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Moritz Csáky: Das Gedächtnis Zentraleuropas. Kulturelle und literarische Projektionen auf eine Region. Wien, Köln, Weimar: Böhlau, 2019

Smyčka, Václav

Abstract

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Full text

145REZENSIONEN Mo i z Csáky: Das Gedäch nis Zen aleu opas. Kul u elle und li e a ische P ojek ionen au eine Region. Wien, Köln, Weima : Böhlau, 2019, 392 Sei en. Václa Smyčka– Akademie de Wissenscha en de Tschechischen Republik/Ka ls ‑Uni e si ä P ag Als im F ühling 2020 in Eu opa die Co id ‑Pandemie ausb ach, wu de Zen aleu opa plö zlich wiede sich ba . Die Nach olges aa en de ehemaligen Habsbu ge mon‑ a chie an wo e en im e s en Momen au die K ise mi eine ähnlich es ik i en Mobilisie ung, die de T adi ion s a ke S aa smach , äuße e Disziplinie ung (und ielleich auch Mangel an indi iduelle Ve an wo lichkei ) en sp ach. So e ek i diese Mobilisie ung im e s en Momen wa , so beun uhigend wa ih e Ähnlichkei mi de Reak ion on Ös e eich, Tschechien, Polen, de Slowakei und Unga n au die Mig a ionsk ise 2015–2016, sei de die le z genann en ie S aa en die Ve eilung on Mig an en im Rahmen de EU blockie en. Auch wenn die Ös e eichisch ‑Unga ische Mona chie schon sei übe hunde Jah en nich meh exis ie , bes ehen in de Region o ensich lich imme noch übe g ei ende Handlungsmus e . De T adi ion au o i a i e und es ik i e Mach ausübung läss sich eine ande e T adi ion Zen aleu opas en gegens ellen: die de Mul ikul u ali ä , de Vielsp achig‑ kei , de kul u ellen He e ogeni ä und (p o o)pos mode ne Subjek konzep e, die die Au o i ä des ‚Ich‘ in F age s ell en. Diese T adi ion s eh im Zen um des Buches on Mo i z Csáky Das Gedäch nis Zen aleu opas. Csáky beansp uch diese pos mo‑ de nen Phänomene nich ausschließlich ü die ehemalige Habsbu ge mona chie. Sie s eh in seine A bei ehe als ein pa adigma isches Beispiel ü die ak uelle Wel . Das Buch oszillie so zwischen konk e em empi ischem Objek (de Kul u de Habsbu ge mona chie um 1900) und de allgemeinen Kul u heo ie, zwischen his o ischen ansla o ischen und den ak uellen Globalisie ungsp ozessen, zwischen de Pe spek i e de zen alen Regie ung und den zahl eichen pe iphe en Regionen de ehemaligen Mona chie. Dies mach das Buch ielschich ig und zeig deu lich die Rele anz his o ische Fo schung. Die kul u wissenscha liche heo e ische Basis, de das e s e D i el des Buches gewid‑ me is , s ü z sich au bewäh e Modelle on Ju ij Lo man (G enze, Zen um ‑Pe iphe ie‑ Ambi alenz, Meh achkodie ung), Wal e Benjamin (‚Ve mi lung‘, Posi i ismus‑ und His o ismusk i ik), Homi Bhabha (‚Thi d space‘, Mimik y), Anil Bha i (Ähnlichkei en), Michail Bach in (inne e He e oglossie), Michel Foucaul (Au o ‑Konzep ), Mau ice Halb‑ wachs (kollek i es Gedäch nis). Im Un e schied zu ande en kul u wissenscha lichen Zugängen kommen hie auch zahl eiche mi de ehemaligen Mona chie und de en Regionen e bundene Denke zu Wo : E ns Mach (Ich ‑K ise), Ludwig Wi gens ein (Sp achspiele), B onislaw Malinowsky (Kul u als Kommunika ions aum), Pe e Zajac (kul u elle He e ogeni ä ). Dami wi d die Theo ie nich on dem Objek de Un e ‑ suchungs egion sepa ie , sonde n e lexi in die Analyse einge üh , indem sowohl die Kul u als auch die kul u wissenscha liche Pe spek i e und die ü die genann en Au o en cha ak e is ische Pe spek i e hema isie und kon ex ualisie wi d. 146 BRÜCKEN 28/1 Mi diese bun en O ches ie ung s ell Csáky im e s en Teil die zen alen Konzep‑ e de Kul u wissenscha o . Kul u beg ei Csáky als „kommunika i en Handlungs‑ aum“ und cha ak e isie sie „als das Ensemble on Zeichen, Symbolen und Codes, mi els de e Indi iduen in einem sozialen Kon ex pe o ma i , e bal und– was ielleich noch wich ige is – non e bal kommunizie en, Lebenswel en kons i uie en, Mach e häl nisse aushandeln und sich jeweils neu zu o ien ie en suchen.“ (S. 57). En sp echend beg ei Csáky Zen aleu opa nich als einen „geog aphisch ‑poli isch kla abg enzba en und de inie ba en Raum“, sonde n als einen „ ela ionalen Raum“ (S. 31). Un e Zen aleu opa kann man lau Csáky „das Ensemble eine Vielzahl on konku ie enden und sich übe lappenden Kommunika ions äumen e s ehen, on inne en und äuße en Polyglo ismen (Ju ij Lo man), inne halb de e und zwischen denen kon inuie lich Handlungs‑ und Aus auschp ozesse s a inden.“ (S. 101) Au eine e s ändliche A und Weise disku ie Csáky einige de oben e wähn en Kon‑ zep e aus üh liche , wie die des D i en Raumes und de Mimik y on Bhabha, das de semio ischen P oduk i i ä de G enze on Lo man e c. Csáky be on die sozio‑ ökonomische Dimension on Aus auschp ozessen in den he e ogenen und du chaus asymme ischen Kul u en, indem e un e ande em auch au Ka l Ma x e weis . Diese Re ision de Kul u heo ie zeichne sich du ch eine eno me B ei e aus, da Csáky die heo e ischen E ö e ungen mi meh e en Fallbeispielen beleg , die nich nu aus de Li e a u , sonde n auch aus de Musikgeschich e, A chi ek u und Kulina ik genommen we den. Wäh end de e s e Teil ü diejenigen, die die o ige Monog aphie Csákys, Das Ge‑ däch nis de S äd e. Kul u elle und li e a ische P ojek ionen au eine Region (Wien, Köln, Weima 2019), kennen, keine Übe aschungen bie e , konzen ie sich Csáky im zwei en Teil deu liche als ühe au li e a ische Tex e. Au de Vo lage de E zäh‑ lung Beim Bau de chinesischen Maue on F anz Ka ka analysie e Ve unsiche ung und O ien ie ungslosigkei als cha ak e is ische mode ne K isensymp ome, die ü Kul u und Wissenscha (z. B. bei E ns Mach) de Mona chie p ägend wa en. In Ve bindung mi He mann Bah s Aus iaca beschä ig sich Csáky mi den Re o m‑ o schlägen eine Föde alisie ung und Demok a isie ung de Mona chie sowie mi den Rückkopplungse ek en de Kolonisie ung, die lau Bah zu eine e olg eichen ‚Slawisie ung‘ (und nich Ge manisie ung) de Mona chie üh e. Die Lek ü e des Romans Das alsche Gewich on Joseph Ro h dien Csáky zu Analyse inne e Koloni‑ sie ung und den da aus ablei ba en pos kolonialen E ek en. Wäh end das Zen um ( e e en in de Figu des Finanzkon olleu s) die Pe iphe ie zu kolonisie en e ‑ such , wi d es selbs de Pe iphe ie angepass und de Finanzkon olleu en deck bei sich selbs die pe iphe en Me kmale wie Alkoholismus, Ko up ion, jüdische He kun . Am Beispiel des Tex es Illy icum sac um on Mi osla K leža beschä ig sich Csáky mi de südslawischen Region, die so wie die Habsbu ge mona chie ins‑ gesam du ch sp achliche und eligiöse He e ogeni ä gep äg wa . Auch K leža sieh in den Übe se zungsp ozessen und kon as i en Ve bindungen on Os ‑ und Wes ein‑ lüssen keinen Nach eil, sonde n eine he e ogene, ela ionale und meh achkodie e Iden i ä de spezi ischen Region. Meh achkodie ung a es ie Csáky nich nu de Kul u im allgemeinen Sinne, sonde n auch den konk e en Gedäch niso en, indem e beispielsweise au den S ei um böhmische Gedäch niso e zwischen Hugo on Ho ‑ manns hal und Ja osla K apil au me ksam mach . Den Einblick in die Mechanismen 147REZENSIONEN des ‚Na zissmus kleine Un e schiede‘ und die ehlgeschlagene Assimila ion de Juden bie e uns Csákys Lek ü e des Romans Die Heima losen on Wilma on Vukelich. Am Beispiel des Romans Die Ve hüll e und de Repo agen und p opagandis ischen A ikel on Hugo on Ho manns hal e anschaulich Csáky die P ozesse de O ien alisie ung und de en Funk ion inne halb de P opaganda de Habsbu ge mona chie o und nach dem E s en Wel k ieg. Die In e p e a ion de li e a ischen We ke besch änk sich so meis ens au die Wide spiegelung allgemeine kul u elle Phänomene in de Li e a u und e zich e au das inne e Sinngeschehen de Tex e. Das mag manche Li e a u wissenscha le be emden, ü die konk e en Zwecke de his o isch o ien‑ ie en Un e suchung eich diese mime ische Lesa abe siche aus. De le z e Teil des Buches e ie schließlich die o he igen Analysen und In e ‑ p e a ionen in zwei Rich ungen. Eine sei s we den hie die Beobach ungen übe die Kul u au eine heo e ische Ebene gehoben, indem die di e enz heo e ische He ‑ meneu ik und de Pe spek i ismus als allgemeine kul u elle P inzipien o ges ell we den. Csáky s ü z seine Thesen au die Monadologie on Leibni z und die Kon‑ zep ion de eligiösen Gegensä ze eines Nicolaus on Kues. Ande e sei s we den die kul u wissenscha lichen E kenn nisse e neu au die ak uelle poli ische Si ua ion in Eu opa nach 1989/1990 bezogen, indem die E ah ungen on He e ogeni ä und Meh achkodie ung als T adi ion de Region he o gehoben we den, die nich e s mi de Mig a ionswelle nach 2014 ih en An ang anden. Ge ade da in sehe ich den wich igs en Bei ag des Buches neben de Viel al des hie un e such en Ma e ials. Die pos mode nen Konzep e de Kul u heo ie we den im Buch konk e e als e wa bei Wol gang Welschs T anskul u ali ä skonzep (1997) e anke . Sie we den heo e isch bis zu Leibni z und Nikolaus on Kues zu ückge‑ üh und nich nu au die mode nen Globalisie ungsp ozesse, wie e wa mode ne Kommunika ionsmedien ode U banisie ung besch änk . Das is meine Meinung nach auch de Vo eil des Gedäch nisses on Zen aleu opa gegenübe de schon e ‑ wähn en o he igen Monog aphie Gedäch nis de S äd e. Weil die kul u elle He e o‑ geni ä nich ausschließlich mi den u banen Milieus e bunden wi d, kann auch kein e mein lich na ü liches ländliches Gegenbild de mode nen ode pos mode nen u banen Wel en gegenges ell we den. Wie e häl sich abe die am An ang diese Rezension e wähn e au o i a i e, dis‑ ziplinie e und homogenisie ende T adi ion de Region zu de on Csáky e a bei e en plu ikul u ellen T adi ion Zen aleu opas? Es is möglich, dass diese T adi ion nich nu de Ausd uck de Sou e äni ä und Disziplinie ung de Gesellscha en de Region, sonde n auch ih e inne en Unsiche hei , Rela i i ä und B üchigkei sein kann, wie Csáky andeu e (S. 337–340). Die au o i ä en und kollek i is ischen Ve hal ensmus e wä en in diesem Sinne die Folge eine e keh en T ans o ma ion de plu ikul u ellen T adi ion, so wie e wa die s a ke ös e eichische T adi ion des Posi i ismus eine Re‑ ak ion au die kul u elle Rela i ie ung und ins abile Subjek konzep e da s ell . Dies haben z. B. F anzL. Filla e und Johannes Feich inge in ih em Bei ag Habsbu g Posi‑ i ism: The Poli ics o Posi i e Knowledge in Impe ial and Pos ‑Impe ial Aus ia, 1804–1938 (2018) he ausgea bei e (e schienen in: The wo lds o posi i ism: aglobal in ellec ual his o y, 1770–1930, h sg. on dens., Cham, 191–238, hie S. 194, 197). Da aus läss sich ein wenig e euliche und ein e euliche Schluss ziehen. Wi d nämlich Zen al‑ eu opa als pa adigma isches Beispiel ü die ak uellen Globalisie ungs endenzen 148 BRÜCKEN 28/1 e s anden, wie Csáky o schläg , bedeu en auch die le z en Jah e de Mona chie, ih Ze all und die olgende Homogenisie ungswu eine deu liche Wa nung. Ande‑ e sei s ös e , dass auch die Abweh mechanismen gegen kul u elle He e ogeni ä und Globalisie ungs endenzen imme schon die ande e T adi ion in sich behal en. Die ie e e Ve anke ung de pos mode nen Konzep e, wie sie Csáky im le z en Teil des Buches o üh , s ä k diese Ho nung. Jan Be g, Edga Mo sche und Anneliese Mülle : Bolzano Gesam bibliog aphie 1804–1999 (= Be na d Bolzano ‑Gesam ausgabe. H sg. on Edua d Win e , Jan Be g, F ied ich Kamba el, Ja omí Loužil, Edga Mo sche , Bob an Roo selaa . Einlei ungsband 2/3). S u ga ‑Bad Canns ad : F ommann ‑Holzboog, 2016, 443 Sei en. Ku F ied ich S asse – Salzbu g und T ies Am 5. Ok obe 1781 wu de Be na d Bolzano in P ag, de Haup s ad des König eiches Böhmen, gebo en. Am 19. Ap il 1804 übe nahm e den Leh s uhl ü Religionswissen‑ scha an de Philosophischen Fakul ä de Ka l ‑Fe dinands ‑Uni e si ä . Zu diese Zei he sch e K ieg in Eu opa. De obe s e K iegshe Napoleon ha e den Be eiungs‑ schlag des un e d ück en anzösischen Volkes on 1789 und die au ge eg e S immung ü einen E obe ungsk ieg genu z , de den ganzen Kon inen je z um Jah zehn e zu ückwa . Im al en Habsbu ge eich ha e man de lei Wel he scha s äume zu Zei en Ka lsV. be ei s e wi klich . Je z ha e man diese He scha s isionen aus‑ ge äum und wäh end de Regie ung de böhmischen Königin Ma ia The esia und ih es Sohnes Jose II. wa man dazu übe gegangen, ü allgemeines Rech , p ak ische Ve wal ung, Bildung– ku z Au klä ung– im Land zu so gen. De neue K ieg du ch‑ k euz e je z all diese Pläne. Am 24. Dezembe 1819 wu de Bolzano seines Am es en hoben und zog sich ohne P o es ins P i a leben zu ück. Am 18. Dezembe 1848 s a b e im el e lichen Haus in de Zel ne gasse an einem Lungenleiden, das ihn as das ganze Leben lang beglei e ha e. Die kleine Scha seine F eunde e such e bald, Bolzanos Ve mäch nis de Ö ‑ en lichkei zugänglich zu machen. Sein F eund Michael Jose Fesl übe eich e de Kaise lichen Akademie de Wissenscha en in Wien in de Si zung om 17. Ok obe 1849 ein olls ändiges Kon olu mi Bolzanos Sch i en, in de Ho nung au eine ep äsen a i e Gesam ausgabe seine We ke. Fesl cha ak e isie e die Bedeu ung diese Sch i en: Wenn es nämlich gewiss is , dass ein S aa , de wie de unse e aus meh e en k ä igs au s ebenden und ih e Besonde hei sich bewuss en Na ionali ä en be‑ s eh , sich nu du ch das Einhei liche und allgemein Menschhei liche, nu du ch dasjenige, was gemeinsam jede Menschenb us eh wü dig ode unabweislich is , zu einem g ossen Ganzen o sch ei end sich innige zu e binden e mag: so