Kapitalistischer Realismus: T. Svatopluks Botostroj als Schlüsselroman des modernen Zlín
Abstract
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Full text
Kapi alis ische Realismus: T. S a opluks Bo os oj
als Schlüssel oman des mode nen Zlín
Pe e Deu schmann– Pa is Lod on Uni e si ä , Salzbu g
ABSTRACT
Capi alis Realism: T. S a opluk’sBo os oj as aKey No el o Mode n Zlín
The ci y o Zlín, shaped by he Baťa company, can be conside ed one o he mos s iking
phenomena o mode ni y in 20 h cen u y Czechoslo akia: Away om he adi ional
his o ical cen es, an indus ial ision was ealised ha comp ehensi ely edesigned no
only wo k p ocesses bu also in e ened in he li es o he wo k o ce. This a icle ocuses
on a ic ion accoun o he li ing and wo king condi ions in Zlín ha was e y well -known
a he ime bu has since allen in o obli ion. While he dis ibu ion o i s i s edi ion in
1933 was p e en ed by he Baťa company h ough legal means, he pos -wa edi ions we e
be e sui ed o he new poli ical ci cums ances in Czechoslo akia. The p oduc ion as
well as he ecep ion o he no el e eal he majo ideological con on a ions and shi ing
ela ionships o he 20 h cen u y.
KEYWORDS
Mode ni y, Taylo ism, disciplina y powe , Socialis Realism, Baťa company
Die S ad Zlín appie e die Zei genossen in de e s en schechoslowakischen Repu-
blik mi de Dynamik ih e A bei so ganisa ion und de om Baťa -Konze n ausgehen-
den adikalen Mode nisie ung eine ländlichen Region am ös lichen Rande Mäh ens.
Auch heu ige Besuche innen und Besuche sind meis on de unk ionalis ischen
A chi ek u und de S ad planung aszinie , gib es doch kaum e gleichba e S äd e
in Eu opa, in denen wäh end de Hochmode ne zwischen 1890 und dem Ausb uch
des Zwei en Wel k iegs ein so g oßes und wei gehend einhei liches u banes Ensem-
ble gescha en wu de. „Wah scheinlich wa Zlín einmal die mode ns e S ad de
Wel – mode n im Sinne on a ional, unk ional und e izien .“ (Be g 2009: 15) Die
a chi ek onischen und u banis ischen Aspek e de S ad Zlín e lei en den deu schen
Essayis en S ephan Wackwi z soga zu P ophezeiung, dass man Zlín ähnlich wie die
Ak opolis noch in „zwei ausend Jah en bewunde n“ we de (Wackwi z 2010: 186 ).
Schon einige Jah zehn e ühe , ku z nach dem Zwei en Wel k ieg, be ich e Egon
E win Kisch (1980: 415) in eine un ollende gebliebenen Repo age, dass e sich nach
dem Au wachen und beim Blick aus dem Ho el ens e „ohne F age“ in Ame ika, nich
in New Yo k ode Chicago, „ehe Kali o nien ode Flo ida ode so e was“ wähn e. Kisch
selbs is abe ga nich de E s e, de Zlín mi Ame ika assoziie : Bald nach dem Ende
des E s en Wel k iegs, nachdem das Un e nehmen on Tomáš Baťa als Aus üs e ü
die Solda en de k.u.k.-A mee so s a k gewachsen wa , dass sich das S ad bild apide
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zu ände n begann, be i el e de schechische Jou nalis F an išek Ob el (1919) einen
Be ich mi Ame ika e Zlíně [Ame ika in Zlín].
Die eins mode ns e S ad de sich ohnehin so o sch i lich p äsen ie enden
Tschechoslowakei, diese ielleich mode ns e S ad Eu opas am südös lichen Rand
de mäh ischen Walachei, pola isie e in ih e Blü ezei , also den 1920e und 1930e
Jah en wie auch in den Jah en 1945 bis 1950, als es 1945 zu Ve s aa lichung des Baťa-
We ks und 1949 zu Umbenennung de S ad Zlín zu Go waldo und zum neuen
Namen S i ü den sozialis ischen Be ieb kam.
Au g und ih e ma kan en Ande sa igkei in iele lei Hinsich – A chi ek u ,
U banismus, A bei so ganisa ion, Sozial ü so ge, P oduk i i ä s- und Ma ke ing-
maßnahmen, We bung, Ma k e obe ung und Ma k dominanz– wa Zlín ums i -
en; ge ade linkso ien ie e In ellek uellen, Sch i s elle innen und Sch i s elle
beschä ig en sich mi Zlín, wäh end Au o innen und Au o en des poli ischen Zen-
ums ode de Rech en die Haup s ad de Schuh ab ika ion kaum hema isie en,
wenn sie nich – wie Ed a d Valen a– on Baťa als Au o en beschä ig wu den.1 Das
Un e nehmen Baťa selbs se z e ja seh üh au inno a i es Ma ke ing und Co po a e
Iden i y, un e ande em e wa du ch die He ausgabe eine Fi menzei ung, die Fö de-
ung kul u ellen Lebens in de S ad Zlín, insbesonde e des damals neuen Mediums
Film.2 Wegen ih e Einziga igkei – ge ade was A bei so ganisa ion, Sozial ü so ge,
P oduk i i ä , Disziplinie ung und Bildung be a – be ach e en die linken Au o en
die on de Baťa -Fab ika ion gep äg e S ad o allem in Rela ion zu Sowje union.
P og essi e A bei s- und Lebenso ganisa ion du ch den Un e nehme kapi alismus–
damals ba ismus genann – und die– nach Meinung iele – o sch i lichs e Gesell-
scha de Wel konku ie en mi einande . In Zlín wie auch in de Li e a u , die übe
Zlín und Baťa gesch ieben wu de, komm es zue s zu ideologischen Konku enz on
Kapi alismus und Sozialismus und nach dem Zwei en Wel k ieg zu T ans o ma ion
des G oßkonze ns in einen sozialis ischen S aa sbe ieb. Die om Un e nehme um
de Baťas gep äg e P o inzs ad Zlín e schein im publizis ischen wie auch li e a i-
schen Disku s ih e Zei als zen ale Kamp pla z de g oßen Wi scha ssys eme
1 Ed a d Valen a e wa wa bis 1940 Redak eu bei den Lido é no iny, mi inanzielle Un e s ü zung de
Fi ma Baťa un e nahm e 1936–37 eine ausgedehn e Reise nach No dame ika und in die Ka ibik, 1939
wa e Sek e ä on Jan An onín Baťa au dessen Reise du ch die USA. Übe diese Zei sch ieb Valen a
wäh end seine le z en Lebensjah e die E inne ungen Žil jsem smilia dářem (1979) [Ich leb e mi einem
Millia dä ]. Ob die 1935 e schienene B oschü e Tajemní Zlíňan (1935) [De geheimnis olle Zline ] übe
Tomáš Baťa wi klich on Valen a s amm , is mi le weile ums i en ( gl. den Ein ag „Ed a d Valen a“
im Online -Lexikon de schechischen Li e a u www.slo nikceskeli e a u y.cz). E wähnenswe is
wohl die Zu ückhal ung on Valen as be ühm em Redak ionskollegen bei den Lido é no iny, Ka el
Čapek, de sich auch als Jou nalis nu seh spa sam zum Un e nehmen Baťa äuße . De einzig länge e
Tex is eine Glosse anlässlich des ödlichen Flugzeugunglücks on Tomáš Baťa mi dem Ti el Muž [Ein
Mann], in dem Čapek die Rasanz und Ziels ebigkei des Ve unglück en he o heb (Čapek 1991). In
Ma ké a Pilá o ás Roman SBaťou džungli (2017) [Mi Baťa im Dschungel], de au dem Familiena chi
de Familie Jan An onín Baťas be uh , wi d e wähn , dass diese Ka el Čapek angebo en habe, wegen
seine Menschenkenn nis Lei e de Pe sonalab eilung zu we den, wo au diese abe ga nich nähe
eingehen woll e (Pilá o á 2017: 147).
2 Ab 1921 können Mi a bei e g a is Film o üh ungen besuchen, 1927 beginn die Fi ma mi eine
eigenen P oduk ion on Filmen ü We be-, In o ma ions- und Ausbildungszwecke. 1932 e ö ne mi
dem on F an išek Gahu a en wo enen G and Cinema eines de damals g öß en Kinos in Eu opa. 1936
beginnen egelmäßige Kuns auss ellungen und ein Baťa -P eis ü Li e a u wi d ausgesch ieben.
51PETER DEUTSCHMANN
Kapi alismus und Sozialismus, au dem sich nach dem Zwei en Wel k ieg– zumindes
ü einige Jah zehn e– de Sozialismus behaup e .
Mein Bei ag be ach e o allem diesen in e na ionalen Aspek dieses g oßen
wi scha lichen und sozialen Expe imen s (S ein üh e 2002: 34): Zlín als ma kan es
Zen um des mode nen Indus iekapi alismus, das au g und seine Auße gewöhn-
lichkei zum Schaupla z ideologische Auseinande se zungen wu de, abe auch zu
einem O , in dem sich de his o ische Wechsel zwischen Gesellscha ssys emen– om
mode nen Kapi alismus zum S aa ssozialismus und 1989 e neu zu eine pos so-
zialis ischen Gesellscha un e kapi alis ischen Rahmenbedingungen– e eigne ha .
Schwe punk is die Zwischenk iegszei und dabei o allem de li e a ische Disku s
übe Zlín als S ad ex eme O ganisa ion und un e nehme ische Dynamik. Diese
is heu zu age wenige bekann , weil e nich so sich ba is wie die du ch Baťa e än-
de e S ad Zlín, die heu igen Besuche Innen leich zugänglich is (wohingegen die Be-
schä igung mi de li e a ischen Thema isie ung on Zlín Reche che in Biblio heken
und länge e Lek ü en e o de ). De Schwe punk wi d dabei au de gewich igs en
Da s ellung in Roman o m liegen, dem sogenann en Roman -Pamphle Bo os oj (1933)
[= ‚Schuhmaschine‘; de Name de ik i en Schuh ab ik spiel o en au die Schuh i ma
Baťa an], weil dieses seine zei g oße Diskussionen in de Tschechoslowakei ausgelös
ha e, die einem heu igen deu schsp achigen Publikum wei gehend unbekann sind.
Auch is Bo os oj die e s e g öße e li e a ische Da s ellung de Lebens- und A bei s-
e häl nisse in eine seh mode nen Fab ikss ad . Ma ie Pujmano ás diesbezüglich
eben alls beach liche Roman Lidé na křizo a ce (1937) [Menschen am K euzweg] is
spä e en s anden und nich ausschließlich au das Milieu de Fab ik und ih e Um-
gebung okussie .
1. T. SVATOPLUKS BOTOSTROJ ALS LITERARISCHE PROVOKATION
DES UNTERNEHMENS BAŤA
Die adikale Umges al ung de Kleins ad Zlín in den e s en ie zig Jah en des 20.
Jah hunde s e olg e in ielen Be eichen– im A bei sleben, im S ad bild, in de
Neuges al ung eine ländlichen Region zu einem Indus ies ando um einen Be ieb
he um, de in den 1920e und 1930e Jah en das g öß e Un e nehmen de damaligen
Tschechoslowakei wa . Wiewohl die Fi ma Baťa schon seh üh au Co po a e Iden-
i y und Imagep lege gese z ha ,3 mach en sich dennoch auch k i ische S immen
beme kba :
So wä e als e s e Rudol Philipps um ang eiche Da s ellung De unbekann e Dik a o
Thomas Baťa (1928) zu nennen, gegen die das Un e nehmen umgehend Rech smi el–
alle dings e olglos– e g i en ha (Ko e 2014). Il’ja Ė enbu g (1963: 151) sch eib in
unmi elba e Reak ion au Tomáš Baťas Tod du ch einen Flugzeugabs u z 1932, dass
Tomáš Baťa, den auch e „Schuhkönig“ (ko ol’ obu i) nenn , P ozesse gegen ihn ange-
s eng habe, nachdem Ė enbu g in eine deu schen Zei sch i einige P ak iken des
3 In ih e Analyse zweie i meneigene Zei sch i en des Konze ns komm S obodo á (2018: 215 .) zum
Schluss, dass die Fi ma bei de P opagie ung on li e a ische Bildung und de Fö de ung li e a ischen
Scha ens wesen lich konse a i e wa als in ande en Be eichen; so ie e wa Jan An onín Baťa im
Gedenkjah ü Ka el Hynek Mácha die Sch i s elle dazu au , op imis ische Li e a u zu sch eiben.
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Un e nehmens in F age ges ell ha e. Eben alls wu den om Un e nehmen ju idisch
Julius Fučík, Helena Malířo á und T.S a opluk belang , le z e e kann als de jenige Au-
o gel en, de sich am längs en mi Zlín be ass ha (Mo o nyj 1983: 73–80). S a opluks
e s e Roman Bo os oj zeichne ein düs e es Bild on den A bei sbedingungen in eine
seh g oßen Schuh ab ik, hin e de unschwe das Baťa -Un e nehmen zu e kennen is .
De selbs aus de Walachei s ammende Sch i s elle T. S a opluk ha mi wei -
gehend du chsich ige Ve klausulie ung die Ve häl nisse in Zlín in eine spä exp es-
sionis isch düs e en A mosphä e geschilde . Die biog aphischen No izen zu T. S a o-
pluk (ein wenig a inie es Pseudonym on dessen ech em Namen S a opluk Tu ek)
e weisen au sechs A bei sjah e, die de Au o als G aphike in de We beab eilung
de Fi ma Baťa e b ach ha e. Jan An onín Baťa konn e nach de D ucklegung und
Ve ö en lichung on Bo os oj ju idisch e wi ken, dass die E s au lage eingezogen
wu de, e sah das Un e nehmen und seine Lei e in de ik i en Schuh i ma Bo os-
oj allzu nega i da ges ell . Nach dem Zwei en Wel k ieg e schien 1946 eine zwei e
Au lage on Bo os oj, 1952 eine d i e.4 S a opluk ha die E ah ungen des P ozesses
um den Roman in einem ande en Buch, dem Repo age oman Go dunů us žaluje
(1940) [De T us Go dons klag an] (übe a bei e un e dem Ti el Pán aspiso a el
(1949) [He und Sch i s elle ]), da ges ell .
De Roman zeig das ha e Leben de Mi a bei e on Bo os oj, wobei de Fokus
des pe sonalen E zähle s o wiegend au An onín, den Sohn des Che s– bezeich-
nende weise is dies de deu sche Ti el– ge ich e is , dem das on seinem Va e
gescha ene A bei sklima g öß es Unbehagen be ei e . Im Un e schied zu seinem
B ude Jakub, de un e nehme isch in die Fußs ap en des Va e s i und keine Vo -
behal e diesem gegenübe ha , miss äll dem li e a u in e essie en An onín ieles
am Ve hal en seines ene giegeladenen Va e s. Dennoch i e als ein ache A bei e
wäh end de Fe ien in die Schuh ab ik ein. E le n den Umgang mi einigen Maschi-
nen in de Schuh e igung, e wohn im we kseigenen Heim ü junge Männe und
e lieb sich in eine junge A bei e in, die im Heim ü junge F auen un e geb ach is .
Sich diese Ma ie, einem ein achen Mädchen, das e s sei ku zem aus ih em Do in
die S ad gekommen is , anzunähe n, äll An onín jedoch seh schwe , imme hin is
allgemein bekann , dass e de Sohn des Che s is . An onín e äh die Lebens- und
4 Ich bin Jindřich Toman zu Dank e p lich e , de wäh end des Kolloquiums nachd ücklich da au hin-
gewiesen ha , dass sich die Nachk iegsau lagen on de Au lage aus dem Jah 1933 nich unwesen lich
un e scheiden. Weil die E s au lage schwe e zugänglich is als die e ände en Nachk iegsau lagen,
e olgen Ve weise in de Regel au beide Au lagen: Die e s e Sei enangabe bezieh sich au die E s -
ausgabe 1933, die zwei e au die zwei e Au lage on 1946. Die Übe se zung ins Deu sche aus dem Jah
1953– we übe se z ha , is nich gesonde angegeben– weich seh s a k on den beiden schechi-
schen Ausgaben ab, ih lieg eine on Lo ha Kempe o genommene Redak ion zug unde, de ga keine
schechische Fassung en sp ich . Bei diese seh eien edak ionellen Bea bei ung is beme kenswe ,
dass sie gleich ga kein Hehl da aus mach , um welches Un e nehmen es sich im Buch handel , denn
au dem Schu zumschlag s eh übe dem deu schen Ti el De Che de Fi menname „Baťa“ im o iginalen
Sch i zug. Wenn in diesem Bei ag bei Ve weisen bzw. Zi a en d ei Sei enzahlen angegeben sind, so
beziehen sich diese au die Ausgaben on 1933 und 1946 und au die deu sche Ausgabe on 1953 (in
diese Reihen olge), e olgen die Ve weise au wenige als d ei Ausgaben, so heiß dies, dass die S elle
nu in diesen aus indig gemach we den kann. Wenn bei den Übe se zungen de Zi a e ins Deu sche
keine Sei enangabe s eh , wu de die Übe se zung on mi , PD, o genommen, denn De Che is übe
wei e S ecken eine seh eie Redak ion on Bo os oj und kann in linguis ische Hinsich nich als
eue Übe se zung gel en.
53PETER DEUTSCHMANN
A bei sbedingungen de in Bo os oj Beschä ig en am eigenen Leib. E zähl wi d e wa
on de bed ückenden A mosphä e in de We kskan ine, wo au g und des Zei d ucks
kein Gesp äch und keine An eilnahme an den So gen on A bei skollegen au komm ,
on den Zo nesausb üchen des Che s, de Bemühungen de Anges ell en um Ve bes-
se ung on A bei sabläu en b u al ze s ö und alle Be eilig en umgehend kündig
( gl. 59/45 ./104 . u. 164 ./118/202). Vo de Kon olle du ch Vo gese z e, die ih e sei s
ü die P oduk i i ä ih e Ab eilung e an wo lich sind und bei Aus ällen ode zu
nied igen S ückzahlen pe sönlich inanziell ha en, ziehen sich die Mi a bei e in die
Zellen de Toile en zu ück, es heiß , dass es do heimelig sei, dass man do in Ruhe
jausnen ode schla en könne. De Che sieh in diesem Ve hal en einen Rück all in das
Ve hal en on U menschen, die sich im Gebüsch, im Wald und in Höhlen e s ecken,
e läss diese Toile en du ch o ene e und besse kon ollie ba e Klos e se zen, in
denen sich niemand länge au hal en möch e, auch weil die hölze nen Klob e e
en e n we den ( gl. 45–47/35–37/85–88 u. 243/175/283).
S a opluks Romanwel is au binä en Opposi ionen au gebau , die sich nich e -
mi eln lassen, zwischen ihnen bewegen sich die Haup igu en un eiwillig hin und
he : Au de einen Sei e s eh das Milieu de A bei swel on Bo os oj, die du ch den
unba mhe zigen Che , seine Kon oll- und Disziplinie ungsmaßnahmen bes imm is .
In diese Wel is alles de P oduk ion und ih e Op imie ung un e geo dne , o allem
die Menschen, die un e diesen o de nden Maschinenbedingungen ih Menschsein
zu e lie en d ohen, sie we den zu A bei ssolda en ( ojáci p áce– gl. 104/74/144),
die den kon ollwü igen Che als Wi bels u m bzw. „Windhose“ (sm šť– 83/60/122)
emp inden, dessen Zo nausb üche sie bed ohen. Allzu seh nehmen die A bei sbedin-
gungen sie in Beschlag, sie we den müde, gleichgül ig, sie s ump en ab, was sich nich
zule z auch im mi un e b u alen Ve hal en de a bei enden Männe gegenübe ih en
zuhause den Haushal e so genden Ehe auen äuße ( gl. 118–121/86–88/167–169).
Zusä zliche wi scha liche D uck en s eh du ch die Mo i ie ung on Mi a bei e n
du ch Gewinnbe eiligung, die alle dings auch eine Ve lus be eiligung is und bei
P oduk ionsaus ällen ode - ehle n die A bei e uinie und in Ve zwei lung, zu
häusliche Gewal und in den Selbs mo d eib ( gl. 296/199/317).
Bo os oj Leben
O ganisa ion Chaos
Fab ik / Maschine E de
Mann F au
Kapi alismus ag a ische P oduk ions e häl nisse
Abs inenz Wein, Bie
ame ik. A bei skleidung T ach
Egoismus Liebe
Boxen Tanz
Hi n He z
Au omobil Sessha igkei
Flugzeug E de
54 BRÜCKEN 29/2
De als o ali ä da ges ell en Wel on Bo os oj s eh die Wel de Na u , des Le-
bens und des Do es gegenübe , die on diese in jede Hinsich ücksich slosen ha en
Wel de Maschinen e d äng wu de. Imme wiede wi d be on , dass wei gehend
ungeschul e junge Menschen aus de du chwegs ländlichen Umgebung bei Bo os oj
zu a bei en beginnen: Diese sind kö pe lich s a k, geis ig noch wenig ge es ig und
dahe o mba , sie we den du ch We ksschulen und Ausbildungsp og amme in den
A bei sp ozess einge üh , de ihnen auch– eilich um den P eis on Selbs au gabe
und unsolida ischem Konku enz e hal en– Au s iegsmöglichkei en e ö ne . Die
Na u und die us ikale Umgebung bilden im Roman nu den Hin e g und, de die
A bei enden imme wiede anzieh und einen F ei aum da s ell . Die Wohnsiedlungen
ü die A bei e alle dings s ellen in diese zweige eil en Wel keine Übe gangszone
da , sie gehö en eindeu ig zu Wel on Bo os oj, weil sie nu dazu dienen, dass sich
die A bei e asch und gu e holen, um in de Fab ik besse zu unk ionie en:
Zle a se yčí p o i obloze dům edle domu, če ná okna, měs o noclehá en, Bo os oj.
Zah adní č i odinných domků. Noclehá ny, přechodné noclehá ny. Rodinné
ho ely. Dům jako dům, šechny s ejné, ulice jako ulice, jedna jako d uhá. Okna. Vok-
nech noc. Kdo nep acuje, spí, kdo nespí, p acuje. Nic mezi ím. Snad ž adlo. (116/84)
[Linke hand e heben sich Häuse um Häuse gegen den Himmel, schwa ze Fens e ,
die S ad de Nach asyle, Bo os oj. Das Ga en ie el de Familienhäuse . Nach -
asyle, empo ä e Nach asyle. Familienho els. Ein Haus wie das ande e, alle gleich,
eine S aße gleich de ande en S aße, eine wie die ande e. Fens e . In den Fens e n
die Nach . We nich a bei e , schlä , we nich schlä , a bei e . Dazwischen gib
es nich s. Allen alls das F essen.] (164, Übe s. hie PD)
Die Disziplinie ung du ch die Maschinen in de Fab ik g ei au das F eizei - und Ehe-
leben übe , indem de Mann zuhause de F au sag , wie sie Haushal sabläu e op imie-
en soll. Au diese Weise soll das Chaos des Lebens übe wunden we den (125/91/164),
welches abe zugleich als Al e na i e zu de du cho ganisie en Wel on Bo os oj
au einige de Haup igu en, namen lich au An onín, eine g oße Anziehungsk a
ausüb . Indem sich de S uden An onín on seinem Va e abwende , s eb e zum
Be eich bzw. dem ‚seman ischen Feld‘ des Lebens, kann abe auch dieses nich wi k-
lich e eichen, weil sich Ma ie zu ückhal end gib . Nachdem An onín kündig , sich
endgül ig om Va e und de Fab ik abwende , um mi Ma ie zusammenzuleben,
gib es Schwie igkei en bei de Wohnungssuche. Ein Ve mie e lehn es aus Fu ch
o A bei s e lus ab, An onín bei sich zu behe be gen, ob ein wenige ängs liche
Kommunis ih Qua ie gebe wi d, bleib am Ende o en: Ma ie ha g oße Zwei el
an eine Ve bindung mi An onín und eine gemeinsamen Zukun , An onín möch e
sie nich gehen lassen und e wäg soga , sie aus Ve zwei lung zu ö en. Zwa wi d e
nich wi klich gewal ä ig, ein Happy End ü das Paa wi d nu e hal en angedeu e :
Am Ende des Romans haben die beiden eine kühle Nach un e einem Baum e b ach
und es beginn zu egnen.
Diese Ku zda s ellung soll deu lich gemach haben, dass diese Roman on 1933
zwa ein kla es Schwa zweiß -Bild zeichne – die ha e Wel on Bo os oj in Kon as
zu übe wundenen Na u –, dass die Anlage und de Handlungs e lau abe wei on
55PETER DEUTSCHMANN
den Figu en- und Handlungsschema a des Sozialis ischen Realismus en e n is , wie
sie e wa Ka e ina Cla k (2000: 159–176) ode Pio Fas (1999: 31–41) besch ieben haben.
Die Familiens uk u in Bo os oj is sowohl pa ia chalisch wie auch kapi alis isch
gep äg : de Che bes imm übe den Be ieb on Bo os oj, e egel das Leben seine
Familie; du ch die A bei s e häl nisse in seinem Be ieb a izie e das Leben de
Mi a bei e bzw. eich seine Ein lusssphä e übe die Fab iksg enzen hinaus. Zu-
gleich wi d abe gezeig , wie die o ganisie en K ä e und P ozesse eine Eigendynamik
gewinnen, die den Che selbs e ass und übe mann .
Die da ges ell en Opposi ionen de Wel on Bo os oj lassen sich inso e n leich
he ausa bei en, als de Roman einen wei gehend s a ischen Cha ak e ha , die he e o-
diege ische E zähle igu okussie abwechselnd au einige wenige Haup igu en, o
allem au An onín und seinen Va e und au An oníns F eund und Kollegen P okop,
einen G aphike in de We beab eilung des Un e nehmens, dessen Leben und Ehe
du ch die A bei sbelas ung ge äh de wi d. Die Hal ungen de Figu en sind wei ge-
hend du ch ih e Posi ionen bes imm , die sie in de Romanwel einnehmen. Weil diese
nu ge ing ügig e ände we den, gib es auch keine g öße e Handlungsen wicklung.
Die Fokussie ung au die Wah nehmung und die Reden de Haup igu en läss
imme hin abe zumindes passagenweise e kennen, dass die Figu en seman isch
doch nich so eindeu ig posi ionie sind, wie es au den e s en Blick scheinen mag.
So wi d e wa eingangs besch ieben, dass den Che ein Ge ühl de E habenhei be äll ,
wenn e om Fens e seines Schla zimme s au die un e seinem Kommando e bau e
S ad blick .
Někdy ho až m azilo, pe né půdy necí il pod nohama před ím o elkolepým ob a-
zem. Obá al se é elkolépos i, opíjel je jí, pálily ho dlaně, aaž s ědilo zá ylí. Před
d ace i le y se u pásly k á y, z once yz áněly, zpě pasáků se ozý al oz ěnou od
s ání. (1946: 15/1933:17)
[Manchmal schaude e zusammen und ühl o diesem g oßa igen Pano ama
den Boden nich meh un e den Füßen. E ü ch e sich beinahe o diese G oß-
a igkei , abe e be ausch sich zugleich an ih , daß seine Hand lächen b ennen
und sein Nacken juck . Vo zwanzig Jah en weide en hie Kühe, ih e Glocken
bimmel en iedlich, und den Gesang de Hi en wa das Echo on den Hügeln
zu ück.] (53)
Auch wi d be on , dass de Che bis spä in die Nach a bei e und seinen Mi a bei e n
eine s ändige E eichba kei und Be ei scha zumu e (13 ./12 ./48). Dennoch be äll
soga den hype ak i en Che mi un e Müdigkei und e schein dabei ku z is ig
in einen ch honischen Zus and zu allen, wie An onín beme k , de dann da ü den
Zo n des Va e s e agen muss, weil e ihn aus dem Dämme zus and au gescheuch
ha ( gl. 194/140/228 . u. 233).5 An onín un e nimm da au hin eine kleine Fluch aus
de Wel des Va e s und e läss das Fab iksgelände:
5 Ein e gleichba e E schöp ungszus and de En husias en eines sozialis ischen Au baus is ü die
Figu en on And ej Pla ono kennzeichnend (Gün he 2020: 112–116).
56 BRÜCKEN 29/2
Leč, jak ak k áčí, s ojí u šude p o i němu ob o ské pomníky p áce, ob o ská
skladiš ě, ho ely, pensioná y p o isíce zaměs nanců, di adla, obchodní domy,
celé č i zah adách sdělnickými domky, celá měs a, as al o é ulice. Všude sklo
ačis o a. Vpozadí on. Jeho pěs .
A o še ybudo al přes noc. Co úžasu je u sk y o ěch o udých cihlách, om
železobe onu, ěch s áních, k e é byly přeneseny, ěch o inách, k e é byly
yz ednu y, aby řeka ne zala měs o, po odeň neodnesla. (1946: 141/1933: 195– in
de d . Fassung gib es hie zu keine En sp echung)
[Wie e da abe so geh , s ehen o ihm übe all diese iesigen Denkmäle de A bei ,
iesige Lage , Ho els, Pensiona e ü ausende Beschä ig e, Thea e , Wa enhäuse ,
ganze Vie el in Gä en mi A bei e häuse n, ganze S äd e, Asphal s aßen. Übe all
Glas und Saube kei . Dahin e e . Seine Faus .
Und das ha e alles übe Nach gebau . Welche G oßa igkei s eck in diesen
o en Ziegeln, in diesem S ahlbe on, in diesen Hügeln, die neu au geschü e wu -
den, in diesen Flächen, die angehoben wu den, dami de Fluss nich die S ad mi
sich nimm , dami das Hochwasse sie nich o äg .]
De lei Passagen– es sind ih e nich allzu iele– lassen e kennen, dass sich die Figu en
o z ih e seman isch wei gehend ixie en Posi ion zumindes zei weilig a izie
zeigen on dem Be eich, on dem sie sich eigen lich abwenden: De zwangha Op i-
mie ung und O ganisa ion o de nde Che wi d om Schla übe mann , womi sein
Gesich wie Lehm aussieh ; seinem Sohn An onín, de sich on de Wel des Va e s
abwende , e schein die Fab ikss ad doch so e haben wie seinem Va e , au dessen
Leis ung e soga s olz is ( gl. 83/59/1216).
Diesbezüglich kann on eine empo ä en A izie ung on Figu en du ch ih en
seman ischen Gegensa z gesp ochen we den, was de wei gehend s a anmu enden
Romanwel eine gewisse Bewegung e leih .
2. EIN VERGLEICH DER AUFLAGEN 1933 UND 1946
Die geschich lichen Ve ände ungen wäh end de d eizehn Jah e, die zwischen de
e s en (1933) und de zwei en Au lage (1946) on Bo os oj s ehen, ha en olgende Aus-
wi kungen au die Fi ma Baťa: Nach dem Flugzeugunglück Tomáš Baťas übe nimm
Jan An onín Baťa 1932 die Un e nehmenslei ung und e s ä k die in e na ionale Ex-
pansion des Un e nehmens; mi de E ich ung des P o ek o a s übe Böhmen und
Mäh en wi d Baťa zum Zulie e e ü die deu sche Wi scha , be ei s im Ok obe
1945 wi d Baťa zu einem schechoslowakischen S aa sbe ieb. Wäh end T. S a opluk
nach de E s e ö en lichung die langwie igen Rech ss ei igkei en mi de Fi men-
lei ung ha e, b auch e e 1946 on diese Sei e keine Gegne scha meh zu ü ch en,
übe dies e olg e au g und de poli ischen En wicklungen sei dem Münchne Ab-
kommen und unmi elba nach K iegsende gene ell ein Links uck in de Gesellscha ,
6 Die deu sche Fassung weich on den schechischen an diese S elle inso e n ab, als sie die Bewunde-
ung An oníns ü das We k seines Va e s in die Ve gangenhei ück („Als Junge wa e au ihn s olz
gewesen […]“– 121), wäh end die schechischen Fassungen den Zwiespal zwischen Au begeh en gegen
den Va e und Ane kennung on dessen Leis ung auch noch in de e zähl en Gegenwa andeu en.
57PETER DEUTSCHMANN
was im Wahlsieg de Kommunis ischen Pa ei bei den schechoslowakischen Pa la-
men swahlen im Mai 1946 gip el e. S a opluk konn e also in de zwei en Au lage die
be ei s 1933 angeleg e ideologische Aus ich ung des Romans noch wei e e s ä ken.
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Angesich s de seh zahl eichen Un e schiede zwischen den e s en beiden Fas-
sungen on Bo os oj is es in diesem Bei ag ga nich möglich, diese um assend und
de aillie da zus ellen, seh wohl abe können wich ige Ve ände ungen des Suje s
und de poli ischen Tendenz au gezeig we den.
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So sind e wa in de Fassung on
1933 die ideologischen Gegensä ze s ä ke übe die Figu en de B üde An onín und
Jakub pe soni izie : Jakub wi d als Nach olge des Va e s da ges ell , de dessen
P inzipien noch wei e adikalisie , indem e e wa den G ad de Maschinisie ung
s eige n möch e (1946: 195–197; diese Passage is in de Ausgabe 1933 an eine ande en
S elle einge üg : 286–289), de Gegensa z is in An onín e kö pe , de jedoch auch
un e dem Zwiespal leide , Familienmi glied und zugleich K i ike de A bei s- und
O ganisa ions e häl nisse zu sein.
1933 wa die Hunge sno in de Sowje union ein g öße es Thema, sodass die
Schilde ungen de Ve häl nisse in de UdSSR, die einem B ie eines ehemaligen Mi -
a bei e s on Bo os oj en nommen we den, den Jakub au eine on ihm ehemen
bekämp en Ve sammlung on „Ma xis en“ e lies , in de E s ausgabe noch d as i-
sche aus allen. In diese komm es zu eine scha en Gegenübe s ellung de beiden
B üde , An onín zwei el en schlossen die Schilde ungen on Kannibalismus in dem
B ie an, wäh end Jakub den Wes en e eidig und den Os en schlech ede (1933:
282). In de E s assung i auch noch de Che selbs au de Ve sammlung au und
adel Jakub wegen dessen ungeschick em Au i ; An onín hingegen geh aus diese
Deba e als Siege he o und e abschiede sich im unmi elba en Anschluss da an
om Va e und on Bo os oj, um gemeinsam mi Ma ie zu leben.
In de Fassung on 1946 gib es nich diese d ama ische D eiecksi ua ion zwischen
den beiden B üde n und dem Va e , s a dessen we den agi a o ische Au i e on
ande en Redne n und allgemeine Anklagen de E zähle s imme gegen die Ausbeu ung
du ch die alschen P oduk ions e häl nisse ange üh , womi s ä ke das allgemein
klassenkämp e ische Momen als de en Rep äsen a ion du ch die gegensä zlichen
B üde akzen uie wi d (1946: 210–212; d . 330–335).
Die zwei e Fassung on Bo os oj is auch du ch eine wei e e Zu ückd ängung
bzw. Ve d ängung on Religion und Volks ömmigkei gekennzeichne . Denn in de
e s en Fassung wenden sich die du ch P oduk ionsd uck schwe belas e en A bei e
noch e zwei el be end an Go , wäh end sie in de zwei en Fassung „wohl mi dem
Teu el“ sp echen (1933: 291–293; 1946: 199), wenn ihnen g oßes Unglück au g und on
7 T. S a opluk ha e o enba gene ell eine s a ke Neigung zu eine Neubea bei ung seine eigenen We ke.
Denn auch ande e Ti el– Go donů us žaluje (1941) [Go dons T us klag an] und Dům Be lémské (1942)
[Das Haus in de Be hlehemgasse]– wu den nach 1948 in neuen Fassungen ged uck , die s ä ke den
allgemeinen Vo gaben des sozialis ischen Realismus en sp achen. Šámal (2009: 195) weis da au hin,
dass diese Neu assungen auch bei ande en Au o innen und Au o en e olg en und nich e wa poli isch
ode ins i u ionell e zwungen wa en, sonde n eine s a egische Neuposi ionie ung de Au o innen
und Au o en sein soll en. Dami einhe geh die Übe nahme de ü den Sozialis ischen Realismus
cha ak e is ischen eleologischen Pe spek i e au geschich liche En wicklung.
8 Weil de deu schen Übe se zung on 1953 eine wei e e Redak ionss u e o ausgeh , sind Ve weise
au En sp echungen zu den schechischen Ausgaben nu beding möglich, es wi d dahe on einem
Ve gleich abgesehen.