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Bohumil Vykypěl: Wanderungen durch die bohemistische Vergangenheit I. Beiträge deutscher Slavisten zur Bohemistik. Hamburg: Kovač, 2021

Ehlers, Klaas‑Hinrich

Abstract

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Full text

214 BRÜCKEN 29/1 Und las bu no leas gil es, d i ens, auch und ielleich soga insbesonde e ü die medienwissenscha liche Dimension des Buches. Denn hin e de En scheidung, den Un e suchungszei aum au die 1960e ‑80e Jah e einzug enzen s eh nich nu eine ga ungsgeschich liche Pe iodisie ungsabsich , sonde n auch die on No o ný un e ande em in Anlehnung an F ied ich Ki le o mulie e These, dass die medien ech‑ nischen Vo ausse zungen seine En s ehung gewisse Be eiligungen am Kuns we k selbs eingehen; A bei en, au die hie bei Bezug genommen wi d sind u.a. Ki le s G ammophon, Film, Typew i e (Be lin 1986) sowie Au sch eibesys eme (München 1995). Sei nämlich, so a gumen ie No o ný, die Radio echnik de 1920e –50e noch wesen ‑ lich au die häu ig Mys i izie ungen ausgese z e Unmi elba kei de Ech zei ‑Pe ‑ o mance angewiesen, en s eh mi de En wicklung de Tonband echnik in den 1960e n zum e s en Mal übe haup ein schneidba es Speiche medium, das übe die Au zeichnung hinaus o allem neue Möglichkei de küns le ischen Pos p oduk ion des akus ischen Ma e ials e ö ne . T agba e Tonbände , Schneide ische und Klebe‑ band we den dami gewisse maßen selbs zu ‚Sch eibge ä en‘. Ähnliches gil auch ü die noch im Zwei en Wel k ieg o allem mili ä isch eingese z e Technik de S e eo‑ phonie, die im Kon ex des expe imen ellen Hö spiels zu einem zen alen, nich nu die akus ische Realisie ung, sonde n, wie die mi gelie e en Sk ip e und Pa i u en zeigen, be ei s den Sch eibp ozess mi bes immenden und die Zweidimensionali ä des gesch iebenen Tex es in den akus ischen Raum ansponie enden Elemen wi d. Es is eine de g öß en S ä ken on No o nýs Buch, dass es diese These wei e denk und ausgehend om gemeinsamen schechisch ‑wes deu schen Kon ex die Limi a‑ ionen he ausa bei e , die sich insbesonde e in au o i ä en Gesellscha en aus eine de a s a ken medialen Be eiligung e geben. Bohumil Vykypěl: Wande ungen du ch die bohemis ische Ve gangenhei I. Bei äge deu sche Sla is en zu Bohemis ik. Hambu g: Ko ač, 2021, 147 Sei en. Klaas ‑Hin ich Ehle s– F eie Uni e si ä Be lin Bohumil Vykypěl is in de Ve gangenhei imme wiede mi Ve ö en lichungen zu Geschich e de Sp achwissenscha und de Philologien he o ge e en und ha e dabei einen deu lichen Schwe punk au die En wicklung und die in e na io‑ nalen Kon ex e des schecho slowakischen S uk u alismus geleg (Zum Beispiel in: Empi ical Func ionalism and he P ague School, B no 2009; Skizzen zu linguis ischen His o iog aphie. B no 2013). In de o lie gen den Ve ö en lichung geh es nun um die „Bei äge deu sche Sla is en zu Bohemis ik“. Bei de Wahl des deu schen Haup i els ü sein Buch– Wande ungen du ch die bohemis ische Ve gangenhei – ha e de Au o höchs wah scheinlich eine im Tschechischen belieb e Ti el o lage ü his o ische Publika ionen im Kop , wie sie zum Bespiel die inzwischen siebzehn bändigen Reihe de Toulky českou minulos í e wende (P aha 1985 .). Das schechische oulky schein 215REZENSIONEN jeden alls die Vo lage ü das nich ganz passende Wande ungen in seinem eigenen Ti el zu sein. Schon das schmale Fo ma des Büchleins (147 S.) deu e da au hin, dass es hie nich um lange his o iog aphische Gewal mä sche mi schwe em Gepäck geh . Vielmeh nimm de schmale Band seine Lese innen und Lese mi au ku ze und auch s ilis isch leich üßige S ei züge du ch die Geschich e de deu schen Bohemis ik, man könn e auch sagen, au lanie ende his o iog aphische Spazie gänge, die abe on ausgezeichne e O skenn nis gelei e we den. Zue s mach de Au o bei seinen S ei zügen beim e gleichenden Sp achwis‑ senscha le Paul Diels (1882–1963) hal . Bohemis ische F ages ellungen wa en ü Diels insgesam nu ein deu lich un e geo dne es P oblem eld inne halb eine o ‑ angig gesam sla is ischen Fo schungs pe spek i e. De Ve asse geh ku z au „die schechischen Kapi el in seinen zwei syn he isie enden Büche n übe die Sla en– Die Slawen on 1920 und Die slawischen Völke on 1963“ (S. 9) ein. Beleuch e wi d de en nu spä liche Rezep ion in de schechischen Sla is ik, und es we den seh kla die Schlagscha en de „g undsä zlich deu schna ionalen Op ik des Au o s“ (S. 11) in die‑ sen beiden Ve ö en lichungen he ausgea bei e . Besonde s in dem gleich nach dem E s en Wel k ieg publizie en Buch sei diese na ionale Sich weise on Diels mani es , nach dem Zwei en Wel k ieg mäßig e sie sich dann ehe im Ton als in de Sache. Diels is mi diese deu schna ionalen Aus ich ung seine wissenscha lichen A bei eilich nu ein Teil eine b ei en „kul u kundlichen“ ode „wesenskundlichen“ S ömung in den deu schsp achigen Philologien, die im und nach dem E s en Wel k ieg au kam und die eigene wissenscha liche A bei seman isch zu ‚Feind o schung‘ umbau e und dami ü ein auße achliches Publikum ele an zu machen such e. Ohne die Bedeu ung de A bei en on Diels ü die Sla is ik insgesam zu schmä‑ le n, a es ie Vykypěl speziell seinen bekann e en Tex en zu Bohemis ik, sie seien zwa im Allgemeinen „ e lässlich, abe kaum o iginell“ (S. 11). Mi eine Ausnahme: Diese sieh de Au o in den Un e suchungen und Übe legungen on Diels zu al ‑ schechischen O hog aphie. Hie sei Diels du chaus als „ak uelle Bohemis “ (S. 14) zu we en und es habe die bohemis ische O ho g aphie o schung bedaue lich gehemm , dass seine e was e s eck publizie en Bei äge zu diese Thema ik bishe so gu wie ga nich ezipie wo den seien. Diels‘ Analysen zum his o ischen Übe gang on de Dig apheno hog aphie zu Diak i ika ‑Sch eibung, seine Un e suchung zu den al schechischen Abb e ia u en und zu Sch eibung de silbischen Liquide seien im Un e schied zu den bishe dominan desk ip i en Bea bei ungen de Sch i ‑Thema ik „imme explika i und e gleichend“ (S. 15) angeleg . Die ausbleibenden Reak ionen au Diels‘ o hog aphiegeschich lichen A bei en e klä Vykypěl auch du ch „‘ideo‑ logische‘ Bewegg ünde“ (S. 16). Zum einen wu de ein „Ein luss de deu schen G aphik kaum e wogen“, weil de a ige A gumen a ionen im Kon ex des auch wissenscha li‑ chen Na ionali ä enkon lik s au de Sei e de schechischen Bohemis ik ausgeblende wu den. Zum ande en habe sich die schechische Bohemis ik in de Fach adi ion eines „ alsch e s andenen S uk u alismus“ ganz au immanen e Sp achen wick ‑ lungen okussie und ih sei so de Blick au „äuße e Fak o en“ (S. 16) sp achhis o‑ ische P ozesse e s ell gewesen. De e s e S ei zug des Bandes emp iehl also de heu igen bohemis ischen Sch i linguis ik, die e gessenen A bei en on Diels zu al schechischen O hog aphie wiede zu Hand zu nehmen und in de zukün igen Fo schung an sie anzuknüp en. Spä es ens hie wi d dann auch deu lich, was de 216 BRÜCKEN 29/1 Au o mi de e was k yp ischen Aussage in seinem Vo wo mein e, e wolle sich bei seinen Wande ungen du ch die Ve gangenhei „an die Zukun e inne n“ (S. 5). Bei seinem S ei zug zu Diels zweig Vykypěl dann bei de Da s ellung de bohe‑ mis ischen Disse a ionen, die Diels be eu ha , un e mu e zu einem langen Exku s ab, in dem das „Lei mo i des deu schen Ein lusses“ (S. 26) au die schechische Kul u und Wissenscha in Augenschein genommen wi d. Dieses Lei mo i , das ja schon bei Diels angeklungen wa , wi d hie in den A bei en e schiedene Bohemis en und His o ike au gespü und in de kon o e sen wechselsei igen Rezep ionsgeschich e au deu sche wie schechische Sei e e olg . Die These on de undamen alen Ab‑ hängigkei de schechischen Kul u on deu schen Ein lüssen dominie e nich nu den Disku s de deu schen Bohemis ik o 1945, sonde n sie wu de, und das is na ü ‑ lich de e s aunliche e Be und, in he o isch gezügel e Fo m noch on de deu schen Bohemis ik de Nachk iegsjah zehn e imme wiede bemüh , und zwa in de BRD wie in de DDR. De Au o s ell hie abe auch den Gegendisku s de schechischen Wissenscha da und a bei e do eben alls he aus, dass die En wicklungen de wissenscha ‑lichen Posi ionen sich „nich on dem eingenommenen wel anschau ‑ lichen S andpunk ennen lassen“ (S. 32). Diesem in e essan en und „ziemlich um‑ ang eichen ‚ein lusskundlichen‘ Abschni “ (S. 32), de als bloße „Nach ag“ (S. 21) de Da s ellung on Diels wie eine Abschwei ung angehäng wi d, hä e de Au o uhig ein eigenes Kapi el gönnen können. De nächs e his o iog aphische S ei zug üh zu Johann Sch öp e (1909–1995), umk eis abe le z lich wei e die F age de En wicklung de schechischen O ho‑ g aphie. Hie s eh nun Jan Hus als Re o ma o de al schechischen O hog aphie zu Diskussion, in die sich Sch öp e 1968 mi seine Habili a ionssch i eingeschal e ha . Die in e na ionale Rezep ion on Sch öp e s Edi ion und Kommen ie ung de O hog aphia Bohemica wi d on Vykypěl ech aus üh lich gesich e und anschlie‑ ßend au d ei kon o e s e ö e e P oblems ellungen zusammenge üh : die F age nach his o ischen Vo bilde n ü die O hog aphia, die F age nach de a sächlichen Au o scha des meis Hus zugesch iebenen T ak a s und le z lich die F age nach de „O iginali ä ode de Wü digung des We kes“ (S. 74). Welches de denkba en his o ischen Vo bilde ü den Übe gang on eine dig aphischen O hog aphie zu einen Sch i sys em eine Rolle gespiel haben mögen, das eine eineindeu ige G aphem‑ Phonem ‑Ko espondenz ans eb , läss Vykypěl le z lich unen schieden. (Wenn e auch Sch öp e s Ve weis au die i ische O hog aphie als „e was aben eue lich“ (S. 65) we e ). Uns i ig is ü ihn abe , dass die sp achgeschich lich bedeu ende O ho‑ g aphie e o m nich allein du ch unk ionell ‑s uk u elle Unausgewogenhei en des äl e en Sch i sys ems anges oßen wo den sein kann, sonde n diese „inne e Tendenz […] du ch ‚äuße en Ein luss‘ bek ä ig ode p äzisie wo den sein“ (S. 70) muss. Die e schiedenen Posi ionen um die F age on Hus’ Au o scha b ing Vykypěl seh e hellend mi de in ellek uellen Lage bildung im „S ei um den Sinn de sche‑ chischen Geschich e“ (S. 73) zusammen. Au o en, die mi Palacký „das Hussi en um als Achsenelemen de schechi schen Geschich e“ (S. 73) ansehen, gehen auch on Hus als Ve asse de O hog aphia aus. Fü die Anhänge eine Geschich skonzep ion, ü die mi Pekař „die schöp e ische Rezep ion de wes eu opäischen Kul u das Wesen de schechischen Geschich e“ ausmach , is die Au o scha on Hus ehe zwei elha . Wo insbesonde e schechische Fo sche mi un e übe schwäng ‑lich die „Wel bedeu‑ 217REZENSIONEN ung de Husschen Ta “ (S. 75) eie n, b ing Vykypěl seine g undsä zlich kompa a‑ i is ischen Pe spek i e zu eine angenehm nüch e nen Posi ion: De En wu eine sys ema isch au gebau en diak i ischen O hog aphie zeuge unbes i en on eine „hohen in ellek uellen Leis ung“ (S. 76), abe diese Leis ung sei im zei genössischen ode im mi elal e lichen Kon ex wede einziga ig noch einmalig“ (S. 75) gewesen. De d i e deu sche Sla is , den de Au o bei seinen S ei zügen au such , Ka l Hein ich Meye (1890–1945), ha achlich noch wenige zu Bohemis ik beige agen als Diels und Sch öp e . Vykypěl nu z hie einige seh ku ze Randbeme kungen in e s eu en Rezensionen Meye s gewisse maßen als s a egische Aussich spunk e, um in e schiedene Rich ungen Blicke in die his o ische Disku slandscha zu we en. Da geh es beispielsweise um die auch in e na ionale Diskussion übe das Ausmaß und die (schädlichen?) Folgen pu is ische Eing i e in den schechischen Wo scha z. Da diese Diskussion bis heu e ehe on S e eo ypen als on Kenn nissen gelei e sei, sieh Vykypěl hie die „No wendigkei eine kompa a i en Lexikolgie“ (S. 100), die abgesiche e Klä ung e scha en könn e. Besonde s de aillie zeichne de Au o den eben alls kon o e s disku ie en Geb auch de lexikalisch al e na i en Adjek i e „böhmisch“ und „čechisch“ nach. Das o läu ige Bild on Funk ion und Bedeu ung de Lexeme, das Vykypěl hie on Au o zu Au o und in e schiedenen Geb auchsdomänen nach zeichne , is e heblich „bun e “ (S. 101) und his o isch di e enzie e als gemein‑ hin angenom men und es bedü e, wie e schließlich esümie , „eine g ündlichen Monog aphie übe die sel same Geschich e on böhmisch und schechisch“ (S. 108). Eine wei e e on meh e en Randbeme kungen Meye s, on denen sich Vykypěl zu his o io‑ g aphischen Exku sen an egen bzw. p o ozie en läss , is auch dessen Quali ä su eil, die schechischen Dich ungen des 14. Jah hunde s seien „kümme liche S ümpe eien“ (S. 119) im Ve gleich mi de deu schsp achigen Li e a u . „De We de al schechi‑ schen Li e a u [sei] in de Ta eine gu e F age, die abe leide kaum e ns lich ges ell wi d“ (S. 117), mein Vykypěl. In de Folge skizzie e e s e „K i e ien“, wie die F age nach de „Bewe ung de al schechischen Li e a u “ (S. 119) jensei s de his o ischen Vo u eile in kompa a i e Pe spek i e uch ba disku ie we den könne. Fas die Häl e des ohnehin schmalen Bändchens bes eh aus Fußno en. Hie zeig sich nich nu , dass die o lakonischen Aus üh ungen im Haup ex au eine auße ‑ o den lich b ei en Basis de äl e en und neue n Fachli e a u uhen. Ge ade auch die länge en Fußno en bes ehen dabei keineswegs nu aus ex em dich en Li e a u anga‑ ben, sonde n sie e ie en in konzen ie e Fo m einzelne A gumen a ions s änge des Haup ex es ode zeichnen benachba e zei genössische Diskussionen ode ganze Rezep‑ ionsgeschich en nach. Man mag einige de poin ilis ischen Beobach ungen und behe z‑ en We ungen Vykypěls nich nach ollziehen können, das Büchlein sich e die mi un e ma ginalen bohemis ischen Bei äge äl e e deu sche Sla is en abe in e s e Linie, um einige in de Ve gangenhei o en gebliebene Fo schungs agen zu iden i izie en und de zukün igen Fo schung zu emp ehlen. Dass e dabei seine übe ‑na ional „kompa a i e Pe spek i e“ (S. 100) aus de Sp achgeschich e au die Sp achwissenscha s geschich e übe äg und imme auch den ideologischen Kon ex de wissenscha lichen A gumen‑ a ionen im Blick ha , mach seine S ei züge seh an egend. Sie weichen dami on den ausge e enen Haup wegen de üblichen Sp ach wissenscha s his o iog aphie, die sich meis ausschließlich au die achin e ne Fo schungslogik okussie ode ga au die ‚Vo gänge o schung‘ ixie , in e ischende und e hellende Weise ab.