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Der Ausflug ins Kabarett: Die Ästhetik von Jazz­‑Tänzen in der Prager Moderne

Jičínská, Veronika

Abstract

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Full text

De Aus lug ins Kaba e : Die Äs he ik on Jazz -Tänzen in de P age Mode ne Ve onika Jičínská– Jan ‑E angelis a ‑Pu kyně ‑Uni e si ä in Ús í nad Labem ABSTRACT De anskul u elle Cha ak e on de Jazzmusik mi ih em Ansp uch au mode ne, on gesellscha lichen Kon en ionen be ei e Lebensweise inde in den e s en Jah zehn en des 20. Jah hunde s in den eu opäischen S äd en eine besonde e Resonanz. Die eno - me Wi kung diese Musik und ih e Popula i ä in Eu opa bes and in einem güns igen kul u his o ischen Momen , in dem a oame ikanische und eu opäische musikalische T adi ionen und äs he ische P ak iken einhe gingen. Vo dem Hin e g und de P age Tanzszene we den eine sei s die Bezüge au den ühen Jazz im schechischen Poe ismus, ande e sei s in den ühen Tex en F anz Ka kas au gezeig und in zei genössischen äs- he ischen Disku sen kon ex ualisie . SCHLÜSSELWÖRTER Jazz; Tanz; schechische Poe ismus; F anz Ka ka ABSTRACT The excu sion in o he caba e : The aes he ics o jazz dances in P ague mode nism The anscul u al cha ac e o jazz music wi h i s claim o amode n way o li e libe a ed om social con en ions was pa icula ly well ecei ed in Eu opean ci ies in he i s decades o he 20 h cen u y. The special impac and popula i y o his music in Eu ope de i ed om a a o able cul u al -his o ical momen o mee ing bo h A ican Ame ican and Eu opean musical adi ions and aes he ic p ac ices. Agains he backd op o he P ague dance scene, e e ences o ea ly jazz a e con ex ualized in con empo a y aes he ic discou ses wi h ega d o he Czech poe ism on he one hand, and o F anz Ka ka’sea ly ex s on he o he . KEY WORDS Jazz; Dance; Czech Poe ism; F anz Ka ka Die Auseinande se zung mi dem Jazz als einem äs he ischen und kul u ellen Phäno- men e olg in diesem Au sa z o dem Hin e g und on dessen Rezep ion in de P a- ge Kul u szene um 1900 und o dem E s en Wel k ieg und wei e hin de Rezep ion im schechischen Poe ismus de 1920e Jah e. Au me ksamkei wi d dabei sowohl den ühen Jazz -Fo men und dem Tanz als eine wich igen äs he ischen P ak ik, als auch dem g enzübe sch ei enden, wah lich anskul u ellen Po enzial om Jazz gewidme . 78 BRÜCKEN 27/2 Im damals mul ikul u ellen wie -e hnischen und -lingualen P ag wu den die o als „exo isch“ ode „p imi i “1 einges u en ühen Fo men om Jazz on dem P age Publikum mi g öß e O enhei au genommen. Eine Ka ego isie ung de Rezep ion nach na ionalen ode sp achlichen K i e ien e gib hie wenig Sinn; das soziale Milieu dü e in den An ängen de Ve b ei ung on Jazz eine Rolle gespiel haben, auch die wa abe ehe ge ing. Übe Kaba e p og amme und Un e hal ungso e mi Jazz- musik be ich e en sowohl P age Tagbla als auch Zla á P aha [Goldenes P ag] ode Ná odní lis y [Na ionalblä e ]. Da bie ungen on dem ühen Jazz, ob in Va ie és ode in Tanzlokalen, wu den an angs on jungen Bohèmiens au gesuch , also on einem kosmopoli isch o ien ie en, au geschlossenen Publikum. Die Meh sp achigkei P ags ug zu diese Wel o enhei zwei ellos bei. Die damals imme noch ak uelle Sp achen age sieh Ha mu Binde als ausschlaggebend bei de Benennung de O e gesellscha lichen T e ens, wobei es bei de Benennung imme auch um die Signalisie ung eines mondänen Flai s ging: Um keine de mi einande konku ie enden Volksg uppen zu düpie en, p leg e man in de Regel Bezeichnungen zu wählen, die im Deu schen wie im Tschechischen gleich ode ähnlich lau e en und keine lei landsmannscha liche ode na ionale Akzen uie ungen au wiesen. Besonde s geeigne wa en in diese Beziehung auslän- dische Namen wie Edison, Lou e, T ocade o, Sa a in ode Vic o ia, geog aphische Beg i e wie A co, Ad ia, B is ol, Luxo , Nizza, Ri ie a und Pa is sowie F emdwö - e wie Con inen al, Cen al, Ci y, Co so, Eldo ado, Impe ial, Me ku , Me opol, Monopol, Na ional, Ope a, Rokoko und Union, die sich alle als Namen on P age Ka eehäuse n, Res au an s ode Ho els nachweisen lassen. (Binde 2000: 17 .)2 Auch wenn Binde hie die Namen P age Ka eehäuse , Res au an s und Ho els zi ie , also keine Tanzlokale und Ba s, wu den diese häu ig zu solchen um unk ionie , wie z. B. das Ca é Mon ma e, und in ku ze Zei populä : Ba s, Nach lokale und G oßca és, die das Tanzen […] ges a e en, e höh en diese Möglichkei en de Annähe ung, denn schon in den Jah en o dem E s en Wel - k ieg ha en sich die bishe igen Kon en ionen so wei gelocke , dass je z auch F auen, die au sich hiel en, insbesonde e Tschechinnen, dami begannen, allein au ö en liche Tanz e ans al ungen zu gehen. (Binde 2000: 28) Die P age Tanzszene is deshalb on In e esse, weil sie de eigen liche Schaupla z on den du ch und mi Jazz geb ach en kul u ellen Umwälzungen wa , in de en Kon ex de Tanz zu einem de ans o ma i en Momen e in de Mode ne we den konn e. Wie de ku ze Übe blick übe diese Szene zeigen wi d, wa sie zugleich ein O , an dem die in ande en Si ua ionen ele an en na ionalen, e hnischen ode kul u ellen 1 Rüdige Ri e (2018: 266) weis da au hin, dass „es sich bei de pos ulie en P imi i i ä des Jazz um ein Kons uk eu opäische Kuns musikin ellek uelle handel e. Bei Jazz handel es sich eben alls um höchs a i izielle Musik, die alle dings au ganz ande en äs he ischen G undlagen be uh e als die abendländische Musik.“ 2 In eine Diskussion zu diesem Thema wa Hans -Ge d Koch de Meinung, dass diese Namen ehe du ch ih en exo isie enden und Ve uch hei assoziie enden Cha ak e mo i ie wa en. 79VERONIKA JIČÍNSKÁ Zuo dnungen sowie Kon en ionen au gehoben we den du en und auch wu den. Binde s Aussage übe die mi einande konku ie enden Volksgemeinscha en dü e also leich ko igie we den: Beim Tanzen konku ie e man einande iel wenige . Ein nähe e Blick au die ühen Jazz -Fo men und Tänze in P ag soll diese En wick- lung e deu lichen. Die eupho isch bejahende Reak ion au Jazz sei ens de schechischen A an ga de bie e ein Beispiel eine Adap a ion neue küns le ische Impulse in Fo m und Inhal . Tschechische a an ga dis ische Gedich e in eg ie en Jazz in eine zei gemäße mediale Poesie, die einen „ ollkommen in e na ionalen Cha ak e “ (Teige 1928: 562) ha e. Im Kon as dazu und als E gänzung des Bildes de P age Li e a u landscha diese Epoche we den F anz Ka kas Re lexionen übe den Tanz besp ochen. Auch wenn Ka ka in seinen li e a ischen Tex en keine bes imm e Musik ich ung hema isie , kann man in seine Poe ologie „s uk u elle Pa allelen“ (Ri e 2018: 261) zu de A de äs he ischen Inno a ion inden, die de Jazz b ach e. DER FRÜHE JAZZ UND DIE ÄSTHETIK DES TSCHECHISCHEN POETISMUS In seinem Buch übe den be ühm en US -ame ikanischen Jazzmusike Fe dinand Joseph La Men he, bekann als Jelly Roll Mo on, cha ak e isie de Folklo e- und Musik o sche Alan Lomax Jazz olgende maßen: Jazz wu de iele Dinge– asend, des uk i , hys e isch, dekaden , käu lich, alko- holisch, zucke hal ig, lomba disch3, ade– e ha ge üll e Bäuche ange eiche ; e ha die Unschuldigen e do ben; e ha e a en und es ha e leumde ; abe übe all und in all seinen Fo men, e was, das de Jazz im Momen seine En s ehung e wo ben ha , be üh e alle seine Zuhö e zu ie s . Was wa das ü ein Ding, das Leu e on den Slums on New O leans zu allen Haup s äd en de E de zum Tanzen und Lächeln geb ach ha ? (Lomax 2001: 99 .)4 Lomax bezieh sich an diese S elle au die Dynamik de Ve b ei ung on Jazz wel - wei und such nach de Quelle de Popula i ä diese Musik. Die en deck e im Momen eine „kul u ellen Ex ase“ de allgemeinen Ve s ändigung; de Jazz sei ein übe g ei endes, einigendes Idiom: De Jazz wa die Mischung aus Mischungen und sp ach dahe eine Na ion einsame Einwande e an. […] E wu de zu einem kosmopoli ischen musikalischen Ja gon. Diese neue Musiksp ache e dank ih e emo ionale K a de menschlichen K a , 3 Gemein is de lomba dische Rhy hmus in de Musik. 4 „Jazz became many hings– ene ic, des uc i e, hys e ical, decaden , enal, alcoholic, saccha ine, Lomba dish, apid– i has en iched s u ed bellies; i has co up ed he innocen ; i has be ayed and i has aduced; bu e e ywhe e and in all i s o ms, some hing jazz acqui ed a he momen o i s o igin has p o oundly ouched all i s hea e s. Wha was his hing ha se olks dancing and smiling om he slums o New O leans o all he capi als o he ea h?“ Falls nich ande s angegeben, s ammen alle Übe se zungen in diesem Au sa z on de Ve asse in (VJ). 80 BRÜCKEN 27/2 die im Momen ih e En s ehung in New O leans– dem Momen de kul u ellen Eks ase– ih en Ausd uck ge unden ha . (Lomax 2001: 100)5 Diese kosmopoli ische Musik sei ims ande, nich nu Na ionen, sonde n auch Klas- sen und o allem Rassen zu e binden: „In diesem Momen de Eks ase wu de eine gemisch e Ehe ollzogen und das Kind diese Ve einigung sp ing imme noch o F eude, wo imme de Jazz ho is .“ (Lomax 2001: 100)6 Lomax e s eh den Jazz als eine kul u elle Bewegung, als einen „wi klich ischen S om de Kul u “, de unheimlich asch „alle Haup s äd e de E de“ e eich e und „in d eißig Jah en nach seine Genese in New Yo k, Pa is, P ag und Shanghai genauso populä und e s ändlich wa wie in seine Heima s ad .“ (Lomax 2001: 99)7 Lomax’ Besch eibung on Jazz als einem ein- ziga igen Kul u phänomen mi de Me apho ik de F eude, E o ik und Sex8, Spon a- nei ä und Mode ni ä en sp ich de begeis e en Rezep ion in Eu opa ollkommen. In P ag, eine on Lomax explizi e wähn en S ad , sch ieb de schechische Küns le , Kul u k i ike und Wo üh e de A an ga de Ka el Teige eupho isch: Wäh end sie in den Konze sälen s a b, leb die Musik in de Wel . Die leidenscha - liche Liebe zu lebendigen Wi klichkei , die in de A chi ek u die mechanische P oduk ion de lee en, e logenen deko a i en Kuns be o zug , das Kino de g iechischen T agödie, Hobbyo ches e und Ca émusik, Musik im Res au an und au dem S ad pla z de Konze musik, wi d auch da o nich zu ücksch ecken, Ins umen e und In e p e en zu spielen, die bis je z Tabu gewesen sind. Jazz! Ha monika! Flexa on! Klaxon! Ein ba ba isches Spinn ad! Die Kapelle de „Heils- a mee“, mi de T ommel beglei e e Gesang e a en die gesunden exo ischen K ä e! Rag ime! (Teige 1927: 13 .)9 Diese Aspek on Jazz wu de on An ang an zum Bes and eil de Äs he ik des Poe is- mus, eine Kuns ich ung de schechischen A an ga de in den 1920e Jah en, wobei e mi neuen, kul u ellen P ak iken zusammenge üh wu de: Es we den neue Ins - 5 „Jazz was he hyb id o hyb ids and so i appealed o ana ion o lonely immig an s. […] I became acosmopoli an musical a go . This new musical language owes i s emo ional powe o he human powe accomplished a he momen o i s o igin in New O leans – he momen o cul u al ecs asy.“ (He o gehoben i. O.) 6 „In his momen o ecs asy an in e acial ma iage was consumma ed and he child o his union s ill jumps o joy whe e e jazz is ho .“ 7 „Thi y yea s a e i s genesis i was as popula and unde s andable in New Yo k, Pa is, P ague, and Shanghai as in i s own home own.“ 8 Ein wich iges Me kmal on de neuen Musik. Vgl. die De ini ion in The Camb idge companion o jazz: „The exac e ymology o he wo d ‘jazz’ (which i s appea ed in p in in aSan F ancisco newspape in 1913) is impossible o es ablish, bu i s ea ly conno a ions we e undoub edly sexual. The mos likely de i a ion is om ‘o gasm’, which in slang usage was sho ened o ‘jasm’ o ‘jism’. The wo d ‘jass’ had become synonymous wi h o nica ion, and i s o iginal applica ion o he new musical gen e was de- cidedly uncomplimen a y (e. g. ‘ ha godaw ul jass music’).“ (Ho n 2013: 38). 9 „Za ím co zemřela konce ech, žije hudba e s ě ě. Vášni á láska kži é sku ečnos i, k e á dá a chi ek uře přednos mechanické p odukci před planým deko a i ním lžiuměním, kinu před an- ickou agedií, ku álce ahudbě ka á ně,  es au an u, kapele na náměs í přednos před konce ní hudbou, nebude se bá i ani za hnou i nás oje ain e p e y, k e é hudbě dosud pla í za abu. Jazz! Ha monika! Flexa on! Klaxon! Ba ba ský kolo á ek! Kapela ‚A mády Spásy‘, zpě , dop o ázený bub- nem, p oz azující zd a é li y exo ické! Rag - ime!“ 81VERONIKA JIČÍNSKÁ umen e gespiel , neue Tänze ge anz und neu (mode n) geleb . Tschechische K i ike wie Emil F an išek Bu ian– u.a. Thea e mache , Schauspiele , Sänge , D ama ike , Musike , Musikologe und eine de e s en eu opäischen Jazz -Theo e ike – ode A uš Če ník e s anden Jazz jensei s des musikalischen Phänomens als Ausd uck mode - nen Lebens bzw. als das mode ne Leben selbs . Bu ian se z e Jazz dem Tanzen und Leben in de Gegenwa , de pu en Lebenslus gleich (Bu ian 1981: 161–163). Če ník e glich die Jazz -Töne mi Au ohupen, elek ischen Glocken und Si enen, die „allzu e eine e Oh en“ (Če ník 1922: 141) mi Rech beleidigen. Wie bei Teige, soll auch bei ande en K i ike n und Küns le n die mode ne Poesie ü alle Sinne, eine Poesie des Wunde s und de Sinnlichkei , eine absolu e Poesie sein. Die in de (alle dings scheinba en) Pa adoxie de Beg i e ‚absolu e Poesie‘ und ‚Sinnlichkei ‘ ausged ück e Wesensa om Poe ismus is es, die es mi dem Kul u - phänomen Jazz e binde . Nich nu b ing de Poe ismus wich ige anskul u elle Elemen e zu Tage, indem das Exo ische in Mo i ik und Fo m he o gehoben wi d und die ‚ba ba ischen‘ Ins umen e wie Spinn ad (!) ode T ommel die e eh e Lebens eude e künden. Die ‚exo ischen K ä e‘ hä en o allem die Musik aus den Konze sälen in die ‚Wel ‘, also in die Ba s, Ca és und Music -Halls geb ach und solche Un e nehmen zu Schauplä zen de absolu en Poesie gemach .10 Dami and ein Ele- men de Pe o manz zue s in Fo m on modischen „ame ikanischen“ (sp ich: a o- ame ikanischen) Tänzen in diese neue Poe ik, eigen lich abe in das mode ne Leben Eingang. Dies s ell e ü die eu opäische Kul u eli e die g öß e He aus o de ung des he kömmlichen Musik e s ändnisses da , das au dem Konzep de „ e geis ig en, en kö pe lich en Kuns “ (Ri e 2018: 266) basie e, das wiede um abe auch ein den Kul u o s ellungen im bü ge lichen 19. Jah hunde kon enie endes Kons uk wa (Ri e 2018: 262–266). Die wi kliche ‚P o oka ion‘ wü de ü die konse a i e Kul u - eli e in de Wiede ein üh ung des Kö pe s als ak i es Elemen in neuem äs he ischen E lebnis bes ehen, was „wei wich ige wa als die musikäs he ischen Feinhei en wie Tonali ä und Rhy hmik“ (Ri e 2018: 266, mi Hinweis au Rasula 2004). Tanz bekam dadu ch einen ganz neuen S ellenwe . Zusammen mi de Ve o ung on Kul u p oduk ion und Un e hal ung in populä e Szenen wie Va ie és, Chan an s, Tingel angel, Tanzlokale und Kleinkuns -Da bie ungen wu de– neben echnischen E ungenscha en wie Schallpla enau nahmen– de T ans e on Jazz und Jazz- Tänzen nach Eu opa möglich. 10 Vgl. Ka el Teige (2004: 66): „Supe e ue ěch o podniků, p og amy Va ié é aMusic -hallů ealizují mode ní poezii, k e á je p os a li e á nos i, poezii p o šecky smysly, absolu ní poezii, píseň ados i ze s ě la, pohybu, z uku, ba e , básnické a ělesné k ásy, poezii záz ačnos i asmyslnos i, zk á ka jedním slo em poezii,– a še os a ní je li e a u a, ideologie, mo álka adidak ika. Umění music -hallu je blízké in eg ální básni poe ismu.“ [Supe e ues diese Un e nehmen, die P og amme on Va ié és und Music -Halls e wi klichen mode ne Poesie, die ei on Li e a isie ung is , Poesie ü alle Sinne, absolu e Poesie, ein Lied de F eude an Lich , Bewegung, Klang, Fa ben, poe ische und kö pe liche Schönhei , Poesie des Wunde s und de Sinnlichkei , mi einem Wo Poesie,– und alles ande e is Li e a u , Ideologie, Mo al und Didak ik. Die Kuns des Music -Halls s eh dem in eg alen Gedich des Poe ismus nahe.] 82 BRÜCKEN 27/2 FRÜHE JAZZ ‑TÄNZE IN PRAG Die e s e E wähnung on einem „ame ikanischen Tanz“ ü das P age Publikum e - schien schon 1903 in de schechischen li e a ischen Wochenzei sch i Zla á P aha. In einem Be ich übe die „Nege änze“ in Pa is sch ieb de Dich e und Übe se ze O aka Thee : Cakewalk! Es anz en ihn geschmeidige Beine p o essionelle Tänze innen, e be- ö e die Damen de g oßen Wel , die Damen de Demimonde haben diese Vo liebe wei e übe nommen und endlich haben auch die G ise en Lus bekommen, dami den Kankan zu e se zen. Und e wu de geleh in Tanzsälen, iumphie e in Salons, im Olympia zeig e e Spi zendessous, e ob e beim Bullie . Ganz Pa is eich e sich die Hände, um sich o dem Kinde de nege schen Te psicho a zu e beugen, das übe den A lan ik he geb ach wu de. (zi . nach Ko ek 1975: 19)11 In seinem Be ich läss Thee un e schiedliche soziale Milieus und Ve sammlungso e– on mondänen Salons Pa is’ bis zum Tanzpalas Bal Bullie im Qua ie La in– Re ue passie en, um die allgemeine Begeis e ung ü neue Tanz o men da zus ellen und Vo behal e gegen „Schimpansen anz“ ode „Eisbä innenwalze “ (Ko ek 1975: 20) im Vo aus abzuschwächen. Als das alle e s e mi a oame ikanischen Elemen en wie Rag ime und Synkopie ung be eiche e schechische S ück gil Rudol F imls Indian Song. F iml, Musike böhmisch -jüdische He kun , de am P age Konse a o ium un e An onín D ořák s udie e, wu de ein e olg eiche US -ame ikanische Pianis und Komponis . Zu de ins umen alisie en Komposi ion im Indian Song ließ e sich au seine Tou nee du ch die USA inspi ie en; de Song wu de 1905 on de sche- chischen Philha monie im Saal de damaligen F üch ebö se/Plodino á bu za mi s ü mischen E olg du chge üh (Ko ek 1975: 19). „Ame ické ance“ inde man auch au dem P og amm des P age Kaba e s Če ená sedma [Ro e Siebene ] aus dem Jah 1912 (Ko ek 1975: 22). Im Ca é Mon ma e wu - den sei 1911 jeden F ei ag Tanzabende e ans al e , 1913, wäh end das „Tango iebe […] übe die S ad he einb ach“ (Binde 2000: 28), anz e man schon äglich. Diese „als e uch gel enden Tanz o men“ (Binde 2000: 28) wu den bli zschnell populä und Lokale, die solche Ve gnügungen da bo en, e leb en Zulau ohnegleichen. Im Mon ma e wu den un e schiedliche S ile ausp obie , die den Cha ak e on Va- ia ionen und k ea i en Nachahmungen on ame ikanischen Tänzen und Melodien ha en. In dem om P age Schauspiele , Sänge , Tänze , Caba e ie und Ca e ie Jose Wal ne 12 he ausgegebenen Buch Ka á na Mon ma e (1913) wi d die olgende Szene besch ieben: 11 „Cakewalk! Tančily ho p užné nožky odbo nic ance zpo olání, dámy z elkého s ě a se jím pobláznily, demimondainky přijaly u o zálibu od nich, akonečně ig ise kám se zach ělo yměni ho za kankán. Aučilo se mu  anečních síních, sla il ium y salónech, odhalo al k ajko é dessous Olympii, zuřil uBullie a. Celá Paříž podala si uce, aby se poklonila před ím o dí kem nege ské Te psicho y, při ezeným sem přes A lan ický oceán.“. 12 Jose Wal ne (1883–1961) wa de Besi ze om Mon ma e. Das un e de P age Bohème populä e billige Tanzlokal Olympia in de Ře ězo á -S aße 7 benann e e in Ca é Mon ma e um und sei 1913 be ieb e do ein li e a isches Kaba e Mon -Wal ne . Im Kaba e wu de au Deu sch, Tschechisch und gelegen lich auch Jiddisch gespiel . Mon ma e wa in den 1910e Jah en das Zen um de ühen 83VERONIKA JIČÍNSKÁ […] de dicke Kapellmeis e T um schlug ge ade in ensi ins Pianino, um ihm die unnachgiebige Melodie des Alexande -Two -s eep13 [sic] zu en locken, de hie ge ade ganz hoch im Ku s s and. Ema Re oluce und Jind a Venoušek bemüh en ih e biegsamen Gliede in diesem neuen Tanz, mi dem wie auch mi ande en An- nehmlichkei en uns Ame ika diese Tage bedach e. (Wal ne 1913: 5)14 Das Publikum im Mon ma e bes and aus Küns le n, abe auch Snobs aus de mi le- en und hohen bü ge lichen Gesellscha , die du ch eine gewisse Pikan e ie de Au - üh ungen on Wal ne angezogen wa en. Die in de zi ie en E inne ung e wähn e Ema, häu ige als Emča Re oluce genann , ode sche zha als eine „P eziöse aus W schowi z“15, also aus einem P age A bei e ie el, mag un e dem Publikum im Mon ma e sozial depla zie sein. Nich sdes o o z wu de sie du ch ih e K ea ionen un e de P age Bohème legendä . De Kaba e is Jiří Če ený huldig e ih als de g öß en „Apachen änze in“– sie habe ih Image „eines ba ba ischen Weibes“ gep leg und P ag zu Rech aszinie (zi . nach Ko ek 1975: 27).16 Alexande ’sRag ime Band wa ein ame ikanische Rag ime -Hi on 1911, zu dem die ame ikanischen Tanzwahn -S a s I ene und Ve non Cas le wäh end ih e Eu opa eise ih e eigenen Rag ime -Tänze „The G izzly Bea “ und „The Texas Tommy“ e anden. De „Bä en anz“, eine Übe nahme on „The G izzly Bea “, wu de im Mon ma e zum Glanzs ück; Emča Re oluce anz e ihn mi g oßem E olg mi Egon E win Kisch (Ko ek 1975: 27). Če ený e inne sich, dass Wal ne eine ganze Se ie on Bä en anz -Ka ika u en on Hugo V a isla B unne besaß, einem Male und G a ike , de in diese Gesellscha auch e keh e (Ko ek 1975: 27). Flüch ig wi d de Bä en anz soga in Ja osla Hašeks Roman Die Aben eue des gu en Solda en Š ejk im Wel k ieg e wähn : Au dem Nachhauseweg ag de be- unkene Feldku a Ka z Š ejk, ob e (also Š ejk) Csá dás anze und üg dann hinzu: „können Sie den Bä en anz? So geh de …“ (Hašek 2014: 138) De Apachen anz e eich e in den An ängen de Jazz -Ä a eine eno me Belieb hei und gil als Vo s u e de spä e en Tänze wie Fox o , Shimmy ode Cha les on. Die Bezeichnung „Apache“ 17 (mi anzösische Aussp ache) bezieh sich au ein Mi glied de Pa ise S aßengangs um 1900 und konno ie einen agg essi en Randalie e und Rau bold, wobei auch zei genössische Exo ismus -Disku se mi schwingen. Die ühe e Ve sion soll „Cake Walk Pa isien“ gewesen sein, au ge üh on de anzösischen Jazz- und ande en modischen Fo men. Spä e schwapp e das In e esse in ande e Ve gnügungso e wie Kinos und Re ues übe . Mon ma e un e Lei ung on Wal ne ging 1922 un e . Dazu siehe Česká di- adelní encyklopedie [online], URL: <h p://encyklopedie.idu.cz/index.php/Mon ma e> [30.6.2020]. 13 Nach Jose Ko ek (1994: 67) wa dami wah scheinlich „Alexande ’sRag ime Band“ on I ing Be lin on 1911 gemein . 14 „[…] lus ý kapelník T um mlá il úsilo ně do pianina, aby zněho yloudil nepodajnou [sic] melodii Alexande -Two -s eepu [sic], k e ý ady p á ě byl nej yšším ku su. Ema Re oluce aJind a Venoušek zkoušeli s é ohebné údy  om o no ém anci, jímž jako jinými příjemnos mi obmyslila nás poslední době Ame ika.“ 15 „p ecieuska zV šo ic“ (Ko ek 1975: 27). 16 „ba ba ské samice“ 17 Diese Bedeu ung and asch auch in die schechische Sp ache Eingang: 1911 e schien in de Zei sch i S opa [Die Spu ] (Jg. 2: 25) eine Rezension de Schlesischen Liede Pe Bez učs, de zu olge Bez uč „přejímá už způsoby dokonalých boule a dních apačů, k eří hají se na bezb anného člo ěka“ [be ei s die Manie en pe ek e Boule a d -Apachen übe nimm , die sich au einen weh losen Menschen s ü zen]. 84 BRÜCKEN 27/2 Schauspiele in und Va ie é -Sänge in Mis ingue . Mis ingue wa es auch, die den Apachen anz– Da s ellung eines häuslichen Kamp es zwischen zwei Liebenden, bei dem die F au schwe misshandel wi d– mi ih em Tanzpa ne , dem ame ikanischen En e aine Max Dea ly, in de Show La Re ue du Moulin 1908 du ch üh e. F anz Ka ka, de besonde s in den Jah en 1911 und 1912 in Va ie és o zu Gas wa und diese Besuche in seinem Tagebuch kommen ie e, no ie e am 21. Feb ua 1911: „Bei dem Lied ‚aBa ignolles‘ spü e ich Pa is im Hals. Ba ignolles soll en ne ha sein, auch seine Apachen. B uan ha jedem Qua ie sein Lied gemach .“ Es handel sich um einen am 14. und 15. Feb ua im Kaba e Luce na au ge üh en Vo agsabend, an dem de Dich e , Sänge und Con e encie Ma c Hen y im Kos üm eines Apachen ein im Pa ise S ad eil Les Ba ignolles spielendes Chanson on A is ide B uan sang. Wie Ka ka beme k , 1911 wa en diese Liede schon passé. Diese wenigen Beispiele belegen die as zei gleiche Rezep ion on populä en Un e hal ungs o men in Eu opa und eine besonde e Au nahme ähigkei des eu o- päischen Publikums. F ank Ti o a gumen ie , dass Eu opa ü die Ein üh ung on Jazz du ch die schon exis ie enden Tanzlokale und Kaba e s und du ch die au dem al en Kon inen auße gewöhnlich e olg eichen Tou neen on Mins el Shows und Tanzau üh ungen wie on dem schon e wähn en Tanzpaa Cas le „du chaus gu o be ei e “ wa (Ti o 2002: 70). Zugleich mach e au den Ums and au me ksam, dass o allem deu sche Musike de 1910e und 1920e Jah e un e de Rub ik Jazz iel Musik akzep ie en, die den S anda ds nich en sp ach. Diese Zei spanne gil in de Jazz o schung als eine Übe gangsphase, was besonde s ü Eu opa zu i . Eu opäische Ensembles spiel en eils Jazz, eils Rag ime, eils Tanz- und Populä musik ande e Gen es. Die synkopie e soziale Tanzmusik wie Rag ime wa abe noch kein Jazz. In Ame ika gab es, o ensich lich au g und de jah zehn elangen T adi ion on p e -jazz in de a oame ikanischen Musik, ih e Kenn nis und Rezep ion, ein di e- enzie e es Ve s ändnis on un e schiedlichen Rich ungen in diesem Gen e (Ti o 2002: 63; Cugny 2012). Ti o se z sich wei e mi E ns Laa s Fes s ellung auseinande , Jazz wä e in Deu schland zunächs nu am Rande als „ emdes U elemen “ au ge e en, das die Musik on Komponis en wie Ca l O beein luss e, ode als „populä e und exo ische Musik“, die Komponis en wie Ku Weill und E ns K enek k ea i au gewe e hä en, wäh end Ba ók, S a insky und Schönbe g die maßgebenden G ößen geblieben wä- en.18 Diese Ansich Laa s gil aus heu ige Sich als übe hol und ak isch inko ek . Insbesonde e die Ve o ung on A nold Schönbe g in de Musikgeschich e zeig die B uchlinien zwischen p imi i /exo isch und eu opäisch als unhal ba . Rüdige Ri e leg da , dass de Wandel zu A onali ä eine Reak ion wa au den jah hun- de elangen Rückgang des Reich ums de hy hmischen Mus e in de eu opäischen Musik, de sich schon im 19. Jah hunde deu lich beme kba mach e (Ri e 2018: 265). A onali ä ziel e also genauso wie Jazz au neue Beziehungen zwischen Rhy h- mus und Ha monie. Auch ande e Musik o sche wie Luca Ce chia i e wähnen wich ige Pa allelen zwischen Jazz und mode ne eu opäische Musik, ode dem eu opäischen Bei ag zu Jazzgeschich e, seien es bes imm e ü Jazz ypische Melodien, Ha monie, Skalen und 18 Dazu Laa s Ein ag in Blume (1954: 344–358) und Ti o (2002: 68 .). 85VERONIKA JIČÍNSKÁ No a ion ode Rhy hmus, seien es ypische Ins umen e wie das Saxo on und Piano, ode das ins umen ale A angemen de mode nen Jazz Big Bands. Soga Imp o isa- ion, das Ma kenzeichen om ame ikanischen Jazz, ha in Eu opa lau Ce chia i eine beach liche T adi ion, die om mi elal e lichen discan o übe Belcan o -Ope n bis zu Alea o ik im 20. Jah hunde eich (Ce chia i/Cugny/Ke schbaume 2012: 7–9). Ob- wohl de Jazz also on außen kam, mi ih em E neue ungsimpuls en sp angen die in Eu opa p oduzie en Jazz -Fo men nich nu de ame ikanischen T adi ion, sonde n s ell en eine Mischung ame ikanische und eu opäische Musik adi ionen– ein- schließlich de T adi ionen de lokalen Volksmusik– und Musikinno a ionen da . Diese Fo schungse gebnisse inden auch in de Habsbu ge mona chie Gel ung: Schon ku z nach 1900 spiel e man in de Budapes e Ope e e ame ikanische Tanz- musik, wobei „Jimmy, Cha les on, Walze und Csá dás nich nu abwechselnd ge- spiel we den, sonde n zuweilen ineinande übe gehen und sich zu eine neuen musikalischen Einhei e sch änken.“ (Csáky 2018: 41) Ce chia is These, eu opäische Jazz -P oduk ion sei enge als in Ame ika mi de klassischen Musik e bunden (Ce - chia i/Cugny/Ke schbaume 2012: 7),19 inde ih e En sp echung im Ansa z on Emil F an išek Bu ian. Die ielsei ige Pe sönlichkei Bu ians wa ü die schechische A an ga de zen al: Sein zwischen den Jah en 1925–1927 e ass es Buch Jazz zeig e s aunliche Kenn nisse on Musik und Musike n des noch seh jungen S uden en am P age Konse a o ium (Cugny 2012: 315 .). Bu ians S udien e a bei en die ganz ak uellen Impulse, um die „neue Musik“ als eine e olu ionä e Phase da zus ellen, die das Po en ial ha , al e nde abendländische Musik zu neuem Leben zu b ingen (Cugny 2012: 316). „Sind wi so neoklassisch“, ag e , „dass wi Jazz als Ausd uck de Neugebu willkommen heißen, ode wa Jazz de e s e Ausd uck eine neuen musikalischen Fo m, de unse em Geschich sidealismus absolu emd is , da e nich de sog. küns le ischen T adi ion en sp ing , sonde n dem wilden Na u ell?“ (Bu ian 1981b: 31) Im Vo de g und on Bu ians Aus üh ungen s eh die Un e suchung des „wilden Na u ells“, de im Tanz Ausd uck inde . In seinem Au sa z Tanec no ém s ě le [Tanz im neuen Lich ] (1928) aus dem Band Jazz e he lich e Tanz als e was Au hen i- sches: Wah e Tanz sei die uni e selle, e s ändlichs e Sp ache de menschlichen Seele, des menschlichen He zens (Bu ian 1928) In Tančí s ě a ančí cha les on [Es anz die Wel und sie anz Cha les on] we den Tanz und Jazz als eine Einhei p ä- sen ie : „Tanz wu de on Jazz e unden und uns on Jazz geb ach .“ (Bu ian 1981a: 169)20 Indem wi uns Jazz, also dem Tanz ö nen, e inden wi lau Bu ian kollek i e Kuns , die dem „wilden Na u ell“ eine Fo m zu e leihen e mag. Tanz habe seinen kollek i en Cha ak e bewiesen: „Wi anzen a onale Tänze om adikals en Cha ak e . Vom ein achen Baue n bis zum ame ikanischen Bankie om B oadway [sic!] wi d jede nach Schönbe g anzen.“ (Bu ian 1981a: 170)21 Dami weis e zugleich au die Adap a ion diese Ein lüsse im P og amm des schechischen Poe ismus hin, abe mi besonde e Be onung des Tanzes als des wah en T anspo mediums de Mode ne. 19 Bei de e s en Au nahme mi Jazz -Elemen en handel es sich um eine In e p e a ion on Lisz s Zwei e Unga ische Rhapsodie on de Wiene Salonkapelle Hladisch aus dem Jah 1913 (Ma zne 1980: 185). 20 „[T]anec je ynalezen jazzem apřinesl nám jazz.“ 21 „Tančíme při a onálních ancích nej adikálnější áže. Od enko ského sedláka až po ame ického bankéře zB oadwaye [sic!] budou šichni anco a i podle Schönbe ga.“