Die Publizistik von Marie Štechová (1890–1970): Feminismus und Ländlichkeit
Abstract
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Full text
Die Publizis ik on Ma ie Š echo á (1890–1970):
Feminismus und Ländlichkei
Jana Ma ko á– Wes älische Wilhelms ‑Uni e si ä Müns e
ABSTRACT
The jou nalism o Ma ie Š echo á (1890–1970): Feminism and Ru ali y
This a icle deals wi h he eminis jou nalism o Ma ie Š echo á (1890–1970) om 1915–
1930. The ex s we e published pa ly in Czech and pa ly in Slo ak. Thei speake is
aphilosophically and eligiously minded in ellec ual whose conce n is o pass on he own
insigh s and expe iences as a o m o p ac ical ad ice. The exp essionism and pa hos o
he ea ly ex s gi e way o i ony in he 1920s. Respec o indi iduali y, he igh o asel -
de e mined li e and ul ilmen in in ellec ual ac i i y a e cen al hemes. The s uggle o
emale sel -asse ion is si ua ed in u ban bou geois socie y. Na u e, on he o he hand, is
ecommended as aplace o p i a e con empla ion and ul ima ely also inne emig a ion.
Š echo á’s iews a e based on he e hos o he p e -wa women’s igh s mo emen , bu he
demands a e placed on anew a gumen a i e basis.
KEYWORDS
gende his o y; eminism; discou se analysis; women’sli e a u e; li e a y non - ic ion.
1. EINLEITUNG
Bůh s ořil muže jako podobens í sebe aženu jako podobens í ži o a. Muž je
bůh malém: p o o oří. Žena je pří oda malém: p o o odí. (Čapek/Čapek 1929
[1918]: 80)
[Go schu den Mann als Abbild on sich selbs und die F au als Abbild de Na u .
De Mann is ein Go im Kleinen: deshalb is e ein Schöp e . Die F au is die Na u
im Kleinen: deshalb is sie eine Gebä e in.]
Das ange üh e Zi a aus dem F ühwe k de B üde Čapek soll e als eine selbs i o-
nische P o oka ion zweie junge Au o en gedeu e we den. Das leg uns zumindes
das Vo wo zu den E s lings ex en nahe, das die Čapeks nach äglich e ass haben
(Čapek/Čapek 1929: 15 ., 18). Nachdem ich mich ausgiebig mi Tex en de Sch i s elle-
in Ma ie Š echo á beschä ig habe, die üb igens de selbe Gebu sjah gang wie Ka el
Čapek wa (1890), ag e ich mich, ob sie den zi ie en Apho ismus wi zig ge unden
hä e. Ich zwei le da an. Aus ih en eigenen Apho ismen, die sie im Lau e de 1920e
Jah e e ass ha , sp ich un e ande em ein Übe d uss an Äuße ungen diese A , wie
auch imme sie gemein seien. In Š echo ás Tex en begegne uns o eine Sp eche in,
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die au pauschalisie ende Aussagen übe F auen ge eiz eagie . Mal en hüll sie
sa kas isch de en Hal losigkei , mal wähl sie ehe den Weg bewuss en Igno ie ens
und e ie sich liebe in philosophische und eligiöse Gedankengänge, die sie in
de Au assung bes ä igen, dass jede Mensch inde e minie und ei sei. Sie g ei
wiede hol den Beg i de ‚A bei am Leben‘ au und e binde mi ihm einen Appell,
dass jede und jede ein Leben üh en solle, ü das e ode sie sich bewuss en schieden
ha . Dabei will sie keine geschlech lichen und ande en Vo bes immungen gel en lassen.
In diesem Bei ag be ach e ich Š echo ás Publizis ik aus den Jah en 1915–1930,
wobei ich in einem klassischen Zweisch i zunächs die Au o in und dann ih e
Tex e o s elle. So wi d deu lich, dass sich Š echo á du ch ih en We degang, ih e
Einbindung in bes imm e Ne zwe ke und ih e li e a ische P oduk ion geziel als
eine emanzipie e F au p o ilie e. Da ih en Tex en eine en hüllende und e o me-
ische Absich innewohn , können sie dem Disku s des eminis ischen Ak i ismus
zugeo dne we den.
Im Kon ex dieses Themenhe es in e essie o allem die F age, welchen S ellen-
we das Ländliche in Š echo ás Tex en ha . Die geis ige Be eiung, ü die Š echo á
plädie , is in ih e Da s ellung eine F age des Willens und des Ve s andes, nich de
passenden Umgebung. Wo man leb , gil ih deshalb g undsä zlich als unwich ig. Den-
noch lassen Š echo ás Tex e e kennen, dass ih besonde s die ländliche S ad nahe is ,
sie gib imme mal wiede zu e kennen, dass ih de en Vo - und Nach eile aus eigene
E ah ung bekann sind (z. B. Š echo á 1923b; Š echo á 1928: 56 .; Š echo á 1929: 14;
Š echo á 1984: 42–44). Diese O ien ie ung mag im Kon ex des Feminismus e was übe
-
aschen, weil die Ein üh ung und E p obung neue e Lebensmodelle meis o allem
mi de G oßs ad assoziie wi d.1 Das Land und die Na u e scheinen in Š echo ás
Tex en jedoch nich als ideale Lebens äume, sonde n ielmeh als melancholisch ge-
zeichne e Rückzugso e ü jemanden, de s a en gesellscha lichen No mie ungen
und unbe iedigenden zwischenmenschlichen Kon ak en en liehen will.
Nach einem Übe blick übe Š echo ás Lebenslau , ih e Ne zwe ke und die G und-
cha ak e is ika ih e Publizis ik e ö e e ich insbesonde e Š echo ás F eihei sbeg i ,
anhand dessen deu lich wi d, inwie e n sie sich on Feminis innen o he ige Ge-
ne a ionen un e scheide .2 Anschließend be asse ich mich mi den G ünden ü ih
posi i es Ve häl nis zu Na u und dem ländlichen Leben, um schließlich sowohl die
inno a i en als auch die konse a i en Aspek e on Š echo ás Tex en zu bilanzie en.
Die Tex analysen s ü zen sich o angig au zwei Tex sammlungen, die Š echo á
selbs zusammenges ell ha (Š echo á 1919a; Š echo á 1928). Bei de e s en handel
es sich um Essays, Feuille ons und E zählungen, bei de ande en ausschließlich um
Apho ismen. Wei e be ücksich ige ich den Buchessay Oženě [Übe die F au] (Š e-
cho á 1929), auße dem eine Auswahl de Slowakisch gesch iebenen Tex e, die de
1 Die Anbindung des Konzep s de „mode nen F au“ an die U bani ä be on z. B. Mongu (2011: 117). Zu
be ücksich igen is alle dings, dass das Modell de „mode nen F au“, wie es in den 1920e Jah en on
de Publizis ik, Li e a u und dem Film p opagie wu de, kein P oduk des eminis ischen Milieus
wa (Bock 2000: 240–247). Zum Inhal des Konzep s siehe Ma ko á (im D uck).
2 Eine sys ema ische Deba e übe die F auenemanzipa ion wu de in de schechischen Publizis ik mi
de G ündung de Zei sch i Ženské lis y [F auenblä e ] im Jah e 1873 begonnen. Die Deba e e iel-
äl ig e und in ensi ie e sich besonde s sei den 1890e Jah en (Heczko á 2009). Š echo á i somi
in einen schon en wickel en Disku s ein.
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Li e a u his o ike Michal Kocák he ausgegeben ha (Š echo á 1984), sowie e gän
-
zend Š echo ás Bei äge in den digi alisie o liegenden Pe iodika Ženský s ě [Die
F auenwel ], Kmen [De S amm] und Lido é no iny [Volkszei ung].
2. ŠTECHOVÁS BIOGRAFIE– EIN BEISPIEL GELEBTER
FRAUENEMANZIPATION
Das wenige, was on Š echo ás Leben bekann is ,3 eich , um es zus ellen, dass sie
in ih em Handeln die damaligen Vo s ellungen on weibliche Emanzipa ion um-
se z e. Das bedeu e o allem, dass sie das Abi u ableg e (1907 am schechischen
Mädchenlyzeum Vesna in B ünn) und ein S udium absol ie e (1907–1912 an de
Philosophischen Fakul ä de schechischen Ka l -Fe dinands -Uni e si ä in P ag)
4
.
Danach üb e sie– wie iele ande e gebilde e F auen– den Be u de Leh e in aus.
Da übe hinaus wa sie zwischen 1915 und 1940 als Publizis in, Sch i s elle in und
Redak eu in ak i .
5
Cha ak e is isch ü die damalige Zei is , dass diese ü eine F au
doch seh be u sbezogene Lebens üh ung mi Familienleben und geglück e Pa ne -
scha schwe e einba zu sein schien (siehe die Biog a ien in Vošahlíko á/Ma ínek
2010). So wissen wi on Š echo á, dass sie zwa e hei a e wa , alle dings nu ün
Jah e lang (1924–1929). Übe wei e e Pa ne ode Pa ne innen sind keine In o ma-
ionen übe lie e , es we den auch keine Kinde e wähn . Š echo á könn e somi als
ein Beispiel da ü gel en, dass das Konzep eine be u lich ak i en Ehe au und Mu -
e in den 1920e Jah en zwa angesag wa , zumindes in den bildungsbü ge lichen
Schich en abe nu sel en umgese z wu de (Bahenská/Heczko á/Musilo á 2017: 59).
3 Zu e lässige In o ma ionen übe Š echo á zu inden, is schwie ig. Im Lexikon české li e a u y [Lexikon
de schechischen Li e a u ] wi d sie in dem A ikel übe ih en Va e , den D ama ike Václa Š ech
(1859–1947), als seine Toch e e wähn , die sich „als Leh e in und Publizis in de Jugendli e a u
widme e“ (Me hau 2008: 735). Ande s als ih em Va e und ih em B ude , dem Kuns his o ike Vác-
la Vilém Š ech (1885–1974), is Š echo á kein selbs s ändige A ikel gewidme . Die Haup quelle ü
In o ma ionen zu Š echo ás Biog a ie bleib somi das Nachwo on Michal Kocák (Š echo á 1984:
235–240). Zule z widme e sich Heczko á (2020: 133–139; 2009: 189–191, 296) de Au o in. Ande s als
Kocák e o sch Heczko á Š echo ás Tex e mi einem gende sensiblen Blick und lies sie im Kon ex de
damaligen eminis ischen Li e a u und Li e a u k i ik. Den A bei en on Heczko á e danke ich die
En deckung Š echo ás. Randbeme kungen sind Š echo á noch in de Hand eichung zu ka holischen
Li e a u Böhmens und Mäh ens on Pu na gewidme (Pu na 1998: 423 .; Pu na 2010: 619). Die genann-
en li e a u wissenscha lichen Quellen b ingen zwa die g undlegenden In o ma ionen zu Š echo á,
manches bleib abe mi Unsiche hei beha e . Zum Beispiel konn e ich nich mi Siche hei es s ellen,
welchen Namen Š echo á e wende e, nachdem sie gehei a e ha . Man inde olgende Va ian en:
„Lenhe o á“ (Heczko á 2020: 139), „Lehne o á“ (Me hau 2008: 735) und „Š echo á -Lehne o á“ (Š e-
cho á 1984: 236). Alle biog a ischen In o ma ionen, die ich im Wei e en an üh e, en nehme ich dem
Nachwo on Kocák (Š echo á 1984: 235–240), ohne sie au ih e Rich igkei übe p ü zu haben.
4 In Ös e eich -Unga n du en F auen ab 1897 s udie en, zunächs nu an philosophischen Fakul ä en.
In g öße em Um ang se z e sich das F auens udium e s nach 1920 du ch (Bahenská 2016: 352).
5 Ab dem Jah 1915 sch ieb Š echo á Bei äge ü die Zei sch i Ženský s ě [F auenwel ] und a bei e e
do zugleich als Redak ionsmi glied. Die le z e in Soubo ný ka alog ČR [Gesam ka alog de Tschechi-
schen Republik; URL: <h ps://skc.nkp.cz/>] e zeichne e Publika ion on Š echo á s amm aus dem
Jah 1940. Tex e, die Š echo á nach dem Zwei en Wel k ieg sch ieb (Heczko á 2020: 139), sind bishe
un e ö en lich . Die Publika ion Kuchařka [Kochbuch], als de en Au o in eben alls Ma ie Š echo á
ange üh wi d (E s ausgabe 1908, Me hau 2008: 737), wu de e mu lich ehe on Š echo ás Mu e
e ass .
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Beme kenswe an Š echo ás Biog a ie is auße dem die hohe Mobili ä . Š echo á
e b ach e– sowei es sich ekons uie en läss – meh e e Jah e in P ag und B ünn,
einen bedeu enden Teil ih es Lebens abe auch in e schiedenen Kleins äd en. 1890
in de S ad Slaný (Schlan) in de Nähe on P ag gebo en, zog sie im Al e on ie
Jah en nach P ag. Zwischen 1904 und 1907 besuch e sie die Vesna -Schule in B ünn, on
1907 bis 1912 s udie e sie in P ag. Anschließend wa sie als Leh e in an e schiedenen
Schulen, e mu lich nich nu in P ag, ä ig. Nach de Republikg ündung 1918 ging
sie in die Slowakei, wo sie mi Un e b echungen die zwanzige Jah e e b ach e. Ve -
mi el du ch Kon ak e aus de B ünne Vesna a sie die Lei ung de neu geg ünde en
höhe en Mädchenschule in Tu z -Sank Ma in (Tu čiansky s .Ma in) an.
6
Aus ih e
Ko espondenz und Publika ions ä igkei läss sich ablesen, dass sie zwischendu ch
wiede in B ünn und on 1924 bis 1929 mi ih em Ehemann in Zla é Mo a ce (eine
Kleins ad in de Nähe on Ni a) leb e. Nach ih e Scheidung leb e sie e mu lich
wiede in P ag und an un e schiedlichen O en Mi elböhmens. An ang de 1930e
Jah e hiel sie sich noch ö e in Zla é Mo a ce au . Sie s a b 1970 in S ančice bei P ag.
De Wechsel on Böhmen nach Tu z -Sank Ma in (1919) wa kla e weise be u lich
mo i ie . Auch spä e zog sie e mu lich ö e aus be u lichen G ünden um.
3. ŠTECHOVÁS NETZWERKE IN PRAG, BRÜNN UND
TURZ ‑SANKT MARTIN
Es mag zunächs übe aschen, dass eine eminis isch o ien ie e Publizis in zwei Bü-
che he ausgib , wäh end sie in de ländlichen S ad Zla é Mo a ce leb (Š echo á 1928,
1929). Bei nähe em Hinsehen wi d deu lich, dass ih dies möglich wa , weil sie zu o
sch i s elle isch und jou nalis isch be ei s einiges geleis e ha e und dank ühe e
Mi a bei Kon ak e in P ag, B ünn und Tu z -Sank Ma in ha e. Ein Blick au ih e
Ne zwe ke zeig , dass sie in den 1910e und 1920e Jah en o allem mi eminis isch
und libe al einges ell en Kul u scha enden in Ve bindung s and.
Š echo á begann ih e publizis ische Lau bahn 1915 bei de Zei sch i Ženský s ě
[F auenwel ]
7
– in de zwei en Häl e de 1910e Jah e be ei s eine e ablie e eminis i-
sche Pla o m. Zusammen mi Š echo á wi k en do wei e e beach enswe e F auen
wie z. B. die Wissenscha le in Vlas a Kuče o á -Bo o ičko á (1890–?) ode die Jou na-
lis in Míla Síso á (1885–1947). Zwischen 1915 und 1917 wa Š echo á Redak ionsmi glied,
abe auch in den zwanzige Jah en wu den in de Zei sch i noch gelegen lich Tex e
on ih e ö en lich . Zu Š echo ás wich igen P age Kon ak en gehö e auch de
Li e a u k i ike F an išek Xa e Šalda (1867–1937), de ohne Übe eibung als Gu u
de damaligen P age schechischen Li e a u szene bezeichne we den kann. Viele
publizie ende F auen such en bei ihm Rückhal , weil e als Be ü wo e de F auen-
6 Bei de G ündung de Mädchenschule in Tu z -Sank Ma in, de e s en slowakischsp achigen höhe en
Mädchenschule, wa de ehemalige Schullei e de B ünne Vesna -Schule F an išek Ma eš (1862–1941)
behil lich (Dudeko á Ko áčo á 2019: 123). Hajdučeko á (2019: 196) e wähn ausd ücklich, dass Š echo á
die Lei ung de Ma ine Mädchenschule inneha e, den genauen Zei aum üh sie abe nich an.
7 Die Zei sch i wu de 1896–1930 in P ag he ausgegeben. Die G ünde in wa die Sch i s elle in Te éza
No áko á (1853–1912). Meh zum P o il de Zei sch i in Heczko á (2009: 175–183).
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emanzipa ion au a .8 Auße dem gal seine nich -eheliche Beziehung zu de Sch i -
s elle in Růžena S obodo á (1868–1920) ü iele gebilde e F auen als Mus e beispiel
eine mode nen, weil ebenbü igen und in ellek ualisie en Pa ne scha .9 Zwischen
1917 und1919 publizie e Š echo á in Šaldas Wochenzei sch i Kmen [De S amm].10
Dem namha en Šalda e dank e Š echo á e mu lich auch die Ve mi lung an den
O o -Gi gal -Ve lag, de 1929 ih en Buchessay Oženě [Übe die F au] e ö en lich e.
Neben P ag ha e Š echo á auch Kon ak e nach B ünn, diese sind jedoch schwie-
ige nachzu e olgen. In den Jah en 1922 und 1923 sch ieb sie neben gelegen lichen
Feuille ons Tex e ü die Kinde sei e de B ünne Ausgabe on Lido é no iny (z. B.
Š echo á 1922; 1923a). Diese Tex e belegen– wie schon Š echo ás ühe e Bei äge zum
Thema Schulbildung in Kmen (z. B. Š echo á 1919b)– ih p o essionelles In e esse an
de zei genössischen Re o mpädagogik. Da in ähnel sie zum Beispiel Alice Rühle-
Ge s el (1894–1943), die im P age Exil die Kinde beilage des P age Tagbla s lei e e
und da ü Tex e sch ieb (Miko a 2007). Zu e mu en is , dass Š echo á Kon ak e zu
B ünne heosophischen Szene ha e.11
In den 1920e Jah en wa Š echo á auße dem in den slowakischen Zei sch i en
Ži ena und Slo enské pohľady [Slowakische Sich weisen] publizis isch ak i .12 Beide
Zei sch i en wu den in Tu z -Sank Ma in he ausgegeben, so dass es au de Hand
lieg , dass Š echo á die e o de lichen Kon ak e wäh end ih es do igen Schuldiens-
es knüp e. Mi de Sch i s elle in Elena Ma ó hy Šol éso á (1855–1939), die bis 1922
die Redak ion de F auenzei sch i Ži ena lei e e, s and Š echo á übe Jah e hinweg
in b ie lichem Kon ak , genauso wie mi dem Redak eu on Slo enské pohľady, dem
Sch i s elle Š e an K čmé y (1892–1955).13
Tu z -Sank Ma in ha e als Wiege des slowakischen Kul u na ionalismus auch
noch in den 1920e Jah en eine Sonde s ellung– allein wegen de Ta sache, dass es
Ins i u ionen wie den slowakisch -na ionalen Kul u e ein Ma ica slo enská und den
bü ge lichen F auen e ein Ži ena behe be g e (welche üb igens die He ausgebe de
e wähn en Zei sch i en wa en). Im Ve gleich zu P essbu g (B a isla a) und ande en
S äd en de heu igen Wes slowakei ha e es abe den Ru eines ehe ückwä sgewand-
en, om al en Ruhm lebenden O es (Boisse ie 2017). Hollý (2016) e deu lich mi
Blick au das Tu z -Sank Ma in de Jah hunde wende, dass auenemanzipa o ische
Gedanken o mi eligiösen und na ionalen Übe zeugungen und Ge ühlen im Kon lik
s anden. Auch die E inne ungen de in Tu z -Sank Ma in gebo enen Sch i s elle in
und Feminis in Hana G ego o á (1885–1958) legen nahe, dass die Idee weibliche Bil-
8 Als maßgebliches S a emen ü die Un e s ü zung de weiblichen Kuns und Li e a u gil Šaldas
Essay Žena poezii ali e a uře [Die F au in de Poesie und Li e a u ] (Šalda 2000 [1905]: 59–78), de
abe eigen lich die weibliche Kuns als ein Mi el ü die Selbs indung und Wei e en wicklung des
Mannes da s ell .
9 Hie zu die E inne ungen de slowakischen Feminis in und F eundin Š echo ás, Hana G ego o á
(1885–1958), die Šalda ausd ücklich e wähn (C iko á 2007: 149). Zu neuen Pa ne scha skonzep en
siehe auch Unglaub (2016), do am Beispiel on Raine Ma ia Rilke.
10 Die Essays on Kmen gingen zusammen mi Tex en, die Š echo á u sp ünglich ü Ženský s ě sch ieb,
in Š echo ás e s es Buch (Š echo á 1919a) ein, das Šalda (1919) posi i ezensie e.
11 Š echo á (1928: 165) üh an, dass ein Teil ih e Apho ismen zue s in de B ünne heosophischen
Zei sch i České s ědomí [Tschechisches Gewissen] e ö en lich wu de.
12 Die Tex auswahl on Kocák in Š echo á (1984) leg nahe, dass Š echo á in de F auenzei sch i Ži ena
nu zu Beginn de 1920e Jah e publizie e, zwischen 1923 und 1932 dann in Slo enské pohľady.
13 Einige B ie e an Ma ó hy Šol éso á und K čmé y sind in Š echo á (1984) abged uck .
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dung und Selbs s ändigkei noch in den Vo k iegsjah en o als unmo alisch wah ge-
nommen wu de (C iko á 2007: 101–114). Wenn auch angenommen we den kann, dass
in den 1920e Jah en die Akzep anz gegenübe de F auenemanzipa ion sch i weise
wuchs (Dudeko á Ko áčo á 2019: 137–138), wa es ü Š echo á doch siche lich on
Vo eil, dass die on ih e e ene A des Feminismus nich allzu iele Kollisionen
mi mo alischen und eligiösen Emp indungen he o ie .
Eine eigens ändigen Un e suchung we wä e die F age, wie Š echo á in ih e
Publizis ik die Beziehung zwischen Tschechen und Slowaken und die F age eine
slowakischen Eigena modellie e. Sie p äsen ie e sich als slowakophile Tschechin
und Volksbildne in, die dem slowakischen Publikum nich nu die schechische,
sonde n auch die Wel li e a u e mi el (Hajdučeko á 2019: 200). In den slowaki-
schen Zei sch i en wu den ih e Tex e au Slowakisch abged uck . Im Wechsel de
Publika ionssp ache om Tschechischen ins Slowakische schein sie kein P oblem
gesehen zu haben. Slowakische Publika ionso gane wa en o ensich lich bemüh ,
schechischsp achige Bei äge nu in Ausnahme ällen zu e ö en lichen.
Š echo á wa auch in den 1930e Jah en sch i s elle isch ak i . Sie knüp e neue
Kon ak e zu Publika ionso ganen, die eine Anbindung an die ka holische Ki che ha -
en ode sich als Rep äsen a ionen des ka holischen Milieus e s anden. Diese wa en
eilweise in Mäh en angesiedel (z. B. de Ve lag on Jose Flo ian in S a á Říše bei
Iglau, ode de Dominikane e lag K ys al in Olmü z).
Ein zusammen assende Blick au Š echo ás Publika ionen aus den 1910e und
1920e Jah en läss e kennen, dass sie in du chaus enommie en Medien und Ve -
lagen mi übe egionale Reichwei e e ö en lich e. Spezi isch eminis ische Publi-
ka ionso gane (Ženský s ě , Ži ena) nu z e Š echo á o enba als Eins iegspla o m.
Nachdem sie sich als Publizis in e ablie ha e, be o zug e sie ‚no male‘ Kul u -
zei sch i en (Kmen, Slo enské pohľady). Diese En wicklung kann abe auch als Beleg
da ü gel en, dass sich die A ikula ion eminis ische Posi ionen sowie allgemein die
Publika ion on Tex en on F auen spä es ens sei dem Ende des E s en Wel k iegs
nich unbeding au eminis ische Pe iodika besch änken muss e, sonde n sch i -
weise Eingang in die allgemeine Publizis ik and.
Š echo á s ilisie e sich besonde s in den 1920e Jah en als eine Au o in, die mi
dem Leben in de ländlichen S ad e au is . Die e olg eiche Publika ions ä ig-
kei o z hohe egionale Mobili ä sp ich abe da ü , dass sie übe ein kul u elles
Kapi al e üg e, das ein ech e Landmensch kaum hä e au b ingen können. Ih
Beispiel zeig auch, dass F auen mi eminis ischen Ansich en nich unbeding G oß-
s äd e innen sein muss en. Ge ade Leh e innen, die o wich ige Un e s ü ze innen
und P o agonis innen de F auenbewegung wa en (Bahenská 2016: 356 .), leb en
be u sbeding auch au dem Land.
4. DIE PUBLIZISTIK VON ŠTECHOVÁ IM ÜBERBLICK
4.1 DIE FEMINISTISCHE UND DIE KATHOLISCHE PHASE
In beiden Phasen ih es publizis ischen Scha ens, de eminis ischen (ca. 1915–1930)
und de ka holischen (ca. 1930–1940), a bei e e Š echo á mi un e schiedlichen Pub-
lika ionso ganen zusammen: mi eminis ischen sowie libe alen Kul u zei sch i en
71JANA MARKOVÁ
in de e s en und mi ka holischen Re uen und Ve lagen in de zwei en Phase. Mi
de Umo ien ie ung au ki chennahe Medien geh ein Wandel on de al e na i en
zu o hodoxen (ki chlich kon o men) Religiosi ä einhe . Eine kla e inhal liche
Zäsu is o z alledem schwie ig zu bes immen, weil Š echo á im G unde s e s die-
selben Themen e olg e– nämlich F agen de Selbs bes immung und de ich igen
Lebens üh ung, Appelle zu eine Pe sönlichkei sen wicklung hin zu Geis igkei
und In ellek uali ä – und diese schon imme in einen eligiösen Rahmen einbe e e.
Wäh end sie sich abe in den 1910e und 1920e Jah en ak i in den eminis ischen
Disku s einb ach e, lös e sie sich in den 1930e Jah en zunehmend om P og amm
des libe alen Feminismus. Die o le z e Ve ö en lichung (Š echo á 1939) zeichne
sich schließlich in iele lei Hinsich du ch eine Hinwendung zu konse a i en Ge-
schlech e idealen aus (dazu z.B. Š echo á 1939: 25–28). Š echo ás Fall schein somi die
These on Bahenská, Heczko á und Musilo á (2011: 235) zu s ü zen, dass die Deba e
übe die Geschlech e p oblema ik in de Zwischenk iegszei – o z de zahl eichen
Fo - und Rücksch i e im ech lichen Be eich– s agnie e, bis sie im Lau e de 1930e
Jah e so gu wie einschlie .
4.2 LITERATUR ALS HILFE ZUR LEBENSBEWÄLTIGUNG
Im Mi elpunk s ehen bei Š echo á e hische F agen, also F agen nach einem gu en
und e üll en Leben. Auch wenn sie keine g öße e monog aphische S udie gesch ie-
ben ha , zeigen ih e in einzelnen Essays, Apho ismen, Feuille ons und Rezensionen ge-
äuße en Gedanken Konsis enz und Pe sis enz. In den übe wiegend nich - ik ionalen
Tex en begegne de Lese eine Sp eche in, die sich eine sei s bedeck häl und seh
wenig übe sich selbs e ä , ande e sei s abe mi D inglichkei zu e s ehen gib ,
dass die o ges ell en Ansich en seh pe sönlich und absolu eh lich sind.
14
Somi
lesen sich die Tex e in wei en Teilen wie ein Lebensc edo, ge ade die beiden zen a-
len Tex sammlungen (Š echo á 1919a und 1928) wie Hil en zu Lebensbewäl igung,
wie Tex e, du ch die sich die Au o in O ien ie ung e scha und die sie zugleich
als Inspi a ion ande en Suchenden anbie e .15 Mi diesem Anliegen häng Š echo ás
In e esse an Religion(en) und Li e a u zusammen, Be eichen, denen sie sich als
14 Siehe dazu auch das Vo wo zu Š echo á (1928), das au dem Pa adox des gleichzei ig Pe sönlichen
und Unpe sönlichen au bau : „Všechny ela i ně osobní poznámky byly ypuš ěny. Zdů azňuji při om
nu nos , že poznámky budou co nejosobnější, aby mohly bý co nejneosobnější: jen sk ze sebe dobý áme
člo ěka.“ [Alle ela i pe sönlichen Anme kungen wu den ausgelassen. Dabei be one ich die No wen-
digkei , dass die Anme kungen möglichs pe sönlich sind, dami sie möglichs unpe sönlich sind: nu
du ch sich selbs e obe man den Menschen.] (Š echo á 1928: o. S.)
15 Am kla s en wi d diese Absich in dem Vo wo zu Š echo á (1939, o. S.) ausged ück : „Myslím na
neznámého č enáře, k e ý zápolí sněk e ou zmnohých ěžkos í, jež jsem poznala. Jak čas o se ces a
p odlužo ala jen p o o, že nebylo značek, že nebylo nikoho, kdo by z yčil a o né znamení.“ [Ich denke
an einen unbekann en Lese , de mi eine de ielen Schwie igkei en kämp , die ich kennengele n
habe. Wie o wu de de Weg nu deshalb länge , weil es keine Ma kie ungen gab, weil es niemanden
gab, de Wa nzeichen au ges ell hä e.] De Ansp uch an Li e a u , sich au die Lebensp axis aus-
zuwi ken und au sie zu an wo en, p äg nich nu die Essays und Apho ismen, sonde n auch die
Li e a u k i ik Š echo ás. Ähnlich wie z. B. die Sch i s elle in und Feuille onis in Ma ie Pujmano á
(1893–1958) äg sie an li e a ische Tex e die F age he an, ob und wie sie die zei genössischen Lese
dabei un e s ü zen, ih eigenes Leben besse zu e s ehen und zu bewäl igen. Zu Pujmano á siehe
Tichý (2018).
72 BRÜCKEN 29/2
Li e a u k i ike in und eligiöse Denke in kon inuie lich widme e und die bei ih ,
ande s als bei Ve e e n des linken Milieus, nich in Konku enz zueinande s ehen.
In de Religion und de Li e a u (bzw. allgemein de Bildung)16 sieh sie das Po en-
zial, wich ige o ien ie ungss i ende Einsich en und E ah ungen zu e mi eln und
dadu ch zu Pe sönlichkei sen wicklung beizu agen.
4.3. DIE SELBSTSTILISIERUNG ALS NÜCHTERNE INTELLEKTUELLE
Mi manchen Ansich en s eh Š echo á Anna Pamm o á (1860–1945), eine eminis-
ischen Sch i s elle in de o he igen Gene a ion, nahe. De unbeding e Nachd uck
au Selbs bes immung und geis ige Au onomie, die Übe zeugung on de e enden
K a de Re lexion und die Beein lussung du ch die Theosophie17 sind Momen e, die
beiden Au o innen gemeinsam sind. Sie un e scheiden sich abe da in, welche Vo -
s ellung sie on sich selbs in ih en Tex en en s ehen lassen. Pamm o á is eine zu-
gespi z indi idualis ische und p o okan e Selbs s ilisie ung eigen (Heczko á 2021).
In ih en Tex en (z. B. Pamm o á 2011 [1936]) g enz sie sich on de ‚Masse‘ ab, die
in ih e Da s ellung du ch alsche Mo i e wie i ümliche Übe zeugungen, Ei elkei
und Hass gelei e wi d. Pamm o á e schein du ch ih e Tex e als eine adikale, um
nich zu sagen abe wi zige Auss eige in, die kein gesellscha liches Tabu und kein
eligiöses Dogma schon . Auch Š echo á i zuweilen unzu ieden, k i isch und
en hüllend au . Dabei p leg sie abe das Image eines nüch e nen, bodens ändigen
Menschen. Sie bedien sich zwa ö e eines eligiös und me aphysisch anmu enden
Wo scha zes, u es abe ehe öp chenweise, ohne wei gespann e spekula i e
Theo ien zu en wickeln. Ih e Tex e s ilisie sie meis ens als Ve allgemeine ung on
Beobach ungen des eigenen Lebensum elds, ode sie ges al e sie als eine analy ische
Auseinande se zung mi eine allgemein ges ell en F age. Diese disku si en Posi ion
en sp ich auch, dass Š echo á– neben de Li e a u k i ik– die Tex ga ungen Essay
und Apho ismus be o zug e. Feuille ons, die on de plas ischen Da s ellung eines
konk e en E lebnisses ode Eind ucks ausgehen, sind ü Š echo á ehe un ypisch,
genauso wie ik ionale P osa.18
Die Tendenz zu Ve allgemeine ung und Abs ak ion sowie de Nachd uck au
plausible A gumen a ion und p äzise Da s ellung on Sach e hal en sind Me kmale,
die Š echo ás Tex e dem philosophischen Disku s annähe n. Auch wenn dies als in el-
lek uelle Snobismus wi ken konn e, ielen die Rezensionen on Š echo ás Tex en in
Ženský s ě eindeu ig posi i aus (V. B. 1919; Ka aso á 1928). Mögliche weise wa de
16 Eine Gegenposi ion zu Š echo á e i in diese Hinsich Ma ie Maje o á (1882–1967), dazu z. B.
Maje o á (1919).
17 Siehe den komp imie en Übe blick übe das heosophische eminis ische Denken on K a (2013).
K a (2013: 360–364) be on , dass die ühe Theosophie g oßen We au Geis igkei und Bildung leg e,
wäh end die Sexuali ä als en menschlichend gal . Manche Theosophinnen und Theosophen e zich-
e en deshalb absich lich au Sex. Dieselbe Eins ellung mi sam de en exzen ische Beg ündung eil
auch Pamm o á (2011 [1936]). Š echo á lehn das sexuelle Leben zwa nich ausd ücklich ab, sie gib
abe de eien geis igen Be ä igung eindeu ig Vo ang o allem ande en.
18 Beispiele ü P osa sind de Zyklus Vinica [De Weinbe g] (Š echo á 1984: 29–47), die E zählungen
Rodiče adě i [El e n und Kinde ] und Zlý den [Ein schlech e Tag] in Š echo á (1919a: 109–132) sowie die
E zählung Klářino š ěs í [Kla as Glück] in Ženský s ě 20/17–18, 364–367, Ženský s ě 20/19–20, 399–404,
Ženský s ě 20/21–22, 436.
73JANA MARKOVÁ
in ellek ualisie e S il eine Reak ion au die damaligen F auen -S e eo ype. Wäh end
F auen un e s ell wu de, dass sie emo ional und als Keh sei e da on i a ional seien,
wa es manchen Feminis innen umso wich ige zu beweisen, dass analy ische Du ch-
d ingung on P oblemen, Dis anz und I onie auch on F auen behe sch we den.19
Š echo á ha e als akademisch gebilde e Sch i s elle in die en sp echende Vo be ei-
ung da ü , Tex e zu e assen, die sowohl äs he ischen als auch wissenscha lichen
Ansp üchen genüg en.
Wiewohl Š echo á au Plausibili ä und sachlichen Ausd uck bedach wa , a
sie dem Zei geis en sp echend zugleich als gemäßig e Ve nun skep ike in au . Die
Möglichkei en und die Wi kungsk a a ionale E kenn nis sind ih e Meinung nach
besch änk . Man müsse sich deshalb auch du ch a ional le z lich unbeg ünde e Ein-
sich en lei en lassen, die My hen und Religionen e mi eln, sowie du ch die eigene
In ui ion und E ah ung (z. B. Š echo á 1919a: 73–86; Š echo á 1919c; Š echo á 1928:
116, 135, 161). Vo diesem Hin e g und e olg ih e Auseinande se zung mi de Reli-
gion. Sie sieh sich (in ih e eminis ischen Phase) nich eine eligiösen T adi ion
e bunden, sonde n be ass sich mi eligiösen Tex en e schiedene P o enienz
(ehe e angelisch als ka holisch sowie Tex e asia ische Religionen), um ihnen eine
uni e selle Weishei zu en nehmen.20
5. DAS FEMINISTISCHE DENKEN VON ŠTECHOVÁ
Mi ih e A , F eihei zu bes immen, eih sich Š echo á in die T adi ion des libe a-
len Feminismus ein. Gleichzei ig zeig sich abe , dass sie manche A gumen a ionen,
die in den 1900e und 1910e Jah en den Kamp um die F auen ech e p äg en, hin e
sich läss und ih e Fo de ung nach Emanzipa ion ein S ück selbs bewuss e und
komp omisslose als ih e Vo gänge innen o mulie .
5.1 FREIHEIT UND SELBSTVERANTWORTUNG
Ži o není o, do čeho se nu íme podle příkladu d uhých, ale co řeba řeši ždy
zno u na s ou pěsť. (Š echo á 1928: 137)
[Das Leben is nich das, wozu man sich nach dem Vo bild ande e zwing , sonde n
das, was man imme au s Neue au eigene Faus lösen muss.]
19 Siehe hie zu die Rezension on V. B. (1919: 184): „Ne ím, ale zdá se mi, že se dos ala hla ou ks dci, že
in elek em dospěla k é o ysoké kázni, jíž se říká mo ali a a ím p á ě žensky dokazuje ak mnoho
‚neženského, ženské ne iloso ičnos i‘, od ud její in elek ualis ická přes ědči os […]“ [Ich weiß es nich ,
abe mi schein es, dass sie [Š echo á] mi dem Kop zum He zen gelang is , dass sie mi dem In ellek
zu diesem hohen Geho sam gelang e, den man Mo al nenn , und dadu ch eben au eine weibliche A
so iel „Unweibliches, weibliche Unin ellek uali ä “ bewies, dahe ih e in ellek ualis ische Übe zeu-
gungsk a .]. Die Aussage hal e ich ü unlogisch o mulie . Ich glaube abe , dass die Rezensen in die
e mein lich unweibliche In ellek uali ä on Š echo á loben woll e.
20 Hamme (2001: 44 .) iden i izie d ei disku si e S a egien de al e na i en (auße ki chlichen) Reli-
giosi ä : A gumen a ion mi E ah ung, A gumen a ion mi e nün igen G ünden und A gumen a ion
mi Tex en un e schiedliche Religionen, die als Ausd uck zei lose Weishei angesehen we den. Diese
Cha ak e isie ung i ziemlich genau au die Tex e on Š echo á zu.
80 BRÜCKEN 29/2
konn e, dass de Kamp um gleiche Rech e abgeschlossen is .30 Manchen gebilde en
Gene a ionsgenossinnen on Š echo á gelang es, e olg eich Ka ie e zu machen. Ein
Engagemen in de F auenbewegung schien ihnen ielleich übe hol ode nich meh
no wendig.
31
T o zdem muss man abe da on ausgehen, dass F auen wei e hin mi un-
gleiche Behandlung und kul u ell au e leg en Einsch änkungen kon on ie wa en.
Die Tex e on Š echo á (besonde s Š echo á 1928) e wecken den Eind uck, dass die
wide sp üchliche Si ua ion wei eichende ech liche Gleichs ellung bei ak ische
Disk iminie ung genau die Kons ella ion is , gegen die sie ansch eib . Die Sp eche-
in i als eine au , die sich ih e Rech e wohl bewuss und siche is , abe au eine
Umgebung i , die ih die Au onomie absp ich und sie s ändig in o ge e ig e
P ade zu lenken e such . Vo diesem Hin e g und is de Nachd uck, den Š echo á
au pe sönliche F eihei leg , eine (Selbs -)E mu igung dazu, das in Ansp uch zu
nehmen, was einem zus eh .
Besonde s möch e ich noch au den sp ach- und no mk i ischen Gesich spunk
hinweisen, de Š echo ás Pochen au eine inne e Emanzipa ion mi p äg . Wenn Š e-
cho á die Ko se ie ung de F au du ch die Kul u k i isie , ass sie un e ande em
die Wi kung de sp achlichen bzw. medialen Da s ellungen on Weiblichkei au
die Selbs au assung on F auen ins Auge. Dami nimm sie eine disku sk i ische
Pe spek i e o weg. Lapida d ück sie es im olgenden Apho ismus aus:
Mnoho žen zkazila společenská eo ie „ženskos i“. (Š echo á 1928: 69)
[Viele F auen wu den du ch die gesellscha liche Theo ie de „Weiblichkei “ e -
do ben.]
Š echo á spiel hie da au an, dass F auen o zu be ei willig und soga mi Genug-
uung s e eo ype Vo s ellungen on weibliche Schwäche, Emp indsamkei , Leidens-
ode Liebes ähigkei in e nalisie en:
Duše ní poži ek, jehož účinnos málokdy selže, mí ám e d ou případech:
1. slyším -li zda nou, no málně á ící, obyčejně ko pule ní ženu, sko o ždy lád-
kyni domácnos i, mlu i oslabém ženském pohla í; […] (Š echo á 1928: 69)
[Einen Seelengenuss, dessen Wi kung nu sel en e sag , habe ich in zwei Fällen:
1. wenn ich eine gu gebau e, no mal e dauende, gewöhnlich ko pulen e F au,
as imme eine He in des Haushal s, hö e, wie sie übe das schwache weibliche
Geschlech sp ich .]
30 Dazu: „Ženská emancipace se zdála bý kon ex u p ní českoslo enské ús a y ho o ou ěcí, oníž
nebylo možné pochybo a . Ženy mohly bez p á ního omezení s udo a , oli abý oleny, opus i
manžela, ěno a se p o esi, mohly čini še, co jim bylo dří e o málně odepřeno.“ (Bahenská/Heczko-
á/Musilo á 2010: 20) [Die F auenemanzipa ion schien im Kon ex de e s en schechoslowakischen
Ve assung eine ollb ach e Sache zu sein, an de keine Zwei el meh bes anden. F auen du en ohne
ech liche Einsch änkungen s udie en, wählen und gewähl we den, den Ehemann e lassen und dem
Be u nachgehen. Sie konn en alles un, was ihnen ühe o mal e weh wa .]
31 Als Beispiel kann die E hnog a in D ahomí a S ánská (1899–1964) gel en, die Toch e de o hin e -
wähn en Feminis in Olga S ánská Absolono á. Ande s als ih e Mu e wa D ahomí a keine ak i e
Feminis in.
81JANA MARKOVÁ
Š echo á polemisie hie mi S e eo ypen, die du ch die mode nis ischen Ge-
schlech e disku se de 1890e Jah e (z. B. du ch Ellen Key– Heczko á 2010; Helduse
2005) gep äg wu den. Au das neue e Ideal des sachlichen, jungenha en Mädchens
(siehe Ma ko á, im D uck), das in den 1920e Jah en de Vo s ellung de , ewigen Weib-
lichkei ‘ Konku enz leis e e, nimm sie dagegen noch keinen Bezug. Diese Einzelhei
beleg s ell e e end, wie s a k Š echo á du ch die F auendeba en ih e Kinde - und
Jugendjah e beein luss wa – so seh , dass ih manchmal die Au me ksamkei ü
neu Au gekommenes ehl e.
Neben de K i ik an (äl e en) F auendisku sen inde sich bei Š echo á eine Pole-
mik mi no ma i en Vo s ellungen hinsich lich de Ehe und implizi auch de Mu e -
scha . Auch diesbezüglich läss sie sich au keine besonde s konk e en Aussagen ein.
Sie sag nie di ek , dass eine un e hei a e e und kinde lose F au genauso glücklich
sein kann wie eine F au mi Familie. Vielmeh weis sie e hal en da au hin, dass man
gegenübe allen Lebensen wü en o en sein soll e. So schließ sie zum Beispiel einen
A ikel übe die e s ebenswe e Fo m de Ehebeziehung mi olgenden Wo en ab:
Neus upujme před žádnou naléha os í ži o ní– ní očeká á nás díl ži o a; neboj-
me se manžels í anebojme se nemí i je, p a ém ži o ě je každý s ud nemís ný.
(Š echo á 1921: 112)
[Weichen wi keine Lebensno wendigkei aus– in ih e wa e uns ein Teil des
Lebens; ü ch en wi die Ehe nich und ü ch en wi nich , ehelos zu sein, in einem
ech en Leben is jede Scham ehl am Pla z.]
Die S a egie, die Ehe nich di ek abzulehnen, sonde n sie nu zu p oblema isie en,
behäl Š echo á auch in ih en Apho ismen bei (Š echo á 1928: 63 ., 72–78, 82–92).
Sie k i isie das Nü zlichkei sdenken in Sachen de Ehe, alsche oman ische Vo -
s ellungen und die da aus esul ie ende En äuschung, die Un ähigkei de Pa ne ,
wi klich au einande einzugehen, sie sp ich auch das Risiko des Au onomie e lus s
an. Das pla onische Ideal zweie ineinande e schmelzende Menschen is aus ih e
Sich uneinlösba . S a dessen o de sie eine a ionalisie e Eins ellung zu Pa -
ne beziehung und ein Senken de E wa ungen.32 Im Ve gleich mi linkso ien ie en
Au o innen, die die Ehe eine bissig -i onischen ode sachlich - e nich enden K i ik
un e ziehen (z. B. Maje o á 1912; Rühle -Ge s el 1932), is Š echo á noch e häl nis-
mäßig wohlwollend. Sie schließ nich aus, dass eine Ehe gelingen und beglücken
kann, wiewohl es ih e Meinung nach nu sel en o komm .
In e essan is wei e hin, dass Š echo á den Themenkomplex de Mu e scha
p ak isch ausklamme . Da das Gebä en und E ziehen on Kinde n ein selbs e s änd-
liche Teil de F auen olle wa , wa das Fehlen des Themas auch ein S a emen , wenn
auch bei Wei em nich so p o oka i wie es eine o ene Deba e übe den We de
Mu e scha gewesen wä e.33 Die Reduk ion des F auenlebens au die Mu e scha s-
32 Dami s eh Š echo á au eine Linie mi Ansich en, du ch welche sich In ellek uelle, die sich als ge-
sellscha liche A an ga de beg i en, sei dem ausgehenden 19. Jah hunde lei en ließen (Unglaub
2016: 257–259).
33 Siehe zum Beispiel die Deba e übe die eiwillige Kinde losigkei in Lido é no iny im Jah 1927, die
du ch die Jou nalis in Ma ie Fan o á (1893–1963) eingelei e wu de (Penkalo á 2011: 199 .).
82 BRÜCKEN 29/2
unk ion k i isie Š echo á meines Wissens ausd ücklich nu einmal (Š echo á 1928:
61 .). Ansons en un e g äb sie die Vo s ellung, dass jede F au auch und o allem
Mu e sein muss, nu indi ek , indem sie bes ändig dazu au u , sich an keinen
o ge e ig en Lebensen wu zu klamme n. Die Vo s ellung eine alleins ehenden,
sich ih en in ellek uellen In e essen widmenden F au wi d zwa nich ausd ücklich
als Ideal hinges ell . Dadu ch abe , dass eno m iel We au pe sönliche Au onomie
und F ei aum ü in ellek uelle Be ä igung geleg wi d, wi k dieses Modell doch als
seh a ak i .34
Š echo á mach in einigen Apho ismen auch da au au me ksam, dass an sich
posi i e We e und Eigenscha en wie Nächs enliebe ode Demu auch als Zwangs-
mi el eingese z we den, um insbesonde e F auen in eine un e geo dne en S ellung
zu hal en (Š echo á 1928: 50 ., 82, 152, 156, 137). Das Subjek de Apho ismen lehn es
ausd ücklich ab, sich du ch We ebeg i e bezwingen zu lassen. Dies kann als eine
implizi e Polemik mi dem äl e en Feminismus gedeu e we den, de – wie schon
beleuch e – zwa F eihei ü F auen ein o de , on F auen abe gleichzei ig in
besonde em Maß Ve diens e und mo alische In eg i ä e lang . Diese Beding hei
will Š echo á nich gel en lassen, sonde n be on den p inzipiellen Ansp uch au
Mündigkei .
Š echo á ging in ih em F eihei sansp uch eine sei s ziemlich wei , ande e sei s
sp eng sie den Rahmen bü ge liche No men nich . Kon o e se Themen wie die
eiwillige Ehe- und Kinde losigkei on F auen umschi sie. Themen, die mi gän-
gigen Mo al o s ellungen gänzlich kollidie en (z. B. nich -eheliche Sex on F auen,
Ab eibungen), wa en kein Teil ih e Agenda.
6. WO KANN MAN FREI SEIN?
Was ü einen Feminismus e i Š echo á also? Fassen wi ku z zusammen: Den
Ausgangspunk bilde die Übe zeugung, dass jedem Menschen die F eihei zus eh ,
sein Leben nach eigenem E messen zu ges al en. Da ü wi d om Einzelnen e lang ,
sich selbs s ändig und eigen e an wo lich um ein gu es Leben zu bemühen. Die
Sp eche in in Š echo ás Tex en zeig sich o in eine de ensi en S ellung. Wiewohl
sie selbs on ih em Rech au F eihei übe zeug is , begegne sie Menschen, die ih
unau ge o de nahelegen, wie sie sein und handeln soll. Inso e n e o de es be-
sonde e S andha igkei und ein besonde es Selbs bewuss sein, sich du chzuse zen.
Gib es in den Tex en Š echo ás Übe legungen dazu, an was ü einem O die
Selbs bes immung de eihei ss ebenden F au am bes en ealisie we den kann?
P inzipiell wi d sugge ie , dass sie an jedem O gelingen kann, weil sie in e s e
Linie on den Disposi ionen des jeweiligen Menschen abhäng . Fü die Bewah ung
de inne en F eihei sei es alle dings wich ig, zumindes gelegen lich die Möglichkei
zu haben, sich o Menschen zu ückzuziehen, um allein und unges ö zu sein. Das
Reich de Na u und das Reich des Denkens we den bei Š echo á zu Zu luch so en,
die sie in ih en Tex en emp iehl .
34 Da in e inne Š echo á an Vi ginia Wool . In dem Essay Ein Zimme ü sich allein (1929) wi d zwa
auch keine ausd ückliche Auseinande se zung da übe ge üh , welche Lebensweise die bes e is . Die
Sp eche in des Tex es mach abe kein Hehl da aus, dass sie als alleins ehende und wi scha lich
unabhängige F au mi ih e Lage äuße s zu ieden is (Wool 1988 [1929]: 44–47).
83JANA MARKOVÁ
6.1 DIE UMGEBUNG VON ZLATÉ MORAVCE– EIN SLOWAKISCHES
WALDEN
Pohlížíme -li děčně ke h ězdám– o p o o, že ne hají zá is i ých pohledů, aniž
mají h abi é uce. (Š echo á 1928: 40)
[Wenn wi dankba zu den S e nen hinau sehen– dann deshalb, weil sie keine
neidischen Blicke au uns we en und keine gie igen Hände haben.]
Meh e e Tex e Š echo ás lassen e kennen, dass sie du ch das Ideal eines na u nahen,
ein achen Lebens beein luss wa . Inspi ie ha sie dazu o allem de ame ikanische
Sch i s elle Hen y Da id Tho eau (1817–1862) mi seine au obiog aphischen P osa
Walden; o , Li e in he Woods (1854)
35
. Š echo á mach ö e deu lich, dass sie dieses We k
ü seine Lebensweishei seh schä z (Š echo á 1919a: 79–86, 103; Š echo á 1984: 62).
Als Sch i s elle in ähnel sie Tho eau in meh e e Hinsich : Zum einen leg sie wie
Tho eau nahe, dass ih e Tex e ein au ich iges Bekenn nis ih e Wel sich sind. Zum
ande en wi d bei beiden Au o en die Zi ilisa ionsk i ik mi de Idee de Zu luch in
die Na u e bunden. Š echo á a ikulie es am deu lichs en in dem Zyklus Vinica
[De Weinbe g] (Š echo á 1984: 29–47)
36
. In diesen P osa ex en begegne de Lese
eine Sp eche in, die sich on de S ad , in de sie leb , en e n und die umliegenden
Weinbe ge und Felde du chs ei . Die Landscha wi d dabei konk e als die Um-
gebung on Zla é Mo a ce bes imm (Š echo á 1984: 29, 42). Die Sp eche in genieß
die einsamen S ei züge du ch die Na u . Besonde s die äuße lich una ak i e Land-
scha im Mä z schä z sie als O ü pe sönliche Einkeh :
Opakujem si su ešením, že je o o jediné na s e e, čo na mňa ne obí ná lak ajedna-
ko ma p es edčuje– bez slo . Nechce ma znásilňo ať s ojimi múd osťami, p ijíma
ma bez ýči ky a ozumie mi bez ýh ady. Od iaľ silné okúzlenie: bez ýh ady,
bez eze y, bez násilia byť opa ným– ozp es ie a ducha ši oko -ďaleko a acia
mu de skú adosť zo ži o a, nelámanú spoločenskými maliche nosťami aťa chou
ľudského spoluži ia. (Š echo á 1984: 47)
[Mi T os wiede hole ich mi , dass sie [die Na u ] das Einzige au de Wel is , das
au mich keinen D uck ausüb und mich ollkommen übe zeug – ohne Wo e. Sie
will mich nich mi ih en Weishei en bezwingen, sie nimm mich ohne Vo wu
an und e s eh mich ohne Einwände. Dahe die s a ke Bezaube ung: ohne Ein
-
wand, ohne Dis anz, ohne die Ans engung de Vo sich – sie läss den Geis sich
wei ausb ei en und gib ihm eine kindische Lebens eude zu ück, die du ch keine
gesellscha lichen Belanglosigkei en und keine Las des menschlichen Zusammen-
lebens geb ochen wi d.]
35 Lau Soubo ný ka alog ČR [Gesam ka alog de Tschechischen Republik] wu de die P osa zum e s en
Mal 1901 ins Tschechische übe se z und du ch Jan Laich e he ausgegeben. Wei e e Au lagen und eine
Neuübe se zung olg en.
36 Es handel sich um ün P osa ex e, die zwischen 1925 und 1927 in Slo enské pohľady [Slowakische
Sich weisen] e ö en lich wu den. Siehe die edi o ische No iz in Š echo á (1984: 218).
84 BRÜCKEN 29/2
Das Zi a illus ie die cha ak e is ische Hal ung de Sp eche in– sie be inde
sich au de Fluch o Menschen. Mi de S ad und ih en Bewohne n wi d o allem
die E ah ung assoziie , nich e s anden und angenommen, sonde n behellig und
behe sch zu we den. Diese übe wiegend nega i e Sich au die Menschen, die bei
Š echo á eine nich wegzudenkende Keh sei e ih e Na u zugewand hei is , ko es-
pondie mi den k i ischen Gedanken ih e Apho ismen. Einige Aspek e da on habe
ich schon angesp ochen: Vo ge üh we den ehlende Respek gegenübe abweichen-
dem Ve hal en, Missach ung pe sönliche Au onomie, Engs i nigkei und Ei elkei
(Š echo á 1928: 15, 26–28, 32, 36). Ein wiede keh endes Mo i is auße dem de Ballas
on Banali ä en, mi dem man in Gesp ächen unge ag zugeschü e wi d (Š echo á
1928: 29, 149). Als ein spezi isch weibliches P oblem wi d de Zei aub gezeig : Da
on F auen Gas eundscha und An eilnahme e wa e we den, sei es besonde s
schwie ig, sich de Ve einnahmung du ch ande e zu en ziehen (Š echo á 1928: 47 .;
Š echo á 1939: 12 .). Die insgesam nega i e E ah ung mi de Gesellscha münde
in eine Ado a ion de Einsamkei . De leich i onische Ton de Tex e aus dem Zyklus
Vinica weck den Eind uck, dass Einsamkei de Sp eche in ech is . Das Alleinsein
en beh zwa nich eine gewissen Melancholie. Insgesam e schein es abe besse
als s ump e ode ga eindselige Gesellscha .
De Blick au die Na u beweg sich bei Š echo á zwischen au me ksame Be-
obach ung und P ojek ion eigene Gedanken und E ah ungen.37 Auch wie die Sp e-
che in de Tex e das Bewi scha en des eigenen Weinbe gs besch eib , läd dazu ein,
neben de wö lichen auch eine me apho ische Ebene des Gesag en zu bedenken.
Wenn die E zähle in in de P osa Plo [Zaun] (Š echo á 1984: 32–37) schilde , wie
sie o z ab a ende S immen ih en Weinbe g eingezäun ha , is kla e weise auch
on de psychischen Selbs abg enzung die Rede. Ähnlich gil es, in dem Sisyphus-
kamp gegen Diebs ähle on We kzeug und F üch en eine Pa allele zu de Abweh
gegen Respek losigkei en im menschlichen Umgang zu sehen (Š echo á 1984: 38–41).
Insgesam geh es bei de A bei am eigenen Weinbe g wenige um die P oduk ion
on Wein eben als ielmeh da um, sich ein kleines Reich zu scha en, in dem man
au onom handeln kann. Somi is de Weinbe g ü Š echo ás E zähle in das, was
ü Tho eaus E zähle die Hü e am Waldensee is . Nu dass Tho eau die Mo i a ion
mi Sachlichkei besch eib , die ein s a kes Selbs bewuss sein auss ahl . Š echo á
be o zug dagegen poe ische Bilde , die ehe die Vo s ellung eines bed oh en und
übe o de en Menschen wecken, de sich aus Selbs schu z zu ückzieh :
Ich zog an den Waldensee, nich um do billig ode eue zu leben, sonde n um
möglichs ungehinde ein pe sönliches Vo haben du chzu üh en. (Tho eau 2020
[1854]: 25)
Chcem len eš e p ipomenúť, že inica na jednej s ane zlodejo ábila, na d uhej od
nich od acala. Vjednom zmysle bola p e mňa ipe ným h adom ios o om mie u
37 Siehe zum Beispiel die Vo ede zu den Apho ismen (Š echo á 1928, o. S.). Do e ozie Š echo á die
Vo s ellung de äuße lich ka gen Vo ühlingsna u , um sie mi dem poe ischen Ideal eines konzen -
ie en, mi Andeu ungen a bei enden Apho ismus zu e binden.
85JANA MARKOVÁ
apokoja, keď sa za mnou za eli d ie ka plo u ames ečko sa k eslilo len ako čias ka
môjho obzo u. (Š echo á 1984: 40)
[Ich möch e noch da an e inne n, dass de Weinbe g eine sei s die Diebe anlock e,
ande e sei s on ihnen ablenk e. Im gewissen Sinne wa e ü mich auch eine es e
Bu g und eine F iedensinsel, wenn hin e mi das To zu iel und das S äd chen sich
nu als ein kleine Teil des Ho izon s zeig e.]
6.2 FREIRAUM FÜR DAS DENKEN UND RÜCKZUG IN DIE
EINSAMKEIT
Ticho je nej yšší anejideálnější hudba, k e á kdy na s ě ě byla p o ozo ána. (Š e-
cho á 1928: 100)
[Die S ille is die höchs e und ideals e Musik, die je in de Wel be ieben wu de.]
Die dekla ie en Sympa hien ü die Na u könn en zu de Vo s ellung e lei en,
dass es ü die Be eiung no wendig sei, sich gänzlich on de Kul u abzuwenden.
Š echo ás Ansa z is abe das genaue Gegen eil da on. Kul u , In ellek uali ä und
Geis igkei we den eindeu ig posi i bewe e . Das eie Denken, das besonde s du ch
die Auseinande se zung mi de Li e a u ange eg wi d, is aus Š echo ás Sich ü
ein e üll es und ollwe iges Leben unabdingba . Mi diese Hal ung ähnel sie an-
de en Au o innen ih e Gene a ion, in de en Li e a u die Liebe zu Büche n und das
S eben nach Bildung eine wich ige Rolle spielen.38
Lesen und Denken e üllen eine ähnliche Funk ion wie die Na u – sie bie en einen
Rückzugso , an dem man Unabhängigkei e ah en sowie eigene Sich weisen und
Pläne en wickeln kann. Auch ü die Re lexion beda es abe – genauso wie ü den
be eienden Rückzug in die Na u – de Einsamkei . Die Möglichkei des Alleinseins
is in ielen Tex en on F auen ein Thema.39 Bei Š echo á wi d das noch dadu ch
un e s ichen, dass das klä ende Nachdenken ausschließlich mi de Si ua ion des
Alleinseins e bunden wi d.40 Im Gegenzug dazu we den die Gesp äche mi Men-
schen als eine Quelle on F us a ion da ges ell : Man wi d einsei ig beleh ode mi
Belanglosigkei en au gehal en, niemand hö ich ig zu, abweichende Meinungen
38 Hie zu nu einige Beispiele: Wie die Sp eche in in dem Essay Ein Zimme ü sich allein on Vi ginia
Wool (1929) sich in ih e pe sönliche Biblio hek e ie , zeig , wie be iedigend ü sie die in ellek-
uelle Tä igkei is . Die slowakische Sch i s elle in Hana G ego o á e ass e meh e e E zählungen
übe Mädchen und F auen, die ge adezu an Büche obsession leiden (G ego o á 1912, hie zu C iko á
2007: 191). Alice Rühle -Ge s el sch ieb nach ih e Fluch o dem Na ionalsozialismus ein üh endes
Feuille on on ih e T aue übe die zu ückgelassenen Büche (Rühle -Ge s el 1933).
39 Am bekann es en is in diesem Zusammenhang siche lich de Essay ARoom o one’sown on Vi ginia
Wool on 1929. Das Mo i de e o de lichen und o ehlenden Einsamkei inde man abe ech o ,
siehe zum Beispiel die Vo ede zu dem Roman Vzpou a [Au lehnung] on Viko á -Kuně ická (1921: 7):
„S ou knihu psala jsem za ichých dnů odloučeném pokoji.“ [Mein Buch sch ieb ich an s illen Tagen
in einem einsamen Zimme .]
40 Dazu: „Či nie sú najlepšie ie ch íle, keď knám nik o nep ichádza, keď je člo ek celkom sám ablízko
las nej sku očnos i?“ [Sind nich diejenigen Momen e die bes en, wenn niemand zu uns komm , wenn
man allein und nah de eigenen Wi klichkei is ?] (Š echo á 1984: 57, He o hebung im O iginal ex )
86 BRÜCKEN 29/2
we den deg adie (Š echo á 1928: 49, 52, 55, 101). In keine Kons ella ion schein
ein ech e Dialog möglich zu sein: Sp ich eine F au mi einem Mann, is es wie eine
Begegnung zweie un e schiedliche Wel en.41 Sp echen die F auen un e einande ,
sind auch sie un ähig, sich zu Eh lichkei du chzu ingen.42 De p oduk i e Aus ausch,
den Š echo á eigen lich in ih en Ne zwe ken hä e e leben müssen, inde in ih en
Tex en keinen Niede schlag. Vo diesem Hin e g und i noch einmal umso deu -
liche de We he o , de dem Alleinsein zugesch ieben wi d. Die Einsamkei gil als
Beglei e scheinung, abe auch als Bedingung geis ige Au onomie, nach de man aus
Š echo ás Sich s eben muss. Liebe, F eundscha , Familie, das gemeinsame Engage-
men in eine Bewegung– all dies sei nu un e de Vo ausse zung ealisie ba , dass
man sich selbs , seine Posi ionen und Pläne, zumindes eilweise au gib . Ein solche
Komp omiss schein mi eine ech en ‚A bei am Leben‘, mi de eigen e an wo -
lichen Suche nach eine indi iduell passenden Lebensweise nich e einba zu sein.
7. SCHLUSS
Bezüglich de eminis ischen Aspek e sowohl des Habi us als auch de Tex e Ma ie
Š echo ás läss sich Folgendes kons a ie en: Š echo á e üll e in den 1910e und
1920e Jah en ge adezu mus e gül ig die Vo s ellung on eine emanzipie en F au;
sie leg e das Abi u ab und s udie e, wa als Leh e in be u s ä ig, zöge e nich , neue
Ka ie echancen zu e g ei en (Umzug in die Slowakei im Jah 1919), e ö en lich e
zunächs in eine eminis ischen F auenzei sch i und o an in e schiedenen ande-
en Kul u pe iodika on Rang Essays, Li e a u k i iken, Apho ismen und Feuille ons
und publizie e diese anschließend auch in Buch o m.
Wiewohl die einzelnen Tex e seh un e schiedlichen Themen gewidme sind, e -
binde sie die Absich , bei de Lebenso ien ie ung behil lich zu sein. Das e hische
P og amm Š echo ás wi d o angig du ch die Übe zeugung ge agen, dass jede
Mensch einziga ig is und das Rech ha , in seine Indi iduali ä espek ie zu
we den. P ak isch umgese z bedeu e dies o allem, dass jedem die Möglichkei ein-
ge äum we den soll e, einen eigenen Lebensplan zu e olgen. Die Keh sei e diese
Eins ellung is eine nega i e Bewe ung kon en ionellen Handelns sowie de Appell
an jeden und jede, ak i , o iginell und selbs e an wo e sein Leben zu ges al en.
Äuße e Sch anken gel en gegenübe dem Willen als zwei angig. Die eminis ische
S oß ich ung on Š echo ás Tex en bes eh da in, dass das ambi ionie e P og amm
pe sönliche Au klä ung, Selbs indung und Be eiung ausd ücklich auch F auen
nahegeleg und die damalige Lage on F auen o dem Hin e g und dieses P og amms
e lek ie wi d. Ande s gesag , we den die g undlegenden an h opologischen An-
41 Als eine Übe windung de Klu , die sich zwischen Männe n und F auen au ue, wu de die Kame ad-
scha sehe konzipie . Die Pa ne sollen o allem du ch gleiche Gesinnung und In e essen e bunden
we den (Rühle -Ge s el 1932: 212). Š echo á (1929: 20) zeig sich diese Vo s ellung gegenübe skep isch.
Die Ehebeziehung kennzeichne aus ih e Sich eine p inzipielle, nie ganz zu übe windende Unnah-
ba kei zwischen Mann und F au.
42 Siehe den beme kenswe en Apho ismus: „Neomezíme -li se p á ě jen na nejběžnější éma a– olný
ozho o sženami je událos í elmi řídkou, jsme s řeženy as í ány přísnou ink izicí.“ [Wenn wi uns
nich au die üblichs en Themen besch änken– ein eies Gesp äch mi F auen is eine seh sel ene
Begebenhei , wi we den du ch eine s enge Inquisi ion übe wach und un e d ück .] (Š echo á 1928:
70)
87JANA MARKOVÁ
sich en de Mode ne auch au F auen angewand und F auen als Ad essa innen de
Gedanken mi einbezogen.
We den die Tex e on Š echo á als Fo se zung des emanzipa o ischen Disku ses
übe die F auen ech e gelesen, e en wich ige inno a i e Aspek e he o . Š echo á
e abschiede sich gänzlich on de u ili a is ischen A gumen a ion, lau de die
F auenemanzipa ion zu eine S eige ung des Gemeinwohls üh en wi d und des-
halb zu be ü wo en sei. Lau Š echo á s eh die F eihei de Selbs bes immung
dem Menschen bedingungslos zu. En sp echend deu lich und du chse zungswillig
äuße Š echo á ih en Wunsch nach Selbs e wi klichung. Die ehemals obliga o-
ische Fo mel, dass So gep lich en und Gemeinnü zigkei bei F auen s e s Vo ang
haben, wi d ausgelassen. Š echo á hema isie o den En zug soziale Akzep anz,
den sie als emanzipie e F au zu e leben glaub . Sie emp iehl S andha igkei ,
die au de Gewisshei des We es on Au onomie g ünde . Das Lebensideal, ü
welches Š echo á ein a , s and somi im Wide s ei mi einem konse a i en
Blick au F auen: Š echo á s ell die eigenen, o allem in ellek uellen In e essen
in den Vo de g und und weis einem glücklichen Ehe- und Familienleben eine
un e geo dne e Rolle zu.
Das li e a äs he ische Ideal on Š echo á is es, mi Wo en de Wah hei nähe -
zukommen. An Li e a u schä z sie Weishei , einen klugen Blick, Eh lichkei . An
a an ga dis ischen Sch eibweisen e such e sie sich ielleich auch deshalb nich ,
weil sie sie als ein lediglich o males Expe imen ansah, das keinen Meh we an Ein-
sich en b ing . Ähnlich adi ionell wie in de Äs he ik is Š echo á im G unde auch
in de E hik. Wich ig sind ih die Bildung, ein ie e es Ve s ändnis des Lebens, die
A bei an de eigenen Selbs e ollkommnung, die Ve p lich ung au ‚höhe e Gese -
ze des Lebens‘. Dami is Š echo á im Einklang nich nu mi dem E hos de äl e en
F auen ech sbewegung, sonde n auch mi dem zei genössischen ka holischen Milieu.
Š echo ás Wechsel om Feminismus zum Ka holizismus in den 1930e Jah en is so
gesehen nich besonde s übe aschend. Cha ak e is isch is ü Š echo á auch, dass
sie die damaligen Neuigkei en im Lebenss il nich ode nu spo adisch ansp ich . So
sind ü sie zum Beispiel die neuen Konsumangebo e in Be eichen Mode und Kosme ik,
die damals umwo bene Technisie ung und Ökonomisie ung des Haushal s und die
‚p og essi e‘ Kö pe - und Hygienekul u o enba on keinem In e esse.
Die konse a i e G undhal ung on Š echo á esonie auch in ih em Ve häl nis
zu Na u . Inspi ie du ch Sch i s elle wie Hen y Da id Tho eau und Lew N. Tols-
oi e binde Š echo á O enhei gegenübe dem Landleben mi einem Miss auen
gegenübe de ‚zi ilisie en‘ Gesellscha . Die Sp eche in in Š echo ás Tex en is in
de Na u imme allein und on de S immung he einsiedle isch un e wegs; ih e
S ei züge e leb sie als medi a i e Momen e. Da in un e scheide sich Š echo ás
Ansa z zum Beispiel on de Wande ogelbewegung, die au ein kollek i es und auch
ein kö pe be eiendes E lebnis abziel e.
Insgesam kann anhand de eminis ischen Publizis ik on Š echo á exempla isch
e olg we den, wie de Feminismus de e s en Welle in den 1910e und 1920e Jah-
en eine sei s noch wich ige En wicklungssch i e ging, es abe ande e sei s imme
wenige e moch e, mi dem mode nen Zei geis im Dialog zu bleiben. Ende de
1920e Jah e nahm schließlich auch Š echo á selbs da on Abs and, sich wei e hin
als eminis ische Au o in zu p o ilie en.
88 BRÜCKEN 29/2
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