Die Wunschformeln: eine kontrastive Analyse zwischen Standardspanischem und -deutschem
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Die Wunschformeln: eine kontrastive Analyse zwischen Standardspanischem und -deutschem Valentina Vivaldi, Juan Pablo Larreta Zulategui (Sevilla) ZUSAMMENFASSUNG Routineformeln stellen bedeutende linguistische Phänomene in den Bereichen der Fremdsprachenlehre und der zweisprachigen Lexikographie dar. Trotzdem existieren wenige kontrastive Arbeiten über diese Einheiten für das Sprachenpaar Deutsch-Spanisch. Ziel dieses Beitrages ist es, eine pragmalinguistische kontrastive Analyse der ‘Wunschformeln’ durchzuführen. Hauptkriterium der Kontrastierung ist der pragmatische Wert der Einheiten, d. h. die Sprechakte, die mit ihnen vollzogen werden können, sowie die situativen und soziolinguistischen Merkmale der Formeln und die Produktivität bestimmter syntaktisch-lexikalischer Muster im Deutschen und im Spanischen. Es werden Äquivalenzen und Unterschiede sowohl zwischen Gruppen von Formeln als auch zwischen den einzelnen Einheiten beider Sprachen herausgearbeitet. SCHLÜSSELWÖRTER Routineformeln, kontrastive Linguistik, linguistische Routinen, Phraseologie, Wunschformeln ABSTRACT Routine formulas are significant linguistic phenomena in the areas of foreign language teaching and bilingual lexicography. Nevertheless, few contrastive works of these units exist for the GermanSpanish language pair. The aim of this paper is apragmalinguistic contrastive analysis of ‘wishing formulas’. The main criterion of contrasting is the pragmatic value of the units, i.e. the speech acts that can be performed through them, as well as the situational and sociolinguistic features of the formulas and the productivity of certain syntactic-lexical patterns in German and Spanish. Equivalences and differences between groups of formulas as well as between the individual units of both languages are identified. KEYWORDS routine formulae, contrastive linguistics, linguistic routines, phraseology, wishing formulas DOI https://doi.org/10.14712/18059635.2019.1.3 1. EINFÜHRUNG Allgemeiner theoretischer Rahmen dieses Beitrages sind die Disziplinen der Routinenlinguistik und der pragmatischen Phraseologie, in deren Bereichen sich schon seit über dreißig Jahren eine grundlegende Forschung zum Phänomen der Realisierung der Sprechakte durch Redemittel der formelhaften Sprache bzw. der Routineformeln entwickelt hat (Coulmas 1979, 1981a, 1981b; Burger et al. 1982; Burger 1998; Stein 1995; Wray and Perkins 2000; Hyvärinen 2011). Aus dieser Perspektive werden die gesprächsspezifischen Routinen bzw. Diskursmarker besonders überzeugend ab-
48 LINGUISTICA PRAGENSIA 1/2019 gegrenzt (vgl. Ameka 1991), und zwar grundsätzlich dadurch, dass Diskursmarker weder Sprechakte vollziehen noch allein einen Redebeitrag bilden können. Diese Unterscheidung ist auch innerhalb der germanistischen Phraseologie aufgenommen worden (vgl. auch Stein 1995: 47–50, 55, 150; Burger 1998: 29–30, 52–54; Wotjak 2005: 472–374; Sosa 2006: 76 ff.; Hyvärinen 2011: 10–11, 40–41; Liimatainen 2011: 114–120)1. Andererseits können im Rahmen einer weiten Auffassung der phraseologischen Disziplin auch eine hohe Anzahl von Routineformeln durch die Oberbegriffe der Festigkeit und Polylexikalität beschrieben werden, wobei nur die Ein-Wort-Einheiten diesem theoretischen phraseologischen Rahmen vorenthalten bleiben (s. dazu Sosa 2006: 17 ff.). Im Einklang mit diesem weiten theoretischen Rahmen lassen sich Routineformeln als alleinstehende Wörter oder festgeprägte und plurilexikalische Wortketten— sowohl Syntagmen als auch ganze Sätze mit oder ohne Leerstelle—, die oft innerhalb einer mehr oder weniger ritualisierten2 und alltäglichen Situation für die Durchführung eines Sprechaktes benutzt werden, definieren. Durch diese Einheiten kann der Sprecher also grüßen, sich entschuldigen, einen Wunsch äußern usw. (vgl. Fleischer 1997; Burger 1998: 29, 52; Wotjak 2005: 373; Hyvärinen 2011: 39–41; Liimatainen 2011: 116–118, Larreta 2014b: 241). Auf dieser Basis hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten eine immer solidere kontrastive Forschung in der ausländischen germanistischen Linguistik in diesem Feld ausgebaut, die Routineformeln der deutschen Sprache mit entsprechenden Einheiten von anderen Sprachen, wie Spanisch, Portugiesisch, Finnisch, Ungarisch, Türkisch und Rumänisch vergleicht (Sosa 2006; Glenz 2009; Liimatainen 2010, 2011; Sava 2010; Demiryay 2013; Larreta 2014a, 2014b; Fierbineanu 2014). Ziel dieses Beitrages ist es, eine pragmalinguistische kontrastive Analyse der ‘Wunschformeln’ des Deutschen im Vergleich zum Spanischen durchzuführen. Dafür wird zuerst durch eine mit besonderem Bezug auf die Sprechakttheorie aufgebaute Definition der Wunschformeln (Kap. 2) der Thesaurus der zu analysierenden Einheiten eingegrenzt. Anschließend werden die methodologischen Kriterien des analytischen Verfahrens, des tertium comparationis und der Thesauruserarbeitung vorgetragen (Kap. 3). Schließlich werden die Ergebnisse der kontrastiven Analyse präsentiert (Kap. 4). 2. WAS WÜNSCHT MAN SICH WIRKLICH MIT WUNSCHFORMELN? Für die Definition, Abgrenzung und Klassifikation der Wunschformeln wird hier hauptsächlich auf eine schon vorliegende Analyse Bezug genommen (s. detailliert in Larreta 2015). Darin werden Wunschformeln als Routineformeln verstanden, mit denen der Sprecher den Sprechakttyp EINEN WUNSCH AUSDRÜCKEN realisiert. Der Sprechakttyp EINEN WUNSCH AUSDRÜCKEN wird wiederum grundsätzlich als ein Sprechakttyp aufgefasst, „(…) der innerhalb der Sprechaktklasse der Expressiva eine positive Einstellung der Innenwelt des Sprechers zur Sprache bringt, wobei diese 1 Für einen anderen Standpunkt, s. Lüger 2007: 445–446. 2 Zu den Routineformeln als Kommunikationsrituale, s. Lüger 2007: 445–446.
VALENTINA VIVALDI, JUAN PABLO LARRETA ZULATEGUI 49 Einstellung relevant für den Hörer ist, weil sich der Sprecher üblicherweise auf einen zukünftigen Umstand des Gesprächspartners oder des Gesprächspartners zusammen mit dem Sprecher selbst bezieht“ (Larreta 2015: 293).3 Wenn man von dieser Definition ausgeht, lassen sich die Wunschformeln gegenüber anderen, in der Forschungsliteratur manchmal als solche bezeichneten, Routineformeln abgrenzen, die eigentlich andere Sprechakte zum Ausdruck bringen, wie den des BEGLÜCKWÜNSCHENS.4 Beide Handlungen, das Wünschen und das Gratulieren, gehören in die gleiche Sprechaktklasse— gratulieren sei ein paradigmatisches Verb für Expressiva (Searle 1980: 95)—, aber sie realisieren nicht denselben Sprechakttyp, insofern sich die Begriffe Wünsche für Glück und Gelingen einerseits und Beglückwünschen andererseits in der Zeitreferenz unterscheiden (Bezug auf die Zukunft bzw. Vergangenheit) (s. Liimatainen 2010: 166). Im Gegensatz dazu lassen sich u. M. n. Einheiten in die Gruppe der Wunschformeln mit einbeziehen, die in der herkömmlichen Literatur oft anders aufgefasst worden sind. a) Zuerst kommen Routineformeln in Betracht, die gewöhnlich in Bezug auf ihre spezifische Gebrauchssituation bezeichnet werden, so die Tisch-, Mahlzeitoder Essformeln, die Trinkformeln und die Niesformeln. Wie Hyvärinen betont (Hyvärinen 2011: 28), wäre es konsequenter, sie nach der Haupteigenschaft der Sprechaktdurchführung als Wunschformeln zu betrachten. b) Bei der einsprachigen empirischen Analyse der Wunschformeln mittels Kontextbeispiele, auf der unsere Korpuserstellung basiert (Larreta 2015), hat sich ergeben, dass manche Formeln mehr als einen Sprechakt zum Ausdruck bringen können, sodass man von Mischformeln sprechen kann. Das ist der Fall bei Routineformeln, die die Sprechakttypen des SICH VERABSCHIEDENS und gelegentlich des GRÜSSENS zum Ausdruck bringen und die in der Form eines Wunsches realisiert werden. Deswegen bezeichnen wir diese Formeln als „abschiedsund grußähnliche Wunschformeln“. c) Schließlich werden hier auch als Wunschformeln Wortketten betrachtet, die zum Ausdruck von inneren Wünschen und Gefühlen dienen, ohne dass eine klare kommunikative Absicht seitens der Sprecher in Bezug auf den Gesprächspartner existiert (das kann man nur hoffen! / ¡ojalá!). Hier steht der Ausdruck der Subjektivität des Sprechers im Mittelpunkt und nicht die illokutive Funktion. Solche Sprechakte hat Wagner in eine neue Sprechaktklasse der semi-(halb)-illokutiven Sprechakte bzw. Emotive eingeordnet (Wagner 2001: 158. In Hinsicht auf die Routineformeln, s. auch Liimatainen 2011: 121–122; Sosa 2006: 408). Was also die Sprechaktklasse betrifft, muss zwischen expressiven und emotiven Wunschformeln unterschieden werden. 3 Vgl. auch Hindelang 2004: 46; Liimatainen 2010: 167. Für den allgemeinen Rahmen innerhalb der Sprechakttheorie und deren Anwendung in der deutschen Sprache, s. Searle 1980; Wagner 2001. 4 S. dagegen Sosa (2006:150) und Liimatainen (2010:172), die alle diese Formeln als eine Untergruppe der Anlassformeln identifizieren.
50 LINGUISTICA PRAGENSIA 1/2019 Infolge dieser Definition und Abgrenzung der Wunschformeln lässt sich eine Klassifikation in vier Niveaus erstellen, die auf pragmatischen und soziolinguistischen Kriterien beruht— nach der Zugehörigkeit zu einer Sprechaktklasse (Expressiva vs. Emotiva), dem situativen Rahmen, in denen sie vorkommen können (allgemeine vs. situationsspezifische und persönliche vs. gesellschaftsbezogene Formeln), und schließlich nach ihrer pragmatischen Monobzw. Polyfunktionalität (im Unterkap. 4.1. wird diese Klassifikation durch ein Schema veranschaulicht).5 3. KRITERIEN DES KONTRASTIVEN VERFAHRENS UND DER KORPUSERARBEITUNG 3.1. VERGLEICHSMASSSTÄBE In Entsprechung zur formalen und inhaltlichen strukturellen Komplexität der Routineformeln sollen die verschiedenen Kriterien, die als interlingualer Vergleichsmaßstab in Frage kommen, hierarchisch eingestuft werden. Hauptkriterium ist der pragmatische Wert der Einheiten, d. h. die Sprechakte, die mit ihnen vollzogen werden können. Da unsere kontrastive Analyse ein unilaterales Verfahren anwendet— d. h. in einem ersten Schritt werden die Einheiten des Deutschen analysiert und in einem zweiten Schritt wird untersucht, welche Ähnlichkeiten und Unterschiede im Spanischen existieren—, werden die spanischen Einheiten nach ihren pragmatisch-kommunikativen Werten den schon festgelegten Gruppen und Untergruppen des Deutschen zugeordnet. Diese Gruppen werden hauptsächlich durch die mehr oder weniger ritualisierte Alltagssituation, in der sie verwendet werden, und durch ihre Monooder Polyfunktionalität klassifiziert. Anschließend werden innerhalb dieser Gruppen interlinguale Äquivalenzen zwischen den einzelnen Einheiten identifiziert, die in ähnlichen Kontexten verwendet werden können. Dafür werden semantische Eigenschaften analysiert, die zu einer höheren Textäquivalenz führen, besonders kommunikativ relevante konnotative Bedeutungszüge, wie die soziolinguistischen Markierungen. Andererseits werden zusätzlich auch die propositionale Bedeutung und die morphosyntaktischen Züge der Wortketten in Betracht gezogen: Zwar sind sie nicht als notwendige Kriterien für die Äquivalenzbestimmung zu betrachten, aber der propositionale Gehalt könnte zur kommunikativen Äquivalenz beitragen, weil eine totale oder partielle Koaktualisierung von Bedeutungssphären (propositionaler Gehalt und pragmatischer Wert bzw. semantische und pragmatische Bedeutung) möglich ist.6 Die in diesem Artikel als abschiedsund grußähnliche Wunschformeln bezeichneten Ausdrücke sind ein gutes Beispiel dafür. Schließlich hat sich die Produktivität von bestimmten formalen Mustern als ein relevantes Element der kontrastiven Analyse ergeben. 5 Für genauere Erklärungen, s. Larreta 2015: 295–296. 6 Im Annex 2 kann man die individuellen Äquivalenzpaare nachschlagen, die nicht nur funktionelle sondern auch formelle Ähnlichkeiten aufweisen.
VALENTINA VIVALDI, JUAN PABLO LARRETA ZULATEGUI 51 3.2. KORPUSERARBEITUNG Für die Korpussammlung als auch für den Erwerb der pragmatischen Werte der deutschen und spanischen Einheiten sind vergleichbare Quellen und Werkzeuge benutzt worden: aus dem Internet und aus den Textkorpora CREA und DeReKo (Deutsches Referenzkorpus) entnommene Kontexbeispiele,7 Angaben von Informanten, die eigene Kompetenz und Fachwörterbücher, so die deutschen idiomatischen Wörterbücher Duden und Schemann und die spanischen phraseologischen Wörterbücher Seco/Andrés/Ramos und Varela/Kubarth. Außerdem ist bei der Sammlung von Einheiten für beide Sprachen methodologisch Folgendes beachtet worden: (i) Veraltete Formeln sind ausgeschlossen worden. (ii) Diatopische Varianten sind ebenfalls nicht berücksichtigt worden. (iii) Wenn keine Übereinstimmung bei der pragmatischen Information in den lexikographischen Quellen existierte, wurde auf Kontextbeispiele und das Sprachgefühl von muttersprachlichen Informanten zurückgegriffen. Nach Berücksichtigung dieses Verfahrens sind insgesamt 67 deutsche und 36 spanische Einheiten registriert worden (s. Anhang 1). Darin sind auch die abschiedsoder grußähnlichen Wunschformeln eingeschlossen, auch wenn man sie nicht als reine Wunschformeln ansehen muss. Bei der Lemmatisierung wurden die fakultativen Varianten in runde Klammern gesetzt, z. B. schlaf gut (und träume süß), und die alternativen Varianten durch einen Schrägstrich gekennzeichnet. Diese alternativen Varianten können entweder eine einzige Komponente (¡que duermas/sueñes con los angelitos! bzw. ich drücke/halte dir/… die Daumen!) oder die ganze Wortkette betreffen (gute Erholung!/erhol dich gut). 4. DIE DEUTSCHEN UND SPANISCHEN WUNSCHFORMELN: DIE KONTRASTIVE ANALYSE 4.1. KLASSIFIKATION UND QUANTITATIVER BELEG DER FORMELN Nach ihrer Zugehörigkeit zur Sprechaktklasse der Expressiva oder der Emotiva sind die Wunschformeln in zwei Gruppen einzuteilen, von denen die erste Gruppe viel zahlreicher besetzt ist. Während die Emotiva keiner weiteren Einteilung unterzogen werden, sind die Expressiva zuerst in allgemeine und situationsspezifische Formeln gegliedert. Diese letzte Untergruppe ist wiederum in persönliche und gesellschaftsbezogene Wunschformeln zu unterteilen. Die Klassifikation vollendet sich mit der Differenzierung der situationsspezifischen persönlichen Formeln in monound polyfunktionale Einheiten. Folgendes Schema (Tabelle 1) veranschaulicht die Klassifikation und legt Zeugnis ab von den auffallenden quantitativen Unterschieden zwischen beiden Sprachen in den jeweiligen Gruppen (für einen Äquivalenzenvorschlag, s. Anhang 2): 7 Der Aufruf von Ergebnissen in CREA wurde durch den Filter iberisches Spanisch ausgeführt. Bei der Suche im DeReKo wurden alle öffentlichen Korpora des Archivs W verwendet.
52 LINGUISTICA PRAGENSIA 1/2019 Dt. Sp. EXPRESSIVE (A.) 62 30 Allgemeine WF (A.1.) 12 5 Situationsspezifische WF (A.2.) 50 25 Persönliche WF (A.2.1.) (40*) (20*) Monofunktionale WF (A.2.1.1.) (28) (15) Polyfunktionale WF (A.2.1.2.) (12) (5) Feierliche/Gesellschaftsbezogene (A.2.2.) (10) (5) EMOTIVE (B.) 5 6 Gesamtzahl für jede Sprache (67) (36) Tabelle 1.Die deutschen und spanischen Formeln Betrachtet man die Tabelle, kann man schon auf den ersten Blick feststellen, dass die Gruppe der situationsspezifischen persönlichen Formeln, besonders der monofunktionalen, s. Gesundheit! guten Appetit!, gute Besserung!, gute Reise!, schönen Tag noch! bzw. ¡salud!, ¡buenos días!, ¡buen viaje!, in beiden Sprachen besonders dicht besetzt ist, während sehr wenige Einheiten den emotiven Wunschformeln zuzuordnen sind. Sprachvergleichend sind besonders auffallend sowohl die viel höhere Gesamtzahl der Wunschformeln des Deutschen gegenüber dem Spanischen als auch der quantitative Unterschied innerhalb der Gruppe der situationsspezifischen persönlichen Formeln. Alle diese Ergebnisse sind auf verschiedene kommunikative Bedürfnisse der Sprachgemeinschaften zurückzuführen (vgl. Kecskés 2000; Sosa 2006: 339), deren Wurzeln wahrscheinlich einer soziolinguistischen und anthropologischen Erklärung bedürfen, auf die wir hier nicht eingehen können. 4.2. ALLGEMEINE WUNSCHFORMELN Die expressiven allgemeinen Wunschformeln stellen ungefähr 15 Prozent der behandelten Korpora in beiden Sprachen dar (12 im Deutschen und 5 Einheiten im Spanischen). Dieser Gruppe gehören solche Formeln an, die gebraucht werden, um einen allgemeinen positiven Wunsch an den Adressaten zu richten (vgl. Liimatainen 2010: 167). Das bedeutet allerdings nicht, dass alle diese allgemeinen Wunschformeln immer in den gleichen Kontexten austauschbar sind. Die Mehrheit dieser Formeln kommt vor, wenn der Sprecher jemandem in einer zukünftigen Angelegenheit bzw. bei einem vorzuführenden Vorhaben Erfolg wünschen will. Dazu gehören einerseits einige meistens durch die Ellipse des performativen Verbs charakterisierte deutsche Wortketten, wie viel Glück!, viel Erfolg!, gutes Gelingen!, für die im Spanischen nur das sowohl funktionell als auch formal identische Äquivalent ¡mucha suerte! zu finden ist. Außerdem sind andere Formeln zu betrachten, die einen vollidiomatischen Charakter besitzen und die gebraucht werden, um jemandem Erfolg zu wünschen, dem eine schwierige Situation bevorsteht. So Halsund Beinbruch! (ugs., = >Wunsch für jdn, dem etwas Schwieriges oder Gefährliches bevorsteht<, DUDEN) und ich drücke/halte dir/…die Daumen (ugs.= >jdm. in einer schwierigen Sache Erfolg wünschen [und in Gedanken bei ihm sein]<, DUDEN).
VALENTINA VIVALDI, JUAN PABLO LARRETA ZULATEGUI 53 Sowohl der im Spanischen idiomatisch ähnliche Ausdruck cruzar los dedos als auch tocar madera können ihrerseits auch formelhaft (¡crucemos los dedos!, ¡toquemos madera!) benutzt werden, um auszudrücken, dass etwas Gewünschtes in einer schwierigen Situation erfolgreich ausgeht („desear que algo que se espera salga bien“, Seco et al. 2005: 1372). Trotzdem funktionieren beide Formeln fast immer als Emotiva (vgl.4.7.), sodass der Sprecher eigentlich einen Wunsch ausdrückt, ohne sich auf den Gesprächspartner zu beziehen, wie folgendes Beispiel aufzeigt: (1) »El presidente de la Generalitat, Artur Mas, ha asegurado este viernes que en su reunión con los partidos proconsulta —CiU, ERC, ICV-EUiA y CUP— está buscando “todas las soluciones posibles” para celebrar la consulta del 9 de noviembre. “Toquemos madera. Esperamos que todo vaya lo mejor posible. No solo lo deseamos, sino que confiamos en que pase y encontremos todas las salidas posibles”, ha destacado en su intervención durante un acto de homenaje póstumo al escultor Josep Maria Subi.« (http://www.europapress.es/ catalunya/noticia-mas-dice-reunion-busca-todas-soluciones-posibles-toquemos-madera-20141003204308.html. Konsultiert am 13.10.2017) In diesem Sinne ist es fraglich, ob sie als funktionelle Äquivalente der deutschen Formeln fungieren können. Innerhalb dieser ersten Gruppe der allgemein(er)en Wunschformeln finden wir auch andere Wortketten (viel Vergnügen!, viel Spaß!, viel Freude!), durch die der Sprecher in Bezug auf eine apriori angenehme bevorstehende Situation dem Adressaten einen guten Wunsch ausdrückt. Das syntaktisch-lexikalische Muster Adv. [viel] + Subst. mit Ellipse des performativen Verbs findet ihr formales Pendant im produktiven Muster des Spanischen que + Verb Subj. + (Adv. [muy bien / …]) (¡que te/… diviertas/…!, ¡que lo pases/… (muy) bien / estupendamente / …), obwohl diese Struktur eine geringere phraseologische Festigkeit zeigt. So können diese Ketten verschiedene beträchtliche Modifikationen erfahren (¡apasarlo bien!/¡adivertirse! oder ¡pásalo bien!/¡diviértete!), die eher zur freien Rede zugeordnet werden müssen. Sprachvergleichend ist der abweichende Gebrauch der spanischen Formel ¡Felicidades! zu unterstreichen, wenn sie durch die Präposition por (+ Anlass) erweitert wird. Dann vervollkommnet sie einen unterschiedlichen Sprechakttyp, den des Gratulierens zu einem “bereits eingetretenen Ereignis” (Liimatainen 2010: 166) und nicht den des Glückwunsches, wie folgendes Beispiel beweist: (2) »Por eso me alegro de la llamada de Roberto Fernández que, además de sumergirme por instantes en el mar plácido de la evocación, me concede el privilegio de decirle aCarlos Martínez Shaw desde la páginas de este libro: enhorabuena por el merecido doctorado que te otorga la universidad que contribuiste acrear, felicidades por tu trayectoria académica y gracias por tu amistad« (Roberto Fernández, Carlos Martínez Shaw, historiador modernista, Lleida 2010: 197). Zwischen den allgemeinen und den spezifischen Wunschformeln befindet sich die Einheit toi, toi, toi!, die genauso wie viel Glück!, viel Erfolg!, gutes Gelingen! verwendet
54 LINGUISTICA PRAGENSIA 1/2019 wird, wenn der Sprecher jemandem bei einem Vorhaben Erfolg wünschen will, deren Gebrauch sich aber meistens auf einen spezifischen künstlerischen Kontext bezieht (= >jdm für ein Vorhaben, besonders für einen künstlerischen Auftritt, Glück, Erfolg wünscht<, DUDEN). Im Spanischen finden wir in der Formel ¡mucha mierda! (col./vulg.) das genaue Äquivalent für die spezifische Situation des künstlerischen Auftritts im Theater. 4.3. SPEZIFISCHE WUNSCHFORMELN Die bei weitem zahlreichere Gruppe des Korpus ist die der expressiven spezifischen Wunschformeln, die 50 deutsche und 25 spanische Einheiten enthält, rund 75% in beiden Sprachen. Darin sind allerdings die polyfunktionalen abschiedsoder grußähnlichen Wunschformeln (12 deutsche bzw. 5 spanischen Einheiten) platziert, die nur bedingt als Wunschformeln angesehen werden dürfen (vgl. unten das entsprechende Unterkap. 4.5.). Die restlichen spezifischen Wunschformeln, d.h. die monofunktionalen spezifisch(er)en Wunschformeln, sind sowieso zahlreicher und als reine Wunschformeln zu betrachten. Sie beziehen sich entweder auf persönliche Umstände bzw. Angelegenheiten, die den Gesprächspartner betreffen (28 deutsche bzw. 15 spanischen Einheiten) (s. Unterkap. 4.4.) oder auf soziale bzw. feierliche Anlässe (10 deutsche bzw. 5 spanische Einheiten) (s. Unterkap. 4.6.). 4.4. SITUATIONSSPEZIFISCHE WUNSCHFORMELN: PERSÖNLICHE MONOFUNKTIONALE EINHEITEN Eine relevante Anzahl dieser monofunktionalen persönlichen spezifischen Wunschformeln wird in der herkömmlichen Literatur zum Thema oft durch die Benennung bezeichnet, die den Situationen entspricht, in denen sie gebraucht werden, d.h. als Trink-, Essund Niesformeln (dazu gehören z. B. guten Appetit! bzw. ¡que aproveche!, Gesundheit! oder ¡salud!).8 In diese Gruppe von mit der Alltäglichkeit eng verbundenen Wunschformeln werden auch Einheiten einbezogen, durch die man dem Ins-Bett-Gehenden einen erholsamen Schlaf wünscht. Im Unterschied zum Spanischen sind die deutschen Einheiten zu diesem Ziel besonders besetzt und weisen sowohl Nominalphrasen als auch Verbalphrasen auf: schlaf gut! (und träume süß!) (ugs.), träum/träumt schön!, angenehme Ruhe!, angenehmes Flohbeißen! (ugs. scherzh.). Die spanischen entsprechenden Wortketten zeigen generell das syntaktisch-lexikalische Muster que + Verb Subj. + … am häufigsten, um diesen Wunschanlass auszudrücken: ¡que duermas bien!, ¡que duermas con los angelitos!, ¡que descanses! Innerhalb dieser Gruppe betragen die Nies-, Trink-, Essund Schlafformeln insgesamt 17 deutsche Einheiten (25 Prozent des gesamten Korpus) und 8 entsprechende spanische situationsspezifische Wortketten (20 Prozent des gesamten Korpus). Diese hohe Menge in beiden Sprachen lässt sich leicht durch die ausgeprägte Alltäglichkeit der Situationen erklären, in denen man diese Formeln gebraucht. Obwohl im Vergleich zum Deutschen die spanischen entsprechenden Formeln we8 Für eine ausführliche Argumentation des wunschmäßigen Charakters dieser Formeln s.Larreta (2015:300); dagegen Verschueren (1981:134–135).
VALENTINA VIVALDI, JUAN PABLO LARRETA ZULATEGUI 55 niger sind, ist die zwischensprachliche funktionale Äquivalenz garantiert (vgl. Sosa 2006: 376). Die Formeln gute Besserung! und gute Erholung! finden auch im Spanischen ihre Äquivalente durch die Formeln ¡que te mejores! und ¡que descanses!. Alle diese Wortketten bestätigen erneut die Produktivität der Muster Adj. [gut] + Subst. bzw. que + Verb Subj. Die restlichen persönlichen monofunktionalen Wunschformeln zeichnen sich eher dadurch aus, dass der Sprecher sie mit dem Ziel benutzt, einen Wunsch in Bezug auf ein nicht-alltägliches und manchmal außerordentliches Ereignis zu äußern. Diese Situationen sind eng mit Reisen, Urlaub und Freizeit verbunden und erweisen sich im Deutschen (schönes Wochenende!, gute (Heim)reise!, gute (Heim-) fahrt!, guten Flug!, schöne Ferien!, schönen Aufenthalt! u.a.) als viel fester und dichter besetzt als im Spanischen (¡buen viaje!). So verwendet die deutsche Sprache für die drei Arten der Reise (Fahrt, Reise, Flug) jeweils eine entsprechende Formel, wobei die spanische Formel ¡buen viaje! ein einziges Äquivalent aufweist, denn ¡buen vuelo! ist fast ausschließlich in einem Werbekontext zu finden. Alle anderen deutschen, nach den Quellen recht stabilen Formeln können durch Ketten des produktiven Musters que + Verb [Subj.] übersetzt werden, deren anscheinend formelhafter Charakter von den Quellen nicht bestätigt wird (¡que pases/… buenas vacaciones!, ¡que tengas/… unas buenas vacaciones!, ¡que pase/… usted una agradable/… estancia, ¡buen fin de semana!). Zu diesen monofunktionalen und persönlichen Wunschformeln darf man auch z. T. die Einheit schönen Feierabend! rechnen. In der Tat geht es um eine vorwiegend mündliche Formel, die im Deutschen den Endpunkt einer Tätigkeit o.Ä. ausdrückt, sehr oft auf den Schluss der täglichen beruflichen Arbeit bezogen, und die kein Äquivalent im Spanischen findet. Folgendes Beispiel veranschaulicht jedoch die mögliche Koaktualisierung von Sprechakten in der Formel, insofern sie zuerst fast reaktiv als Abschiedsformel gebraucht wird, aber am Ende sogar mit dem performativen Verb wünschen vorkommt. Das folgende Beispiel zeigt die pragmatische Komplexität dieser Formel: (3) »Ich mache für heute Schluss— ist sowieso nicht viel los, und ich muss noch ein paar Dinge erledigen.« »Schon klar.« Ich lächle ihn an. »Schönen Feierabend« »Täusche ich mich, oder war das süffisant?« »Nein, warum? Hätte ich Grund, süffisant zu sein?«, fragte ich mit honigsüßer Stimme. »Natürlich nicht. Frau Berg war gerade in der Gegend, warum sollte sie nicht auf einen Kaffee vorbeischauen?« »Ich bin vollkommen Ihrer Meinung und keinesfalls süffisant. Ich habe lediglich einen schönen Feierabend gewünscht« (Aus: Anne Hertz, Trostpflaster, [Roman], München 2008, https://books.goog le. es/books?isbn=3426406950, 13.10.2017)
62 LINGUISTICA PRAGENSIA 1/2019 deutschen und spanischen Gesellschaft, wie Weihnachten, Ostern und das neue Jahr (mit einigen situativen Ausnahmen, wie einen guten Rutsch! im Deutschen). Ebenfalls sind die in die Sprechaktklasse der Emotiva gehörenden Formeln quantitativ ähnliche Phänomene. Andererseits ist festzustellen, dass alle deutschen Formeln zumindest ein kommunikatives Äquivalent in Spanisch haben, obwohl sie die spanischen Formeln insgesamt um über ein Drittel (67 vs. 36 Einheiten) übersteigen. Darüber hinaus sind jenseits der kommunikativen Äquivalenz eine Reihe formaler Ähnlichkeiten und Unterschiede bemerkbar. So kommen in beiden Sprachen wegen des Typus vom durchgeführten Sprechakt eine bemerkenswerte Anzahl von positiven Lexemen vor, dagegen ist die Anzahl der idiomatischen Formeln im Deutschen höher als im Spanischen und ist in den unterschiedlichen Gruppen belegt. Andererseits hat sich die Produktivität von bestimmten formalen Mustern als ein relevantes Element der kontrastiven Analyse ergeben, so die deutschen Verbindungen mit der Struktur Adj./Adv. [viel/gut/schön] + Subst. (viel Spaß!/gute Fahrt!/ schöne/frohe Ferien!) und die Struktur que + Verb Subj. + Adj/Adv/… im Spanischen. Diese spanische Struktur hat sich als besonders produktiv erwiesen, aber sie garantiert keinen absolut formelhaften Charakter: einige Ketten sind zwar nicht unmöglich, aber gelten nach den Quellen nicht als Formeln, sondern als freie Wortverbindungen (beispielsweise ¡que llegues bien acasa!). LITERATURVERZEICHNIS Wörterbücher u. Korpora CREA (Real Academia Española— Corpus de Referencia del Español Actual). http://corpus. rae.es/creanet.html Duden (2002) Redewendungen. Wörterbuch der deutschen Idiomatik. 2.Aufl. Mannheim/ Leipzig/Wien/Zürich: Dudenverlag. Duden (2008) Zitate und Aussprüche: Herkunft und aktueller Gebrauch. Mannheim: Dudenverlag. Institut für Deutsche Sprache (2018) Deutsches Referenzkorpus (DeReKo) / Archiv der Korpora geschriebener Gegenwartssprache 2018— I (Release vom 23.02.2018). Mannheim: Institut für Deutsche Sprache. www.ids-mannheim. de/DeReKo Schemann, H. et al. (2013) Idiomatik DeutschSpanisch. Hamburg: Buske. Schemann, H. (2012) Synonymwörterbuch der deutschen Redensarten. 2.Aufl. Berlin/ Boston: de Gruyter. Seco, M. et al. (2005) Diccionario fraseológico documentado del español actual. Locuciones ymodismos españoles. 3.Aufl. Madrid: Aguilar. Varela F. und H.Kubarth (1994) Diccionario fraseológico del español moderno. Madrid: Gredos. Sekundäre Bibliographie Ameka, F.K. (1991) Ewe: Its grammatical constructions and illocutionary devices. Doktorarbeit. Canberra: Australian National University. Burger, H. (1998) Phraseologie. Eine Einführung am Beispiel des Deutschen. Berlin: Erich Schmidt Verlag.
VALENTINA VIVALDI, JUAN PABLO LARRETA ZULATEGUI 63 Burger, H.A.Buhofer und A.Sialm (1982) Handbuch der Phraseologie. Berlin; New York: Walter de Gruyter. Coulmas, F. (1979) On the Sociolinguistic Relevance of Routine Formulae. Journal of Pragmatics. 3, 239–266. Coulmas, F. (Hg.) (1981a) Conversational Routine. Explorations in Standardized Communication Situations and Prepatterned Speech. Den Haag/ New York: Mouton. Coulmas, F. (1981b) Routine im Gespräch: Zur pragmatischen Fundierung der Idiomatik. Wiesbaden: Akademische Verlagsgesellschaft Athenaion. Demiryay, N. (2013) Kulturelle Verortung der Routineformeln. Ein deutsch-türkischer Vergleich. Muttersprache 1, 123 (2013), 1–15. Fierbineanu, I.H. (2014) Wunschformeln im gesprochenen Deutsch und Rumänisch. In: Puchianu, C.E. (Hg.) Authentizität, Varietät oder Verballhornung. Germanistische Streifzüge durch Literatur, Kultur und Sprache im globalisierten Raum, 239–256. Passau: Karl Stutz. Fleischer, W. (1997) Phraseologie der deutschen Gegenwartssprache. 2.Aufl. Tübingen: Niemeyer. Glenz, E. (2009) Probleme der zweisprachigen Phraseografie. Die kommunikative Äquivalenz der Formeln des Sprachenpaares brasilianisches Portugiesisch/Deutsch. In: Mellado, C. (Hg.) Theorie und Praxis der idiomatischen Wörterbücher, 189–208. Tübingen: Niemeyer. Hindelang, G. (2004) Einführung in die Sprechakttheorie, 4., unveränd. Aufl. Tübingen: Niemeyer. Hyvärinen, I. (2011) Zur Abgrenzung und Typologie pragmatischer Phraseologismen— Forschungsüberblick und offene Fragen. In: Hyvärinen, I. und A.Liimatainen (Hgg.) Beiträge zur pragmatischen Phraseologie (Bd. 25). Frankfurt am Main u.a.: Peter Lang (Finnische Beiträge zur Germanistik), 9–43. Jakubowska, E. (1998) Greetings and farewells contrastively viewed. Linguistica silesiana 19 (1998), 87–98. Kecskés, I. (2000) Acognitive-pragmatic approach to situation-bound utterances. Journal of Pragmatics 32, 605–625. Larreta Zulategui, J.P. (2014a) Fórmulas rutinarias de rechazo en español y sus equivalencias en alemán. Zeitschrift für romanische Philologie 130, 1, 134–159. Larreta Zulategui, J.P. (2014b) Kontrastive Analyse spanischer und deutscher Zustimmungsformeln. Revista de Filología Alemana 22, 239–259. Larreta Zulategui, J.P. (2015) Zu den Wunschformeln der deutschen Sprache. Muttersprache 125, 290–309. Liimatainen, A. (2010) Alles Liebe und Gute! Wunschund Anlassformeln im deutsch-finnischen Kontrast. In: Kohlemainen, L., H.E.H.Lenk und A.Liimatainen (Hgg.) Infinite kontrastive Hypothesen, 165–183. Frankfurt am Main u.a.: Peter Lang. Liimatainen, A. (2011) Ach du Donnerchen!— Voi herran pieksut! Zur Wiedergabe der emotiven Formeln in deutschen und finnischen Übersetzungen. In: Hyvärinen, I. und A.Liimatainen (Hgg.) Beiträge zur pragmatischen Phraseologie (Bd. 25), 113–145. Frankfurt am Main u.a.: Peter Lang (Finnische Beiträge zur Germanistik). Lüger, H.-H. (2007) Pragmatische Phraseme: Routineformeln. In: Burger, H., D.Dobrovol’skij, P.Kühn und N.R.Norrick (Hgg.) Phraseologie / Phraseology. Ein internationales Handbuch zeitgenössischer Forschung, Bd. 1., 444–459. Berlin/New York: De Gruyter. Miodek, W. (1994) Die Begrüßungsund Abschiedsformeln im Deutschen und im Polnischen. Heidelberg: Groos. Sava, D. (2010) Hoch soll er leben! Routineformeln als Forschungsaufgabe der phraseologischen Kontrastivik. Germanistische Beiträge 27, 197–209. Searle, J.R. (1983) Sprechakte. Ein sprachphilosophischer Essay. Frankfurt am Main: Suhrkamp. Sosa Mayor, I. (2006) Routineformeln im Spanischen und im Deutschen. Eine
64 LINGUISTICA PRAGENSIA 1/2019 pragmalinguistische kontrastive Analyse. Wien: Praesens Verlag. Stein, S. (1995) Formelhafte Sprache. Untersuchungen zu ihren pragmatischen und kognitiven Funktionen im gegenwärtigen Deutsch. Frankfurt am Main u.a.: Peter Lang. Stein, S. (2007) Mündlichkeit und Schriftlichkeit aus phraseologischer Perspektive. In: Burger, H., D.Dobrovol’skij, P.Kühn und N.R.Norrick (Hgg.) Phraseologie / Phraseology. Ein internationales Handbuch zeitgenössischer Forschung, Bd. 1., 220–236. Berlin/New York: De Gruyter. Verschueren, H. (1981) The Semantics of Forgotten Routines, 133–153. In: Coulmas, F. (Hg.) Conversational Routine. Explorations in Standardized Communication Situations and Prepatterned Speech. The Hague/New York: Mouton. Wagner, K.R. (2001) Pragmatik der deutschen Sprache. Frankfurt am Main u.a: Peter Lang. Wotjak, B. (2005) Routineformeln im Lernerwörterbuch. In: Barz, I., H.Bergenholtz und J.Korhonen (Hgg.) Schreiben, Verstehen, Übersetzen, Lernen. Zu einund zweisprachigen Wörterbüchern mit Deutsch, 371–387. Frankfurt am Main: Finnische Beiträge zur Germanistik 14. Wray, A. und M.R.Perkins (2000) The functions of formulaic language: an integrated model. Language & Communication 20 (2000), 1–28. ANHANG 1— DAS KORPUS A.1) Expressive allgemein(-er)e Wunschformeln: (12 Einheiten im Deutschen): alles Liebe!, alles Gute!, viel Vergnügen!, viel Spaß!, viel Freude!, viel Erfolg!, viel Glück!, gutes Gelingen!, Halsund Beinbruch! (ugs.), toi, toi, toi!, ich drücke/halte dir/… die Daumen! (ugs.), Glückwunsch!/herzliche Glückund Segensswünsche (zu…) (path.); (5 Einheiten im Spanischen): ¡Que lo pases/…muy bien!, ¡que te/…diviertas!, ¡mucha suerte!, ¡mucha mierda!, ¡felicidades! A.2.1.1) Monofunktionale persönliche situationsspezifisch(-er)e Wunschformeln: (28Einheiten im Deutschen): schlaf gut (und träume süß)! (ugs.), schlafen Sie/ schlaft/… gut!, träum schön!, angenehme Ruhe!, angenehmes Flohbeißen (ugs., scherzh.), guten Appetit, guten Hunger (ugs.), wohl bekomm’s!, lass es dir schmecken!, Mahlzeit!, Prost!, auf dein/… Wohl!, zum Wohl!, schmollis!, auf ein Neues! (ugs.), Gesundheit, Gott helf!/helf Gott!, gute Besserung!, baldige Genesung!, gute Erholung!/erhol dich gut, schönes Wochenende!, gute (Heim)reise!, gute (Heim)fahrt! guten Flug!; schöne Ferien!, schönen Urlaub!, schönen Feierabend!, schönen Aufenthalt! (15 Einheiten im Spanischen) ¡Que duermas bien! ¡que duermas/sueñes con los angelitos!, ¡que descanses!, ¡dulces sueños!, ¡que aproveche!, ¡buen apetito!, ¡salud!, ¡Jesús (María y José)!, ¡que te mejores!, ¡que descanses!, ¡recuperate/ense pronto!, ¡buen viaje!, ¡que paseis buenas vacaciones!, ¡disfruta/que disfrutes de las vacaciones!, ¡que te vaya bien! A.2.1.2) Polyfunktionale persönliche situationsspezifisch(-er)e Wunschformeln (abschiedsoder grußähnliche Wunschformeln): (12 Einheiten im Deutschen): leb wohl!, mach’s gut! (ugs.), komm gut nach Hause!, lass es dir/lasst es euch/… gut/(wohl) gehen!, pass (gut) auf dich auf!, guten Morgen, guten Tag, guten Abend, gute Nacht, (einen) schönen Tag (noch)!, einen schönen Abend noch!, mit den besten Wünschen; (5 Einheiten im Spanischen): ¡Cuídate!, ¡buenos días!, ¡buenas tardes!, ¡buenas noches!, con mis/sus/…mejores deseos se despide…
VALENTINA VIVALDI, JUAN PABLO LARRETA ZULATEGUI 65 A.2.2) Feierliche/gesellschaftsbezogene situationsspezifisch(-er)e Wunschformeln od. Anlassformeln: (10 Einheiten im Deutschen): frohe Weihnachten!, (ein) gutes/ schönes/frohes Neues Jahr!, Prost Neujahr!, guten Rutsch (ins Neue Jahr)! (ugs.), guten Start ins Neue Jahr!, komm gut ins neue Jahr!, frohe Ostern!, frohe Pfingsten!, frohes Fest!, schöne Feiertage!; (5 Einheiten im Spanischen): ¡Feliz Navidad!, ¡Felices fiestas!, ¡Felices Pasquas!, ¡Feliz Navidad y próspero Año Nuevo!, ¡Feliz año nuevo! B) Emotive Wunschformeln (5 Einheiten im Deutschen): hoffen wir das Beste, [lieber Leser]! (ugs. scherz.), das kann man nur hoffen!, das wolle Gott (path. selten)!, hoffentlich!, dein/euer/… Wort in Gottes Ohr! (form od. iron. selten); (6 Einheiten im Spanischen): ¡esperemos/-lo!, ¡Dios lo quiera!, ¡Dios te oiga!, ¡Ojalá!, ¡toquemos madera!, ¡crucemos los dedos! ANHANG 2— VORGESCHLAGENE ÄQUIVALENZPAARE Deutsche Formeln Spanische Formeln A) Expressive Wunschformeln A.1) Allgemein(-er)e Wunschformeln viel Erfolg!, viel Glück,! gutes Gelingen! ¡Mucha suerte! toi, toi, toi! ¡Mucha mierda! A.2.1.) Situationsspezifisch Wunschformeln A.2.1.1) Monofunktionale persönliche situationsspezifisch(-er)e Wunschformeln schlaf gut (und träume süß)!, schlafen Sie/ schlaft/… gut!, träum schön! ¡Que duermas/sueñes con los angelitos!, ¡Dulces sueños!, ¡Que duermas bien! guten Appetit!, guten Hunger (ugs.), lass es dir schmecken! ¡Que aproveche!, ¡Buen apetito! Prost!, auf dein/… Wohl!, zum Wohl! ¡Salud! gute Besserung! ¡Que te mejores! baldige Genesung! ¡Recuperate/ense pronto! gute Erholung!/erhol dich gut ¡Que descanses! Gesundheit! ¡Salud! gute (Heim)reise!, gute (Heim)fahrt! , guten Flug! ¡Buen viaje! A.2.1.2) Polyfunktionale persönliche situationsspezifisch(-er)e Wunschformeln (abschiedsoder grußähnliche Wunschformeln) mach’s gut! (ugs.), pass (gut) auf dich auf! ¡Cuídate! lass es dir/lasst es euch/… gut/(wohl) gehen,! leb wohl!, ¡Que te vaya bien! guten Morgen ¡Buenos días! guten Tag ¡Buenos días!, ¡Buenas tardes! guten Abend ¡Buenas tardes!, ¡Buenas noches! guten Abend, gute Nacht ¡Buenas noches! (einen) schönen Tag (noch)! ¡Que tengas un buen día! lass es dir… gut (wohl) gehen! ¡Que te vaya bien ! mit den besten Wünschen Con mis/sus/…mejores deseos se despide…
66 LINGUISTICA PRAGENSIA 1/2019 A.2.2) Feierliche/gesellschaftsbezogene situationsspezifisch(-er)e Wunschformeln oder Anlassformeln frohe Weihnachten! ¡Feliz Navidad!, ¡Felices Pasquas (veralt.)!, ¡Feliz Navidad y próspero Año Nuevo! (ein) gutes/schönes/frohes Neues Jahr! ¡Feliz año nuevo! frohes Fest!, schöne Feiertage! ¡Felices fiestas! B) Emotive Wunschformeln hoffen wir das Beste, [lieber Leser]! (ugs. scherz.), das kann man nur hoffen! ¡Esperemos/lo! das wolle Gott (path. selten)!¡Dios lo quiera! hoffentlich! ¡Ojalá! dein/euer/… Wort in Gottes Ohr! (form. od. iron. selten) ¡Dios te oiga! Valentina Vivaldi Beigeordnete Dozentin für Deutsche Sprache Universidad Pablo de Olavide Zimmer 10-4-06, Carretera de Utrera km 1, 41013 Sevilla, Spanien ORCID ID: 0000-0001-5488-257X e-mail: [email protected] Juan Pablo Larreta Zulategui Professor für Übersetzung Spanisch-Deutsch Universidad Pablo de Olavide Zimmer 2-3-11, Carretera de Utrera km 1, 41013 Sevilla, Spanien ORCID ID: 0000-0003-2434-4337 e-mail: [email protected]