Eine kontrastive Studie der Diskursmarkernutzung im DaF- und EFL- Kontext
Abstract
In diesem Beitrag wird auf die Lage der Diskursmarkerforschung in DaF- und EFL- Kontexten eingegangen. Trotz der vielen Beschreibungen der Diskursmarker in der L1 im Bereich der Syntax, Semantik und Pragmatik mangelt es an Studien über den Erwerb von Diskursmarkern durch Nicht- Muttersprachler. Ein Desiderat stellt dabei insbesondere die Entwicklung und Realisierung der Funktionen, die Diskursmarker in der Fremdspracheninteraktion erfüllen, dar. Im Mittelpunkt dieses Beitrags steht eine longitudinale Revision der bisherigen Forschung in Deutsch und Englisch als L2. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auch auf der Kluft zwischen der Beschreibung der Diskursmarker für L1 und L2.
Full text
Eine kontrastive Studie der Diskursmarkernutzung im DaF- und EFL- Kontext José Javier Martos Ramos (Sevilla) Abstract: In diesem Beitrag wird auf die Lage der Diskursmarkerforschung in DaF- und EFL- Kontexten eingegangen� Trotz der vielen Beschreibungen der Diskursmarker in der L1 im Bereich der Syntax, Semantik und Pragmatik mangelt es an Studien über den Erwerb von Diskursmarkern durch Nicht- Muttersprachler� Ein Desiderat stellt dabei insbesondere die Entwicklung und Realisierung der Funktionen, die Diskursmarker in der Fremdspracheninteraktion erfüllen, dar� Im Mittelpunkt dieses Beitrags steht eine longitudinale Revision der bisherigen Forschung in Deutsch und Englisch als L2� Das Hauptaugenmerk liegt dabei auch auf der Kluft zwischen der Beschreibung der Diskursmarker für L1 und L2� Keywords: Diskursmarker, DaF, EFL, gesprochene Sprache, Metareflexion 1. Einführung in die Diskursmarker In den letzten 30 Jahren sind Diskursmarker aus verschiedenen Blickwinkeln und für verschiedene Sprachen analysiert worden�1 Sowohl in sprachwissenschaftlichen Arbeiten2 als auch allmählich im Fremdsprachenerwerbskontext3 hat sich die Diskursmarkernutzung zu einem Forschungsschwerpunkt entwickelt� Das wissenschaftliche Interesse an diesen häufig im Mündlichen verwendeten Ausdrücken, die Schiffrin (1987) als „sequentially dependent elements which bracket units of talk“ bezeichnete, ist Ende der 80er Jahre gewachsen� Auch im deutschsprachigen Raum haben Auer/ Günthner (2003) den Diskursmarkern eine Reihe von unterschiedlichen Funktionen auf Diskursebene zugeschrieben (u�a� Gliederung von Texten, Verknüpfung von 1 Die vorliegende Arbeit wurde mit Drittmitteln aus einem Forschungsprojekt (PGC2018- 093774- B- I00) des Ministeriums für Wissenschaft und Innovation durchgeführt� 2 Siehe für das Deutsche: Auer (1990), Meng/Schrabback (1999); Gohl/ Günthner (1999); Gün Imo (2003)� Für das Englische: Jucker/ Ziv (1998); Kyratzis/ Ervin- Tripp 1999; Müller (2005); Brinton (1996, 2017)� 3 Siehe für das Englische: Hasselgren (2002); Romero Trillo (2002); Müller (2005); Fung & Carter (2007); Rahimi/ Riasiati (2012); Neary- Sundquist (2014); Yang/ Chen (2015); Für das Deutsche: Imo (2013); Günthner/ Wegner/ Weidner (2015); Imo/ Moraldo (2015); Martos/ Kaminski (2017); Martos/ Siebold (2019); Günthner/ Schopf/ Weidner (2021)�
694 | José Javier Martos Ramos Äußerungen, epistemische Einstellungen, Beziehungsanzeige zwischen Sprecher und Hörer und Organisation des Sprecherwechsels)� Es wurde außerdem festgestellt, dass Diskursmarker prosodisch selbständig sein können und, dass sie teilweise homophon mit Adverbien, Konjunktionen und Partikeln sind� Manche Sprachwissenschaftler (Imo 2012; Blühdorn/Foolen/Loureda 2017) sind sogar der Frage nachgegangen, ob solche Einheiten eine eigene grammatische Kategorie bilden� Im Vergleich zu anderen sprachlichen Einheiten weisen Diskursmarker erhebliche Kategorisierungsprobleme auf, da sie sich einem gründlichen und ständigen Grammatikalisierungsprozess unterziehen (Traugott 1995; Günthner/ Mutz 2004)� Das geschieht aus verschiedenen Gründen: erstens, weil sie das Ergebnis von Änderungen im syntaktischen, morphologischen, semantischen und pragmatischen Bereich sind; zweitens, weil die nichthomogene Entstehung der Diskursmarker eine „eventuelle“ grammatische Kategorisierung deutlich erschwert und sie außerdem in vielen Sprachen sehr instabil macht; drittens, weil Diskursmarker sehr unterschiedliche mündlich diskursbezogene Funktionen erfüllen können (Auer/ Günthner 2003; Imo 2012)� Aus allen diesen Gründen sprechen viele Forschungen ausschließlich von funktionalen Kategorien im Fall von Diskursmarkern� Diese Umstände stellen sich als problematisch in zwei Bereichen heraus: eine kontrastive Sprachbeschreibung der Diskursmarker wird deutlich erschwert, denn nicht alle Sprachen stimmen in ihren entsprechenden Beschreibungen und Funktionen in Bezug auf Diskursmarker überein (Blühdorn/Foolen/Loureda 2017); doch auch im Fremdsprachenunterricht bereitet die Komplexität der Diskursmarker große Schwierigkeiten� Obwohl Einheiten wie z�B� also, dunque, well, oder por cierto üblicherweise erst ab Sprachniveau B1/ B2 im Fremdsprachenunterricht eingeführt werden, geben nichtmuttersprachliche Interagierende schon ab Sprachniveau A1/ A2 gesprächssteuernde Zeichen in ihren Redebeiträgen an, die prinzipiell mit der Funktion von Diskursmarkern zu tun haben (Martos/ Kaminski 2017)� Es stellt sich die Frage, wie man mit einem so komplexen sprachlichen Element in seiner Beschreibung und Bildung umgehen kann� 2. Forschungstand zu Diskursmarkern im DaF/ DaZ: Problemidentifizierung und metareflexive Arbeit Auch wenn die ersten germanistischen Forschungen zur gesprochenen Sprache und zum Fremdsprachenunterricht (Schank 1979) bereits Anfang der 80er Jahre veröffentlicht wurden, entstanden erst ab den 90ern Grundstudien zu verschiedenen Aspekten der Ausdrücke, die dann als Diskursmarker
Eine kontrastive Studie der Diskursmarkernutzung | 695 bezeichnet wurden�4 Ab 2009 wird ein größeres Interesse an der Forschung zur Mündlichkeit in DaF- Kontexten wahrgenommen (Bachmann- Stein/ Stein 2009; Moraldo/ Missaglia 2013; Imo/ Moraldo 2015; Günthner/ Schopf/ Weidner 2021)� Dank dieser Ansätze werden neue Spezifika der Interaktion erforscht� Somit wurden auch Diskursmarker und ihre Rolle in der Lernersprache in den Fokus verschiedener Arbeiten untersucht (Okamura 1999; Imo 2009; Fiehler 2015; Günthner 2015; Weidner 2015)� Die große Mehrheit dieser Studien betont aber nur die Notwendigkeit ihrer Didaktisierung anhand der Forschungen zu Diskursmarkern für Deutsch als L1 und geht nicht auf die Problematik der Umsetzung in der L2 ein� Erst vereinzelt und Jahre später werden in der Auslandsgermanistik Arbeiten zu empirischen Daten des Gebrauchs von Diskursmarkern im DaF- Kontext veröffentlicht� So finden sich bei Martos/ Kaminski (2017) erste Untersuchungen in einem deutschspanischen Online- Tandem- Kontext an der Universität Sevilla (Spanien) und der Universität Jena�5 Hier wird der Frage nachgegangen, welche Rolle und Funktion Diskursmarker im DaF einnehmen� Am Redebeitrag eines spanischen (DaF- Niveau B1) und eines deutschen Muttersprachlers6 (ELE- Niveau B1) wird gezeigt, dass der Einsatz von Diskursmarkern durch DaF- Sprecher oft nicht sehr effizient ist: Spanische DaF- Sprecher verwenden sie im Gespräch zwar, nutzen sie aber nicht zur Aushandlung des Gesprächsgegenstandes� Es wurde außerdem ein Mangel an kohäsiven Diskursmarkern wahrgenommen, insbesondere bei Themenwechseln und - beendigungen, wobei zusätzlich ein übermäßiger Gebrauch von Rezeptionssignalen und tagquestions als Aushandlungsstrategie aufgezeigt werden konnte� Die Arbeit von Kovač (2020) untersucht den Gebrauch von Diskursmarkern des Deutschen, ihre Häufigkeit und Vielfalt im Redebeitrag bei 14 kroatischen DaF- Studierenden (B1- Niveau) an der Universität Split�7 Was die Art 4 Hier werden aus Platzgründen nur einige erwähnt: Grammatikalisierungsprozesse (Günthner 1999); Matrixsätze (Günthner/ Imo, 2003); Funktionen (Fiehler/ Barden/ Els - termann/ Kraft 2004); univerbierte Konstruktionen: (Günthner 2017); Entstehung der Diskursmarker (Auer/ Günthner, 2005) und Wortart (Imo, 2012); Question tags (König 2017); Reparaturmarker (Pfeiffer 2017); Imperativformen (Proske 2014)� 5 Third Language Learning Skype (l3TaSk) war ein EU- gefördertes Drittmittelprojekt (Dezember 2013– November 2016)� 6 Es wird darauf hingewiesen, dass im Beitrag das generische Maskulinum verwendet wird, sich dieses jedoch ausnahmslos sowohl auf männliche als auch auf weibliche Personen bezieht� 7 Das Ergebnis ihrer empirischen Studie zeigt, dass 7 Diskursmarker pro 1000 Silben in der spontanen Rede und durchschnittlich 8,5 Diskursmarker pro 1000 Silben in der vorbereiteten Rede verwendet wurden� Um diese Angabe besser zu schätzen wäre es nötig, eine Studie zur Häufigkeit bei Muttersprachlern des Deutschen durchzuführen�
696 | José Javier Martos Ramos der Diskursmarker angeht, stellt Kovač besonders den Gebrauch von und in der Vor- Vorfeldposition als Übergang oder auch als eine Sequenzierung von Sprechhandlungen fest, findet aber auch in geringerem Maße ja, also und so in genannter Funktion� In ihrer Arbeit zur Zweisprachigkeit analysieren Dailey- O’Cain/ Liebscher (2006: 89) den Einsatz deutscher und englischer Diskursmarker in einer bilingualen Community- of- Practice in einem fortgeschrittenen Deutschkurs an der University of Alberta in Kanada, in dem das Codeswitching und - mixing beider Sprachen vorgesehen und gestattet ist� Die Ergebnisse ihrer Studie zeigen, dass der Gebrauch von Diskursmarkern häufig Codeswitching unter den Studierenden veranlassen kann (Fuller 2001, zitiert in Dailey- O’Cain/ Liebscher 2006: 91)� So geht aus diesem empirischen Befund hervor, dass das Umschalten in eine andere Sprache mitten im Redebeitrag einen Beweis dafür darstellt, dass Diskursmarker weit über die Semantik und Pragmatik hinausgehen und komplexe kognitive Prozesse wie das Codeswitching und - mixing auslösen können� Beide Arbeiten bestätigen auch die Verwendung des englischen Markers so in der selben Community- of- Practice, der im Gegensatz zu den pragmatischen und semantischen Beschreibungen des monolingualen Gebrauchs einige der Funktionen vom deutschen also übernommen hat� Statt sich den empirischen Angaben zum Diskursmarkereinsatz im DaF zuzuwenden, hat sich ein großer Teil der noch spärlichen DaF- Studien mit der Verwendung von Transkripten für die Verbesserung mündlicher Kompetenzen auseinandergesetzt� Lepschy (2002: 52) schlägt vor, die Gesprächsfähigkeit bei Deutschmuttersprachlern in Kommunikationsseminaren zu fördern� Hierbei meint sie entscheidende Gesprächselemente und - phasen wie Gesprächsorganisation, Themabearbeitung und Beziehungsgestaltung, in denen Diskursmarker eine dominante und wesentliche Rolle spielen (Schegloff/ Sacks 1973; Spiegel/ Spranz- Fogassy 2001; Martos/ Siebold 2019)� Auch Birkner/ Stukenbrok (2009) plädieren für den Einsatz von Transkripten in verschiedenen Berufskontexten und Fortbildungen� Erst bei Liedtke (2013) wird zum ersten Mal im DaF- Kontext auf die Rolle und Funktion von Transkripten als Lernwerkzeug hingewiesen� Mithilfe ihrer Anfertigung8 sollen DaF- Studierende eine aktive Rolle bei der Bearbeitung der mündlichen Spezifika übernehmen� Transkripte verwandeln sich somit in ein leistungsfähiges Instrument zur Verbesserung der mündlichen Kompetenz und können zu einem größeren Bewusstsein für kommunikative Funktionen und sprachliche Mittel führen� Auch wenn keine dieser Arbeiten Diskursmarker spezifisch 8 Es handelt sich hier um eine vereinfachte Version der Transkription�
Eine kontrastive Studie der Diskursmarkernutzung | 697 behandelt, lässt dieser Vorschlag vermuten, dass durch das mehrmals Abhören des Geschehenen auch Diskursmarker mehr Beachtung finden (Liedtke 2013: 247)� Alternativ schlägt Martos (2021) auch auf der metareflexiven Ebene eine Bewusstmachung von Diskursmarkern im Tandemkontext vor�9 Mittels der Durchführung von Interviews in der Muttersprache der Befragten wird gezeigt, dass eine Aufarbeitung durch eine metakommunikative Analyse von Vorteil für DaF- Lerner sein kann� DaF- Studierende wurden in nachträglichen Gesprächen mit dem Gesprächspartner und dem Dozenten dafür sensibilisiert, wie die Sprecher ihre Beiträge gliedern, wie sich verschiedene kommunikative Aktivitäten voneinander unterscheiden und welche Strategien sie nutzen, um Zeit für ihre Planung zu erhalten� Nach der ersten Phase, in der beide Studierende ein einfaches Transkript einer zweiminütigen Video- bzw� Tonaufnahme zusammen anfertigten, konnten sie in der zweiten Phase der Forschung mithilfe des Dozenten über den Einsatz von Diskursmarkern u�v�a� reflektieren� Diskursmarker wie naja, also, glaub ich oder ja wurden im Gespräch mit dem Dozenten thematisiert� Es wurde vor allem über die Funktion der Diskursmarker für einen Abschluss (also) und für die Einführung eines neuen Themas (und) reflektiert� Zusammenfassend drücken viele Arbeiten zu Diskursmarkern im Rahmen der L1 ein Desiderat aus, diese im DaF- Bereich spezifischer zu behandeln� In der Tat kann es festgestellt werden, dass der häufige Rückgriff auf einfachere alternative Gesprächsstrategien eine mangelhafte Leistung der DaF- Studierenden zeigt� Darum plädieren viele Autoren für explizite Anweisungen im Fremdsprachenunterricht da wesentliche interaktions- und handlungsorientierte Funktionen und Aktivitäten der Diskursmarker oft nicht beachtet werden� Dagegen sind sie zur Aushandlung eines Redebeitrags entscheidend (Organisation des Sprecherwechsels, Beendigung, Eröffnung, Wiedergutmachung, Abschwächungsverfahren oder Höflichkeit usw�)� Auch wenn sich einige DaF- Lehrbücher mit Diskursmarkern beschäftigen, stellt sich sowohl die Forschung als auch die Ausführung der DaF- Lernenden in diesem Bereich als deutlich unzureichend heraus (Fiehler 2015; Fandrych 2021)� Einen weiteren Grund dafür könnte auch die Kluft zwischen der Diskursmarkerbeschreibung in der L1 und der Anwendung in der L2 sein� 9 Diese Interviews sind Teil eines größeren Tandemkorpus (10 Stunden), das aus aufgenommenen Tele- Tandemsitzungen von deutschsprachigen und spanischsprachigen Muttersprachlern besteht�
698 | José Javier Martos Ramos 3. Die Forschung zu Diskursmarkern im Bereich von EFL: vom Miss- und Übergebrauch bis zu fluency Die ersten Forschungen zum Gebrauch von Diskursmarkern im L2- Kontext wurden am Beispiel der englischen Sprache durchgeführt (Nikula 1996; Hass - elgren 2002; Romero Trillo 2002; Müller 2005; Fung/ Carter 2007; Rahimi/ Riasati 2012; Neary- Sundquist 2014; Yang/ Chen 2015)� Die Auseinander - setzung mit empirischen Daten von English as a Foreign Language- Lernern beginnt ein Jahrzehnt früher als bei DaF- Lernern� Aus diesem Grund ist davon auszugehen, dass die Forschung zum Diskursmarkergebrauch im EFL- Kontext viel weiter als im DaF- Bereich ist� Nikula (1996) beschäftigt sich mit der Verwendung und Interpretation von pragmatic force modifiers im Gespräch bei finnischen EFL- Sprechern� In seinem Buch untersucht er, wie häufig, und für welche interpersonelle Zwecke, Muttersprachler und Nicht- Muttersprachler diese Elemente verwenden� Nichtmuttersprachler sind tatsächlich mit pragmatic force modifiers vertraut, auch wenn die Fähigkeit, sie strategisch zu nutzen, noch nicht voll entwickelt ist (Nikula 1996: 92)� Zudem stellt er fest, dass finnische Nichtmuttersprachler nur sehr selten implicit modifiers (z�B� you know oder tag questions) im Vergleich zu Muttersprachlern benutzen und sie daher oft nicht in der Lage sind, den interpersonellen Dimensionen Rechnung zu tragen (Nikula 1996: 130), d�h�, der Redebeitrag der Nicht- Muttersprachler ist daher durch eine größere Tendenz zur Direktheit bzw� zum Mangel an korrektiven Diskursmarkern gekennzeichnet� Dies steht im Gegensatz zum Redebeitrag der Muttersprachler (1996: 227)� Wie Nikula, gelangen auch Rahimi/ Riasati (2012) zur gleichen Schlussfolgerung in ihrer Studie zu Diskursmarkern im EFL- Unterricht im Iran und zu den Auswirkungen auf ihre spezifische Behandlung im Unterricht� In einer ersten Gruppe von Lernenden, die über die Diskursmarker angewiesen wurden, kam es zu einer regelmäßigen Verwendung dieser Wörter, während die Gruppe, die nicht explizit über ihre Verwendung angewiesen wurde, sie nicht regelmäßig in ihren Redebeitrag aufnahm� Auch Romero Trillo (2002) geht in seiner kontrastive Studie zur Fossilierung von Diskursmarkern bei jüngeren und erwachsenen spanischen EFL- Lernern der Frage nach, inwieweit der Kontakt mit pragmatischen Informationen bei ihnen genügt, um Diskursmarker angemessen einzusetzen� Anhand von vier Korpora10 zeigt er, dass die sprachliche Produktion von jüngeren Lernenden eher handlungsals interaktionsorientiert ist� Dagegen 10 Britische Erwachsene: London- Lund corpus; Britische Kinder: CHILDES corpus; Spanische kompetente EFL Erwachsene Nichtmuttersprachler: UAM- corpus; und spanische Kinder aus einer spanischenenglischen bilingualen Schule: UAM- corpus�
Eine kontrastive Studie der Diskursmarkernutzung | 699 ist die Konversation von spanischen Erwachsenen in ihren englischen Redebeiträgen ausschließlich interaktionsorientiert, was eine kompetente Verwendung von Involvement markers11 (you know, you see, well) erfordert� Nach Romero Trillo kann der Mangel an dieser Kompetenz zu pragmatischer Fossilierung und in vielen Fällen zu kommunikativem Versagen führen� Ein weiterer entscheidender Punkt in der EFL- Forschung ist die Rolle des flüssigen Sprechens (fluency)� Nach Hasselgren (2002: 147) korreliert es mit dem Gebrauch von Smallwords� Ihre Nutzung trägt in einem Gespräch zur Flüssigkeit im Sprechen und zur Herstellung von Kohärenz bei: der Gebrauch von Partikeln wie z�B� well und sort of bei Englischlernern kann zu mehr von weniger flüssigem Sprechen führen�12 Nach Hasselgren benutzen norwegische Schüler mit besseren Englischkenntnissen Diskursmarker als backchanneling (Vergewisserungssignal) (okay), und das genauso so oft wie Englischmuttersprachler� Dies geschieht aber nur halb so oft, wenn es um den Gesprächseinstieg oder seine Fortsetzung geht� Sie sind auch bei der Auswahl der Diskursmarker viel weniger abwechslungsreich als Englischmuttersprachler, da sie sich in der Regel die Diskursmarker okay und well beim Gesprächseinstieg und okay und I think bei der Turnhaltung im Redebeitrag einsetzen� Für die Gruppe mit schlechteren Englischkenntnissen nimmt Hasselgren dagegen wahr, dass sie selten Diskursmarker als Vergewisserungssignal verwendet� Diese Funktion wird stattdessen durch Signale angegeben, wie z�B� mm� Die Lerner verwenden auch keine Diskursmarker für Selbstreparaturen� Auch Müller (2005)13 beschäftigt sich mit dem Gebrauch von Diskurs - markern (so, well, you know und like) bei deutschsprachigen Englischlernern� Sie wurden gebeten, einen Stummfilm zu erzählen� Auffällig ist in Müllers Analyse nicht so sehr die massive Unterverwendung von you know und like, sondern vielmehr das sich wiederholende Muster von well bei den Lernern, das doppelt so häufig war wie bei den Muttersprachlern� Fung/ Carter (2007: 435) stellen auch anhand vom Korpus von mittelfortgeschrittenen Englischlernern in Hongkong und dem britischen CANCODE- Korpus eine weit verbreitete Verwendung von strukturellen und referentiellen Diskursmarkern wie and, but, because und I think auf der Textebene fest, aber eine sehr eingeschränkte 11 „Involvement is thus typically used to refer to emotional connection and engagement that the speakers feel in the situation towards the subject matter and/ or the other participants in interaction�“ (Nikula 1996: 96)� 12 Es wurden Diskursmarker wie well, right, all right, okay, you know, you see, I know, I see, oh, ah, I think, I mean, like, sort of/ kind of in verschiedenen Rollen als turntaking, turnholding, cognitive change- of state, midutterance break, gear changing, oblique response, hedging, acknowledgment, appeal erforscht� 13 Der Bezug auf Müller, Fung & Carter und Neary- Sundquist stammt aus der Forschung von Martos/ Kaminski (2017)�
700 | José Javier Martos Ramos Verwendung von Diskursmarkern zur Markierung von gemeinsamen Wissens und zur Signalisierung von Einstellungen unter den Lernenden (2007: 435)� Yang/ Chen (2015: 281) untersuchen den Gebrauch von kontrastiven Diskursmarkern zwischen chinesischen Englischlernern und Muttersprachlern� Besonderes Augenmerk wird dabei auf but und however gelegt, da beide die beliebtesten Diskursmarker bei chinesischen Englischlernern und Muttersprachlern sind� In der Studie wird der Übergebrauch von but von chinesischen Englischlernern hervorgehoben, um eine kontrastive Beziehung zu signalisieren, statt weitere Informationen im Kontext hinzuzufügen� Außerdem stellen Yang/ Chen fest, dass chinesische Englischlerner however gewöhnlich am Anfang des Satzes verwenden, während Muttersprachler den Diskursmarker sowohl am Anfang als auch in der Mitte des Satzes einsetzen� Eine weitere Studie von Neary- Sundquist (2014) untersucht die Verwendung von Diskursmarkern in einem L2- Kontext, indem sie Daten eines mündlichen Tests analysiert, der von chinesischen und koreanischen Englischlernern auf vier verschiedenen Sprachniveaus absolviert wurde, um die Ergebnisse mit den Daten von Muttersprachlern zu vergleichen, die sich demselben Test stellten� Die Ergebnisse dieser Untersuchung zeigen, dass die Verwendung von Diskursmarkern zunächst allmählich von einer Stufe zur nächsten zunimmt und dann bei Lernenden auf der höchsten Stufe deutlich ansteigt und in Bezug auf die Häufigkeit fast den muttersprachlichen Gebrauch erreicht, während die Vielfalt der Ausdrücke etwas begrenzt bleibt: „The richness of these expressions increases gradually across proficiency levels, but never reaches nativelike patterns of variation“ (2014: 656)� Zusammenfassend hat sich die Diskursmarkerforschung im EFL quantitativ und qualitativ mit vielen Variablen und Situationen beschäftigt� Einige der hier erwähnten Studien weisen auf einen unzureichenden Einsatz von interpersonellen Diskursmarkern und einen gelegentlichen Übergebrauch von referentiellen und strukturellen Diskurmarkern (well, but, however, you know) hin� Auch wenn die EFL- Lerner über mehr Kompetenzen in der L2 verfügen, geht auch hier immer noch ein Mangel an strategischen Einsatz von Diskursmarkern hervor� 4. Fazit In diesem Beitrag wurden zwei Forschungstendenzen anhand von Studien zu DaF- und EFL- Lernern auf den Prüfstand gestellt: einerseits, ein metareflexives Herangehen durch Transkripte oder indirekte Aufgaben wie Interviews für das Lernen von Diskursmarkern; andererseits, der Miss- oder Übergebrauch von Diskursmarkern und die Hervorhebung einer fehlenden Kompetenz des
Eine kontrastive Studie der Diskursmarkernutzung | 701 Diskursmarkereinsatzes� Die bisherigen Forschungen in beiden L2- Kontexten legen dar, wie komplex die (angemessene) Anwendung von Diskursmarkern sein kann� Ein falscher Einsatz, ein Defizit oder die Absenz dieser im Gespräch kann tatsächlich zu fehlerhafter Kommunikation, zu kulturbedingten Missverständnissen und zuletzt zu Frustration bei L2- Sprechern führen, wie norwegische, finnische und spanische Studierende in ihren Redebeiträgen zeigen: die ersten zwei EFL- Studierenden wirken zu direkt, während spanische DaF- Studierende aufgrund eines traditionelleren Lernmethode, mehr Hemmungen zur Interaktion haben und deshalb öfter die Handlung vernachlässigen� Diskursmarker verfügen nicht nur über entscheidende prozedurale Information (Blühdorn/Foolen/Loureda 2017: 25), sondern vermitteln auch kulturelle Voraussetzungen und Forderungen für eine interaktionsorientierte und passende Ausführung� Der kulturelle Aspekt der Diskurmarker soll im Fremdsprachenunterricht nicht unbeachtet bleiben, da er das Erlernen erleichtern kann� In diesem Sinne soll hier betont werden, dass eine metareflexive Arbeit deutlich dazu beiträgt, sie besser zu interpretieren und einzusetzen� Literatur Auer, Peter (1990): Rhythm in telephone closings� Human Studies, 13, 4, S� 361– 392� Auer, Peter/ Günthner, Susanne (2003): Die Entstehung von Diskursmarkern im Deutschen: ein Fall von Grammatikalisierung?� InLiSt – Interaction and Linguistic Structures, 38, S� 1– 30� http:// nbnresolv ing�de/ urn:nbn:de:bsz:352- opus- 11454 [10�1�2022]� Auer, Peter/ Günthner, Susanne (2005): Die Entstehung von Diskursmarkern im Deutschen – ein Fall von Grammatikalisierung? In: Torsten Leuschner/ Tanja Mortelsmans (Hrsg�): Grammatikalisierung im Deutschen� Berlin/ New York: De Gruyter, S� 335– 362� Bachmann- Stein, Andrea/ Stein, Stephan (2009): Mediale Varietäten: Gesprochene und geschriebene Sprache und ihre fremdsprachendidaktischen Potenziale� Landau: Verlag Empirische Pädagogik� Birkner, Karin/ Stukenbrok, Anja (2009): Die Arbeit mit Transkripten in Fortbildung, Lehre und Forschung, Verlag für Gesprächsforschung� http:// www�ver laggesp raec hsfo rsch ung�de/ 2009/ birk ner�htm [10�1�2022]� Blühdorn, Hardarik/Foolen, Ad/Loureda, Óscar (2017): Diskursmarker: Begriffsgeschichte – Theorie – Beschreibung� Ein bibliographischer Überblick� Blühdorn Hardarik/Deppermann, Arnulf/Helmer, Henrike/Spranz-Fogasy, Thomas (Hrsg�): Diskursmarker im Deutschen� Reflexionen und Analysen� Göttingen: Verlag für Gesprächsforschung, S� 7–47� Brinton, Laurel (1996): Pragmatic markers in English: grammaticalization and discourse functions, Berlin: Mouton de Gruyter�