Die Publizistik von Marie Štechová (1890–1970): Feminismus und Ländlichkeit
Abstract
65
Full text
Die Publizistik von Marie Štechová (1890–1970): Feminismus und Ländlichkeit Jana Marková– Westfälische Wilhelms ‑Universität Münster ABSTRACT The journalism of Marie Štechová (1890–1970): Feminism and Rurality This article deals with the feminist journalism of Marie Štechová (1890–1970) from 1915– 1930. The texts were published partly in Czech and partly in Slovak. Their speaker is aphilosophically and religiously minded intellectual whose concern is to pass on her own insights and experiences as aform of practical advice. The expressionism and pathos of the early texts give way to irony in the 1920s. Respect for individuality, the right to aselfdetermined life and fulfilment in intellectual activity are central themes. The struggle for female self -assertion is situated in urban bourgeois society. Nature, on the other hand, is recommended as aplace of private contemplation and ultimately also inner emigration. Štechová’sviews are based on the ethos of the pre -war women’srights movement, but her demands are placed on anew argumentative basis. KEYWORDS gender history; feminism; discourse analysis; women’sliterature; literary non -fiction. 1. EINLEITUNG Bůh stvořil muže jako podobenství sebe aženu jako podobenství života. Muž je bůh vmalém: proto tvoří. Žena je příroda vmalém: proto rodí. (Čapek/Čapek 1929 [1918]: 80) [Gott schuf den Mann als Abbild von sich selbst und die Frau als Abbild der Natur. Der Mann ist ein Gott im Kleinen: deshalb ist er ein Schöpfer. Die Frau ist die Natur im Kleinen: deshalb ist sie eine Gebärerin.] Das angeführte Zitat aus dem Frühwerk der Brüder Čapek sollte als eine selbstironische Provokation zweier junger Autoren gedeutet werden. Das legt uns zumindest das Vorwort zu den Erstlingstexten nahe, das die Čapeks nachträglich verfasst haben (Čapek/Čapek 1929: 15f., 18). Nachdem ich mich ausgiebig mit Texten der Schriftstellerin Marie Štechová beschäftigt habe, die übrigens derselbe Geburtsjahrgang wie Karel Čapek war (1890), fragte ich mich, ob sie den zitierten Aphorismus witzig gefunden hätte. Ich zweifle daran. Aus ihren eigenen Aphorismen, die sie im Laufe der 1920er Jahre verfasst hat, spricht unter anderem ein Überdruss an Äußerungen dieser Art, wie auch immer sie gemeint seien. In Štechovás Texten begegnet uns oft eine Sprecherin,
66 BRÜCKEN 29/2 die auf pauschalisierende Aussagen über Frauen gereizt reagiert. Mal enthüllt sie sarkastisch deren Haltlosigkeit, mal wählt sie eher den Weg bewussten Ignorierens und vertieft sich lieber in philosophische und religiöse Gedankengänge, die sie in der Auffassung bestätigen, dass jeder Mensch indeterminiert und frei sei. Sie greift wiederholt den Begriff der ‚Arbeit am Leben‘ auf und verbindet mit ihm einen Appell, dass jeder und jede ein Leben führen solle, für das er oder sie sich bewusst entschieden hat. Dabei will sie keine geschlechtlichen und anderen Vorbestimmungen gelten lassen. In diesem Beitrag betrachte ich Štechovás Publizistik aus den Jahren 1915–1930, wobei ich in einem klassischen Zweischritt zunächst die Autorin und dann ihre Texte vorstelle. So wird deutlich, dass sich Štechová durch ihren Werdegang, ihre Einbindung in bestimmte Netzwerke und ihre literarische Produktion gezielt als eine emanzipierte Frau profilierte. Da ihren Texten eine enthüllende und reformerische Absicht innewohnt, können sie dem Diskurs des feministischen Aktivismus zugeordnet werden. Im Kontext dieses Themenheftes interessiert vor allem die Frage, welchen Stellenwert das Ländliche in Štechovás Texten hat. Die geistige Befreiung, für die Štechová plädiert, ist in ihrer Darstellung eine Frage des Willens und des Verstandes, nicht der passenden Umgebung. Wo man lebt, gilt ihr deshalb grundsätzlich als unwichtig. Dennoch lassen Štechovás Texte erkennen, dass ihr besonders die ländliche Stadt nahe ist, sie gibt immer mal wieder zu erkennen, dass ihr deren Vorund Nachteile aus eigener Erfahrung bekannt sind (z. B. Štechová 1923b; Štechová 1928: 56f.; Štechová 1929: 14; Štechová 1984: 42–44). Diese Orientierung mag im Kontext des Feminismus etwas über - raschen, weil die Einführung und Erprobung neuerer Lebensmodelle meist vor allem mit der Großstadt assoziiert wird.1 Das Land und die Natur erscheinen in Štechovás Texten jedoch nicht als ideale Lebensräume, sondern vielmehr als melancholisch gezeichnete Rückzugsorte für jemanden, der starren gesellschaftlichen Normierungen und unbefriedigenden zwischenmenschlichen Kontakten entfliehen will. Nach einem Überblick über Štechovás Lebenslauf, ihre Netzwerke und die Grundcharakteristika ihrer Publizistik erörtere ich insbesondere Štechovás Freiheitsbegriff, anhand dessen deutlich wird, inwiefern sie sich von Feministinnen vorheriger Generationen unterscheidet.2 Anschließend befasse ich mich mit den Gründen für ihr positives Verhältnis zur Natur und dem ländlichen Leben, um schließlich sowohl die innovativen als auch die konservativen Aspekte von Štechovás Texten zu bilanzieren. Die Textanalysen stützen sich vorrangig auf zwei Textsammlungen, die Štechová selbst zusammengestellt hat (Štechová 1919a; Štechová 1928). Bei der ersten handelt es sich um Essays, Feuilletons und Erzählungen, bei der anderen ausschließlich um Aphorismen. Weiter berücksichtige ich den Buchessay Oženě [Über die Frau] (Štechová 1929), außerdem eine Auswahl der Slowakisch geschriebenen Texte, die der 1 Die Anbindung des Konzepts der „modernen Frau“ an die Urbanität betont z. B. Mongu (2011: 117). Zu berücksichtigen ist allerdings, dass das Modell der „modernen Frau“, wie es in den 1920er Jahren von der Publizistik, Literatur und dem Film propagiert wurde, kein Produkt des feministischen Milieus war (Bock 2000: 240–247). Zum Inhalt des Konzepts siehe Marková (im Druck). 2 Eine systematische Debatte über die Frauenemanzipation wurde in der tschechischen Publizistik mit der Gründung der Zeitschrift Ženské listy [Frauenblätter] im Jahre 1873 begonnen. Die Debatte vervielfältigte und intensivierte sich besonders seit den 1890er Jahren (Heczková 2009). Štechová tritt somit in einen schon entwickelten Diskurs ein.
67JANA MARKOVÁ Literaturhistoriker Michal Kocák herausgegeben hat (Štechová 1984), sowie ergän - zend Štechovás Beiträge in den digitalisiert vorliegenden Periodika Ženský svět [Die Frauenwelt], Kmen [Der Stamm] und Lidové noviny [Volkszeitung]. 2. ŠTECHOVÁS BIOGRAFIE– EIN BEISPIEL GELEBTER FRAUENEMANZIPATION Das wenige, was von Štechovás Leben bekannt ist,3 reicht, um festzustellen, dass sie in ihrem Handeln die damaligen Vorstellungen von weiblicher Emanzipation umsetzte. Das bedeutet vor allem, dass sie das Abitur ablegte (1907 am tschechischen Mädchenlyzeum Vesna in Brünn) und ein Studium absolvierte (1907–1912 an der Philosophischen Fakultät der tschechischen Karl -Ferdinands -Universität in Prag) 4 . Danach übte sie– wie viele andere gebildete Frauen– den Beruf der Lehrerin aus. Darüber hinaus war sie zwischen 1915 und 1940 als Publizistin, Schriftstellerin und Redakteurin aktiv. 5 Charakteristisch für die damalige Zeit ist, dass diese für eine Frau doch sehr berufsbezogene Lebensführung mit Familienleben und geglückter Partnerschaft schwer vereinbar zu sein schien (siehe die Biografien in Vošahlíková/Martínek 2010). So wissen wir von Štechová, dass sie zwar verheiratet war, allerdings nur fünf Jahre lang (1924–1929). Über weitere Partner oder Partnerinnen sind keine Informationen überliefert, es werden auch keine Kinder erwähnt. Štechová könnte somit als ein Beispiel dafür gelten, dass das Konzept einer beruflich aktiven Ehefrau und Mutter in den 1920er Jahren zwar angesagt war, zumindest in den bildungsbürgerlichen Schichten aber nur selten umgesetzt wurde (Bahenská/Heczková/Musilová 2017: 59). 3 Zuverlässige Informationen über Štechová zu finden, ist schwierig. Im Lexikon české literatury [Lexikon der tschechischen Literatur] wird sie in dem Artikel über ihren Vater, den Dramatiker Václav Štech (1859–1947), als seine Tochter erwähnt, die sich „als Lehrerin und Publizistin der Jugendliteratur widmete“ (Merhaut 2008: 735). Anders als ihrem Vater und ihrem Bruder, dem Kunsthistoriker Václav Vilém Štech (1885–1974), ist Štechová kein selbstständiger Artikel gewidmet. Die Hauptquelle für Informationen zu Štechovás Biografie bleibt somit das Nachwort von Michal Kocák (Štechová 1984: 235–240). Zuletzt widmete sich Heczková (2020: 133–139; 2009: 189–191, 296) der Autorin. Anders als Kocák erforscht Heczková Štechovás Texte mit einem gendersensiblen Blick und liest sie im Kontext der damaligen feministischen Literatur und Literaturkritik. Den Arbeiten von Heczková verdanke ich die Entdeckung Štechovás. Randbemerkungen sind Štechová noch in der Handreichung zur katholischen Literatur Böhmens und Mährens von Putna gewidmet (Putna 1998: 423f.; Putna 2010: 619). Die genannten literaturwissenschaftlichen Quellen bringen zwar die grundlegenden Informationen zu Štechová, manches bleibt aber mit Unsicherheit behaftet. Zum Beispiel konnte ich nicht mit Sicherheit feststellen, welchen Namen Štechová verwendete, nachdem sie geheiratet hat. Man findet folgende Varianten: „Lenhertová“ (Heczková 2020: 139), „Lehnerová“ (Merhaut 2008: 735) und „Štechová -Lehnertová“ (Štechová 1984: 236). Alle biografischen Informationen, die ich im Weiteren anführe, entnehme ich dem Nachwort von Kocák (Štechová 1984: 235–240), ohne sie auf ihre Richtigkeit überprüft zu haben. 4 In Österreich -Ungarn durften Frauen ab 1897 studieren, zunächst nur an philosophischen Fakultäten. In größerem Umfang setzte sich das Frauenstudium erst nach 1920 durch (Bahenská 2016: 352). 5 Ab dem Jahr 1915 schrieb Štechová Beiträge für die Zeitschrift Ženský svět [Frauenwelt] und arbeitete dort zugleich als Redaktionsmitglied. Die letzte in Souborný katalog ČR [Gesamtkatalog der Tschechischen Republik; URL: <https://skc.nkp.cz/>] verzeichnete Publikation von Štechová stammt aus dem Jahr 1940. Texte, die Štechová nach dem Zweiten Weltkrieg schrieb (Heczková 2020: 139), sind bisher unveröffentlicht. Die Publikation Kuchařka [Kochbuch], als deren Autorin ebenfalls Marie Štechová angeführt wird (Erstausgabe 1908, Merhaut 2008: 737), wurde vermutlich eher von Štechovás Mutter verfasst.
68 BRÜCKEN 29/2 Bemerkenswert an Štechovás Biografie ist außerdem die hohe Mobilität. Štechová verbrachte– soweit es sich rekonstruieren lässt– mehrere Jahre in Prag und Brünn, einen bedeutenden Teil ihres Lebens aber auch in verschiedenen Kleinstädten. 1890 in der Stadt Slaný (Schlan) in der Nähe von Prag geboren, zog sie im Alter von vier Jahren nach Prag. Zwischen 1904 und 1907 besuchte sie die Vesna -Schule in Brünn, von 1907 bis 1912 studierte sie in Prag. Anschließend war sie als Lehrerin an verschiedenen Schulen, vermutlich nicht nur in Prag, tätig. Nach der Republikgründung 1918 ging sie in die Slowakei, wo sie mit Unterbrechungen die zwanziger Jahre verbrachte. Vermittelt durch Kontakte aus der Brünner Vesna trat sie die Leitung der neu gegründeten höheren Mädchenschule in Turz -Sankt Martin (Turčiansky sv.Martin) an. 6 Aus ihrer Korrespondenz und Publikationstätigkeit lässt sich ablesen, dass sie zwischendurch wieder in Brünn und von 1924 bis 1929 mit ihrem Ehemann in Zlaté Moravce (einer Kleinstadt in der Nähe von Nitra) lebte. Nach ihrer Scheidung lebte sie vermutlich wieder in Prag und an unterschiedlichen Orten Mittelböhmens. Anfang der 1930er Jahre hielt sie sich noch öfter in Zlaté Moravce auf. Sie starb 1970 in Strančice bei Prag. Der Wechsel von Böhmen nach Turz -Sankt Martin (1919) war klarerweise beruflich motiviert. Auch später zog sie vermutlich öfter aus beruflichen Gründen um. 3. ŠTECHOVÁS NETZWERKE IN PRAG, BRÜNN UND TURZ ‑SANKT MARTIN Es mag zunächst überraschen, dass eine feministisch orientierte Publizistin zwei Bücher herausgibt, während sie in der ländlichen Stadt Zlaté Moravce lebt (Štechová 1928, 1929). Bei näherem Hinsehen wird deutlich, dass ihr dies möglich war, weil sie zuvor schriftstellerisch und journalistisch bereits einiges geleistet hatte und dank früherer Mitarbeit Kontakte in Prag, Brünn und Turz -Sankt Martin hatte. Ein Blick auf ihre Netzwerke zeigt, dass sie in den 1910er und 1920er Jahren vor allem mit feministisch und liberal eingestellten Kulturschaffenden in Verbindung stand. Štechová begann ihre publizistische Laufbahn 1915 bei der Zeitschrift Ženský svět [Frauenwelt] 7 – in der zweiten Hälfte der 1910er Jahre bereits eine etablierte feministische Plattform. Zusammen mit Štechová wirkten dort weitere beachtenswerte Frauen wie z. B. die Wissenschaftlerin Vlasta Kučerová -Borovičková (1890–?) oder die Journalistin Míla Sísová (1885–1947). Zwischen 1915 und 1917 war Štechová Redaktionsmitglied, aber auch in den zwanziger Jahren wurden in der Zeitschrift noch gelegentlich Texte von ihr veröffentlicht. Zu Štechovás wichtigen Prager Kontakten gehörte auch der Literaturkritiker František Xaver Šalda (1867–1937), der ohne Übertreibung als Guru der damaligen Prager tschechischen Literaturszene bezeichnet werden kann. Viele publizierende Frauen suchten bei ihm Rückhalt, weil er als Befürworter der Frauen6 Bei der Gründung der Mädchenschule in Turz -Sankt Martin, der ersten slowakischsprachigen höheren Mädchenschule, war der ehemalige Schulleiter der Brünner Vesna -Schule František Mareš (1862–1941) behilflich (Dudeková Kováčová 2019: 123). Hajdučeková (2019: 196) erwähnt ausdrücklich, dass Štechová die Leitung der Martiner Mädchenschule innehatte, den genauen Zeitraum führt sie aber nicht an. 7 Die Zeitschrift wurde 1896–1930 in Prag herausgegeben. Die Gründerin war die Schriftstellerin Teréza Nováková (1853–1912). Mehr zum Profil der Zeitschrift in Heczková (2009: 175–183).
69JANA MARKOVÁ emanzipation auftrat.8 Außerdem galt seine nicht -eheliche Beziehung zu der Schriftstellerin Růžena Svobodová (1868–1920) für viele gebildete Frauen als Musterbeispiel einer modernen, weil ebenbürtigen und intellektualisierten Partnerschaft.9 Zwischen 1917 und1919 publizierte Štechová in Šaldas Wochenzeitschrift Kmen [Der Stamm].10 Dem namhaften Šalda verdankte Štechová vermutlich auch die Vermittlung an den Otto -Girgal -Verlag, der 1929 ihren Buchessay Oženě [Über die Frau] veröffentlichte. Neben Prag hatte Štechová auch Kontakte nach Brünn, diese sind jedoch schwieriger nachzuverfolgen. In den Jahren 1922 und 1923 schrieb sie neben gelegentlichen Feuilletons Texte für die Kinderseite der Brünner Ausgabe von Lidové noviny (z. B. Štechová 1922; 1923a). Diese Texte belegen– wie schon Štechovás frühere Beiträge zum Thema Schulbildung in Kmen (z. B. Štechová 1919b)– ihr professionelles Interesse an der zeitgenössischen Reformpädagogik. Darin ähnelt sie zum Beispiel Alice RühleGerstel (1894–1943), die im Prager Exil die Kinderbeilage des Prager Tagblatts leitete und dafür Texte schrieb (Mikota 2007). Zu vermuten ist, dass Štechová Kontakte zur Brünner theosophischen Szene hatte.11 In den 1920er Jahren war Štechová außerdem in den slowakischen Zeitschriften Živena und Slovenské pohľady [Slowakische Sichtweisen] publizistisch aktiv.12 Beide Zeitschriften wurden in Turz -Sankt Martin herausgegeben, so dass es auf der Hand liegt, dass Štechová die erforderlichen Kontakte während ihres dortigen Schuldienstes knüpfte. Mit der Schriftstellerin Elena Maróthy Šoltésová (1855–1939), die bis 1922 die Redaktion der Frauenzeitschrift Živena leitete, stand Štechová über Jahre hinweg in brieflichem Kontakt, genauso wie mit dem Redakteur von Slovenské pohľady, dem Schriftsteller Štefan Krčméry (1892–1955).13 Turz -Sankt Martin hatte als Wiege des slowakischen Kulturnationalismus auch noch in den 1920er Jahren eine Sonderstellung– allein wegen der Tatsache, dass es Institutionen wie den slowakisch -nationalen Kulturverein Matica slovenská und den bürgerlichen Frauenverein Živena beherbergte (welche übrigens die Herausgeber der erwähnten Zeitschriften waren). Im Vergleich zu Pressburg (Bratislava) und anderen Städten der heutigen Westslowakei hatte es aber den Ruf eines eher rückwärtsgewandten, vom alten Ruhm lebenden Ortes (Boisserie 2017). Hollý (2016) verdeutlicht mit Blick auf das Turz -Sankt Martin der Jahrhundertwende, dass frauenemanzipatorische Gedanken oft mit religiösen und nationalen Überzeugungen und Gefühlen im Konflikt standen. Auch die Erinnerungen der in Turz -Sankt Martin geborenen Schriftstellerin und Feministin Hana Gregorová (1885–1958) legen nahe, dass die Idee weiblicher Bil8 Als maßgebliches Statement für die Unterstützung der weiblichen Kunst und Literatur gilt Šaldas Essay Žena v poezii aliteratuře [Die Frau in der Poesie und Literatur] (Šalda 2000 [1905]: 59–78), der aber eigentlich die weibliche Kunst als ein Mittel für die Selbstfindung und Weiterentwicklung des Mannes darstellt. 9 Hierzu die Erinnerungen der slowakischen Feministin und Freundin Štechovás, Hana Gregorová (1885–1958), die Šalda ausdrücklich erwähnt (Cviková 2007: 149). Zu neuen Partnerschaftskonzepten siehe auch Unglaub (2016), dort am Beispiel von Rainer Maria Rilke. 10 Die Essays von Kmen gingen zusammen mit Texten, die Štechová ursprünglich für Ženský svět schrieb, in Štechovás erstes Buch (Štechová 1919a) ein, das Šalda (1919) positiv rezensierte. 11 Štechová (1928: 165) führt an, dass ein Teil ihrer Aphorismen zuerst in der Brünner theosophischen Zeitschrift České svědomí [Tschechisches Gewissen] veröffentlicht wurde. 12 Die Textauswahl von Kocák in Štechová (1984) legt nahe, dass Štechová in der Frauenzeitschrift Živena nur zu Beginn der 1920er Jahre publizierte, zwischen 1923 und 1932 dann in Slovenské pohľady. 13 Einige Briefe an Maróthy Šoltésová und Krčméry sind in Štechová (1984) abgedruckt.
70 BRÜCKEN 29/2 dung und Selbstständigkeit noch in den Vorkriegsjahren oft als unmoralisch wahrgenommen wurde (Cviková 2007: 101–114). Wenn auch angenommen werden kann, dass in den 1920er Jahren die Akzeptanz gegenüber der Frauenemanzipation schrittweise wuchs (Dudeková Kováčová 2019: 137–138), war es für Štechová doch sicherlich von Vorteil, dass die von ihr vertretene Art des Feminismus nicht allzu viele Kollisionen mit moralischen und religiösen Empfindungen hervorrief. Einer eigenständigen Untersuchung wert wäre die Frage, wie Štechová in ihrer Publizistik die Beziehung zwischen Tschechen und Slowaken und die Frage einer slowakischen Eigenart modellierte. Sie präsentierte sich als slowakophile Tschechin und Volksbildnerin, die dem slowakischen Publikum nicht nur die tschechische, sondern auch die Weltliteratur vermittelt (Hajdučeková 2019: 200). In den slowakischen Zeitschriften wurden ihre Texte auf Slowakisch abgedruckt. Im Wechsel der Publikationssprache vom Tschechischen ins Slowakische scheint sie kein Problem gesehen zu haben. Slowakische Publikationsorgane waren offensichtlich bemüht, tschechischsprachige Beiträge nur in Ausnahmefällen zu veröffentlichen. Štechová war auch in den 1930er Jahren schriftstellerisch aktiv. Sie knüpfte neue Kontakte zu Publikationsorganen, die eine Anbindung an die katholische Kirche hatten oder sich als Repräsentationen des katholischen Milieus verstanden. Diese waren teilweise in Mähren angesiedelt (z. B. der Verlag von Josef Florian in Stará Říše bei Iglau, oder der Dominikanerverlag Krystal in Olmütz). Ein zusammenfassender Blick auf Štechovás Publikationen aus den 1910er und 1920er Jahren lässt erkennen, dass sie in durchaus renommierten Medien und Verlagen mit überregionaler Reichweite veröffentlichte. Spezifisch feministische Publikationsorgane (Ženský svět, Živena) nutzte Štechová offenbar als Einstiegsplattform. Nachdem sie sich als Publizistin etabliert hatte, bevorzugte sie ‚normale‘ Kulturzeitschriften (Kmen, Slovenské pohľady). Diese Entwicklung kann aber auch als Beleg dafür gelten, dass sich die Artikulation feministischer Positionen sowie allgemein die Publikation von Texten von Frauen spätestens seit dem Ende des Ersten Weltkriegs nicht unbedingt auf feministische Periodika beschränken musste, sondern schrittweise Eingang in die allgemeine Publizistik fand. Štechová stilisierte sich besonders in den 1920er Jahren als eine Autorin, die mit dem Leben in der ländlichen Stadt vertraut ist. Die erfolgreiche Publikationstätigkeit trotz hoher regionaler Mobilität spricht aber dafür, dass sie über ein kulturelles Kapital verfügte, das ein echter Landmensch kaum hätte aufbringen können. Ihr Beispiel zeigt auch, dass Frauen mit feministischen Ansichten nicht unbedingt Großstädterinnen sein mussten. Gerade Lehrerinnen, die oft wichtige Unterstützerinnen und Protagonistinnen der Frauenbewegung waren (Bahenská 2016: 356f.), lebten berufsbedingt auch auf dem Land. 4. DIE PUBLIZISTIK VON ŠTECHOVÁ IM ÜBERBLICK 4.1 DIE FEMINISTISCHE UND DIE KATHOLISCHE PHASE In beiden Phasen ihres publizistischen Schaffens, der feministischen (ca. 1915–1930) und der katholischen (ca. 1930–1940), arbeitete Štechová mit unterschiedlichen Publikationsorganen zusammen: mit feministischen sowie liberalen Kulturzeitschriften
71JANA MARKOVÁ in der ersten und mit katholischen Revuen und Verlagen in der zweiten Phase. Mit der Umorientierung auf kirchennahe Medien geht ein Wandel von der alternativen zur orthodoxen (kirchlich konformen) Religiosität einher. Eine klare inhaltliche Zäsur ist trotz alledem schwierig zu bestimmen, weil Štechová im Grunde stets dieselben Themen verfolgte– nämlich Fragen der Selbstbestimmung und der richtigen Lebensführung, Appelle zu einer Persönlichkeitsentwicklung hin zu Geistigkeit und Intellektualität– und diese schon immer in einen religiösen Rahmen einbettete. Während sie sich aber in den 1910er und 1920er Jahren aktiv in den feministischen Diskurs einbrachte, löste sie sich in den 1930er Jahren zunehmend vom Programm des liberalen Feminismus. Die vorletzte Veröffentlichung (Štechová 1939) zeichnet sich schließlich in vielerlei Hinsicht durch eine Hinwendung zu konservativen Geschlechteridealen aus (dazu z.B. Štechová 1939: 25–28). Štechovás Fall scheint somit die These von Bahenská, Heczková und Musilová (2011: 235) zu stützen, dass die Debatte über die Geschlechterproblematik in der Zwischenkriegszeit– trotz der zahlreichen Fortund Rückschritte im rechtlichen Bereich– stagnierte, bis sie im Laufe der 1930er Jahre so gut wie einschlief. 4.2 LITERATUR ALS HILFE ZUR LEBENSBEWÄLTIGUNG Im Mittelpunkt stehen bei Štechová ethische Fragen, also Fragen nach einem guten und erfüllten Leben. Auch wenn sie keine größere monographische Studie geschrieben hat, zeigen ihre in einzelnen Essays, Aphorismen, Feuilletons und Rezensionen geäußerten Gedanken Konsistenz und Persistenz. In den überwiegend nicht -fiktionalen Texten begegnet der Leser einer Sprecherin, die sich einerseits bedeckt hält und sehr wenig über sich selbst verrät, andererseits aber mit Dringlichkeit zu verstehen gibt, dass die vorgestellten Ansichten sehr persönlich und absolut ehrlich sind. 14 Somit lesen sich die Texte in weiten Teilen wie ein Lebenscredo, gerade die beiden zentralen Textsammlungen (Štechová 1919a und 1928) wie Hilfen zur Lebensbewältigung, wie Texte, durch die sich die Autorin Orientierung verschafft und die sie zugleich als Inspiration anderen Suchenden anbietet.15 Mit diesem Anliegen hängt Štechovás Interesse an Religion(en) und Literatur zusammen, Bereichen, denen sie sich als 14 Siehe dazu auch das Vorwort zu Štechová (1928), das auf dem Paradox des gleichzeitig Persönlichen und Unpersönlichen aufbaut: „Všechny relativně osobní poznámky byly vypuštěny. Zdůrazňuji přitom nutnost, že poznámky budou co nejosobnější, aby mohly být co nejneosobnější: jen skrze sebe dobýváme člověka.“ [Alle relativ persönlichen Anmerkungen wurden ausgelassen. Dabei betone ich die Notwendigkeit, dass die Anmerkungen möglichst persönlich sind, damit sie möglichst unpersönlich sind: nur durch sich selbst erobert man den Menschen.] (Štechová 1928: o. S.) 15 Am klarsten wird diese Absicht in dem Vorwort zu Štechová (1939, o. S.) ausgedrückt: „Myslím na neznámého čtenáře, který zápolí sněkterou zmnohých těžkostí, jež jsem poznala. Jak často se cesta prodlužovala jen proto, že nebylo značek, že nebylo nikoho, kdo by vztyčil varovné znamení.“ [Ich denke an einen unbekannten Leser, der mit einer der vielen Schwierigkeiten kämpft, die ich kennengelernt habe. Wie oft wurde der Weg nur deshalb länger, weil es keine Markierungen gab, weil es niemanden gab, der Warnzeichen aufgestellt hätte.] Der Anspruch an Literatur, sich auf die Lebenspraxis auszuwirken und auf sie zu antworten, prägt nicht nur die Essays und Aphorismen, sondern auch die Literaturkritik Štechovás. Ähnlich wie z. B. die Schriftstellerin und Feuilletonistin Marie Pujmanová (1893–1958) trägt sie an literarische Texte die Frage heran, ob und wie sie die zeitgenössischen Leser dabei unterstützen, ihr eigenes Leben besser zu verstehen und zu bewältigen. Zu Pujmanová siehe Tichý (2018).
72 BRÜCKEN 29/2 Literaturkritikerin und religiöse Denkerin kontinuierlich widmete und die bei ihr, anders als bei Vertretern des linken Milieus, nicht in Konkurrenz zueinander stehen. In der Religion und der Literatur (bzw. allgemein der Bildung)16 sieht sie das Potenzial, wichtige orientierungsstiftende Einsichten und Erfahrungen zu vermitteln und dadurch zur Persönlichkeitsentwicklung beizutragen. 4.3. DIE SELBSTSTILISIERUNG ALS NÜCHTERNE INTELLEKTUELLE Mit manchen Ansichten steht Štechová Anna Pammrová (1860–1945), einer feministischen Schriftstellerin der vorherigen Generation, nahe. Der unbedingte Nachdruck auf Selbstbestimmung und geistige Autonomie, die Überzeugung von der rettenden Kraft der Reflexion und die Beeinflussung durch die Theosophie17 sind Momente, die beiden Autorinnen gemeinsam sind. Sie unterscheiden sich aber darin, welche Vorstellung sie von sich selbst in ihren Texten entstehen lassen. Pammrová ist eine zugespitzt individualistische und provokante Selbststilisierung eigen (Heczková 2021). In ihren Texten (z. B. Pammrová 2011 [1936]) grenzt sie sich von der ‚Masse‘ ab, die in ihrer Darstellung durch falsche Motive wie irrtümliche Überzeugungen, Eitelkeit und Hass geleitet wird. Pammrová erscheint durch ihre Texte als eine radikale, um nicht zu sagen aberwitzige Aussteigerin, die kein gesellschaftliches Tabu und kein religiöses Dogma schont. Auch Štechová tritt zuweilen unzufrieden, kritisch und enthüllend auf. Dabei pflegt sie aber das Image eines nüchternen, bodenständigen Menschen. Sie bedient sich zwar öfter eines religiös und metaphysisch anmutenden Wortschatzes, tut es aber eher tröpfchenweise, ohne weitgespannte spekulative Theorien zu entwickeln. Ihre Texte stilisiert sie meistens als Verallgemeinerung von Beobachtungen des eigenen Lebensumfelds, oder sie gestaltet sie als eine analytische Auseinandersetzung mit einer allgemein gestellten Frage. Dieser diskursiven Position entspricht auch, dass Štechová– neben der Literaturkritik– die Textgattungen Essay und Aphorismus bevorzugte. Feuilletons, die von der plastischen Darstellung eines konkreten Erlebnisses oder Eindrucks ausgehen, sind für Štechová eher untypisch, genauso wie fiktionale Prosa.18 Die Tendenz zur Verallgemeinerung und Abstraktion sowie der Nachdruck auf plausible Argumentation und präzise Darstellung von Sachverhalten sind Merkmale, die Štechovás Texte dem philosophischen Diskurs annähern. Auch wenn dies als intellektueller Snobismus wirken konnte, fielen die Rezensionen von Štechovás Texten in Ženský svět eindeutig positiv aus (V. B. 1919; Karasová 1928). Möglicherweise war der 16 Eine Gegenposition zu Štechová vertritt in dieser Hinsicht Marie Majerová (1882–1967), dazu z. B. Majerová (1919). 17 Siehe den komprimierten Überblick über das theosophische feministische Denken von Kraft (2013). Kraft (2013: 360–364) betont, dass die frühe Theosophie großen Wert auf Geistigkeit und Bildung legte, während die Sexualität als entmenschlichend galt. Manche Theosophinnen und Theosophen verzichteten deshalb absichtlich auf Sex. Dieselbe Einstellung mitsamt deren exzentrischer Begründung teilt auch Pammrová (2011 [1936]). Štechová lehnt das sexuelle Leben zwar nicht ausdrücklich ab, sie gibt aber der freien geistigen Betätigung eindeutig Vorrang vor allem anderen. 18 Beispiele für Prosa sind der Zyklus Vinica [Der Weinberg] (Štechová 1984: 29–47), die Erzählungen Rodiče aděti [Eltern und Kinder] und Zlý den [Ein schlechter Tag] in Štechová (1919a: 109–132) sowie die Erzählung Klářino štěstí [Klaras Glück] in Ženský svět 20/17–18, 364–367, Ženský svět 20/19–20, 399–404, Ženský svět 20/21–22, 436.
73JANA MARKOVÁ intellektualisierte Stil eine Reaktion auf die damaligen Frauen -Stereotype. Während Frauen unterstellt wurde, dass sie emotional und als Kehrseite davon irrational seien, war es manchen Feministinnen umso wichtiger zu beweisen, dass analytische Durchdringung von Problemen, Distanz und Ironie auch von Frauen beherrscht werden.19 Štechová hatte als akademisch gebildete Schriftstellerin die entsprechende Vorbereitung dafür, Texte zu verfassen, die sowohl ästhetischen als auch wissenschaftlichen Ansprüchen genügten. Wiewohl Štechová auf Plausibilität und sachlichen Ausdruck bedacht war, trat sie dem Zeitgeist entsprechend zugleich als gemäßigte Vernunftskeptikerin auf. Die Möglichkeiten und die Wirkungskraft rationaler Erkenntnis sind ihrer Meinung nach beschränkt. Man müsse sich deshalb auch durch rational letztlich unbegründete Einsichten leiten lassen, die Mythen und Religionen vermitteln, sowie durch die eigene Intuition und Erfahrung (z. B. Štechová 1919a: 73–86; Štechová 1919c; Štechová 1928: 116, 135, 161). Vor diesem Hintergrund erfolgt ihre Auseinandersetzung mit der Religion. Sie sieht sich (in ihrer feministischen Phase) nicht einer religiösen Tradition verbunden, sondern befasst sich mit religiösen Texten verschiedener Provenienz (eher evangelisch als katholisch sowie Texte asiatischer Religionen), um ihnen eine universelle Weisheit zu entnehmen.20 5. DAS FEMINISTISCHE DENKEN VON ŠTECHOVÁ Mit ihrer Art, Freiheit zu bestimmen, reiht sich Štechová in die Tradition des liberalen Feminismus ein. Gleichzeitig zeigt sich aber, dass sie manche Argumentationen, die in den 1900er und 1910er Jahren den Kampf um die Frauenrechte prägten, hinter sich lässt und ihre Forderung nach Emanzipation ein Stück selbstbewusster und kompromissloser als ihre Vorgängerinnen formuliert. 5.1 FREIHEIT UND SELBSTVERANTWORTUNG Život není to, do čeho se nutíme podle příkladu druhých, ale co třeba řešit vždy znovu na svou pěsť. (Štechová 1928: 137) [Das Leben ist nicht das, wozu man sich nach dem Vorbild anderer zwingt, sondern das, was man immer aufs Neue auf eigene Faust lösen muss.] 19 Siehe hierzu die Rezension von V. B. (1919: 184): „Nevím, ale zdá se mi, že se dostala hlavou ksrdci, že intelektem dospěla ktéto vysoké kázni, jíž se říká moralita atím právě žensky dokazuje tak mnoho ‚neženského, ženské nefilosofičnosti‘, odtud její intelektualistická přesvědčivost […]“ [Ich weiß es nicht, aber mir scheint es, dass sie [Štechová] mit dem Kopf zum Herzen gelangt ist, dass sie mit dem Intellekt zu diesem hohen Gehorsam gelangte, den man Moral nennt, und dadurch eben auf eine weibliche Art so viel „Unweibliches, weibliche Unintellektualität“ bewies, daher ihre intellektualistische Überzeugungskraft.]. Die Aussage halte ich für unlogisch formuliert. Ich glaube aber, dass die Rezensentin die vermeintlich unweibliche Intellektualität von Štechová loben wollte. 20 Hammer (2001: 44f.) identifiziert drei diskursive Strategien der alternativen (außerkirchlichen) Religiosität: Argumentation mit Erfahrung, Argumentation mit vernünftigen Gründen und Argumentation mit Texten unterschiedlicher Religionen, die als Ausdruck zeitloser Weisheit angesehen werden. Diese Charakterisierung trifft ziemlich genau auf die Texte von Štechová zu.
80 BRÜCKEN 29/2 konnte, dass der Kampf um gleiche Rechte abgeschlossen ist.30 Manchen gebildeten Generationsgenossinnen von Štechová gelang es, erfolgreich Karriere zu machen. Ein Engagement in der Frauenbewegung schien ihnen vielleicht überholt oder nicht mehr notwendig. 31 Trotzdem muss man aber davon ausgehen, dass Frauen weiterhin mit ungleicher Behandlung und kulturell auferlegten Einschränkungen konfrontiert waren. Die Texte von Štechová (besonders Štechová 1928) erwecken den Eindruck, dass die widersprüchliche Situation weitreichender rechtlicher Gleichstellung bei faktischer Diskriminierung genau die Konstellation ist, gegen die sie anschreibt. Die Sprecherin tritt als eine auf, die sich ihrer Rechte wohl bewusst und sicher ist, aber auf eine Umgebung trifft, die ihr die Autonomie abspricht und sie ständig in vorgefertigte Pfade zu lenken versucht. Vor diesem Hintergrund ist der Nachdruck, den Štechová auf persönliche Freiheit legt, eine (Selbst-)Ermutigung dazu, das in Anspruch zu nehmen, was einem zusteht. Besonders möchte ich noch auf den sprachund normkritischen Gesichtspunkt hinweisen, der Štechovás Pochen auf eine innere Emanzipation mitprägt. Wenn Štechová die Korsettierung der Frau durch die Kultur kritisiert, fasst sie unter anderem die Wirkung der sprachlichen bzw. medialen Darstellungen von Weiblichkeit auf die Selbstauffassung von Frauen ins Auge. Damit nimmt sie eine diskurskritische Perspektive vorweg. Lapidar drückt sie es im folgenden Aphorismus aus: Mnoho žen zkazila společenská teorie „ženskosti“. (Štechová 1928: 69) [Viele Frauen wurden durch die gesellschaftliche Theorie der „Weiblichkeit“ verdorben.] Štechová spielt hier darauf an, dass Frauen oft zu bereitwillig und sogar mit Genugtuung stereotype Vorstellungen von weiblicher Schwäche, Empfindsamkeit, Leidensoder Liebesfähigkeit internalisieren: Duševní požitek, jehož účinnost málokdy selže, mívám ve dvou případech: 1. slyším -li zdatnou, normálně trávící, obyčejně korpuletní ženu, skoro vždy vládkyni domácnosti, mluvit oslabém ženském pohlaví; […] (Štechová 1928: 69) [Einen Seelengenuss, dessen Wirkung nur selten versagt, habe ich in zwei Fällen: 1. wenn ich eine gut gebaute, normal verdauende, gewöhnlich korpulente Frau, fast immer eine Herrin des Haushalts, höre, wie sie über das schwache weibliche Geschlecht spricht.] 30 Dazu: „Ženská emancipace se zdála být vkontextu první československé ústavy hotovou věcí, oníž nebylo možné pochybovat. Ženy mohly bez právního omezení studovat, volit abýt voleny, opustit manžela, věnovat se profesi, mohly činit vše, co jim bylo dříve formálně odepřeno.“ (Bahenská/Heczková/Musilová 2010: 20) [Die Frauenemanzipation schien im Kontext der ersten tschechoslowakischen Verfassung eine vollbrachte Sache zu sein, an der keine Zweifel mehr bestanden. Frauen durften ohne rechtliche Einschränkungen studieren, wählen und gewählt werden, den Ehemann verlassen und dem Beruf nachgehen. Sie konnten alles tun, was ihnen früher formal verwehrt war.] 31 Als Beispiel kann die Ethnografin Drahomíra Stránská (1899–1964) gelten, die Tochter der vorhin erwähnten Feministin Olga Stránská Absolonová. Anders als ihre Mutter war Drahomíra keine aktive Feministin.
81JANA MARKOVÁ Štechová polemisiert hier mit Stereotypen, die durch die modernistischen Geschlechterdiskurse der 1890er Jahre (z. B. durch Ellen Key– Heczková 2010; Helduser 2005) geprägt wurden. Auf das neuere Ideal des sachlichen, jungenhaften Mädchens (siehe Marková, im Druck), das in den 1920er Jahren der Vorstellung der, ewigen Weiblichkeit‘ Konkurrenz leistete, nimmt sie dagegen noch keinen Bezug. Diese Einzelheit belegt stellvertretend, wie stark Štechová durch die Frauendebatten ihrer Kinderund Jugendjahre beeinflusst war– so sehr, dass ihr manchmal die Aufmerksamkeit für neu Aufgekommenes fehlte. Neben der Kritik an (älteren) Frauendiskursen findet sich bei Štechová eine Polemik mit normativen Vorstellungen hinsichtlich der Ehe und implizit auch der Mutterschaft. Auch diesbezüglich lässt sie sich auf keine besonders konkreten Aussagen ein. Sie sagt nie direkt, dass eine unverheiratete und kinderlose Frau genauso glücklich sein kann wie eine Frau mit Familie. Vielmehr weist sie verhalten darauf hin, dass man gegenüber allen Lebensentwürfen offen sein sollte. So schließt sie zum Beispiel einen Artikel über die erstrebenswerte Form der Ehebeziehung mit folgenden Worten ab: Neustupujme před žádnou naléhavostí životní– vní očekává nás díl života; nebojme se manželství anebojme se nemíti je, vpravém životě je každý stud nemístný. (Štechová 1921: 112) [Weichen wir keiner Lebensnotwendigkeit aus– in ihr erwartet uns ein Teil des Lebens; fürchten wir die Ehe nicht und fürchten wir nicht, ehelos zu sein, in einem echten Leben ist jede Scham fehl am Platz.] Die Strategie, die Ehe nicht direkt abzulehnen, sondern sie nur zu problematisieren, behält Štechová auch in ihren Aphorismen bei (Štechová 1928: 63f., 72–78, 82–92). Sie kritisiert das Nützlichkeitsdenken in Sachen der Ehe, falsche romantische Vorstellungen und die daraus resultierende Enttäuschung, die Unfähigkeit der Partner, wirklich aufeinander einzugehen, sie spricht auch das Risiko des Autonomieverlusts an. Das platonische Ideal zweier ineinander verschmelzender Menschen ist aus ihrer Sicht uneinlösbar. Stattdessen fordert sie eine rationalisierte Einstellung zur Partnerbeziehung und ein Senken der Erwartungen.32 Im Vergleich mit linksorientierten Autorinnen, die die Ehe einer bissig -ironischen oder sachlich -vernichtenden Kritik unterziehen (z. B. Majerová 1912; Rühle -Gerstel 1932), ist Štechová noch verhältnismäßig wohlwollend. Sie schließt nicht aus, dass eine Ehe gelingen und beglücken kann, wiewohl es ihrer Meinung nach nur selten vorkommt. Interessant ist weiterhin, dass Štechová den Themenkomplex der Mutterschaft praktisch ausklammert. Da das Gebären und Erziehen von Kindern ein selbstverständlicher Teil der Frauenrolle war, war das Fehlen des Themas auch ein Statement, wenn auch bei Weitem nicht so provokativ wie es eine offene Debatte über den Wert der Mutterschaft gewesen wäre.33 Die Reduktion des Frauenlebens auf die Mutterschafts32 Damit steht Štechová auf einer Linie mit Ansichten, durch welche sich Intellektuelle, die sich als gesellschaftliche Avantgarde begriffen, seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert leiten ließen (Unglaub 2016: 257–259). 33 Siehe zum Beispiel die Debatte über die freiwillige Kinderlosigkeit in Lidové noviny im Jahr 1927, die durch die Journalistin Marie Fantová (1893–1963) eingeleitet wurde (Penkalová 2011: 199f.).
82 BRÜCKEN 29/2 funktion kritisiert Štechová meines Wissens ausdrücklich nur einmal (Štechová 1928: 61f.). Ansonsten untergräbt sie die Vorstellung, dass jede Frau auch und vor allem Mutter sein muss, nur indirekt, indem sie beständig dazu aufruft, sich an keinen vorgefertigten Lebensentwurf zu klammern. Die Vorstellung einer alleinstehenden, sich ihren intellektuellen Interessen widmenden Frau wird zwar nicht ausdrücklich als Ideal hingestellt. Dadurch aber, dass enorm viel Wert auf persönliche Autonomie und Freiraum für intellektuelle Betätigung gelegt wird, wirkt dieses Modell doch als sehr attraktiv.34 Štechová macht in einigen Aphorismen auch darauf aufmerksam, dass an sich positive Werte und Eigenschaften wie Nächstenliebe oder Demut auch als Zwangsmittel eingesetzt werden, um insbesondere Frauen in einer untergeordneten Stellung zu halten (Štechová 1928: 50f., 82, 152, 156, 137). Das Subjekt der Aphorismen lehnt es ausdrücklich ab, sich durch Wertebegriffe bezwingen zu lassen. Dies kann als eine implizite Polemik mit dem älteren Feminismus gedeutet werden, der– wie schon beleuchtet– zwar Freiheit für Frauen einfordert, von Frauen aber gleichzeitig in besonderem Maß Verdienste und moralische Integrität verlangt. Diese Bedingtheit will Štechová nicht gelten lassen, sondern betont den prinzipiellen Anspruch auf Mündigkeit. Štechová ging in ihrem Freiheitsanspruch einerseits ziemlich weit, andererseits sprengt sie den Rahmen bürgerlicher Normen nicht. Kontroverse Themen wie die freiwillige Eheund Kinderlosigkeit von Frauen umschifft sie. Themen, die mit gängigen Moralvorstellungen gänzlich kollidierten (z. B. nicht -ehelicher Sex von Frauen, Abtreibungen), waren kein Teil ihrer Agenda. 6. WO KANN MAN FREI SEIN? Was für einen Feminismus vertritt Štechová also? Fassen wir kurz zusammen: Den Ausgangspunkt bildet die Überzeugung, dass jedem Menschen die Freiheit zusteht, sein Leben nach eigenem Ermessen zu gestalten. Dafür wird vom Einzelnen verlangt, sich selbstständig und eigenverantwortlich um ein gutes Leben zu bemühen. Die Sprecherin in Štechovás Texten zeigt sich oft in einer defensiven Stellung. Wiewohl sie selbst von ihrem Recht auf Freiheit überzeugt ist, begegnet sie Menschen, die ihr unaufgefordert nahelegen, wie sie sein und handeln soll. Insofern erfordert es besondere Standhaftigkeit und ein besonderes Selbstbewusstsein, sich durchzusetzen. Gibt es in den Texten Štechovás Überlegungen dazu, an was für einem Ort die Selbstbestimmung der freiheitsstrebenden Frau am besten realisiert werden kann? Prinzipiell wird suggeriert, dass sie an jedem Ort gelingen kann, weil sie in erster Linie von den Dispositionen des jeweiligen Menschen abhängt. Für die Bewahrung der inneren Freiheit sei es allerdings wichtig, zumindest gelegentlich die Möglichkeit zu haben, sich vor Menschen zurückzuziehen, um allein und ungestört zu sein. Das Reich der Natur und das Reich des Denkens werden bei Štechová zu Zufluchtsorten, die sie in ihren Texten empfiehlt. 34 Darin erinnert Štechová an Virginia Woolf. In dem Essay Ein Zimmer für sich allein (1929) wird zwar auch keine ausdrückliche Auseinandersetzung darüber geführt, welche Lebensweise die beste ist. Die Sprecherin des Textes macht aber kein Hehl daraus, dass sie als alleinstehende und wirtschaftlich unabhängige Frau mit ihrer Lage äußerst zufrieden ist (Woolf 1988 [1929]: 44–47).
83JANA MARKOVÁ 6.1 DIE UMGEBUNG VON ZLATÉ MORAVCE– EIN SLOWAKISCHES WALDEN Pohlížíme -li vděčně ke hvězdám– to proto, že nevrhají závistivých pohledů, aniž mají hrabivé ruce. (Štechová 1928: 40) [Wenn wir dankbar zu den Sternen hinaufsehen– dann deshalb, weil sie keine neidischen Blicke auf uns werfen und keine gierigen Hände haben.] Mehrere Texte Štechovás lassen erkennen, dass sie durch das Ideal eines naturnahen, einfachen Lebens beeinflusst war. Inspiriert hat sie dazu vor allem der amerikanische Schriftsteller Henry David Thoreau (1817–1862) mit seiner autobiographischen Prosa Walden; or, Life in the Woods (1854) 35 . Štechová macht öfter deutlich, dass sie dieses Werk für seine Lebensweisheit sehr schätzt (Štechová 1919a: 79–86, 103; Štechová 1984: 62). Als Schriftstellerin ähnelt sie Thoreau in mehrerer Hinsicht: Zum einen legt sie wie Thoreau nahe, dass ihre Texte ein aufrichtiges Bekenntnis ihrer Weltsicht sind. Zum anderen wird bei beiden Autoren die Zivilisationskritik mit der Idee der Zuflucht in die Natur verbunden. Štechová artikuliert es am deutlichsten in dem Zyklus Vinica [Der Weinberg] (Štechová 1984: 29–47) 36 . In diesen Prosatexten begegnet der Leser einer Sprecherin, die sich von der Stadt, in der sie lebt, entfernt und die umliegenden Weinberge und Felder durchstreift. Die Landschaft wird dabei konkret als die Umgebung von Zlaté Moravce bestimmt (Štechová 1984: 29, 42). Die Sprecherin genießt die einsamen Streifzüge durch die Natur. Besonders die äußerlich unattraktive Landschaft im März schätzt sie als Ort für persönliche Einkehr: Opakujem si sutešením, že je to to jediné na svete, čo na mňa nerobí nátlak ajednako ma presvedčuje– bez slov. Nechce ma znásilňovať svojimi múdrosťami, prijíma ma bez výčitky arozumie mi bez výhrady. Odtiaľ silné okúzlenie: bez výhrady, bez rezervy, bez násilia byť opatrným– rozprestiera ducha široko -ďaleko avracia mu detskú radosť zo života, nelámanú spoločenskými malichernosťami aťarchou ľudského spolužitia. (Štechová 1984: 47) [Mit Trost wiederhole ich mir, dass sie [die Natur] das Einzige auf der Welt ist, das auf mich keinen Druck ausübt und mich vollkommen überzeugt– ohne Worte. Sie will mich nicht mit ihren Weisheiten bezwingen, sie nimmt mich ohne Vorwurf an und versteht mich ohne Einwände. Daher die starke Bezauberung: ohne Ein - wand, ohne Distanz, ohne die Anstrengung der Vorsicht– sie lässt den Geist sich weit ausbreiten und gibt ihm eine kindische Lebensfreude zurück, die durch keine gesellschaftlichen Belanglosigkeiten und keine Last des menschlichen Zusammenlebens gebrochen wird.] 35 Laut Souborný katalog ČR [Gesamtkatalog der Tschechischen Republik] wurde die Prosa zum ersten Mal 1901 ins Tschechische übersetzt und durch Jan Laichter herausgegeben. Weitere Auflagen und eine Neuübersetzung folgten. 36 Es handelt sich um fünf Prosatexte, die zwischen 1925 und 1927 in Slovenské pohľady [Slowakische Sichtweisen] veröffentlicht wurden. Siehe die editorische Notiz in Štechová (1984: 218).
84 BRÜCKEN 29/2 Das Zitat illustriert die charakteristische Haltung der Sprecherin– sie befindet sich auf der Flucht vor Menschen. Mit der Stadt und ihren Bewohnern wird vor allem die Erfahrung assoziiert, nicht verstanden und angenommen, sondern behelligt und beherrscht zu werden. Diese überwiegend negative Sicht auf die Menschen, die bei Štechová eine nicht wegzudenkende Kehrseite ihrer Naturzugewandtheit ist, korrespondiert mit den kritischen Gedanken ihrer Aphorismen. Einige Aspekte davon habe ich schon angesprochen: Vorgeführt werden fehlender Respekt gegenüber abweichendem Verhalten, Missachtung persönlicher Autonomie, Engstirnigkeit und Eitelkeit (Štechová 1928: 15, 26–28, 32, 36). Ein wiederkehrendes Motiv ist außerdem der Ballast von Banalitäten, mit dem man in Gesprächen ungefragt zugeschüttet wird (Štechová 1928: 29, 149). Als ein spezifisch weibliches Problem wird der Zeitraub gezeigt: Da von Frauen Gastfreundschaft und Anteilnahme erwartet werden, sei es besonders schwierig, sich der Vereinnahmung durch andere zu entziehen (Štechová 1928: 47f.; Štechová 1939: 12f.). Die insgesamt negative Erfahrung mit der Gesellschaft mündet in eine Adoration der Einsamkeit. Der leicht ironische Ton der Texte aus dem Zyklus Vinica weckt den Eindruck, dass Einsamkeit der Sprecherin recht ist. Das Alleinsein entbehrt zwar nicht einer gewissen Melancholie. Insgesamt erscheint es aber besser als stumpfe oder gar feindselige Gesellschaft. Der Blick auf die Natur bewegt sich bei Štechová zwischen aufmerksamer Beobachtung und Projektion eigener Gedanken und Erfahrungen.37 Auch wie die Sprecherin der Texte das Bewirtschaften des eigenen Weinbergs beschreibt, lädt dazu ein, neben der wörtlichen auch eine metaphorische Ebene des Gesagten zu bedenken. Wenn die Erzählerin in der Prosa Plot [Zaun] (Štechová 1984: 32–37) schildert, wie sie trotz abratender Stimmen ihren Weinberg eingezäunt hat, ist klarerweise auch von der psychischen Selbstabgrenzung die Rede. Ähnlich gilt es, in dem Sisyphuskampf gegen Diebstähle von Werkzeug und Früchten eine Parallele zu der Abwehr gegen Respektlosigkeiten im menschlichen Umgang zu sehen (Štechová 1984: 38–41). Insgesamt geht es bei der Arbeit am eigenen Weinberg weniger um die Produktion von Weinreben als vielmehr darum, sich ein kleines Reich zu schaffen, in dem man autonom handeln kann. Somit ist der Weinberg für Štechovás Erzählerin das, was für Thoreaus Erzähler die Hütte am Waldensee ist. Nur dass Thoreau die Motivation mit Sachlichkeit beschreibt, die ein starkes Selbstbewusstsein ausstrahlt. Štechová bevorzugt dagegen poetische Bilder, die eher die Vorstellung eines bedrohten und überforderten Menschen wecken, der sich aus Selbstschutz zurückzieht: Ich zog an den Waldensee, nicht um dort billig oder teuer zu leben, sondern um möglichst ungehindert ein persönliches Vorhaben durchzuführen. (Thoreau 2020 [1854]: 25) Chcem len ešte pripomenúť, že vinica na jednej strane zlodejov vábila, na druhej od nich odvracala. Vjednom zmysle bola pre mňa ipevným hradom iostrovom mieru 37 Siehe zum Beispiel die Vorrede zu den Aphorismen (Štechová 1928, o. S.). Dort evoziert Štechová die Vorstellung der äußerlich kargen Vorfrühlingsnatur, um sie mit dem poetischen Ideal eines konzentrierten, mit Andeutungen arbeitenden Aphorismus zu verbinden.
85JANA MARKOVÁ apokoja, keď sa za mnou zavreli dvierka plotu amestečko sa kreslilo len ako čiastka môjho obzoru. (Štechová 1984: 40) [Ich möchte noch daran erinnern, dass der Weinberg einerseits die Diebe anlockte, andererseits von ihnen ablenkte. Im gewissen Sinne war er für mich auch eine feste Burg und eine Friedensinsel, wenn hinter mir das Tor zufiel und das Städtchen sich nur als ein kleiner Teil des Horizonts zeigte.] 6.2 FREIRAUM FÜR DAS DENKEN UND RÜCKZUG IN DIE EINSAMKEIT Ticho je nejvyšší anejideálnější hudba, která kdy na světě byla provozována. (Štechová 1928: 100) [Die Stille ist die höchste und idealste Musik, die je in der Welt betrieben wurde.] Die deklarierten Sympathien für die Natur könnten zu der Vorstellung verleiten, dass es für die Befreiung notwendig sei, sich gänzlich von der Kultur abzuwenden. Štechovás Ansatz ist aber das genaue Gegenteil davon. Kultur, Intellektualität und Geistigkeit werden eindeutig positiv bewertet. Das freie Denken, das besonders durch die Auseinandersetzung mit der Literatur angeregt wird, ist aus Štechovás Sicht für ein erfülltes und vollwertiges Leben unabdingbar. Mit dieser Haltung ähnelt sie anderen Autorinnen ihrer Generation, in deren Literatur die Liebe zu Büchern und das Streben nach Bildung eine wichtige Rolle spielen.38 Lesen und Denken erfüllen eine ähnliche Funktion wie die Natur– sie bieten einen Rückzugsort, an dem man Unabhängigkeit erfahren sowie eigene Sichtweisen und Pläne entwickeln kann. Auch für die Reflexion bedarf es aber– genauso wie für den befreienden Rückzug in die Natur– der Einsamkeit. Die Möglichkeit des Alleinseins ist in vielen Texten von Frauen ein Thema.39 Bei Štechová wird das noch dadurch unterstrichen, dass das klärende Nachdenken ausschließlich mit der Situation des Alleinseins verbunden wird.40 Im Gegenzug dazu werden die Gespräche mit Menschen als eine Quelle von Frustration dargestellt: Man wird einseitig belehrt oder mit Belanglosigkeiten aufgehalten, niemand hört richtig zu, abweichende Meinungen 38 Hierzu nur einige Beispiele: Wie die Sprecherin in dem Essay Ein Zimmer für sich allein von Virginia Woolf (1929) sich in ihre persönliche Bibliothek vertieft, zeigt, wie befriedigend für sie die intellektuelle Tätigkeit ist. Die slowakische Schriftstellerin Hana Gregorová verfasste mehrere Erzählungen über Mädchen und Frauen, die geradezu an Bücherobsession leiden (Gregorová 1912, hierzu Cviková 2007: 191). Alice Rühle -Gerstel schrieb nach ihrer Flucht vor dem Nationalsozialismus ein rührendes Feuilleton von ihrer Trauer über die zurückgelassenen Bücher (Rühle -Gerstel 1933). 39 Am bekanntesten ist in diesem Zusammenhang sicherlich der Essay ARoom of one’sown von Virginia Woolf von 1929. Das Motiv der erforderlichen und oft fehlenden Einsamkeit findet man aber recht oft, siehe zum Beispiel die Vorrede zu dem Roman Vzpoura [Auflehnung] von Viková -Kunětická (1921: 7): „Svou knihu psala jsem za tichých dnů vodloučeném pokoji.“ [Mein Buch schrieb ich an stillen Tagen in einem einsamen Zimmer.] 40 Dazu: „Či nie sú najlepšie tie chvíle, keď knám nikto neprichádza, keď je človek celkom sám ablízko vlastnej skutočnosti?“ [Sind nicht diejenigen Momente die besten, wenn niemand zu uns kommt, wenn man allein und nah der eigenen Wirklichkeit ist?] (Štechová 1984: 57, Hervorhebung im Originaltext)
86 BRÜCKEN 29/2 werden degradiert (Štechová 1928: 49, 52, 55, 101). In keiner Konstellation scheint ein echter Dialog möglich zu sein: Spricht eine Frau mit einem Mann, ist es wie eine Begegnung zweier unterschiedlicher Welten.41 Sprechen die Frauen untereinander, sind auch sie unfähig, sich zu Ehrlichkeit durchzuringen.42 Der produktive Austausch, den Štechová eigentlich in ihren Netzwerken hätte erleben müssen, findet in ihren Texten keinen Niederschlag. Vor diesem Hintergrund tritt noch einmal umso deutlicher der Wert hervor, der dem Alleinsein zugeschrieben wird. Die Einsamkeit gilt als Begleiterscheinung, aber auch als Bedingung geistiger Autonomie, nach der man aus Štechovás Sicht streben muss. Liebe, Freundschaft, Familie, das gemeinsame Engagement in einer Bewegung– all dies sei nur unter der Voraussetzung realisierbar, dass man sich selbst, seine Positionen und Pläne, zumindest teilweise aufgibt. Ein solcher Kompromiss scheint mit einer echten ‚Arbeit am Leben‘, mit der eigenverantwortlichen Suche nach einer individuell passenden Lebensweise nicht vereinbar zu sein. 7. SCHLUSS Bezüglich der feministischen Aspekte sowohl des Habitus als auch der Texte Marie Štechovás lässt sich Folgendes konstatieren: Štechová erfüllte in den 1910er und 1920er Jahren geradezu mustergültig die Vorstellung von einer emanzipierten Frau; sie legte das Abitur ab und studierte, war als Lehrerin berufstätig, zögerte nicht, neue Karrierechancen zu ergreifen (Umzug in die Slowakei im Jahr 1919), veröffentlichte zunächst in einer feministischen Frauenzeitschrift und fortan in verschiedenen anderen Kulturperiodika von Rang Essays, Literaturkritiken, Aphorismen und Feuilletons und publizierte diese anschließend auch in Buchform. Wiewohl die einzelnen Texte sehr unterschiedlichen Themen gewidmet sind, verbindet sie die Absicht, bei der Lebensorientierung behilflich zu sein. Das ethische Programm Štechovás wird vorrangig durch die Überzeugung getragen, dass jeder Mensch einzigartig ist und das Recht hat, in seiner Individualität respektiert zu werden. Praktisch umgesetzt bedeutet dies vor allem, dass jedem die Möglichkeit eingeräumt werden sollte, einen eigenen Lebensplan zu verfolgen. Die Kehrseite dieser Einstellung ist eine negative Bewertung konventionellen Handelns sowie der Appell an jeden und jede, aktiv, originell und selbstverantwortet sein Leben zu gestalten. Äußere Schranken gelten gegenüber dem Willen als zweitrangig. Die feministische Stoßrichtung von Štechovás Texten besteht darin, dass das ambitionierte Programm persönlicher Aufklärung, Selbstfindung und Befreiung ausdrücklich auch Frauen nahegelegt und die damalige Lage von Frauen vor dem Hintergrund dieses Programms reflektiert wird. Anders gesagt, werden die grundlegenden anthropologischen An41 Als eine Überwindung der Kluft, die sich zwischen Männern und Frauen auftue, wurde die Kameradschaftsehe konzipiert. Die Partner sollen vor allem durch gleiche Gesinnung und Interessen verbunden werden (Rühle -Gerstel 1932: 212). Štechová (1929: 20) zeigt sich dieser Vorstellung gegenüber skeptisch. Die Ehebeziehung kennzeichnet aus ihrer Sicht eine prinzipielle, nie ganz zu überwindende Unnahbarkeit zwischen Mann und Frau. 42 Siehe den bemerkenswerten Aphorismus: „Neomezíme -li se právě jen na nejběžnější témata– volný rozhovor sženami je událostí velmi řídkou, jsme střeženy asvírány přísnou inkvizicí.“ [Wenn wir uns nicht auf die üblichsten Themen beschränken– ein freies Gespräch mit Frauen ist eine sehr seltene Begebenheit, wir werden durch eine strenge Inquisition überwacht und unterdrückt.] (Štechová 1928: 70)
87JANA MARKOVÁ sichten der Moderne auch auf Frauen angewandt und Frauen als Adressatinnen der Gedanken mit einbezogen. Werden die Texte von Štechová als Fortsetzung des emanzipatorischen Diskurses über die Frauenrechte gelesen, treten wichtige innovative Aspekte hervor. Štechová verabschiedet sich gänzlich von der utilitaristischen Argumentation, laut der die Frauenemanzipation zu einer Steigerung des Gemeinwohls führen wird und deshalb zu befürworten sei. Laut Štechová steht die Freiheit der Selbstbestimmung dem Menschen bedingungslos zu. Entsprechend deutlich und durchsetzungswillig äußert Štechová ihren Wunsch nach Selbstverwirklichung. Die ehemals obligatorische Formel, dass Sorgepflichten und Gemeinnützigkeit bei Frauen stets Vorrang haben, wird ausgelassen. Štechová thematisiert oft den Entzug sozialer Akzeptanz, den sie als emanzipierte Frau zu erleben glaubt. Sie empfiehlt Standhaftigkeit, die auf der Gewissheit des Wertes von Autonomie gründet. Das Lebensideal, für welches Štechová eintrat, stand somit im Widerstreit mit einem konservativen Blick auf Frauen: Štechová stellt die eigenen, vor allem intellektuellen Interessen in den Vordergrund und weist einem glücklichen Eheund Familienleben eine untergeordnete Rolle zu. Das literarästhetische Ideal von Štechová ist es, mit Worten der Wahrheit näherzukommen. An Literatur schätzt sie Weisheit, einen klugen Blick, Ehrlichkeit. An avantgardistischen Schreibweisen versuchte sie sich vielleicht auch deshalb nicht, weil sie sie als ein lediglich formales Experiment ansah, das keinen Mehrwert an Einsichten bringt. Ähnlich traditionell wie in der Ästhetik ist Štechová im Grunde auch in der Ethik. Wichtig sind ihr die Bildung, ein tieferes Verständnis des Lebens, die Arbeit an der eigenen Selbstvervollkommnung, die Verpflichtung auf ‚höhere Gesetze des Lebens‘. Damit ist Štechová im Einklang nicht nur mit dem Ethos der älteren Frauenrechtsbewegung, sondern auch mit dem zeitgenössischen katholischen Milieu. Štechovás Wechsel vom Feminismus zum Katholizismus in den 1930er Jahren ist so gesehen nicht besonders überraschend. Charakteristisch ist für Štechová auch, dass sie die damaligen Neuigkeiten im Lebensstil nicht oder nur sporadisch anspricht. So sind für sie zum Beispiel die neuen Konsumangebote in Bereichen Mode und Kosmetik, die damals umworbene Technisierung und Ökonomisierung des Haushalts und die ‚progressive‘ Körperund Hygienekultur offenbar von keinem Interesse. Die konservative Grundhaltung von Štechová resoniert auch in ihrem Verhältnis zur Natur. Inspiriert durch Schriftsteller wie Henry David Thoreau und Lew N. Tolstoi verbindet Štechová Offenheit gegenüber dem Landleben mit einem Misstrauen gegenüber der ‚zivilisierten‘ Gesellschaft. Die Sprecherin in Štechovás Texten ist in der Natur immer allein und von der Stimmung her einsiedlerisch unterwegs; ihre Streifzüge erlebt sie als meditative Momente. Darin unterscheidet sich Štechovás Ansatz zum Beispiel von der Wandervogelbewegung, die auf ein kollektives und auch ein körperbefreiendes Erlebnis abzielte. Insgesamt kann anhand der feministischen Publizistik von Štechová exemplarisch verfolgt werden, wie der Feminismus der ersten Welle in den 1910er und 1920er Jahren einerseits noch wichtige Entwicklungsschritte ging, es aber andererseits immer weniger vermochte, mit dem modernen Zeitgeist im Dialog zu bleiben. Ende der 1920er Jahre nahm schließlich auch Štechová selbst davon Abstand, sich weiterhin als feministische Autorin zu profilieren.
88 BRÜCKEN 29/2 LITERATUR Adichie, Chimamanda Ngozi (2014): We should all be feminists. London: Fourth Estate. Bahenská, Marie/Heczková, Libuše/Musilová, Dana (2010): Ženy na stráž! České feministické myšlení 19. a20. století [Frauen auf die Wacht! Tschechisches feministisches Denken des 19. und 20. Jahrhunderts]. Praha: Masarykův ústav aArchiv AV ČR. Bahenská, Marie/Heczková, Libuše/Musilová, Dana (2011): Iluze spásy. České feministické myšlení 19. a20. století [Die Heilillusion. Tschechisches feministisches Denken des 19. und 20. Jahrhunderts]. Hradec Králové: Veduta. Bahenská, Marie (2016): Cesta knové ženské profesi: slečna učitelka [Der Weg zu einem neuen Frauenberuf: Fräulein Lehrerin].– In: Česko ‑slovenská historická ročenka 2014/2015 [TschechoSlowakisches Geschichtsjahrbuch 2014/2015]. Bratislava: SAV, 349–357. Bahenská, Marie/Heczková, Libuše/Musilová, Dana (2017): Nezbytná, osvobozující, pomlouvaná: oženské práci [Unentbehrlich, befreiend, schlechtgeredet: über die weibliche Arbeit]. České Budějovice: Veduta. Bock, Gisela (2000): Frauen in der europäischen Geschichte. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart. München: Beck. Boisserie, Étienne (2017): Family Networks and the „Generational Key“ in the Renewed Approaches of Social Questioning of the Slovak Elite at the Beginning of the 20th Century.– In: Prispevky za novejšo zgodovino [Beiträge zur neueren Geschichte] 57/3, 114–130. Buzková, Pavla (1925): Krise ženskosti [Die Krise der Weiblichkeit]. Praha: Melantrich. Cviková, Jana (Hg.) (2007): Hana Gregorová. Slovenka pri knihe [Hana Gregorová. Die Slowakin beim Buch]. Bratislava: Aspekt. Čapek, Josef/Čapek, Karel (1929 [1918]): Krakonošova zahrada [Rübezahls Garten]. Praha: Aventinum. Dudeková, Gabriela (2011): Diskurz oposlaní vzdelaných žien [Diskurs über die Aufgaben gebildeter Frauen].– In: Na ceste kmodernej žene: kapitoly zdejín rodových vzťahov na Slovensku [Auf dem Weg zur modernen Frau: Kapitel aus der Gendergeschichte der Slowakei]. Bratislava: Veda, 94–116. Dudeková Kováčová, Gabriela (2019): Živena vpolitických režimoch 19. a20. storočia [Živena in politischen Regimen des 19. und 20. Jahrhunderts].– In: Kodajová, Daniela (Hg.), Živena, 150 rokov spolku slovenských žien [Živena, 150 Jahre des Vereins der slowakischen Frauen]. Bratislava: Slovart, 99–182. Gelnarová, Jitka (2014): Koncept volebního práva vdiskurzu českých středostavovských sufražistek [Das Wahlrechtkonzept im Diskurs tschechischer bürgerlicher Frauenaktivistinnen].– In: Bahenská, Marie/Malínská, Jitka (Hgg.), Ženy apolitika (1890–1938) [Frauen und Politik (1890–1938)]. Praha: Masarykův ústav aArchiv AV ČR, 49–62. Gregorová, Hana (1912): Ženy [Frauen]. Liptovský Svätý Mikuláš: Klimeš. Hajdučeková, Ivica (2019): Časopis Živena po vzniku Československej republiky [Die Zeitschrift Živena nach der Entstehung der Tschechoslowakischen Republik].– In: Kodajová, Daniela (Hg.), Živena, 150 rokov spolku slovenských žien [Živena, 150 Jahre des Vereins der slowakischen Frauen]. Bratislava: Slovart, 195–242. Hammer, Olav (2001): Claiming knowledge: strategies of epistemology from theosophy to the new age. Leiden: Brill. Heczková, Libuše (2009): Píšící Minervy: vybrané kapitoly zdějin české literární kritiky [Schreibende Minervas: ausgewählte Kapitel aus der Geschichte der tschechischen Literaturkritik]. Praha: Filozofická fakulta Univerzity Karlovy. Heczková, Libuše (2010): Zneužitá ženská síla. Poznámky ktextům Laury Marholmové aEllen Keyové včasopise Die Zeit aněkterým souvislostem sčeským prostředím [Missbrauchte Frauenkraft. Anmerkungen zu Texten von Laura Marholm und Ellen Key in der Zeitschrift Die Zeit und zu einigen Zusammenhängen mit der tschechischen Kultur].– In: Střed. Časopis
89JANA MARKOVÁ pro mezioborová studia Střední Evropy 19. a20. století [Die Mitte. Zeitschrift für interdisziplinäre Studien des Mitteleuropas des 19. und 20. Jahrhunderts] 1, 74–85. Heczková, Libuše (Hg.) (2020): Čtení oBoženě Němcové: hommage Boženě Němcové ajejím následovni‑ cím [Lektüren über Božena Němcová: Hommage an Božena Němcová und ihre Nachfolgerinnen]. Praha: Institut pro studium literatury. Heczková, Libuše (2021): Dopisy Antievy [Die Briefe von Anti -Eva].– In: Slovo asmysl [Wort und Sinn] 18/37, 137–140. Helduser, Urte (2005): Geschlechterprogramme. Konzepte der literarischen Moderne um 1900. Köln: Böhlau. Hollý, Karol (2016): Vnímanie ženskej emancipácie vprostredí tzv.martinského centra Slovenskej národnej strany na prelome 19. a20. storočia [Einstellungen zur Frauenemanzipation im Milieu des sog. Martiner Zentrums der Slowakischen Nationalpartei an der Wende zum 20. Jahrhundert].– In: Česko ‑slovenská historická ročenka 2014/2015 [Tschecho -Slowakisches Geschichtsjahrbuch 2014/2015]. Bratislava: SAV, 359–386. Karasová, Jirka (1928): Marie Štechová. Poznámky olidech avěcech [Marie Štechová. Notizen über Menschen und Sachen].– In: Ženský svět [Frauenwelt] 32/13, 200. Kraft, Siv Ellen (2013): Theosophy, Gender and the „New Woman“.– In: Hammer, Olav/Rothstein, Mikael (Hgg.): Handbook of the theosophical current. Leiden: Brill, 357–374. Majerová, Marie (1912): Jak unás kouřila kamna [Wie bei uns der Ofen rauchte].– In: Právo lidu [Volksrecht] 22.12.1912, 1f. Abgedruckt in: Nývltová, Dana (2011): Femme fatale české avant‑ gardy. Marie Majerová– česká komunistka ve víru feminismu [Femme fatale der tschechischen Avantgarde. Marie Majerová– tschechische Kommunistin im Sog des Feminismus]. Praha: Akropolis, 206–209. Majerová, Marie (1919): Otisku aženách (řeč zV. zemské konference žen vPraze) [Über Druckmedien und Frauen /Rede zur V. Landeskonferenz der Frauen in Prag/].– In: Ženské noviny [Frauenzeitung] 30.01.1919, 5f. Abgedruckt in: Nývltová, Dana (2011): Femme fatale české avantgardy. Marie Majerová– česká komunistka ve víru feminismu feminismu [Femme fatale der tschechischen Avantgarde. Marie Majerová– tschechische Kommunistin im Sog des Feminismus]. Praha: Akropolis, 337–340. Marková, Jana (im Druck): Erziehung zur „modernen“ Frau– die Feuilletons von Milena Jesenská.– In: Wutsdorff, Irina (Hg.), Prag im | Feuilleton | in Prag. Merhaut, Luboš (Hg.) (2008): Lexikon české literatury. Osobnosti, díla, instituce 4/IS–T [Lexikon der tschechischen Literatur. Personen, Werke, Institutionen 4/IS–T]. Praha: Academia. Mikota, Jana (2007): Alice Rühle ‑Gerstel. Wo rett’ ich mich hin in der Welt. Feuilletons, Reportagen, Rezensionen und Kinderbeilagen 1924–1936. Berlin: Trafo -Verlag. Mongu, Blanka (2011): Model modernej ženy [Modell der modernen Frau].– In: Dudeková, Gabriela (Hg.), Na ceste kmodernej žene: kapitoly zdejín rodových vzťahov na Slovensku [Auf dem Weg zur modernen Frau: Kapitel aus der Gendergeschichte der Slowakei]. Bratislava: Veda, 117–126. Pammrová, Anna (2011 [1936]): Zápisky nečitelné (úryvek) [Unleserliche Notizen (Auszug)].– In: Slovo asmysl [Wort und Sinn] 8/15. URL: <http://slovoasmysl.ff.cuni.cz/node/427> [05.04.2022]. Penkalová, Lenka (2011): Rubriky pro ženy v denním tisku 20. let 20. století ajejich autorky: Olga Fastro‑ vá, Marie Fantová, Milena Jesenská, Staša Jílovská aZdena Wattersonová [Frauenrubriken in der Tagespresse der 1920er Jahre und ihre Autorinnen]. Dissertation. Praha: Fakulta sociálních věd Karlovy univerzity v Praze. Putna, MartinC. (1998): Česká katolická literatura vevropském kontextu, 1848–1918 [Tschechische katholische Literatur im europäischen Kontext, 1848–1918]. Praha: Torst. Putna, MartinC. (2010): Česká katolická literatura vkontextech, 1918–1945 [Tschechische katholische Literatur im Kontext, 1918–1945]. Praha: Torst. Rühle -Gerstel, Alice (1932): Das Frauenproblem der Gegenwart. Eine psychologische Bilanz. Leipzig: Hirzel Verlag.