Zeitauffasung und figurenidentität im "Daniel von dem Blühenden Tal und Gauriel von Muntabel"
Full text
Facul ade de Filoloxía
Depa amen o de Filoloxía Alemana
Zei au asung und Figu eniden i ä im Daniel on dem
Blühenden Tal und Gau iel on Mun abel
Dª Almudena O e o Villena
TESE DE DOUTORAMENTO
2005
2
Inhal s e zeichnis
I Vo ausse zungen................................................................................................................ 4
1 Iden i ä skonzep ionen im Mi elal e : Das P oblem de Indi iduali ä ............... 5
2 Die ik ionale Iden i ä .................................................................................................. 11
3 Die mi elal e liche Zei o s ellung............................................................................ 15
4 Die ik ionale Zei .......................................................................................................... 19
II Die Iden i ä sda s ellung des Helden im Iwein.............................................................. 23
III Zei und Iden i ä in S icke s Daniel on dem Blühenden Tal
1 De S icke : Eine Vo s ellung.................................................................................. 43
2 Die Modi ika ion de Iden i ä sda s ellung des Helden im Daniel ...................... 46
2.1 In e ex uelle Bezüge zwischen Daniel und Rolandslied (Ka l).................... 46
2.1.1 Die Rolle de Gesellscha .............................................................................. 47
2.1.2 Das Mo i des Zo ns....................................................................................... 49
2.2 In e ex uelle Bezüge zwischen Daniel und Iwein......................................... 52
2.2.1 Die Zei .............................................................................................................. 52
2.2.2 Episoden: Die Ve ände ung de S uk u des Iwein im Daniel................... 54
3 Das binä e Au baup inzip......................................................................................... 63
3.1 Einzelhandlung / Gesellscha shandlung .................................................... 63
3.2 lis / Zo n .......................................................................................................... 71
3.3 Sehen-Sp echen / Nich sehen-Nich sp echen............................................ 82
3.3.1 Sehen / Nich sehen ......................................................................................... 83
3.3.2 Sp echen / Nich sp echen.............................................................................. 88
3.4 Monologe-Dialoge / keine Monologe-Dialoge........................................... 95
3.4.1 De Wille............................................................................................................106
3.5 Pe spek i e des Einzelnen / Pe spek i e de Gesellscha .......................111
3.6 Zei des Einzelnen / Zei de Gesellscha ..................................................122
3.7 Anhang: De Raum..........................................................................................138
IV Zei und Iden i ä in Kon ads Gau iel on Mun abel
1 Kon ad on S o eln und de Gau iel on Mun abel ...............................................145
2 Die Modi ika ion de Iden i ä sda s ellung des Helden im Gau iel....................147
2.1 In e ex uelle Bezüge zwischen dem Gau iel und dem Typus de
3
Feenliebesgeschich e........................................................................................ 148
2.2. In e ex uelle Bezüge zwischen Gau iel und Iwein....................................... 151
2.2.1 Die Zei .............................................................................................................. 151
2.2.2 Episoden: Die Ve ände ung de S uk u des Iwein im Gau iel ................. 156
3 Das binä e Au baup inzip........................................................................................ 165
3.1 wilde / Ho ......................................................................................................... 165
3.2 wilde Räume / hö ische Räume...................................................................... 174
3.3 Einzelne / Gesellscha ................................................................................. 184
3.4 Mach de Fee / Mach de Königin: Die Ablehnung de
Subjek i ie ung ................................................................................................ 190
3.5 De Wille de go innen / de Wille Go es..................................................... 199
3.6 wilde Zei / hö ische Zei ................................................................................ 201
3.7 Anhang: das Sehen........................................................................................... 214
V Zusammen assung und E gebnisse ............................................................................. 218
1 Zei - und Iden i ä smodelle im Iwein, Daniel und Gau iel.................................... 218
1.1 Iwein .................................................................................................................... 218
1.2 Daniel on dem Blühenden Tal ............................................................................ 220
1.3 Gau iel on Mun abel........................................................................................... 224
2 Iden i ä skonzep ionen in neuen ik ionalen Wel en.......................................... 226
3 Schlussbeme kungen zu Li e a u geschich e...................................................... 228
VI Li e a u e zeichnis........................................................................................................ 230
4
I Vo ausse zungen
In seinem g oßen We k Zei und E zählung ha Paul Ricoeu au die Ve bindung
zwischen Zei und Iden i ä au me ksam gemach : Die menschliche Iden i ä sei
imme eine na a i e, die sich in E zählungen en al e; jedes Leben sei deswegen in
de Zei e anke .1 Diese Ve bindung zwischen Zei und Iden i ä üh e zu eine
doppel en Bewegung: „Die Zei wi d in dem Maße zu menschlichen, wie sie
na a i a ikulie wi d; umgekeh is die E zählung in dem Maße bedeu ungs oll,
wie sie die Züge de Zei e ah ung äg “.2 Das E zählen is ü Ricoeu de
wich igs e Zugang zum Ve s ändnis des P oblems de Zei .
Das Ziel de olgenden A bei is de Ve such, diese Idee de Ve bindung
zwischen Zei und Iden i ä au die mi elal e liche Li e a u zu übe agen und d ei
un e schiedliche Iden i ä smodelle o zus ellen, die in mi elal e lichen li e a ischen
Tex en zu inden sind. Meine These lau e wie olg : Die Iden i ä sda s ellung des
li e a ischen Helden is di ek mi de in de E zählung o handenen Zei au assung
e bunden. Eine Zei o s ellung is imme mi eine bes imm en A de Wel sich
e bunden, deswegen muss sie auch mi einem bes imm en Iden i ä smodell
e bunden sein. De Gegens and meine Un e suchung bes eh in d ei
mi elhochdeu schen A us omanen, die zwischen An ang des 13. und Mi e des 14.
Jah hunde s gesch ieben wu den:3 de Iwein Ha manns on Aue, S icke s Daniel
on dem blühenden Tal und Kon ads on S o eln Gau iel on Mun abel. Die Auswahl
diese Tex e wu de mi eine bes imm en In en ion ge o en. De Daniel und de
Gau iel haben eine Gemeinsamkei : Sie en hal en iel äl ige in e ex uelle Bezüge,
da un e auch zei liche Mo i e (die Te mine), zum Iwein. Diese in e ex uellen
Bezüge zu Ha manns Roman e ah en in beiden Tex en bes imm e Ve ände ungen
und we den gleichzei ig mi Elemen en e misch , die in ande en Ga ungen ih en
U sp ung haben (im Fall des Daniel in de chanson de ges e, im Fall des Gau iel in den
Feengeschich en). Dadu ch e ände sich sowohl die Zei au assung wie die
Iden i ä sda s ellung des Helden in den Tex en des S icke s und Kon ads im
Ve gleich zu ih e Quelle: Es kann behaup e we den, dass beide Romane o z ih es
1 Eine Zusammen assung diese Idee is am Ende des d i en Bandes (Paul Ricoeu , 1991, S. 394–
397) zu inden.
2 Paul Ricoeu (1988), S. 13.
3 Die Da ie ung des Gau iel on Mun abel is in de Fo schung ums i en. Übe diese P oblema ik
e weise ich an den An ang des Kapi els übe den Roman Kon ads.
5
gemeinsamen Ausganspunk s im Iwein, en gegense z e Rich ungen hinsich lich
diese Aspek e einschlagen.
In den ie olgenden Kapi eln de Vo ause zungen behandle ich heo e ische
P obleme übe Zei und Iden i ä . De zwei e Teil de A bei un e such die
Ve bindung zwischen Zei und Iden i ä im Iwein. Danach analysie e ich den Daniel:
zue s die in e ex uellen Bezüge zwischen dem Roman und ande en li e a ischen
Tex en, haup sächlich dem Iwein; dann behandle ich das sogenann e ‚binä e
Au baup inzip’, dessen le z es Kapi el die Zei konzep ion des Romans besp ich .
Im ie en Teil de A bei un e suche ich den Gau iel un e denselben
Vo ausse zungen wie den Daniel. Am Ende nehme ich die E gebnisse de
Un e suchungen au , um die Ve bindung zwischen Zei au assung und
Iden i ä sda s ellung in den d ei besp ochenen Romanen genau zu e klä en und ih e
un e schiedlichen Modelle zu e gleichen.
1 Iden i ä skonzep ionen im Mi elal e : Das P oblem de Indi iduali ä
Die mediä is ische Fo schung ha sich in den le z en Jah en iel mi dem
P oblem de Figu eniden i ä beschä ig . Als Beispiel seien hie nu zwei A bei en
e wähn , die sich mi diesem P oblem auseinande gese z haben. Beide gehen on
un e schiedlichen Ansä zen aus, dennoch bes ehen zwischen ihnen und meinen
Un e suchungen des Daniel und des Gau iel Pa allelen. Es handel sich konk e um
zwei Aspek e: die Figu eniden i ä als Resul a de „Hyb idi ä “ des Tex es und die
Ve bindung zwischen Zei und Iden i ä .
Die e s e A bei is Hyb ide Helden: Gwigalois und Willehalm. Bei äge zum Heldenbild
und zu Poe ik des Romans im ühen 13. Jah hunde on S ephan Fuchs.4 Fuchs benu z
s uk u alis ische E zählmodelle und ga ungs heo e ische Übe legungen, um die
Iden i ä des Helden im Wigalois und im Willehalm zu un e suchen. Im Falle des
Wigalois zeig e , wie de Held e schiedene Rollen aus un e schiedlichen
Ga ungsmus e n und E zähl adi ionen in sich e ein , was ihn als einen
„hyb iden“ Helden cha ak e isie e: „Aus adi ionellen Mo i en, Rollen und
Posi ionen e wächs [...] ein neues Konzep eines Helden, das den Namen eines
Konzep s gleichwohl kaum zu e dienen schein , weil es keine neuen Pa adigma a
4 S ephan Fuchs (1997).
6
au ich e , sonde n nu o gegebene zugleich e üll und gegensei ig neu alisie “
(S. 219). Indem die Suche nach de eigenen Iden i ä im Tex nich hema isie
we de, unk ionie e die Biog aphisie ung des Helden als Elemen , das die
Viel äl igkei de Rollen zusammenbinde. Die Biog aphie sei dadu ch eine
„behaup e e“ (S. 221) Iden i ä , die den Helden nich als Indi iduum e scheinen
lasse: E sei schon on An ang an exo bi an , weil e aus eine Mischung
e schiedene li e a ische T adi ionen he o gegangen sei.
Die zwei e A bei , au die ich eingehen will, is De miß a ene Ri e . Konzep ionen on
Iden i ä im P osa-Lancelo on Judi h Klinge .5 Die Au o in sieh Lancelo s Iden i ä
im Zusammenhang mi de Iden i ä des Tex es. Die O enhei des Romans, de
on e schiedenen Au o en und zu e schiedenen Zei punk en gesch ieben wu de,
üh e zu E scheinung eine wiede sp üchlichen und he e ogenen Figu , die
meh e e Rollen in sich en hal e. Lancelo s Iden i ä negie e also alle P inzipien, die
heu zu age mi eine kohä en en Iden i ä e bunden we den. Die Iden i ä des
Helden kons i uie e sich abe du ch die Kons uk ion eine Ri e biog aphie, die im
Zusammenhang mi de seh so g äl igen Ch onologie en lang des Romans s ehe:
„Biog aphie bezeichne demnach die Besch eibung eines singulä en, nich eines
ypischen Lebens, das seinen ‚Sinn’ ode seine Iden i ä als ganze e s am Ende, als
Resul a eine zei lichen Ab olge e häl “ (S. 458). Lancelo s Iden i ä e scheine so als
ein Kon inuum, das sich en lang eine linea en Zei p og essi en al e.6 E sei
deswegen am Ende nich de selbe, de e am An ang wa , abe o zdem wü den die
B üche in seine Iden i ä es nich e lauben, on eine En wicklung im heu igen
Sinne zu sp echen.7
Schon du ch diesen ku zen Blick au zwei jünge e A bei en zeig sich, dass ein
wich iges P oblem de Fo schung in de F age bes eh , inwie e n Beg i e wie
Subjek i i ä ode Indi iduali ä ü das Mi elal e gül ig sind ode nich . Dazu gib
5 Judi h Klinge (2001).
6 Judi h Klinge sag in diesem Sinne: „Mi de Linea isie ung des E zählens und de unau hal sam
e s eichenden Zei ko espondie die Mo i a ion des Geschehens om Subjek he , das
En scheidungen e en kann und die Möglichkei ha , eine o he gesag e Zukun zu e ände n“
(Klinge , 2001, S. 475).
7 Judi h Klinge e such in ih e A bei eine His o isie ung de Iden i ä , un e de Vo ausse zung,
dass die Li e a u eine ik ionale Kons uk ion is , die o zdem mi eine bes imm en
gesellscha lichen und his o ischen Bedingung e bunden is (Klinge , 2001, S. 28–40). Sie negie
deswegen, dass Beg i e wie ‚Indi iduali ä ’ im heu igen Sinne ü das Mi elal e gül ig seien (S.
492–493).
7
es g undsä zlich zwei e schiedene Posi ionen, die eilweise on den
un e schiedlichen De ini ionen de Beg i e Subjek i i ä und Indi iduali ä
abhängig sind:8 Eine sei s diejenigen, die Indi iduali ä als das Bewuss sein des ‚Ich’
on seine Abg enzung gegenübe de Wel und de ande en Indi iduen de inie en.9
Indem sie es s ellen, dass die Iden i ä im Mi elal e on de Zugehö igkei zu eine
G uppe, on de gesellscha lichen Rolle, bes imm is , e klä en sie, dass es nich
möglich sei, übe Indi iduali ä in jene Zei zu sp echen. Au de ande en Sei e
s ehen jene, die e eidigen, dass bes imm e psychologische P ozesse allgemein ü
alle Menschen und in jede Epoche gül ig sind. Demnach sei es wohl möglich, on
Indi iduali ä im Mi elal e zu sp echen, weil sich auch in diese Epoche die
Menschen ih e Iden i ä bewuss gewesen seien.
Die e s e diese Posi ionen be uh au Ideen, die schon im 19. Jah hunde on
Au o en wie Jakob Bu kha d e ablie wu den.10 Bu kha d e klä e, dass e s in de
Renaissance on Indi iduali ä gesp ochen we den könne, wäh end im Mi elal e
de Mensch imme nu Teil eines bes imm en Kollek i s gewesen sei: E „e kann e
sich nu als Rasse, Volk, Pa ei, Ko po a ion, Familie ode sons in i gendeine
Fo m des Allgemeinen“.11 Im Zusammenhang dami e klä Thomas Luckmann,
dass sich die Iden i ä im Mi elal e imme sozial bes imm habe; das
Selbs e s ändnis des Einzelnen sei nich du ch eigens ändige Re lexion he ges ell
wo den: „Im g öße en Teil de Menschhei sgeschich e wa ü den übe wiegenden
Teil de Menschen pe sönliche Iden i ä nich das E gebnis eine subjek i en
Re lexion, die sich aus de Gegenübe s ellung on Ich und seinem sozialen
Lebensumk eis e gab, sonde n eine gesellscha liche Gegebenhei . Das Ich wa in
seine gesellscha lich-na ü liche Umwel eingebe e , pe sönliche Iden i ä wu de
sozial he ges ell “.12 Dies bedeu e, dass sich de Mensch einem o gegebenen Bild
so wei wie möglich anzunähe n ha e. Deswegen sei eine inne e En wicklung nich
8 Ing id Kas en mach da au au me ksam: „So wi d de Sp achgeb auch eine sei s om
philosophischen Disku s bes imm , in dem de kogni i e und e kenn nis heo e ische Aspek
dominie , zum ande en abe we den mi dem Wo – meh ode wenige explizi – die
Wah nehmungs o men, Meinungen und Ge ühle bezeichne , die eine Pe son je nach indi iduelle
Disposi ion und Sozialisa ion sowie nach ih em Wissens- und E ah ungsho izon in gegebenen
Lebenslagen en wickel . Inso e n wi d Subjek i i ä als eine komplexe S uk u gedach , die
maßgeblich on his o ich di e ie enden, psycho-sozialen Fak o en gep äg is “ (Kas en, 1998, S.
395).
9 Dazu Man ed F ank (1988), S. 11–12.
10 Jakob Bu ckha d (1941), S. 60–76.
11 Ebda. (1941), S. 60.
12 Thomas Luckmann (1979), hie S. 294.
8
möglich gewesen. Das Leben wä e deshalb auch nich als ein P ozess in e p e ie
wo den.13 Aa on Gu jewi sch zi ie als Beispiel da ü die Heiligenleben. In ihnen
we de keine allmähliche En wicklung bis zu Heiligkei geschilde , sonde n
en wede wi d de Sünde plö zlich zum Heiligen, ode e is schon on Gebu an
heilig.14
Diese These be uh o allem au de Idee, dass es in de Geschich e de
Menschhei eine En wicklung hin zu eine wachsenden Bedeu ung de Indi iduali ä
gegeben habe.15 Manche Fachleu e e e en die Meinung, dass diese En wicklung
im Mi elal e so wei o angesch i en sei, dass man ü diese Epoche be ei s on
den An ängen de Indi iduali ä sp echen könne. Diese These wu de namen lich
on Colin D. Mo is ausgea bei e ,16 de on eine En deckung des Indi iduums als
Folge de sogenann en Renaissance des 12. Jah hunde sp ich . In diese Rich ung
a gumen ie auch Aa on Gu jewi sch: Obwohl keine linea e En wicklung bezüglich
eine En deckung des indi iduellen Bewuss seins zu inden sei, lasse sich zumindes
in bes imm en K eisen eine S eige ung in diese Rich ung ab dem 12. Jah hunde
e kennen.17
Auch in de Al ge manis ik sind diese Thesen disku ie wo den. Judi h Klinge
zum Beispiel negie in ih em Au sa z zum Thema „Möglichkei en und S a egien
de Subjek -Re lexion im hö ischen Roman“ die Exis enz de Indi iduali ä in
o mode nen Gesellscha en, weil es in ihnen eine Übe eins immung zwischen de
pe sönlichen Iden i ä und de gesellscha lichen Rolle gäbe. Diese Idee olgend
e klä sie, dass die Selbs e lexion des Einzelnen in bes imm en mi elal e lichen
13 Dies e klä nach Aa on Gu jewi sch, dass in de hochmi elal e lichen Male ei ode
Bildhaue kuns kein Po ä exis ie e: Man wa nu da an in e essie , das Allgemeine und nich die
indi iduellen Eigenscha en zu zeigen. Wenn das Leben nich als ein P ozess gesehen wu de, habe
es auch kein In e esse gegeben, den konk e en Zus and eines Menschen in einem zei lich und
äumlich konk e en Momen zu zeigen (Gu jewi sch, 1989, S. 160–161).
14 Ebda., S. 160.
15 Diese En wicklung wi d manchmal on as u opischen Zügen gekennzeichne . Vgl. zum Beispiel
mi olgendem Zi a on Hans Robe Jauss: „Wie sich das e wachende Indi iduum gleichwohl
dem dogma ischen Bann des Allgemeinen zu en ziehen e such e [...]“ (Jauss, 1998, S. 374).
Ma hias Meye k i isie dieses eleologische Kons uk in bezug au den Au sa z on Die e
Ka schoke „De epische Held au dem Weg zu seinem Gewissen“ (Ka schoke, 1988): „Wenn sich
de epische Held au dem Weg zu seinem Gewissen be inde , so zeig schon de Ti el de
Abhandlung die mi einem Pe ek ionsgedanken e knüp e implizie e Teleologie des En wu s.
Zielpunk diese En wicklung is das ‚neuzei liche’ Gewissen, das Ka schoke in eine Syn hese on
Gewissende ini ionen on Hegel und Luhmann besch eib “ (Meye , 2004, S. 281).
16 Colin D. Mo is (1972).
17 Aa on Gu jewi sch (1995). Vgl auch die A bei en in: Indi iduum und Indi iduali ä im Mi elal e (Jan
A. Ae sen und And eas Spee , 1996).
9
We ken nich unbeding ein Beweis ü Indi iduali ä sei und als Beispiel e wähn sie
die Da s ellung de Liebe im T is an und im P osa-Lancelo : „T is an und Isolde haben
im Sinnsys em de Liebe eine gemeinsame Iden i ä und Subjek i i ä , die in
Abg enzung gegen mode ne Konzep ionen als nich -indi iduelle besch ieben
we den muß“.18
Auch Mo is’ These on de En deckung de Indi iduali ä im 12. Jah hunde
wu de in de Fo schung in Bezug au die deu sche Li e a u e e en. Dies i
un e ande en au Die e Ka schoke zu, de in seinem Au sa z „De epische Held
au dem Weg zu seinem Gewissen“ die En al ung de Subjek i i ä in Bezug au die
sys ema ische Thema isie ung des Gewissens im 12. und 13. Jah hunde
analysie .19 Ho s Wenzel e klä seine sei s, dass „die his o ische Ins alla ion eine
neuen Selbs au assung und eine neuen indi iduellen Pe sonenda s ellung“ be ei s
im 12. bzw. 13. Jah hunde beginne und e nimm dies als Ansa z ü die
Un e suchung eine G uppe on Liede n Wal he s on de Vogelweide.20
Hans-Geo g Soe ne ha dagegen, indem e Iden i ä mi Indi iduali ä
iden i izie , die zwei e Posi ion, die These de Allgemeinhei de Indi iduali ä ,
e eidig .21 Indem de Einzelne mi sich selbs iden isch is , is e imme ein
Indi iduum; die Indi iduali ä exis ie e deswegen in jede Zei und in jede
Gesellscha , sie sei nu un e schiedlich s a k ausgep äg .
Auch Ma hias Meye e eidig die Ve wendung des Beg i s ‚Indi iduum’ im
Mi elal e , weil die Indi iduali ä ein Me kmal des Menschen im Allgemeinen und
nich eine bes imm en Epoche sei.22 Ch is iane Acke mann und Klaus Ridde
haben ih e sei s ü die Ve wendung des Beg i s ‚Subjek i i ä ’ in Bezug au das
Mi elal e plädie ,23 wäh end Ing id Kas en am Beispiel eine weiblichen
li e a ischen Figu , Meliu , zeig , wie die Subjek i i ä doch eine Rolle im Mi elal e
gespiel ha .24
18 Judi h Klinge (1999), S. 137. Klinge be on auch die Rolle de Zei in de En s ehung de
Indi iduali ä : „Dieses Subjek , das säm liche Bes immungen eine Pe son übe blick und sie in
einen sinnha en, ch onologischen Zusammenhang o dne , is gemäß mode ne Au assung das
au onome Subjek , das seine Iden i ä aus sich selbs bilde und dabei zugleich seine u eigens e
Indi iduali ä en al e “ (S. 133).
19 Die e Ka schoke (1988).
20 Ho s Wenzel (1983), hie S. 3.
21 Hans-Geo g Soe ne (1983).
22 Ma hias Meye (2001); de s. (2004), S. 75.
23 Ch is iane Acke mann / Klaus Ridde (2003).
24 Ing id Kas en (1998).
16
on jedem Menschen un e de E wa ung zukün ige E eignisse gib .54 In ande en
Gesellscha en is dagegen die Gegenwa on g öße e Bedeu ung.55 Die
Zei e ah ung in eine solchen Gesellscha is zyklisch: „Es gib hie keinen kla en
Un e schied zwischen Ve gangenhei und Gegenwa , da die Ve gangenhei imme
wiede on neuem e s eh und zu ückkeh , indem sie sich in den ealen Inhal de
Gegenwa e wandel “.56
Welche S ellung das eu opäische Mi elal e in diesem Schema einnimm , is in
de Fo schung ums i en. Einige Fachleu e haben au die ‚Mode ni ä ’ de
mi elal e lichen Zei au assung e wiesen: Sie sei on de jüdisch-ch is lichen Idee
eine au ein bes imm es Ziel ge ich e en Heilsgeschich e gep äg .57 De Mensch
o ganisie e so sein Leben in E wa ung au eine ande e, zukün ige Wel , was zu
En s ehung eine eleologischen Zei o s ellung üh e. Das wü de heißen, dass im
Mi elal e keine zyklische Zei o s ellung exis ie e, sonde n eine linea e, die de
heu igen nähe s ünde.
Die meis en A bei en be onen hingegen die Un e schiede zwischen dem
mi elal e lichen und unse em neuzei igen Umgang mi de Zei . Im Mi elal e , in
dem die Gesellscha wenige spezialisie als heu e wa , is nach unse em E messen
eine ge inge e Be ücksich igung de Zei zu beobach en. Ma c Bloch zeig zum
Beispiel, dass das In e esse an de Zei messung im Mi elal e eine Ausnahme
da s ell .58 Das wi d on de Ta sache beglei e , dass nu p imi i e echnische Mi el
ü eine exak e Messung de objek i en Zei o handen wa en. Es gab nu
Sonnenuh en, Wasse uh en, Öllampen ode Ke zen, „de en kalkulie e B enndaue
die Länge de e lossenen Zei angab“.59 Mi ihnen wa es jedoch nich möglich,
die kleins en Zei einhei en zu messen. Diese Un e schiede könn en zu eine ande en
Zei o s ellung ge üh haben als sie heu e geläu ig is . Pe e Cze winski behaup e ,
es sei nich möglich, on de Exis enz eine einhei lichen, allgemeine Zei im
54 No be Elias (1984), S. 126.
55 Aa on J. Gu jewi sch (1989), S. 32–33; No be Elias (1984), S. 125.
56 Aa on J. Gu jewi sch (1989), S. 103.
57 Thomas Nippe dey (1986), S. 25–26; Helmu Appel (1997), S. 51.
58 Ma c Bloch (1982), S. 99–100. Dasselbe geschah mi de Bes immung gewisse Da en, wie des
Gebu sda ums: Bloch e zähl wie im Jah 1284 eine Un e suchung au genommen we den muss e,
um das Al e de G ä in on Champagne zu bes immen.
59 Die e Ka schocke (2000), S. 479. Fü g öße e Zei einhei en exis ie e de julianische Kalende ,
de ziemlich e lässlich wa .
17
Mi elal e zu sp echen.60 Die Zei sei in Fo m on gegensei ig isolie en „Zei -
Blasen“ ode „Zei -Blöcken“ konzipie , die sich agg ega i o dnen wü den.61 Diese
agg ega i en Zei en seien nich linea , nich sukzessi , und deswegen implizie e eine
solche Zei o s ellung keine Idee de Subjek i i ä ode de En wicklung.62
Spä es ens die En al ung des Lebens in den S äd en und die En s ehung des
Bü ge ums dü en zu bes imm en Ve ände ungen ge üh haben.63 De Händle
besi z eine ande e Zei au assung als de Baue : „De neue Mensch de inie sich
nich meh in de Zei , sonde n gegenübe de Zei “.64 Die Zei wi d messba und
zielo ien ie ; sie e wandel sich in Geld, in eine Wa e.65 Neu en s andene
Bedü nisse, wie zum Beispiel die En lohnung de A bei in den S äd en mi Geld,
e o de n genaue e und ü alle S ad bewohne gleiche Zei messins umen e.66
Dahe wu de die Raduh am Ende des 13. Jah hunde s e unden. Das bedeu e e
abe noch nich eine globale Ve einhei lichung de Zei , denn diese wu de on O
zu O ande s gemessen.
De Mangel an exak en Messins umen en muss nich unbeding ein ge inge es
In e esse an de Zei p oblema ik bedeu en. Dass Zei schon o dem 13.
Jah hunde eine wich ige Rolle spiel e, läss sich an de His o iog aphie zeigen,
konk e in de Ch onis ik, die den Wunsch da s ell , die E eignisse in einem
konk e en Zei punk zu ixie en67 und in de es auße dem nö ig wa , eine g oße
Da enmenge zu kombinie en. Ein Beispiel is F u ol on Michelsbe g. In seine
Ch onica e such e als e s e mi elal e liche Ch onis , alle geschich lichen
60 In diesem Sinne kann die Messung de Zei (ode , besse gesag , die Ein eilung des Tages) in
eine bäue lichen Gesellscha , wie de des Mi elal e s, on eine Gegend zu ande en ande s sein.
Die Zei wi d also lokal bes imm (Aa on J. Gu jewi sch, 1989, S. 111). In Ve bindung mi de
Anwesenhei e schiedene objek i e Zei en exis ie e die Idee auch im Mi elal e , dass dieselben
Zei abschni e eine ganz ande e Daue in de Bibel als in de Gegenwa ha en: Die sechs
Schöp ungs age de Bibel wü den also meh Zei bedeu en als sechs ein ache Tage (S. 124–125).
61 Pe e Cze winski (1993), S. 203–221. Ohne die Übe legungen on Cze winski ganz zu negie en,
möch e ich in diese A bei zeigen, dass die Zei au assung im Mi elal e iel komplizie e und
iel äl ige is , als on ihm e mu e .
62 Ebda. (1993), S. 241.
63 Man könn e in diesem Sinne on einem he e ogenen Umgang mi de Zei im Mi elal e
sp echen. Ho s Wenzel sp ich zum Beispiel on de Exis enz on ie e schiedenen Zei en: die
ag a ische Zei , die Zei de Ki che, die Zei des Adels und die Zei des Kau manns (Wenzel, 1996).
64 Ebda., S. 18.
65 Aa on J. Gu jewi sch (1989), S. 175.
66 A no Bo s (1990), S. 77–78. Dazu auch Jacques Le Go (1977), S. 400–402.
67 Dazu F anz-Jose Schmale (1985), S. 28–29.
18
E eignisse sei de Schöp ung de Wel ch onologisch zu o dnen.68 Indem e
e schiedene Quellen e wende , sieh e sich gezwungen, e schiedene
Da ie ungssys eme zu kombinie en: Wel ä e, Olympiaden, Jah e sei G ündung
Roms, Inka na ionsjah e...69
Auch bei den mi elal e lichen Geleh en is ein g oßes In e esse an de Zei zu
e kennen. Einige zum Beispiel bemühen sich um die Bes immung de e schiedenen
Zei abschni e. Hono ius Augus odunensis e klä , dass die S unde aus ie
Punk en, zehn Minu en, ün zehn Teilen, ie zig Momen en, sechzig Zeichen und
22560 A omen bes ehe.70 Schon im ühen Mi elal e un e suchen Isido on
Se illa und Beda die e schiedenen Zei einhei en. Auch die Bes immung de
ki chlichen Feie age, die on dem Da um abhängen, au das Os e n äll (zum
Beispiel Himmel ah , P ings en), beweis die Exis enz des In e esses an de
Zei p oblema ik im Mi elal e .71
Im Zen um de mi elal e lichen Zei deba e s ehen abe Augus inus’ Ideen, de
die Exis enz de Zei im XI. Buch de Con essiones in de Seele si uie . Du ch
komplizie e Übe legungen komm e zum E gebnis, dass Ve gangenhei und
Zukun nich eal seien, obwohl de Mensch diese beiden Elemen e ü wi klich
hal e. Die Ve gangenhei sei nich meh und die Zukun sei noch nich . Die Zei sei
nu im Je z anwesend, in dem wi e was wah nehmen: „[...] empo a sun ia,
p aesens de p ae e i is, p aesens de p aesen ibus, p aesens de u u is. Sun enim
haec in anima ia quaedam e alibi ea non uideo, p aesens de p ae e i is memo ia,
p aesens de p aesen ibus con ui us, p aesens de u u is expec a io“.72
68 F anz-Jose Schmale / I ene Schmale-O (1972), S. 8.
69 F anz-Jose Schmale (1980), Sp. 997. Die Anwesenhei e schiedene Maßsys eme zeig , dass die
gemessene Zei nu ü eine bes imm e Gemeinscha gal . Jede Gemeinscha ‚mach e’ ih e Zei ,
indem sie ein ü die G uppe bedeu endes E eignis als Ausgangs- und Nullpunk seines
Zei syss ems mach e. Daneben exis ie en auch pa allel die Zei en ande e Gemeinscha en (F anz-
Jose Schmale, 1985, S. 30).
70 Aa on J. Gu jewi sch (1989), S. 110.
71 Ebda., S. 113.
72 Augus inus, Con essiones, XI, 20, 26. Übe se zung nach Ku Flasch (Augus inus, Bekenn nisse, S.
320): „Es gib d ei Zei en, eine Gegenwa on Ve gangenem, eine Gegenwa on Gegenwä igem
und eine Gegenwa on Zukün igem. Diese d ei sind nämlich in de Seele wi klich o handen,
wäh end ich sie ande swo nich sehen kann: gegenwä ige E inne ung an Ve gangenes,
gegenwä iges Anschauen on Gegenwä igem, gegenwä ige E wa ung on Zukün igem“.
19
4 Die ik ionale Zei
Paul Ricoeu ha die en scheidende Rolle de Zei in de E zählkuns
he o gehoben. In seine Monog aphie Zei und E zählung e klä e , wie in de
Na a ion eine Ve bindung de beiden en gegengese z en Zei o s ellungen
en s eh , die e als kosmologische und phänomenologische Zei iden i izie und die
eilweise den oben e wähn en Ka ego ien de objek i en und subjek i en Zei
en sp echen. Die Li e a u e möglich eine seh g oße F eihei in de Zei da s ellung
und kann deswegen du ch bes imm e P ozedu en wie die Ve wendung de
Tempo a, de Pe spek i e ode de na a i en S imme iel komplexe e zei liche
Fo men als diejenige de all äglichen Wi klichkei zeigen.73 Diese Un e schied
zwischen de e zähl en und de physikalischen Zei wu de auch on Ha ald
Wein ich he o gehoben.74 In de Li e a u en s eh demnach eine ik ionale Zei ,
die ande s als die wi kliche Zei is . Das heiß , dass in de e zähl en Wel die
Zei lichkei nach ande en Regeln unk ionie en kann als in de nich -li e a ischen
Wel .75 Paul Ricoeu o mulie es wie olg : „I eale Pe sonen [...] machen eine
i eale Zei e ah ung. I eal inso e n, als die zei lichen Ma kie ungen diese
E ah ung nich no wendig mi dem aum-zei lichen Ne z zusammenpassen
müssen, das ü die ch onologische Zei kons i u i is “.76
Im olgenden soll am Beispiel einige ausgewähl e Romane des 13. Jah hunde s
gezeig we den, inwie e n die Zei in mi elal e lichen Tex en als eine deu lich
ik ionale Zei da ges ell wi d, die sich on de wi klichen Zei un e scheide . Mein
e s es Beispiel is das Rolandslied des P a en Kon ad. Wenn do gesag wi d, dass
Ka l sieben Jah e in Spanien e b ach ha , bedeu e diese Zahl keine genaue
Zei angabe, sonde n lediglich, dass sich de Kaise eine seh lange Zei im Land
73 Paul Ricoeu (1989), S. 44, 104–169.
74 Ha ald Wein ich (1964), S. 56–57.
75 Ein deu liches Beispiel diese Möglichkei de Li e a u is de zei genösische Roman Und imme
wiede die Zei . Eins ein’s d eams on Alan Ligh man. Da in we den e schiedene Wel en besch ieben,
in denen die objek i e Zei un e schiedlich is (und die auch ande s als in de nich - ik ionalen Wel
unk ionie en): „[...] in diese Wel e s eich zwa die Zei , abe es geschieh kaum e was. Und so
wie on Jah zu Jah kaum e was geschieh , geschieh auch on Mona zu Mona kaum e was, on
Tag zu Tag“ (Ligh man, 2002, S. 53); „In diese Wel , in de ein Menschenleben nu einen Tag
um aß , gehen die Menschen ach sam mi de Zei um, wie Ka zen, die au dem Dachboden dem
leises en Ge äusch nachspü en. Denn man da keine Zei e lie en. Gebu , Schulzei ,
Liebscha en, Be u und Al e , das alles muß sich in einen einzigen Sonnendu chgang, einen
einzigen Tageswechsel ügen“ (S. 116–117).
76 Paul Ricoeu (1991), S. 202.
20
au gehal en ha .77 Die e Ka schoke o mulie dies so: „Wi kliche Handlungen
b auchen ih e Zei , e zähl e haben sie“.78 So ende nich de Kamp mi dem
Tagesende, sonde n „das Ende des Kamp es läß auch den Tag enden“.79
Auch im Pa zi al spiel die Zei eine zen ale Rolle, wie die exak e Ch onologie
zeig .80 Die Zei e schein in Wol ams Roman als e was, das in seinem Ve lau
Ve ände ungen mi sich b ing . Die ie Sigune-Begegnungen, die den physischen
Ve all Sigunes und schließlich ih en Tod o Augen üh en, zeigen dies.81 Im Lau e
des Romans we den dem Lese auch einige Ve ah en ü das Messen de Zei
bekann gegeben. Das is zum Beispiel beim Au en hal Pa zi als bei T e izen de
Fall. Diese kann dem Helden genau sagen, wie iel Zei e gangen is („ ün halp
jâ un d î age“, 460,22), sei dem e sich zum le z en Mal am gleichen O be and.82
T e izen e wähn auch die on ihm benu z e Me hode zu Zei messung: „ame
sal e lase im übe al/ diu jâ und ga de wochen zal,/ die dâ zwischen wâ en hin“
(460,25–27). E kann die Zei mi Hil e des Psal e s (die Psal e ha en im Mi elal e
no male weise einen Kalende ) messen.
Die Behandlung de Zei im Pa zi al e weis sich als ik ional. Ma g e Saue ha
behaup e , dass Pa zi al mi dem Fluch on Cund ie nich nu aus dem Roman
e schwinde, sonde n dass e auch aus de Zei alle, e müsse also seine e lo ene
Zei suchen.83 Die Gaweinhandlung sei in Ve bindung mi diese Suche zu
e s ehen: De Wechsel de Handlungs äge habe die Funk ion, „Pa zi als
Zei e lus du ch seinen konk e en Ausschluß aus de Zei des Epos sinn ällig zu
machen“.84 Wol am konzipie e auße dem die Zei nich nu als e was Objek i es
und Messba es, sonde n auch als eine subjek i e E ah ung, wie meh mals im We k
deu lich we de.85 In den Ve sen 149,12–13 („de wîle dunke mich ein jâ / daz ich
77 Die e Ka schoke (2000), S. 481.
78 Ebda., S. 481. Es geh „um eine E zählkon en ion, nich um eine gänzlich emda ige
Au assung on Zei “ (S. 481–482). Ein ande es Zeichen diese ik ionalen Zei is , dass die Helden
de Epik nich al e n (S. 485).
79 Ebda., S. 481.
80 Ebda., S. 484. Au die seh so g äl ige Ch onologie im Pa zi al mach auch Ha ald Ha e land
au me ksam (Ha e land, 1994, S. 263–270)
81 Die e Ka schoke (2000), S. 487. Das wi d auch deu lich in de Al e ung de Figu en: Als Gawan
im zwei en Buch e schein , wi d e wähn , dass e zu jung is , um an einem Tu nie eilnehmen zu
können. Im sechs en Buch is e schon ein e wachsene Ri e (S. 489).
82 Ha ald Ha e land (1994), S. 263; Die e Ka schoke (2000), S. 484.
83 Ma g e Saue (1981).
84 Ebda., S. 220.
85 Ebda., S. 305–306.
21
nih i e wesen sol“) is zu sehen, wie die objek i e Daue on d ei Tagen Pa zi als
subjek i es Zei emp inden zu einem Jah wi d. Holge Nol ze sp ich in diesem
Sinne om E scheinen eines e ände en Zei bewuss seins in de hö ischen
Li e a u .86 Dies wi d seine Meinung nach am Sa z „bî den dûh in diu wîle lanc“
(17,26) deu lich: Hie we de Gahmu e s e leb e, subjek i e Zei e ah ung o ges ell .
Die Zei e scheine als „eine indi iduell e leb e P i a sache“.87
Ein ande es Beispiel is de F ied ich on Schwaben.88 In diesen Tex is ein
komplizie es Zei ge üs eingebau : Angelbu g wi d in einen Hi sch e zaube und
ih e Rück e wandlung „se z die Beach ung eines komplexen F is ensys ems
o aus“.89 Auße dem läss sich im We k eine häu ige Wiede holung de
e schiedenen Zei angaben beobach en: F ied ich bleib nach seine Begegnung mi
Angelbu g am An ang des Romans zwanzig Näch e (und nich d eißig, wie e soll e)
bei ih , was den zwanzig Jah en de T ennung zwischen beiden en sp ich ; die
d eißig Näch e, die F ied ich bei ih e b ingen soll e, en sp echen den d eißig
Jah en zwischen de e s en Begegnung on F ied ich und Angelbu g und ih em
Tod.90
De Zei e lau wi d hie auch du ch das Au e en des Todes hema isie . In
de Klage übe das Hinscheiden Angelbu gs wi d das Bewuss sein on de Fa ali ä
des Zei lusses und dessen Folgen ü die Menschen gezeig .91 Welz sp ich on
eine „Rückkeh “ Angelbu gs, abe nich in die Feenwel , wie es in einem Mä chen
no mal wä e, sonde n in die i dische und nich meh mä chenha e Wi klichkei des
Todes. De Tod e schein also als Folge de komplexen zei lichen S uk u , die das
We k du chzogen ha ; die Zei e geh und üh dami unbeding zum Tod.92
In de C ône Hein ichs on de Tü lin wi d de ik ionale Cha ak e de
Zei da s ellung am s ä ks en he o gehoben. U a S ö me -Caysa ha gezeig , dass
de Roman eine zyklische und eine linea e Zei s uk u besi z , die mi einande
kombinie we den. So weck de E zähle in einigen Episoden die Illusion, „daß in
86 Holge Nol ze (1995), S. 112–116.
87 Ebda., S. 116.
88 F ied ich on Schwaben (1904).
89 Die e Welz (1975), S. 158.
90 B igi e Schöning (1991), S. 85.
91 Die e Welz (1975), S. 167–169.
92 Jü gen Egyp ien sp ich auße dem in bezug au de Behandlung de Zei im F ied ich on einem
akzele ie en E zählen, das du ch eine pa a ak ische Syn ax e eich wi d, und das „Zei knapphei
und Eile“ da s ellen will (Egyp ien, 1987, S. 119–120), obwohl diese Ve mu ung nich unums i en
geblieben is (siehe B igi e Schöning, 1991, S. 84).
22
seine ik ionalen Wel die Zei s e ig und linea e lau e, du ch Zei - und
Ve lau sangaben“.93 Du ch diese Zei da s ellung e scheinen die un e schiedlichen
Handlungen un e einande koo dinie . Die Zei we de in zwei e schiedenen
Fo men gemessen: eine sei s du ch das Zählen on Tagen und Näch en und
ande e sei s du ch jede abgeschlossene Ta Gaweins. Im le z e en Fall we de ein
p og essi e Zei e lau da ges ell , abe nich imme du ch einen objek i en
Zei gebe . Es gib Episoden, in denen eine Zei da ges ell wi d, die sich nu au
Gawein bezieh . In de G alsbu g zum Beispiel gib es zwei Tag-Nach -Rhy hmen:
einen ü die Bu gleu e und einen ande en ü Gawein. „Ein p og essi e und
kon inuie lichen Zei e lau wi d dabei imme un e s ell , nich abe ein objek i e
und on allen Figu en unabhängige Zei gebe . Vielmeh zeichne sich die
Zei üh ung de C ône [...] ge ade du ch die p inzipielle Iden i ä objek i e und
subjek i e Zei gebe aus. In de ik ionalen Wel de C ône geh die p og essi e
Wel zei so, wie Gawein as e ode ei e “.94 Auch Ma hias Meye e kenn eine
besonde e Behandlung de Zei in de C ône. Nach dem Besuch bei F au Saelde
we de Gawein zu ück du ch die Zei ge üh und e s mi dem zwei en Au b uch
des G alaben eue s komme e in die e lassene Zei zu ück.95
Alle diese Beispiele zeigen, dass sich die mi elal e lichen Au o en de Exis enz
und Bedeu ung de Zei in de Na a ion bewuss wa en.96 Meh noch: Sie wuss en
o enba auch, dass Zei nich e was Objek i es und Fes es is , sonde n e was, das
manipulie we den kann. Gu jewi sch sp ich soga on de Exis enz eine „ om
inne en Zus and des Menschen“ abhängigen Zei in bes imm en mi elal e lichen
We ken.97 Zum Beispiel als eine ungeduldige Figu de Äl e en Edda olgendes sag :
„Long e nó , langa o æ ,
h é um þ eyiac b iá ?
op mé mánað minni þó i
enn siá hál hýnó .“98
93 U a S ö me -Caysa (2003), hie S. 210.
94 Ebda. (2003), S. 217–218.
95 Ma hias Meye (2004), S. 274–275.
96 Man könn e noch meh Beispiele in ande en Li e a u en inden. Zum Beispiel ha Sol eig
Mala ai die Da s ellung de Zei in den Lais Ma ie de F ance un e such und gezeig , dass Ma ie
sich iele Mühe gib , einen seh genauen zei lichen Ablau o zus ellen (Mala ai , 2000).
97 Aa on J. Gu jewi sch (1989), S. 164.
98 „Fo Scí nis“ (1983). Übe se zung aus Aa on Gu jewisch (1989), S. 64: „’Lang is eine Nach ,
länge sind zweie:/ Wie mag ich d ei daue n?/ O dauch ’ ein Mona mich minde lang/ Als eine
halbe Nach des Ha ens’“.
23
II Die Iden i ä sda s ellung des Helden im
Iwein
Da zahl eiche Mo i e und Episoden sowohl des Daniel als auch des Gau iel aus
dem Iwein s ammen, is es am An ang diese A bei nö ig, übe die
Iden i ä sda s ellung des Helden und die Ve bindung diese mi de Zei au assung
im Iwein zu sp echen. Die Fo schung ha sei langem e kann , dass das P oblem de
Iden i ä des Helden im Zen um des Iwein s eh . T adi ionell ha man im Tex
Ha manns eine Ve ände ung des Helden zu sehen gemein , du ch die e sich in
einen ollkommenen Ri e e wandel . Max Weh li e klä , dass de A us oman
„den Ri e zum Objek e zähle ische Pädagogik“ mach und ihn „modellha einen
zu Vollendung und zu F eihei üh enden Weg besch ei en“ läss .99
Diese Ve ände ung wu de adi ionell du ch den sogenann en ‚Doppelweg’
e klä : Im e s en Ku sus e eiche de Held den Gip el seine i e lichen Ka ie e;
nach de K ise komme ein zwei e Ku sus, in dem de Held seine Schuld du ch die
E ledigung e schiedene Aben eue e büße, bis e sich am Ende wiede am Ho
in eg ie e. De ‚Doppelweg’ wi d on Hans F omm so de inie : „De Held,
ausgezogen, um sich ‚einem Namen zu machen’, e obe sich mi de Gewinnung
de F au und in i e liche Ta die ê e und den Glanz de Wel . A us nimm ihn
un e die Seinen au ; e e üll den Ansp uch, den die Ins i u ion s ell . Bli za ig
b echen Schuld, Schulde kenn nis ode Beschuldigung übe den E hobenen he ab,
und au einem zwei en Wege ‚des longues é udes’, sinnge üll e a en iu e und
ie g ei enden Selbs e s ändnisses muß das Ve lo ene – F au, He scha und Heil
– noch einmal e wo ben we den, nun zu imme wäh endem Besi z“.100
Nach Wal e Haug hema isie de ‚Doppelweg’ die Spannung, die zwischen dem
Einzelnen und de Gesellscha s a inde : Die E ah ung de Liebe üh den
Helden zu einem an igesellscha lichen Ve hal en, welches e s mi seine
In eg a ion am Ho gegen Ende des Romans au gehoben wi d.101 Diese Be onung
de Rolle eine on Pa allelen gep äg en S uk u mach es schwie ig, eine subjek i e
Mo i a ion in de Handlung zu sehen. Nach Haug wi d die Iden i ä des Helden
du ch die Posi ion jede Episode de Handlung in de S uk u des Romans
e mi el , was die Anwesenhei eine subjek i en Iden i ä e hinde .102
99 Max Weh li (1984), S. 272.
100 Hans F omm (1969), S. 65.
101 Wal e Haug (1992), S. 97; de s. (1989a), S. 483–484.
102 Wal e Haug (1996), S. 185, 187. Ähnlich äuße sich Rudol Voss (1982, S. 99–100).
24
E ich Köhle , dessen Übe legungen sich au den Y ain Ch é iens beziehen,
e wende o zdem die S uk u des Doppelwegs, um zu e klä en, wie de Held
sich on de Gesellscha en emde : Köhle sp ich on Y ein als einem
Indi iduum, das im e s en Teil des Romans seine Indi iduali ä bes ä ig und im
zwei en Teil eine inne e En wicklung e äh , die zu seine Rein eg a ion in die
Gesellscha üh .103 Diese These on Köhle wi d on Hedda Rago zky und
Ba ba a Weinmaye k i isie , indem sie eine soziologische Deu ung des
Doppelwegs anbie en: Sie sp echen on eine Ve ände ung des Helden en lang des
Tex es, die einem P ozess p og essi e Iden i ika ion mi seine sozialen Umwel
en sp eche. Beide in e p e ie en Iweins Weg als Suche nach seine sozialen Iden i ä :
De Ho e schein als No mhe s elle , an den sich Iwein nach de K ise anpasse,
was die Rekons uk ion seine hö ischen Iden i ä bedeu e.104 Indem de Held nu
als Mi glied des Ho es gesehen wi d, wi d auch die Möglichkei eine pe sönlichen
En wicklung negie .
Die These on Rago zky und Weinmaye wi d on Hube us Fische e s ä k .
E lehn die Idee de En wicklung des Helden ab, weil eine solche Thema ik dem
mi elal e lichen Roman emd sei. Iwein we de im Roman nich als Subjek
da ges ell , sonde n als T äge bes imm e gesellscha liche Rollen: als A us i e
und als Ehemann Laudines. Dadu ch, dass e diese Rollen nich e ülle, e lie e e
seine ê e, das Elemen , das das gesellscha liche Leben egulie . Iwein bliebe also
imme de selbe und die Handlung s elle nu die Lösung eines Kon lik s o , de
du ch den B uch de hö ischen No men e u sach wu de. Konsequen e weise is
es auch nich möglich, on Subjek i i ä in Bezug au Iwein zu sp echen.105
Inwie e n das Modell des Doppelwegs auch in neues e Zei wi ksam geblieben
is , zeig zum Beispiel Klaus Speckenbach. E sieh die U sache on Iweins
Te min e säumnis in seine un ollkommenen Iden i ä , die en lang des zwei en
Aben eue wegs übe wunden we de, indem de Held einen Ausgleich zwischen
seine Rolle als liebende Ri e und seine Rolle als Ehemann und Landeshe inde.
Speckenbach schließ aus, dass eine psychologische En wicklung in Iwein s a inde:
„Die E wei e ung de Iden i ä e olg du ch den Ans oß on außen, insbesonde e
du ch die E wa ungen Laudines“.106 Auch Timo hy McFa land be on die Rolle de
S uk u in de Da s ellung on Iweins Weg zu eine neuen Iden i ä : „ he c isis
103 E ich Köhle (1970), S. 243.
104 Hedda Rago zky / Ba ba a Weinmaye (1979).
105 Hube us Fische (1983).
106 Klaus Speckenbach (1998), hie S. 132.
25
ma ks he demoli ion o an iden i y which he he o succes ully cons uc ed o
himsel in he cou se o he i s cycle, and in he cou se o he second cycle he
cons uc s a new one“.107 Obwohl e e klä , dass de Held keine psychologische
En wicklung im Sinne des mode nen Romans e äh , äum e ein, dass es meh e e
Episoden im Roman gib ( o allem das En s ehen de Liebe), die psychologisch
mo i ie zu sein scheinen.108
Die neue en A bei en übe den Iwein geben dagegen dem psychologischen Aspek
eine g öße e Bedeu ung in de Da s ellung de Iden i ä des Helden. So be on zum
Beispiel Edi h Feis ne die Rolle des Bewuss seins bei de Iden i ä skons i u ion des
Helden und e klä , dass die Liebe zu Laudine eine neue Komponen e in Iweins
Iden i ä ein üh , die ihn on de Gesellscha un e scheide.109 Ane e Sosna sieh
ih e sei s „die Genese und Modi ika ion on Iden i ä “110 als zen ales Thema des
Iwein und be on die Aspek e de E inne ung und de Wah nehmung als Elemen e,
die die Kon inui ä und Kohä enz de Pe sönlichkei Iweins e lauben und au denen
seine Iden i ä beg ünde wi d.111 Ma hias Meye e i die These, dass man übe
Cha ak e e in Bezug au die mi elal e liche Li e a u sp echen kann und ich e
da au hin seine Au me ksamkei au die Psychologie und das Innenleben Iweins.112
Meine In e p e a ion be uh au de Idee, dass Ha manns Roman die
Iden i ä smodi ika ion des Helden hema isie . Iweins Iden i ä wi d am An ang des
Romans du ch seine Mi gliedscha am A usho de inie . Als e sich in Laudine
e lieb , wi d eine neue Iden i ä sebene einge üh , die du ch Iweins Fähigkei , sich
mi jemand ande em zu iden i izie en, gep äg wi d.113 Dami en s eh eine
Spannung zwischen beiden Ebenen seine Iden i ä . Iwein e such diese Spannung
zu übe winden und dadu ch wi d die Suche nach eine neuen Iden i ä hema isie .
Iweins Iden i ä kann also nich ü sich selbs de inie we den, sonde n nu in
107 Timo hy McFa land (1988), S. 130.
108 Ebda., hie S. 154.
109 Edi h Feis ne (1999). Sie be on o zdem in bezug au den E ec, dass E ecs Weg „nich de
eines mode nen Indi iduums“ is , „das sich aus de Di e enz zu Gesellscha alle e s de inie “
(S. 252). Obschon sowohl de Iwein als auch de E ec das mode ne Thema de Di e enz be üh en,
geben sie ihm „jedoch inso e n eine ande e Wendung, als sie die Di e enze ah ung des Einzelnen
noch nich zum Schlüssel ü ein Indi iduali ä sbewuß sein machen“ (S. 263).
110 Ane e Sosna (2003), S. 154
111 Ebda., o allem S. 153.
112 Ma hias Meye (2004), S. 162–253. Ähnlich de s. (1999), besonde s S. 156–161.
113 Meine In e p e a ion un e scheide sich on de jenigen Ma hias Meye s, de auch au die
zen alen Rolle de Fähigkei zu Empa hie im Tex au me ksam gemach ha , abe diese Fähigkei
eine poli ische Funk ion zue kenn (Meye , 2004, S. 162–236).
32
Wahnsinnigkei ha ih en U sp ung sowohl in dem Ve lus de ê e als auch in dem
Ve lus de Liebe Laudines:
Daz smæhen daz ou Lûne e
den he en Îweinen e e,
daz gæhe wide kê en,
de slac sîne ê en
[...]
de jâme nâch dem wîbe,
die benâmen sînem lîbe
il ga eude und den sin. (V. 3201–3215)
Mi de Ve nun e lie Iwein auch seine Fähigkei de Empa hie: „e n ah e
wede man noch wîp,/ niuwan û sîn selbes lîp“ (V. 3225–3226). Iwein e läss den
hö ischen Raum und isolie sich dami physisch und psychisch on de
Gesellscha . E gib jedes hö ische Ve hal en au und leb in einem Zus and on
Wildhei und Iden i ä slosigkei . E be inde sich auße halb des Raums und de Zei ,
demen sp echend wissen wi nich , wie iel Zei e allein im Wald e b ing .130 Es
gib wenige zei liche Angaben und sie bleiben auße dem age. Zum Beispiel: „e lie
umb einen mi en ac“ (V. 3284), „wol umb einen mi en ac“ (V. 3364), „Da nâch
eines ages uo“ (V. 3703).
Die Begegnung mi dem Einsiedle is ein e s e zwischenmenschliche Kon ak
und bilde demnach auch den An ang seine Rein eg a ion in eine gesellscha liche
O dnung. Demen sp echend we den wiede zei liche Angaben gemach : „da wide
kam in zwein agen“ (V. 3325). Diese zwischenmenschliche Kon ak bleib
o zdem au eine obe lächlichen Ebene und inde in einem Raum s a , de noch
zu Sphä e des F emden und de wilde gehö .131
Die Begegnung mi de F au on Na ison als Ve e e in eine hö ischen O dung
bedeu e einen zwei en Sch i in diese Rein eg a ion.132 Diese Episode ma kie
den Wiede gewinn seine Iden i ä als A us i e , abe noch nich als Gelieb e
Laudines. Dies wi d deu lich, als ihn die d ei Damen zum e s enmal sehen: Sie
e kennen Iwein, abe iden i izie en ihn nu seine He kun nach als Ri e des
A usho es: „ on bezze n züh en wa gebo n/ nie î e dehein/ danne mîn he
Îwein“ (V. 3400–3402). Auch als die Dame on Na ison annimm , dass sie ihn
130 Dazu Edi h Hagengu h (1969), S. 88, 90; Ma hias Meye (2004), S. 191.
131 Ane e Sosna (2003), S. 126–127.
132 Ebda., S. 127, 131.
33
kenn , be on sie als wich igs en Iden i ä s ak o , dass e de Sohn des Königs U ien
is (V. 2109–2111).
Nach de Heilung du ch die Salbe wi d sich Iwein zum e s en Mal seine
‚ ie ischen’ Si ua ion bewuss („und sich sô g iulîchen sach“, V. 3507). Sein inne e
Monolog ma kie den e s en Sch i de Iden i ä s indung.133 Mi dem Rückgewinn
des Ve s andes e lang Iwein die Fähigkei wiede , sich du ch Sp ache
auszud ücken: E sp ich mi sich selbs (V. 3508) und is dadu ch be ähig , übe
seine Iden i ä zu e lek ie en.134 Seine e s en Wo e in diesem Monolog sind:
„’bis ûz Îwein, ode we ?’“ (V. 3509). Iwein e inne sich an sein ühe es Leben,
abe bezeichne alle E inne ungen als T aum und denk , dass e in Wi klichkei ein
gebû e is : „’T oum, wie wunde lich dû bis !/ dû maches îche in ku ze is / einen
alsô swachen man/ de nie nâch ê en muo gewan’“ (V. 3549–3552). Dadu ch, dass
e sich an seine Ve gangenhei e inne , wi d deu lich, in welchem Maß das Elemen
de Zei mi de Iden i ä e bunden is : Du ch die Rückkeh des Zei bewuss seins
mi de E inne ung gewinn Iwein seine Iden i ä zu ück.135 T o zdem wi d die Zei
in diese Episode noch nich gemessen. Indem die Zei ein Elemen de
gesellscha lichen O dnung da s ell , zeig ih e Abwesenhei , dass Iwein noch nich
ganz ins gesellscha liche Leben in eg ie is .136
Nach dem Kamp gegen Alie s wi d Iwein ê e zu Teil, das heiß , e gewinn seine
Iden i ä inne halb de hö ischen Gesellscha zu ück. Was e o he noch als
T aum bezeichne ha , e weis sich je z als wi klich. Seine Liebe gegenübe Laudine
bleib hingegen noch ein T aum.137 Nach seinem Sieg e läss Iwein Na ison, ohne
133 Ing id Hahn (1985b), S. 213. Dazu Klaus Speckenbach: „Diese Selbs besinnung ha Ha mann
unabhängig on seine Vo lage einge üg , was seine besonde e Au me ksamkei gegenübe dem
Iden i ä sp oblem un e s eich “ (Speckenbach, 1998, S. 125). Auch Ane e Sosna (2003), S. 129–
130.
134 Indem Iwein zue s mi sich selbs in de zwei en Pe son sp ich und eine F age s ell , wi d de
Monolog als ein Dialog mi einem ik i en Dialogpa ne da ges ell . E s im nächs en Sa z sp ich
e in de e s en Pe son (Ane e Sosna, 2003, S. 129). Übe die Rolle des inne en Monologs ü die
Da s ellung de Inne lichkei eine Figu : Ma hias Meye (2004), S. 92.
135 Wal e Haug in e p e ie das Momen de E inne ung ande s. Die E inne ung üh „nich zu
eine Au a bei ung de Ve gangenhei , sonde n de Rückbezug se z sich unmi elba wiede in
Handlung um, denn es is die o gegebene S uk u , die das Geschehen äg , es ließ nich aus
einem subjek i en Bewuß sein. Und so dien denn die E inne ung auch nich eine subjek i en
Iden i ä skons i u ion, ih Sinn bes eh ielmeh da in, den jeweiligen s uk u ellen O im Spiel de
Ko espondenzen und Kon as e zu ma kie en, an dem de Held sich be inde “ (Haug, 1996, S.
187).
136 Dazu Ma hias Meye (2004), S. 193.
137 Edi h Feis ne (1999), S. 258.
34
dass e o he die eindeu igen Liebese klä ungen de Dame on Na ison beme k
ha („si ba in mi gebæ den gnuoc;/ daz e doch ha e inge uoc“, V. 3819–
3820).138 Nachdem Iwein den Löwen ge e e ha , ei e e au de Suche nach
Aben eue n ie zehn Tage du ch den Wald (V. 3917–3919). Dann gelang e zu ällig
zu Quelle und e inne sich schlaga ig an Laudine. Hie e schein auch die ande e
Iden i ä sebene Iweins, die Iden i ika ionsebene (die on seine Liebe ü Laudine
ma kie is )139 in Ve bindung mi de Zei , konk e mi de Rückgewinnung de
e gangenen Zei in de E inne ung.140 Die E inne ung is on Schme z beglei e :
„des wa sô iuwec sîn lîp,/ on jâme wa im alsô wê,/ daz e il nâch als ê/ on
sînem sinne was komen“ (V. 3936–3939).141 Sein Schme z wi d du ch seine ühe e
Iden i ika ion und die je zige Unmöglichkei , mi de gelieb en Pe son zusammen zu
sein, e u sach . Iwein sehn sich nach dem ühe en Glück: „’wæ mi nih
geschehen heil/ und liebes ein il michel eil,/ sone wes ich waz ez wæ e [...] nû
uo mi daz senen wê’“ (V. 3979–3984).142 T o zdem spiel die ê e imme noch eine
wich ige Rolle in Iweins Monolog. Dies läss eine Spannung zwischen beiden
Iden i ä sebenen Iweins en s ehen:
„E is noch baz ein sælec man
de nie dehein ê e gewan
dan de ê e gewinne
und sich sô nih e sinne
daz e sî behal en künne.“ (V. 3969–3973)
An de Quelle i e die ge angene Lune e. Hie is das wich igs e
Iden i ika ionsme kmal Iweins imme noch sein Name, de mi seine Abs ammung
e bunden is :
138 Iwein e inne sich noch nich an Laudine. De E zähle sag als E klä ung de
Unau me ksamkei Iweins: „sone s uon ab niende sîn muo “ (V. 3800)
139 In Ve bindung dami weis Edi h Hagengu h da au hin, dass Iwein e s sein ganzes
Selbs bewuss sein wiede e lang , als e an de Quelle ankomm (Hagengu h, 1969, S. 104–105).
140 Dazu Ane e Sosna (2003), S. 134.
141 Ing id Hahn be on den Zusammenhang zwischen Iweins Iden i ä und seine
Schme ze ah ung: „Hie abe se z de ‚Iwein’ ganz neu ein, zeig e doch die immanen en
Bedingungen ü den P ozeß de Pe sonenwe dung, das ‚E wachen’ des To en du ch die E ah ung
on Schme z“ (Hahn, 1985b, S. 212).
142 De Un e schied zu de Si ua ion o de K ise is , dass die ê e je z in Ve bindung mi Lune e
o komm , wäh end sie o he ü Iwein ein Ziel in sich selbs wa (Timo hy McFa land, 1988, S.
153–154).
35
„Welhen Îwein meine i ?“ sp ach e .
sî sp ach „he e, daz is de
du ch den ich lîde disiu ban .
sîn a e is genan
de künec U jên.“ (V. 4179–4183)
Lune e gib ihm bekann , dass sie am nächs en Mo gen hinge ich e we den soll
(V. 4070–4071).143 Iwein nimm an, dass e an Lune es gegenwä ige Si ua ion die
Schuld äg und e sp ich ih , pünk lich am nächs en Tag zu ückzukeh en, um ü
sie zu kämp en: „’und wa e mîn mo gen uo:/ ich kume ze guo e kamp zî ’“ (V.
4308–4309). Dami i wiede das Te minmo i au . Neben de Te minp lich , die
Iwein gegenübe Lune e au sich nimm , e p lich e e sich gegenübe de jüngs en
Toch e des G a en on Schwa zdo n, einen wei e en Te min einzuhal en. In
beiden Fällen handel es sich um Te mine ü Ge ich skämp e. Die neuen
Aben eue und Au gaben, die ihm zwischen beiden Te minen zu allen, bewi ken,
dass Iwein imme un e Zei d uck s eh . Dies is sowohl in de Episode mi dem
Riesen Ha pin als auch au de Bu g zum Schlimmen Aben eue de Fall. Iwein häl
nu knapp die F is en ein.
Mi de Ein üh ung de Te mine e häl die Zei wiede eine wich ige Bedeu ung
in de Handlung, im Gegensa z zu den Episoden on Iweins K ise und seines
Au en hal es bei de F au on Na ison. Indem Iwein hie imme ein Ziel o sich
ha , üh en diese Te mine o Augen, dass die Zei e was is , das e läu .
Auße dem kann Iwein beweisen, indem e sich Mühe gib , die Te mine nich zu
e säumen, dass e die Bedeu ung de Zei als Regulie ungselemen des
gemeinscha lichen Lebens ane kenn . E is deswegen auch ähig zu einem Leben
mi ande en.
Nachdem Iwein Lune e e lassen ha , gelang e in eine Bu g, de en Einwohne
on einem Riesen, Ha pin, bed oh we den.144 Iwein zeig hie wiede seine
Fähigkei zu Empa hie mi den Bu gbewohne n: „Dô de gas sîn ungemach/
beidiu gehô e unde gesach,/ daz begund im an sîn he ze gân“ (V. 4507–4509), „nû
e ba me diz sê e/ den î e de des lewen p lac“ (V. 4740–4741), „Daz beweg im
143 Dieses Momen ma kie das Ende de F is on ie zig Tagen, die Lune e gegeben wu de, um
einen Ve eidige zu inden (V. 4152).
144 Ha mu Kugle ha gezeig , wie eine Vo s ellung on Gleichzei igkei zwischen diese Episode
und de Episode de En üh ung Gino e s mi Hil e de zei lichen Angaben e eich wi d (Kugle ,
1996, S. 119). Wie de Bu ghe Iwein sag , wu de die Königin eine Woche o Iweins Ankun au
de Bu g en üh (V. 4530).
36
den muo “ (V. 4859).145 T o zdem kann in diesem Fall nich on eine pe sonalen
Iden i ika ion wie bei Laudine gesp ochen we den: Es wi d in keinem Momen
e wähn , dass Iwein den Schme z de Bu gbewohne selbs e ah en will. Indem die
Beziehung zu Laudine on Liebe bes imm is , implizie sie einen höhe en
Ve bindungsg ad.
Die F eundscha zu Gawein is auch maßgebend ü die Hil eleis ung: Die
Bu ghe in is Gaweins Schwes e , was wiede um die indi ek e Anwesenhei des
A usho es in de Handlung bedeu e . Deswegen ühl sich Iwein gezwungen, den
Bewohne n de Bu g zu hel en. Iwein selbs be on nach dem Tod des Riesen, dass
die F eundscha zu Gawein und nich die Ane kennung des Ho es de einzige
G und seine Hil eleis ung is : „’und sul im [Gawein] des genâde sagen/ swes ich iu
hie gediene hân:/ wan daz hân ich du ch in ge ân’“ (V. 5120–5122).
Die ê e ha also eine sekundä e Rolle ü den Helden eingenommen. Obwohl sie
ü Iwein noch on Bedeu ung is („’ezn gil e lü zel noch il,/ niuwan al mîn ê e’“,
V. 4874–4875), e wähn e nie seinen Namen und s ell sich nu als Löwen i e o :
„’ âge iuch wiech sî genan ,/ sô uo im daz e kan / daz ein lewe mi mi sî’“ (V.
5123–5125).146 Indem e au seinen Namen, das bishe wich igs e Me kmal
hö ische Iden i ä , e zich e , e zich e e auch au seine Iden i ä als A us i e
und au seine ê e, die seine Bekann hei du ch den Namen implizie .147 E
dis anzie sich on den Iden i ä s ak o en, die mi dem Namen Iwein assozie
we den und such sich dami eine neue Iden i ä ,148 die s ä ke au de Ebene de
Iden i ika ion be uh . Diese Suche nach eine neuen, au onomen Iden i ä is mi
de Liebe zu Laudine e bunden: Die Suche nach seine Iden i ä is die Suche nach
Laudine.
Iwein muss Lune e Hil e leis en und nimm deswegen den Kamp gegen Ha pin
nu un e eine Bedingung an:
145 Ane e Sosna (2003), S. 139; Ma hias Meye (2004), S. 209, 211.
146 Die Ta sache, dass Iwein seinen Namen nich e wähn , wi d spä e on Gawein wiede hol , als
beide gegeneinande kämp en: „’i n wolde sî nih wizzen lân/ wie i wæ en genan ’“ (V. 7754–
7755).
147 Übe diese Ve bindung om Namen des Ri e s mi de sozialen Iden i ä siehe Judi h Klinge :
„Im A us oman is de Name des e olg eichen Ri e s om Glanz seines Ruhms umgeben, e is
das Signum seine pe sönlichen Quali ä [...] das Bekann sein seines Namens ga an ie ihm eine
o wäh ende P äsenz in de hö ischen Ö en lichkei , auch wenn e selbs e n on ih is “
(Klinge , 2001, S. 112).
148 Ane e Sosna (2003), S. 141.
37
„ich sag iu wie ich in bes ê.
als ich iu gelobe e ê,
kum e uns uo ze selhe zî ,
swenne sich ende de s î ,
daz ich umbe mi en ac
i ze hel e komen mac
de ichz ê gelobe hân,
sô wil ich in du ch iuch bes ân,
du ch mîne ouwen hulde,
und du ch iuwe unschulde.“ (V. 4793–4802)
E bleib eine Nach au de Bu g (V. 4818–4820) und is am nächs en Mo gen
be ei , gegen Ha pin zu kämp en. Als de Riese abe nich e schein , ge ä Iwein in
einen Kon lik :
„wâ is de dâ komen sol?
mîn weln enkum mi nih wol:
ich sûme mich il sê e.
ez gâ an alle mîn ê e
swaz ich nû hie gebî e:
ez is zî daz ich î e.“ (V. 4829–4834)
Diese Kon lik wi d in einem Monolog da ges ell , in dem Iweins Innenwel ü
den Lese du chsich ig wi d (V. 4870–4913).149
Nu de plö zliche Au i des Riesen lös den Kon lik : Iwein kann ihn ö en
und ech zei ig Laudines Land e eichen. E komm o zdem seh knapp zu diesem
e s en Te min: E kann das Land e s am Mi ag e eichen (V. 5150), als be ei s alles
ü Lune es Ve b ennung o be ei e is . Als e Laudine sieh , emp inde e einen
g oßen Schme z, wiede du ch die Unmöglichkei e u sach , seinen Wunsch, ih
nahe sein zu können, zu e üllen:
und was on sînen wi zen
il nâch komen als ê:
wand sî sagen , ez uo wê,
swe sînem he zenliebe sî
alsô gas lichen bî. (V. 5194–5198)
149 Dazu Ane e Sosna (2003), S. 140.
38
Iwein kämp gegen den T uchsess und dessen B üde und besieg sie. Nach dem
Kamp ü Lune e gib e sich o Laudine wiede als de Löwen i e zu bekennen
(V. 5502).
Spä e bi e ihn auch die Toch e des G a en om Schwa zen Do n, dass e ü
sie kämp . Sie üh mi ih e Schwes e einen ge ich lichen S ei aus, de am
A usho ausge agen we den soll. Das Mädchen ha do e geblich nach einem
Ri e gesuch , de ü sie kämp . Fü den Kamp wi d ein Te min in ie zig Tagen
es geleg : „dô sp ach de künec ‚sô is hie si e,/ swe û den ande en clage,/ daz e
im wol ie zec age/ kamp es müeze bî en’“ (V. 5742–5745), „nû wa de kamp
gesp ochen/ übe sehs wochen“ (V. 5755–5756). Sie begib sich au die Suche nach
dem Ri e mi dem Löwen, on dem sie gehö ha , abe eine K ankhei mach es
ih unmöglich, wei e nach ihm zu suchen. Eine Ve wand e übe nimm diese
Au gabe ü sie und als diese Iwein inde , gib sie ihm das Da um des Te mins
bekann : „’übe sehs ehalbe wochen/ sô is ein kamp gesp ochen/ zwischen in
beiden’“ (V. 6027–6029).
Iweins Mi ge ühl mi de Bo in150 üh ihn zu Übe nahme des Kamp es ü die
Toch e des G a en om Schwa zen Do n.151 Danach ge ä e abe in ein neues
Aben eue au de Bu g des Schlimmen Aben eue s, au de e die 300 ge angenen
Jung auen inde . Als Iwein ih e Si ua ion e kenn , wi d seine Fähigkei zu
Empa hie deu lich: „ouch muo in sê e i a bei “ (V. 6303), „Nu e ba me in i
ungemach“ (V. 6407).152 Nach dem Kamp gegen die zwei Riesen e wähn Iwein
o dem Bu ghe n den Te min: „’wand ich nû in disen agen/ einen kamp muoz
bes ân,/ den ich alsô genomen hân’“ (V. 6820–6822). E bleib o zdem sieben
Tage länge au de Bu g, um seine Wunden heilen zu lassen: „und behab e [de
Bu ghe ] den gas bî im dâ/ unz an den sibenden ac“ (V. 6844–6845). Als Iwein
schon au geb ochen is , sag de E zähle :
nu en wel en sî nih lange dâ:
wan in was diu kamp zî alsô nâ
daz in de age zuo i a
dewede geb as noch übe wa ,
und kâmen ze eh en zî en. (V. 6877–6881)
150 „wand e i daz wol an sach/ daz sî nâch im ungemach/ û de e e he e e li en,/ do begunde
ouch e i heiles bi en./ e sp ach ‚ ouwe, mi is lei / al iuwe a bei :/ und swâ ich die e wenden
kan,/ dâne wi e iu nih an’“ (V. 6005–6012).
151 Ma hias Meye (2004), S. 220–221.
152 Ane e Sosna (2003), S. 145.
39
Danach geh e wegen des Ge ich skamp s ü die G ä in om Schwa zen Do n
zum A usho . In diesem Momen b auch Iwein keinen Namen meh , um sich den
ande en o zus ellen („und enwas ouch niemen dâ e kan / wie de î e wæ e
genan “, V. 6905–6906): E benu z schon lange nich meh den Namen ‚Iwein’, um
sich auszuweisen, und läss sich auch nich meh om dem Löwen beglei en (V.
6902–6904), so dass e auch nich meh den Namen des Löwen i e s nenn . Als de
Kamp zwischen Iwein und Gawein beginn , ück wiede die Thema ik de ê e in
den Vo de g und: Gawein und Iwein kämp en, um ih e ê e zu e g öße n (V. 7208,
7274, 7281):153 „We ge ne lebe nâch ê en,/ de sol il s a ke kê en/ alle sine sinne/
nâch e elîchem gewinne“ (V. 7175–7178).
Als Iwein Gawein e kenn , e wähn e zum e s en Mal wiede seinen ech en
Namen. Die Episode des Kamp es bedeu e also Iweins Rein eg a ion in den
A usho : Wenn e o he mi de Annahme des Pseudonyms au seine soziale
Iden i ä e zich e ha , gewinn e sie je z wiede zu ück.154 Nach dem Kamp wi d
Iwein auße dem als de Löwen i e e kann (V. 7740–7744), was den olls ändigen
Rückgewinn seine ê e bedeu e : Die Ta en des Löwen i e s we den ihm
zugesp ochen und so e häl e die Ane kennung des Ho es.
T o zdem ha die ê e je z eine ande e Bedeu ung ü Iwein als am An ang des
Romans. Iwein is nun ähig, sich in Gaweins Posi ion hineinzu e se zen und
dessen Wünche nach Ane kennung zu e s ehen. Iwein is deswegen auch be ei ,
au seine eigene ê e zu e zich en, dami Gawein die Anne kennung de ande en
bekommen kann: „’ich siche in iuwe gebo :/ wan daz weiz unse he e go / daz
ich sigelôs bin./ ich scheide iuwe ge angen hin’“ (V. 7563–7566). Dieses Mi ge ühl
be uh au Gegensei igkei : „De ede il dâ geschach,/ daz man i ie wede n sach/
des ande n p îs mê en/ mi sîn selbes ê en“ (V. 7643–7646). Die F eundscha zu
Gawein is ü Iwein wich ige als die ê e gewo den und so is die Beziehung
zwischen beiden nich meh , wie am An ang des Romans, du ch Konku enz
gep äg . Obwohl es ielleich zu s a k schein , on Iden i ika ion zu sp echen, is es
zumindes möglich zu sagen, dass Iwein gegenübe Gawein Empa hie emp inden
kann.
153 Dazu Ane e Sosna (2003), S. 148.
154 Vo he , zum Beispiel nach dem Kamp ü Lune e, woll e e seinen Namen nich e wähnen (V.
5494–5501).
40
Iweins Rein eg a ion in den A usho inde also nich un e denselben
Bedingungen s a wie o he : E is je z nich nu Iwein, sonde n auch de
Löwen i e . Das bedeu e , dass e sich aus seinem e mein lich o he bes imm en
Schicksal gelös ha , um seine eigene Iden i ä zu bilden.155 Iwein ha sich om
A usho unabhängig gemach , wie sein Kamp gegen Gawein, den idealen Ve e e
desselben, zeig . T o zdem bleib die Ebene seine Iden i ä als A us i e noch
e hal en: De Kamp gegen Gawein ende unen schieden.
E is je z also nich allein ein A us i e und e läss deswegen den A usho ,
um zu Quelle zu gehen. E ei e zu Laudine, gewinn ih e Liebe wiede und dami
auch eine neue gesellscha liche Rolle als He de Quelle. Die Ve söhnung mi
Laudine wi d du ch die gegensei ige Iden i ika ion zwischen ihnen bes imm : Wenn
sich Iwein am An ang des Romans mi Laudines Schme z iden i izie ha , zeig je z
auch Laudine die Fähigkei , sich mi Iwein zu iden i izie en. Sie leide mi Iweins
e agenem Schme z mi und e kenn an, dass sie eilweise an seinem Leid schuldig
is :156 „’des wil ich iuch du ch go bi en/ daz i uoche mi e geben,/ wand e
mich, unz ich hân daz leben,/ on he zen ieme iuwen muoz’“ (V. 8126–8129).
Iwein ha sich also am Ende des Romans endgül ig om A usho unabhängig
gemach . Du ch seine Fähigkei , sich mi den ande en (haup sächlich mi Laudine)
zu iden i izie en, ha e eine neue Iden i ä sebene e eich , die wich ige gewo den
is als seine Iden i ä als A us i e . In diesem P ozess spielen die e schiedenen
Aben eue , in denen Iwein allein, on de Gesellscha isolie , in einem
auße hö ischen Gebie (dem Wald) ei e , eine wich ige Rolle. Sie sind, wie Ane e
Sosna sag , „O de kausal ode auch nich -kausal mo i ie en Begegnung mi
un e schiedlichen In e ak ionspa ne n bzw. Figu enkons ella ionen und inso e n
O de Kon on a ion mi e schiedenen In e ak ionss uk u en, die übe den
P ozeß de Abg enzung ode Iden i ika ion E ecs und Iweins Iden i ä sgenese
beein lussen“.157 Iwein kann sich abe e s dann om A usho unabhängig machen,
wenn die E scheinung diese neuen Iden i ä sebene on eine neuen
155 Edi h Feis ne be on , dass Iwein „zwa Teil de Gesellscha , abe nich mi ih iden isch is “
(Feis ne , 1999, S. 261).
156 Hie auch de inie die Iden i ika ion mi Iwein Lune e als Indi iduum. Dazu Ing id Hahn: „Als
Liebende und Ve s ehende an wo e sie Iwein nun ih e sei s nich meh aus eine Rolle, sonde n
als Pe son. Da in abe lieg die ie s e Legi ima ion ü Iweins neue, ‚soziale’ Iden i ä “ (Hahn,
1985b, S. 217)
157 Ane e Sosna (2003), S. 156.
41
gesellscha lichen Rolle auße halb des A usho es beglei e wi d, wie es am Ende des
Romans geschieh .
Im Ve lau diese Analyse des Iwein habe ich he o gehoben, dass das Thema de
Iden i ä skons i u ion im Zen um des Romans s eh . Iweins Iden i ä wi d am
An ang on seine Rolle als A us i e de inie . Die Liebe zu Laudine bedeu e das
En s ehen eine ande en Iden i ä sebene. Iwein is zu Beginn nich ähig, diese neue
Ebene in seine Pe sönlichkei zu in eg ie en, was die K ise e u sach , in de e in
einen Zus and on Iden i ä slosigkei äll . Als e geheil wi d, muss e seine
Iden i ä wiede kons i uie en. Im Lau e de e schiedenen Aben eue bes eh
zwischen beiden Iden i ä sebenen eine Spannung, bis e am Ende ein Gleichgewich
zwischen beiden he s ellen kann und eine neue, au onome Iden i ä e lang . Da
beide Ebenen Teil de Iden i ä Iweins sind, kann man nich on eine
Übe eins immung zwischen gesellscha liche Rolle und Iden i ä sp echen, wie iele
Au o en in Bezug au das Mi elal e e mu en: Iwein is meh als nu seine
gesellscha liche Rolle.
Iweins neue Iden i ä wi d du ch die Unabhängigkei gegenübe dem A usho
ma kie , wie du ch die Annahme eine neuen gesellscha lichen Rolle an Laudines
Ho deu lich wi d. Dies bedeu e gleichzei ig, dass Iweins Iden i ä du ch seine
gesellscha liche Rolle und seine Iden i ika ion mi eine äuße en Ins anz bes imm
wi d, abe diese Iden i ika ion implizie nich , dass e nich ü ein Indi iduum
gehal en we den kann: Es is ge ade seine Fähigkei , sich mi ande en zu
iden i izie en, was die E ablie ung seine eigenen, nich meh on Gebu an
mi gegebenen Iden i ä e möglich .158
Da seine Iden i ä sich modi izie , e leb Iwein im Ve lau des Romans eine
En wicklung. Diese En wicklung kann nu inne halb eine e lau enden Zei , eine
linea en Zei , s a inden. Diese linea e Zei wi d mi Hil e on zwei Mo i en
da ges ell : eine sei s mi dem Mo i de E inne ung und ande e sei s mi dem
Te minmo i . Iwein komm aus einem bes imm en O und ich e sich au ein Ziel.
Wie Wal e Haug sag , „Subjek i -pe sonale Iden i ä kons i uie sich übe die
E inne ung. De Mensch kann on sich nich sagen: ‚Ich bin, de ich bin’, sonde n
imme nu : Ich bin, de ich wa und de ich sein we de [...] das Ich se z sich selbs
158 Diese Ve bindung zwischen de Fähigkei zu Iden i ika ion und de Indi iduali ä wide sp ich
de These Judi hs Klinge , die in de E ah ung de Einhei zwischen T is an und Isolde ein
Hinde nis ü die E langung de Indi iduali ä sieh (Klinge , 1999, S. 137).
48
is ein Zeichen des gemeinsamen Handens Ka ls und is auch im Rolandslied zu
inden.175 Da i sich Ka l auch o mi seinen Ri e n, um ih en Ra einzuholen.
Im Gegensa z zum Roman Ha manns e g ei im Daniel A us die Ini ia i e,
indem e zu kämp en beschließ . Diese En scheidung A us’ wi d du ch den
Hinweis au seine s a ke mili ä ische K a noch be on („’geschih mi nô deheine
we e,/ mi b inge ein k e igez he e/ mîn be e unde mîn gebo ’“, V. 491–493).176
Die ak i e Rolle des Königs bedeu e eine wich ige Ve ände ung in Bezug au den
klassischen A us oman, in dem A us ehe ein passi es Ve hal en einnimm .177
Auße dem inde do auch kein K ieg s a . Wäh end im Iwein de Held schon alles
gelös ha , als A us an de Quelle ankomm , üh A us im Daniel sein Hee in die
ie Schlach en gegen Cluse und nimm augesp ochen ak i am Kamp eil.178 Die
Handlung wi d also zu einem Kon lik zwischen zwei Gesellscha en, zwei Lände n,
die on ih en beiden Königen e e en we den.179 Diese Auseinande se zung
e eich ih en Höhepunk im Kamp zwischen A us und Ma u , de – wie die
Fo schung e kann ha – dem Kamp zwischen Ka l und Paligan im Rolandslied bzw.
im Ka l en lehn is .180 Obwohl Daniels Hil e ü den Sieg wich ig is , e eich e ihn
nich allein, wie es in den e schiedenen Aben eue n Iweins geschieh . Daniel s eh
im Diens e A us’. E e olg nich seine eigenen In e essen.
Dies üh uns zu de E kenn nis, dass die Handlung des Daniel in zwei
Abschni e ge eil we den kann: In einigen Episoden e schein Daniel als Haup igu
nach dem Modell des klassischen A us omans, wäh end in ande en die
175 Gus a Rosenhagen (1890), S. 53. Im Rolandslied: „dô lade e zwel hê en,/ die die wîses en
wâ en,/ die sînes he es phlege en“ (V. 67–69), „Aines mo genes uo/ de keise o de ô e da
zuo/ bisco e unde he zogen“ (V. 891–893). Ka l bi e explizi um Ra : „’nû â e , waz wi da
umbe uon./ nû â e go es ê e’“ (V. 906–907). Im Ka l: V. 1734 . Übe den Ra im Rolandslied:
Ma ianne O -Meimbe g (1980), S. 119–120, 134–139.
176 Dazu Regina Pingel (1992), S. 196–197. Auch im Rolandslied wi d e wähn , wie Ka l ein g oßes
Hee e sammel : „die bo en s ichen in daz lan ,/ i iegelîch da e wa gesan ./ si sage en s e ke
niumæ e./ diu lan bes uon en alle mais læ e“ (V. 159–162), „Mi michelem magene/ kom daz he
zesamene“ (V. 175–176). Im Ka l: V. 605 .
177 Elke Mülle -Ukena (1984), S. 28; Ka in R. Gü le (1976), S. 233–234. Übe die ak i e Rolle des
Königs im chanson de ges e im Gegensa z zum A us oman siehe Hans Robe Jauss (1963), S. 73.
178 In meh e en anzösischen Romanen des 13. Jah hunde s nimm A us an Kämp en eil, jedoch
wi d dies als e was Nega i es da ges ell , dass o dadu ch e u sach wi d, dass A us schlech
be a en wu de. Bea e Schmolke-Hasselmann zi ie den Du ma und den Yde als Beispiel da ü . Im
e s en Roman wi d A us ge a en, au de alschen Sei e zu kämp en. Im zwei en kämp e , weil e
einen hohen Lohn e eichen will (Schmolke-Hasselmann, 1980, S. 52).
179 Nach Ma ianne O -Meimbe g s eh auch Ka l, de als ein o bildliche He gezeichne wi d, im
Zen um de Gemeinscha (O -Meimbe g, 1980, S. 117).
180 Gus a Rosenhagen (1890), S. 52; Ka in R. Gü le (1976), S. 229; Ma hias Meye (1994), S. 36.
49
Gemeinscha diejenige is , die diese Rolle einnimm . Man kann on de
Anwesenhei zweie P o agonis en sp echen, nämlich Daniel und A us.181
2.1.2 Das Mo i des Zo ns
De zo n is ein Mo i , das adi ionell in Ve bindung mi dem Helden und seinen
auße gewöhnlichen Ta en au i und in de deu schen mi elal e lichen Li e a u
eine wich ige Rolle spiel . T o zdem ich e sich de Zo n nich gegen die
gesellscha liche O dnung, sonde n e wi d als ge ech und den gemeinscha lichen
We en en sp echend emp unden.182 Auch im Rolandslied und im Ka l sowie in de
gesam en chanson de ges e-T adi ion) nimm de Zo n eine zen ale S ellung ein.183 E
wi d als Ausd uck de Kamp be ei scha des Helden posi i gewe e . So we den
die ch is lichen Helden du chgängig als zo nig da ges ell : „ il ha e zo nlîche/
Ruolan an den künc d anc“ (V. 6291–6292), „ch is en mi zo ne/ bes uon en si dâ
o ne“ (V. 7058–7059), „De kaise e zu n e ha e“ (V. 8771). Im Ka l: „dô wa mi
g imme dâ gespiel “ (V. 5131), „du ch den schedelîchen zo n“ (V. 5310), „schil
unde swe si nâmen/ und huoben einen g ôzen s i ./ dâ wa haz zo n unde nî /
e zeige olleclîche“ (V. 5912–5915), „g immige s î “ (V. 6987), „dô sach man slac
und wide slac,/ dô sach man zo n wide zo ne“ (V. 7402–7403).184 De Zo n de
Ch is en im Kamp gegen die Heiden be uh au dem Zo n Go es, de sich gegen
den Bösen und Ungläubigen ich e :185
die di abe wide sin ,
die heizen des iu eles kin
un sin allesam e lo n.
die slehe de go es zo n
an lîbe un an sêle. (Rolandslied, V. 59–63)
Die Legi imie ung des Zo ns de Ch is en wi d du ch die E wähnung bes imm e
S ellen des Al en Tes amen s konk e isie (wie de Exodus), die au den Zo n
181 Dazu Elke Mülle -Ukena (1984), S. 28; Sabine Böhm (1995), S. 180.
182 Dazu Klaus Ridde (2003), S. 212.
183 Übe das Mo i des Zo ns des Helden in de mi elal e lichen Li e a u siehe Klaus G ubmülle
(G ubmülle , 2003, S. 51–54). E e nein , dass dieses Mo i nu ü bes imm e Ga ungen zu i .
184 Auch die Heiden we den im Rolandslied als zo nig da ges ell : „Haiden, die g immen“ (V. 4735),
„Ma silie kom mi zo ne“ (V. 5481), „die wuo igen haiden“ (V. 6548).
185 Klaus G ubmülle (2003), S. 54.
50
Go es e weisen: „de luoch müeze übe si we de,/ dâ go mi sînem gewal e/
Pha aonem nide al e“ (Rolandslied, V. 5744–5746).186 Fehl die eligiöse
Legi ima ion des Zo ns, so is diese nega i konno ie . Zum Beispiel sag Ka l dem
zo nigen Genelun: „’bedenke dich, hel iu e,/ zo n is nehein guo ’“ (Rolandslied, V.
1497–1498).187
In den Schlach en des Daniel sind eine Reihe on Zi a en zu inden, die sowohl
aus dem Ka l als auch aus dem Rolandslied übe nommen sind.188 Viele on diesen
Zi a en s ehen in di ek e Ve bindung mi de Da s ellung des Zo ns im Kamp .
Wie Man ed Eikelmann gezeig ha , sind die olgenden Zi a e aus dem Ka l
Me aphe n, „die den E ns , die A ek geladenhei und die b u ale Gewal des
Kamp es, das Tö en und Ge ö e we den in de Schlach aussagen“:189
sie i en in dem bluo e, sie wuo en im bluo e unz an diu knie.
daz gie den ossen an diu knie. (Ka l, V. 5159)
(Daniel, V. 5628–5629)
sô e in dem bluo e muos e baden die heiden des nih genuzzen,
unz an die s unde daz e e anc. wandes in i bluo e luzzen
(Daniel, V. 5680–5681) e slagen unde e enke .
(Ka l, V. 6981–6983)190
swem sô umplîche geschah swe in den schil en gegen bô ,
daz e den schil gegen im bô , dâ was ge ei e de ô .
dô was ge ei de ô . (Ka l, V. 6009–6010)191
(Daniel, V. 3618–3620)
daz wa ein spiel sô swæ e alsô g ôzlîche e sch ac,
daz sie die wunde wo h en, daz e wânde ez wæ e de suon ac,
daz sie des alle o h en sô daz iu on himele gâ .
daz de suon ac wolde we den (Ka l, V. 6969–6971)192
186 Ka l: V. 6806–6808. Zi ie nach P a en Kon ad (1993) und De S icke (1965).
187 Klaus G ubmülle (2003), S. 57.
188 Gus a Rosenhagen (1890), S. 94–97; Man ed Eikelmann (1989), S. 111; Ma hias Meye (1993),
S. 188; Ma hias Meye (1994), S. 36; Ka in R. Gü le (1976), S. 229–231. Au jeden Fall sind
einige de Wendungen, die Rosenhagen au zeig , so allgemein, dass es komplizie wä e zu
beweisen, dass sie wi klich aus dem Rolandslied s ammen.
189 Man ed Eikelmann (1989), S. 111.
190 Im Rolandslied is auch dieses Zi a zu inden: „in i bluo e si hin luzzen/ e s icke un
e unken“ (V. 5972–5973).
191 „swelhe in den schil engegen bô ,/ den was ge ai e de ô “ (Rolandslied, V. 5029–5030).
192 „si hiewen sich mi den swe en,/ daz sie selben wol en wæne,/ daz daz himel iu wæ e/ komen
übe alle die e de,/ daz de suon ac scol e we de“ (Rolandslied, V. 5948–5952).
51
und übe al die e den
daz himel iu wæ e komen.
(Daniel, V. 3122–3127)
[....] wand sie ge en sin ge en nih es mê e,
daz sie e kou en daz leben. wan daz si den lîp il sê e
(Daniel, V. 3440–3441) e gul en und e kou en.
(Ka l, V. 9991–9993)
den alle he es en g uoz daz in ze he e was de g uoz,
den ie dehein man mê gebô , die en unnen dannen ze uoz.
den gap man, daz was de ô . (Ka l, V. 6525–6526)
(Daniel, V. 5662–5664)
dâ wa beidiu an wu und g uoz
mi dem swe en gegeben.
daz gie mangem an daz leben.
(Daniel, V. 3504–3506)
sie wu den alle gesa e und mah en manegen s î es sa .
in de wi sche e. (Ka l, V. 9848)
(Daniel, V. 5206–5207)
swie il de liu e wæ e, in was alsô ge ûme ,
dâ was ein g iezwa e daz si dehein g iezwa e schie .
de in allen samen gewa e. (Ka l, V. 10152–10153)
(Daniel, V. 5162–5164)
de selbe g iezwa e
was geheizen de ô .
(Daniel, V. 5170–5171)
de künic uo e ein salben quam ez dem bischo e ze slage,
an beiden sînen handen daz ez nâch dem selben age
gegen den îanden, gebuoz e nieme dehein smi ,
[...] ode daz da unde daz li
daz was ein swe daz e uoc. ieme a zâ do e gesalben.
(Daniel, V. 5638–5645) (Ka l, V. 6513–6517)
i a zenîe was de ô .
(Daniel, V. 5244)
Es gib im Daniel einige Ve gleiche, die aus dem Rolandslied s ammen:
sie uog en daz de s ahel b an de s âl muose dâ b innen
52
eh e als ez holz wæ e. sam e holz wæ e.
(Daniel, V. 3120–3121) (Rolandslied, V. 4646–4647)193
sam de mache ein ge iu e e e sam de guo e iu æ e,
und kê e sînen lîz da an de ge ne wol bûwe
und houwe allez daz ha dan un al daz nide houwe ,
daz im dehein schaden bi daz im den sca be en mac,
unz daz de acke om wi , sô wi de acke bûha .
alsô sluoc e z nide allez ga sam e de wunde küene man,
swaz im deheinen schaden ba . im ne mach nih leben iges o gehaben.
(Daniel, V. 5060–5066) (Rolandslied, V. 8210–8216)
Wie zu sehen is , sind alle diese Zi a e Teil de Da s ellung des Kamp es
zwischen dem A usho und Cluse. De Zo n als wich igs es Ve hal ensmus e
komm also nich in allen Episoden des Daniel o , sonde n inbesonde e in
denjenigen, in denen die Gesellscha eine wich ige Rolle spiel .
2.2 In e ex uelle Bezüge zwischen
Daniel
und
Iwein
2.2.1 Die Zei
Die Zei is ein Fak o , de im Daniel wie auch im Iwein eine wich ige Rolle
spiel .194 Pa allel zu Iwein ha Daniel zwei Te mine in Cluse einzuhal en: E muss an
de G enze des Landes e scheinen, um den Riesen zu ö en, be o A us und sein
Hee ankommen. Auch nach de Be eiung des G a en om Lieh en B unnen in de
G üenen Ouwe muss e ech zei ig zu zwei en Schlach in Cluse sein. De e s e
Te min p äg die zwei e s en Aben eue und den e s en Teil des Aben eue s in de
G üenen Ouwe. Die Bedeu ung dieses Te mins ü die Handlung wi d du ch seine
häu ige E wähnung am An ang des We kes gezeig : Ach Mal in nu ünzig Ve sen
(V. 841, 894, 907, 937, 942, 959, 989, 994).195
193 Im Ka l is auch ein ähnliches Zi a zu inden: „si sluogen di swe sô sê e/ daz sich de s ahel
enb an e“ (V. 5654–5655).
194 De Ein luss des Iwein au diesen Aspek im Daniel wu de schon on meh e en Au o en
au gezeig : Do o hea Mülle (1981), S. 102; Pe e Ke n (1974), S. 32–33; Ma hias Meye (1994), S.
31.
195 Wol gang Schmid (1979), S. 115.
53
Nach de Ab ah und de Ankun am Eingang on Cluse, wo Daniel den
Riesen sieh , begegne e den Damen om T üeben Be gen und om Lieh en
B unnen. Obwohl Daniel sich in beiden Fällen zue s au seine P lich be u , den
Riesen zu ö en,196 läss das Insis ie en de F auen in Daniel einen inne en Kon lik
ens ehen: E is sich nämlich nich siche , ob e nach Cluse gehen ode wei e e
Aben eue e leben will („e wolde balde sîn ge i en/ und mi dem isen hân
ges i en“, V. 1139–1140). Auch im Iwein e leb de Held einen solchen inne en
Kon lik in de Episode des Riesen Ha pin (V. 4869–4913). In beiden Tex en wi d
e in den Monologen de en sp echenden Haup igu en da ges ell .
Im zwei en Fall e läss Daniel gegen Mi e nach Cluse, um den G a en om
Lieh en B unnen zu suchen. E muss am nächs en Tag jedoch wiede da sein, um
wei e gegen das Ma u hee zu kämp en. Daniel ha e den G a en gegen seinen
Willen au de G üenen Ouwe zu ückgelassen, weil e nach Cluse ei en muss e, um
König A us zu hel en. Schon damals ha e e seine Absich ausged ück ,
zu ückzukommen, sobald e könn e: „’ez is bezze daz ich î e,/ swenn ich do
ges î e,/ daz ich wide he komen’“ (V. 2729–2731).
E ei e also nach de e s en und o de zwei en Schlach zu G üenen Ouwe
zu ück, um den G a en zu inden, obwohl diese Umweg ihn in Zei no b ing :
Daniel öu e sich ouch ein eil,
sam de sînen kumbe hil
und lache sô daz he ze kil .
e n wolde nieme we den ô
ez enge uog e sich alsô
daz e nâch dem g â en möh e komen. (V. 3914–3919)
Man kann soga noch on einem d i en Te min sp echen: Als A us en üh
wi d, ei e Daniel zu G üenen Ouwe, um das Ne z Sandinoses zu holen. E will
den Al en mi diesem Ne z angen und so A us und Pa zi al be eien. Das bedeu e
auch, dass e schnell wiede nach Cluse zu ückkeh en muss. Seine Eile wi d
meh mals be on : „E kê e schie e on dan“ (V. 7225), „des endes kê e e zehan “
(V. 7232). Die Ve wendung des Wo es ‚Te min’ is hie alle dings nich ganz so
angeb ach wie in den ande en zwei Beispielen, weil es hie in Wah hei keinen
196 „E sp ach: ‚ ouwe, daz is mi lei ,/ und sage iu mi de wâ hei ,/ ich hân unmuoze il
genomen./ mac abe ich iu ze ôs e komen,/ daz enwil ich nih nide legen/ unz ich ein âde mac
ge egen’“ (V. 1195–1200), „E sp ach: ‚ ouwe, daz is mi lei ./ ich hân an g ôze a bei / gekê e
und genende ./ daz hân ich nih olende ,/ dâ muoz ich hin kê en’“ (V. 1843–1847).
54
es en Te min gib : Daniel muss schließlich nich unbeding zu einem bes imm en
Zei punk nach Cluse zu ückkeh en. E is o zdem un e Zei no , weil e so
schnell wie möglich wiede do sein will.
Wenn das Mo i de Te mine im Daniel mi dem Iwein e glichen wi d, sind
o zdem meh e e Un e schiede zu inden. E s ens spielen die Te mine im Roman
des S icke s keine Rolle, um die En wicklung des Helden zu zeigen: E ha keine
K ise e ah en und muss seine Iden i ä nich neu de inie en. Zwei ens is die
Ve wendung des Wo es ‚Te min’ wesen lich komplizie e als im Iwein: Als Daniel
die Hil e im T üeben Be ge und im Lieh en B unnen zunächs e weige , ha e
noch sieben Tage, bis König A us in Cluse ankomm . Obwohl Daniel in Eile is
und sich un e Zei no ühl , exis ie das P oblem des Te min e säumnisses nich
wi klich.197 Nu im Speisezel kann man on de Ge ah sp echen, die F is nich
einzuhal en. Auße dem sind diese Te mine nich on eine äuße en Ins anz
au ged äng , sonde n on Daniel selbs bes imm wo den.198
2.2.2 Episoden: Die Ve ände ung de S uk u des
Iwein
im
Daniel
Es gib im Daniel Episoden, die eindeu ig in Anlehnung an den Iwein e ass
wu den ode deu lich au ihn e weisen. Zu Beginn de Geschich e kämp Daniel
gegen d ei Ri e aus König A us’ Ho , Iwein, Gawein und Pa zi al. De Kamp
ende unen schieden. Dadu ch beweis Daniel, dass e ein ausgezeichne e Ri e is
und e wi d da au hin am A usho au genommen:
sie i en alle d î hin
und sp âchen: „sî uns wilkomen,
wi hân gesehen und e nomen
daz i ein guo i e sî ,
daz suln wi lâzen âne nî .“ (V. 314–318)
Diese Kamp en sp ich dem Kamp Iweins gegen Gawein in Ha manns
Roman. E wi d o dem gesam en A usho ausge agen und geh eben alls
unen schieden aus. Du ch ihn zeig Iwein, genau wie Daniel, dass e ein
197 Pe e Ke n (1974), S. 33.
198 Es is o zdem auch möglich zu behaup en, dass Daniel nach dem Sieg übe Ju an wi klich
e p lich e is , Cluse o dem A usho zu e eichen, weil e Ju ans Schwe ha und deswegen de
einzige is , de den Riesen ö en kann.
55
o bildliche Ri e is und e wi d wiede in die a u ische Gemeinscha
au genommen.
In beiden Romanen will de A usho eine Beleidigung bes a en, in dem einen
die Niede lage Kalog enan s, in dem ande en die D ohung du ch König Ma u on
Cluse. Die Aus ah Daniels e inne an die Iweins: Beide ziehen heimlich und
ühe aus als das A ushee , um das P oblem im Alleingang zu lösen: (Iwein, V.
945 .; Daniel, V. 998 .).199
Das e s e Aben eue Daniels is die Episode mi dem Zwe g Ju an, die mo i isch
de Episode mi dem Riesen Ha pin im Iwein en sp ich .200 Sowohl de Zwe g als
auch de Riese begeh en eine Jung au, die sie zu en eh en und zu e lassen
beabsich igen:
e gih (daz is mîn meis iu nô ),
swenn e mi s an behe e
mi selhem unge e e,
sô welle i ze wîbe haben â ,
und dem bœs en ga zûn den e hâ
deme well e sî geben. (Iwein, V. 4492–4497)
swenne ez mich da zuo ge îbe,
sôn welle ez mîn nih ze wîbe
wan zwô nah ode d î. (Daniel, V. 1317–1319)
Wäh end es im Daniel das Mädchen selbs is , das Daniel um Hil e bi e , is es im
Iwein de Va e de Jung au. Beide Helden haben hie noch einen ande en Te min
einzuhal en, was ihnen Schwie igkei en bei de Hil eleis ung e u sach . Iwein will
au jeden Fall de Jung au hel en, so e n de Riese üh e schein , denn e will den
Kamp ü Lune e nich e säumen. Im Daniel dagegen muss die Jung au den
Helden, dami e ih hil , mi dem A gumen übe zeugen, dass e Ansehen und das
wunde ba e Schwe des Zwe ges, das alles ze schneiden kann, e langen wi d.
Nach den indi iduellen Aben eue n Daniels e lage sich die Handlung nach
Cluse. Am Eingang zu diesem Land gib es einen Au oma en in Fo m eines Tie s,
de als eine A Ve eidigungsmi el dien :
swe sich selbe sô be üge
daz ez die banie ûz züge,
199 Pe e Ke n (1974), S. 31; Helmu B all (1976), S. 232.
200 Dazu Pe e Ke n (1974), S. 34–35; Ma hias Meye (1994), S. 28–29.
56
dem wæ e ez an den lîp gewan :
sô hüebe daz ie al zehan
und sch iuwe mi g imme
ein alsô g ôze s imme
daz e on dem o se iele ze al. (Daniel, V. 749–755)
Die Episode de Ankun des A ushee s in Cluse en sp ich de Ankun des
A ushee s in Laudines Land. Hie wi d ein Gewi e ausgelös , wenn jemand
Wasse au den S ein neben de Quelle gieß .201 De Pa allelismus wi d dadu ch
e s ä k , dass de S icke das Geb üll des Tie es mi einem done slac (V. 2948)
e gleich . Eine wei e e Pa ellele bes eh da in, dass sowohl das Tie als auch de
S ein sich neben eine Linde be inden („’des schi me im ein linde,/ daz nie man
schœne gesach’“, Iwein, V. 572–573; „’dâ is be angen ein we / mi eine linden
zie e./ gelîch eime g immen ie e/ s â ein gol da unde ’“, Daniel, V. 738–741).202
Die Episode de Hochzei is wiede eine, die in beiden We ken pa allel
e läu .203 E s e schein die um ih en o en Mann (im Iwein Askalon, im Daniel
Ma u ) aue nde Königin. Es olg eine Ra szene, in de sowohl Laudine als auch
Danise übe zeug we den, den Mö de ih es Mannes zu hei a en.204 Die Ra gebe
(im Iwein Lune e, im Daniel die Ri e Ma u s und A us) benu zen dasselbe
A gumen : Sie müsse einen Mann haben, um ih Land und ih e ê e zu bewah en.
Laudine zwei el am An ang, o allem wegen des möglichen Ve lus s ih e ê e, abe
schließlich en scheide sie sich ü die Ehe:
„und swenn ez diu we l e nim ,
daz sî mi z nih gewîzen kan
ob ich genomen habe den man
de mînen he en hâ e slâgen,
kans û mi daz on im gesagen
daz mi mîn las e is e lei
mi ande sîne ümekhei ,
und æ es û mi z danne,
ich nim in zeinem manne.“ (Iwein, V. 2092–2100)
201 Ähnlich Pe e Ke n (1974), S. 30–31; Ma hias Meye (1994), S. 35.
202 Im Iwein wi d nich e wähn , dass die A us i e zu Boden s ü zen, wie es im Daniel geschieh .
203 Dazu Helmu B all (1976), S. 240; Ma hias Meye (1994), S. 46.
204 Daniel is nich de wi kliche Mö de Ma u s, obwohl e zu G uppe de Feinde gehö .
57
Auch Danise zwei el einen Augenblick,205 abe am Ende übe zeugen sie die
A gumen e de ande en: „’wolde go , ge uoch e e mîn,/ sî e iu sô wol ge elle !/
ich bin ge ne ze im geselle ,/ is ez daz e mich wil’“ (Daniel, V. 6330–6333). Danach
komm die Eheschließung, du ch die Iwein wie Daniel eine F au und mi ih auch
ein Land e hal en: „dâ was p a en ha e il,/ die gâben sie im mi de ê/ und gâben
im ouch da zuo mê:/ daz künic îch und die k ône“ (Daniel, V. 6334–6337), „dâ
wâ en p a en genuoge:/ die â en in die ê zehan ./ sî gâben im ouwen unde lan “
(Iwein, V. 2418–2420).
Die Besch eibung de Hochzei s eh in beiden We ken inne halb de T adi ion
des Fes es im A us oman: Es he sch eude („dâ was wünne und ê e,/ eude und
michel î e scha “, Iwein, V. 2442–2443; „dô huop sich öude âne zal“, Daniel, V.
6523), und dadu ch wi d de Tod des o he igen Königs üh e gessen:
des begunden sie alle jehen,
si möh e wol on sælden sagen
daz si in sô ku zen agen
i leides wæ e e ge ze
und alsô ô gese ze . (Daniel, V. 6626–6630)
des ô en is e gezzen:
de lebende hâ besezzen
beidiu sîn ê e und sîn lan . (Iwein, V. 2435–2437)
Diese Episoden des Daniel, die eindeu ige Pa allelen im Iwein inden, s ehen abe
im S icke schen Roman in umgekeh e Reihen olge, was s uk u elle
Ve ände ungen e u sach . Die Episoden des Iwein, die im Daniel au genommen
we den, e scheinen in Ha manns Roman in olgende O dnung:
1. Das Fes zu P ings en. Die E zählung Kalog enan s.
2. Die heimliche Aus ah Iweins.
3. Die Hochzei zwischen Iwein und Laudine.
4. Die Ankun des A ushee s in Laudines Land, die ein Gewi e am B unnen
e u sach .
5. Die Episode des Riesen Ha pin.
6. De Kamp zwischen Iwein und Gawein.
205 „’nû sag mi ,’ sp ach diu ouwe,/ ‚sol mi diu schande ih we en/ daz i mich mînen he en/
sô schie e heize e klagen?/ daz sul i mi zalle ê s e sagen’“ (V. 6306–6310).
64
Romans) und die Schlach en, in denen die hö ische Gesellscha kämp , die on
A us ange üh wi d (im zwei en Teil des We kes). Moelleken sp ich on de
Exis enz eine Danielke e (A-Ke e) und eine A uske e (B-Ke e).217 Die e s e
bes eh aus den Aben eue n, die Daniel allein e leb , die zwei e aus den Aben eue n,
in denen e in Koope a ion mi A us handel : „In de B-Ke e is es Au gabe
Daniels, als Ri e de Ta el unde, den ges ö en o do des Ho es wiede he zus ellen;
die A-Ke e besch eib Daniels Reak ion au menschliche Si ua ionen, die nich mi
dem A usho e bunden sind. In A bewäh sich Daniel als Indi iduum; in B
beweis e , daß e ein passendes Glied de i e lichen Gesellscha is “.218
Schon im P olog we den A us und sein Ho (die Gesellscha ) einge üh : „des
gih de künic A ûs./ e gewan nie eigen hûs/ den man ze ime gelîche“ (V. 33–35).
Am An ang de Handlung e schein eine Figu , Daniel, die ih en Wunsch ausd ück ,
Mi glied diese Gesellscha zu we den: „’ich hân dicke e nomen/ ugen unde
g ôze k a / on des künigs A ûs geselscha ./ daz selbe wolde ouch ich besehen’“
(V. 334–337). E e eich es, als e on Iwein, Gawein und Pa zi al emp angen wi d:
„Danielen enp iengen sie dô/ mi iuwen in i geselscha “ (V. 346–347). De
G und: „sie hâ en unden einen man/ on dem de ho was gê e / und i
geselscha gemê e “ (V. 352–354).
Als sie am A usho ankommen, sag Gawein: „’hie kome de bes en i e ein/
on dem wi ie gehô en sagen’“ (V. 360–361). Daniel, obwohl Mi glied des
A usho es, wi d schon di e enzie und als de Bes e gekennzeichne , was schon
o he in seinem e olg eichen Kamp gegen die bes en Ri e diese Gesellscha
es ges ell we den konn e.
Die He aus o de ung des Riesen s ell den A usho wiede ins Zen um. Die
An wo au diese He aus o de ung is eine kollek i e Ta : De König A us i
sich mi seinen Ri e n, um sich on ihnen be a en zu lassen („Dô nam de künic
A ûs/ die wîsen alle dâ ze hûs/ und gienc mi den ze â e“, V. 811–813). Gawein
be on in seinem Ra schlag die Rolle de Gesellscha und zwa mi den Wo en, die
A us an den Riesen ich en soll: „’mîn he e habe gesellescha ./ die hân an
217 Wol gang W. Moelleken (1974), S. 46–47. Wol gang Schmid sp ich seine sei s on eine
A ushandlung und eine Danielhandlung (Schmid , 1979, S. 105, 107). Die A ushandlung bes eh
ü ihn aus den Schlach en zwischen den Hee en Ma u s und A us’, wäh end in de
Danielhandlung de Weg Daniels „ on de e s en Au nahme in den A usk eis übe seine
Be eiligung an de Schlach des A ushee es bis zu seine Einse zung als König in Cluse“ zu inden
is (Schmid , 1979, S. 107). Dazu auch Ka in Gü le (1976), S. 238.
218 Wol gang W. Moelleken (1974), S. 46–47.
65
iuwen g ôze k a ’“ (V. 845–846). Sie beschließen, alle zusammen mi einem
g oßen Hee nach Cluse zu ziehen, um do gegen das Hee Ma u s zu kämp en.
Diese En scheidung wi d als e was Gemeinscha liches da ges ell : „daz he Gâwein
dô ge ie ,/ daz dûh e den künic und die die / i e lîch unde guo “ (V. 885–887).
A us bi e danach die ganze Gesellscha um Hil e:
e suoch e iunde, im wæ e nô
hil e unde g ôze k a .
swe deheine gesellescha
wide in gelobe hæ e,
solde des wesen s æ e,
daz müeze e nû machen niuwe. (V. 964–969)219
Abe de Ho beschließ eine Woche au die Ankun de Männe zu wa en.
Daniel daue dies zu lange (V. 994–995), dahe ei e e heimlich und allein da on.
Hie e schein Daniel zum e s en Mal als eine Figu , die unabhängig on de
Gemeinscha handel . Dies bedeu e den Beginn de indi iduellen Aben eue eihe.
Als e Cluse e eich , i e den Riesen, was einen Kon lik zwischen seine
gesellscha lichen Rolle (die im Wunsch, seine gesellscha liche Ane kennung nich
zu e lie en, konk e isie wi d) und seinem indi iduellen We degang (dem E hal
seines Lebens) e u sach :
„swenn ich he nâch selbe sage
daz ich o o h en sus e zage
und nich a geschouwen
ob in ieman müge e houwen –
swenn ich daz nih kan gesagen,
sô hâ man mich ü einen zagen.
î e ich nû du ch daz da
daz ich die wâ hei e a ,
wil in daz swe nih snîden,
sô muoz ich on im lîden
beidiu las e und den ô .“ (V. 1061–1071)
219 Die Si ua ion s ell sich e was ande s im Iwein da , wo de Ho am An ang im Zen um de
Handlung s eh (die Niede lage Kalog enan s s ell die Übe legenhei des A usho es in F age und
deswegen is auch e on ih be o en). In diesem Sinne en scheide A us, mi einem Hee zu
Quelle zu ah en. Abe nach de K ise Iweins we den sein pe sönliche Weg und sein Ve such, die
Liebe Laudines wiede zugewinnen, das Thema de Geschich e und de Ho spiel ab diesem
Momen eine sekundä e Rolle.
66
E en scheide sich ü die ê e: „’ich wil ge ne mînen lîp/ ümeclîche komen abe/
denn ich in mi schanden ieme habe’“ (V. 1078–1080).220
Als dann die Dame om T üeben Be ge e schein und ihm ih Leid klag , ühl e
Mi leid mi ih , wie meh mals wiede hol wi d: „im was daz ha e lei / daz si im ze
uoz ge allen was“ (V. 1126–1127), „daz si nih moh e sp echen,/ des wânde sîn
he ze b echen“ (V. 1137–1138), „die ouwen wanc i he zelei / daz si il
û enclîche ei ./ daz was Danielen ungemach./ e wolde sie œs en unde sp ach
[...]“ (V. 1405–1408). Dies e u sach in Daniel einen Kon lik zwischen seinen
pe sönlichen Ge ühlen und seinen P lich en gegenübe de Gesellscha . Die
Möglichkei , de F au zu hel en, e schein ihm on An ang am als ê enha : „’ge i e
ich ieme on i ,/ [...] mîn ê e is noch danne swach,/ sô ich gehœ e wes si ge ’“
(V. 1170–1173). Die Dame benu z soga die ê e als Köde , um Daniel zu
übe zeugen, ih zu hel en: „’i n möh e dehein wîs/ iuwe sælde und iuwe n p îs/
baz gemê en denne an mi ’“ (V. 1191–1193). Danach wiede hol e die Bedeu ung
de ê e ü sein eigenes Leben:
„sô is mi bezze ge ân,
als ez mi nû gewan is
daz ich den lîp in ku ze is
ümeclîche û gebe
denn ich mi schanden ieme lebe.“ (V. 1380–1384)
Die Gesellscha ode die gesellscha liche Rolle de Figu spiel in den
indi iduellen Aben eue n eine wich ige Rolle. Das Schwe kann somi als ein
Symbol e s anden we den, das beide Ebenen mi einande e binde : Daniel
bekomm es im T üeben Be ge, um es in den Schlach en und gegen den Riesen in
Cluse zu benu zen.
Diese Bedeu ung de ê e wi d auch im Lieh en B unnen deu lich. Die Dame sag
zu Daniel, als sie ihm ih P oblem e zähl : „’i n muge nieme mê e/ iuwe sælde
und iuwe ê e/ baz gemê en denne hie’“ (V. 1855–1857). Vo he ha e Daniel ih
be ei s seine So gen um die ê e und seine gesellscha lichen P lich en mi ge eil : „’ich
220 Übe das Mo i de ê e im Daniel und seine Ve bindung mi de Gesellscha siehe Man ed
Eikelmann (1989), S. 122. Judi h Klinge sag übe das E eichen on Ruhm du ch den Ri e und
seine Ve bindung zu Gesellscha : „So ungie de Name auch als Zeichen eines Bekenn nisses
wechselsei ige Bindung: Das Bekann sein bei Ho e ga an ie dem Ri e seine Zugehö igkei zu
exklusi en Gemeinscha , das Kollek i e üg mi den glanz ollen Namen uhm eiche Ri e
übe seine Mi gliede “ (Klinge , 2001, S. 112).
67
bin on mînen ê en/ ga gescheiden unde komen/ des ich mich hân an genomen,/
ob ich ez nich olende’“ (V. 1848–1851).
Im Zel au de G üene Ouwe e äh Daniel einen Kon lik zwischen seinen
P lich en gegenübe de Gesellscha und seinen pe sönlichen In e essen, nämlich
seine F eundscha mi dem G a en und seinem Mi leid gegenübe dessen F au.221
De un eiwillige Ve zich au den G a en mach Daniel be o en. Seine
Be o enhei wi d insbesonde e dadu ch da ges ell , dass e eine Woche do
e weil (V. 2692–2701). Als e endlich beschließ , nach Cluse zu gehen, u es ihm
ausgesp ochen leid, ohne den G a en zu ei en: „dê ân den g â en dannen ei ,/
daz was im ga ein he zelei “ (V. 2739–2740). Diese Kon lik wi d im We k wei e
ausge üh . So denk e imme an den G a en wäh end de Schlach en und ühl
sich gezwungen, au die G üene Ouwe zu gehen, um ihn do zu suchen. Bei diese
En scheidung spiel die Gesellscha keine Rolle. Daniel denk nich , dass de G a
ihm im Kamp gegen das Hee Ma u s hel en könn e, wie es spä e geschieh .
In den Schlach en, die als ein Kon lik zwischen zwei Gesellscha en da ges ell
sind, spiel die Gemeinscha wie im Rolandslied die wich igs e Rolle. Im Gegensa z
zu de einzigen Haup igu im Iwein sind in den Schlach en zwei Haup igu en zu
inden: Daniel, de das Schwe äg und mi dessen lis schließlich de Sieg übe
Cluse e ungen wi d, und A us, de sein Hee als König on B i annien üh .
Die e s e Schlach beginn mi dem Kamp zwischen A us und Ma u als
Ve e e ih e Lände . Beide Hee e we den o als Kollek i e bezeichne , die du ch
Ma u ode A us ep äsen ie we den: „des küniges A ûses mannen“ (V. 3325),
„des küniges Ma ûs mannen“ (V. 3349), „des küniges Ma ûs he e“ (V. 3367), „des
küniges A ûses he e“ (V. 3384), „des küniges A ûs scha “ (V. 3406), „des küniges
A ûs gesellen“ (V. 3438), „des küniges A ûses mannen“ (V. 3455), „de künic
A ûs und die sîn“ (V. 3514).
Daniel e schein in bezug au das A ushee , das als ein Kollek i da ges ell wi d,
in de e s en Schlach deu lich indi idualisie : E kämp nich gemeinsam mi den
A us i e n gegen den Riesen, sonde n besieg im Alleingang zwei ausend Ri e :
dâ on sluoc e ûz de we e
dem künige A ûs allez sîn he e
âne Daniel on dem Blüenden Tal.
221 „man moh e an sîne ouwen/ sô g ôzen jâme schouwen/ dô e lebende in sînem u ne lac,/
daz ich ü wâ wizzen mac,/ eische si sînen ô ,/ sô mac man jâme unde nô / alle ê s
schouwen an i ./ owê! sô is si on mi / i öuden ga en se ze !“ (V. 2571–2579).
68
de was do ande halp in dem wal
unde des küniges Ma ûs mannen. (V. 3345–3349)
daz e du ch zwei ûsen man
alsô e e geb ach. (V. 3378–3379)
Im Ve gleich zu den Ri e n des A ushee s, die nich in de Lage sind, den Riesen
zu ö en, e schein e somi in eine übe legenen Posi ion.
Ab dem Ve s 3529 we den bes imm e Ri e und ih e Handlungen genann :
Gawein, Iwein, Pa zi al, A us und Daniel. Dies bedeu e , dass, im Gegensa z zu
den indi iduellen Aben eue n, in denen Daniel alles allein lösen kann, die
Schlach en (wie auch im Rolandslied) ein kollek i es Un e nehmen sind. Daniel kann
iele G oß a en ollb ingen, die ande en jedoch eben alls. E ge ä manchmal in
Schwie igkei en und benö ig die Hil e de ande en:
dô de künic A ûs gesach
he Danieles ungemach,
daz wa im eislîche zo n.
mi dem swe e und mi den spo n
begunde e da gâhen. (V. 3571–3575)
Wäh end de e s en Schlach e äh de König, dass Daniel den Riesen ge ö e
ha . Daniel e schein in diesem Momen den ande en Ri e n übe legen (V. 3720 .),
weil e alleine ollb ingen kann, was das ganze A ushee nich gescha ha .
Danach e leg e auch noch den ande en Riesen. Dies wi d on de Gesellscha
ane kann : „sie sag en im alle danc/ Daniele, de die isen sluoc“ (V. 3906–3907).
Dennoch is Daniel nich glücklich: „e n wolde nieme we den ô/ ez enge uog e
sich alsô/ daz e nâch dem g â en möh e komen“ (V. 3917–3919). E d ück seinen
Schme z übe den Ve lus des F eundes (des G a en om Lieh en B unnen) aus:
„’owê! û geselle mîn!/ sol ich dich ieme mê gesehen,/ sô wil ich hiu e go e jehen/
daz ich alle öude wil û geben’“ (V. 3968–3971).222 E geh soga so wei zu
behaup en, sein Leben habe keinen Sinn meh : „’mi is ieme mîn leben/ unwe
und unmæ e,/ ichn ge eche dise swæ e’“ (V. 3972–3974). Diese Schme z bedeu e ,
dass die gesellscha liche Ane kennung Daniel nich aus eich , sonde n eine wei e e
Ebene, in diesem Fall die de F eundscha mi dem G a en om Lieh en B unnen,
222 Die Ve wendung des Wo es û geselle beweis , dass eine enge Beziehung zwischen beiden
bes eh .
69
wich ige wi d. Daniel könn e ohne P obleme in Cluse bleiben, abe e is be ei ,
sein Leben zu iskie en, um den G a en zu e en.
Diese So ge um den G a en wi d im Gesp äch mi Sandinose wiede hol
o mulie („Daniel âgen began:/ ‚ ouwe, lep de selbe man?/ daz lâ mich
wizzen du ch go !’“, V. 4519–4521). Nachdem e e ah en ha , dass de G a bei
dem Siechen is , is e so o be ei , zu ihm zu gehen. Wenn e o he be ei wa zu
s e ben, be o e die ê e e lie en wü de, is e je z be ei , ü den F eund zu
s e ben: „’sô muoz mîn bluo zuo dem bade/ ê ich iu ze dem lîbe ih schade’“ (V.
4567–4568). De Ve lus des G a en s eh au de selben S u e wie de Ve lus des
eigenen Lebens und de ê e: „Daniel o h e sê e/ daz e beidiu lîp und ê e/ und
ouch den g â en e lü e“ (V. 4663–4665).
Nachdem Daniel den Ro en Mann ge ö e ha , ück wiede die gesellscha liche
Thema ik in den Vo de g und. In den Ve sen 4841–4844 d ück Daniel gegenübe
dem G a en seinen Wunsch aus, nach Cluse zu ah en. E e klä sich dazu be ei ,
ihn zu beglei en (V. 4845 .). Dasselbe geschieh mi dem He n und ande en
Ri e n on de G üenen Ouwe (V. 4851 ., 4910 .). Danach beginn die zwei e
Schlach , in de besch ieben wi d, was jede Ri e (A us, Gawein, Iwein, Pa zi al,
Daniel, de He on de G üenen Ouwe und de G a om Lieh en B unnen) u .
Daniel spiel hie im Ve gleich zu den ande en keine besonde e Rolle, abe e
e äh wiede gesellscha liche Ane kennung: „dô s uonden sie und sâzen/ o dem
künige A ûse/ und sp âchen daz ze Clûse/ hæ e he Daniel den p îs“ (V. 5292–
5295). In de d i en Schlach e schein die Übe legenhei Daniels übe die ande en
Ri e noch einmal, wäh end in de ie en Daniel, de G a om Lieh en B unnen
und A us die einzigen Ri e sind, die genann we den.
Diese wich ige Rolle de Gemeinscha wi d auch in den Ra sszenen hema isie ,
in denen die En scheidungen om Ho als ganzen ge o en we den. Dies wi d
explizi beim le z en Ra be on , in dem en schieden wi d, dass Daniel König on
Cluse we den soll: „den künic sie dô bâ en/ gemeinlîche übe al/ daz e Daniele on
dem Blüenden Tal/ daz lan gebe und die ouwen“ (V. 6244–6247). A us be on
spä e , dass e die En scheidungen nich alleine i :
e sp ach: „daz i ge â en hâ ,
daz wolde ich selbe hân ge ân.
sî ich nû e nômen hân
daz i des allesamen ge ,
nû sul i es we den gewe .“ (V. 6252–6256)
70
Dies zeig auch, dass Daniel o z seine Ta en nich au oma isch das Reich Cluse
e häl , sonde n e s du ch die Ve mi lung de Gemeinscha .
Das Fes wi d eben alls als e was Gemeinscha liches da ges ell , obwohl hie ,
wie in den Schlach en, Daniel die Haup olle spiel : E o dne das Fes an („Daniel,
de dâ wi was“, V. 7905), wi d gek ön und is auch de jenige, de Beladigan
emp äng , obwohl es A us is , de ihn zum Ri e mach . Die Eheschließung
Daniels wi d schließlich in eine Massenhochzei e wandel .
Bei A us’ En üh ung s eh die Gemeinscha wiede im Zen um de Handlung.
Am An ang ag de Al e, „we dâ wæ e de hê s e“ (V. 6927). Als e e äh , dass
es A us is , en üh e den König als Ve e e de Gemeinscha . Danach s eh das
Kollek i im Zen um de Au me ksamkei , was du ch die Nennung meh e e Ri e
ode du ch das Au e en des P onomens ‚sie’ ma kie wi d:
Daniel unde Gâwein,
Pa zi âl und Iwein
die begunden nâchgâhen. (V. 6961–6963)
Sie ie en alle [...] (V. 6981)
doch liezen sie im nâch gân.
sie hâ en des il guo en wân,
sô sie zuo dem be ge wæ en komen,
daz sie ime hæ en benomen
daz e nih möh e ü baz.
il schie e sâhen sie daz
daz e in den be c û uoc.
dô wa jâme s genuoc
daz sie in da sâhen agen
dâ sie hin nih moh en jagen. (V. 6997–7006)
sie swigen al gemeine. (V. 7047)
Abe auch in diesem Fall s ich Daniel aus de G uppe he o : E sp ich mi
dem Al en (V. 7080 .) und übe zeug den Ho , ihn nich zu ö en (V. 7068 .).
Dami s eh e gleichzei ig auße halb de Gesellscha : „wan Daniel al e s eine/ sie
hiezen in alle schiezen“ (V. 7218–7219). Diese gedankliche T ennung konk e isie
sich in eine ma e iellen T ennung, als Daniel allein da on ei e (V. 7225). E is
also de jenige, de das P oblem lös , indem e das magische Ne z hol und mi dem
Riesen a e sp ich , was die En üh ung zum Teil als ein wei e es Aben eue
e scheinen läss , in dem e allein und on de Gemeinscha losgelös handel .
71
Zusammen assend gib es Episoden, in denen Daniel allein handel , und ande e,
in denen die Gesellscha im Vo de g und s eh . Abe beide sind nich absolu
oneinande ge enn : Daniel is in den Schlach en de übe legene Ri e , bei seinen
Aben eue n denk e auch an seine soziale Ane kennung und bekomm Hil e ü die
Schlach en (das Schwe , die Ri e au de G üenen Ouwe).223 Dies e laub Au o en
wie Wol gang Schmid zu sagen, dass die Danielhandlung eine un e geo dne e
Funk ion gegenübe de A ushandlung ha :224 Die Absich Daniels, A us in Cluse
zu hel en, we den imme wiede o mulie und die Aben eue des Helden
e scheinen als Abweichungen on seinem eigen lichen Ziel.
3.2
lis
/ Zo n
In den indi iduellen Aben eue n und am Ende des We kes spiel die Ve nun
eine wich ige Rolle, wäh end das impulsi e Ve hal en das wich igs e in den
Schlach en is .225 Die Ve nun konk e isie sich meis ens in de Ve wendung on
lis , wäh end es sich in bezug au das impulsi e Ve hal en o allem um Zo n
handel . Sowohl die lis als auch de Zo n, de as imme mi dem Au wenden on
K a im Kamp e bunden is , e scheinen als zwei Me hoden, ein P oblem zu lösen
ode einen Sieg zu e eichen. Diese zwei Wege we den nach dem Sch ei des Tie s in
Cluse e wähn : Das Tie aub beide Fähigkei en, sowohl die K a als auch den
Ve s and. Kein Sieg meh is dann möglich: „’sô e abe in de dôz/ sô s a ke
du ch daz hoube / daz sie we den be oube / de k e e und de sinne’“ (V. 5746–
5749).
Diese T ennung zwischen lis und einem impulsi en Ve hal en s eh eilweise in
Ve bindung mi de im o he igen Abschni besp ochenen Teilung des Tex es in
Episoden, in denen de Held alleine handel , und Szenen, in denen die
Gemeinscha die Haup olle spiel . Diese Beziehung zwischen beiden Punk en is
223 Man ed Eikelmann (1989), S. 119.
224 Wol gang Schmid (1979), S. 121, 124.
225 Die Anwesenhei eine Opposi ion im Daniel zwischen e lexi em und a ek i em Handeln
wu de be ei s in de Fo schung en deck , zum Beispiel on Ing id Hahn (1985a) und on Wal e
Lenschen (1998, S. 67). Helmu Bi khan be on die Neuigkei , die die E scheinung diese zwei
gegensä zlichen P inzipien inne halb de Ga ung A us oman bedeu e (Bi khan, 1994, S. 363–
364).
72
im Au e en des Reimes k a -gesellescha und gesellescha -k a zu sehen, de o allem
am An ang des We kes au i : V. 335–336, 347–348, 389–390, 845–846, 895–896,
965–966, 6683–6684, 8039–8040.226 Das heiß , das Ve hal en de Gesellscha is
on K a ode Zo n gekennzeichne , wäh end die wich igs e Eigenscha Daniels
die lis is .
Das impulsi e Ve hal en wi d in den indi iduellen Aben eue n Daniels als
nega i einges u und den Feinden zugeo dne .227 Sowohl de Zwe g im T üeben
Be ge als auch de Bauchlose im Lieh en B unnen we den du ch i a ionale Ge ühle,
im e s en Fall die minne und im zwei en Fall den Zo n, ma kie . Hinsich lich des
Bauchlosen wi d zum Beispiel gesag : „e sp ach im zo nlîche zuo“ (V. 2033), „Sus
an wu e im zehan / de bûchlôse âlan / mi zo nlîchen wo en“ (V. 2025–2027),
„diu unsælde in be wanc/ daz e il zo nlîche û sp anc“ (V. 2065–2066). De
Zwe g seine sei s nimm die Bedingungen de Rede Daniels hin, ohne übe die
möglichen Folgen nachzudenken, was du ch seine Minne ( ou Minne, V. 1581)
gegenübe de Dame e u sach wi d. In bezug au Salomon wi d gesag : „de was
de wi ziges e man/ on dem ich ie gesagen hô e,/ biz daz si [die minne] im
ze s ô e/ die wîshei und die sinne“ (V. 1588–1591). E e au ganz au seine
K a , die in Ve bindung mi impulsi em Ve hal en au geb ach wi d: „’des enwolde
ich nih e sch ecken,/ noch dan ge ûwe e ich mîne k a ,/ ich wü de an im wol
sigeha ’“ (V. 1576–1578). Auch bewi k die minne zu seinem Schwe und de
Schme z, den sein Ve lus ihm e u sach („und ga o leide e gaz/ alle sîne
sinne/ du ch des swe es minne“, V. 1714–1716), dass e e such , es
wiede zubekommen, ohne au das Angebo Daniels zu ach en. Auch in diesem Fall
s eh das impulsi e Ve hal en in Ve bindung mi de K a au wendung: „ez wes e
sich sô manha / daz ez im mi sîne k a / daz swe wolde hân genomen“ (V.
1717–1719). Dieses Ve hal en b ing ihm den Tod.
226 Man ed Eikelmann (1989), S. 122–123 [Anm. 50].
227 Die Gegenübe s ellung on zo n und e nün igem Ve hal en is , wie Ch is oph Hube zu ech
e mu e , „eine allbekann e biblische Wah hei , die sich auch in de mi elhochdeu schen Didaxe
o o mulie inde “ und häu ig in de mi elal e lichen Li e a u hema isie wi d (Hube , 2002, S.
166). Vgl. mi dem olgenden Zi a aus dem Wälschen Gas on Thomasin on Zi cla ia: „Swe
olge dem nîde ode dem zo n,/ de hâ sîn zuh ga e lo n./ swe olge dem zo n, sp ich unde
uo / daz in da nâch nih dunke guo “ (V. 671–674). De Zo n wu de adi ionell seh o ü
einen Aus all de Ve nun („ empo ä e Wahnsinn“) gehal en (K. Hedwig, 1998, Sp. 674) und als
Ze s ö ung de hö ischen Si en au ge ass . Dazu: Klaus G ubmülle (2003), S. 56–58. Übe diese
Gegenübe s ellung im P osa-Lancelo Judi h Klinge (2001), S. 277–278.
73
Im Gegen eil zu den nega i en Konno a ionen des impulsi en Ve hal ens is die
wich igs e Eigenscha Daniels seine Fähigkei , diese Ge ühle zu behe schen und
die lis anzuwenden, womi e seinen Sieg e eich .228 Obwohl e auch A ek e
e spü , wie e bæ mde gegenübe den Damen, kann e sie kon ollie en und übe leg
eagie en.229 Das impulsi e Ve hal en de Gegne wi d so als umphei da ges ell , im
Gegensa z zu dem e nün igen, lis igen Ve hal en des Helden.
Das impulsi e Ve hal en is nich nu eine Eigenscha de Gegne , es kann auch
ande en Figu en zugeo dne sein. Jedoch is es imme nega i und e hinde den
sieg eichen Ausgang eine Schlach . Zum Beispiel is die Jung au om T üeben
Be ge zo nig:
„ on dem zo ne e ich dô
in diu lan mæ e:
swe sô sælic wæ e
daz e daz we c e slüege
und daz houp ü mich üege,
swie swache e wæ e gebo n,
de wü de ze he en e ko n
übe mich und übe mîn lan .“ (V. 1264–1271)
Deswegen üh ih Handeln zu keine wi klichen Lösung und das einzige, was sie
e eich , is , dass alle Ri e om Zwe g ge ö e we den. Ih e Idee, den Mann zu
hei a en, de den Zwe g umb ing , wide sp ich soga de gesellscha lichen
O dnung und gil als un e nün ig.
E was Ähnliches geschieh mi dem G a en om Lieh en B unnen, wenn e
zo nig is : „’dô wa mînem he en zo n,/ de lôch û den hôhen o n/ und beslôz
sich da inne’“ (V. 1947–1949).230 De Zo n mach ihn un ähig, eine Lösung ü sein
P oblem zu inden, was spä e auch seine F au geschieh („’ob mîn he e sî ô ,/ sô
wil ich komen on de nô / und ouch mich œ en lâzen’“, V. 1959–1961). Eben alls
228 Übe die Übe legenhei Daniels au g und seines e nün igen Handelns und das impulsi e
Ve hal en de ande en gl. Ingebo g Hende son (1976), S. 141–153. Auch zu lis Daniels gl.
Hedda Rago zky (1981), S. 66–75. Die lis als wich igs e Eigenscha des Helden is keine E indung
des S icke s: Die Thema ik is schon in ühe en Tex en de deu schen Li e a u zu inden, wie im
He zog E ns ode T is an und Isolde. Neu is ih e Zuo dnung dem Helden eines A us omans
(Do o hea Mülle , 1981, S. 11; Ing id Hahn, 1985a, S. 181).
229 Regina Pingel (1994), S. 151.
230 Ke s in Schmid ha da übe hinaus au gezeig : „Wäh end männliche Zo n no male weise eine
Kamp handlung nach sich zieh , lüch e sich de G a an einen in de mi elal e lichen Li e a u
weiblich konno ie en O “ (Schmid , 2003, S. 65–66).
80
nega i beu eil wi d und das sie möglichs bald au zugeben ha („’si muoz den
zo n a n lân’“, V. 5878). Es is A us’ Ve nun (wie e selbs sag : „’in de
un öuden scha en/ muoz mîn he ze si zen/ unz ich iuch mi mînen wi zen/ on
he zen ô gemache hân’“, V. 6168–6171), die e u sach , dass sie die T aue
au gib („daz si den zo n a n liez“, V. 6198).
Wäh end de A usen üh ung g ei das impulsi e Ve hal en au den ganzen
A usho aus, wäh end Daniel, de die wich igs e Rolle in diese Episode spiel ,
e nün ig eagie . „Seine Hal ung is — im Un e schied zu de de üb igen Ri e —
nich das E gebnis on Angs und Panik, sonde n on o ausschauende
Übe legung“.240 Im Tex wi d zwei Mal wiede hol , dass die ganze Gemeinscha
auße Daniel den Riesen a e ö en will. Daniel häl das ü wenig e nün ig: „swe
deheine sinne habe,/ de enschieze sîn nih “ (V. 7074–7075). De E zähle sp ich
in diesem Zusammenhang on de Gemeinscha als „ umben die “ (V. 7066). Diese
A zu handeln wi d auch Pa zi al zugeo dne : Sein unübe leg es Ve hal en, als e
sich ohne Wa en o den Al en s ell ,241 e u sach , dass de Riesen a e auch ihn
en üh . Das b ing ihn in eine Lage, in de e auch nich meh e nün ig eagie en
kann:
gebæ de alsô eissam,
die e nâme i nie
als Pa zi âl dâ begie.
daz e im muos e olgen,
des wa e sê e e bolgen.
obelîche we e e sich,
sîn gebæ de wa sô eislich
daz nie kein î el wa . (V. 7198–7205)
Das un e nün ige Ve hal en des A usho es kon as ie mi dem Ve hal en des
Riesen a e s. Dies is besonde s au allend, als de Al e ag : „’is iuwe deheine sô
ôme/ de du ch e suochen he kome?’“ (V. 7133–7134). Die Reak ion des
A usho es:
240 Regina Pingel (1994), S. 304.
241 Pa zi al selbs bezeichne sein Ve hal en als un e nün ig. E sag , e sei de bes e Ri e , abe
äum die Möglichkei ein, dass e lüg („e sp ach: ‚ich bin de iu s e hie,/ ob ich d an nih
enliuge’“, V. 7180–7181). E e klä , dass es keinen Zeugen auße ihm selbs da ü gib (V. 7182)
und dass e sich das ge n als oben an echnen lassen will („’zel man mi daz ü ein oben,/ daz wil
ich ge ne alsô hân’“, V. 7184–7185).
81
de an e il mangen dâ,
mê denne ûsen sp âchen: „jâ.
ich wil da , ich wil da .“
alsô sp âchen sie ga .
dâ on moh e ez nih geschehen:
i deheine wolde sehen
einen ande n da gân,
und muosen ez alle lân. (V. 7135–7142)
Diese Reak ion des A usho es e inne an die des Zwe gs Ju an im T üeben Be ge.
Hie kann de Al e, wie zu o Daniel, die Si ua ion behe schen und die Gegne zu
dem Ve hal en e üh en, das ihm en gegen komm .
De Riesen a e is also die einzige Figu in Cluse, die als lis ig gel en kann.242 So
wi d schon in de Rede des Bo en iesen am An ang des We kes gesag , dass e das
Tie am Eingang Cluses mi lis he ges ell ha :
„ein wazze liuze du ch daz ie
daz ein lis da zuo be winge
daz ez ein win da in b inge .
dâ lî an g ôz meis e scha .
ez hâ on lis en soliche k a .“ (V. 744–748)
Abe sein Ve hal en wi d auch mi dem Beg i Zo n cha ak e isie als Folge des
Schme zes au g und des Todes seine Söhne, was zu seine eigenen Niede lage
bei äg . Als e im Ne z ge angen wi d, wi d explizi gesag , dass sein Ve hal en
zo nig is : „dâ on wa sîn he ze e g eme ,/ daz was g imme unde isch“ (V. 7480–
7481). Das Ve häl nis zwischen de lis und dem Zo n in diese Episode wi d im lis -
Exku s de inie : „ein man uo mi lis en daz/ daz ûsen nih en æ en,/ swie g ôze
k a sie hæ en“ (V. 7490–7492). Ein Beispiel da ü is de Al e: „sô e mi lis en
gienge,/ sô hæ e i k a ungenis “ (V. 7498–7499).
Zusammen assend s elle ich es , dass es Episoden im Roman gib , in denen de
Sieg du ch lis und ande e, in denen e mi els des Zo nes und de K a e eich
wi d.243 Diese Gegenübe s ellung on ‚Zo n’ und ‚lis ’ wi d du ch Wo spiele
242 Im Fall Ma u s wi d besonde s be on , dass es seine Un e nun is , die ihm den Tod b ing : „e
wolde deheine wi ze p legen,/ da umbe is e ô gelegen“ (V. 6057–6058).
243 Regina Pingel sieh die lis als ein angepass es Ve hal en (Pingel, 1994, S. 188). Sie in e p e ie
nich die Einzel- und Massenkämp e als zwei e schiedene Teile, de eine du ch lis und de ande e
du ch zo n cha ak e isie . De Zo n de A us i e sei auch ein angemessene A ek , weil e in
eine causa ius a beg ünde is (im Gegensa z zum Zo n des Gegne s, de unübe leg is ), und
82
he o gehoben, indem de Au o mi de Doppeldeu igkei bes imm e Wö e
ope ie . So kann zum Beispiel das Wo ka c sowohl ‚klug’ als auch ‚s a k’ bedeu en;
die e s e mögliche Bedeu ung s eh in Ve bindung mi de lis , wäh end die zwei e
dem Zo n zugeo dne is . Die ich ige Bedeu ung kann nu aus de Pe son
e schlossen we den, die du ch das Adjek i besch ieben wi d und aus dem Kon ex ,
in dem das Wo s eh . Zum Beispiel wi d im T üeben Be ge de Zwe g als „g imme
unde ka c“ (V. 1671) besch ieben. Wenn wi bedenken, dass de Zwe g du ch seine
Dummhei cha ak e isie wi d, die zu seinem Tode üh , im Gegensa z zu de
Klughei Daniels, müssen wi zu dem Schluss kommen, dass hie die ich ige
Bedeu ung ‚s a k’ is . In den Ve sen 5200–5202 heiß es: „dâ was ha wide ha ,/
dâ was s a c wide s a c,/ dâ was ka c wide ka c“. Hie , im Rahmen de zwei en
Schlach in Cluse, in de das Ve hal en de Figu en on Zo n bes imm is , sind die
ich igen Bedeu ungen on ka c wiede S ä ke und Gewal . Das kann aus de
Ta sache abgelei e we den, dass sie hin e zwei ande en Wö e n mi ähnliche
Bedeu ung s ehen.244
3.3 Sehen-Sp echen / Nich sehen-Nich sp echen
Diese Ein eilung des We kes in Episoden, in denen de Zo n o he sch , und
ande e, in denen die lis dominie , üh zu eine wei e en Ein eilung. In de
Episode on de G üenen Ouwe, als Daniel im Ne z Sandinoses ge angen is , wi d
on ihm olgendes gesag : „e moh e nih mê gewegen/ wan diu ougen und die
zungen,/ dô e sô wa be wungen“ (V. 4158–4160). Hie wi d deu lich, welche die
zwei Komponen en de lis Daniels sind: E kann sich nich bewegen, abe sehen
und sp echen. Deswegen is e ähig, die bed ohliche Si ua ion zu übe winden. Die
olglich auch in Ve bindung mi de lis zu sehen (S. 252–276). Meine Meinung nach gib es keinen
Beweis, den Zo n de Gegne und de A us i e au diese Weise zu un e scheiden. Mi Siche hei
nimm de Au o keine lei e hische Bewe ung o . Ingebo g Hende son ih e sei s beme k auch
die Gegenübe s ellung de lis Daniels mi den i a ionalen Ge ühlen in den indi iduellen
Aben eue n ode in de Episode de Ve söhnung mi Danise, abe sie miss dem Zo n in den
Schlach en keine besonde e Bedeu ung bei: „Im Gegensa z zu Bauchlosen- und G a en-A en iu e
wi d die zo n-Thema ik hie jedoch nich an o mal ausgezeichne e S elle behandel , ielmeh is sie
dem Dich e no wendiges Ing edienz in kämp e ische Auseinande se zung und wi d au alle
K iegs eilnehme angewand , soga den König selbs “ (Hende son, 1976, S. 156–157).
244 Helmu Bi khan übe se z in diesen Ve sen das Wo ka c mi ‚Tücke’ (De S icke , 1992, S.
147).
83
lis Daniels be uh also au zwei Fähigkei en: dem Sehen und dem Sp echen. Das
bedeu e , dass in denjenigen Teilen des Romans, in denen die lis im Vo de g und
s eh , auch diese beiden Fähigkei en, ode mindes ens eine on ihnen,
he o gehoben we den (das heiß , sie üh en ihn zum Sieg übe seine Feinde).
3.3.1 Sehen / Nich sehen
Das Mo i des Sehens ode Nich sehens e schein o lau end im ganzen We k
und wi d e schiedenen Figu en zugeo dne .245 Die Kommunika ion im Mi elal e
bes eh haup sächlich aus eine Kommunika ion on Angesich zu Angesich . Hie
s eh o allem das Sehen im Zen um des Kommunika ionsp ozesses.246 Im
Allgemeinen kann abe gesag we den, dass Daniel bes imm e Sachen sehen kann
(‚sehen’ nich nu im Sinne on physischem Sehen, sonde n auch on geis igem
E kennen ode Ve s ehen), wäh end die ande en, seien sie Feinde ode F eunde,
diese Fähigkei nich besi zen. Das e laub ihm, seine Gegne zu du chschauen und
beg ünde seine Übe legenhei übe die ande en Roman igu en.
Die In e p e a ion des Sehens nich nu in einem kö pe lichen, sonde n auch in
einem geis igen Sinne wi d nich übe aschen: Sie en sp ich de mi elal e lichen
Un e scheidung zwischen äuße en und inne en Sinnen, auch zwischen äuße en und
inne en Augen, die schon in de An ike zu inden is und spä e on Augus inus
au genommen wi d. In diesem Zusammenhang wi d im Mi elal e ‚Sehen’ nich nu
in de Bedeu ung on physische Wah nehmung, sonde n auch in de Bedeu ung
on ‚ e s ehen’, als in ellek uelle Wah nehmung, e wende .247
Als e s es Beispiel de besonde en Fähigkei Daniels, meh zu sehen als die
ande en, kann die Episode om Lieh en B unnen dienen. Die Bewohne des Landes
s e ben, wenn sie das Haup des Bauchlosen e blicken. Es is also ein
selbs ze s ö isches Sehen, das zu ih em Tod üh . Im Gegen eil dazu e wende
245 Die g oße Bedeu ung de Sinnlichkei im Tex is nich s Neues. Die Fo schung, haupsächlich
Wal e Lenschen, ha schon da au au me ksam gemach (Lenschen, 1996). Meine In e p e a ion
geh abe in eine ganz ande e Rich ung.
246 Die Sinnlichkei , o allem das Sehen, is in den le z en Jah en Gegens and de mediä is ischen
Fo schung gewo den. Ho s Wenzel olgend muss in eine Gesellscha wie de mi elal e lichen, in
de die Sch i sp ache sekundä is , das Sehen und Hö en eine wich ige Rolle spielen, was sich auch
in den li e a ischen Tex en e lek ie (Wenzel, 1995, hie S. 10). Übe dieses Thema gl. auch
Haiko Wandho (Wandho , 1996, S. 54–56).
247 Dazu Gud um Schleusene -Eichholz (1985), S. 948–953, 965. Vgl. auch Ho s Wenzel (1995), S.
328.
84
Daniel den Spiegel und kann das Ungeheue p oblemlos anschauen: „Daniel in dem
spiegel sach/ wâ e dâ lac mi ungehabe,/ und sluoc im ouch die han abe/ dâ e daz
hoube inne hâ e“ (V. 2118–2121). Dem olg dann de Blick, de den Tod des
bauchlosen Ungeheue s e u sach :
„dû has diz hoube mangen ac
allez hinden an gesehen.
dû sol ez ouch unde n ougen spehen,
wie ez dâ sî ge ân.
desn wil ich dich nich e lân.“
daz hoube e im da bô
unz e z gesach, dô lac e ô . (V. 2128–2134)
Die ande en Bauchlosen hingegen können spä e nich sehen:
und hâ en zuo ge wungen
alle samen diu ougen
(in was dâ nih ougen,
de z hoube gesæhe o ne,
e wæ e de e lo ne),
[...]
sie lie en alsô blinden. (V. 2138–2145)
Als sie spä e sehen, üh sie dieses Sehen in den Tod, wie die Bewohne om
Lieh en B unnen zu o :
des begunden sie alle jehen,
sie wolden umbe sich sehen.
daz wa ouch i ungewin.
Daniel s uon dâ o in
und huop in daz hoube da
unz daz sie es wu den gewa . (V. 2155–2160)
In diesem Momen e ände sich die Lage und die Bewohne des Landes können
wie Daniel wiede no mal sehen, auch im Sinne on e s ehen, ange angen beim
G a en: „’jâ lâze ich iuch die wâ hei sehen,’/ sp ach Daniel on dem Blüenden
Tal,/ ‚sich hâ e ende i schal’“ (V. 2216–2218).
Im Kamp Daniels gegen den zwei en Riesen wi d be on , dass e den Riesen
so g äl ig be ach e , was ihm die ich ige S a egie zu wählen e laub : „des nam e
il guo e wa / unde hab e daz swe da “ (V. 2781–2782). Diese Fähigkei Daniels
wi d manchmal auch ande en Figu en zugeo dne , wie in de e s en Schlach de
85
Fall is . Hie wi d de Bo en iese on den A us i e n geblende : Die Augen sind
de einzige Be eich seines Kö pe s, de e wundba is . Die A us i e können ihn
dagegen ganz genau sehen:
sâ begunde ouch manic hel junc
il balde gegen im îlen
mi bogen und mi p îlen,
de hâ en sie sich gewa ne da ,
und nâmen im de ougen wa . (V. 3160–3164)
sie hâ en in gesunde
schie e on den ougen. (V. 3168–3169)
Deswegen kann e die Ri e nich e en, und olglich nich den Sieg e ingen: „daz
liu im hindan wanc e,/ daz de slac nieman uo e“ (V. 3284–3285).248 Die
Blindhei kann hie wö lich, abe auch im Sinne on ‚nich e s ehen’ in e p e ie
we den: De Riese kann die lis de A us i e 249 wäh end des Gesp ächs nich
‚sehen’, nich e s ehen ode e kennen: „swe dâ gelogen hâ e,/ den e kan e e nih ,
e was blin “ (V. 3418–3419), „wand e de wâ hei nih ensach“ (V. 3404).250
In de Episode on de G üenen Ouwe kann auch de Ro e Mann sehen und
beme k deswegen, dass de Ri e , de Sandinose ächen woll e, ihn be ügen will
(„als de sieche daz gesach/ daz e sîn wo nih e nam [...]“, V. 4618–4619). In
diesem Sinne is e lis ig. Dank diese Fähigkei geling es ihm, die Bewohne des
Landes de Eigenscha des Sehens zu be auben. E blende sie, wie es da o die
A us i e mi dem Riesen ge an haben („e hiez in allen zuo de e den/ unde hiez
in balde we den/ beidiu oup unde ump,/ da zuo blin unde k ump“, V. 4627–
4630). So me ken sie nich , dass Sandinose weggeh : „’dô e s al ich mich eine/ he
ze disem s eine’“ (V. 4457–4458). Auch de He on de G üenen Ouwe ‚e blinde ’
du ch den Zaube des Ro en Mannes. E kann nich meh seine al en F eunde
248 Gawein ha e o he die Me aphe n ‚Tag’ und ‚Lich ’ benu z , um übe die zukün ige Blindhei
des Riesen zu sp echen: „’sô âmen wi im de ougen./ wi machen im ougen/ beidiu daz lieh und
den ac’“ (V. 867–869).
249 Sie sagen dem Riesen: „’nû bin ich doch mi di hie’“ (V. 3416). De Sa z kann zwei
Bedeu ungen haben: En wede meinen sie, dass sie neben ihm s ehen, ode dass sie zum Hee
Ma u s gehö en. De Riese e s eh diese le z e Bedeu ung, obwohl sie nich die ich ige is .
250 Das Mo i de Ze s ö ung ode Ve minde ung de Wah nehmungs ähigkei du ch Zo n ode
zumindes du ch eine unkon ollie e Emo ion is häu ig in de mi elal e lichen Li e a u . Dazu
siehe Judi h Klinge in bezug au den P osa-Lancelo (Klinge , 2001, S. 277).
86
e kennen ode besse gesag , seine Sehk a is ähnlich wie im Fall om Lieh en
B unnen au e hängnis olle Weise ges ö : „’swelhen unse e gesach,/ möh e e
den e g i en hân,/ e hæ e im den ô ge ân’“ (V. 2654–2656), „e is alsô e i e /
daz e nieman gesih / wan dem ze s e bene geschih “ (V. 2658–2660). Im
Gegensa z dazu konn e e o de Ankun des Ro en Mannes dank de me wîp
sehen:
„dannoch gap si im dâmi e
ein salben sô eine,
swe i ein il kleine
s îche an sîn ougen,
dem is daz nih ougen,
e gesæhe des nah es alsô wol
sô man des ages gesehen sol.
de mac ouch diz ne ze sehen.
dannoch is im baz geschehen:
im wü den sîn ougen sô klâ
daz e wol ein kleinez hâ
in niuniu kunde gespal en.
die salben hân ich gehal en.“ (V. 4316–4328)
Um die Blindhei de Landesbe ölke ung auszud ücken, die de Ro e Mann im
Land e u sach ha , wi d die Me aphe ac / nah e wende . Sandinose sag zu
Daniel: „’unse ac is wo den ze eine nah ’“ (V. 4332), um zu zeigen, wie sich die
F eude in ih em Land in T aue e wandel e. Abe dies kann auch in einem ande en
Sinne e s anden we den und zwa in Bezug au die Möglichkei , agsübe zu sehen
und die Unmöglichkei , es in de Nach zu können: F ühe he sch e sozusagen de
Tag, heu e die Nach .
Die einzige Pe son im Land, die noch sehen kann, is Sandinose. Sie kann nich
gu hö en und deswegen wi d sie on den Wo en des Siechen nich e zaube .
Dahe beme k sie, was de Ro e Mann mi ih en Landsleu en mach : „’dô ich sî
genas und gesach/ daz sie sô ga e ô en/ die sîn ede gehô en’“ (V. 4454–4456).
Ein wei e e Ri e wi d om Siechen en deck , weil e nich ‚sehen’ kann, das heiß ,
e e kenn nich die Absich des Ro en Mannes und weiß deswegen nich , wie e
sich e hal en soll. Im Gegensa z zu ihm wi d Sandinose, obwohl sie o dem
Siechen s eh , nich en deck : „’dô was ich geslichen da ,/ daz ich sîn gebæ de wol
sach’“ (V. 4632–4633). Sie is eben alls lis ig, deswegen kann sie Daniel mi dem
Ne z angen. Das Ne z is jedoch unsich ba ü die ande en: „daz was mi lis en sô
gemach ,/ ez wæ e ac ode nah ,/ daz ez nieman ensach“ (V. 4129–4131), sowie
87
ü Daniel: „e sp ach: ‚wie is dem ne ze sô,/ ode wie is mi sô geschehen/ daz
ich des nih mac gesehen?’“ (V. 4180–4182). Abe als Daniel in die Nähe des
Siechen komm , ha e wiede die Fähigkei , ich ig zu sehen, wie die Wiede holung
on Wö e n, die zu diesem Wo eld gehö en, zeig : „als Daniel gesach/ daz im dâ
nieman zuo sp ach“ (V. 4759–4760), „sîn ouge im allez umbe gie/ und begunde il
eben lâgen/ alles des sie p lâgen./ de selben gebæ de p lac ouch e “ (V. 4766–
4769). Dagegen kann de Sieche in dem Momen , in dem Daniel ihn ö e , seinen
Ang ei e nich sehen: Daniel s eh hin e ihm.
In de Episode de A usen üh ung kann de Riesen a e den König angen,
weil e das Feld sieh :
e sp ach: „ich muoz daz el sehen,
ez mac ande s nih geschehen.“
nû ûm en sie ein s âze
eh e nâch de mâze
als e selbe o sp ach. (V. 6943–6947)
E be ach e so g äl ig Pa zi als Bewegungen („des wa de al e dô gewa “, V.
7190), um ihn zu en üh en. Das Ve hal en des A usho es wi d dagegen du ch das
Nich sehen ode Nich sehen-Wollen gep äg : „Sie ie en alle: ‚owê!/ wi gesehen
den künic nieme mê!’“ (V. 6981–6982), „i deheine wolde sehen/ einen ande n da
gân“ (V. 7140–7141).
Spä e wi d die Ge angennahme des Riesen a e s du ch Daniel du ch die
Un ähigkei des Al en e u sach , das Ne z zu sehen. E wi d explizi als ‚blind’
bezeichne (V. 7458, 7799). Nach dem Gesp äch mi Daniel und dem
F iedensabkommen mi dem A usho bekomm e als Geschenk das Ne z und die
Salbe, die es sich ba mach : E kann je z sehen und Daniels und A us’ Mo i e
e s ehen, was ihn dazu beweg , on seinem Zo n abzulassen.251 Sandinose benu z
hie wiede die Me aphe n Nach und Tag in Ve bindung mi Sehen und
Nich sehen, als sie dem Al en e klä , was passie , wenn e sich die Salbe au die
251 Die Episode on A us’ En üh ung du ch den Riesen a e wi d du ch die häu ige E scheinung
des Ve bs sehen gep äg . Am An ang de Szene, als de Al e au dem Fes e schein , sag e : „’ich
will iuch ein spil lâzen sehen’“ (V. 6935). Die Möglichkei , das Feld zu sehen, e möglich es dem
Al en, den König zu en üh en. Dies bewi k die olgende Äuße ung des A usho es: „[...] ’owê!/
wi gesehen den künic nieme mê!’“ (V. 6981–6982). Danach wi d gesag : „ il schie e sâhen sie
daz/ daz e in den be c û uoc./ dô wa jâme s genuoc/ daz sie in da sâhen agen/ dâ sie hin
nih moh en jagen“ (V. 7003–7006); „Dô de al e daz gesah“ (V. 7143).
88
Augen s eich : „’swie üebe ein nah wesen mac,/ si is iu als ein sume ac/ da an
daz man sehen sol/ und schouwen ouch daz ne ze wol’“ (V. 7817–7820).
Manchmal geschieh es, dass Daniel nich sehen kann. Zum Beispiel als e mi
dem G a en om Lieh en B unnen zu G üenen Ouwe ei e , nehmen sie den
alschen Weg, weil sie den ich igen nich sehen:
nû e kê e ez sich zes un
(das geschuo i gâhen
und daz sie ouch nih gesâhen)
daz sie den bu cwec e lu en
und einen ande n e ku en. (V. 2376–2380)
3.3.2 Sp echen / Nich sp echen
Daniels lis bes eh nich nu aus seine Fähigkei , meh als die ande en zu sehen,
sonde n auch aus seine Fähigkei zu sp echen ode du ch die Sp ache zu
‚ e zaube n’, das heiß , e benu z die Sp ache, um seine Feinde zu beein lussen und
zum Beispiel zu bewi ken, dass sie zo nig we den. Dami gleich sein Ve hal en dem
ande e Figu en wie dem Siechen, de seine Op e du ch den Klang seine S imme
e zaube . Diese Ve bindung zwischen lis und Rhe o ik wi d on Daniel am Ende
des We kes be on : „’dem wîsen man zime wol/ daz e wizze waz e sage’“ (V.
7652–7653).252
Daniels Sp achmäch igkei zeig sich zunächs da in, dass e mi
Doppeldeu igkei en spielen und Sp ache zu Manipula ion einse zen kann, wie im
Fall de Gesp äche mi dem Bauchlosen ode mi dem zwei en Riesen. Diese
Fähigkei besi z nich nu Daniel, sonde n sie wi d auch on den A us i e n in
ih em Kamp mi dem Riesen bewiesen. Die Sp ache wi d hie e wende , um den
Zo n de Gegne zu wecken.
Im Gesp äch mi dem Bauchlosen mach Daniel deu lich, dass es F agen gib , au
die zwei An wo en möglich sind, weil diese An wo en sich eigen lich au dasselbe
Ding beziehen (das heiß , die An wo kann au eine Weise ode au die ande e
o mulie we den). Hie beziehen sich die zwei möglichen An wo en Daniels („daz
bin ich“ ode „Daniel“) au die F age: „’we is dâ o de po en?’“ (V. 2028) au
252 Auch im lis -Exku s wi d die Abwesenhei de lis mi de unsinnigen Rede e bunden: „de
eh e guo e lis e kan,/ ez sî om und ê e./ ez hazze mange sê e/ daz man le ne guo iu dinc/ und
sp iche als ein snü inc,/ man müge zuo il kunnen“ (V. 7506–7511).
89
dieselbe Pe son. Daniel e kenn dies und gib genau die An wo , die das Ungeheue
nich e wa e (das heiß , „daz bin ich“ und nich „Daniel“), was dieses wü end
mach . Abe Daniels An wo is keine Lüge, sonde n nu eine indi ek e An wo ,
die ü bedeu ungslos gehal en wi d („’ich e nam nie ede sô lôse’“, V. 2054).
Dasselbe geschieh , als de Bauchlose ihn wiede nach seinem Namen ag und
e an wo e : „’ich heize sam mich de pha e hiez/ dô e mich in den ou s iez./
mîn geslah e ich di wol gesagen kan:/ mîn a e was mîne muo e man’“ (V. 2047–
2050). E was Ähnliches geschieh im Gesp äch mi dem zwei en Riesen am Eingang
on Cluse. De Riese ag Daniel: „wa e sô wolde gâhen“ (V. 2754). Daniel
an wo e : „’du ch den be c in daz lan ’“ (V. 2756). Dami ge ä auch de Riese in
Zo n und geh zu Daniel, um ihn umzub ingen.
In de e s en Schlach , im Gesp äch zwischen dem Bo en iesen und den
A us i e n, is die Anwo de A us i e doppeldeu ig. Sie e wenden Sä ze, die
zwei mögliche Bedeu ungen haben: „’lâ s ân, waz wîzes û mi ?/ nû bin ich doch hie
mi di ’“ (V. 3415–3416). Die A us i e s ehen neben dem Riesen, abe diese
e s eh , dass sie zu seine Sei e, das heiß , zum Ma u shee , gehö en.253 E is in
diesem Sinne blind: „swe dâ gelogen hâ e,/ den e kan e e nih , e was blin “ (V.
3418–3419), „du ch die ede e wande / daz e dâ nieman ze b ach,/ wand e de
wâ hei nih ensach/ und geloub e sich des ga “ (V. 3402–3405).
Die Wö e können also zwei mögliche Bedeu ungen haben und sowohl Daniel
als auch die A us i e können das ‚sehen’, abe de Riese is dazu nich ähig: E
kann sich nich o s ellen, dass es eine wei e e Bedeu ung geben könn e. Abe e
kann seh wohl hö en. Es wi d dahe wiede hol , dass e do hin geh , wo e Lä m
hö : „de ise zo nlîche sch ei / dâ e hô e daz ge ei “ (V. 3269–3270), „nû lie e
in alles nâch,/ swâ e daz ged enge e nam“ (V. 3208–3209). Diese zwei
Begebenhei en, das Nich sehen und das Hö en, üh en auch zu seine Ve wi ung
du ch die Rede de A us i e . E is abe un ähig zu sp echen: Von ihm wi d nich
gesag , dass e sp ich , sonde n dass e Lä m mi de S imme mach . Diese
Un ähigkei des Riesen wi d noch s ä ke be on , als sein Schweigen als
Euphemismus ü seinen Tod in e p e ie wi d: „und ouch hô en den schal/ den
e mach e mi de s imme,/ und sâhen wie in dâ mi g imme/ he Daniel gesweig e“
(V. 3828–3831).
Die Fähigkei Daniels, mi Sp ache zu ‚ e zaube n’, zeig sich auch, wenn e lüg .
Im T üeben Be ge lüg Daniel den Zwe g an. E sag ihm, dass die Dame be ei is ,
253 Siehe Anm. 249.
96
Daniel kann nich nu mi els de Wah nehmung o aussagen, was geschehen
wi d: Die g ündliche Be ach ung de Zeichen e laub ihm, die ich ige
En scheidung zu e en, wie in dem Momen , in dem e nach dem Ab ei en on
A usho in Cluse ankomm : „nû sach e he unde da / und wa schie e gewa / daz
e du ch den be c solde,/ ob e in daz lan wolde“ (V. 1037–1040). Dies s eh auch
in Ve bindung mi seine Fähigkei , zwei e schiedene Handlungsmöglichkei en zu
sehen. Im Dialog mi dem Bauchlosen Ungeheue zum Beispiel ag de Bauchlose
Daniel, wie e heiße. De Bauchlose e wa e , dass Daniel seinen Namen nenn und
nich „’ich heize sam mich de pha e hiez’“ (V. 2047) an wo e .264 Es gib dennoch
mindes ens zwei mögliche An wo en au die F age, abe e ha die ande e nich
o ausgesehen. Daniel, im Gegen eil, ha nich nu beide Möglichkei en e kann ,
sonde n auch die zukün ige Reak ion des Gegne s o ausgesehen, nämlich, dass e
in Zo n ge a en wi d, wenn e nich die e wa e e An wo e häl .265
Daniels Fähigkei , zwei Handlungsmöglichkei en zu sehen, i noch deu liche
he o in seinen Monologen und in den Dialogen mi e schiedenen Damen. De
Held ha imme zwei Handlungsmöglichkei en o sich und e muss eine wählen.
Die Monologe und Dialoge haben mi dem Abwägen on zwei Möglichkei en zu
un und mi de Fähigkei o auszusehen, was spä e geschehen kann, um die
ich ige Op ion zu wählen.266 In diesen Fällen e schein die Sp ache als ein Mi el, zu
eine En scheidung zu kommen. Diese A des Sp echens i also in Ve bindung
mi de lis und beding Daniels Übe legenhei übe die ande en Figu en. De
264 Siehe S. 87–88.
265 Diese Fähigkei i seh deu lich im P a en Amis zu age: Als Amis mi dem Bischo sp ich ,
e wa e diese om Helden eine bes imm e An wo und kann die ande e Möglichkei nich
o aussehen. Wie Ba ba a Haup sag , „wîshei und lis lassen sich inhal lich om Tex he posi i als
Vo aussich on E eignissen, geis ige Flexibili ä , Vo ausplanung on Handlungen in bes imm en
sozialen Kons ella ionen und Einsich in die In e essen de e schiedenen gesellscha lichen
G uppen bes immen“ (Haup , 1978, S. 69). Auße dem is eine Ve bindung zwischen de
Doppeldeu igkei de Wö e und diese Fähigkei Daniels zu beobach en: Die Bedeu ung, die
einem Wo zugeo dne wi d, häng on de Absich des Sp eche s ab und es is diese Absich de
Ande en, die Daniel sehen kann, abe seine Gegne nich .
266 Übe die Anwesenhei meh e e Möglichkei en in den Monologen Daniels, zwischen denen e
wählen kann, und Daniels Fähigkei zu Vo ausplanung siehe auch Johanna Reisel (1986), S. 28–40.
Reisel ha die S uk u de Monologe mi ih em Sys em on Al e na i en mi de Me hode de
Scholas ik zusammengeb ach , haupsächlich mi dem ‚Sic e Non’ Abaela ds. Regina Pingel ha
gezeig , dass dies ein e b ei e es Mus e is (Pingel, 1992, S. 165). Dazu auch Volke Honemann
(1996), S. 227–228.
97
P ozess de Einigung kann sowohl mi den ande en als auch (im Fall de Monologe)
in eine Figu 267 s a inden.
Die lis als Abwägen on zwei Möglichkei en wi d im lis -Exku s explizi de inie .
Nach dem Lob de lis gegenübe dem Zo n wi d gesag :
waz sol ein sô ge âne man
de wede guo noch übel kan?
ez is bezze des umen muo ,
kan e übel unde guo .
e lê e in die beidiu wol,
waz e mîden unde uon sol. (V. 7543–7548)
lis is also die Fähigkei , Gu und Böse zu e kennen und zwischen ihnen zu
wählen,268 obwohl das Gu e und das Böse im Fall Daniels keine na ü lichen
G ößen, sonde n ins umen ell zu e s ehen sind: Nu was ü den Helden gu ode
schlech is , zähl . Zwei Möglichkei en zu handeln s ehen imme zu Ve ügung und
Daniel wähl diejenige, die zunächs übe aschend e schein , on de e abe
o ausgesehen ha , dass sie ihn besse zu dem on ihm gewünsch en Ziel b ingen
kann. Dies is eine Fähigkei , die ande e Figu en nich besi zen. Zum Beispiel, als
Daniel gegen den Riesen am Eingang on Cluse kämp , kann de Riese die
Möglichkei nich sehen, dass e s e ben könn e. E is nu ähig, eine
Handlungsmöglichkei zu sehen: „nû enwa de ise nie/ on deheinem wâ en
wun ./ on diu was im nih kun / ob e sich solde hüe en“ (V. 2770–2773). Die
Folge da on is sein Zo n, de demnach in Ve bindung mi diese Un ähigkei s eh :
„e begunde o zo ne wüe en,/ e gedâh e nih an sînen al“ (V. 2774–2775). Auch
267 Inwie e n ein Einigungsp ozess in den Monologen s a inde , wi d on Edwa d J. Milowicki
und R. Rawdon Wilson e klä : „[…] a di ided consciousness, a spli awa eness s uc u ed as an
inne deba e be ween oppossed alues, can be mos adequa ely analyzed as a con lic o oices, no
me ely as a single oice speaking in a gumen , wi hin he cha ac e “ (Milowicki / Wilson, 1995, S.
223).
268 Dazu Die e Ka schoke (1988), S. 178–179. Vgl mi Thomasin in dem Wälschen Gas : „Râ iô
bescheiden sol/ waz s ê übel ode wol,/ und sol enphelhen swaz is guo “ (V. 8827–8829) und mi
de De ini ion de p uden ia des Alanus ab Insulis: „dum uga mali e elec ioni boni. U a umque
ideo apponi u , quia non su ici bona e mala a se in icem di ide e, sed e iam bona ab in icem e
mala ab in icem, id es bona a melio ibus e minus bonis, e mala a peio ibus el minus malis. Nec
su ici is a disce ne e nisi sequa u boni elec io e mali aspe na io“ (Pe e Ochsenbein, 1975, S. 80).
Die Fo schung ha in diesem Sinne die Au assung de lis , die in den We ken des S icke s
e schein , mi de dominikanischen p uden ia zusammengeb ach (Eh ha d Ag icola, 1955), obwohl
dies einige P obleme au weis , o allem ch onologische (S ephen L. Wailes, 1977; Regina Pingel,
1994, S. 152–160). Auch k i isch mi de p uden ia-These Wol gang Spiewok (1964), o allem S.
125.
98
de Zwe g Ju an is on seinem Sieg übe zeug und kann nich an eine mögliche
Niede lage denken: „’des enwolde ich nih e sch ecken,/ noch dan ge ûwe e ich
mîne k a ,/ ich wü de an im wol sigeha ’“ (V. 1576–1578).269
Die Sp ache is bei den ande en nich nu die U sache on Ve wi ung (wie oben
un e 3.3 e klä wu de), sonde n auch das Elemen , das das disku si e Denken
e möglich : Sie kann zu Ve wi ung ode zu Klä ung üh en. Diese zwei Sei en de
Sp ache sind auch e schiedene Aspek e de lis , die die Fähigkei des Lis igen und
die Un ähigkei de ande en Figu en zeigen. Die ich ige Ve wendung de Sp ache
des Lis igen wi d im Dialog mi dem Riesen a e ausged ück :
dem wîsen man zime wol
daz e wizze waz e sage.
sp æche e ie und zweinzic age
daz bes e daz ie man gesp ach,
wæ e ein wo da unde swach,
daz gema k e man baz
ûsen s un denn allez daz
daz e ze eh e sp æche. (V. 7652–7659)
Abe die lis Daniels be uh nich nu au de Möglichkei , in die Zukun zu
sehen, also die Konsequenzen des Handelns ode Redens zu e kennen, sonde n
auch au de Fähigkei , e was zu denken, wo au die ande en nich kommen, das sie
nich sehen können. Diese Fähigkei g ünde auch hie au de Opposi ion on
Sehen und Nich sehen. Zum Beispiel nach dem Dialog mi de Dame om T üeben
Be ge denk Daniel ü sich:
„nû denke ich bœslîche:
swie lange ich s ille læge
und mînes gemaches p læge,
sô kunde nih on mi geschehen
daz man mi möh e gejehen
deheine ümekei e.
waz ob ich gea bei e
ze disen zî en sô wol
daz ez mich ieme hel en sol!
mac abe des nih e gân,
sô is mi bezze ge ân,
als ez mi nû gewan is
269 Dieselbe Si ua ion inden wi , als de Bo en iese den Tod seines B ude s e äh und klag : „[…]
‚owê! wie hân ich dich/ sus wunde lîche e lo n?’“ (V. 2926–2927). E besch eib den Tod seines
B ude s als wunde lîch, sel sam, e konn e also diese Möglichkei des Todes nich o he sehen.
99
daz ich den lîp in ku ze is
ümeclîche û gebe
denn ich mi schanden ieme lebe.“ (V. 1370–1384)
E nenn abe de Dame einen ande en G und, ih zu hel en: „’ ouwe, iuwe
ungemach/ müeje mich und iuwe nô ’“ (V. 1386–1387). De Sa z „des lîbes e sich
bewac und sp ach“ (V. 1385) kennzeichne den Übe gang zwischen zwei
un e schiedlichen Si ua ionen: Daniel denk e was, sag abe e was ande es. Dies
ma kie den Monolog als einen inne en. Die Monologe als Da s ellungs o m des
Denkens zeigen die Inne lichkei de Figu , die die ande en nich kennen, was auch
kons i u i ü seine Da s ellung als lis ige Held is .
Es gib ach inne e Monologe Daniels im ganzen Tex . De e s e Monolog
bes imm das Momen , in dem Daniel sich en scheide , heimlich nach Cluse zu
ei en (V. 1002–1017). In diesem e s en Monolog wäg Daniel nich zwischen zwei
Möglichkei en de Handlung ab. Doch dies geschieh gleich da au , als Daniel
übe leg , ob e gegen den Riesen kämp en soll ode nich (V. 1056–1110) und e am
Ende beschließ , doch zu kämp en:
„ich wü de ge ne gesehen
an dem schaden und in ê en
ê ich hinnen welle kê en
sunde s î und âne schaden,
da zuo mi schanden dâ beladen.
ich alle ode ich wil in ellen.“ (V. 1092–1097)
E kann diese En scheidung dann abe nich in die Ta umse zen, weil die Dame
om T üeben Be ge au i .
Im Aben eue om T üeben Be ge übe leg Daniel, ob e zue s gegen den
Riesen an e en ode die Dame anhö en soll. E en scheide sich ü die le z e
Möglichkei :
„Sô wæ e ich de swaches man
de i e s namen ie gewan,
sî ein ouwe ge uoche
daz si gnâde suoche
sô jæme lîche zuo mi ,
ge i e ich ieme on i ,
ichn gehô e doch i ungemach.“ (V. 1165–1171)
100
Im Monolog de Ve se 1354–1384 denk Daniel zue s an die Möglichkei ,
auszu ei en und wede gegen den Riesen zu kämp en noch de F au zu hel en;
danach abe sag e , dass e liebe s e ben wolle, als seine ê e zu e lie en:
„sô is mi bezze ge ân,
als ez mi nû gewan is
daz ich den lîp in ku ze is
ümeclîche û gebe
denn ich mi schanden ieme lebe.“ (V. 1380–1384)
Nach dem Sieg am Lieh en B unnen handel de Monolog om Kon lik , ob e
den Medusenkop des bauchlosen Ungeheue s behal en soll ode nich ; e
en scheide sich ü die le z e Möglichkei : „’dû bis on dem î el komen,/ de
müeze dîn ouch wal en:/ ich wil dich nih behal en’“ (V. 2200–2202). Spä e , in de
G üenen Ouwe, übe leg Daniel, ob e au den G a en om Lieh en B unnen
wa en ode nach Cluse ah en soll, um gegen den Riesen zu kämp en (V. 2702–
2746):
„ez is bezze daz ich î e,
swenn ich do ges î e,
daz ich wide he komen.
mîn ligen is hie dehein omen.
belîbe ich lenge umb ein hâ ,
sô weiz ich ü wâ ,
ich e sûme mich do und hie!“ (V. 2729–2735)
Be o e on Cluse zu G üenen Ouwe ei e , um nach dem G a en zu suchen,
läss sich wiede deu lich beobach en, wie Daniel die zwei möglichen E eignisse
schon o ausgesehen ha :
e dâh e, als im was geslah ,
e wolde hin ze dem be ge aben,
ob e de s ein wæ e û gehaben,
daz e i e nâch sînem gesellen,
de du ch sîn baldez ellen
dâ on im gescheiden wa ;
wæ e abe diu s âze noch bespa ,
daz e he wide i e. (V. 3924–3931)270
270 Obwohl Daniel p inzipiell die einzige Figu is , de en inne e Rede e zähl wi d, gib es eine
Ausnahme: Die Dame on Lieh en B unnen wäg auch zwei Zukun smöglichkei en in einem
101
Auch in den Dialogen inde sich ein solches Abwägen zweie Möglichkei en. In
demjenigen zwischen Daniel und de Dame om T üeben Be ge bi e sie ihn um
Hil e. Daniel weige sich an angs, dann sag sie ihm, dass e den Riesen nich
besiegen könne und e zähl ihm on dem Unglück, das de Zwe g Ju an ih
e u sach habe. Sie üg dann hinzu, dass e das Schwe Ju ans e hal en könne,
wenn e ihn besiege. E en scheide sich da au hin, zue s gegen den Zwe g zu
kämp en: „’ich wil gewisselîche ô / du ch iuwe unschulde ligen/ ode dem we c
angesigen’“ (V. 1388–1390).
Im Aben eue om Lieh en B unnen üh Daniel auch ein Gesp äch mi de
Dame. Daniel weige sich eben alls am An ang, ih zu hel en. Sie e wide , dass e
dadu ch g oßen Ruhm e eichen könne. E bi e sie, ihm ih e Schwie igkei en zu
e zählen und die Dame be ich e on ih em P oblem mi den Bauchlosen. Daniel
en scheide sich: „’ich gewinne iu wide iuwe n man,/ ode ich e liuse den lîp’“ (V.
1968–1969).
Spä e olg de Dialog zwischen Sandinose und Daniel au de G üenen Ouwe.
Sandinose e zähl Daniel, was in ih em Land geschehen is . Sie gib ihm d ei
Al e na i en: E kann den Siechen ö en, selbs s e ben ode sie umb ingen. Daniel
en scheide :
„ich hân il schie e e wel ,
ich iche iuch an dem siechen man.
ob abe ich daz nih ge uon kan,
sô muoz mîn bluo zuo dem bade
ê ich iu ze dem lîbe ih schade.“ (V. 4564–4568)
Dann e schieb sich das P oblem au die lis , die e anwenden kann: E sag ,
dass e sich die Oh en e s op en und danach den Siechen mi dem Schwe ö en
we de, doch die Dame an wo e , dass das nich unk ionie en we de. Da bi e e
sie um Ra und sie e zähl ihm, was dem ande en Ri e , de mi e s op en Oh en
zum Siechen gegangen is , geschehen is . Daniel e wide , dass e einen Ve such
inne en Monolog ab (V. 2341–2350): Die Möglichkei , dass Daniels Tap e kei seinen Mann in
Schwie igkei en b ing und die Möglichkei , dass sie alle P obleme ge ade dank Daniels Tap e kei
übe winden können. In diesem Fall sag de E zähle auße dem explizi , dass sie zwei gegensei ige
Gedanken ha : „zwên gedanke si dô gewan“ (V. 2340). In gewissem Sinne kann auch die Dame in
die Zukun sehen: Sie an izipie die zukün igen P obleme ih es Mannes, obwohl diese nich
du ch Daniels Tap e kei e u sach we den, sonde n du ch die eigene Impulsi i ä des G a en.
102
un e nehmen we de. Sandinose sag ihm da au hin, dass sie ihn liebe leben lassen
und sie sich selbe ö en wolle: „’wa umbe wolde i iuwe n lîp geben?/ iuwe leben
is nü ze denn daz mîn’“ (V. 4688–4689). Abe Daniel akzep ie das nich : „’ê ich
noch hiu e wi de e slagen,/ ich e suoche allez daz ich kan’“ (V. 4720–4721).
Eine ande e Modali ä s ell de Dialog da , de den F ieden e möglich . Zum
Beispiel de Dialog zwischen A us und Ma u s Ri e nach dem Sieg übe Cluse, mi
dem die Ve söhnung on beiden Teilen e eich wi d. A us e klä , dass e Cluse
nich angeg i en hä e, wenn e nich zu o on Ma u he ausge o de we den
wä e: „’ich wæ e ge ne dâ heime beliben/ und wa undankes he ge iben’“ (V.
5855–5856). E e kenn , dass e Leid e u sach ha , abe e is auch be ei , dieses
Leid in F eude umzuwandeln:
„swaz ich iu ze leide hân ge ân,
des wil ich iuch e ge zen
und wil iuch sô ô gese zen
daz i alle müeze jehen
daz iu wol sî geschehen.“ (V. 5870–5874)
Ma u s Ri e sind zu ieden mi de E klä ungen des Königs: „diu ede ge iel in
ha e wol“ (V. 5875).
E was Ähnliches passie in den Dialogen Danises mi den Ri e n ih es Landes
und mi A us. Danise beklag und bewein den Tod ih es Mannes. Die Ri e
e suchen, sie zu übe zeugen, dass sie ih e Klage au geben und sich mi A us
e söhnen solle, sons we de sie alles e lie en. Sie weige sich abe g undsä zlich:
„’de min e leides geschih / diu mac wol weinen unde klagen:/ mi is de iu s e
he e e slagen/ den diu we l ie gewan’“ (V. 5970–5973). Dann zeigen ih die Ri e ,
dass Ma u schuldig am Kamp gegen B i annien is . Dies übe zeug Danise und sie
gib nach (V. 6040–6052). Am Ende des Gesp ächs wiede hol sie: „’swaz i nû uo ,
daz lâze ich sîn’“ (V. 6128). Dami is de Kon lik gelös .
Danach geh A us zu Danise, um auch mi ih ein Gesp äch zu üh en. Sie heiß
ihn willkommen und beginn da au hin zu weinen. A us e klä ih , dass e ih Leid
e s ehe, e eidig abe seine Handlung: Ma u habe ihn du ch sein Ve hal en
gezwungen, ihn zu ö en. A us bi e sie um Ve gebung und e siche ih , dass e
sie wiede glücklich machen we de. So is Danise in de Lage, A us’ Ve hal en zu
e s ehen: „si wa des ôs es sô ô/ dô si e nam daz in diu nô / wanc û i
he en ô “ (V. 6194–6196).
103
Das zwei e Gesp äch zwischen A us und Danise handel on de Ehe zwischen
ih und Daniel. A us sag , dass e ih Daniel als Ehemann geben wolle. Sie mach
sich abe So gen, weil es eine Schande sein könn e, so schnell nach dem Tod ih es
Mannes wiede zu hei a en. A us benu z das olgende A gumen , um sie zu
übe zeugen:
„sô ez iu allez daz æ e
daz iu deheines guo es gan,
iuwe mâge und iuwe man,
sie sîn eigen ode î,
waz las e s wæ e dâ bî?” (V. 6314–6318)
Sie is mi de E klä ung des Königs zu ieden und willig ein.
Im Dialog mi dem Riesen a e , nachdem diese mi Sandinoses Ne z ge angen
wu de, d oh Daniel zue s , A us’ En üh e zu ö en (V. 7606–7611). De Al e
an wo e : „’ich s i be ge ne denne ich lebe’“ (V. 7621). Nun wi d im Ve lau des
Dialogs die ganze Si ua ion e klä : Daniel wi dem Al en o , Ma u alsch be a en
zu haben. De Tod seine beiden Söhne sei in Selbs e eidigung geschehen (V.
7676-7723). De Al e e klä , dass e mi de En scheidung Ma u s nich s zu un
gehab habe und beschließ da au hin, seinen Zo n au zugeben: „’ich wil lâzen
mînen zo n/ sî ich die süne hân e lo n/ on mînes he en schulden’“ (V. 7765–
7767). E inde Daniels E klä ung übe zeugend und kann den G und e s ehen,
wa um e seine Kinde umgeb ach ha . Daniel gib dann seinen Wunsch au , den
Al en zu ö en. Nach dem Gesp äch bekomm de Al e das Ne z und die Salbe und
be ei A us und Pa zi al. Die Sp ache wi d also ins umen ell eingese z , um den
F ieden in Cluse zu e eichen.
Eine ande e A on Dialog sind die Ra sszenen zwischen A us und seinen
Ri e n. De e s e Ra inde nach de He aus o de ung des Riesen s a („Dô nam
de künic A ûs/ die wîsen alle dâ ze hûs/ und gienc mi den ze â e“, V. 811–813).
Wäh end in den üb igen Ra sepisoden imme Daniel die Lösung inde , is es hie
zunächs Gawein. Abe die lis , die e gegen den Riesen anzuwenden o schläg ,
unk ionie spä e nich .271 Nach dem Sieg in de e s en Schlach , olg eine zwei e
Ra szene, in de wiede zwei Möglichkei en des Handelns abgewäg we den: „dô gie
271 In diese Episode zeig auch A us die Fähigkei , übe zwei Möglichkei en des Handelns
nachzudenken, als e dem Bo en iesen sag : „’sind alsô g ôz alle/ in dem lande sô dû bis ,/ sô
sp iche ich ande s, wizze K is ,/ denne ich noch ge ede habe’“ (V. 500–503).
104
de künic ze â e,/ wede in bezze wæ e daz sie bi en/ ode ü sich in daz lan
i en“ (V. 3862–3864).
Hie inde Daniel die bes e Lösung, nämlich zu wa en und nich nach Cluse
hineinzu ei en. Am Ende de zwei en Schlach inde wiede ein Ra s a (V.
5273 .) und auch nach de ie en Schlach : „des nah es il spâ e/ gie de künic
A ûs ze â e/ waz in daz bes e wæ e“ (V. 5715–5717). Daniel schläg hie eine neue
lis o , die den endgül igen Sieg in Cluse e möglich : Das Ve s op en de Oh en,
um das Sch eien des Tie s nich zu hö en. Nach dem Sieg wiede hol sich die
Ra szene („De künic A ûs gie ze â e/ mi allen die e hâ e/ on B i anîe da
b âh “, V. 6203–6205) und de Vo schlag Gaweins is , dass Daniel die Königin
hei a e , was die ande en un e s ü zen (V. 6244–6247).
Im Gegen eil zu A us nimm Ma u den Ra seine Ri e nich an, wie de
Riesen a e Daniel am Ende des We kes e kenn , und e schiedene Aussagen lassen
ihn als einen au o i ä en König e scheinen (zum Beispiel: „[...] die des ages solden/
und u nie en wolden,/ als in de künic Ma û gebô “, V. 3075–3077).272 Seine
eigenen Ri e behaup en o Danise, dass Ma u und iele ande en Ri e nich o
wä en, wenn e ih en Ra be olg hä e. Danise an wo e da au : „’sô wil ich âhen
niuwe si e’“ (V. 6110).
Mi den Monologen und Dialogen geschieh dasselbe wie in den schon o he
ausge üh en Punk en (Zo n / lis und Sehen-Sp echen / Nich sehen-
Nich sp echen): Die Episoden des Romans sind je nach Dominanz des einen ode
des ande en Poles eine bes imm en binä en Opposi ion zuzuo dnen. In
bes imm en Teilen des Tex es gib es also Figu en ede (Monolog ode Dialog),
wäh end das ich ige Sp echen und die Figu en ede in ande en Teilen (wäh end de
Schlach en) keine Rolle spielen. Man ed Eikelmann sp ich in diesem Sinne on de
„sp achlosen Gewal de Schlach en“ und de „Nega ion sp achliche
Ve s ändigung du ch die Gewal de Schlach en“:273
272 Ma u als A us’ ‚An ipode’ is ein Thema, das on Elke Mülle -Ukena (1985, S. 38–41)
behandel wu de. Ih e Bezeichnung A us’ als „Rex Humilis“ (S. 38) im Gegensa z zu Ma u is
aglich: A us’ Ve hal en wi d e spo e , wie in de Episode de En üh ung gezeig wi d, ode es
wi d übe seine Tugenden i onisie . Zum Beispiel als e den Riesen belüg , obwohl seine
Wah ha igkei zu o e wähn wu de. Ma u is auße dem nich so ‚böse’, e wi d on seinen
Un e gebenen ü ‚gu ’ gehal en.
273 Man ed Eikelmann (1989). Die Abwesenhei on Figu en ede wäh end de Schlach en s eh
auch eilweise in Ve bindung mi de Mischung on Ga ungen. Wie Klaus Za loukal e klä ha , is
105
dâ wa beidiu an wu und g uoz
mi den swe en gegeben. (V. 3504–3505)
dâ enwas dehein schel en.
swie lü zel man dâ e uoc,
diz was doch wunde s genuoc,
swaz eine des ande n engal ,
daz e n mi wo en nih enschal ;
e schal en abe mi dem swe e. (V. 3520–3525)
dâ wa nih il gekla e ,
ez wa allez mi slegen gescha e
und mi ku zen wo en. (V. 5527–5529)
e sluoc sie du ch die hiu e
swelhe im dâ wide i en,
daz sie beidiu e mi en
daz sie sich nih en âchen
noch nieme kein wo gesp âchen. (V. 5592–5596)
den alle he es en g uoz
den ie dehein man mê gebô ,
den gap man, daz was de ô . (V. 5662–5664)
Hie gib es nich meh zwei Möglichkei en des Handelns, zwischen denen
abzuwägen wä e. Im Gegen eil: Al e na i e Möglichkei en e en zusammen ein.
Zwischen ihnen muss nich meh gewähl we den: „ez wæ e di e ode de / de dâ
ge iel, e was e lo n“ (V. 3086–3087); „e wæ e junc ode al ,/ e wæ e swach ode
s a c,/ e wæ e mil e ode ka c [...]“ (V. 5248–5250). Die Fähigkei de
En scheidung zwischen zwei Möglichkei en wi d du ch das impulsi e Ve hal en des
Zo ns au gehoben. So de Bo en iese: „swem e des nih wolde uon,/ den nam e
bî dem beine,/ e wæ e g ôs ode kleine“ (V. 3192–3194); „e wæ e s a k ode
swach,/ daz im de ücke enzwei b ach“ (V. 3343–3344); „Swaz man dem bide ben
uo ,/ ez sî übel ode guo ,/ daz gil e ge ne zwî al “ (V. 5145–5147); „swe im
quam ze handen,/ hinden ode o ne,/ de was de e lo ne“ (V. 5096–5098).
die „gedach e Allein ede“ ein ypisches Elemen des hö ischen Romans, das abe Ga ungen wie
de chanson de ges e ode dem An iken Roman emd is (Za loukal, 1981, S. 299–300).
112
an wo e au die F age „We sieh ?“, sie is nach Mieke Bal mi dem Visuellen
e bunden: „[...] whene e e en s a e p esen ed, hey a e always p esen ed om
wi hin a ce ain ‚ ision’“.288 Im Roman übe nimm de E zähle eine pe sonale
E zählpe spek i e; das heiß , es wi d e zähl , was eine bes imm e Pe son sieh .
Daniel kann in bes imm en Episoden sehen und diese Episoden sind no male weise
diejenigen, die aus Daniels Pe spek i e e zähl we den.289
In Ve bindung dami we den die e schiedenen Fokalisie ungsins anzen, die im
Daniel zu inden sind, no male weise du ch die häu ige E scheinung des Ve bs sehen
signalisie .290 Es gib also Episoden, die du ch die Pe spek i e bes imm e Figu en
( o allem de Daniels) gep äg sind, insbesonde e die indi iduellen Aben eue .
Daniels Pe spek i e e schein o allem in zwei Si ua ionen, die mi Bewegung zu
un haben, seh deu lich: Eine sei s, wenn e in Bewegung is und sich einem Pla z
nähe und ande e sei s, wenn e s ehen bleib und ande e Pe sonen zu ihm
kommen. Zum Beispiel: Nachdem e heimlich den A usho e lassen ha und nach
Cluse geh , wi d Daniels Pe spek i e o ges ell , indem seine Bewegungen
besch ieben we den:
im was il liebe geschehen
daz im daz lan sô nâhe .
mi lîze e ü sich gâhe ,
e en saz kein ungemach,
unz daz e daz loch gesach. (V. 1042–1046)
wenige s eng und hal en uns an das Minimalk i e ium on Roland Ba hes, de alle dings nich
on in e ne Fokalisie ung, sonde n om pe sonalen Modus de E zählung sp ich . Dieses
K i e ium besag , daß es möglich sein muß, das be e ende na a i e Segmen in de e s en Pe son
wiede zugeben (wenn es nich ohnehin schon in ih gesch ieben is ), ohne daß diese Ände ung eine
ande e Modi ika ion de Rede bewi k als eben den Wechsel de g amma ischen P onomen’“
(Gé a d Gene e, 1998, S. 136–138).
288 Mieke Bal (1997), S. 142. Gé a d Genne e ha Bal wegen eine zu s engen Ve bindung de
Fokalisie ung mi dem Visuellen k i isie (Gene e, 1998, S. 241–244). Meine Un e suchung
un e scheide sich in diesem Aspek on de le z en A bei übe Fokalisie ung im hö ischen
Roman, de jenigen on Ge Hübne (Hübne , 2003). Die S udie Ch is ophe Youngs übe die
Pe spek i e im Willehalm nähe sich seine sei s meh den Ideen Bals (Young, 2000).
289 Es gib o zdem Ausnahmen: Wie spä e e klä wi d, sind Episoden im Roman zu inden, in
denen bes imm e Figu en nich ‚sehen’ (auch im Sinne on ‚ e s ehen’) können und die o zdem
aus de Pe spek i e diese Figu en e zähl we den.
290 Diese Ve bindung zwischen dem Sehen und de E zählung s eh mi de Ta sache in
Ve bindung, dass die isuelle Wah nehmung in den Besch eibungen de mi elal e lichen Tex e eine
wich ige Rolle spiel (Haiko Wandho , 1996, S. 170). Dies bedeu e , dass o „au de
Handlungsebene Augenzeugen eingeschal e we den, die das Geschilde e mi eigenen Augen
begu ach en und o mals wiede in Handlung übe üh en“ (S. 191).
113
Im T üeben Be ge wi d am An ang aus de Pe spek i e de Dame e zähl : „Die
gebæ de sach ein ouwe ga “ (V. 1115). Abe danach wi d wiede Daniels
Pe spek i e be ich e , als e sich de Bu g nähe :
gegen in quam gegangen
wol sehzic junc ouwen.
ouch mac man dâ wunde schouwen,
[...]
die dehein man mê e
û deheinem hûse gesach. (V. 1430–1439)
Das Momen de Bewegung is spä e wiede zu inden, abe je z is Daniel de
Anlau punk und es is de Zwe g, de zu ihm komm : „Daz we ge sach e do he
gân“ (V. 1513). Es wi d auch da ges ell , was e denk :
sie zeig en im willigen muo ,
da zuo we c alsô guo
daz e sich schie e bewac,
geleb e e ieme den ac,
e gedien e die he be ge
ode e s ü be on dem we ge. (V. 1485–1490)
Als Daniel o den Augen des ganzen Ho es gegen den Zwe g kämp , inden
wi dagegen eine kollek i e Pe spek i e o . Sie wi d mi dem Wunsch Daniels
einge üh , de Gesellscha seine ‚Ta en’ zu zeigen: „’[...] i wel ez gesehen./ swes i
mich danne hœ e jehen,/ des sul i alles sîn ge ei ’“ (V. 1501–1503), „e wolde
kemp en an daz we c/ und ouch il i e lîchiu we c/ des ages lâzen schouwen“ (V.
1495–1497). Das heiß , die ganze Gemeinscha is je z diejenige, die sieh . Diese
Fokalisie ungsins anz wi d du ch das unpe sönliche P onomen man bes imm : „Die
po e sach man û ge ân“ (V. 1621), „daz iu lieh unde ô / sach man on den
helmen sp ingen“ (V. 1648–1649).291 Obwohl nich e wähn wi d, we guck , is es
deu lich, dass man sich au die Kollek i i ä bezieh . Zum Beispiel, wenn gesag wi d:
„man beslôz daz bu c o “ (V. 1629) ode „dô en slôz man û die po en“ (V. 1738),
muss dieses man jemanden om Ho bezeichnen. De E zähle sp ich auch explizi
übe die Augenzeugen des Kamp es („dô wa ein sô ge âne s î / daz sie des alle
291 Auch die Pe spek i e des Zwe gs wi d in die E zählweise mi eingeschlossen: „dô sach e zuo im
gân/ Danielen on dem Blüenden Tal“ (V. 1622–1623).
114
jâhen/ die ez hô en unde sâhen,/ i dewede möh e genesen“, V. 1640–1643), soga
übe ih e Ge ühle („sie wunsch en dem we ge/ des alles alle gelîche“, V. 1654–
1655) und nie wi d übe e was be ich e , das die Pe sonen, die anwesend wa en,
nich sehen könn en.
Als sich Daniel dem Lieh en B unnen nähe , wi d wiede aus de Pe spek i e
Daniels e zähl . Hie wi d auch die Rolle de Bewegung in de Da s ellung de
Pe spek i e deu lich:
Als e on de bu c begunde aben,
dô sach e o im haben
wol ie zic junc ouwen.
dô in die begunden schouwen,
sie e beiz en nide an daz g as.
diu i alle ouwe was,
de giengen sie alle samen nâch.
gegen Danielen wa in gâch.
sie klag en unde wein en.
e sach daz sie in mein en. (V. 1787–1796)
Wäh end des Kamp es gegen die Bauchlosen is Daniel die Fokalisie ungsins anz:
Diese Deu ung is die einzig mögliche, weil die ande en Figu en nich sehen
können. Wi e ah en, was Daniel in dem Spiegel sieh . In diesem P ozess wi d
wiede die Rolle de Bewegung deu lich (Daniel bleib s ehen, wäh end de
Bauchlose zu ihm geh ):
Daniel in dem spiegel sach
wie e sîn dinc ane ienc,
und wâ e do he gienc,
wie e daz hoube ü sich bô .
[...]
daz sach e in dem spiegel wol. (V. 2086–2095)
Daniel in dem spiegel sach
wâ e dâ lac mi ungehabe,
und sluoc im ouch die han abe. (V. 2118–2120)
Am Ende diese Episode begegnen wi eine Ausnahme in diese as
pe manen en Domminanz on Daniels Pe spek i e: Wi e ah en du ch einen
Monolog de Dame, was sie denk (V. 2341–2350). Ih e Rede wi d du ch „si dâh e“
(V. 2341) einge üh . Es is e iden , dass sie keine ö en liche Rede häl . Daniel kann
115
demnach den Inhal dieses Monologs nich kennen, o allem, weil e und de G a
schon weg sind. Nach dem Monolog wi d wei e übe die Dame gesp ochen („diu
ouwe ei wide hein [...]“, V. 2351 .). E s im Ve s 2361 wi d Daniel wiede
e wähn .
In de Fah Daniels und des G a en zu G üenen Ouwe bes eh wiede die
Pe spek i e beide :
dâ was geslagen ein zel
o dem be c an einem g ase.
dâ was de schœnes e wase
den ieman kunde inden.
û eine g üenen linden
was dâ schœne ogelgesanc.
da unde ein schœne b unne ensp anc,
lû e und ouch eine.
ein oc on ma mels eine
gezie e ûz de mâzen wol
de s uon da unde des wazze s ol. (V. 2398–2408)
In diese Besch eibung is zu beobach en, wie die Au me ksamkei on einem
Elemen de Landscha zum ande en übe geh , in dem Sinne, dass alle diese
besch iebenen Elemen e au einande bezogen we den.292 Diese O dnung in de
Da s ellung de Landscha en sp ich dem p og essi en P ozess des Sehens beide
Figu en, wäh end sie sich au den Pla z zubegeben. Als sie neben dem Zel s ehen,
sag Daniel zum G a en: „’ich wil gewisselîche sehen/ waz in dem gezel e sî’“ (V.
2414–2415), was einen Wechsel hin zu Pe spek i e Daniels ma kie . Das Inne e
des Zel es wi d deu lich du ch Daniels Fokalisie ung besch ieben:
in daz gezel gie e zehan
und an da inne wîp noch man.
swaz man abe genennen kan
des man ezzen und inken sol,
des s uon ein a el dâ ol.
he Daniel sach umbe sich. (V. 2418–2423)
Es we den soga Daniels Gedanken e wähn : „daz gezel was sô wunneclich/
gemâl und gesch iben/ daz e dâ ge ne wæ e beliben/ unz e enbizzen wæ e“ (V.
2424–2427).
292 Ma hias Meye (2004), S. 263.
116
Dann olg die Pe spek i e des G a en, die wiede du ch das Ve b sehen
einge üh wi d: „nû sach de g â e î en/ einen i e übe daz el “ (V. 2444–2445)
und gleich danach die beide : „unz Daniel sîn geselle/ ûz dem gezel e gegie,/ dô
an e e [de He on de G üenen Ouwe] ü sie/ und uo e einen man ge angen“
(V. 2452–2455). Als de G a e schwunden is , wi d logische weise nu aus Daniels
Pe spek i e be ich e : „dô sach man einen bach sô g ôz/ innen ûz dem s eine/ daz
de be c al gemeine/ on dem wazze wa ol“ (V. 2500–2503), „nû muose e
wide î en/ dâ e die linden gesach“ (V. 2544–2545), „nû an e spîse genuoc/ û
de a el in dem gezel e“ (V. 2556–2557). Obwohl im e s en Beispiel das
unpe sönliche P onomen man o komm , is es deu lich mi de
Fokalisie ungsins anz ‚Daniel’ iden i izie ba : E is in diesem Momen allein und
gleich danach e schein das P onomen e in einem Sa z, de Daniels Gedankengänge
ausd ück : „e iesch nie nih wunde s mê“ (V. 2508). E was spä e we den wiede
seine Gedanken besch ieben: „e n wes e wede im ein heil/ nâhe e ode ein
ungemach/ dô e sie he komen sach“ (V. 2608–2610).
Als die ie Ri e au e en, wi d die Bewegung de Ri e au ihn zu aus seine
unbeweg en Pe spek i e be ich e :
dô sach e ie junge man
gegen dem gezel e komen.
die hâ en û sich genomen
leisch, b ô unde wîn.
swaz spîse solde sîn
de einen künic genuog e,
ob e sich sô ge uog e
daz e dâ ezzen solde,
swes e danne wolde,
des b âh en sie mi in ein eil.
[...]
dô e sie he komen sach. (V. 2598–2610)
Spä e wi d die Pe spek i e du ch Daniels Bewegung zu ihnen hin bes imm , in de
auch das ‚Sehen’ ( e nemen) eine wich ige Rolle spiel :
ze sînem osse e hin gie,
[...]
und ei an sîne gewa hei .
unz sie im sô nâhe quâmen
daz sie ez wol e nâmen. (V. 2611–2616)
117
Hie is de p og essi e P ozess on Daniels Wah nehmung zu beobach en, on
dem Momen an, wo e die ie Männe sieh , bis e bei ihnen ankomm . Als sie das
Zel be e en, sieh Daniel als äuße e Ins anz, was sie machen:
nû sie da in quâmen,
die spîse sie alle nâmen
on de a elen ga
unde saz en dise da
die sie da b âh en mi in. (V. 2621-2625)
Als Daniel sich Cluse nähe und zum Riesen geh , wi d wiede aus seine
Pe spek i e be ich e : „Nû saz de ise abe do ./ diz was sîn ê s ez wo ,/ dô
Daniel begunde nâhen,/ wa e sô wolde gâhen“ (V. 2751–2754). Spä e kommen
die A us i e , was den Übe gang zu eine kollek i en Pe spek i e ma kie : „nû
wâ en sîne gesellen d î/ zuo ge i en alsô bî/ daz sie sâhen den slac,/ und de ise
dannoch lebende lac“ (V. 2849–2852), „sie begunden as e gâhen/ dâ sie die linden
sâhen/ und ouch daz guldîn ie “ (V. 2895–2897). Diese is die Pe spek i e, aus de
dann meis ens wäh end de e s en Schlach e zähl wi d. Sie wi d nu in wenigen
Momen en un e b ochen, zue s on de Da s ellung de Pe spek i e des Riesen.
Diese Fokalisie ungsins anz i deu lich he o , weil de Riese als le z e hin e
dem Hee he ei e : „dô e nâch in î en solde/ ze hinde s an de scha e,/ alle ê s
wa e gewa e,/ daz sîn b uode was e slagen“ (V. 2920–2923).
Die kollek i e Pe pek i e wi d du ch das P onomen ‚sie’ ma kie : „zehan sâhen
sie komen/ den künic Ma û ge i en./ de hâ e ein os übe sch i en,/ daz in nâch
sînem willen uoc“ (V. 2992–2995), „nû sâhen sie da nâch jagen/ ein küneclîche
scha / zwei ûsen i e wol ga “ (V. 3072–3074), „dô sâhen sie do he aben/ den
isen, de den be c beslôz“ (V. 3148–3149).293
Es gib noch eine wei e e Ausnahme on de kollek i en Pe spek i e und zwa
wi d in einem bes imm en Momen besch ieben, was Daniel am ande en Ende des
Feldes mach (V. 3348 .). Es wi d be on , dass die ande en A us i e ihn nich
sehen können: „daz in dehein sîn geselle sach,/ de im ze hil e wæ e komen“ (V.
3380–3381). Das heiß , sie können in diesem Fall nich diejenigen sein, die sehen.
Wi inden hie o , was Gene e die „null-Fokalisie ung“ nenn : Die Geschich e is
293 Sie wi d deu lich, als Kei gegen den Riesen kämp und sag : „’nû wil ich iuch selbe lâzen sehen/
daz ich in wol eine ge a bes ân’“ (V. 3262–3263). Die olgende Szene wi d also on de
Pe spek i e de Leu e gep äg , die anwesend sind und Keis Kamp gegen den Riesen sehen.
118
nich meh in Daniel (ode in eine ande en bes imm en Figu ) okalisie , sonde n
in e was Unbes imm en. Ab diesem Momen komm seh o die Fo m man sach o :
il mangen man dâ oben sach
de doch il eh e sinnic was. (V. 3434–3435)
dâ moh e man hœ en unde sehen
michel b ogen unde gel en. (V. 3518–3519)
dâ sach man allen ô en
und unge üege sch ô en
helm unde halspe c.
man sach dâ manlîchiu we c
an mange ie e wunden.
sie oug en daz sie kunden
i e lîche gebâ en. (V. 3765–3771)
Dies bedeu e , wie gesag , eine unbes imm e Fokalisie ungsins anz, die de E zähle ,
de Lese sein kann ode soga jemand, de an den Schlach en eilnimm .294 Als de
Riese ge ö e wi d, is wiede das P onomen sie zu inden:
Nû was de künic und die d î
da komen alsô bî
daz sie sâhen des isen al
und ouch hô en den schal
den e mach e mi de s imme,
und sâhen wie in dâ mi g imme
he Daniel gesweig e. (V. 3825–3831)
Nach de Schlach , als Daniel Cluse e läss und allein in die G üene Ouwe ei e ,
wi d, wie im Fall de ande en Aben eue , aus Daniels Pe spek i e e zähl :
daz hâ e de ise ge ân,
de hâ e ü den wec e lân
einen il micheln s ein.
daz enwes e i dehein,
unz ez Daniel gesach. (V. 3951–3955)
294 Ch is ophe Young e wähn die man-sach-Kons uk ion als ein ypisches Me kmal de
Schilde ung de Schlach en im Willehalm. Sie e laube, sowohl den E zählenden als auch den
Zuhö enden in die Handlung mi einzubeziehen (Young, 2000, S. 159).
119
De Weg zu G üenen Ouwe wi d auch deu lich in Daniel okalisie
wiede gegeben. Die Ankun im Land wi d du ch Daniels Bewegungsablau
bes imm . E nimm die Elemen e de Szene allmählich wah :
ê daz e quæme da ,
dô wa e gewa
daz daz wazze nih he ûz lôz
dâmi e man den be c beslôz.
unz e begunde nâhen,
dô sach e in he gâhen
de in on sînem gesellen schie . (V. 4011–4017)
De olgende Kamp zwischen Daniel und dem He n on de G üenen Ouwe
wi d eilweise on außen besch ieben. Wi inden hie eine ‚Null-Fokalisie ung’ o .
Es wi d besch ieben, was beide Kämp e machen und soga , was beide denken
(„daz i dewede nie gewan/ sô g ôze nô on einem man“, V. 4033–4034). Es
we den auch Sach e hal e e wähn , die Daniel e s spä e e äh , wie die Ta sache,
dass de He on de G üenen Ouwe eine magische Hau äg . Die Ge ühle
Daniels we den eben alls besch ieben:
Dô Daniel wa innen
daz e sîn nih gewinnen
mi dem swe e kunde,
des o h e e daz diu s unde
e enden wolde sîn leben. (V. 4049–4053)
Nachdem Daniel Sandinose begegne , wi d wiede aus seine Pe spek i e
be ich e , die auch hie am deu lichs en is , als e sich beweg und zwa als e zum
Siechen geh : „e gie mi uoge da in/ unde quam zehan hin/ dâ e die guo en i e
sach“ (V. 4739–4741).295 Die olgende Besch eibung wi d auch aus Daniels
Pe spek i e e zähl : „nû gie de sieche do he ,/ [...] Ze eine bü enen gie e s ân/
und hiez sie alle da gân./ dô lie en sie balde hin“ (V. 4770–4775).
Die nächs en Schlach en we den on de einlei ende Besch eibung man sach
gep äg : „die on de Ta el unden,/ des küniges A ûs ge e en,/ die sach man ü
sich he en“ (V. 5228–5230), „Daniele on dem Blüenden Tal/ dem sach man olgen
du daz wal“ (V. 5405–5406), „dô sach man sie zesemen komen“ (V. 5478), „dâ sach
295 In diese Episode we den Sach e hal e e wähn , die Daniel nich sehen und olglich nich
kennen kann, zum Beispiel, dass es ein unsich ba es Ne z gib .
120
man nide îsen/ beidiu os unde man“ (V. 5516–5517), „des moh e man wunde
sehen/ an dem künige A ûse“ (V. 5612–5613), obwohl manchmal auch das
P onomen sie o komm : „sie sâhen do gâhende komen/ zwei ûsen i e wol ga “
(V. 5030–5031), „dâ nâch sâhen sie die scha / il balde gegen in gâhen“ (V. 5384–
5385). Hie we den haup sächlich die Ta en de A us i e besch ieben. Es wä e im
P inzip möglich zu denken, dass diese Besch eibung de Sich de Ri e Ma u s
en sp ich . Abe es wi d nich aus ih e Pe spek i e e zähl , denn de E zähle
sp ich zum Beispiel o on den îanden, wenn e die Männe on Cluse mein (V.
5487, 5500, 5556...) und sag , dass A us’ Männe manlîch kämp en (V. 5484). Sieh
man dies im Zusammenhang mi de Ta sache, dass die Handlung meh e e Ri e
besch ieben wi d ode dass die Si ua ion on e schiedenen Pe sonen gleichzei ig
besch ieben wi d („e wæ e junc ode al ,/ e wæ e swach ode s a c [...]“, V.
5248 .; „dâ wa gewunnen und e lo n“, V. 5400; „dô sach man sie zeseman
komen/ dô sie û ein ande ges âchen,/ unz daz diu spe ze b âchen“, V. 5478–
5479), so läss sich e kennen, dass die Fokalisie ungins anz nich eine einzige Pe son
sein kann, die an den Schlach en eilnimm : Eine einzige Pe son kann keinen
Übe blick übe das ganze Feld haben. Das Schlach eld e schein hie als ein g oßes
Szena ium, dass on außen be ach e wi d. Die Da s ellung de Ri e als eine A
Schauspiele , die on außen be ach e we den, wi d anhand einige Ausd ücke
deu lich: „e e des ages dicke schîn“ (V. 5086).
Beim Fes wi d wiede aus de unpe sönlichen E zählpe spek i e be ich e : „man
sach do bî de künigîn/ ün hunde junc ouwen s ân“ (V. 6528–6529), „man sach
sie kleide an agen“ (V. 6564), „in dem gewande man sie sach [...]“ (V. 6576), „man
sach dâ niene deheine“ (V. 6580), „dô wa gesehen und gehœ e / ku zewîle unde spil“
(V. 6868–6869), „dô man die liu e alle sach/ mi öuden be angen“ (V. 6902–6903).
Die Fokalisie ungsins anz bleib unbes imm , sie kann sowohl de E zähle sein, de
auße halb s eh , als auch die Gesellscha im Allgemeinen ode eine Pe son, die am
Fes eilnimm .
A us’ En üh ung wi d deu lich in de Gesellscha okalisie und zwa komm
hie das P onomen sie o : „ il schie e sâhen sie daz/ daz e in den be c û uoc“ (V.
7002–7003), „daz sie in da sâhen agen“ (V. 7005), „diz sâhen sie alle samen an“ (V.
7037). Im Gegensa z zum Fes , gib es einen einzigen Punk , au den alle Figu en
ih e Au me ksamkei ich en und de on allen sich ba is .
Diese Pe spek i e, in de keine bes imm e Figu okalisie wi d, is die, die auch
im Ka l zu inden is . Die Schlach en we den auch hie on außen besch ieben. Es
121
wi d die Fo mulie ung man sach e wende : „da man si mi schanden ligen sach“ (V.
5184), „daz man in ô en allen sach“ (V. 5288), „dô sach man slac und wide slac/ dô
sach man zo n wide zo ne“ (V. 7402–7403). Im Rolandslied komm dagegen diese
Fo mulie ung sel en o . Wo im Ka l zum Beispiel gesag wi d: „Oli ie den heiden
s ach,/ daz man in ô en allen sach“ (V. 5287–5288), e schein im Rolandslied de
olgende Sa z: „Oli ie du ch den haiden s ach./ zuo de e den e in wa “ (V.
4265–4266), und wo im Ka l „man sach si in dem bluo e sweben“ (V. 5499) zu
inden is , s eh im Rolandslied „die go e muosen in dem bluo e hin liezen“ (V.
4472).296
Zusammen assend läss sich es s ellen, dass die Da s ellung de
E zählpe spek i e im Roman on den o he igen Binä en Opposi ionen abhängig
is : Die Aben eue , in denen Daniel allein handel und auch ‚sieh ’, we den o allem
du ch Daniels Pe spek i e bes imm . In Schlach en und im Fes dagegen, die on
de Gesellscha shandlung gep äg sind, is eine kollek i e ode unbes imm e
Pe spek i e zu inden.
Wi haben also gesehen, dass bes imm e Gegesa zspaa e im Tex e a bei e sind
(Einzelhandlung / Gesellscha shandlung, lis / Zo n, Sehen-Sp echen /
Nich sehen-Nich sp echen, Monolog-Dialog / kein Monolog-Dialog, Pe spek i e
des Einzelnen / Pe spek i e de Gesellscha ). Jede Beg i is sowohl mi seinem
Gegen eil, als auch mi den ande en Beg i spaa en seman isch und logisch
e bunden. Jedoch is die Teilung in Opposi ionen, wie schon e klä wu de, nich
s eng zu e s ehen: Obwohl die Opposi ion Einzelhandlung /
Gesellscha shandlung zu Opposi ion lis / Zo n üh , auch nich in allen Szenen,
in denen die Gesellscha im Zen um s eh , de Zo n au (in den Schlach en wi d
zum Beispiel auch mi lis gegen den Riesen o gegangen) und de Dialog e schein
manchmal (in den Ra szenen) als ein gemeinscha liches Handeln. Daniels Ve hal en
in den indi uellen Aben eue n wi d du ch lis gekennzeichne , abe es gib auch
Ausnahmen, in denen e mi Zo n eagie .
296 Eine Ausnahme wä en die olgende Ve se: „man sach dâ iu b inne,/ sam de wal alle
b ünne“ (V. 6207–6208). Im Ka l e schein auch die Fo mulie ung man sach in den en sp echenden
Ve sen: „man sach daz iu dâ sp ingen/ on i slegen mi g ôze k a “ (V. 7326–7327).
128
Abe neben diese objek i en Zei gib es auch eine subjek i e Zei . Die
pe sönliche Wah nehmung de Zei wi d schon am An ang des Daniel deu lich. Als
de A usho beschlossen ha , eine Woche zu wa en, um nach Cluse zu gehen, wi d
übe Daniel gesag : „nû hâ e e ein gesellen/ den sîn baldez ellen/ sô sê e de e e
wanc/ daz in diu woche dûh e ze lanc“ (V. 991–994). Und nachdem Daniel den
A usho e lassen ha , wi d gesag :
des âbendes dô ez nah wa
und e de slâ nih mê e sach,
des muose e scha en sîn gemach.
daz gemach lei e âne danc,
in gedûh e nie kein nah sô lanc. (V. 1018–1022)
Daniel muss in beiden Fällen wa en. E kann nich ak i sein und die Zei
e geh subjek i seh langsam ü ihn. Auch in bezug au ande e Figu en gil die
pe sönliche E ah ung de Zei . Als de He on de G üenen Ouwe mi einem
ge angenen Ri e e schein , sag de E zähle :
dô an e e ü sie
und uo e einen man ge angen.
den moh e de zî e belangen,
du ch daz e o im lac
übe daz os als ein sac. (V. 2454–2458)
Das heiß , de Ri e is bewuss los und deswegen gib es ü ihn keine Zei .
In diesen Zi a en e scheinen die objek i e und die subjek i e Zei als ge enn e
Ins anzen. Abe in den indi iduellen Aben eue n Daniels geh de E zähle einen
Sch i wei e und Daniels subjek i e E ah ung de Zei beein luss , wie noch zu
zeigen sein wi d, den Ve lau de objek i en Zei . Dami komme ich zu de These,
dass die e schiedenen objek i en Zei en des Romans im Ve häl nis zu
Pe spek i e, die in einem bes imm en Teil des Tex es o he sch , e klä we den
können. Die Anwesenhei meh e e Pe spek i en üh zu P äsenz
un e schiedliche Wah nehmungen de Zei in den e schiedenen Episoden. Es gib
also Episoden, in denen die objek i e Zei du ch Daniels pe sönliche
Wah nehmung de Zei bes imm wi d.
Die subjek i e Zei häng , wie gesag , on jede Pe son ab, jedoch un e lieg sie
bes imm e Regeln. Es is nu möglich, om Vo handensein eine subjek i en Zei zu
sp echen, wenn die Pe son die gegenwä ige Si ua ion on einem zukün igen
129
E eignis bes immen läss . Sons is sie sich de Daue des gegenwä igen E eignisses
nich bewuss . Sowohl das Wa en als auch die Ans engung sind Zus ände, „in
denen das Bewuß sein on de Daue spon an in E scheinung i . In beiden Fällen
is es die Folge eine Unzu iedenhei . Demnach en s eh das ein achs e Ge ühl de
Daue aus eine F us a ion zei lichen U sp ungs: Eine sei s e scha uns de
gegenwä ige Momen nich die E üllung unse e Wünsche, ande e sei s e weis e
uns au eine Be iedigung in de Zukun (die Beendigung des Wa ens, des
begonnenen Ak es)“.312
Uwe Rube g un e scheide in diesem Sinne zwischen zwei A en on Zei , die im
A us oman häu ig e scheinen: de „ ägen“ und de „ o de nden“ Zei .313 Die äge
Zei en sp ich de Ungeduld, das heiß , dem Wunsch, „die objek i gegebene
Daue des zei lichen Ve innens“ zu e kü zen.314 Die o de nde Zei (ode de die
Zei e üllende Vo wä sd ang) häng dagegen on de eigenen Tä igkei des Ri e s
ab: E wa e nich au ein bes imm es E eignis, e is imme begie ig zu handeln, so
dass e die ganze Zei ak i is . Sein Ve hal en g ünde nich in de Idee, die Zei zu
e zöge n ode zu beschleunigen, sonde n im Wunsch die Daue de
un e nommenen Ak i i ä en zu e kü zen und keine Zei zu e lie en: „De Ri e
möch e das Ve s eichen de Zei wede e langsamen noch beschleunigen; sein
S eben is da au ge ich e , mi de e s eichenden Zei o anzusch ei en, mi ih
Sch i zu hal en“.315
Diese beiden Ve hal ensweisen können bes imm e subjek i e E ah ungen de
Zei e klä en. Ve schiedene psychologische Un e suchungen haben gezeig , dass die
Einschä zung de Zei als langsame ode schnelle eilweise on de passi en ode
ak i en Hal ung zu eine Si ua ion abhäng .316 Das subjek i e Zei emp inden wi d
e länge , wenn man zum Beispiel au e was wa e .317 Die Zei e schein als ein
Hinde nis, das man übe winden will. Hie ühl man Langeweile. Is man hingegen
ak i , emp inde man die Zei als ku z. Sie e geh schnell und man langweil sich
nich .318
312 Paul F aisse (1985), S. 205.
313 Uwe Rube g (1965), S. 167–169.
314 Ebda., S. 168.
315 Ebda., S. 169.
316 Ähnlich Holge Nol ze (1995), S. 112–113. De Au sa z on Nol ze un e such den Ve s 17,26
des Pa zi al („bî den dûh in diu wîle lanc“) un e diesem Gesich spunk (Nol ze, S. 113–114).
317 Paul F aisse (1985), S. 203–208.
318 Paul F aisse e wähn die E gebnisse eine Un e suchung aus den d eißige Jah en, in de man
beweisen konn e, dass die Einschä zung de Zei on de Schwie igkei de Tä igkei abhäng , die
130
In Daniels Fall wi d sein subjek i es Emp inden de Zei on zwei Punk en
bes imm , die di ek mi einande e bunden sind: Eine sei s die Exis enz eines
bes imm en Ziels in de Zukun , das e so schnell wie möglich e eichen will (nach
Cluse zu gehen, um zu kämp en), was e u sach , dass e imme in Eile is .
Ande e sei s das Abwägen on Handlungsmöglichkei en in den Monologen, das,
indem e dieses Ziel imme o Augen ha , zu eine En scheidung üh . Wie be ei s
Hedda Rago zky beme k e, ge ä Daniel „in eine Reihe [...] scheinba ausweglose
Si ua ionen, die e meis e , indem e so g äl ig Al e na i en im Hinblick au den
Zweck seines Handelns abwäg “.319 Dieses Abwägen üh zu Daniels Fähigkei , in
die Zukun zu sehen: E is ähig, indem e ein bes imm es Ziel imme o Augen
ha , zwei zukün ige mögliche E eignisse o auszusehen und zwischen ihnen zu
en scheiden, was du ch die Ve wendung des Ve bs wellen ausged ück wi d. Dieses
Ve b implizie auße dem, dass die Zukun schon in de Gegenwa anwesend
is .320 Alle diese Ta sachen bes immen Daniels subjek i e E ah ung de Zei : In
bes imm en Episoden bes eh eine o de nde, schnelle Zei , die im Gegensa z zu
langsamen Zei s eh , die im Zel in de G üenen Ouwe zu inden is . Das
E s aunliche hie is , dass diese subjek i e Zei die objek i e Zei echnung
beein luss und das Au hal en eine in die Zukun o ien ie en Zei in den
Aben eue n Daniels e u sach .
Nach de He aus o de ung des Riesen wi d die Weige ung Daniels e wähn ,
sieben Tage in B i annien zu wa en. E is in Eile, weil e so schnell wie möglich in
Cluse sein will (V. 991 .). Als e do ankomm , en al e e in einem Monolog zwei
Handlungsmöglichkei en: Gegen den Riesen zu kämp en ode nich . E en scheide
sich zu kämp en (V. 1110). In diesem Momen abe e schein die Jung au om
T üeben Be ge und e kann das, was e zu o noch woll e, nich meh du ch üh en.
E is o zdem in Eile, weil e imme noch gegen den Riesen kämp en will: „e
un e nommen wi d: Zwischen e schiedenen Au gaben, die dieselbe Zei b auchen, sieh diejenige
kü ze aus, die schwie ige is (F aisse, 1985, S. 224).
319 Hedda Rago zky (1977), S. 192.
320 Man könn e beim E scheinen des Ve bs wellen on eine A ‚P olepse’ sp echen, die nach
Gene e so besch ieben wi d: „jedes na a i e Manö e , das da in bes eh , ein spä e es E eignis im
o aus zu e zählen ode zu e ozie en“ (Gé a d Gene e, 1998, S. 25). Wenn wi wiede den e s en
Monolog be ach en, sehen wi , dass Daniel e s ens ausd ück , was e machen will (nämlich nach
Cluse zu gehen) und ein bisschen spä e e ah en wi , dass dies wi klich geschieh : „des mo gens il
uo/ ei e sîne slâ zuo/ und ei dem huo slage nâch“ (V. 1023–1025). De Monolog ha also die
Funk ion de An izipa ion eines zukün igen E eignisses (siehe Kapi el III.3.4.1). Die Zei , die hie
da ges ell wi d, is eine subjek i e Zei e ah ung Daniels, abe auch ü den Lese wi d die Zei
knappe : E weiß schon, was geschehen wi d.
131
wolde balde sîn ge i en/ und mi dem isen hân ges i en“ (V. 1139–1140). De
Kamp gegen den Riesen wi d dami zu Daniels Ziel, das sein Ve hal en bis zu
Rückkeh nach Cluse bes imm . E beginn dann einen Monolog, in dem e die zwei
Möglichkei en zu handeln, die e ha (gegen den Riesen zu kämp en ode de F au
zu hel en), gegeneinande abwäg . Schließlich beschließ e , die Dame anzuhö en (V.
1159–1164). Seine Eile wi d auch am Ende de Episode deu lich, indem e sich o z
de Bi en de F au weige , länge im T üeben Be ge zu bleiben (V. 1765–1779).
Nach dem Ab ei en aus dem T üeben Be ge begegne e de Dame om Lieh en
B unnen und ih e Beglei ung. Auch hie d ück Daniel seine Eile aus, nach Cluse
zu gehen: „’ich hân an g ôze a bei / gekê e und genende ./ daz hân ich nih
olende ,/ dâ muoz ich hin kê en’“ (V. 1844–1847). Schließlich en schließ e sich
dazu, de Dame zu hel en und ei e mi ih . Diese Weg wi d on de Eile und de
olgenden Geschwindigkei gep äg : „und bi en dâ nih mê e/ und i en dannen
schie e“ (V. 1972–1973). In spä e en Momen en, wie im Ve s 2017 du ch das Ve b
gâhen ode im Ve s 2020 („nû ei e un e d ozzen“), wi d auch Daniels Eile be on .
Nach dem Tod de Bauchlosen d ück e wiede seine Eile aus, so schnell wie
möglich nach Cluse zu gehen: „’ich muoz eine e e nâch jagen/ de ich e e nâch
ge olge hân./ daz ich die sô lange hân e lân,/ daz is mi ungemach’“ (V. 2312–
2315). Dasselbe geschieh , nachdem e die Bauchlosen besieg ha und zum G a en
geh : „dô île e e zuo de bu c in/ balde gegen dem o ne“ (V. 2208–2209).
In den Episoden om T üeben Be ge und Lieh en B unnen is somi eine
o de nde Zei zu inden, die on Daniels auße gewöhnliche Ak i i ä gep äg is .
De Weg in Beglei ung des G a en wi d gleich alls on Eile gep äg : „die i en ü
sich balde“ (V. 2363), „nû gâh en sie du ch i gemach“ (V. 2370), „daz geschuo i
gâhen“ (V. 2377). Abe die Eile ha hie ande e Eigenscha en als in ande en
Episoden: Daniel und de G a sind müde („in e diu müede ha e wê“, V. 2372)
und sie wollen so schnell wie möglich einen bes imm en O e eichen, um sich do
aus uhen zu können („und wæ en ouch wol da komen/ dâ si in wæ e benomen./
daz was dem g â en wol kun “, V. 2373–2375). Ih e Eile, sowie die Ta sache, dass
sie wegen de Dunkelhei de Nach nich sehen können, wi k sich im Gegensa z
zum o he igen Ve hal en so aus, dass sie sich e i en und einen ande en Weg
nehmen. Sie können nich so schnell wie möglich ih Ziel e eichen (V. 2376–2380).
Hie gib es also im Gegensa z zu den o he igen Episoden keinen
auße gewöhnlichen Ve lau de objek i en Zei . Dies kann du ch die Ta sache
132
e klä we den, dass Daniel nich allein is , was das E scheinen eine subjek i en
Zei e hinde .
Nach dem Ve schwinden des G a en in de G üenen Ouwe bleib Daniel am
Zel und wäg zwei Möglichkei en ab: Wa en ode o gehen. Da e sich nich
en scheiden kann („ein wîle wolde e î en/ und abe danne bî en“, V. 2689–2690),
ge ä die Geschich e ins S ocken. Hie begegne man de sogenann en ‚ äge’ Zei :
E is un ähig zu handeln, gleichzei ig abe möch e e , dass de Tag des Kamp es in
Cluse komm und is ungeduldig. Die Bewegungslosigkei wi d im Wo scha z de
Szene deu lich: „gebei “ (V. 2698), „bî en“ (V. 2585, 2690), „gelac“ (V. 2692),
„belîben“ (V. 2703). E wa e au die Zukun , abe e kann diese Zukun nich zu
Gegenwa machen: Die Zei wi d langsame im Ve gleich zu den o he igen
Episoden.321 Diese Ve länge ung, die im Rahmen de e zähl en Zei s a inde , ha
auch ih e En sp echung in de E zählzei : Das E zählen de E eignisse im T üeben
Be ge und im Lieh en B unnen, die in nu an eineinhalb Tagen s a inden, benö ig
1245 Ve se (V. 1115–2360); das E zählen de E eignisse im Zel dagegen nu 867
(V. 2544–2746), obwohl Daniel sechs Tage do e weil . Diese Ein eilung de
E zählzei zeig deu lich seine Passi i ä am Zel gegenübe de Ak i i ä s ülle de
e s en Episoden.
Am el en Tag beschließ e endlich, nach Cluse zu gehen: „’ich enda nih
lenge bî en,/ ich muoz hinnen î en,/ ob ich im ze hil e komen sol’“ (V. 2711–
2713). Diese En scheidung b ing die Handlung wiede in Gang und bedeu e
gleichzei ig den Wiede einsa z zei liche Angaben (selbe ac): „e dâh e: ‚ich hân nû
gebi en/ unz ich nih lenge belîben mac./ hiu e is de selbe ac/ daz mîn he e
kume in daz lan ’“ (V. 2702–2705). Nachdem e sich en schieden ha und nach
Cluse ei e , is e wiede in Eile: „und huop sich balde an die a “ (V. 2737).
Die Un e b echung de Schlach en wegen Daniels Fah zu G üenen Ouwe
beginn wiede mi eine Übe legung, mi de e diese En scheidung i (V. 3917–
3936). Diese zwei e Teil des Aben eue s on de G üenen Ouwe e geh seh
schnell: E muss wiede so schnell wie möglich in Cluse sein, be o die ande en
seine Abwesenhei beme ken:
321 Man kann eine ande e E klä ung ü diesen langsamen Ve lau de Zei im Zel inden, und
zwa , dass Daniel nich will, dass die ün Tage zu Ende gehen, weil das bedeu e , dass e sich om
G a en endgül ig ennen muss. In Ve bindung dami un e scheide Paul F aisse inne halb des
„ängs lichen Wa ens“ die Angs o dem Ende eine unangenehmen Si ua ion (zum Beispiel, wenn
man eine gelieb e Pe son zum Bahnho beglei e ). In diesem Fall e schein die Zei lang und man
wünsch , dass sie sich noch meh e länge (Paul F aisse, 1985, S. 206).
133
e man e daz os des e baz.
daz e e nih wan umbe daz:
ob e do nih ende e,
daz e he wide wende e
ê daz ez ieman wü de kun . (V. 3943–3947)
Auße dem ha Daniel wie in den ande en Aben eue n auch hie das Ziel, nach Cluse
zu gehen:
diz was ein michel ümekei
daz Daniel on dem künige ei
eh e umbe mi enah
(wande e nâch sînem gesellen ah ,
dem g â en on dem Lieh en B unnen,
den hâ e e wide gewunnen)
und quam da wide alsô uo
dem künige A ûse zuo
ê sich hüebe de s î . (V. 4991–4999)
Daniels Eile, ech zei ig wiede in Cluse zu sein, wi d explizi ausged ück : „nû
begunde e balde zouwen“ (V. 3997), „und gâh e ü sich as e“ (V. 4003).
Im Gegensa z dazu is de Ve lau de Zei in den Schlach en no mal: Do is
Daniel nich allein, e ha kein pe sönliches Ziel unabhängig on de Gemeinscha
und deswegen auch nich zwei Möglichkei en, zwischen denen e wählen muss, die
die Geschich e in die Zukun üh en. In diesem Sinne gib es auch keinen Monolog
Daniels und as keinen Dialog zwischen den Figu en.
Die Rolle de Zei in den Schlach en s eh auch in Ve bindung mi de
Ga ungsp oblema ik. Im Rolandslied und im Ka l wi d die Möglichkei de Exis enz
eine subjek i en Zei explizi abgelehn , zum Beispiel als Ka l e äh , dass Roland
und die ande en o sind und e beschließ , ih en Tod zu ächen (Rolandslied. V
6990 .; Ka l, V. 8390 .): E kann seinen Plan nich du ch üh en, weil e die Heiden
nich e eichen kann, be o es Nach wi d. Um dieses P oblem zu lösen, be e e zu
Go , dass e den Tag e länge e (Rolandslied, V. 6991–6994) und Go mach es:
„ouch e e im go aine michele gnâde./ de sunne scain im wide an den mi en ac“
(Rolandslied, V. 7017–7018). Das heiß , die Zei is e was, das on Go gegeben wi d
und nich on den Menschen abhäng .322 Dami e meide de E zähle auch ein
322 Dazu Robe W. Hanning (1977), S. 148.
134
Momen de K ise, das Ausgang ü die Da s ellung de Subjek i i ä de Figu (in
diesem Fall Ka ls) bedeu en könn e. Die Zei is e was, das unabhängig on den
Figu en exis ie . Dies ließe sich auch in ande en Momen en des Tex es sehen. Wie
Die e Ka schoke sag , „alles, was geschieh , ha seine Zei . Nich de Einb uch de
Nach beende den Kamp , sonde n das Ende des Kamp es läß auch den Tag
enden“.323 Zum Beispiel: „Alsô die haiden, die dâ en sam wâ en,/ alle e unken
und e wâlen,/ dô nâch e ez de nach e“ (Rolandslied, V. 7070–7072.).
Das Fes beinhal e die E ah ung de ewigen Zei . Obwohl gesag wi d, dass es
ie Wochen daue , könn e es sich au ewig e länge n („alsô s uon diu hôchgezî /
eh e ie wochen./ inne wæ e nih geb ochen,/ hæ en sie ez ein jâ ge ân,/ swes sie
da zuo solden hân“, V. 8412–8416). So geschieh es auch: Mi Daniel als König is
jede Tag in Cluse Fes : „Daniel hâ e öude sî / alle age mi hôchgezî / ze Clûse in
sînem lande“ (V. 8459–8461).
Meine Meinung nach kann als E klä ung ü die ewige Zei des Fes es dienen,
dass Daniel hie nich die Zukun in die Gegenwa b ing , abe e auch nich au
die Zukun wa e : E leb im gegenwä igen Momen .324 De Un e schied zwischen
diesem Zei e leben und dem o he igen lieg in de Ta sache, dass es hie keine
T ennung gib , keinen Kon lik , de du ch das Abwägen on zwei Möglichkei en
da ges ell wü de, und deswegen auch keine Zei . Hie lieg auch de Un e schied
zu E ah ung de Zei im Speisezel (die seh langsam e geh ) beg ünde .325 Es
kann nich on eine wi klichen Handlung im Fes gesp ochen we den. Wie
Wol gang Schmid sag : „Es lieg in de Na u de Sache, daß diese Punk e des
323 Die e Ka schoke (2000), S. 481. Dies wi d on de Ta sache beglei e , dass die zei lichen
Angaben im Rolandslied ela i sel en sind und, wenn sie übe haup e scheinen, keine ealen Zei
en sp echen, sonde n eine bes imm e Bedeu ung besi zen (ebda., S. 481; B igi e Uhde-S ahl, 1981,
S. 321).
324 Es gib li e a ische Beispiele diese subjek i en Zei e ah ung: In De Idio on Fjodo
Dos ojewski e zähl die Haup igu übe die Zei e ah ung eines Bekann en in den le z en Minu en
o seine Hin ich ung, die schließlich nich s a inde : „Schließlich wa es so wei , daß e nu noch
höchs ens ün Minu en zu leben ha e. E be ich e e, diese Zei spanne sei ihm wie eine schie
endlose F is , wie ein gewal ige Reich um o gekommen; seinem Ge ühl nach hä en die ün
Minu en ü ihn so iel Leben bedeu e , daß e an den le z en Augenblick ga nich zu denken
b auch e und sich soga noch alle lei o nehmen konn e“ (Dos ojewski, 1986, S. 85). E was
Ähnliches gib es in de E zählung Bo ges’ „El milag o sec e o“: Die Minu e o de Hin ich ung
daue ein ganzes Jah , abe nu ü den Helden (de deswegen sein Buch ollenden kann), ü die
ande en bleib die Zei s ehen (Jo ge Luis Bo ges, 1980, S. 507–514).
325 Diese Zei des Fes es kann in Ve bindung mi de olgenden Aussage Wal e Haugs übe das
Fes im A us oman geb ach we den: „Diese ‚F eude des Ho es’ zeig sich konk e als ein Zus and,
bei dem Inne es und Äuße es, E hos und Fo m, Indi iduelles und Gesellscha liches, Wel liches
und Gö liches sich in eine beglückenden Balance be inden“ (Haug, 1995, S. 312).
135
Fes e lau s nich du ch eine ge adlinige, du chgängige Handlung e bunden sind.
Denn de im Fes mo i liegende Handlungsans oß ich e sich nich au die Lösung
eines P oblems ode eines Kon lik s, e üh nich au ein Endziel hin“.326 Das
heiß , Daniel ha nich meh ein Ziel, das eine Handlungszei möglich machen
könn e.327
De E zähle e binde explizi das Fes ode das E zählen übe das Geschehen
im Fes mi dem Au heben de Zei :
man hô e wunde unde sach
daz lanc ze sagene wæ e
doch sul i s âne swæ e
de ku zewîle hœ en ein eil.
ez is benamen sîn heil
swe ez wol geme ken kan,
und wil iu sagen wa an:
swie lange e z ieme hœ e ,
diu wîle is ga ze s œ e ,
daz e nih des gedenke
daz mangen e senke
(swaz mi we ken mac e gân,
daz hâ de muo ê ge an).
de gedanke is e î. (V. 8118–8131)
Die Sp ache kann hie auch e zaube n, das heiß , du ch das Hö en, das in den
Aben eue n ü Daniel eilweise e bo en wa , kann das Denken (die Möglichkei ,
die Zukun o auszusehen) e schwinden, wie deu lich in den Ve sen 8127–8130
gesag wi d. Danach wi d alles noch explizi e gemach , indem das Ve schwinden
de Zei mi dem Ve schwinden des gewinnen, also eines Zieles, das man e eichen
will, e bunden wi d:328
326 Wol gang Schmid (1979), S. 128.
327 In diesem Sinne kann de Tex als ein linea e Weg in e p e ie we den, de zu Ewigkei des
Fes es üh . Dies lieg an den Eigenscha en des Fes es, wie Wol gang Schmid gezeig ha : „[...] als
K önungs es wü de es sich olge ich ig an die o ausgehende Handlung eng anschließen“
(Schmid , 1979, S. 128). Das Fes kann so als eine Pa odie de himmlischen Ewigkei in e p e ie
we den: Die Ewigkei ha sich in ein ein aches Fes e wandel (dazu ähnlich S ephen L. Wailes,
1993, S. 310). Vgl. auch die Da s ellung des Pa adieses in Dan es Di ina Commedia als Fes , in dem
die Zei au gehoben is : „in de e üll en Zei is alle No de liehenden, e säumba en und zu
nu zenden Zei au gehoben“ (Hans Robe Jauss, 1989, S. 74).
328 Die En s ehung eine o de nden Zei , in de man iele Sachen machen will, is also nich
möglich.
136
e wi ke nih e gebene:
den man nih gewinnen sih ,
e liuse e ouch da unde nih ,
sô îbe e doch die zî hin.
ez is ein ungewin,
dê sô die wîle e îbe
daz e mi öuden belîbe . (V. 8134–8140)
Spä e wi d dies au die Ebene de Geschich e übe agen und zwa sp ich de
E zähle on E zählungen, die im Fes o ges ell we den und mi denen die So gen
und das Denken e schwinden: „mangen sel sænen b ie / lâsen sie on lis en./ swe
so ge wolde is en,/ des an e dâ guo e s a e“ (V. 8202–8205).
Dieses Au heben de Zei im Fes wi d wäh end de Episode de En üh ung
un e b ochen, die wiede schnell e läu : Daniel muss zu G üenen Ouwe ei en
und seh schnell wiede nach Cluse zu ückkeh en. Hie sind die E wähnungen de
Eile Daniels (und Sandinoses) wiede häu ig: „dô sp ach si i megde an/ daz sie il
balde gæh en/ und i ein p e b æh en“ (V. 7332–7334), „und îlen ge ne wolden“
(V. 7336), „nû begunden siez balde zouwen“ (V. 7404). Daniel will keine Zei
e lie en, e muss imme handeln („des begunde e schie e goumen/ unde g ei
selbe dâ zuo./ des endûh e in nih ze uo,/ e bei e kûme unz ez geschach“, V.
7340–7343).329 Wi inden hie also eine ‚ o de nde’ Zei : Daniel will die Zei
e kü zen. E is in Eile und die Daue de Ak i i ä en on ihm und on Sandinose
e schein ihm zu lang: „si hâ e [Sandinose] an dem mæ e/ sînen willen wol
e nomen,/ swie schie e sie da möh e komen,/ daz ez in diuh e lanc genuoc“ (V.
7366–7369). Obwohl de Ve lau de objek i en Zei im P inzip nich beein luss
we den kann, is dies bei Daniel nich de Fall: E is ähig, die Zukun in die
Gegenwa zu b ingen: „des endûh e in nih ze uo,/ e bei e kûme unz ez
geschach“ (V. 7342–7343).330
Zusammen assend wi d die objek i e Zei am d i en und ie en Tag und nach
de e s en Schlach in de G üenen Ouwe du ch Daniels subjek i e
Zei wah nehmung bes imm : E is in Eile, ha ein Ziel o Augen und alles ich e
sich da au hin. E will schon die Zukun e leben und kann auße dem in die
329 Dieses Ve hal en Daniels wu de on de Fo schung als un ypisch ü einen Ri e besch ieben,
abe es wi d on dem Wunsch Daniels e u sach , imme ak i zu sein.
330 Die Episode de En üh ung zeig deu lich die Un e schiede in de E ah ung de Zei zwischen
Daniel und de Gesellscha : In de Zwischenzei , in de e in die G üene Ouwe ge i en is , is die
Zei in Cluse as s a isch: De A usho ha nich s gemach ; die Si ua ion in Cluse, als e
zu ückomm , is genau wie o he .
137
Zukun (wie die Monologe zeigen) sehen, es is , als ob e schon die Zukun in de
Gegenwa leben könn e. Dies e u sach eine subjek i e Zei wah nehmung, in de
alles seh schnell ü ihn geschieh . Diese Bes immung de objek i en Zei du ch das
subjek i e Zei wah nehmen e laub ihm, so iele Sachen in eine so ku zen Zei zu
machen. Im Gegensa z dazu ha e im Zel den Eind uck, dass alles zu langsam
passie .
Diese Bes immung de objek i en Zei du ch das subjek i e Zei emp inden kann
nu in den Episoden bes ehen, in denen Daniel allein is 331 und nich zum Beispiel
in den Schlach en. Hie kann keine subjek i e Zei de Gesellscha exis ie en: Die
subjek i e Zei is e was, das on einem einzigen Subjek abhängig is . Dasselbe
geschieh , als Daniel zusammen mi dem G a en zu G üenen Ouwe ei e , auch
hie is de Ve lau de Zei no mal: Daniel is mi eine ande en Pe son zusammen,
was die Da s ellung eine pe sönlichen Zei wah nehmung e hinde .
Die Bes immung de objek i en Zei du ch die subjek i e Zei in manchen
Episoden e u sach bes imm e Schwie igkei en: Obwohl Daniel eine sei s und
A us und seine Ri e ande e sei s zwischen dem d i en und dem ach en Tag
abweichende Zei e häl nisse e leben, e gehen die sieben Tage bis zu ih em
T e en in Cluse in de selben Weise. Um diese Schwie igkei en zu lösen, we den
Si ua ionen gescha en, in denen es sich mi de Zei ganz ande s e häl : Eine sei s
im T üeben Be ge und im Lieh en B unnen, in denen sich die Daue on Daniels
Tä igkei en e kü z und ande e sei s im Zel o de G üenen Ouwe, wo die Zei
nich e gehen will. Dies e laub A us und Daniel, sich in Cluse zu e en. Diese
Schwie igkei , mi de de Au o sich auseinande se z , kann in Ve bindung mi de
geschich lichen En wicklung de Idee de Zei be ach e we den: De Zwang de
Zei is ein soziale , ein Zwang de Gesellscha übe den Einzelnen, weil sie ein
Mi el zu Koo dina ion alle ih e Mi gliede b auch .332 Mi de Zei echnung
en s eh also de Un e schied zwischen de e leb en Zei jede Pe son und de
objek i en Zei , de sich das Indi iduum un e o dnen soll. Das P oblem is , dass die
objek i e Zei e was Fes es is , die subjek i e Zei abe e was Ve ände liches, das
on de Pe son abhäng . Dies is , was du ch diese Schwie igkei en e iden wi d: Bei
Daniel wi d die subjek i e Zei zu objek i en Zei , abe die objek i e Zei Daniels
kann sich nich on de de Gesellscha un e scheiden, weil es nu eine einzige
331 Die Rückkeh on de G üenen Ouwe nach Cluse, wo e on ande en beglei e wi d, wä e eine
Ausnahme.
332 Siehe S. 14.
144
Inne halb des Be ges bewegen sich die Figu en on einem Pla z zum ande en, das heiß ,
on un en nach oben („s îgen“, V. 7017).
Wäh end es im Daniel einen ma kan en Un e schied zwischen subjek i e und objek i e
Zei gib , is es nich möglich, on einem subjek i en Raum zu sp echen. Die
e schiedenen Räume, die in den indi iduellen Aben ue n e scheinen, we den
haup sächlich aus Daniels Pe spek i e besch ieben und diese Besch eibung häng on
seine pe sönlichen Si ua ion ab. Es is abe nich möglich, on einem subjek i en Raum zu
sp echen: De Raum exis ie unabhängig on den Figu en, e en s amm nich ih em
Inne n. Die Da s ellung des Raumes s eh meh in de Nähe de jenigen, die nach Ing id
Hahn in T is an und Isolde e schein und die sie „Landscha in de Einhei des E lebnisses“
nenn :342 De Raum en sp ich den Ge ühlen de Figu en, abe e ha eine Exis enz
unabhängig on ihnen.343
Es kann abe on Räumen gesp ochen we den, die ein bes imm es Ge ühl in den
Figu en e u sachen, wie das Zel au de G üenen Ouwe. Die Be ach ung des lee en
Zel es e u sach ein Angs ge ühl in Daniel: „nû o h e e daz ein mæ e/ il lîh e e wan e
sîn a “ (V. 2428–2429). Dieses Ge ühl üh o allem om Kon as he zwischen de
Lee e („und an da inne wîp noch man“, V. 2419) und de wunde ba en und
idealis ischen Umgebung und Inhal des Zel es („daz gezel was sô wunneclich/ gemâl
und gesch iben/ daz e dâ ge ne wæ e beliben“, V. 2424–2426), was den Gedanken
au kommen läss , dass es e was Sel sames an diesem O gib .344 Man könn e also in diesen
beiden Fällen on eine „e leb en Landscha “, nach de Te minologie on Uwe Rube g,
sp echen, das heiß eine Landscha , die „au die Pe sonen wi k und in ihnen Gedanken
und Reak ionen auslös “.345
342 Ing id Hahn (1963), S. 52–54. Hahn e wähn als Beispiel die F ühlingsa mosphä e am An ang
des T is an: De e lieb e Riwalin iden i izie sich mi de F ühlingsa mosphä e, die o zdem
objek i exis ie und nich Folge seine Subjek i i ä is .
343 Es gib Momen e, die au einen subjek i en Raum hinweisen können. Es is au allend, dass die
mîle nach den e schiedenen Begebenhei en en wede lang ode ku z sein können: „und i en
dannen schie e/ übe lange mîle ie e“ (V. 1973–1974), „dannoch hâ en sie da / zwô il g ôze
mîle./ in eine ku zen wîle/ quâmen sie an ein el “ (V. 2394–2397), „wande e hin ze dem be ge
hâ e/ ku ze mîle nih wan zwô,/ da quam e il schie e dô“ (V. 2748–2750). Wenn wi diese
Zi a e so g äl ig be ach en, wi d es deu lich, dass die mîlen lang sind, wenn Daniel zusammen mi
eine ande en Pe son ei e , und ku z, wenn e allein is . Die mîle als En e nungsmaß wa im
Mi elal e nich einhei lich de inie (es gib die welsche Meile, die deu sche Meile..., H. Wi hö ,
1993, Sp. 471), was diese Ve wi ung scha .
344 Dazu Ma hias Meye (2004), S. 263.
345 Uwe Rube g (1965), S. 45.
145
IV Zei und Iden i ä in Kon ads
Gau iel on Mun abel
1 Kon ad on S o eln und de
Gau iel on Mun abel
Die einzige Angabe, die wi om Au o des Gau iel besi zen, s eh im Epilog eine
de Handsch i en, die diesen Tex übe lie e n. Do wi d gesag , dass e „Kuon â
on S o el“ heiß . Diese Kon ad wu de on de Fo schung als ein S assbu ge
Domhe n iden i izie .346 Wol gang Achni z häl ihn hingegen ü einen Mi glied
de schwäbischen Familie on S o eln aus Gönnigen bei Reu lingen.347 Die
Da ie ung des Tex es is in de Fo schung ums i en: Die Spanne lieg zwischen
1250 und 1300.348
Das wich igs e P oblem, das de Gau iel de Fo schung s ell , is die
Übe lie e ung und die sich da aus e gebenden Schwie igkei en, eine einhei liche
Tex g undlage zu e ablie en. De Gau iel is in zwei Handsch i en des 15.
Jah hunde s übe lie e : D (Ka ls uhe) und I (Innsb uck). Es gib auch zwei
F agmen e aus dem 14. Jah hunde , die D nähe s ehen, abe o zdem unabhängig
on ihm sind. Die beiden Handsch i en weisen g oße Tex un e schiede au . Die
e s e Ausgabe on Fe dinand Khull349 ha e I als G undlage. De le z e
He ausgebe , Wol gang Achni z, ha dagegen zwa D als Basis genommen, dennoch
abe zahl eiche Ve se, die nu im I übe lie e sind, auch in seinen Tex
346 Ch is oph Co meau (1985), Sp. 254.
347 Wol gang Achni z (1998), S. 243–246. Achni z be u sich un e ande em au sp achliche
Me kmale des Tex es.
348 Fü Co meau is de Gau iel „aus S il und Ga ungsen wicklung“ in eine „Spanne on meh e en
Jah zehn en um 1250“ zu da ie en (Ch is oph Co meau, 1985, Sp. 255), wäh end Isolde Neuga
die En s ehung des Romans im 14. Jh. ü möglich häl (Neuga , 1992). Wol gang Achni z schläg
seine sei s eine Da ie ung zwischen 1280 und An ang des 14. Jh. o und beg ünde seine
En scheidung mi d ei Punk en: das E scheinen on Ri e namen, die aus ande en Romanen
s ammen (de Gau iel soll deswegen nach diesen Romanen gesch ieben wo den sein), die
E wähnung des Romans Kon ads im F ied ich on Schwaben (Gau iel soll nach diesem Roman
en s anden sein) und das Au e en einige Fo mulie ungen, die o dem 14. Jh. nich beleg sind
(Achni z, 1997, S. 187–193; auch de s., 1998, S. 247–248).
349 Fe dinand Khull (1969).
146
übe nommen. Diese En scheidung wu de mi de Beg ündung k i isie , dass eine
solche Ve sion des Tex es nie exis ie habe und zum g öß en Teil willkü lich sei.350
T o z diese be ech ig en Einwände e wende ich in meine A bei den k i ischen
Tex on Achni z: E ha den Vo eil, dass e beide Handsch i en be ücksich ig .
Alle dings ach e ich au den un e schiedlichen U sp ung de Ve se und gebe in den
Zi a en die Abweichungen on de Lei handsch i ku si wiede , wie es dem
k i ischen Tex on Achni z en sp ich .
Gau iel on Mun abel, de Held des Romans, un e häl eine Liebesbeziehung zu
eine Fee, die einem Tabu un e lieg : Gau iel da nich on seine Gelieb en
sp echen. De Held b ich abe das Tabu, indem e ih e Schönhei o eine
F auen e sammlung ühm . Die Fee bes a ihn da ü : E e lie nich nu ih e
Liebe, sonde n wi d zudem in ein hässliches Wesen e wandel . Nach einige Zei
s ell die Fee ihn abe o die Möglichkei , ih e Liebe un e de Bedingung
zu ückzugewinnen, dass e zum A usho ei e , die bes en d ei Ri e des Ho es
besieg und sie in ih Land Flu a one b ing . Gau iel e üll die Bedingungen seine
Gelieb en. Diese gib ihm deshalb sein al es Aussehen zu ück und hei a e ihn. Abe
de Kamp am A usho s ell Gau iel o ein wei e es P oblem: Die Königin on
B i annien ( on de nie de Namen e wähn wi d) e lang als Abgel ung ü die on
ihm e u sach en Schäden, dass e ein ganzes Jah im Diens des A usho es
e b ingen soll. Den Bedingungen de Fee olgend ei e Gau iel nach dem Kamp in
Beglei ung on E ec, Walwan, Gawan und Iwein nach Flu a one und hei a e seine
Gelieb e. Diese e laub Gau iel, nach de Hochzei wiede zu gehen, abe sie s ell
ihm die F is eines Jah es, um nach Flu a one zu ückzukeh en. Nachdem Gau iel
und die ande en Ri e das Land de Fee e lassen haben, ei en sie nach Schoiadis,
wo sie eine G uppe on Heiden besiegen, die das Land angeg i en und ze s ö
haben. Danach keh en sie zum A usho zu ück. Nach eine Woche e läss Gau iel
zusammen mi E ec und Pliamin wiede B i annien. Die d ei be eien die Toch e
des G a en on As e ian, die om Ri e Jo an , de im Ve sp ochenen Wald leb ,
en üh wu de. Schließlich besiegen sie das Hee des Königs Geldipan , de eine
Mee ee zu Hei a zwingen woll e. Die Ri e keh en dann zum A usho zu ück.
Be o die F is de Fee abläu , komm sie selbs an den A usho , um Gau iel
abzuholen und beide ei en zusammen nach Flu a one.
2 Die Modi ika ion in de Iden i ä sda s ellung des Helden im
Gau iel
De Gau iel wi d on Beginn an inne halb de Ga ung des A us omans
angesiedel : De E zähle e wähn A us und seine Ri e , die dank e schiedene
350 Zum Beispiel Pe e Ke n in seine Rezension zu de neuen Ausgabe des Gau iels (Ke n, 1999).
Joachim Bumke ech e ig eilweise die A bei on Achni z (Bumke, 2001).
147
Au o en bekann gewo den seien („die sin iu alle wol e kan / dâ on lâze ich sie
ungenan ./ meis e Go i und he Wol am/ und on Ouwe he Ha man/ die
hân s iu kun ge ân“, V. 28.1–31). Ande e Mo i e, wie das Lob A us’, Keies
Da s ellung als Gegenhö ling ode die E wähnung schon bekann e A us i e ,
bes ä igen dies. Diesen Elemen en en sp echend ha die Fo schung den Gau iel als
eine A Collage besch ieben, die iel äl ige En lehnungen aus o he igen
A us omanen en häl , om E ec bis zum Wigalois ode Lanzele .351 Die meis en
En lehnungen s ammen abe , wie im Fall des Daniel, aus dem Iwein.352 Wie in
S icke s Roman gib es o allem zwei Elemen e im Gau iel, die in Ha manns Tex
ih en U sp ung haben: eine sei s die Behandlung de Zei ( o allem in Bezug au
das Te minmo i ) und ande e sei s bes imm e Episoden. Diese Elemen e we den
abe nich unbe üh on Kon ad übe nommen, sonde n e ah en Ve ände ungen,
die im olgenden besch ieben we den sollen.
Auße dem A us oman inden sich im Gau iel noch kons i u i e Me kmale des
E zähl ypus de Feenliebesgeschich e.353 Es is ich ig, dass de A us oman nich
s eng on diesem E zähl ypus ge enn we den da . Die e schiedenen
Va ia ionen de A ussage en hal en nämlich iel äl ige Mo i e aus kel ische
T adi ion, wie Geschich en on Feen ode on eine Ande en Wel .354 Dies is abe
iel deu liche in den Lais als in den A us omanen Ch é iens und Ha manns, in
denen die ‚ eenha en’ Mo i e a ionalisie we den und in einem ande en Kon ex
e scheinen. Diese P ozess de ‚Ra ionalisie ung’ wu de on de Fo schung o
allem im Fall Laudines e klä .355 Die Figu de Fee, die im Gau iel o komm , is
somi g undsä zlich ande s als Laudine: Laudine is keine Fee (sie ha zum Beispiel
keine Mach , um ih Land allein zu e eidigen), obwohl einige Elemen e, wie ih e
351 Isolde Neuga (1992), S. 606–607. Diese Ta sache wi d deu lich in de Viel al on Ri e n aus
o he igen A us omanen, die e wähn we den. Zum Beispiel: „daz was mîn he Îwein,/ Pa zi âl
und Gâwân,/ Ê ec und he Walwân,/ Wîgâlois und T is an [...] und Daniel on Blüen al,/
Meljanz und Mele anz,/ Lanzelo und Edolanz,/ Gâ el und he Râmunc“ (V. 5260–5271).
352 Übe die in e ex uellen Bezüge aus dem Iwein, die im Gau iel e scheinen, siehe Gus a
Eh ismann (1906), S. 89–95.
353 Die Mischung on Iwein- und Mä chens uk u en im Gau iel wu de schon sei langen on de
Fos schung beme k , zum Beispiel: Ka l Deck (1912), S. 25, 31. Da übe auch Gus a Eh ismann
(1906), S. 89–92; Wol gang Achni z (1997), S. 210–211; Volke Me ens (1998), S. 232, 239.
354 Ch is oph Co meau / Wilhelm S ö me (1993), S. 164, 166.
355 Ku Ruh e klä zum Beispiel: „Das Mo i des schaue lichen Gewi e s wa somi de
u sp ünglichen Funk ionali ä be aub , wu de abe als spek akulä es Kennzeichen und An eiz zu
P o oka ion mi Vo eil beibehal en. Solche Ve i e lichung dulde e keine Fee als Quellenhe in
meh : sie wi d zu Dame, und de Ve eidige de Quelle zu ih em Kämp e und amis“ (Ruh, 1977,
S. 152). Dazu auch Ch is oph Co meau / Wilhelm S ö me (1993), S. 198.
148
He scha übe die Quelle ode de magische Ring356 au einem möglichen
eenha en U sp ung diese Figu hinweisen.
Die Kombina ion on A us i e um und Feenliebesgeschich e in Kon ads
Roman und die Ve ände ungen, die die en lehn en Elemen e und besonde s die
Behandlung de Zei e ah en, bewi ken, dass wie im Daniel die Iden i ä des Helden
ande s als in Ha manns Roman da ges ell wi d.
2.1 In e ex uelle Bezüge zwischen dem
Gau iel
und dem Typus de
Feenliebesgeschich e
Die Fo schung ha die En lehnungen aus den Feenliebesgeschich en schon sei
länge e Zei besch ieben.357 Diese Typus e zähl die Liebesgeschich e eines
s e blichen Mannes und eine Fee. Die Fee is in de Regel diejenige, die in diese
Beziehung die Ini ia i e e g ei .358 Dies wi d zum Beispiel im häu igen Mo i de
En üh ung des Helden du ch die Fee e anschaulich .359 Auch wenn keine
En üh ung s a inde , is die Fee diejenige, die den Helden au ssuch . Im Lai
Lan al de Ma ie de F ance zum Beispiel sag sie zu ihm: „’Pu us inc jeo o s de
ma e e:/ De luinz us sui enue que e!’“ (V. 111–112).360 S uk u ell gesehen s eh
die Feenwel in Opposi ion zu menschlichen Wel .361 Die männliche Haup igu
e häl dann die Rolle eines Ve mi le s zwischen zwei Wel en: E gehö zu
menschlichen Wel und o zdem is seine Gelieb e eine Fee.362
Diese T ennung de beiden Wel en üh o zu einem Kon lik . Dies zeig sich in
einem cha ak e is ischen Mo i de Feenliebesgeschich en: Die Fee s ell die
356 In Bezug au die Ähnlichkei en Laudines mi de Figu eine Fee siehe Pe a Kelle mann-Haa
(1986), S. 46–47. Auch Ch is oph Co meau / Wilhelm S ö me (1993), S. 198.
357 Hans-Al ed Dem öde (1969), S. 10–129; Isolde Neuga (1992), S. 604–605. Auch Ral Simon
(1990), S. 37–40.
358 Dazu siehe F ied ich Wol ze el (1984), Sp. 955–956.
359 Wol ze el zi ie als Beispiel da ü die i ischen Sagen „Oisin im Land ewige Jugend“ und
„Connla mi dem o en Haa “ (Ebda., Sp. 955).
360 Ma ie de F ance (1980), S. 215. Übe se zung on Die ma Riege : „Eu e wegen kam ich aus
meinem Land [he aus]: Von wei he bin ich gekommen, Euch au zusuchen!“
361 Dazu B igi e Bu ich e (2003), S. 282. Bu ich e sieh in de Opposi ion zwischen de Feen-
und de Menschenwel einen Un e schied zwischen A us oman und Lais: Wäh end die Feenwel in
den Lais deu lich als Gegenpol zum A usho da ges ell wi d, is das im A us oman nich de Fall:
Die Fee is nich meh Ve e e in eine ande en Wel , sonde n wi d in den A usho in eg ie .
362 Dazu Ral Simon (1990), S. 46.
149
Beziehung un e ein Tabu (es kann ein Rede-, F age- ode ein Seh e bo sein),363 das
spä e om Mann geb ochen wi d. Man sp ich dahe om Schema de ‚ges ö en
Mah enehe’, das wi aus eine G uppe on Lais, wie Lan al, abe auch aus
deu schen Romanen wie Pa onopie und Meliu , F ied ich on Schwaben ode Mele anz
kennen.364
Dieses Mus e is wie gesag auch im Gau iel p äsen . Am An ang des Tex es wi d
uns de Ri e Gau iel o ges ell , de eine Beziehung zu eine Fee un e häl (V. 51–
56). Diese Beziehung is , wie in den be ei s e wähn en Feengeschich en, du ch ein
Tabu gekennzeichne : E da nich übe seine Pa ne in sp echen. Diese A on
Tabu is ziemlich geb äuchlich und auch aus ande en Tex en bekann , zum Beispiel
aus dem Lai Lan al. Gau iel b ich dieses Tabu: E e klä eine F au, dass seine
Dame die schöns e sei und dahe geh die Beziehung in die B üche. Auße dem wi d
e on de Fee bes a : Sie e wandel ihn in einen hässlichen Menschen, dami e
on keine ande en F au meh gelieb we den kann (V. 251 .). Nach seine
Bes a ung bleib e ein halbes Jah un ä ig. Dann beschließ e , ein Jah lang
Aben eue im Diens e de Dame zu bes ehen, um ih e hulde zu e langen. Die Fee
schick ihm da au hin übe eine Bo in die Bedingungen, un e denen e ih e
endgül ige Ve gebung e langen kann (V. 371 .): E muss die d ei bes en Ri e des
A usho es besiegen und mi ihnen in ih Land Flu a one kommen. Dieses
Ve hal en de Fee is häu ig in den Feenliebesgeschich en: Die Ini ia i e lieg bei ih ,
sie s ell dem Mann in de Beziehung die Bedingungen und bes a ihn ü seinen
Ve s oß.365
Am Ende des Tex es e schein die Fee am A usho . Zunächs schick sie ih e
Bo in o aus („dô kam ouwe Ele e/ ge i en zuo dem inge“, V. 5276–5277), die
dem Ho bekann gib , dass ih e He in einige Tage spä e do ankommen wi d (V.
5281–5283). Sie s ell die Fee o :
„ich sol iu sagen mê e
genâde, lop und ê e
on eine edeln künigin,
de bo e ich zuo iu beiden bin
[...]
si is on F îâpola ûse
363 F ied ich Wol ze el (1984), Sp. 953–954.
364 F ied ich Panze (1902), S. LXXII–LXXIII. Dazu auch Ju a Eming (1999), S. 7
365 Ral Simon (1990), S. 48.
150
ein edeliu küniginne.
du ch i we de minne
hâ mîn he e he Gau iel,
de edel wi on Mun abel,
michel a bei e li en.
nu hâ e z allez übe s i en.“ (V. 5361–5376)
Meh e e Tage spä e komm die Fee, on wunde samen Dingen und E scheinungen
ih es Landes beglei e : „daz nie kein k is enman/ g œze wunde e nam,/ dan mi
de künigin da / kâmen in de selben scha “ (V. 5541–5544).
Eine ähnliche Szene s eh am Schluss meh e e Feengeschich en.366 Im Lai on
Lan al komm die Fee am Ende des Tex es zum A usho , um die Eh e ih es
Gelieb en zu e en (V. 547–632).367 Vo he schick sie zwei Bo innen, um ih e
Ankun e künden zu lassen (V. 533–537). Wi d die Fee im Gau iel on allen
wunde samen Sachen ih es Landes beglei e , so wi d die Fee in Lan al selbs als ein
wunde besch ieben. Sie wi d idealis isch da ges ell als die schöns e, zu o nie
gesehene F au (V. 550–584). Es wi d explizi gesag , dass sie ein wunde is : „Li
jugeü ki la eeien / A g an me eille le eneien :/ Il n’o un sul ki l’esga das / De
d ei e joie n’eschau as !“ (V. 581–584).368 E was Ähnliches is im Lai on G aelen zu
inden: Hie schick die Fee ie Bo innen, be o sie ankomm und wi d als die
schöns e F au besch ieben.369
Kon ad besch änk sich abe nich nu da au , Mo i e aus den Feengeschich en
zu en lehnen, sonde n e üh auch bes imm e Ve ände ungen ein. Das Schema
diese Geschich en bes eh nach Ral Simon aus olgenden Momen en:370
1. De Held gelang zum Feen eich, o du ch Be echnung de Fee.
2. De Held bewäh sich du ch bes imm e P oben ü den Ein i ins Feen eich.
3. De Held begegne de Fee. Die Liebesbeziehung zwischen beiden beginn und
eine Bedingung wi d ges ell .
4. De Held e üll nich die Bedingung.
5. De Held wi d aus dem Feen eich e s oßen.
6. K ise des Helden.
366 Völke Me ens (1998), S. 239.
367 Ma ie de F ance (1980), S. 208–249.
368 Übe se zung on Die ma Riege : „Die Rich e , die sie e blick en, hiel en es ü ein g oßes
Wunde : Es gab keinen einzigen, de sie be ach e e, dem nich o wah e F eude wa m (ums
He z) wu de!“ (Ma ie de F ance, 1980, S. 245).
369 G aelen and Guingamo (1985), S. 3–39; hie S. 30–33.
370 Ral Simon (1990), S. 37–40.
151
7. De Held e hol sich, meis du ch Hil e de Fee ode ih e Bo innen.
8. De Held e such , die Liebe de Fee zu ückzugewinnen.
9. De Held wi d wiede on de Fee au genommen.
Wie Ral Simon gezeig ha , en häl de Gau iel wich ige Un e schiede im
Ve häl nis zu diese S uk u .371 Kon ads Roman beginn e s mi dem Punk 4
(Gau iel sp ich übe die Fee). Die olgenden Teile on Simons Schema e scheinen
im Gau iel in de selben O dnung, abe die Ankun Gau iels in Flu a one, die Punk
8 en sp ich , kann auch an Punk 2 e inne n: Gau iel bekomm dadu ch die Liebe
de Fee zu ück, abe es is auch das e s e Mal, dass e Flu a one be i . Die
Ankun de Fee am A usho am Ende des Romans e schein auße dem nich in
Ve bindung mi de Ve gebung ü den Tabub uch, wie im Fall de Lais on Lan al
und G aelen , weil diese schon in de Mi e des Romans s a ge unden ha . Obwohl
das Schema on Simon keine es en S uk u de Feenliebesgeschich en en sp ich ,
beweisen die Ve ände ungen Kon ads sein In e esse ü die Ein üh ung on
Neuigkei en in einen schon e ablie en Typus.
2.2 In e ex uelle Bezüge zwischen
Gau iel
und
Iwein
2.2.1 Die Zei
Das Thema ‚Zei ’ is im Gau iel (wie auch im Fall des Iwein) imme anwesend,
obwohl seine Rolle inne halb de Handlung nich so wich ig is wie im Ha manns
Tex . Im Iwein s ell Laudine dem Helden eine Jah es is , dami e wäh end diese
Zei Tu nie e besuchen kann. Iwein e säum den Te min. Nach de K ise wi d in
den beiden Ge ich skämp en wiede das Mo i de Te mine hema isie , de en
Einhal ung Iwein Schwie igkei en e u sach .372 Im Gau iel e schein dieses Mo i
wiede und zwa gib es zwei F is en, die on zwei e schiedenen F auen ges ell
we den, A us’ F au und die Fee. Diese Te mine be ei en dem Helden o zdem
keine Schwie igkei en: Gau iel begegne keinem Hinde nis, das ihm P obleme
e u sach , sie zu e üllen.
371 Ebda., S. 42.
372 Siehe S. 34.
152
De e s e Te min wi d on de Königin ges ell . Nach dem Sieg übe die
A us i e wi sie Gau iel o , dem Ho ein g oßes Leid be ei e zu haben (V.
2216–2221). Gau iel akzep ie eine S a e als Ausgleich ü sein Schuld:
dô sp ach de i e guo
ze de künigin wol gemuo :
„ich suoche genâde ü daz ech .
habe ich ode kein mîn kneh
an iuwe meide misse a n,
des ge ich nih lenge spa n,
daz heize ich en hie zehan ,
des lîde ich buoze sunde p an .“ (V. 2224–2229)
Die Königin e lang on ihm, dass e Aben eue im Diens de Ta el unde bes ehe
und will ihn ein Jah lang dazu e p lich en: „’enp âhe nâch de bes en si e/ ein jâ
ze de â el unde s a ,/ daz is des ich iuch ba ’“ (V. 2253–2255).
Die on de Fee ges ell e F is is de Laudines ähnliche . Diese Episode im
Gau iel bedeu e eine deu liche Kon a ak u de en sp echenden Episode des Iwein.
Gawein e inne do Iwein an E ecs Fall: „’kê ez nih allez an gemach;/ als dem
he n Ê ecke geschach,/ de sich ouch alsô manegen ac/ du ch ouwen Ênî en
e lac’“ (V. 2791–2794). Dami will e ihn übe zeugen, ü einige Zei Laudine zu
e lassen, um Tu nie e zu besuchen („’i sul mi uns on hinnen a n:/ wi suln
u nie en als ê’“, V. 2802–2803). Iwein bi e Laudine um Zei und sie gewäh sie
ihm: „sus wa dâ u loup genomen/ zeinem ganzen jâ e“ (V. 2924–2925).
Ähnlich is es im Gau iel:373 Nach de Ehe mi de Fee sp ich E ec mi Gau iel
und e inne ihn da an, dass ein Mann seine i e lichen P lich en nie e gessen soll,
auch wenn e eine F au ha :
„he , gedenke an i e s <leben>“,
sp ach Ê ec, de i e guo ,
„und age noch i e lichen muo
on lande du ch lan
û â en iu e bekan .
ein man sol einen umen lîp
nih lâzen e de ben umb ein wîp
noch du ch ein liebez anesehen.“ (V. 3276–3283)
E ec zieh seine eigenen E ah ungen he an, um dies zu bes ä igen:
373 Hans-Al ed Dem öde (1964), S. 117; Wol gang Achni z (1997), S. 218.
153
„mi was il nâhe alsô geschehen
in den selben zî en,
dô ich ouwe Ênî en
on ê s e ze hûse saz e,
i liebe mich en saz e
on manliche wi dichei .“ (V. 3284–3289)
Dann bi e Gau iel die Fee um „u loup“ (V. 3325). Die E klä ung, die e de Fee
gib , en sp ich abe nich den o he igen Wo en E ecs: E benö ig die Zei spanne
eines Jah es, um die Bedingung Gino e s zu e üllen:
„dô bô ich mîne siche hei
de edeln künigin gemei :
gewünne ich iuwe hulde,
daz ich ü die schulde
mich an wu e wide da
und mi de ugen ha en scha
ein jâ ze de a el unde sî.“ (V. 3335–3341)
Ku z o Ablau de on de Fee ges ell en F is wi d die No wendigkei
e wähn , üh genug nach Flu a one zu ückzukeh en, um o z de möglichen
Hinde nisse das Land ech zei ig e eichen zu können:
daz de he e Gau iel,
gebo n on Mun abel,
u loup nu næme.
in dûh e daz e kæme
heim [ ] ze jâ es zî ,
ob in keine slah e s î
i e û de s âze. (V. 5237–5243)
Diese is eine di ek e Re e enz au den Iwein, wo, wie im Daniel, de Held Aben eue
e leb , die es ihm schwie ig machen, ech zei ig zu seinen Te minen zu kommen. In
Gau iels Fall gib es abe keine Möglichkei , den Te min zu e säumen: Die Fee
selbs komm zum A usho , um dies zu e meiden. In Bezug au Gau iels e s e
F is (die mi de Königin) we den keine Zei p obleme e wähn .
Im Gegensa z zum Iwein, in dem das P oblem de Zei nu in Ve bindung mi de
Haup igu e schein , spiel in Kon ads Roman die Zei , und konk e die Exis enz
eines bes imm en Te mins, auch eine wich ige Rolle in de E ec-Episode. Hie is