Petra Ježková/Jitka Ludvová (Hgg.): Correspondenz Stiepanek. Kancelář Stavovského divadla v Praze 1800–1850 / Die Kanzlei des Ständetheaters in Prag 1800–1850. Praha: Institut umění – Divadelní ústav, 2023, 434 Seiten und 39 Abbildungen.
Abstract
171
Full text
Pe a Ježko á/Ji ka Lud o á (Hgg.): Co espondenz S iepanek.
Kancelář S a o ského di adla P aze 1800–1850 / Die Kanzlei des
S ände hea e s in P ag 1800–1850. P aha: Ins i u umění– Di adelní
ús a , 2023, 434 Sei en und 39 Abbildungen.
S e en Höhne– Hochschule ü Musik Weima /F ied ich-Schille -
Uni e si ä Jena
De o liegende Band in schechische und deu sche Sp ache e sammel ca. 100
Dokumen e, die zwischen 1801 und 1838 an S iepanek ge ich e wa en. E gänz wi d
e um eine biog aphische S udie on Pe a Ježko á (So als wenn es sich nich um den
Beg ünde des schechischen Thea e s handel e, 187–203), eine Un e suchung zu de
Ko espondenz on Dalibo Tu eček (B ie e an Johann Nepomuk S iepanek– Fak en,
F agen und Möglichkei en, 205–222) und einen Bei ag on Ji ka Lud o á zu Nachlass-
geschich e, in de die En s ehungen de Sammlungen on Edmund Schebek und F i z
Donebaue sowie die Auk ionen in Be lin 1908 und P ag 1915 achkundig ekons uie
we den (Geschich e eine Sammlung, 223–236). Neben Abbildungen um ass de Band
ein Quellen- und Li e a u e zeichnis, ein alphabe isch angeo dne es Ve zeichnis
de Absende nebs einem ch onologischen Ve zeichnis de Dokumen e, e ne eine
Zusammen assung in deu sche und englische Sp ache und ein Pe sonen e zeich-
nis. Die g öß en eils au Deu sch e ass en Dokumen e wu den on Václa Maidl
ins Tschechische übe agen, die beiden au F anzösisch e ass en B ie e ha Jiří
Pelan übe se z .
De lange dekanonisie e Jan Nepomuk S iepanek bzw. Š ěpánek ück ak uell
als Beg ünde des schechischen Thea e s in P ag zunehmend in das In e esse de
Fo schung. S iepanek wa Thea e o ganisa o und -di ek o , Übe se ze , Lib e -
is , Jou nalis , Au o iele e olg eiche Thea e s ücke. Von ihm e ass ode ins
Tschechische übe se z wu den übe 130 D amen sowie wei e e Lib e i. Allein das
hie p äsen ie e Kon olu mag e deu lichen, welche Bedeu ung bei de En s e-
hung eines schechischen Thea e s ihm zukam. En sp echend bekann und geach e
wa e zu Lebzei en. 1817 wu de e zum Eh enbü ge P ags e nann , auch au g und
seines wohl ä igen Engagemen s. De Philan h op S iepanek wi k e zwischen 1818
und 1834 in insgesam 11 Wohl ä igkei s- und Kul u e einen und nu z e auch Thea-
e e ans al ungen ü wohl ä ige Zwecke, was bspw. Danksch eiben on An on
Isido Lobkowicz belegen (S. 311 .). So wa S iepanek ab 1818 Ko -Di ek o de P age
Humani ä s ‑P i a gesellscha und bei de Wi wen‑ und Waisen ‑Ve so gungsans al ü
gewe b üh ende Bü ge , ab 1820 Ko -Di ek o des P age Waisenhaues, wi k e im Vo -
s and des P age Taubs ummenins i u s, wu de 1824 Eh enmi glied in de Gesell‑
scha des a e ländischen Museums in Böhmen und 1830 Vo s andsmi glied im Ve ein
zu Be ö de ung de Ki chenmusik. Von 1824 bis 1834 lei e e e zusammen mi Joseph
Kainz und Fe dinand Polawsky das P age S ände hea e . In seine Thea e ä igkei
sah sich S iepanek zwa dem Un e hal ungsbedü nis des Publikums e p lich e , e
ug mi seinen His o iend amen abe – so Tu eček– maßgeblich zu He ausbildung
eines schechischen Geschich sbewuss seins und zu G undlegung des schechischen
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Thea e s bei. „Ohne seinen Ein luss sind die Tä igkei on Tyl nach 1840 und die En -
wicklung des schechischen Liebhabe - und spä e semip o essionellen Thea e s in
P ag kaum o s ellba .“ (S. 211)
Die Nich e länge ung des Ve ags du ch den zus ändigen Landesausschuss
bzw. S iepaneks Nich be ücksich igung als Di ek o ab 1834 beg ünde Ježko á mi
inanziellen Übe legungen. Dem Landesausschuss sei da an gelegen gewesen, einen
Päch e mi aus eichenden inanziellen Mi eln zu gewinnen, da man nich be ei
wa , die Bühne wei e zu bezuschussen (S. 203). Neue Di ek o wu de Johann Augus
S öge , dem S iepanek alle dings wei e hin in de Adminis a ion des Thea e s zu
Ve ügung s and.
Es geh mi dem Band somi auch um die Eh en e ung eines Küns le s, de sich
ge ade nich den Pa adigmen de na ionalen Wiede gebu zuo dnen ließ– so wie
z. B. Václa Klimen Klicpe a als P o o yp eines pa io ischen Küns le s (S. 211)– und
de im sogenann en P osodie -S ei eben au de alschen Sei e s and, sonde n de
ein Ve e e des ühen Landespa io ismus wa . Von diesem Pa io ismus zeugen
S iepaneks Mi gliedscha in de Böhmisch -Mäh isch -Schlesischen Legion on E z-
he zog Ka l im Jah 1801 (S. 188 und Abb. 3, S. 173) zu Zei de napoleonischen K iege,
abe auch die K iegsliede ü die Ve eidigung de böhmischen Lände , 1809 e ö en lich .
Bei de Sammlung de Dokumen e handel es sich, da au weis Dalibo Tu eček,
um ein To so, das wohl nie komple ekons uie we den wi d (S. 205). Ausgehend
on de Tex so e B ie als Sp echak und Teil eines Dialogs bzw. als Kuns we k
eigene A läss sich seine Hil e o allem das Sozialsys em Thea e im Vo mä z
als eine om Adel ge agene, abe auch om Bü ge um un e s ü z e Ins i u ion e -
s ehen. Die B ie e behandeln neben F agen de O ganisa ion zu Thea e o allem
Pe sonalia. Emp ehlungen ü Küns le inde man neben Angebo en ü Engagemen s
und S ücke, Manusk ip e we den eingesand , Sänge und Schauspiele s ellen sich
ü . Die Tex e e lauben somi Rückschlüsse au F agen des Repe oi es bzw. auch
de Spielplanges al ung. Be üh we den inanzielle Aspek e, abe auch F agen de
Zensu und des U hebe ech s bzw. des Raubd ucks. De Sch i s elle Hans Geo g
Lo z wende sich am 28. No embe 1828 an die Di ek ion des P age Thea e s, habe
e doch e ah en, dass „mein Melod am Die Schleichhändle o au ih e Bühne ge-
geben. Das eue mich nu seh , abe es eue mich du chaus nich , dass ich da ü
kein Hono a e hal en habe.“ (S. 320) Ene gische agie Ca l Ma ia on Webe , de
gleich säm liche Thea e ansch eib :
Rundsch eiben an säm liche Bühnen
Da auße in F ank eich und England das geis ige Eigen um noch au keine Weise
gänzlich o äube ischen An ällen gesiche is , diebische Kopis en und gewissen-
lose Musikhändle abe […] selbs Bühnen om e s en Rang du ch ih Zud ängen
e lei e haben, sich meine We ke au un ech mäßigem Wege zu e scha en, so
sehe ich mich genö ig , die Maß egel zu e g ei en, Sie mi Gegenwä igem zu be-
läs igen, indem ich mi die Eh e gebe, Ihnen anzuzeigen, dass die on mi zunächs
ü London komponie e Ope Obe on, du ch eine e liche deu sche Bea bei ung
des He n Ho a Winkle [Theodo Hell] zu Au üh ung in Deu schland o -
be ei e , nu unmi elba on mi selbs au ech mäßige Weise e hal en we den
könne. (S. 360)
173REZENSIONEN
Und schließlich inden auch die Thea e k i ik und das Publikums e hal en Ein-
gang in die Ko espondenz. Thea e k i ik wi d on Wol gang Adol Ge le hema isie ,
de am 3. Janua 1832 an S iepanek übe bösa ige Ve isse seine eigen lich e olg-
eichen S ücke du ch Adol Mülle in de Bohemia be ich e :
abe ich habe zu o die E ah ung gemach , dass de Dich e , de e was gegen
seinen Rezensen en sch eib , diesem e s die Wa e gegen sich in die Hand gib , da
das Publikum imme dem Ge adel en un ech gib , zumal, wenn e Emp indlichkei
da übe zeig . (S. 283)
Was den Publikumszusp uch angeh , so e äh man o allem übe P obleme de
Häuse in Wien. F anz Rudol Baye be ich e am 22. Mai 1827 an S iepanek übe
mangelnde Thea e besuche in Wien:
Dabei sind die Thea e on eine schaue ha en Lee . Höchs ens ein Gas , de um
de Ve gleichung willen, einen Zusp uch he bei üh . Au Isido und Olga (das
mi jede Zensu eihei hie gegeben wu de) das zwei e Mal das Haus– lee . Die
i alienische Ope und das Balle – wie ausge eg – Ku z, man da ja den P age n
keinen Vo wu übe Launigkei des Thea e besuches machen– wenn man die
Wiene Thea e gesehen ha . (S. 248 .)
Und Fe dinand Polawsky, de on 1803 bis 1806 am S ände hea e in P ag Ensemble-
mi glied wa , be ich e am 3. Janua 1813, eben alls aus Wien:
In das Kä ne hea e geh kein Mensch. Manchmal is die Thea e loge die ein-
zige, wo in man Menschen sieh . Wede [Ma ianne] Ma coni noch die neue Ope
De Be gs u z können das Haus üllen, die Ma coni ha nu zweimal den Tamino
gesungen, weil keine ande e Ope da is und De Be gs u z zu e ns ha . (S. 333 .)
O enba kann nu Spek akel die Häuse üllen, wie Polawsky, de spä e das P age
Haus mi S iepanek lei en soll e, im Wei e en Johann Ca l Liebich zu be ich en weiß:
Da gehen die Leu e liebe in Z ini [Theodo Kö ne : Z iny. T aue spiel in 5 Au zügen]
im Kos üme, was in de A alles übe i , was ich bis je z gesehen habe, und die
le z e Deko a ion o züglich en schädig die Wiene ü die Menge Jamben, die
sie haben zu sich nehmen müssen eichlich, auch können sie es kaum e wa en,
bis die E a Z iny au de Maue die Fackel in den Pul e u m schleude . Hie
leis e die Maschine ie alles, was nu die s engs e Fo de ung e sinnen kann. De
Tu m bi s , die Kuppel lieg in hunde S ücken in die Höhe. Die E a mi ih em
Ge olge wi d in die Höhe gehoben, und dann sieh man eine Minu e nich s als
einen schwa zen Damp , du ch den ein glühendes Feue b ich . In dem nämlichen
Augenblick geschieh un en de Aus all Ju ani schs mi de Fahne an de Spi ze,
hin e ihm Z iny. Jene äll zue s , om Feue de Tü ken, dann Z iny, dann die
ganze Scha , die Tü ken s ü men übe sie übe die Zugb ücke, und we den do
on dem he um liegenden b ennenden Gebälk und dem Feue , was ihnen en gegen
lamm , zu ückgewiesen. (S. 334)
174 BRÜCKEN 31/1
Als wei e es P oblem ge ade ü die Ho hea e we den die Somme mona e e -
kann , de en Minus in den Win e mona en nich ausgeglichen we den kann (S. 334).
Die Dokumen e e lauben somi Einblicke in ein Thea e , das nich ö en lich budge ie
wi d und das sich le z lich komme ziell behaup en muss, was na ü lich auch ü die
Küns le gil , wie z. B. aus einen Sch eiben Johann Augus S öge s an S iepanek 1824
e sich lich wi d (S. 354). Ve einzel e An agen be e en da übe hinaus Angelegen-
hei en auße halb de Bühne. So bi e beispielsweise An on Johann G oß -Ho inge
am 10.5.1834 S iepanek um Ma e ial ü seine geplan e Geschich e zu JosephII., die
1835 un e dem Ti el Lebens‑ und Regie ungsgeschich e Joseph des Zwei en und Gemälde
seine Zei in S u ga e schien.
Abschließend be ach e läss sich sagen, dass ungeach e des F agmen a ischen
diese Sammlung, es ehlen die B ie e on S iepanek selbs , mi diese Dokumen-
a ion eine wich ige Lücke zu ühen Geschich e des P age Thea e s geschlossen
wi d. Wich ige Aspek e des Repe oi es wie de Spielplanges al ung, abe auch die
soziale Funk ion und Posi ion de Ins i u ion nebs den ökonomischen De e minan en
we den deu lich. Gleiches gil ü die soziale S ellung de Ak eu e, insbesonde e de
Schauspiele und Sänge , de en Agie en in ielen de Dokumen e deu lich wi d. Die
wei e e wissenscha liche Beschä igung mi dem P age S ände hea e im Vo mä z
wi d diese Dokumen a ion keines alls auße Ach lassen dü en.
Lucie Me hau o á/Václa Pe bok/Michal Topo (Hgg.): Emil Saudek
(1876–1941). Ein Übe se ze und Kul u e mi le zwischen Me opole
und P o inz (= In ellek uelles P ag im 19. und 20. Jah hunde , Bd. 21).
Wien, Köln: Böhlau, 2022, 384 Sei en und 17 Abbildungen.
S e an Simonek– Ins i u ü Slawis ik, Uni e si ä Wien
De hie besp ochene, um assende und opulen ausges a e e Sammelband s ell in
summa den höchs ambi ionie en wie gelungenen Ve such da , mi Emil Saudek
einen de wich igs en, heu e eilich eilweise in Ve gessenhei ge a enen Ve mi -
le zwischen schechische und deu schsp achige Kul u im b ei e en Kon ex de
Mode ne wiede s ä ke ins Bewuss sein zu u en. Einen p oba en Eins ieg in diese
Themens ellung bie e Lucie Me hau o ás g oß angeleg e Ein üh ungsbei ag zu
Saudek und de Ve mi lung schechische Li e a u im Wien de Jah hunde wende.
Me hau o á posi ionie Saudek hie zunächs schlüssig au dem mul ilingualen kul-
u ellen Feld Wiens, das on de Ve asse in im Rückg i au ezen e me hodologische
Posi ionen als „Übe se zungszone“ konzep ualisie wi d und au dem Saudek o dem
Hin e g und kul u elle Asymme ien zwischen schechische und deu schsp achige
Kul u en sp echend agie e. Me hau o á be on in diesem Kon ex den p inzipiell
kul u poli ischen Ak jegliche Übe se zung, de imme einen ein äs he ischen Be-
eich übe sch ei e und gezwungen is , sich au dem umkämp en Feld de Kul u