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Adolf Thomsen: „So ist der Pastor nicht als Pastor politische Instanz, aber auch kein Inhaber eines politischen Amtes als solcher kirchliche Instanz“

Drescher, Kari Alina

Abstract

Pastor Adolf Friedrich Martin Thomsen (* 30. Mai 1901 in Rendsburg; † 04. März 1997 in Flensburg) war ein deutscher Pastor und Rektor der evangelisch-lutherischen…

Full text

h ps://doi.o g/10.38071/2023-00476-4 107 Adol Thomsen: „So is de Pas o nich als Pas o poli ische Ins anz, abe auch kein Inhabe eines poli ischen Am es als solche ki chliche Ins anz“ on KARI ALINA DRESCHER Biog a ische Eckda en Adol F ied ich Ma in Thomsen wu de am 30. Mai 1901 in Rendsbu g als Sohn eines Rek o s gebo en. 1 Nach dem Besuch des Gymnasiums in Flensbu g s udie e e Theologie in Tübingen, Leipzig und Kiel. 2 Anschließend wu de e am 21. Mai 1925 in Schleswig o dinie . 3 Am 24. Ok obe 1926 wu de Thomsen zum Pas o in Sülldo -Blankenese be u en. 4 De nächs e Lebensabschni begann ü ihn, als 1933 in de e angelisch-lu he ischen Diakonissenans al Flensbu g ein Nach olge ü de en Rek o Ca l Ma hiesen gesuch wu de. Thomsen e schien als geeigne e Kandida ü die S elle, wie in einem Be ich de Diakonissenans al on 1939 deu lich wi d: „Pas o Adol Thomsen, […] de on Pas o Wacke s Zei en he ein F eund unse es Hauses und unse e Sache wa , wa wäh end seine Gymnasialzei in Flensbu g mi seinen B üde n ein leißige Besuche unse e Go esdiens e gewesen und ha e wäh end seine Sülldo e Am szei in nahe Zusammena bei mi Schwes e n unse es Hauses ges anden.“ 5 Am 7. Ok obe 1934 wu de e zum Rek o de Diakonissenans al Flensbu g e nann . 6 De Beginn seine Zei in de Diakonissenans al ges al e e sich schwie ig, da die F age im Raum s and, wie das Ve häl nis de Ans al sgemeinde zu Landeski che kün ig aussehen soll e: Thomsen wa zu o Mi glied de Deu schen Ch is en (DC) gewesen. 7 Die da aus esul ie ende, an ängliche Un uhe leg e sich und 1 Landeski chliches A chi de No dki che-Kiel (LKANK), 16.20.0 (Pe sonalak en) N . 2036. 2 LKANK, 16.20.0 N . 2037. 3 Ebd. 4 Ebd.. 5 Ma hiesen, Ca l: E . lu h. Diakonissenans al Flensbu g. 1924–1934. Flensbu g 1939, S. 76. 6 Ma hiesen 1939, S. 79. 7 Winkle , Ul ike/Schmuhl, Hans-Wal e : Gezei enwechsel. Die E angelisch-Lu he ische Diakonissenans al zu Flensbu g on 1930–1970. Flensbu g 2017, S. 74. D esche : Adol Thomsen 108 Thomsen soll e ein bedeu endes Mi glied de Bekennenden Ki che (BK) we den. Das Am des Rek o s de Diakonissenans al üb e e bis zum 1. Ap il 1970 aus. Un e b ochen wu de Thomsens Tä igkei du ch seinen K iegsdiens : Im Sep embe 1943 wu de e zu Weh mach eingezogen. 8 Be ei s 1939 ha e e einen Ges ellungsbe ehl e hal en, konn e abe au An ag de Diakonissenans al eiges ell we den. 9 Solche Bemühungen wa en im Sep embe 1943 e gebens und so wu de de Rek o zu Weh mach eingezogen. Zunächs wa e Solda in Russland, dann wu de in Hessen s a ionie und gegen K iegsende als Küs e eines Mili ä p a e s und Sani ä e in Dänema k eingese z . 10 Wäh end de Zei im K iegsdiens wu de Thomsen on seinem Vo gänge , Ca l Ma hiesen, in Flensbu g e e en. Zugleich e such e Thomsen, die Ve bindung zu Diakonissenans al zu hal en und sch ieb Feldpos -Rundb ie e an die Diakonissen, beispielsweise zum Os e es 1945: „Meine lieben Schwes e n! Die E eignisse im Kamp unse es lieben deu schen Volkes sind äglich om schwe s en Gewich . Bi e ingen unse e F on kämp e um jeden Me e deu schen Bodens. Von Rundb ie zu Rundb ie is übe iele unse e Volksgenossen unsagba es Leid aus Bomben e o und Fluch gekommen. Unse Flensbu g und unse Mu e haus sind bishe wunde ba bewah wo den.“ 11 Nach seine Rückkeh am 19. Mai 1945 nahm Thomsen das Am als Rek o de Diakonissenans al wiede au und e blieb in diese Posi ion bis zu seinem Ein i in den Ruhes and am 1. Ap il 1970. E wa zu diesem Zei punk übe 35 Jah e Rek o de Diakonissenans al gewesen. Thomsen s a b am 4. Mä z 1997 in Flensbu g. 12 8 Ebd., S. 138. 9 Ebd. 10 Ebd. 11 A chi Diako Flensbu g, N . 624. 12 LKANK, 16.20.0 N . 2037. D esche : Adol Thomsen 109 Ki chenpoli ik Nachdem Thomsen ü das Am als Rek o in Flensbu g ausgewähl wo den wa , g i un e den Schwes e n Beso gnis um sich: Thomsen wa im Mai 1933 den DC beige e en, was den ki chenpoli ischen Ku s de BK-nahen Diakonissenans al ins Wanken zu b ingen d oh e. 13 Obwohl sich Thomsen be ei s 1934 wiede on den DC gelös ha e, wu de he ig disku ie . Ca l Ma hiesen, Mi glied de BK, de be ei s seinen Ruhes and e künde ha e, se z e sich ü den neu gewähl en Rek o ein und s ell e dessen Engagemen ü die DC als o übe gehende Ve i ung da : 14 „Pas o Thomsen ha inzwischen seine Beziehung zu den DC gelös und zwa be o das Landeski chenam seine Wahl bes ä ig ha e. Ich habe mich auch übe zeug , dass seine zei sein Ein i bei den DC du ch Ho nungen e anlass gewesen is , die iele unse e Bes en zunächs ge eil haben. Die En äuschung, die de wei e e Ve lau de genann en Bewegung wei hin un e dem Ki chen olk he o ge u en ha , ha auch Pas o Thomsen bewogen, sich do zu lösen, und ich habe in wiede hol e eingehende Fühlungsmaßnahme mi ihm die es e Übe zeugung gewonnen, dass e en schlossen is , die ki chliche und geis liche Linie unse es Hauses in g ade Rich ung wei e zu üh en, ebenso wie ich es e such habe, als ich Pas o Wacke ablös e. Bü gscha in ollem Sinn ü die Zukun eine solchen Sache wie de Diakonie is na ü lich nu aus Go es Gnade du ch den Glauben zu e langen.“ 15 Mi diesem Rundb ie an die Schwes e n e such e Ma hiesen, die au ge eg e Si ua ion zu be uhigen – mi E olg. Nachdem Thomsen bei den Deu schen Ch is en ausge e en wa , wu de e Mi glied in de BK. In Flensbu g engagie e e sich sei Ap il 1936 ü die BK als P ops ei e auensmann. 16 Zudem o ganisie e e die E angelische Woche, eine olksmissiona ische Woche de BK, und sch ieb ü die B eklume He e, eine Sch i en eihe de BK, die eben alls olksmissiona ische Ziele e olg e. 1935 e ö en lich e e in dem He Im S om ode daneben? Weck u e zum Au b uch de Ki che den Tex Die lebendige Gemeinde. Do sp ach sich Thomsen gegen eine lächendeckende „Gleichschal ung“ de Ki che aus: „Die lebendige Gemeinde Jesu 13 Winkle /Schmuhl 2017, S. 68. 14 Ebd., S. 69. 15 Rundsch eiben 147 des Rek o s an die Schwes e n, A chi Diako Flensbu g, N . 252. Zi ie nach: ebd. 16 Winkle /Schmuhl 2017, S. 84. D esche : Adol Thomsen 110 Ch is i is also nich do , wo ih Appa a on de s aa lichen und gemeindlichen Au o i ä ges ü z wi d, so dankba sie da ü sein soll, sonde n da, wo sie leb aus de K a Go es, wo ih Leben sich als Gemeinscha mi Go , als Nach olge Jesu Ch is i ausweis .“ 17 Übe das Am des Pas o s sch ieb Thomsen: „Aus dem Wo Go es e gib sich keine poli ische P axis, abe wohl häng alles, also das Leben da on ab, daß Go die poli ische P axis segne . So is de Pas o nich als Pas o poli ische Ins anz, abe auch kein Inhabe eines poli ischen Am es als solche ki chliche Ins anz.“ 18 Thomsen ha sich als BK-Mi glied ü die ki chliche Au onomie ausgesp ochen, ohne den Na ionalsozialismus abzulehnen. Poli ik Mi gliedscha en on Adol Thomsen in na ionalsozialis ischen (NS) Ve einigungen sind nich bekann . In B ie en an die Schwes e nscha und in den Weihnach sb ie en e zich e e e au die Ve wendung de na ionalsozialis ischen G uß o mel. 19 E un e sch ieb im inne ki chlichen Sch i e keh mi „Eue Seelso ge “ ans a mi „Heil Hi le “. Dabei wa die Ve wendung des NS-G uß o mel in de Diakonissenans al nich e bo en. Beispielsweise un e zeichne e Augus e Moh mann, die Füh e in de Diakoniegemeinscha , 20 einen Rundb ie an die Flensbu ge Schwes e nscha mi de na ionalsozialis ischen G uß o mel: „Mi eundliche Beg üßung, Heil Hi le !“ 21 Übe in e p e ie we den da das G uß e hal en alle dings nich . 22 Gu dokumen ie is ein Kon lik bezüglich de Eins ellung des neuen Che a z es, P o esso Jüngling, im Jah 1934. Thomsen sch ieb in seinen in den 1970e Jah en e ass en E inne ungen: „Die Be u ung eines neuen Che a z es nach P o . 17 Thomsen, Adol : Unse Ziel: Die lebendige Gemeinde. In: Im S om ode daneben? Weck u e zum Au b uch de Ki che. B eklum 1935, S. 16–20, hie S. 19. 18 Ebd. S. 20. 19 A chi Diako Flensbu g, N . 624. 20 Lau e e , Heide-Ma ie: Liebes ä igkei ü die Volksgemeinscha . De Kaise we he Ve band deu sche Diakonissenmu e häuse in den e s en Jah en des NS-Regimes. Gö ingen 1994, S. 15. 21 A chi Diako Flensbu g, N . 624. 22 He z, Helge-Fabien: E angelische Ki chen im Na ionalsozialismus. Kollek i biog a ische Un e suchung de schleswig-hols einischen Pas o enscha . Be lin/Bos on 2022, S. 1187. D esche : Adol Thomsen 111 Baum üh e zum Kon lik . De Obe p äsiden und Gaulei e Lohse in Kiel eil e de Diakonissenans al mi , daß sie bei de Be u ung ih es l d. A z es s aa spoli ische Rücksich en zu nehmen hä e.“ 23 Jüngling habe zu o nach eine Schläge ei zwischen Kommunis en und Na ionalsozialis en die Ve le z en beide Sei en behandel . Thomsen be ich e e da übe in den 1970e Jah en ückblickend: „Sie wu den im gleichen K ankenzimme un e geb ach und de Che a z e klä e, hie müss ih euch e agen. Ein Assis enza z be ich e e das de Pa ei. Da au hin wu de du ch den Wü b. Gaulei e Mu die Abse zung P o . Jünglings e anlass .“ Thomsen sch ieb wei e , dass e sich des Wagnisses de Ans ellung on Jüngling bewuss gewesen sei. Alle dings zeig ein B ie wechsel zwischen ihm und seinem Vo gänge Ma hiesen ein e was ande es Bild de Vo gänge. 24 Den Sch eiben on Ca l Ma hiesen läss sich en nehmen, dass die Eins ellung des Che a z es wenige d ama isch abgelau en sein dü e, als es Thomsen in seinen Lebense inne ungen schilde . 25 So wa Flensbu g nich de einzige S ando , de den Che a z au nehmen woll e: E s nach langen Ve handlungen konn e Ma hiesen diesen übe zeugen, nach Flensbu g zu kommen. 26 Aus den B ie en wi d auße dem e sich lich, dass sich insbesonde e Ca l Ma hiesen um die Eins ellung des Che a z es bemüh ha e und Adol Thomsen sich hie lediglich anschloss. 27 Dessen An eil an de Ans ellung on P o esso Jüngling wa demnach ge inge , als es in seinen spä e en Lebense inne ungen zu lesen is . P a am Ein wich ige Bes and eil de A bei on Adol Thomsen an de Diakonissenans al Flensbu g wa die Aus ich ung de E angelischen Woche. Diese wu de meh mals in de Flensbu ge Diakonissenans al abgehal en. 28 Besonde s gu dokumen ie is die E angelische Woche im Jah 1936 (11. bis 15. Ok obe ). In dem 23 A chi Diako Flensbu g, N . 624. 24 Winkle /Schmuhl 2017, S. 75. 25 Ebd., S. 77. 26 Ebd. 27 Ebd., S. 78. 28 Ebd., S. 84. D esche : Adol Thomsen 112 Mona sbla ü Diakonie on Dezembe 1936 be ich e en zwei Teilnehme : „Es gehö e kein allzu g oße Kleinmu dazu, um sich allen E ns es zu agen, ob mi eine so eichen E angelischen Woche die Gemeinde in und um Flensbu g nich wei übe o de we de. Vom Sonn ag bis Donne s ag, also in 5 Tagen, e wa 18 Ve ans al ungen in de g oßen Ma ienki che, die meh als 1000 Menschen aß ! Und un en den Vo ägen äglich eine Sch i auslegung, die imme ih e 1½ S unden daue e. Und das alles in eine Zei , in de das biblische E angelium ö en lich e spo e und als Ve de be des Volkes da ges ell wi d.“ 29 Gu e hal en is ein Kon olu on B ie en, die Thomsen in egelmäßigem Abs and an die Schwes e n de Diakonissenans al sch ieb. Da aus wi d zunächs e sich lich, dass e sich in de Kommunika ion poli isch bedeck hiel . Die B ie e sind au eligiöse Elemen e besch änk . 30 Ak i e Bekenn nisse ode S ellungnahmen zum Na ionalsozialismus inden sich nich . In D ucke zeugnissen, die auße halb de Diakonissenans al e ö en lich wu den, e a Thomsen die BK-Linie o ensi e . So sch ieb e in den B eklume He en 1935: „Es kann manche lei An egung und Ve ände ung aus dem Volksleben kommen ü den Be ieb de Gemeinde. Abe das inne e Leben de Ki che häng nich an dem, was aus dem Volksleben sich e gib , sonde n an dem Wo e Go es, das in ih e kündig wi d.“ 31 Sank ionen Fü Pas o Thomsen sind keine wei eichenden Sank ionen bekann . In seinen Lebense zählungen aus den 1970e Jah en sp ich e im Zusammenhang mi de Eins ellung des Che a z es Jüngling da on, dass die Diakonissenans al boyko ie we den soll e: „In allen Pa ei- und SA-G uppen wu de alsbald de Boyko gegen die Diakonissenans al e künde . Das konn e keine g oßen Auswi kungen ü das K ankenhaus haben, da auch ü das einzige, sons in age kommende ka holische S . F anziskus-Hospi al keine Pa eisympa hien bes anden, wie mi de Rech sbe a e 29 A chi Diako Flensbu g, Mona sbla de Diakonie, Dezembe 1936. 30 A chi Diako Flensbu g, N . 624. 31 Thomsen 1935, S. 18. D esche : Adol Thomsen 113 des Land a s und K eislei e s, Rech sanwal D . Schädel, Sohn des ühe en Che a z es de Diakonissenans al , mi eil e.“ 32 Zum Boyko kam es mögliche weise deshalb nich , weil die S ad au das K ankenhaus angewiesen wa . Des Wei e en wu de die E angelische Woche s eng beobach e . So be ich e e Thomsen, dass einige Pas o en ein Rede e bo e hiel en: „Die Ges apo Flensbu g übe gab das Rede e bo zu Aushändigung an He n ich dem Ki chendiene on S . Ma ien nachdem wi om O sausschuß uns geweige ha en, He n ich zu in o mie en. Es anden Ve handlungen mi de Ges apo s a , und An äge wu den beim Ki chenminis e ium ges ell .“ 33 Solche Einsch änkungen s ehen im Zeichen eine Zu ückd ängung de Ki chen aus dem ö en lichen Leben und ich e en sich nich gegen Adol Thomsen di ek . Resümee Es äll schwe , Adol Thomsen wäh end des Na ionalsozialismus eindeu ig zuzuo dnen. E wa ü eine ku ze Zei Mi glied bei den NS-kon o men DC, en wickel e sich abe anschließend mi de Be u ung zum Rek o in de Diakonissenans al Flensbu g sukzessi e zu eine lei enden Pe sönlichkei de do igen BK. E posi ionie e sich kla gegen eine Gleichschal ung de Ki che, ohne dabei den Na ionalsozialismus abzulehnen. 32 A chi Diako Flensbu g, N . 624. 33 Thomsen, Adol : Die E angelische Woche in Flensbu g. Ok obe 1936. In: Wol gang P ehn (H sg.), un e Mi a bei on Johannes Diede ichsen und Ma in Pö ksen: Zei , den schmalen Weg zu gehen. Zeugen be ich en om Ki chenkamp in Schleswig-Hols ein. Kiel 1985, S. 93.