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Einheit und komplexität

Cascales Barrio, Juan

Abstract

Die Terrassenhaussiedlung St. Peter folgt einer Tradition radikaler Avantgardearchitektur und experimentiert in der Spannweite von Urbanität, Technologie und Programmatik. Der Entwurf basiert weder auf Referenzen noch auf formalen, vorgefassten Bildern – im Gegenteil: Die bauliche Umsetzung orientiert sich an mehreren Maßstäben, Konzepten und Kriterien für urbanes Wohnen. Die Wohnungstypologien sind gerade noch konventionell: Erschließungstürme, Zweispänner, Blöcke mit Gängen und Brücken außen und innen. Auch Statik und Infrastruktur sind durch diese Typologien noch konventionell gelöst. Die Projektentwicklung jedes einzelnen Wohnungstyps ist zweistufig, mit einer räumlich-formalen und einer baulichen Ausführungsplanung, aber am Rande der Typologien fließt von Beginn der Errichtung an die Kreativität der Architekten ein. Das bedeutet nicht, dass die Architektur der radikalen Avantgardegruppen ein eigenes Bild entwickelt hat. Was sie vielmehr kennzeichnet, ist eine sinnliche Pluralität, die sich hinter ungewöhnlichen und überraschenden Formen verbirgt. Der Entwurf von Hannes Meyer und Hans Wittwer für die Petersschule in Basel aus dem Jahr 1926 hat einen kleineren Maßstab, der die Größenordnung und Herausforderung jeglicher Architektur erst begreifbar macht. Der Ehrgeiz, in der Stadt kollektives Wohnen für Schüler:innen zu entwerfen, mündet bei diesem Projekt in eine Organisation aus Kubaturen und Plattformen, die eine umfassende strukturelle Lösung für das Programm und die Erschließung ergibt. Wir haben es hier mit einer Architektur zu tun, die Rücksicht auf den Ort nimmt, sich gleichzeitig in ihn einfügt und so einer mehrfachen Herausforderung gerecht wird: Beherbergung, Wohnen, Leben in einer Form, die die bestehenden Formeln überwindet und Neues schafft.

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108 Juan Cascales Ba io EINHEIT UND KOMPLEXITÄT Eine Ges al ungsanalyse Die Te assenhaussiedlung S . Pe e olg eine T adi ion adikale A an ga dea chi ek u und expe imen ie in de Spannwei e on U bani ä , Technologie und P og amma ik. De En wu basie wede au Re e enzen noch au o malen, o ge ass en Bilde n – im Gegen- eil: Die bauliche Umse zung o ien ie sich an meh e en Maßs äben, Konzep en und K i e ien ü u banes Wohnen. Die Wohnungs ypolo- gien sind ge ade noch kon en ionell: E schließungs ü me, Zweispän- ne , Blöcke mi Gängen und B ücken außen und innen. Auch S a ik und In as uk u sind du ch diese Typologien noch kon en ionell gelös . Die P ojek en wicklung jedes einzelnen Wohnungs yps is zweis u ig, mi eine äumlich- o malen und eine baulichen Aus üh- ungsplanung, abe am Rande de Typologien ließ on Beginn de E ich ung an die K ea i i ä de A chi ek en ein. Das bedeu e nich , dass die A chi ek u de adikalen A an ga de- g uppen ein eigenes Bild en wickel ha . Was sie ielmeh kennzeich- ne , is eine sinnliche Plu ali ä , die sich hin e ungewöhnlichen und übe aschenden Fo men e bi g . De En wu on Hannes Meye und HansWi we ü die Pe e sschule in Basel aus dem Jah 1926 ha einen kleine en Maßs ab, de die G ößeno dnung und He aus o - de ung jegliche A chi ek u e s beg ei ba mach . De Eh geiz, in de S ad kollek i es Wohnen ü Schüle :innen zu en we en, münde bei diesem P ojek in eine O ganisa ion aus Kuba u en und Pla o men, die eine um assende s uk u elle Lösung ü das P og amm und die E schließung e gib . Wi haben es hie mi eine A chi ek u zu un, die Rücksich au den O nimm , sich gleichzei ig in ihn ein üg und so eine meh achen He aus o de ung ge ech wi d: Behe be gung, Wohnen, Leben in eine Fo m, die die bes ehenden Fo meln übe win- de und Neues scha . In den 60e Jah en e such e eine d i e A chi ek engene a ion, die sys ema ischen, imme gleichen U banisie ungsp ozesse umzukeh- en, weil dami Pe iphe ien mangelha e Quali ä und ohne Iden i ä en s anden wa en. Pa allel zum En wu ü S . Pe e kam es zu zahl- eichen wei e en En wü en, die eilweise auch umgese z wu den, JUAN CASCALES BARRIO 109 mi dem Ziel, hochwe igen Wohn aum ü die konsumo ien ie e Nachk iegsgene a ion zu scha en und dem Ansp uch ge ech zu we den, die S ad planung zu e besse n und den ö en lichen Raum au zuwe en. In de e s en Numme de Zei sch i Bau o um e ö en lich e Vik o Hu nagl eine Auswahl expe imen elle En wü e aus de Auss ellung „Neue S äd ische Wohn o men“, da un e einen En wu de We k- g uppe G az. [1] Die Bilde sind haup sächlich Fo og a ien on Model- len und pe spek i ische Ansich en e schiedene Wohnungs ypen mi Fokussie ung au den Siedlungskomplex, wodu ch die G und isse de Wohnungen p ak isch ma ginalisie e scheinen. Hinsich lich de G und isse we den im Tex zwei Aspek e he o gehoben: die F eihei bei de Ges al ung de Innen äume du ch die Bewohne :innen und die No wendigkei on Te assen, beg ün en Innenhö en und Dach- e assen mi Ausblick au die Landscha , mi denen an die Deba e de Ein amilienhaus-Siedlungsmodelle e sus Wohnblöcke ange- knüp we den soll e. Un e diesen Vo ausse zungen wa es nu logisch, dass S a egien zu Ab eppung de Baukö pe zu Anwendung kamen. Indem jede Woh- nung Raum ü die Ausdehnung nach außen e hiel , wu den die Bewohne :innen zu Mi ges al e :innen des S ad bildes, beg ün en es, ges al e en es du ch ih e Te assen wohnlich und sch ieben sich in eben dieses E scheinungsbild ein. De O De En wu begann ohne Beau agung mi de Auswahl eines G unds ücks in G az, das de We kg uppe die Möglichkei bo , au ei- nen expe imen ellen We bewe b im Jah e 1962 au e wa 40 Hek a in Innsb uck zu ückzug ei en. Do ha e man 800 Wohnungen und um einen küns lich angeleg en See geplan , mi einem b ei ge ä- che en P og amm ü e schiedene Ein ich ungen, Pa kplä ze und Wohnungen au eine s uk u alis ischen S ahlbe ons uk u , also einem daue ha en Skele , au das leich e e, lexible mode ne Ele- men e au gese z wu den. [2] Du ch meh e e un e schiedliche Wohnungs ypen soll e eine land- scha liche und soziale Mono onie e mieden we den. Di e si ä wu - de nich nu ausgehend on einem b ei en Spek um an Nu z lächen – zwischen 43 und 144Quad a me e n – ge ö de , sonde n auch du ch Abwandlung de o malen Bedingungen: Tie e und Höhe, Expansion und Eing enzung, Einbau en und eies Schweben. [1] Vgl. Hu nagl 1968, 18–25. [2] Vgl. Gu mann/Kaise /HDA 2013, 70–73. EINHEIT UND KOMPLEXITÄT 110 Das in G az ausgewähl e G unds ück wa on de zunehmenden U - banisie ung an de Pe iphe ie abso bie wo den, ohne dass es sich baulich en wickel hä e, was seine Funk ion als Lehmg ube mi Zie- gelwe k ab dem 19. Jah hunde geschulde wa . Spä e , nach dem Zwei en Wel k ieg, dien e es als wilde Deponie ü Bauschu und sons ige Ab älle. [3] Obwohl das Vie el in de Nähe des S . Pe e F ied- ho es lieg , wa es ohne allgemeine Planung bebau wo den und gu an die Innens ad angebunden, zumal hie die Pe e sgasse und die Plüddemanngasse zusammenlau en. De Ve such An ang de 50e Jah e, ein S ad en wicklungskonzep einzu üh en, um die Ausdehnung und Kohä enz de S ad zu s eue n, schei e e, und zu Beginn de 60e Jah e üh e die Bau ä igkei zu Bekämp ung des Wohnungsmangels in de Nachk iegszei zu eine gesich slosen, nu du ch die o handenen S aßen a ikulie en Pe i- phe ielandscha . Die nich o handene S ad planung und die dami e bundene bauliche He e ogeni ä bedeu e ein Nebeneinande al e , du ch die S aßen e schlossene Bau en, on Gewe bebau en, klei- nen Ein amilienhaussiedlungen, Wohnanlagen mi le e Höhe und on Hochhäuse n mi bis zu 16 Geschossen. Die ungüns igen Bedingungen des Un e g undes ü die Fundamen ie- ung, das unkon en ionelle Ni eau des E dgeschosses, die Uneinhei - lichkei de Umgebung und die hohe Dich e des Hochhauskomplexes im No den – 127Wohneinhei en p o Hek a – s ell en ein Hinde nis ü gängige Lösungen da und begüns ig en expe imen elle. Ta säch- lich muss e man die hohe Dich e akzep ie en, um komplexe Pla eaus ü die Fußgänge :innen mi Anlagen als Sockel ü die in die Höhe s ebenden Wohnbau en zu scha en, wie be ei s zu o in Toulouse- Le Mi ail on Geo ges Candilis, Alexis Josić und Shad achWoods e - p ob , und pa allel dazu in Siedlungen in London (B unswick, Ba bi- can, Alexand a Road), in Galla a ese nahe Mailand und Villeneu e in G enoble. Die Te assenhaussiedlung S . Pe e ha mi ca. 115Wohn- einhei en p o Hek a eine ähnliche Dich e wie Robin Hood Ga dens on Pe e und Allison Smi hson, das eben alls zwischen 1966 und 1972 e bau wu de, abe eine wei ge inge e als das B unswick Cen e mi 200Wohneinhei en p o Hek a . Die We kg uppe mach e das Bes e aus dem Höhensp ung zu den an- g enzenden Hochhäuse n im No den und den Ein amilienhäuse n im Süden sowie den schlech en Bedingungen ü den Sockel und en - wa eine komplexe Kuba u , die sensibel au den Kon ex eagie . Sie e länge e die Spannwei en des T agwe ks im Ve gleich zu den Be on-Rahmen agwe ken in B unswick und in de Alexand a Road aus de selben Zei , die nie länge als 6Me e sind. [3] Vgl. Gu mann/Kaise /HDA 2013, 107. JUAN CASCALES BARRIO 111 De S ando – S ad ökologie Im Gegensa z zu den kleinen, geno m en Wohnungen in den Blöcken aus de Nachk iegszei und ih em Gegens ück ü Besse e dienende, den Ein amilienhaussiedlungen mi P i a gä en, bo sich das Modell de u banen Wohnsiedlung als Al e na i e an, mi de eine Rückkeh zum quali ä s ollen expe imen ellen Wohnbau de A an ga de möglich wa , so e n es gelingen wü de, diesen komplexe und di e se zu ge- s al en. Die Te assenhaussiedlung S . Pe e e band au eine neue A die Vo eile des Ein amilienhauses mi jenen des kollek i en Wohnens. Au de einen Sei e: Gä en, Lebens aum im F eien und die F eihei , die E schließung ande s zu ges al en; au de ande en: s äd ische Dich e, eine unk ionie ende Nah e so gung, besse e Auss a ung und ein e üll e es gesellscha liches Leben. Diese Zusammen üh- ung, die in ielen Expe imen en ausp obie wo den wa , ges al e- e sich zwa schwie ig, e sp ach jedoch zusä zliche Vo eile ü die S ad : eine Limi ie ung des nach dem K ieg ekla an ges iegenen Boden e b auchs und somi die Re ung de eien Felde und weni- ge In as uk u kos en ü die S ad . Das annähe nd ech eckige G unds ück in S . Pe e , mi eine B ei e on e wa 150Me e n und eine Länge on e wa 325Me e n, wi d an den Schmalsei en on zwei Ve keh swegen e schlossen: dem S .-Pe e -P a weg im Os en und de S .-Pe e -Haup s aße im Wes- en. Beide S aßen sind wich ig und al und schnü en das G unds ück ein; au g und des Bes andes an de einen S i nsei e blieben 40Me e ü den Neubau üb ig. Zwischen dem S .-Pe e -P a weg und de S .-Pe e -Haup s aße äll das G unds ück e wa 8Me e ab, was die A chi ek en geschick aus- nu z en, indem sie das E dgeschoss des Komplexes sozusagen zwei- eil en. Von de Haup s aße aus is das Un e geschoss mi eine Tie - ga age ü e wa 600 Fah zeuge zwischen den ie Blöcken zugäng- lich, wäh end de S .-Pe e -P a weg au ein e wa 4,50Me e übe de Bodenpla e de Ga age liegendes Fußgänge pla eau üh , das on einem Ras e aus ged ungenen S ahlbe on äge n mi Spannwei en on 7 bis 8Me e n ge agen wi d, sodass Bäume da au wachsen und kleine Schwimmbecken Pla z inden. Das Pla eau häl eine Übe - las on bis zu 1500Kilog amm p o Quad a me e s and, soll en die Bewohne :innen Ve ans al ungen abhal en wollen. Es ungie wie ein u banes Foye , on dem aus man ungehinde zum ang enzenden G ün aum gelang , de sich be ei s wäh end de E ich ung zum Pa k en wickel e – heu e de „Eus acchiopa k“. We sich e s mals de Siedlung nähe , wi d übe asch sein, dass die s eng ge as e e Geome ie des En wu s nich mi jene des G unds ücks übe eins imm – a sächlich is sie um e wa 20 G ad zu den Sei eng enzen e d eh – und dass sie auch nich , wie EINHEIT UND KOMPLEXITÄT 112 bei ande en Bau en in de Nachba scha , an den Himmels ich un- gen ausge ich e is , um die Sonneneins ahlung zu op imie en. Die D ehung de ie Wohnblöcke um 45 G ad on de No d-Süd- Achse s eh ü die We eo dnung des A chi ek en eams: Linea e, an beiden Flanken sei lich abge epp e Blöcke wie jene in S . Pe e , jene on Kenzo Tange im En wu ü die Buch on Tokio, im B unswick Cen e ode in Wien-Al e laa on Ha yGlück we den as imme mi den S i nsei en nach Os en und Wes en ausge ich e . Die We kg up- pe hä e übe eine aus eichende G unds ücksb ei e e üg , um die Blöcke so anzuo dnen – wie die Wohn ü me im Umk eis – ode pa - allel zu S .-Pe e -Haup s aße, wodu ch lediglich 25 G ad Ve se zung zu No d-Süd-Achse geblieben wä en. Solch eine Aus ich ung jedoch hä e innenliegende und äuße e Baukö pe an de S i nsei e und an de Hin e sei e zu Folge gehab und den ö en lichen Raum in de Mi e e unmöglich , zu dem sich die ie Bau en hinwenden und de gleichzei ig die Haup s aße des Bezi ks mi dem Pa k e binde . Hä en die A chi ek en die Blöcke und die allgemeine Geome ie de Siedlung an den Sei eng enzen ausge ich e , hä e man die Te assen nu au eine Sei e, nämlich de südös lichen, anlegen können, um die meis en Wohnungen angemessen zu besonnen. Eine solche En - scheidung, wie sie ü Alexand a Road ode das P ojek Du an on Le Co busie in Algie ge o en wu de, hä e den Wohnungen zwa eine gu e Sonneneins ahlung e möglich , aus u bane Sich jedoch ungebüh lich ha e Fassaden ü den Raum in de Mi e und die da an ang enzenden Wohn ü me gescha en. Die Tie e des G unds ücks, seine Aus ich ung nach de Sonne und die u bane Ve bindungsachse zwischen S aße und Pa k, welche die We kg uppe p io isie e, wu den in keine di ek en, sonde n eine Komp omisslösung au geg i en, die Komplexi ä e möglich und iele Vo eile bie e : Die Ve se zung des Ras e s und die ie Blöcke da au eilen den Raum in de Mi e in zwei Einhei en. Zwa sind die Blöcke heu e in Fo m eines Z mi einande e bunden, doch sah de u sp üng- liche En wu eine kollek i genu z e S uk u als Ve bindungselemen zwischen beiden Räumen o , und die beiden länglichen „Ausspa un- gen“ in de Pla o m als o ene Räume, die de en Eigenscha als un e bau e ö en liche Raum be on hä en. [4] Die Duali ä des eien Raumes au dem G unds ück – aus äuße e Beg ünung an seinen Sei en und e höh em Pla z in de Mi e – lös sich au . Diese Gewinn an äumliche Komplexi ä b ing isuelle Ö nungen und Zwischenzugänge ein, wäh end die umgebenden Gä en e wei e we den, wodu ch meh Raum o den außen lie- genden Wohnungen geö ne wi d. Du ch die D ehung sind die nach Südos en ausge ich e en Wohnungen gu besonn . Jene in den Obe - [4] S eixne /Welzig 2020, 177. JUAN CASCALES BARRIO 113 geschossen bie en wegen des Wellenp o ils und de e se z en Ku- ba u en Aussich au die Na u , wäh end No dwes -Wohnungen ih e nied ige e Sonnens undenzahl mi einem di ek en Ausblick au den Schloßbe g und das S ad zen um we machen (1). Die En scheidung ü den S ando wu de du ch die Höhen und die Kuba u de Bau en e leich e . Die ie un e en Geschosse bilden den Kö pe de Bau en und sind übe einande ges apel . Sie haben wei läu ige Te assen übe den Übe dachungen de un e en Geschos- se. Nach außen hin bilden die un e en Te assen in diesen Abschni - en die G enze zum Pa kpla z, wodu ch die Ve bindung zwischen den einzelnen Baukö pe n und den umgebenden Gä en höhe we ige wi d (2). Die P lanzen in den T ögen an den Rände n de Te assen bilden in de wä me en Jah eszei einen dich en Sich schu z ü die Te assen und den Ho . T o z de 20Me e Nu zb ei e des Ho es üg sich diese „p lanzliche Wasse all“ gu in den Raum ein und e dop- pel so op isch den Abs and zwischen den S i nsei en des Baus in den obe en Geschossen, die ih e sei s übe die Längssei e ein ge- s u es, welliges P o il annehmen. Die im Südos en des Ho es gelegenen Wohnungen sind nich sym- me isch zu den ihnen gegenübe liegenden, sonde n um 180 G ad e d eh und im P o il angepass . Nu das Haus33 am nö dlichen EINHEIT UND KOMPLEXITÄT (1) Einbe ung de Te assenhaus- siedlung in die S ad G az, Skizze, 2021 1) Schlossbe g 2) Pe e sgasse 3) S . Pe e S ad iedho 4) Plüddemanngasse 5) S .-Pe e -Haup s aße 6) Eus acchio-G ünde 7) S .-Pe e -P a weg 114 Schei elpunk de Siedlung is e was höhe und somi gleich hoch wie die am Nachba g unds ück s ehenden Hochhäuse , ohne Scha - en au den Ho zu we en, wobei o z de kü ze en Länge die gleiche Anzahl an Wohnungen wie in den ande en Häuse n e eich wi d. Ein langlebiges T agwe k De wich igs e Bei ag de Te assenhaussiedlung zu Baukul u is , wie die A chi ek en selbs be onen, ih S a ikkonzep . [5] Das Sich - be on agwe k beinhal e das E schließungssys em mi g öße en Spannwei en als üblich, mi ü eine lange Nu zungsdaue güns igen B ei en und Dicken. Die Obsoleszenz bei ge inge e Lebensdaue on Abdeckungen, Teilungen, Ins alla ionen und Ve kleidungen au g und des echnologischen Fo sch i s ode on Ve ände ungen des Wohn- aums e gib eine Umse zung, die sich leich ückgängig machen, ab- bauen und neu de inie en läss . Mi ih em Ve such, die Quali ä seinbußen de En wü e de 50e Jah e umzukeh en, eiz e die We kg uppe die Gese zesände ung zu E hö- hung de Maximal lächen im sozialen Wohnbau gänzlich aus. Im Jah 1968 wu de das Wohnbau ö de ungsgese z e abschiede , das eine Anhebung de Nu z lächen de Wohnbau en in Abhängigkei on de Anzahl de Bewohne :innen e möglich e: 50 Quad a me e ü eine Pe son plus 20 Quad a me e p o zusä zliche Pe son, mi einem Ma- ximum on 130 Quad a me e n, wobei Familien mi meh als ie Kin- de n auch bis zu 150 Quad a me e ge ö de bekamen. [6] De u bane [5] Vgl. G oss 2012. [6] Vgl. Nog asek 2001, 51. JUAN CASCALES BARRIO (2) We kg uppe G az, Te assen- haussiedlung, Haus 35, e ikale Schni axonome ie 115 und de poli isch-kul u elle Kon ex wu den übe einande geleg , so- dass das P ojek auch sozial und s ad plane isch eine E ungenscha da s ell . Mindes ens ün e schiedene Wohnungskonzep e in e - schiedenen Va ian en sind e ügba und s ehen ü die Zusammen- a bei mi den Bewohne :innen, die die Indi idualisie ung noch wei- e eiben kann. Üb igens wa die E ö nung eines Be a ungsbü os zu diesem Zweck ein wich ige Teil des Expe imen s. [7] In diesem Sinne is de S a us de Wohnungen als Eigen umswohnungen wesen lich – sowohl ü die P ojek ziele als auch ü den gu en E hal ungszus and. Zusä zlich zu den allgemeinen Anlagen – Ga age, Gemeinscha s- ho , Gä en und soziales Zen um – gib es eine zwei e Kommuni- ka ionsebene: Jedes Gebäude e üg übe eine g oßzügige Fuß- gänge b ücke übe die gesam e Gebäudelänge im 4. Geschoss, die die E schließungske ne de T eppen und Li e mi einande e binde , wodu ch wei läu ige übe dach e Gemeinscha s äume an den Enden ausgebilde wu den. In den Un e geschossen be inden sich in eine Be onwanne, u sp ünglich als S ahlenschu z äume geplan , Club-, We ks a - und Depo äume. Die e ikalen E schließungske ne bie en Zugang zu du chschni lich 35 Wohnungen: zwischen 20 und 53. Von den 130 Wohnungen eines jeden Blocks sind on de Fußgänge ebene des 4. Geschosses aus nu jeweils 4 ode 6 zugänglich, de Res wi d in kleinen G uppen on 2 bis 6 p o Geschoss e schlossen, wodu ch un e schiedliche G ade de Geselligkei zwischen den Wohnungen und in de Siedlung selbs e eich we den, de en Gemeinscha s äume sich abges u zu S ad hin ö nen. Im Gegensa z zum einzigen e ikalen E schließungske n de Uni és d‚Habi a ion Le Co busie s legen die äuße en E schließungske ne kleine Gemeinscha en an, be onen die Du chlässigkei und agen die E ah ung des Ö en lichen as bis an die Wohnungs ü en. Ei- nem Clus e gleich e mi eln die Fußgänge b ücken zwischen de Gemeinscha lichkei des Ho es und den e ikalen E schließungske - nen, die die Bewohne :innen nach Blöcken agglome ie en: Sie können sich im 4. Geschoss an den S i nsei en jedes Baublocks e en, wo sich ein zum spä e en Ausbau gedach e Raum, de Allgemein läche, be inde . Die Fußgänge b ücke im 4. Geschoss wi d somi edundan . Die wenigen Wohnungen an de Fußgänge b ücke – en wo en ü jene, die zusä zlich zu de p i a en Te asse au de einen Sei e noch eine, wenn auch gemeinscha lich genu z e, zum Ho hin b auchen – sind gu equen ie , abe auch häuslich, wie das au den S aßen in [7] Vgl. Gu mann/Kaise /HDA 2013, 107–109. EINHEIT UND KOMPLEXITÄT 116 ländlichen Gebie en de Fall is . [8] Die Ve bindung ungie als S aße in den Lü en, is sie doch b ei genug und in mi le e Höhe liegend wie ein Balkon, on dem aus man in die da un e liegenden Gä en de Te - assenwohnungen und in die Loggien de da übe liegenden Geschos- se Einsich ha . Jede Block ha nu eine solche Fußgänge b ücke, was ih e A ak i i ä na ü lich e höh , auch, weil die Bewohne :innen einen ande en Zugang zu ih en Wohnungen wählen können. Diejenigen, die in die Eingangsbe eiche in de Mi e wollen, b auchen nich übe den Ho zu gehen, sonde n können die äuße en E schließungske ne und die Fußgänge b ücke wählen. Das üh zu höhe en Wegzei en, bie e jedoch auch meh Zei ü Begegnungen. Diese Bewegungs eihei e leih dem Wohnen am Ho und au de Fußgänge b ücke auch Quali ä , weil diese nich meh unbeding begangen we den müssen, und bie e un e schiedliche Fußwegal e na i en. Die Fußgänge b ücke spiel auch eine wesen liche Rolle ü das Plas ische und Typologische de Siedlung, indem sie den Wandel in Typologie und Fo m zwischen den un e en und obe en Geschossen ma kie und mi dem Höhenmus e b ich – soll heißen, eine Ve se - zung um ein halbes Geschoss in den obe en Geschossen e möglich . Die Kon inui ä de un e en Geschosse, die sich alle um 3,10Me e übe lage n, wi d ab diesem Punk geb ochen. Das nächs e, übe den e ikalen E schließungske n e eichba e Geschoss is 4,57 Me e en e n und e zeug so Si ua ionen wie jene an de gemeinscha lich genu z en S i nsei e de Fußgänge b ücke ode wie die Wohnungen des TypsH, die on den E schließungske nen zugänglich sind, im Ta- gesbe eich – mi Zugang zu eine g oßen Te asse – eineinhalb Höhen messen und im Nach be eich einen halben S ock übe de gemein- scha lichen Fußgänge ebene liegen. Die Ve se zung de Bodenpla - e des 4. S ocks e möglich den TypE, de , eine ähnlichen E schlie- ßungslogik wie in den un e en Geschossen olgend, dieses Meh an Höhe wegen eine T eppe in de Nachba wohnung benö ig , um ein Esszimme mi hohen Fens e n auszubilden (2, 3, 4). Wäh end die Fußgänge ebene also einen kla en Schni zwischen oben und un en bilde , üh en die ungewöhnlichen e ikalen E - schließungske ne zu eine F agmen ie ung des Blocks in e schiede- ne Baueinhei en, was Du chlässigkei ga an ie : Die zen alen Modu- le eichen übe ie Spannwei en – 28Me e –, gleichzei ig nehmen die Enden die Häl e da on ein und be onen ih e B ei e in de äu- ße en Spannwei e. De Bau bes eh o mal aus meh e en e ikalen [8] De ein Jah zehn zu o on Eugenio Fuselli und Luigi Ca lo Dane i in Genua e bau e Wohnkomplex Biscione e üg ebenso übe eine e- dundan e Fußgänge ebene, weil in de le z en Phase des P ojek s Li - e in alle e ikalen E schließungske ne eingezogen wu den. Da es an de Fußgänge ebene jedoch keine Wohnungen gab und die Anwohne - scha on en sp echende Bescha enhei wa , wu de sie zu Nu z- losigkei e damm . JUAN CASCALES BARRIO 123 Schluss olge ung Ein En wu en s eh nich aus eine Idee ode einem Konzep , dem die üb igen En scheidungen und Lösungen un e wo en we den – im Gegen eil: Das We k is das E gebnis eines Fo mgebungs- und Kon i- gu a ionsp ozesses, in den ökologische, u bane, landscha liche, p o- g amma ische und echnologische Übe legungen gleiche maßen ein ließen. Jedes P oblem und jedes E o de nis b ingen K i e ien, Regeln und Konzep e mi sich, die wäh end des A chi ek u en wu s- p ozesses eingea bei e we den und neue En wu slösungen b au- chen. De Mangel an Aussich und Besonnung de Wohnungen in den un- e en Geschossen wi d du ch mögliche E wei e ungen nach außen we gemach . Sie schöp en die Nähe zum Ho aus und diese bezieh sie als e i able P lanz öge ein, die ih e Landscha quali a i au we - en, und sie b echen mi de Ebene de Mak oblöcke und we den on den Fußgänge ebenen bek ön , die wie Balkone Geselligkei ö de n. Die Wiede holung eines einzigen En wu s ü den E schließungske n und das Ras e aus S ahlbe on äge n b ingen O dnung in das ausge- eil e Spiel mi o - und zu ückweichenden Kuba u en und mi Loggien und Ausspa ungen alle A , die aus den au onomen Tü men selbs he o gehen. Zu diesem Spiel äg auch die halbgeschossige Ve se - zung bei, ebenso die Posi ionie ung de Ins alla ionsschäch e an den Symme ieachsen, die Mul iplika ion un e schiedliche Wohnungs- konzep e, das Bemühen um doppel e Aus ich ung und die Nu zung des G oß eils de Däche als Pen houses, die das P o il mi P lanzen e schöne n. Pa adoxe weise kam die du ch die ökologische Konzep ualisie ung e lang e Komplexi ä – wobei Ökologie im mul iplen Sinne als S ad -, Umwel - und Sozialökologie zu e s ehen is – de Te assenhaus- siedlung selbs nich zugu e, was ih e in e na ionale Au me ksamkei be i . Die Anlage expe imen ie mi de Bese zung s äd ische B a- chen, die schwe wiede e we ba sind; sie un e s ü z eine dich e S ad , jedoch mi Räumen de F eihei ü ih e Indi iduen, die eine di e se und du chgemisch e Nachba scha ö de n. De exzessi e Einsa z on Be on wi d du ch die Beg ünung de Umgebung aus- balancie , ohne dass man die Bes ändigkei des Gebäudes aus den Augen e lie ; das Üb ige kann sich an neue Ums ände und neue Zei en anpassen. Die ku zlebigen Elemen e – die leich en Fassaden, Tischle a bei en, Gelände , Decken und Bodenbeläge – we den eine igo osen und besch änk en Pale e an Ma e ialien un e wo en. Bei alle op ischen Leich igkei is de Komplex umwel eundlich und keineswegs mono on; das lieg an de So g al und dem Maßs ab, mi dem au allen Ebenen gea bei e wu de: o ge e ig e P lanz ö- ge in den A ien, ü g oße Las en ausgeleg e Bodenpla en, die Ab s u ung des Un e geschosses zu Angleichung de Höhen, die EINHEIT UND KOMPLEXITÄT 124 Di e enzie ung de Höhen de Wohnbau en on jene de Ga age, die leich e Anhebung de Wohnungen des 1. Geschosses übe den Ho und die Ö nung des Raumes ü die dicken T äge des Baus, die ih e - sei s Ve ie ungen ü Wasse becken und Bäume au weisen. De Weg, de du ch Expe imen e wie dieses eigemach wu de, schei e e nich an mangelndem In e esse ode zu iel Anpassung an die u bane Wohnbaupoli ik. Die Ölk ise on 1973 e se z e de Wi - scha einen konjunk u ellen Schlag und bedeu e e aus heu ige Pe s- pek i e den Beginn des Abbaus des Wohl ah ss aa es und seine Sozialpoli ik. De Weg all de kommunis ischen Ge ah und die engen Ma gen des Wi scha swachs ums in einem Szena io e schiedene p oduzie ende Regionen im wel wei en We bewe b üh en zu eine Rezession und zu meh Kon olle des Immobiliensek o s du ch den Ma k . Die Te assenhaussiedlung S . Pe e is ein ep äsen a i es Beispiel ü die Baukul u ih e Zei . Sie eil mi ande en zei genössischen Bau en – die g öße e Au me ksamkei e uh en ode wenige Glück ha en – iele heo e ische Ansä ze des Faches, welche die K ise de 68e -Gene a ion o wegnahmen, und a de un e lek ie en Mecha- nisie ung im Wohnbau jene Zei en gegen. De in zahl eichen Dimensionen s uk u alis ische Bau be ass e sich mi de quali a i en Au we ung des Wohn aumes au allen Ebenen: on de u ban-landscha lichen bis zu häuslichen. E e lieh einem hoch spezialisie en und unkon en ionellen S ahlbe onskele Fo m, ließ jedoch auch Spiel äume und Übe dimensionie ungen ü e - schiedene und e ände liche Wohnbaukon igu a ionen zu. JUAN CASCALES BARRIO 125 Bibliog a ie G oss, Eugen: Wie beein luss e de S uk u alismus die G aze Schule de A chi- ek u ?, in: Wagne , Anselm und Sena clens de G ancy, An je (Hg.): Was bleib on de „G aze Schule“? A chi ek u -U opien sei den 1960e n e isi ed (a chi ek- u + analyse Bd. 1), Be lin 2012, 214–225, online: h ps://www.ga .s /en/news/ wie-beein luss e-de -s uk u alismus-die-g aze -schule-de -a chi ek u ? (Zug i am 02.04.2021) Gu mann, E a/Kaise , Gab iele/HDA (Hg.): We kg uppe G az 1959–1989. A - chi ec u e a he Tu n o La e Mode nism, Zü ich 2013 Hu nagl, Vik o : S äd isches Wohnen, in: Bau o um 1 (1967), 18–25 Koolhaas, Rem/Mau, B uce: S, M, L, XL, New Yo k 1995 Molle up, Jens: Te assehusbebyggelse i G az-S . Pe e , in: A ki ek en 20 (1978), 462–466 Nog asek, Ma lies: Wohnwe . We u eile im Ve gleich an ausgewähl en Wohnan- lagen in G az. Diss. TU G az 2001, Band 1, online: h ps:// p. ug az.a /pub/landsa- ing/hong_kong/diss/cd_gesam .pd (Zug i am 15.10.2021) S eixne , Ge ha d/Welzig, Ma ia (Hg.): Luxus ü alle. Meilens eine im eu opäi- schen Te assenwohnbau, Basel 2020 Abbildungsnachweis Cascales Ba io, Juan: 3, 4, 5, 6 González Sainz, Blanca: 1 Velasco Ace al, Ja ie : 2 Übe se zung aus dem Spanischen on Sebas ian Landschbaue -Sche und Ma io Wagne ; Übe a bei ung on Ma ia Nie oll EINHEIT UND KOMPLEXITÄT