Medikamente aus der anderen seite des atlantik: Die rezeption des guaiakholzes von seiten des paracelsus und seiner zeitgenössischen ärzten
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1 MEDIKAMENTE AUS DER ANDEREN SEITE DES ATLANTIK: DIE REZEPTION DES GUAIAKHOLZES VON SEITEN DES PARACELSUS UND SEINER ZEITGENÖSSISCHEN ÄRZTEN Georgios Papadopoulos Nach der Entdeckung Amerikas wurden bisher unbekannte medizinische Pflanzen nach Europa eingeführt. Obwohl mit der Einführung oft auch Anweisungen für ihre Anwendung mitkamen, präsentierte diese Einführung auch deswegen ein Problem, dass man die Wirkung dieser Pflanzen innerhalb der theoretischen Vorstellungen der europäischen (d.h. hauptsächlich: galenisch-arabischen) Medizin zu erklären hatte. Ein Medikament, das unter der ersten aus Westindien eingeführt wurde, war das Guaiakholz (Lignum guaiacum, Lignum sanctum, Lignum vitae, Lignum benedictum, Lignum indicum, Guaiacum sanctum, nach der heutigen Terminologie: Guaiacum officinale). Den zeitgenössischen Quellen gemäß, ist das ‚Holz’ zuerst in 1508 nach Spanien angekommen und am Anfang hauptsächlich gegen Syphilis (die ‚Franzosenkrankheit’) benutzt. 1 Syphilis, die bekanntlich als neuartige Epidemie mit ganz auffälligen und äußerst lästigen, ja fürchterlichen Symptomen gegen Ende des 15. Jahrhundert in Europa ausbrach, war angeblich aus Westindien von den Schiffsbesatzungen verschleppt worden. Bezüglich der Einführung des Guaiakholzes wurde berichtet, dass auf einer bestimmten westindischen Insel (Spagnola bzw. Hispaniola) dieselbe Krankheit von jeher grassierte und dass die Einheimischen dieses Holz zur Behandlung der Krankheit benutzten. 2 In den deutschsprachigen Ländern wurde sein Gebrauch hauptsächlich nach dem Erscheinen der Abhandlung des Ulrich von Hutten (1519) verbreitet. Der Humanist von Hutten, der kein Mediziner war und an Syphilis litt, hatte im Oktober 1518 eine Guaiakkur durchgeführt und glaubte dann sich endgültig geheilt. Trotzdem berichten die zeitgenössischen Quellen und Chroniken übereinstimmend, dass Hutten 1523 an den Folgen der Syphilis gestorben sei. 3 1 Siehe z.B. Fiedrich & Müller-Jahncke, S. 146f; Conrad u.a., S. 308; Madaus, S. 1499; Peschke, S. 192ff; Estes; Huguet-Termes 2 Siehe Porter, S. 195 f.; Estes; Peschke, S. 174 3 Siehe Peschke, S. 110
2 Zur Behandlung wurde die Abkochung des Holzes getrunken. Als sehr wichtig für den Erfolg der Behandlung wurde das jedes Mal nach dem Trinken auftretende starke Schwitzen betrachtet. Während der ganzen Dauer der Kur sollte ganz strenge Diät gehalten werden, die zu hochgradiger Abmagerung führte. 4 Die ‚Qualitäten’ des Guaiakholzes Die meisten medizinischen Schriftsteller der Zeit versuchen, die angebliche therapeutische Effizienz des Guaiakholzes auf seine (der galenisch-arabischen Humoralmedizin gemäß) sog. primäre bzw. sekundäre ‚Qualitäten’ (Eigenschaften) zurückzuführen. Nach Girolamo Fracastoro (1478-1553): Guaiak sei „heiß und trocken“ 5 , es „verflüchtigt, verfeinert, löst, befördert den Schweiß“ (die letztgenannte Wirkung haben weniger die Rinde) „Aus dem alten Holz lässt sich eine viel klärere und viel schärfere Abkochung herstellen [ … ] weil weniger Späne beigemengt sind; sie besitzt mehr Schärfe, weil sie wärmer ist.“ 6 Nach Pierandrea Matthioli (1500-1577): „Das Frantzosenholtz ist warm / trucken / vnnd einer subtilen Substantz / hat auch viel Feistigkeit in sich / wie man spüret / so mans anzündet / derhalben es wermet / trucknet / macht dünn vnd flüssig / reinigt / vnd fürdert den Schweiß gewaltig / wehret den anfallenden feuchten / vnd den faulen feuchten. Wider die Frantzösische Kranckheit thut es treffentlich hülff. 7 Auch von Hutten, der sich bei seinen Ausführungen mehr auf die Erfahrung stützt und nicht viel theoretisiert, hebt die Bedeutung des Schwitzens für die erfolgreiche Behandlung: „Da das Guajacum Schweiss treibt und in dem Schweiss schädliche Substanzen und verdorbene Säfte zur Ausscheidung bringt, so ist natürlich der Sommer die 4 Siehe: Vöttiner-Pletz; Peschke, S.176 f 5 Fracastoro, S. 95 6 Ebd., S. 121 7 Matthioli, S. 55A
3 beste Jahreszeit für die Cur, da dann die Säfte dünner sind und die Haut leichter durchgängig ist.“ 8 Dieses Zurückführen der therapeutischen Effizienz des Guaiakholzes auf die (galenischen) Primärbzw. Sekundärqualitäten bleibt auch bei späteren Autoren bzw. Werken erhalten. So ist, nach Gerard (1633), das Guaiakholz warm und trocken im zweiten Grade und hat „drying, attenuating, dissolving and clencing faculties“, auch schweißtreibende Wirkung. 9 Nach Nicolas Culpeper (1649): „[it] dries, attenuates, causeth sweat, resisteth putrifaction [ … ]“. 10 Nach Lonicerus (1679), ist es „warmer und trockner Natur in dem zweyten Grad [ … ] doch auch ein Feuchte mit vermenget, sonderlich in dem schwartzen inwendigen feisten Theil.“ 11 Es ist bemerkenswert, dass nicht alle Kräuterbücher (und sonstige medizinische Bücher) der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts das Guaiakholz erwähnen. Es ist weder im New Kreüterbuch des L. Fuchs (1543) erwähnt, noch im Contrafayt Kreüterbuch des O. Brunfels (1532), auch nicht im Kreütterbuch des H. Bock, selbst nicht in der Ausgabe 1577 (von M. Sebirius übersehen). Das Buch non Brunfels empfiehlt gegen Syphilis Erdrauch 12 , Hundtszung (Cynoglossa) 13 und ‚Burtzelkraut’ (Portulaca) 14 , während dasjenige von Bock (in der Ausgabe 1577) ‚Daubenkropff’(Erdrauch)wasser mit Thyriak 15 und ‚Seiden Viltzkrautwasser’ 16 Aber auch die Autoren, die das Guaiakholz als das Hauptmittel gegen Syphilis betrachten, erwähnen auch oft andere anscheinend wirksame Mittel. 17 So bei Fracastoro: 8 Oppenheimer, S. 35, siehe: Peschke, S. 180 9 Gerard, S. 1612 10 Culpeper, S. 323, siehe auch: Estes 11 Lonicerus, S. 148 12 Brunfels, S. XXXII 13 Ebd., S. CLXX 14 Ebd., S. CCCXXVI 15 Bock, S. 41 16 Ebd., S. 288 17 Auf der anderen Seite wurde das Guaiakholz auch für andere Krankheiten empfohlen, z.B. gegen Skrofulose, Gicht, Rheuma, gestörte Menstruation (siehe Madaus, S. 1499). Matthiolus (S. 54) empfiehlt es gegen langwierige Gliedschmerzen, Zipperlein, Leberund Milzverschleimung, äußerlich gegen ‚böse Schäden’, wie überhaupt als kräftigendes Hydroticum und Diureticum; Lonicerus (S. 148) für verschiedene Gebrechen „als denen / so ein bösen feuchten Magen haben / mit Flüssen des Haupts beladen sind“; Gerard (S. 1612) gegen „dropsie, Asthma, Epilepsie, the diseases of the bladder and reines, pains of the joints, flatulences, crudities, and lastly all chronicall diseases proceeding from cold and moist causes.“
4 „[Einige] sind durch Wachholderholz geheilt worden, andere durch Zypressenoder Zitronenholz allein, dessen Späne nicht anders als die des Guaiak verwendet werden, [ … ] [welches] unter allen Mitteln am häufigsten im Gebrauch ist.“ 18 Paracelsus und die ‚holzdoctores’ Paracelsus verwirft die Syphilistherapie, wie sie allgemein mittels des Guaiakholzes unternommen wird und benutzt verschiedene Ausdrücke, um, bei jeder gebotenen Gelegenheit, diejenigen, die solch eine Therapie unternehmen und propagieren (die ‚holzdoctores’) lächerlich zu machen: „ich weiß, wan das holz nit wer, das alle doctores von den hohen schulen nichts wüssten“ „wan das holz nit wer, das ir narren weret“ das ir mit dem holz alle euer künst wissen“ 19 Nach Paracelsus, wussten diese Ärzte, als das Holz eingeführt wurde und sie es zu benutzen angefangen haben, gar nicht, was für eine Pflanze es war: „sie kunten lang nit wissen, wie es hieß [ … ] einem wars ebenus, eim andern alkhana“ 20 Dann hätten sie es, abwechselnd und zufälligerweise, für ganz verschiedene Krankheiten benutzt: „Am ersten kund das holtz die wassersucht heilen, dan das podagram und am letzten paralysin“ 21 Dann seien sie auf die Idee gekommen, „es möchte zum blatern auch gut sein: was schadets temptare, si bonum est servare“ 22 18 Fracastoro, S. 121 19 Paracelsus, Bd. VIII, S. 48 20 Ebd., Bd. VII, S. 425 21 Ebd., S. 425 22 Ebd., S. 425
5 Dabei kommt auch seine Abneigung gegen die Benutzung von fremden, importierten Medikamenten zum Vorschein: „Als hab Got ein gnad geben auß Spagnola 23 / als wer es ein gesanter Ablas von Rom / vnd nit betrachtet des vaterlands misteria / aus solcher vnwissenheit bey den frembden gesucht.“ 24 Hier werden auch seine Sentiments der päpstlichen Macht gegenüber geäußert, in einer Weise, die sie (und diejenige, welche dieser Macht treu bleiben) lächerlich machen könnte. Auf einer, sagen wir, mehr wissenschaftlichen Ebene, wirft Paracelsus seinen zeitgenössischen Ärzten vor, sie benutzten Guaiak wahllos für alle Syphiliskranken und, falls nur einige wenige von ihnen gesund bzw. irgendwie geholfen werden, verallgemeinerten sie vorbehaltlos, und benutzten, bei ihrer Argumentationen, diese Fälle leichtfertig als Beweis für die Effizienz der Kur. „Ihr rathend allen krancken in das holz / wenn es mit einem gelückt / so müssens alle hernach [ … ] Vnd ob du sprechen wurdest / [ … ] [es] hat vielen geholffen [ … ] wye vil seind neben yhnen verderbt ? wie vil fallen wider zuruck?“ 25 Paracelsus: Was ist das eigentliche Medikament für Syphilis ? In klarem Gegensatz zu den meisten zeitgenössischen Ärzten, betont Paracelsus, dass Guaiakholz für Syphilis (‚Franzosen’, ‚Franzosenkrankheit’) gar nicht geeignet ist, auch nicht für Hautschäden, die auf Syphilis zurückzuführen (syphilitischer Ätiologie) sind. „Was grund oder subtilikeit ist im ligno guaiaco, das ir dasselbig so ungebürlich den kranken brauchen und wissent, das keiner so gesund im holz nimer werden 23 Spagnola: die (westindische) Insel, wo angeblich Guaiak von den einheimischen gegen Syphilis benutzt wurde, siehe auch oben im Text. 24 Paracelsus, Bd. VII, S. 51-65 (Vom Holz Guajaco gründlicher Heilung, nicht paginiert) 25 Ebd.
6 mag. so bald er dem holz entrint, so falt er widerumb in sein alt wesen, oder aber der morbus mutirt sich in die hauptglider und verharret bis auf sein zeit, das er noch böserer wird denjenigen, so ir daraus gesund machen.“ 26 Was ist aber für Paracelsus die eigentliche Therapie, das eigentliche Medikament für Syphilis? „dieser morbus [ … ] ist gewaltig mercurio underworfen und kein andern simplicibus oder compositis, wan er ist ein gift das da lacerirt den corpus, das der mercurius alein zu guberniren hat. das gibt nicht die experienz, sonder lumen philosophiae.“ 27 Mit ‚mercurius’ meint aber Paracelsus nicht das Quecksilber, das bekanntlich in starkem Ausmaß, meistens in der Form von Schmiersalben, gegen Syphilis benutzt wurde und dessen Nebenwirkungen auch ziemlich gut bekannt waren. „Aller grund in der summ der ganzen französischen krankheiten ist das hauptstück vis mercurialis, aber nicht argentum vivum, das ir darfür nemmen. wie ir aber vim mercurialem erkennen und wissen sollen, das in eim ieglichen ding ligt, nicht allein in guaiaco, sonder auch in cupresso und buxo. dasselbig muß in der separation stehen und in seiner digest, aus welcher ein iegliche mercurialische kraft gezogen wird. darumb nicht allein in guaiaco sonder auch in abiete et pino, durch die kraft separationis ligni guaiaci virtutes gefunden werden. das ist die speis, so den kranken sol administrirt werden.“ 28 Die Kur, die er also vorschlägt ist ganz in Einklang mit einigen Hauptmerkmalen seiner medizinischen Theorie. 29 Erstens ist das eigentlich wirksame gegen eine Krankheit immer eine immaterielle Kraft (vis) oder Entität, die in bestimmten natürlichen Dingen verborgen liegt. Zweitens soll diese ‚vis’ (Kraft) durch alchemisches 26 Paracelsus, Bd. VI, S. 419-420 27 Ebd., Bd. X, S. 506 28 Ebd., Bd. VI, S. 421 29 Für die Hauptmerkmale der paracelsischen Theorie in Bezug auf Präparierung und Anwendung von Medikamenten, siehe, u.a.: Papadopoulos
7 Präparieren vom Unnützen oder Schädlichen (den ‚Schlacken’) separiert werden. Dabei gesteht Paracelsus zu, dass diese ‚vis’ unter Umständen auch aus Guaiacum (bzw. aus anderen Bäumen) ‚exrahiert’ werden könnte. In der Praxis benutzte er eigentlich meistens Quecksilber als Ausgangsstoff für seine Syphilis-Medikamente. An anderen Stellen gibt Paracelsus weitere Hinweise für die Wirkungsweise des ‚mercurius’ (bzw. des ‚spiritus mercurii’) gegen Syphilis. „darumb so gedenken, das ir spiritum mercurii machen zu seim potabili und das ir in dörfen appliciren den kreften des herzens, damit das sein virtus ausgang aus dem centro ad ramos exteriores. und so solche medicin potabilis ist und unvergift mit eurer componirung, so ist sie solcher kreften, das sie disen morbum expellirt, nach dem und disen spiritum diser morbus ansicht. dan sein kraft ist not zu constrigirn, also das constrictivum sei cura, so constrigirt er. wil exicciren not sein, so exiccirt er; muß es durch den modum purgandi ausgetriben werden, so gesichts auch.“ 30 Hier werden auch Vorstellungen der galenischen Medizin berücksichtigt, die aber, in den Rahmen der paracelsischen Medizin hineingestellt, eine deutliche Verschiebung ihres Stellenwerts erleiden. Das wichtigste für Paracelsus ist, dass die richtige Arznei (hier: spiritus mercurii) die Kraft (bzw. die Tugend) hat, um die Krankheit zu überwältigen. Was (in der galenischen Terminologie beschreibbar) eventuell folgen sollte, ist eigentlich zweitrangig und passiert irgendwie automatisch. Wenn z.B. etwas (eine ‚materia peccans’) zusätzlich ausgetrieben (purgiert) werden sollte, dann geschieht das auch ohne weiteres. Guaiak unter Umständen für ‚offene Schäden’ geeignet Nach Paracelsus kann das Guaiakholz unter Umständen gegen ‚offene Schäden’ (Hautschäden) benutzt werden – eigentlich für solche Schäden, die nicht im Rahmen der Syphilis entstehen. D.h. er setzt es einem Wundmittel (einem incarnativum) gleich 30 Paracelsus, Bd. X, S. 506
8 Das Holz ist „allein ein incarnativ“ 31 Das Holz „ist gleich wie ein wundkraut zuheylen die offen scheden vnnd was der selbygen anhangends ist.“ 32 „Die wirckung des holtz“ ist gleich „wie die wundkreuter / welche den gantzen leyb durchgehendt vnd suchend die wunden / also auch des holtz arth ist / welcher höltzer auch ligend vnd seind in Teütschen Landen / als Pinus / Fraxinus / Viscus etc.“ 33 Dabei unterlässt er nicht, darauf hinzuweisen, dass es auch deutsche Pflanzen mit ähnlichen Eigenschaften gibt. Dass es sich aber um ein ‚Wundkraut’ handelt, bedeutet, dass es nicht imstande ist, ein ‚fixum morbum’ (d.h. eine Krankheit die sich im Leib eingewurzelt hat) zu heilen. Nach Paracelsus wurde Guaiacum auch in seiner Heimat nicht gegen ‚fixi morbi’, also auch nicht gegen Syphilis, sondern nur als Wundmittel benutzt. Wie „die wundkreyter / allein wunden heylen / also das holz allein das / so dem leyb zu öffnung dienet [ … ] Hieraus volgt / das das holtz kein fixum morbum heylet / auch in seinem Vaterland nicht / Dann in seym vaterland darinn das holtz geboren ist heylt es kein fixum morbum. Vnnd die kranckheyt so es heylet / die müssend dem leyb nicht mehr eingeleybet sein.“ 34 Aber die (meisten) Ärzte seien gar nicht imstande, ein ‚fixum morbum’ von einem ‚nicht-fixum’ zu unterscheiden. „Die weyl yhr nit wisset welche kranckheyt Fix oder nit fix sey / die weyl mögendt yhr kein vertrösten oder nit vertrösten [ … ] Was yr aber von fixis morbis 31 Ebd., Bd. VII, S. 131 32 Ebd., Bd. VII, S. 51-65 (Vom Holz Guajaco gründlicher Heilung, nicht paginiert) 33 Ebd. 34 Ebd.
9 geheilt außgebent / ist ein vertuschen / das yhr durch den grossen hunger zu wegen bringen / welcher ein muter ist aller nachuolgenden verderbungen [ … ]“ 35 Im Buch Vom holz Guajaco gründlicher Heilung gibt Paracelsus ziemlich ausführliche Anweisungen für die Verwendung des Holzes gegen Hautschäden (offene Schäden): „Am Ersten so du wilt in das holtz legen / so nym dem leyb sein völle / nit mit einerley purgantz / Sunder mit der purgatz / die die selbig völle nemmen die dir zu wider vnnd kein andere / [ … ] ist Reuma / so purgir Reuma / Ist Erysipila / so handel yhr germeß darinn auch / also mit anderen allen.“ 36 Es ist zu beachten, dass er, bei diesen Krankheiten, die Holztherapie mit der Verwendung von Purgativen kombiniert, wobei, in Übereinstimmung mit seinen Therapieprinzipien ein ‚spezifisches Purgieren’ fordert, d.h. für jede (spezifische) Krankheit eine andere Form des Purgierens. 37 Weiter gibt er genaue Anweisungen dazu, wie man ‚Guaiakspeisen’ bzw. ‚Guaiakgetränke’ bereiten sollte, die auch z.B. Fleisch oder verschiedene Kräuter bzw. Kräuterauszüge enthalten. An anderen Stellen präsentiert er zusammengesetzte Rezepte (mit Guaiakholz und verschiedenen anderen Ingredienzien) sowohl für innerliche als auch äußerliche Anwendung. 38 Was, nach Paracelsus, die Ärzte bei der Behandlung der ‚offenen Schäden’ falsch machen Aber auch wo die anderen (galenischen usw.) Ärzte das Guaiakholz gegen äußerliche Krankheiten (Hautschäden) benutzen, machen sie es, nach Paracelsus, oft in einer falschen (ineffektiven bzw. schädlichen) Weise. Wie wir schon gesehen haben, 35 Ebd. 36 Ebd. 37 Für die Vorstellungen des Paracelsus bezüglich der ‘spezifischen’ Krankheiten (bzw. dem ‚ontologischen’ Konzept der Krankheit) siehe: Pagel, S. 130ff, 137f, 154f, 362, für die ‚spezifische’ medikamentöse Therapie, bes. S. 142ff 38 Z.B.: Paracelsus, Bd. IV, S. 284, 317, Bd. V, S. 190, 198, 203, 337, 339
