Völkisches, ‚rechtes‘ und konservatives Gedankengut in den mitteleuropäischen Kulturen und Literaturen. Editorial
Abstract
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Full text
Völkisches, ‚rechtes‘ und konservatives Gedankengut in den mitteleuropäischen Kulturen und Literaturen. Editorial Aleš Urválek– Masaryk ‑Universität Brünn, Herausgeber des Themenschwerpunkts Manche europäischen Länder verzeichnen in den letzten Jahren einen bedenklichen Rechtsruck. Für viele von ihnen, insbesondere im mittel/osteuropäischen Bereich, gilt in zunehmendem Maße, was man mit sichtlichem Unbehagen in Deutschland registriert: eine Konjunktur völkischen, eine Renaissance ‚rechten‘ Denkens, das Auf‑ kommen antiliberaler und antidemokratischer Demagogen, die eine ‚rechte‘ Nation herbeisehnen. Warum nationalistische Töne heutzutage Zuspruch finden, scheint dank einiger Publikationen der letzten Jahre bereits klarer zu sein, denn mittlerweile gilt als beschrieben, welcher Leserstrategien sich die Rechten bedienen (Thomalla/ Gladič 2021), wie sie sich medial profilieren und stilisieren (Neuffer 2018), welche Zeitschriften, Zeitungen und Verlage der rechten Rhetorik ihren Raum zur Verfügung stellen (Weiss 2017; Wagner2017), und somit das rechte Denken zugriffbereit halten. In den Mittelpunkt der Forschung geraten zunehmend Verleger, Schriftsteller, Publi‑ zisten und Journalisten als sogenannte Netzwerker, die maßgeblich an der Zirkulation von Inhalten und Denkformen beteiligt sind, dank denen die nach 1945 als diskreditiert geltenden Traditionslinien aufgegriffen, die abgebrochenen Traditionsdialoge über die Generationen hinweg aufgenommen und rechte Gegenkulturen in Szene gesetzt werden, deren Attraktivität mitunter auch dem Bonus des Alternativen geschuldet zu sein scheint, um effektvoll gegen die vermeintliche Übermacht des liberalen, kosmo‑ politischen Mainstreams aufzutreten und zu mobilisieren. Im gewissen Sinne sind all die genannten wissenschaftlichen Publikationen der Ambition entsprungen, Zur rechten Zeit (Freietal. 2019) dagegen zu protestieren, was diese vier Zeithistoriker und Zeithistorikerinnen mit sichtlichem Unbehagen registrieren und im Untertitel ihrer großangelegten Studie auf den Punkt bringen: Wider die Rückkehr des Nationalismus. Demgegenüber kommen Studien, in denen ausdrücklich die konservativen Tradi‑ tionen gesichtet und analysiert werden, meist ohne den direkten Bezug zur Gegenwart aus; sie fokussieren– etwa in der neusten Rekapitulation des eigenen Forschungs‑ ansatzes von Stefan Breuer (2021)– den Zeitraum zwischen dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts und der Weimarer Republik, oder aber nehmen nochmals genauer die „Konservative Revolution“ in den Blick, die allenfalls in ihrer Nachwirkung über das Jahr 1945 hinausgelangt (Kunickietal. 2021). Bis ins 21. Jahrhundert reichen in ihren Analysen weder die am Werk von Werner Bergengruen, Hans Carossa, Ernst Wiechert und Reinhold Schneider ansetzenden Interpretationen der konservativ‑ bildungsbürgerlichen Literatur (Kaluza 2020), noch andere kollektive Arbeiten, in denen Historiker, Politologen, Soziologen und Literaturwissenschaftler das konser‑ vative Feld immer wieder neu vermessen, um isolierte oder in Netzwerken agierende
8BRÜCKEN 29/1 konservative Protagonisten vorzustellen (Schütz/Hohendahl 2009). Der zunächst un‑ gewöhnlich wirkende Zeitrahmen der Jahre 1930–1950, an dem sich mehrere Studien orientieren (Kaluza 2020; Gallus/Schildt 2011), ergibt sich aus der Überlegung, eben jenseits der historischen Zäsuren von 1918 oder 1945 das Spannungsfeld von Kontinui‑ tät und Diskontinuität zu fokussieren, so dass der Blick auf die Gegenwart nicht un‑ bedingt relevant erscheint. Intensive Nachlass‑ und Zeitschriftenforschungen führen hier darum zu neuen Kontextualisierungen, detailiert werden Wandlungsdynamik und Transformationsprozesse des konservativen Denkens und Schreibens, innerhalb (West)Deutschlands oder auch komparativ (Schütz/Hohendahl 2012) untersucht, wo‑ bei gerade die Berührungszonen zwischen dem Konservativen und Liberalen manchen untersuchungswürdigen Fall ans Licht bringen (etwa Margret Boveri) oder Akteure in ein neues Licht stellen, bei denen man eine Nähe zum Konservativen nicht unbedingt erwarten würde (Theodor Heuss, Gerhart Hauptmann). Und wenn selbst die Koryphäe der konservativen Forschung Breuer in seinem– oben genannten– neuesten Buch unter der Rubrik konservativ manche Namen rubriziert, die er in seinen früheren Texten, die ja stets ums begriffliche Präzisieren des konservativen Feldes bemüht waren, mit anderen Labels zu versehen pflegte, dann weist es mindestens darauf hin, dass das Feld um Paul de Lagarde, Julius Langbehn, Constantin Frantz, Thomas Mann immer noch nicht ergiebig erforscht ist und sich Neuperspektivierungen nicht versperren sollte. Mit dieser Hoffnung im Rücken nehmen sich die brücken vor, dem äußerst ak‑ tuellen und wissenschaftlich bei Weitem nicht „erledigten“ Thema ein Themenheft zu widmen, dem eine Ringvorlesung im Herbstsemester 2021 am germanistischen Institut der Masaryk Universität vorausgegangen war, deren Beiträger sich zum Teil hier wiederfinden. Nicht zuletzt zu diesem Anlass ist klar geworden: Das heutige völkische, ‚rechte‘ und konservative Gedankenrevival greift auf das nun eben zu interpretierende Arsenal der Bilder, Begriffe, Themen und Argumentationen zurück, die innerhalb der diesbezüglichen Tradition in den letzten ca. 130 Jahren formuliert worden sind. Von dieser These ausgehend leitet die thematische Nummer der brücken den zeitlichen Rahmen ab, insofern sie in der Vielfalt der gesammelten Beiträge das völkische, ‚rechte‘ und konservative Gedankengut in seiner Hochphase thematisiert, also vom letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts an, als sich, je nach Sicht, innerhalb oder außerhalb des Konservativen das Völkische herauskristallisierte, über die Jahre der sog. Konservativen Revolution (ca. 1918–1933) bis zu den Jahren der nationalsozia‑ listischen Herrschaft und über das Jahr 1945 hinaus. Den territorialen Rahmen bildet das, was Paul de Lagarde, ein Vordenker des völkischen und konservativen Denkens, bereits in den 1850er Jahren als die Aufgabe der deutschen Politik bezeichnet hatte: „Mitteleuropa“. Insofern die Forschung die vielfältigen Interaktionen zwischen dem (reichs)deut‑ schen und österreichisch ‑deutschen Raum nach vor als ihr Desiderat bezeichnet, lag es nahe, mannigfaltige Formen des völkischen, ‚rechten‘ und konservativen Denkens und Schreibens im mitteleuropäischen Raum zu fokussieren, um die Formen, Artiku‑ lationen, Manifestationen, Repräsentationen und Transformationen des völkischen, ‚rechten‘ und konservativen Gedankengutes zu sortieren und zu kontextualisieren. Da das Feld der so zu rubrizierenden Intellektuellen, Periodika oder Institutionen un‑ überschaubar groß ist, bildet den Auftakt der Nummer die Studie von Uwe Puschner,
9ALEŠ URVÁLEK die aus dieser Breite heraus den antihumanistischen „völkischen Denkstil“ heraus‑ zuarbeiten sucht. Panoramatisch werden darin die Grundlagen des „Völkischen“ vor‑ gestellt, das in vielen Aspekten aus dem Werk von Paul de Lagarde zehrte und mit der Zeit um rassische Komponenten erweitert wurde, sich mit antisemitischem und antislawischem Vokabular amalgamierte. Eine gedanklich eklektizistisch integrative Leistung, die– in den pessimistischen Verfalls‑ und Bedrohungsszenarien, in denen dualistisch angelegte Konzepte gefragt waren– weitreichende Desintergrationspro‑ zesse zu legitimieren glaubte. Puschners großangelegter Studie, die nicht nur eine Fülle an akribisch angeführten Detailinformationen, sondern auch manche Berührungspunkte mit sowie Absetz‑ versuche des Völkischen von Reformbewegungen des rechten Spektrums inklusi‑ ve der Nationalsozialistischen umreißt, folgen einige monographische historische Einzeluntersuchungen, in denen zunächst die österreichisch ‑deutsche Perspektive in den Vordergrund rückt, die– so der Beitrag von Tillmann Heise– sich dezidiert als transnational verstand und (jung)konservatives antiliberales Agieren in einen europäischen Rahmen einzubetten suchte. Mit K. A. Rohans (1898–1975) in frühen 1920er Jahren in Wien gegründetem Kulturbund und der von 1925 aus tief bis in die Kriegszeit hinein erschienenen Zeitschrift Europäische Revue gerät eine institutionell fundierte Aktivität in den Blick, die Heise allerdings in einem produktiven Dialog mit der bisherigen Forschung anders perspektiviert, indem er diese intellektuellen Akti‑ vitäten unter einen vergemeinschaftenden Aspekt der darin zusammenkommenden Netzwerke stellt, die zu der Zeit ideologisch keineswegs so homogen waren, wie es aus dem Rückblick erscheinen dürfte. Somit gelingt Heise eine plausible Schilderung der für diese Zeitschrift typischen gegensätzlichen Tendenzen, die sich in der Spannung zwischen Pluralismus, Transnationalismus, Inklusion einerseits und Hegemonie, Nationalismus und Exklusion andererseits befinden. Auf dem österreichischen Gebiet, allerdings bereits ein Jahr vor Rohans Geburt, das heißt noch zur Zeit der Doppelmonarchie Österreich ‑Ungarn, genauer während der Badenischen Sprachverordnungen 1897, beginnt Sven Fritz seine Schilderung der europäischen Dimension völkischen Denkens, in deren Mittelpunkt Houston Stewart Chamberlain steht. Bald jedoch verlagert sich der Handlungsort nach Bayreuth, um in einigen Schritten das Aufgehen der pangermanischen Saat schildern zu können, um die sich der Wahldeutsche Chamberlain mit seinen Grundlagen des 19. Jahrhunderts bemühte. Der biographische Teil führt in die Vor‑ und Nachgeschichte dieses Werkes, das im letzten Jahr des 19. Jahrhunderts erschien und aufgrund seines synkretistischen Ansatzes breit rezipiert wurde. Folglich lenkt Fritz sein Augenmerk auf drei von der Forschung bisher kaum analysierte Episoden, in denen Chamberlain in der Rand‑ und Peripheriezonen der Monarchie agiert, zunächst in Bosnien Beweise für seine Thesen vorfindet, dann als umtriebiger Distributor seiner Texte im mährischen Sudetenland sowie in Rumänien als fleißiger Respondent der jüdischen Frage sich exponiert. Ausschließlich im sudetendeutschen Raum ist der Beitrag von Martin Klement an‑ gesiedelt, in dem mit dem Sudetendeutschen Turnertum ein Werk, mit dem Deutschen Turnerverband eine zwischen 1918 und 1935 in der Tschechoslowakei tätige Institution und mit Rudolf Jahn (1911 in Asch– 1989 in Sinzheim) ein herausragender und heute vergessener Herausgeber präsentiert werden. Klement geht der eigentümlichen Art nach, mit der Jahn das im Turnerverband gepflegte völkische Gedankengut inter‑
10 BRÜCKEN 29/1 pretierte, wobei er, etliche bisher wenig eingesehene Druck‑ und Zeitschriften im Blick, den geistigen Hintergrund Jahns ideengeschichtlich untersucht. Zentriert ist der erste Teil der Studie um den Namen Konrad Henleins, der in Jahns Schilderung der Geschichte des Turnerverbands „überrepräsentiert“ wird. Insofern hatte Henlein in dessen Geschichte eine narrativstiftende Zäsurrolle inne, die ihm Jahn im ersten Teil der Geschichte zugeschrieben hat, um die Chronik nach eigenen Maßgaben er‑ zählen zu können, also mit einem ideengeschichtlichen Bruch, den gerade Henlein verkörpern soll. Dieser Bruch allerdings, so Klement, sei in der weltanschaulichen Tradition nicht festzustellen, vielmehr habe in Henleins Büchern im Kleinen gesche‑ hen, was „die Verbandsturnerzeitung im Großen betrieben“ habe. Klement begibt sich folglich in die Tiefen der weltanschaulichen Gemengelage, um die Gedankenwelt des Verbunds zu rekonstruieren sowie in einem großen Bogen Jahns Engagement für die Völkischen nachzugehen. Den historischen Sonden folgen drei literaturwissenschaftliche Beiträge von Krappmann, Horňáček und Walcher. Überraschend mutet auf den ersten Blick der Titel von Jörg Krappmann an, insofern darin „konservative Zukunftsromane“ der österreichischen Literatur um 1900 analysiert werden, obwohl, wie Krappmann zu Beginn konstatiert, man überwiegend davon ausgehe, dass Zukunftsromane von konservativen Autoren stammen würden, wovon nicht selten ihre geringe Qualität abgeleitet werde. Um solch pauschalisierende Lesarten zu meiden, werden mit drei politisch als konservativ zu verortenden Texten vergessener Autoren (Vinzenz Chia‑ vacci, Otto von Leixner und Sigmund Wilheim) zugleich drei jeweils unterschiedlich narrativ umgesetzte Zukunftsentwürfe analysiert; mit den publizistischen Wiener Wandelbildern Sigmund Wilheims gewinnt Krappmann eine Vergleichsbasis, von der sich dann Der Weltuntergang. Eine Phantasie aus dem Jahre 1900 Chiavaccis und 2086 oder das Weltalter der Gleichheit Leixners in unterschiedliche Richtungen abheben, von Krappmann detailiert vergleichend analysiert. Dieser Vergleich ermöglicht ihm mit‑ unter über die politische Begrifflichkeit hinweg einige grundlegende Bemerkungen zur Entwicklung des Zukunftsromans vorzubringen. Einen kleinen Schritt hin zur Historiographie sowie zu den Böhmischen Ländern, die ja unter der Rubrik mitteleuropäischer Kulturtransfer als ein mögliches For‑ schungsthema des Heftes angedacht war, macht in seinem die konservativen sowie alternativgeschichtlichen Komponente im Bild des Thronfolgers Franz Ferdinand in der deutschsprachigen Literatur und Historiographie der Böhmischen Länder fokussierten Beitrag Milan Horňáček aufmerksam. Einleitend wird das alternativ‑ geschichtliche Potential des Thronfolgers skizziert, dessen Befund– in die Figur des Thronfolgers werden nach wie vor Hoffnungen ob einer Reform Mitteleuropas hineinprojiziert– nicht unbefragt übernommen, sondern mit einigen Texten kontras‑ tiert. Zunächst mit den mitunter das alternativgeschichtliche Szenario in Erwägung ziehenden Memoiren des in Troppau geborenen Moritz von Auffenberg, erschienen 1920 und 1921, ferner mit den in den 1930er Jahren publizierten Romanen Apis und Este Bruno Brehms und Der Thronfolger des in Schaffau/Šafov geborenen Ludwig Winder. Darin wird der Thronfolger mal als tragischer aber überaus sympathischer Protagonist dargestellt (Krieg wird im antimodernistischen Sinne als Kampf zwischen den durch die Moderne entfesselten Nationalismen und dem der Vergangenheit überantworteten Universalismus ausgelegt), das andere mal mit realitätsfernen und
11ALEŠ URVÁLEK pathologischen Zügen versehen, eine negative Projektionsfläche für alle Übel des alten Europa schlechthin. Abschließend werden anhand der von Emil Franzel verfassten Biographie Franz Ferdinands, in der dieser, wohl in Unkenntnis der Studie Mohlers und stärker an die klassischen Auffassungen Burkes angelehnt, als „Leitbild einer konservativen Revolution“ erklärt wird, einige kontrafaktische, die Monarchie ins Utopische verklärende Aspekte verdeutlicht. Die Reihe der thematischen Beiträge schließt Bernhard Walchers breitangelegte Studie zu Kasimir Edschmids Europa ‑Texten vor und nach dem Zweiten Weltkrieg ab, in denen der konservative Diskurs in die zu der Zeit enorm ausgeprägten Europadis‑ kussionen eingebettet wird, wodurch der Verfasser mitunter Edschmids Nationalis‑ mus besser in den Griff zu bekommen vorhat. Geschichte (Geschichtswissenschaft) und Literatur halten sich hierin beispielhaft die Wage, insofern an Edschmids zeitlich weit voneinander entfernten Texten Die Schicksalslinie Europas (1926) und Europa durch die Jahrhunderte (1957) zum einen die– überraschend sich kaum wandeln‑ den– Geschichtsbilder und Geschichtsdeutungen, zum anderen die darin erprobten Schreibstrategien in den Blick genommen werden. Edschmid, allgemein bekannt aus den expressionistischen Kontexten oder gegebenenfalls aufgrund seiner zahlreichen Reiseliteratur, wird hier nicht nur als gedanklicher Synthetiker verschiedener Europa‑ Konzepte und Deutschlandbilder inklusive der rassischen vorgestellt, sondern auch als umtriebiger Synkretist, der sich berichtender, erzählender oder essayistischer Darlegungsformen bedient. Den Themenschwerpunkt dieses Hefts rundet in der Rubrik Essays und Be‑ richte der Beitrag von Justus H. Ulbricht ab, der die Nachbarschaftsbeziehungen zwischen sächsischer und böhmischer Jugendbewegung nach 1900 am Beispiel der Wandervogel ‑Gruppen fokussiert. Waren schon vor 1914 national(istisch)e Töne im Ideen‑ und Praxisfeld der Gruppen unüberhörbar, so geriet der geistige Kosmos der Jugendbewegten nach 1918 in den deutsch ‑tschechischen Nationalitätenkampf. Die Beiträge zum Themenschwerpunkt dieses Hefts ergänzt ein weiterer litera‑ turhistorischer Aufsatz, in dem Vojtěch Šimůnek die Reflexionen des preußisch‑ österreichischen Kriegs 1866 in der deutschen und tschechischen Memoirenliteratur sowie ihre Rolle in der Gestaltung der kulturellen Erinnerung an den Krieg untersucht. In ihrem Essay über literarische Golem ‑Darstellungen tangiert Anna ‑Dorothea Lu‑ dewig nicht nur die Geschichte literarischer Stoffe der Erschaffung des künstlichen Menschen, sondern auch hochaktuelle Zusammenhänge im Gender ‑Diskurs und den Debatten über künstliche Befruchtung. Ein Konferenzbericht und eine Reihe Rezensionen gewähren einen kritischen Einblick in aktuelle Forschung im üblichen thematischen Skopus der brücken. LITERATUR Breuer, Stefan (2021): Ausgänge des Konservatismus in Deutschland. Darmstadt: WBG. Gallus, Alexander/Schildt, Axel (2011): Rückblickend in die Zukunft: politische Öffentlichkeit und intel‑ lektuelle Positionen in Deutschland um 1950 und um 1930. Göttingen: Wallstein.
12 BRÜCKEN 29/1 Frei, Norbert/Maubach, Franka/Morina, Christina/Tändler, Maik (2019): Zur rechten Zeit. Wider die Rückkehr des Nationalismus. Berlin: Ullstein. Kaluza, Miriam (2020): Zwischen Geist und Macht. Orientierungssuche und Standortbestimmungen konservativ ‑bildunsgbürgerlicher Autoren in Deutschland (1930–1950). Baden ‑Baden: Ergon. Kunicki, Wojciech/Żarska, Natalia/Zarski, Krzysztof (Hgg.) (2021): Die Literatur der „Konservativen Revolution“. Schreiben zwischen Traditionalismus und Avantgarde. Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht. Neuffer, Moritz/Paul, Morten (2018): ‚Rechte Hefte‘: Rightwing magazines in Germany after 1945.– In: Eurozine, 18.01.2018, URL: <https://www.eurozine.com/rechte ‑hefte ‑rightwing‑ ‑magazines ‑germany‑1945/> [05.08.2022]. Schütz, Erhard/Hohendahl, Peter Uwe (2009): Solitäre und Netzwerker: Akteure des kulturpolitischen Konservatismus nach 1945 in den Westzonen Deutschlands. Essen: Klartext. Schütz, Erhard/Hohendahl, Peter Uwe (2012): Perspektiven konservativen Denkens: Deutschland und die Vereinigten Staaten nach 1945. Bern u.a.: Lang. Thomalla, Erika/Gladič, Mladen (2021): Literatur als Klartext. Wie Rechte lesen.– In: Merkur 862 (März), 5–15. Wagner, Thomas (2017): Die Angstmacher. 1968 und die Neuen Rechten. Berlin: Aufbau. Weiss, Volker (2017): Die autoritäre Revolte. Die Neue Rechte und der Untergang des Abendlandes. Stutt‑ gart: Klett ‑Cotta.