„Prager Frühling 1911“ oder: „Die Grenze lockte zur Überschreitung“
Abstract
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Full text
„P age F ühling 1911“ ode : „Die G enze lock e
zu Übe sch ei ung“
Jus us H. Ulb ich – D esden
Unse e Fah en besch änk en sich nich au das böhmische G enzgebie . P ag
wu de in die Ziele de Wochen ah en einbezogen. Do e leb en wi , daß die
Gegenwa dieses S aa es on seine eu opäischen Ve gangenhei nich zu ennen
wa . […] Die Fah en und menschlichen Bindungen, die in den zwanzige Jah en
übe die sächsisch ‑böhmische G enze hinausgingen, sind s a is isch nich e aß .
Rudol Kneip (1967a: 67)
Ein Volk, das mi Lus und Liebe die Ewigkei seines Volks ums au aß – –– kann
zu allen Zei en sein Wiede gebu s es und seinen Au e s ehungs ag eie n.
F ied ich Ludwig Jahn (1884: 309)
De Ti el dieses Bei ags1 kling öhliche als das Thema, das sich dahin e e bi g .
Denn we sich heu e an die Kon ak e zwischen „ eichsdeu sche “ und „auslands
‑
deu sche “ (wie man damals sag e) Jugendbewegung e inne – konk e an die Be‑
gegnungen zwischen deu schen, sächsischen, böhmischen und „sude endeu schen“
Angehö igen jugendbeweg e G uppen und Bünde de allzu o my hisie en, ga
e kann en „jungen Gene a ion“2– we also an die e s en Kon ak e aus D esden und
Sachsen3 übe die damalige G enze hinweg nach P ag und Böhmen denk , de kann
das wohl kaum un, ohne sich da an zu e inne n, was nach 1918 zwischen Deu schen
und Böhmen, Deu schen und Tschechen geschehen is .4 De on Jahn zu Beginn des 19.
Jah hunde s e sehn e „Au e s ehungs ag“ des deu schen Volkes and übe 100 Jah e
spä e iel ach in ölkische Fasson s a , was ü libe ale „Deu schböhmen“ ebenso ein
P oblem wu de wie ü die schechische Na ion, spä e dann ü die Bü ge innen und
Bü ge im „Reichsp o ek o a Böhmen und Mäh en“. Ha e ein „G enzkämp e “ im
1 Die Fo mulie ung „P age F ühling 1911“ is die Übe sch i zu den E inne ungen Hans Mau schkas
(1888–1914), de wich igen G ünde pe sönlichkei eines Ve eins deu sche S uden en in P ag, aus
dem spä e die „Abs inen enscha F eiland“ wu de. Das F ühlings ‑Zi a bei Kind (1968: 325). Das
Zi a zu G enzübe sch ei ung inde sich in Kneip (1967a: 64).– Die poli ischen Aussagen in diesem
E inne ungsbuch on den jungenscha lich ‑jugendbeweg en Zei zeugen de „G enzübe sch ei ung“
sind im Blick au das Ve häl nis on Deu schen, Böhmen und Tschechen o höchs p oblema isch und
bedü en de in ellek uellen Bea bei ung, die hie jedoch nich um assend zu leis en is .
2 Imme noch lesenswe is S ambolis (2003); das gleiche gil ü Koebne e al. (1985). Zu den k i ischen
Beobach e n de Jugendbewegung gehö Niemeye (2015).
3 De Fokus au D esden und Sachsen e dank sich den pe sönlichen Fo schungen des Au o s und
dessen Vo a bei en. Dass auch ande e G uppen und Bünde deu sche Lande die G enzen ins nachba ‑
scha liche übe sch ei en woll en, is Teil de Jugendbewegungsgeschich e– Nachweise dazu wä en
am p imä en Quellenma e ial alle dings e s noch zu e o schen.
4 Auch dies is ein eigenes Fo schungs eld g öße en Ausmaßes, siehe abe Höhne (2010); Ehle s (2010);
B aun (2010).
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Jah e 1927 als „Au gabe des gegenwä igen Geschlech es“ o mulie : „Einigung alle
in Mi eleu opa geschlossen siedelnden Deu schen“ (Leibl 1927: 6 .),5 so wu de diese
Au gabe du ch den „Anschluss“ Ös e eichs 1938, die Ab e ung des „Suden enlandes“
an das Deu sche Reich im „Münchne Abkommen“ sowie schließlich den Ang i au
die Tschechoslowakei im F ühjah 1939 au die denkba unge ech es e und gewal ‑
sams e Weise gelös – wenn man das übe haup so nennen da .
Um in dem du ch die Übe sch i angedeu e en Bild zu bleiben: Nach dem F üh‑
ling kommen Somme , He bs und Win e , nach dem Feue des An angs die kal en
Winde, Eis und Schnee. Aus F eunden können übe Nach Feinde we den, zumindes
Konku en en in de Abg enzung oneinande . Aus In e esse wi d bisweilen Igno anz,
aus Neugie Neid, aus Nachba scha Gegne scha .
Die Fo schungsli e a u zu Geschich e und My hos de Jugendbewegung6 is
nahezu unübe schauba gewo den, zumal schon die Selbs his o isie ung (Conze
2018) de jeweiligen E lebnisgene a ionen dieses „Au b uchs de Jugend“7 sowie die
lebendige Bewegung selbs einen Blä e wald he o ge ieben ha , in dem man sich
als Einzelne so o e i . Schau man sich jedoch in Gehölz und Ges üpp genaue
um, so äll ins Auge, dass die Nachba scha sbeziehungen zwischen sächsischen
und böhmischen Jugendbeweg en nach wie o ehe zu den ands ändigen Themen
de Fo schung gehö en.8 So en häl e wa das analy isch höchs au schluss eiche
Buch on Rüdige Ah ens übe die Bündische Jugend (Ah ens 2015) zwa die Kapi el
„En deckung des G enzlandes“ und „Na ionalismus als Lebens o m“, ich e seinen
Blick im e s e en Falle jedoch nach Schlesien ode au die Fe n ah en de Bünde ins
Bal ikum ode nach Südos eu opa– das Pe sonal deu sch ‑böhmisch ‑jugendbeweg e
Ve lech ungen (e wa Wal e Hensel, Heinz Ru ha, Hans Mau schka, Johannes S auda,
Kon ad Henlein u. .a.) auch noch nich einmal im Namens egis e au . De a ige
Lücken (nich nu bei Ah ens) haben e mu lich auch den G und, dass ein G oß eil
de neue en Li e a u die al en E inne ungszeugnisse de jugendbeweg en E lebnis‑
gene a ion aus den 1950e und 1960e Jah en wede genaue kenn noch schä z 9 und
dass wei e hin eine wes deu sche Fo schungspe spek i e dominie (di e enzie e,
möglichs ideologie eie Fo schungen zu bü ge lichen Jugendbewegung exis ie en
in de DDR so gu wie nich ).
10
So wa de Band Vom öhlichen Wande n. Sächsische
5 De He ausgebe Halle leb e damals o ensich lich in D esden; gl. Halle (1927: 22 .).
6 Wich ig zu beme ken is , dass sich mein Bei ag nich mi de jüdischen Jugendbewegung sowie de
A bei e jugendbewegung beschä ig – dies jedoch allein aus Pla zg ünden! Vgl. abe Be gbaue (2018)
und Pila czyk (2018).
7 In jede Hinsich anschaulich is de Ka alog des Ge manischen Na ionalmuseums Nü nbe g Au b uch
de Jugend (G oßmann 2013). De Un e i el diese Publika ion e weis au ein G undmus e de
Jugend(bewegungs)geschich e im „Zei al e de Ex eme“.
8 Siehe die kluge, ku ze Skizze on Kaspe (2016). Äl e e, in de We ung z. T. p oblema ische Da s el‑
lungen zu deu schböhmischen/sude endeu schen Jugendbewegung und de en Bünden, meis on
Au o en de E lebnisgene a ion gesch ieben, inden sich bei Nasa ski (1967).
9 Das kann man e s ehen, a men iele diese Zei zeugen ‑Zeugnisse doch den Geis des „Kal en K ie‑
ges“, kul i ie en das Schweigen übe die Abg ünde de eigenen Bewegung und ekapi ulie en di e se
„ olksdeu sche“ S e eo ype und Feindbilde de Völke und Kul u en Mi el‑ und Os eu opas. Zugleich
we den diese o mals exo isie und olklo isie – also eigen lich nich e ns genommen.
10 Tobias Wege (2019: 111) ha au ein „missing link“ de p opagandis ischen DDR ‑Ak i i ä en gegen die
wes deu schen Ve iebenen e bände, insbesonde e die Sude endeu sche Landsmannscha , hingewie‑
sen. Die DDR ‑Ab echnung mi den ewig ‑ges igen, nach Wes en ge lohenen Ve iebenen( unk ionä en)
159JUSTUS H. ULBRICHT
Jugendbewegung im Zei al e de Ex eme 1900–1945 seine zei wi klich ein No um
(Mie h 2015).
Ohne diejenigen schechischen Kolleginnen und Kollegen, die sich sei Jah zehn‑
en mi de deu schböhmischen sowie de schechischen Geschich e zwischen den
K iegen be ass haben, wüss en wi noch wenige on den e wähn en G enzübe ‑
sch ei ungen. Fü den Au o diese Zeilen exis ie übe dies eine Sp achg enze
zwischen den Kul u en (die bishe nich zu Übe sch ei ung lock e)– e kann kein
Tschechisch und is deshalb au die „gu en Eu opäe “
11
angewiesen, die wi Übe se ze
ode „Meh sp achle “ nennen.
1. „…JEDEM ANFANG WOHNT EIN ZAUBER INNE…“ –?
Vo ausse zung de i elgebenden, e lockenden G enzübe sch ei ungen wa die
En wicklung des sächsischen Teils de Jugendbewegung. Die Sachsen hal en sich
bekann lich ü besonde s egsam, au geweck und „geis igen und kul u ellen S ö‑
mungen besonde s zugänglich“.12
Kein Wunde , daß auch eine solche seelisch ‑geis ige Bewegung wie de Wande ‑
ogel in Sachsen zu ühe und besonde e Ausp ägung kommen muß e, so daß die
Geschich e des sächsischen Wande ogels ge adezu eine Geschich e des deu schen
Wande ogels is . (Ge lach 1916: 4; Ulb ich 1988/1992b: 77–140)
So u eil e de aus Mi weida s ammende Wande ogel und spä e e Leh e Rudol
Kneip. Da an is so iel ich ig, dass bald nach G ündung des Wande ogel, Ausschuß
ü Schüle ah en (WV) im S egli ze Ra skelle (4. No embe 1901)13 e s e Impulse
diese neuen Jugendg uppie ung nach Sachsen auss ahl en. Schon im F ühjah 1906
e wa wu den au An egung des WV die „D esdne Schüle eisen“ beg ünde . De
Gau Obe sachsen exis ie e im Al ‑Wande ogel (AWV) be ei s sei No embe 1904.
In Leipzig soll e schon 1905 eine O sg uppe des WV geg ünde we den; wegen zu
ge ingen In e esses schlie diese Ini ia i e wiede ein. Im Janua 1906 jedoch s a e‑
e de Ge manis ik ‑S uden Hjalma Ku zleb (1905/06 AWV ‑K eislei e ü Sachsen
und Schlesien)14 eine neue Ini ia i e mi el Ge euen, be ei s ein Jah spä e wa die
ha „die kul u ellen T adi ionen de Alldeu schen Bewegung, de ölkischen Jugendbewegung und des
sude endeu schen Ne zwe kes de 1920e ‑Jah e wei gehend unbeach e “ gelassen.
11 De Beg i des „gu en Eu opäe s“ s amm on Nie zsche (2012: 309–311). De „gu e Eu opäe “ is abe ,
schon beim Philosophen selbs , alles ande e als unp oblema isch; häl Nie zsche doch Dis anz zu Na‑
ionalismus und Libe alismus gleiche maßen und denk sich die eu opäische Kul u de Zukun als
Wei e üh ung de an iken g iechischen Kul u . Dass zu diese abe auch de K ieg zwischen Na ionen
gehö , wissen wi leide inzwischen besse als Nie zsche.
12 Eine e s e, den damaligen Zei geis a mende Da s ellung bei Kneip (1967b).
13 Eine nach wie o lesenswe e Bilanz des Phänomens Jugendbewegung is He mann (2006, ü den
hiesigen Zusammenhang insbesonde e de Au sa z „Wande ogel und Jugendbewegung im geis es‑ und
kul u geschich lichen Kon ex o dem E s en Wel k ieg“, 30–70).
14 Von ihm, gebo en 1885 in Go ha, s amm eines de belieb es en Liede de Bewegung: „Wi woll’n zu
Land aus ah en“. Ku zlebs Ku zbiog aphie bei Kind (1968), 968 un e schläg , dass de spä e e Leh e
und Leh e ausbilde Ku zleb ein adikal Völkische und spä e ein glühende Anhänge des Na ional‑
sozialismus gewesen is . E s a b 1959 in Celle. K i isches zu Ku zleb bei Niemeye (2013. 139–142); s.
auch Niemeye (2015: 142–150) zu Ku zleb und einigen seine Gesinnungsgenossen. K i isches zum
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O sg uppe au 72 Köp e angewachsen (1910: 216 einge agene Mi gliede ; Illgen 1913:
84 .). Seh bald exis ie en eigene „Mädel“‑G uppen, de en Ak i i ä en denen de
„Jungens“ kaum nachs anden.
Eine wei e e Wu zel sächsische G uppen de Jugendbewegung lieg in Chemni z.
Do exis ie e sei 29. Juni 1906 eine O sg uppe de Ge mania. Abs inen enbund an
deu schen Schulen. Diese O ganisa ion, die au den Zusammenschluss de im He bs
1901 in Nü nbe g beg ünde en Schüle ‑Abs inen eng uppe F anconia mi Schüle n
des Lande ziehungsheimes Haubinda in Thü ingen zu ückgeh ,15 ha e sich ab 1902
in ganz Deu schland e b ei e . Die Chemni ze Gymnasias en Ka l Oscha z, Wilhelm
Thos , F i z Ihlen eld, E ich Reihe , Jus us Wacke , Roland Ficke , Geo g Reiche, A ‑
hu Eppe lein, F i z Köl zsch und wei e e Mi schüle 16 g ünde en– inspi ie du ch
die Einweihung des Bisma ck ‑Tu mes in Bo na– die Ge mania ‑G uppe Unen weg ,
die be ei s im He bs 1906 o iziell zu eine O sg uppe des AWV wu de. Ge eu de
Übe zeugung „We sich an de G öße und Schönhei de Na u und de Kuns in ih en
iel äl igen Fo men be auschen kann, de b auch keinen Alkohol“17 wande en die
en husias isch ‑abs inen en Gymnasias en du ch Sachsen und Thü ingen– ode in
die böhmischen Lande.
Au An egung on Leipzige Wande ögeln be ie man zu P ings en 1910 einen
„Allgemeinen Kundenkon en “18 au die Sachsenbu g an de Uns u ein. E wa 500
Wande ögel (da un e ca. 100 Füh e ) aus ganz Deu schland kamen zusammen
und wähl en einen siebenköp igen Ausschuss, de die wei e e Einigung de Bünde
o an eiben soll e. Be ei s im Augus desselben Jah es e schmolzen AWV und DB
im „Sachsengau“, ab No embe e schien die Zei sch i Wande ogel. Gaubla ü
Sachsen, die sich ab 1916 Sachsenspiegel nann e.19 Du chmus e man die e s en Jah ‑
gänge de Zei sch i Wande ogel sowie des Gaubla s Sachsen, so is man e wunde ,
Jugendbewegungshis o iog aphen We ne Kind bei Niemeye (2013: 19–50). Niemeye s zahl eiche
Beispiele machen deu lich, was Kind und seine F eunde liebe nich dokumen ie haben woll en. Ein
ühe K i ike on Kind s Un e nehmen wa Theodo Schiede , s. Nonn (2018: 113–125).
15 Haubinda wa eine G ündung on He mann Lie z und wu de zu Keimzelle wei e e Lande ziehungs‑
heime, nich zule z des legendä en Wicke sdo un e Gus a Wyneken, de sich im S ei on Lie z
ge enn ha e.
16 Im A chi de deu schen Jugendbewegung, Bu g Ludwigs ein, Bes and A2–05/8 ha sich eine Reihe
pe sönliche B ie e ehemalige Chemni ze Wande ögel e hal en, die anlässlich des 50‑jäh igen
Jubiläums ih e abs inen en Schüle g uppe Unen weg im Jah e 1956den Kon ak zueinande gesuch
haben. Do inden sich zahl eiche Hinweise zu G uppengeschich e, die im Folgenden nich einzeln
nachgewiesen we den.
17 B ie on Wal e Ba h an A hu Eppe lein, 28. Juli 1956. A chi de deu schen Jugendbewegung, Bu g
Ludwigs ein, Bes and A2–05/8 (Wande ogel Deu sche Bund, O sg uppe Chemni z).
18 De Beg i „Kunde“ mein nich Käu e ode Konsumen , sonde n s amm aus dem „Ro welschen“
und bezeichne un e schiedliche Teil‑ ode ga Randg uppen de Gesellscha . So wa en wande nde
Handwe kbu schen ebenso „Kunden“ (ode „Tippelb üde “) wie Nich ‑Sessha e („Lands eiche “)
ode Be le . Fah ende, also eisende ode wande nde S uden en, nann e man be ei s im Mi elal e
„Vagan en“, spä e abe auch „Kunden“. Schaus elle und Fliegende Händle wu den manchmal auch
„Kunden genann . Zwischen 1927 und 1931 exis ie e die Zei sch i „De Kunde“ als „Zei ‑ und S ei ‑
sch i de Vagabunden“. Auch die unangepass e Jugendkul u de DDR, die „Bluese “ ( om Blues)
ode „T ampe “ nann e sich bisweilen eben alls „Kunden“. Säm liche äl e e Zwei nahmen de „Kunden“
inden sich im Lied‑ und Sch i gu de G uppen und Bünde allen halben.
19 Gebilde e Bü ge kinde e s anden die Anspielung; wa doch de „Sachsenspiegel“ (en s anden
zwischen 1220 und 1235) das äl es e mi elal e liche Rech sbuch des U hebe s Eike on Repgow, eines
Niede sachsen, dessen Gebu so heu e jedoch in Sachsen ‑Anhal lieg .
161JUSTUS H. ULBRICHT
wie schnell die Wande ogel ‑Bewegung in de Region wuchs und welche iel äl igen
Ak i i ä en man en al e e. Die Zahl de O sg uppen nahm kon inuie lich zu, neben
Jungen‑ a en e meh auch Mädcheng uppen, o allem in den g öße en S äd en.
„Von Mädel ‑P ings ah en“ e zähl e begeis e ein „D esdne Mädel“ im Gaubla (Von
Mädel ‑P ings ah en 1913: 108 .). Jede O sg uppe e such e möglichs schnell, ein
eigenes „Nes “ zu beziehen und in einem zwei en Sch i ein „Landheim“ zu e we ben.
Tipps dazu e mi el e de Leipzige AWV ‑Füh e Wal e Fische mi seinem Au sa z
„Von al en und neuen Landheimen“ (Fische 1911: 102–104).20 Wäh end zahl eiche Bei‑
äge in den Wande ogel ‑Zei sch i en ehe p og amma ischen Cha ak e ha en,
wi d man den meis en E lebnis‑, Fah ‑ und Nes be ich en g öße e Au hen izi ä
zubilligen müssen, auch wenn kla is , dass in de Regel die äl e en Füh e das be‑
sch ieben, was sie zusammen mi den Jünge en e leb en– die Jungen selbs blieben
mi wenigen Ausnahmen in den ged uck en Quellen s umm.21
Fah en in die benachba en WV‑„Gaue“ und ins nahe Ausland gehö en sei de
legendä en Böhme wald ‑Fah on S egli ze Wande ögeln 1899 imme mal wiede
zum P og amm nahezu jede G uppe.22
Schau man s ichp obena ig ins das Wande ogel Sachsengaubla de Jah e 1911,
1912, 1913 und 1914,23 sieh man alle dings au den e s en Blick, dass die meis en de
Hunde e Fah en in die unmi elba e Nachba scha des jeweiligen Heima o es ode
in ande e deu sche „Gaue“ üh en. Ins „Böhmische“ ging es e gleichsweise sel en,
b auch e man doch ü wei e e Aus lüge meh Zei (die meis en G uppenmi gliede
wa en Schüle ) ode meh Geld. Dennoch: Im Dezembe 1911 ging es nach Go esgab
(Boží Da ) und au den g oßen Böhmischen Spi zbe g (Velký Špičák) zum „Win e ‑
lage “, zu Os e ah 1912 ins Böhmische Mi elgebi ge (České s ředohoří). Do hin
üh e auch eine de „P ings ah en“ 1912. Zi aue Wande ögel uh en im Mai 1912
„nach Os en“ (?) und „Du chs Böhmische zum Hi schbe ge [See] (Böhmen)“ (Doksy);
eine Leipzige G uppe uh ins Duppaue Gebi ge (Doupo ské ho y). Im Somme 1912
zogen G uppen nach No dböhmen, nach P ag, in den Böhme wald (Šuma a) und wei‑
e nach Wien. Die He bs e ien e möglich en Besuche im Böhmischen Mi elgebi ge
(České s ředohoří), de Böhmischen Schweiz (České Š ýca sko) und in No dböhmen.
F eibe ge Wande ögel uh en in ih en Fe ien ins Fich elgebi ge, in das wes liche
E zgebi ge, ins Böhmische Mi elgebi ge, nach P ag, in den Böhme wald in die Wa‑
20 Die B ei e diese Liebe zum „Böhme wald“ und „Böhme land“ ließe sich in eine wei e en Auswe ung
on Fah enbüche n und Zei sch i ena ikeln im Blä e wald de Jugendbewegung belegen– allein,
dies wa ü diesen Au sa z nich zu leis en.
21 Allein eine sys ema ische Auswe ung de im A chi de deu schen Jugendbewegung au bewah en
„Nes büche “ sowie zahl eiche au obiog aphische Zeugnisse al e Wande ögel könn e ein einige ‑
maßen e endes Bild de kul u ellen P axis de ühen Jugendbewegung zeichnen.
22 In Böhmen exis ie e bald eine eigene Jugendbewegung. Dazu– au de Basis ande e Fo schungen und
zahl eiche Quellen Ulb ich (2011: 39–78). Bis 1914 exis ie en enge Kon ak e zwischen sächsischen
und böhmischen Wande ögeln; diese wu den un e e ände en poli ischen Bedingungen de Nach‑
k iegszei nach G ündung de e s en Tschechoslowakischen Republik wei e ge üh . Nun abe wa en
aus den Nachba scha s ah en solche zum „Auslandsdeu sch um“ und ins „G enzland“ gewo den. Zum
Topos „G enzland“ s. Rinas (2017: 307–318).
23 In de Ta is das nu eine S ichp obe. Im G unde müss e man– mindes ens als Disse a ion– die
wich igs en Zei sch i en de G uppen und Bünde auswe en, um zu e ah en, welche Kenn nisse
und eigene Anschauung on Landscha en und Regionen „in de Nachba scha “ die „ eichsdeu schen
Wande ögel“ wi klich e wa ben. Dies is im Rahmen dieses Au sa zes jedoch nich zu leis en.
162 BRÜCKEN 29/1
chau– Nachba egion des sog. „Nibelungengaus“– und nach Wien. Vögel aus Aue ‑
bach im Vog land logen in „böhmische Dö e “ und ins Haus a e Vie el [gemein
is e mu lich das Al a e gebi ge (H ubý Jeseník)]. Ein wei e es Win e lage and
wiede um in Go esgab (Boží Da ) s a . Os e n 1913 zog es D esdne Schüle nach Os ‑
böhmen. Leipzige „Jungen“ b achen Os e n 1913 wiede mal nach P ag au . S ollbe ge
„Semina is en“ (am do igen Leh e semina exis ie e eine WV ‑G uppe) uh en meh‑
e e Tage zu Os e n nach No dböhmen. Die „Zwickaue “ anden als P ings ah den
Weg nach P ag und die Somme e ien e möglich en F eibe ge Wande ögeln eine
zehn ägige Fah nach P ag und ins Böhmische Mi elgebi ge. Plauene zogen ü
31 Tage „Donau abwä s“ übe Wien, die S eie ma k, G az und Innsb uck bis nach
Salzbu g. Ande e „Kunden“ besuch en den Böhme wald und das Fich elgebi ge. Im
Janua hiel en die Chemni ze ih „Win e lage “ im Riesengebi ge ab.
Die mi un e sei enlangen Ankündigungen ü Tages‑ und Wochen ah en, on
denen die längs en e s ändliche weise in den Somme e ien s a anden, und die
anschließenden Fah enbe ich e bezeugen den E lebnishunge und die Na u sehn‑
such des Wande ogels, den man zu e end als „ ei aumo ien ie e“ Bewegung
bezeichne ha (Wolschke ‑Bulmahn 1990).
Au den Tou en nach Böhmen ging es nich nu ums Aben eue , man wi d die
Aus lüge auch als Bildungs eisen e s ehen dü en, zumal bis 1918/19 iele sächsische
WV ‑G uppen on Leh e n und P a e n (an)gelei e wu den. Im G unde wa en diese
Fah en eine Spiela laienha e Volkskunde, lange be o es eine akademische, ins i u‑
ionell e ablie e „sude endeu sche Volkskunde“ gab (Ehle s 2010; B aun 2010), in de
ehemalige Wande ögel und de en akademische Leh e eine wich ige Rolle spiel en.24
Die geis ige Nähe de Jugendbeweg en zu „deu schen Kul u “, zum „G enzland‑“
und „Auslandsdeu sch um“ sowie den Ideen und Wel bilde n de kul u e o me isch
engagie en Ini ia i en in de wilhelminischen Gesellscha e dank sich jedoch nich
allein de Ini ia i e äl e e Füh e und de mi eisenden Leh e , sonde n wa wohl
schon o he ges i e wo den. Nich wenige El e nhäuse ha en die Zei sch i De
Kuns wa 25 des D esdne Bildungsbü ge s und Ve lege s Fe dinand A ena ius abon‑
nie . De Kuns wa ‑K eis in D esden wa zudem eng e ne z mi dem des Jenae
Ve lege s Eugen Diede ichs (Ulb ich 1996), de – nach eigenem Bekunden inspi ie
on A ena ius– ein wei e en ein luss eiche „Mäzen ü Kul u e o m“ (ebd.) gewesen
is . De Kuns wa und die Büche aus Jena gehö en bei ielen Wande ögeln zum
geis igen Ma schgepäck.
26
A ena ius selbs wa 1913 Gas au dem Hohen Meißne ,
wo e das „Schlußwo “ des F eideu schen Jugend ages hal en du e.27
24 Zu den Beziehungen einzelne P o esso en de Deu schen Uni e si ä in P ag zu Pe sönlichkei en und
G uppen de deu schböhmischen, spä e „sude endeu schen“, Jugendbewegung siehe Ulb ich (2011).
25 Die Dü e ‑Häuse gehö en zum Dü e ‑Bund, eine lebens‑ und kul u e o me ischen Sammlungs‑
bewegung sei Beginn des 20. Jah hunde s, die ih en Ausgang on de Zei sch i De Kuns wa ge‑
nommen ha . Dominan e Figu wa de D esdne Bildungsbü ge Fe dinand A ena ius; siehe K a zsch
(1969).– Eine neue Bea bei ung dieses Themas is ein Deside a de sächsischen und deu schen Kul u ‑
geschich ssch eibung.
26 Die Beziehungen zwischen Eugen Diede ichs und de Jugendbewegung sind e s mals im Zusammen‑
hang geschilde bei Viehö e (1988: 73–94). Do auch S. 94–105 Hinweise zum Kon ak zwischen
Diede ichs und de Ga ens ad ‑Bewegung, schließlich auch nach Helle au.
27 Schlusswo on Fe dinand A ena ius am Sonn agmo gen (F eideu sche Jugend ag 1913: 42–46; wiede
abged uck in Mogge/Reulecke 1988: 302–306).
163JUSTUS H. ULBRICHT
Als Sammel‑ und Quellpunk de sogenann en Gebilde en ‑Re o mbewegung e‑
agie e de Kuns wa au „die s ändisch o ien ie e Klassengesellscha des Kaise ‑
eichs mi einem geis esa is ok a ischen Gegenen wu , e künde e einen neuen
e hischen Idealismus als Bedingung ü na ionalkul u elle Iden i ä , huldig e einem
na ionalen Sozialismus im Sinne eine da winis isch g undie en Volksgemein‑
scha sideologie und o de e einen kul u poli isch de inie en neuen Na ionalismus
ein.“
28
Diese Einschä zung e weis di ek au die Seelen e wand scha und ideo‑
logische Nähe zahl eiche Jugendbeweg e zu geis igen Wel on A ena ius, den
ein Zei genosse 1913 als „Kuns ‑ und Kul u paps unse e geis igen Mi elklassen“29
bezeichne ha . Dass die Jugendbewegung schnell eine eigene Zei sch i en‑ und Ve ‑
lagslandscha schu und nu z e, s eh au ande en Blä e n.30
Auch geis ig wa de Weg on Sachsen nach Böhmen also nich wei . Denn auch im
zu Ös e eich gehö enden Nachba land (spä e die „e s e Tschechoslowakische Repu
‑
blik“) e eich en die e wähn en kul u ellen Deu ungsmus e diejenigen Mi gliede
de jünge en Gene a ion, die ih e sei s au de Suche nach eine in ak en kul u ellen
Iden i ä wa en,31 sich en sp echend mode ni ä s‑ und kul u k i isch posi ionie en
und nich zule z in de Kuns des Volkes die egene a i e Basis kul u elle und li e‑
a ische E neue ungsbewegungen e blick en. Diese Ideen bündel e man nich nu
an de ? Elbe und de ? Moldau, sonde n auch an de Ilm in Weima zu Chi e on
de „Deu schen Renaissance“,32 die wiede um auch im Kuns wa beschwo en wu de.
Übe diese kul u k i ische, kul u e o me ische, dabei höchs inno a i e, Zei
‑
sch i heiß es in S audas Ch onik des böhmischen Wande ogels:
De ‚Kuns wa ‘ wa das Leibbla des K eises, das jede lesen muß e. Schul ze ‑Naum‑
bu gs Kul u a bei en ‑Bände wu den s udie . Pope s Roman ‚Helmu Ha inga‘,
om Dü e bund he ausgegeben, ging on Hand zu Hand. Das Blaue Buch ‚Wi
jungen Männe ‘ on Hans Wegene gal als eine A Gese zbuch. Die Schu z‑ und
Volksbildungsa bei de Heima , soziale und ande e F agen anden bei diesen S u‑
den en Beach ung und Mi a bei . Viele on ihnen wa en Schüle P o esso Saue s…33
28 So die e ende Skizze des Kuns wa ‑Geis es bei om B uch (1998: 430). Vom B uchs Einschä zung
e weis di ek au die Seelen e wand scha und ideologische Nähe zahl eiche Jugendbeweg e zu
geis igen Wel on A ena ius.
29 So Samuel Saenge ; zi . n. Vom B uch (1998: 431). De Sch i s elle Richa d Dehmel sp ach wenige
espek oll Vom „Lei hammel“ ü den „geis igen Mi els and“.
30 Ulb ich (1988/1992b); Ulb ich (2015) in S ambolis (2015: 133–143); do Hinweise zu ande en Ve ö en ‑
lichungen. des Ve asse s übe die Ve lagslandscha de Jugendbewegung.
31 An diese S elle e spa e mi und den Lese n den aus üh lichen Hinweis, dass ein Beg i wie „kul u elle
Iden i ä “ wede selbs e klä end noch eindeu ig is . Noch komplizie e wi d es, wenn man e such
zu klä en, was es denn heiß „ein Deu sche “ zu sein. In de zugehö igen Li e a u lu besonde s
emp ehlenswe is Bo chmeye (2017); nun auch Smi h (2021).
32 Zu diesen Denk igu en und de en P opagandis en Ulb ich (1995: 191–208).
33 S auda (1975: 15). Die do e wähn en Re e enz ex e sind zu e läu e n. Siehe K a zsch (1969) De
Kuns wa wa jedoch beileibe keine deu schna ionale, ga ölkische Zei sch i , sonde n eine o ene
Pla o m he e ogene Pe sönlichkei en und Ideen de Gebilde en e o mbewegung. Vom Kuns wa
wechsel e 1912 He mann Ullmann in die Redak ion de Saue schen Deu schen A bei . Zu Schul ze‑
Naumbu g siehe Ke bs (1993/96: 219–232) und Ulb ich (2000: 13–33); um assend Bo mann (1989). Zu
„Ha inga“ siehe He mann (1986/87: 45–62). Zu Wegene siehe Wegene (1906). Von diesem Buch, das
in kongeniale Weise Maximen de Lebens e o m (An ialkohol ‑Bewegung, Sexualhygiene), Bilde
jugendlichen A an ga dismus, Hinweise au ein be iedigendes Sexualleben, konse a i e F auen‑
164 BRÜCKEN 29/1
Hans Di ich e gänz e Jah zehn e spä e (1959) die Skizze des geis igen Kosmos
diese P age S uden en:
Wi alle woll en bewuss gesund leben. Wi gingen in die ‚Vege a ische‘ essen, und
spä e muß e uns die Kos au möglichs ege a isch kochen. Es gab eine Zei , da
‚ le sche en‘ wi . ‚Mazdaznan‘ wa uns geläu ig. Daß wi äglich ‚mülle en‘ wa bei
unse e Eins ellung selbs e s ändlich.34
Und ein T aum Hans Mau schkas om eigenen Wande ogel ‑Nes o enba wei e e
geis ige Vo lieben:
Eine Bude müssen wi k iegen: da wollen wi Eichendo und S i e lesen und
Schwind azheim und übe Heima schu z, wollen Hans ‑Sachs ‑Schwänke au üh‑
en, zup en und singen, Bilde be ach en und spa en ü den F ühling [also ü
die nächs en Fah en].35
2. LEHRER, SCHÜLER UND STUDENTEN– NETZWERKE
BÖHMISCHER WANDERVÖGEL
Im Jah e 1907 hiel de be ühm e P age Ge manis Augus Saue – bei dem in den
1920e Jah en auch mein eigene Va e s udie ha – nich allein seine Rek o a s ede,
36
sonde n im gleichen Jah beschwo de P o esso die deu schen, aus den ländlichen
Regionen Böhmens s ammenden, S udienan änge , wenigs ens einige Semes e in
P ag zu e b ingen. In eine A ikelse ie in de on Saue als dem damaligen P äsiden‑
en de Gesellscha zu Fö de ung deu sche Wissenscha , Kuns und Li e a u in Böhmen
schon 1901 gemeinsam mi seinem P age Kollegen Adol Hau en beg ünde en Zei ‑
sch i Deu sche A bei beschwo de Ge manis seine Lese un e dem Ti el „Deu sche
bilde und olks‑ bzw. assenhygienische Übe zeugungen koppel , e schien 1922 das 254. Tausend!
Zum Thema Sexuali ä und Jugendbewegung siehe Linse (1985). Do (S. 263) wi d Pope s „Ha inga“
als eine A Leh buch de sexuellen Diä e ik bezeichne .
34 Zu diesen kul u ellen Vo lieben Linse (2001). Ho ace Fle che (1849–1919) wa ein in K eisen de Kö ‑
pe kul u bewegung populä e E näh ungs heo e ike . De Däne Jens Pede sen Mülle (1868–1938)
wa ein ‚Gu u‘ de Gymnas ik ‑Bewegung zwischen Kaise eich und Weima e Republik. Zahl eiche
Hinweise zu ihm bei Wedemeye ‑Kolwe (2004).
35 Un e S i e s We ken genoss o allem de „Wi iko“ in den K eisen de jungen Deu schböhmen und
spä e en „Sude endeu schen“ Kul s a us, wo ü o allem Johannes S auda nach 1918 geso g ha . Die
do ige Rezep ion e ehl e jedoch zumeis die eigen liche In en ion S i e s, de in diesem Roman
ü den Ausgleich de deu sch ‑böhmischen/ schechischen Gegensä ze o ie ha e. Dazu Mülle ‑
Funk (1996). Eine schöne zei genössische Quelle zum S i e ‑Kul is Leppa (1928). De Hambu ge
Zeichne und Sch i s elle Oska Schwind azheim (1865–1952) wa neben Al ed Lich wa k und Jus us
B inckmann nach 1900 eine de üh enden Theo e ike und Ve ech e de „Volkskuns “, also auch
ein S ichwo gebe de Heima kuns bewegung. „Zup en“ mein Gi a espielen, das Ins umen hieß
in de Bewegung „Zup geige“. Da on lei e e sich de Name des wohl be ühm es en Liede buches de
Wande ögel ab, des „Zup geigenhansl“ (König 1985).
36 Diese wi d e was eingehende besp ochen bei Takebayashi (2005: 83–87); siehe auch Lozo iuk (2008:
99–104); Hohmeye (2002: 368–372).
165JUSTUS H. ULBRICHT
S uden en– nach P ag!“,37 sich in de goldenen S ad zu ak i en und kenn nis eichen
Ve e e n de deu schen Kul u p ägen zu lassen, die sich kämp e isch gegen die
schechischen Bes ebungen in ähnliche Sache zu posi ionie en hä en.
Diese Appell e inne e an eine In en ion de damals sei einigen Jah en be ei s
an de Ca olina lau enden „ olks ümlichen Uni e si ä s o lesungen und Fe ialku se“
(Saue 1928c), die um die „zün igen Leh e und s ebenden Laien ein es e es Band
geschlungen“ (Saue 1928a: 21) hä en. „Nich üh genug“ könn en die jungen Aka‑
demike „den na ionalen Kamp kennenle nen.“ (Saue 1928a: 22)38 „De deu sche
S uden b auch P ag, als Mi el zum Zweck, als Anspo nung zum Ei e , als Vo übung
zum Kamp .“ (Saue 1928a: 23) Zudem seien kleine e Uni e si ä en ge ade ü S u‑
dienan änge besonde s a ak i , wä e doch do de Kon ak zwischen Leh enden
und Le nenden in ime . Auße dem e leich e e eine kleine, uhige e Uni e si ä die
„Konzen a ion des S udiums“ (Saue 1928a: 32). Vo allem abe be on e Saue :
Wie können wi es ande s sagen als: hiehe zukommen is Eu e [de S uden en]
P lich ; hiehe , wo Ih bloß gedulde , wo Ih ange einde , wo Ih bed oh seid;
hiehe in die Landeshaup s ad , wo man Euch Landeskinde n das Rech s ei ig
machen will, Euch heimisch und gemü lich zu ühlen; hiehe , wo Ih den na io‑
nalen Gegne , de Euch leide Eie ganzes Leben lang im o enen ode heimlichen
Kamp e gegenübe s ehen wi d, schon üh kennenzule nen die bes e Gelegenhei
hab . (Saue 1928a: 35 .)
Mi solch lammenden Appellen, die auch eine gewisse Ve hä ung de A gumen a‑
ion und Eins ellung39 bei Saue selbe e a en, goss de Ge manis Öl ins Feue des
zwischen 1905 und 1907 wiede au lammenden, nich zule z on P age deu schen
S uden en ge agenen, Na ionali ä enkamp es40 und p o ozie e zwangsläu ig zahl‑
eiche Gegens immen de schechischen In elligenz. In Saue s Wo en:
Diese [gemein sind die e wähn en A ikel „Deu sche S uden en– nach P ag!“,
J.H.U.] uhigen sachlichen Aus üh ungen e eg en neue dings das he igs e Miss‑
allen de schechischen P esse. (Saue 1928: 44)
Saue s Idee, deu sche S uden en in P ag seien le z lich eine A Vo pos en ode
Vo upp eine Na ionalisie ungspoli ik in ganz Böhmen (au das sich Saue s kul‑
u poli ische Au me ksamkei in de Regel besch änk e), ga in Mäh en und ande‑
en– spä e so genann en– „deu schen Sp achinseln“, also die on ihm un e s ell e
A an ga de ‑Funk ion junge deu sche Akademike , muss e diejenigen besonde s
37 Saue (1928a: 21–47). Säm liche A ikel e schienen e s malig in de Zei sch i Deu sche A bei , „P ag
und seine deu schen Hochschulen“ in de Bohemia.
38 Au ällig is die Sp ache Saue s, die sich eizügig aus dem Vokabula des Mili ä ischen bedien . Es is
die Rede on „Kamp “ (passim), „Hee lage “ (29), „Fahnen luch “ (29), „Gegne “ (36 u. ö.), „T uppen‑
schau“ (76), „Vo pos en“ (93), „K iegszus and“ (93), „Ang ei e “ [die Tschechen], „Ve eidige “ [die
Deu schen] (94), „Felddiens “ (100), „Hee schau übe unse e geis igen T uppen“ (103).
39 In de Rückschau aus dem Jah 1920 mein e Saue : „Du ch die Ang i e au die Uni e si ä ha e sich
eine gewisse Unsiche hei und Un uhe in den Reihen ih e Angehö igen eingeschlichen, die du ch die
e s ä k e Wiede holung diese Ang i e im S udienjah 1907/08 wesen lich zunahm.“ (Saue 1920: 7)
40 E schöp ende Hinweise dazu in de ak ibischen A bei on Lönnecke (2008: 44–55).
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