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246 ACC JOURNAL 2017, Volume 23, Issue 3 DOI: 10.15240/tul/004/2017-3-022 DER KULTURELLE HINTERGRUND DER FACHÜBERSETZUNG Dušan Tellinger Freischaffender Wissenschaftler, Košice, Slowakische Republik e-mail: tellinge[email protected] Abstrakt Der Einfluss der Kultur manifestiert sich in unterschiedlichen Fachtextsorten. Nicht nur bei literarischen Übersetzungen ist das Übersetzen ein interlinguales und zugleich interkulturelles Sprachhandeln. In fast allen Fachtextsorten kommen kulturspezifische Realien zur Sprache. Noch im Studium kann man dem Übersetzer und dem Dolmetscher vermitteln, wie man die Realien übertragen sollte – von der Übernahme der fremdsprachigen Bezeichnung bis hin zum Setzen eines Erklärungsäquivalents. In didaktischer Hinsicht kann man in Seminaren die fremde Kultur (das Fremde), d. h. kulturell markiertes Faktenwissen in unterschiedlichen Textsorten (von Fachartikeln bis zu Werbetexten) ebenso wie in den Medien Zeitung und Fernsehen vermitteln. Keywords Realia; Verbal communication; Nonverbal communication; Translator education; Interpreter education; Intercultural professional communication; Competence profile; Types of professional texts. Einleitung In diesem Beitrag gehen wir die Bedeutung der Kultur bei Fachübersetzungen an. Bei der Fachübersetzung muss man die lexikalische und kulturelle Übersetzbarkeit berücksichtigen. Beide Seiten des Übersetzungsprozesses hängen von der sprachlichen und kulturellen Entfernung zwischen dem Ausgangsund Zieltext ab. Beim Aspekt der kulturellen Einbettung des Ausgangstextes ins Empfangsmilieu ist eine spezifische Ausbildung des Übersetzers in der Ausgangskultur (ökonomische, politische, historische, soziologische, geografische, technische evtl. auch künstlerische) erforderlich, zu der selbstverständlich die perfekte Kenntnis der Terminologie des gewählten Faches und dazu noch eine entsprechende stilistische Gabe gehören (fachsprachliche sowie stilistische Kompetenz). Zum Kompetenzprofil gehören auch solche Fähigkeiten (skills), die z. B. ein zukünftiger Dolmetscher im Rahmen seiner Ausbildung erlernen kann: „Elements of non-verbal communication: eye-contact, mimics, gestures, body language and posture constitute a crucial part of an intercultural communication course.“ 3, S. 59 Das heißt, translatorische Kompetenz umfasst mehrere Komponenten als Ergebnis einer allgemeinen Bildungskompetenz. Auch bei der Fachübersetzung (nicht nur bei der literarischen Übersetzung) geht es um das rechte soziale Verständnis für den Hintergrund eines zu übersetzenden Originaltextes. Es geht also um die Umstände, die nur der Autor kennt, und im Kommunikationsprozess auch sein Mediator
247 „Dies ermöglicht ihm, den Empfänger des Translats über Sinn und Wirkung des Ausgangssprachentextes zu informieren und dem Zielsprachentext-Rezipienten gegebenenfalls eine Hyperinformation zu geben.“ 9, S. 69 Hier sind die Umstände der Entstehung des Textes, ebenso die außersprachlichen Faktoren im Übersetzungsprozess – die Konnotationen, Normen, Erwartungen und alles, was mit der Ausgangsund Zielkultur zusammenhängt, zu nennen. Die Fachund kulturgebundene Lexik ist bei der Fachübersetzung in gleichem Maße wichtig. Es handelt sich um den exakten Inhalt des Fachtextes und um mannigfaltige Elemente des Textes, die ihm den Anhauch einer bestimmten Kultur verleihen. Diese Aspekte der Fachkommunikation wurden bisher weitgehend vernachlässigt, wie es Hans-R. Fluck 2, S. 75 betont: „Schließlich hat sich einhergehend mit dem allgemeinen und neubelebten wissenschaftlichen Interesse am Verhältnis von Sprache und Kultur eine verstärkte Beschäftigung mit kulturgebundenen Spezifika in der Fachkommunikation ergeben, etwa im kulturkontrastiven Vergleich von Textsorten und Sprachhandlungsbzw. Interaktionsmustern, insbesondere auch im mündlichen Bereich.“ Was die Kulturgebundenheit der Fachtextsorten angeht, unterscheidet Werner Koller drei Gruppen. In der ersten Gruppe der Texte (deren Wortschatz durch internationale Sprachnormung mehrsprachig terminologisiert ist und ganz oder teilweise aus Internationalismen besteht, die auf griechisch-lateinischen Wortstämmen basieren; z. B. naturwissenschaftliche Texte) und in der zweiten Gruppe der Texte (deren Wortschatz nicht oder nur teilweise mehrsprachig terminologisiert ist) ist die Kulturgebundenheit nicht am vorderen Plan und bei diesen Texten stellt sich das Problem der übersetzungsbezogenen Terminologiearbeit. Die dritte Gruppe bilden “Fachtexte, deren Wortschatz sich auf landesspezifische Sachverhalte bezieht, d.h. Fachtexte im juristischen, soziologischen, ökonomischen Bereich, die gebunden sind an institutionelle Verhältnisse in einem bestimmten Land. Bei diesen Texten stellt sich insbesondere das Problem der Wiedergabe landeskonventioneller Elemente.“ 5, S. 275 Diese Feststellung unterstützt die Meinung von Peter A. Schmitt 7, S. 252: „Ein gewisses Maß an Äquivalenzproblemen gesteht man allenfalls den Fachübersetzungen auf den Gebieten Recht, Wirtschaft und Sozialwissenschaft zu; von Spezialisten auf diesen Gebieten ist zu hören, dass es aufgrund kulturspezifisch unterschiedlicher Systeme häufig sehr schwierig sei, Äquivalente in verschiedenen Sprachen zu finden.“ Der Fachübersetzer muss also genügend textspezifisch relevantes Fachwissen mitbringen und über praktische Informationen verfügen, damit er den Ausgangstext inhaltlich so weit versteht, dass er auf dieser Informationsgrundlage einen zweckgerechten Zieltext erstellen kann. 1 Kulturelle Äquivalenz Neben der lexikalischen Äquivalenz (die absolute Äquivalenz der Termini) ist in der Fachübersetzung auch die kulturelle Äquivalenz (vor allem die annähernde Äquivalenz der Realien) am vorderen Plan. Probleme entstehen also meistens bei der Suche nach lexikalischen Äquivalenten, aber die kulturelle Seite des Translats ist auch immer dabei wie
248 eine Folie im Hintergrund. Mit der Kulturspezifik der Fachtexte ist das Problem des Funktionalstils gebunden. In einzelnen Sprachen sind die Konventionen, die die stilistischen Merkmale bestimmen, entscheidend. Dies gilt aber auch im Rahmen der geografisch modifizierten deutschen Sprache. Es ist wichtig aus kultureller Sicht, z. B. zwischen mehreren deutschen Rechtssprachen zu unterscheiden (Schweiz – Luxemburg Österreich versus Deutschland). Diese juristische Unterscheidung kommt bei der Übersetzung englischsprachiger Rechtstexte Großbritanniens, Kanadas, Australiens, Neuseelands, Irlands und der USA in Deutschland, Österreich und der Schweiz auch zu Wort. Damit sind schwere Probleme bei der Übersetzung ins aber auch aus dem Deutschen verbunden. Dabei ist der sprachliche Umgang mit Kulturunterschieden von großer Bedeutung. Wie im Allgemeinen Kulturunterschiede zum Tragen kommen, dazu ist die folgende Meinung in der Übersetzungstheorie von Radegundis Stolze 8, S. 244 zu finden: „Übersetzen ist nicht Kulturvergleich, sondern es ist ein Überbrücken vergleichend festgestellter Unterschiede. Es können besonders drei Arten interkultureller Unterschiede genannt werden: Da gibt es reale Inkongruenzen durch unbekannte Kulturspezifika, formale Inkongruenzen durch kulturspezifische Textbaupläne, semantische Inkongruenzen durch kulturspezifische Assoziationen bestimmter Wörter.“ Kulturelle Spezifika stellen in den Fachtexten trotz der Internationalisierung der wissenschaftlichen und technischen Forschung und Entwicklung ein großes translatorisches Problem dar. Man kann sie nicht unterschätzen, da der Trend, der zum Rückgang der Kulturspezifik im Prozess der Globalisierung führt und massive Kulturunterschiede verwischt, in ständigem Wandel ist: Einerseits steht der Rückgang dessen, was kulturspezifisch ist, andererseits beobachtet man einen gegenläufigen Trend zur Bewahrung regionaler und ethnischer Besonderheiten auch im fachlichen Bereich. Ein Übersetzer, der sich nicht nur als Sprachsondern als Kulturmittler versteht, sollte für solche Kulturspezifika sensibilisiert sein. Die Übersetzer, die wenig kultursensibel sind, verstoßen oft gegen die Prinzipien der Übersetzung als Transferhandlung. Translatorische Laien sind oft rein sprachlich orientiert und in der Regel auf lexikalische Äquivalenzsuche fixiert, was durch ihren ungenügenden schulischen Fremdsprachenerwerb geprägt wird. Sie verstoßen so gegen die Fremdheit der Ausgangskultur sehr oft in ihren Übersetzungen. Von einem professionellen Übersetzer verlangt man schon eine potentiell bewusste Kulturkompetenz, die man im Laufe eines universitären Studiums erwirbt und ein gesamtes Leben über mit neuen Kenntnissen ergänzt. Eine besonders wichtige Frage stellen in der Kulturkompetenz eben die Realien dar, die als Spiegel des Niveaus der übersetzerischen Tätigkeit dienen können. Wie schwer ist es, die Grenzen des Begriffes Realie auszumachen, darüber zeugt auch eine reiche synonyme Reihe des Terminus Sprachrealie: Kulturrealie, Kulturwort, nichtübersetzbares Element, äquivalentsloses Lexem, kulturspezifisches Wort, Kulturem, Linguokulturem oder Ethnokulturem. Die Realien stehen zwischen zwei Grenzpolen der Lexik – zwischen gemeinsprachlichen Wörtern und Termini. Während ein Terminus mit Hilfe der Definition eindeutig fixiert und abgegrenzt wird, erhält ein gemeinsprachliches Wort seine scharfe Konkretisierung erst durch den Kontext. Der Kontext spielt auch bei Realien eine wichtige Rolle, trotzdem tragen Realien einige Merkmale von Termini und sind auch ohne den Kontext ausreichend verständlich. 2 Kompetenzbereiche von Fachübersetzern In diesem Beitrag gehen wir vor allem die Bedeutung der Kulturkompetenz bei Fachübersetzungen an. In der translatologischen Fachliteratur widmet man den
249 Kompetenzbereichen viel Aufmerksamkeit. Der neuartige Übersetzertyp der Fachliteratur hat ein klares Kompetenzprofil, wie es Thorsten Roelcke 6, S. 153 unterstreicht. In seinem Buch findet man das Kompetenzprofil des Fachübersetzers, der von einer Fremdals Ausgangssprache in seine Mutterals Zielsprache übersetzen sollte; das Kompetenzprofil wird aus folgenden Grundkompetenzen gebildet: 1. die allgemeinsprachliche Kompetenz der Ausgangssprache; 2. die allgemeinsprachliche Kompetenz der Zielsprache; 3. die fachsprachliche Kompetenz der Ausgangssprache; 4. die fachsprachliche Kompetenz der Zielsprache; 5. eine entsprechende Fachkompetenz (im Sinne eines persönlichen WissensManagements). Die obengenannten Kompetenzen ermöglichen dem Übersetzer ein kulturspezifisches Herangehen an Fachtexte auf Grund einer spezifischen fachsprachlichen Wissensbasis. Ein klares Kompetenzprofil ist verbunden mit einer individuellen Gesamtkompetenz, die eng mit dem sog. Weltwissen zusammenhängt. Eine der wichtigsten Komponenten des Weltwissens/Fremdkulturwissens eines Übersetzers als Kulturvermittler ist das breite Feld von Realien, die ebenso wie auch die Linguokultureme („Kultureme“) einen umfangreichen Teil der Kultur im weitesten Sinne bilden. Die sog. „Kultureme“ 6, S. 152 bereiten erhebliche Schwierigkeiten in der internationalen Fachkommunikation vor. Sie sind als Ausdruck der makrowie mikrostrukturellen Unterschiede fachspezifischer Textsorten zu verstehen, da verschiedene Einzelsprachen in der Fachkommunikation durch kulturelle Faktoren beeinflusst werden, letzten Endes auch in stilistischer Gestaltung der Fachtexte (und im Layout ebenso). Der kulturelle Hintergrund der Kommunikation kommt in verschiedensten Formen zum Vorschein, was dann die Überbrückung kultureller Unterschiede vonseiten der Übersetzer erfordert. Das Problem der oft vorkommenden kulturellen Nichtübersetzbarkeit ist nicht nur für die literarische Übersetzung typisch, da die Kultur auch die Rückseite der Fachkommunikation bedeutet. Die Unterschiede der Kulturen, d.h. der Ausgangsund Zielkultur sind im Allgemeinen die Hauptbarrieren im Übersetzungsprozess (in gemeinsprachlichen Texten sowie auch Fachtexten). Die Überwindung der Kulturbarrieren steht in engem Zusammenhang mit der Überwindung der Sprachbarrieren: Kulturund Sprachbarrieren sind Vorderund Rückseite derselben Münze. Jede Textsorte ist unter bestimmtem Einfluss der Ausgangskultur, wobei die herrschende Weltsicht des Ausgangsmilieus tongebend ist: „Weitaus grundsätzlichere Probleme entstehen schließlich aus der kulturell unterschiedlich geprägten Weltsicht verschiedener menschlicher Gemeinschaften, die sich jeweils auch in deren allgemeinem wie fachlichem Sprachgebrauch niederschlagen.“ 6, S. 152 Die Wissenschaft kann also unterschiedliche Wege beschreiten und unterschiedliche Welten widerspiegeln. 3 Soziokulturelle Kompetenz Soziokulturelle sowie pragmatische Kompetenz jedes Übersetzers bezieht sich auf Sprache und Kommunikation. Bei der Ausbildung jedes Mediators der Sprache und Kultur kommt die Notwendigkeit zur Beschäftigung mit kulturspezifischen Verhaltensschemata und kulturspezifischen Versprachlichungsstrategien zu Wort. Wichtig ist seine Fähigkeit, kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten jeder Sprachgemeinschaft zu kennen und bei der Gestaltung eines Translats zu akzeptieren. In den Vordergrund kommt die Rolle der soziokulturellen Gegebenheiten, kulturspezifischer Realien oder Gepflogenheiten. Sehr lange sah man die Besonderheit der Übersetzung von Fachtexten nur im Wortschatz und Terminologie. Die kulturelle Seite, die vorwiegend durch Realien geprägt wird, stand am
250 Rande des Interesses der Übersetzer sowie Übersetzungswissenschaftler. In den letzten drei Jahrzehnten kamen neue Impulse in der Forschung der Kulturspezifik der Fachtexte, was vor allem durch den Drang der wirtschaftlichen Globalisierung hervorgerufen wurde. Die weltweite, vor allem wirtschaftliche, aber auch wissenschaftliche Vernetzung führt zu einem verstärkten Austausch zwischen Kulturen und Märkten, damit auch zu starken Änderungen in der Übersetzungstätigkeit, wie es Wolfram Wilss 10, S. 146 unterstreicht: „Infolge des riesigen internationalen Informationsaustausches leben die einzelnen Sprachen heute mehr denn je vom gegenseitigen Nehmen und Geben. Wir bewegen uns in der Fachkommunikation vornehmlich auf der Basis lateinischgriechischer Wortstämme auf eine internationale Verkehrssprache zu, die man als ‚Technik-Esperanto’ bezeichnen könnte. Verstärkt wird diese Entwicklung durch die Bemühungen um die Schaffung einer weltweit standardisierten Sprache für domainübergreifenden Dokumentationsaustausch, eine Entwicklung, die die fachtextbezogene Übersetzungspraxis nachhaltig beeinflussen wird und damit auch ausbildungsspezifische Implikationen hat.“ Es kam zu einer weltweiten Anglifizierung der Fachkommunikation, was auch die gegenwärtige Übersetzungspraxis nachhaltig beeinflusst. In unserer Zeit der elektronischen Vernetzung der Welt wurde das Englische zur globalen Lingua franca, d. h. zur wichtigsten Mittlersprache der Welt. Trotzdem spielt die nationale Kulturspezifik der Fachtexte weitgehend eine wichtige Rolle, da es zu keiner vollen Anglifizierung der internationalen Fachkommunikation in der Zukunft kommt. Die Einzelsprachen der Weltökonomik, Wissenschaft und Technik (vor allem das Chinesische, Französische, Deutsche, Russische, Spanische) verlieren in keinem Fall ihre Rolle als nationale wie auch als internationale Einzelsprachen fachlicher Kommunikation. Jeder Fachtext hat seine Kulturspezifik, seine regionale und ethnische Identität, so spricht man z. B. von einem sachsonischen (in England und in den USA existierenden), einem teutonischen (an die klassischen deutschen Universitäten gebundenen, auch in Osteuropa gepflegten), einem gallischen (in den romanischen Ländern dominierenden) und einem nipponischen (für Japan, aber sicher auch andere ostasiatische Länder typischen) intelektuellen Stil. Als Beispiel kann auf die Existenz einer östlich-chinesischen und einer westlich-europäischen Medizin verwiesen werden. Aus der kulturell unterschiedlich geprägten Weltsicht verschiedener menschlicher Gemeinschaften entstehen übersetzerische Probleme, die eine gewisse kulturell-fachliche Überbrückung vonseiten der Übersetzer verlangen: „Die Überbrückung solcher sog. ‚Kultureme’ stellt die internationale Fachkommunikation mitunter vor erhebliche Schwierigkeiten, etwa wenn es darum geht, einen politologischen Kommentar zur amerikanischen Verfassung in das Chinesische zu übertragen oder eine chinesische Fachabhandlung über Naturheilverfahren in die amerikanische Wissenschaftssprache der Medizin zu übersetzen.“ 6, S. 152 4 Erwerb fachsprachlicher Kompetenzen Es hängt von der Fachlichkeit der Texte ab, wie die kulturspezifischen Vertextungskonventionen zur Geltung kommen. In der Publizistik, wo die Fachlichkeit gering ist, sieht es anders aus, wie bei der Übersetzung von Patentschriften oder von Arbeitszeugnissen, wo eine Textumgestaltung bezüglich der kulturellen Unterschiede erforderlich ist. Bei Laienlesern der Gebrauchstexte fehlt es oft an Informationen, so soll man sie den zielsprachlichen formalen Konventionen informativ und kulturell anpassen. Eine solche kulturelle Umgestaltung ist wegen Konventionen des Empfängers wichtig. Im Bereich der Medizin spielen eine entscheidende Rolle international geltende Konventionen, wenn es
251 um Bedienungsanleitungen geht. Ganz anders ist es mit den völkerrechtlichen Verträgen. Eine Hyperinformation vonseiten der Übersetzer enthalten Zeitungsmeldungen, die nicht selten eine Anpassung in der Zielsprache brauchen. Es fehlt hierbei oft an kulturellen Informationen, so muss man bei Lesern die Informationslücke überwinden. Bei der fachinternen Kommunikation geht man aus der Funktion aus. Hier muss man vor allem die Sprachbarrieren überwinden. Die Überwindung der Kulturbarrieren tritt in den Vordergrund, wenn man Texte der fachexternen Kommunikation übersetzt. Wichtig ist also laut geltenden Regeln der heute so hoch geschätzten Skopostheorie, ob man Fachtexte fachintern oder fachextern verwendet. Den Fachlichkeitsgrad der Texte muss man immer in Kauf nehmen. Bei der fachinternen Kommunikation geht es also vorwiegend um die Überwindung der Sprachbarrieren. So z. B. einen medizinischen Text übersetzen heißt, die Funktion und den Inhalt des Ausgangssprachentextes zu bewahren. Anders ist es bei einem Werbetext, wo man den Inhalt und auch die Funktion verändern kann. Dies ist ein typisches Beispiel für die Funktion verändernde Übersetzung. Die Funktion bewahrende Übersetzung medizinischer Texte verlangt vom Übersetzer wegen hoher Qualität mehr Denkanstrengungen: Ein solcher engspezialisierter Text setzt einen kompetenten Übersetzer voraus. Der Weg zum Erwerb solcher Fachkompetenz mag schwierig sein, aber er ist vorgezeichnet. Von den fachsprachlichen Kompetenzen her gehen Hans G. Hönig und Paul Kußmaul 4, S. 149 diese Frage an: „Einem Übersetzer, der sich auf Fachtexte (etwa medizinische) spezialisiert hat, können wir gezielte Hinweise geben, wie er seine übersetzerische Kompetenz verbessern kann. Wir empfehlen ihm z. B., sein medizinisches Fachwissen zu vergrößern, die Fachterminologie zu lernen und sich eine Kartei konventionalisierter Standardformulierungen anzulegen. Wenn der Übersetzer diesen Ratschlag befolgt, wird er mit Sicherheit bessere Übersetzungen hervorbringen können.“ Alle fachsprachlichen Kompetenzen sind bei bestimmter Begabung erlernbar. Die Gesamtkompetenz ermöglicht dem Übersetzer, sich die nötige Übersicht in seinem Fach (Medizin, Wirtschaft, Recht, Technik usw.) zu verschaffen. Die Gesamtkompetenz des Übersetzers ist als Ergebnis einer allgemeinen Bildungskompetenz zu begreifen. 5 Flexibilität der Sprachund Kulturmediatoren Fachübersetzer sind heute zunehmend gezwungen, Ansprüchen gerecht zu werden, die weit über ihre traditionellen sprachbezogenen Aufgaben hinausgehen. Zur Umkodierung eines ausgangssprachlichen Fachtextes ist heute eine perfekte Sprachkompetenz nicht genügend. Ohne eine entsprechende kommunikative Übersetzungskompetenz kann der Übersetzungsprozess nicht erfolgreich sein. In der Fachliteratur 1, S. 459 finden wir die Betonung dieser übersetzerischen Fähigkeit: „Unter einer ‚kommunikativen Übersetzungskompetenz’ wollen wir die Fähigkeit des jeweiligen Übersetzers verstehen, ausgangssprachliche Fachtexte als interkulturell, sozial, situativ, kognitiv und funktional bestimmte, sachlogisch strukturierte, semantisch-syntaktisch gegliederte sowie hierarchisch organisierte sprachliche Einheiten in die jeweilige Zielsprache zu übermitteln.“ Oft erscheinen zahlreiche Übersetzungsprobleme, die nicht nur sprachlich bedingt sind, wie etwa Kulturspezifik fachlicher Botschaften oder die Kulturraumabhängigkeit fachlicher Texte. Die Überbrückung solcher Unterschiede verläuft im Übersetzungsprozess, da geschulte Sprachund Kulturmediatoren über die Kompetenz-zwischen-Kulturen verfügen. Die Kompetenz-zwischen-Kulturen bezieht sich also auf das Wissen des Übersetzers über Selbst-,
252 Fremdund reflexive Selbstbilder der betreffenden Arbeitskulturen im gegenseitigen Bezug aufeinander und auf die potentiellen Auswirkungen solcher Bilder auf die interkulturelle Situation. Erst das Erkennen der Selbstreflexion der Arbeitskulturen und des Einflusses dieser Selbstreflexion auf die interkulturelle Kommunikation ermöglicht es dem Übersetzer, die kulturelle Seite des Translats zu bewahren, zu kompensieren bzw. zu korrigieren. Jeder Fachtext hat seine Kulturspezifik, seine regionale und ethnische Identität, die sich z. B. auch im schriftlichen und mündlichen Kontakt der Wissenschaftler manifestiert (Unterschiede in Anredeformeln und Titeln in Europa, in den USA und in Asien – Japan, China, Korea). So ist z. B. die Verwendung von Anredeformeln und Titeln von Kultur zu Kultur in Deutschland und in den slawischen Ländern so sehr unterschiedlich, dass sie zu Missverständnissen führen kann (z. B. als Ausdruck des Hochmuts). Was die kulturellen Probleme angeht, muss z. B. auch die Verwendung des weiteren, nicht fachlichen Wortschatzes ins Auge gefasst werden (wie z. B. zahlreiche wichtige Begriffe, Bilder, Metaphern und Redewendungen der Alltagssprache eines konkreten Volkes, die ihre Wurzel in der gegebenen Kultur haben). Diese außertextuellen Faktoren des Übersetzens, die sehr oft mit psychologischen Aspekten eng verbunden sind, bleiben nicht selten von manchen Übersetzern unbeachtet. Dies kann zu den Problemen der semantischen Unklarheit führen. Die Übersetzer werden durch diese Probleme oft verwirrt. Nicht selten leistet ihnen nur der Kontext eine entscheidende Hilfestellung. Schlussfolgerungen Das Übersetzen von Fachtexten hat immer seine kulturellen Hindernisse. Jede Ausdrucksform der interkulturellen Fachkommunikation hat seine Kulturspezifik, deshalb müssen diese Aspekte bei der Ausbildung professioneller Übersetzer und Dolmetscher betrachtet werden. Es ist hierfür das sprachliche Wissen nicht genügend, so muss das kulturelle Wissen in der Ausbildung vermittelt werden. Zum Thema Fachsprachen gibt es schon einen Regalmeter Fachliteratur, trotzdem nicht genug maßgeblich wissenschaftliche Arbeiten zum Thema Kulturspezifik in der Fachübersetzung. Es geht dabei auch um die Entwicklung einer allgemeinen Theorie der Fachübersetzung mit Blick auf Deutsch, Englisch, und hier in unserem Kulturraum insbesondere auf alle Nachbarsprachen (nicht nur Polnisch, Slowakisch und Tschechisch, sondern auch Ungarisch, Ukrainisch, Russisch und Rumänisch). Es hilft dabei eine sprachpaarbezogene Auseinandersetzung mit Übersetzungsproblemen, die kulturspezifisch bedingt sind. Literatur [1] BAUMANN, K.-D.: Die Fachlichkeit von Texten als Übersetzungsproblem. In: Fleischmann, E.; Kutz, W.; Schmitt, P. A. (Hrsg.), Translationsdidaktik. Grundfragen der Übersetzungswissenschaft. Tübingen, Gunter Narr Verlag, 1997, S. 457–463. ISBN 3-8233-4630-X. [2] FLUCK, H.-R.: Fachsprachenforschung. In: Snell-Hornby, M.; Hönig, H. G.; Kußmaul, P.; Schmitt, P. A. (Hrsg.), Handbuch Translation. Tübingen, Stauffenburg Verlag, 1998, S. 72–77. ISBN 3-86057-991-6. [3] HAJDU, Z.: Developing Intercultural Competencies in Foreign Language Education. In: Besznyák, R.; Bocz, Zs. (Hrsg.), Porta Lingua – 2016. SZOKOE, Budapest, 2016, S. 53–63, ISSN 1785-2420. [4] HÖNIG, H. G.; KUSSMAUL, P.: Strategie der Übersetzung. Ein Lehrund Arbeitsbuch. 4., unveränderte Auflage. Tübingen, Gunter Narr Verlag, 1996. ISBN 387808-586-9.
253 [5] KOLLER, W.: Einführung in die Übersetzungswissenschaft. 5., aktualisierte Auflage. Wiesbaden, Quelle Meyer, 1997. ISBN 3-8252-0819-2. [6] ROELCKE, Th.: Fachsprachen. 3., neu bearbeitete Aufl. Berlin, Erich Schmidt Verlag, 2010. ISBN 978-3-503-12221-9. [7] SCHMITT, P. A.: Die ‚Eindeutigkeit‘ von Fachtexten: Bemerkungen zu einer Fiktion. In: Snell-Hornby, M. (Hrsg.), Übersetzungswissenschaft. Eine Neuorientierung. 2., durchgesehene Auflage. Tübingen und Basel, A. Francke Verlag, 1994, S. 252–282. ISBN 3-8252-1415-X. [8] STOLZE, R.: Übersetzungstheorien. Eine Einführung. 2. Auflage. Tübingen, Gunter Narr Verlag 1997. ISBN 3-8233-4956-2. [9] TELLINGER, D.: Der kulturelle Hintergrund des Translats – Kultur als Substanz der Kommunikation. Košice, Typopress, 2012. ISBN 978-80-89496-06-8. [10] WILSS, W.: Übersetzungsunterricht. Eine Einführung. Tübingen, Gunter Narr Verlag, 1996. ISBN 3-8233-4958-9. PhDr. Dušan Tellinger, CSc.
254 KULTÚRNE POZADIE ODBORNÉHO PREKLADU Vplyv kultúry sa prejavuje v rôznych typoch odborných textov. Nielen iba pri umeleckom preklade ide o medzijazykový a súčasne aj medzikultúrny proces, no vzťahuje sa to aj na odborný preklad. Takmer pri všetkých typoch odborného prekladu sa manifestujú kultúrne špecifické reálie. Ešte počas štúdia možno vštepiť prekladateľom a tlmočníkom znalosti, ako majú prekladať reálie: počnúc prevzatím cudzích pomenovaní až po ich náhradu vysvetľujúcim ekvivalentom. Z didaktického hľadiska možno na takýchto seminároch sprostredkovať cudziu kultúru prácou s rôznymi typmi odborných textov (počnúc odbornými článkami, končiac reklamami), no aj s textami z masmédií. THE CULTURAL BACKGROUND OF PROFESSIONAL TRANSLATION The influence of national cultures is of great importance in all kinds of scientific translation. It seems that not only literary translations, but also scientific translations, are interlingual and intercultural processes. Both literary and non-literary texts may include so-called realia. Translators and interpreters as ideal cultural brokers may gain experience with a flexible bridging role which incorporates language and cultural mediation of scientific discourse. It should be perceived as a unique opportunity for the development of cultural and language competence in lifelong praxis. Only full language and cultural awareness can guarantee that all modifications of a source text to the target culture are included in a broad spectrum, be it scientific articles, commercials or mass media texts. TŁO KULTUROWE TŁUMACZENIA SPECJALISTYCZNEGO Wpływ kultury przejawia się w różnych typach tekstów specjalistycznych. Z procesem międzyjęzykowym a zarazem międzykulturowym mamy do czynienia nie tylko przy tłumaczeniach artystycznych, dotyczy to także tłumaczeń specjalistycznych. Niemal we wszystkich typach tłumaczenia specjalistycznego pojawiają się specyficzne realia kulturowe. Już na etapie studiów można w tłumaczach pisemnych i ustnych zaszczepić sposób tłumaczenia rzeczywistości: począwszy od przyjmowania obcego nazewnictwa po ich zastępowanie odpowiednikami wyjaśniającymi. Z dydaktycznego punktu widzenia na takich zajęciach obcą kulturę można przyswajać pracując z różnymi typami tekstów specjalistycznych (począwszy od fachowych artykułów, kończąc na reklamach) oraz z tekstami ze środków przekazu.