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Pädagogik / Erziehungswissenschaft - Empirische Bildungsforschung - Bildungswissenschaften. Die Transformationen einer akademischen Disziplin als Zerfall ihrer Selbstbegründung

Herrmann, Ulrich

Abstract

Pädagogische Korrespondenz 36 (2023) 67, S. 68-98 Pädagogische Teildisziplin: Historische Bildungsforschung; Allgemeine Erziehungswissenschaft; als elektronischer Volltext verfügbar

Full text

He mann, Ul ich Pädagogik / E ziehungswissenscha - Empi ische Bildungs o schung - Bildungswissenscha en. Die T ans o ma ionen eine akademischen Disziplin als Ze all ih e Selbs beg ündung Pädagogische Ko espondenz 36 (2023) 67, S. 68-98 Quellenangabe/ Re e ence: He mann, Ul ich: Pädagogik / E ziehungswissenscha - Empi ische Bildungs o schung - Bildungswissenscha en. Die T ans o ma ionen eine akademischen Disziplin als Ze all ih e Selbs beg ündung - In: Pädagogische Ko espondenz 36 (2023) 67, S. 68-98 - URN: u n:nbn:de:0111-pedocs-332386 - DOI: 10.25656/01:33238; 10.3224/paek. 36i1.05 h ps://nbn- esol ing.o g/u n:nbn:de:0111-pedocs-332386 h ps://doi.o g/10.25656/01:33238 in Koope a ion mi / in coope a ion wi h: h ps://www.bud ich.de Nu zungsbedingungen Te ms o use Dieses Dokumen s eh un e olgende C ea i e Commons-Lizenz: h p://c ea i ecommons.o g/licenses/by/4.0/deed.de - Sie dü en das We k bzw. den Inhal e iel äl igen, e b ei en und ö en lich zugänglich machen sowie Abwandlungen und Bea bei ungen des We kes bzw. Inhal es an e igen, solange Sie den Namen des Au o s/Rech einhabe s in de on ihm es geleg en Weise nennen. 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Bildungs heo e ische An- egungen im Denken Jö g Ruhlo s AUS WISSEN- SCHAFT UND FORSCHUNG II Ul ich He mann Pädagogik/E ziehungswissenscha – Empi ische Bildungs o schung – Bildungswissenscha en: die T ans o ma ionen eine akademischen Disziplin als Ze all ih e Selbs beg ündung DOKUMEN- TATION P o ilpass - kompe en bis zule z Pädagogische 67_2023 Ve lag Ba ba a Bud ich Pädagogische Ko espondenz 67_2023 UmschlagPK_67_2023.indd 1UmschlagPK_67_2023.indd 1 05.06.23 21:1205.06.23 21:12 IMPRESSUM Pädagogische Ko espondenz. Zei sch i ü k i ische Zei diagnose in Pädagogik und Gesellscha Jg. 35, He 67 (1/2023) | ISSN: 0933-6389 | ISSN Online: 2196-1425 HERAUSGEBER*INNEN UND REDAKTION: Ka l-Heinz Damme (Heidelbe g), Sieglinde Jo ni z (F ank u /Main), Sascha Kabel (Flensbu g), Ma ion Pollmanns (Flensbu g) WISSENSCHAFTLICHER BEIRAT: Pe e Eule (Da ms ad ), And eas G uschka (F ank u /Main), Be nd Hackl (Wien), And ea Liesne (Hambu g), And eas We ne (Hanno e ), An onio Zuin (São Ca los, B asilien) REDAKTIONSADRESSE: D . Sieglinde Jo ni z, DIPF | Leibniz-Ins i u ü Bildungs o schung und Bildungsin o ma ion, Ros ocke S aße 6, 60323 F ank u am Main Manusk ip e we den als Wo d-Da ei an Sieglinde Jo ni z ([email p o ec ed]) ode Ma ion Pollmanns ([email p o ec ed]) e be en und du chlau en ein Begu ach ungs e ah en. ERSCHEINEN UND BEZUGSBEDINGUNGEN: Die Zei sch i e schein 2 x jäh lich mi einem Jah esum ang on d. 200 Sei en (P in und Online). Einzelhe P in : 12,50 € Jah esabonnemen P in : Ins i u ionen 40,00 €; P i a : 23,00 € Jah esabonnemen Online: Ins i u ionen 80,00 €, P i a : 30,00 € Jah esabonnemen P in +Online: Ins i u ionen 80,00 €; P i a 30,00 € Ab He 65 (1-2022) e schein die Pädagogische Ko espondenz mi eigenem Voll ex -A chi auch digi al. Alle F agen zum digi alen Zug i und zu Abonnemen s bean wo e de Ve lag Ba ba a Bud ich un e [email p o ec ed]. Das digi ale Angebo inden Sie au : h ps://pk.bud ich-jou nals.de P in -P eise jeweils zzgl. Ve sandkos en. Die Bezugsp eise en hal en die gül ige Meh we s eue . Abonnemen s e länge n sich au oma isch um ein Jah . Abonnemen -Kündigungen bi e sch i lich an den Ve lag. Kündigungs is bis d ei Mona e zum Jah esende. ABONNEMENTS- UND ANZEIGENVERWALTUNG: Ve lag Ba ba a Bud ich, S au enbe gs . 7, 51379 Le e kusen Tel. +49 (0) 02171 79491 50 – [email p o ec ed] www.bud ich.de | www.bud ich-jou nals.de | www.shop.bud ich.de © 2023 Ve lag Ba ba a Bud ich, Opladen • Be lin • To on o Die Zei sch i sowie alle da in en hal enen Bei äge sind u hebe ech lich geschü z . Jede Ve - we ung, die nich ausd ücklich om U hebe ech sgese z zugelassen is , beda de o he igen Zus immung des Ve lags. Dies gil insbesonde e ü Ve iel äl igungen, Übe se zungen, Mik o- e ilmungen und die Einspeiche ung und Ve a bei ung in elek onischen Sys emen. Namen lich gekennzeichne e Bei äge geben nich in jedem Fall die Meinung de Redak ion wiede . Ak uelle Mediada en/Anzeigenp eislis e: PAEK23 – Mediada en 2023 om 16.02.2023 Sa z & Layou : Susanne Alb ech , Le e kusen Umschlagges al ung: leh eld g aphic.de UmschlagPK_67_2023.indd 2UmschlagPK_67_2023.indd 2 05.06.23 21:1205.06.23 21:12 Pädagogische Ko espondenz, He 67 | 2023 Pädagogische Ko espondenz He 67 Somme 2023 INHALT AUS WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG I Claudia Scheid Was bea bei e die pädagogische P o ession? 3 ZUR RUBRIK „SALZBURGER SYMPOSION“ 22 SALZBURGER SYMPOSION I And eas Gelha d Skep ische Pädagogik und skep ische Bildung 23 SALZBURGER SYMPOSION II Richa d Kubac F ei äume de Ve nun ? Bildungs heo e ische An egungen im Denken Jö g Ruhlo s 42 AUS WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG II Ul ich He mann Pädagogik/E ziehungswissenscha – Empi ische Bildungs o schung – Bildungswissenscha en: die T ans o ma ionen eine akademischen Disziplin als Ze all ih e Selbs beg ündung 68 DOKUMENTATION P o ilPass – kompe en bis zule z 99 Pädagogische Ko espondenz, He 67 | 2023, S. 68 – 98 AUS WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG II Ul ich He mann Pädagogik/E ziehungswissenscha – Empi ische Bildungs o schung – Bildungswissenscha en: die T ans o ma ionen eine akademischen Disziplin als Ze all ih e Selbs beg ündung „Die Wissenscha en ze s ö en sich au doppel e Weise selbs : du ch die B ei e, in die sie gehen, und du ch die Tie e, in die sie sich e senken.“ „Wenn wi das, was wi wissen, nach ande e Me hode ode ga in emde Sp ache da geleg inden, so e häl es einen besonde en Reiz de Neuhei und ischen Ansehens.“ Goe he: Maximen und Re lexionen, N . 402, 429 I Die Beg ündung de Thema ik: die Folgen de T ans o ma ionen de Pädagogik/E ziehungswissenscha zu Empi ischen Bildungs o schung und zu den Bildungswissenscha en Wissenscha en, wie sie heu e an Hochschulen, Uni e si ä en und Fo schungs- ins i u en be ieben we den, sind ansdisziplinä e Gedankengebäude mi un e - schiedlichen A chi ek u en: ü Fo schung und Leh e, ü S udium und Wei e - bildung, ü Poli ikbe a ung und ande es meh . Un e „Wissenscha “ konn en höchs un e schiedliche P axen e s anden we den: Theo iep oduk ion und o male Re lexionssys eme (z. B. Philosophie, Ma hema ik), p axisbezogene p agma ische Wissenscha en (z. B. Ju isp udenz, Psychologie, Pädagogik), die „Be u swissenscha en“ aus de o -humbold schen Uni e si ä (z. B. Theolo- gie, Medizin, Ju isp udenz [mi den S aa swissenscha en], Came alis ik [spä- e Na ionalökonomie, dann Wi scha swissenscha en]). Humbold e ich e e die Philosophische Fakul ä – das is heu e e gessen – als die Fakul ä mi den Be u swissenscha en de Gymnasialleh e , in de die Pädagogik zunächs als P ak ische Philosophie und e s spä als eigens ändige Disziplin ih en O und ih e Funk ion ha e. h ps://doi.o g/10.3224/paek. 36i1.05 T ans o ma ionen eine akademischen Disziplin als Ze all ih e Selbs beg ündung Pädagogische Ko espondenz, He 67 | 2023 69 Die Besonde hei de deu schen Uni e si ä bes and und bes eh da in, diese A chi ek u en un e einem Dach zu e einen. Die Fo mel „Einhei on Fo schung und Leh e“ bedeu e e, dass die akademischen Leh e und die S u- die enden gemeinsam eine Le ngemeinscha bilden, die zum einen de Wei- e en wicklung de Wissenscha , zum ande n de Bildung und Ausbildung de S udie enden dienen soll e, o allem abe – so Humbold ausd ücklich – als He aus o de ung ü die P o esso en angesich s de imme neuen F agen de S udie enden (wo on im BA/MA-S udien-Modul-Sys em abgesehen we den kann). Die Gliede ung in Fakul ä en und da in in einzelne Disziplinen ep ä- sen ie e die Vielhei in de Einhei , was es zugleich e laub e, neue Fakul ä en und Disziplinen du ch Binnendi e enzie ung aus sich he aus zu en wickeln ode on außen au zunehmen. Spezialgebie e e lang en keinen Disziplins a us, de du ch Leh s ühle cha ak e isie wa ; sie wu den on auße planmäßigen P o esso en ode on Leh beau ag en e e en. Was mein dahe „Diszip- lin“? He kömmliche weise sind Wissenscha sdisziplinen dadu ch gekenn- zeichne , dass sie übe eine spezi ische Selbs beg ündung e ügen, die die Ei- gen ümlichkei ih es A bei sgebie es ausweis . Dies kann in „de Sache selbs “ beg ünde sein – Sach e hal e unse e na ü lichen, sozialen, geis igen Wel wie Na u o gänge, Sp achen, Kul u en, die Sys eme de sozialen und poli ischen O ganisa ion unse e Gesellscha –, in de P lege on Übe lie e ungen und T adi ionen, in de Gene ie ung on Wissenscha s- und P axiswissen ü wis- senscha sbasie e S udien als Vo be ei ung ü eine spä e e Be u sausübung in selbs e an wo lichen P axen (Leh e , Rich e , Ä z e, höhe e Beam e). Ein- zelnen Wissenscha sg uppen eignen gemeinsame Me hoden de Re lexion und Fo schung, de en S anda ds zum einen die Quali ä des wissenscha lichen Nachwuchses und zum ande n Kon inui ä und Fo sch i inne halb des wis- senscha lichen Pe sonals eine Disziplin siche n hel en. Die Selbs beg ündung dien eine sei s de S abilisie ung eine akademi- schen Disziplin und schü z sie o beliebigen Behaup ungen hinsich lich des Gel ungsbe eichs ih e A bei s elde und Ve an wo lichkei en in Fo schung und Leh e. Ande e sei s muss sie ü neue e En wicklungen anschluss ähig sein, wodu ch sie nach innen o Dogma isie ung schü zen kann (Teno h 1994, S. 43 .). Eine jeweilige Selbs beg ündung is dahe imme eine E appe au einem o enen Weg de Wissenscha sen wicklung, und Um o mulie un- gen – E wei e ungen ode neue Abg enzungen – sind Wi kungen eine Wis- senscha sen wicklung, au die die Disziplin posi i eagie und dadu ch ih en Fo bes and legi imie . Es kann abe auch zu En wicklungen in Fo m on Se- zessionen kommen ode zu on außen anges oßenen dis up i en Ände ungen, wie sie im Fall de Uni e si ä spädagogik sei den 1970e -Jah en zu e zeich- nen sind. Ande e Beispiele sind die „Wande ungsbewegungen“ z.B. de Psy- chologie in die Na u wissenscha en ode die En s ehung de Lebens- bzw. de Humanwissenscha en. Pädagogische Ko espondenz, He 67 | 2023 Ul ich He mann70 Die hie in Rede s ehenden T ans o ma- ionen on de akademischen „Päda- gogik/E ziehungswissenscha “ zu den „Bildungswissenscha en“ sind im deu schen Hochschulbe eich besonde s ma kan , was auch da au zu ückzu üh- en sein dü e, dass hie die disziplinä e Selbs beg ündung de Pädagogik/E zie- hungswissenscha lange Zei besonde s s ingen eingehal en wu de (Ho s e e e al. 2000, S. 7), was o allem au die Aus üh ungen on Wilhelm Fli ne zu- ückzu üh en is ; denn seine „Allgemeine Pädagogik“ mi de Beg ündung ei- nes „pädagogischen G undgedankengangs“ (s.u.) wa bis in die 1960e -Jah e das Leh buch de Pädagogik (W. Fli ne 1983, 1989). Diese T ans o ma ions- p ozess ha eine ihn beglei ende Au me ksamkei e ah en ( gl. z. B. die S u- dien on Die ich Benne 1994), in einem Ausmaß, das hie nich dokumen ie we den kann. Diese Au me ksamkei wu de du ch zwei Vo gänge in ensi ie : du ch die E ablie ung eine Empi ischen Bildungs o schung mi einem ebenso di usen wie hegemonialen Ansp uch au „e idenzbasie e“ Poli ikbe a ung im Bildungswesen (mi de gleichzei igen Folge eine Ma ginalisie ung de aka- demischen Schulpädagogik); und du ch die Ein üh ung de Bezeichnung „Bil- dungswissenscha en“, de en disziplinä e Kon u losigkei , abe zuges andene ins i u ionalisie e Funk ionsmäch igkei das Ve schwinden de „E ziehungs- wissenscha “ als Be u swissenscha de pädagogischen Be u e nach sich zu ziehen im Beg i is . Die olgenden Aus üh ungen möch en als ein Bei ag zu eine Geschich e de uni e si ä en Pädagogik/E ziehungswissenscha gelesen we den, sie ha- ben abe zunächs eine disziplin-poli ische Absich : zu e lek ie en, was die Folgen sind, dass eine „Empi ische Bildungs o schung“ sich on eine „Uni- e si ä spädagogik“ ablös e und le z e e in „Bildungswissenscha en“ ans o - mie wi d. Ein solche P ozess e zeug Gewinne( ) und Ve lus e mi jeweils wei eichenden Folgen, da on sind die olgenden Übe legungen anges oßen wo den. Zu o muss dahe eine Ve s ändigung da übe o geschlagen we den, wie das Ins umen de Selbs beg ündung ausges al e we den kann. Fo o: Sascha Kabel T ans o ma ionen eine akademischen Disziplin als Ze all ih e Selbs beg ündung Pädagogische Ko espondenz, He 67 | 2023 71 II Die Spezi ik de Geis eswissenscha en: ih e Kons i u ion du ch F ages ellungen, Re lexionen und In e p e a ionen Die nach olgenden Übe legungen beziehen sich in einem allgemeine en Sinn au den Be eich de Geis eswissenscha en; denn ih e „Gegens ände“ können zwa auch den Cha ak e de ma e iellen Gegens ändlichkei wie die de Na u wissen- scha en haben, abe die Spezi ik ih e Sach e hal e hinsich lich ih es Sinnes und ih e Bedeu ung e schließ sich e s du ch bes imm e F ages ellungen, Re lexio- nen und In e p e a ionen. Eine Geis eswissenscha und ih e Fo schungsgebie e kons i uie en sich mi hin du ch eine jeweilige Selbs beg ündung: sie en häl die Angabe ih es Gegens andsbe eichs du ch den Ausweis ih e P oblem- und F a- ges ellungen, ih e E kenn nisin e essen und Zielse zungen, ih e me hodischen Vo gehensweisen, un e Ums änden auch de Tä igkei en, die sie anlei en kann (Webe 1982, S. 175 .). Geis eswissenscha en we den dahe auch als he me- neu ische bezeichne (die Geschich s- und his o ischen Sozialwissenscha en, Kuns wissenscha en, die Theologien usw.) bzw. als he meneu isch-p agma isch, wenn sie sich mi Tä igkei sbe eichen beschä igen, de en Gelingensmodali ä en au geklä und du ch Be a ung op imie we den sollen: Soziologie und Poli ik- wissenscha , Psychologie und allen o an die Pädagogik. Wü de diese sich le- diglich als besch eibende „Ta sachen o schung“ e s ehen, wä e sie blind ü den Ums and, dass „Ta sachen“ z. B. au dem Gebie de Pädagogik das E gebnis on In e ak ionen und Wah nehmungen aus Ak eu spe spek i e ode Be ach e zu- sch eibung sind, imme also, wie Max Webe sag e, s ando gebunden du ch eine We -Pe spek i e, also niemals objek i wie in den Na u wissenscha en. Was bedeu e „We “-Pe spek i e ü die Pädagogik? Ein Kind kann Ge- gens and de speziellen F ages ellungen de Pädia ie, de En wicklungspsy- chologie, de Ju isp udenz u.a.m. sein; es können auch e bindende Aspek e zu Gel ung kommen. Dies zeig : „Nich die ‚sachlichen‘ Zusammenhänge de ‚Dinge‘, sonde n die gedanklichen Zusammenhänge de P obleme liegen den A bei sgebie en de Wissenscha en zug unde“ (Webe 1982, S. 166; He - o heb. i. O ig.). Fü die Pädagogik bedeu e die We -Pe spek i e, dass de Blick au dieses Kind nich dabei sein Bewenden ha zu beme ken, was es je z is , d.h. was sein ak uelle En wicklungs- ode Leis ungss and is , sein ak uell e eich es Können ode seine De izi e ode seine Ve nachlässigung. Vielmeh geh es o allem um den Au ag de E ziehungs e an wo lichen, da on aus- gehend die diesem Kind möglichen En wicklungen zu ö de n und zu beglei- en (die g undlegenden Ka ego ien sind die de E ziehungsbedü igkei und de Bildsamkei ): du ch Au o de ung und Anlei ung zu Selbs ä igkei un e Beach ung seine zunehmenden Selbs en wicklung und Selbs bes imm hei . Die Handlungs äume des Pädagogen sind nich nu no mie e An o de un- gen, sonde n auch das Auslo en on Möglichkei en. Da dies nich sel en mi Pädagogische Ko espondenz, He 67 | 2023 Ul ich He mann72 Ve unsiche ung und Fu ch o Schei e n e bunden is , sind Behü ung und S ü zung, E mu igung und Zu e sich , Ve auen und Geduld unabdingba (Bollnow 1965, A. Fli ne 1982). Die Wi klichkei des zu E ziehenden muss imme auch im Lich e seine Möglichkei en gesehen und e s anden we den (Mollenhaue 1983). Ohne die pädagogischen An wo en au die E ziehungs- und Bildungsbedü igkei müss e de he anwachsende Mensch hin e seinen Möglichkei en e kümme n, die menschliche En wicklung is au ö de liche pädagogische Beziehungen und Füh ung angewiesen (Baue 2020). Dies is de nich hin e gehba e G und und die Legi ima ion ü pädagogisches Handeln und pädagogische Ve an wo ung, mi hin auch de sachliche Ausgangspunk ü die Selbs beg ündung de Pädagogik als P axis und Wissenscha . III Wa um Selbs beg ündung? Die Selbs beg ündung eine Wissenscha als uni e si ä e Disziplin ha G ünde, die sich aus de O ganisa ion und dem Selbs e s ändnis de mode nen Uni e - si ä e geben (die de zei an das Ende ih e Epoche, de Humbold schen, ge- kommen is ). Eine Disziplin da nich meh ein ach ein Leh ach inne halb de Be u s akul ä en (Theologie, Ju isp udenz, Medizin) de o mode nen Hohen Schulen sein, sonde n muss sich in de mode nen (Humbold schen) Uni e si ä du ch eine eigene F ages ellung, eine eigene Sys ema ik, eine eigene Beg i - lichkei ausweisen, um eine ane kann e Teildisziplin eine Fakul ä ode ga eine eigene Fakul ä zu bilden. Die akademische Leh e als Wei e gabe on Wissen in den „Be u s akul ä en“ de o -humbold schen Uni e si ä (Theologie, Ju isp u- denz, Came alis ik) wu de in de Humbold schen Uni e si ä umges ell zum einen au Ein üh ung in die G und agen des be e enden Fachgebie s („Bil- dung du ch Wissenscha “), zum ande n au o schendes Leh en und Le nen („Einhei on Fo schung und Leh e“ in de Gemeinsamkei de P o esso en und S uden en) und d i ens die Ve lage ung de p opädeu ischen Uni e si ä s äche (das biennium de a es) an das (nun e wei e e) Gymnasium als Anbahnung on P opädeu ik und S udie ähigkei . Diese du ch Humbold e s mals einge ich e e Philosophische Fakul ä en hiel auch in Fo m de „ a ionellen Philosophie“ die Psychologie und als Teil de P ak ischen Philosophie die Pädagogik, so dass de en E ablie ung als eigens ändige Disziplinen noch lange au sich wa en ließ. Augus He mann Niemeye leg e mi seinen „G undsä zen de E ziehung und des Un e ich s“ on 1796 (1970) die e s e mode ne Konzep ion und Sys ema ik de Uni e si ä spädagogik o , die sich in ih e Zielse zung und Gliede ung an de in Halle benachba en Theologie o ien ie e: Gegens and und G undbeg i e, His o ische, Allgemeine (Philosophische/Theo e ische), P ak ische Pädagogik ( gl. He mann 2007, S. 69). Au schluss eich is , dass Niemeye im Buch i el die Te mini Pädagogik bzw. E ziehungswissenscha e meide – sein Buch wende sich an „El e n, Hausleh e und E ziehe “ –, und T ans o ma ionen eine akademischen Disziplin als Ze all ih e Selbs beg ündung Pädagogische Ko espondenz, He 67 | 2023 79 Angabe zu Thema ik ela i unbes imm is – was kann sich nich alles hin- e de Ein üh ung in die Ä a Adenaue ode hin e Deu schlands langem Weg nach Wes en e be gen? –, weshalb eine Vo ede ode Einlei ung die F ages el- lung(en) und den „ o en Faden“ des We kes e läu e . Sie beg ünde die Pe s- pek i e des Au o s au seinen Gegens and und dien de O ien ie ung des Lese s. Die 1920e -Jah e wa en in de akademischen Pädagogik Jah e de Deba e übe die Eigens ändigkei de Pädagogik als akademische Disziplin, ausge üh on un e schiedlichen philosophischen und wel anschaulichen Posi ionen aus. Wilhelm Fli ne ha als Ch onis und Kommen a o diese Diskussionen de en sel same Ungeo dne hei , Dispa a hei beme k , Abhil e ge o de (He mann 2021, S. 86 .) und sie auch als einzige un e den Zei genossen au seine Weise geleis e . E en wickel e in seine „Sys ema ischen Pädagogik“ on 1933 einen „pädagogischen G undgedankengang“, und dies ha e einen p äzisen G und: Am Beginn seines akademischen Leh am s in Kiel (1926) und Hambu g (1929) muss e es da um gehen, ü ein Leh gebie , ü das es keine sys ema ische Ein- üh ung zu Leh - und S udienzwecken gab, dessen gedankliche und beg i li- che S uk u zu en wickeln (ebd., S. 113): Theo ie und P axis des e ziehe i- schen Handelns, seine Vo ausse zungen und Kon ex bedingungen. Mi seine „Sys ema ischen Pädagogik“ woll e Fli ne einen Bei ag leis en zu Legi ima ion de Pädagogik als eine eigens ändigen akademischen Diszip- lin. Dabei woll e e auch seine pädagogischen E ah ungen aus de Jugendbewe- gung und de Re o mpädagogik einb ingen (Peuke 1992) und – im Dialog mi de Theologie – o allem auch die Eigens ändigkei des pädagogischen Denkens und A gumen ie ens beg ünden, um sie gegen wel anschauliche und poli ische Ve einnahmungen zu schü zen; deshalb muss e de E hik pädagogischen Han- delns eine besonde e Bedeu ung zukommen. Fli ne s Vo bilde wa en Schleie - mache und Dil hey, auch sein Leh e He man Nohl, d.h. die Haup e e e de geis eswissenscha lichen he meneu isch-p agma ischen Pädagogik, in de en di ek e T adi ion Fli ne sich e s and: Wie e s ehen wi das pädagogische Ve - häl nis on He anwachsenden und E wachsenen in eine um assende en Lebens- wel als E ziehungswi klichkei ? Wie bekommen wi einen empi ischen Zugang zu diese Wi klichkei ? Wie können wi ö de lich au sie einwi ken? Dass Fli - ne die Ausa bei ung diese Pädagogik gelang, mach seine besonde e Leis ung und Sonde s ellung im K eise seine maßgebenden akademischen Zei genossen aus (He man Nohl, Theodo Li , Edua d Sp ange , Aloys Fische ; gl. Bollnow 1992). Fli ne s „G undgedankengang“ is selbe pa adigma isch gewo den, wie die E inne ung da an bei Benne (Benne 2015, S. 9) zeig . Fli ne s G undgedankengang (He mann 1992) is eine Möglichkei , die Selbs beg ündung de Pädagogik als Uni e si ä sdisziplin o zunehmen (Übe blick: He mann 1992, S. 35 ., 39; 2021, S 112 .): die kons i u i en pä- dagogischen ie „Sich weisen“ au den Menschen zu E schließung des pä- dagogischen Feldes mi jeweils spezi ischen F ages ellungen (Fli ne 1983, Sys ema ische Pädagogik, S. 46 .). Pädagogische Ko espondenz, He 67 | 2023 Ul ich He mann80 Die ie Sich weisen zu E schließung des pädagogischen Feldes „Von außen und om Einzelnen he gesehen: […] mi dem Wachs umsp ozess e - bundene En al ung des Na u wesens Mensch zu Anpassung an die Lebensbedin- gungen. Von außen und gesellscha lich gesehen […] kul u elle Eino dnungsp ozess […] bis zu sozialen Mündigkei . Von innen gesehen und on de geschich lichen Sei e […] geis ige E weckungsp o- zess als Höhe üh ung […] im geis igen Ve keh […] und zu P oduk i i ä in den geis igen G und ä igkei en […]. Von innen gesehen und on de pe sonalen Exis enz des Menschen […] um das Si - liche wissen und dem Glauben e schlossen […].“ Die konk e en Kon ex e diese menschlichen En wicklungs-, Le n- und Bil- dungsp ozesse sind – pädagogisch gewende – (1) die E ziehungsgemeinscha - en mi ih en jeweiligen pädagogischen Idealen, P axen und Ein ich ungen, (2) die E ziehungsmäch e (El e n, Leh e , E ziehe , Geis liche, die pädagogi- schen Ins i u ionen) und (3) die Sinngehal e de kul u ellen Übe lie e ungen als E ziehungs- und Bildungsziele (ebd., S. 55 .). Da aus e gib sich (als eine Möglichkei ) olgende G undgedankengang ü das Feld des pädagogischen Handelns (ebd., S. 56, s. Schema). Die pädagogischen Ka ego ien on E ziehung und Bildung als P ozess die handelnden Pe sonen Sei e des Zöglings Sei e des E ziehe s Bildsamkei e ziehe ische In en ion Tun und Geschehen selbs Sei e des Zöglings Sei e des E ziehe s Bildungsp ozess pädagogische Weg und Me hode We k und E gebnis des Tuns und Geschehens Sei e des Zöglings Sei e des E ziehe s Bildung als inne e Ges al Zielse zung (E weckung, Mündigkei ) T ans o ma ionen eine akademischen Disziplin als Ze all ih e Selbs beg ündung Pädagogische Ko espondenz, He 67 | 2023 81 Fli ne s Analyseschema de ie Sich weisen soll e – auch nach Au assung ih es U hebe s – ehe als Heu is ik gelesen we den und wenige als Sys ema- ik; denn jede Pe spek i e s eh ü sich, wei e e könn en hinzu e en, wäh- end die Ka ego ien a el ( gl. Schema) die Ab olge zweie s ingen e Hand- lungss änge en häl . Fli ne üh keine De ini ionen ein, sonde n Ka ego ien, inne halb de e Ideal ypen pädagogisch wi ksame Handlungen, Ve häl nisse und Ins i u ionen gebilde we den können, die ü un e schiedliche konk e e Kons ella ionen o en sind. Exku s: e wand e Ansä ze Fli ne s „G undgedankengang“ wa neu und o iginell, und e e wies sich an- schluss ähig ü zahl eiche his o ische, soziologische und psychologische F ages ellungen und Fo schungse gebnisse mi Rele anz ü E ziehung und Bildung. Das lag au de Linie, die Dil heys Pädagogik o gezeichne ha e (Dil hey 1960, S. 190 .; He mann 1971, S. 129 .): die G undlage de päda- gogischen analy ischen Re lexion is die „Desk ip ion des E ziehe s in seinem Ve häl nis zum Zögling“ (Dil hey 1966, S. 190 .), skizzie in einem „Sys- ema ischen Teil“ (ebd., S. 179 .): Analysis on Einzel o gängen und de en Kausalzusammenhängen (Psychologie/An h opologie, S a is ik, Geschich e); Ablei ung on ideal ypischen No men und Zielen; Analyse und (his o ische ) Ve gleich de Ins i u ionen ü E ziehung und Bildung. Fli ne ha e einen ande en, klassischen G undgedankengang o ge unden: in Pes alozzis „Nach o schungen“ on 1797 (Fli ne in Pes alozzi 1961, S. 7): de Mensch als We k de Na u , seine selbs und de Geschich e (ebd., S. 94, 144 ., 150 ., 174 .; zusammen assend: S. 187 ., 218 .). Diesen G undge- dankengang ha Fend seine „En wicklungspsychologie des Jugendal e s“ zu- g unde geleg au g und „eine/ übe aschende(n) Koinzidenz [de mode nen in e disziplinä en En wicklungspsychologie, UH] mi eine al en Vo s ellung on den ‚En wicklungsmäch en‘ de Humangenese, die Pes alozzi be ei s in seinen ‚Nach o schungen‘ o mulie ha e“ (Fend 2000, S. 22). Ein G undgedankengang e gäbe sich ü die Pädagogik, wenn sie Kan s Posi ion aus üh en wü de: de Mensch muss disziplinie , kul i ie , zi ilisie und mo alisie we den (Kan 1964, S. 706 .). Bei Schleie mache e gib sich ein di e enzie e Bauplan de E ziehung in Theo ie und P axis (Schleie ma- che 1959, beigebundene Fal a el om He ausgebe E ns Lich ens ein), dis- ku si in de Einlei ung zu Schleie mache s Vo lesungen on 1826 zu eine „E ziehungskuns “ (Schleie mache 2000). Schleie mache e nein die Mög- lichkei eine „allgemeingül igen Pädagogik“ (ebd., S. 21), weil de P ozess de E ziehung an menschliche Tä igkei un e ih en jeweiligen Bedingungen gebunden is , was abe nich bedeu e , dass diese Tä igkei nich in o malen Beg i en ge ass we den kann: Gewäh enlassen und Behü en, Gegenwi kung und Un e s ü zung (ebd.,, S. 72 .). Pädagogische Ko espondenz, He 67 | 2023 Ul ich He mann82 De „Allgemeine Teil“ de Schleie mache schen Vo lesungen on 1826 kann auch – das zeig das Beispiel des Fli ne schen G undgedankengangs – als „Allgemeine Pädagogik“ gelesen we den. Diese is als Heu is ik de sys ema i- sche O de Theo e ischen Pädagogik, in de en Beg i en sich die E ziehungs- wissenscha e lek ie und kons i uie . Fli ne ha e seine e s e Ausa bei ung wohlbedach „Sys ema ische Pädagogik“ benann und konn e sie ohne inhal li- che Umakzen uie ung als „Allgemeine Pädagogik“ e scheinen lassen. Ein ande e Ansa z – nu in The- sen o mulie – is bis heu e als solche kaum wah genommen wo den: de je- nige on Sieg ied Be n eld in dessen „Sisyphos ode Die G enzen de E zie- hung“ on 1925 (Be n eld 2013). Be n- eld misch sich in die zei genössischen Deba en übe die „G enzen de E zie- hung“ (Dudek 1999) mi dem Ziel ein, de Pädagogik als Wissenscha on de P axis im Umgang mi he anwachsen- den jungen Menschen eine empi ische G undlage zu geben, unabhängig on no ma i en Vo ausse zungen wie Men- schenbild, Mo al, kul u elle Kon en ionen u. dgl. meh . Ausgangspunk allen pädagogischen Denkens müsse die biologische „on ogene ische pos na ale En wicklung“ des Menschen sein, wodu ch E ziehung als Reak ion au diese Ta sache „un e meidlich als soziale Ta sache gegeben“ sei (Be n eld 2013, S. 46;)3: E ziehung is [auch] eine Funk ion de Gesellscha (Dil hey 1960, S. 192). Biologisch und sozial gesehen be inde sich de Mensch zunächs on Gebu an in eine symbio ischen Einbindung in die Paa beziehung on Mu - e und Va e , und spä e is e unweige lich eingebunden in die Zwänge und Chancen seine sozialen Lage, seines He kun smilieus: „Kindhei in Gesell- scha “. Fü das Ve s ändnis diese En wicklungs a sachen sind die Einsich- en zum einen on Sigmund F eud, zum ande n on Ka l Ma x g undlegend (Be n eld 2013, S. 46 .): z.B. im Hinblick au T ieb egula ion ( gl. dazu sein Buch übe das Kinde heim Baumga en, Be n eld 2012) und au die Rep o- duk ion de Klassenlage und de sozialen Ungleichhei (dazu sein Buch übe „Die Schulgemeinde und ih e Funk ion im Klassenkamp “, Be n eld 2016). Von diesen Posi ionen aus – de „Ta bes andsgesinnung“ (Be n eld 2013, S. 19) bezüglich des pädagogisch Möglichen und E eichba en – lasse sich das ä ge - liche De izi de Unwissenscha lichkei de he schenden Pädagogik beheben: du ch die „Ra io nalisie ung de E ziehung“ (ebd., S. 21), d.h. die Beach ung eine Zweck-Mi el-Ra ionali ä (im Sinne Max Webe s) des e ziehe ischen Handelns inne halb ih e g undlegenden Funk ionen (ebd. passim), die sie als 3 Vgl. hie zu auch die Aus üh ungen zu Soziali ä bei Bellmann 2016. Fo o: Sascha Kabel T ans o ma ionen eine akademischen Disziplin als Ze all ih e Selbs beg ündung Pädagogische Ko espondenz, He 67 | 2023 83 solche nich ände n kann. – Be n eld ging es nich , wie Fli ne , in kons uk i- e Absich um die Aus o mulie ung eines sys ema ischen „G undgedanken- gangs“, sonde n um eine polemische S ei sch i . Ve gleichba e Ein üh ungen in pädagogisches Denken und Handeln wie die Wilhelm Fli ne s gab es auch in ande en Disziplinen, als Beispiel sei hie die „Ein üh ung in die Poli ische Wissenscha “ (1965) on O o Hein ich on de Gablen z ange üh . Auch sie en s and aus dem Bedü nis, dem Fach eine leh ba e Ges al zu geben, ausgehend nich on heo e ischen Übe legungen, sonde n „ on de o wissenscha lichen E ah ung“ he , je z un e spezi i- schen F ages ellungen „des Poli ischen“ (ebd., S. 11 .), d.h. in de Pe spek i e de e s ehenden Rekons uk ion eines Handelns, dem wi poli ische Bedeu- ung zumessen. Es kann nich übe aschen, dass on de Gablen z sich dabei au Johann Gus a D oysen und Max Webe be u (ebd., S. 13) und dessen Me hode de Bildung on Ideal ypen (ebd., S. 14 .). VIII Vom „G undgedankengang“ zu „disziplinä en Ma ix“ De Hinweis au D oysen läd dazu ein, die E ö e ung on G undgedanken- gängen zu e lassen. Denn sie en sp ingen jeweiligen Kons ella ionen de wissenscha lichen E ah ung und Re lexion, dem wiede um ih e Ka ego ien und Beg i e en sp echen. Sie beziehen sich au eine zei geschich lich be- s imm e Agenda wissenscha liche und lebensp ak ische He aus o de ungen und de en Bedeu ung, mi de en Wandel ode Ve schwinden we den sie selbe obsole : sie e lie en ih e O ien ie ungs- und Legi ima ions unk ion. Übe - his o isch gesehen bleib nu , wie Be n eld in seinem Sisyphos (1925/2013) o mulie e, z. B. die Si ua ion des Neugebo enen als biologische und soziale „En wicklungs a sache“ zu be ach en, au die eagie we den muss. Da au muss mi eine ande en A gumen a ions igu gean wo e we den, die nich den inhal lichen Vo gaben eines G undgedankengangs olg (ohne dessen g undlegende heu is ische und he meneu ische Bedeu ung in F age zu s el- len), sonde n im Sinne Max Webe s den Zusammenhang on Denken und Handeln in den Sinnkon ex en de Lebenswel zu e hal en. Dazu bie e sich mi de Figu de „disziplinä en Ma ix“ eine A gumen- a ionss a egie an, eine O dnung on F ages ellungen und Themen, Wissen- scha s-, Fo schungs- und P axisgebie en, die sich in de Selbs beg ündung on Wissenscha (auch de o malen und de Na u wissenscha en) als e olg eich e wiesen ha ; u sp ünglich on Thomas S. Kuhn (1967/2020) als Lei aden in die Wissenscha sgeschich e einge üh (und spä e du ch die Bezeichnung „Pa adigma“ e se z ). Fü den Be eich de Geis eswissenscha en wi d da ü hie die Geschich swissenscha in de maßgeblichen Konzep ion on Jö n Rü- sen he angezogen (Rüsen 1983, 1986, 1989). Pädagogische Ko espondenz, He 67 | 2023 Ul ich He mann84 Fün Fak o en bilden den Zusammenhang des his o ischen Denkens (Rü- sen 1983, S. 24 ., s. Abb. 2): 1. O ien ie ungsbedü nisse in de Lebenswel , E kenn nisin e esse ü de en Ve s ändnis, E klä ung heischende P obleme 2. Sinnk i e ien, We ideen (No men) zu E schließung und O dnung de so- zialen Wi klichkei 3. Me hoden de Fo schung zu Gewinnung on e lek ie en Einsich en 4. Fo men on de en Da s ellung 5. Daseins- und Handlungso ien ie ung. Diese ün Fak o en s ehen in einem Wechselwi kungs- bzw. Ve u sachungszu- sammenhang und lassen sich au die Pädagogik übe agen, die sich ja eben alls du ch den Du chgang du ch diese ün Fak o en/Dimensionen kons i uie : ausgehend on o - und auße wissenscha lichen lebenswel lichen E ah un- gen bis hin zu Leh e und Be a ung. Jede diese Dimensionen kann ü sich bea bei e we den, zusammen e geben sie die „Sys ema ik“ eines Leh buchs. Diese Vo gehensweise kann auch ande s beg ünde und o mulie we - den, nämlich du ch den Bezug au die un e schiedlichen Wissens o men und Abb. 1: Rüsen 2013 zi . nach Sandkühle 2018, S. 124 T ans o ma ionen eine akademischen Disziplin als Ze all ih e Selbs beg ündung Pädagogische Ko espondenz, He 67 | 2023 85 - unk ionen in jenen p agma ischen Wissenscha en, die Theo ien imme auch im Lich e on mögliche P axis e lek ie en. Dann geh es z.B. in de Pädago- gik um G undlagen-, E klä ungs-, Beg ündungs-, Kon ex -, O ien ie ungs- und Handlungswissen ( gl. auch Reichenbach 2017; zu Me hodik gl. Paschen 1992, S. 145 .), ü die Leh e ausbildung um Kompe enzen, de en Aneignung in de Ausbildung e möglich we den soll: „Zugänge e ö nen, F ages ellungen en wickeln, P oblembewuss sein anbahnen, O ien ie ung ö de n, P oblemlö- sungen e p oben“ (Po sdame Modell 1992, S. 3, 9, 14, 30; mi diese In en ion KMK 2004, S. 7 .). S eh hie die P agma ik des meh dimensionalen Leh - am ss udiums im Zen um, is eine disziplinä e Selbs beg ündung e wa als Be- u swissenscha übe lüssig, weil sich die he e ogenen Module eines solchen S udiums du ch ih en spezi ischen kons uk i en Bei ag legi imie en müssen. We den einzelne Dimensionen des Rüsen‘schen Schemas e selbs ändig , lös sich de eine Pädagogik kons i uie ende Zusammenhang de Fak o en, d. h. das Fach selbe , au ; z. B.: Bemühungen un e 2. zei igen nü zliche Beg i s- und Be eichsklä ungen, abe meh nich , wenn sie nich Zugewinne un e 3. bis 5. bewi ken; un e 3. en s eh eine „Ta sachen o schung“ (auch in de heu igen Fo m de sog. Empi ischen Bildungs o schung, die alles Mögliche e o sch , abe nich „Bildung“ und ih e P ozesse) und Ge ah läu , ih e „Da en“ unk i- isch a i ma i als „pädagogische Wi klichkei “ zu behaup en; un e 4. inden sich unau hö lich lediglich p axeologische „Ein üh ungen in …“; un e 5. is dann die Tü zu unk i ischen wel anschaulichen Beliebigkei geö ne . – Dies is de G und da ü , dass Benne da an e inne e, dass de „G undgedanken- gang“, die „disziplinä e Ma ix“ nich in Ve gessenhei ge a en da , weil dies ein Iden i ä s i endes (und ansdisziplinä es) Selbs e s ändnis „des Faches“ in Ge ah b ing . Wissenscha sen wicklung kann auch Selbs au lösung und T i ialisie ung bedeu en: „Die Wissenscha en ze s ö en sich au doppel e Weise selbs : du ch die B ei e, in die sie gehen, und du ch die Tie e, in die sie sich e senken.“ – wuss e schon Goe he (Maximen und Re lexionen N . 402). IX Pädagogik/E ziehungswissenscha – Empi ische Bildungs o schung – Bildungswissenscha en: eine Disziplin lös sich au Welche Disziplin, welches „Fach“ is hie gemein ? Es is die bis in die 1970e - Jah e übliche Uni e si ä spädagogik, die sich sei he in meh e e Rich ungen e ände e: E s ens du ch eine genaue e Klä ung des Un e schieds on Pädagogik und E ziehungswissenscha , die bishe in de Regel synonym geb auch wu den, wodu ch abe de Un e schied, den die Beg i e signalisie en, un e schlagen wu de. Pädagogische Ko espondenz, He 67 | 2023 Ul ich He mann86 Zwei ens du ch eine E wei e ung in ein Konglome a on E ziehungswiss- senscha en (Plu al) mi eine Einbeziehung un e schiedliche pädagogische Themen, Be u s elde und F ages ellungen, die zumeis mi E ziehung im en- ge en Sinne ga nich s zu un haben: die Sozialpädagogik (Be a en und Hel en), die E wachsenenbildung (Ve mi eln und Aneignen), In eg a ion und Inklusion, gende s udies und dgl. meh . D i ens du ch eine Eng üh ung au eine Empi ische Bildungs o schung (mi s a ke Be onung, weil disziplinä e He kun aus de Le npsychologie), die im Wesen lichen mi g oßem inanziellen und pe sonellen Au wand (in e - na ional und na ional) e gleichend Schulleis ungs- und Sozialda en zusam- men äg und bilanzie , ohne das Zus andekommen de e mi el en Leis ungen und de en Spezi ika e klä en zu können – ode auch nu zu wollen! In Anspie- lung au Habe mas (1968): E kenn nis ohne In e esse? Vie ens in „Bildungswissenscha en“, die ein Konglome a on Wissen- scha en (ode de en Teilbe eichen) en hal en, die p inzipiell lediglich eine Umbenennung de „E ziehungswissenscha en“ da s ellen, hie okussie au die ü wich ig gehal enen Bes and eile eine „Be u swissenscha “ on Leh- e n, E ziehe n und in sozialpädagogischen Be u en Tä igen. Zu (1): „Von de Pädagogik zu E ziehungswissenscha “ Dass de Te minus Pädagogik e ymologisch eine Kuns leh e de Menschen üh- ung im Kindes- und Jugendal e bedeu e und doch an Uni e si ä en geleh wu de ( gl. Schleie mache 1826), ha do lange Zei niemanden ges ö , da es sich um die Wei e gabe on P axiswissen ü angehende Leh e (und E zie- he ) handel e, analog zu Chi u gie, die in p axi Kuns handwe k wa und is , ode wie im Rahmen de Theologie die Ka eche ik und Homile ik. Theologie kann keineswegs wede nu Dogma ik meinen noch in Religionswissenscha au gehen – wo bliebe z.B. die Bibelwissenscha , die Tex k i ik/-he meneu ik; wie soll e ein angehende P a e le nen, das Wo Go es zugleich ex - und sinnk i isch auszulegen und au die Lebenswel de Menschen heu e zu bezie- hen? Pädagogik wa und is e was genuin ande es als E ziehungswissenscha , nämlich Re lexion eine P axis, inne halb de e die E ziehungswissenscha Theo ie, Geschich e und empi ische Fo schung beacke . De on Wol gang B ezinka gewähl e Buch i el „Von de Pädagogik zu E ziehungswissnscha “ (1971) sugge ie einen Wandel „ on – zu“, was abe a sächlich ga nich in endie ode gemein is . B ezinkas Anliegen wa es lediglich da zulegen, dass sich un e dem Obe beg i „Pädagogik“ un e - schiedliche Aussagensys eme e be gen, die man – je nach E kenn nisin e esse – unlichs me a heo e isch auseinande häl : Theo e ische (und His o ische) E ziehungswissenscha , Philosophie de E ziehung (inkl. E hik) und P ak i- sche Pädagogik. Wissenscha s heo e isch o ien ie e B ezinka sich dabei an Hans Albe und dessen Posi ion des K i ischen Ra ionalismus im Ge olge on Ka l Poppe . Sachlich blieb B ezinka de Geis eswissenscha lichen Pädagogik T ans o ma ionen eine akademischen Disziplin als Ze all ih e Selbs beg ündung Pädagogische Ko espondenz, He 67 | 2023 87 und ih en zei genössischen Haup e e e n (Nohl, Wenige , Fli ne , Bollnow) e p lich e (B ezinka 1971, S. VII .). Es handel sich also um eine me a heo- e ische disziplinin e ne Klä ung. Deshalb is auch die F age au gewo en wo - den, ob es nich auch Wege zu ück on diesem Ve s ändnis on E ziehungswis- senscha zu Pädagogik geben könne und müsse (Pollak/Heid 1994), weil die Spezi ik pädagogischen Handelns – o allem die si ua i en in e subjek i en Beein lussungen in Beziehungen – nich in den Ka ego ien de Zweck-Mi - el-Ra ionali ä des K i ischen Ra ionalismus zu eichend e ass we de (Heid 1994, poin ie A nold 2009). Zu (2): Die Gegens ands- und A bei s elde de E ziehungswissenscha en (Plu al) Die „Kon e enz de Uni e si ä spädagogen“, aus de die Deu sche Gesellscha ü E ziehungswissenscha he o ging, disku ie e 1966 die Lage de Uni e - si ä spädagogik und den Plan de „Ein üh ung eine Diplomp ü ung als eine akademischen Abschlussp ü ung in de E ziehungswissenscha “ (Scheibe 1966). Ziel soll e sein, „in de inie en Leh gängen kla zus ellen, was Pädago- gik zu s udie en in conc e o übe haup heiß “ (Hein ich Ro h zi . nach ebd., S. 270. Die „Rahmeno dnung ü die Diplomp ü ung in E ziehungswissen- scha “ wu de on de KMK 1969 beschlossen und e ö en lich . Zum Vo - diplom wa das S udium de E ziehungswissenscha , Psychologie und Sozio- logie nachzuweisen, zum Haup diplom in eine de S udien ich ungen Schule, Sozialpädagogik und Soziala bei , E wachsenenbildung und auße schulische Jugendbildung, Be iebliches Ausbildungswesen, Sonde pädagogische Ein- ich ungen. Diese bewuss unscha gewähl e Te minologie besag e, dass es sich um Be u s elde handel e und dass eine Quali izie ung in E ziehungswis- senscha en gegen den u sp ünglichen Absich en ge ade nich meh o gese- hen wa . E läu e ungen ö ne en die Wege zu zahllosen o sspezi ischen Ange- bo en, so dass on „de inie en Leh gängen“ bis heu e keine Rede sein kann. En gegen de Übe sch i diese Diplomo dnung scha e sich die E ziehungs- wissenscha als disziplinä e Ke n on pädagogischen Be u swissenscha en selbe ab. Zu (3): Das Au kommen de Empi ischen Bildungs o schung Hin e g und ü das Au kommen de Empi ischen Bildungs o schung is die Au o de ung zu da enbasie e Poli ikbe a ung (Di on 2011, G äsel 2011), die in den Re o mp ozessen, die de Deu sche Bildungs a sei 1965 anges oßen ha e, mi misslichen Folgen nich zu Ve ügung s and; das soll e sich mi PISA nich wiede holen (Reinde s e al. 2011b, S. 9 .). Man wi d dahe keine Bei- äge eine Bildungs o schung e wa en, die diese Bezeichnung du ch die Ana- lyse on Bildungsp ozessen ech e igen wü den ( gl. Reinde s e al. 2011). Das is au g und de En s ehungsgeschich e nu konsequen . Konsequen is dann auch, wenn es ges ell wi d, dass – zum einen – die Empi ische Bildungs- Pädagogische Ko espondenz, He 67 | 2023 Ul ich He mann88 o schung „in ih en Inhal en wenig kla um issen is “ (Reinde s e al. 2011b, S. 9) und diese Fo schungs ich ung – zum ande n – „sinn oll“ nich de E zie- hungswissenscha zuzu echnen is , weil sie me hodologisch an Psychologie und Soziologie o ien ie is (G äsel 2011, S. 24 .). Gleichwohl we den in ei- nem A emzug als „Gegens andsbe eich“ de Empi ischen Bildungs o schung „die Vo ausse zungen, P ozesse und E gebnisse on Bildung übe die Lebens- spanne, inne halb und auße halb on (Bildungs-)Ins i u ionen“ genann (P ezel zi . nach ebd.). Ein solches Hyb id-P og amm is jedoch au g und seine Un- bes imm hei und G enzenlosigkei is nich einlösba . Es dien o ensich lich nu de Be ö de ung und Legi imie ung o schungspoli ische In e essen, ohne heo iek i ische Basis Dass pädagogische Re lexion und P axisanlei ung übe indi iduelle bzw. kollegiale E ah ungen hinaus auch ande wä s gewonnene und gesiche e In o ma ionen beda – sei es empi isch gewonnene „Da en“ ode e iden e „Einsich en“ – s eh auße F age: ande s is eine e olg eiche Be u sp axis z. B. bei Leh pe sonen, Ä z en, Psychologen ga nich möglich, also übe all do , wo die Tä igkei eine im eigen lichen Sinne des Beg i s P axis bedeu e : das Bewi ken und nich das He s ellen on e was. Es gil dahe eine ausschlagge- bende Bedingung: diese Da en und Einsich en müssen p axis ele an sein, d. h. sie müssen nich nu dem E kenn nisin e esse olgen, e was „ es s ellen“ (und möglichs e klä en) zu wollen, sonde n sie müssen einem dami e bundenen P axisin e esse dienen: wie man zum Zwecke de Ve besse ung pädagogische P axis Da en e heb und Emp ehlungen o mulie . Die Ge ah bes eh da in (Bi ne 1969), dass die empi ische Fo schung die komplexe E ziehungswi k- lichkei bzw. die Ve loch enhei en de Fak o en in E ziehungs- und Bildungs-, Leh - und Le np ozessen in A e ak e ze leg , de en E mi lung übe die Wi k- lichkei kaum noch e was aussag (G uschka 2016, S. 52). Nun kann man mi Rech eklamie en, dass Fo schung un e meidlich Komplexi ä s eduk ion e lang . Dann muss abe auch zuges anden we den, dass A e ak e (wie z. B. die heu e üblichen Me kmale „gu en Un e ich s“ wie „kogni i e Ak i ie ung“ u.dgl.) womöglich au e kennba e De izi e eine P axis e weisen, abe bei de P oblembea bei ung nich wei e hel en, weil de en U sachen e s noch zu e mi eln sind, womi sich dann e s die sachlichen Aspek e de P oblembea - bei ung he auss ellen. Denn „kogni i e“ Ak i ie ung kann sich au alles Mög- liche beziehen – In e esse, Au me ksamkei , Nachdenken – und „Ak i ie ung“ läss sich au seh un e schiedliche Weise inszenie en. Und was is , wenn sich de „absen e“, passi e Schüle als in ensi e Zuhö e und e olg eiche Le ne e weis – was die Fo sche nich mal ahnen können, wenn sie ihn nich be agen. Ku zum: Wie wi d siche ges ell , dass die Bildungs o sche dasjenige e ah en, was zu e o schen sie o geben? Hie is o allem au die Bei äge on Helmu Heid zu e weisen, dass die Empi ische Bildungs o schung on Vo ausse zungen ausgeh , die den Cha- ak e on Ve mu ungen haben (sie mögen im Kon ex ih e me hodologischen T ans o ma ionen eine akademischen Disziplin als Ze all ih e Selbs beg ündung Pädagogische Ko espondenz, He 67 | 2023 95 Jah en. In: Dies. e al. (H sg.): Kul u en de Leh e bildung in de Sekunda s u e in I alien und Deu schland. Bad Heilb unn, S. 212-224. Dies. e al. (2010): En koppelung on Leh e bildung und E ziehungswissenscha . Von de E ziehungswissenscha zu Bildungswissenscha . In: E ziehungswissen- scha , He 41, S. 43-66. Damme , Ka l-Heinz (2022): Theo ien in den Bildungswissenscha en. Opladen/S u - ga . Dil hey, Wilhelm (1958): Übe die Möglichkei eine allgemeingül igen pädagogischen Wissenscha . Gesammel e Sch i en, Bd. VI. Gö ingen, S. 56-82. De s. (1960): Pädagogik. Geschich e und G undlinien des Sys ems. Gesammel e Sch i - en, Bd. IX. Gö ingen. De s. 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