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Was motiviert junge PolInnen zum Deutschlernen Eine Befragung unter Studierenden der Angewandten Linguistik

Teshajev Sunderland, Eva

Abstract

Seit 1996 ist Deutsch nach Englisch die meistgelernte Fremdsprache in Polen, sowohl an Schulen als auch in Sprachkursen für Erwachsene. Ziel dieses Beitrags ist es anhand der Auswertung einer Befragung am Institut für Angewandte Linguistik der Adam-Mickiewicz-Universität Poznań zu illustrieren, was polnische Studierende, die Deutsch als Erst- oder Zweitsprache wählten, zur Studienwahl bewog und was sie während des Studiums motiviert. Bei der Auswertung der Antworten des 3. Studienjahres BA und des 1. Studienjahres MA erwies sich, dass zwar bei der Studienwahl berufsorientierte Motive deutlich dominierten und intrinsische Motive eine geringere Rolle spielten, letztere aber dennoch relevant waren

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Magazin 32 Teshajev Sunderland, Eva: Was motiviert junge PolInnen zum Deutschlernen? Eine Befragung unter Studierenden der Angewandten Linguistik Magazin 32, ISSN 1136-677X. 2024/25, pp. 40-54. https://dx.doi.org/10.12795/mAGAzin.2024.i32.04 40 Wissenschaftliche Artikel/Artículos Científicos Was motiviert junge PolInnen zum Deutschlernen? Eine Befragung unter Studierenden der Angewandten Linguistik What motivates young Poles to learn German? A survey among students of Applied Linguistics Eva Teshajev Sunderland Nationale Pädagogische Skovoroda-Universität Charkiw, Ukraine [email protected] https://orcid.org/0000-0003-2202-548X Recibido: 11/03/2024 Aceptado: 09/12/2024 DOI: http://dx.doi.org/10.12795/mAGAzin.2024.i32.04 Zusammenfassung: Seit 1996 ist Deutsch nach Englisch die meistgelernte Fremdsprache in Polen, sowohl an Schulen als auch in Sprachkursen für Erwachsene. Ziel dieses Beitrags ist es anhand der Auswertung einer Befragung am Institut für Angewandte Linguistik der Adam-Mickiewicz-Universität Pozna ń zu illustrieren, was polnische Studierende, die Deutsch als Erstoder Zweitsprache wählten, zur Studienwahl bewog und was sie während des Studiums motiviert. Bei der Auswertung der Antworten des 3. Studienjahres BA und des 1. Studienjahres MA erwies sich, dass zwar bei der Studienwahl berufsorientierte Motive deutlich dominierten und intrinsische Motive eine geringere Rolle spielten, letztere aber dennoch relevant waren. Schlüsselwörter: Motivation beim Fremdsprachenerwerb, Motive polnischer Deutschlernender, Deutsch als Fremdsprache in Polen, universitärer Fremdsprachenunterricht. Abstract: Since 1996, German is an important foreign language in Poland, second only to English, being taught both in schools as well as in language courses for adults. The article investigates the motives of Polish university students of Applied Linguistics who have chosen German as one of their main two languages. The students’ motives for choosing German and their motivation while studying German as a foreign language were examined by evaluating a survey conducted at Adam Mickiewicz University in Pozna ń . The analysis of the answers of 3rd-year BA and 1st-year MA students suggested that although economic or career-oriented motives clearly predominate, intrinsic motivations play a secondary but important role. Keywords: motivation in foreign language learning, motives of Polish students of the German language, German as a foreign language in Poland, foreign language teaching at universities. Magazin 32 Teshajev Sunderland, Eva: Was motiviert junge PolInnen zum Deutschlernen? Eine Befragung unter Studierenden der Angewandten Linguistik Magazin 32, ISSN 1136-677X. 2024/25, pp. 40-54. https://dx.doi.org/10.12795/mAGAzin.2024.i32.04 41 D seiner Arbeit zu nutzen) oder affektiv-emotional (z.B. Neugier im Zusammenhang mit einer Fremdsprache und dem Land, in dem sie gesprochen wird). Dazu gehören nach Szałek (1989) ebenfalls intrinsische intellektuelle Motive (z.B. die Attraktivität einer Sprache oder ein generelles Interesse an Fremdsprachen) und Gründe, die mit Ehrgeiz und Anerkennung verbunden sind. Auch Motive didaktischer Natur, wie ein ansprechender Unterricht und ein gutes Verhältnis zwischen Lehrenden und Lernenden sind nicht zu unterschätzen (Szałek 1989: 70-71), denn es darf nicht vergessen werden, dass Emotionen das Lernen enorm beeinflussen (Apelt 1992: 87), mehr als extrinsische Motive, wie z.B. gute Noten. Für den Lehrenden ist es wichtig, die Motive der Lernenden zu kennen, um auf ihre Bedürfnisse eingehen zu können. In dem vorliegenden Beitrag sollen die Motive junger PolInnen, die im Rahmen ihres Studiums der Angewandten Linguistik Deutsch als Erstoder Zweitsprache gewählt haben, beleuchtet werden. Um diese Motive zu ermitteln, wurde im Sommersemester 2023 eine Befragung unter den Studierenden des Instituts für Angewandte Linguistik an der Adam-Mickiewicz-Universität im westpolnischen Poznań durchgeführt, einer Stadt mit historischem Bezug und starken wirtschaftlichen Kontakten zu Deutschland, in der viele deutsche Unternehmen ansässig sind. Frühere Untersuchungen hinsichtlich der Motivation von polnischen SchülerInnen (Mackiewicz 2013a, 2013b) und Studierenden mit studienbegleitendem DaF-Unterricht (Mackiewicz 2014) ergaben, dass die befragten Personen in erster Linie utilitaristische Motive hatten und in der deutschen Sprache hauptsächlich ein Instrument zur Erhöhung ihrer Chancen auf dem Arbeitsmarkt sahen.1 Ob und inwiefern diese Art von Motiven auch auf die Studierenden der Angewandten Linguistik zutrifft, die sich intensiver dem Erlernen der deutschen Sprache widmen als dies bei den SchülerInnen oder den Personen mit studienbegleitendem DaF-Unterricht der Fall ist, oder ob nicht andere Motive im Vordergrund stehen, soll anhand der im weiteren Verlauf des Beitrags vorgestellten Befragung gezeigt werden. Zunächst aber werden die Situation des Deutschunterrichts in Polen sowie die weiter oben genannte Untersuchung hinsichtlich des studienbegleitenden DaF-Unterrichts, die als Anregung für den vorliegenden Beitrag diente, kurz skizziert. 1. Die Fremdsprache Deutsch in Polen: historischer Abriss In Bezug auf das Erlernen und den Gebrauch der Fremdsprache Deutsch spiegeln sich die wechselhaften Ereignisse in der Geschichte der beiden Nachbarvölker wider. Seit Beginn der deutsch-polnischen Beziehungen, spätestens aber seit dem Mittelalter, gilt Deutsch in Polen als Sprache von hoher Nützlichkeit. Mit der Niederlassung deutscher Siedler in polnischen Städten im 13. Jahrhundert hielt das Deutsche in die städtische Berufskommunikation, in Handwerk und Kaufmannswesen Einzug (Mackiewicz 2014: 124ff). Ab dem 18. Jahrhundert als der Unterricht neuer Sprachen in das polnische Bildungsprogramm aufgenommen und neben Französisch die Fremdsprache Deutsch intensiv unterrichtet wurde, um den SchülerInnen die Lektüre der Werke der deutschen Aufklärung zu ermöglichen und ihnen so die neuesten Erkenntnisse aus Wissenschaft und Technik näher zu bringen, erlebte der Deutschunterricht eine große Förderung (Mackiewicz 2014: 130). Nach 1795, als Polen von Preußen, Österreich und Deutschland dreigeteilt worden war und nicht mehr als unabhängiges Land existierte, veränderte sich die Rolle des Deutschen schlagartig von einer für Wirtschaft und Entwicklung nützlichen Fremdsprache zur Sprache der Besatzer. Insbesondere im preußischen Teilungsgebiet mit seiner Hauptstadt Posen, wo anfangs Polnisch noch die offizielle Sprache war, begannen ab der ersten Hälfte des 19. (1) Nach Mackiewicz (2014: 253) gaben die universitären DaF-Lernenden folgende Antworten: - Perspektiven einer Erwerbstätigkeit im Ausland oder einer Arbeit in Polen, bei der Deutschkenntnisse erforderlich sind/Aufstiegschancen am Arbeitsplatz – 45,5 % - Überzeugung, dass Deutschkenntnisse zur Allgemeinbildung gehören – 44,8 % - Wunsch nach effizienter Kommunikation mit Deutschsprachigen (mit bereits bekannten Personen oder in Zukunft) – 41,3 % - Perspektive einer Auslandsreise (Tourismus oder Studium im Ausland) – 36,4 % - gute Note im Studienbuch/auf dem Diplom/ positiver Abschluss des Kurses – 35 % - der Wunsch, die deutsche, österreichische oder schweizerische Mentalität näher kennenzulernen – 16 % - der Wunsch, Literatur, Film und Kunst im Original zu erleben – 9,8 % er Titel eines Buches von Anke Caspar-Jürgens (2012) besagt »Lernen ist Leben«. Die Motive für das Lernen können dabei äußerst verschieden sein, sie reichen von pragmatischen bis hin zu emotionalen Motiven. Hinsichtlich des Spracherwerbs können die Motive unter anderem praktischer Natur sein (z.B. verknüpft mit dem Ziel in ein anderes Land zu reisen und sich dort zu verständigen oder die entsprechende Fremdsprache in Wissenschaftliche Artikel/Artículos Científicos Magazin 32 Teshajev Sunderland, Eva: Was motiviert junge PolInnen zum Deutschlernen? Eine Befragung unter Studierenden der Angewandten Linguistik Magazin 32, ISSN 1136-677X. 2024/25, pp. 40-54. https://dx.doi.org/10.12795/mAGAzin.2024.i32.04 42 Fremdsprache als das Russische lernten, generell gering war. So lernten zu Beginn der 80er Jahre gerade einmal 20% aller 15 bis 19-jähigen SchülerInnen (also nur die an den Oberschulen) als zusätzliche Fremdsprache Englisch (über ein Drittel dieser SchülerInnen), Deutsch (ein weiteres Drittel) oder Französisch (Komorowska 1989: 404). Die Wende von 1989 brachte hingegen auch eine Umwälzung hinsichtlich des Fremdsprachenunterrichts mit sich: Russisch war nun nicht mehr gefragt, stattdessen rückten die westlichen Sprachen Englisch und Deutsch in den Vordergrund, denn der Bedarf an ihnen wuchs sowohl im schulischen als auch im außerschulischen Bereich. Dabei darf allerdings nicht vergessen werden, dass es nach 1989 nicht genug Englischund Deutschlehrende gab, um diesen Bedarf zu decken, und daher viele SchülerInnen gezwungen waren, weiterhin Russisch als Fremdsprache zu wählen (Wróblewska-Pawlak & Strachanowska 2009: 110). Dies schlug sich auch in den Statistiken nieder: Zwischen 1991 und 1993 war Russisch aus Mangel an Lehrenden anderer Sprachen weiterhin die meistgelernte Fremdsprache, gefolgt von Englisch und Deutsch (ORE 2013: 6). Mit der Umschulung von Russischzu Englischbzw. Deutschlehrenden sowie der Ausbildung neuer Lehrender der westlichen Fremdsprachen begann auch die Zahl der deutschlernenden SchülerInnen ab 1991 zu steigen und verdreifachte sich fast innerhalb von zehn Jahren: von 12,5% im Schuljahr 1991/1992 auf 34,8% im Schuljahr 2002/2003. Seit 1996/1997 ist Deutsch die meistgelernte Fremdsprache nach Englisch (ORE 2013: 6), wobei sie wird entweder als Pflichtsprache oder als zusätzliches Fach gewählt wird. Die steigende Tendenz hielt an und während im Schuljahr 1996/97 polenweit 82.500 SchülerInnen Deutsch als zusätzliches Fach wählten, waren es im Schuljahr 2006/2007 bereits 678.900 (ORE 2013: 7). Im Jahre 2010 war Polen mit einer Zahl von 2.328.940 Deutschlernenden an Schulen weltweit führend – weit vor Russland (1.612.512) und Frankreich (1.037.885), die in dieser Hinsicht den zweiten und dritten Platz belegten (ORE 2013: 12)2. Dabei sind allerdings die Unterschiede in der regionalen Verteilung zu berücksichtigen, denn in Westpolen lernen doppelt so viele SchülerInnen Deutsch wie in Ostpolen. Auch im außerschulischen Bereich ist Deutsch eine äußerst gefragte Sprache, da sie die Chancen, eine gute Arbeitsstelle zu finden, deutlich erhöht (2) ORE bezieht sich auf einen Bericht des Netzwerks Deutsch. Jahrhunderts Germanisierungsmaßnahmen, die unter anderem zum Ziel hatten, die Muttersprache der PolInnenen zu verdrängen: So wurde Deutsch ab 1876 zur alleinigen Amtssprache und schließlich auch zur Unterrichtssprache, bis hin zum Religionsunterricht, was letztlich 1901 zu Protesten und einem Boykott des Unterrichts an einer Schule in der Nähe von Posen führte (sog. Wreschener Schulstreik) (Mackiewicz 2014: 135). Diese Handlungen prägten die Wahrnehmung der deutschen Sprache im preußischen Teilungsgebiet nachhaltig negativ und dies äußerte sich nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit Polens 1918 in Bestrebungen, die Fremdsprache Deutsch aus dem Schulunterricht zu beseitigen. Dass es nicht dazu kam, lag an pragmatischen Erwägungen, da man im Zwischenkriegspolen daran interessiert war die Internationalisierung des Landes voranzutreiben, was schließlich dazu führte, dass Deutsch gerade in den 30er Jahren die meistgelernte Fremdsprache war (Mackiewicz 2014: 139f). Die Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs brachten erneut eine äußerst negative Haltung zur deutschen Sprache mit sich und hatten zur Folge, dass im Nachkriegspolen der Deutschunterricht an Schulen einer starken Einschränkung unterlag. Ohnehin wurde im sozialistischen Polen Russisch als Pflichtfach eingeführt, was zu Lasten anderer Fremdsprachen ging. Nach Ende des Stalinismus im Jahre 1956 änderte sich jedoch die Situation zugunsten des Deutschen. Grund dafür war (neben dem einsetzenden politischen »Tauwetter«), dass die, sich ebenfalls im »sozialistischen Lager« befindende, DDR die deutsche Sprache im Ostblock stark förderte. So war es naheliegend, neben der Pflichtsprache Russisch als mögliche zweite, westliche, Fremdsprache Deutsch an polnischen Schulen einzuführen. Im DaF-Unterricht wurde auf die Vermittlung eines positiven Bildes des sozialistischen Bruderstaates DDR Wert gelegt (im Gegensatz zur feindlichen BRD). Die Möglichkeit ihre Sprachkenntnisse für die Kommunikation mit Ostdeutschen zu nutzen, war für die polnischen SchülerInnen jedoch praktisch nicht vorhanden. Erst ab 1972, als der visafreie Verkehr eingeführt wurde, waren touristische Kontakte zwischen den Nachbarländern möglich. Das war auch der Moment, in dem das allgemeine Interesse für die Fremdsprache Deutsch in Polen stieg (Mackiewicz 2014: 152). Dies kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Zahl der SchülerInnen, die eine andere Magazin 32 Teshajev Sunderland, Eva: Was motiviert junge PolInnen zum Deutschlernen? Eine Befragung unter Studierenden der Angewandten Linguistik Magazin 32, ISSN 1136-677X. 2024/25, pp. 40-54. https://dx.doi.org/10.12795/mAGAzin.2024.i32.04 43 korrelierte; ob die interkulturelle Motivation stieg, je höher das erreichte Niveau oder je länger die Lerndauer waren; ob sich direkte Kontakte mit deutschsprachigen Personen oder Aufenthalte in deutschsprachigen Ländern auf die interkulturelle Motivation auswirkten, sowie ob die Einstellungen (positive oder negative) der Lernenden zur Zielsprachengesellschaft die interkulturelle Motivation beeinflussten. In seiner umfassenden empirischen Studie erforschte Mackiewicz somit die Motive, Fremdbilder und Einstellungen der polnischen und amerikanischen Deutschlernenden. Aufgrund ihres Charakters als Querschnittsstudie und für die berufliche Karriere förderlich ist. Insbesondere in Westpolen und gerade in Poznań gibt es zahlreiche Firmen, die mit deutschen KundInnen zusammenarbeiten und einen hohen Bedarf an MitarbeiterInnen mit guten Deutschkenntnissen haben. Die Sprachkompetenz hat zuweilen bei der Einstellung neuer ArbeitnehmerInnen Vorrang vor beruflicher Erfahrung auf dem entsprechenden Gebiet: Bei so mancher Stellenausschreibung wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die neuen MitarbeiterInnen die entsprechenden Fachkenntnisse im Nachhinein am Arbeitsplatz erlangen können (Gazeta Prawna 2016). Die Wertschätzung von MitarbeiterInnen mit guten Deutschkenntnissen schlägt sich ebenfalls im Gehalt nieder.3 Dies legt nahe, dass der Großteil der polnischen Deutschlernenden sich in erster Linie aus praktischen berufsorientierten Gründen für diese Fremdsprache entscheidet. Im Folgenden soll anhand der Analyse der in Poznań durchgeführten Befragung geklärt werden, ob diese praktische Motivation auch auf die Studierenden der Angewandten Linguistik zutrifft. 2. Bisherige Untersuchung der Motivation polnischer Deutschlernender Die vorliegende Untersuchung ist von Maciej Mackiewiczs Forschung angeregt worden. Mackiewicz führte von 2011 bis 2013 eine komparative Studie zu Deutsch als Fremdsprache in Polen und den USA durch, wobei der Fokus auf der interkulturellen Motivation lag. Er ging von der These aus, dass die Einstellung zur Zielsprachenkultur für den Lernprozess eine wesentliche Rolle spielt und befasste sich mit der Frage »inwieweit […] kulturspezifische Faktoren, unterschiedliche bildungs-, kulturund geopolitische sowie historische Faktoren, unterschiedliche Bezüge zu der Zielsprachenkultur die Motive zum Erlernen von Deutsch als Fremdsprache [beeinflussen]« und »wie […] sich diese Faktoren auf die interkulturelle Motivation der Deutschlernenden in unterschiedlichen Ausgangskulturen aus[wirken]« (Mackiewicz 2014: 23). Dabei wurden unter anderem Forschungsfragen nach den Motiven (intrinsischer oder extrinsischer Art) gestellt, die die polnischen und die amerikanischen Lernenden beim Erwerb der deutschen Sprache jeweils hatten; danach wie hoch die interkulturelle Orientierung war und ob diese mit den Lernleistungen (3) Allerdings geht der Trend dahin, dass Deutsch immer mehr durch Englisch verdrängt wird. So haben auch deutsche Unternehmen in Westpolen Englisch als Unternehmenssprache eingeführt. Dies bewirkte, dass die Zahl der BewerberInnen auf ein Germanistikstudium in den letzten zehn Jahren deutlich zurückgegangen ist. Auch wird bei einem Studium der Angewandten Linguistik nun häufiger Englisch als Erstfachsprache gewählt, während Deutsch als Zweitfachsprache studiert wird. Nichtsdestotrotz bleibt Deutsch eine interessante Berufssprache. [ ] wurden bei Mackiewiczs Untersuchung Personen befragt, die studienbegleitende DaF-Kurse an elf polnischen und zwölf US-amerikanischen Hochschulen von unterschiedlichem Profil besuchten und dort verschiedene Fächer studierten. Mackiewicz befragte explizit keine Germanistikstudierenden, da bei diesen die Vermutung bestand, dass sie ihr Studium aufgrund von interkulturellen Motiven gewählt und besondere Kulturinteressen haben. Die Untersuchung fand ungefähr zeitgleich statt: in Polen innerhalb des Studienjahres 2011/2012, in den USA wurde neben den Winterund Sommersemestern 2011/2012 noch das Wintersemester 2012/2013 berücksichtigt. Im Rahmen seiner standardisierten Umfrage verwendete Mackiewicz sowohl eine quantitative als auch eine qualitative Methode: Einen einheitlichen anonymen Fragebogen, der aus fünf Hauptteilen bestand und den die Studierenden elektronisch ausfüllten, und Sprachlernmotivationsbiographien, in denen die ProbandInnen unter anderem über ihre Entscheidung Deutsch zu lernen, ihre Motivation und Motivierung, Mackiewicz (2014) erforschte die Motive, Fremdbilder und Einstellungen von polnischen und amerikanischen Deutschlernenden Wissenschaftliche Artikel/Artículos Científicos Magazin 32 Teshajev Sunderland, Eva: Was motiviert junge PolInnen zum Deutschlernen? Eine Befragung unter Studierenden der Angewandten Linguistik Magazin 32, ISSN 1136-677X. 2024/25, pp. 40-54. https://dx.doi.org/10.12795/mAGAzin.2024.i32.04 44 ihr Kulturwissen und ihre Kulturerfahrung, ihr Deutschlandbild, ihre Leistungen in der ersten, mittleren und aktuellen Phase des Lernprozesses berichteten. Diese umfangreiche qualitative Methode ermöglichte einen tieferen Einblick in die Prozesse, die die Studierenden im Hinblick auf ihr Deutschlernen durchliefen. Mackiewiczs Studie vermittelt einen allgemeinen Einblick in die Lernmotive und Motivationen der ProbandInnen, beschreibt aber auch ihre Einstellungen zur Zielsprachenkultur und zu ihrem Deutschenbzw. Deutschlandbild. In der vorliegenden Untersuchung sollen erstere Aspekte näher beleuchtet werden. Hinsichtlich der Motive und Motivationen der Befragten stellte Mackiewicz fest, dass die pragmatischen Motive, also vor allem und in erster Linie berufsbezogene Gründe, zwar für beide Gruppen der Befragten wichtig waren, für die polnischen ProbandInnen instrumentelle und extrinsische Motive jedoch eine größere Rolle spielten als für die amerikanischen ProbandInnen (Mackiewicz 2014: 411). Die interkulturelle Motivation der polnischen ProbandInnen bezeichnet Mackiewicz jedoch als »mittelmäßig«, und dies fast unabhängig davon, ob sie Primärerfahrung in deutschsprachigen Ländern hatten oder nicht. Des Weiteren kommt Mackiewicz zu dem Fazit, »dass positive und negative Einstellungen zu den Deutschen mit den Motiven zum Deutschlernen jeweils unterschiedlich korrelieren. Die interkulturellen Motive wurden in beiden Ländern von den positiv eingestellten Deutschlernenden öfter genannt, als von denen, die eher negative Einstellungen verrieten« (Mackiewicz 2014: 416). Mackiewiczs ProbandInnen mussten zusätzlich zu ihrem eigentlichen Studium eine der an ihren Hochschulen angebotenen Fremdsprachen als Pflichtfach wählen und ihre Wahl fiel auf Deutsch. Die Studierenden am Institut für Angewandte Linguistik der Adam-Mickiewicz-Universität Poznań studieren hingegen primär Sprachen. Daher kann vermutet werden, dass sie eine höhere Motivation und andere Beweggründe hatten, Deutsch zu lernen. Um zu ermitteln ob und inwieweit dies der Fall ist, wurde im Rahmen der Befragung an der Adam-MickiewiczUniversität ein Teil der Fragen aus Mackiewiczs umfassender Studie übernommen. Im Folgenden sollen die Antworten aus der Untersuchung am Institut für Angewandte Linguistik den Antworten von Mackiewiczs polnischen ProbandInnen gegenübergestellt werden. 3. Zur Befragung am Institut für Angewandte Sprachwissenschaft Das Institut für Angewandte Sprachwissenschaft (Institut Lingwistyki Stosowanej, im Folgenden ILS abgekürzt) an der Adam-Mickiewicz-Universität bietet ein praktisch ausgerichtetes Studium zweier Fremdsprachen als Hauptsprachen und einer zusätzlichen dritten. Die beiden am Institut unterrichteten Hauptsprachen sind Englisch und Deutsch, von denen die Studierenden, je nach Spezialisierung, eine als Erstfachsprache wählen können. Als weitere Sprachen werden Französisch, Spanisch und Russisch angeboten. Des Weiteren können die Studierenden eine Spezialisierung wählen, die z.B. translatorisch oder didaktisch ausgerichtet ist. Es wurden die Studierenden aus dem 3. Jahr BA und diejenigen aus dem 1. Jahr MA befragt. Diese Auswahl wurde getroffen, da einerseits die BA-Studierenden sich in einem fortgeschrittenen Lernstadium, gegen Ende ihres Studienganges, befanden und nach der Erfahrung von drei Jahren Studium den aktuellen Stand ihrer Motivation reflektieren konnten. Die MAStudierenden wiederum hatten sich erneut für einen Studiengang mit Deutschbezug entschieden, was die Vermutung nahelegt, dass sie eine hohe bzw. höhere Motivation aufweisen als die BA-Studierenden, die ein bereits begonnenes Studium zu Ende studieren, sich aber womöglich nicht für einen MA-Studiengang mit deutscher Sprache entscheiden werden. Am ILS können die Studierenden nicht nur verschiedene Spezialisierungen wählen, auch werden sie zu Beginn des Studiums je nach sprachlichem Einstiegsniveau in unterschiedliche Gruppen eingeteilt. Diese Einteilung in Gruppen von maximal 20 Personen, die Klassenverbänden ähneln, ist in Polen an sprachlich ausgerichteten Studiengängen durchaus üblich und für die Didaktik förderlich. Bei den Befragten des BA-Studiengangs ließen sich drei Gruppen ausmachen: Eine Gruppe mit der Spezialisierung Glottodidaktik, deren Ziel es ist, künftige Deutschlehrer auszubilden (was nicht zwangsläufig bedeutet, dass alle diese Studierenden später tatsächlich diesen Beruf ergreifen möchten); eine Gruppe von Sprachassistenten, die zu Studienbeginn Vorkenntnisse in Englisch hatten, Deutsch jedoch erst an der Hochschule erlernten; Magazin 32 Teshajev Sunderland, Eva: Was motiviert junge PolInnen zum Deutschlernen? Eine Befragung unter Studierenden der Angewandten Linguistik Magazin 32, ISSN 1136-677X. 2024/25, pp. 40-54. https://dx.doi.org/10.12795/mAGAzin.2024.i32.04 45 eine weitere Gruppe, die Deutsch als Erstfachsprache und dazu die Spezialisierung Translatorik hatte; sowie vereinzelte Studierende, die keiner der Hauptspezialisierungen zuzurechnen waren. Im MA-Studium hingegen gab es vier Gruppen mit den Spezialisierungen Glottodidaktik, Translatorik, Übersetzen/Dolmetschen im Wirtschaftsbereich und Mehrsprachigkeit. treu wie möglich wiederzugeben. Zu Beginn des Fragebogens standen Fragen zu Alter, Geschlecht, Nationalität, Herkunftsort. Die Studierenden wurden nach ihrem Alter gefragt, da dies Aufschluss darüber geben kann, ob sie ihr Studium direkt nach Schulabschluss aufnahmen oder erst später. Das Alter der ProbandInnen (die meisten BA-Studierenden waren 21 bis 22 Jahre alt, die MAStudierenden 22 bis 23) legt nahe, dass der Großteil von ihnen (86 Personen) direkt nach der Schule zu studieren begann, es waren jedoch auch Personen darunter, die erst einige Jahre später das BA-Studium am ILS aufnahmen; auch im MA-Studiengang gab es zwei Personen, die mit 25 und 28 Jahren über dem Durchschnitt lagen. Außerdem wurden die ProbandInnen nach ihrem Herkunftsort gefragt, um zu erfahren, ob sie aus Städten, kleineren Ortschaften oder vom Lande kommen und aus welcher Woiwodschaft sie stammen, denn es gilt zu bedenken, dass im Osten Polens an den Schulen weniger Deutsch gelernt wird als im Westen des Landes. Der überwiegende Teil der Befragten kommt aus Westpolen (davon 22 Personen direkt aus Poznań, die anderen aus den an Deutschland grenzenden Woiwodschaften Lebus, Westpommern und Niederschlesien; sowie aus Großpolen, KujawienPommern, Pommern, Oppeln und Schlesien), weitere kamen aus Zentralpolen. Es waren aber auch sieben Personen aus Ostpolen unter den ProbandInnen, darunter zwei aus der weit im Osten Polens gelegenen Woiwodschaft Karpatenvorland. Es folgte die Frage nach der Nationalität. Personen mit einer anderen Staatsangehörigkeit als der polnischen, mit einer doppelten Staatsangehörigkeit oder Personen, bei denen es sich aus dem weiteren Verlauf des Fragebogens erkennen ließ, dass sie in Deutschland aufgewachsen sind, wurden bei der Auswertung nicht berücksichtigt, um die Forschungsergebnisse nicht zu verfälschen, denn es sollte die Motivation derjenigen Studierenden ermittelt werden, die in Polen aufgewachsen und dort Deutsch gelernt hatten. Eine Ausnahme wurde bei Personen gemacht, die ein bis drei Jahre in Deutschland verbracht oder dort während des Studiums vorübergehend gearbeitet haben. Die Aussagen dieser ProbandInnen wurden jedoch gekennzeichnet, um zu überprüfen, ob und inwieweit sie sich von den Aussagen der übrigen Befragten unterscheiden. Im Falle solcher Unterschiede werden diese im vorliegenden Beitrag [ ] 3.1. Grunddaten hinsichtlich der Studierenden Für die Untersuchung wurde ein Fragebogen mit geschlossenen und offenen Fragen sowie Multiple Choice-Aufgaben zusammengestellt, der stark an den von Mackiewicz verwendeten Fragebogen angelehnt, jedoch im Vergleich zu diesem verkürzt war. Im Rahmen der Datenerhebung wurde der Fragebogen in Papierform im April und Mai 2023 verteilt und die ProbandInnen sollten ihn zu Beginn ihrer Lehrveranstaltung ausfüllen. Der Vorteil dieser Methode war, dass alle entsprechenden Studierenden an der Befragung teilnahmen (bei einem elektronischen auf freiwilliger Basis auszufüllendem Fragebogen, wäre die Anzahl der ProbandInnen wahrscheinlich geringer gewesen). Der Nachteil lag darin, dass einige der Studierenden nicht alle Fragen beantworteten bzw. bei manchen Multiple Choice-Aufgaben zwei Antworten statt einer ankreuzten. Dabei handelte es sich jedoch um Einzelfälle, die das Gesamtergebnis nicht sonderlich beeinträchtigen, aber dazu führten, dass die Gesamtzahl der Antworten nicht zwangsläufig mit der Gesamtzahl der ProbandInnen übereinstimmt. Darauf muss ausdrücklich hingewiesen werden. Die Übersetzung der Antworten ins Deutsche ist mit Absicht an den polnischen Wortlaut angepasst, um die Gedanken und Emotionen der Befragten so Im Rahmen der Datenerhebung wurde der Fragebogen in Papierform im April und Mai 2023 verteilt Wissenschaftliche Artikel/Artículos Científicos Magazin 32 Teshajev Sunderland, Eva: Was motiviert junge PolInnen zum Deutschlernen? Eine Befragung unter Studierenden der Angewandten Linguistik Magazin 32, ISSN 1136-677X. 2024/25, pp. 40-54. https://dx.doi.org/10.12795/mAGAzin.2024.i32.04 46 kenntlich gemacht. Abzüglich der weiter oben genannten Studierenden, ergab sich eine Gesamtzahl von 99 ProbandInnen, 72 BA-Studierende und 27 MA-Studierende. Während 30% von Mackiewiczs ProbandInnen angaben, vor Beginn des studienbegleitenden Deutschkurses über acht Jahre lang in der Schule Deutsch gelernt zu haben (Mackiewicz 2014: 217), hatte etwas weniger als die Hälfte der ILSProbandInnen bereits seit der Grundschule Deutsch gelernt (40 Personen), die Zahl der ILS-Studierenden mit Deutschunterricht seit der Mittelschule überwog leicht (46 Personen), zwei weitere ProbandInnen lernten Deutsch erst in der Oberschule. Nicht alle Befragten hatten in der Schule Deutsch: Zwei Befragte haben Deutschkurse an einer Sprachschule besucht, zwei hatten Privatunterricht in Deutsch, sieben Personen begannen erst an der Universität Deutsch zu lernen.4 Nur für zwölf der Befragten war Deutsch die erste Fremdsprache (unter den 21 Studierenden, die am ILS Deutsch als Erstsprache gewählt haben, hatten nur drei diese Sprache als erste Fremdsprache in der Schule). Dementsprechend war die Lerndauer vor dem Studium äußerst verschieden, von Null bis 17 Jahren, betrug jedoch bei über einem Drittel der ProbandInnen (38 Personen) sechs Jahre. Die ProbandInnen zeigten ein allgemeines Interesse an Fremdsprachen: Außer Englisch (85 Personen), werden auch Spanisch (46 Personen), Russisch (16 Personen), Französisch (9 Personen), Norwegisch (6 Personen), Italienisch (5 Personen), Japanisch (2 Personen), Ukrainisch (2 Personen) sowie Türkisch und Hindi (je eine Person) gelernt. 3.2. Deutschlandaufenthalte der ProbandInnen Mackiewicz ermittelte, dass ganze 41% seiner polnischen ProbandInnen noch nie und 26,2% nur kurz in Deutschland gewesen waren.5 Da die ILS-ProbandInnen Deutsch als eine ihrer beiden Hauptsprachen studieren, ist es naheliegend, dass sie Primärerfahrungen in Deutschland gesammelt haben, insbesondere da sich ihr Studienort nur ca. 175 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt befindet. Dies ist jedoch nicht bei allen der Fall: So geben zehn Personen (darunter vier mit Erstsprache Deutsch) an, dass sie noch nie im Nachbarland (und ebenso wenig in den anderen DACH-Ländern) waren. 15 Personen waren nur einmal in Deutschland (z.B. auf dem Weihnachtsmarkt), 57 weitere Personen besuchten (4) Diese Verteilung spiegelt sich auch innerhalb der BA-Gruppe mit Deutsch als Erstsprache wider: Hier hatten neun Personen seit der Grundschule Deutsch gelernt, elf seit der Mittelschule und eine lernte erst an einer Sprachschule Deutsch. (5) 29,4% waren einmal bis mehrfach in Deutschland und nur 3% hielten sich länger dort auf (über einen Monat) (Mackiewicz 2014: 218). Deutschland zweibis viermal. 17 ProbandInnen haben eine intensivere Deutschlanderfahrung: Fünf Personen haben einmal oder mehrfach an Schüleraustauschen teilgenommen, vier Befragte waren als Austauschstudierende in Deutschland, zwei ProbandInnen haben mehrere Monate dort gearbeitet, zwei haben Familienangehörige in Deutschland (darunter beide Elternteile) und besuchen diese häufig. Fünf Personen haben vorübergehend in Deutschland gelebt, vier Personen davon drei Jahre und eine Person ein Jahr lang. Was die Reisen in andere Länder, in denen Deutsch gesprochen wird, anbelangt, so waren 29 Personen in Österreich, 14 in der Schweiz, jeweils zwei Personen gaben Luxemburg und Südtirol an. Fast zwei Drittel der ProbandInnen (64 Personen) hatten einen positiven bis sehr positiven (15 davon) Eindruck von Deutschland (»Hervorragend, ich mag die deutsche Kultur und die deutsche Sprache sehr«, »Super! Deutschland hat mir sehr gut gefallen«, »Ich fahre bestimmt wieder zurück«), zwei fanden Deutschland lediglich »ok« und vier haben schlechte Erfahrungen gemacht. Einige der ProbandInnen sprechen hinsichtlich ihrer Deutschlandbesuche ein Problem an, dass für viele Deutschlernende weltweit frustrierend ist, nämlich den mangelnden Willen vieler Deutscher mit Touristen Deutsch zu sprechen: »Das Problem ist, dass es schwierig ist, mit Deutschen Deutsch zu üben, weil sie gleich beginnen Englisch zu sprechen«; »Für gewöhnlich kann man sich besser auf Englisch verständigen (Deutsche sprechen mit mir lieber Englisch als Deutsch)«. Damit ist den Deutschlernenden kein Gefallen getan, denn sie fahren ja nach Deutschland, um ihre Sprachkenntnisse anzuwenden. Wenn ihnen das gelingt, haben sie ein Erfolgserlebnis: »Es hat mir gefallen, ich konnte meine Sprachkenntnisse gut einsetzen«, »Jede Reise war eine schöne Erfahrung, denn sie bot die Gelegenheit meine Deutschkenntnisse zu verwenden und die deutsche Kultur kennenzulernen«; »Ich habe gerne Deutsch gehört«. Die BewohnerInnen Deutschlands werden beschrieben als »höflich«, »nett, aber direkt«, »kommunikativ«, »offen und tolerant«, »sehr freundschaftlich gesinnt«. Nicht alle Begegnungen waren allerdings so freundschaftlich: »Die Leute waren mehrheitlich nett, aber einige Personen hatten unangenehme Stereotype«; »Ein offenes Land, aber immer noch viel Fremdenhass« (Probandin, die vorübergehend Magazin 32 Teshajev Sunderland, Eva: Was motiviert junge PolInnen zum Deutschlernen? Eine Befragung unter Studierenden der Angewandten Linguistik Magazin 32, ISSN 1136-677X. 2024/25, pp. 40-54. https://dx.doi.org/10.12795/mAGAzin.2024.i32.04 47 in Deutschland gelebt hat). Zwei der ProbandInnen, die temporär in Deutschland lebten, haben aufgrund ihrer Erfahrungen einen »negativen« Eindruck von Deutschland (»Mein Eindruck von Deutschland als Erwachsener ist schlecht. Als Kind hat es mir gefallen, weil es neu war«). 3.3. Verhältnis zu Deutschland und den Deutschen Während die Reiseeindrücke bei 64 ProbandInnen positiv bzw. sehr positiv waren, deklarieren nur 39 ProbandInnen eine positive Einstellung den deutschen BürgerInnen gegenüber, was einerseits damit zusammenhängt, dass ein Teil der Befragten vor pauschalen Urteilen zurückschreckt, andererseits aber auch mit der Tatsache, dass nicht alle der Studierenden die Gelegenheit hatten, Deutsche näher (oder überhaupt) kennenzulernen. Zwei Personen haben aufgrund ihrer schlechten Erfahrungen während ihres mehrjährigen Aufenthalts in Deutschland ein distanziertes Verhältnis zu den Deutschen. Diejenigen der Befragten, die Deutsche näher kennengelernt haben, beschreiben diese als »offen und sympathisch«, »sehr positive und hilfsbereite Menschen«, »herzlich und fleißig«, »nett und gesprächsbereit«, aber auch »eigentümlich« und »bisweilen verschlossen«. Hier gibt es bezüglich der Wahrnehmung der Deutschen keine erkennbaren Unterschiede zwischen den Studierendengruppen; die Meinungen sind individuell, es lässt sich nicht feststellen, dass z.B. die Gruppe mit Erstsprache Deutsch eine positivere Einstellung hat. In den Äußerungen der ProbandInnen kommt jedoch auch die Problematik der deutsch-polnischen Beziehungen zum Ausdruck: »Jetzt ist mein Verhältnis positiv, aber als Kind mochte ich Deutsche nicht besonders, weil ich ihnen die Schuld am Ersten und Zweiten Weltkrieg gegeben habe«; »Ich befürchte, dass Sie meine Nationalität als minderwertiger bewerten«. Zwei Personen, die vorübergehend in Deutschland gelebt haben, verweisen auf ihre negativen Erfahrungen mit Deutschen: »Ich respektiere sie, aber ich habe schlechte Erfahrungen«; »Ich bin skeptisch, denn ich habe schlechte Erfahrungen gemacht«. Im Vergleich zur Einstellung gegenüber der Bevölkerung erweist sich die Haltung dem Land gegenüber als besser. 53 ProbandInnen deklarieren eine positive Einstellung (drei davon eine sehr positive). Fünf Studierende nehmen Deutschland wahr als schönes, geographisch und architektonisch interessantes Land mit interessanter Kultur (»Ich finde, das ist ein schönes Land, ich würde gerne mehr Orte besuchen«, »Ich mag die deutsche Kultur, die Sprache, die Denkmäler und die Geschichte«). Zwei betonen die Sauberkeit und Ordnung, die ihnen an Deutschland gefallen hat. Fünf ProbandInnen assoziieren Deutschland mit Wohlstand und einem hohen Entwicklungsstand (»Das ist ein gut entwickeltes und wohlhabendes Land. Ich würde dort gerne mehr Zeit verbringen als bisher«, »Ich finde, dass Deutschland wesentlich besser entwickelt ist, die Gehälter sind wesentlich höher, manche Städte sind wirklich schön«) und fünf weitere würden sich dort gerne niederlassen (»Traumland zum Leben«). 25 ProbandInnen (darunter drei mit intensiveren Kontakten) haben eine neutrale Einstellung zu Deutschland. Es fehlt jedoch nicht an kritischen Stimmen: So schreibt eine Probandin, dass sie zwar das Land nach wie vor bewundert, ihr aber nicht alle Handlungen Deutschlands gefallen (ohne diese zu konkretisieren). Von zwei Studierenden wird Kritik an der deutschen Politik innerhalb Europas sowie der Außenpolitik geübt, die als der Russischen Föderation untergeordnet wahrgenommen wird. Eine Studierende kritisiert darüber hinaus die deutsche katholische Kirche. Eine weitere Person schreibt, dass sie Deutschland nicht besonders leiden kann. 3.4. Sprachkontakte Von Mackiewiczs polnischen ProbandInnen hatten nur 12,6% regelmäßig Kontakt zu deutschsprachigen Personen, 43,8% gelegentlich und 43,6% überhaupt nicht (Mackiewicz 2014: 219). Hinsichtlich der befragten ILS-Studierenden war die Zahl derer, die angab regelmäßig Kontakt zu deutschsprachigen Personen zu haben, mit fast 33% wesentlich höher, aber der Anteil derjenigen, die nur sporadischen Kontakt haben, war mit 37 Personen auch recht hoch und weitere 18 ProbandInnen haben gar keinen Kontakt zu deutschsprachigen Personen. In der BA-Gruppe mit Erstsprache Deutsch haben prozentual die meisten Studierenden deutsche Bekannte (neun Personen) und Familienangehörige in Deutschland (drei Personen).6 Zu den Bekannten zählen Austauschstudierende, Pfadfinder, während des Schüleraustauschs kennengelernte Personen, Gastfamilien im Rahmen des Au-pairProgramms, Sprachtandempartner. Mit diesen führen die ProbandInnen persönliche Gespräche, Telefongespräche oder sie kommunizieren mit Hilfe (6) Unter den übrigen BA-Studierenden haben zwölf Personen deutsche Bekannte und zwei Personen Familienangehörige in Deutschland. Von den Studierenden im MA-Studiengang kontaktieren sieben Personen ihre deutschen Bekannten und eine Person ihre Familienangehörigen, die in Deutschland leben. Wissenschaftliche Artikel/Artículos Científicos Magazin 32 Teshajev Sunderland, Eva: Was motiviert junge PolInnen zum Deutschlernen? Eine Befragung unter Studierenden der Angewandten Linguistik Magazin 32, ISSN 1136-677X. 2024/25, pp. 40-54. https://dx.doi.org/10.12795/mAGAzin.2024.i32.04 48 deutschen Sprache zum Positiven hin: Sie geben an, dass Deutsch ihnen »in der Schule nicht gefallen hat«, sie »voreingenommen« waren und sich erst »an die Sprache gewöhnen. mussten«. Sie hat ihnen aber »im Laufe der Jahre begonnen zu gefallen, denn sie hört sich interessant an und ermöglicht es, die deutsche Kultur kennenzulernen«. Bei zwei Studierenden erfolgte der Wandel der Einstellung während des Studiums: »Seitdem ich die deutsche Sprache studiere, habe ich sie ins Herz geschlossen. Ich verwende sie gerne und lerne gerne neue Ausdrücke.«; »Während des Studiums hat die Sprache begonnen, mir zu gefallen, sie hat einen spezifischen Klang.« Als Begründung für die frühere Abneigung gegen Deutsch kann die Aussage einer Studierenden herangezogen werden: »Die Sprache, die an den Schulen gelehrt wird, ist leicht abschreckend, aber die »moderne« Sprache (z.B. in Liedern, das Weglassen des »e«) hört sich sehr fließend und interessant an«. Ca. 20% aller Befragten gefällt der Klang des Deutschen. Sie schreiben dazu: »Deutsch hört sich edel an«; »Die deutsche Sprache hört sich wunderbar in Liedern an, sie ist angenehm für die Ohren«; »Ich höre gerne deutsche Lieder«; »Sie wird oft als rau wahrgenommen, ist aber gar nicht so, denn sie kann auch zart und melodisch sein.«; »Deutsch wird fälschlicherweise für unschön und hart erachtet. Ich finde, dass die deutsche Sprache sehr melodisch ist«. Auch eine dritte Person findet Deutsch »schön, melodisch«, für zwei weitere klingt Deutsch »interessant«. Eine Studierende erklärt: »Die deutsche Sprache gefällt mir nur, wenn sie von Muttersprachlern gesprochen wird (ggf. von Personen mit hohem Sprachniveau und schöner Aussprache)«. Nicht alle Befragten sind allerdings von dem Klang der deutschen Sprache so angetan: »Deutsch gefällt mir, klingt aber hart«; »manche Dialekte klingen rau, schroff«; »manchmal ruft der Klang negative Emotionen hervor«; »der Klang gefällt mir nicht, ist recht rau und hart. Aber während des Studiums und der Vertiefung in die Sprache habe ich festgestellt, dass sie gar nicht so furchtbar ist und alles von dem Akzent abhängt«. Auf die Frage, ob ihnen Deutsch gefällt, geben manche ProbandInnen eine utilitaristische Begründung: Die deutsche Sprache gefällt ihnen, weil »sie auch nützlich für die Arbeit« ist, »sie mir Entfaltungsmöglichkeiten eröffnet, einfach und ästhetisch ist«; »sie mir die Möglichkeit gibt, andere von sozialen Medien, z.B. Whatsapp. In allen Gruppen gibt es jeweils ein bis zwei Personen, die Deutsch auf der Arbeit verwenden. Weiterhin werden zufällige Sprachkontakte (auf Reisen, in öffentlichen Verkehrsmitteln, in Geschäften) genannt. Für 13 MAund zehn BA-Studierende (darunter drei mit Erstsprache Deutsch) beschränkt sich der Sprachkontakt auf die Universität. 3.5. Einstellung zur deutschen Sprache Hinsichtlich der Frage, ob ihnen die deutsche Sprache gefällt, gaben fast alle Studierenden aus dem MA-Studiengang und die BA-Gruppe mit Deutsch als Erstsprache positive Antworten, nur jeweils zwei Personen gefällt Deutsch nicht (BA-Student, Erstsprache Deutsch: »Was den Klang anbelangt, so gefällt sie mir überhaupt nicht. Ich mag die Sprache nur deshalb, weil ich sie verstehe«; MA-Studierende/r: »Nein, klingt hart«): Bei den übrigen BA-Studierenden gab es weitaus mehr Personen, denen die deutsche Sprache nicht gefällt (»Früher hat sie mir gefallen, jetzt nicht mehr so sehr«; »Ja, obwohl der Klang leicht unangenehm ist. Ich assoziiere die Sprache mit dem Studium, daher sind die Emotionen nicht besonders positiv«, »Nicht besonders, diese Sprache ist kompliziert und hört sich nicht besonders schön an«, »Nein, sie ist hart und hat einen unangenehmen Klang sowie eine komplizierte Grammatik«, »Gefällt mir nicht, ich finde die Sprache sehr hart und schwer auszusprechen«, »Der Klang gefällt mir nicht so, das Lernen dieser Sprache frustriert mich manchmal«, »Nein, sie klingt nicht schön, negative Emotionen«). Eine Person deklariert eine neutrale Haltung. Diejenigen, denen Deutsch gefällt, mögen »die Ordnung, die in der Sprache herrscht (Grammatik, Regeln)« (zwei Studierende), »die Aussprache, die Intonation und die Wortbildung« (zwei Studierende), die »logische Grammatik und recht angenehme Phonetik«, die »Idiome und Redewendungen«, »die zusammengesetzten Substantive«, »die Dialekte«. Eine Person hat »gute Assoziationen mit Deutsch«, eine andere findet, »dass das eine sehr charakteristische Sprache ist, hart und nicht besonders zart, aber logisch und ich lerne sie leicht«, eine weitere meint, dass »Deutsch nicht genug wertgeschätzt wird«. Eine andere Person konstatiert: »Ich wollte diese Sprache schon immer lernen«. Sieben Studierende berichten dabei auch von einer Veränderung ihrer Haltung gegenüber der