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Ein Erbe mit Folgen. Zdeněk Jirásek, „Ocelová koncepce“ hospodářství českých zemí 1947–1953. [Die „Stahl-konzeption“ der Wirtschaft der böhmischen Länder 1947–1953], Opava: Schlesische Universität Opava 2014, 234 S.

Jakubec, Ivan

Abstract

89

Full text

Ein Erbe mit Folgen Zdeněk Jirásek, „Ocelová koncepce“ hospodářství českých zemí 1947–1953. [Die „Stahl - konzeption“ der Wirtschaft der böhmischen länder 1947–1953], Opava: Schlesische universität Opava 2014, 234 S. Im vergangenen Jahr gab die Schlesische Universität in Opava eine Monographie des renommierten Forschers im Bereich moderne tschechische und tschechoslowakische Wirtschaftsgeschichte Zdeněk Jirásek heraus. Die Arbeit zeichnet sich durch thematische Geschlossenheit, eine logische Struktur mit einer anspruchsvollen und doch verständlichen Interpretation aus. Die kreative Leistung besteht vor allem in einem Studium nicht veröffentlichter Archivdokumente aus tschechischen Archiven gesamtstaatlicher (Nationalarchiv Prag, Archiv des Parlaments der Tschechischen Republik Prag), regionaler (Landesarchiv Opava, Staatliches Gebietsarchiv Zámrsk, Staatliche Kreisarchive Hradec Králové, Náchod, Opava und Trutnov) und betrieblicher Provenienz. Der Autor befasst sich mehr als zwei Jahrzehnte lang mit der angeführten Problematik, was sich auch in der Qualität der Bearbeitung zeigt. Die Monographie beginnt nicht „erst“ mit dem Jahre 1948, sondern schon im Jahre 1947, wo nach Ansicht des Autors die Wurzeln für die wirtschaftliche Entwicklung der tschechoslowakischen industriellen Basis liegen; es endet logischerweise mit dem Jahre 1953, als in der Tschechoslowakei die wesentlichen Veränderungen bei den wirtschaftlichen Prioritäten abgeschlossen waren: der Umbau der tschechoslowakischen Wirtschaft zu einer zentral geplanten, der erste Fünfjahrplan, die Umsetzung der „Währungsreform“. Zumeist konzentrierte sich der Autor auf die Entwicklung der böhmischen Länder im Kontext der gesamten Tschechoslowakei. Die Arbeit besteht ausgenommen Einleitung und Schluss aus drei wesentlichen Kapiteln. Das erste widmet sich der Entwicklung der damaligen Vorstellungen vom ersten Fünfjahrplan und ihren Änderungen nach Februar 1948 und umfasst eine Zusammenfassung der Wirtschaftsergebnisse des Zweijahresplans zur wirtschaftlichen Erneuerung der Tschechoslowakei. Das zweite Kapitel befasst sich mit den Korrekturen des ersten Fünfjahrplans in internationalen und innerstaatlichen Zusammenhängen. Das letzte Kapitel ist auf die Abbildung der Bandbreite der Strukturveränderungen hinsichtlich der Ressorts und der Gebiete einschließlich der wirtschaftlichen Zusammenhänge des Staatsbankrotts im Jahre 1953 ausgerichtet. Die Struktur der tschechoslowakischen Wirtschaft bzw. der Industrie im Jahre 1953 unterschied sich wesentlich von der der Jahre 1947/1948. Nach Februar 1948 wurde der erste Fünfjahrplan als „Weg zum Sozialismus“ verstanden. Die Entwicklung der Industrie stellte zusammen mit der Produktion und der Volkswirtschaft das Mittel zur Hebung des Lebensniveaus dar. Bereits im Jahre 1949 tauchte jedoch in der Volkswirtschaft „Mangelware“ auf. Zeitgleich veränderte sich die Struktur von Organisation und Leitung, es wurden die Reste der Marktbeziehungen beseitigt, das zentrale direktive System nach sowjetischem Modell wurde stärker. Das Jahr 1951 bedeutete übereinstimmend mit der sowjetischen und auch der tschechoslowakischen politischen und wirtschaftlichen Garnitur die Annahme der Konzeption der OPEN ACCESS 90 WISOHIM/ESHP 21 OPEN ACCESS Tschechoslowakei als „Großmacht des Maschinenbaus“. Das Ergebnis bestand in einer dominierenden Stellung der Schwerund der Rüstungsindustrie. Die Folgen ließen nicht lange auf sich warten. Es kam zu einer „Überhitzung“ der Wirtschaft aus der Sicht der Investitionen und anschließend zur Währungsreform im Jahre 1953. Im Laufe des ersten Fünfjahrplans kam es zu einer Synergie einiger Tendenzen. Die Stärkung des Maschinenbaus im Rahmen von Industrie und Wirtschaft, eine unzureichende Versorgung mit Rohstoffen und Technologien für die geplanten Ergebnisse, eine Autarkie, die das wirtschaftliche Potenzial schwächte, eine unzureichende Effektivität, die zu einer Verteuerung führte sowie die unkritische Übernahme von Impulsen aus Moskau gehörten zu den wichtigsten Folgen des wirtschaftlichen Umbaus. Sicher ist dem Urteil des Autors in der Frage der Bewertung des Erfolgs des ersten Fünfahrplans ohne Ansehen der unglaublichen Anstrengungen Tausender Menschen zuzustimmen: „Bezüglich der unnütz aufgewendeten Mittel, der menschlichen Energie und des unzweckmäßig orientierten Zentralismus kann man nicht von Erfolgen sprechen, sondern man kann höchstens Bedauern ob der verschwendeten existenziellen Möglichkeiten der einzelnen Akteure des Dramas äußern.“ (S. 220). Als einzigen Erfolg wertete der Autor die „beschleunigte Industrialisierung wirtschaftlich schwacher Bezirke. Dies betraf jedoch überwiegend die Slowakei und in den böhmischen Ländern nur einige Mikroregionen“. (S. 220) Einige Prozesse waren jedoch keine Domäne des Ostblocks wie z. B. die Verstaatlichung, jedoch nicht in einem solchen Umfang, bzw. die Förderung der Schwerindustrie, jedoch nicht mit einer solch eindeutigen Betonung und unter Vernachlässigung der Konsumindustrie. Am Schluss konstatiert Zdeněk Jirásek sachlich richtig, dass der erste Fünfjahrplan vor allem ein, Symbol politischer Entscheidungen in der Wirtschaft, nicht genutzter Perspektiven und ein Herausreißen des Staates aus einem Raum relativer westeuropäischer wirtschaftlicher Blüte“ war. (S. 221) Die Arbeit verschiebt unsere Kenntnisse im Bereich Wirtschaftsgeschichte gerade durch ihre Betonung der Veränderungen in der Struktur der tschechoslowakischen Wirtschaft in den Umbruchjahren 1947/1948–1953. Ivan Jakubec