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Akteure und ihre Beiträge zur großen Transformation in ausgewählten Handlungsfeldern. Stadt- und Raumplanerinnen und -planer als Pioniere nachhaltiger Transformation

Knieling, Jörg

Abstract

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Knieling, Jörg Book Part Akteure und ihre Beiträge zur großen Transformation in ausgewählten Handlungsfeldern. Stadtund Raumplanerinnen und -planer als Pioniere nachhaltiger Transformation Provided in Cooperation with: ARL – Akademie für Raumentwicklung in der Leibniz-Gemeinschaft Suggested Citation: Knieling, Jörg (2021) : Akteure und ihre Beiträge zur großen Transformation in ausgewählten Handlungsfeldern. Stadtund Raumplanerinnen und -planer als Pioniere nachhaltiger Transformation, In: Hofmeister, Sabine Warner, Barbara Ott, Zora (Ed.): Nachhaltige Raumentwicklung für die große Transformation - Herausforderungen, Barrieren und Perspektiven für Raumwissenschaften und Raumplanung, ISBN 978-3-88838-101-0, Verlag der ARL - Akademie für Raumentwicklung in der Leibniz-Gemeinschaft, Hannover, pp. 172-182, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0156-1010109 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/232964 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. 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Stadtund Raumplanerinnen und –planer als Pioniere nachhaltiger Transformation https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0156-1010109 In: Hofmeister, Sabine; Warner, Barbara; Ott, Zora (Hrsg.) (2021): Nachhaltige Raumentwicklung für die große Transformation – Herausforderungen, Barrieren und Perspektiven für Raumwissenschaften und Raumplanung. Hannover, 172-182. = Forschungsberichte der ARL 15. https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0156-10109 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/ 172 15 _ Nachhaltige RaumeNtwickluNg füR die gRoSSe tRaNSfoRmatioN Jörg Knieling 5.6 Stadtund Raumplanerinnen und -planer als Pioniere nachhaltiger Transformation Gliederung 5.6.1 Pioniere nachhaltigen Wandels 5.6.2 Methodisches Vorgehen 5.6.3 Auswertung: Vorgehensweisen, Strategien und Selbstwahrnehmung von Transformationspionieren 5.6.4 Fazit: Stadtund Raumplanerinnen und -planer als Pioniere des Wandels? Literatur Kurzfassung Für die Stadtund Raumplanung stellt sich die Frage, inwiefern Planerinnen und Planer, die innovative Vorstellungen für eine nachhaltige Planungspraxis und räumliche Entwicklung haben, den im Rahmen der großen Transformation geforderten Wandel initiieren oder mitgestalten und folglich als Pioniere des Wandels bzw. Transformationspioniere gelten können. Dabei nehmen sie verschiedene Rollen als Experten-, Prozess-, Machtoder Beziehungspromotoren mit jeweils unterschiedlichen Funktionen, Kompetenzen und Aufgaben ein. Das vorliegende Kapitel basiert auf einer Befragung von Praxisakteuren aus der Stadtund Raumplanung bzw. Raumentwicklung. Es wird analysiert, ob die ausgewählten Praxisakteure mit innovativen und nicht-konformistischen Ansätzen, Konzepten und Vorstellungen über ein Pionier-Potenzial verfügen, welche Restriktionen ihrem Wirken entgegenstehen und wie es ihnen gelingt, diese zu überwinden. Die Ergebnisse deuten an, dass die Pioniere der Stadtund Raumplanung einen substantiellen Beitrag zur Nachhaltigkeitstransformation leisten können. Dies gilt insbesondere für ihre Funktionen in der Prozessgestaltung und der Vermittlung zwischen verschiedenen Akteuren, die an der nachhaltigen Raumentwicklung beteiligt sind. Darüber hinaus entwickeln sie eigene innovative Ideen und integrierte Lösungen, um Städte und Regionen nachhaltiger zu gestalten. Dabei zeigen sich Kommunikation, Kooperation und Integration sowohl innerhalb als auch außerhalb der Verwaltung als Schlüsselstrategien einer nachhaltigen Planungspraxis. Traditionelle Instrumente, wie Flächennutzungspläne und Entwicklungskonzepte, bilden dagegen allenfalls einen begrenzten Ausschnitt der Realität der Stadtund Raumentwicklung ab. Mit Blick auf das Studium der Stadtund Raumplanung wird abschließend diskutiert, dass die Hochschulen insbesondere das freie und kritische Denken fördern und vorherrschende Annahmen infrage stellen sollten, um die Studierenden auf ihren individuellen Wegen zur nachhaltigen Transformation von Städten und Regionen zu unterstützen. Schlüsselwörter Nachhaltigkeitstransformation – Transition Theory – Pioniere des Wandels – Transformationspioniere – Stadtund Raumplanung – Hochschulen 173 akteure und ihre beiträge zur groSSen tranSformation Urban and spatial planners as pioneers of sustainable transformation Abstract In the field of urban and spatial planning, the question arises to which extent planners who have innovative ideas for sustainable planning practice and spatial development initiate or help shape such ideas within the framework of the great transformation. This determines whether they can be viewed as pioneers of change or transformation pioneers. In this context, they take on different roles as expertise promoters, process promoters, power promoters or relationship promoters with different functions, competences and tasks. This chapter is based on a survey of practitioners from urban and spatial planning and spatial development. It analyses firstly whether the selected practitioners have pioneer potential in terms of innovative and non-conformist approaches, concepts and ideas, secondly which restrictions hinder their activities, and thirdly how they manage to overcome these hindrances. The results suggest that pioneers of urban and regional planning can make a substantial contribution to the sustainability transformation. This is particularly true for their work in process design and mediation between various stakeholders involved in sustainable spatial development. Moreover, they develop innovative ideas and integrated solutions for the more sustainable design of cities and regions. Communication, cooperation and integration emerge as key strategies of sustainable planning practice both within and outside the administration. Traditional instruments like land-use plans and development strategies, only represent a limited segment of the reality of urban and spatial development. Finally, attention turns to higher education in urban and spatial planning. It is recommended that universities should particularly promote free and critical thinking and should question dominant assumptions so as to encourage students to follow their individual paths towards the sustainable transformation of urban areas and regions. Keywords Transformation towards sustainability – transition theory – pioneers of change – transformation pioneers – urban and spatial planning – universities Die große Transformation erfordert grundlegende Veränderungen der gesellschaftlichen Praktiken und Routinen. Dies bezieht sich ebenso auf die Stadtund Raumplanung, sodass sich für die Akteure dieses Handlungsfeldes die Frage stellt, welche Rolle(n) sie im Zuge der Wandlungsprozesse einnehmen können. Das folgende Kapitel bezieht sich auf die „Pioniere des Wandels“, denen in der großen Transformation eine maßgebliche Funktion zugeschrieben wird, und fragt, inwiefern Stadtund Raumplanerinnen und -planer in ihrer Praxis als solche wirken können. Dazu basiert das Kapitel auf einer Untersuchung ausgewählter Praxisakteure, deren Tätigkeitsfeld und Wirken Pioniercharakter haben kann. 174 15 _ Nachhaltige RaumeNtwickluNg füR die gRoSSe tRaNSfoRmatioN 5.6.1 Pioniere nachhaltigen Wandels Die „große Transformation“ erfordert einen grundlegenden Wandel der bestehenden gesellschaftlichen Strukturen und Prozesse. Besonders Akteure mit bestimmten strategischen Kompetenzen, ausreichend Macht und Ressourcen und/oder Kreativität können diesen Wandel vorantreiben (Kristof 2010; WBGU 2011). Für eine nachhaltige Stadtund Raumplanung stellt sich die Frage, inwiefern Planerinnen und Planer, die innovative Vorstellungen für eine nachhaltige Planungspraxis und räumliche Entwicklung haben, als Initiatoren und Mitgestalter des Wandels auftreten können. Als Pioniere des Wandels müssten sie in den Worten des WBGU „Vorbilder erschaffen, Einstellungsund Verhaltensmuster verändern und in Handlung umsetzen sowie andere motivieren“ (WBGU 2011: 245). In dieser Funktion würden sie als Pioniere für innovative Praktiken und alternative Ansätze, Einstellungen und Werte agieren und den nachhaltigen Wandel bewerben. Kristof (2010) definiert die vier Rollen von Pionieren des Wandels als Experten-, Prozess-, Machtund Beziehungspromotoren, um zwischen den verschiedenen Einflussmöglichkeiten und Fähigkeiten der Akteure im Veränderungsprozess zu unterscheiden (siehe Tab. 1). Funktion Kompetenzen Hauptaufgaben Fach-Promotor/in Professionelle Expertise und konkretes Expertenwissen Initiierung, Identifikation von Alternativen, Lösung von Problemen, Umsetzung Prozess-Promotor/in Kombination von professioneller Expertise und Führungsqualitäten Problemdefinition, Gestaltung von Prozessen, Kommunikation Macht-Promotor/in Führungsqualitäten, Hierarchiepotenzial, Disposition (finanzieller) Ressourcen Initiierung und Durchsetzung von Verändrungsprozessen, Präsentation der Projekterfolge Beziehungs-Promotor/in Sozialkompetenz, Netzwerkwissen, Kommunikationsfähigkeiten, Konfliktvermittlung Unterstützung der Prozesspromotor/inn/en in Interaktionsprozessen Tab. 1: Funktionen, Kompetenzen und Aufgaben von Akteuren in Transformationsprozessen / Quelle: WBGU (2011: 244), basierend auf Kristof (2010) Die Rolle als Pioniere des Wandels und Träger innovativer Praktiken impliziert eine gewisse Unabhängigkeit, sowohl materiell in Bezug auf ökonomische Spielräume als auch strukturell, d.  h. frei zu sein von hierarchischer Disziplinierung. Als unorthodoxe Denkerinnen und Denker stehen sie vor der Herausforderung, mit verschiedenen Risiken und Unsicherheiten umzugehen, wenn sie ihren eigenen, progressiven Weg gehen. Sie werden mit Unterstützern etablierter Konventionen genauso konfrontiert wie mit 175 akteure und ihre beiträge zur groSSen tranSformation dominierenden Institutionen. „Eine Kernfrage ist die kreative Kapazität der Akteure, die bestehenden Konventionen zu überwinden, eine alternative Zukunft zu imaginieren und neue Handlungswege einzugehen“ (Hoffman 2013: 257). Durch Koalitionsbildung mit anderen (innovativen) Akteuren und den Rückgriff auf individuelle Ressourcen und Fähigkeiten entwickeln und verbreiten sie alternative Visionen, Ideen und Ansätze. Durch die Kommunikation ihrer Ideen und ihr gesellschaftliches Engagement können sie den gesellschaftlichen Wandel befördern (WBGU 2011). Da die große Transformation einen fundamentalen Wandel in den gesellschaftlichen Strukturen, Prozessen und Praktiken impliziert, leitet sich daraus ab, dass auch die Praxis der Stadtund Raumplanung sowie die Rolle der Planerinnen und Planer auf dem Prüfstand stehen. Rees (1995: 355) ist der Meinung, dass „Planer, aufgrund der Eigenart ihres Berufes, besonders dazu prädestiniert sind, eine Führungsrolle im Übergang zu spielen.“ Mit Bezug zur Transitionstheorie (Geels 2005; Grin/Rotmans/ Schot 2010) können Raumplanerinnen und -planer als potenzielle Pioniere des gesellschaftlichen Wandels betrachtet werden (Kristof 2010; WBGU 2011). Vor diesem Hintergrund stellt sich in dem vorliegenden Beitrag die Frage, inwiefern Planerinnen und Planer mit innovativen und nicht-konformistischen Ansätzen, Konzepten und Vorstellungen über ein Pionier-Potenzial verfügen, welche Restriktionen ihrem Wirken entgegenstehen und wie es ihnen gelingt, diese zu überwinden. 5.6.2 Methodisches Vorgehen Als empirische Grundlage dieses Beitrags dienen zehn Planerinnen und Planer, die als Pioniere des Wandels bzw. Transformationspioniere für eine nachhaltige Raumentwicklung identifiziert wurden. Als erster Schritt eines zweistufigen Auswahlprozesses wurden innovative Projekte einer nachhaltigen Stadtund Raumentwicklung identifiziert. In diesen Projekten zeigten sich Planerinnen und Planer als potenzielle Pioniere des Wandels, die folgende Merkmale hatten: Personen, die praktisch an der Entwicklung, Umsetzung und Förderung innovativer Planungspraktiken beteiligt waren, die über einen Hochschulabschluss in Stadtoder Raumplanung verfügen und die in diesem Feld praktisch arbeiten (siehe Tab. 2). Mit den potenziellen Pionieren wurden leitfadengestützte Interviews geführt. Die Interviews wurden transkribiert und vor dem Hintergrund einer Heuristik, die sich aus unterschiedlichen Theoriebezügen ableitet (Transition Management, Multi-Level-Perspective, Governance), kodiert und qualitativ interpretiert. Die Analyse und die Interpretation der Interviews orientieren sich insbesondere an den folgenden Fragen: > Mit welchen Instrumenten und Methoden realisieren Pioniere ihre innovativen Ideen und Projekte einer nachhaltigen Stadtund Raumentwicklung? – Die formalen und informellen Planungsinstrumente, -methoden und -ansätze, die von den befragten Planerinnen und Planern zur Umsetzung ihrer Ideen und Projekte verwendet werden, können als innovative Praktiken von Akteuren angesehen werden, die zur Nachhaltigkeitstransformation beitragen. Diesen stehen die Ansichten und Reflexionen der Befragten über die etablierte Planungspraxis der bestehenden In- 176 15 _ Nachhaltige RaumeNtwickluNg füR die gRoSSe tRaNSfoRmatioN Pionier/in Position Beispiele für innovative Planungspraktiken bzw. -projekte Person A Verantwortlicher für internationale Projekte einer Gesellschaft für nachhaltiges Bauen Kooperative Entwicklung von Stadtteilkonzepten unter Einbeziehung von Kommunen und lokalen Unternehmen mit dem Ziel, etablierte Industriegebiete nachhaltiger zu gestalten Person B Mitarbeiter einer mittelgroßen Stadt, verantwortlich für Klimaschutz Aufbau einer Kooperation mit lokalen Handwerkern, um private Eigentümer für Energieeffizienzmaßnahmen zu gewinnen Person C Mitarbeiter eines Architekturund Stadtplanungsbüros Entwicklungskonzepte für städtische Grünflächen unter Berücksichtigung sozialer, demografischer und ökologischer Aspekte Person D Mitarbeiter eines Architekturund Stadtplanungsbüros Entwicklungskonzepte für städtische Grünflächen unter Berücksichtigung sozialer, demografischer und ökologischer Aspekte Person E Freiberuflicher Stadtplaner, Stadtforscher und Dozent Kunstprojekt, bei dem Bürgerinnen und Bürger eines schrumpfenden Dorfes gemeinsam eine Vision für die zukünftige Entwicklung ihres Dorfes in Form eines Liedes entwickelten Person F Gründer einer Agentur, die sich mit der Umwandlung von Gebäuden und Grundstücken in Städten befasst Internetbasierte Datenbank, die es ermöglicht, leerstehende Gebäude zu melden, und die verschiedene Akteure zusammenbringt, um Ideen und Konzepte für die Zwischennutzung der Gebäude zu entwickeln Person G Mitarbeiter einer Forschungseinrichtung mit den Schwerpunkten Städtebau, städtische Infrastruktur, strategische Planung und Technologiemanagement Transdisziplinäre Forschungsprojekte mit Kommunen, Unternehmen und Forschern verschiedener Fachrichtungen, die sich auf technische Innovationen konzentrieren, um Städte nachhaltiger zu gestalten (insbesondere zu Bauen, Energie und Mobilität) Person H Mitglied eines interdisziplinären Verbandes mit den Schwerpunkten Stadtentwicklung, Umnutzung von Gebäuden und Grundstücken im Stadtraum und Kreativwirtschaft Verschiedene quartiersbezogene Projekte zu Urban Gardening und Kunst im öffentlichen Raum, v.a. der Mitgestaltung und Pflege zusammen mit der Bevölkerung 177 akteure und ihre beiträge zur groSSen tranSformation stitutionen gegenüber. Ihre Begegnungen und ihre Kritik an der konventionellen Planung sind oft für sie die Hauptgründe, alternative Lösungen und Ideen sowie innovative Planungsansätze zu entwickeln. > Welche Konflikte entstehen im Innovationsprozess und wie überwinden Pioniere Hemmnisse und Restriktionen? – Es ist wahrscheinlich, dass innovative Praktiken, die zu einem nachhaltig orientierten Wandel beitragen, im Konflikt mit etablierten, nicht-nachhaltigen Strukturen, Routinen und Prozessen stehen, die nur unzureichend in der Lage sind, zur Nachhaltigkeit beizutragen (Grin/Rotmans/Schot 2010). Konflikte, Herausforderungen und Einschränkungen treten somit durch ein Missverhältnis von Nischeninnovationen sowie etablierten Prozessen und Institutionen in der Stadtund Raumplanung auf. Die Bewältigung dieser Herausforderungen ist ein Teil der innovativen Praktiken, die von Planungspionieren zur Umsetzung innovativer Ideen genutzt werden. > Wie nehmen sich die Transformationspioniere im Transformationsprozess selbst wahr? – Stadtund Raumplanerinnen und -planer befinden sich vielfach in dem Dilemma, dass ihnen die Problematik sehr bewusst ist, dass die gegenwärtige Stadtund Raumentwicklung überwiegend im Widerspruch zu den Zielen der Nachhaltigkeit steht, sie im Rahmen ihres Studiums also auf einen normativen Zielrahmen vorbereitet werden, der in der späteren praktischen Berufsausübung oftmals nicht oder nur sehr eingeschränkt umsetzbar ist. Vor diesem Hintergrund ergibt sich ein Rollenkonflikt in Bezug darauf, welche Funktion sie in Transformationsprozessen übernehmen sollen bzw. können. Anhand der Pioniere des Wandels soll diskutiert werden, wie diese mit dem beschriebenen Dilemma umgehen und welche Selbstwahrnehmung sie in Bezug auf ihre Rolle entwickelt haben. Pionier/in Position Beispiele für innovative Planungspraktiken bzw. -projekte Person I Gründung einer privaten Agentur mit den Schwerpunkten Kommunikation, Partizipation und Visualisierung in der Stadtentwicklung Digitale und internetbasierte Beteiligungskonzepte und Instrumente, die es der Bevölkerung ermöglichen, Raumentwicklungsund Planungsvorhaben zu diskutieren und mitzugestalten Person J Leitung eines Planungsbüros mit Fokus auf kommunikativer Planung Konzept für die zukünftige Entwicklung einer regionalen Zusammenarbeit mehrerer Städte und Gemeinden Tab. 2: Übersicht der interviewten Pioniere des Wandels / Quelle: Eigene Darstellung 178 15 _ Nachhaltige RaumeNtwickluNg füR die gRoSSe tRaNSfoRmatioN 5.6.3 Auswertung: Vorgehensweisen, Strategien und Selbstwahrnehmung von Transformationspionieren Vorgehensweisen und Instrumente von Transformationspionieren Die interviewten Transformationspioniere betonen die Notwendigkeit, immer wieder neue Vorgehensweisen und Methoden zu entwickeln, um die Herausforderungen einer nachhaltigen Entwicklung in ihren unterschiedlichen Handlungsfeldern bewältigen zu können. Sie verwenden weniger „hard skills“, etwa formale Instrumente der Stadtund Raumplanung, sondern stellen diese vielmehr grundsätzlich infrage. Sie nutzen eher informelle, vor allem kommunikative, kooperative und persuasive Instrumente und Planungsansätze, etwa Bürgerbeteiligung, Netzwerke oder Runde Tische, die mehr Flexibilität, Kreativität und Lösungsorientierung ermöglichen. Einige der Pioniere agieren auch ausgesprochen unkonventionell, etwa wohnte ein Pionier in leeren Gebäuden, um das eigene Bewusstsein für wohnungspolitische Probleme und Wohnungsnot in städtischen Zentren zu schärfen. Ein anderer Pionier setzte künstlerische Interventionen in städtischen und ländlichen Räumen ein, um Phänomene wie Klimawandel oder Flächenverbrauch zu thematisieren. Obwohl sich die meisten Transformationspioniere außerhalb der Behörden einstufen und trotz der Informalität ihrer Ansätze, agieren sie nicht außerhalb des politischen bzw. Planungssystems bzw. der administrativen Strukturen und Prozesse, sondern arbeiten oft mit der Verwaltung zusammen, also mit Institutionen, die formell für die Stadtund Raumentwicklung zuständig sind. Vielfach fungieren sie dabei als Vermittler zwischen den Planungsbehörden und der Zivilgesellschaft. Ihre innovativen Ansätze ermöglichen es, zivilgesellschaftliche Gruppen in Prozesse der Stadtund Raumentwicklung mit einzubeziehen, z.  B. Bürgerinitiativen oder Bewohnerinnen und Bewohner benachteiligter Stadtteile. Die Transformationspioniere können so konventionelle Planungsprozesse für diese gesellschaftlichen Gruppen öffnen. Die von Pionieren entwickelten kommunikativen Vorgehensweisen sollen zugleich dazu beitragen, die Ansichten und Meinungen unterrepräsentierter Bevölkerungsgruppen in die Stadtentwicklungsprozesse zu integrieren. Neue Formen der Kooperation sollen an der Schnittstelle von konventionellen Institutionen und innovativen Bottom-up-Projekten auf der Mikroebene wirken. Dies soll außerdem bestehende Verfahren verändern und sie für transformative Innovationen öffnen. Insgesamt zeigt sich, dass Flexibilität und der experimentelle Einsatz neuer Kommunikationsund Kooperationsformen wiederkehrende Merkmale der Vorgehensweise der innovativen Planungspraxis sind. Koalitionen mit „unüblichen“ neuen Akteuren und unkonventionelle Ansätze führen zu kreativen Projekten. Gepaart mit der Offenheit und der starken persönlichen Überzeugungen der Transformationspioniere ermöglichen es innovative Planungsmethoden, andere Akteure zu gewinnen und zu transformativen Prozessen beizutragen. Allerdings stellt die Verallgemeinerung der Ergebnisse aufgrund der Vielfalt der Projekte, der Unterschiede der Rahmenbedingungen und der Spezifik der Personen und Institutionen, die beteiligt sind, eine Herausforderung dar.