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Robert Grünbaum, Jens Schöne und Heike Tuchscheerer (Hgg.): Das doppelte 1968. Hoffnung, Aufbruch, Protest. Berlin: Metropol, 2019

Höhne, Steffen

Abstract

178

Full text

178 BRÜCKEN 28/1 deu sche Li e a u de böhmischen Lände keinen ande en Bezug zu unse e Gegen‑ wa e langen als du ch den na ionalen Kon lik ? Sind wi klich die Au o en und ih e bio ‑bibliog aphischen Da en (und nich e wa die Tex e selbs ) de geeigne e Baus ein de Li e a u geschich e? En wickel sich das Fach so wenig, dass das un e ich e e Wissen au dem S and on 2008 bleiben kann? Diese F agen soll en sich die Ge ma‑ nis en und T ansla ologen s ellen, be o sie diese Publika ion ih en S uden en als Lek ü e o sch eiben. Robe G ünbaum, Jens Schöne und Heike Tuchschee e (Hgg.): Das doppel e 1968. Ho nung, Au b uch, P o es . Be lin: Me opol, 2019, 264 Sei en. S e en Höhne– H M Weima /F ied ich ‑Schille ‑Uni e si ä Jena He o gegangen aus eine Kon e enz zu 1968 als wel poli ische Zäsu nebs eine sieben eiligen Diskussions eihe zum Thema Das doppel e 1968. Ho nung, Au b uch, P o es lieg nun die Dokumen a ion o , die sich dem als doppel bezeichne en Phä‑ nomen zu nähe n e such , wobei eine o wi kende Sepa ie ung de Pe spek i en imme wiede in den Bei ägen du chschein , die sich zudem häu ig inne halb des bes ehenden Fo schungss andes bewegen und nich da übe hinausg ei en. Man ha es insgesam mi e inne nden Rückschauen au das E eignis 68 zu un, wobei das wes liche 68 eindeu ig dominie . Ein inno a i e Ansa z s amm on Jü gen Danyel (Die Ach undsechzige des Os‑ ens, S. 79–101), de au die Re e enz unk ion des P age F ühlings (S. 83), au den spezi ischen Re e enz‑ und Wah nehmungs ahmen (S. 82) e weis und sich ü die Konzep ion eine doppel en Ve lech ungsgeschich e aussp ich , „die den inne en Zusammenhal des gesellscha lichen Wandels im Os en ekons uie , die neben den poli ischen Ak eu en und Ak eu innen die gesam e Gesellscha in den Blick nimm und dabei die synch onen En wicklungen wie auch die T ans e p ozesse zwischen den En wicklungen in Os und Wes in eg ie .“ (S. 84) Bei Danyel e olgen zudem Hinweise au den P age F ühling als Gene a ionenkon lik , als Ausd uck soziale Di e enzie ung und Indi idualisie ung sowie als E neue ung de Zi ilgesellscha , schließlich als Emanzipa ion de Medien sowie eine al e na i en Jugendkul u . Au diese wi d de Blick ü wei e e Analysen zum P age F ühling e ö ne , die bishe noch nich im Zen um de Fo schung s anden. Au das Miss e häl nis zwischen eine wes lichen und eine ös lichen Pe spek‑ i e weis auch Hein ich Obe eu e (1968 als eu opäische E inne ungso , 122–135). Angesich s eines T e ens on SDS ‑Ve e e n mi S uden en in P ag wu de schnell deu lich, das e s e e den Wunsch „nach F eihei und Rech ss aa ü bü ge lich o ma‑ lis isch“ di amie en, wäh end die P age Kommili onen „in ih en Gesp ächspa ne n Hedonis en [sahen], die ih eigenes Sys em und seine Vo züge wede kann en noch schä z en und keinen Sensus ü den Kamp gegen den Sowje impe ialismus besaßen, 179REZENSIONEN sonde n im Gegen eil pa iell dami sympa hisie en“ (S. 125). Diesen egel ech en Kul‑ u schock bes ä ig e auch Adam Michnik, den Obe eu e an üh ; man wü de seh iele wei e e Zeugnisse inden. E kenn Obe eu e die Ve unsiche ung nach einem langen Au schwung als U sache ü 68 im Wes en, so wa en es im Os en ehe Zwei el du ch „S agna ion und nich e üll e Ve heißungen des Realsozialismus.“ (S. 128) Mi diesen Ungleichhei en se z sich auch Raine Ecke auseinande (1968: My hos Os – My hos Wes , 167–171), de in Os eu opa ein Miss auen gegenübe dem Umschlag in o ali ä ‑dogma isches Denken bei den wes lichen Wo üh e n beobach e und de in de Folge de P o es bewegungen zwei öllig un e schiedliche Wege skizzie : Im Wes en ein Weg du ch die Ins i u ionalisie ung ins Es ablishmen , im Os en de Weg in die Ge ängnisse (S. 170) bzw., ließe sich e gänzen, in die Dissidenz und ins Exil. Hie an knüp , wenngleich e was s e eo yp konzipie , auch Alb ech on Lucke an (P ag ode Pa is: das gespal ene 1968 und de Kamp um die Deu ungshohei , S. 172–178). Dass gewisse ideologische Ve blendung du chaus ak uell sind, zeig in as schon e sch eckende Weise Tomas Wagne mi seine Analyse zu Neuen Rech en und de do en deck en sozialen F age (1968 in de poli ischen Deba e de Gegenwa , S. 136–144). Dass ech e G uppie ungen sich des poli ischen Ins umen a iums de 68e bedienen is das eine, dass abe die mo alische E egung am P oblem öllig o beigeh , is das ande e. Wagne is zuzus immen, wenn e die Neue Rech e nich au g und „unappe i liche geschich spoli ische Signale“ (S. 144) als ge äh lich ein‑ s u , sonde n ehe au g und de sozialpoli ischen Neuaus ich ung: „Denn diese s ell eine ech e Bed ohung ü die Sozialdemok a ie da und ebne de A D den Weg zu eine Volkspa ei de kleinen Leu e.“ (S. 144) En sp echend wi Tilman Maye (Renaissance des Kommunismus? Zu Ideengeschich e de ‚Ach undsechzige ‘, S. 179–189) einen di e enzie en und zugleich desillusionie enden Blick au die 68e jensei s on Denunzia ion ode He oisie ung. Fas in e essan e als die Bei äge sind die Podiumsgesp äche. Zunächs ein‑ mal, weil hie nach wie o abuisie e ode zumindes ausgeblende e E eignisse wenigs ens bli zlich a ig ku z au scheinen, wie z. B. S e an Ka ne s Hinweis au eine Demons a ion am 25.8.1968 gegen die Niede schlagung des P age F üh‑ lings– und zwa in Moskau au dem Ro en Pla z (S. 109). Ein wei e es Beispiel is ein Hinweis on Jan Fak o , de als einzige au die p inzipielle Delegi imie ung des kommunis ischen Regimes in de ČSSR eingeh und die ‚Hunde ausende ze s ö e Exis enzen‘ noch o dem Slánsky ‑P ozess in E inne ung u , E eignisse, die on wes lichen In ellek uellen ge ne– wenn übe haup wah genommen– als Kolla e al‑ schäden de e olg eichen Sozialisie ung ma ginalisie we den. Es is ein meh als nu ma kan es Zeichen, dass de o enba übe o de e Mode a o dieses Podiums au den einzigen Bei ag Fak o s in de Runde nich wei e eingeh , s a dessen den Belanglosigkei en eine anwesenden A ac ‑Ve e e in b ei en Raum ein äum , die– du chaus bezeichnend ü eine Deba e zu 1968– abweichende Meinungen „k i isch disku ie und abgelehn “ haben möch e (S. 162). Die Diskussion könn e man sich dann doch soga schenken! Zum ande en sind die Podiumsgesp äche deswegen on In e esse, da ande s als in de wissenscha lich dis anzie en und kon ollie en Va ie ä in de mündlichen Kommunika ion zumindes e einzel die nach wie o exis en en, zug undeliegen‑ den ideologischen P ägungen und Eins ellungen un eiwillig zum Ausd uck kommen. 180 BRÜCKEN 28/1 Als ein Beispiel ü die nach wie o bes ehenden Blockaden de du ch 1968 soziali‑ sie en In ellek uellen mag eine Äuße ung on E ienne F ançois dienen, de zwa be ei zu sein schein , die p oblema ische „Idealisie ung de chinesischen Kul u ‑ e olu ion“ du ch die wes eu opäischen In ellek uellen einzuges ehen, alle dings nu im Hinblick au die wei e e En wicklung, „was e wa spä e un e de He scha de ‚Ro en Khme ‘ in Kambodscha passie e“ (S. 64). Das, was o he passie wa , schein wei e hin auße halb des Blick elds zu liegen. Wede de ücksich slos du chge üh e G oße Sp ung nach o n noch die gleiche maßen e o is ische Kul u e olu ion, die nich wenige Menschenleben e nich e e, scheinen nu wenig an u opische Legi i‑ ma ion e lo en zu haben, die e olu ionä e Nos algie schü z o enba wei e hin o den his o ischen Fak en! Angesich s solch euphemis ische Äuße ungen e schein es allemal nach ollziehba , dass de Nach‑68e Thomas E zemülle in seine Un e ‑ suchung zu 68 au Zei zeugengesp äche e zich e ha e, wa en die P obanden doch, wie e e me k , „auße o den lich geschick […], ih e eigene Geschich e in meine Disse a ion hineinsch eiben zu wollen.“ (S. 49) Ve such man eine Gesam wü digung, dann ha man es mi einem zu g oßen Teilen gu zu lesenden Band zu un, de doch iele Face en on und um 68 an eiß . Zu be‑ daue n is na ü lich, dass in allen Bei ägen eine sys ema ische Da s ellung de Fo ‑ schungsli e a u ehl , man eine mal meh , mal wenige eklek ische Li e a u auswahl e häl . Ge ade bei einem Band, de sich mi dem Thema de doppel en Pe spek i e 1968 auseinande se z , wä e ein Fo schungsübe blick höchs sinn oll gewesen. Eben alls ehl , mi de Ausnahme des Bei ags on Ilko ‑Sascha Kowalczuk (Von de Re ol e zu Re olu ion. Wie iel 1968 s eck in 1989? S. 246–251), ein wei e üh ende Blick. Man e äh zwa einiges on dem an iau o i ä en und hedonis ischen P o es habi us de wes lichen P o es jugend, de sich bis heu e o adie , Namen wie Jan Palach, Jan Zajíc, on wei e en ganz zu schweigen, we den dagegen übe haup nich ange üh , so als ob de en adikalisie e P o es ü die Pe spek i e au 1968 i ele an wä e. Und auch die Ana omie eine Zu ückhal ung, mi de Václa Ha el s ell e e end ü ande e Dissiden en in Os mi eleu opa die linke P o es kul u nach 1968 im Wes en in ih e ideologischen Ve blendung demaskie , inde keine Re lexion. Inso e n bleib das „doppel “ im Ti el dieses Bandes e was un e okussie . Jö g Be nig: De Gablonze Glasknop . Essays aus Mi eleu opa. D esden: Thelem, 2011, 140 Sei en; An de Alle wel secke. Essays. D esden: Edi ion buchhaus loschwi z, 2020, 160 Sei en. Pe e Beche – Adalbe S i e Ve ein e. V., München Be ei s in seinen „Essays aus Mi eleu opa“ (De Gablonze Glasknop , 2011) e wies sich Jö g Be nig als sensible und nachdenkliche Beobach e . Mi eleu opa wa und is ü ihn ein „jah hunde eal e Schme zens aum“, gep äg on de „E ah ung wechsel‑ sei ige Mißach ung, Schikanie ung, Ve olgung, Ve eibung und Aus o ung.“ Ein