehen. In die aktuelle Debatte um einen Industriestrompreis bzw. Brückenstrompreis platziert der Ökonom Tom Krebs einen Alternativvorschlag, der darauf zielt, Produktionsverluste zu verhindern, und gleichzeitig hilft, die Klimaziele zu erreichen. Zenke, Ines; Heymann, Tigran; Zheng, Valentine Finanzierung eines Brückenstrompreises für energieintensive Industrien aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds? Stiftung Arbeit und Umwelt der IGBCE September 2023 www.arbeit-umwelt.de/wp-content/uploads/StAuU_KB-FinanzierungIndustriestrompreis_20230921web.pdf Die Debatte über einen Industriestrompreis wird seit Monaten geführt. Mit einem Report im Juni argumentierte die Stiftung Arbeit und Umwelt bereits für die rechtliche Machbarkeit eines solchen Instruments. In einem zweiten Kurzgutachten zum Thema beantworten die Autor*innen nun, ob die Finanzierung eines Brückenstrompreises über den Wirtschaftsstabilisierungsfonds rechtskonform gestaltet werden kann. Die Autor*innen sehen in der Beantwortung dieser Frage einen Schlüssel für die Einführung eines Brückenstrompreises für die energieintensive Industrie. FORSCHUNGSMONITORING „ARBEIT DER ZUKUNFT“ AUSGABE 23 | 54 Neligan, Adriana; Schleicher, Carmen; Engels, Barbara; Kroke, Thorsten Digitaler Produktpass – Enabler der Circular Economy IW-Report 47 Institut der deutschen Wirtschaft Köln 27. September 2023 www.iwkoeln.de/studien/adriana-neligan-barbara-engels-thorsten-krokedigitaler-produktpass-enabler-der-circular-economy.html Die Politik diskutiert aktuell einen Digitalen Produktpass als zentrales Instrument zum Aufbau einer Circular Economy, die über eine möglichst lange Nutzung von Ressourcen ein wichtiger Enabler der Klimaneutralität ist. Obwohl es bislang noch kein einheitliches, branchenund unternehmensübergreifendes Produktpass-System gibt, existieren bereits Insellösungen für Informationssammlungen für bestimmte Produktgruppen. Über den Digitalen Produktpass sollen wie in einem „Produktgedächtnis“ Informationen über das Produkt wie Hersteller, Material, Eigenschaften, Reparaturund Entsorgungsmöglichkeiten digital für alle Akteure bereitgestellt werden, um so die Transparenz über den gesamten Produktlebenszyklus zu erhöhen. Dabei muss der Digitale Produktpass sowohl inhaltliche als auch technische Anforderungen erfüllen. FORSCHUNGSMONITORING „ARBEIT DER ZUKUNFT“ AUSGABE 23 | 55 2. A Closer Look: Zusammenfassung ausgewählter Studien des Monitorings European group of the International Federation of Actors (FIA); European Federation of Journalists (EFJ); International Federation of Musicians (IFM); UNI Europa – UNI Global Union (Media, Entertainment & Arts) Digital Working in the Media, Arts & Entertainment Sector. Challenges and Opportunities 7. September 2023 https://uniglobalunion.org/wp-content/uploads/ DIGITAL_WORKING_EN.pdf Die Studie widmet sich der Transformation von Arbeit in der Medien-, Kunstund Unterhaltungsbranche. Der schon seit Längerem bestehende Umbruch der Branche, der durch die Pandemie noch einmal verstärkt wurde, ist laut den Autor*innen vor allem von mit Technologie verbundenen Transformationsschüben geprägt: neue Geschäftsund Distributionsmodellen in Form von digitalen Plattformen, neuen Medienformaten wie dem Streaming-Veranstaltungen und einer Diversifizierung von Verdienstmodellen. Diese Transformation führt zu neuem Wissensbedarf aus Seiten der Künstler*innen. Der Report argumentiert, dass Gewerkschaften diese neue Bedürfnisse erkennen und durch neue Instrumente adressieren können. Neue Abhängigkeiten, mangelnde Transparenz und Klärungsbedarf zu Urheberrechten Der fehlende Verhandlungsspielraum auf Social-Media-Plattformen wie YouTube oder Spotify bringt Künstler*innen in eine sehr schwache und abhängige Position. Um Rechte vor Gericht durchsetzen, sind oft hohe und kostspielige Hürden zu überwinden. Obwohl viele Kunstund Kulturschaffende unterschiedliche Verdienstmodelle kombinieren und somit über mehrere Einkommensquellen verfügen, besteht auch hier die Gefahr einer wirtschaftlichen Abhängigkeit. Ein Erfolg über Plattformen ist daran gebunden sich kontinuierlich an veränderte algorithmische Regeln oder Geschäftsbedingungen anzupassen. Diese Regeln werden auferlegt, aber nicht erklärt. Die Algorithmen, die bestimmen, wer Inhalte sehen kann und wer nicht, bleiben meist verborgen. Diese Intransparenz führt zu großer Unsicherheit bei Künstler*innen. FORSCHUNGSMONITORING „ARBEIT DER ZUKUNFT“ AUSGABE 23 | 56 Viele Medienschaffende sehen außerdem einen Beratungsbedarf zur Nutzung ihrer Urheberrechte im digitalen Raum. Gewerkschaften: Bestandsaufnahme und Empfehlungen Mit Blick auf Gewerkschaften sieht der Bericht vor allem einen Bedarf bestehende Beratungstätigkeiten und Policy-Arbeit zu erweitern und auf selbstständig tätige Künstler*innen auszuweiten. Das Thema Urheberrechte kann dabei je nach Kompetenzspielraum der Gewerkschaft zu einem zentralen Thema werden. Obwohl die Rechtsvorschriften einiger Staaten Gewerkschaften gestatten, Regeln zu Urheberrechten in Tarifverträge aufzunehmen, mangelt es bisweilen an Kenntnissen, die über Tarifverträge hinausgehen und notwendig sein werden, um Selbstständigen oder anderen atypischen Arbeitnehmer*innen sinnvolle Unterstützung zu bieten. Dem Bericht zufolge können Gewerkschaften eine proaktivere Rolle bei der Sammlung und Verbreitung von Wissen über geistiges Eigentum unter ihren Mitgliedern und atypisch Beschäftigten übernehmen und ein Bewusstsein für dessen Bedeutung im Rahmen eines nachhaltigen Verdienstmodells schaffen. OECD Employment Outlook 2023. Artificial Intelligence and the Labour Market 11. Juli 2023 www.oecd-ilibrary.org/employment/oecd-employment-outlook2023_08785bba-en Die diesjährige Ausgabe des OECD-Beschäftigungsausblicks widmet sich vor allem drei Themenbereichen: erstens der Entwicklung der Arbeitsmärkte im Nachgang der Covid-Pandemie und im Kontext des Ukraine-Kriegs, zweitens der Lohnentwicklung und Lohnpolitik in Zeiten steigender Inflationsraten, und drittens den Auswirkungen von KI-Technologien auf den Arbeitsmarkt. Mit Blick auf alle drei Themenbereiche, die mitunter eng verknüpft sind, stellt der Bericht die Frage nach Policy-Vorschlägen und Formen des Sozialdialogs aller beteiligten Akteure. Vor allem beim Thema KI-Technologien sehen die Autor*innen dafür mit Blick auf dessen rasante Entwicklung einen hohen Bedarf. FORSCHUNGSMONITORING „ARBEIT DER ZUKUNFT“ AUSGABE 23 | 63 ersten Analysen unterzogen. Die Beschäftigtenbefragung erfasst die Diffusion neuer Technologien, insbesondere auch der künstlichen Intelligenz, am Arbeitsplatz und erhebt zusätzlich damit potenziell einhergehende Auswirkungen auf die Beschäftigten in Form veränderter beruflichen Tätigkeiten sowie Arbeitsorganisation. Darüber hinaus stehen gesundheitliche Auswirkungen im Fokus der Befragung. Die Erhebung wird zusätzlich mit administrativen Betriebsund Beschäftigtendaten ergänzt und kann zudem mit einer Betriebsbefragung zur Nutzung digitaler Technologien verknüpft werden. Der so entstehende DiWaBe 2.0 Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Datensatz bietet umfängliche Analysemöglichkeiten zu den Auswirkungen z. B. der Nutzung von KI am Arbeitsplatz auf das Wohlbefinden der Beschäftigten und deren Arbeitsstruktur und -organisation. Bosch, Gerhard Tarifbindung stärken bis 30. Juni 2025 Universität Duisburg-Essen www.uni-due.de/iaq/projektinfo/tarif.php Die international vergleichende Forschung hat belegt, dass eine hohe Tarifbindung das wirkungsvollste Instrument der Verringerung der Ungleichheit der Markteinkommen ist. Nur durch eine deutliche Erhöhung der Tarifbindung kann die hohe Einkommensungleichheit in der Primärverteilung in Deutschland wirkungsvoll verringert werden. Zur Erhöhung der Tarifbindung liegen unterschiedliche Vorschläge aus verschiedenen Disziplinen (Volkswirtschaft, Rechtswissenschaft, Sozialwissenschaften) vor. Sie reichen von der Stärkung der gewerkschaftlichen Verhandlungsmacht durch klassische gewerkschaftliche Organisationsarbeit, dem Ausbau der Mitbestimmung, über Vorteilsregelungen für Gewerkschaftsmitglieder, tarifdispositives Recht, Tariftreuegesetze bei der Vergabe öffentlicher Aufträge, einer Erleichterung der Allgemeinverbindlichkeitserklärung von Tarifverträgen bis hin zu einer Reihe weiterer Maßnahmen. In der Praxis werden sie jedoch meistens sowohl in den Gewerkschaften als auch in der Wissenschaft getrennt diskutiert. FORSCHUNGSMONITORING „ARBEIT DER ZUKUNFT“ AUSGABE 23 | 64 Sorg, Christoph Capitalist Planned Economies bis 31. Juli 2025 Deutsche Forschungsgemeinschaft https://gepris.dfg.de/gepris/projekt/523931583?context=projekt&task=sh owDetail&id=523931583& Angesichts des politischen Versagens bei der Bewältigung der globalen Finanzkrise, der Covid-Pandemie und der sich beschleunigenden Klimakatastrophe ist demokratische Planung (und deren Fehlen) zu einem kontroversen Thema öffentlicher Diskussionen geworden. Auch in der Wissenschaft ist eine dynamische neue Literatur entstanden, die die Möglichkeit alternativer Formen wirtschaftlicher Koordination und Planung im Zeitalter der Digitalisierung diskutiert. Das Forschungsprojekt „Capitalist Planned Economies“ (CaPE) wird sich kritisch mit der These auseinandersetzen, dass neue digitale Technologien neue Formen der Wirtschaftsplanung ermöglichen. Im Gegensatz zum Fokus der Literatur auf Theorien und Modellbildung alternative Formen der (nichtkapitalistischen) Wirtschaftsplanung, stellt CaPE die Frage, wie Planung im Kapitalismus tatsächlich funktioniert und wie die jüngsten digitalen Transformationen diese Planung beeinflussen. Kümmerling, Angelika Trade-off zwischen Sorgeund Erwerbstätigkeit: wie kann ein besseres Gleichgewicht von Erwerbsarbeit und Sorgearbeit zwischen Männern und Frauen hergestellt werden? bis 30. Juni 2024 Universität Duisburg-Essen www.uni-due.de/iaq/projektinfo/trade-off.php In Deutschland wird die Einbindung von Frauen und insbesondere von Müttern in den Arbeitsmarkt häufig über Teilzeitarbeit erreicht. 2021 arbeitete mit 49 Prozent fast jede zweite abhängig beschäftigte Frau in Teilzeit, während der entsprechende Wert bei Männern bei 12 Prozent lag. In diesen Zahlen spiegelt sich ein zentrales Charakteristikum des deutschen Beschäftigungsmodells wider, nämlich die erstaunliche Stabilität von Geschlechterunterschieden (und damit auch Geschlechterverhältnissen). So haben sich die Anteile von Vätern und Müttern in den jeweiligen Beschäftigungsformen über die Zeit kaum verändert. Gleichermaßen statisch ist die Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern in Hinblick auf den Haus- FORSCHUNGSMONITORING „ARBEIT DER ZUKUNFT“ AUSGABE 23 | 65 halt und die Kindererziehung, wo das Gros der Aufgaben nach wie vor von den Frauen erledigt wird So arbeiten Mütter jüngerer Kinder in Deutschland doppelt so häufig in Teilzeit wie im EU-Durchschnitt. Besonders auffällig ist zudem der „Klebeeffekt“ von Teilzeitarbeit, wonach Teilzeitarbeit nicht nur ein vorübergehendes Phänomen darstellt, sondern für einen Großteil der in Teilzeit beschäftigten Frauen einen Dauerzustand darstellt. Nicht von ungefähr hat sich in der politischen Diskussion der Begriff der sogenannten „Teilzeitfalle“ etabliert. Dabei sind vor allem lange Phasen kurzer Teilzeitarbeit sowohl für das individuelle Einkommen als auch für die einmal zu beziehende Erwerbsrente nachteilig. FORSCHUNGSMONITORING „ARBEIT DER ZUKUNFT“ AUSGABE 23 | 66 3.3 Termine, Initiativen und Projekte Forum Soziale Technikgestaltung Handlungsempfehlungen für Sozialpartner Juli 2023 www.blog-zukunft-der-arbeit.de/handlungsempfehlungen-fuersozialpartner/ Im Rahmen des vom Bundesforschungsministerium BMBF geförderten Projektes KARL hat das Forum Soziale Technikgestaltung zehn Kurz-Videos zur Unterstützung betrieblicher Mitbestimmungsprozesse erstellt. Die Abkürzung KARL steht für „Kompetenzzentrum KARL – Künstliche Intelligenz für Arbeit und Lernen in der Region Karlsruhe“. Die zehn „KARL-Kurzimpulse“ sind an beide Sozialpartner in Unternehmen, Dienstleistung und Verwaltung adressiert. In jeweils nur wenigen Minuten werden den Akteuren (Arbeitgeber*innen und Beschäftigtenvertretung) Handlungsimpulse und Handlungsempfehlungen in verständlicher Sprache gegeben. Aktuelle Veranstaltungen Hans-Böckler-Stiftung 14. Hans-Böckler-Forum zum Arbeitsund Sozialrecht 22. Februar 2024, Berlin www.boeckler.de/de/aktuelle-veranstaltungen-2718-14-hans-boecklerforum-zum-arbeits-und-sozialrecht-50837.htm Das 14. Hans-Böckler-Forum nimmt die Entwicklungen im europäischen und deutschen Arbeitsund Sozialrecht in den Blick. Die Fachveranstaltung bietet eine Plattform, um über drängende und praktisch relevante Rechtsfragen, die aktuelle Rechtsentwicklung, interdisziplinäre Forschungsergebnisse und Reformbedarfe in den Austausch zu treten und miteinander zu diskutieren. FORSCHUNGSMONITORING „ARBEIT DER ZUKUNFT“ AUSGABE 23 | 67 Bundesministerium für Arbeit und Soziales Fachkräftekongress 26. Februar 2024, Berlin www.bmas.de/DE/Ministerium/Veranstaltungen/fachkraefte-kongressberlin.html Beim Fachkräftekongress „Mehr Power fürs Fachkräfteland“ bringt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales Unternehmen, Sozialpartner und weitere Akteure in Berlin zusammen. In einem Ausstellerforum werden aktuelle Lösungen und Best Practice-Beispiele rund um Fachkräftesicherung vorgestellt. Ziel der Veranstaltung ist eine Diskussion darüber, wie Fachkräftesicherung verbessert werden kann. Veranstaltungsdokumentationen Rosa-Luxemburg-Stiftung Gelingende und misslingende Solidarisierungen 1. und 2. September 2023, Düsseldorf, DGB-Haus https://nrw.rosalux.de/veranstaltung/es_detail/X6FIX/ gelingende-und-misslingende-solidarisierungen-%7Clivestream?cHash=4530ec583f0e0a607b281fbb365ff1fb Im August 2023 jährten sich zum fünfzigsten Mal die spontanen Streiks beim Autozulieferer Pierburg in Neuss und bei Ford in Köln, die in den folgenden Jahrzehnten wegen des weit überproportionalen Anteils von Migrant*innen unter den Streikenden und ihres „inoffiziellen“ Charakters für eine neuere politische und wissenschaftliche Debatte und einen (post)migrantischen Aktivismus eine geradezu symbolische Bedeutung erlangten. Zu diesem Anlass organisierten die Rosa-Luxemburg-Stiftung, die OttoBrenner-Stiftung, die Hans-Böckler-Stiftung, die Stiftung Menschenwürde und Arbeitswelt, die IG Metall (Vorstandsressort Migration und Teilhabe), die IG Metall Geschäftsstelle Düsseldorf-Neuss, das Institut für soziale Bewegungen in Bochum und die German Labour History Association eine Tagung mit Zeitzeug*innen, Wissenschaftler*innen und politisch Aktiven aus unterschiedlichen Spektren. ISSN 2509-2359