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Tiergestützte Interventionen und Human-Animal Studies. Eine theoretische Einbettung und empirische Pilotierung des Einsatzes von Pferden in pädagogisch-therapeutischen Kontexten unter transdisziplinärer Berücksichtigung ethologischer Erkenntnisse sowie mikrosoziologischer Bezugstheorien

Braun, Theresa Franziska

Abstract

Gießen : VVB Laufersweiler 2025, 500 S. - (Dissertation, Justus-Liebig-Universität Gießen, 2025) Pädagogische Teildisziplin: Empirische Bildungsforschung; Sozialpädagogik; als elektronischer Volltext verfügbar

Full text

Braun, Theresa Franziska Tiergestützte Interventionen und Human-Animal Studies. Eine theoretische Einbettung und empirische Pilotierung des Einsatzes von Pferden in pädagogisch-therapeutischen Kontexten unter transdisziplinärer Berücksichtigung ethologischer Erkenntnisse sowie mikrosoziologischer Bezugstheorien Gießen : VVB Laufersweiler 2025, 500 S. - (Dissertation, Justus-Liebig-Universität Gießen, 2025) Quellenangabe/ Reference: Braun, Theresa Franziska: Tiergestützte Interventionen und Human-Animal Studies. Eine theoretische Einbettung und empirische Pilotierung des Einsatzes von Pferden in pädagogisch-therapeutischen Kontexten unter transdisziplinärer Berücksichtigung ethologischer Erkenntnisse sowie mikrosoziologischer Bezugstheorien. Gießen : VVB Laufersweiler 2025, 500 S. - (Dissertation, Justus-Liebig-Universität Gießen, 2025) - URN: urn:nbn:de:0111-pedocs-344660 - DOI: 10.25656/01:34466; 10.22029/jlupub-20242 https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0111-pedocs-344660 https://doi.org/10.25656/01:34466 Nutzungsbedingungen Terms of use Dieses Dokument steht unter folgender Creative Commons-Lizenz: http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/deed.de - Sie dürfen das Werk bzw. den Inhalt unter folgenden Bedingungen vervielfältigen, verbreiten und öffentlich zugänglich machen: Sie müssen den Namen des Autors/Rechteinhabers in der von ihm festgelegten Weise nennen. Dieses Werk bzw. dieser Inhalt darf nicht für kommerzielle Zwecke verwendet werden und es darf nicht bearbeitet, abgewandelt oder in anderer Weise verändert werden. 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Kontakt / Contact: pe DOCS DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation Informationszentrum (IZ) Bildung E-Mail: [email protected] Internet: www.pedocs.de Aufs Grüne aufzentrieren und 1mm nach R verschieben VVB LA UFERSWEILER VERLA G ST A UFENBERGRING 15 D -35396 GIESSEN T el: 0641-5599888 F ax: -5599890 r edaktion@doktor v erlag .de w w w .doktor v erlag .de V VB L A UFERSWEILER VERL A G édition scientifique 9 7 8 3 8 3 5 9 7 2 3 0 8 ISBN: 978 3 8359 7230 8 - - - - V VB Graphic front cover: © Ali @ stock .adobe .com THERESA FRANZISKA BRAUN In den speziesübergreifenden Interaktionen in der Triade der tiergestützten Interventionen zeigen sich unterschiedliche Interaktionsmuster. Die beteiligten Akteure „pferdegestützte Fachkraft-Pferd-Ziel- gruppe“ bewegen sich auf einem Kontinuum zwischen aktivem und passivem Handeln. Die Analyse dieser Interaktionsmuster erfolgt inter- und transdisziplinär aus pädagogisch-therapeutischen, mikrosoziologischen, ethologischen sowie veterinär- medizinischen Perspektiven. Daraus entsteht ein multiperspektivischer Blick auf tiergestützte Interventionen, der auch die Tiere selbst mit einbezieht. VVB LA UFERSWEILER VERL A G édition scientifique THERESA FRANZISKA BRAUN Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades (Dr. phil.) des Fachbereichs Sozial- und Kulturwissenschaften an der Justus-Liebig-Universität Gießen Tiergestützte Interventionen und Human-Animal Studies – Eine theoretische Einbettung und empirische Pilotierung des Einsatzes von Pferden in pädagogisch-therapeutischen Kontexten unter transdisziplinärer Berücksichtigung ethologischer Erkenntnisse sowie mikrosoziologischer Bezugstheorien Graphic back cover: © Author VVB VERL A G UND HUMAN-ANIMAL STUDIES TIERGESTÜTZTE INTERVENTIONEN XSJUUFOQFSNJTTJPOPGUIF"VUIPSPSUIF1 VCMJTIFS  QIPUPDPQZJOH SFDPSEJOHPSPUIFSXJTFXJUIPVUUIFQSJPS JOBOZG PSNPSCZBOZNFBOT FMFDUSPOJDNFDIBOJDBM SFQSPEVD FETUPS FEJOBSFUSJFWBMTZTU FNPSUSBOTNJUUFE  "MMSJHIUTSFTFSWFE/PQBSUPGUIJTQVCMJDBUJPONBZCF +FEF 7FSXFS UVOHJTUPIOFTDISJGUMJDIF;VTUJNNVOHEFS"VUPS JO  PEFSEFT 7FSMBHFTVO[VMÊTTJH %BTHJMUJOTCFTPOEFSFGàS 7 FS WJFMGÊMUJHVOHFOÃCFSTFU[VOHFO.JL SPW FS GJMNVOHFO VOEEJF&JOTQFJDIFSVOHJOVOE 7FSBSCFJUVOHEVS DI FMFLUSPOJTDIF4Z TUFNF "VGMBHF  1SJOUFEJO(FSNBOZ ª  CZ 7 7#-" 6'&348&*-&37&3-" ((JFTTFO TU  &EJUJPO  Das Werk ist in allen seinen T eilen urheberrechtlich geschützt. Die rechtliche V erantwortung für den gesamten Inhalt dieses  Buches liegt ausschließlich bei de  Autor  dieses Werkes. 77#  - " 6'&348&*-&3  7&3-"( 45 "6'&/#&3(3*/((*&44&/(&3. 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1809-1882). ϯ  1 Einleitung ...................................................................................................... 8 1.1 Forschungs stand und inha ltliche Bezugspunkte der Arbe it ...................................... 9 1.2 Relevan z, Zielsetzu ngen und Ausr ichtun g .................................................................14 1.3 Inhaltl icher Au fbau der Arbe it .....................................................................................16 2 Mensch und Tier – eine theoretische Betrach tung von Human-An imal Studies, Sozio logie und tiergestütz ten Interventionen .............................. 19 2.1 Die Human -Animal Studies ..........................................................................................20 2.1.1 Grundlegende Inhalte ..................................................................................................20 2.1.2 Bezugswissenscha ften ................................................................................................23 2.1.3 Aktuelle Entwicklun gen ................................................................................................26 2.1.4 Zwischenfazit ...............................................................................................................30 2.2 Soziolog ie als Bezugswissensch af t der Human-Animal Stud ie s ..............................31 2.2.1 Wa rum klam mert(e ) die Soziol ogie Tiere bis her aus? ..................................................32 2.2.2 Wa rum können und sollten Ti ere in die Soz iologie einbezogen werden? .....................35 2.2.2.1 All gegenw ärtigke it von Tie r en und ihre Bedeutung für den Mensch en ......................35 2.2.2.2 Einb ezug (ve rhalten s-)biolo gische r Erkenn t nisse zu Tieren ......................................39 2.2.3 Welche soziologische n Anknüpfungspun kte an die Hu man -Animal Studies gibt es bisher? .............................................................................................................................. ...47 2.2.3.1 Pioni ere für die Betrach tung vo n Tieren in der S oziologie .........................................47 2.2.3.2 Überblick zu Fo rschungsschwerpunkten d er Soziologie im Kontext der Human - Ani mal S tudie s ................................................................................................................ .....49 2.2.4 Zwischenfazit ...............................................................................................................59 2.3 Das P raxisfeld der t ierge stützte n Interven tion ...........................................................61 2.3.1 Definitionen und begriffliche Abg renzungen .................................................................62 2.3.2 Einsatzbe reiche, H andlu ngsfelder und eingesetzte Tiere in t ierge stützten Interventionen ......................................................................................................................67 2.3.3 Grundl agen des Tierschut zes – Das Tierschutzgeset z ................................................71 2.3.4 Die Wirkungen von Ti eren auf Me nschen – ein Überblick zu pädagogisch, psychologisch und medi zinisch relevanten Ef fekten .............................................................76 2.3.5 Wirkungen von Menschen auf Ti ere in t ie rgestütz t en Interven tionen? .........................80 2.3.6 Theore tische Erklärungsa nsätze für die entstehenden Wirkungen in der speziesübergreifenden B eziehung ........................................................................................83 2.3.6.1 Die Du-E videnz nach Geige r ....................................................................................84 2.3.6.2 Die Bi ophili e-Hypoth ese nach Wilson .......................................................................85 2.3.6.3 An thropom orphi sierung ............................................................................................86 2.3.6.4 Ablei tungen a us de r Bind ungstheori e .......................................................................87 2.3.6.5 Spiegel neurone und neuroph ysiol ogische Grundl agen .............................................89 2.3.6.6 Mensch -Tier-Kommuni kati on (a ngelehn t an Wa tzla wick) ..........................................89 2.3.7 Zwischenfazit ...............................................................................................................95 2.4 Zusammen führung von Hu man-Anima l-Studies, Sozio logie sow ie tiergestützten Interventionen und Schlus sfo lgerung en ..........................................................................96 3 Der Mensch und das Pferd ........................................................................ 99 3.1 Der Wand el des Mensch-Pferd -Verhältnisses bis heute .......................................... 101 ϰ  3.1.1 Das Mensch-Pfer d-Verhältni s früher .......................................................................... 101 3.1.2 Das Mensch-Pfer d-Verhältn is heute (Deu tschland) ................................................... 103 3.1.2.1 Die Wahrnehmun g des Pferdes .............................................................................. 104 3.1.2.2 Einsat zbereiche des Pferdes in De u tschland .......................................................... 106 3.1.3 Zwischenfazit ............................................................................................................. 110 3.2 Grund lagen zu Pferdehaltun g und Umgang mi t P ferden ......................................... 111 3.2.1 Was bedeutet ei ne verhaltensge rechte natur nahe Pferdehaltung? ............................ 112 3.2.1.1 Die Funk tionskr eise des P ferdes ............................................................................ 112 3.2.1.2 Be trachtung von Formen der Pfe rdehalt ung in Deutschland un te r Rückbezug zu den Funktionskreisen ................................................................................................................ 120 3.2.2 Der U mgang mit Pf erden unter Berücksichtigung ei ne r tierschu tzethischen Perspe ktive – Sicherung des Wohl befindens ......................................................................................... 123 3.2.3 Zwischenfazit ............................................................................................................. 133 3.3 Der E insatz von Pferden in tierges tützten I nterven tionen ....................................... 134 3.3.1 Begriffsklärungen und Handlungsfelder ..................................................................... 135 3.3.1.1 Der Einsatz von Pferden in der Hi pp otherapi e ........................................................ 138 3.3.1.2 Der Einsatz von Pferden in de r pfe rdegestützte n Th erapie ..................................... 142 3.3.1.3 Der Einsatz von Pferden in de r pferde gestütz te n Pädag ogi k .................................. 143 3.3.2 Die Wirkungen von Pferden auf ausgewählte Zielgruppen – pädagog isch, psychologisch und medi zinisch relevante Effekte ............................................................... 146 3.3.3 Die Wirkungen von Mens chen auf Pferde aus biologischen und ve terinärmedizinischen Perspektiven ...................................................................................................................... 151 3.3.4 Das Interaktionsd reieck als Kernel em ent d er tiergestützten Inte rventionen ............... 156 3.3.4.1 All gemeine Besc hreibungen de r drei Ak teure in de r T riad e .................................... 157 3.3.4.2 Fo rmen de r In teraktion in de r Prax is der ti ergestützten Inte rventi onen ................... 160 3.3.5 Die artspezifische Wahrnehmung von Pfe r d en und ihre sozial-ko mmunikativen Fähigkeiten in Men sch-P ferd-Interaktionen ........................................................................ 162 3.3.6 Zwischenfazit ............................................................................................................. 168 3.4 Faz it ..................................................................................................................... ........ 170 4 Der Symbolisch e Interaktionis mus als Bezugsthe orie für Mensch -Tier- Interaktionen ................................................................................................ 174 4.1 Hinführung zu Inte r aktion en ...................................................................................... 174 4.1.1 Begriffliche Einord nungen .......................................................................................... 174 4.1.2 Historische und the oretische Einordnu ng des Symbolischen In teraktionismus .......... 177 4.2 Mead als Wegbere iter des Sy mbolischen Interaktionis mus .................................... 180 4.2.1 Kommunikation üb er (sig nifikante) Gesten und Symbole ........................................... 180 4.2.2 Weite re zent rale Gedanken ....................................................................................... 183 4.2.3 Zwischenfazit ............................................................................................................. 189 4.3 Der S ymbolisc he In terakt ionismus nach Bl umer ..................................................... 189 4.3.1 Die drei P rämissen .................................................................................................... 190 4.3.2 Die sechs Kernvorstel lungen ..................................................................................... 193 4.3.3 Zwischenfazit ............................................................................................................. 198 4.4 Mensch-Tier-In teraktionen aus der Perspe ktive des S ymbol ischen Interaktionis mus .............................................................................................................................. ............. 199 4.4.1 Allgemeine bedeut same Studien ............................................................................... 200 4.4.2 Pfe rdbezogene Stu dien ............................................................................................. 206 ϱ  4.4.3 Theore tische Zusa mmenführung von etholo gischen Erkenn tnissen z um Pferd und dem Symbolischen Interaktio nismus .......................................................................................... 214 4.4.4 Zwischenfazit ............................................................................................................. 218 4.5 Schlussfo lgerungen aus de n theore tische n und empiri schen Erk enntnissen des Symbolische n Interak tionismus im Kont ext vo n Mensch-Tie r- Interakti onen .............. 222 5 Empirische Piloti erung der Mensch -Pferd-Interakti onen innerhalb der pferdegestützten In terventionen ................................................................ 227 5.1 Zielse tzung und Fra gestellunge n .............................................................................. 227 5.2 Die emp irische Fo rsc hung ......................................................................................... 229 5.2.1 Grundl egende Aspekte .............................................................................................. 229 5.2.2 Begründung der A uswahl ei nes qual itativen Forschung sansatzes ............................. 230 5.2.3 Forschun gsethik ........................................................................................................ 232 5.3 Das le itfadengestüt zte Experten int erv iew – Begründung und Vorbere itung ......... 233 5.3.1 Stichprobe – Festle gung des Expertensta tus und Ausw ahl ....................................... 235 5.3.2 Die Entwicklung de s Leitfadens ................................................................................. 238 5.4 Die D urchfüh rung d er Interv iews .............................................................................. 241 5.5 Die Auswertung der le itfadenge stü tzten Experten interv iews ................................. 242 5.5.1 Transk ription .............................................................................................................. 243 5.5.2 Qualita tive Inhalt sa nalyse nach Kucka rtz (2 018) ....................................................... 243 5.5.3 Die Triangulation von Inhal ten aus verschiedenen di sziplin ären Perspektiven ........... 250 5.6 Zusa mmenfasse nde Visualis i erung des Forschu ngsprozesse s ............................. 251 6 Ergebnisse der Pi lotierung – De skriptive Darstellung und Interpretation ....................................................................................................................... 252 6.1 Die Set t ings der pferdeges tütz ten In terven tionen ................................................... 252 6.1.1 Deskriptive Darstell ung der Subkategorien zu den un tersuchten Set t ings ................. 252 6.1.1.1 Be teili gte Akteu re ................................................................................................... 252 6.1.1.2 Rah menbedingun gen und Struk turmerk male der Se ttings ...................................... 254 6.1.1.3 Einsa tzfo rmen de r Pferde ....................................................................................... 255 6.1.1.4 P rofessionelles V orgehen und Arbe itsweis en der E xper tinn en ............................... 256 6.1.1.5 Zielsetzunge n un d Förderbereiche bezog en auf di e Zielgruppe .............................. 260 6.1.1.6 Au fbau und Struk tur der pferdeg estü tzten Einheiten ............................................... 261 6.1.2 Zusam menfassung , Inte rpretation und Einordnung der Ergebnisse ........................... 265 6.2 Die Wah rnehmung und Be deutung de r Pfe rde aus Si cht der durchführenden Personen – Pferde als Akteure in pf erdege stü t zten In tervention en ............................. 270 6.2.1 Deskriptive Darste llung der Subkatego rien zur Wa hrneh mung und B edeutung der Pferde aus Sicht der durchführenden Personen ................................................................. 270 6.2.1.1 P ferde als Arbeit spartner für die durchführende Per son (Aufgaben / Funktionen) ... 271 6.2.1.2 P ferde als ei genständi ge Intera kt ionspartner und aktive Entitä ten in den pferdegestütz ten In terventione n ......................................................................................... 274 6.2.1.3 P ferde als sozi al-emotional e und sen sible Gegen über ........................................... 279 6.2.1.4 Indivi dualität der P ferde in pfe rdege stütz ten In terventi on en .................................... 284 6.2.2 Zusam menfassung , Inte rpretation und Einordnung der Ergebnisse ........................... 287 6.3 Interaktionen der Akteure (im Inte raktio nsdreieck) ................................................. 297 ϭϮ  Konzeptvorschlägen so wie Erfahrungsberichten auf und gibt Handlu ngsempfehlungen zu r konkreten Umse tzung ei ner tiergestüt zten In t ervention (Bsp. Versicherung des Tiers, Hygieneplan, zu beacht ende Checkliste, Fallbei spiele). Diese Werke sind essenziell für d ie Umsetzung de r TG I und zur Struk t urierung des Praxi sfeldes, tragen aber ni cht vorrangig zu einer wissenschaftliche n Fundi erung bei. Als Konsequenz aus den theoretischen und empirischen Leerstellen sowie den fehlenden Standardisi erungen und re chtlichen Vo rgaben werden die tiergestütz ten Inte rventionen in de r vorlieg enden Disser tation als Praxisfeld bezeichnet, zumal sich dieses Inhalt sfeld auch nicht dezidiert eine r bereits bestehenden Fachdisziplin zuordnen lässt bz w. die Perspek tiven aus Pädagogi k, Psychologie und Medizin vorrangig die Effekte von Tieren auf den Me n schen fokussieren. Die se eindimensional e Ausrichtung bietet kei ne geeign ete Grundlage, di e tiergestützten Interve ntionen umfas send zu betrachten, da vor allem essenzi elle tierbezog ene Aspek te fehlen. Wohlfarth und Mutschle r (2017, S. 6 7) halten an dieser Stelle fest: „Die Forschung zu tiergestü tzten Interventionen stehen hier vor de r Herausforderung , die Wir kweise innerhalb des Bezi ehungsdreiecks „Klienten-T iere-Therapeuten“ mehr in i hrem Zusammen spiel und ihren Wechselwirkungen wahrzunehmen und zu berücksichtigen“ . Folglich m uss die Pers pektive au f die tiergestütz ten Interventionen , im Besond eren auf das Bezi ehungsdreieck 4 , über die Wi r kungsorientierung hinaus, erweitert werde n und das Gesa mtgefüge, unter besonderer Berücksichtigung des Tieres, in den Mittelpunkt der Unte rsuchung rücken. Da die drei aufge führten Fachd isziplinen zurzeit a ber noch kei ne weiteren Anknüpfungspunkte bieten, benötigt es theoretischer Annähe rungen au s diffe renten Fachdisziplinen. In den 1980e r Jahren hat sich ein neues For schungs feld entwickelt, wel ches möglicherweise als Fundierung dienen könnte. Es han d elt sich dabei um das ju nge Fo rschungsfeld der Human-Animal Studies , in welchem die Forscherinnen und Fo rscher sich spe zifisch mi t den Verhältnissen zwischen Menschen u nd Tieren aus ve r schiedenen Perspektiven auseinandersetzen . Kompatscher e t al. (201 7, S. 23) halten fest: „ Im Fokus der Human- Ani m al Studies und ihrer Forschungsfragen s t ehe n Intera ktionen, B eziehungen und Verhältnisse zwischen Mens chen und Tieren“ 5 . Als neuartig gilt in de m Forschungsfeld, dass Tiere al s individuelle Subjekte mit eigenen Erfahrungen, Emotionen, Interessen und Erwartungen geseh en werden (Spannring et al., 2015 , S. 24). Dara uf basierend wird Tieren ei ne eigene Wirkungs- und Handlungsmacht (agency 6 ) zugeschrieben (Borga r ds, 2016, S. 1; Kompat scher et al., 2017, S. 16; Kurth, Dornenzweig & Wirth , 20 16, S. 9). Im Fo kus st eht dabei aber ni cht di e Erforschung de r Tiere  4 Das Bezieh ungsdre ieck ist ei n zentraler Best andteil in d en tier gestützten Interve n tionen und wird im weiteren Verlauf der Ar beit (Kapitel 3) näher erläut ert. 5 Die inhaltlic he Trennung von den dr ei in der Definitio n genannten Begr ifflichkeiten w ird auch in vorl iegender Dissertati on verfolgt. Genauer e Ausführungen erfolgen im zweiten K apitel der Arbe i t. 6 Der Begr iff „agency“ wird in verschiedene n Diszipli nen verwendet und bei nhaltet unterschiedlic he Konzeptu ali - sierungen (siehe z. B. Wirth et al., 2016). Nähere Erläu terungen zu d em in d ieser Arbe it angelegte n Verstän dnis von agency wird in Kap itel 2 dargelegt. ϭϯ  selbst, sondern di e We chselseiti gkeit von Men schen und Tieren in den unte rschiedlichen Verhältnissen und Beziehun gen (Spannring et a l., 2015 , S. 18). Obwohl die Human-Ani mal Studi es au f Grundlage der Definition von Ko mpatscher et al (2017, S. 23) auf den e rsten Blick als konveni eren d für eine Einbett ung der tierges tützten Interventionen gehalten werden kann, ist jedoch kritisch a nzume rken, da ss auch innerhalb der HAS die konkreten Ti ere bisher oft in Theo ri en und Katego rien ver schwinden, da die tierbezogenen Grundkenntni sse ( z. B. au s der Ethologie oder au ch der Veterinärmed izin ) bei den Forscherinnen und Fors chern nicht zwingend vorhanden sind, um konk rete Beziehungen und Inter aktionen aus Sicht der Tiere bewerten zu kö nnen (siehe auch Kompatscher e t al., 2017, S. 181-182) . Zudem we rden die benannten Th eor ien und Kategorien in den Forschungsa rbei ten der Hu man -Animal Studies aus verschie denen etablierten Fachdisziplinen extrahiert un d an den zu untersu chenden Fo rschungsgegenstand adaptiert. Eigene fachdisziplinäre Theori egebäude und eine spezifische Methodologi e fehlen dagegen bisher noch, da das jung e Forschungsfeld bisher noch keine ausge rei fte Forschungsdi sziplin darstellt (Kompatsche r et al., 2017 , S. 200-201; Sebastian, 2016, S. 18; Spa nnring et al., 2015, S. 17). Die Ve röffentlichungen der Huma n-Animal Studies üb erqueren aus diesem Grund häufig die disziplinären Grenzen (Chimai ra Arbei tskreis , 2011, S . 21; DeMell o, 2012, S. 7). Eine wichtige Bezugsdisziplin für die Human-Animal Studies , aus w elcher zunehmend Theorien und Method en übernom men werden, stellt dabei die Soziologie dar (Kompatsche r et al., 2017, S. 20 ; Pfau-Effinger & Buschka , 2013, S. 9). Diese hat Tiere in ihren Überlegungen, wie andere e tablierte Sozial wissenschaften auch , lange ausgeklammer t, (Pfau-Effinger & Buschka , 2013, S. 11-13; Wiedenmann, 2015 , S . 263 ). Dadurch scheinen ihre großen Theorien sowie d ie empi rischen Forschun gsmethoden zumi ndest a uf den ersten Blick nicht als theore tische Basi s fü r die Unt ers uchung von tierges tütz ten Interventionen anwendbar. Es gibt aber bereit s einige weni ge Forscherinnen und Fo rscher, die das hohe Potenzial der Soziologie zur Er forschu ng von Mensch -Tier-V erhältnissen/-Beziehungen/- Interaktionen hervorhebe n (siehe z. B. DeMello, 2012, S . 20 ; Milz , 2009 , S. 236; Pfau-Effinge r & Buschka, 2013 , S. 9 ). Vor allem mikrosozi ologische Ansätze , wie beispielsweise der Symbolische Inte raktionismus, eine Interak ti ons- und Handlungstheorie, bieten einen soziologischen Anknüpfu ng spunkt, u m Mens ch-Tier-I nteraktione n näher zu betrachten. Hierzu gibt es berei ts verschi edene empi rische Unt ersuchungen im Kontext d er Human -Animal Studies (siehe auch Sanders & Ar luke, 1993 ; Alger & Alger, 1997; Fl ynn, 2000; Brandt, 2004; Irvine, 2004) , diese si nd aber alle im engl ischsprachigen Raum verortet und thema tisieren bisher noch nicht den Einsatz von Tie ren innerhalb der tierges tützten Interventionen, weder auf theoretischer noch a uf e mpirischer Ebene. ϭϰ  1.2 Relevanz, Ziel setzungen und Au srichtung Wie eingangs beschriebe n, sind Tiere seit jehe r ein Bestandteil menschlichen Lebens. Auffällig ist jedoch , dass die wiss enschaftliche Unte rsuch ung der interspezifische n Verhältnisse aktuell nur margi nal in der Fo rschung aufzufinden ist. Besonders bei Betrachtung bestimmter Verhältnisse, wie dem Ei nsatz von Ti eren zu pä dagogisch -the rapeuti schen Zw ecken, lässt sich ein bedenkl iches Forschungsde fizit sowohl aus th eoretischer als auch aus empirischer Sicht auf verschiedenen Ebenen erkennen, sodas s weitere wissenschaftli che Untersu chungen hochrelevant sind. Konkret e rscheinen die Be deutung des Tieres und sei ne Rolle in den tiergestützten In terventionen bzw. seine ar tspezifischen Bedürfni sse und nonverbalen Kommunikationssignale innerhalb der tie rgestützten Inte rventi onen weitestgehend ignoriert, essenziell wichtige Aspekte de r kon kre ten Mensch-Tier- Interaktion in diesen Settings werden nicht ausgearbeitet . Statt dessen blei bt die Perspektive au f die po sitive Wirkung von Tieren auf den Menschen beschrän kt. Hieraus lässt sich zw ar eine gewisse gesel lschaftliche Relevanz der tiergestütz ten Inter v entionen begründen, die dahi ngeh end ausgerich tet ist, dass diese positiven Wirkungen auf den Menschen wissens cha ftlich stärker erfors cht werden müssten, um die Erkenntnisse dann auch in de r Prax is stärker zu nutzen. Diese anthropozen trische 7 Sichtweise wird hier jedoch al s nicht ausrei chend bewertet und muss um eine theore tisch fundierte und empirische Ge samtbetrachtung des berei t s genann te n Beziehungsdreieck s „durchführende Pe rson-Pferd-Zielgruppe “ ergänzt werden. Besonders dr in glich erscheint eine baldige Bearbeitung der Forschu ngsdefizite auch vor dem Hi nterg rund, d ass das Praxisfel d der tiergestü tzten In te rv entionen aktuell stetig s owie unkontr olliert wächst und imme r neue nicht-evaluierte Konzept e sowie zahlreiche e r fahrungsbasi erte Angebote o hne Beachtung des Tieres das Feld übers chwemmen . Aus den identifizierten sehr deutlichen Fo rsch ungslücken lassen sich folgende konkrete Zielsetzungen für die vo rliegende Dissertation ableiten: x Bearbeitung der Theorie-Pr axis-Diskrepanz im F eld de r tierges tützten Interventionen durch die Einbettung d er ti erge stützten Interve ntionen in das Fors chungsfeld der Human-Animal S tudies,  7 Anthropozentrik beschreibt die Annahm e, dass alles, au ch die Tiere, für den Menschen existieren u nd der Men sch das „Spit zengeschö pf“ dars tellt. Der Ansatz be gründet sich vor allem im Christ entum (R appel, 1 996, S. 376). Häufiger verwend et wird im Kontext der Mensch-Tier-Verhältnis se/-Beziehunge n jedoch das Konzept des Anthropozentri smus, welc hes inzwischen ver schiedene Ausdiffer enzieru ngen erfahren hat. Die untersch iedliche n Typen werden im Kontext dies er Arbeit nic ht weiter erläute rt. Als Ker naussage des gesa mten Ansatzes ka nn jed och festgehalten werden, das s der Men sch in de n Mitte lpunkt ge stellt wird und die W elt um ihn heru m organisi ert und für ihn organ siert ist (B orgards, 2020, S. 47; Mayr, 20 03, S. 20; Teuts ch, 1987 , S. 16). Dabei wird ein e kat egorische Unterscheidun g von Mensc h und Tier vollzo ge n (Wel sch, 2020, S. 28). Vertiefende Informationen zu den verschiede nen Arten von Anth ropozentrism us find en sich be i Borgards (2020, S. 48 -49) o der Mayr (2 003, S. 20- 21). ϭϱ  x Beleuchtung der möglichen Bedeutung der S oziologie bei der Erforschung von Mensch-Tier-Verhäl tnissen/ -Beziehungen/-Interaktione n (im Kontext d er Human- Animal Studies), x Darlegung des Mensch-Pf erd-Ve r hältnisses un ter besonde rer Berüc ksichtigung des Einsatzes von Pfe rden in den tiergestützten I nterv entionen, x Betrachtung von spezifi schen tierethischen und tierschu tzrelevanten A spekten zu Pferden unte r Einbezug etholog ische r und veterinärmedizin ischer Gru ndlagen (z . Funktionskreise, Ausd rucksverhal ten), x Analyse des Symbolischen Interaktionism us als Theoriebrille für den Einsatz von Tieren in tiergestütz ten Interventionen un ter beso nderer Berü cksichtigung des Pferdes sowie x Untersuchung der Mensch-Pfe rd-Interaktionen in den pfe rdegestützten Int erventionen aus der Perspek tive des Sy mbolischen Interaktio nismus mit ethologi schen Bezügen (Pilotstudie mit zwei Experteninterviews). Um die aufgefüh rten Zielsetzungen zur Bearbeit un g der Fo rschungslücken zu errei chen, ist die Dissertation mu ltidis ziplinär , in terdisziplinä r und transdiszip linär ausgerichtet 8 . Für di e vorliegende Arbeit heißt dies, dass zunächst die theoretische n und e mpiri schen Erkenntnisse aus den verschiedenen genannten Fachdisziplinen bzw . Inhaltsfe ldern n ach einer zunächst getrennten Liter aturanalyse zusa mmengef ührt und neu verknüpft werden. Basierend auf diesen Ergebnissen folgt ei ne empirische Pilotierung de s Feldes mithilfe von Experteninterviews. Kon kret wird das Praxisfel d der tiergest ü tzten Interventionen (Fokus Pferd) mit de m jungen Forschungsfel d der Human-Animal Studies u nter dem Einbezu g ethologischer Erkenntni sse sowie soziolog ischer Bezüge (F o kus Symbolischer Interaktionismu s) basierend auf theo r etischen und e mpirischen Erkenntnissen verknüpft. Damit folgt di e Arbeit auch der Aussage von Arluke et al. (2015, S. 99), die festhalten , dass aus empirischer Sicht nic ht nur ein thema ti scher, sondern au ch ein theo retischer Schwerpunk t wichtig ist. Diese multiperspektivische Herangehensweise stellt bezo gen auf di e Struktur ei ner Dissertation ein eher unübli ches Vorgehen dar und bildet in gewisser Weise ein  8 Eine dezi dierte Festlegu ng a uf einen der dr ei Begrif fe ist nicht mögl ich, da es e inerse its kein e allgemeing ültige Definition oder A bgrenzu ng d er drei A usrichtungen gibt u nd andererseits die Dissert ation Aspe kte von all en drei Ausrichtungen aufwei st, wenn man sich inten siver mit den verschiedene n getät igten Abgr enzungen be fasst. Die Dissertati on ist in d em Sinn e multid isziplinär, in dem die einzeln en Fachdiszipl inen un d Inhalt sfelder getrennt aufgeführt werden ( siehe T hio & Han dke, 2017 , S. 9), aber gleichzeitig auch interdi szipli när, da eine diszipline nübergre ifende ge meinsame verschränkend e Betracht ung eines Forschung sgegenstand es stattfindet, jedoch die ursprüng lichen Methoden der jeweiligen Fach dis ziplin erhalten ble i ben (siehe Balsiger, 200 5, S. 148, 173; Berschei d, 2019, S. 32-34: Thio & Handk e, 2017, S . 14). Ei nen tran sdiszipli nären Charakter er hält die vorliegende Arbeit durch den Einbezug der Pra xis dur ch da s Praxisf eld der tierge stützten Interv entionen un d einen starken Anwendun gsbezug (s iehe Bersc heid, 2019, S. 34- 38; Thio & Hand ke, 2017, S . 14-16). Ausführlich e Unterscheidun gen zwisc hen Trans-, Multi- und Interdi szipli narität finden sich exemplar isch bei Ba lsiger (2005), Berscheid (20 19) sowie Handke und Thio (2017). ϭϲ  Alleinstellungsmerkmal d er Arbeit, ist abe r au s inhaltlicher Perspektive notwendi g, um auch die Tiere selbst „zu Wort kommen zu lassen “ (Ma ngelsdorf, 2011, S . 290). Diesem Plädoyer wird auch in vorliegend er Disser tation nachgeko mmen, inde m reale Tiere bewusst in ihren Interaktionen mit de m Menschen wahrgeno mm en und als kon krete Interak tionspartner betrachtet werden . Zentrale Basis hi erfür sind e thologische Stud ien, di e kontinuierlich in di e Argumentation mit einbezogen w erden sowie auch di e adaptierten soziologische Ansätze. Die vorliegende Arbeit läss t die Ti ere also nicht nu r theoretisch erscheinen, s ondern ermöglicht Ableitungen für die p raktische Arbei t. Jen e Herangehensweise ist vor allem vor dem Hintergrund wichtig, dass auch in den Human-An imal Studies die Tendenz zu beobach ten ist, dass nicht die konk reten Tiere be t rachtet werd en, sondern di ese eben falls in Kategorien verschwinden. Die vorliegende Dissertation soll schlussendlich einen Beitrag zur Weiterentwicklung des ju ng en Forschungs feldes der Human-Ani mal Studies, zur Ö ffnung der Fachdisziplin Soziologie hinsi chtli ch Themenbe reichen, di e Tiere be treffen (siehe auch „humansoziologische T ierver gessenheit“ (Wiedenmann, 2015, S. 257)) sowie zur Verdeutlichung der Relevanz e t hologischer Erken ntnisse in Mensch-Ti er-In teraktionen leisten . Durch diese Vorgehensw eise soll das Feld der tier gestützten Inte rventione n un ter besondere r Berücksichtigung des Einsatzes von Pfe rden theoretisch aufgearbeitet werden. Diese Ausrichtung der Arbei t knüpft an Kotrschals (2011, S. 55) Plädoyer für G rundlagenforschung an: „Denn erst ei ne angemessene Theoriebasis erlaubt es, sinnvol le Forschungs fragen zu stellen“. Nur durch diese als unverzich tbar erachtete Komponen te kann das Feld der tiergestützten Interventionen allgemeine Ane rken nung erhalten (Kotrschal , 2011, S. 55) und es können sowohl fü r die Theori e als auch für di e Praxi s Er kenntnisse gew onnen werden.  1.3 Inhaltlicher Auf bau der Arbeit Dies Dissertation beinhaltet einen u mfassenden theoretischen Teil (Kapitel 2 bis 4), der die theoretische Zusa mmenf ührung de r verschi edenen fachdisziplinär en und inhal tlichen Felder und Ansätze umfas st. Daran schl ießt sich die empi rische Pilotierung an (K apitel 5 bis 6) an. Daraus entsteh t folgend er inhaltlicher Aufbau de r Dissert a tion: Im ersten inhaltlichen Ka pitel des Haupt teils ( Kapitel 2 ) werden theo retische Grundlagen zum Forschungsfeld de r Human-Ani mal Studies da rgestell t. Dabei wird im Besonderen auf di e Forschungsschwerpunkt e sowie die Entwicklung des Feldes eing egangen. Im mi ttleren Teil erfolgt eine Be trachtun g der möglichen Be deutung der Soziologie im Hinblick au f die Erforschung von Mensc h-Tier-Verhältnissen/-B eziehungen im Kontex t der Human-Animal Studies. Auf der Grundla ge verschiedener A rgumente (u. a. au ch ethologischer Erkenntnisse zu verschiedenen Tieren) sowie er ster bereit s ex istierender Ansätze des Einbeziehens von Tieren werden das mög liche P otenzial der Fachdisziplin hi nsi chtlich der E rforschung von Mensch-Tie r-Verhältni ssen/-B eziehungen und mögliche sozi ologische Anknüpfung spunkte ϭϳ  erläutert. Im dritten und l etzten Abschnitt von Ka pitel 2 wird das Praxisfeld der tiergestützten Interventionen au sführlich vorges tellt, um einen Ist-Stand in dem schnel l wachsenden Feld abzubilden. Die Inhalte rei chen von begriffliche n Abgrenzungen, rech tli chen Grundlagen bis hin zu den unterschiedlichen Ei nsatzbereichen verschiedener Ti erarten und der positiven Wirkung von Tieren sow ie möglichen theoretisch en Erklärungsansä tzen für di e Entstehung einer spezienübergre ifenden Bezi ehung. In Kapitel 3 werden di e Mensch-P ferd-Verhält nisse/ -Beziehungen umfassend beleuch tet. Beschrieben und unte rs ucht wird dabei einführend der Wandel der Rol le des Pferdes vo m essenziellen Nutztier in Landwirtschaft und Indu strie bis hi n zum heu t igen hochgeschätzten Freizeit- bzw. Spor tpartn er. Danach erfol gt eine Ausl egung de s Tierschut zgesetzes bezogen auf das Pfe r d unter be sonderer Berücksichtigu n g der Aspekte Haltun g und Umga ng im Kontext von Wohlbefind en. Als Argumen tations grundl age für die Ausl egung des Gesetzes dienen die verhaltensbi ologische n Grundlagen des Pferdes (z. B. Funktionskrei se) sowie aktuelle Studienergebnisse zu r Schmerz- und Str esserkennung aus der V eterinärmedizin. Der Schwerpunkt des Kapitels liegt auf dem Einsa t z des Pferdes innerhalb der tiergestützten Interventionen , sodass ein umf än glicher Überblick zu den verschiedenen Einsatzfelder n erfolgt. Anschließend w erden verschiedene Stu d ien zur positiven Wirkung von Pfe r den au f den Menschen in den tiergestützten Inter ven tionen anhand verschi edener Zi elgruppen und umgekehrt von Mensch en auf Pferde zusam meng efasst. Als zen traler Baustein in di esem Kontext wird das Bezi ehungs- bzw . Intera k t ionsdreieck zwischen du rchführende r Person, Pferd und Ziel gruppe dargelegt, wobei au ch hier explizit die artspezifische Sinneswahrnehmung sowie di e sozial-emotiona len bzw . kommunikative n Fähigkeiten der Pferde in der Interspezie s-Interak tion in den Vord ergrund gerück t werden, um den Tier -Akteur mit einzubeziehen. Im vierten Kapite l er folgt durch di e Darstellung grundl egender Inhalte des Symbolischen Interaktionismus als mö gl iche soziologische Theoriebrille auf die Mensch-Tier-Interaktion in den tiergestützten Intervention en. Dabei werden die Ansätze zen t raler Aut oren (Fokus: Mead, Blumer) dargestel lt und erläuter t sowie der Fo rschungsstand der Über tragung der Ansä tze auf Mensch-Tier- Interaktione n basierend au f verschiedenen empi rische n Erkenntnissen aufgezeigt. Außerde m werden di e aktuellen etho logische Erkenntnisse zu Pferden auf zentrale Aussagen von Mead übertra gen. Danach schließt sich ergänzend zu bzw. ba si erend auf den Er kenntniss en aus der Lite ratur eine empirische Pilotierung an ( Kapitel 5 ). In nerhalb des Kapite ls w ird das gewählte Forschungsdesign, ein schlie ßlich der Fragestellung sow ie der Erhebungs- und Auswertungsmethode , beschri eben. Mithilfe von zw ei leitfadengestü tzten Experteninterviews wird das Beziehungsdrei eck „durchführende Per s on-Pferd-Zielgruppe“ mi t besondere m Blick auf das Pfe rd aus Sicht der durchführe nden Pe rsonen näher untersuch t. ϭϴ  Die Ergebnisse der P ilotierung werden in Kapitel 6 en tlang der verschied enen gebildeten Haupt- und Subkategorien, sowohl auf de skri ptiver als auch auf interpre tativer Ebene, dargestellt. Kapite l 7 beinhaltet di e Diskussion der gesamten Arbeit und ist aufgegl iedert in die Zusammenfüh rung der empirischen Ergebnisse mi t den the ore tischen Erkenntnissen durch die Beantwortung der empirische n Forschungsf ragen und die Übe rprüfung der ge tätigten theoretischen Ableitungen zum Sy mbolischen In teraktionismus im Konte xt von Mensch-Tier- Interaktionen aus e mpirischer Sicht sowie in (kritische) Reflexionen zum Vorgehen in der Arbeit und damit ei nhergehe nde Limita tionen . Außerdem werden in der Diskussion Schlussfolgerungen für Theo rie und P raxis abgeleitet sowie weitere Forschungsdesidera te und mögliche Folgeforsc hungen aufgewor fen. Die Arbeit mündet in ein Gesamtfazit mi t Ausblick in Kapit el 8 , in dem a uf die allgemei nen Zielsetzungen der A rbeit Bezug genommen wird, bevor eine zwei seiti ge Zusammen fassung im neunten Kapitel die Arbeit schließt. ϭϵ  2 Mensch und Tier – eine theoretische Betrachtung von Human-Animal Studies , Soz iologie und tiergestützten Interventi onen Der Mensch und das Tier steh en seit Anbeginn de r Zeit au f de r ganzen Welt in verschiedenen Verhältnissen und Beziehunge n zueinander. D ie gesellscha ftliche und wissenschaftliche Auseinandersetzung mi t diesen existierenden M ensch-Tier-Verh ältnissen und Mensch-Tier- Beziehungen erfolgte jedoch ers t sei t den 1980er Jahren e rstmalig in b reiterem Umfang in den USA (DeMello, 2012, S. 7-8; Ko mpatscher, 20 19 , 8. Absatz). Sie wurde vo r allem du rch Tierschutz- und Tierrec htsbewegungen ausgel öst, die Debatten um das Men sch-Tier- Verhältnis vor de m Hi ntergrund des Umga n gs mit Tieren , im Besonderen in der Massentierhaltung, und umweltbe zogener Fragen (Klimawandel, Wasser al s lebensnotwendige und begrenzte Ressource, etc.), angestoßen haben (K ompatscher et al., 2017, S. 18 ; Sebastian, 2 016, S. 18 ). Insbeso ndere di e Ti errechtsbewegun gen, wie People for the Ethical T reatment o f Ani mals (PETA), be einfluss(t)en di e gesellschaftl iche Meinung bzw. lös(t)en durch ihre aufsehenerrege nde Öffentlichkeitsarbeit mit Hilfe von Konfrontationsstra tegien Kontroversen übe r das „richtige“ Verhältn is zum Tier aus (Kompatscher et al., 20 17, S. 18 ; Roscher, 20 12, S. 34; Voss , 2012, S. 42). Auch das akademische Intere sse wurde durch di e Kritik der fehlenden Beschäftigun g mi t Mensch-Tier- Verhältnissen/-Beziehungen an geregt, sod ass vor al lem philosophische Debatten der Tierethik e ntstanden und Ti ere seit dem als „w ü rdig“ für die ethische Einbeziehung angesehen werden (DeMello, 2012, S. 7 ). Zentra l e We rke sind hi er „Animal Liberation“ von Pe ter Singer (1975) und „The Case for Animal Rights“ von Tom Regan (1983) (vertiefend siehe auch DeMello (2012, S. 7-9) mit we iteren relevanten Arbeiten). Aus diesen Debat ten au f gesel lschaftlicher und wi ssenschaftlicher Eben e im anglophonen Raum ents tand das interdisziplin äre Fo rschungsfeld der sogenannte n Human-Anima l Studies (folgend mit HAS abgekürzt), in wel chem aus der Perspektive viel fältiger Fachdisziplinen Forschungsthe men im Berei ch der Mensch-T ier-Verhäl tnisse/-Bezi ehungen bearbeitet we rden (Chi maira Arbeits kreis, 201 1, S. 20; Buschka et al., 2012, S . 20 -26; DeMello, 2012, S. 7-8; K ompatsche r, 2019, 7 . Ab satz, 8. Absatz ; Kompats cher et al., 2017, S. 16; Spannring, Schachin ger, Kompatscher & Bou cabeille, 2015, S . 15-16). Wäh rend das Feld in den USA kontinuierlich weit erwuchs , ist in Eu ropa allerding s e rst 30 Jahre spä ter eine verstärkte Erforschung der Mensch-Tier-Verh ältnisse/-Beziehunge n zu beobachten . Kompatscher (2019 , 8. Absatz) datiert die erst e n Anfänge in Europa auf den Beginn des 21 . Jahrhunderts, wobei noc h im Jahre 201 1 der Chimai ra A rbeitskreis (2011 , S. 20) fes thält, dass die HAS bisher nur ma rginal beachtet werden. Auch Thieme (2015, S. 14) spricht von einer ϮϬ  „Verzögerung“ fü r den europäischen Rau m, die auch heu te noch zu erkennen ist (Kompatscher et al., 201 7, S. 16-20) .  2.1 Die Human-Ani mal Studies Unabhängig von den individuellen länderabhä ngigen Entwicklungen l assen sich für die HAS bereits gewisse g rundlegende A spekte festhal ten. Diese betreffen u . a. die Inhal te, die disziplinären Bezugspunkt e sowie da s stetige Wachstu m des Fors chungsfeldes. 2.1.1 Grundlegende I nhalte Das sich entwickelnd e Forschungsfel d der HAS charak t erisiert sich durch eine hohe Komplexität an zu bearbeitenden Fo rschu ngsthemen im Bereich der Mensch-Tier- Verhältnisse/-Bezi ehungen. Be achtet werden in diesem Ko ntex t zahlrei che verschiedene Dimensionen, wie die gesellscha ftliche, die sozi ale, die hi storische , die politische, die kulturelle, die biologische sowie die wirtschaf tliche (Kompatsche r et al., 2 017, S. 26). DeMello (2012, S. 5) d efiniert die HAS gena u er als: „The Study of the interactions and relationships between h uman and nonhuman ani mals“. Kompatscher e t al. (2017, S. 23) ergänzt DeMellos Definition um die Beg r ifflichkeit „Verhältnis “ . Diese drei Begriffe sind für di e HAS zentral und be tre ffen verschi edene Ebenen 9 . Die ersten beiden Begriffe „I nterak tion“ und „Bezi eh ung“ lassen sich auf ei ner di rekten Ebene zwischen zwei oder mehreren In dividuen anknüpfen, sind al so auf ei ner Mikroebene zu verorten. Dabei wird „ I nteraktion “ wei tergehend von Kompa tscher e t al. (2017, S. 24) folgendermaßen defini ert : „A ls In teraktionen b ezeichnen wir kurzfristi ge Begegnungen zwischen menschlichen und nicht menschl ichen Ti eren. Dabei kann es sich beispielsweise um das Aufeinandertreffen von Me nsch und Schlang e beim Wander n handeln, um die Inte raktion mit einer We spe beim Mi ttagessen auf de m Bal kon oder den Konta kt des S chlachters mit de m zu tötenden Kalb“. An diesen Bei spielen wird au ch deu t lich, dass Mensch-Ti er-Interaktionen nicht grundsätzlich positiv sind (Sebastian, 2016, S. 19) (zu de n soziologischen Bezügen siehe Kapitel 4). Als Beziehung werden „längerfristige un d intensivere Bande zwi schen Menschen und Tieren [bezeichnet], di e sich aus dem gemei nsamen Le ben oder Arbeiten ergeben, beispielsweise Beziehungen mit de m eigenen Ha ustier (companio n animal), der Milchkuh i n kleinstrukturierter Landwirtschaft oder mit dem Therapiehund“ (Kompa tscher e t al., 2 017, S. 24 ). Der Beziehungsbegriff wird in di ese m Zusammenhang also als eine „konkre t e B eziehung zwischen einem menschl ichen und einem ti erlichen Individuum“ ge sehen (Chimaira Arbeitskreis, 2011,  9 Alle drei Begriffe werd en in Abhäng igkeit von Fa chdisziplin, theoret ischem Be zugsrahmen u nd inhalt liche m Kontext sehr u ntersch iedlic h definiert u nd abgegrenzt. Die A usführungen im T ext die nen l ediglic h als inha ltlicher Einstieg und wer den in den fol genden Kapiteln genau er bele uchtet. Ϯϭ  S. 16). Thieme (2015, S. 12) merk t an, da ss si ch eine Beziehung vor allem i n der Empfindung und im Zeigen von beiderseitigen Emotionen ze i gt. Teutsch (1987, S . 132) hält fest: „Von sozialen Beziehungen kann man e rst sprechen , wenn es sich um eine in dividuel le Beziehung zwischen einem bestimmten Menschen und ei nem bes timmten Tier han delt“. Die HAS befassen sich folglich ei nerseits mit Beziehungen und Inte raktionen zwischen Mensch und Tier au f einer Mikroe bene (Chimai ra Arbeitskrei s, 2011 , S. 16; De Mello, 2012, S. 4; Kompatsche r et al. , 2017, S. 24; K ompatscher , 2019; Spannri ng, Schachinger, Kompatscher & Boucabe ille, 2015, S. 17 ) und and ererseits mit dem Mensc h- Tier-Verhältnis. Das Mensch-Tier- Ve rhältnis ergibt sich aus der Gesamtheit der Mensch-Tier-Beziehunge n und ihren Verzahnunge n mit ge sellschaftlichen und ins titutio nellen Strukturen (Chimaira Arbeitskreis, 2011 , S. 16), betri f ft also i m Gegensatz zu den an deren beiden Begriffen die Makroebene als ei nen sozial umfassenden S trukt urzusammenhang (Seel ige r, 2015, S. 35). Bei der Analyse von Mensch-Tier-Verhältni ssen stehen dann nicht di e Individuen im Mittelpunkt, sonde rn die Kontextualisierung d er Interaktionen und Beziehungen in das gesellschaftliche Gesamt system sowie di e Untersuchung sei ner Eige nsch aften (Kompatsche r et al., 2017 , S. 24). Dabe i werden auch der Raum und di e Bedeutung unte rsucht, die Tiere in unserer kul turellen und sozial en Welt einnehme n, sowie die Schnit tstellen zwischen tierischen 10 und menschlichen Gesellscha ften (Chi maira Arbeitskrei s, 2011 , S. 20; DeMello, 2012, S. 4; Kompatscher et al., 2017 , S. 16; Spannring, Scha chinger, Kompa tscher & Boucabeille, 2015, S. 17 ). An den Erläuterungen zu den drei Be grif flichkeiten „Interak tion“, „Beziehu ng“ und „ Ve rhältnis“ wird deutlich, dass e s ni cht um die E r fo rschung der Tiere sel bst oder u m die al leinige Perspektive des Mensch en auf Tiere, sonde rn um die Wechselsei tigkeit vo n Mensch und Tier geht sowie um die Einbet tung von Tiere n in Ge sellschaften (De Mello, 20 12, S. 9; Kompatsche r et al., 2017, S. 28). Dieser Einbezug de r Perspektive von Tieren ist aus wissenschaftlicher Sicht neuartig, genauso wie eine implizite tierethische 11 Posi tionierung in den fachspezifischen Veröffentlichungen, die eine Reflexion des al ltäglichen Um gangs mit Ti eren anstoßen soll. Diese Position wird teilweise sog ar auch expliziert , wie bei Komp atscher (2019, Einleitung) in ihrer Veröffen tlichung bei der Bundeszen trale fü r Pol itische Bildung, indem sie schreibt : „Die Disziplin der Human-Ani mal Studies bi etet sich an, Ve rh ältnisse, Beziehungen und Interaktionen zwischen Men schen und anderen Tieren auf tiergerech te Art und Weise zu untersuchen“. Diese an gesprochen e „Tiergerec htheit“ wird vor allem durch den Ve rsuch  10 Die Übertragung de s Gese llschaft sbegriffs au f Tiere i s t neuartig, wird an dieser Stel le aber nicht we iter ausgeführ t. 11 Der Forschungszwei g „Tieret hik“, der an die Phi l osoph ie oder auc h die Bioethi k anzu knüpfen i st, hat sich in den letzten Jahr en stark weitere ntwickelt. Es gibt zahlre ic he t ierethis che Positi onen, die e i ng enommen wer den kö nnen. Ein Überbli ck dazu f indet sich bei Wolf und Tuider ( 2014), im „Handb uch Tier ethik“ von Ach und Borchers (20 18) oder bei G rimm, Camenz ind und Ai gner (2016). Nebe n den t heoretischen Fr agen zei chnet sich das Forsc hungsfeld auch durch anw endungsorie ntierte Fragen au s (Bode, 2018, S. 13). Diese betreffen v or all em die Frage, ob und wenn ja, inwiefer n der Mens ch Tiere nut zen darf.  Grimm et al. (2016, S. 94 -95) sehen d ie Tieret hik al s mögl ichen Orientierung spunkt für die HAS. Ϯϴ  Tabelle 1. Tabellarische Zusamme nfassung – Forschungsg ruppen / Institute (eigene Darstell ung). Forschungsgruppen / Institu t e Deutschland x Arbeitsgruppe „Geographien von Mensch-Tier-Verhältnissen“ (Gründung 2018, F rankfurt) x Arbeitskreis Tier-Mensch- Beziehungen (Gründu n g 2023, Dor tmund / Kassel) x Büro für Mensch-Tie r- Beziehungen (MeTiBe) ( Gründung 2014, Berlin) x Chimaira Arbeits kreis ( Gründung 2010 , Berlin) x Forschungskreis „Heim tiere in de r Gesellschaf t“ (Gründung 1988, Bremen) x Forschungsinitiative Tiertheorie n: Grundlagen der Mensch- Tier- Beziehung in den Kultur- und Sozialwissenschaften (FITT) (Gründung 2012, Konstanz) x Group for Soci ety and Ani mal Studies (Gründung 2011, Hamburg) x Institut für soziales Lernen mit Tieren (Gründung 1994, Lindewedel ) x Minding Animals Germany (Gründung 2011, kein Gründungsort ) x Stiftung Bündnis Mensch & Tier (Gründung 2009, Bremen) x Sektion Human-Animal Studi es (Gründung 2015 , Gießen) Österreich x Critical Animal Studies A ustria (Gründung 2001, Wien) x Ethics and Hu man Ani mal St udies (Gründung 20 11, Wien) x Human-Animal Studies Innsbruck (Gründung 201 2, Innsbruck) x Messerli Forschungsins titu t (Gründung 2010, Wien) Schweiz x Institut für Inte rdisziplinäre Erfo r schung der Mensch-Tier-Beziehung (IEMT Schwei z) (Gründu ng 1990, Basel) Weitere in Europa (Kontinen t) x European Associ ation for Critical An imal Studies (EACAS) (Gründung 2015, kein Gründungsort ) x Europa HumAnimal Group (Gründun g 2008, Uppsal a (Schweden)) x Critical Animal S tudies Network (LUCASN) (Gründung 2016, Lund (Schweden)) x Human- Animal Studies Network, University of Easte rn Finland (Gründung 2009, Joensuu (Finnland)) x Finnish Society fo r Human-Animal Studies (Gründung 2009, kein Gründungsort (Fi nnland)) x Gruppo di rice rca HAS, Università degli Stu d i (G ründung 2013, Mailand (Itali en)) x British Animal Studies Network ( BASN) (Gründung 2012, Strathclyde (UK)) x Centre for Human Animal Studi es (G ründung 2014, Ormskirk (UK )) Zusätzlich haben sich in dem jungen Fors chungsfeld au ch be reits wissenschaftliche Zeitschriften etabliert, di e aus verschiedenen Blickwinkeln Mensch-Ti er-Verhältnisse/- Beziehungen betrachten und erforschen. x „Anthrozoös: A Multidisc iplinary Journal of the Interac tions of People and Ani mals“ (Erstausgabe 1987) x „Animal Welfa re“ (E rstau sgabe 1992) x „Society and Animals: Journal of Human -Animal Studies“ (E rstausgabe 1993) x „animals“ (Erstausgabe 1996) Ϯϵ  x „Animal Cogni tion“ (Erst ausgabe 1998) x „Journal for Critical Anim al Studies“ (Ersta usgabe 2003) x „animal - The International Journal of Animal Bios ciences“ (Erstausgabe 2007) x „Humanimali a: A Jou rnal of Human-Ani mal In terfa ce St udies“ (E rstausgab e 2009) x TIERethik. Zeitschrift zur Mensch-T ier-Beziehung (Ers tausgabe 2009) x „Tierstudien“ (E rstausgabe 2012) x „Animal Studies Journal “ (Erstausgabe 2012) x „Human-Ani mal In teracti on Bull etin (HAIB) (E rstausgabe 2013) x „Relations. Beyond Anthropoce ntrism“ (Erstausga be 2013) x „Trace – Journal for Human-Animal Studies“ (Erstausgabe 2015) x „Animali a – An Anthrozo olog y Journal“ (Erstausgabe 2015) Internationale und nati onale Fachtagunge n ergänzen die aktuellen Entwicklungen des Forschungsfeldes, wie b eispielswei se der Kongress „Mensch und Tier“ (Berli n, 2008), die Schweizer Tagung zu r Mensch-T ie r-Beziehung des IEMT Schw eiz (4. A usrichtung auf 2021 verschoben) oder die „ International e Konferenz: D i e Beziehung von Mensc h und Tier“ (Wien, 2014). Zahlreiche wei tere Tagungen der HAS werden auf dem Koordi nationswebportal www.human-anim al -studies.de angekündigt. Exem plarisch zu nennen sind Konferenzen od er Tagungen „Wohlergehen von Tieren“ (Müns ter, 2019), „Tierrede in antiker L iter atur“ (Po tsdam, 2018), „Tiere am Hof“ (München, 2016 ), „ Menschen und Tie r e zwisc hen Mittelalter und Moderne“ (Bam berg, 2016), „Op f er, Beu te, Ha uptgericht. Tiertötungen i m interdi sziplinären Diskurs“ (Kassel, 2015 ), „D as Tier in der Recht sgeschichte“ (H eidelberg, 2014), „Politische Tiere – Zoologische Ima ginationen des Kollektiven“ (Fr ankfurt am Mai n, 2013), „Mensch-Tier- Verhältnis in Ch ristentu m und Buddhismus“ (S tuttgart, 2011 ) oder „Tierexperimen t in der Literatur“ (Würzburg , 2011). Die Plattfo rm wird v om Chimaira Arbeitskreis ve rwaltet. Zudem werden bereits in den großen etablierten Fachtagungen Mensch-Tier-Verhältnisse /- Beziehungen behandelt, wie z. B. au f der Jah res tagung „Polarisierte Welten“ der Deutschen Gesellschaft für Sozi ologie (D GS) im Jahr 2022 i n Bielefeld, auf der sich sogar zwei Ad -hoc- gruppen mit Mensch-Tier -Th emen ausei nandersetzten. Die Aufzählungen und Ü bersichten der Forschun gsgruppen, Jou rnals und Tagungen erheben keinen Anspruch auf Vollständ igkeit. Sie zeigen aber deutli ch die aktuelle Entwi cklung des jungen Forschungs feldes und das brei te Themenspektru m der HAS. Zu ergänzen ist in diesem grundl egenden Kapi tel, dass neben den HAS auch weitere Begrifflichkeiten, wie Animal Studies ode r Critical-Animal Studies (CAS) kursieren. Letztgenannter Begri f f wird teilweise äqui val ent zu den HAS verwendet, ist aber eine Abspaltung der HAS und unterschei det sich deu tlich in der Ausr ichtung. Die CAS positionieren sich im Vergleich zu den HAS ei ndeutiger für di e A bschaffung der Ausb eutung von Tieren (Chimaira Arbeitskreis, 2011, S. 27; DeMello, 2012, S. 7; Spann ring et al., 2015, S. 19; ϯϬ  Kompatscher et al. , 2017, S . 27). Weiter verw en det wird der Begriff „Anthrozool ogie“. Dieser ist mit der Zei tschrift A nthrozoös verknüp ft un d beschreibt Forschung , die sich mi t der Interaktion und Verbund enheit zwischen Mensch und Tier bef ass t. Im Fo kus st ehen hier die positiven Effekte au f den Mens chen, die Ethologi e bezogen au f die ge meinsame Interaktion und der Einfluss von Tieren au f Menschen und umgekehrt (De Mel lo, 2012, S . 5; Mangelsdorf, 2011, S. 273-291; Mills & Marchand -Forde, 2010, zit. nach Spannring et al., 2015, S . 17-18). Der Begriff umrei ßt das Forschu ngsvorhaben de r vorliegenden Ar beit de fini torisch scheinbar genauer, ist aber in Deu t schland deu tlich we niger rezipiert, sodass fü r hier HAS verwendet wird.  2.1.4 Zwischenfazit Das sich en twickelnde F orschungsf eld de r HAS charakterisiert si ch durch die hohe Vielfalt seiner Themenfel der auf den verschi edenen Sozi alebenen (Seb astian, 2016, S. 22 ). Daraus ergeben sich viele und si ch teilweise überschnei de nde Schw erpunkte ( Chimai ra Arbeitsk reis, 2011, S. 11). Zent ral sind da bei die basalen Begrifflichkeiten „Inte raktion“, „Beziehung“ sowi e „Verhältnis“ zwischen Mensch und Tier. Das jung e Fors chungsfeld der HAS lässt sich also bereits inhal tlich umreißen, be findet sich aber weiterhin im Wach stum, wie die steigenden Anzahlen der Veröffen t lichungen sowie di e neu gegründe ten Fors chungsgruppen zeigen. Diese positiven Entwick lunge n, die bereits eine ka tegorisch e Eigenstä ndigkeit des Felds suggerieren, dürfen aber nicht davon ablenken , dass di e HAS noch nicht den Status einer eigenen Wissenschaft er reicht ha t. Zwa r merken Ar luke et al. (2015, S. 81) sowie Roscher (2012, S. 40) an, da ss die HAS eine ge wisse wissenschaftliche Le gitimität in den Sozialwissenschaften e rlangt habe n, a ber es fehlt nach wie vor an ei genen Theoriegebäude n und Methodologien, sod ass diese bi sher aus anderen Wissensch a ften hinzugezogen und angewendet werden. Dies ist an sich nicht ung ewöhnlich, da sich beispi elsweise auch di e Erziehungswissenschaft verschiedener Methodologien, wie de r Psychologie und Soziologie bedient, aber bezoge n auf Forschungsfragen bezüglich Mensch- Tier-Verhältnissen /- Beziehungen sind S chwierigkeiten der Über tragung und gewisse In kompatibilitäten der Anwendung von Methoden und Modell en du rch die speziesüber greif ende Ausrichtung festzustellen (Busch ka et al., 2012, S. 20-21 ; Kompatscher e t al., 201 7, S. 26). Es ist also wichtig, eine Theorie bzw. eine Bezugswiss enschaft auszuwählen, die zu dem zu erforschenden The ma passt. Als ei ne Rahmu n g und Bezugswissenschaft di ent in der vorliegenden Dissertation hinsi chtlich der theoreti schen Annäherung sowie der Me thodologie die Soziologie. Konkret betrachtet wird dabei das Praxisfeld der tiergestü t zten Intervention mit dem besonderen Fokus auf dem Ei nsatz des Pfe rdes. Gründe , w arum sich die Sozi ologie al s Bezugswissenschaft hier besonders eignen kann, werden i m fol genden Kapitel dargelegt.  ϯϭ  2.2 Soziologie als B ezugswissenschaft der Human-Ani mal Studies Die Soziologie als Fachdisziplin erweist sich als f ruchtbare Per spektive für die HAS, da sie „vielfältige Zugänge für eine wissenschaftliche B earbeitung von Mensch- Tier-Beziehungen“ bietet (Milz, 2009, S. 236 ) . Dieses Potenzial de r Soziologie für den Unte rsuchungsgegenstand „Tier“ sehen auch mehrere ande re Autorinnen un d Autoren, wie z. B . De Mello (2012 , S. 20 ), Gutjahr und Sebastian (2013, S. 63-68), Mütherich (2015, S. 49-50) oder P f au-E ffinger und Buschka (2013, S . 9). Kompatscher et al. (2017, S. 20) b ezeichnen die Sozi ologie sogar als Vorreiterin in den HAS, da di e Mensch-Tier-Verhä ltnisse/-Bezieh ungen bereits 2006 das e rste Mal auf einem Sozi ologie-Kongress de r Deutschen Gesellschaft für Sozi ologie in Deutschland behandelt wurden (Pfau-Effinger & Busch ka, 2013 , S. 9; Thieme , 2015, S . 14). In gegenwärtigen Diskursen und Fa chzeitschriften de r Soziologie ist die „Fruch tbarkeit“ für Themenbereiche der HAS jedo ch eher marginal zu erkennen (Pfau-Effing er & Busch ka, 2013, S. 11-12), auch wenn e s nach Wiedenmann (201 9, S. 2 ) aus soziolog ischer Sicht sich nicht mehr um ei n „Orchi deenthema“ handelt. In vielen aktuellen Def initionen und B eschrei b ungen der Sozi ologie als Wissen schaft erscheinen Tiere nicht. Der Duden (2024c ) defin iert Soziologie beispiel sweise als die „Wissenschaft, Lehre v om Zusam menleben d er Menschen in einer Gemeinschaft oder Gesellschaft, von den Erscheinungsfo rmen , Entwicklungen und Geset zmäßigkeiten gesellschaftlichen Lebens“. Al s Hauptgegen stand der Soziol ogie wird nach wie vor die menschliche Gese llschaft gesehen (Chimai ra A r beitskreis , 20 11, S . 24; Rosa et al., 2020 , S. 40-41). Schä fers (2018, S. 419 ) konstat iert im Herausgeberwerk „Grundbegrif fe der Soziologie“: „Soziologie i st die Wissenschaft vom Sozi alen, d.h . den ve rschiedenen Formen der Vergemeinschaftung (z.B. Fa milie, Verwand tschaft, Sippe, Nachba rschaft ode r soziale Gruppe) und de r Vergesellschaftung (Organi satio n, Gesellschaft, Staat) d er Menschen“ . Den Menschen im Fokus hat auch von Wiese (2020, S. 5). Er hält in einem R e print be züglich der Soziologie fest: „Sie ist ein Zweig der Wisse nschaften vom Menschen“ . Di es führt er auf der folgenden Seite weiter aus und beschr eibt: „Sozi ologie [hat] mit dem Handeln der Mens chen in ihren Beziehungen zu den ande ren Geschöpfe n des Genus Homo zu tun, und zwa r bald als Typus, bald mehr als Pe rson“ (von Wiese, 2020, S. 6). Auch bei Sterbling (2020) in seinem Grundlagenwerk „Einfüh rung in die Grundl agen der Soziol ogie“ wird der Fokus auf den Menschen gelegt und eine deutliche Abgrenzu ng zwischen Ti er und Mens ch formuliert. „Zugleich ist de r Mensch aber al s „instinktreduziertes Mängelw esen“ zu betrach ten, bei de m ein großer Teil der bei Tieren durch Instinkte Verhal tensmus ter und dadurch gelösten Umweltanpassungen kulturell überformt ist, al so als sinnorientiertes und sinngeleitetes Handeln in Erscheinung tr itt […] , wobei die Soziolo gie zw ar nicht ausschließlich, aber doch vor allem am Handeln des M enschen, al so a m sinngeleiteten Verhal ten, i nteressiert ist“ (Sterbling, 2020, S. 107-108). Die Vorstöß e , Tiere mit ei nzubezi ehen, si nd folgl ich im soziologischen ϯϮ  Mainstream scheinbar n och nicht angekommen (Pfa u-Effinger & Buschk a, 2013, S. 11-13; Thieme, 2015, S. 13 ; Wiedenmann, 20 15, S. 263). Bestehende Arbeit en find en wenig bis keine Beachtung, obwohl die S oziologie als ei ne de r Ke rnwissenschaften der HAS rezipiert werden kann (siehe Kapitel 2. 1.2). Sta ttdessen kla m mer t(e) die Sozi ologie, wie auch andere sozialwissenschaftlichen Fa chdiszipl inen, Tiere aus. Im folgenden Unterkapitel wird thematisiert, welche A r g umente zu eine r Ausgrenzung von Ti eren führen.  2.2.1 Warum klamm ert(e) die Soziologie Tiere bi sher aus? „Soziologie“ besteht au s dem lateinischen Wort soci us und dem griechisc hen Wortbestand teil logos. „Gemeint is t also i m ursprünglichen, wört lichen Sinne die Lehre von den Mitmenschen“ (Pries, 2017, S. 23 ), das he ißt, Soziologie charakterisiert sich selbst al s Humanw issenschaft oder Humansoziol ogie (Pfau-Effinger & Buschka , 2013, S. 11-13 ; Gutjah r & Sebastian, 2013, S. 59; M yers, 2003, S. 48; T eutsch, 1975, S . 16; Wiedenmann, 2015 , S. 2 63). Dies spi elte i m Prozess der Etablierun g als eigene Wissenscha ft eine wichtige Roll e, da dadurch eine Abgrenzung zur Na turwi ssenschaft und ihren Method en stattfand und sich die Soziologie so ein Alleinstellungsmerkmal erschuf (Milz, 2009 , S. 237; Rosa e t al., 2020, S. 40-41; Seeliger, 2015, S. 2 5). Vor allem in der Zeit nach de m Zweiten Wel tkrieg vers chwand der Bezug zur Natur (Rosa e t al., 2020, S. 40-41). Ti ere und Natur wurden sei tdem vorrangi g anderen Wissenschaften zugeordnet ode r als vor moderne Relikte abgestempelt (G utjahr & Sebastian, 2013, S. 59 ; Wiedenmann, 2015, S. 262), sodas s sogar Berührungsängste und Tabuisierungen entstan d en, die die Ausblend ung von Ti eren weiter gefes tigt haben (Mütherich, 2015, S . 50). Im Selbstverständnis d er Soziologie zeigt sich also ei ne deutli che anthropozen trische Ausrichtung auf di e me nschliche Gesellscha ft. Der Mensch wird in den Mi ttelpunkt allen Geschehens gerü ckt un d von Ti eren und Natur deutlich abgegrenzt 13 (Buschka et al. , 2012, S. 21-22; Irvine, 2007, S. 11-12; Myers, 20 03, S. 48 ; Sanders & Arlu ke, 1993, S. 379; Sebastian, 2016, S . 17 ;  Thieme, 2015, S. 14). „Diese gesellschaftlich ti ef verwurzelte Vorstellung einer fundamentalen und kategorischen Diffe renz von ‚Mens ch‘ und ‚Tier‘ prägt auch die soziologische Wissenschaf t“ (Gut jahr & Sebastian, 2013 , S. 59 ). Kompatscher et al . (2017, S. 31) sow ie auch Bujok (2015, S . 119) , Fi scher (2015, S. 190) o der Wirth (2011, S . 77) bezeichnen di esen V organg der Abgrenzung als „ Othering“. Es bildete sich eine Mensch- Tier-Dichotomie (Chimaira Arbeit s kreis, 2011 , S. 8 ; P fau-Effinger & Buschk a, 2013, S . 9) bzw. ein Mensch-Ti er-Dualismus (Bujok, 2015, S. 115; Sp annring et al., 2015, S. 18). „Ti er“ wird al s Gegenbegriff zu „Mensch“ ve rwendet, welches sich auch auf sprachlicher Ebene in den  13 Die kl are Trenn ung zwi schen Mensch und T ier ist a uch historisc h gewachse n und begründet sich auf der Nutzun g des Tieres i m Acker bau und den vertretenen An sichten in der gri echis chen Philo sophie sowie im Christentum (Chimaira Arbeit skrei s, 2011, S. 11; Kompatscher et al., 201 7 , S. 32-41; Komp atscher, 2 019, 1. Absatz, 2. Absat z; Spannring et al ., 2015, S. 18; Mütheric h, 2015, S. 53 Ϳ ϯϯ  Gegensatzpaaren, wie Kultur-Natur, Moral-Instinkt oder zivilisiert-barbarisch zeigt (Mütherich, 2015, S. 50 -51). Inhaltlich fundiert und ze mentiert wird diese Dicho tomie bzw . der Dualismus zwischen Mens ch und Tier sowie das tierausschließende Selbstverst ändnis der Soziologie durch sogenann te soziologische K lassiker . Hervorzuheben ist hier George Herbert Mead (1863-1931 ) 14 , der sich in seinem viel ziti erten und interpretier ten Hauptwerk „Gei st, Ide nti tät und Gesellschaft “ mit der En twicklung von mens chlicher Identität und den dara u f wirkenden Einflüssen in Abhängigkeit von der Gesellschaft auseinandersetzt e (Mead, 2013, S. 284-307). Er befasst sich in seinem Wer k an zahlreichen Stel len mi t Ti eren, was fü r sozialwissenschaftliche Te xte ungewöhnlich ist, verwe ndet diese aber, um Menschen von Tieren ab zu grenzen und seinen Ansatz zu fundieren. Mead spricht Ti eren hier im Verglei ch zum Mensche n u. a. Persönlichkeit, Geist, Intelligenz, Sprache und dami t auch Kommunika tion auf Basi s von Sy mbolen ab, sodass eine Auskla mmerung aus sei ne r Sicht l egitim er scheint. Er (20 13, S. 55) sch reibt exemplarisch bezogen a uf den Ausdruck von Gef ühlen bei Tieren: „Denkt man darüber nac h, so erkennt man, da ß es sich hier um eine fals che Method e handelt. Man kann unmögli ch annehmen, daß Ti ere Ge fühl e au szudrücken versuchen. Sie versuchen sie sicher ni cht für ande re Tiere auszudrücken. Man kann höchstens sagen, daß der „Ausd ruck“ sozu sagen als Ventil, ein gewi sses Gefühl fr eisetzt, eine emotionelle Haltung , von der sich das Tier irgendwie befreien mußte . Keinesfalls kann er beim Tier als Mittel dienen, ein Ge fühl auszudrücken; wir können vo n ihm nicht annehmen, daß [sic!] er einen individuelle n geistigen Inhalt ausdrücke“ (Mead, 2013 , S. 55). Aus Meads Sicht sind die Reak ti onen des Tieres auf seine a rt spezifische Umwelt instinkthaft zum Ziel e der Nahrungs beschaffung, Reviervertei di gung, etc . (Mead , 2013, S . 160) (siehe auch Abels, 2007, S. 17-18; A rluke, Sanders & Morr is, 2015, S. 80 ; Irvine, 2004, S . 4). Seiner Ansicht verhalten sie sich nach einem Reiz -Reaktions-Sche ma, sodas s das Verhalten im Gegensatz zum menschlichen Verhal ten keine Bedeut ung besitzt (Arluke et al., 2015, S. 80; Irvine, 2004, S. 4) . Meads Aussagen hinsi chtlich de r Unterschiedlichkeit von Men sch und Tier , die schl ussendlich zur Ausklam merung vo n Tieren füh ren, können anhand von verschieden en Kategorien i n Tabelle 2 visualisiert werden.  14 Mead selbst war kei n Soziolo ge, sondern Ph ilosoph und So zialpsychologe (Abe ls, 2007, S. 13; Miebach, 201 4, S. 25; Morr is, 2013, S. 9; Vester, 2009b, S. 135; Winter, 202 0, S. 149). Er besitzt aber ein en großen Einfluss a uf die Soziolog ie. Vertie fende Ausführunge n hierzu finden si ch in Kapitel 4.2. ϯϰ  Tabelle 2. Zusammenfassende Gegenü berstellung von Mensch und Tier na ch M ead (2013) (eigene Darstellung). Kategorie Menschen Tiere Kommunikation über signifikante Gesten und Symbole (gemeinsame Bedeutung von Wo rten u nd Gesten) Æ Verba lsprache Gesten, Gebä rden (Bedeutung ist nicht bewusst) Æ „Geste nsprache“ (Mead, 2013 , S. 53) Handeln planvoll, intendiert, absichtsvoll, beinhaltet Bedeutung instinkthaft, re fl exhaf t, R eiz- Reaktions -Schema, keine Absichtlichkeit, keine Bedeutung Denken (auch bezogen auf Vergangen und Zukunft) Ja Nein Reaktion Reaktionsverzögerung d urch Nachdenken direkte, instinktba sierte Reaktion Rollenübernahme, Perspektivwechsel Ja Nein Geist, Bewusstsein, Reflexivitä t Ja Nein (aufgrund von fehle nder Sprache) Identitä t (self) Ja Nein (aufgrund von fehle nder Sprache) Fähigkeit zur Nachahmung Ja Nein Emotionen Ja Ja, aber kein bewusster Ausdruck dieser Zentral und ausschlag gebend in Meads Ans atz insgesamt ist die Hervorhebung der Verbalsprache al s men schliches Alleinstellungsmer k mal, welche sich aus signifikanten Symbolen zusammen setzt (Mead, 2013 , S. 53, S. 100-115; siehe auch Abels, 2007, S. 21 ; Gallagher, 2016 , S. 159-160; Irvine, 2004, S. 4; Myers, 20 03, S . 53-54; Wiedenmann, 2015, S. 271). „Mead zufolge fehle Ti eren die Fähigkeit, signifikan te Sy mbole einzusetzen , wodurch sie nicht in der Lage seien, Bedeu t ungen auszuh a ndeln und di e Rolle von I nteraktionspartnern einzunehmen“ (Arluke et al., 2015 , S. 80; siehe a uch Alger & Al ger, 1997, S. 68-69; Wippe r, 2000, S. 50; Wieden man n, 2019, S. 5 ) oder zu denken (Abels, 2007, S. 24 ). Sie sind demzufolge auch keine Akteure und folgli ch ni cht untersuchungs re levant ( Gutjahr & Sebastian, 2013, S . 59 ; Wiedenmann, 2015, S. 2 63). Das heißt, auch, das s Sozialität demnach nur auf Basi s sprachliche r Verständigung möglich sein kann ( Irvine, 2004, S. 4 ; Wiedenman n, 2015, S. 271 ) (Vertiefun gen zu Mead siehe Kapitel 4.2). Wenngleich Mead s Ansatz mit zur soziologischen Ausgrenzung von Tieren füh rt, stellt dieser nichtsdestotro tz eine wic htige Grundlage für di e geschichtliche Einbett ung der Human-Animal Studies dar und bie tet durch sei ne Komplexität a uch weitere po tenziel le Anknüpfungspunkte zur Untersuchung des M ensch-Tier-Verhältn i sses (Gallagher, 2016, S. 15 3). ϯϱ  Die Vormachtstellung der menschl ichen Verbalsp r ache ist nicht nur aus Meads Theoriebrille charakteristisch . Bujok (2 015, S. 116) konstatiert: „Dass di e Tiere in den So zialwissenschaften bisher nicht zu Wo rt kamen, is t nicht zul etzt darauf zu rückzuführen , d ass die Sozialwissenschaften allei n die menschliche Sprache beachten , hingegen die nonverbalen und die nichtmenschl ichen Kommunikationsform en sowie die Handlungen und di e Konstruktionstä tigkeit nichtmen schlicher Ak teure erst langsam zur Kenntn is nehmen“ (siehe auch Sanders & Arluk e, 1993, S. 377-378) . Dies zeigt sich auch in der allgemeinen soziologischen Forschun g, die ebenfall s vorrangig auf de m Vorhandensein von Verbal sprache (geschrieben oder gesp r ochen) aufbau t bzw. a uf ihr basiert. D as Fehlen dieses zentralen Kriteriums zieht Schwie rigke iten hinsichtlich m ethodologischer Fragen sowie adäquater Theoriebezüge und der Anwend barkeit und Über trag ung soziologischer M o delle auf Mensch- Tier-Verhältnisse / -Bezie hungen nach sich. Jenes m erk t bereits Teutsch (1975, S. 26) an , der verschiedene Übertragu ngsschwi erigkeiten au fführt. Dadurch kann die auf den Menschen ausgelegte Forschungs methodik ebenfal ls als ak tu ell bestehendes Hinder nis für den Einbezug von Tieren gelten . Betrachtet man beispi elsw eise di e empirische Erf orschung, die geprägt ist von Befragungsmethod en, zei gt sich hier berei ts eine gewisse Gren ze hinsichtlich der „Befragung“ von Tieren. Die Soziologie sowie auch andere Sozial wissenschaften sind also auch hier (noch ), bis auf weni ge Ausnah men (z . B . Ameli, 2021), anthropozent risch ausgerichtet.  2.2.2 Warum können und sollten Tiere in die Soziologie einbezo gen we rden? Die beschriebenen Grün de, i nfolge derer Soziologie Tiere ausklamme rt(e), sind auf der Basi s zweier Hauptargumen tationsstränge nich t meh r halt bar . Dies be trifft die Allgegenwärtigkeit von Tieren im menschl ichen Leben sowie (v erhal tens-)biologische Erkenntnisse zu den Fähigkeiten von Tieren . Die im Folgenden genannten und e rläuterten Argumen te erheben keinen Anspruch auf Vollständi gkeit, sondern sind ledigli ch ei ne Annäherung an eine umfassende Begründun g f ür den Ei nbezug von Tieren in die Sozi ologie.  2.2.2.1 Allgegen wärtigkeit von Tieren un d ihre Bedeutung für den Menschen In der ers ten Argumentationsebene is t anzufüh ren, dass Ti ere auch in der Gegenwar t in zahlreichen Bereichen des Mensche n p räsent un d vielfältige Berührungsp unkte mit Tieren im alltäglichen Leben vorhanden sind (Bujok, 2015 , S 107-108; DeMe l lo, 20 12, S. 5; Otter stedt, 2012, S. 17; Sebas tian, 2016, S. 16). Bereits Teutsch (1975, S. 41 ) fo rmuli ert: „Jede r Mensch hat Beziehungen zu Ti eren, auch wenn er sich dessen oft ni cht bewußt ist, weil es keine Beziehungen zu einzelnen un d individuel l erkennbaren Tieren si nd, son dern Beziehungen existenzieller Art […] oder Beziehungen kollektiver Art“. Sogenann te Nutztie re dienen beispielsweise al s alltägliche Nahrungs- und M aterialquelle für den Menschen, wobei die ϯϲ  Begrifflichkeit „Nutzti er“ uneinheitlich verwendet wird 15 . Die Tierschutz- Nutztierhaltungsvero rdnung (§2, Punk t 1, Tier S chNutztV) konkre tisiert z. B.: „Nutztiere : landwirtschaftliche Nutztiere sow ie andere wa rmblütige Wirbelti ere, di e z ur Erzeugung von Nahrungsmitteln, Wolle, Häuten oder Fellen oder zu ande ren landwirtschaftlichen Zwecken gehalten werden oder deren Nach zucht zu diesen Zwecken gehalten werd en soll“. Vor allem die Erzeugung von Nahrungsmitteln spielt in De u tschland eine wichtige Rolle. Den Hauptantei l der Nahrungsmittelerzeu gung bildet laut Bund esministerium für Ernähr ung und Landwirtscha ft (folgend mi t BMEL abgekürzt) (2019 ) das Flei sch von Schwei nen, Rindern und Geflügel. Dabei wird Schweinefleisch mit circa 4,7 Millionen To nnen jährlich in Deut schl and am häufigsten verzehrt, gefolgt von Ge flügelflei sch mit circa 1,8 Millionen Tonn en und Rindfleisch mit circa 1,2 Millionen Tonnen (B MEL, 2019). Der Fl eischkonsum pro Jah r liegt insgesamt bei einem Pro-Kopf-Konsum von 51,6 Kilogramm (S tatista, 20 24d). Kompatsche r et al. (2017 , S. 78-79) und Nieradzik (2016, S. 124) subsu mmieren un ter „Nutztier“ zusätz lich noch sogenannte Labortiere , die im gewöhnlichen Sprachgebrauc h auch als Versuchst iere bezeichnet werden und zur Erforschung und Entwickl ung neuer Medikamente oder zu r Kosmetiktestung genutz t werden. Im Jahr 2022 gab es in Deutschland circa 1 ,73 Millionen Versuchstiere (S tatista, 2024e), hauptsächlich Mäuse, Zebrabärblinge und Ratten, die für verschi edene Zwecke eingesetzt werden (Sta tista, 2024f). Diese bi sher b eschriebenen Tang ierun gspunkte zwischen Menschen und Nutztiere n sind zwar du rchgehend im menschl ichen Leben präsent, werden im Alltag jedoch weniger be wusst wahrgenommen, da das Tierindividuum ni cht zum Vorschein tritt. Dies liegt u. a. darin begründet, dass di e Sichtbarkeit der Nu tztiere durch d ie räumliche Isolation im Ve rgleich z u früher weniger vorhan den ist (z. B. Umzug von Bauernhö fen an Randlagen im Ort, geogr afische Lage von S chlac hthöfen, Abschottung von Versuchslabo ren). Die einzelnen Tiere sind fü r den Menschen we niger grei fbar, sta ttd e ssen werden sie als Kollektiv bzw. hauptsächlich hi nsichtlich ihrer Funktion (Nah rungsmitte l, Lede rlieferant) gesehen. Das Mens ch-N utztier-Verhältnis ist bei diesen Formen der Nutzu ng von ei ner hohen emotionalen Distanz geprägt (Nierad zik, 2016, S . 127), wobei die Schlussfolgerung, das s zu den Nutztieren, die de r Schl achtung zugeführt werden , kei ne e motionale Verbindung aufgebaut wird, ni cht grundsätzli ch und in jedem Fall anzunehmen ist. Nach Kompatsche r et al . (2017, S. 79) und Nieradzik (2016 , S. 12 4) ge hören zur Kategorie „Nutztier“ auch Tiere , die mit und fü r den Menschen arbeiten . E s en tstehen Arbeitsbeziehungen zwischen Me nsch und Tier , die teilweise sogar ins titutionalisiert bzw. obligatorisch für einen g elungenen Arbeitsablauf sind (Chimaira Arbeit skreis, 2011 , S. 18; Sebastian, 2016, S . 20 ; Wilkenei t & Schulz, 2013, S. 123-164). Exe mplarisch für eine Integrierung von Tieren i n die men schliche Arbeitswelt können die für ver schiedene Zwecke  15 Die Kategorisier ungen von Tieren in Ha ustiere und Nutzti ere und die Kon struktion d ieser we rden in Kapitel 2.2.3.2 wieder themati siert un d näher untersuc ht. ϯϳ  ausgebildeten Hunde (Rettungshunde , Suchtmittelspürhunde etc. ), Polizeipferde und auch Tiere , die unters tützend in pädagogischen und therapeutischen Berufen eingesetzt sind, angeführt werden. Eben so zu erwä hnen sind die sogenannten Assistenzhunde , di e als gesetzliches Hilfsmittel ihren Menschen gesellschaft liche Teilhabe ermöglichen. Eine explizit e Verordnung, die Assist en zhundeverordnung (AHu ndV), regelt u. a. allgemeine Anforderungen an den individuellen Assisten zhund, seine Ausbildung sow ie die Überprü fung des Mensch- (Assistenz-)Hund-Te a ms. Diese Art de r Nutzung bezieht si ch dann weniger auf den Körper des Tieres al s auf de ssen körperliche und sinnesbezogen e Fähigkei ten, wie seinen Geruchssinn, sei ne Stär ke oder auch seine Ko mm unikations- und Interakti onsfähigkeiten, mit denen es den Menschen unterstützt bzw . seinen eigenen Arbeitsbereich a bdeckt 16 . Die Tiere besitzen in diesen men schliche n Arbeitswelten folglich ei ne zentrale B edeutung, was di e Argumentation für einen Einbezu g von Tieren in sozi ologische Bezüge weiter ve rdichtet. Gleichzeitig leben diese Tiere im Gege nsatz zu den anderen Nutztieren meistens mit dem Menschen, mit de m sie arbeite n , zusam men, sodass sie auch als Haustiere ka tegorisier t werden können. Haus- bzw. Heimtiere werden, wie die beiden Begriffe berei ts implizieren, meistens im Haus oder in de r Wohnung, übli cherweise aus ni chtökonomischen Gründen ge halten (Simeonov , 2014, S. 14; Teut sch, 1987, S. 88 ). Es existi ert aber keine einheitliche Definition oder Abgrenzung der Begriffli chkeiten (Kynast, 2016 , S. 130). So fasst die M ars -Heimtier-S t udie (2013, S. 12 ) beispiel swei se unter „Heimtier“ Hunde, Katzen, Klei ntiere (Bsp. Meerschweinchen , Kaninchen), Zi ervög el, Fische und Terrarientiere, im veterinärmedizinischen Fachbuch „Krankheiten der Heimtiere “ von Feh r , Sassenburg und Zwart (2015) fehlen in d er Aufzählung jedoch Hund e und Katzen. Für den Begriff „Haus tiere“ hält Kynast (2016, S. 130) fest : „Definito risch lasse n sich unter den H austieren die Spiel-, Hobby- und Heimtiere verstehen, di e im En glischen al s ›Pets ‹ be zeic hnet werden“. Die Heimtiere werden in dieser Definition unter di e Haustiere subsummiert, sodass im Folgenden als Begrifflichkeit „Hau stier“ ve rwendet wird. Trot z der fe hlenden al lgemeing ültigen Definition der Begriffe bei den H austieren s tehen im Gegensatz zu den Nutztieren, di e in ihre r Gesamtanzahl vo r allem als Fleisch- und Materi alressource dienen, die Tierindividu en im Mittelpu nkt. D as Zusam menleben und die Fre izeitgestaltung mit ihnen scheint eine zentrale Bedeutung für den Menschen zu be sitzen. Dies belegt auch eine Studie von Otterstedt ( 2008, o. S., zitiert nach Otters tedt, 2012, S. 18), di e im Kont ext von Mensch-H austier-Verhältnis/- Beziehung durchgeführt wurde. In dieser wurde b estätigt, dass da s Thema „Tier“ einen hohen emotionalen Wert besitzt, zu de m sich die Prob andin nen und Probanden gerne äußern. Die Begegnung mit Tieren wird in große r Vielfalt ge lebt, woraus die Autori n schl ießt, dass der  16 An die Frage, ob und inwie fern Tiere „ arbeiten“, k ann eb enfalls soz i olo gisch ange knüpft werden. Genauere Ausführungen f i nde n sich be i Wilkene it und Schulz (2013, S . 123-164). ϰϰ  welches nach den Forschenden Bartal, Decety und Mason (2011 , S. 1427-1430) Ansätzen von Empathi e entsprich t. Die angeführten Studien betref fen vor al l em die Artgen ossen. Hunde und Pferde können jedoch auch ar tübergreif end bezogen auf den Menschen Emotio nen erkennen und au f diese reagieren. Untersuchung en zu Hunden wurden z. B. von Albuquerque, Guo , Wilkinson, Savalli, Otta und Mills (2016, o. S.), Müller, Schmitt, Barber und Huber (2015, S. 601 -605), Sandfort, Burt und Me yers-Manor (2018, S. 374-386) so wie Grassmann (2014, S. 45-56) e rstellt. Letztgenannte Au torin ers tellte basierend auf verschiedenen eth ologischen Studien unterschiedliche auf den Men schen bezogene Fähigkeiten von Hunden zusammen. Studien zu Pferden in diesem Zusammenh ang wurden ex emplarisch von Proops, Grounds, Smi th und McComb (2018 , S. 1428-1432) oder Smi t h, Proo ps, Grounds, Wathan & McComb (2016, o. S.) durchge führt. Weitere Belege für di e engen S ozialbeziehungen von Ti eren unterei nander sind die sichtbare „ Trauer “, wenn ei n Artgenosse s tirbt. Dies wu rde bereits bei Elefanten (z. B. Douglas- Hamilton, Bhalla, Witte myer & Voll r ath, 2006, S. 87-102), Delfinen (z. B. Ritter, 2007, S . 429- 433) und Schimpan sen (z. B. Cronin, van Leeu wen, Mulenga & Bodamerm , 2011, S. 415-421) beobachtet. Die verschiedenen engen Verbindun gen der einz elnen Gr uppen mit glieder untereinander sind die Basis des komplexen Sozialgefüges verschied ener Ti erarten . In diesen sozial en Strukturen scheinen sogar gewisse sozi ale Regeln zu existie re n, die die Gruppen mitglieder einzuhalten haben (z. B. Andrews , 2009, S. 433-44 8). Wenn diese nicht be achte t wurden, konnte das Phänomen der Bestrafung bei unsozialem V erhalten festgestellt we rden. So zeig t en beispielsweise Kapuzi neraffen aggressives Verhalten gegenübe r den Artgenossen, die sich unkooperativ verhielten (Leim gruber, Rosati & Santos, 20 16, S . 236 -244). Damit zusammenhängend sche inen einige Tierarten ei n Gefühl für Fairness zu besitzen. Das wurde u. a. bei Hunden (z. B. Range, Lei t ner & Virany i, 2012, S . 170-194), Ratten (z. B. Oberliessen,  Hernandez-Lallement, S chäble, van Wingerden , Seinstra & Kalenscher, 2016, S. 157-166), Kapuzineraffen (z. B . Bro snan & de Waal, 2003 , S. 297-299 ) und Rabenvögeln (z . B. Wascher & Bugnyar, 2013, o. S. ) herausgefunden. V ersuchsdesign war in den meisten Fällen, dass zwei Tiere für dieselbe Leistung jeweils unte r schiedlich behandelt wu rden. Eines der Tiere erhielt immer ei ne sehr gut bewertete Belohnun g, das andere erhielt jewei ls weniger bzw. etwas weniger Gutes bzw. gar nich ts. Nach kur zer Zeit ve rweigert en die ungerech t behandelten Tiere die Mi tarbeit. Kommunikative Fähigkeiten in Bezug auf den Menschen Ein wichtiger Baustein im Sozialleben der Ti ere ist die artspezifische Kommunikation. Diese erweist sich bei vielen Tierarten, wie z . B. bei Wal en und Delfinen, als hochkompl ex und kann ϰϱ  an dieser Stelle nicht weiter ausgefüh rt w erden . Die kom munikativen Fä higkeiten der Ti ere zeigen sich jedo ch auch in der artübe rgrei fenden Ko mmunikation mit Men schen, wie verschiedene Studien zeigen. Es gelang bereits vo r über 30 Jahren, S chi mpansen bzw . Bonobos ein e Gebärdenspra che beizubringen (Gardner, Gardne r & van Cantfo rt, 1989 ; Sava ge-Rumbaugh & Lewin, 1994). Auch Delfine sind in der Lage , menschl iche Dreiwortsä tze zu ve rs tehen (Brensing, 2017, S. 119). Wichtiger für die artspezi fische bzw . artü bergreifende Ko mmunik ation ist jedoch die Körpersprache. Zahlrei che Ti ere können re ferentiell 22 und intentional mi t dem Menschen mithilfe ihrer Körper sprache kom munizieren (Brä uer, 2014, S. 108-110). Dies zeigt sich unter anderem am sogenann ten Pointin g (zentrale Geste), in dem das Tier auf einen Gegen stand „zeigt“ (Bsp. durch Blick e), um da rauf au fmer ksam zu machen. Dazu in der Lage sind u. a. Hunde (Bräuer, Mainski, Riedel, Call & Tomasello , 2006, S . 38-47; Hare & Tomsello, 2005, S. 439-444; Schneider, Grassmann , Ka minski & To masello, 2011, o. S .; Téglás, Gergely , Kupán, Miklósi & Topál, 2012 , S. 209-212), Pferde (Mal avasi & Huber, 2016, S . 899-909; Mejdell, Buvik, Jørgensen & Bøe, 2016, S. 66-73; Rin ghofer & Ya moto, 2016, S. 3 97–405; Takimoto, Hori, Fujita, 2016, S. 100-111), Delfine (Tschudi n, Call, Dunbar, Harris & van der Elst, 2001, S. 100-105), Menschenaffen (Le avens , Hopkins & Bard, 2005 , S. 185 -189; Moo re, 2016, S. 223-231) und Raben (Pika & Bugnyar, 2011, o. S . ). An dieser Stelle wären zahlreiche weitere Studien zu den kognitiven, so zialen und kommunikativen Fä higkeiten von Ti eren anzu führen , wie z. B . zum sozi ale n Lernen bei Tieren, welches bei unterschied lichen Tierarten auch a rtübergreifend bezog en auf den Menschen oder auf ande re Ti erarten möglich ist. Pferde le rnen beispielsweise durch Beobachtung sowohl von ihren Artgenossen, v orausgesetzt diese sind ranghöher (Krü ger & Heinze, 2008, S. 431- 439), als auch von Mensche n (Schuetz, Fa rmer & Krueger, 2017, S. 567-573) 23 . Deutlich wird aber auc h so, dass die ethologi schen Erkenntnisse e inen umfassenden Begründungszusammen hang für den Einbezug von Tieren in die Soziol ogie bieten können . Die Ethologie stellt de mnach einen Zugang zum k onkreten Tier für die Sozi ologie im Kontext der Human-Animal Studies dar. Darauffolgen d mu ss der Stellenwert von Ti eren in de r Soziologie überdacht u nd die Interaktionen zwischen Menschen un d Tieren müssen neu  22 Referentielle Kom munikation liegt vor, wenn der Sender d i e Aufmer ksam keit des Empfän gers auf ein vom Send er bestimmte s Ziel len kt. Dies passi ert durch be stimmte Gesten , die auf den Geg enstand zeigen (Malavasi & Hu ber, 2016, S. 89 9-909). 23 Ver tiefe nd zu de n aufg efüh rten F ähigk eite n stell en Brens ing ( 2017 ) sowie Bräue r (20 14) eine n umf assen den Überblick. Eine andere Ausrichtung wählen Bekoff un d Pier ce (201 7) in ihrem Werk „Sind T iere di e bessere n Menschen?“. Sie beschreiben glei chfall s wicht ige et hologi sche Studien , setzen diese allerdings in den Ko ntext von Moral und philosoph ischer Theorien und schaffen damit nac h ihrer Aus sage einen k ontroversen und prov okanten Diskussion sansat z (Pierce & Bekoff, 2017, S. 13). Ei ne etwas ander e Perspe ktive find et sic h bei L ohmar (2016) . Er bezieht zwar eben falls ethologis che Studien sowi e philosophisch e Ansätze mit ein ( hier basier end auf der deskriptive n Phänomeno logie von Edmund Hu sserl), legt den Sc hwerpunkt all erdings auf das ni cht -sprachliche System und seine Kompo nenten sowie Ausformungen. ϰϲ  analysiert werden. Ti ere verhal ten sich nicht nur nach eine m Re iz-Reaktions-Schema (siehe Mead, 2013), sondern er greifen selbst die „Initiati ve“. Die kogniti ven und s ozialen Fähigkeiten von Menschen und Tieren nähe rn sich du rch die ver tiefende ethol ogische Forschung scheinbar an, sodass Wild (2016, S. 56-57) kon statiert, dass di e s trikte Differenz zwische n Mensch und Tier , auf deren Grundl age Ti e re soziol ogisch ausgekl amme rt werden, demnach in Frage ges tellt werde n muss. Sande rs und A rluke (1993, S. 384 ) me rken an, dass de r Unterschied zwischen Mensch und Tie r eher „a mat ter of degree rather than kind“ da rstel lt. Die in der Inte raktion und auch in de r Du -B eziehung implizierte „B eidseitigkeit“ kann vollständig neu betrachtet werden, da nach Bujo k (2015, S. 117) „beide ihr Handeln an dem Verhalten des jewei ligen anderen orienti eren, […] sie di e Erwar tungen des ande re n miteinbeziehen und eine A ntwort abwarten, di e sie nicht ganz vo rhersehen und nicht vollständig kontrollieren können“. Auch Sebastia n (2016, S . 18) kon statiert schl ussfolgernd: „Es ist schl icht wissenschaftlich nicht mehr h altbar, zen trale sozi ale Kompetenzen wie Kommunikationsfähigkeit, Plan ung, Koope r ation o der reziproke Erwartung en und Ansprüche als ausschließlich menschliche Fähigkeiten zu be handeln“. Damit wären die un ter 2.2.1 aufgefüh rten Gründe für eine Auskl ammerung von Ti eren teilwei se bereits widerlegt. Wie denmann (2015, S. 2 74-275) führt hierzu ein Bei spiel zum Futtervers tecken von Ti eren an, welches den vollzogenen Perspektivw echsel kleinschrittig darlegt: „Ein Tier realis iert einen bestimmen Zwe ck (z.B. Futter zu verstecken) dadurch, da ss es (a) eine mentale Vorstellung davon entwi ckelt, dass und wie sein eigenes Verhalten durch die Beobachtung eines Anderen mental registriert wird . Es nim mt dabei (b) außerde m an , diese Fremdbeobach t ung dur ch ei n Gegenü ber sei an bes timmte »In teressen« und Verhaltensoptionen des An deren ge koppelt (z .B. an ei n ähnli ch er-lebtes [sic!] und motivi ertes »Interesse« a m Futte r), die es dann (c) du rch gezielt ausgewählte ei gene Ausdrucks- und Verhaltensweisen zu du rchkreuzen ver sucht (z.B. dadurch, dass es da s Verstecken des Futters si muliert oder dieses ers t dann ve rste ckt, wenn keine Fremdb eobachtung mehr angenommen wird )“. Wild (2016 , S. 57) führt an, dass es basierend auf den ethologischen Erkenntnissen gerech tfer tigt ist, Ti eren Gedan ken zuzuschreiben. Dies hat nach Gu tjahr und Sebastian (2013, S . 62) zu Folge, da ss viele „d er innerhal b der Soziologie als paradig matisch geltenden Ansätze und deren zentral e Begrif fe […] d abei jedo ch bei gen auerer Betrachtung von ihrem interhu manen Fokus au f die Mensch -Tier-Bezi ehung ausgewei tet und auf diese angewandt werden“ könn en. Der Kr itikpunkt b zw. das Hindernis de r fehlenden Übertragbarkeit von soziologischen The orien und Me thoden auf Mensch-Tier - Verhältnis se/ -Beziehungen ist folglich nicht in allen Fällen haltbar. ϰϳ  2.2.3 Welche soziolo gischen Anknüpf ungspunkte an die Huma n -Animal Studies gibt es bisher? Im folgenden Unterkapitel werden verschiedene sozi olog ische Anknüpfungsp unkte, di e bishe r zur Analyse von Mensch-Tier-Verhäl tnissen/-B eziehungen verwende t w erden, skizzier t, u m die vorliegende Dissert ation in das bestehe nde Forschung sf eld eino rdnen zu können. Sebastian (2016, S. 16) h ält fest, dass di e soziologischen Forschung sarbeiten zu der The matik seit den 2000er Jahren st eigen. Dies wird u. a. in den Kontex t von Tierrechtsbewegungen, wie PETA, gesetzt (Wiedenmann, 2015, S. 258 ). Die Anzahl der Verö ffent lichungen ist je doch quantitativ im Ve rgleich zu anderen Fo rsch ungsfeldern der S oziol ogie unbedeutend (Wiedenmann, 2015 , S. 260).  2.2.3.1 P ioniere fü r die Betrachtung von Tiere n in der Soz iologie Auch vor den aktuellen Entwi cklungen gab es mi t Theodor Geiger (1891-1 952) oder Gotthard M. Teutsch (1918 - 2009 ) berei ts zwei Vorrei ter, die sich deutlich früh er mit Mensch-Tier- Verhältnissen/-Beziehungen be fassten. Ihre, d er Mikroso ziol ogie zuzuordnenden We rke, gelten als Pionierarbeite n für da s Feld der HAS. Die Ansätze de r beiden Fo rscher p rägen auch aktuelle Forschungen zu Mensch-Ti er- Verhältni ssen/-Beziehungen. Besonders Theodor Geiger ist als wichtigster Vertre ter für de n frühen Einbezug von Ti eren in soziologische Arbeiten zu benenn en. In seinem Artikel „Das Tier als ges e lliges Subjekt“ aus dem Jahr 1931 unterna hm er ei nen ers ten um fangreichen Versuch, die G rundpfeiler einer Mensch-Tier-Sozi ologie zu skizzi eren (Sebas tian, 2016, S. 17 ; Wieden mann, 2015, S. 269 ) . Dabei hat er früh die Ge fahr einer soziol ogischen Trennung zwische n Menschen und Tieren erkannt. Gei ger (1931 , S. 283) for muliert: „D och darf e s nicht dahin kommen, daß die Gesellschaftslehre – und diese Ge fahr zeigt sich schon – mi t heftigerer ode r zag -ha ftere r [sic!] Geste die Frage nach ei nem tierischen Gemeinscha ftsleben als etwas ihre Kreise Störendes von sich schiebt und so eine neue Scheidewand z wischen de n Wel ten des Menschen und des Tieres errichte t wird“. E r plädiert auf der B asis verschiedener Gesichts punkte dafür, „die Unterscheidung menschlicher und „unte rmenschlicher“ Lebewese n fürs erste übe rhaupt bei- seite [sic!] zu lassen“  (G eiger, 1931, S. 284) . Seiner Ansicht nach gehö ren Menschen und Tiere zusammen , sodass sich di e Soziologie nicht vo r biologischen Erkenntnissen verschließen darf (Geige r, 1931, S . 284). In den Nutzungsverhäl tnissen (genannte Bsp. bei Geiger: Pferd -Reiter, Blindenhund-Blinder oder Jäger-Hund) ist be ispiel sweise ein Wissen über die „psychische Struktur“ des Tieres no twendig (Geige r, 1931, S. 30 5). Diese Zusammengehörigke it von Men sch und Tier bildet die Basi s für den theoretischen Ansatz Geiger s. Daz u überträg t er de n von Karl Bühler (18 79-1963) auf die zwischenmenschliche Bezi ehung bezogenen Ansatz de r sogena nnten Du-Evidenz auf die Mensch-Tier-Beziehung. Der Ansa tz besagt, da ss soziale B eziehungen zwischen Tier und ϰϴ  Mensch unte r der Vo raussetzung mö glich sind, „ daß die Partne r einander gegenseitig als Du evident seien“ ( Geiger, 1931, S. 301). Ev iden z bedeutet in diesem Z usammenhang die Überwindung einer Niveau-Spannung zwischen Me nsch und Ti er, welche durch ein Sich-auf- das-Tier-Einstellen und ein Ernstnehmen des Gegenübers in seiner Art überbrück t werden kann (Geiger, 1931 , S. 303-307 ). Dabei w erd en vor allem höhe re Lebewesen fü r den Menschen Du-evident, die ähnl iche sozial-emotionale Grundb edürfniss e wie der Mensch besitzen, da sie dadurch besser zu verstehen sind (Vernooij & S chneider, 2018, S. 8). Dies betrifft vo r allem Hunde, Katzen und Pferde, di e sich sozi al ve rhalten und d amit nach Jul ius et al. (2014, S. 20) zu Sozi alpartnern werden . Zu beachten ist, dass es manchen Menschen deutlich leichter fällt a ls anderen, die Ni vea u -Spannung zu Tieren zu überbrücken. Entscheidend für die E ntwicklung der Du-Evide nz sind persönliche E rlebnisse, subje ktive Einstellungen und authe ntische Ge fühle für da s Gegenüber (Beetz, Wohlfarth & Kotrschal, 2018, S. 36; Vernooi j & Schnei der, 2018, S. 8). Die ent wickelte Du-E videnz zeigt sich insgesamt an dem gegenseitigen Verhal ten der beiden Beziehungstei lnehmenden, wie beispielsweise in der Namensge bung des Ti eres oder indivi duumsspezi fischen Traue r, wenn es stirbt (Bee tz, Wohlfa rth & Kotrschal , 2018, S. 36; Geiger, 1931, S. 305; Ve rnooij & Schneider, 2018, S . 9) 24 oder bezogen auf das Ti er an der starken Gebundenheit an ei ne Person (Bsp. Hund). Du-evidente Tiere werden als Subjek te wahrgenomme n . Geiger (1931 , S. 285) hält dazu fest: „Unter einem Subjek t verstehe ich das Lebewesen, so fern es Sitz u nd Träger eigenen Inneseins ist, E rlebnisse als „di e seinen“ hat , d. h. Vorgäng e a uf sich bezie ht“. Nach Sauerberg und Wierzbitza (2013, S . 81 ) is t die Sub j ekthaf tigkeit von Tieren gegeben , wenn Inhalte the matisiert werden , in denen indi viduelle Präferenzen oder Abneigungen vo n Tieren vorkommen . Dies ergänzt die Defini tion von Geiger (1931) . Die Mensch-Tier-Beziehung ist demnach eine Bezie hung zwischen Subjek te n. Dies beruh t auf Ge genseitigkeit. „Das zahme Tier dürfte in eini gem Grad auch sei ne rsei ts zur Evidenz des mens chlichen Du gelangt sein“ (Geiger, 1931, S. 298). Bee tz, Wohlfar th und Kotrschal (2018 , S. 36-37) und Vernooij und Schneider (2018, S. 8 ) nehmen an , dass Du-Evidenz Vorausse tzung fü r Empfinden, Empathie und Mi tgefühl ist. Als weiterer früher Vertreter für den Ei nbezug von Ti eren in die Soziolo gie ist Gotthard M. Teutsch aufzuführen. Er kritisiert die soziologi sche Gleichgültigkeit be zog en auf Tiere h arsch (Gutjahr & Sebastian, 2013, S. 64) und plädiert in seinem En twurf in „Soziologie und E thik der Lebewesen“ aus de m Jahr 19 75 fü r eine interspezifische Sozi ologie mit einer Ausw eitung der Soziologie auf nicht- menschliche Ti ere (siehe auc h Bujok, 2015 , S. 120; Gutjahr & Seba stian, 2013, S. 64; Sebas tian, 2016, S. 17; Wiedenman n, 2015, S. 270 ) . Er sieh t seinen Ansatz „als  24 Du-evidente T iere sind au ch in bekannten Serien un d Filmen zu finden. Hierzu zählen der Große Tü mmler „Flipper“, der Hund „La ssie“ oder di e Pferde „Black B eauty“ oder „Fury, d er schwarze Hengst“ (Vernooij & Schneider, 201 8 , S. 9), d i e sich seit Jahre n gro ßer Be liebthe it erfreuen. ϰϵ  Antwort au f die Frage , ob es z wischen Lebewesen so verschiede- ner [sic! ] Art wie Menschen, Tiere und Pflanzen Bezie hungen gibt, die mit zwi-schenmenschlichen [sic!] Sozialbeziehungen vergleichbar sind“ (Teutsch, 1975, S. 17). Teutsc h (1975, S . 17) verweist hier au ch auf de n einflussreichen Soziol ogen Max Webe r (1864- 1920), der ebenfal ls di e Frage nach de r theoretischen Möglichkeit einer sozialen Mensch-Ti er-Bezieh ung au fwirft, diese aber nicht weiter ausführt (siehe auch Myers, 2003, S . 48 -4 9 ) . Dabei beton t Teu tsch (1975, S. 14 -15) die hohe Relevanz ethologischer Er kenntnisse f ür die Mensch-Tier-Be ziehung sowie die Bedeutung von Empathie bei ihrer Ents tehu ng. Als grundlegenden A usgangspunkt für seine Konzeption stützt sich Te utsch zu g roßen Teilen auch auf die theoretischen Überlegungen zur Du-Evidenz und Subjek tqualität von Geiger al s Vor aussetzungen fü r eine sozial e Mensch-Tier- Beziehung (Teutsch, 19 75, S. 14-19 , S. 48-53 ; Teutsch, 1987 , S. 40). Er hält fest: „Von sozialen Beziehungen im en geren Sinne kann man aber e rst spre chen, wenn eine gegenseitige oder mindestens ei nseitige Du-Evi denz gegeben is t“ (Teu tsch, 1975 , S. 41). Insgesamt lässt sich für beide Pion iere fes t halte n, dass di e sozi ale Men sch-Tier-Beziehung und ihr Potenzial für ein e sozi ologische Betrachtung den Schwerpunkt d er Ansätze bilden. Obwohl beide Autoren bereits sehr früh au f die Möglichkeit de r soziologischen Be trach tung von Mensch-Tier-Bezi ehungen hinw iesen und Optionen für den Einbezug von Tieren aufzeigten, exis t ieren durch die zementierte kon ti nuierliche Ausklammerung von Tieren noch wenige groß angelegte Studien zu Mensch-Tie r-Verhäl tnissen/-Bezieh ungen (Wiedenmann, 2015, S. 261). Ge rbasi, Gerbasi, Anderson un d Coultis (2002, S. 339- 346) un tersuchten beispielsweise di e Anzahl von Dissertationen im B ereich der HAS in den Jahren 1980 bis 1999 (n=259) und ka men zu dem Schluss , dass nur 4 Prozent einen reinen soziologischen und 17 Prozent einen pädagogi schen Hintergr und au fweisen. Ähnlich stellt es sic h in dem Li terature Review von Hosey und Melfi (2014, S. 121 ) dar. Hier wurden in 17 de r 328 u ntersuchten Paper soziologische Aspekte b erücksichtigt, welches ei nem Wert von circa 5,2 Prozent entsp richt 25 .  2.2.3.2 Überblick zu Forschun gsschwerpunk ten der So ziologie im K ontext der Human- Animal Stud ies Auch wenn der Ge samtanteil an soziol og ischen Frages t ellungen zu r Untersuchung der Mensch-Tier-Verhäl tnisse/-Bezi ehungen insgesamt no ch nicht sonde rlich hoch ist, können trotzdem berei t s einige i nhaltliche Schw erpunkte und theoriebezogen e A nknüpfungspunkte innerhalb der Soziol ogie herauskris tallisiert werd en. Pfau-Effinger und Buschka (2013, S. 9-  25 Die beiden Z ahlen lassen s ich nicht vergleichen, da das Literature Rev iew mit den Begr iffen „I nteraktion “ und „Beziehung“ vorr angig eine Mikr oebene b etrifft, di e vor allem e m pir ische Arbeit en erfasst, und da mit theoriebezog ene soziologisc he Überlegungen z u gesellschafts bezoge nen Mensch-Tier-Verhältni ssen nicht beachtet werden. Jedoch lässt s ich gerade i m deuts chs prachigen Raum eine höhere Anzah l an theor etisch en Arbeiten finden (Pfau-Effi nger & Buschka, 2013, S. 12), s oda ss auch h ier ein s ystematis ches Revi ew durchgef ührt werden sollte. ϱϬ  10) formulieren: „Aus so ziologi scher Sicht stellt sich in de m Zusammen hang insgesamt die Frage, in welcher Weise die Gegenwartsgesellsch aft en ihr Verhäl tnis zu den Tieren definieren und ausgestalten“. Wiedenmann (2014, S. 293) w ird noch konkreter und hält fest: Es „geht […] bei soziologischen Fo rschungen zu r Mensch-Tier - Sozialität um Verhaltens -, Handlungs- oder Kommunikationsprozesse, die i m Kontext von sozi alen Gebilden und Situationen (z. B. Landwirtschaftsbetrieben, Familien, V ersuchslaboratorien, Zoos , Schlachthäusern, Sportveranstaltung en, therapeutischen Sett ings usw. ) oder im R ahmen spezieller Sozialitätsebenen (z. B . In terak tion, Organi sation , Gesellschaft ) anal ysiert werden “. Die inhaltlichen Schwerpunk te durchziehen aufgrund ihrer Komplexi tät o ft mehrere Ebenen gleichzeitig. Gu tjahr und Sebastian (2013, S. 7 0) sow ie Seeliger (2015 , S. 43) plädieren deswegen auch für eine n mult idimensionalen Ansatz bei der Bet rachtung von Mensch-Tier- Verhältnissen/-Beziehungen. In den sich anschließenden Ausführ ungen geht es weniger um ei ne allumfa ssende Darstellung des Forschungsfeldes als um ei n U mreißen de r sozi ologische n Betrach tung von The men aus den HAS mit den zentra len Begr ifflichkeiten „Inter aktion“, „Beziehung“ und „Ver hältnis“. Die Einteilung in vier zentral e Bereiche orientiert sich an Busch ka e t al. (2012, S. 21 -26). Herrschafts- und Gewa lttheorien als soziologi scher Anknüpfungspunkt Ein Forschungsschwerp unkt auf m akro soziologischer Ebene , dem sich verschiedene Beiträg e widmen, ist die Anw endung und Übertrag un g von sozi ologischen Herrschafts- und Gewalttheo rien auf Men sch -Tier-Ve rhältnisse, vor allem bezogen au f das Mensch-Nutz tier- Verhältnis (Buschka et al., 2 012, S. 23-2 5). Grundlegende Ausg angsposition für die Übertragung dieser The orien is t die physische Verle tzbarkei t von Tieren. Bereits Legewie (1931, S. 150) hält fest: „Ich bin fest da von übe rzeugt, daß die höheren Tiere so etwas wie denken können, daß sie fühlen , lei den; letzteres in einem viel echteren Si nn als der Mensch“. Diese Verletzbarkeit ist als „Minimalkriteriu m“ dafür zu sehen, dass d er Begriff „Gewal t“ angewendet werden kan n (Buschka et al., 20 12, S. 24; Sebas t ian, 2016, S. 20). Als eine soziologische T heoriebril le di ent hier beispiel sweise Michel Fou caults (1926-1984) Herrschafts- und Machtanalytik , wie exe mplaris ch bei Wir th (2011, S . 43-84), der in sei nem Beitrag die Anwendba rkei t von Foucaul ts Theori ea nsatz analytisch herleite t , diese aber auch in bestimmten Aspekten verwi rft und darau f basierend ein dreigeteiltes Konzept (materiell, strukturell, episte misch) für eine ni cht-an thropozentrische Herrschaftsanal ytik erstellt. Ein anderer Theo riea nsatz, der angewendet wird, ist di e Kritische Theorie der Frankfur t er Schule , die hauptsächlich auf dem Werk „Dialektik der Aufklärung “ von T heodor W. Adorno und Max Horkhei mer (1944) aufbaut, in welc hem die Asy mme trie de s Mensch- Tier- Verhältnisses dargelegt wird. Sebas tian und Gutjahr (2013, S . 97-119) beschrei ben und systematisieren in ihrem Beit rag zentral e Aussagen der beiden Autoren , die im ϱϭ  Zusammenhang mi t Mensch-Tier- Verhältnissen e ntst anden sind. Beispiele für Anw endungen des theoretischen An satzes sind bei Birgit Müther ich (2015, S. 59-65) zu finden , die basierend auf dem festgestel lten Mensch-Tier-Dualismus und dem daraus gebildeten Tier-Konst rukt Parallelen zu Rassismu s und Sexismus zieh t. Auch Bujok (2015, S. 107-187), Möl ler (2015, S. 269-297), Ko mpatscher et al. (2017, S. 14 1) sowie Pfau-Effinger und Buschka (2013, S. 9- 19) stellen Bezüge zur Krit ischen Theorie her bzw. t reffen Aussagen über ihre wichtige Bedeutung hinsichtlich d er theoretischen Ra h mung von Mensch-Tier-Ve rhältnissen. Neben diesen theore tisch ausgerichteten Arbeiten gibt es im Kontext von Gew alt auch zahlreiche empirische F orschungsarbeiten, die s ich beispielweise mit de m Zusam menhang zwischen Tierquälerei und gegen de n Mensche n gerichtete Gewalt oder mit der Verbi ndung zwischen häuslicher Gewalt und Tierquälerei sowie Legitimierungsp rozessen zu diese m Thema auseinanderse tzen (A rluke et al., 2015 , S. 85-8 6). Bei Eingabe der Schlagworte „ cruelty “, „ abuse “ und „ v iolence “ in die Such funktion in de r soziologisch ge prägten Zeitschri ft Society & Animals ergaben sich zwischen 1994 und 2024 über 45 Tre ffer zu Artikel n, die diese Themenbe reiche aus ver schi edenen Persp ektive n behandeln. Konstruktion von Tieren  als sozio l ogische r An knüpfungspunkt Eng verknüpft mit dem vo rangegangenen Forschungsschwerpunkt sind soziale und gesellschaftliche Konstruktionsprozesse von Ti eren. Unter di esem Fokus wird in Forschungsarbeiten die Konstruk tion von Ti eren näher untersu cht , in der das Tier als e twas „ Anderes “ besti m mt und eine Grenze zwischen Me nsch u nd Tier gezogen wird (Bus chka et al., 2012, S . 21-25; DeMello, 2012, S. 10; Fische r, 2015, S . 188-210; Mütherich, 2015 , S. 49- 76; Sebastian, 2016 , S. 21). Buschka und Ro ua mba (2013, S. 24) formulieren hierzu: „Die soziale Konstruk tion des gesel lschaftlichen Mensch-Tier-Ve rhäl tnisses basiert au f einer Differenzbildung. Dies bedeutet , dass die me nschliche Gese llschaft den Menschen als gegensätzlich zum Ti er konstrui ert und sich von di esem abgrenz t. Zu m Zw eck der Abg renzung bildet sie die Kategorie das Tier und unte rscheidet diese von der Kategorie Mensch, di e sie als Norm setzt “. Die Grenze zwischen Mensch und Ti er ist al so nicht theoretisch fundiert, sondern gesetz t (Kompatscher, 2019, 2. Ab satz). Diese Setzung wird dann unter verschiedenen Gesich tspunkten untersuch t, wie exemplarisch bei Buschka und Rouamba (2013, S. 23-56 ). Die Autorinnen anal ysiere n die gegensätzli chen Konstruktionen zur Grenzziehung am Konst rukt „Gei st“, welcher al s z entrales Un terscheidungskriterium zwischen Mensch und Tier gilt (Buschka & Rouamba, 2013 , S . 23). Dieser setzt sich nach den Forscherinnen aus ac ht vers chiedenen Dimensionen zusam m en, die sie auf der Basis philosophischer Texte herausk ristallisieren (Allgemeine r Ansatz (a ssim ilationistisch - differenzialistisch) , Art des Bewusstseins , I ntentionalität und Repräse ntationen, Sprache, Lernen, Theorie des Geis tes, De nken und logisc hes Schließen, ϱϮ  Erinnerungsvermögen/Z eitverstä ndnis/Planungsvermögen )  (Buschka & Rouamba, 2013, S. 28). Als Ergebnis halten sie zunächst fest, dass sich basierend auf den ach t Dimensionen d rei Konstruktionstypologien erkennen lassen: 1) Tie re als prinzipiell geistig, 2) Tiere als g raduell geistig, 3) Ti ere als geistl os (Buschka & Roua mba, 2013 , S. 35-36 ) . Im zwe iten Schritt werden die acht Dimensionen dann unter dem Ei nbe zug verschiedener ethologischer Studien untersucht und di e Argu mente, die die Differenz zwischen Mensch und Tier ausmachen sollen, widerlegt (Buschka & Rouamba, 2013 , S. 38 -50). Diese Studie n lassen sich der Konstruktionstypologie „Ti ere als prinzipiell geistig“ zuordne n . Die Autorinnen schlussfolgern , dass „Geist“ kann demnach ni cht als Unters cheid ungskriterium zwischen Mensch und Ti er gesetzt werden kann (Buschka & Roua mba, 2013 , S. 50-53). An di eser theore tischen Betrachtung lässt sich s ehr gut die kon stati erte Durchlässigkeit der Di sziplinen in den HAS erkennen (siehe Kapitel 2.1.2). Sowohl Phil osophie als Disziplin al s auch ethologische Erkenntnisse sind hier zent ral für die Unte rsuchung. Neben der Konstruktion von Tieren i m Zusamme n hang mit Aus- und Abgrenzungsprozessen sowie Grenzsetzungen zum Menschen werden die ge tätigten Konstruktionen auch bei de r Zuordnung von Tier en in bestimmte „ Gruppen“ , wie beispi elsweise Nutztie r, Versuchstier, Zootier oder Haus tier , de utlich. Diese Zuordnung ist mei stens zweckgebunden, zieht ei ne bestimmte A rt der Behandlung des Ti eres nach sich und ist ebenfalls konstrui ert (Buschka et al ., 2012, S. 22 ). Das lässt si ch vo r allem an den scheinbar gegensätzlichen Begriffli chkeiten Haus- und Nut ztier aufzeigen. Beides sind in de r Regel domestizierte Tiere (Nieradzik, 2016, S . 12 2), sie werden abe r sehr un terschiedlich wahrgenommen und beh andelt (siehe Kapite l 2.2.2.1) . Dass di ese Zuordnu ng vom Menschen konstruiert ist , verdeu tlicht folgende A rgumenta tion, in wel chem als zentrales Kri terium die fehlende Trennschärfe der Begr ifflichkeiten au f unterschi edlichen Ebenen analysierend dargestellt wird: Im alltäglichen Sprac hgebrauch un d auch zur Differenzierung in der Politik wird die Trennung von Haustieren und Nutzti eren üblicherweise vo r dem Hi nte rgrund verwe ndet, verschiedene Tierarten und ihre Zwec ke bezogen auf den Menschen zu un te rscheiden (siehe Ho mepage des BMEL, 2024). Diese Unterscheidung is t je doch nicht obligato r isch an b estimmte Tierarten per se g eknüpft. Zwar le ben hauptsächlich Hu nde, Ka tzen sowie verschiedene Kleintiere mit dem Menschen zusam men und er füllen die unt er Ka pitel 2.2.2.1 besch riebenen Kriterien eines Haustieres, aber auch Ti erarten, die eigentli ch de n Nutztieren zugeo rdnet werden, können als Haustiere kategorisier t werden. Als Beispiel lassen sich Schweine anführe n, deren Intelligenz und soziale Fähigkeiten denen des Hundes, d er al s „be ster F reund des Menschen“ gilt , entsprechen bzw. diese übersteigen, wie z. B . bei ei nem Spiegeltest, in dem die Tiere di e Funktion eines Spiegels aktiv zu r Futtersuche nutzen können (Broom, Sena & Moynihan , 2009, S. 1037-1041). Die biologischen Grundlagen einer Ti e rart sowie damit ϱϯ  zusammenhängend ihre Fähigkeiten und Eigenschaften haben al so keine Auswirkung auf die Gruppenzuordnung, s tattdessen e rscheint diese „ arbiträ r“ (Kynast, 2016 , S. 131). Der Men sch „wählt“ das entsp r echen de Ti erindividuum zu sei nem Haustier . Dies wird auch v on Davis und DeMello (2003) in ihrem Werk „Sto ries Rabbits Tell: A Natur al and Cultural History of a Misunderstood C reature“ am Bei spiel des Kaninc hens t he matisiert. Die Grenzziehung e rweist sich wei terhin als a nfechtbar, da bestim mte Tierindiv i duen gleichzeit ig als Nutztier und als Haustier eingeordnet werden kö nnen . So gibt es beispielsweise Hunde, di e ge meinsa m mit dem Menschen bzw. für diesen arbeiten , wie ein Lawinenspürhund oder ein Blindenführhund, ab er auch glei chzeitig mit dem Menschen al s Haustier mit dem Status eines Familienm itglieds leben, folglich eine Doppelro lle einnehmen. Als weiterer wichtiger Aspekt ist auch das Wo rt „ Nutzen “ in Nutztier kritisch zu re flektieren. „Nutzen“ wird im Duden (2024d) als „Vortei l, Gew i nn, Er trag, den man von einer Tätigkeit, de m Gebrauch von etwas, der Anwendung eines Könnens o. Ä. hat“ definiert. Hier stellt sich die Frage, ob ni cht auch aus geliebten u nd geschä tz ten Haustieren ein Nutze n für den Menschen gezogen wird, wenn diese als Par t ner- ode r Kinderersatz fungieren. Auch das Kriteriu m der emotionalen Bindung an das Tier kann nicht nur zwingend auf Haustiere bezogen werden. Zu Nutztieren k önnen ebenfall s emotional e Beziehungen aufgebaut werden, auch wenn diese geschl achtet werden. Die affektive Zuwendung des Menschen zum Haustier al s Unterscheidung zum Nu tztie r ist hier al so ebenfalls al s nicht- entscheidend zu wer ten (Kynast, 2016 , S. 131 ). Zusätzlich fällt die Zuordnung bei Pferden in e ine der Kategorien schw er, da es einerseits durch seine Größe und sei ne Bedürfnisse (meiste ns) nicht im Haus lebt, a ber anderer seits zu ihm häufig eine emotionale un d von Zuneigung geprägte Beziehung au fgebaut wird (Adolph & Euler, 1994; Peiska mmer & Josef, 2008). Zu gespitzt wird die Schwierigk eit der Zuordnung auch dadurch, dass Pferde im Gegensatz zu Hunden und Katzen geschlac htet werden dü rfen. Dies muss allerdings im sogena nnten Equidenpass, ei n Iden tifi zie rungsdok ument für Equiden , die in der EU gehalten werden, vo rher fe st gelegt werd en, indem ver merkt wird , ob das individuelle Pferd „zur Schlachtung“ oder „Nicht zur Schl achtung“ be stimmt ist. Dies hat Auswirkungen auf die erlaubte Me dikation bei der Behandlung de s Tieres im Krankheitsfall , verändert also den Umg ang mit de m Tier du rch die Nutzbarmachung seines Fl eisches. An den beschriebenen Aspekten wird die Kons truktion der Be g rifflichkeiten Haustier und Nutztier deutlich. Die Übergänge zwischen den beiden G ruppen stellen sich als fließend dar, was auch Kynas t (2016, S. 13) fes t hält, obw ohl es sich bei den au fgeführten Aspek t en nur um eine oberflächlich e Annä herung handelt. Ob ei n Tier de r einen oder anderen Kategorie zugeordnet wird, ist immer durch den M ensche n bestim mt. Die Zuo rdnung geschieht nach Kompatscher (2019, 8. Absatz) willkürlich, aber Sebastian (2016, S. 19) merkt an, dass wahrscheinlich die zwei Faktoren „Möglichkeit ökonomischer Verwe rtbarkeit“ und „kulturelle ϲϬ  und auch selbst Erwartu ngen und Ansprüche an ihre A rtgenossen und a rtübergreifend an den Menschen haben. Schlu ssfolge rnd können kognitive, sozi ale un d ko mmunikative Fähi gkeiten sowie emotionale Befind lichkeiten nicht mehr als nur menschl ich gesehen werden, sodass soziologische Konzepte, wie di e Übertragung des Akteurs t a tus und Handlungsbegriffs, di e vorher nur für den Menschen galt en, möglicherweise auch au f Tiere e rweitert we rden können. Dies zieht hinsichtlich der Disziplin Soziologie nach sich, da ss der stri kte Dualismus von Mensch und Tier al s Arg ument de r Ausgren zung nicht mehr wissenscha ftlich haltbar is t. Die konstatierte Differenz zw ischen Men sch und Tie r ist aus eine m i nterdisziplinären Blickwinkel deutlich anfechtbar und sol lte zu einem Über denken des Stel lenwertes von Ti eren in der Soziologie führen . Die Vernachl ässigung bz w. Nicht-Beachtung von Mensch-Tier- Verhältnissen/Beziehung e n in der Soziol ogie ist nach den dargestell ten Gründen nicht mehr zu akzeptieren. Der Chi maira Arbeitskreis (2011, S. 19 ) plädiert dahi nge hend sogar für eine Reflexion des Gesell sch aft sbegriffs, da Mensche n nicht die ei nzigen sozi alen Wesen sind. Tiere sind al s feste r und wese ntli cher Bestandteil von menschli cher Ge sellschaft sow ie ihren Verflechtungen anzusehen (siehe auch Chi maira Arbeitskrei s, 2011, S. 18-19; DeMello, 2012 , S. 5; Sebastian, 2016 , S. 16). Ti ere si nd Teil des gesellscha ftlichen We rte- und Ordnungssyste ms sowie prägende Interaktionspartne r (Buschka e t al . 2012, S . 21, Sebastian, 2016, S. 16; Wiedenm ann, 2015 , S. 272-275). Eine E rfor schung de r Verhältnisse und Beziehungen zwischen Mensch un d Tier in der Soziologie erschei nt folglich nicht mehr nur legitim, sondern soga r obligat orisch, im Besonderen, wei l die Soziol ogie ein hohes Potenzial für Themenfel der der HA S besitzt. Dieser argumen tativen B asis folgen inzwischen verschied ene Soziologinnen und Soziologen und befassen sich a uf Grundl age sozi ologischer Frageste llungen mit Mensch-Tier- Verhältnissen/-Beziehungen. Dabe i sind bereits bestimmte sozi ologische Bezüge e rkennen , die im Kontext von Mensch-Tier-Ve rhältnissen /-Beziehungen besonde rs häu fig betrach tet werden. Auch wenn es n och keine groß angeleg ten Studien gibt, lassen si ch die drei zent ralen Begrifflichkeiten der HAS, „I nte raktion“, „Bezieh ung“ und „Ver hältnis“ zwischen Mensch und Tier auf verschiedene n Ebenen soziologi sch anknüpfen bzw. aus unterschiedlichen Theoriebrillen betrachten. Inhaltlich fokussiert wird die Anwendung von Herrschafts- und Gewalttheo rien auf Mensch-Tier-Verhältnisse/ - Beziehungen, die soziale Konstruktion der Kategorie „Tier“ mit sich daraus ergebenden Ambival enzen sowie de r Wan del der Verhältni sse / Beziehungen unter bes onder er Berücksichtigung von sozialen Be w egungen. Zentral für die vorliegende Dissertation ist jedoch die soziologi sche Einbettung von Ti eren in so ziale Mensch- Tier-Beziehungen, die b ereits von den Pionieren Geiger un d Teutsch ge fordert wurde. Ti ere werden in den Forschun gsarbeiten, die den Vor r eitern fol gen, als Interaktionsteil nehmende sowie handelnde Akteure z. B . aus der P ersp ek tive des Symbolischen Interaktioni smu s gesehen. Die Ethologie, wenn gleich noch nicht in der soziol ogischen Betrachtung von ϲϭ  Mensch-Tier- Interaktione n etabliert, wird in dieser Arbeit als theoretischer und anwendungsbezogener Zugang zum konk r eten Tier al s Akteur bewertet. Bis hierhin wurden die mögliche n theoretisch en Bezugspunkt e fü r das Praxi sfeld der tiergestütz ten Interventi onen umfassend vorge stellt. Im folgenden Un terkapitel wird eine ausführliche Darlegung des Praxi sfeldes der tiergestü t zten Intervention en vorgenommen, bevor dezidiert soziol ogische B ezüge im Konte xt der Mensch-Tier-Interaktion herges tellt werden.  2.3 Das Praxisfeld der tiergestützten I ntervention Wie unter 2.1.3 in der Studie von Hosey und Melfi (2014) beschrieben, verzeichne t das Praxisfeld der tierges tützten In terventionen seit den 2000 er Jahren in Deutschland ein deutliches Hoch und ist weit erhin am Wa chsen. Der Einsatz von Tieren in Pädagogik und Therapie lässt sich jedoch berei ts bis in di e Antike zurü ckführen. Schon Xenophon und Hippokrates erkannten b eispiel sw eise die positive Wirkun g des Reitens eines Pfe rdes auf die menschliche Gesundheit (Debuse, 2015, S. 20; D KThR, 2015, S . 1; von Dietze, 2005 , S. 344; Stoffl, 2002, S. 41 ). Nach dem Ersten Weltk rieg wurden Pferde systema t isch bei Soldaten mi t Kriegsverletzungen eingesetzt (Deb use, 2015 , S. 20). Zusätz lich wurde während des Er sten Weltkriegs die ers te Blindenführh undschule in Old enburg eröffne t , die im Ja hr 1916 den ersten systematisch ausgebildeten Blindenführhund an einen Kriegsblinden ü bergab (Deutsche r Blinden- und Sehbehindertenverban d e . V. (DBSV), 2006, S. 7). Als Begründer der tiergestütz ten The rapie in der heu tigen Form wird de r US-amerikanische Psychologe Boris Levinson genannt, der das Potenzial des Einsatzes v on Tieren auf seine Patientinnen und Patien ten zufällig entdeckte . Als sei n Hund Jingles i n der Praxis war, reagierte sein anwesender Patient , ein Junge , der ni cht kom munizi erte, sehr positiv au f das Tier, sodass über den Hund erstmalig eine Ko mmunikation zwi schen Therapeut und Kind stattfinden konn te (Beetz , 2019, S. 12-13 ; Heye r & Kloke, 2013, S. 20 ; Julius et al., 2014 , S. 65). Daraus folgte ein s ystematische rer Einsatz des Hundes in Therapiesitzungen, sodas s Levinson seine Erkennt nisse im Jahr 1962 in se inem Artikel „The Dog as a co-therapist“ veröffentlichte (Levinso n, 1962, S. 59-65). A b diesem Zei tpunkt wuchs das Feld der tiergestützten The rapie im p sycho logischen Kont ext in den USA ra pide an (Taylor, 2013 , S. 26). In pädagogischen Kontexten wu rde ebenfal l s in den 1970er Jahren erstmalig ei n systematische r Einsatz v on Tieren dokumen t iert ( Wibbecke, 2013, S. 89). Begonnen hat die Bewegung mit d er Einrichtung von Jugendfarmen, auf denen Tiere gehalten w urde n sowie ersten Überlegungen zu m Einsatz von Tieren in der Schule un ter pä dagogischen Aspekten , ϲϮ  wie z. B. die Kinder-Tierschut z-Schule aus de n 50er Jahren von Ma thilde Rempis -Nast (Teutsch, 1980 , S. 4 35-455). Heute gibt es zahlreiche Vereine und Verbände , die sich intensiver mi t d en Wirkungen von Tieren auf Mens chen bef assen. Bereits i m Jah re 1977 entstand di e Delta Society (USA), die als Ursprungsorgani sation für di esen Berei ch gilt , zumal der Einsatz von Ti eren auch in den englischsprachigen Ländern ei ne längere Trad ition al s im deutschsprac higen Raum besitzt (Vernooij, 2015, S. 232). Mehr als zehn Jah re spä ter wurde der Fo rschungskreis für Heimtiere in der Gesel lschaft (Deutschlan d, Gründung 1988), das Inst itut für interdisziplinäre Erforschung der Men sch-Tier- Beziehung (Schwei z, Gründung 1989), die Inte rnational Association of Human A nimal Inte raction Organiz ations (IAHAIO) (USA, Gründung 1992), die European Society fo r Anim al Assisted Therapy (E SAAT) (Ö ster reich, Gründung 2004) und die  International Soci ety fo r Animal Assisted Th erapy (ISAAT) (Schweiz, Grü ndung 2006) sowie der Bundesverband Tiergestützte Inte rvention e. V. (Deuts chland, Grün dung 2017 ) gebildet. Allgemeine Zielsetzungen der V ereine und Verbä nde sind Qu alitätssicherung, E tablierung von Standards, Professiona lisierung sowie die empirische Erforschung der M ensch-Tier- Beziehung.  2.3.1 Definitionen und begriffliche Abgren zungen Auch wenn die aufge f ührt en (Dach-)Ve rbände und Vereine den Anschei n einer p r ofessionel len Basis für den Einsatz v on Tieren in Pädago gik und Therapie erwec ken, ist die aktuelle Terminologie durch die fe hlenden offiziel len Vorgaben wede r in Deutsc hland noch in den englischsprachigen Ländern ei nhei tlich (Beetz, T urner & Wohl farth, 2018 , S. 19; Vernooij & Schneider, 2018, S. 34). Vor allem in der Pr axis kursieren zahlreiche unter schiedliche Begrifflichkeiten, wie „Tierthera pie“, „tiergestützte Therapie“, „tie rgestü tzte Pädagogik“ oder , mit einer Fokus sierung auf eine Ti erart, „hunde gestützte Pädagogik“, „Hippotherapie“ oder „Delfintherapie“. Ein Ver such de r Strukturierung u nd Ab- bzw. Eingren zung des Feldes wird in dem Grundlagenwerk „H andbuch der Tiergestü tzten Intervention“ von Vernooij und Schneider (2018) vorgeno mmen. Die Autorinnen nutzen in Anlehnung an di e De finition des White Paper der IAHAIO (2018 ) die B egriffszusam mensetzung tiergestützte Interven tion (folgend mit T GI abgekürzt) (engl. Ani mal Assisted Inte rvention) als den geltenden Oberbegriff für zielgerichtet e und strukturie rte Maßnahmen mit dem Tier in pädagogischen, therap euti schen und sozialen Kontexten (Vernooij & Schneider, 2018, S. 34 ). Auch die ISAAT sowie der Bundesverband fü r Tiergestützte Inter vention e. V. verlinken au f ih ren Homepages die D efinition der IAHAIO als maßgeblich fü r die Eino rdnung. Viele weitere L i teraturen o rientieren sich ebenfall s an dem Grundlagenwerk ode r d er IAHAIO, wie Ags ten (2 009, S . 23-25), Beetz (2018, S. 238-239), Beetz (2019 , S. 14-15 ), Boyl e (2019, S. 21-23) , Hediger und Zi nk (2017 , S. 25-26), Heyer und Kloke (2013, S. 16), Julius et al. (2014, S. 68), Menke, Huck und Hage ncord (2018, S. 105 - ϲϯ  108) oder Wohlfarth und Mutschl er (2017, S. 25-2 7), sodass dieses auch in vorli egender Arbeit als Basis fü r die beg ri fflichen Abgrenzungen herangezogen wird. Unter den Obe rbegriff TGI fallen laut IAHA IO (2018, S . 5) drei Hauptbereiche, die tiergestütz te Aktiv ität , die tiergestützte Pädagogik sowie die t iergest ützte Therapie , die sich hinsichtlich de r Fachdisziplinen an Päda gogik, Psychologie un d Medizin anknüpfen lassen. Zu beachten is t hi erbei, dass es sich um nicht-bindende Definitionsversuche handelt, die keine allgemeine Gü ltigkeit aufweisen. Tiergestützte Aktivität Die tiergestützte Aktivität (folgend mit TGA abgekürzt) oder auch An imal Assisted Activity ist eine geplante In ter venti on, die zum Hauptziel di e Steige rung des Wohl befindens und der Lebensqualität von Menschen hat (Ve r nooij & Sch nei der, 2018, S. 34-35). Die IAHAIO (2018 , S. 5) erweite rt diese Beg riffsbestimmung : „Animal Assisted Activi ty […] is a planned and goal oriented informal intera ction an d visita tion cond ucted by the hu man -animal team for motivational, educa tional and recrea tional purposes“. Durchgeführ t wird die TGA von „meh r oder weniger ausgebi ldeten Personen unter Einb ezug eines Ti eres“ (Ver nooij & Schneider, 2018, S. 34 ) oder allgem ein gesagt von eine m Mensch-Tier-Tea m (Beetz, Turner & Wohl farth, 2018, S. 20). Auch das ei ngese tzte Tier be nötigt kei ne spezifische Ausbild ung. Bereits hier wird deutlich, dass es si ch um eine sehr offene Form de s Einsatzes ha ndelt. Zusätzlich wird kein besonderer zeitlicher Rahmen festgelegt, nach welche m die Intervention als abgeschlossen gilt, und ei ne Evaluation der Ma ß nahme oder eine sc hrift liche Dokumenta tion finden nicht sta tt (Ve r noo ij & Schneide r , 2018, S. 35). Als Beispiele für eine TGA sind Ti erbesuchsdien ste in Altenheimen zu nennen (B reitenbach, 2008, S. 236; Vernooi j & Schneide r, 2018, S. 35), wobei di ese von Otterstedt (2019, S. 13) sogar als eigenes Feld angesehen werden. Tiergestützte Pädagogi k Die IAHAIO (2018, S. 5) beschreibt die tierges tü tzte Pädagogik (folgend mit TGP abgekü rzt) (engl. Animal As sisted Education / Pedagogy) als „a goal oriented, pla nned and structured intervention direc ted and/or de livered by educa tional and related se rvice professional“, also eine zielorientierte, s t rukturier te und ge plant e pädagogische Maß nahme in einem pädagogischen Handlungsfeld. Das Ziel der T GP ist die Initiierung sozia ler und emotionaler Lernprozesse bei Kindern (Bee tz, 2018 , S. 238; Vernooij & Schnei der , 2018, S . 41). Beetz, Turner und Wohl farth (2018, S . 20) sehen wie d i e IAHAIO (2018, S . 5) die Ziel setz ung der TGP in de r Erreichung „ akademischer Ziele“ , wie der Ve rbesserung prosozialer Fertigkeiten und kognitiver Funktionen. Wie in de r Defini tion der IA HAIO (2018, S. 5) berei t s aufgezei gt, wird die TGP von (fö r d er-) pädagogisch ausgebi ldeten Fachkrä ften, wie Lehrkrä ften oder ϲϰ  Erzieherinnen und Erzie hern dur chgefüh rt (Beetz, Tu rner & Wohl farth, 2 018, S. 20; IAHAIO, 2018, S. 5 ; Otte rstedt, 2019, S. 10-12; Vern ooij & Schneider , 2018, S. 41). Er st- und letztgenanntes Autorenteam verweisen zudem auf no twendi ge Kenntnisse de r durchführenden Pe rson über das Tier, sein Ve rhal ten und seine Bedür fnisse. Vernooij und Schneider (2018, S. 41) ergänzen al s Kriteri um zusätzlich noch die spe zifische Ausbildung des Tieres. Es finden eine Fort schritts messung sow ie Dokumentation der Maßnahmen und zeitliche Planungen stat t ( Beetz, Tu rner & Wohlfarth, 2018 , S. 20; IAHAIO, 2018, S. 5). Dem Bereich der TGP zu geordnet ist die tiergestützt e Förde r ung (Vernooij & Schneider, 2018, S. 38). In dieser wird die tiergestützte Pädagogi k mit einem individuel len Förderplan ergänz t, der vorhandene Ressour cen stärken und En twicklungsfortschritte un terstützen sol l (Vernooij & Schneider, 2018, S. 36-37). Otte rstedt (20 19, S. 11-12) sieht diese dagegen al s eigenständigen Bereich, der ni cht nur von pädag ogischem Fachp ersonal, sondern auch von anderen Berufen dur chgeführ t werden kann . Als Beispiel für TGP ist di e hundegestütz te Leseförderung (engl . d og-assisted reading program) anzufüh ren (Beetz & Heyer, 2014; IA HAIO, 2018, S . 5; Schüßle r, 2015). Tiergestützte Therap ie Wie bereits in der Einl eitung aufgegrif fen, wird ein Großtei l der in der Pr axis vorhandenen Angebote als tierge stützte Therapi e ( folgend mit TGT abgekürz t) bezeich net, auch wenn den umgesetzten Maßnahmen ni cht zwingend ein therapeutischer Chara kter innewohnt. In Anlehnung an Vernooij und Schneider (2 018, S. 41) wird T herapie allgemei n als di e Anwendung verschiedener Ve rfahren zur Hei lung gesehen. Auch der Duden (202 4f) nen nt al s Synonym für Therapie „Heilverfahre n“. Davon ausgehend ist die ti ergestützte Ther apie (engl. (Animal Assisted Therap y) eine the rapeutische Intervention, di e als Zi elsetzung Hei lung sowie die Verbesserung der Lebensgestaltungsko mpetenz beinhaltet. Hierzu sollen die Konfliktbearbeitung gest ärkt sowie physische u nd sozio-emotionale Fu nktionen unte rstütz t werden (Beetz , Turner & Wohlfa rth, 2018, S. 1 9; Vernooij & Schnei der, 2018 , S. 44). Die IAHAIO (2018, S. 5) be schreibt: „Animal Assis ted Therapy is a goal oriented, planned and structured therapeutic intervention di rected an d/or delivered by health , education and human service pro fessionals“. Weiterführend wird al s Ziel setzung de r TGT beschrieben: Die tiergestützte Therapi e „focuses on enhancing physi cal, cogni tive, beha vioral and/or soci o- emotional functioning o f the pa rticular human recipient“ . Eine deutlich weiter gefasste Definition nehmen ESAAT (2019, 1. Absatz) vo r: „‚Tiergestützte Therapie‘ umfasst bewusst geplante pädagogische, psychol og ische und sozi alintegrative Ange bote mit Tieren fü r Kinder, Jugendliche, Erwachsene wie Ältere mit kogni tiven, sozial -e motionalen und motorischen Einschränkungen, Verh alten sstö rungen und Förderschwe rpunkten . Si e beinhaltet auch gesundheitsfördernde, präventive und rehab ilitative Maßnahmen“. Hier wird deutlich, dass ϲϱ  dem Dachverband folgen d scheinb ar auch pädag ogische Interventi onen unter den Beg r iff der „Therapie“ fall en, was aus ei ner Sicht de r Pr ofessionalisierung des Feldes kritisch zu betrachten is t. Durchgeführt wird di e TGT von therapeutisch qual ifiziertem Personal ( Beetz, Turner & Wohlfarth, 2018 , S. 19; Breitenbach, 2008, S. 236; IAHA IO, 2018, S. 5; Ot tersted t, 2019 , S. 7 ; Vernooij & Schneider, 20 18, S. 44 ). Vernooij und Schneider (2 018, S. 44 ) ergänzen an dieser Stelle als Kriterium eben falls noch die spezifi sche Ausbildung des Ti eres. Auch hier werden die Fortschrit te wie bei der T GP gemessen und dokumentie rt und es gibt ei nen klaren Zeitplan (Beetz , Turne r & W ohlfarth, 2018 , S. 19; IAHAIO, 2018, S. 5). Als Beispiel für ei ne T GT sind die Hippother apie (Debuse, 2015; St rauß, 2000 ) oder die tiergestützte Psy chotherapie (Ganser, 2017 ; La dner & Brandenberge r, 20 18) zu nennen. Überblick zu den Begriffl ichkeiten un d Abgrenzungen in de n tiergestützten Interventionen Die Begriffsdefinition en können anhand verschied ener Kriterien tabellarisch zusammengefasst und a bgegrenzt werden (siehe Tabelle 3). Tabelle 3. Zusammenfassung d er begriffli chen Abgrenzungen des Ei nsatzes von Tieren innerhalb tiergestützter Interven tionen (eigene Darstellung) . Tiergestützte Aktivität Tiergestützte Pädagogik Tiergestützte Therapie Qualif izierte Fachkräfte Nein, häufig ehrenamtlich tätige Personen mit keiner spezifischen Qualifikation Ja, z. B . Lehrk räfte, Erzieherinnen / Erzieher, Sozialpädagoginnen und -pädagogen etc. Ja, z. B . Ergo-/ Physio -/ Sprach- / Psycho - therapeutinnen / - therapeuten, Ärztinnen / Ärzte Zielgruppen offen Vor allem Kinder und Jugendliche in pädagogischen Settings (einschließlich Kinder / Jugendliche mit Beeinträchtigungen) Menschen mit physischen und psychischen Erkrankungen Konkrete Zielvorgaben / pädagogische Maßnahmen mit de m Ziel der Ini t iierung von Lernprozessen und Unterstützung von Entwicklungsfortschri tten therapeutische Intervention mit dem Ziel der Verbesserung bzw . der Heilung von physischen / psychischen Erkrankungen Zeitlich er Rahmen und Dokumentation / Ja, z. B . im Rah men eines Förderplans Ja, z. B . im Rahmen eines Therapieplans ϲϲ  Beispiele Besuchshunde im Altenh eim, La ma-/ Alpakawanderungen Hundegestützte Leseförderung, Schulhunde, Erlebnispädagogik mit dem Pferd Hippotherapie, Psychotherapie mit dem Hund Die Abgrenzung von pä dagogischen und therapeu tischen Se ttings findet hauptsä chlich über den jeweilig erlernten u nd ausgeführten Beruf der durch f ührenden Pe r son und der damit einhergehenden Zielsetz ung statt. Dies en tspricht nach Beetz , Turner un d Wohl farth (2018, S. 21) den „Mindestanfo rderungen“ an di e Abgrenzu ng. Jedoch sind sow ohl der Pädagogik - als auch der Therapiebegriff mit verschiedensten B erufen zu verknüpfen . Beetz, Turner und Wohlfarth (2018, S . 21), Breitenbach (2008 , S. 237) sow ie Wohlfa rth und Mutschler (2017, S . 33) plädieren hi er als Lös ungsansa tz für di e begrif flichen Abgren zungen das Wort „tiergestütz t“ mit dem jew eiligen Grund beruf zu kombinieren . Da raus en tstehen dann in den therapeutischen Berufen Begriffs komposi tionen, wie tiergestü tzte Ergotherap ie, tiergestüt zte Physiotherapie oder tiergestü tzte Psychotherapie. Diese Überlegungen sind hinsichtlich einer Professionalisierung des Praxisfeldes relevant , es ist jedoch zu beachten, dass die Grenzen zwischen Pädagogik und Therapi e an manchen Stellen verschwimmen können, da sich die beiden Bereiche zwar in der Zi elsetzung untersch eiden, aber mi t ähnlichen Methoden bezogen auf den Tierkontakt arbeiten (ESAAT , 2019). Auch Menke, Huck und Hagencord (2018 , S. 29) führen sonderpädagogis che Fachkräfte explizit auf, um the rapeutisch mit dem Hund arbeiten zu können, und B reitenbach (2008 ) ve röffentlic hte Ergebnisse zur The rapie mit Delfinen in einem sonderpädagogis chen Fa chbuch . Hier werden zukü nftige En twickl ungen zeigen, ob sich eine trennscharfe A bgren zung zwischen pädagogischen un d therapeutischen Kontex ten bildet. Hinsichtlich der zahlenmäßigen Verteilung de r verschiedenen Fo rmen zei gt eine empi rische Übersichtsstudie von A meli et al. (2 023), dass sic h der Großteil der befrag ten durchführenden Personen (n=270 ) in den Bereich der TGP (40 , 3 %) einordnet , gefolgt von der TGT (29, 5%) und der TGA (16 ,5%). Als weitere Zuordnun gska tegorie ko nnte in der Befragung die tiergestützte Fö rderung (13,7%) au sgewählt werd en. Vernooi j und Schnei der (2018, S. 38) ordnen die tiergestützte Förderung ebenso zur T G P, sodass sich daraus schlussfolgernd über die Hälfte der Probandin nen und Probande n der TGP zuordnen würden. Als ei gener Zweig innerhalb der T GI hat sich zudem das tiergestütz t e Coaching , vor al lem mit Pferden, entwickelt (siehe z . B. Di elmann & Lohkamp , 201 6; Schü tz & Stei nhoff, 2019), dass an dieser Stelle aufgrund de r geringeren Relevanz im Gesamtkontext der TG I nicht weite r ausgefüh r t wird. Deutlich von den tiergestützten Interven tionen abzug renzen ist das N utzen von sogenannten Assistenztieren , wie Behindertenbegleittiere (Blindenfüh rhunde oder -ponys, Signalhunde, ϲϳ  Mobilitätshunde, Epilepsie-War n/Anzeige-Hund e, Diabeteswarnhunde, Autismushunde) oder PTBS-Hunde, die bei postt r aumatischen Belastu ngsstörung ei ngesetzt werden. Diese Tiere sind speziell ausgebildet, u m Menschen die Teilh abe an der Ge sellschaft un d größtmögliche Selbstbestimmung zu ermöglichen (Häcker, 2018, S. 453-454; Jung, 2003 , S. 360; Wohl farth & Mutschler, 2017, S. 31). Dazu erwerben die Tiere in ihren spezi fischen Ausbildungen Fähigkeiten und Fertigke iten, die fü r die Alltagsbewältigun g der Betroffenen nützlich sind (Häcker, 2018, S. 454 ; Vernooij & Schneider, 2018, S. 198 ; Wohlfarth & M utschler, 2017, S. 31). Assistenzhunde sind inzwischen auch auf r echtlicher Ebene verankert; für sie gilt seit Dezember 2022 die As sist enzhundeverordnung (AHundV).  2.3.2 Einsatzbereiche , Handlungsfelder und e inges etzte Tiere in tiergestützten Interventionen Wie durch die Definitionen sow ie Abgrenzung der Begrifflichkeiten be re its a ngedeutet, werden Tiere in unterschiedlic hen Handlungs -/Be rufs feldern und da mit einh ergehend auch in verschiedenen Bereichen un ters tützend einges etzt. Im Folg enden wird eine dreigetei lte Kategorisierung dieser in „Pädagogi sche Kontex te“, „Therapeutische Kontexte“ und „Andere Kontexte“ vorgeno mmen . Letztgenannte Kategorie wird durch die Vielfalt der Angebote nicht weiter eingegrenzt. Es findet durch di e fehlen de al lgemeingültige Definition bewusst keine dezidierte Zuordnung zu den einzelnen Fa chdiszipl inen statt. Als notwendiges Zuordnungskriterium die nen stattd essen der erl ernte und ausgeüb te Gr undberuf sowie die Zielsetzung hinte r der Inter vention. Auch hier wird durch die sehr vielfältigen Einsatzmöglichkeiten vo n Tieren in un terschiedlichen Kontexten eine tabell arische Darstellung gewählt (Tabelle 4). Diese erheb t keinen An s pruch auf Vollständigkeit und stellt eine komprimierte Zusa mmenfassung rel evanter Einsa tzbereiche dar. Tabelle 4. Verschiedene Einsatzberei che von Tieren in ve rschiedenen Kontexten (eigene Darstel lung). P ädagogische Kontexte Therapeutische Kontexte Weitere Kon texte x Kindergarten / Kindertagesstätte / Hort x Schule (alle Schulformen) x Kinder- und Jugend hilfe x Einrichtungen der Behindertenhilfe x erlebnispädagogi sche Settings x Physiotherapie x Ergotherapie x Logopädie / Sprachtherapie x Psychotherapie (z. B . verhaltenstherapeu tische und tiefenpsychologische Ansätze) x Seniorenheim x Kliniken x Management, Coaching x Hospize / Palliativbegleitung x Rehabilitation bei Sucht / Missbrauch / Del inquenz x Tiere in der sozial en Arbeit ϲϴ  Ähnliche Zusammenfass u ngen und Übersichten fi nden sich auch im Herausgeberwerk bei Beetz et al . (2018, S. 23 7-414), Menke, Huck & Hagencord (2018, S. 116), Otte rstedt (2019, S. 15-20) und Vernooi j & Schneider (2018, S. 157-193). Die Übersichts studie von Ameli et al. (2023) mit 270 tiergestützt arbeitenden Person en zeigt, dass als häufigster Kontex t des tiergestützten Angebo ts di e Schule, ge fol gt von der Kinder- un d Jugendhilfe, den Kindertagesstätten, die Psychother apie und die Arbeit mit Ti eren im Seniorenheim genann t wird. Die Vielfalt der Einsatzf elder und Kontexte der TGI führt zu eine r hohen Komplexitä t des Praxisfeldes. Diese e rhöht sich weite rhin dur ch di e zahlreichen unte rschie dlichen eingesetzten Tierarten. Die bekanntes ten Tiere im pädagogisch en und therap eutischen Einsatz sind Pferde (siehe Kapitel 3), Hunde und Delfine (vo rrang ig Große Tümmler ), wobe i der Bekann theitsgrad an der aktuell bestehenden Studie nlage sowie der Anzahl besteh ender Konzepte in der Praxi s festgemach t wurde. Der Einsatz von Hunden in tiergestützten Interventionen Das in Deutschland neb e n dem Pfe r d a m häufigsten eingese tzte Tier ist der Hund (Ameli e t al., 2023 ; Julius et al ., 2014, S. 192 ). Hier haben sich zahlrei che Subfo rmen des Einsatzes herausgebildet. A m bekanntesten im pä dago gischen Bereich si nd di e sogenannten „Schulhunde“, „Schulbegl eithu nde“, „Schulbesu chshunde“ oder „Klass enhunde“ in allen Schulformen. Dabei handelt es sich u m Hunde, die (tei lweise regel mäßig) in Klassen, in Kleingruppen oder in Einzelförderungen in der Sc hu le eingesetzt werden. Gefüh rt we rden die Hunde meistens von einer Lehrkraft (Ags ten, 20 09, S. 44 ; Beetz, 2019, S. 16). Zu beachten ist aber auch in diesem Kontex t, dass Begr ifflichkeiten und Einsa tzfor men nicht klar voneinander abgrenzbar sind. Die konkreten Fo rmen , Dauer und Häufigkei t des Einsatzes variieren deutlich (Beetz , 2018, S. 239-240; Beetz, 2019, S. 19-20) . Im deutschsp rachigen Raum sind die Veröf fentlichungen von Bee t z (2019), Beetz und Heyer (2014), Agsten (Hupäsch) (2009) und Heyer un d Kloke (2013) f ür den an wendungsbezo genen schulischen Kontext wegweisend. Auch die Plattfor m „Schulhun dweb“ bietet zahlreiche Informa tionsmöglichkeiten fü r Lehrp ersonen, die hundegestützt pä dagogi sch arbeiten wollen. Zudem entwickeln sich spezifi sche schulische Konzepte, in de nen Hunde eingesetzt werde n, wie exemplarisch die „h undegestützte Leseförd erung“ mit „Lesehunden“ (Beetz & Heyer, 2014; Schüßler, 2015 ). Letztgenannte A utorin erweitert die Lese förderung noch u m Sprachförderung . Auch für den Be reich der emotional-sozialen Förderung wurden Konzepte erarbeitet, wie die „kooperative Ve rhaltens -Mod ifikation mithil fe des Hun d es (KVM-H)“ von Liebich (2014, S. 137 -164) oder die „Tie rges tütz te Heilpädagogik – TGHP“ von Vanek-Gull ner (2003, S. 273-280 ). Bei beiden Konzepten steht die indizierte Zi elgruppe „Schülerinnen und Schüler mit Verhaltensauffälli gkeiten“ im Fokus. In therapeu tischen Set tings wird die ϲϵ  Begrifflichkeit „Therapie(begleit) hund“ verwendet (Hab enicht, 2013, S. 23-24; Menke, Huck & Hagencord, 2018, S. 93 ; Wohlfarth & Mutschler, 201 7, S . 11 ; Zähner, 2003 , S. 367), aber auch hier sind Variationen möglich, da die Bereiche st a rk divergieren. Im Berei ch der hundegestützten Psychotherapie en twickelten be ispi elsweise Ganser (2017) sow ie auch Ladner und Brandenbe rger (2018) Grundlagen un d Konzepte. Ha benicht (2013) befass te sich mit dem Hund im Bereich der Sprachtherapie, Ju nkers (2013) mit Konzep ten hundegestütz ter Ergotherapie und S törr (2011) erstellte ebenfalls ein Überbl ickswerk zu m Einsatz des Hundes in physio- und ergo therapeutischen sowie logopä dischen Kontexten. Der Einsatz von Delfine n in t iergestütz ten Inter ventionen Der Einsatz von Delfinen weist insgesa mt ein e hohe Po pularität auf , wie sehr positive Medienberichtersta ttung en mit aufsehenerregen den Begriff lichkeiten wie „D r. Flipper“ oder „Wunderheiler“ zeigen . Der Delf in, insbesondere der Große Tümmler, wird vor allem in den USA therapeutisch für verschiedene Krankheitsbild er eingeset zt (Breitenbach & Stumpf, 2003, S. 152-153; Schmidl, 20 12, S. 53-56) . Zi elgruppen sind u. a . Men schen mit Sprachstörungen , motorischen Stö rungen, Autismus-S pe ktrum oder Zerebralpare se, die von einer Therapeu tin / einem Therapeuten (z. B. Physiothe rapie) begleit et und un terstü tzt we rden, während eine Delfintrainerin / ein Delfi ntrainer den Delfin an leitet. Die Intera ktion mit dem Delfin findet entweder von einem Ste g aus oder direkt i m Wasser s t a tt (Frey, 2019, S. 247 ) . Brei tenbach (2008, S. 252) hält fest , da ss der the rapeutische Einsatz von Del finen d urch eine hohe Studienanzahl eine der am best en evaluierten F ormen der T GI hinsichtlich der Wi rksamkeit darstellt, wobei an diese r Stelle anzumerken ist, dass in den letz ten Jahren ei n deutlicher Zuwachs an Wirksamkei tsstudien für den Einsa tz von Hunden und Pferden zu verzeichnen ist (siehe Kapitel 2.3.4). S tumpf ha t fü r den Einsatz v on Delfinen be reits 2006 in ihrer Monografie einen umfassenden Überbl ick über die exist ieren den Wirksam keitsstudien erstellt und di ese anhand verschiedener wissen schaftlicher Kr iterien aus dem psy chologischen und sonderpädagogischen Feld bewerte t. Auch in Deutschland wurden Delfine therapeutisc h eingesetzt. B reitenbach veröffentlichte 2006 di e Ergebnisse einer von ihm und sei nem Team durchgeführten Wirkung sstudie der Delfintherapi e im Tiergarten Nürnberg (neben de m Zoo Duisburg die einzige Del finhaltung in Deut sc hland) in Koopera t ion mit der Universi tät Würzburg. Dabei wurde mit einem aufwändigen Forschungsdesign fest gestellt, dass sich die Kommunikationsfähigkeit der Kinder , die te ilnahm en, verbesserte und Fortschritte im sozial- emotionalen Verhalten vorlagen (Breitenbach, 20 08, S. 244). Inzwischen gibt es zahlreiche weitere Studien zur Wir kung von Delfinen auf de n Menschen , wie z. B. v on Gri ffioen, van der Stehen, Cox, Verhegg en und Enders-Slegers (2019), Hernández -Espeso, Mart ínez, Sevilla und Mas (2021), MdYusof und Chia (2012) zu Kindern i m Autismus-Spektrum, von Johannes, Bernius, Lindemann, Kraus de Camargo und Oerter (2016) zur Durchfüh rung einer ϳϲ  Eine ausführliche Diskussion anwendungsbezogener tiere thi scher Fragen , di e vor allem auch den Tierschutz bet reffen, kann an di eser Stel le nic ht vorgenom men werden, aber na ch Grimm et al. (2016 , S. 83) gehört de r Einsatz von Tieren in Pädagogik / T herapie zu den „paradigmatische[n ] Fragestellungen tierethischer Diskussion“. Auch Za mir (2006, S. 179-199) widmet sich der tiere th ischen Betrachtung des Einsatzes von Tie r en. Er kommt ba sierend auf verschiedenen Argumen ten zu de m Schl uss, d ass aus tierethische r P e rspektive lediglich Hunde und Pferde eingesetzt w erden dürfen (v ert iefend zu ei nem  tierschutzethischen und anwendungsbezogenen Standp unkt siehe auch Teutsch (1 987)). Diese rechtlichen Grundlagen sowie di e Reflexi on über tiere thische Fragen im Zusammen hang mit Tierschutz bilden die zwingend no twendige Basis fü r die Planung einer ti erges tützten Maßnahme . Wohlfarth und Mu tschler (2017, S. 23) kr itisieren aber, da ss tiere thische und tierschutzrech tliche Frag en in viel en Fach-/ Praxi sbüchern un d Konzep ten nicht umfassend beantwortet werden. Dies liegt auch an de m fehlenden Rückbezug auf die e thologischen Erkenntnisse zu dem e ingesetzten Tier . Dieses wird häufig aufgrund von persönlichen, positiven Erfahrungen eingesetzt , aber ei ne fundierte theore tische Ause inandersetzung mi t der Tierar t findet nicht s t att. Jenes is t jedoc h aus de r Perspek tive des Tierschu tzes obligatorisch, um das Wo hlbefinden der Tiere zu si chern und Leiden zu ver meiden (siehe auch Teutsch, 1987, S . 60-61) . S tattdessen steh t immer noch die po sitive Wirkung von Tieren au f den Menschen als zurze it existi erende Hauptperspektive auf tiergestüt zte I nterventionen i m Vordergrund.  2.3.4 Die Wirkungen von Tier en auf Mens chen – ein Überblick zu pädagogisch, psychologisch und medizinisch relev anten Effekten Aktuell existieren zahlrei che Wirkungsstudien zu verschiedenartigen positiven Effekt en von Tieren auf Menschen . T abelle 5 ist eine Zusa mmenstellung der Ergebni sse verschiedener Studien und Review s in unte r schiedlichen Literaturen (Beetz , 2019, S. 62-72; Beetz & Kotrschal, 2012, S. 49-50; Beetz, Wohlfarth & Ko trschal, 2018 , S. 24-27 , 31-32; Greiffenhagen & Buck-Werner, 2015, S . 32-37, 40 -42; Hosey & Melfi, 2014 , S. 126; Julius et al ., 2014, S. 53- 82; Ladner & Brandenberger, 20 18 , S. 12-16; Me nke, Huck & Hagencord, 2018, S. 110 , 203- 206; Olbrich, 2003 , S. 7 6 ; Ot terste dt, 2003a , S. 66-68; Pfeiler & Wenzel , 2015, S . 192-193; Spannring, 2015, S. 30; Spi tczok von Brisnski, 20 12 , S. 46-48, Ve rnooij & Schneider, 2018, S. 146-149). Zu beacht en ist hinsi chtlich der E ffekte, dass sie sich, obwohl sie auf sehr verschiedenen Studien beruhen, di e sich in de r Konzeption , Durchführu ng und Stichprobe unterscheiden und di e Effe kte nicht nach Ti erart und Zielgruppe d ifferenziert werden, überschneiden. Spitczok von Brisinski (2012, S . 55) und Vernooij und Schnei der (2018, S. 148) sprechen von so genannten unspezif ischen Effek ten , die aber insgesamt als nachgewiesen gelten un d sich auch mit den positiven Wirkungen der Haus tierhaltung de cken. ϳϳ  Zur grobmaschigen Strukturierung wird die Wi rk ung allgemein in ph ysi sche / physiologische, psychische und sozial e Effekte kategorisiert. Dabei sind fol gende p ositive Wirkungen festgestell t worden (siehe Tabelle 5). Tabelle 5. Positive Wirkungen von Tieren auf Menschen (eigene Darstell ung). Physisch / physiologis ch Psychisch Sozial x Positive Wir kung auf das Herz- Kreislaufsyste m (Senken des Blutdru cks / Stabilisierung des Kreislaufs) x Einfluss auf Hormone: Bsp. Erhöhung des „Glückshormon s“ Oxytocin, Reduk tion des Stresshormon s Cortisol (Speichel) x Reduktion von Schmerz x Verbesserungen der Motorik x Verbesserung von Muskelentspannung/ - anspannung x Verbesserung des Gleichgewichts und der Orientierung x Stimmungsaufhellung / Verminderung depressiver Zustände x Beruhigung / Entspannung x Reduktion von Angst x Kognitive Anregung x Positiverer U mgang mit chronischen Erkrankungen wie Demenz oder K rebs x Schnellere Kontaktaufnahme durch Katalysatoreneffekt der Tiere (Tiere als „Eisbrecher“) x Verringerung der Schwelle zur Kontaktaufnahme zu anderen Menschen / Erhöhung der Kontaktfähigkeit x Verbesserung sozialer Interaktion zwischen Menschen x Positive Auswirkungen des Umgangs mit Ti eren auf Bindungsfähigkeit Zu dem Wirken von Tieren als sozial e Katalysato re n ist noch zu ergänzen, dass dieser Effekt durch den Begründe r der tierges tützten Th erapie, Bo ris Levins on, der in seine r psychotherapeutischen Praxis mit seinem Hund un terstützend arbei tete , entdeckt wurde. Er veröffentlichte hierzu me hrere Artikel und seine St udien wurden vielfach repliziert, sodass de r „soziale Katalysa tor-Effe kt“ als belegt gelten kann (Jul ius et al., 2014 , S. 6 5-66). Tiere werden in diesem Zusam menhang auch als „Eisbreche r“ bezei chnet (Bee tz, 2019, S. 13; Germann- Tillmann, Merklin & Sta mm Näf, 2019, S . 42). Di eser Effekt konn t e aber auch unabhängig von einem gezielten Einsatz von Ti eren festges tellt w erden. Personen, die mi t ihrem Hund i m Park spazieren gehen, wurden z. B . eh er angesprochen, als wenn sie ohne Hund unterwegs sind. Das Tier eröffnete also mehr soziale Konta ktmö glichkeiten. Damit zusa mmenhängend wirken Menschen mit Tier an ihrer Seite freundli cher und sympathische r, wie in verschiedenen Studien herausgefunde n wurde und was vo r allem in der We rbung ei ngesetzt wird (Greiffenhagen & Buck-Werner , 2015, S. 41-43). Ein ausführliches Revi ew und eine detai llierte Darstell ung von Wir kungsstudien von Ti eren auf Menschen, die auch übe r die physischen und ps ychische n Effe kte hinau sge hen, finden sich bei Julius et al. (2014 , S. 53-82). Bei der A uflistung hat das Au torenteam dabei nur Studien ϳϴ  einbezogen, die ein w issenschaft liches Revi ewverfahre n du r chlaufen haben mit ei ner Mindestanzahl von 10 Studientei lnehmenden sowie ei nem validen Studiendesign (Jul ius et al. , 2014, S. 61-62 ). Eine ältere Me taanalyse zur Wi rkung von Tieren auf Menschen findet sich bei Nimer und Lundahl (2007, S. 225-238), die herausfanden, dass der Einsatz von Tieren vor allem in vier Bereichen erf olgsve rsprechend ist: bei Me nschen mit Autismus-Spektrum - Störungen mit einer Verminderung störungss pezifischer Sy mptome , bei medizinischen Schwierigkeiten, bei Ve rhaltensproblemen und bei Zi elsetzungen zu Verbesserungen d es emotionalen Wohlbefind ens. Auch das Autorent e am bemerkte, da ss e s sich um unspezifische Effekte handelt. Bezo ge n auf die Wirkung d es Hundes auf den Mensc hen verfasste Wells (2007, S. 145-156; 2009 , S. 523-543) einen St u dienüberblick. Als Erge bnis konstatiert sie, dass Hunde einen prophyl aktischen und therap eutischen Wert für den Menschen haben können. Winkler und Beel mann (2013, S. 4-16) erstellten eine Metaanal yse zur Wirkung von Pferden auf ps ychische Parameter und arbeitete n he raus, dass die grundl egende positive Wirkung von Pfe rden auf Menschen nicht in Frage gestel lt werden kann . Auch Barzen (2020, S. 48-63) analysier te in ei nem systema ti schen R eview psychische, soziale und emotionale Wirkungen pferdege stütz ter In tervention en auf verschi ed ene Zielgruppen. Grundsätzlich wird der pädagogi sch -the rapeutische Einsatz von Tieren bei bestim mten Zielgruppen besonders häufig evaluiert. Dazu gehören: x Kinder mit AD(H)S ( z. B. Br ei tenbach, Gomolla, Radek, 2021 ; Busch et al., 2016; Hyun et al., 2016 ; Schuck e t al ., 2018), x Menschen im Autismus-S pekt rum (z. B. Ajzenman, Standeven & Shurtleff, 2013; Bass, Duchowny & Llabre , 2009; Dimolare va & Du nn, 2021 ; Griffioe n et al., 2019; Hernández-Espeso et al., 20 21; MdYusof & Chia, 2012; Prothmann, Ettrich & Prothmann, 2015)  x Menschen mit ve rschie denen psychischen Erkrankungen (z. B. Pos ttraumatische Belastungsstörung, Dep r ession, Ano r exia Nerv osa etc.) (z. B. Berge t, Ekeberg & Braastad, 2008 ; Gathmann & Leime r, 20 04 ; Kirsche, Heske & Schäberle, 2022; McCullough, Risley-Curtiss & Ro rke, 2015). Insgesamt muss noch weitere Forschung zu spezifischen Konzepten, sowohl in pädagogischen als auch in therapeu tischen Bereichen, vor ange trieben werden, um auch hier die Empirie weiter zu fundieren und da durch Handlungsempfehlun gen für die Praxis abzuleiten. Dazu zählen nach Otterstedt (2019, S. 22-26), Menke, Huck und Hagencord (2018 , S. 118), Strunz (2016 , S. 144 -152), Vernooij, (201 5, S. 240-242) und Vernooij und Schneider (2018, S. 117-124 ) die B ereiche Motorik, Ko gnition und Lernen, Sinneswahrnehmung , Selbst- und Fremdwahrnehmung, Soziabilität und sozial e Entwicklung, E motionalit ät und emotionale Entwicklung, Sprache und Kommunikation (n onverbal sowie verbal), Selbstwirksamkeit, Selbstkonzept und Selbststeue rung sowie Motiva tion . Zw ar wurden in diesen Teilberei chen, ϳϵ  basierend auf langjährig en Beobachtungen und Er fahrungen in der Praxis sow ie zahlreichen Fallberichten, ebenfalls positive Wi rkungen be obachtet bzw . das Po tenzial von Tieren zur Förderung erkannt (Jul ius et al., 2014, S . 13 -16 ; Otte rsted t, 2019, S . 22-26; Vernooij & Schneider, 2018, S . 117-124; Wohlfar th & Mutschler, 2017, S . 65-85), aber di e e mpirische Betrachtung ist noch n icht fundiert. Es exis t ieren in diesen Wirkung sbereichen bereits zahlreiche kleinere Pilotstud ien mit ve rschiedenen Tiera rten und Untersuchungen mit zielgruppenspezifischen Fragestellu ngen, die teilweise aber unter V orbehalt betrach tet werden müssen , da die Ef fekte von den Verfasse nden in de r Interp retation der Daten übergeneralisiert werden. Ebenfalls festzustellen sind Mäng el im D esign oder in der Durchführung – z. B. du rch fe hlende Kont rollgruppen, das Fehlen randomi sierter Stichproben – oder der gänzliche V erz icht auf empirischen D aten oder eine Val idierung ( Breitenbach, 2008, S. 240; Grei ffenhagen & Buck-We rner, 2015 , S. 64; Wibbe cke, 2013, S. 90; Wohlfar th & Mutschler, 2017 , S. 6 6). Zu sä tzlich lässt si ch eine Tend enz zu subjektiv gefärb ten Ausprägungen der Auss agen erkennen (B reitenba ch, 2008 , S. 240; Grei ffenhagen & Buck- Werner, 2015, S. 64 ) und di e Messbarkei t de r Ergebnisse ist teilwe ise schwierig zu fassen (Greiffenhagen & Buck-Werner , 2015, S. 64) . Diese Kritik betrifft nicht n ur die aufgezä hlten Teilbereiche, sonde rn das gesamte Feld der TGI. Obwohl Tiere schon seit mehreren Jahrzeh nte n in pädagogischen und the r apeu tischen Kontexten eingesetz t werden, s t eh t eine solide e mpirische Untermauerung , di e einer kritischen wissenschaftlichen Überprüfung stan dhalten würde, no ch aus bzw. entwickelt sich weiterhin nur sehr langsam (Ba r ze n, 2020, S. 60; Spannring, 2015 , S. 31; Vernooij & Schneider, 2018, S. 143-147; Wohlfarth , Beetz & Riedel, 2018 , S. 4 72; Wohl farth & Mutschler, 2017, S . 22, 66). Hier sind noch keine großen Veränderungen zu den Anfängen der 2000er Jahre fes t zus tellen, als Olbrich und Otte rstedt (2003, S. 13 ) fes thiel ten, dass di e empirische Belegung de r Wirkweise und der Wirkmechanismen von Tieren auf Menschen in diesen K ontexten noch sehr gering ist. Gründe für das schleppende Voransch reiten sind di e be reits beschriebene große Vielfalt der Einsatzbereic he und -möglichkeiten, die vielen verschiedenen Tierarten sowie die fehlenden inhaltlichen Abgrenzungen. Zu sä tzlich erschwert auch hier die fehlende Einheitlichkeit der Fachtermini die Ausrichtung v on Studien (V ernooij & Schneider, 2018, S. 34). Der Beda rf an qualitativ ho chw ertigen und u mfassenden quan titativen Studien ist im Feld der TGI folgl ich hoch . Gleichzeitig ist di e anthro pozen trische Perspektive de r Eval uation der Wi rkung von Tieren auf den Menschen zu ein seitig und dementsp re chend für das F orschungsvorhaben der vorliegenden Dissertation nicht aus reichend. Um di e Sicht auf TGI zu erweitern und den tierlichen Standpunkt mi t einzubeziehen (siehe Kapitel 2.1), wird im Folgenden die umgekehrte Wirkung von Menschen auf Tiere betrachtet . ϴϬ  2.3.5 Wirkungen von Menschen auf Ti ere in tiergestützten Interventionen? Die Wirkung von Mensch en auf Tiere innerhalb de r TGI wird in den vers chiedenen Praxis- und Fachbüchern bisher wenig beachtet, der Fo rschungsbedarf ist hi er besonders hoch (Hosey & Melfi, 2014, S . 125-126; Jul ius et al., 2014, S. 50; Olb rich & Ottersted t, 20 03, S. 13; Pfeiler & Wenzel, 2015, S . 193; Wohlfarth & Mutschler, 20 1 7, S. 94). Zwar wird das Potenzial von Tieren hochgehalten und di e Tiere werd en als sehr positiv wahrgeno mme n, welches sich auch an den gewählten Begri fflichkeiten wie „Co-Therapeut/Pädagoge “ , „U n terstützer“, „Heiler“ oder „Begleiter“ zeigt, abe r die Gegenseitigkeit wir d bisher ni cht weiter unte rsucht. Pfeiler und Wenzel (2015, S . 193) konstatieren : „Bei de m Ver such, die positive Wirkun g von Beziehungen zu Tieren au f den Men schen zu erklären, tritt da s Tier als Sub j ek t in den Hintergrund . Auch werden generell die Kons equenze n von Mensch-Ti er-Interaktione n auf das Tier bzw. aus Sicht des Tieres nur in w enigen Arbeiten be rücksichtigt“ . Nichtsdest otrotz lassen sich Begründungen für den Einbezug der tierlichen Perspektive au f verschiedenen Ebenen finden: Neben der grundsätzlichen Erweiterung des a nthropozentrischen Stan dpunkts geben die verhaltensbiologischen Erkenntnisse zu den kognitiven, sozialen un d kommunika tiven Fähigkeiten von Ti eren (siehe Kapitel 2.2 .2.2) Anlass zu r gena ue ren Untersuchung der reziproken Effe kte. Für d en pädagogisch-therape utischen Bereich relevan t sind vor al lem die verhaltensbiologischen Studien zu Hunden und Pferden, da di ese insgesamt in den TGI am häufigsten eingesetz t werden. Es wurde beispi elsweise herau sgefunde n, dass Hunde und Pferde die Fähi gkeit besitzen, menschl iche Gesi chtsausdrücke und die darin transpo rtierten Emotionen zu erken nen und en tsprechend darauf mit Veränderung en physiologischer Parameter und des Verh altens zu reagieren (z. B.  Albuquerque et al., 2016 ; Grassmann, 2014; Proops et al., 2018 ; Smith et al., 2016 ; Téglás et al., 2012) . Das he ißt, dass auch beiden eingesetzten Ti eren in TG I durch den Me nschen Emo tionen ausgelöst werden . Dass Wirbeltiere E motionen besitzen, wird na ch Bohnet (201 1, S. 29) nich t mehr bestritten, diese r Aspekt wird innerhalb de r TGI jedoch bisher no ch selten au s wissenschaftlicher Pe rspektive betrachtet . Eine Betrach t ung ist nicht nur ba sierend auf den Fähi gke iten der Tiere bez ogen auf den Menschen rel evant, sonde rn auch vor dem Hintergrund von Tierschutz- sowie tierethischen Fragen (siehe Kapitel 2.3.3 ). Vo r allem die Frage nac h der Belastung von Ti eren während des Einsatzes ist bedeutend . Es finden sich zwar in de r Praxisliteratu r oberflächliche Hinweise auf den notwe ndigen Schutz von Ti eren im päda gogi schen u nd therapeutischen Einsatz, dies wird aber häufig ni cht weiter au sg eführt oder aus etho logischen und / oder veterinärmedizinischen Perspektiven beg r ündet. In de r Praxis können als Folge aus dem Nicht-Wissen negative Wirkung en durch den Menschen auf da s Tie r entstehen (z. B. Einschränkung des Wohl befindens). Dies kan n in de r Konsequenz auch die gesa mte Intervention negativ be ei nflussen, wenn die Zielgruppe b spw. ve rletzt wird (Bsp . Beißvorfall durch Überfo rderung des Tieres). ϴϭ  Wie tiergestützte Einsätz e au f Tiere wirken, wurde aus wissen schaftlicher Sicht bisher noch wenig untersucht. Erste Studienergebni sse zur Wirkung von TGI auf Hunde und Meerschweinchen werden folgend vo rgestellt, während die Effekte vo n TGI auf Pferde in Kapitel 3.3.3 aufge f ührt un d kontex tualisiert werden. Wirkungen t iergestützt er Interven tionen auf H unde Zu Hunden gibt es bisher ei nige wenige U ntersuchungen, die das Stressemp finden von Hunden in TGI messen . Zentrale Parameter zu r Bewertung sind me istens physiologische Veränderungen (z . B. d er Cortisol-Spi egel de r Tiere, Herzfrequenz ) , di e zu verschiedenen Zeitpunkten gemes sen werden, und / od er das Ve rhalten der Ti ere vor , während und nach den Interventionen . Aus de n vorliegenden S tudien kann bisher noch kein einheitliches Bild abgeleitet werden, da diese auf sehr un terschiedlichen In terven tionsset tings und Studiendesigns mit verschiedenen Forschu ngsschwerpunkten basieren un d die Ergebnisse variieren. Glenk et al. (2013, S. 369-378) haben beispielsweise in einer Studie mit fünf The rapiehunden herausgefunden, d ass sich die Cor t isol-Spiegel d er Hunde durch den Einsatz nich t signifikant erhöhten. Es konnte jedoch heraus kristallisiert werden, dass d er Faktor „an der Leine“ eine Rolle spiel te. Die Cortisol-Wer te bei den Hunden ohne Leine wa ren signifikant geringer als während den In tervention en mit einer Leine . Ng et al. (2014, S. 6 9 -81) wiesen in ei ner Studi e mit 15 Hunden eben falls nach, dass der Co rtisol -Spiegel währen d einer 60minütigen Intervention i m Verglei ch zu einer Situation zu Ha use sta t istisch nicht si gnifikant e r höht war, aber dass die Cortisol-Werte der Hunde in ei ner neuen Umgebung st atistisch signifikant erhöht waren und die Tiere ve rmehrt standen bzw. hechel ten. Auch Marinelli, Mongillo, Salvadoretti, Normando und Bono (20 09, S. 84-85 ) fanden in einer Studie mit fünf Hund en heraus, dass die Interventionen keine Au swirkung auf die Hund e bezogen au f den Para mete r Cortisol und stressbezogenes Ve rhalten hatten , sich aber die Bedürfnisse de r Ti ere nach ei ner Inter vention scheinbar veränderten . Sie spielten nach den I nterventionen mehr mit Artgenossen und zeigten mehr Bewegung, wohingegen di e Interak tion mit Menschen sowie Umgebungsexploration ab nahmen. Haubenhofe r und Kircheng ast (2007 , S. 127-150) haben sowohl den Cortisol-Spiegel von Hunden bei der du rchführenden Person als auch bei den eingesetzten Hunden gemessen und nachgew iese n, dass sich di e Cortisol-Werte sowohl bei der durchfüh renden Pers on als auch bei den Hunden erhöh t en. Bei den Menschen zeigte der Cortisol-Spiegel direk t vor der Sitzung deutli ch höhere Werte, bei den Hu nden erhöhten sich diese mit der Anzahl der Sitzun gen pro Woche. King, Watters und Mun gre (2011, S. 232-238 ) untersuchten ebenfalls den Corti sol-Spiegel bei Hunden und st ellten keinen signifikanten Unterschied fes t . Jedo ch zeigten jüngere Hu nde und weniger erfahrene Hunde mehr verhaltensbezogene Stre ssanzeichen. Carvalhoa, Nun es, de Sousa , Almeida (2020, S . 26-33) ϴϮ  erfassten bei 19 Hunden neben dem Cortisol-Spi egel auch die Her zfrequenz sowie di e Atmung vor der TG I-Sitzung zu Hause und danach. Die Ergebnisse zeigten zwar statistisch signifikante Unterschiede zwischen de n Mittelwer ten der In dikatoren zu Hause und nach einer T GI- Sitzung, die Werte befanden sich insgesamt aber i m Normal bereich. Es wurden jedoch Unterschiede zwischen TGA- und TGT-Settings deutli ch. Die Hunde in der TGA zeig t e n signifikant höhere mi ttlere Herzfrequenz-Werte nach der Sitzung im Vergl eich zu den Tieren in der TGT. Zudem wurde bei den Hunden, die lange zum Einsa tzort transportier t wurden ( > 50 Minuten) eine signifikan t höhere Her zfrequenz und hö here mittlere Atemfrequen z gemessen. Die Konzent ration des Speichel-Cor tis ols bewegte sich , außer bei einem Hund, im Normalbereich. Der hohe Wert bei de m ei nen Individuum ließ sich auf di e spezifischen Merkmale de r TGI-Sitzung zurückfüh ren. Melco, Gol dman, Fi ne und Pe ralta (2018, S. 10-28) untersuchten spezifisch die Wirkung von Kindern mit ADHS auf Hund e in TGI. Die neun untersuchten Hunde zeigten kei nen signifikante n Anstieg der physiol og ischen Parameter (Cortisol, Herzfrequenz ) sow ie nur weni g stressbe zogene Verhalte nsreaktionen. Als Voraussetzung für diese Ergebnisse sieht das Autoren team die hier gegebene sehr gute Schulung und Ausbildung der ei ngesetzte n Hunde sow ie der tiergestütz t arbeitenden Fachkraft. Auch in Deutschland wurde ei ne Studie zu Wirkungen TG I auf Hunde umgesetzt . Bidoli, Firnkes, Bartels, Erha rd und Döring (2022, S. 35-48) untersuch t en an 54 baye rischen Schulen, an denen mit H und gearbeitet wurde , die In teraktionen von Men sch und Hund sowie das Verhalten der Hunde in di ese n Mensch-Hund-In terak tionen. Die Häl fte der untersuch ten Interaktionen wurde als „problematisch “ eingestuft (z. B. gleichzeitiger Kontakt von mehreren Kindern / Jugendliche m it dem Hund, Umar men des Hundes). Die Hund e zeigten in diesen Interaktionen Rückzug sverhalten od er au ch passive Unterwerfung (z . B . Ducken). Ein Viertel der Interaktionen jeweilig der Kategorie „harml os“ bzw. „k ritisch“ zuge ordnet. Insgesamt konnte fes tgestellt werd en, da ss es in ältere n Klassen mehr „harmlose“ In teraktionen gab. Das Autorenteam hält abschli eßend fest : „In concl usion, this stud y raised som e serious con cerns about the dogs' wel fare and the pupils' sa fety , highlighting the imp ort ance o f na tional guidelines, including certification requirem en ts“ (Bidoli et al ., 2022, S. 35) . Wirkungen t iergestützt er Interven ti onen auf Meerschwe inchen Zu Meerschweinchen gi bt es bisher eine Studie von Gut, Cru mp, Zinsstag und Hediger (2018, S. 56-64), di e sich mit der Wirkung auf von TG I auf di e Ti ere befas st. Dazu wurde das Verhalten von fünf Mee rschweinchen (50 Beob achtungen, Within-Subject-Design) in drei verschiedenen Bedingunge n untersucht : 1) TGI-Setting mi t Rückzugsmögli chkeit, 2) T GI- Setting ohne Rückzugsmöglichkeit und 3) Kont r ollsetting ohne menschl iche In teraktion. Die Ergebnisse zeigen, dass die Hä u f igkeit, nich t aber die Dauer des Ve rsteckens, in dem T G I- Setting mit Rückzugsmö glichkeit im Vergleich zur Kont rollbedingun g signifikant e rhöht war. Im ϴϯ  TGI-Setting mit R ückzugsmögl ichkeit war die Anzahl der Episoden m it Komfortve rhalten konstant und es gab eine si gnifikante Zuna hme Anzahl des A ufschreckens und des Erkundungsverhaltens sowie der Dauer de r Fortbewegung im Verglei ch zur Kontrollbedingung. Während de r TG I ohne Rü ckzugsmöglichkeit konnte eine signifikante Erhöhung der Häufigkei t des Einfrierens im Vergleich zu m TGI-Setting mit Rückzugsmöglichkeit un d zur Kon trollgruppe beobachtet werden . Die Meerschwei nchen zeigten kein Komfortverh alten während Therapi e ohne Rückzugsmöglichkeit. Gut et al . (2018, S. 56-64) s chlussfolgern, dass ei ne Rück zugsmöglichkeit für die Tiere zu einer Stressreduzierung führt und dementsprechend in TGI mit Meerschweinchen angeboten werden sollte. Wenngleich die Studienergebnisse i nsgesamt noch kein einheitliches Bild zeigen, ist davon auszugehen, dass g rundsätzli ch eine Wirkung vo n TG I auf die Tiere bes teh t. Diese kann auch negativ sein, sodass sich deutliche Fragen des Ti erschutzes anschlie ßen. Gleichzeitig gibt es noch keine Studienerge bnisse zu möglichen positiven Em otionen von Tieren innerhalb der TGI-Settings, wobei hi er anzumerken ist, dass die Erforschung positiver E motionen bei Tieren generell noch lückenha ft is t, unabhängi g der TGI. Als Resümee aus den Unterkapit eln 2 .3.4 und 2. 3.5 zu den lässt sich fe sthalten, dass Tiere auf Menschen eine positive Wirkung au f versc hiedenen Ebenen besi tzen und umgekehr t ebenfalls eine Wirkung a uftritt, welche bisher jedo ch nur marginal erforscht ist. Haupt sächlich untersucht wurden die posi tiven Effek t e von Tier en auf den Menschen , wie di e hohe Anzahl an Wirkungsstudien zeigt. Daraus stellt sich di e F r age, aus welchen Gründen di ese Wirkung auf den Mens chen (und umgekehrt?) auf tritt 30 .  2.3.6 Theoretische Erklärungsansätze für die entstehenden Wirkungen in der speziesübergreifenden Beziehung Als zentraler Fak tor und Ausg angspunkt fü r die positive Wirkung gilt nac h der bestehenden (Praxis-)Li teratur der TGI die Bezie hung zwisch en Mensch und Tier , im Besonde ren die Beziehung zwischen der Zi elgruppe und dem eingesetzten Ti er (Gä ng, 2015a, S . 25; Germann-Tillmann et al. , 2019, S. 256; Gomol l a, Strauch, Stocke r & Teufel, 2011, o. S.; Hofmann, 2015, S. 18; Ladner & Bran denber ger, 2018, S. 12 ; Otterstedt, 2019, S. 31; Schläffer, 2020, S. 19; Scopa et al., 2019, o. S.; Vernooij & Schneider, 2018, S. 211-214). Diese Beziehung als Basis für den Einsatz von Tieren in Päda gogik und Therapie ist in das Beziehungsdreieck „du rchführende Pe rson-Tie r-Z ielgruppe“ zu kon textuali sieren und wird als maßgeblich fü r ein Gelingen der Intervention beschriebe n. Auch hier zeigt sich eine eher au f  30 Tiere wirken n icht au f alle Mensch en gleich. E s gibt auch Fäll e, in den en kei ne Effekt e oder negative ( z. B. Angst) zu erken nen sin d. ϴϰ  den Menschen ausgeric htete Perspektive , ob wo hl die Tiere selbst, vor allem Hunde und Pferde, in der Lage , enge Inte rspezies-Beziehungen zu „ihren “ Menschen au fzubauen (Jul ius et al., 2014, S. 175–176). Dieser Faktor wird im K ontext der Wirkung von TGI auf Tiere nicht weiter beachtet. Es wird jedo ch in verschiedene n Quellen aus der P raxis beton t , dass ein gegenseitiges Vertrauensverhäl tnis notwendi g is t (Germann-Ti llmann et al ., 2019, S. 256; Otterstedt , 2019, S. 75; Vernooi j & Schneider, 20 18, S. 25). Bisher werden ve rschied ene th eo retische Er klärungsansätze und Modelle zur Ents tehung der Mensch-Tier-Bezi ehung der Mensch -Tier-Beziehung (im Kontext der TGI) a us unterschiedlichen Fachdi sziplinen beschrieben. Im Folgen den werden sechs verschiedene Ansätze vorges tellt: x Du-Evidenz ( Ansa tz aus de r Soziologie von Geig er), x Biophilie-Hypothe se (Ansatz au s der Sozi obiologie von Wilson), x Anthropomorphisierung (disziplin enübergreifender Ansa tz), x Bindungstheorie (Ansa tz au s der Psy chologie), x Spiegelneurone (Ansatz au s der Medizin) sowie x Mensch-Tie r-Kommunik ation (Ansatz au s den Kommunikationswissenschaften von Watzlawick). Diese theoretischen Ans ätze ergä nzen sich gegensei tig bzw. l assen sich auch miteinander verknüpfen (Beetz, Wohl farth & Kotrschal, 2018 , S. 27; Vernooi j & Schnei der, 2018, S . 2- 13). Zudem gibt es wei tere mög liche Erklärungsansätze für das E nts tehen einer Mensch-Tier- Beziehung und der Wir kung von Tieren auf Menschen. Ebe nfalls relevant könnten die Bedeutung des „Glücksh ormons“ Oxytocin (siehe auch Julius e t al., 2014, S. 83-105) sowie der Einbezug der Motivati onstheorie als E rklärungsansatz fü r die Wi rkung von Men schen auf Tiere sein (Beetz , Wohlfarth & Kotrschal, 2018 , S . 38) . Auch Greiff en hage n und Buck-Werner (2015, S. 172 -185) stellen weitere Erklärungs mö glichkeiten der Mensch - Tier-Beziehung vor. Die der Mensch-Tier -Beziehung innewohnen de Inte rdisziplinarität wird anhand der verschiedenen Zugänge hier besonders deu tlich.  2.3.6.1 D ie Du-Evide nz nach Geiger Das soziologische Konstruk t de r Du-Evidenz nach Gei ger (193 1) liefert eine theoretische Erklärung fü r den Au fbau einer Mensch-Tier-Bez i ehung (siehe Kapitel 2 .2.3.1) un d die damit zusammenhängende Wirkung von Tieren auf Me nschen.Bezieht man di esen theoretischen Ansatz auf pädagogisch e un d therapeutische Kontexte , be deu tet das Konzept, dass di e Zielgruppe, vor allem Kinder un d Jugendl iche, mit Tieren Du -evi dente Beziehungen und „Freundschaften “ eingeh en kann, die sich auf E motionen gründe n. Als entscheidend ist hier folglich die so zial-emotionale Ebene zu bet r achten (Beetz , Wohlfa rth & Kotrschal, 2018, S. ϴϱ  36). Das letz tgenannte Autorenteam (2018, S, 37) s owie Greiffenhagen und Buck-Werner (2015, S. 24) se hen die Du-Evidenz als Voraussetzung , dass Tiere pädagogisch und therapeutisch wirken können. Es fehlen all erdings noch empirische E videnzen für diese Aussage.  2.3.6.2 D ie Biophil ie-Hypot hese nach Wilson Die Biophilie-Hypothese ist ei n so ziobiologisches Konstrukt de s US-amerikanischen Biologen Edward O. Wilson (1984) und ve rsucht zu erklär en, waru m sich Mensch en in allen Kulturen über Artgrenzen hi naus f ür Ti ere und die Natur interessieren . „Biophilie“ setzt sich dabei aus den alt griechische n Worten „bios“ (Leben) und „philia“ (Liebe) zusammen und beschrei bt davon ausgehend di e Liebe des Menschen zu m Leben und zum Lebendigen. Wilson (198 4, S. 1) hält fest: „The object of the reflection can be summarized by a single word, biophilia, wh ich I will be so bold as to define a s the innate tendency to focu s on life and lifelike proces ses“. Demnach ist de r Mensch „bi ophil“, er sucht trotz de r voranschreitenden Zivilisation bzw. Urbanisierung den Kontakt zur Na tur einschließlich der Tierwelt, sodass ei ne grundlege nde Affini tät des Menschen zu Leben, Le bensentstehung und Lebewesen festzustel len ist (Beetz, Wohlfa rth & K otr schal, 20 18, S . 29; Olbrich, 2011 , S. 113; Ladner & Brandenberge r, 2018, S. 20; Olbrich, 2 003, S. 69; V ernooij & S chneider, 2018, S. 5). Dabei handelt es sich nicht u m einen im Me nschen angelegten Ins t inkt, sondern „u m ein komplexes Regelwerk, welches das Verhal ten, di e Gefühle, aber auch die geistigen Fähigkeiten […] be trifft“ (Vernooi j & Schneider, 2018, S. 4). Dieses Regelwerk ist zu m einen dadurch bedingt, dass M ensche n mi t höheren Ti eren durch di e Evolution p hysiologische und kognitive Mechanismen s owie Hirnstrukturen, di e für das soziale Verhalten verantwortlich sind, teilen (Beetz, Wohl farth & Kotrschal, 2018, S. 28 ; Julius et al. , 2014, S. 2 0, S. 31; Kotrschal, 2011, S. 55-77). Zw ischen be iden herrscht ei ne evolutionäre Verbundenheit (Vernooij, 2015 , S. 233). Zum ande ren sind der Men sch und das Ti er in ihrer gesamten S tammesgeschichte und Kulturentwicklung eng mitei nander ve rbunde n und entwickel ten sich häufig ge meinsam. Bereits als Jäge r und Sammler bes tand ein s t arkes Interesse an der Natur und ihren Erscheinungen. So er mögl ichte die Beobachtung von Ti eren z. B. b ei droh ender Gefahr schon in früheste r Zeit, Inform ationen zur Umgebung zu erhalten (Beetz, Wohlfarth & Kot rschal, 2018, S. 28 ; Julius et al., 2014, S . 24-25; V ernooi j & Schneider, 2018, S. 5). Auch der Vo rgang der Domestizierung selb st, also die allmähliche Verwandlung von Wildti eren in Haustiere, belegt die ursprüngliche Nä he des Menschen zum Tier. Die von Wilson postuliert e Verbundenheit zum Ti er und zur Na tur wurde von Keller (1993, S. 42-59) aufgegrif fen und um neun Perspek tiven e rgänzt, die di e Bezugna hme des Menschen zu Tieren / zur Na tur verdeutlichen ( siehe auch Olbrich, 2003 , S. 70 -72; Olbrich, 2011, S. 113- 114; Vernooij & Schnei der, 2018, S. 6- 7 ). Dazu gehören: ϵϮ  Kommunikation basiert dagegen auf nonverbalen Inhalten , wie Gestik, Mi mik, Stimmmodulationen oder auch Berührungen (Ol brich, 2003 , S. 85 ). Zur Verdeutlichung der Unterschiede nutzen Watzlawick et al . (2017, S. 72) eine Fremdsp rache als Beispiel . Das alleinige Hören dieser führt ni cht zu einem Ve rständnis, aber durch das Betrach ten der sprechenden Person las sen sich dur ch ihre Mim ik, Gestik und / oder an deren körperlichen Ausdrucksmöglichkeiten Informationen abst rahi eren. Rückschlüsse zu m In halt werden folglich aus nichtsprachlichen Elementen gezogen (Scha mel, 2016, S . 124). Dies liegt darin bergründet, dass di e Ursprünge anal oger Ko mmunikation in ar chaischeren Entwicklungsperioden zu fi nden sind und al s Folge Mimik , Ge stik, Stimmmodulationen und Berührungen allgemeing ültige r sind als Wo rte einer Sprache (Wat zlawick et al., 2017, S. 72 ). Gleichzeitig ist die analoge Kom m unikation we niger komplex und auch ehrlicher als die digitale, da sie nicht verfälscht werden kann. Sie stellt den Zugang zum Bereich der Beziehungen oder „Bezo genheit“ und Empathie ( Bsp. Liebesbeziehung , aber au ch Umgang mit kleinen Kindern) dar und ist die Sprache für existenzielle Situa t ionen, wie Trauer oder Angst (Olbrich, 2003 , S. 85; Watzl aw ick et al., 2 0 17, S. 72-73). Die Semantik de r digitale n Kommunikation gilt dage gen als „unzulängl ich“, um die Bezieh ung auszu drücken (Schamel, 2016, S. 128 ). Zusammenfassend halten Watzlawick et al. (2 017, S. 78) fe st: „Mens chliche Kommunikation bedient sich digital er und analoger Modalit äten. Digitale Kommunikationen haben ei ne komplexe und vielsei tige logische Syntax, abe r eine au f dem Gebiet der Beziehungen unzulängliche Semantik. Anal oge Kom-munik ationen [sic!] dagegen besitzen di eses semantische Poten zial, ermangeln aber der für eindeutige Ko m m unikati onen erforderli-chen [sic!] logischen Syntax“. Menschen stehen beide Kommunika t ionsform en zu Verfügung (Watzlawick e t al., 201 7, S. 72; siehe auch Greiffenhagen & Buck -Werner, 2015, S. 48 ; Hediger, 2016, S . 107 ). Obwohl Watzlawicks Kommunikationsmodell au f Menschen ausgerichtet ist, wird au ch die Kommunikation von und mit Tieren von den Autore n beschrieben. Wa tzlawick et al. (2017 , S. 73) postulieren, da ss Tie re nur zur anal ogen For m der Kom mun ikation fä hig sind, a uch wenn einige Menschen sich si cher sind, dass ihre Hau stiere jedes Wo rt verstehen. Sie verstehen ihrer Ansicht dabei aber nicht die digi talen El em ente, sondern die An alogiekommuni kationen, die in Sprache und Gestik enthal ten sind, reagieren also auf di e analoge Kommunikation, die in menschlicher Ko mmuni kation enthalten is t ( Wat zlawick et al ., 2017, S. 73; siehe auch Olbrich, 2003, S. 87) . Daraus folgt, dass di e „gemeinsame Sprache “ zwischen Mensch und Tier sowie zwischen Tier und Tier die anal oge Kommunikation ist (Hediger, 2016, S. 109; Olbrich, 2003, S. 87; Sc hamel, 2016, S. 133; V ernooij, 2015, S. 233) , auf digi taler Ebene kommt dagegen nach d iesem Model l kein Dialo g zustande (Schamel , 2016, S . 133). Zur ϵϯ  Konkretisierung werden verschiedene nonverbal e Kommunikationssignal e von Mensch und Tier in Tabelle 6 zusam mengefasst. Tabelle 6. Exkurs „analoge Ausdru cksmöglichkeiten von M en sch und Ti er“ (in Anle hnung an Otter stedt (2003b, S. 97-103 ) sowi e Vernooij & Schneider (2018, S. 19 ) ). Mensch en Tiere Mimik: z. B. Augenb rauen hochziehen Mimik: z. B. Verengung der Nüstern beim Pferd Gestik: z . B. Kop fhaltung oder Haltung der Gliedmaßen Gestik: z . B. Kop fhaltung, Haltung der Gliedmaßen und zusä tzlich Haltung des Schweifs oder der Rute und Ohrenbewegungen Körperhaltung Körperhaltung Körperbewegung Körperbewegung Anspannung / E ntspann ung Muskulatur Anspannung / E ntspann ung Muskulatur, auch V eränderungen de s Fells bzw. der Federn (z. B. Aufstel len des Fells) Verbale und lautliche Ausdrucksmöglichkeiten: z. B. Lautstärke, Stimm -/ Lautcharak t er, w ie animierend, beruhigend, drohend, befehlend etc., Stimmmodulation Lautliche tierart spe zifische Ausdrucksmöglichkeiten: z. B. Lautstärke, Lautcharakter , wie aufge regt, ängs tlich, drohend etc. Körpergerüche (nicht ste uerbar) Körpergerüche (nicht ste uerbar) Blickkontakt Blickkontakt Nutzen der Bewegung i m Rau m / Nähe und Distanz Nutzen der Bewegung i m Rau m / Nähe und Distanz Berührungen (meistens mit Händen) Berührungen (meistens mit Gesicht) Atmung Atmung Bei der Darstel lung der anal og en Ausdrucksmög lichkeiten des Tieres ist zu beachten, dass die einzelnen Tierarten stets artspezifisch ko mmunizieren, sodass e i ne interspezifische Kommunikation immer hinsichtli ch der teil nehmenden Tierar t betrach tet werden muss. Es ist jedoch zu er kennen, dass si ch viele Aspekte de r menschl i chen und tierisc hen Kommunikation überschneiden. Auch wenn analoge Kommunikation nach Ve rn ooij und Schneider ( 2018, S. 19) di e „ehrlichere“ Kommunika tion ist und meistens richtig verstanden wird, kann auch diese bezogen auf die Mensch-Ti er-Kommunika tion von Missverstän dnissen geprägt sein, da z. B . der nonverbale Ausd ruck de s Tieres durch nicht ausreichend vorhandenes et hologisches Wissen falsch interp retiert wird (Schamel, 2016, S . 134) (siehe auch Reaktion des Meerschw einchens im Abschnitt „Anth ropomorphisierung“) . ϵϰ  Axiom 5 Fünftes und letztes Axi om differenziert zwischen symmetrischen und komp lementären Kommunikationsab läufen , „je nachdem, ob die Bezi ehun g zwischen den Partne rn auf Gleichheit oder Unter schi edlichkeit beruht“ (Wat zl awick et al. , 2017, S. 81). Dabei beruhen symmetrische Beziehun gen auf Gleichheit , streben danach und sind spi egelbildli ch, wohingegen komplementäre au f Unt erschiedlichkeit basieren. De r Fo ku s wird an di eser S t elle allerdings auf sich ergän zen de Unterschiedlichkeiten im Verhal ten gelegt (Wat zlawick et al ., 2017, S. 79-80).  Es ist nicht etwa so, dass ein Part ner dem ande ren eine komplementä re Beziehung aufzwingt; viel mehr verhalten sich beide in einer Weise, die das bes timmte Verhalten des anderen voraussetzt , es glei chzeitig aber auch bedingt“ (Wat zlawick et al ., 2017, S. 80). Schame l (2016, S.129) be zieht sich bei di esem Axi om auch auf die gesellschaftliche Stellung, di e Personen inneh aben und darauf ob si ch beide hier auf derselben Ebene befind en od er nicht. Hinsichtli ch der Mensch -Tier-Kommunikation wurden bezogen auf dieses Axiom noch keine Verknüpfungen gezogen. Inte ressant wäre hier di e Überlegung, ob „Reite n“ , als ei ne geme insa me Bewegung, al s ein komple mentärer Kommunikationsablauf verstanden werden könn te. Das unterschiedliche Verhal ten von Reiterin bzw. Reite r und Pferd ergänzt sich, die be i den Körper passen sich einander an und die Bewegungen beding en sich gegenseitig. Zusammenfassend lässt sich kons tatieren, dass das psy chologisch ausgerichtete Kommunikationsmodell von Wa tzlawick et al. (2017 ), obwohl ursprünglich au f zwischenmenschliche Kommunikatio n ausgelegt, eine Anwendung auf die Mensch-Ti er- Kommunikation ermöglic ht und eine theoreti sch e Erklärung dafür bie tet, warum zwischen Mensch und Tier ei ne Beziehung aufgeb au t werden kann. Für pädagogische und therapeutische Konte xte ist die speziesübergreifende Kommun ikation ei n essenzi eller Fakto r (Schamel, 2016 , S. 135 ). Zentral sind dabe i die Eigenschaften des Kom munikationspartners „Tier“. Tiere kommunizieren authentisch , w ertfrei, ei ndeutig und situationsbezogen, unabhängig davon, wie der menschl iche Kom mun ikationspartner aussieht ode r welchen Status er besitz t (Vernooij & S chnei der, 2018, S. 21) . Vor allem Hunde und P f erde haben ausdifferenzierte Fähigkei ten, die Signal e des Menschen sensibel wahrzunehmen und entsprechend zu reagieren (z. B. Albuquerque et al ., 2016 ; Gra ssmann, 2 014; Proops et al., 2018; Smith et al., 2016; Téglás et al., 2012; Ve rnooij & Schneider, 2018, S. 21-23). In ihrer Art der Kommunikation gibt es kei ne Doppeldeutigkeiten, d. h. sie s enden keine sogenannten Double-Bind Nachrichten aus, sodass ihre Kommunikation st ets kong r uent ist (Germann- Tillmann et al., 2019 , S. 34-35; Olbrich , 2003 , S . 87). Diese Eigensch aften sind be sonders wertvoll für Menschen mi t Behinderungen, Menschen mit Demenzerkrankungen und anderen psychischen Erkrankungen (Grei ffen hagen & Buck-We rner, 2015, S. 45; Ol brich, 2003, S. 85 ), ϵϱ  bei denen  die Nutzung der Verbalsprache teilweise beei nträchtigt ist o der schwerfäl lt. Die direkte Beziehung und Bezogenh eit (nach Watzlawick) steht immer i m Vo rdergrund (Olbrich, 2003, S. 85 ).  2.3.7 Zwischenfazit Zusammenfassend lässt sich zum Praxisfel d de r TGI festhalten , dass unte rschiedliche Tierarten (vo r allem Hun de, Pferde, Delfine) seit d en 2000er Jahren ve rstärkt in verschiedenen pädagogischen, therapeutischen und weiteren (sozial en) Kontexten eingesetzt w erden. Strukturen und Einsatzar ten divergieren durch di e Vi elfältigkeit des Fe ldes, aber auch durch die fehlenden feldspezifi schen rech tlichen Vorgaben stark. Dadurch her rscht aktuell eine hohe Theorie-Praxis-Diskrepa nz, auch wenn berei t s erste Definitionsversuche, vor allem die Kategorisierung in tiergestützte Therapi e vs . Pädago gik, das Feld struk turieren sollen. Die Hauptforschung der „n ahen“ Fa chdisziplinen, wie Pädagogik, Medizin, Psychologie, besteh t unabhängig von der Art des Se ttings aus Untersuchungen, die di e Effekte von Tieren auf Menschen, vo r allem au f die Zi elgruppe, he rausarbe iten, wie auch an der Anzahl der bereits existierenden Studienüberblicke sow ie Metaana l ysen sichtbar wird. Dabei werden weitere Perspektiven, wie die Effekte au f die Ti ere bi sher deu tlich, bis auf wenige Ausnahmen , vernachlässigt, obwohl davon auszugehen is t, dass TGI auch in irgendeiner Form auf Ti ere wirken, wie auch e r ste S tudienergebnisse zur um gekehrten Wirkung beleg en, die allerdings in Fachzeitschriften für Ti ere und ni cht für T GI selbs t veröffentlicht werden . Hier zeigt sich eine gewisse Ambivalenz in der Bedeu tungszuschre i bung des Tieres al s „Co-Therapeut/- Pädagoge“ einerseits und in der Nichtbeach tung der Bedürfnisse und / oder des Verhaltens des „Arbeitskollegen“ an dererseits. Auch wenn Hinweise auf den notw endigen Schutz von Tieren im pädagogisch -therapeuti schen Einsatz aufgeführt werden , ersch eint d ies in gewisser Weise paradox, da de r Tierschutz nur durch hohe Fachkenntnisse zu den T ieren gewährleiste t werden kann (siehe 2 .3.2). Das Praxisfel d is t bisher also, wie die Soziologie auch, anthropozentrisch ausgeri chtet und es s teht, wenn man di e aktuelle empi rische Befundlage betrachtet , der Nutzun gsaspekt der Tiere zu r Erreichung der positiv en Wirkung beim Menschen im Vor de rgr und.  Demnach lassen sic h die in de n tiergestü tzten In terventionen eingesetzten Tiere auch der K atego rie „Nutztier “ zuordnen , wie Kompatsc her et al. (2017, S. 79) und Nieradzik (2016, S. 124) de finieren (sieh e Kapitel 2.2.2.1). Als zentral für die posi tive Wir kung au f den Menschen (vor allem auf die Zielgruppe) in T GI wird die Mensch-Tier-B eziehung beschrieben. Aber auch diese wird vorrangig aus der menschlichen Perspekti ve betrach tet, was sich in den un terschiedlichen theoretischen Erklärungsansätzen für das Ent stehen de r Bezieh ung aus den verschieden en Fachdisziplinen ebenso abbildet. Diese sind eb enfalls lediglich aus m enschli cher Per spektive konzipiert und gleichzeitig insgesamt e her grobmaschi g od er nicht genügend e m pirisch abgesichert. ϵϲ  Insgesamt fehlt es dem Feld noch an wei teren s chlüssigen Theo rien, in die die Maßnahmen eingebettet werden kön nen bzw. anhand welch er die beids eitige Mensch-Ti er-Beziehung (inklusive der ge genseitigen Wirkun g) nähe r analysi ert werden kann.  2.4 Zusammenführ ung von Human -Animal-Studie s, Soziologie sowi e tiergestützten Interventione n und Schlussfolgerungen Das zweite Kapitel be schäftigt sich mit drei verschiedenen inhaltliche n Bereichen. Im e rsten Abschnitt wurden di e Gr undlag en der HAS vor gestellt, i m zweiten die Bezugswissenschaft Soziologie für die Hu man-Animal Studies dargel eg t und im drit ten Abschnitt das Praxisfeld der TGI skizziert. Die theoretischen Erkenntnisse aus den drei A bschnitt en lassen sich auf verschiedenen Ebenen z usammenziehen. Zunächst ist festzuhalte n, dass eine p rinzipielle Einbettung des Praxi sfeldes in die Hu man - Animal Studies möglic h erscheint 33 . Zentraler Ankerpunkt für die Verknüpfung in der vorliegenden Dissertatio n ist die direkte Mensch -Tie r-Beziehung, die in beiden Feldern eine wichtige Rolle spiel t. Während di e Unte rsuchung de r Mensch-Ti er-Bezieh un g in den HAS eine der drei thema tischen Säulen dars tellt (siehe Kapitel 2.1), wird die Mensch-Tier-Beziehung in den TGI hauptsä chlich in den Wirkungskonte xt gesetzt. Das heißt, die Mensch-Tier-Bezi ehung wird für di e Wirkung verantwortlich gemacht . Insg esamt überwiegt die Anz ahl an Arbeiten, di e sich mit positiven E ffekten von Tieren auf den Menschen ausei nandersetzen . Diese eindimensionale Perspe ktive wird de r Komplexität der in den HAS aufgeführten beidseitigen Mensch-Tier-Bezi ehung ni cht ger echt, sodass eine Erweite rung der A r gumentationsgrundl age in den TGI notwendig ist. Die bereit s skizzi er ten theore tischen Er klärungsansätze de r T GI reichen für die beidseitig e Betrachtung noch nicht aus, sodass in vo rliegender Arbeit ein neuer theoretischer Ansa tz bzw. ande rer Anknüpfungs punkt forciert werden mu ss, um di e Mensch- Tier-Beziehung im Kontext de r TGI zu unte rsuchen. Einen möglichen Ansatz stel le n die Übertragunge n von (mikro- )sozi ologischen Grundbegriffen auf die Mensch -Tier-Beziehung in TGI dar (siehe Kapitel 2.2.3.2) . Bujok (2 015, S. 118) spricht z. B. Tieren in T GI die Möglichkeit des Handelns berei ts dezidiert zu: „Ti ergestützt e Interventionen machen sich das soziale Handeln ti erlicher Subj ekte zu Nutz e, wenn Tiere etwa in der Pflege sowie in der therapeuti schen und pädagogischen Arbeit mit Kindern, Jugendlichen, kranken o der al ten Menschen eing esetzt werden. Hier werd en Tiere als sozial e Akteure betrachte t “. Die Mensch-Tier-Bezi ehung in T GI al s soziale B eziehung nach Weber (1980, S. 13) würde demnach auch ein „aufeinander gegenseiti g ei ngestelltes und d adurch orientierte s  33 Im deut schspr achige n Raum erfolgt diese theoretisch he rge leitete Ei nbettung der ti ergestützte n Interventi onen nach Wissen der Autorin er stmalig. Im englisch sprachigen Raum gibt e s bereits Ve rknüp fungen die ser Art. Die Zeitschrift Anthro zoös legt hier einen Schwerpu nkt. ϵϳ  Sichverhalten mehrerer“ bedeuten. Dabei können auch die Folgen direkter Inte raktionen aus der Perspektive de s Symbo lischen Interaktionismus mit d er gegenseitigen Perspektivübernahme als spezielle soziale Bezi ehungen gesehen werden (Kopp, 2018 , S. 51). Aus dieser Perspektive schlussfolge rnd kann angenommen werden , das s Beziehungen aus vorangegangenen Intera ktionen en tstehen. Das w ürde für die V erbindung der Definitionen von Mensch-Tie r-Interaktion und -B eziehung i m Kon text de r HAS be deuten : Die „kurzfristige[n] Begegnungen zwischen men schlichen und ni chtmenschlichen Ti eren“ (K ompatscher et al. 2017, S. 24 ) entwickel n sich zu „längerfristige[n] und i ntensivere[n ] Bande[n] zwischen Menschen und Tieren“ (Kompatsche r et al. 20 17, S. 24). Die Zusammen führung der Erkenntnisse aus Kapitel 2 führ t dement sprechend zu fol gender Arbeitshy pothese: „Aus direk ten Interaktionen zwischen Mensch und Tier (i m Kontext d er TGI) entstehen Mensch-Tier-Beziehun gen“. Weiter unte rstützt we rden kann dieser Aus gan gspunkt du rch di e the ore tischen Überlegungen des britischen Zoologen, Ethologen und Psy ch ologen Robert Hinde, der ebenso davon ausgeht, dass sich Beziehungen, sow ohl von der Seite des Me n schen als auch von der Seite des Tieres, durch ge meinsame In t eraktionen aufbauen (Hausberger et al ., 2008, S. 4; Hosey & Melfi, 2014, S. 124 ; Scopa et al ., 2019, o. S.; T urner, 2003, S. 379). Auch Horney , Ruppert und Schultze (1970, S. 1 335) beschreiben, ähnlich wie Hinde, dass Interak tionen Beziehungen entstehen lassen , die die Anonymität aufh eben. Die Beziehungen werden durch die spezifischen, in ih r be teiligten Akteure gestal tet. Schlussfolgernd bedeut et dies, dass die Interaktion zwischen Men sch und Tier als elementarer Baus tein für di e speziesübergre ifende Beziehung zu s ehen ist und als Konsequenz im Kontext der T GI ebenso we iter unte rsucht werden sol lte. Dieser Ausgangspunkt zur Analyse von Me nsch-Tier-B eziehungen (in TG I) stel lt einen anderen Theoriezugang dar als di e bisherigen An sätze und daraus folgend wird stat t Beziehungsdreieck der Begriff „Interaktionsdre ieck“ ve rwendet . Da „ Interaktion“ wiederum ebenso eine basale Begrifflichkeit ist, welche in Abhängi gkeit von Bezugsrahmen und inhaltlichem Kontext seh r unterschi edlich defini ert und abgegrenzt wir d, gil t e s auch hier ei ne theoretische Perspektive fest zulegen. Hi er zeigt sich die Soziologie als Kernbezugswissenschaft der HAS als passende Ausrichtung , da sie soziale Inte raktionen (von Menschen) (durch verschieden e soziologische Theoriebrillen) untersu cht. Sie bietet als Fachdisziplin verschiedene mögli che Theoriegebäude für die Untersuchung von Interaktionen zwischen Mensch und T ier in pädagogisch und therapeu tischen Kon texten, vorausgesetzt, dass sie sich dem Einbezug von Ti eren nicht ver schließt (siehe Kapitel 2.2.1). Dieser Ansa tz, bei dem die Interaktion in den Mi ttelpunkt der Fors chung gerück t und das Tier als handelndes Subjekt wahrgeno mmen wird, eröffne t neue Mög lichkeiten, die Mensch-T ier-Beziehung übe r ϵϴ  die Wirkung hinaus zu untersuchen und wirkt der bisher bestehenden Th eoriel osigkeit im Praxisfeld en tgegen. Als essenziell notwendig für die mehrperspektiv ische Betrachtung de r Mensch-Tier-Beziehung bzw. -Interaktion im K ontext der TGI, ab er auch generell, w urden die ethologischen Erkenntnisse identifiziert. Dies de ckt sich mit de n Aussagen von De Mell o (2012, S . 5) und Kompatscher e t al. (201 7, S. 23). Der dezi dierte Einbezug verhindert das Verschwinden der einzelnen Tiere in Ka tegorien, wie e s sonst hä ufi g im Kontext der HAS geschieht, und trägt dazu bei, dass ein tiergerechte r Standpunk t, auch in der Praxis , eingenommen werden kann. Dieser muss ebenso im Kontext der TGI deu tlich forci ert und erweitert we rden, um z. B. das Wohlbefinden der Ti er e in TGI zu sichern, wie es auch die rechtlichen Grundl agen vorschreiben. Die in der Einleitung postulierte Multi-, Inter- und Transdisziplinarität und di e daraus entstehende Multipersp ektivität erweisen sich dabei in der Darlegung der Felder als zielführend, um die kompl exen Verhäl tnisse und Bezi ehungen von Mensch und Tie r zu erfassen. Die ersten zwe i Zi elsetzungen der Arbei t, x die Bearbeitung der Theorie-P raxis- Diskrepanz im Feld de r tiergestützten Interventionen durch d ie Einbettung der tiergestütz te n Interven tionen in das Forschungsfeld der Hum an-Animal Studies sowie x die Beleuchtung der möglichen Bedeutung der Soziologie bei der Erfo rschung von Mensch-Tier-Verhäl tnissen/ -Beziehungen/-Interaktione n (im Kontext d er Human- Animal Studies), konnten in Kapitel 2 bea rbeitet werden. Diese grundsätzliche Z usammenfüh rung der theoretischen Ausgangspunkte sowie di e Darlegung der hermeneu tisch abgeleiteten Erke nntnisse bilden gl eichzeitig die Grundl age für das nächste Kapitel , in welchem zunächst da s al lgemeine Verhältnis z wischen Mensch und Pferd dargelegt wird, u m dann spezifisch den Ein satz des P ferdes in den TGI und die darin stattfindenden Mensch-Pferd- Interak tionen zu fokussieren. Auch dies es Kapitel ist von ethologischen Studien durchzogen, um diese Leerstelle im Kontex t der pferdege stütz ten Interventionen zu beheben. ϵϵ  3 Der Mensch und das Pferd Das Pferd ist eines d er vom Menschen do mestiz ierten Tiere, wel ches ei ne weitreichende Bedeutung für die Entwi cklung des Menschen in nehat(te) und da s mensch liche Leben weltweit direkt oder indirek t beein f lusst(e) (Volf, 2000, S. 5 8 2; Wibbecke, 2013, S. 91). Das Pferd ha t vor der Domes tizierung durch den Menschen eine der besterfor schten Evolutionsentwicklungen dur chlaufen , welche sic h 55 Millionen Jahre zurückverfolgen lässt (Basche, 1999, S . 32-40; Nobis, 2005, S. 9 -26; Zeitler-Feicht, 2015 , S. 12-16). Durch den Fund des 50 Millionen Jahr e alten „Urpferdes“ in Messel im Odenwald sowie zahlreiche andere Funde weltweit konnte e rforscht werden, dass sich das heutige Pferd im Laufe de r Jahre in einem kontinuierli chen Anpassu ngsp rozess an die Umwe ltbedingungen von einem fuchsgroßen, meh r zehig en Waldbew ohner (Nobis, 2005 , S. 10) zu einem g roßen, einzehi gen 34 Lauftier der Steppe mit sei nem typischen Körperb au und arteigene m Ve rhalten entwickel te (Zeitler-Feicht, 2015, S. 17). Die Gattung Hyracotherium wird dabei als e rster Vo rfahre de s heutigen Pferdes geseh en (Basche, 1999, S. 3 2; Crompton, 2013, S . 2; Pick, Pick, Rahn , Ullstein ju n. & Wolff, 2016, S. 11; Zeitler-Feicht, 2015, S. 12). Als direkte r V orfahre der heu tigen Pferde gilt allerdings der Dinoh ippus, der aber in Nord - und Süda m erika a usstarb, sodas s die heutigen Formen aus Entwicklungen in E uropa, Asien und Afrika zus tande kamen (Nobis, 2005, S. 13; Zeitler-Feicht, 20 15, S . 13-14), wobei Li brado, Khan, Fages, Kusi ly, Suchan et al. (2021, S. 63 4-640) davo n ausgehen, dass di e westeurasischen S teppen, v or al lem die Wolga - Don-Region, als Heimat der modernen Hausp f erde anzusehen ist. Zool ogisch gesehen is t das Wildpferd 35 (Equus feru s) als Tierart die Sta mmfor m des Hauspfe rdes (Equ us ferus caballus) und gehört zur Gattung der P f erde (Equu s), die sechs Un tergattungen besi tzt und di e in di e Familie der Pferdeartigen (Equidae) einzuordnen is t (Basche, 1999, S. 37; BMEL, 2009, S. 3; TVT, 2012, S. 2; Volf, 20 00, S. 541 ; Zeitler-Fei cht, 2015 , S . 14). Nach Volf (2000, S. 564-565) werden drei Unterarten der Wil dp ferde un terschieden, von dene n die he utigen Pferderassen abstammen , das Przewa lski-Pferd, der Steppen- und der Waldta rpan. A llerdings herrscht hier in der Forschung keine Eini gke it, welche Un terar t die Stam mform des heutigen Hauspferdes (Equus ferus caballus) i st. Di ese Wildpfe rde dienten den Mens chen zunächst al s Beute tier (Fleisch-, Milch- und Mat erialquelle), was au ch in den bekannten Höhl enmal ereien in Lascaux in Südfrankreich abgebil det wir d, wo Pferde neben anderen Tieren in Jagdszenen zu sehen sind (Datierung 15.000 v. Chr.) . Erst mehre r e tausende Jahre später begann der Mensch das Wildpferd z u domestizieren und zusätzlich auch anderwei ti g zu nutzen. Über den Zeitpunkt der Domestizi erung sind sich die Forschenden nicht einig. Die Zahlen va riieren zwischen 5000 (z. B. BMEL, 2009, S. 3;  34 Das Pferd lä uft heut e auf se inem Mitte lfinger. 35 Im alltägliche n Sprachgebrau ch wird der Begr iff „Wildp ferd“ auch f ür verwilderte Ha uspferde , wie Mustangs (USA) oder Brumbies (A ustralien) ver wendet. Dies e untersche iden s ich jedo ch gene tisch zu d en „echte n“ Wildpferden und stammen vo n verwil derten Hauspferden ab. ϭϬϬ  Deutsche Reiterliche Vereinigung (folgend mit FN abgekürz t) 36 , 2024a ) un d 6000 Jahren (z. B. Bohnet, 2017, S. 1137; Bührer-Lu cke, 2014 , S . 10; Volf, 2000, S. 570). Damit ist das Pferd das jüngste Haustier de s Menschen (Pick et al ., 2016, S. 12 ). Bei der Domestizierung des Pferdes hat ein inne rartlicher Veränderungsproz ess sta ttgefunden, de r sich genetisch und dadurch auch ana tomisch und verhal tensbezogen auswirkt. Es handel t sich jedoch nach Zeitler-Feicht (2015, S. 21) u m quantitative Ve rhaltensände rungen durch die Domestikation, das heißt Pferde haben kein ne ues Verhalten geschaffen, aber auch kein ursprüngliches verloren. Ihre ursprüngli chen Charakteris tika als Steppentiere, Fluchttiere und He rdentiere sind folglich nach wie vor e r halten geblie ben, sodass sie sich selbs t überlass en wieder verwildern können (Bührer-Lucke, 2014, S . 7; Pick e t al., 2016, S. 12-13; Zeitler-Feicht, 2015, S. 17). I m Gegen satz z u der natü rlichen Selekt ion wird bei der Do mest izierung von einer künstlichen Selektion ges prochen, da die Auslese durch den Men schen er folgte. Dabei wurden nur Pferde gehalten und vermehrt , die die Annä herung von Menschen erduldeten bzw. sic h an Haltungsbedingungen des Menschen anpas sen konnten (Basche, 1999, S . 20; Bührer- Lucke, 2014, S . 12; Zeitler-Fei cht, 2015 , S. 21). Daraus en ts tand das heutige Hauspferd, welches deutlich zahme r und weniger aggressiv al s das Wil dpferd ist, aber ei ne ver minderte Sinnesleistung im Verglei ch zur Sta mmform be sitzt (Zeitler-F eicht, 2015, S. 22). Aus den unterschiedlichen Wildpferdpopulatio nen entwickel ten sich durch züchterische Selektion die ve rschiede nsten Kultur rassen, die je nach Einsatzbe reichen und Bedürfnissen der Menschen unterschiedliche Charakteristi ka in Körperbau und Wesen aufweisen, sodass der Phänotyp des Pferdes deutlich vielfältiger gew orden ist (Nobis, 2005, S . 9; von Dietze, 2005, S. 345 ; Zeitler-Feicht, 2015, S. 22 ). Bei manchen Ras sen, wie dem Norwegischen Fjordpferd , sind äußerlich auch noch Me rkmale der Wildpferde , wie der Aalstrich sowie Streifen an den Beinen, zu finden. Im allg emeinen Sprachgebrauch werden die entstandenen Rassen in drei Hauptgru ppen eingeteilt: Vollbl ut, Warmblut und Kaltblut. Diese Aufteilung ist jedoch nicht wissenschaftlich, son dern ehe r fü r die Praxis relevant, wenn der jeweilige Nutzungsaspekt fokussi ert wird . So werden Kaltblüter als die schwers te und stär kste G ruppe der Pferde o ft zu Tätigk eiten eingesetz t, in denen Trag - oder Zu gstärke gefragt ist (Basche , 1999, S. 45 8-459; Brade, 2023, S. 3; Volf, 2000 , S. 575-576; Zeitler -Feicht, 2015, S. 23 ). Dies war jedoch nich t der einzige Nutzen de r Tiere . Im Laufe der menschli chen Geschichte wurden Pferde auf vielfäl tige Art en und Weisen eingesetz t, wobei sich diese im Wandel der Zei t auch veränderten.  36 Die FN ist die De utsche Reite rliche Vere inigung, d ie al s Dac hverband für Zu cht, Fahren, Reiten und Volt igieren mit der intern ational en Bezei chnung agi ert. Die Abkürzung k ommt dur ch die vol l st ändige B eze ichnung zu stande: Fédération Éque stre Nationale . ϭϬϭ  3.1 Der Wandel des Mensch-Pferd -Verhältnisses bis heute Pferde und Menschen standen und stehen sei t tausenden von Jahren in verschiedenen Verhältnissen und Bezie hungen zueinander. Bere its in den ve rschiedene n Mythologien, wie bei den Indern, Grieche n und Römern, s teht das Pferd sinnbild l ich für Kraf t, Frei heit und Schönheit und wird gleichsam gl ori fiziert und verehrt (Ladner & B randenberger, 2018 , S. 24 ). In der griechischen Myth ologie am bekanntesten sind Pegasus – ei n Pferd mit Flügeln –, der Herakles als t reuer Freund zu r Seite s t and, sowie auch di e soge nannten Kentauren , Mischwesen aus Mensch und Pferd. Bet r achte t ma n den kon kreten Nutzen des Pfe r des lässt sich ein ständige r Nutzungswandel in Abhäng igkeit von den Bedür f nisse n des Menschen zu den jeweiligen Jah rhunderten feststellen ( Mangelsdorf , 2011, S. 277; Nobi s, 2005, S. 9). Dabei nehmen die P f erde verschiedene S tellungen gleichzeitig ein bzw . werden paral lel fü r verschiedene Zwecke ei ngesetzt.  3.1.1 Das Mensch-Pferd-Verhältnis früher Das Pferd war zunä chst Fl eisch-, Milch- und Le d erquelle, ha tte abe r im Vergleich zu Rindern und Schweinen in diesem Bereich eine untergeordnete Bedeut ung (Basc he, 1999, S. 42-43, S. 53-54; Bühre r-Lucke, 2014, S. 10 ; Hausberger et al. , 2008, S. 3; Nobis, 2005, S . 9; TVT, 2012, S. 2). Deutlich w ichtiger für den Menschen war die Arbei tskraft des Tieres , im Besonderen die Zugk raft. Diese wurde noch vor dem Reiten entdeck t und ermöglichte de m Menschen er stmalig, schw ere Lasten in ku rzer Zeit zu bewegen (Basche, 1999, S. 63-64; Nobis, 2005, S. 9). Die F r achten wurden von de m Pferd bereits vor der Erf indung des Rades mithilfe einer Ar t Stangenkonstru ktion gezog en. Auch belud man di e Ti ere be reits mit Transportgut und setzte sich passi v auf ihren Rücken, u m sie be ss er lenken zu können. Dies war allerdings noch ni cht mit aktivem Reiten zu vergleichen (Basche, 1999, S . 76-78). Die Entdeckung der Zugk raft der Ti ere war der Beginn des Einsatzes von Pferden in Landwirtschaft und Industrie. In beiden Be re i chen ermöglichte das Pf erd ei ne deutlich höhere Effizienz und erleichtert e die Arbeit. Während i n der Landwirtschaft da s Bewirtscha ften der Äcker mithi lfe der Pferd e im Vordergrund stand, wurden di e Tiere in der Indus trie zum Betreiben von Maschi nen genu tzt . Sie zogen in Minen und Gruben die Loren mit den abgebauten Rohstoffen an die Ober fläche oder treide lten Lastkähne übe r Flüsse und Kanäle. Das aktive Reiten im heutigen Sinne tauchte de utlich später auf und wird in Verbindung mit den Nomadenvölkern gesetzt , woraus folgend auch das Reiterkriege rtum entstand (Basche, 1999, S. 78 ). Daraus ergibt sich der z weite Schwerpunkt der N utzung, neben Land wirtschaft un d Industrie . Das Pferd gal t als effizientes Mittel der Kriegsführung (Brade, 2023 , S. 4; Dashpe r, 2017, S. 208; Köhler, 2017, S. 135; Mang elsdorf, 2011 , S. 2 77; Nobis, 20 05, S. 9 ) . Durch seinen Einsat z im Krieg änderte sich di e Kriegsführung deu tlich. Zunächs t wurde das Pfe rd vor den ϭϬϴ  Pferde in der menschlichen Freizei t Neben der Wettbewerb s- und Leis tungsorientierun g im Turni ersport sind Pferde haup tsächlich Bestandteil der Gestaltung de r menschliche n Freizeit. Hier finden sich neben den „klassischen“ Richtungen S pringen und Dressur auch andere Formen des Reitens, wie Ausreiten ins Gel ände oder Wanderrei ten. Die FN (2018) nu tzt für diesen Bereich den Oberbegriff „B reitensport“, wobei Pei skammer un d Joseph (2008, S. 9) an merken, dass diese Begrifflichkeit durch die Kostenintensität einer Pferdhaltung und -versorgung ni cht ganz passend ist. Im Gegensatz zum Turniersport tri t t hi er der Leis tungsgedan ke in den Hintergrund und es wird das Mitei nander mit de m Pferd fokussiert. Dabei werde n auch vermehrt Aktivitä ten mit dem Tier unabhängig vo m Re iten ausgeübt. Dies zeigt sich ebenfalls im aktuellen Hoch der Praxisliteratur zu verschi eden en Aktivitä ten mit de m Pferd, wie Agility mit dem Pferd (Malzkorn, 2018; Steigerwal d, 2015), Clickertrain ing mit dem P f erd (Schö ning, 2019; Theby, Frei & Steigerwal d, 2015), Zi rkuslektionen (Han na wacke r, 2015; Markg raf, 2018), Ex treme Trail mit dem Pferd (Baumbach, 2019 , S. 131-137; Brendel, Lipper t & Bora, 2017) oder auch gemeinsames J oggen / Fahrrad fahren. Diese „n eue“ Art de r Beschäftigu ng mit Pferden im menschlichen Freizeitbe reich sche int übe rgreifend zu sein, bet r achtet man allerdings die Präsentation des Bunde sverbandes, wird deutlic h, dass diese Mög lichke iten der In teraktion mit dem Pfe rd noch eher rands tändig zu find en sind. Der Fokus liegt deutlich auf den Aktivitäten auf dem Pferd. Pferde in verschiedene n Arbeitskontexten Hierunter sollen die Einsatzberei che des Pferde s gefasst werden, in denen Pferde bestimmte Dienste für den Mensche n verrichten, die über ei n e reine Freizeitges taltung oder den Rei tsport hinausgehen. So arbei ten Pferde für den Menschen zu m Beispiel im Polizeidienst . Hier unterstützen di e Tie re die Poli zistinnen und Poli z isten sowohl au f der al ltäglichen Streife als auch bei der Beaufsichtigung von Demons trationen oder Fußb allspielen. Auch di e Gebirgs truppe der Bun deswehr (Gebirgs jägerbrigade 23) nu tzt Pferde und Maultie re als Diensttiere fü r die Nachs chubvers orgung in schwierigem Geländ e (Bundes wehr. Einsatz- und Ausbildungszentrum fü r Tragtierwesen 230, 2024).  Im forstwirtschaftl ichen Bere ich werden sogenannte Rücke pfe rde ei ngesetzt, die in unwegsamen Waldabschnitten be i Waldarb eiten helfen, in dem sie beispielsweise Baumstämme ziehen. A uch in der La ndwirtschaft gib t es he ute noch Landwirtinnen und Landwirte, die Pfe rde für di e alltägliche Arbeit nutzen. Ebenfalls unter di e Rubrik „arbeitend e“ Pf er de fall en die zahlrei chen sogenann ten Schulpferde , di e angehenden Reite rinnen und Rei tern das Reiten lehre n oder Filmpf erde , die mit Menschen al s Hauptdarstellende vor de r Kamera agieren, wie neben den Klassikern „Fury“ und „Black Beauty“ die vier aktu ellen Ostwind-Filme zeigen. Auch für Werbezwecke ϭϬϵ  werden Pferde eingese tzt, wie die Kaltblutgespan n e der Brauer eien zeige n (Basche, 1999, S. 206), sie dienen als Tou ristenatt raktion und leisten hier ihre Diens te (Bsp. Kutschentran sfer zu Schloss Neuschwanst ein, Bayern). Ein weiteres Arbei tsfeld für Pferde ist di e Assis tenz eines Menschen. Ähnlich wie Blindenführhunde (siehe Kapitel 2.3) werden au ch Ponys 39 als Blindenführponys für Menschen mit Sehbehinderung ausgebil det.  Dies hat häufig r eligiöse Hinter gründe . Hunde, die insgesa mt am häufigsten in der Ass istenz eingesetzt we rd en, gel ten in reli giös geprä gten muslimischen Ländern als unrei n. Der für diese Arbeit relev anteste Bereich ist di e Verwendung von Pferden in pädagogischen und therapeutis ch en K ontexten . Das Pfe r d is t hier neben de m Hund das am häufigsten in Deutschland eingesetz te Tier (Amel i e t al., 2023 ; L adner & Brandenberger, 2018, S. 10; Scopa et al., 2019, o. S.) und un terstütz t päda gogisc he und therapeu tische Fachkräfte bei der Ausübung ihres Berufes bzw . ist fü r diese essenziel l, wie in der Hippotherapie (siehe Kapitel 3.3.2). Daneben kristallisierten sich in den spä ten 2010er Jahren auch im Bereich des Coachings Einsatzmöglichkeiten des Pfe r des he raus. Es entstand das sogenannte „ pferdegestütz te Coaching “, in welchem vor allem Führungs kräfte und Managerinnen sowie Manager von Wirtschaf tsunternehmen in der I nteraktion mi t dem Pf e rd ihren eigenen Führungsstil reflektieren lernen, ab e r auch die sogenannten soft skills, wie Team- und Konfliktfähigkeit, Empath ie, Durchse tzungsfähigkeit oder Sel bst reflexion, verbessern (Debuse et al., 2018 , S. 144). Schütz (2019a, S. 138- 140) sowie Vernooij und Schnei der (2018, S . 218) ergänzen die Unters tützung der Pe rsönlichkeit sentwicklung durch da s Pferd. Die Ziel gruppe eines Coachings lässt si ch auch au f andere Pers onenkreise erweit ern. So fokussiert Ringhof (2018, S. 152-163 ) beispielsweise Behinderten werksta ttbeschäftigte als Coachees. Sie stellt ein Coaching-Konzept aus dem sys temischen Setting für Werkstattbeschäftig te auf, die ebenfalls unte r Einbezu g von Pferden gecoacht werden. Ringhof (2018 , S. 152) postuliert: „Pferdegestü tztes Busi nesscoachi ng unterstü tzt Menschen mi t Behinderung systemisch und lösungsorientiert in Frag en beruflicher und persö nlicher Entwicklung“. All erdings werden die (pferdegestü tzten) Coac hings dabei von kei ner dezidier ten Berufsgruppe dur chgeführt, sodass zahlreiche Konzepte und Ansä tze in der Praxis existieren , was ein e Vereinheitlichung von Qualitätsstandard s notwendig macht (siehe auch Dielmann & Lohkamp, 2016 ). Die hohe Theorie-Praxis-Divergen z setzt sich al so in die sem Bereich eben falls fort, was Anlass zu harscher Kritik gib t . So vergleicht Kanning (2014) p f erdege stützte s Coachi ng mit „Scgnen- Coaching“. Dem wider spricht Friesenhahn (2 015a) entschieden, die auch empirische Untersuchungen in diesem Feld tätigte. In ihrer Studie „D urch Synch ronisation zur Synergie im Coaching“ unte rsucht e sie be ispiel sweise die E ffekte pferdegestützten C oachings bei sechs  39 Als Pony gilt e in kleine s Pferd mit e iner Wide rristhöh e unte r 1,48 m. In diese m Kontext werden jedoch deutli ch kleinere Tier e eingeset zt. ϭϭϬ  Fällen in einem Mixed-M ethod-Desi gn. Sie verö ffentlichte die Erge bnisse 2015 im Coaching- Magazin (Friesenhahn, 2015b). Ergebnisse ware n auf der ei nen Seite ei ne Bewusstwerdung und Veränderung von V erhaltens-, Denk- und Gefühlsmustern bei den Probandinnen und Probanden und au f der anderen Sei te eine Stei gerung der Führungsko mpetenz durch eine bessere Übereinstim mung zwischen verbalem und nonverbalem Aus druck sowie einer Reflexion des persön lichen Führungss tils. Eine weitere wi ssenscha ftliche Studie wurde von Schütz und Steinhoff (2019) du rchgeführt. Die For sche rinnen befass ten si ch mit de m Einfluss des pferdegestütz ten C oachings auf die Sel bstwirksamkeitserwar tung. Dabei fanden sie in einem Versuchs -Kontroll gruppen-Design (n=106) he raus, dass sich diese durch das Coaching mit dem Pferd signifikant positiv erhöhte . Des Wei teren untersuch te Schütz (2019b , S. 60-68) auch die Erarbeitung p ositiver Affirmationen 40 durch p f erdeges tütztes C oaching mit einer Stichprobe von 216 Prob andinnen und Probanden. Als E r gebnis hielt die Forscherin fest, dass durch die Maßn ahme verschiedene Affir m ationen („Selbstwer t, Selbstvert rauen, Anerkennung“, „Aufgabenbewäl tigung, Entscheidungsfind ung“, „Grenzen setzen , Durchsetzen“, „Ko mmunikationsverh alten “) erarb eitet werden konnten, d ie sich wiederum signifikant voneinander unterschieden (Schütz, 20 19b, S . 65). Die hi er aufgefüh rten Studien sind ein Anfang hinsichtlich der empirischen Fu ndierung, es mü s sen jedoch noch weite re Studien folgen, u m den Vorwurf von Kanning (20 14) vollständig entk räften zu können .  3.1.3 Zwischenfazit Zusammenfassend lässt si ch kons tatieren, dass das Pferd eine herausrage nde Bedeutung fü r die Zivilisation des Menschen besaß (TV T, 2012, S. 2) . Volf (2 0 00, S. 582) spricht sogar von einem der „b esten Gehilfen“ des Menschen. Da b ei änderte sich das Me nsch-Pferd-Verhäl tnis stetig in Abhängigkeit von de m Stellenwert und der Funktion, die ihm von Gesellschaften gegeben wurde (Schulze, 2009, S. 145) . Während vor all em vor dem Ersten Welt krieg hauptsächlich landwirtschaftli che, industrielle sowie krie gsbezogene Nu tzungsaspekte im Vordergrund s tanden, die durch eine hohe Abhä ngigkeit des Menschen von der Arbeitskraft der Tiere ge kennzeichnet war, wird das Pferd he ute anders genutzt, wie z. B. als Spo rt - und Freizeitpartner sow ie als Arbeitspar tner in spezi fischen Kontex ten. Zude m lässt sich e r kennen, dass das Tier sel bst s tärker in den Mittelpunkt gerückt wird: im wett bewerblich orientierten Einsatz, um optimale Leistungen des Pferdes zu gewährleisten, aber auch im Freizeitberei ch, da eine gelingende Partn erschaft i m Vorderg rund steht. In den ve rschiedenen Mensch-P ferd-Verhäl tn issen lassen sich jedoch auch hohe Ambivalenzen erkennen . Auf der ei nen Seite wa r das Pferd „belie big verwendetes Hi lfsmittel“  40 Positive Affir mationen, au ch Selbstin struktionen , werden in der Psycho therapie im Ra hmen der Kognit i ven Umstrukturierun g genutzt. Dabei soll en negative Kognitio n en entdec kt und in p ositive, z ielführ ende Kogn itionen umgewandelt werd en (Schütz, 2019b, S. 6 2). ϭϭϭ  (Basche, 1999, S. 29) , auf de r anderen Seit e wurde es jedoch glorifizi ert und vereh rt und e s wurden tiefe Bindunge n zu ihm aufgebau t. Auch seine Bedeutung im Sp ort ist ambivalent. Einerseits wird es als „Sportgerä t“ in dem Sinn e gesehen, dass es eine gewisse Leistung erbringen muss und „aus sortiert“ wird, wenn da s ni cht mehr der Fall ist. Andererseit s werden auch hier emotionale Bi ndungen zu ihm aufgebau t. Die ver schiedenartigen Ambivalenzen auf den unterschiedlichen Betrach tu ngsebenen werden an di eser Stelle nicht weiter vertieft. Hausberger et al. (2008 , S. 3) konstatiere n aber, dass das P f erd durch seine verschiedenen Formen des Einsatzes bedi ngt durch di e Diversität des Menschen und den damit einhergehenden untersc hiedliche n Anforderunge n auch heute noch einen „mixed status “ besitzt. Unabhängig von den Ei nsatzbereichen od er der jeweiligen Stellung des individuellen Pferdes gelten in Deutschland bestim mte Vorgab en hinsichtlich der Haltung von Pfe rden und des Umgangs mit ihnen. Di ese werden im folgenden Unterkapitel vorgestel lt.  3.2 Grundlagen zu Pferdehaltung und Umgang mit Pferde n In Kapitel 2 .3.3 wurden bereits allgemeine rech tliche Grundl agen für den Einsatz von Tieren in TGI beschrieben sowie di e Begriffe Wohlbe finden, Sch merzen, Leid en und Schäden in diesem Kontex t näher erläu t ert. Dabei wurd e insbesondere die ho he Bedeutung von ethologischem Wissen hinsichtli ch des Normalve rhaltens für di e Erkennung von Wohlbefinden und Schmerzen sowie Leiden herauskristallis iert. Diese grundl egenden A spekte werden an dieser Stel le weiter e xplizi ert bzw . bezogen auf das Pferd konkretisi ert. Im TierSch G Parag raf 2 und 3 wird spezi fiziert: § 2 „Wer ei n Tier hält, be tr eut oder zu betreuen h at, 1. muss das Ti er seiner Art und seinen Bedü rfnissen entsprechend angemessen ernähren, p flegen und ve rhalte nsgere cht unte rbringen, 2. darf die Möglichkeit des Ti eres zu ar tgem äßer Be wegung nicht so einschränken, das s ihm Schmerzen oder vermei dbare Leid en oder Schäden zuge fügt werden, 3. muss über die für ei ne angeme ssene E rnährung, P flege und verhal tensgerechte Unterbringung des Tiere s erf orderlichen Kenntnisse und Fähi gkeiten ve rfügen“ (§ 2, TierSchG). § 3 „Es ist ve rboten, 1. einem Ti er auße r in Notf ällen Leistu ngen abzuverlangen, denen es wegen seines Zustandes offensichtli ch ni cht gewachsen ist oder di e of fensichtlich s eine Kräfte übersteigen, […] 5. ein Tier auszubilden oder zu trainieren, so fern damit erhebliche Sch merzen, Leiden oder Schäden fü r das Tier ve rbun den sind [ …]“ ( §3, TierSch G). Aus den gesetzlichen Vorgaben l ässt sich ablei ten, dass e rst ens ei ne verhaltensge rechte Unterbringung des Pfer des gewährleistet werde n m uss. Pol lmann und T schanz (2006, S. 3) ϭϭϮ  weisen an dieser Stel le auf die „Naturnähe“ de r Un terbringung hin. Zweitens muss Fa chwissen hinsichtlich des di rekten Umgangs mit de m Tier (Bsp. Pflege) vorhanden sein, u m während der Pflege, de r Ausbildung und des Einsat zes des Tieres Schmer zen, Leiden und Schäden zu vermeiden bzw . das Wohlbefinden des Tieres zu schützen. Diese beiden Aspekte werden im Folgenden vertieft und in einen ti er (schutz)e thischen Bezug gesetz t.  3.2.1 Was bedeutet ei ne verhalte nsg e recht e naturnahe Pferdehaltung? Das Pferd ist zwar seit tausenden von Jahren d omestiziert, abe r sein V erhalten hat sich im Vergleich zu wildlebenden Verwandten nicht g rundlegend geändert . Auf seine Evolution gesamt gesehen ma cht die D omestikation nur 0,01 Prozen t au s. Das heißt, dass aus menschlicher Perspek tive davon ausgegangen werden kann , dass die ursprünglichen Grundbedürfnisse des Tieres in seiner Umwelt erha lten gebl ieben sind (B ohnet 2017 , S. 1137; BMEL, 2009, S . 3; D eutsche Landwirtschafts -Gesel lschaft (DLG), 2016; FN, 2024a; Neugebauer & Neugebauer, 2020, S. 9 ; Pick et al., 2016, S. 15; Schmid t, 2011, S. 13; TVT, 2012, S. 3; Zeitler-Feicht, 20 15, S. 22 ). Schl ussfolgernd bede ute t dies, dass der Mensch diese Umweltbedingungen für di e Tiere kreieren m üsste, wenn man den Begrifflichkeiten „verhalten sgerecht“ un d „artgemäß“ der ge setzlichen Grundlagen fol gt. Aus einer ethologischen Perspektive wie derum sind die Grundlagen der Auslegung das sogenannte Normalverhalten sowie die Bedürfnisse de r Tiere (Bohnet, 2011, S. 26- 48; Neugebauer & Neugebauer, 2020, S. 9 ; Pollmann & Ts chanz, 2006, S. 1-12), das heißt bezogen auf das Pferd, dass es das Verh alten zeigen können soll, welches es auch in f reier Wildbahn zei gen würde. Aus den eth ologischen Beobachtungen der verschiedenen Ve rhalte nsweisen, di e unter anderem in sogenannte n Ethogrammen, da s heißt Verhal tensinventaren, au fgelistet und kategorisiert werden , erfolgt eine Einteilung der Verhaltenswei sen in sogenannte Funktionskreise (FN, 20 24f; Neugebauer & Neugebau er, 2020, S. 15-16; Pick et al. , 2016, S . 15; Zeitler-Feicht, 2015, S. 34 ). Diese sind Verhaltensel e m ente , welche bestimmten Lebensfunktionen, wie Ernährung oder For tpflanzun g, zuzuo rdnen sind. Di ese Einteilung in Funktionskreise ist phän omenolog isch und geh t a uf das Modell von Uexkül l zurück (Pick et al., 2016, S. 15), die Anzahl variiert jedoch. Die DLG (2016, S. 8-20 ) unterschei det sechs, die FN (2024f) sieben oder Pic k et al. (2016, S. 15) zehn Funktionsk reise. Eine al lgemeingültige Anzahl existiert bisher no ch ni cht, ebenso wenig wie eine einh eitliche Nomenkl atur (siehe auch Neugebauer & Neugebauer, 2020, S. 8).  3.2.1.1 D ie Funktionskreise des Pferdes Im Folgenden werden si eben verschiedene Fun ktionskr eise des Pfe rdes skizziert, die aus einer ethologischen P erspektive zeigen sol len, was fü r ein Pferd „ar tgemäß“ und „verhaltensgerech t“ bedeutet. Dadurch werden vorr angig diejenigen betrachte t, di e für die ϭϭϯ  vorliegende Arbeit als Hintergrundw issen von Re levanz sind, das hei ßt, ni cht-relevante Funktionskreise wie der Funktionsk reis Mu tter -Kind-Verhalten ode r die Funktionskreise Fortpflanzungs- oder Au sscheidungsverhalten werden in diesem Zu sammenhang nicht wei ter beleuchtet. Funktionskreis Soz ialverhalten Das Bedürfnis nach Sozialpart nern un ter Artgenossen und Gemei nschaft is t beim Pferd angeboren, da die He rde in der of fenen Step pen landschaft Schutz un d Sicherheit bedeu t ete (Bührer-Lucke, 2014, S. 8; FN , 2024f; Zeitler-Fe icht, 2015, S. 18 ). Dad urch ist es „obligat sozial“ und verhält sich dementsprech end (Bohn et, 2017, S. 1138 ). Daraus folgt , dass eine Haltung von Pfe rden oh ne einen Sozial part ner derselben A rt gegen das Ti erschutzgese tz verstößt, da s heißt, es müssen mindestens zwe i Ti ere gehalten werden (BMEL, 2009, S. 4 ; DLG, 2016, S. 6; TV T, 2 012, S. 4). Pferde haben ein hochk omplexes ar tspezifisches Sozi alverhalten 41 , das si ch durch die Form des Zusammenlebens i n eine m Herden verband im Lau f e der E vol ution entwickel te. Dabei besteht die Herde in fr eier Wildbahn aus meh reren weibliche n Tieren (Stuten ) mit ihrem Nachwuchs und meiste ns eine m dominanten männlichen Tier (Hengst), de m Leithengst , insgesamt aus du rchschnitt lich 15-20 Ti eren (Pick et al ., 2016 , S. 17; Zeitler-Feicht, 2015, S. 37). Der Leithengs t ist für den Schutz seiner Herde verantwortlich und muss diese gegen Gefahren un d andere Hengste verteidigen. Die Leitstute führt di e Herde zu den bes ten Futterplätzen und T ränken (Bührer- Lucke, 2014 , S. 90). Sie ist auch die j enige, die für den sozialen Zusammenhalt in der G r uppe verantwortlich is t (Zeitler-Feicht, 2015, S. 37-39). Es gibt inzwischen jedo ch auch Un tersuch ungen von P f erdehe rden, in denen sich keine dezidierte Leitstute e rkennen ließ. S tattd essen übernahmen mehrere e rfahrene weibliche Tiere die Führung bzw. wechsel ten sich ab (K rüger, Flauger, Far mer & He melrijk, 2014 , S. 91- 101; siehe auch Wendt, 2010, S. 41 -42). Der Zusammenhal t in der Herde wird zusätzlich auch durch die Rangordnung verstä rkt (Bühr er-Luc ke, 2014, S. 20, S. 92; DLG, 2 016, S. 16; F N , 2020a ; TVT, 2012, S. 3; Volf, 200 0, S. 542). Jene gestalte t sich linear hiera rchisch (Krüger, 2017, S. 113; Zeitler-Feicht, 2015, S. 39). Allerdings ist auch z u beobachten, dass P ferd A Pferd B vertrei bt, P ferd B vertreib t Pferd C und Pferd C vertrei bt aber auch wieder Pferd A. Wendt (2 01 0, S. 37 -38) sprich t hier von „Netzwerkbeziehungen“ un d nicht von Rangordnung. Welcher Rang eingenommen wird , ist geschlechtsunabhängig und wird von zahlreiche n Fa kto ren bedingt, wie z. B . Erfahrungen , Alter, Farbe, Vere rbung oder au ch Rassezugehörigkeit (Bührer-Lucke, 2014, S . 92; Zeitler- Feicht, 2015, S. 39-40). Te ilweise scheint zwischen befreund eten Tieren G leichberechtigung  41 Mit Sozialverh alten si nd alle Verhaltenswe isen ge mein t, die di e Interakt ion zwischen Indiv iduen be stimmen (Zeitler-Feicht , 2015, S. 37). Die DLG (2016, S. 15) er gänzt zum Sozia lverhalt en noch den Aspekt der Kommunikati on mit dem artsp ezifis chen Ausdruc ksverhalten. ϭϭϰ  zu herrschen. Mit einem hohen Ra ng gehen be stimmte Vorrechte einher, wie ein dire kter Zugang zum Futter oder der bes te Liegeplatz (B ührer-Lucke, 2014, S. 21 ; Zeitler-Feicht, 2015, S. 39-40). Auch enge Bindungen , teilweise Paarbi ndungen, stärken den Zusammen halt de r Herde (Bohnet, 2017, S. 1138; Bü hre r-Lucke, 2014, S. 9 ; Wendt, 2010, S. 28; Zeitle r-Feicht, 2015, S. 45), wobei B indung hier als „das Bedürfnis nach sozial em Kontak t und di e Bereitschaft, anderen n achzufolgen und in deren Nähe zu bl ei ben“ de finiert wird (Zeitler- Feicht, 2015, S . 45). Vor all em die gegenseitige N ähe ist bei miteinander b efr eunde ten Pferden zu beobachten. Das heißt, sie fressen und ru he n dicht nebeneinander , spielen zusammen , betreiben gegenseitige Fel lpflege und berühren si ch häufig (Boh net, 2017 , S. 1138; Büh rer- Lucke, 2014, S. 22; N eugebauer & Neugebau er, 2020, S. 18). Diese Verhaltensweisen festigen die sozi alen Bezi ehungen, hemmen aggressives Ve rhalten und zählen zu m sogenannten affiliative n Verhalten (Zeitler-F eicht, 2015, S. 45-46; siehe auch van Dierendonck & Spruijt, 2 012, S. 194-202). Die so ziopositiven Beziehunge n sind unabhängi g von der Rangordnung un d werden auch nach ein er längeren Trennung wiederaufgeno mmen (Bührer-Lucke, 2014 , S. 102). Jedoch existiert noch wenig Forschung zu den Freundschaften unter Pferden, genauso weni g wie zu Traue rprozessen bei Pferden , wenn ein Herdenmitgl ied stirbt (Büh rer-Lucke, 201 4, S. 22, S. 100 ; Zeitler-Feicht, 2015 , S. 45). Neben dem af filiativen Verhalten ist in der Pferde herde auch agonistisches Verha lten , da s heißt, konfliktbezogenes Verhalte n in der Auseinandersetzung mit Ar tgenossen, zu beobachten. Dieses wird mit Dr oh- und Unterlegen heitsgesten ausgedrü ckt (Neugebauer & Neugebauer, 2020, S. 1 6 -17; Zeitle r-Feicht, 20 15, S. 40 -43). Die Drohge sten bestehen dabei aus der D r ohmi mik (a ngelegte Ohren, ver schmälerte Nüstern, nach unten gezogene Mundwinkel) und gegebenenfalls Drohgebärd en wi e Drohschwingen mit d em Kopf oder Beiß- und Hinterhanddrohen. Die Gesten fi nden zunächst ohne Kö rperkontakt statt, abe r bei fehlender Reaktion des Gegenübers bzw. an dau erndem Konflikt we rden diese auch tätlich ausgeführt. Das Ziel is t aber in der Regel, den Ko nflikt ohne körperliche Auseinander setzung zu lösen (Büh rer-Lucke, 2014, S . 21). Den Dr ohgesten gegenüber s tehen Demuts- und Beschwichtigungsgebärden, wie das Absenk en des Kopfe s, Abw enden, ein fest geschlossenes Maul und ei ne verlängerte Nüsternpa rti e (Büh rer-Lucke, 2014, S. 60-61 ; Zeitler-Feicht, 2015, S . 42). Als reak tive Strategie entfernen sich die rangniedrigeren Ti ere oder sie meiden das Gegenüber ak tiv. Konflikte in Pfe rdeherden hängen eng mi t der Rangordnung zusammen und ko mmen bei einer etablierten Gruppe verstärkt bei rang mittleren Pferden vor (Zeitler -Feicht, 2015, S. 42). Zu m ernsten Kamp f zwischen zwei Pferden kom mt es jedoch sel ten, ledigl ich zur R os se 42 sind körperliche Auseinandersetzungen zwi schen Hengsten in freier Wildbahn beispielswei se in Form von Hals-, Beiß- und/oder Schl agkampf üb lich (Bührer-Lucke, 2 014, S. 21). S t uten  42 Rosse ist der Fa chausdruck f ür die fruchtb are Phase vo n Stuten. ϭϭϱ  kämpfen vo rrangig u m ihre Posi tion in der Ra ngo rdnung und nu tzen hi er den Hinterhandschlag (Zeitler-Feicht, 2015 , S. 43-45). Bei Pferde herden mit hohe r Fluktuation d er Individuen tre ten Auseinandersetzungen häufiger auf, da die Ra ngo rdnung immer wieder neu bestimmt werden muss, was zu höherem Stress innerhalb der Her de führt. Nach der Rangordnun g richten sich auch die Individua ldistanzen von Pferd zu Pferd. Je weiter der Abs tand der Ränge, des to größe r ist all gemein der ei nzuhaltende Abstand zwischen den Individuen (Zei tler-F eicht, 2015, S. 46). Auch bestehende Bind ungsver hältnisse, da s Alter sowie der jeweilige Kontext ode r Funktionskrei s haben Auswirkungen au f I ndividualdistanzen, so ist z. B. der Abstand beim Fressen höher als beim Ruhen. Befreund ete Pfe rde ver ringern den Abstand untereinan der bis hin zu r direkt en Berührung (Bührer-Luc ke, 2014, S. 22). Zusätzlich unterscheide n sich die jeweiligen Individual distanzen von Individuum zu Individuum, das heißt, manche Pferde fordern größere Abs tände von ihren Ar tgenossen al s andere (Zeitler-F eicht, 2 015, S. 46-48). Das Einhalten des Raumes zwischen den ei nzelnen Tieren träg t zu einem ko nfliktfreien Zusammenleben in der Herde bei (Zeitler-Feicht, 2015, S. 48). Funktionskreis Ko mfor tverhalten Unter Komfortverhal ten werden Verhaltenswei sen ve rstanden, die der Körper- und Fellpflege dienen (Pick et al ., 2016, S. 17; Zeitler-Feicht, 20 1 5, S. 115) . Dabei wird einersei ts die solitä re Körperpflege (sich beknabbern, sich belecken, si ch strecken, sich scheuern, sich wälzen mit anschließendem Schütt eln) sowie ande rerse its die soziale Fellpflege (gegen seitiges Beknabbern schwerer er reichbarer S tellen) unter schieden (Bühre r-Lucke , 2014, S. 18; DLG , 2016, S. 17; Pick e t al., 2016, S. 17; Zeitler-Feicht, 2015, S. 115-118). Di e soziale Fellpflege wird in antiparalleler Stellung (Kopf an Schweif) durchgeführt (Volf, 2000, S. 570) und ist neben dem „Putzen“ auch Kommunikation mit den Artg enossen. Sie stä r kt und festigt die sozial en Bindungen in der Grupp e un d dient auch de r Beruhigung (H erab senken der Herzfrequenz ) (Bührer-Lucke, 2014 , S. 18; DLG, 2016, S. 17; Neugebauer & Neugebau er, 2020 , S. 18; Pick et al., 2016, S. 18; Zeitler-Feicht, 2015, S. 11 8). Beim gegenseitigen Putzen ist bei Pferden das „Putzgesich t“ bzw . „ G enussgesicht“ zu erken nen, ei ne spezifische Mimik mit vorgestreckter Oberlippe (Bührer-Lucke , 2014, S. 74; Neugebauer & Neugebauer, 2020, S. 96-97; Zeitler-Feicht, 20 15, S. 118) (siehe Abbildung 3). ϭϭϲ  Abbildung 3 . „Genussgesicht“ (Neu gebauer & Neugebauer, 2020, S. 97). Funktionskreis Ruheve rhalten Neben der Nahrungsaufnahme sind Ruhen und Schl afen die Hauptbe schäftigungen von Pferden (DL G, 2016, S . 13; Zeit ler-Feicht, 201 5, S. 94 ). Das Pfe rd als Fluchttier hat in Anpassung an s eine Umwelt gelernt , im S tehen (80% des Ruheverhaltens) und in kurzen Intervallen (polyphasi sch) zu schl af en (Neugebau er & Neugebauer, 2020, S. 20; Zeitler-Feicht, 2015, S. 94). Die bevorz ugte Schlafenszei t von Pferden ist zwischen 12 Uhr Mitternacht bis vier Uhr mo rgens (Büh rer-Lucke, 2014, S. 12 2; DLG, 2016, S. 13). Es zeigt dabei ein „Dösgesicht“ mit halb bis ga nz geschlossenen Augen, hängende r Unterlippe, seitlich hängenden Ohren, locker he runterhängendem Schweif und abwechselnder Gewichtsen tlastung der beiden Hinterbeine (Bührer-Lu cke, 2014, S. 120; Vol f, 2000, S. 579 ; Zeitler-Feicht, 2015, S . 9 4). Des Wei teren schl afen Pfe r de auch in Brus tlage mit ei ngeknickten Vorderbeinen und seitlich herange zogenen Hinterbeine n. Das Gesich t sieht so a us wie beim Schlafen im Stehen und der Kopf wird teilwei se auf dem Boden abgestützt (Bührer-Lucke, 2014, S. 122). Die drit te Schlafposi tion ist das fla che Liegen. Aus Schlafa nalysen beim Pfe r d wurde herausgefunden , dass es nu r in der flachliegenden Positi on in den notwendi gen REM - Schlaf gelangen kann (Bührer-Lucke, 2014 , S. 122; FN, 2024f; Pick et al., 2016, S. 24; Zei tler- Feicht, 2015, S. 95 ), wohi ng egen der Tiefschla f auch im Stehen e rreicht werden kann . Die Zeitdauer und Häufigk eit der Einnahme di eser Position schwankt von Individuum zu Individuum. Die Individualdistanzen sind beim Ruhen de utlich geringer als beim Fres sen (Zeitler-Feicht, 2015, S. 96-97) . ϭϭϳ  Funktionskreis Fress - und Trinkverhalten Das Fressverhalten fas st alle Verhaltenswei sen zusammen, di e zum Zi el die Nahrungssuche und -aufnahme haben (Zeitler-Fei cht, 2015, S . 76). Diese sind trotz Domesti zierung beim Pferd unverändert geblieben (Zeitler-Fei cht, 2015 , S. 8 0). Als ursp rünglich grasfressende S t eppen- und Lauftiere verbringe n Pferde mit der Futtersuche unte r na türlichen Bedingungen einen Großteil des Tages. Zeitler-Fei cht (2015 , S. 78) n ennt 10-18 Stunden, Bohnet (2017, S. 1137) 16-20 Stunden, Bührer-Lucke (201 4 , S. 7) sowie die DLG (2016, S. 11 ) bis zu 18 Stunden. Während des Fressens bewegen sie sich gemei nsam im langsamen Schritttempo, um das energiearme und rohfas erreiche bodennahe Ste ppengras mit ge senkte m Kopf aufzunehmen und legen dadurch Strecken zwischen 6-11 km (Zeitler-Feicht, 2015, S. 100 ) bzw. 10000 Schritte bei Bohnet (201 7, S. 1138) zurück. Der gesamte Verdauungsapparat is t auch heute noch auf die ständige Nahrungsaufnah me und di e lange F r essdauer ausgel egt (Bührer-Lucke, 2014, S. 8; DLG, 2016, S. 8; Pick et al. , 20 16, S . 26). Pferde trinke n je nach Jahre szeit und Intensität de r täglichen Anstr engung zwischen 15 und 50 Li ter Wasse r pr o Tag (Zeitler-Feicht, 2015, S. 91). Pick e t al. (2016, S . 29) gehen von 30 bi s 60 Lite rn pr o Tag aus und beziehen sich dabei auf Warmbl utpferde . Funktionskreis Lok o motionsverha lten Eng mit dem Fre ssverhal ten zusam men hängt das Lo komotionsverhalten , das Fortbewegungsverhalten . Der zei tliche Haup tanteil der Fortbewegu ng hängt mit de r Nahrungsaufnahme zus ammen. Dabei bewege n sich P ferde langsa m und s tetig mit gesenktem Kop f im Sch ritttempo vorwärts. Ande re A rten von Fo rtbewegung sind mit Spiel- und Erkundungsverhalten oder dem Flucht verha lten von Pferden verknüpft. Neben der Hauptgangart Schritt we rden hier auch Trab und Ga lopp gezeigt (Bohnet, 2017, S . 1138; Bührer-Lucke, 2014, S. 1 29; Pick et al., 20 16, S. 21; Zeitler-Fe icht , 2015, S . 100 ). Pferde sind Flucht tiere, das heißt, sie fliehen mit der g esamten Herde be i drohender Gefahr wie z. B. vor Raubtiere n. Der gesamte Kö rper des Pferdes ist au f eine schnel le Flucht ausgelegt. Dazu zählen die E ntwicklung des Hu fes, das Herz-K reislauf- u nd Atmungssystem sowie die Sinnesorgane , die die Veränderungen in der Umwelt sensibel wahrnehmen (Bsp. 360 Grad Rundumsicht ) (Bohnet, 2017, S. 1138; FN, 2024 f; Zeitler- Feich t, 2015, S. 17-19). Die Flucht passiert reflex art ig durch ei nen „Angeborenen Ausl ösenden Mechanismus“ (AAM) und ist die erste Reaktion auf einen angsta uslösenden und erschrecke nden Reiz (Zeitler- Feicht, 2015, S. 18-19 ), wobei sich diese Reak t ion nicht nur in einer schnel len räumlichen Distanzierung von dem Reiz zeigen kann, sondern auch im „Einfrieren des Verhaltens , d. h. […] Schrecksta rre“ (Neugebauer & Neugebauer, 2020, S . 19). ϭϮϰ  Eine wissenschaftliche un d objektive Messung des Befinde ns einzelner Tiere s t ellt sic h aufgrund der Sub j ek tivität sowie Individual ität u nd der Spez iesgrenze als seh r komplex dar (Bohnet, 2011, S. 26 , S. 44 ; Zeitler-Feicht, 2015, S. 15 8). Die bi sherige Fo rs chung zu Wohlbefinden bei Pfe rden näherte sich vo r allem darüber an, wie negative Befindl ichkeiten bei den Tieren zu erkennen sind bzw. von ih n en geäußert werden , also Wohlbefinden beeinträchtigt ist. Dazu werden ei nerseits z. B. sch merz- und stres srelevante physiolog ische Parameter (z. B. Erhöhung Atemfrequenz, Abnahme Herzfrequenz(-v a riabilität), Blutuntersuchung Adren alin / Noradrenal i n (inva siv), Cortisol (z. B. im Blut, Speichel, Kot), Temperatur) ge messen sowie andererseit s Beobachtungen un d Analysen des Pferdeverhaltens mit Ethogra mmen (körperliches Ausd rucksve rhalten: z. B. Ohrenspi el, Anspannung der Kieferm uskulatur, Schweifs chlagen ) durchgefüh rt. Das he ißt, da ss auch das gezeigte Verhalten Aufsc hluss über die Emotionen des individuellen Ti eres gibt und durch di e komplexe Körpe rsprache de r Tiere ausgedrückt wi rd 45 . Dementspre chend sind auch nega tive Emotionen über körpe rsprachliche Signale z u erkennen. Letztgena nnte Ebene der umfassenden Verhal tensbeobachtungen als ni cht-invasive Möglichkeit der Analyse und Bewertung von Wohlbefinden steht folgend be sonders im Fokus, da die Person, die mit Pferden umgeh t (auch di e pferdegestü tzt a r beit en de Fachkraft ) zumeis t ni cht die Möglichkeit hat, physiologische oder bi ochemische Parameter zu an alysieren, aber trotzdem dafü r verantwortlich ist, im di rekten U mgang mit dem Tier den Ti erschutz einzuhalten . Sehr aussagekräftig zu r Bewe rtung des Wohlbefinden s ist die Mimik des Pferdes als Teil seiner artspezifischen Ko mmunikation, di e vor Prim aten und Hunden hinter der Katze die ausdruckstärkste im Tierreich darstel lt (Wa than, B urrows, Waller & McComb, 2015, o. S. ). Das heißt, in der artspezi fischen Mimik de s Pferde s kann auch Schmerz sowie Stress abgelese n werden. Wissenscha ftlich betrachte t kann di e Mi mik z. B . in ei nem Facial Coding System erfasst werden. Die Forscherinnen Wa than et a l . (2015, o. S.) entwickelte n hierzu EquiFACS (The Equine Facial Ac tion Coding Sy stem), wel ches auf Grundlage de r Gesi chtsmuskula tur und Muskelbewegungen die G esi chtsausdrücke von Pferden identifi ziert und cod iert. Dieses Instrument ist auch für L aien anwendbar und bi etet di e Möglichkeit de r Dokumentation und Beschreibung der Gesichtsausdrü cke von Pferde n in verschiedenen Kontexten, ist also auch nutzbar zur Erkennu ng vo n Schmerz bei Pferden. Erkennung von Schm e rzen bei Pfe rden Betrachtet man den Be reich „Sch merzen“, leit et sich zunächst die F rage ab, wie Pferde Schmerz empfinden und wie sie diesen zeigen. Hier ergibt sich in de r Verhaltensbeobachtung beim Pferd di e Schwierig keit, dass es sich um ein Fl uchttier handelt, welches lautlos agieren  45 Dass Tieren eigene Em otionen zugesc hrieben w erden, g ilt heut e nich t mehr als unwis senschaft l i ch (Bohnet, 2011, S. 29) . ϭϮϱ  und kommunizieren mus s und si ch „Schw äche“ d urch Schme rzen nicht anmerken lassen darf, um nicht gefressen zu w erden. Das heißt , es gibt im Gegensatz zum Hund kei ne lauthaften bzw. wenige lautha fte Schmerzäuß erungen von si ch, mögliche S chmerz en zeigen sich erst spät in Abweichungen des Normalverhaltens, sod ass andere tie rartspezi fis che Indikatoren zur Schmerzerkennung hinzugezogen werden müss en, wie z. B. di e Betrach tung der Mimik des Pferdes. Wie Silventoinen (2019, o. S .) und Dr ag elund Garcia, Lindegaard und Dyson (2023, S. 478-488) in Studien nach weisen konnte, eignet sich EquiFA CS al s objektives Ins t ru ment zum Schmerz-Sco ring beim P ferd. Das heiß t , Veränderungen in de r Mimik des Pferdes können für ein Schmerze rleben al s Indikator hinzu gezogen werden. Eine weitere wissenschaftliche Methode der Er kennung von Schmerzen beim P f erd ist das Horse Gri mace Scale (i m Folgenden mit HGS abg ekürzt) (Abbildung 5), wa s von Dall a Costa, Minero, Lebelt, Stucke , Canal i et al. (2014 , o. S.) entwickelt wurde . Da bei handelt es sich um das erste wissenscha ftlich fundierte, standa rdis ierte und objektive Me ssinstrument, durch welches quantifizierbar Schmerz bei Pferden ab gelesen werden kann (D alla Costa, et al., 2014, o. S.; Gitt el, 2017, S . 173 ; Zeitler- Fei cht, 2015, S . 146 ) . Als Ausgangspunkt beobachteten die Fo rschenden 40 frisch kas tri erte Hengste direkt nach dem Eingriff. Als Ergebnis hielten sie sechs verschiedene Beobac htungskriterien im Gesi cht des Pfe rdes fest , an denen der Schmerz der Pferde messba r ge macht werden kann : steif rü ckwärts ge richtete Ohren, Mus kelanspannung oberhalb der Oh ren, graduelles Schließen der Augen, angespannte und h ervortre tende Kaumus kul atur, angespann te Maulpartie mi t hervortre tendem Kinn un d angespannte Nüste rn mit abgeflach te m Nasenprofil. ϭϮϲ  Abbildung 5. Horse Grimace Scale (Dalla Costa, Minero, Le belt, S t ucke, Canali & Leach, 2014, o. S.). Dalla Costa, Bracci, Dai, Lebelt un d Minero (2017, S. 114-117) führten auch eine pi lotierende Folgestudie durch, in de r bestätigt wurde , dass das HGS ein passendes Messinst rument fü r die Erhebung von Schmerz ist und sich auch bei Angst höhere Scores zei gten, vor allem in den Bereichen „Sti fly backward ears“ und „Mou th strai ned and prono unced chin“. Zur Schmerzerkennung bei ger ittenen Pferden e ntwickelten Mullard, Berger, Ellis und Dyson (2017, S. 7-12) das Gesichtsethogram m FERe q (Facial Expressions in Ridden Horses (equine)). Auch dieses A utorenteam betont die Aussagekraft des P ferdegesichts hinsichtlich der Schmerzerkennung . Durch das Gebiss 46 im Pferdemaul verändern sich die Gesichtsausdrücke allerdings im Ve rgleich z ur HGS. Ebenfal ls in das Ethogram m  46 Es existiere n zahlr eiche Geb issformen, di e in Abh ängigkeit von Reitwei se, Ausb ildung und Ein satz des Pfer des variieren. ϭϮϳ  aufgenommen wurden z. B. die Sichtbarkei t des Weißen i m Pferdeauge sowie vermeh rter Speichelfluss. Dasselbe A utorenteam entwickelte und tes t ete zudem ein Ethogramm, dass den ganzen Körper des Pferdes umfasste un d vor allem mus kuloskelettal e Schmerz von Pferden beim Rei ten e rfasste. Folgende V erhaltenswei sen traten bei lahmen Pferden signifikant häufiger au f: Zurücklegen der Ohren, Öffnen de s Mauls, He rausstrecken de r Zunge, Veränderung der Auge nhaltung und des Au s drucks, Hin- und Herwerfen des Kop f es, mangelnde Bereitscha ft zu gehen, Schi efhaltu ng, Eile, spontane Gangar twechsel , Widerstand sowie Stolpern und Zehenschleifen ( Dyson, Berg er, Ellis & Mullard, 2017, S. 47-57). Dieses Ethogramm wird heute unter „The Ridden Ho rse Pain Ethogram (RHpE )“ und wird als leistungsfähiges Instrum ent für die Beurteil ung gerittene r Pferde und die Identifizierung vo n Schmerzen ge sehen. Gleichzeitig bi etet es ein e sinnvolle Ergänzung zur diagnostischen Anästhesie (Dyson, 2021 , S. 372-380). Torcivia un d McDonnell (2021, S. 58 0) haben eben falls einen Katalog an Verhaltensweisen von ni cht -gerittenen P ferden im Kontext von Unw ohlsein und Schmerz (73 Einträge mit Ze ichnungen und teilweise Vide os) zusam mengestellt , die sie in achte relevante Kateg orien eingeteilt haben : 1) Körperhaltung und Gewichtsbelastung , 2) Bewegungen der Gliedmaßen und des Körpers, 3) Kopf-, Hals-, Maul- und Lippenbewegungen, 4) Aufmerksamkeit au f einen bestimm ten Bereich, 5) Ohr- und Schw eifbeweg ungen, 6) allgemeines Verhalten, 7) verändertes Fressen ode r Trinken sowie 8) Vokalisation / hörbare Geräusche (z . B. Schnauben al s mö glicher Schmerzindikator) . Schnauben wird auch in anderen S tudien als relevanter Sch merzparameter ei ngestuft (z. B. Gleerup, Forkman, Li ndegaard & Andersen , 2015, S. 103-114; Visser, Ellis & Van Reenen, 2008, S. 521 -533). Zu beachten ist, dass davon ausgegangen wird, dass die Schmerzäußerung individuell is t und mi t unterschiedlichen Pf erde-Typen kor reliert. Ijichi , Collins und Elwood (2014, S. 38 -43) fanden z. B. he raus, dass bei eher al s extro vertiert eingeschätzten Pfe rden, Schmerzen leichter zu er kennen waren. Nicht nur die Abwesenheit von Schmerzen ist für die Bew ertung und Sicherung von Wohlbefinden von Bedeutung, sondern auc h die Erkennu ng von stressbezogenen Verhaltensweisen. Erkennung von Stress (L eiden ) be i Pferden „Stress” als Begriff ist ähnlich wie „Wohlbefi nden“ ni cht eindeu tig de fini ert und wird auch alltagssprachlich ve rwendet. Im Duden (2024g ) wird Stress beispiel sweise als “ erhöhte Beanspruchung, Belast ung ph ysischer oder psychi scher Art” be schrieben. Insgesamt ϭϮϴ  beschäftigen sich verschied ene wissenschaftliche Disziplinen mit de m Phänomen wie z. B. di e Medizin, die Psych ologie oder auch die Soziologie, aber auch interdi sziplinäre Zugänge sind zu finden. Oft wird sich in den Ausführungen au f Hans Seyle (1907 -1982), einen der Urvä ter der Stres sforschung , berufen. Er ha t sich i ntensi v mit St ress sowohl für Menschen als auch höhere Tiere, also auch Pferde, beschäftigt und auf ihn geht auch das bekannte Modell von Eustress und Distress zurück (Breitenbach, Kapferer & Sedmark, 20 23, S. 9- 11 , 27-28; Plaumann, Busse & Walter , 2006, S. 3-9). Im Ko ntext der hier vo rliegenden Arbeit wird sich eher auf den negativ a uswirken den Stre ss bezogen, der im Kontext d er Sicherung des Wohlbefindens rel evant i st. Als Arbeitsdefinition wird fe stgehalten: „S tress gilt aus Ausd ruck negativer Emotionen u nd mark iert di e Abwesenheit von psychi schem Wohlbefinden“ (Neugebauer & Neugeba uer, 2020, S. 173). Auch im Kontext von S t res s gi lt dem Gesi cht des Pferdes besonde res Augenmerk , da sich S tr ess und Unwohlsein (Leiden) an der Tiefe und dem Winke l der Fa lten über den Augen des Pferdes e rkennen lassen, wie Hintze , Smith , Patt, Bachmann und W ürbel (2016 , o. S.) fe st stellten. Dabei se tzten sie Pferde (n=16) einerseits gezielt durch Nahr ungskonkurrenz und eine Plastiktüte un ter Stress, u m negative Emotionen zu erhalten und andererseits w urd en angenehme Reize durch Putzen o der Futtererwar tung gesetz t, die po sitive Emotionen hervor rufen sollten. Die Augen der Pferde wurden in den jeweiligen Situationen fotografie rt und dann ausgewerte t . Ergebnisse waren, dass der Winkel und die Augenfal tenausprägung be i den positiven Emo tionen durch P f lege geringer waren und bei der Na hrungskonkur renz erhöht . Auch Me rkies, Ready, Farkas und Hodder (2019, S . 562) fokussie r ten spezi fisch di e Augen des Pferde s und setzte n die Häufigkeit des B linzelns (halbes Blinzeln, vol les Blinzeln, Lidzuckunge n) in Zusammenhang mit Stres s. Dabei wurde n die Pfe rde verschieden en Stresssituationen und -reizen ausgesetz t (Trennung Herde, Ve rweigerung Futte r, Konfro ntation mit neue m Gegenstand). Als Ergebni s ließ sich festhalten, dass die Frequenz des volle n und halben Blinzel ns ab nahm. Besonders bei der Futterverweiger ung ließen sich zusätzli ch kö rperliche Unruhe, eine Erhöhung der Herzfrequenz sowie vermehr tes Lidzucken wa hrnehmen. Die Forschend en schlussf olgerten, dass die Verringerung von Blinzeln und vermeh rt e Lidzuckungen Indikatoren fü r Stress beim Pferd sein können. Ein e andere S t udie zum e motionalen Stress bei Pferden wurde von Lundblad, Rashid, Rhodin und An dersen (2021, o. S.) erstellt. In di esem De sign wurden Pferde verladen und circa 20 Minuten im Anhäng er gefa hren. Währen ddessen wurden Ti ere gefilmt und ihre Herzfrequenz gemessen. Als Erge bnis ließ sich festhalt en, dass sich di e Herzfrequenz erhöh te und di e Mimik sich verände rte. So waren Tendenzen zur Versp annung bestimmter Gesich tsmuskeln durch Weitung der Nüs t ern sow ie Oberliderhöhung zu beobachten. Zusätzli ch kam es auch zu verstä rktem Blinzeln (im Gegen sat z zu Me rkies et al ., 2019) sowie mehr Ohr- und Kopfbewegunge n. Ricci-Bonot und Mills (2023, o. S.) konnten mithilfe von EquiFACS U nterschiede in den Verhaltensweisen von Pferden (n=31 ) bei ϭϮϵ  Frustration und Entt äusc hung nachweisen. Bei Fr ust ration zeigten Pferde mehr Augenweiß, mehr Drehen der Oh ren und eher ein Be ißen der fütternden Per son. Enttäuschung kennzeichnete sich im Gegensatz zu r Frustration durch Blinze ln, Nüstern hochzi ehen, Zunge zeigen, Kauen und Futterapparat ab lecken . Insgesamt blinzelten weibliche Tiere mehr als männliche, s odass, z umindest in Fü tteru ngssituationen, möglicherwei se auch von geschlechterspezifische n Un terschieden ausgegangen werden kann. Young, Creighton, Smith und Hosie (201 2, S. 33-43) entwickelt en ebenso einen Verhaltensscore zu r Messung des S tressniveaus und ei ner Beurtei lun g des Wohlbefindens von Pferden. Besonde rs war in der Entwicklung des Instrumen ts, dass zur Validierung sowohl Verhaltensbeobachtunge n als auch ph ysiologische Messu ngen des Sp eichelcortisols mit einbezogen wurden. Durch di e deutliche Korr el ation von Cortisol un d stressbezogenen Verhaltensweisen ermög licht der Score laut den Forschenden eine schn ell e, zuverlässige und nicht-invasive Anwendun g zur Bewer tung des Wo hl befindens. Ein ähnli cher Ansatz wurde von Scopa, Palagi, Sighieri und Baragli (2018, o. S .) umgesetzt. Das Fo rscherteam entdeck t e Korrelationen zwischen Zunahme von Schnauben und Lee rkauen sow ie der Herzaktivität. Zu ergänzen im Kontex t von Stress (Leiden) sind auch mögliche depressionsähnliche Zustände bei Pferden. Furei x, Jego, Henry , Lansa de und Hausbe rger (2012, o . S.) beobachteten 59 Schulpferde in i hrem no rmalen Umfeld (Boxenha ltung) . Ein Viertel der Pferde zeigte „zurückge zogenes“ Verhalten, was sich durch einen starren Blick, wenig Ohrenbewegung und einer Hal shaltung auf Rück enhöhe kennzeichnet. Im Vergleich zu nicht „zurückgezogenen“ Kon trollpferden aus demsel ben St all zeigten sich die Tiere in ihrer Box gleichgültiger gegenübe r Umwe l treizen, sie zei gten z. B. wenig Reakt ion auf Mens chen. Gleichzeitig reagierten s ie aber in anspr uchsvol leren Situationen emo tionaler und wiese n niedrigere Plasmakortis olwert e auf. Insgesa mt zeigten mehr weibliche Pferde diese Verhaltensweisen. Eine Skizzierung von d epr essi vem Ausdrucksverhalten fi ndet sich auch bei Neugebauer und Neugebauer (2020, S. 69) (sieh e Abbildung 6). ϭϯϬ  Abbildung 6 . Depression bei Pfe r den (Neugebau er & Neugebauer, 2020, S. 69). Ein Indikator für Stress, d er sich au f den e r sten Blick weniger ers chließt, ist das Spielverhalten von erwachsenen P ferden. Die Ergebnisse einer St udie von Hausberger et al . (2012, S.291- 302) zeigten, da ss die Häufigkeit von Spi elverhal tenswei sen mit chroni sc hem Stress positiv korrelierte. Das heiß t, dass die Tie re, die mehr spielten, un ter mehr ch ronischem Stre ss litten. Das Forscherteam en twickelte im Rah m en di eser Studie auch einen Gesa mtscore für chronischen Stress (total chronic stress score ( T CSS )), der sich aus vers chiedenen Faktoren zusammensetzt, wie experimentellen Testunge n (z. B . Sudden Approach Test), Verhaltensbeobachtunge n und Messungen p hysiologischer Parame ter (Cortisol ) und differenzie rte Aussagen zu mög lichen zu beachtenden Faktoren i m Kon text von chronische n Belastungen zulässt. Wie auch im Konte xt von Schmerzen is t festzuhal ten, dass Pferde unte rschi edlich auf Stress reagieren bzw . dami t um gehen. Budzyńska (2014, S . 935- 941 ) unterscheidet zwei Arten von Bewältigungsstilen) bei Pferden: 1) aktive Bewä ltiger (proaktiv) und (2) passive Bewältiger (reaktiv). Das Wissen über diese individuellen Unterschiede von Pfe rden kann wichtige Informa tionen für den Tierschutzkon tex t bie ten und hi lft individu elle Anpassungsstra tegien der Pferde zu identifizieren. Anknüp fen hinsichtli ch der Unterschied lichkeit des Umgangs mi t stress-/angstauslösende n Reizen l ässt sich das F-Modell einordnen. Dieses Modell kommt ursprünglich aus der P sychologie und wird im Bereich therapeutischer In terventionen im Kontext von Trauma g enutzt. Dieses besag t, dass der Körper au f Stress / Belastung verschieden reagieren kann. Bei Pferden wir d sich häufig auf die vi er verschi edenen Reaktionsmöglichkeiten 1) Flight, 2) Fight, 3) F reeze und 4) Fiddle / F lirt bezogen (z. B. Schlote, 2017 , S. 195 -229). ϭϯϭ  Unabhängig der Individualität von P f erden zeigen die Ergebnisse von Henry, Fureix, Rowberry, Bateson und Hausberger (2017, o. S.), dass länger andauernde tierschutzrel evante Haltungs- und Umgangs bedingungen (> 3 Jah re ) dazu führen, dass eher Verhal tens - und Gesundheitsprobleme auftreten als bei P f erden , die in verhaltensgere chteren Bedingungen leben, und die P f erde sich zude m pessimisti sche r verhielten, was wiederum Ausw irkungen au f das Lernverhalten ha t. Anzumerken ist an diese r Stelle allerdings auch noch, dass Pfe rde generell unte rschiedliche Lö sungsst rategien be i der Bewältigung einer Au fgabe zeigen (Baragli et al, 2017 , o. S.). Um das Wohlbe finden bei Pferden nach der hier an gelegten Arbeitsdefin ition zu bewerten, ist nicht nur die Abw esenhei t von Schmerzen und Stress relevant, sonde rn auch mögliche positive Emotionen. Positive Emo tionen bei Pferden (Wohlbe finden) Positive Emotionen sind im Gegensatz zu negativen Emot ionen bisher deutlich schlechte r erkenn- und messbar, sodass hier eine große For schungslücke vorhanden ist (z. B. Fo rtin et al., 2018, 130-140; Lansade et al., 2018 , o. S. ). Lansade et al. (2018, o. S.) füh rten ei ne der wenigen Studien durch, in der sie zwei untersc hiedli che Pferdegruppen (n=13 und n =14), jeweils ver schiedener P utzweisen unterzogen. Die erst e Gruppe von P ferden wurde nu r an Stellen gestriegelt, die si e besonde rs genossen (Identi fizierung dieser u . a. durch „Putzgesicht“). Die andere Grup pe wurde ein er „Standardpflege“ unterzogen. Die erste Pferdegruppe zeigte signifikant me h r kontaktsuchendes Verhal ten, w ährend die zweite signifikant mehr Vermei dungsverhal ten erkennen ließ. Cortisol, Ox ytocin, Herzfrequen z und Herzfrequenzvariabilität i m Blut un terschieden sic h zwischen de n Gruppen nicht, sodass das Autorenteam schlussfol gert, d ass die Analyse de r Gesichtsausdrücke ein wichtiger Indikator für die positiven Emotion e n sow ie das Wohl befinden von Pferden darstel len kann. Es konnte im Anschluss an Hintze et al. (2016) zu sätzlich i n der Studie auch erkannt werden , dass de r höchste Augenfaltenwinkel in der ersten G r uppe erniedrigt war , wodurch Hintze et al.‘s Studienergebnisse weiter validiert wurden . Als weiterer Paramete r f ür positive E m otionen und E ntspannung bei Pferden konnte das Schnauben von Pferden identifiziert werden , w as gl eichzeitig auch al s Schmerzparame ter validiert wurde (siehe ob en). Eine Forscherg rupp e um Stomp et al. (2018a, o. S.) konnte z. B. herausfinden, dass das Schnauben von P ferden sign ifikant mit Situa t ionen korrel ierte, die von Pferden als positiv bewe rtet w erden (z. B. Füt terung auf de r Weide ). Zudem zei gte sich ein negativer Zusa mmenhang zu m Wert des TC SS ( s iehe oben): Je ni edriger d er TCSS wa r, desto höher zeigte sich Schnaubrate. Die Au torinnen und Autoren schlussfolgern, dass Schnauben ein zuverlässi ge r Indika tor fü r positive Emo t ione n zu sein s cheint. Ein anderes Forscherteam u m Stom p konnte zeigen, dass S chnauben mit einer für das Pferd positiven ϭϯϮ  Reittechnik korrel ierte. Das heißt, die Pfer de s chnaubten vermeh rt, wenn sie am locke ren Zügel im Schritt gehen konnten im Verglei ch zu a nderen Situationen (Stomp, Masson, Henry, Hausberger & Lesimpl e, 2020, o. S. ). Eben so konnte nachgewiesen werden, da ss unterschiedliche Arten vo n Schn auben mi t positiven Emo tionen verknüp ft waren (Stomp et al., 2018b, o. S .). Aktuell haben auch Zeitler-Feicht, Hartmann, Er hard und Baumga rtner (2024, o. S.) eine Studie zu möglichen Indikatoren für positive E motionen bei Pferden du rchgeführ t. Sie kom men zu dem Schluss, dass als allgemeiner Indikato r für positive Emo tio nen von Pferden die „ freiwi llige soziale Näh e “ von den jeweiligen Ti eren be schrieben werd en kann, während gegenseitige Fellpflege und soziales Spi el ni cht al s valide Indikatoren gelten. Boissy et al . (2007, S. 390) wa rfen bereits vor ü ber 15 J ahren im Kontext posi tiver Emo tionen weitere zu erforsche nde Frag en auf , wie „Gibt es stabile affek t ive Zustände, wie Glück bei Tieren? Wenn ja, wie lässt er si ch zuve rlässig messen?“, „Unter we lchen Bedingungen wird e r aufrechterhalten? “, „Was sind sei ne Beziehungen zu kognitiven Fä higkeite n?“, „Wie lässt sich die Lebensqualität auf Grundl age des Wissens über posi tive a ffektive Zust ände verbessern? “. Auf diese Fragen konnte bisher nu r auszugswei se Antwo rten gefunden w erden. Insgesamt ist im Kontex t der Bewer tung de s Wo hlbefindens folglich der Körperspr ache des Pferdes, insbesondere der Mi mik, zur Erkennu ng von S chmerz, Stress und Unw ohlsein (Leiden) besondere Auf merksamkeit zu schenke n. Üb er dieses k ommuniziert das Tier de utl ich mit seiner Außenwelt. Nichtsdestotrotz ist die Deutung der Ko mmunikationssignale hera usfordern d, da es sich te ilweise um seh r feine Signa le handelt, a n die sich das menschliche Auge zunächst gewöhn en muss, sodass die menschlichen Beobachtungskompetenzen geschult werden müssen (s iehe auch Ameli et al., 2023, o. S.). Wie die Kom munikation des Pferdes wahrgeno mm en wird, wurde von Russell (2003, S. 265 - 266) in einer Studie unter sucht. Die Forscheri n tes t ete 115 P robandinnen und Probanden, wie sie von Pfe rden gezeigt e Emotionen (submission , rel axation, excitatio n , anger) auf Bildern bewerteten. Dabei wurde n die Teilnehmenden in drei Gruppen eingeteilt : Einsteiger (weniger als 1 Monat Er fahrung mit P ferden), mittl ere Erfahrung (zwischen 1 Monat und 5 Jahren Erfahrung) u nd Experte n (mehr al s 5 Jah re Er fahrung) . Es zeigte sich, dass Erfahrung ein signifikanter Fakto r für die ri chtige Erkennung der Emotionen ist. Zudem konnte We stermann (2013, S. 84) in einer F r agebogenerhebung (n=109) au fzeigen , dass durchführende Pers onen der P GI Wohlbefin den von Pferde n vo r allem a m Verhalten der Pferde sowie am Arbeitswillen erkennen. Bezüge zur Mimik und den Ohren werden weniger häufig beschrieben und „rangieren […] im oberen Mittelfel d“ der Antwo rten (Westermann , 2013, S. 84). Das spricht dafü r, dass di e fei neren Signale de s Unwohlseins in der Mimik von ϭϯϯ  den durchführenden P ersonen als wenige r aussagekräftig für die Bewertung von Wohlbefinden wahrgenommen werden , sodass hier noch Nachholbedarf in der Praxis besteht. Zu beachten in der Beurtei lung der K örpers prache sind auch die Unterschiede der verschiedenen Pfer derassen in ihrem op tischen Erscheinung sbild, so dass die ei nzelnen Signale nicht imm er au f di eselbe Weise sichtba r werden können (z. B. Kö rperbau, Länge der Ohren). Glei chzeitig gibt es auch Unterschiede vo n Indi viduum zu Indi viduum hinsi chtlich der Äußerung von Schmerz oder dem U mgang mit St ress. Ebenso ist anz umerken, dass sich Schmerzen und Stres s nicht trennscharf s ind, sodass Übe r schn eidungen in der beobachtbaren Körpe rsprache zu erkennen sind . Das beschriebene (F ach-)Wisse n der Verhaltensbeobach tung zur Sch merz- und Leidenserkennung und po sitiver E motionen is t generell notw e ndig für einen tierschutzethischen Umgang mit Pferden, de r au ch die emotionalen Bedür fnisse von Pfe rden berücksichtig t.  3.2.3 Zwischenf azit Zusammenfassend lässt sich fe sthalten, dass ba sierend auf de n rechtlichen Vorgaben ei ne artgemäße und ve rhaltensgerech te Unte rbringung des Pferdes ge währleistet sei n mu ss, damit keine physischen und ps ychischen Erkrankungen entstehen. Die Funktionskreise des Pferdes bilden die Grundlage für die Umsetzung ei ner ve rhaltensgerechten Pferdehaltung. Spezi fische handlungsorientierte Konzepte und Ratgebe r sowie die Vorgaben des BMEL bi eten mögliche Umsetzungsvorschl äge. Deutlich wird, dass al le beschriebenen Fun kt ionskreise nu r in einer Gruppenhaltung vol lständi g ausgelebt werden können, jed och ist aktuell noch erkennbar, da ss die Mehrzahl an Pfe r d en einzeln in Boxen aufgestallt is t. Hier zeigt sich eine gewisse Diskrepanz zwischen der Ke nntnis de r Funktionskreise sowie der Umset zung der Pferdehaltung. Neben den Hal tungsbedin gungen ist auch die Bewertung des Ausdrucksverhaltens von Pferden im direkten Umgang mit ihnen zur Sicherung de s Wohlbefindens relevant. Das Ko nstrukt „Wohlbefi nden“ bei Ti eren lässt sich wissenscha ftlich schwierig erfassen . Für di e hier vorliegende Einordnung des Kon strukts wurde di e Abwesenheit von Schme rz und (emo tionalem) Stress sowie da s Vorhandensein von positiven Emotionen festgelegt. Be sser qu antifizierbar und dami t wissenschaftlich besse r messbar sind bisher die negativen E mpfindu ngen. Dazu we rden als ni cht-invasive Analyseverfahren spezifische Instrumen te genutzt, wie z. B. Eq uiFACS oder Horse Grim ace Scale, die vor allem die Mimik des Pferdes a uswert en . Die Gesichtsa usdrücke von Pferden si nd unter Umständen ein deutlicherer bzw . sensiblerer Indikato r fü r Schmerz und Leide n als allgemei ne Abweichungen vom Normalverhal ten (siehe auch La nsade et al ., 2018, o . S.). Nichtsdestot rotz muss das gesamte Ausd rucksverhalten von Pferd en zur Er kennung von Schmerz und Stress beachtet werden. Die Erwei terung des Konstr ukt s Wohlbefinden du rch d as Vorhandensein ϭϰϬ  Die Dauer der Therapiesitzun g sowie der gesamten Behandl ung ist abhängig von den Krankheitsbildern und d er damit zusammenhäng enden Belastungsfähigkei t der Pa tientinnen und Patienten. Die Zi elgruppe von Hippotherapie ist heterogen. Nach Ka rch et al. (2008 , S. 7) sind die häufigsten Sy mptom- un d Krankh eitsbilder, bei denen Hippotherapie eingesetzt wird: x zerebrale Bewegungsstö rungen unterschiedli cher Ursache, Art und Ausp rägung mit erhöhtem Muskeltonu s (Spastik oder Dystonie), x Störung der Gleichgewichtsfunktionen (Ataxi e) und / oder unwillkürliche Bewegungen (Chorea oder A thetose) , x Paresen durch Schädigung des Rückenmark s, wie z. B. Myel omeningozelen oder Traumata sowie x Muskelschwächen im Rahmen von ne uro muskulären Erkrankungen, wie z. B. Muskeldystrophien. Das DKThR (2019a, S. 2-4) sowie Strauß (2000, S. 58-59) nehmen ei ne Zwei teilung vor un d unterscheiden zwisch en ne urologischen und orthopäd i schen Symp tom- und Krankheitsbildern. Als Kr ankheitsbilder werden bei spielswei se aufgeführt: x Neurologisch: Cerebralparese , Spi na Bifida, neurogene Mu skel atrophie, Multipl e Sklerose, Ataxien, Querschni ttslähmung, Auti smus -Spektr um mit m otorischen Beeinträchtigungen etc. x Orthopädisch: Dysmelien, Haltungsschwäch en, Skol iose, Hüftdy splasie, Spondylose etc. Generelle Zielsetzunge n der Hippothe rapie sind die Stärkung des Stü tz - und Bewegungsapparates, des Glei chgew ichts un d der Koordina tion der Patientinnen und Patienten sowie der Erhalt bzw. di e Verbesse rung von Muskelfunk tionen und natürlichen Bewegungsabläufen (D KThR, 2020; Karch et al ., 2008, S . 7). Diese werden mit den Wirkungen von Hippotherapie errei cht. Debuse (2015 , S . 25) besch reibt al lgemein eine positive Beeinflussung de r Bal ance sowie der Steh- und Gehfähigkeit, mehr Kopf- und Rumpfkontrolle, ei ne an gem essenere Tonusregul ation sowie einen Fun ktionszuwachs de r Arme. Das DKThR (2020) ergänzt dazu eine Verbesserung der intra- und inter muskulären Koordination, eine funktionelle Mobilisation von Gelenken, eine m yofasz iale Stabilisierung durch Bewegungsimpulse, gangspe zifisches Rumpftraining, Mobilisation der Organe im Brust- und Bauchraum mit einer da mit zusammenhänge nden Verbesse rung der Lungen funktion durch Durchblutungss teigerung un d Sekre tlösung. Auch Strauß (2000, S. 56-57) bezieht zusätzlich die Auswirku ngen de r Hippothe rapie auf die A tmu ng mit ein. Diese Aufzählung beschreibt unspezifische Wirkeffekte der Therapie. Es exi stieren ab er auch zahlreiche Wirkungsstudien zur Hippotherapie bei indizier ten Zielgruppen, wie di e zwei folgende n Beispiele zeigen: ϭϰϭ  Eine qualitativ hochwertige Studie aus dem Jahr 2018 ist eine Mu lt icen ter-Studie der Uniklinik Aachen, die mit ei nem a ufwänd igen Cross-over-Design den Einfluss von Hippotherapie auf Motorik und L ebensqualität bei Kindern mi t bilateraler Ze rebr alparese (n =73) untersuchte . Ergebnisse waren eine positive Beeinflussung des auf rechten S t ands der Kinder sowie des Gangbildes. Zusätzli ch fa nd das Forsche rteam he r aus, dass be sonders Ki nder mit einer hohen psychosozialen Krankheit sbelastung von der Ma ßnah me p rofitieren (Deutz et al. , 2018, S. 187-189). Eine andere multizen trische Studie unte rsucht e die Ausw irkungen von Hippotherapie auf erwachsene Patientinne n und Patienten mit Multipler Sklerose (MS) (n=70). Die Besonderhei t der Studie besteht darin , dass sie weltweit die erste Studie in diesem Bereich ist, die auf Evidenzstufe I 47 anzusiedeln ist. Die For schenden V ermöhlen , Schiller, Schickendan tz, Drache, Hussack, Gerber-Gro te und Pöhlau (2018, S. 1375 -1382) fanden heraus, dass durch wöchentliche Hippotherapie, die ergänzend zur gewohnten indivi duellen Standard therapie durchgeführt wurde , signif ikante Verbesserungen des Gl eichgew ichts, der schnellen Ermüdbarkeit, de r Spastizität sowie der Le bens qualität bei erwachsenen Patien tinnen und Patienten mit MS fest zustel len waren. Zu verschiedenen Kon traindikatione n finden sich b eim DKThR (201 9a, S. 9-11) und bei Karch et al. (2008 , S. 7 ) ode r Strauß (200 0 , S . 59-61) vertiefende Ausführungen . Obwohl die Hippothera pie die mit a m best e n belegte Therapieform im Bereich de r tiergestütz ten Interventi onen da rstellt (Brei tenbach, 2008, S. 252 ) un d diese nicht meh r grundlegend in Frage gestellt wird, rei chte im Jahr 2006 die wissenschaftliche Evidenz n och nicht aus, u m eine Kostenübernah me für die Therapie zu erwirken . Der Ge meinsame Bundesausschuss (G -BA) (2006, S . 2) hält fest , dass die Validität der Studienergebnisse in dem Bereich als zu ge ring einzu schätzen ist und s ich aus ihne n keine zuverlässi gen Aussagen zur medizinischen Notwendigkeit der Hippother apie treffen lassen ( G-BA, 2006, S. 2-3) . Inzwischen sind al lerdi ngs neue validere S tudien durchgeführt worden, wie exemplarisch auch die beiden oben beschrieben en, sodass eventuel l eine erneute Überprüfung durch den G-BA sinnvoll wäre. Hippotherapie als physiotherapeutische Maßna hme wird als Forschungsfeld fü r die sich anschließende empirische Untersu chung in Kapitel 5 nicht weiter beachte t, da das P f erd hi er lediglich als Medium der Be wegungsübertragung verwende t wird. Jedoch sind die detaillierteren Darlegungen wi chtig, u m die Einwirkungen auf den motorischen Bereich von Kindern, Jugendlichen sowie Erwachsenen und de n dadurch entsteh enden besonderen Bewegungsdialog zu berücksichtigen.  47 In der Medizin wird ba sierend auf Eviden zklassen die Au ssagekr aft von Studien bewertet . Evidenzstuf e I stell t die höchste Eviden z dar, Stuf e V die niedrig ste. ϭϰϮ  3.3.1.2 Der Einsatz von Pferden in der pferdeg estützten Therapie „Pferdegestü t zte Th erapi e“ stel lt einen Sammelbegriff fü r zahlreiche unterschiedliche therapeutische Maßnah men mit unterschied lich en Schwerpunk ten unte r Einbezug ei nes Pferdes dar. Wie bereits in der Definition von tiergestüt zter Therapie in Kapitel 2.3.1 von Vernooij und Schnei der (2018) sow ie der IAHA IO (2014 ) angefüh rt, werde n die Maßnah men jeweils von Therapeutinnen und Therapeute n aus ve r schiedenen Berufen mit den dazugehörigen Zielsetzungen und Zielgruppen in Einzelsettings (d urchführ ende Person-Pferd - Zielgruppe) du rchgeführt . In der Pra xis lassen si ch jedoch viele Angebote erke nnen, die als pferdegestützte The rapie tituli ert sind, ab er der defi nitorischen Abgrenzung nicht entsprechen. Die hohe Theorie-Praxis-Diskrepan z se tzt sich a uch in diesem Be reich f ort und liegt in de r Vielfalt der Maßnahmen begründet. Schwerpunkte zur Ein-/A bgrenzun g werden entweder über d en in haltlichen Ansatz der Therapie oder über di e Ziel gruppe gesetzt. In h altliche Fokussierungen sind exemplarisch pferdegestützte Therapi e in der Psychomoto rik (Bär, 2016 , S. 198-212), pferdegestütz te Therapie in der Ergo therapie (Schläffer , 2020; Schüller, 2016, 149-158) o der pferdeges tützte Therapie in der Logopä di e oder Sprachförderung (Blume, 20 16, S. 149-158). Als Ziel gruppen für die pfe r deges tützte Th erapie werden beschrie ben: x Menschen im Autismus-S pektrum (z. B. La dner & Brandenberger, 2018, S. 52-54), x Kinder mit ADHS (z. B . Hamsen, 2003), x Menschen mit Posttrau matischer Belastungsst öru ng (z. B. Hediger & Zink, 2017), x Menschen mit Schädel-Hirn-Trau ma- (z . B. Schu r -Althaus, 2016, S . 225-242) oder x Flüchtlingskinder (z. B. Wolfrum & Krüge r , 2017, S. 65-69). Darüber hinaus hat sich al s eigener Zwei g die pferdegestützte Psychotherapie herausgebildet. Im deutschspr achigen Raum lässt sich in di esem Kontext di e höchste Anzahl von feldspezifischen Veröffent lichungen von F ach- und Pr axisbücher n im Vergleich zu anderen pferdegestütz ten Therapien (au sge nommen der Hippotherapie) finden, wie exemplarisch von der Fa chgruppe Arbeit mit dem Pferd in der Psychothera pie (FAPP) (2005), FAPP und DKThR (2018), Gomol la (2016, 2019 ), Hediger und Zink (2017 ), Kro mmer (2017 ), Ladner und Brandenbe rger (2018), Opgen -Rh ein, Kläschen und Dettling (2010) oder Scheidhacker (2010). D urchgeführt wird die pfe rd egestützte Psycho therapie nach Vernooij und Schneider (2018, S. 214) nur von psychologischen oder ärzt lichen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeu ten, in der Praxis is t allerdi n gs zu beobach ten, dass auch Personen mit anderen Ausbildungen Psycho therapie im tiergestüt zten Bereich anbi eten, da die Begrifflichkeit im Gegensatz zu „Psychotherap eutin“ bzw. „Psychothera peut“ nicht geschü tzt ist. Dies hat zu r Folge, dass auch qualitat iv minderwertige Angebote kursieren, die dem Anspruch einer Psychotherapie nicht genü gen. In der von Ps ychoth erapeutinnen und ϭϰϯ  Psychotherapeuten durchgeführ ten Psychothe ra pie existieren ve rschied ene Ausrichtungen. Gesetzlich abrechnung sfähig sind in Deut s chland allerdings nu r drei Verfahren : psychoanalytisch begrün dete Verfah ren, Verh altenstherapien sow ie syste mische Therapien. Jene sind nach Paragraf 15 der Psy chotherapie-Richtlinie theore ti sch unter mauert und in ihrer Wirksamkeit belegt (G-BA, 2019, S. 12 ). In Abhängigkeit zur Ausrichtung der jeweiligen Psychotherapeutinnen / Psychotherapeuten var iiert auch die Bedeutun g bzw. die Art des Einsatzes des Pferde s (Ladner & Br an denberger, 2018, S. 11). Di ese werden im Rah men der vorliegenden Arbeit nicht weiter behandel t. Insgesamt wird an den beschrieb enen vielfältigen Ausformung en innerhal b des Oberbegriffs „pferdegestü tzte Therapie“ di e Kompl exität de s F eldes, aber damit ei nhergehend auch ein e gewisse Strukturlosigkeit bzw. Offenheit des Einbezugs von Pferden in therapeutischen Kontexten, deutlich. Fol glich ist eine de zidiert e Ziel gruppenbeschrei bung schwierig. Ableitungen können aus den be schriebenen Ziel gruppe nfokussierungen vorgeno mmen werden, erheben aber kei nen Anspruch au f Vollst ändigkeit. Ähnlich ist e s mit konkreten Zielsetzungen, diese sind ebenfa lls eng mit den Berufen de r Durchfü hrenden verknüp f t.  3.3.1.3 Der Einsa t z von Pferden in de r pferdegestütz ten Pädagogik Der Bereich der pferdegestützten Pädagogik ist besonders schwierig ei n- und abzugrenzen, da in der Pra x is viele pädagogische Ange bote du rch die inflatio näre Verwendung des Therapiebegriffs sowie durch die unscha rfe Begrif fsabgrenzung des DKThR mit therapeutischem Rei ten titulier t werden. Der in vorliegender Arbeit ge wählte Oberbegriff „Pferdegestü tzte Pädag ogik“ im pliziert eine d eutliche Ab grenzung z u therapeutischen Settings, da hier pädago gische Ziel setzungen der Bildung und Erziehung von Individuen mit der Initiierung von Lern prozessen sowie Ges t altu ng von En twicklungsfortschrit ten, die an individuelle Ressourcen anknüpfen , im Mittelpunkt s t ehen (Pül schen , 2 018, S. 21). Gäng (2015a, S. 25 ) konkretisi ert als Zielsetzung ei ne positive Beeinflussung des Befindens, des Sozialverhaltens sow ie der Pe rsönlichkeitsentw i cklung. Dadurch sind Zi elgruppen vor al lem Kinder und Jugendli che. Durchge führt werde n die Maßnah men von Fachkrä ften aus pädagogischen Berufen in Einzel- oder Gruppensettings. Innerhalb der pferdeg estützten Pädagogik wird „heilpädagogisches Reiten“ als Begrifflichkeit am längste n und häufigsten ve rwendet. De r Begri ff wurde maßgebl ich durch die Veröffentlichungen von Marianne Gäng gep r ägt, di e im Jahr 1983 ihr erstes We rk mit dem Titel „Heilpädagogi sches Reiten“ herau sgab un d al s Koryphäe in dem Feld gilt. Au ch das DKThR übernahm ihre Definition, sodass die Reichweite sich zusätzlich erhöhte . Gäng (2015a, S. 26 ) nutz t „heilpädagogi sches Reiten“ dabei als Sammelbegri ff für verschiedene Maßnahmen mi t de m Pferd und de finiert: „Unter dem Begri ff He ilpädagogisches Reiten (HPR) werden pädagogische, heilpädagogische und sozi o-integra t ive sowi e psychologische, ϭϰϰ  therapeutische und rehabilitative Einflussnahm en mit Hilfe des Pferdes zugunsten von Menschen mit Beeint rächtigungen ver standen“ (Gäng, 2015a, S. 26). Ähnlich beschreibt das DKThR (2024c, 2. Absa tz) die Maßnahme: „I n der Heilpädagogische n Förderung mi t dem Pferd stehen basierend auf der Grunddiszipl in der He ilpädagogik soziointegra tive, rehabilitative und pädagogisch-th e rapeutische Interventionen im Vordergrund“. Die Vermischung von Pädag ogik un d Therapie wird in den Beschreibungen s ehr deutlich. Dies liegt vor allem in der Be grifflichkeit „heilpädag ogisch“ begründe t, die ihre n Ursprung in der Heilpädagogik hat, in der bere its „Heilung“ als medizinischer Begriff en thalten ist und die therapeutische Zuordnu ng dadu rch zulässi g erscheint. Durch da s „Zusa mmenwürfeln“ de r verschiedenen Maßnah men ergibt sich di e offe nsichtliche Schw ierigkeit einer trennscha rfen Abgrenzung zwischen den verschiedenen Settin gs bezogen auf da s Pfer d. Auch Breitenba ch (2008, S. 238) un terstellt dem heilpädagog i schen Reiten ei ne Mi schung aus verschiedenen Inhalten und Methoden. Er spricht von ei nem „T he orien- und Konzepte cocktai l, in dem Asp ekte und Fragmente aus Ergotherapie, Psy chom otorik, Moto therapie, heilpädagogischer Übungsbehandlung und Reitsport mehr oder we niger s tark gemischt sind “ ( Breitenbach, 2008, S. 238). Daraus schlussf olgert er sogar, das s da s Heilpädagogische Reiten und Voltigieren eher unter den therapeu tische n Bereich zu situ ier en sind. In der Zi elgruppenbeschreibung der heilpädagogi schen (sowie pädagogi sc hen) Förderung mit dem Pferd werden nach dem DKThR ( 2019b, S. 5) bes timmte Aspekt e hervorgehoben , wie Lernbehinderungen, Geistige Be hinderungen, Verhaltensbesonderh eiten, Schwierigkeiten im Sozial- oder Beziehungsverh alten , motorisch e Schwierig kei ten, Konzentrations- und Wahrnehmungss törungen. Auch S trauß (2000, S. 18) besch reibt als Zielgruppe Kinder und Jugendliche mit best i mmten Förders chwerpunk ten, wie Kinder mit dem Förderschwe rpunkt Lernen, emotional -soziale sowie Ge istige En twicklung, genauso wie Gäng (2015b, S. 20), die „Störungen der ‚nor malen‘ körperli chen, seelischen und sozi alen Entwickl ung und / oder des Verhaltens und Befinden s unte r Berücksichtigung der jeweiligen Behinderung“ in den Fokus nimmt. Debuse , Riedel und Struck (2018, S. 131) beschreiben die Ziel gruppe al lgemeiner, indem sie Entwicklun gsv erzögerungen in verschie denen Bereiche n und im Besonderen Kinder und Jugendliche mit Auti smus-Spektrum-Störung und Kinder mit AD(H)S betrachten. In den Zielgruppenbeschreibungen wird deu tlich, dass e s sich vor al lem um Kind er oder Jugendliche handelt, die au s pädagogischer Per spekt ive in das Feld der F örderpädagogik / Sonderpädagogik fallen, sodass die Einführu ng der Begrifflichke it „pferdege stützte Förderpädagogik“ sinnvo ll sein könnte. Zielgruppenübergreifend wird durch das Pferd ei ne Förderung in ve rschiedenen Bereichen angestrebt, wie laut DKThR (2 023, S . 7) in der Wa hrnehmung, der Mo torik, im Sozialverhalten, in der Kommunikation u nd Sprache, der Kognition und Emotion. Auch Gäng (2015a, S . 26) nennt die Förde r ung der Bewegungsfähigkeit sow ie der Wah rnehmungs-, Kontakt- und ϭϰϱ  Handlungsfähigkeit als zentrale Aspekte. Welsc he (2018, S. 104-112) sow ie Vernooij und Schneider (2018, S. 213) ergänzen die positi ve Förderung des Selbstkonzepts . An diese beschriebenen Förderbe reiche schließen sich z ahlreiche spezifische Praxisberichte und - konzepte an, wie exemplarisch von Kästli und Si mon (2018, S. 25-28), di e sich explizit mit der Kommunikationsförderun g auseinandersetzten, Mön ke und Pendorf (2018 , S. 4-13), die eine Förderung des Sprachverstehen s unte r besonderer Berü cksichtigung von Pferden betrachteten , oder Pe tersen (2018 , S. 29-34) , di e den Fokus auf di e Förderung prälite raler Vorläuferfähigkeiten legte. Ein sich herausbildender eigene r Zw eig innerhalb der pfe rdegestütz ten Pädagogik ist die pferdegestützte Erlebn ispädagogik . Erlebnispä dagogik als solche ist ähnl ich wie das Feld der TGI nicht kla r umris sen. N ach Kinne (2013, S. 15) hand el t es sich u m eine anerkann te allgemeinpädagogische Konzepti on in den Erziehungsw issenscha ften, Michl (2015, S. 11 ) spricht dagegen von ei ner hand lungsorientie rten Method e, di e „durch exe mplarische Lernprozesse, in den en junge Men schen vor physische, psych ische und sozi ale Herausforderungen g estellt werden, di ese jungen Menschen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung f ördern und sie dazu befähi gen [ will], ihre Lebenswelt verantwortlich zu gest alten“ (Michl, 2015 , S. 11). Gäng (2017 , S. 10) bes chreibt Erlebnispädagogik allgemei n als Teilgebiet de r Pädagogik, „in dem das Lernen du rch Erleben eine zentrale Roll e spielt. Zi el von e rlebn ispädago gischen Maßnahmen ist es, Veränderungen im emotionalen, sozialen, kog nitiven und prak tischen Kontex t zu bewirken“. Gäng (2017 ) stellte das H erausgeberwerk „Erleb ni spädagogik mi t dem Pferd“ zusa mmen, in welchem verschiedene erlebni spädagogische Projekte mi t de m Pferd vorgestellt werden. Diese sind untersc hiedliche n The men zuzuordn en, wie exe mplarisch das Wanderrei ten mit verschiedenen Gruppen mi t Kindern / Jugendlich en mit un d ohne Behinderung (Laug, 2017, S. 22-45), abe r auch themenspezifische Pr ojekte, wie „Indianerwochen“ mit dem Pferd (Schwab, 2017, S . 126-136). A llerdings stellt sich die Frage , ob alle beschriebenen Projek te zur Erlebnispädagogik z ählen, da das Hauptk rite rium der Zuordnung zu r Erlebnispädagogik die Reflexion über das Erle bte und damit zusammenh ängend ein Transfer auf ande re Lebensbereiche ist (Mic hl, 2015, S. 10). Dies wird in den au fgeführ ten Beiträgen nicht immer ersichtlich, deutlich wi rd jedoch die Gr uppenorientierung im Ge gensatz zu den Einzelfördermaßnahmen andere r Teilbereiche der p ferdegestützten In ter vention. Im Fokus stehen hier vor allem sozial e Aspekte. Diese hebt auch Hibbeler (2012 ) hervor. Sie betrachte t das Erlernen sozial er Ko mpetenzen in de r Er lebnispädagogik mit einer Erwei terung auf da s Pferd. Allerdings handelt es si ch hierbei eher u m eine allgem eine Verk nüpfung der beiden Felder, die von ihr nicht empirisch überprüft wurd e. Insgesamt lässt sich für den pädagogischen Einsatz des P f erde s fes t stell en, dass teilweise Pädagogik und Heilpädagogik getrenn t voneinander be trachtet bzw . sogar s ynonym ϭϰϲ  verwendet werden u nd zusätzlich auch He il pädagogik und Therapie scheinba r ineinanderfließen, sodass eine Trennung de r Be rei che aktuell nicht möglich ist. Hier zeigt sich sehr deutlich die noch fehlen de Strukturierung des Feldes hinsichtlich der Berufsfelder. Auffällig ist, dass sel bst Fo rschende irreführ ende Begrifflichkeiten nutzen, wie folgende wissenschaftliche Untersuchungen zei gen: „Reittherapie als heilpädagogische Maßnahme“ (Hosser, 2012, S. 9 ) oder „Heilpädagogisches Vo ltigieren bei Ano rexia Nervosa. Eine Studie über die Wirksa mkeit von Reitthe rapie“ (Gath mann & Leimer, 2004 ). Als Konsequenz wird in der folgenden Da rstellung empirischer Wirkungss tu dien PGI lediglich eine Kategorisierung in verschiedene Zielgruppen vorgeno mm en. Ausgewählt wurden di e drei Zielgruppen, zu denen die meis ten Studien und Veröffentli chungen vorhanden sind: Kinder / Jugendliche mit Autismus-Spektrum Störung (fol gend mit ASS ab gekürzt), Kind er mit Aufmerksamkeitsdefizit(- Hyperaktivitäts- )Störung (folgend mit AD(H )S abgekürzt) sowi e Menschen mit posttraumatischen Bel astungsstörungen (folgend mit PTBS abge kürzt) . Unter de r Kategorie „Sonstige Zielgruppen “ werden einige weitere Einzelstudien vorge stellt.  3.3.2 Die Wirkungen von Pferden auf ausgewählte Zielgruppe n – pädagogisch , psychologisch und medizinisch relevante Eff ekte Der Fokus ak tueller Stu dien zum Mensch-Pfe rd-Verhältnis innerhalb de r TGI liegt auf de r Wirkung von Tieren au f die Zielgruppe. Es wu rden be reits zahlreiche unspe zifische Effekte auf verschiedenen Ebenen unabhängig von Zielgru ppen und Tierarten belegt (siehe Tabelle 5, Kapitel 2.3.4). Bei den si ch hier anschließend en Reviews verschiedener Studien handel t es sich um keine erschöp fende Darst ellung, sondern um eine überblicksartige Zusammen stellung von Ergebnissen, um die Poten ziale von P GI für bestimmte Zi elgruppen in pädagogischen, psychologischen sowie medizini schen Kontexte n neben den unspe zifisc hen Effekten du rch Tiere allgemein auf zuzeigen. Kinder und Jugendli ch e mit Au tismus-Spektrum-Stö rung Besonders häufig wurd en PGI bei Kindern u nd Jugendlichen im Autismus-Spektrum untersucht. Die Studie „ tapfer“ (Therapeutische Arbeit mit de m Pferd ) (200 6) untersu chte die Wirkung von heilpädagogischem Reiten / Voltigiere n auf 30 Kinder mit ASS im Alter zwischen drei bis neun Jah ren in einem Experimen tal-Kontrol lgruppen-Desi gn. Positive Effekte waren in den Bereichen Moto rik, Kont aktaufnah me, Kommunika tion und Sprachverhalten bei de r Experimentalgruppe f estzustellen und es kam zu einer Reduktion von Verhaltensauffälligkeiten (Gulto m- Happe, Pickartz & Schulz, 2006, o. S.). Auch Borgi, Loliva, Cerino, Chiarotti, Vene rosi et al. (2016, S. 1-9) fanden bei den 15 Probandi nnen und Probanden der Expe ri me ntalgruppe mit ASS positive Effekte auf die motori schen Fähigkeiten sowie eine deutliche Verbesserung de r sozialen Fä higkeiten im Gegen satz zur Kontroll gruppe ϭϰϳ  (n=13). Zusät zlich konnte eine verbesserte Exekutive (hier : Pro blemlöseaufgaben) verzeichnet werden. Ke rn, Fletcher , Garver, Meht a, Grannemann e t al. (2011, S. 14-20) konnten in ih rer p rospektiven Studie zu pfe rd egestützten Aktivitäten bei Kindern mit ASS (n=20, Alte r: 3-12 Jahre) nachw ei sen, dass sich b ei den Proban di nnen und Probanden durch die Maßnahme die Schw ere der ASS-S y mptomatik signifi kant verringer te un d sich die Eltern- Kind-Interaktionen ve rbesserten . Zudem erhöh te si ch aus Sicht der Eltern die L ebensqualität der Kinder. Bass, Duchow ny und Llabre ( 2009 , S. 1261-1267) fanden in ei nem Experimental- Kontrollgruppen-Design heraus, da ss therapeutis ches Reiten (zwöl fwöchige Maßnahme) bei der Experimen talgruppe (n=34, Alter: 5-10 Jahre) Verbesse rungen der sensorischen Integration und de r gelenkten Aufmerksam kei t a uslöste. Die Experi mentalgruppe zei gte im Gegensatz zur Kontrollgruppe zudem auch ei ne verbesserte soziale Motivation und sensorische Sensibilität sowie eine ve rminderte Unaufmerksamkeit und Ablen kbarkeit. Auch Gabriel, Agnew, Holt, Shoffne r, Zhaoxing et al. (2 012, S . 578-588) führten eine Studie (within- participant) mit 42 Kindern und Jugendl ichen mit ASS (Alter: 6- 1 6 Jahre) du rch. Die Probandinnen und Probanden nahmen an ei ne r wöchentlichen Stun de therapeutischen Reitens über zehn Wochen tei l. Ergebnisse waren eine signifikan te Verbesserung bezüglich Irritabilität, Le thargie, stereotypem V erhalten und Hyperaktivitä t. Eine umfassende Zusammenstellung und Bewertung von Stud ien hinsichtlich wissenschaft licher Aussagekraft findet sich bei O’Haire (2012, S. 1606-1622). Sie nennt auch die drei letztgenannten S t udien als einige der wenigen, die die Diagn osen so wie Schweregrade der Störungsbilder der Probandinnen und Prob anden von unabhängigen Stellen übe rprüfen ließen sowie Auskün fte über aktuelle Behandlungen und Medikamente mi t s ammelten und veröf fentlichten (O‘Haire , 2012, S. 1611 ). Die positiven Effekte im s ozi alen Bereich bei de r Zielgruppe „Kinder und Jug endliche mit ASS“ nahm Brachthäu ser (2 012) zum Anlass ei ne n Beobachtungsbogen zur Wir kung von therapeutischem Rei ten auf soziale Ko mpetenze n zu erproben („Beobach tungsbogen Sozi ale Kompetenz“ (BSK)). Nach einer umfa ngrei chen psych ometrischen Analyse des Erhebungsinstruments (i nklusive Beurteilerreliabil ität) beobach tete sie mit dem Bogen Kinder und Jugendliche mit ASS und Schizophrenie (zu sammengefass t al s „Kinder und Jugendliche mit seelischer Behinderung “) vor , während und nach der Inte rvention hinsichtlich der sozialen Kompetenzen (n =8, Alter : 12-21 Jahre ). Erge bnisse waren eine e r höhte s oziale Orientierung und Aktivität sowie insg e samt eine Erhöhung der sozial en Kompetenzen ü ber das Setting des therapeutischen Reitens hina us (Brach thäuser, 2012). Kinder mit Aufmerksa mkeitsdefizi t-(Hyperaktivität-)Stö rung Die Wirkung von Pferden wurde au ch für Kinder mit AD(H)S mehr fach untersucht, wie z . B. in der norwegischen S tudie von Cuypers , de Ridder und Strandhei m (2011, S. 901 -908), die in ϭϰϴ  einem quasi-expe rimentellen Pr ä- und Posttes t-Design (n=5, Alter: 10 -11 Jahre) positive Effekte au f soziales Ve rhalten, die Leben squal ität und motorische Ferti gkeiten fe ststellten. Positive Effekte au f die Moto rik fü r dieselbe Ziel gruppe verzei chnete auc h Hamsen (2003) in ihrer Untersuchung, in der si e eine vergleichende Einzelfallana lyse (n=8, Alter: 6-10 Jahre) durchführte . Weitere E ffekte waren Verbesserung en im Bereich der Aufme rksamkeit sow ie im störungsspezifischen Bewegun gsverhalten. Hyun , Jung, Park, Kang, Kim et al. (2016 , S. 286 - 293) konnten in einem g ematchten Kon t roll gruppen design mit 12 Kindern mit ADHS und 12 Kindern ohne ADHS aufzei gen, da ss sich bei den Kindern mit ADHS da s Gleichgew icht beim Gehen verbesser te und sich die Konnektivität de s Gehirns in den Gehirnarealen vers tärkte , die für das Gehen zuständig sind . Auch in der L ängsschnittstu die „Jim Knopf“ von Hosse r (2012) mit randomisiertem Kontrollgruppe ndesign wurde die Wirkung von therapeutischem Reiten auf 20 Kinder mi t ADHS (Alter: 5-12 Jahre) untersucht . Die Forsc herin fand herau s, dass aggressiv-opposi tion elles Verhalten und andere Au ffälli gkeiten bezogen auf die Bereiche Aufmerksamkeit und Impulsivität signifikant vermindert werden ko nnten. Signifikante Verbesserungen im B ereich der Unaufmerksamkei t und I mpulsivität konnten auch Breitenbach, Gomolla u nd Radek (2021 , S . 4-1 3) in ihrer Ef fektstudie mit 11 Kindern (8-11 Jahre) mit ADHS nachwei sen; außerdem V erbes serungen im Bereich de s Sozialverhaltens . White, Zippel & Ku mar (2020, o. S .) führten ei n systematisches Review zu Wirksam keit von pferdegestützten The rapi en auf verhalte nsbe zogene, psychologi sche und körperliche Symptome bei der Ther apie von Kindern mit A DHS durch. Als Erge bnis wurden positive Tendenzen für al le drei genannten Bereiche beschrieben. Das Autorenteam merkt jedoch kritisch an, dass die Ergebnisse vorsi chtig inte rpretiert w erd en und weiter e forschungsme thodisch fundierte Studie n durchgef ührt werden müssen. Dadurch, dass Kinder mit AD(H )S eine häufig fokussierte Zielgruppe im Kontext pädagogisch- therapeutischen Reiten s dars tell en, unte rsuchten B reitenbach, Go molla, Machul und Rathgeber (2015, S . 96) in einer Onl ine-Befragu ng bei pferdegestützt arbeitenden Fachkräften (n=92), ob in der Praxi s bereits zielgruppensp ezifische Strategien fü r Kinder mit ADHS eingesetzt werden und wie die Fachkräfte den Erfolg der Maßnahme einschätzen bzw. erklären. Aus den Aussag en der Bef ragten wur den folgen de Kategorien für ein mögliches übergreifendes Konzep t bezogen auf die Zielgruppe „Kinder mit ADHS“ he rauskristallisiert: Pferde als Motivator, Bewegungsreize zu r Aktivi erung des Gehirns, „vom äußeren zu m inneren Halt“ (klare Strukturieru ng de r Interaktionen ) und pädagogi sche Erm utigung de r Eltern (Breitenbach et al., 2015, S. 105-106). Daneben wurde auch die wahrgenommene Wirkung der Maßnah men aus Sic ht der Durchführenden erf asst . Ergebnisse waren eine Steigerung der Selbstwahrnehmung , Stärkung des Selbstve rtrauens, Förderung von Beziehungsfähigkeit sowie eine Verbesser ung der Konzen trat io n, Auf merksamkeit un d Impulskontrolle (Breitenbach et al., 2015, S. 101-102). ϭϰϵ  Kinder / Jugend liche / Erwachsene mi t posttraumat ischen Belastun gsstörungen Zur Wirkung von Tier en auf M en schen mit PTBS existieren ebenfal l s ei nige Studien. Schultz, Remick-Barlow und Robbins (2007 , S. 265-271) untersuchten in ei ner Querschnittstudie di e Auswirkung pferdegestützter Psycho therapie au f Kinder, die familiärer Gewalt ausgesetzt waren und dadurch beso nd ers gefäh rdet sind, Ve rhaltensprobl eme oder an dere Störungen zu entwickeln bzw. bereits u nter den Folgen in Fo r m einer PTBS lei den. Dazu nahmen 63 Kinder zwischen vier und 16 Jahren jewei l s über ei nen Zeitraum von 18 Monaten an durchschnittlich 19 Sitzungen pferdegestützte r Therapie teil. Als Messinst rument wur de die Bew ertungsskala „Children's Global Asse ssmen t of Functioning (GAF)“ (S ha ffer Gould, Brasic, Ambrosini & Fisher, 1983) genutz t. Getestet wurde vo r Beginn de r Maßnah me und danach. Ergebnisse waren deutliche Verbes serungen de r GAF-Werte, vor allem bei jungen Probandinnen und Probanden. Auch McCul lough, Risley-Curtiss, un d Rorke (2015 , S. 158-1 73) untersuch ten in ihrer Prä-Post-Tes t-Design-Studi e elf Kinder und Jugendliche (A lter: 10-18 Jahre ), die unter PTBS-Symptomatiken durch chroni sche Miss handlung litten. Die Probandinnen und Probanden nahmen dafür ei nmal wöchentlich ü ber acht Woche n an einer pferde gestützten Therapiesitzung von 1,5-2 Stunden teil , mit dem Ergebnis eine r Verminderung de r PTBS- Symptomatik . Dies belegen auch E arles, Vernon und Yetz (2015 , S. 149-152) in einer Studie mit 16 Erwachse nen. Ein sys tematisches Review zur Wirksamkei t pferd egestützter The rapie bei Soldatinnen und Soldaten mit einsa tzbe dingter PTBS wurde von Kirsche, Heske und Schäberle (2022, S. 2 40-244) erstel lt. Als Ergebnis wird fe stgehalten, da ss positive Veränderungen der Sy mptoma tik durch den Einsa tz von Pferden bedingt w erden können, aber keine Evidenz nachgewi esen werden konnte. Eine Zusammenstellung weiterer wissenscha ft licher Untersuchungen zu dieser Zielgruppe findet sich bei Hediger und Zink (2017, S. 31-34) sow ie Ladner und Brandenberger (2018 , S. 16-18). Sonstige Zielgruppen Neben den drei genannt en Zielgruppen werden za hlrei che andere Störun gsbilder adressiert. Stoffl (2002) unter suchte mit einem Expe rimental-Kontrollgruppe n-D esign die Wirkung therapeutischen Re itens auf neun Kinder und J ugendli che mit Verhalt ensauffäll igkeiten (Alter: 11-15 Ja hre) mittels Verhal tensbeobachtungen und Ra ting Scales. Positive Effek t e waren auf der kogni tiven, der emo tionalen sowie der Verhal tens- und Beziehungsebene zu finden. Auch Kaiser, S mith, Heleski und Spen ce (2006a, S. 46-52) bestätigten in ihrem Forschungsdesign mi t 14 Ki ndern und Jugen dlichen mit Behinderungen (Jungen n =7, Mädchen n=7, Alter : 10-18 Jahre) , die an ei nem achtwöchigen th e rapeutischen Reiten teilnahmen, dass sich aggressives V erhal ten bei den Jungen signifi kant verringerte. Auch aus ϮϱϮ  6 Ergebnisse der Pilotierung – Deskriptive Darstellu ng und Interpretati on Im folgenden Abschnitt werden di e Er gebni sse der Pilots tu die basierend au f dem Kategoriensystem. Die Hauptkategorien sind nach inhaltlicher Sinnhaft igkeit und nicht nach ihrem Auftreten in den Transkripten strukturier t. Der Au fbau der Unterkapitel ist i mmer gleich: Zuerst erfolgt die deskri ptive Darstellung der verschi edenen Subkategorien, ei nschließlich ihrer unter schiedlichen Dimensionen und Eben en in Tabellenform, in denen die codiert en Textstellen und Anke rbeispiele au s den Transkript en entweder in direkt zusammenge fasst oder direkt zitiert we rden. Danach erfolgen die tief ergehende Int erpretatio n, Einordnung und Einbettung der E rgebnisse der jeweiligen Ha uptkategorie einschließlich ihrer Subkategorien in die bestehende Literatur .  6.1 Die Settin gs der pferdegestützt en Intervent ionen Als erste a-priori gefunden e Hauptkategorie werden die Settin gs dargestel lt. Diese Hauptkategorie stellt gleichzeitig eine Basi s dar, d ie zu einem umf assenden Überblick zu de n beiden untersuchten PGI füh rt und glei chzeit ig als eine Analysebasi s für die weiteren Hauptkategorien dient.  6.1.1 Deskriptive Dar stellung der Subkate gorien zu den untersuchten Settings Innerhalb der Hauptka tegorie „Setting“ konn ten sechs Su bkategorien basierend auf den Interviewtrans kripten un d den Vorabfragebögen gefunden werden: x Beteiligte Akteure (durchführende P ersonen, Ziel gruppe, eingesetzte Pfer de), x Rahmenbedingungen und Stru kturmerk male der Settings, x Einsatzformen der Pferde, x professionelles Vorgehe n und Arbeitsweisen der durchfüh renden Persone n, x Zielsetzungen und Fö rderbereiche be zogen au f die Zielgruppe sowie x Aufbau und Struktu r der pferdegestützten Einheiten.  6.1.1.1 Bete ilig te Akteu re An den PGI sind drei verschiedene Ak teursgrup pen beteiligt, die tabellarisch (siehe Tabelle 14) beschrieben werden : ¾ Durchführende Person, ¾ Zielgruppe sowie ¾ eingesetzte Pferde. Ϯϱϯ  Tabelle 14. Subkategorie „Beteiligte Akteure“ (e igene Dars tellung unte r Ei nbezug der Vorabfragebögen). Beteiligte Akteure Durchführende Personen Beide durchführenden P ersonen arbeiten langjä hrig (9 und 17 Jahre) und hauptberuflich m it Pferden in ihrer Arbeit . Beide Exp ertinnen sind angestellt , s odass die pferdegestützten Interv en tionen auch über den j eweilig en Arbeitg eber stattfinden. Expertin I ist in einer psy chiatrischen Kinder- und Jugendklinik tät ig und Expert in II arbeitet in einem ( heil-)pädagogischen Setting der (teil - )stationären Kinder und Jugendhilfe . Expertin I nennt als erlernten Beruf Diplom- Sozialpäd agogin und Ex pertin II Erzieherin. De n aktuellen Beruf bez iehen beide auf ihr e pferdeg estützte Arbeit . Expertin I bezeichn et sich hier als „ Pferdegestützte Therapeutin “ un d Expertin I I sich als „ Reittherapeutin “. Beide haben sich für de n Einsatz von Pferd en aufgrund des positiven eigenen Bezugs zu Pferden und beruflich en Vo rbildern entschiede n und spezifische Aus -/We iterbildungen im K ontext der pferde ges tützten Interv entionen durchlaufen. Zielgruppe Die Zielpers onen von Experti n I sind vor allem die stat io när aufgenom menen Kinder und Jugendlichen de r psychiatrischen Klinik mit verschiedenen psychischen Erkrankungen, die „ sämtliche pädagogische und therapeutische Diagnosen / Förderbereiche “ (Fragebogen Ex pertin I) ab decken und deswe gen an den PGI teilnehmen. In den Transkripte n wi rd sich z. B. auf depressive Episoden bezogen (I1, Z. 406) oder Berührungsängste bzw. di stanzloses Ver halten (I1, Z. 4 9 -50). Bei den T eilnehmenden bei Expertin I I handelt es sich u m die stationär aufgenomme nen Kinder und Jugendli che in einem Haus der Ki nder - und Jugend hilfe, die aus verschiedenen Gr ünden nicht mehr in ihrer Fami lie leben können bzw. zur Unterstützung der Familie in einer Tagesgrup pe unterg ebr acht sind. Die Gründe fü r die Teilnahme an dem pferdeg es tützten Angebot sind die Bindungsabbrüche , die durch das außerfamil iäre Wohnen entstehen , und d ie sich d araus entwickelnden emotionalen Verletzunge n bzw. bereits bestehe nden emo tiona len (un d physische n) Verletzungen un d traumati schen Erlebnisse (I2 , Z. 478-480) sowie unterschiedliche Verhaltensauff älligkeiten . Darunter fasst Expertin II Störungsbilder wie AD(H) S, aber auch allgemeine Auffälligkeiten wie Konzentrationsschwierigkeiten, Gewaltausbrüche oder massive Schulproble me (I2, Z. 481 -483) und teil weise körperliche Beeinträchtig ungen , z. B. Koordinations schwierigkeiten ( I2, Z. 120- 122). Die Informatione n zur Zielgrup pe sind bei Exp ertin II insg esamt d eutlich umfassen der . Eingesetzte Pferde Wie in den ausgefüllt en Frag ebögen sicht bar ist, werden in den be iden Settin gs unterschiedliche Ponys bzw. Kleinpferde verschiedenen Alters und verschieden er Rassen eingesetzt. Bei Expertin I gestalten sechs tierische Partn er (z. B. Mini -Shetland-Po ny, Shetland- Pony, Tinker, Islän der) unterschiedlichen Geschlechts im Alter vo n vier bis 27 Jahren di e Settings mit u nd bei Expertin II sind es eine Haflinger - und eine Fj ord-Stute (15 und 30 Jahre). Die Grundausbild ungen der Pferde b eider Expertinnen übers chneiden sich. Beide nennen die Freiarbeit sowie die TellingtonTouch - Methode. Exp ertin I fügt noc h die Ausbildung i m Kontext Hor semanship an un d Expertin II eine Dressuraus bildung (bis Klasse E) an. Spezifisch für den pferdeg estützten Ei nsatz nenn t Expertin I Sch reck- /Gelassenheitstraining. Ϯϱϰ  6.1.1.2 Rahmen bedingunge n und St rukturmer kmale der Se ttings Als weitere Subkategorie können die Rahmenbe dingungen und S trukt urmerkale der Se ttings identifiziert werden (sieh e Tabelle 15). Diese lassen sich auf zwei Ebenen aufteilen: ¾ Orte de r Durchfüh rung der p ferdege stützten Intervention sowie ¾ verwendetes Material un d Pferdeausrüstung. Tabelle 15. Subkategorie „Rahmenb edingungen und Strukturmerk male der Set tings“ (eigene Darstellung). Rahmenbedingungen und Strukturme rkma le der Settings Orte der Durch führung In beiden untersuchten F äll en sind die pferdegestützt en I nterventionen dort angesiedelt, w o die Tiere auch leben und eine pferdespezifische Infrast ruktur vorhanden ist. Expertin I nutzt als zentralen Ort d er Durchführung e inen Reitplatz (I1, Z. 185, 344, 418, 420, 428, 4 67, 571, 574, 627), genau er einen Round Pen , un d Expertin II nutzt den an de n Reitstall grenzenden Wal d als zentralen Arbeitsort für die pferdegestützten Intervent ionen (I2, Z. 135-138, 14 4-145, 300-301, 330, 463). Zudem genan nt werden bei Expertin I der Pad do ck (I1, Z. 344, 371, 382, 393, 646, 651), impliz it der Putzplatz (I1, Z. 437 -442) sowie die Weide (I1, Z. 647). Bei Expertin II w ird ebenso im pliz it der Putzplatz (I2, Z. 219 -2 20, 227-232, 327 - 329) aufgeführt sowie d er Padd ock (I2, Z. 176, 220 - 221, 28 9), die Matschkoppel (I2, Z. 113), die Graskoppel (I2, Z. 17 6) und die Wiese (I2, Z. 22 3, 232, 236). Bei den bei den letzten Orten handelt es sich um denselben Ort, der led iglich unterschiedlich genannt w ird. Verwendetes Mater ial und Pferdeausrüstung Expertin I verwendet insgesamt wenig Materi al : „ Ganz wenig [Materi al] eigentlich, weil ich jetzt/ ich m ich sehr speziali siert habe a uch eben auf diese Körpersprache- Arbeit, arbeite ich tatsächlich mit in, ich sage mal so zu a c htzig Prozent, mit ganz wenig Material “ (I1, Z. 564- 566). Zu den 20 Prozent gehören Materialien, mit denen au f dem Platz ein Slalom aufgeba ut werden kann, um das Pferd dadurch zu lenken oder Säckchen und Tücher zur senso rischen Integratio n (I1, Z. 564- 574). In der freien Interaktion nutz t sie eine Fahrpeitsche od er einen Stric k , der als verlängerte r Arm fungiert und den eigenen Raum verdeutlicht (I1, Z. 574 - 590). Als Pferdeausrü stung beim Sitzen auf dem Pferd oder beim Re iten nutzt sie ein dickes Sattelpad aus Filz, biothane Kappzäume mit Zügeln mit bunten Stegen , Halfter mit Strick od er einen Halsring , wenn die Zielgruppe bere its frei reiten kann (I1, Z. 599 -613, 620-623). Expertin II nutzt für d as Reiten eine Schabrack e , einen Voltigiergurt sowie eine Therapietrense (I2, Z. 130 -132), in wen igen Fällen auch einen Sattel (I2, Z. 134- 135). Im Unterschied zu Expertin I hat das Pferd hi er ein Gebiss im Maul . Da bei Expertin II vor allem Ausritte in den Wald getätigt w erden, werden auch immer Putzutensilien für das Pferd genutzt (I 2, Z. 114 -116, 118-12 0, 122-124, 229). Im Wald werden weitere Materialien verwend et, die am Stall aufbewahrt werden (I2, Z. 141-1 43, 293- 301). Diese werden ab er nic ht weiter spezif iziert. Ϯϱϱ  6.1.1.3 E insatzformen d er Pferde Als induktive Subkategorie innerhalb des Se ttings konnten des Weit eren verschiedene Einsatzformen der Pfe r d e herauskristallisi ert werden, die eng mi t den Rahmenbedi ngungen und Struktu rmerk malen verknüpf t sind. Bei beiden Expertinnen wird eine hohe Bandbreite de r genere llen Einsatzmöglichkeiten von Pferden deutlich, wennglei ch der hauptsächliche Einsatz de r Pferde sich unterschiedlich zwischen den beiden un tersuchten Settings dars tellt (siehe Tabelle 16). Die Einsatzformen lassen sich in die zwei folgenden Ebenen gliedern : ¾ Interaktionen am Boden und ¾ Interaktionen auf dem Pferd. Diese Einteilung der Inte raktionen a m Boden und auf dem Pferd wird auch im weiteren Verlauf der Auswertung de r Transkripte fo rtgeführt. Tabelle 16. Subkategorie „Einsatzform en de r Pferde“ (ei gene Darstellung). Einsatzformen der Pf erde Interaktionen am Bode n Bei Expertin I ste ht bei den Interaktione n am Boden die freie Arbeit mit dem Pferd im Vordergrund (z. B. Wegschicken, Ei nladen des P ferdes) (I1, Z. 446 -477, 489- 491, 498- 5 06, 564-57 3, 574-590). Während dieser befindet und bewegt sich das Pferd gemeinsam mit der durchführen den Pers on sow ie der Zielperson im R oundpen und wird dabei nicht durch Hilfsmittel (z. B. Halfter) an d en Menschen gebu nden . Dazu zählt ebenso die freie Interaktion m it mehreren Pf erden gleichzeitig i n der Herde (I1 , Z. 643 -665). Auch Expertin II nutzt freie I nteraktio n als Einsatzform des Pferdes. Sie nutzt diese eher in d er Annäher ung von Zielp erson un d Pferd mit dem spä teren Ziel in weiteren Einhe iten das Pferd zu pu tzen (I2 , Z. 1 74-182, 185-1 86, 215-220, 230- 237). Des Weiteren w ird das Pferd als B eobachtungssubjekt für die Zielpersonen eingesetzt. Beide Expertinnen lassen ihr e Zielgruppe die Pferde gerichtet be obachten, vor allem in der freien Inte raktion (I1, Z. 341 -346, 391-394, 411-422, 474-4 88, 501- 506, 645 -649; I2, Z. 174-181, 19 8-210, 230- 237, 240 -246, 275 -285 , 365-36 8). Während bei Expertin I der Schwerpu nkt der Int eraktionen vom Bod en aus auf der freien Interaktion l iegt, ist di eser bei Expertin II auf der Berührung des Pfe rdes sowie auf dem Putzen un d Pfleg en des Pferdes (I2, Z. 1 08-111, 114-116, 118 - 126, 227- 230). Expertin I beschre ibt auch, das die Pfer de gehol t, vorbereitet und nachbereitet werden (I1, Z. 436-439) Interaktionen auf dem Pferd Die Interaktionsmöglichkeit en auf dem Pferd zeigen sich ebenfa lls unterschiedlich. Mögliche E insatzformen der Pferde reiche n von einem Sitzen auf dem stehe nden Pferd, während dessen das Tier vo n der durchführenden Person gehalte n wird bei Expertin I (I1, Z. 623 -631), bis hin zu geführtem Auf-dem- Pferd-Sitzen / Reiten (I2, Z. 135 -138, 141-157), was bei Expertin II als Haupteinsatzform u mgesetzt wird, oder freiem eigenständigen R eiten (mit und ohne Zaumzeug) (I1, Z. 604 -614, 620- 623) . Beide Interview ten beziehen die Wirkun g des Auf -dem-Pferd-Sitze ns bzw. des Sich- Tragen -Lassens mit ein (I1, Z. 507-52 9, 536-539, 552 -560, 623-631; I2, Z. 137- 139, 145-157, 300-3 01, 488-491) . Ϯϱϲ  6.1.1.4 Professione lles Vorgehen und Arbe itsweisen der Expertinne n Als weitere Subkategorie zu m Setting kon nte das professionel le Vorgehen bzw . die spezifischen Arbeitsweis en der du rchführenden Personen iden tifizi ert werden (siehe Tabelle 17). Innerhalb di eser Su bkateg orie sind sowohl die konkreten Methoden relevant als auch allgemeinere Beschreibu ngen des Vorgehens, di e mit de m jeweiligen Selbstverständnis de r Expertinnen in der the rapeutisch en / pädagogischen Triade ver knü pf t sind. Durch die höhere inhaltliche Komplexität dieser K atego rie erf olg t die Darstellung der Ergebnisse auf folgende n Ebenen: ¾ Unterschiede in den Arbeitswei sen, ¾ Gemeinsamkeiten den A r beitsweisen sowie ¾ Intuition und Selbstreflexi on. Letzter Punkt ist nur bei Expertin I zu finden . Die Codierung bezieht sich hier vor allem die hauptsächlich genannten Arbeit sweisen und weniger au f Rekons truktionen von stattfindenden Interaktionen, di e in Kapitel 6.3 vorgen ommen we rden.    Tabelle 17. Subkategorie „Professio n ell es Vorgehen und Arbeitsweisen der E xper tinnen“ (eigene Darstellung). Professionelles Vorg ehen und Arbeitsweisen der Expertinnen Unterschiede in den Ar beitsweisen Expertin I arbeitet be zogen auf die Zi elgruppe dezid iert mit „ psychotherapeutischen Methoden “ (I1, Z . 147). Hieru nter versteht Exp ertin I vor allem vor allem Reflexionsfragen zur eigenen Person und verschiedene Körper sprache-Übungen am Boden und auf dem Pferd (I1, Z. 146 - 157, 446 -463, 466- 467, 479-491, 498- 540). Während der Übun gen, in der Zie lperson und Pferd i nteragieren, zieht sich die durchführende Person häufig zurück (I1, Z. 339 -350, 416-423, 6 44-653). Sie hä lt in diesem Zusammenhang z. B. fest: „Ja, und Entsche idung im Täglichen, also, ich lasse mein e Pferde halt/ also, ich lasse meine Patienten VIE L mit meinen Pferd en auch ausprobiere n, weil mein/ a uch q uasi eine Meth ode oder mein Schwerpu nkt in meiner therape utischen Arbeit ist es, wie ich M enschen quasi ermutigen möchte, eigene Lösungsweg e zu fi nden und dazu ge hört na türlich auch erstmal an den Punkt z u kommen, wo m an selber spür t, etwas funktion iert nicht g ut. Das kriege ich jetzt n ich t hin“ (I1, Z. 339 -344). Aus dieser zurückgezogenen Positi on beobachtet sie die anderen Teilnehmen den der Triade und zieht Rückschlüsse für das weitere therapeutische Vorg ehen. Dies w ird z. B. an fo lgender Aussa ge deutlich: „Aber m ir geht es e infach tatsächl ich um das Beobachten des Pferdes, um die so erste Interakt ion zu gucken halt, ne, was machen d ie miteinander da. Ja, un d dann schließen sich halt alle mö gliche n Met hoden an, die/ da wo ich ja quas i För derpläne o der ZIEL E formuliere halt und das kann sowohl d ie Arbeit mit oder auch auf dem Pferd dann sein“ (I1, Z. 421 -425). Expertin I sprich t in ihrer Arbe itsweise explizit vo n Mög lichkeiten der Diagnostik der Zielperso nen durch das Verh alten und die Kommunik ation des Pferde s (I1, Z. 26-53, 412- 423, 453-457, 535-540). Expertin II erwähnt keine s pezifischen Methoden , die sie bezog en auf die Zi elgruppe anwendet. I n der Besc hreibung ihrer Tätigkeit wird jedoch deutlich, d ass das He ranführen an die Pferde mit ihren artspezifischen , a ber auch in dividuellen Eigenschaften und die Arb eit mit ihnen im Vordergrund st eh en mit dem Ziel, es auf den Walda usritt als Haupteinsatzform vo rzubereiten (I2, Z. 36 - 52, 99-1 18, 186- 210, 213-237, 2 70- 271). Sie hält z. B. fest: „Von daher sage ich: D u, am Anfang mache ich d as, bis du den Ablauf r ichtig ken nst und dann darfs t du das alleine machen. Wir machen d as eine Zeit lang zusam men, we il das Pferd ist ganz e mpfin dlich an der Stelle u nd du kannst d em Pferd we h tun. Wo ll en wi r na tü rli ch nicht. Also da müssen w ir sie hinführen. Und das ist a uch s o schön, das Ki nd lernt auch die Bedürfni sse vom Pferd dadurc h kenne n. Da gibt es einfach Bereiche, die sin d ganz offen, und d a gibt es auch Grenzen, die muss es beachte n“ (I2, Z. 36- 42). Oder auch w ährend der Annäheru ng selbst: „U nd wenn wir jetzt nochmal bisschen näher zu […] [dem Pferd] g ehen, dann si nd wir wieder interess ant für das Pferd. Wo llen wir das mal ausprobieren? A hja, probieren wir ma l aus. Also das ist so ein ganz langsames H ERANFÜHREN des Kindes an das Pfer d“ (I2, Z. 213-216). Si e spricht zur Zielperson auch für das Pf erd: „Ich erzähle so ein bissche n, wie es dem Pferd ge ht und lasse das Kind de m Pferd erzählen, wie es dem Kind geht“ (I2, Z. 107-10 8) oder auch: „ Und dann erzähl ich, erzähle ich ein bisschen was über da s Pferd, wie der Tagesab lauf vom Pferd ist und was es gerne hat und was es/ also sehr, sehr viele positive Eigenschaft en vo m Pferd un d was sie schon alles erlebt ha t “ (I2, Z. 1 86- 188). Expertin II ist in den Interaktionen vo n Zielperson u nd Pferd meiste ns als aktive Gesprächspa rtnerin beteil igt. Sie beschreibt sich selbst auch als Verm ittlerin zwischen den beiden. Deutlich w ird das in folgen der Textpassage: „ Also, aber das steht und fällt mit de m Beziehung saufbau zwischen Pferd und K ind und ich bin über einen ganz langen Zeitrau m dieser VERMITTLE R. D ass es sowohl dem Pferd geling t, sich au f das Kind einzulassen wi e auch dem K ind gelingt, d en Zugang zum Pferd z u sch affen“ ( I2, Z. 332-334). Zudem gibt es bestimmte Rit uale, wie z. B. die Futterzubereit ung am Ende der Einheiten (I 2, Z. 160 -168, 222-224). 257 [Document text truncated for crawler view.]