Erlebte Literatur mit mitteleuropäischen Begegnungen. Trinationaler Workshop Mitteleuropa im Werk von Jaroslav Rudiš in Ústi nad Labem (30. 11.–02. 12. 2023)
Abstract
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Full text
E leb e Li e a u mi mi eleu opäischen
Begegnungen. T ina ionale Wo kshop
Mi eleu opa im We k on Ja osla Rudiš
in Ús i nad Labem (30.11.–02.12.2023)
Julie Adam– Philosophische Fakul ä , Jan E angelis a Pu kyně
Uni e si ä , Ús í nad Labem
Vom 30. No embe bis zum 2. Dezembe and an de Philosophischen Fakul ä de
Jan -E angelis a -Pu kyně -Uni e si ä in Ús í nad Labem (Aussig) ein ina ionale
Wo kshop s a , de den We ken on Ja osla Rudiš gewidme wa . Thema des Wo k-
shops wa Mi eleu opa in den We ken des iel ach ausgezeichne en Au o s, de sich
sowohl im schechischen als auch im deu schsp achigen Li e a u be ieb e ablie
ha . Mi eleu opäisch wa en auch die Teilnehme . Es wa en übe 30 S udie ende
on d ei e schiedenen Uni e si ä en aus d ei Lände n. Von de Hochschule ü
Musik in Weima bzw. de F ied ich -Schille -Uni e si ä Jena kamen S udie ende
un e de Lei ung on p o .D .S e en Höhne. Eine wei e e G uppe, die nach Ús i
gekommen wa , wa en S udie ende de Adam -Mickiewi cz -Uni e si ä in Poznań
un e de Lei ung on p o .D .S ephan Wol ing. Und als Gas gebe s ell en sich die
S udie enden de Jan -E angelis a -Pu kyně -Uni e si ä in Ús í nad Labem zusammen
mi p o .D .Rena a Co nejo und Julie Adam,M.A. o . Die Ve ans al ung wu de om
DAAD und om Deu sch -Tschechischen Zukun s onds un e s ü z .
Im Mi elpunk des Wo kshops s anden d ei We ke on Ja osla Rudiš: die G aphic
No el Alois Nebel (2003, 2006, 2008, au Deu sch 2012), de Roman Win e be gs le z e
Reise (2019) und das D ama Anschluss (2021). De Wo kshop begann am Donne s ag mi
Alois Nebel. Nachdem alle Teilnehme in de Philosophischen Fakul ä einge o en wa-
en, wu den sie on de Gas gebe in Rena a Co nejo he zlich beg üß . Ja osla Rudiš
schloss sich de Beg üßung an und gab eine kleine Ein üh ung in den Film Alois Nebel
(2011), de den e s en P og ammpunk da s ell e. Nach de Film o üh ung olg e ein
kleine Spazie gang übe den ela i neu e ich e en Campus de Uni e si ä Aussig,
de dann au de ande en Sei e de Elbe im Činohe ní S udio in Ús í nad Labem en-
de e, wo die Teilnehme des Wo kshops den e s en Abend gemeinsam e b ach en.
Do wu de die schechische Übe se zung on Rudiš’ Geb auchsanweisung ü s
Zug eisen (au Tschechisch: Ná od na použi í železnice, übe se z on Michaela Škul-
é y) Laby in h 2023) gelesen. Rudiš a zusammen mi dem Musike Jiří Imlau au ,
de den Abend mi ak uellen Liede n beglei e e. Das Gesp äch mi Rudiš üh e sein
Ve lege aus dem Ve lag Laby in , Joachim D ořák. Die Lesung zeig e, dass Rudiš in
de Tschechischen Republik ein belieb e Au o is , denn die Ve ans al ung wa aus-
e kau . Rudiš zeig e sich auch on eine ande en Sei e, denn am Ende wag e e es,
zusammen mi Jiří Imlau einige Liede zu singen. Wäh end de Lesung e such e
Rudiš auch die nich schechisch sp echenden Teilnehme des Wo kshops einzubin-
den, indem e einige Teile auch au Deu sch o las bzw. selbs aus dem Tschechischen
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übe se z e. Diese lebendige Meh sp achigkei wa auch ü den ande en Teil des Pu-
blikums spannend, da Rudiš‘ A ini ä zum Deu schen auch bei seine schechischen
Lese scha bekann is .
Am F ei ag wa e e ein lange und in ensi e Tag au die Teilnehme . Nach de
Vo s ellung ging es los mi den e s en Re e a en zu Rudiš’ Tex en. Die Ein üh ung
übe nahm S e en Höhne, de un e ande em ak uelle li e a ische We ke o s ell e,
in denen das Thema Ve eibung bea bei e wi d. De e s e Tex , mi dem sich de
Wo kshop beschä ig e, wa Alois Nebel, wozu auch die P ojek ion am Vo ag als Vo be-
ei ung dien e. Die S uden en aus Weima und Jena widme en sich den Un e schieden
zwischen eine G aphic No el und einem Comic sowie den einzelnen hema ischen
und mo i ischen Aspek en de G aphic No el Alois Nebel, die Rudiš zusammen mi
dem Zeichne Ja omí 99 schu . Die S uden en zeig e auch den O , an dem sich die
Handlung diese No elle abspiel , Jeseníky– das G enzgebie zwischen de sche-
chischen und de polnischen G enze. Besch ieben wu den auch die E eignisse de
Ve eibung de Deu schen aus diesen Gebie en am Beispiel diese G aphic No el. Die
Vo agenden e klä en, dass diese E eignisse, die Nebel selbs mi e leb ha , zum
Auslöse seine Nebele scheinungen wu den.
Nach den Vo ägen kam als e s e Gas Ja omi 99, de Zeichne on u.a. Alois
Nebel. Rudiš ha e u sp ünglich geplan , die Handlung im Jize ské ho y [Ise gebi ge]
s a inden zu lassen, alle dings kann e Ja omí nu Jeseníky [Al a e gebi ge]. Da
die Handlung on Alois Nebel übe all in den G enzgebie en de Tschechischen Repu-
blik, also im ehemaligen Sude enland, spielen könn e, da die Geschich e diese O e
e gleichba e Geschich en und Schicksale beinhal e , en schied man sich ü das
Al a e gebi ge. Das Gesp äch zwischen Ja omí 99 und Ja osla Rudiš s ieß bei den
S udie enden au g oße Resonanz. Vo allem diejenigen, die sich in ih en Re e a en
mi de G aphic No el beschä ig ha en, s ell en den beiden Küns le n iele F agen.
Eine S uden in be ich e e, dass sie selbs e such habe, mi de Ro oskopie -Technik
zu a bei en und dies als seh ans engend und mühsam emp and, was wiede um
Ja omí 99 seh beeind uck e, dass sich übe haup jemand mi diese Technik be-
schä ig e. Dami wa das Gesp äch da übe e ö ne , wie au wendig Illus a ionen
an einem Film seien und dass beispielsweise auch die Kos en deu lich höhe wa en
als u sp ünglich e anschlag .
De Nachmi ag begann mi den Re e a en de S uden en aus Ús í, die sich mi dem
D ama Anschluss beschä ig ha en. Hie wu de konk e de his o ische Hin e g und
des Schaupla zes hema isie . Das D ama Anschluss spiel in eine Bahnho skneipe
au einem e lassenen Bahnho im E zgebi ge. Diese O be inde sich nich nu
an de G enze zwischen Böhmen und Sachen, die G enze e läu mi en du ch die
Kneipe, e is auch, wie bei Alois Nebel, ein Raum des ehemaligen Sude enlandes und
e weis au das jah hunde elange Zusammenleben on Tschechen und Deu schen
in diese Region. Die S uden en konn en diesen his o ischen Hin e g und, de den
Raum in gewisse Weise bis heu e p äg , mi Bezug au das D ama kon ex ualisie en
sowie die Symbolik und Cha ak e is ik de Figu en he ausabei en.
Im Anschluss olg e ein Gesp äch mi de D ama u gin des S aa sschauspiels in
D esden, wo das D ama Anschluss nich nu u au ge üh , sonde n als Au agswe k
e geben wo den wa . Im Gesp äch mi Ja osla Rudiš e läu e e sie die Zusammena -
bei zwischen Au o und D ama u gie und be ich e e übe die D esdne Inszenie ung,
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die im Juni 2021 P emie e ha e. Hi zu wu den Ausschni e aus den Au zeichnungen
de Inszenie ung gezeig . Anschließend and eine Diskussion mi allen Be eilig en
s a . In de anschließenden Diskussion wu de deu lich, wie un e schiedliche Ideen
bzw. In e p e a ionsansä ze de S uden en und de D ama u gin dennoch mi einan-
de ko espondie en. Auch Ja osla Rudiš wa an manchen S ellen übe asch , wie
man bes imm e Si ua ionen ode Handlungen in e p e ie en konn e.
Es olg en die Re e a e de S uden en de Adam -Mickiewicz -Uni e si ä in Poznań,
die sich mi Rudiš’ Roman Win e be gs le z e Reise beschä ig ha en. Die Ein üh ung
e olg e du ch S ephan Wol ing. Anschließend wu den alle Teilnehme du ch ein
Spiel in die P äsen a ion in eg ie . Als Obe beg i wu de das Thema Einsamkei als
zen ales Suje des Romans o ges ell und die Teilnehme spiele isch dazu geb ach ,
sich mi den e schiedenen Sich weisen und Aspek en on Einsamkei auseinande -
zuse zen. Diese Weg eine emo ionalen Annähe ung an ein li e a isches We k e wies
sich als seh in e essan und inspi a i . Fe ne schloss sich eine sp achliche Analyse
einige Tex passagen aus Win e be gs le z e Reise an.
Mi Win e be gs le z e Reise ging es dann am Sams ag au einen Aus lug nach Libe ec
[Reichenbe g], ein O , zu dem Rudiš einen besonde en pe sönlichen Bezug besi z ,
da e do sein S udium de Geschich e und Ge manis ik absol ie ha e. Auch seine
Gebu ss ad Lomnice nad Popelkou lieg nich wei en e n . Und nich zule z is
Libe ec Schaupla z einige seine Romane. Zum e s en Mal üh e Rudiš seine Lese
im Roman G andho el (2006) nach Libe ec, danach komm Wenzel Win e be g, die
Ti el igu on Win e be gs le z e Reise, nach Libe ec. In diesem Roman spielen zwei
O e in de S ad eine zen ale Rolle. Zum einen das K ema o ium, das Wenzel Win e -
be g als Feue halle bezeichne , eines de e s en K ema o ien in de ös e eichischen
Mona chie übe haup . Vo de Reichenbe ge Feue halle des A chi ek en Rudol
Bi zan las Ja osla Rudiš einschlägige Passagen aus dem Roman. Hie an schloss sich
ein Spazie gang übe den ie e schnei en Reichenbe ge F iedho an. Ein wei e e
O des Romans is de Ra skelle , de sich un e dem Reichenbe ge Ra haus be inde ,
wo angesich s de win e lichen Bedingungen de Aus lug ende e und es gu pass e,
Rudiš’ Tex bei einem Glas Bie zu hö en.
De Aus lug s and un e dem Mo o ‚e leb e Li e a u ‘, was schon mi de Bahn ah
on Ús í nach Libe ec seh gu zu Rudiš’ We k pass e. Abe was die A mosphä e des
Romans Win e be gs le z e Reise wi klich gu un e mal e, wa das We e . An diesem
Sams ag schnei e es und Libe ec lag im Nebel. Am Ende sind wi im Schneeges öbe
zum Bahnho gelau en. So konn e man die Li e a u wi klich am eigenen Leib spü-
en. Ein gelungene Abschluss des Wo kshops wa ein gemü liche Abend mi allen
Teilnehme n, bei dem Ja osla Rudiš ku z aus seinem neues en Buch Weihnach en in
P ag o las.
Im Wo kshop wu de die Viel äl igkei des Scha ens on Ja osla Rudiš deu lich.
Die S uden en (und auch die Leh enden) bekamen du ch das bun e P og amm nich
nu einen Übe blick übe einen zei genössischen Au o , sonde n auch da übe , was
Li e a u alles kann. Dabei ging es nich nu um die un e schiedlichen Gen es, die
Ja osla Rudiš umspann , sonde n auch um die A und Weise, wie Li e a u e -
mi el we den kann. Zue s wa es eine Ve ilmung, dann konn e man einen Au o
bei eine ö en lichen Lesung e leben. also wie e eigen lich on seinem Publikum
wah genommen we den möch e. Hinzu komm die wissenscha liche Pe spek i e.
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Es zeig e sich deu lich, dass jede de d ei S uden eng uppen ein ande es Fach s u-
die . Die Weima e S uden en, die sich mi Alois Nebel beschä ig en, be ach e en ihn
aus de kul u wissenscha lichen Pe spek i e de zukün igen Kul u e mi le und
Kul u manage . Bei de Aussige G uppe wa de Fokus ehe li e a u wissenscha -
lich und bei den polnischen S udie enden s anden die in e ak i en und sp achlichen
Me kmale des Romans Win e be gs le z e Reise im Mi elpunk de P äsen a ionen, da
sie sich in ih em S udium in ensi mi in e kul u elle Kommunika ion bzw. Lingu-
is ik beschä igen.
Be ei s wäh end des Semes e s be ei e en sich die S udie enden au den Wo k-
shop o . Sie beschä ig en sich nich nu in ensi mi einem We k on Ja osla Rudiš,
sonde n le n en auch alle ande en We ke im Vo eld in den Semina en an ih en Hei-
ma uni e si ä en kennen. Dies ha e zu Folge, dass die Diskussionen im Anschluss
an die einzelnen Vo äge seh lebha und an egend wa en.
Die Besch eibung des P og amms mag den Eind uck e wecken, dass das Thema
Mi eleu opa e was un e gegangen is , abe das Gegen eil wa de Fall. Es wu den
o allem hema ische Übe schneidungen zwischen den d ei behandel en Tex en on
Rudiš he ausgea bei e . Eines diese Themen is de Beg i de G enze, die in de
einen ode ande en Weise in allen d ei We ken eine Rolle spiel . Dami e bunden is
das G enzgebie als Raum des ehemaligen Sude enlandes, das s a k on de gemein-
samen Geschich e on Deu schen und Tschechen (und auch Polen) gep äg is . Dieses
u sp üngliche Zusammenleben wä e ohne ak i e Meh sp achigkei nich möglich
gewesen. Dies zeig e sich auch im Wo kshop. Die T ina ionali ä de Teilehme ha
sich als seh p oduk i e wiesen und üh e auch zu Momen en, in denen in allen d ei
Sp achen de Teilnehme (also Deu sch, Tschechisch und Polnisch) kommunizie
wu de. Manche Dialoge wechsel en ließend zwischen diesen d ei Sp achen. Dies
kann man als Beleg ü den mi eleu opäischen Raum als einem anskul u ellen
meh sp achigen Raum nehmen, in dem Deu sch eine dominan e Rolle spiel e. All dies
ug dazu bei, dass die gemeinsame Zei in eine seh an egenden und angenehmen
eundscha lichen A mosphä e e lie . Das Thema des Semina s and sowohl bei den
S uden en als auch bei den Leh enden und Gäs en sowie beim Ja osla Rudiš selbs
g oßen Anklang und wa ü alle seh be eiche nd. De Wo kshop ha zumindes
zeigen können, welche K a Li e a u besi zen und en al en kann, eben nich nu
zum Nachdenken anzu egen, sonde n auch e binden zu können.