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Alexander Gottlieb Baumgartens Ästhetik und die Desastres de la Guerra des Francisco de Goya: ein beitrag zu einer Ästhetik des Schattens

Hennrich, Dirk Michael

Abstract

Als ein Beitrag zu einer Ästhetik des Schattens deutet der vorliegende Artikel auf die Verwandtschaft zwischen dem ästhetischen Schatten bei Alexander G. Baumgarten und den Gravuren von Francisco de Goya. Der Schatten zeigt sich dabei, nach einer kurzen Einführung in den Begriff, als der grundlegende Modus der Darstellung und der Möglichkeit der Erkenntnis im Allgemeinen. Ohne den Schatten, als das Dritte zwischen Licht und Finsternis, ist weder die Vernunft noch die Unvernunft einsehbar. Auch diese Einsicht gehört in die Epoche der Aufklärung.

Full text

ALEXANDER GOTTLIEB BAUMGARTENS ÄSTHETIK UND DIE DESASTRES DE LA GUERRA DES FRANCISCO DE GOYA EIN BEITRAG ZU EINER ÄSTHETIK DES SCHATTENS Di k Michael Henn ich (CFUL/FCG) Dem Male Bodo Ro gewidme . De Scha en ha einen schlech en Ru und we ihn in seine Rede ein üh , we e nich sel en ab. In diesem Fall bedeu e de Scha en dann einen Mangel an Lich , eine nach eilige Ve dunkelung dessen, was eigen lich einsehba is und sich ba sein könn e. We einen Scha en ha , is nich kla bei Sinnen, e üg nich übe das Lich , das die Ve nun im Allgemeinen auszeichne . De Scha en als Me aphe s eh de Lich me aphe diame al gegenübe und e gänz ein wei e b ei e es U eil übe die Fins e nis. Doch Lich und Fins e nis umsch eiben ak isch nu den An ang de Leh e om Sein, in de das Sein und das Nich s zugleich als lee e, ganz abs ak e Bezeichnungen genommen we den müssen, die e s in Abhängigkei oneinande , in ih e Zusammen üh ung und in ih e Unge enn hei das We den e möglichen, es in seine o lau enden Bewegung on En s ehen und Ve gehen als eigen lichen An ang behaup en. In Hinblick au den Scha en zeig sich somi , dass diese eben dieses Unge enn e is , Lich und Fins e nis e s in ih e je eigene Wi klichkei se z und in on ologische Hinsich den S ellenwe des We dens und des Daseins annimm . 1 1 C . G. W. F. Hegel, Wissenscha de Logik I, We ke 5, F ank u a. Main: Suh kamp Ve lag, 19964, pp. 82-114. „Abe man s ell sich wohl das Sein o – e wa un e dem Bilde des einen Lich s, als die Kla hei unge üb en Sehens, das Nich s abe als eine Nach – und knüp ih en Un e schied an diese wohlbekann e sinnliche Ve schiedenhei . In de Ta abe , wenn man auch dies Sehen sich genaue Philosophica, 44, Lisboa, 2014, pp. 93-106. 94 Di k Michael Henn ich Diese no wendige Bes immung äll abe imme wiede in eine gewohn e Abwe ung des Scha ens und de Fins e nis zu ück, wobei de Scha en als das Unwah e, die Lüge, de T ug, ku z als ein Phänomen beu eil wi d, au das sich die Sinne nich e lassen können. De Scha en, de au ausgezeichne e Weise ein E was is , das zugleich is und nich is , beun uhig das nach kla e Einsich s ebende E kenn nis e mögen eines Lebewesens, das seine gesam e Exis enz imme meh au sein Seho gan aus ich e . Im Gegensa z zu den Nach ie en, wie e wa dem Wol ode de Flede maus, die den Ge uch- ode Gehö sinn im Mi elpunk ih e Exis enz o inden, is de Mensch ein Tag ie und as öllig an seine Augen gebunden. De Scha en, de zwa sich ba , abe auch un assba , hal los und ä selha is , muss dahe als Vo bo e de Fins e nis unheimlich e scheinen. Die Idee de Ve nun , als das eine Lich , s eh im Gegensa z zum Scha en un e dem Eind uck de Möglichkei eine di ek en Ablich ung des Gegens andes, de Möglichkei de ollkommenen Spiegelung de Wi klichkei und eine dami e bundenen chi u gischen E kenn nisk a . Das Lich e möglich das genaue Sezie en de Dinge, das on eine Ka alogisie ung de Me kmale beglei e wi d und ein lückenha es Wissen übe das Ding gewäh leis en soll. Mi dem Scha en abe komm e was zu dem Ding, ode geh e was on dem Ding aus, das nich sezie we den kann. Jedes Ding wi seinen Scha en und jede Scha en e ä das Ding, das ihn wi , ohne sich je selbs zu e a en. De Scha en e olg und hin e geh die Dinge, on denen e ausgeh , lau los und ohne eine Spu zu hin e lassen. Doch de Scha en is nich die Dunkelhei sowenig wie das Rä sel e was ollkommen Ve bo genes is . Das Rä sel e schlüssel e was so wie ein Scha en das Ding, on dem e s amm . Das Rä sel e schlüssel abe nich nu , sonde n se z auch zugleich eine Ke e on F agen und Deu ungen ei. We o einem Rä sel s eh , e such es du ch eine möglichs iel äl ige Umsch eibung einzuk eisen und au zulösen und wi d so om Rä sel selbs in das O enen ges oßen. En gegen de Ansich , dass das Rä sel opak is , muss ihm selbs eine besonde e S ahlk a zugesp ochen we den. Es kann dahe als ein o s ell , so kann man leich gewah we den, dass man in de absolu en Kla hei so iel und sowenig sieh als in de absolu en Fins e nis, dass das eine Sehen so gu als das ande e, eines Sehen, sehen on Nich s is . Reines Lich und eine Fins e nis sind zwei Lee en, welche dasselbe sind. E s in dem bes imm en Lich e – und das Lich wi d du ch die Fins e nis bes imm –, also im ge üb en Lich e, ebenso e s in de bes imm en Fins e nis – und die Fins e nis wi d du ch das Lich bes imm –, in de e hell en Fins e nis kann e was un e schieden we den, weil e s das ge üb e Lich und die e hell e Fins e nis den Un e schied an ihnen selbs haben und dami bes imm es Sein, Dasein sind.” p. 96. Baumga ens Äs he ik und die Desas es de la gue a 95 dunkles Lich bezeichne we den, so wie auch de Scha en als ein dunkles Lich beg i en we den muss. De an die helle Wand gewo ene Scha en eines Dinges is ohne die Kenn nis des Dinges nich imme au dieses zu ück üh ba , zeig e was ande es als de Gegens and, on dem e ausgeh . Ganz kla wi d dies im Scha enspiel, das wi mi den Finge und Händen ollziehen können, wobei aus den nahezu undeu ba en Ges en de Hand eine Vielzahl on Figu en und Tie en im Scha enwu en sp ingen. Die Scha en e zählen ande e Geschich en als die Dinge on denen sie ausgehen. Die E zählung de Dinge is gegens ändlich, kla und deu lich und in e s e Linie p ädika i . Sie e zählen sich du ch eine o lau ende Nennung ih e Me kmale. Die Kla hei und Deu lichkei de Dinge is jedoch eine Einbildung de Augen und nu die Augen sehen deu lich, wenn sie ih en maximalen physikalischen Möglichkei en en sp echend sehen. In diesem Sinn sind die Augen lediglich die Vo bilde mechanische Okula e, die eben alls alles kla und deu lich sehen und soga meh sehen können als das bloße Auge. Doch das Auge is wede eine came a obscu a noch ein Fo oappa a . Wäh end diese nu das Lich benö ig , um die Dinge und Menschen als Scha en ih e selbs zu ep oduzie en, nimm das Auge auch die Scha en au , um nich allein om Lich geblende zu sein, um die Dinge in ih e Vieldeu igkei zu e kennen. In de Wah nehmung geh es nie ein ach um eine eine Rep oduk ion und Abspeiche ung des Sich ba en, sonde n um das Auslegen und Bedeu en dessen, was nich di ek einsehba is . Un e scheide man zum Beispiel zwischen einem Ding, dem Wo ü ein Ding und de Bedeu ung on einem Ding, so is de Scha en auch als das D i e, nich di ek Einsehba e, zwischen dem Ding und dem Wo zu e s ehen. De Scha en zeig das Ding nich di ek an, spiegel es nich ab, ebenso wie die Bedeu ung den Gegens and nich kla und deu lich abbilde . Die Bedeu ung eines Dinges is dessen Scha en und dami seine Ve ze ung, denn wä e sie gleich dem Ding, wü den sie nich s bedeu en und noch wenige e klä en. Nu die Scha en e mögen e was zu e zählen, das du ch ih e Ve ze ung übe die Kla hei und Deu lichkei de Dinge hinausgeh . De Scha en e länge die Dinge und deu e sie dami in eine no wendigen Weise. Die Dinge, im s eilen Lich de Mi agssonne, in eine winkellosen Beleuch ung, zeigen in diesem Sinne nich was sie sind, sonde n nu wie sie sind und es is dabei imme no wendig, zwischen de no wendigen und de deu lichen Weise de E zählung zu un e scheiden. Das Deu liche is nich zugleich das No wendige ode das Aus eichende, denn ein oll ausgeleuch e es Objek ohne e ek i en Scha enwu , wi doch imme noch das Unsich ba e mi in die Wah nehmung des Be ach e s und, so gesehen, is de Scha en nich nu ein ach de physikalisch sich ba e Scha en, 96 Di k Michael Henn ich sonde n auch de ‚Scha en’ den unse Deu ungs e mögen an dem gedeu e en Ding e kenn , wenn es dieses umk eis . Pla on, de als eine de e s en die Scha en philosophisch e u eil ha und die Epoche de Ve nun und des Lich s einläu e , zeig sich im Gesich des Sok a es als ein wah e Sophis . In seinem be ühm en Höhlengleichnis besch eib e die Wah nehmung des Menschen mi de Wah nehmung ge essel e Höhlenbewohne . Seinem U eil nach sind diejenigen, die den Dingen ih e ganze Au me ksamkei schenken, wie Ge angene in eine Höhle, denen die an die Höhlenwand gewo enen Scha en de Dinge als die wah en Dinge o kommen. Das Höhlengleichnis is eine sophis ische Wah nehmungs heo ie weil sie he o isch e blende . Die Scha en in Pla ons Höhle sind nich die Dinge, abe die Dinge sind auch nich die Scha en de Ideen. Es is ehe so, dass die Ideen die Scha en de Dinge sind. Die Dinge nämlich we en ih e Ideen in die Wel wie Scha en und die Ideen ände n ih e Rich ung mi dem Lich , das wi au sie we en. Die Ideen sind nich auße halb ode obe halb de Wel , sonde n o unse en Füssen und au dem Weg, den wi besch ei en. Wi übe gehen ode e en die Ideen mi unse en Füssen doch nu die Me hoden, die ak isch begangenen Wege, üh en uns zu de en sp echenden Ansich und Au nahme de Ideen. Wi e olgen die Ideen und die Ideen olgen uns au Sch i und T i . De Scha en gehö nie den Dingen, sonde n die Dinge gehö en den Scha en und dies kann auch so be on we den: Von den E zählungen de Scha en kommen wi au ein Meh als das Ding, das sich o nehmlich selbs besch eib und edundan is . Dieses Meh is nich im Ding selbs , sonde n in seinem Scha en eingelage . Edmund Husse ls Beg i de Abscha ung is hie klä end, auch wenn na ü lich zwischen dem Scha en und dem phänomenologischen Beg i de Abscha ung un e schieden we den muss. Die o lau ende Abscha ung eines Gegens andes be i die pa ielle, o lau end syn he isie ende Wah nehmung eines Gegens andes. Wäh end eine Ansich eingenommen wi d, we den ande e Ansich en abgescha e und doch e gib sich ge ade dadu ch die einzige Gesam wah nehmung des Gegens andes, des Dinges, ohne dieses in seine Gesam hei je wah nehmen zu können. Das Ganze is die U opie und nu die Ve bindung de Scha en gib eine Andeu ung dessen, was das Ganze is . In diesem Sinne zeig sich de Scha en als de einzige Hinweis au das Ganze und das Ganze als die Idee ode die U opie de Dinge. Kein Ding is ohne Scha en ode meh noch, nich s is ohne Scha en. Nu das Nich s is ohne Scha en und die On ologie als die Leh e om Sein des Seienden komm in de F age nach dem G und des Seins, das eben nich Nich s is , unweige lich in den Be eich, in dem allein die Scha en den Übe gang om Nich s zum Sein und om Sein zum Nich s bedeu en.. Auch de Mensch is nich s ohne sein Baumga ens Äs he ik und die Desas es de la gue a 97 Scha en und doch gehö de Scha en ihm nich . De Mensch beach e wie auch das Tie no male weise seinen Scha en nich und is , wenn e seinen Scha en une wa e e blick , e sch eck . E inne n wi uns an den Momen , in dem wi nach s e äum eine S aße en langlau en, die in g oßen Abs änden on La e nen beleuch e wi d. Wi gehen im Dunkeln und plö zlich e schein uns ein Scha en, de unse eigene Scha en is . Diese auch in unmi elba e Nähe au als ein Ande e und als e was, das unse en Kö pe e olg und uns di ek zu bed ohen schein . De Sch ecken, de sich dann in de E ah ung de Scha en, als Teil unse e eigenen Auss ahlung, au lös , weck doch nich ein ach eine neue Gewohnhei , sonde n die E ah ung des Rä sels. Das Rä sel is siche imme zunächs das Ve wickel e, das Uneinsehba e im Sich ba en, so wie die ielen Äs e eines Ges üpps, de Ve lau des Fadens in einem Kno en ode deu liche noch und bekann e die uneinsehba e Ve wand scha und de e bo gene Ve weis zwischen e schiedenen scheinba un e bindlichen Wo en ode Bilde n. Die Be ach ung de Scha en is , wie zu o angedeu e , nich nu ein e s e Sch i zu Beach ung des Rä selha en de Dinge, sonde n auch de Bedeu ung de Dinge an sich. Vo nehmlich beach e de Mensch die Dinge als ein Gegens and und als ein Wide s and ü die Sinne, als Geb auchsgegens and, de nü zlich ode ein Hinde nis is , das übe wunden we den muss. Ande e sei s abe is es so, zumindes in philosophische Hinsich , dass man den Dingen meh Beach ung schenk , wenn man sie nich di ek beach e ohne sie dabei zugleich zu missach en. Physikalisch be ach e , is de Scha en de dunkle Ho de Dinge, wenn diese on eine Lich quelle angeleuch e we den. Im di ek en Gegensa z zu Lich quelle und ge enn om Ding is de Scha en ein und zeichne die Kon u en des Dinges nach. Doch an seinen Rände n se z sich das Zwielich in den Raum ab und e ze die Rände des Scha ens. So läss sich auch die Bedeu ung ode die Idee de Dinge umsch eiben. Im ha en Lich de Ve nun sehen wi die Kon u en kla , doch sie e mangeln dann auch ih e ä selha en Auswei ungen. Du ch den Sche enschni , de die Physiognomie de Pe son im ha en Hell-Dunkel-Kon as und im P o il wiede gib , wi d de Ve lus an Bedeu ung e klä ba . Im Sche enschni ode Scha en iss e kennen wi die Pe son, e wa Goe he, und e kennen dann ielleich auch mi C. G. La a e sein Genie, seine bedeu same S i n, seine klassische Nase, sein männliches Kinn ode seine leich geö ne en sensiblen Lippen. Abe dies sind allgemeine Ablei ungen on allgemeinen Regeln eine physiognomischen Leh e, die an sich be ei s höchs zwei elha is . Mi dem Scha en iss im Lich eine Ke ze und mi hil e eine en sp echenden Appa a u , e lie sich zwa nich die Iden i ä de Pe son, abe doch ih e Pe sönlichkei , die Au a ielmeh und die allein zwischen Lich und Fins e nis au schimme nden Möglichkei en. Die Silhoue e gib sich als 98 Di k Michael Henn ich schwa ze Kopie eine bes imm en Pe spek i e des Dinges und in diesem Fall eines Gesich s: Sie bilde e was ab. De Scha en abe is kein Abbild, sonde n eine Ve ze ung ode meh noch eine Ve schiebung de Bedeu ung des Gegens andes. E s im Zwielich , im gegen- und ü einande on Lich und Dunkel e ö ne sich de Raum ü Assozia ionen. Im Sche enschni , de mi dem Scha en iss e wi klich wi d, geh das Zwielich e lo en, e lie sich das Gesich , das wie eine Landscha du ch die ielen Scha en, die sie wi , e s an S immung gewinn . Im Scha en iss wi d lediglich de dunkle Ho des Dinges um issen und nachgezeichne , abe dami auch zugleich ge essel und einge o en in de Dunkelhei . De Scha en wi d selbs zum Ding und zum We kzeug, wi d zum Gegens and und e lie seine Rä selha igkei , sein zwielich iges Wesen. Dami zeig sich e neu , dass die Bedeu ung wede im Dunkel noch im Lich lieg , dass es imme doch de Scha en und das Zwielich sind, die den Raum ü Deu ungen e ö nen. De Mensch, de an sich selbs kein Gegens and is , sonde n wie jedes Lebewesen als Bedeu ung, als ein Signi ika , bezeichne we den muss, is o allem ein Scha enwesen und wede im Lich noch im Dunkel zuhause. E is wie auch de Scha en wede Wo noch Gegens and, sonde n ein Beg i . De Mensch is ein Ho izon und ein Zwischenwesen und die Bezeichnungen Scha en (umb a) und Ho izon (con inium) liegen dich beieinande . Wie auch de Ho izon is de Scha en eine Ö nung hin zu einem Unbekann en. De Scha en und de Ho izon sind die Schwellen zu einem ande en Sinn und somi zugleich Sinne wei e ungen und Sinn e lage ungen des Vo handenen und Beg ei ba en. Auch de Scha en is wie de Ho izon o handen abe nich g ei ba . Beide sind keine Dinge. Im Hinblick au Alexande G. Baumga en is nun beme kenswe , dass e dem Scha en eine ausgleichende Funk ion zusch eib . Bei Baumga en, dessen Aus üh ungen sich o allem on de Dich ungs heo ie und on de an iken Rhe o ik speisen, igu ie de Scha en als Ausgleich und als Modus, um de No wendigkei en sp echend zwischen Lich und Fins e nis zu g aduie en. Wede das ollkommene Lich , noch die öllige Fins e nis üh en zu eine en sp echenden äs he ischen E kenn nis. Es geh Baumga en um die „RECHTE UND BEHUTSAME EINTEILUNG DES LICHTES UND DES SCHATTENS” bei no wendige Ausklamme ung de Fins e nis. 2 Die Ein üh ung des Scha ens zu Dämmung des Lich s e zeug das Schimme n, „das na ü liche Schimme n des Ganzen”. 3 Das Ganze abe 2 Alexande Go lieb Baumga en, Äs he ik, Bd. 2, Hambu g: Felix Meine Ve lag, 2007, § 666, p. 661. 3 Ibid., § 667, p. 661. Baumga ens Äs he ik und die Desas es de la gue a 99 kann nich da ges ell we den, und leuch e auch nich im hellen Lich , sonde n schimme als ein Angedeu e es. Es is das Ganze, die Idee, die einmal benann ze spli e n wü de und ze spli e n muss, denn sie muss sich, wie schon Wal e Benjamin deu lich gemach ha , jedem es en Zug i en ziehen. 4 Dabei is es auch hil eich au den Beg i de ‚Lich ung’ bei Heidegge zu e weisen, die eben alls als ein solche O des Schimme ns o zus ellen is . Die Lich ung, im Sinne Heidegge s, is kein O im ha en Lich de Sonne, is kein Punk im Nich s beleuch e du ch den Lich kegel eines Scheinwe e s. Heidegge deu e den Scha en ebenso posi i und sch eib dahe im Zusa z 13 on Die Zei des Wel bildes: „Das all ägliche Meinen sieh im Scha en lediglich das Fehlen des Lich es, wenn nich ga seine Ve neinung. In Wah hei abe is de Scha en die o enba e, jedoch undu chd ingliche Bezeugung des e bo genen Leuch ens. Nach diesem Beg i des Scha ens e ah en wi das Unbe echenba e als jenes, was, de Vo s ellung en zogen, doch im Seienden o enkundig is und das e bo gene Sein anzeig .” 5 O ensich lich geh es schon Baumga en nich ein ach um den schönen Glanz, um das Glänzen de Dinge, sonde n um das Schöne e s anden als das Wah e, als die Helle, die nich blende , sonde n leuch e . Schimme n und Leuch en sind synonym, kaum g aduell un e schieden und en e n on de Blendung des di ek en Lich s. Au die Lich ung allen die Scha en de Bäume, de en S ämme selbs im Dunkeln s ehen und de en Wu zeln in die dunkle E de g ei en. Auch de Mensch s eh im Dunkeln, doch seine Sinne sind wie Scha en, die au die Lich ung allen. De Mensch s eh am Rand de Wah hei , de Lich ung, und kann an ih eilnehmen, weil seine Sinne wie die Scha en de Bäume ausg ei en, ohne sich aus dem G und zu eißen, in die sie unweige lich e p lanz sind. Die angewand e Äs he ik is nach alledem, im Sinne Baumga ens, die Kuns de Abscha ung und des Scha ens. Die Äs he ik als die Leh e om sinnlichen Ve nehmen is an e s e S elle die Leh e om ech en Geb auch de Scha en. Obwohl sich Baumga en nun o nehmlich an de Dich ung o ien ie , is die Male ei, und hie im o liegenden Fall die Radie ung, ein anschauliche es Beispiel ü die Leh e om äs he ischen Scha en. Das Schimme n is ein Bekenn nis zum Scha en und e was schimme , wenn es mi einem Scha en bedeck is . Es gib eine e ymologische Nähe zwischen dem Schimme n, dem Scha en und de Zei de Dämme ung, wenn die Scha en am deu lichs en sind, wenn die 4 Wal e Benjamin, U sp ung des deu schen T aue spiels, F ank u a. Main: Suh kamp Ve lag, 19967, pp. 16-17. 5 Ma in Heidegge , Holzwege, F ank u a. Main: Vi o io Klos e mann, 19806, p. 110. 100 Di k Michael Henn ich Spannung zwischen Hell und Dunkel am deu lichs en he o i . Auch de Schein ha seine Ve wand scha mi dem Scha en und da hie ebenso wie diese nich in seine nega i en Ausdeu ung beg i en we den. E s die E kenn nis des Scheinba en, des Wah scheinlichen, abe nich des O ensich lichen, b ing uns in die Nähe zu Wah hei , dem O enen. Siche is diese Äs he ik ein Ausd uck de abendländischen Kul u , ein Zeichen des Abendlandes, das sich in eine langen T adi ion om Scha en speis . Die Epoche Baumga ens is die Epoche de Silhoue e, des Scha en isses und de g oßen Mode des Sche enschni es, des ku iosen Spiels mi dem Lich und de Fins e nis im Zei al e de Au klä ung. 6 In den Aqua in a Radie ungen „Desas es de la Gue a” on F ancisco de Goya, de nu um eine Gene a ion jünge is als Baumga en, leuch e die Leh e om äs he ischen Scha en deu lich au . Goya is ein Meis e de Silhoue e und de Scha en üh ung und nich ande s als du ch den ech en Geb auch de Scha en läss sich das G auen des K ieges zeigen. Baumga en e äh nu in den le z en d ei Pa ag a en des Abschni s XL de Äs he ik deu liche übe die Male ei, doch dies genüg um de en Bedeu samkei ü die Leh e om äs he ischen Scha en he o zuheben. Baumga en sch eib dahe : „Diese ech e Ein eilung des Lich es und des Scha ens is keine de an änglichs en und ein achs en Kuns g i e, wie sie es auch in de Male ei nich wa , und daß sie es nich is , wi d bis heu e du ch ägliche Beweise da ge an.” 7 „Wie iel sehen die Male im Scha en und in dem du ch Lich He o gehobenen, was wi nich sehen!” 8 , sch eib Baumga en und diese Aussage läss sich e end au die Radie ungen on Goya anwenden. Im Fall on Goya und seinen „Desas es de la Gue a” muss jedoch noch ein Zusa z gemach we den. Wäh end Baumga en be on , dass de ech e Scha en das Lich s mäßig und so zugleich den Gegens and de Be ach ung du ch das Schimme n in die Wah hei ück , e äh Goya in diese Weise insbesonde e mi de Fins e nis. Goya gib de Fins e nis du ch den ech en Geb auch de Scha en ih Gesich und s ell sich in die Lich ung. Baumga en o mulie sechs G undsä ze ü eine Äs he ik des Scha ens, die de Deu lichkei halbe hie ange üh we den müssen. Von diesen ausgehend is dann eine leich e E wei e ung de selben no wendig, wobei e such wi d, die G undsä ze in ih e je eigenen Aussage zu e klä en, auch wenn eine solche Bes immung kaum möglich is . Die 6 C . Vic o S oichi a, A sho His o y o he Shadow, London: Reak ion Books, 1997, pp. 153-185. 7 Baumga en, op. ci . § 685, p. 681. 8 Ibid., § 687, p. 683. Baumga ens Äs he ik und die Desas es de la gue a 101 G undsä ze, die Baumga en au s ell , sind nich scha oneinande ge enn und übe decken sich zuweilen s a k: 1) „Dinge, welche die abge unde e Kü ze wede zu e hellen noch gänzlich zu ückzuweisen e laub , müssen in Scha en gehüll we den.” (§ 657, p. 647.) 2) „Dinge, die e glichen mi den üb igen Teilen de schönen Übe legung nich on so g oße Bedeu ung sind, daß die gleich ö mige Denkungsa sich mi ih e E hellung au hal en könn e, wenngleich sie au g und ih e Wü de nich gemeinsam mi den Lappalien ausgelassen we den können, müssen in Scha en gehüll we den […]”. (§ 658, p. 649.) 3) „Dinge, welche die in äs he ische Weise genaue Wah hei zu übe gehen e hinde , die abe zugleich o allem die mo alische Wah hei zu e hellen e bie e , sollen in Scha en gehüll we den.” (§ 659, p. 649.) 4) „Dinge, die zu so iel Lich ähig sind, daß, wenn sie in ollem Lich e s ahlen, be ü ch e we den muß, daß sie die g öß e Faßlichkei des Ganzen, zu dem sie gehö en, no wendige weise e hinde n, bis diese das Lich jene besieg haben wi d, sollen in Scha en gehüll we den.” (§ 660, p. 651.) 5) „Dinge, on denen du, wenn sie e wa kla e o ges ell we den, a gwöhnen mags , daß sie zu Hinde nissen de Übe edung on dem we den, was zu e eichen du dich bemühs , die du jedoch nich gänzlich übe gehen kanns , sollen in Scha en gehüll we den.” (§ 661, p. 653.) 6) „Dinge, die ganz und ga nich ausgelassen we den dü en, on denen du abe dennoch e wa en muß , daß sie nich die Gemü sbewegung, die du beabsich igs , ode abe eine gänzlich en gegengese z e e wecken we den, sollen in Scha en gehüll we den.” (§ 662, p. 655.) Diese G undsä ze können am Beispiel einzelne Radie ungen Goyas e läu e we den. So läss sich e wa zeigen wie Goya ein K iegsgeschehen o in meh e en Ebenen da s ell und die im Vo de g und im Hellen gezeig en Handlungen im Hin e g und du ch scha enha e Geschehnisse e s ä k . Zum e s en G undsa z Baumga ens läss sich die Radie ung „Y son ie as” an üh en, die den Wide s and de spanischen F auen gegen die Besa ze zeig . Die Haup igu is eine F au, die un e ih em linken A m ih en Säugling umklamme , wäh end sie mi dem ech en einen langen Spee mi olle K a in die Lenden eines sich windenden