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Wolfgang Künne: Bernard Bolzanos Erbauungsreden (und ihre Edition) (= Beiträge zur Bolzano‑Forschung, 29). Baden‑Baden: Academia, 2019, 577 Seiten.

Strasser, Kurt

Abstract

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Full text

137REZENSIONEN K ä en o ausha en. In de Zensu en s and hie abe eine gewisse Zweigleisig‑ kei und Unübe sich lichkei , zumal s aa liche und ki chliche Maßnahmen sich übe schni en und die ki chliche Posi ion keine einhei liche wa , indem e wa das Gemeinwohl in de ul amon anen Posi ion nich an e s e S elle angie e. Im Zen‑ su e ah en de E bauungs eden on 1813 wa lange nich kla , wohin sich das Bla wenden soll e. Es wa abe so, dass Bolzano, de wei e hin die ühe e au geklä e Au assung e a , gegen den in den K iegsjah en zunehmend e hä e en und e ‑ eng en Zei geis s and, und dass seine Am sen hebung nu eine F age de Zei sein konn e. Dass de hie be eilig e Wiene Polizeikommissa Vinzenz Fieb ich gegen seinen Am sau ag Bolzano imme wiede in o mie e und wa n e, dass G a Leo Thun ‑Hohens ein dem seine Äm e en hobenen Bolzano ein g oßzügiges Un e s ü ‑ zungsangebo mach e, das alles e wähn Pe Piša und zeichne dami ein komplexes Bild on de schwie igen Gemengelage. Sein Fazi : „Das ös e eichische Zensu sys em bo Bolzanos ma hema ischen, biog aphischen, äs he ischen ode philan h opischen Publika ionen zumindes eingesch änk en Raum“ e deu lich diese on außen leich kon o e siell e scheinende, ypisch „ös e eichische“ Posi ion. Und schließlich, auch das beleg de Au o eindeu ig, is es das mo alisch un adelige Leben Bolzanos, das jeden Ve such eine s enge en Ve olgung den Wind aus den Segeln genommen ha . Be ach e man nun beide, ki chliche wie s aa liche Vo gangsweisen gegen Bolzano mi hil e de hie o geleg en Fülle an Belegen, so wi d neue lich kla , wa um on Sei en de Ki che mi g öße e Unnachsich igkei gegen Bolzano o gegangen wu de als on Sei en des S aa es. Es e schein zudem wide sp üchlich, dass, wie Wol gang Künne am Ende seines Bei ages beleg , Bolzano o z alldem nich aus de Ki che ausge e en is und auch niemals wä e. Das is jedoch kein Wide sp uch, denn e ass e den ka holisch ‑allgemeinen, „ch is ka holischen“ Glauben so wei au , dass e da in den Gemeinsinn de Menschhei bewah und diesen am Ende zum Wohl Alle e wi klichba sah. Wol gang Künne: Be na d Bolzanos E bauungs eden (und ih e Edi ion) (= Bei äge zu Bolzano ‑Fo schung, 29). Baden ‑Baden: Academia, 2019, 577 Sei en. Ku S asse – Pa is ‑Lod on Uni e si ä Salzbu g De Te minus „E bauungs eden“ is , zugegeben, ein e was beschaulich ‑al ä e liche Ausd uck ü das he o ische Gas spiel des Philosophen Be na d Bolzano an de P age Ka l ‑Fe dinandeischen Uni e si ä . Vom 21. Ap il 1805 bis 16. Jänne 1820 sp ach e in den eins ündigen Vo ägen übe ak uelle Themen zu den P age S uden en und Bü ‑ ge n. Dass diese Reden nich so ha mlos wa en, wie sie dem Namen nach e scheinen, bezeug schon ih ab up es Ende, das in de Abse zung und En lassung des Redne s bes and; sowie das Nachspiel, das ömische Indizie ung, ki chliche und s aa liche Zensu maßnahmen lie e en. Bolzano nahm sich kein Bla o den Mund und bo un e diesem biede en Beg i deu liche K i ik an den Zei ums änden, allgemeine 138 BRÜCKEN 27/1 Sozialk i ik und die une bi liche Mahnung an die Hö e , selbs zu denken und danach zu leben. Das alles wa de Nachhall de Au klä ung, wie sie in de Tauwe e phase im Habsbu ge eich bis zum Ein all Napoleons in Mi eleu opa sich gezeig ha e: Au klä ung in Reinkul u , die sich nich an Geleh e wand e, sonde n an das ein ache, ch is ka holische Volk de Gläubigen; Au klä ung, die sich nich in geleh en Da bie‑ ungen ge iel, sonde n sich ielmeh im gesunden Menschen e s and de Zuhö e zeigen soll e. Es ging um ein sozial ge ech es Leben, um Gemeinwohl, auch So ge de Nachwel gegenübe , und gegen Rassismus und Na ionalismus, de im Schlepp au des K ieges he annah e und sich be ei s d ohend am Ho izon zeig e. Zei genossen be ich en, dass neben den zu Anhö ung e p lich e en S udie enden auch imme meh P age Bü ge an diesen Ve ans al ungen eilnahmen. Nach de Abse zung Bolzanos wu den die Manusk ip e seine Reden eingezogen und weggespe und am Ende d äu e auch noch das ömische „damna u “ übe den 1813 ged uck e schie‑ nenen E bauungs eden. So en wickel e sich eine ühe A on „Samisda “‑Li e a u ; handsch i liche Kopien, die wiede und wiede abgesch ieben und o zu Büche n gebunden wei e ge eich wu den. Samisda ‑Li e a u wa das auch noch in Zei en de kommunis ischen Ä a de Tschechoslowakischen Sozialis ischen Republik ČSSR, als une sch ockene Geleh e wie Ma ie Pa líko á und Pa el Kři ski zielsiche nach den weggespe en Manusk ip en o sch en. Zugang e dank en sie einem (damals noch) kommunis ischen Pa eimi glied, nämlich Ja omí Loužil, de , selbs in e essie , ihnen die A chi e ö ne e. Diese e bo enen Sch i en wu den, wie alle ande en in diesen kleingeis ig ‑bü ok a ischen Zei en gewissenha ka alogisie und a chi ie , das ha e den ungewoll posi i en Nebene ek , dass das Ma e ial nich e lo enging. Loužil, als Lei e des P age Li e a u a chi s Pamá nik Ná odniho Písemnic í, leg e selbs Hand an und wu de zu einem Wegbe ei e auch de Bolzano ‑Gesam ausgabe und de k i ischen He ausgabe de E bauungs eden. Nach dem Ende des Habsbu ge ‑ eiches ha e sich bis Ende de sechzige Jah e kein S aa und keine wissenscha liche O ganisa ion zu eine He ausgabe de We ke Bolzanos en schließen können. Es wa ein p i a e Ve lege , Gün e Holzboog, de das Risiko eine Bolzano ‑Gesam ausgabe au sich nahm. Da in e schien, in den Jah en 2004 bis 2017, im Au ag de Ös e eichi‑ schen Akademie de Wissenscha en an de Uni e si ä Salzbu g auch das Kon olu de ganz, eilweise ode nu als Indexno iz e hal en gebliebenen Reden Bolzanos, on insgesam an die 600 E bauungs eden. Kaum zwei Jah e da au e schien als Band 28 in de Reihe Bei äge zu Bolzano‑ Fo schung de as 600 Sei en s a ke Band Be na d Bolzanos E bauungs eden (und ih e Edi ion) on Wol gang Künne. P o esso Künnes gesammel e Au sä ze zu den E bauungs eden en hal en sieben Bei äge, die zu o meh hei lich be ei s in D uck e schienen sind. Die Au sä ze sind du ch und du ch quellengesä ig und zeugen on g oßem Fachin e esse und Allgemeinwissen des Au o s. Wa um e im e s en Bei ag Die Reden des S uden enp a e s Bolzano alle dings ausge echne das längs wide leg e Mä chen eines on de Ki chenkanzel he ab E bauungs eden o agenden Ka eche‑ en Bolzano wiede au isch , bleib im Dunkel. Den d ama ischen Höhepunk diese obsku en Reihe on Ve mu ungen bilde de kommunis ische Che ideologe A noš Kolman, de in seine ie in den Klassenkamp e s ick en Bolzano ‑S udie on 1963 (zue s au Russisch 1955) om „Halbdunkel de Gewölbe in de Uni e si ä ski che“ sp ich , Wachs‑ und Weih auchge üche e ozie und „eine Figu in schwa ze Sou ane 139REZENSIONEN mi bleichem, on K ankhei en k ä e em Gesich , mi eine leidenscha lichen, sich übe schlagenden S imme“ p ophe isch den Sieg de A bei e klasse übe das dump e Ös e eich Me e nichs e künden läss . Im olgenden Au sa z Künnes geh es um Bolzanos S ellungnahme gegen die G au‑ samkei en, die Ch is en an den Juden begangen haben, mi eingangs eind ucks oll a mosphä ische Schilde ung und ebensolchen Belegen übe das jüdische Leben im al en P ag. Bolzanos seine zei schon bekann gewo dene Rede Übe den Mu h, mi de diese in Zei en des K ieges (gegen Napoleon) selbs g oßen Mu bewiesen ha ,– in‑ dem e „Mu “ eben nich o wiegend dem kämp enden Solda en zusch eib , sonde n ielmeh als das zu e s ehen gib , was wi heu e als „Zi ilcou age“ au assen, wi d de ail eich kommen ie . Im Bei ag übe die Une laub hei des Selbs mo ds e laub sich Künne dann, Bolzano selbs zu wide sp echen, wenn diese mein , es wä e in jedem Fall ein B uch unse e P lich en gegenübe unse en Mi menschen und de Ge‑ sellscha , also ein Ve b echen, wenn wi Selbs mo d begingen. Künnes Wide sp uch üh alle dings nich zu seinem Ab all on Bolzano; e be i nu einen Beglei aspek des Selbs mo des… Das a sächlich T agische am „Ve häl nis de beiden Volkss ämme in Böhmen“ a bei e Künne mi g oße Ak ibie he aus, und in seinem Bei ag Übe Lug und T ug spiel e seine he aus agenden Fähigkei en als Logike aus, um die on Bolzano angesp ochenen Va ian en on Täuschung (absich lich ode nich ), Be ug, Selbs äuschung, Ve s ellung, Heuchelei, Scheinheiligkei , Lüge und Unwah ha ig‑ kei kla auseinande zuhal en. Ein Blick au Bibliog aphie und Namen egis e beleh den Lese zwischendu ch, dass hie ein g oße Polyhis o un e wegs is . De le z e Bei ag bezieh sich au den Ausd uck in Klamme n „(und ih e Edi ion)“: Es geh um die k i ische Edi ion in de Bolzano ‑Gesam ausgabe. De Lese Künne hä e sich meh Inhal s e zeichnisse gewünsch e c.– gewiss; abe es is eben nich so leich , eine Edi ion, die au 130 Bände anwachsen soll e, on An ang an in jede Hinsich aus eichend o ausschauend einzu ich en. Ta sächlich is auch eine Teiledi ion wie jene de E bauungs eden, die sich au 20 Bände und und 4500 Sei en e s eck und Tex e alle un e schiedlichs en Übe lie e ungszus ände au zunehmen ha , nich leich homogen da s ellba , und besonde s de diploma ische Abd uck de Handsch i en mi iele lei diak i ischen Zeichen e lang Zuges ändnisse in de Da s ellung, die den Lese o meh e wi en als es gewünsch wi d. Schließlich is eine Ausgabe diese G öße ohne E a a ode Co igenda ganz und ga undenkba . Sie ehlen hie , weil man on de Me hode, die E a a on Band 1 im nächs olgenden Band usw. abzud ucken, abgegangen is und das Ko ek u e zeichnis s a dessen am Ende, in einem He chen gesammel , de e igen Edi ion beizulegen und nachzulie e n ho e;– was noch aus‑ s eh . De k i ische Lese Künne sp ing hie ein und ha eine Lis e on „Ko ek u en, Konjek u en und Anno a ionen“ e s ell . Dem Lese de E bauungs eden, dem diese um ang eichen Ve mu ungen und Anme kungen zu iel sind, sei ge a en, Bolzanos Reden ein ach mi gesundem Haus e s and zu lesen: E wi d, bei ged uck en Tex en, Absch eib ehle und Tex e wi e ungen e kennen, und das eich in de Regel du ch ‑ aus ü das Tex e s ändnis. Bei ansk ibie en Au og aphen wi d ge a en, sich nich au hie angebo ene neue Ve mu ungen (die ohne Kenn nis de O iginalmanusk ip e anges ell wu den) zu e lassen, sonde n im Zwei els all auch den eigenen Haus e ‑ s and zu Ra e zu ziehen. Auch das wü de wohl dem g oßen Philosophen des gesunden Menschen e s andes du chaus Genüge un.– Die F eude übe das E eignis an sich, 140 BRÜCKEN 27/1 nämlich, dass Bolzanos Ansp achen an das P age Volk nach und zwei Jah hunde ‑ en noch zu den Lese n inde , soll e keines alls da un e leiden. Zudem kann eine k i ische (au wändige, spe ige und eu e) Ausgabe e s bes en alls den An ang eine b ei en Rezep ion ausmachen. Eine sei s zeigen ge ade Wol gang Künnes Au sä ze, dass die „E bauungs eden“ des P age S uden enseelso ge s auch heu zu age noch iel zu denken geben und an‑ und au egend sind; ande sei s zeig die Ak uali ä on Bolzanos k i ischen Gedanken abe auch, wie agwü dig die kollek i en Fo sch i e, die die Menschhei sei he gemach ha , e scheinen. Das wi ein sch äges Lich au unse e Zei , ode wie Johann Nes oy sag : „Übe haup ha de Fo sch i das an sich, dass e iel g öße ausschau als e wi klich is .“ Šimona Loewens ein (Hg.): Die eu opäische Zi ilisa ion und ih e P obleme. 2 Bde. Fes sch i ü Bedřich Loewens ein. Kulmbach: Saba , 2019. Band. 1, 262 Sei en, Band 2, 281 Sei en mi zahl eichen Fo os und Dokumen en. Eugenie T ü zschle – Tie eng uben bei Weima De 2019 e schienene Doppelsammelband mi insgesam zwanzig wissenscha lichen Bei ägen is dem im Jah 2017 in Be lin e s o benen P age Geleh en gewidme . Die Ta sache, dass Wissenscha le innen und Wissenscha le de un e schiedlichen Disziplinen aus meh e en eu opäischen S aa en sowie den USA sich an diesem Buch be eilig haben, zeig , wie gu Bedřich Loewens ein e ne z wa . Mi un e schied‑ lichen Themen wi d hie sein b ei es wissenscha liches, ja beinahe kosmopoli isches Spek um gewü dig . Seine Toch e Šimona Loewens ein, de Ini ia o in dieses We kes, sei an diese S elle ü das ausgesp ochen gelungene We k gedank . Au einzelne Theo ien bzw. Aussagen Loewens eins gehen die meis en Au o en diese Sammelbände ein. In seinem Bei ag Die Idee eine eu opäischen Geschich e bei Leopold Ranke und Bedřich Loewens ein (Bd. I, S. 14–29) sch eib Ka l Heinz Me z: Loewens eins Plädoye ü Eu opa gil eine his o ischen E inne ung, in welche auch Balken und Spli e sind. E ho au ein Eu opa im Gesp äch mi de Wel , in dem dieses Eu opa selbs bewuss seine Zi ilisa ion da bie e , ohne sie au d ängen zu wollen. Als ‚geschich s ‑beliebige O ‘ alle dings wi d es die Zukun nich ge‑ winnen können und als zi ilisa o ische Gesp ächspa ne de Wel bedeu ungslos we den. (Me z, S. 24; gemein is Loewens eins De Fo sch i sglaube, Gö ingen 2009, S. 450) Die Zi ilisa ion und ih Ve s ändnis bilde en einen de Schwe punk e de wissen ‑ scha lichen Fo schung on Loewens ein. In ih em Bei ag Das Zi ilisa ions e s ändnis on Bedřich Loewens ein (S. 86–120) zi ie Šimona Loewens ein: