Dieses Alles wie obengemeldet wollen wir von allen und jeden unsern Hofdienern: Der Witwenhofstaat Christines von Schleswig-Holstein-Gottorf
Abstract
Christine von Schleswig-Holstein-Gottorf (geb. von Hessen) residierte nach dem Tod ihres Mannes Adolf I. von Schleswig-Holstein-Gottorf von 1588…
Full text
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Claudius Loose
Dieses Alles wie obengemelde wollen wi
on allen und jeden unse n Ho diene n
De Wi wenho s aa Ch is ines on Schleswig-Hols ein-Go o
An mi le en und g öße en Hö en ha en in de Regel neben dem Regen en auch dessen F au, die
e wi we e Mu e , die Kinde und seine Geschwis e einen eigenen, g öß en eils oneinande
unabhängigen Pe sonalbes and, übe den sie e ügen konn en.1 Ve s a b nun de Ehemann, ge-
lang e die Wi we zu eine e gleichsweise wei gehenden Selbs s ändigkei , was ih e pe sonelle
Ge olgscha anging. Übliche weise wu den schon o de Ve mählung in den Ehe e ägen die
Höhe des Wi ums es geleg und somi die Wi wen e so gung gesiche . Das wa nö ig, da nach
dem Tod des Regen en sogleich alle Ve ügungs ech e übe dessen Pe sonal e loschen. Als ehe-
malige He in wa sie genö ig , einen eigens ändigen Ho ü sich einzu ich en. Diese wa an
ih e Einkün e aus dem Wi um gebunden. Das ih zugesch iebene Geld wa also ein en schei-
dende Aspek . Mi dem Tod des Ehemanns e hiel en die F auen Zug i au die im Ehe e ag
es gesch iebenen Gelde und au die Einnahmen de eben alls im Ehe e ag zugesp ochenen
Leibgedingsäm e . Die Eigens ändigkei eine ü s lichen Wi we wiede um bes and da in, dass
sie die Zusammense zung ih es Ho s aa es nach ih en inanziellen Mi eln aussuchen und ohne
Einwand ih es ehemaligen Gemahls be ehligen konn e.2 Sie wa sozusagen »ih eigene He « und
1
Oli e Auge/Ka l-Heinz Spieß: Ho und He sche , in: We ne Pa a icini (Hg.): Hö e und Residenzen im spä mi elal e -
lichen Reich, Bd. 1: Beg i e (Residenzen o schung 15.II), Os ilde n 2005, S.3–15, hie S.5 .; S e anie F eye : De
Weima e Ho um 1800. Eine Sozialgeschich e jensei s des My hos, München 2013, S.49 .; Anja Ki che -Kannemann:
O ganisa ion de F auenzimme im Ve gleich zu männlichen Hö en, in: Jan Hi schbiegel/We ne Pa a icini (Hg.): Das
F auenzimme . Die F au bei Ho e im Spä mi elal e und ühe Neuzei (Residenzen o schung 11), S u ga 2000,
S.235–246, hie S.239; Susanne Rode-B eymann, Einlei ung, in: Dies./An je Tuma (Hg.): De Ho . O kul u ellen Han-
delns on F auen in de F ühen Neuzei (Musik – Kul u – Gende 12), Köln u. a. 2013, S.9–18, hie S.13.
2
Oli e Auge/Nina Gallion: Wi wen und Wi wensi ze in Schleswig-Hols ein. Eine Hin üh ung, in: Oli e Auge/Nina Galli-
on/Thomas S eensen (Hg.): Fü s liche Wi wen und Wi wensi ze in Schleswig-Hols ein (Quellen und Fo schungen zu
Geschich e Schleswig-Hols eins 127), Husum 2019, S.17–27, hie S.17 .; F eye : Weima e Ho (wie Anm. 1), S.50 .;
Melanie G eine : Zwischen Un e o dnung und Selbs behaup ung. Handlungsspiel äume Go o e Fü s innen (1564–
1721) (Kiele Sch i en zu Regionalgeschich e 1), Kiel/Hambu g 2018, S.70, 152; Johannes Voig : Deu sches Ho leben
im Zei al e de Re o ma ion, Hambu g 2010, S.103; Ka in Kelle : Das F auenzimme . Die Fü s innenho s aa e in Wien,
München und D esden im Ve gleich (1550 bis 1750), in: Alexande Hendo /And ea Püh inge (Hg.): Pa s p o o o. His-
o ische Minia u en zum 75. Gebu s ag on Heide Wunde , Neus ad a. d. A. 2014, S.311–323, hie S.311 .
Kiel-UP •
h ps://doi.o g/10.38072/2943-5331/p5
76 | Fü s innen in Schleswig-Hols ein
konn e ih en Wi wensi z als Ges al ungs aum e s ehen, de nach eigenem Belieben und eigenen
Vo s ellungen ge o m we den konn e – wenn sie denn übe die aus eichenden inanziellen Mi el
e üg e. Hinzu komm , dass sie in alle Regel aus dem Zen um de Mach in de Haup - ode
Residenzs ad an de en Pe iphe ie mi ih em neuen Wi wensi z e se z wa , wobei de Rand es-
pek i e die Ö lichkei , de bzw. die ih zugewiesen wu de, mal meh ode mal wenige pe iphe
gelegen aus allen konn e.3 Blieb eine Wiede hei a aus, he sch e sie hie als e wi we e G und-
he in mi ih em Ho s aa übe ih e Leibgedingsäm e .4
Um sich im Folgenden dem Wi wenho s aa anzunähe n, we den exempla isch Ch is ine on
Schleswig-Hols ein-Go o , gebo ene on Hessen, und ih e pe sonelle Ge olgscha wäh end
ih e Wi wenzei be ach e . Ausgehend on de Un e suchung und diesem einem Ho s aa is
es nich möglich, Ve allgemeine ungen zu o mulie en. Die Indi iduali ä eines jeden (Wi wen-)
Ho s aa es is nämlich ein Ke nelemen .5 Auße dem beziehen sich as alle E kenn nisse nu au
Ch is ines Ho s aa on 1588 und im ge inge en Maße auch au 1589.
Als G undlage ü dieses Vo haben dienen Ch is ines Ho - und Speiseo dnung, die sie ü ih en
Wi wensi z, das Kiele Schloss, jeweils 1588 – ku z nach dem Bezug des Schlosses – e ließ.6 Beide
Quellen bie en o allem Einblicke in Diens o sch i en und die dik ie e Lebens üh ung, welche
die He zogswi we ih em Ho s aa au e leg e, sowie am Ho anwesende Äm e . Hie du ch können
abe beispielsweise keine Aussagen zu inanziellen Ve gü ung de Ge olgscha gemach we den.
Eine de aillie e Auseinande se zung mi den beiden Regelwe ken de Wi we and noch nich
s a , dahe soll dies hie geschehen.7 E gänzend wi d noch die Bes allungsu kunde des Hie ony-
mus Ran zau zum Am mann aus dem Janua 1589 hinzugezogen, die noch wei e e Einblicke in
das Ho leben geben kann. Um gewonnene E kenn nisse in Rela ion zu se zen, we den an aus-
gewähl en S ellen Ve gleiche mi einem wei e en Wi wenho s aa , dem de Ma ia Elisabe h on
Schleswig-Hols ein-Go o , gebo ene on Sachsen, und dem Ho He zogs Philipp on Schleswig-
Hols ein-Sonde bu g-Glücksbu g gezogen.
Zum Ho s aa , um das hie gel ende Ve s ändnis des Beg i es da zulegen, zähl en, so wie es
Melanie G eine in ih e Disse a ionssch i ü den Ho de Go o e He zoginnen es gehal en
ha , »alle sich am Ho au hal enden Pe sonen, die in In e ak ion mi den He zoginnen a en. E
kann demnach zugleich als konk e e und abs ak e Lebens aum e s anden we den. De abs-
ak e Lebens aum wa o allem du ch Regeln des Agie ens in Fo m on Ho o dnungen und dem
Ho ze emoniell sowie du ch die pe sonale Anwesenhei eine Ho gesellscha gekennzeichne .«8
3 Auge/Gallion: Wi wen (wie Anm. 2), S.20; G eine : Zwischen Un e o dnung und Selbs behaup ung (wie Anm. 2),
S.152; Heide Wunde : »Die Fü s in bei Ho e« im Heiligen Römischen Reich (16.–18. Jah hunde ), in: Rode-B eymann/
Tuma : Ho (wie Anm. 1), S.21–51, hie S.31. Siehe wei e hin zu Wi wen G eine : Zwischen Un e o dnung und Selbs -
behaup ung (wie Anm. 2), S.195 .
4 G eine : Zwischen Un e o dnung und Selbs behaup ung (wie Anm. 2), S.196.
5 Auge/Spieß: Ho (wie Anm. 2), S.14.
6 G eine : Zwischen Un e o dnung und Selbs behaup ung (wie Anm. 2), S.120.
7 Beispielsweise se z sich G eine (ebd., S.120 ., 127) g undsä zlich mi den O dnungen auseinande .
8 Ebd., S. 117 .
Loose: Dieses Alles wie obengemelde wollen wi on allen und jeden unse n Ho diene n | 77
Ch is ine on Schleswig-Hols ein-Go o
Ch is ine on Hessen wu de am 29. Juni 1543 als ach es Kind und ün e Toch e des He zogs
Philip I. on Hessen und seine F au, Ch is ine on Sachsen, in Kassel gebo en. Die e s en
Jah e ih e Kindhei e b ach e sie in de Kassele L
udwigsbu g am Ho ih e El e n. Sie
wu de wah scheinlich, da ih Va e ein Anhänge de Re o ma ion wa , – genau wie ih e
Geschwis e – lu he isch e zogen. Ih e Mu e e s a b be ei s am 15. Ap il 1549, wäh end
ih Va e du ch seine üh ende Posi ion im Schmalkaldischen K ieg (1546/47) gegen Kaise
Ka l V. 1547 on diesem in den Niede landen ü ün Jah e ge angen gese z wu de. 1564
e olg e die Eheschließung mi Adol I. on Schleswig-Hols ein-Go o .9
Die Kiele Residenz, also das Kiele Schloss, dien e ü die ü s lichen F auen des 15. und
16. Jah hunde s als Leibgeding. Eine Nu zung als Wi wensi z is e s mals ab 1533 mi de
dänischen Königswi we Sophie on Pomme n bekann . 1588, zwei Jah e nach dem Tod ih es
Mannes, bezog Ch is ine mi ih en jüngs en Kinde n das Schloss.10 Es is nich siche , ob
Ch is ine bei ih em Umzug nach Kiel einen Teil ih es ehemaligen Ho s aa es mi nahm. Ins-
gesam esidie e sie 16 Jah e au dem Kiele Schloss bis zu ih em Tod am 13. Mai 1604.11
Da, wie be ei s oben gesag , die Wi wen e so gung ein en scheidende Fak o ü die Aus-
ges al ung und Realisie ung des Ho s aa es wa , geh es zunächs um diesen Gesich spunk :
Ch is ine e hiel die im Ehe e ag on 1564 es gehal enen 3.000 Reichs ale als Leib en e,
doch bezog sie ih e Einnahmen als Wi we nich aus den Leibgedingsäm e n Apen ade und
Lügumklos e , welche on Adol ausgesuch wu den, sonde n aus den Äm e n Kiel (mi
Neumüns e ), Bo desholm und Reinbek, olglich also mi meh Einnahmen und mi den
Schlösse n Kiel und Reinbek als ansp echenden und ep äsen a i en Wi wensi zen. Du ch
ih en Ein luss au ih en Sohn F ied ich II., dessen Vo mund sie ku zzei ig wa , ha e diese ih ,
ku z nach dem Tod ih es Ehemanns Adol , im No embe 1586 ih e neuen Leibgedingsäm e
übe sch ieben. 1596 e zich e e Ch is ine dann zuguns en ih e Schwiege och e Augus a au
das Leibgedingsam Reinbek. Johann Adol – ih Sohn und nach olgende He zog – siche e
ih da ü bis zum Lebensende jäh lich 6.500 Reichs ale und eine Einmahlzahlung on 16.000
Reichs ale n zu.12
9
Be nha di: A . ›Ch is ine‹, in: Allgemeine Deu sche Biog aphie 4 (1876), S.218 .; G eine : Zwischen Un e o dnung
und Selbs behaup ung (wie Anm. 2), S.44–47.
10 Auge/Gallion: Wi wen (wie Anm. 2), S.17 .; G eine : Zwischen Un e o dnung und Selbs behaup ung (wie Anm. 2),
S.111–113; He mann Kellenbenz: A . ›Adol I.‹, in: Neue Deu sche Biog aphie 1 (1953), S.86; Ca l-Hein ich Seebach:
Das Kiele Schloss. Nach G abungs unden, Sch i quellen und Bilde n (S udien zu schleswig-hols einischen
Kuns geschich e 9), Neumüns e 1965, S.34. Siehe zum Kiele Schloss wei e hin Rüdige And eßen (Hg.): Das Kiele
Schloss. Residenz im He zen de S ad , Kiel/Hambu g 2017.
11 Seebach: Kiele Schloss (wie Anm. 10), S.35.
12
Auge/Gallion: Wi wen (wie Anm. 2), S.17 .; G eine : Zwischen Un e o dnung und Selbs behaup ung (wie Anm. 2), S.102,
201, 212–214. Zudem bewillig e ih F ied ich zusä zlich jäh lich 4.000 Reichs ale ü den Un e hal de Bo desholme
Schule und die Ve so gung ih e Toch e : Ebd., S.201. Siehe zu Ch is ine und ih e Nu zung Reinbeks e wa An je Wend :
Das Schloss Reinbek als Wi wensi z, in: Auge/Gallion/S eensen: Fü s liche Wi wen (wie Anm. 2), S.83–107, hie S.91–93.
78 | Fü s innen in Schleswig-Hols ein
Ch is ines Ho o dnung
Lau We ne Pa a icini sind Ho o dnungen allgemein » om jeweiligen He n e lassene Bes im-
mungen, die es s ellen, (1) welche Äm e es in seine Haushal ung gab, (2) we sie innehaben
soll, (3) mi welchem Ge olge und mi welche En lohnung sie zu e sehen sind, (4) was zu
un is und (5) in welche Fo m dies zu geschehen ha «.13 Du ch eine Ho o dnung leg e de
Regen ode die Regen in seine ode ih e pe sonellen Ge olgscha eine G undlage ü de en
Diens und Lebens üh ung am Ho .14 Dadu ch, dass Abläu e und o ganisie e Vo gänge des
Ho haushal es es geleg wu den, wi k e eine solche O dnung – im Sinne de Rezip ozi ä –
auch au das Handeln eines Fü s en bzw. eine Fü s in zu ück.15
Ch is ines pe sonelle Ge olgscha
Bei de Be ach ung des Ho s aa es de Ch is ine un e Hinzuziehung de Ho o dnung e -
geben sich g undsä zlich zwei E kenn nismöglichkei en: Eine sei s kann die Zusammen-
se zung ih e Ge olgscha he ausgea bei e we den. Ande e sei s – und o allem – we den
Einblicke zu den gel enden Regeln de Lebens üh ung bzw. des Diens es möglich. Le z e es
is auch de wesen liche Inhal de Ho o dnung.
We wa un e Ch is ines Ge olge zu inden und um wie iele Pe sonen handel e es sich? Die
Ho o dnung,16 die aus zwöl Anweisungen bes eh , üh olgende Äm e an: Als E s es wi d,
so wie die Äm e de Reihen olge nach in de Quelle ausgemach we den können, ein Ho -
meis e e wähn , da au olg ein Fu e ma schall, ein Sahlhe , ein Schlü e , ein Haus- sowie
Mundkoch, de en Knech e und Jungen, ein Am mann, dessen Knech und Jungen, Ho junke
(o enba meh als nu eine ), anscheinend noch wei e e Jungen, ein Haus og und ein P ö ne .
Ein e gänzende Blick in Ch is ines Speiseo dnung,17 die be ei s hie ku z he angezogen
we den soll, un en jedoch noch im De ail be ach e wi d, e wei e das Bild de Ge olgscha .
Mi diese O dnung wi d de Umgang mi Lebensmi eln, Regeln bei de Lebensmi elzunah-
me und die Si z eihen olge an sechs Tischen ge egel . Hie sind noch olgende Äm e bzw.
Pe sonen dem Geschlech und de Reihen olge de E wähnung nach zu inden: ein Pas o ,
Canzlei e wand e, Edelknaben, Lakaien, meh als ein Feue bö e , ein Silbe p a e, ein Am -
sch eibe namens Klein Michel, ein Junge des Haus og s, ein Sec e ai und dessen Junge,
ein P äcep o und dessen Junge, e mu lich wei e e Junke , ein Knech des Ho meis e s, ein
Knech des Bal ze Kolle , ein Ku sche des Ho meis e s, Maneke on Ebs o (ein Gä ne ),
13 Zi . n. G eine : Zwischen Un e o dnung und Selbs behaup ung (wie Anm. 2), S.119.
14 Ebd.; Ki che -Kannemann: F auenzimme (wie Anm. 1), S.237.
15
G eine : Zwischen Un e o dnung und Selbs behaup ung (wie Anm. 2), S.119 . Siehe dazu auch Ka in Kelle : Das F auen-
zimme , in: Rode-B eymann/Tuma : Ho (wie Anm. 1), S.185–206, hie S.192, ode Wunde : Fü s in (wie Anm. 3), S.28
.
16 Hie und im Folgenden is die Ho o dnung Seebach: Kiele Schloss (wie Anm. 10), S.233–235, en nommen.
17 Hie und im Folgenden is die Speiseo dnung Sch öde : Bei äge zu Geschich e de He zogin Ch is ine, in: No dalbin-
gische S udien. Neues A chi de Schleswig-Hols ein-Lauenbu gischen Gesellscha ü Va e ländische Geschich e 5
(1848), S.139–152, hie S.144–148, en nommen.
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ein Junge des Bal ze Kolle , ie Bu g ische , zwei Wech e s, ein Mol mölle ( e mu lich nu
eine ), jeweils ein Knech des P ö ne s und des Gä ne s, Bu gwagen eibe (wah scheinlich
meh e e), jeweils ein Junge on Michel Ku sche und Niss Ku sche , ein Junge des Fu e -
ma schalls, ein Junge des P ö ne s und ein Junge des Gä ne s, zwei Knech e und ein Junge
des Schlü e s, zwei Mäl ze , ein Silbe knech und abschließend ein Küchensch eibe .18
Un e den F auen we den eine Ho meis e in, Jung auen, Mägde de He zogin und ih e
Toch e (demnach wohl mindes ens zwei Mägde), eine Al au und de en d ei Mägde, ie
Spinnmägde, meh e e Wasch auen und de Ho meis e s F auen Megden19 au ge üh .
Zudem sind noch wei e e Pe sonen mi Namen e wähn , wobei nich imme kla wi d,
welche Funk ion diese am Ho ha en. Dazu zählen: Ba hold F anke (siehe dazu wei e
un en), de be ei s e wähn e Bal ze Kolle , Michel Ku sche und Niss Ku sche (wobei diese
siche lich Ku sche wa en) sowie Hans Uhlen.
Diese Au s ellung zeig , dass Ch is ine äglich on ih e Ge olgscha umgeben wa und
diese das all ägliche Leben de Fü s in und die planmäßigen Abläu e im Wi wensi z p äg-
en.20 Im Schloss leb en Angehö ige des Am es Kiel sowie des Ho es in eine Gemeinscha
zusammen, die du ch die Haus- und Speiseo dnung gep äg wa . Das is da an e sich lich,
dass in den beiden O dnungen on einem Am mann und einem Am sch eibe die Rede is ,
wobei diese e mu lich auch zum Ho s aa selbs gehö en. Da ü sp ich , dass in Punk el
de Ho o dnung (siehe dazu un en meh ) e wähn wi d, dass die Jungen und de Knech
des Am manns zum Ho gesinde und dami zum Ho s aa zähl en. Ch is ine wa im Rahmen
dessen auch de Meinung, dass ih die Am sun e anen un e s ell seien.21
Eine genaue Zahl alle Äm e bzw. Pe sonen in de Ge olgscha zu benennen, is hie
nich möglich. Dies lieg im Wesen lichen da an, dass die beiden O dnungen nich imme
eine genaue Anzahl de mi einem Am be au en Pe sonen nennen. Abgesehen da on bleib
o en, ob du ch die Quellen übe haup de gesam e Ho s aa e ass wi d. T o zdem kann
mi eine zweckmäßigen Rechnung es ges ell we den, dass mindes ens 87 Pe sonen zum
Ho s aa gehö en. Hie mi dü e siche lich beinahe de gesam e Ho e ass sein. Von die-
sen 87 Pe sonen wa en 16 weiblich (ci ca 18 P ozen ) und 71 männlich (ci ca 82 P ozen ).
Quan i a i dominie e das männliche Geschlech .22
Ein in Teilen ähnliches Bild läss sich beim Wi wenho s aa de Ma ia Elisabe h zeichnen.
Sie olg e als go o ische He zogin Ch is ine nach und bezog nach dem Tod ih es Ga en,
18
Ebd., S.144–148. Siehe zu eine e s en, jedoch nu ausschni ha en E assung de Ge olgscha on Ch is ine Ludwig
And esen: Kiel als ü s liche Wi wensi z im 16. Jah hunde , in: Mi eilungen de Gesellscha ü Kiele S ad geschich-
e 44 (1940), S.53–79, hie S.65–68; G eine : Zwischen Un e o dnung und Selbs behaup ung (wie Anm. 2), S.127;
Dee La enz: Das Kiele Schloss. De Fü s ensi z He zog Adol s on Go o in Kiel, Hambu g 1987, S.37; Seebach:
Kiele Schloss (wie Anm. 10), S.34.
19 Sch öde : Ch is ine (wie Anm. 17), S.146.
20 G eine : Zwischen Un e o dnung und Selbs behaup ung (wie Anm. 2), S.127.
21 And esen: Kiel (wie Anm. 18), S.68; Seebach: Kiele Schloss (wie Anm. 10), S.37.
22 Ka in Kelle : A . ›F auenzimme ‹ in: Enzyklopädie de Neuzei 3 (2006), Sp. 1121–1123, hie Sp. 1122; Dies.:
F auenzimme (wie Anm. 2), S.322.
80 | Fü s innen in Schleswig-Hols ein
F ied ich III. on Schleswig-Hols ein-Go o , am 10. Augus 1659 und dem Ende des Dä-
nisch-Schwedischen K ieges (1657–1660) ih en Wi wensi z, die Husume Neben esidenz, das
Schloss o Husum. Do leb e sie 24 Jah e bis zu ih em Tod. Ma ia Elisabe h woll e ih e
ü s lichen S anda ds nich missen müssen. Auch in Husum ha e sie nach Go o einen eben-
alls s a lichen Ho s aa zu Ve ügung. 1676/77, 16 bzw. 17 Jah e nach Bezug des Husume
Si zes, gib eine Ho echnung Einblicke in die pe sonelle Zusammense zung ih es Ge olges:
De weibliche An eil des Ho es bes and aus 23 Pe sonen, ange üh on einem adligen F au-
enzimme mi eine Ho meis e in, eine Kamme jung e , eine P inzessinnen-Kamme jung e
und eine Ho jung e .23 Neben zehn namen lich genann en F auen, bei denen abe e neu
de en Au gaben nich kla we den, die jedoch auch zum Ho s aa zähl en, sind als Teil de
Ge olgscha noch zwei Kamme mägde, d ei Waschmägde, eine Zucke bäcke in, eine Al au
sowie eine Meye schen und de en Magd, die beide den Schluss de Hie a chie des weiblichen
Ho s aa es bilde en, zu inden.24 De männliche An eil des Ho s aa es bes and zunächs aus
18 höhe en Ho beam en: Das wa en ein Kamme a , ein Kamme junke sowie ein Ho junke
und de en Diene , ein Am sinspek o , ein Kamme diene , ein Kamme - und ein Am sch eibe ,
ein Ko nsch eibe , ein Küchensch eibe , ein Ho apo heke , ein Ho p edige , ein Nachmi ags-
p edige , ein Ho o ganis und d ei Pagen. In ühe en Jah en ha e es noch einen Ho a z ,
einen P äcep o ü die beiden P inzessinnen Anna Do o hea und Augus a Ma ia, die mi
ih e Mu e in Husum leb en, und einen Bauinspek o gegeben.25 Zum niede en Ho gesinde
gehö en wei e e 44 Pe sonen: Das wa en ein Gä ne meis e mi Geselle und Leh junge, ein
Fu e meis e , zwei Mundköche, Silbe diene und Silbe junge, Weinschenk, Baumeis e , ein
B aue und sein Knech , d ei Lakaien, on denen eine auch schneide e, d ei Feue bö e , on
denen eine auch Kup e schmied wa , ie Küchenjungen, ein Top scheu e , zwei Ku sche
und de en Vo ei e , Beiläu e , Jäge mi Junge, ein Schü ze, ein Fische mi Knech , ein Bo e,
ein Wäch e , ein P ö ne , ein Holz og , ein Wasse mülle , ein Windmülle , ein Schie e decke ,
ein Uh mache sowie zwei Fußknech e, die das Ende de gesam en Hie a chie abbilde en.26
Mi 23 F auen (ci ca 27 P ozen ) und 62 Männe n (ci ca73 P ozen ) wa auch diese Ho s aa
– wie bei Ch is ine – männlich dominie und das in einem ela i ähnlichen p ozen ualen
Ve häl nis. Mindes ens 87 Mi gliede im Ho s aa – 16 weibliche und 71 männliche – bei Ch is-
ine hal en sich mi den 85 bei Ma ia Elisabe h eben alls die Waage. Hie is eine Pa allele e -
kennba . Wenn bei Ma ia Elisabe h on einem s a lichen Ho s aa ausgegangen we den kann,
is dies ein on de Pe sonenzahl he siche lich auch bei Ch is ine de Fall gewesen.
23 Ada Kadelbach: Das Husume Ho leben zu Zei He zogin Ma ia Elisabe hs, in: Kon ad G unsky (Hg.): Schloß o Hu-
sum, Husum 1990, S.105–126, hie S.109; G eine : Zwischen Un e o dnung und Selbs behaup ung (wie Anm. 2),
S.130 . Siehe bei Kadelbach eben alls die Namen diese Pe sonen.
24 Kadelbach: Husume Ho leben (wie Anm. 23), S.109. Die Ho echnung 1676/77 de He zogin Ma ia Elisabe h is bei
G unsky: Schloß o Husum (wie Anm. 23), S.200–203, abged uck .
25 Kadelbach: Husume Ho leben (wie Anm. 23), S.109; G eine : Zwischen Un e o dnung und Selbs behaup ung (wie
Anm. 2), S.134.
26 Kadelbach: Husume Ho leben (wie Anm. 23), S.109.
Loose: Dieses Alles wie obengemelde wollen wi on allen und jeden unse n Ho diene n | 81
Die Vo sch i en de Ho o dnung
27 In diesem Kapi el sind de Inhal de Ho o dnung und alle Zi a e Seebach: Kiele Schloss (wie Anm. 10), S.233–235,
en nommen. Ve weise au wei e e Li e a u sind en sp echend gekennzeichne .
28 G eine : Zwischen Un e o dnung und Selbs behaup ung (wie Anm. 2), S.120.
29 Siehe zum eligiösen Engagemen on Ch is ine ebd., S.238–245.
Die eigen lichen Regeln de Ho o dnung geben de aillie e Einblicke in die Vo sch i en, die das
Leben und A bei en des Ho es nachhal ig gep äg haben dü en. Im Wesen lichen lassen sich
diese un e zwei übe geo dne en Aspek en – nämlich de Fo cie ung eine Go seligkei sowie
eine Regulie ung und Kon olle de Lebensmi el(-zunahme) – zusammen assen.
27
Ch is ine mach zu Beginn de Ho o dnung kla , dass sie einen Allgemeingül igkei san-
sp uch gel end mach , ohne Ausnahme de Pe son:
Unse on Go es Gn[aden] Ch is inen, Landg e innen zu Hessen, He zoginne zu Schles[wig]
Hols [ ein] Wi wen Ho o dnung, die wi allhie zum Kiel, sowol auch au ande e unse e
Wi humsheuse und Emb e n, alda wi zu jede Zei mi Ho e sein we den, on unse n
Be elichhabe n und Ho gesinde, was Condi ion und S andes dieselbigen auch sein, e s und
es glich gehal en und de selben nachgelebe haben wollen.
In ih en Regula ien spielen de Glaube und die Fo de ung und Fo cie ung des Glaubens espek-
i e eine Go seligkei eine g oße Rolle. Imme wiede we den diese Aspek e he o gehoben.
So se z sich gleich die e s e Bes immung dami auseinande . Hie is zu lesen, dass
wi [i. e. Ch is ine] o dnen, se zen und wollen [...], daß unse Ho gesinde sam lich, auch
ohne einigen Un e scheid de Pe sonen, sich Go es des Almäch igen heiliges und sein allein-
seeligmachendes Wo zu jede Zei mi Fleiße zu hö en angelegen sein lassen, sowohl zu den
gemeinen alß sons en au den Fes agen, sich auch de hochwü digen Sac amen en ch is lich ge-
b auchen, und also on ihnen ein ch is lich und Go wohlge elligs Leben ge üh e we den soll.
Soll e abe die gehal ene P edig on den einen ode ande n mu willig und ü se zlich e seu-
me wü de, soll de jenige so solches am Feie age hu , e s lich on unse m Ho meis e da umb
zu Rede ges ell und ges a e we den. Soll e keine Ve besse ung dieses ungewünsch en
Ve hal ens ein e en und dies ande n omme Ho diene n eine Ae ge nisse sein, konn e die-
jenige Pe son des Ho es e wiesen we den. Eine Teilnahme an de P edig wa also meh
als e wünsch .28 De d i e Punk de Ho o dnung leg es , dass Alles Fluchen, Go esles e n,
leich e ige Schwö en und in Summe alles go loses Wesen, Völle ei und Mißb auch, auch Ve -
ach ung
gö liche Gaben an Kos und Ge enke, [...] an unse m Ho e du chaus e bo en sein
soll. Diese maßgeblichen und bes immenden Passagen s enge ch is liche G undhal ung29
dü en au de einen Sei e in eine solchen Ho o dnung nich übe aschen, au de ande en
82 | Fü s innen in Schleswig-Hols ein
Sei e wa en dies nich sdes owenige essen ielle Ve hal ensg undsä ze.30 Ch is ine wu de im
F auenzimme un e de Au sich ih e Mu e on eine Ho meis e in, eine Amme und ei-
ne Kinde au in de u ch Go es e zogen.31 Hie zu sei noch e wähn , dass Ch is ine selbs
die He ausgabe geis liche We ke, z.B. eine An hologie mi Liede n und Tex en, ö de e.32
Dass, wie be ei s oben e wähn , ein Ho p edige au dem Kiele Schloss anwesend wa , e -
schein nun beinahe wie selbs e s ändlich.
Die s enge ch is liche G undhal ung läss sich ebenso in ganz ähnlichem Maße bei Ma ia
Elisabe h und ih e Ge olgscha wiede inden: Zwa is keine Ho o dnung ü ih en Wi wen-
si z übe lie e , doch is ande wei ig bekann , dass sie eben alls eine Fü s in wa , die ins-
besonde e eine ch is liche Hal ung am Ho ö de e. Sie leis e e sich im Schloss o Husum
einen Ho p edige – Pe e Pe e sen ab 1672 – und zei weilig auch einen Nachmi agsp edige
sowie einen Ho o ganis en. Au das Husume Ho gesangbuch als eind ucks olles geis liches
Ve mäch nis de Ma ia Elisabe h sei hie nu ku z e wiesen. Meh s ündige ö en liche Go -
esdiens e am Sonn ag o mi ag und -nachmi ag sowie mi wochs und ägliche Gebe e sind
beleg . De Wi we wa auße dem wich ig, dass ih Ho s aa bei den ch is lichen Liede n
mi sang. Es wi d o ensich lich,33 dass auch hie eine ausgep äg e Religiosi ä und Go e ge-
benhei ein Ke ns ück des Ho lebens wa en.34
Neben de Go seligkei ha e de Umgang mi Lebensmi eln ü Ch is ine eine noch
g öße e Bedeu ung und is das bes immende Thema de Ho o dnung. So se z sich Punk
sechs dami auseinande : Abgesehen da on, dass ohne E laubnis des Ho meis e s niemand
F emdes ins Schloss gelassen we den du e, häl Ch is ine hie es , dass es ebenjenen Pe -
sonen on auße halb e bo en wa , Speise[n] on Ho e ab[zu]schleppen ode weg[zu] agen.
Es wa zudem nich e laub , meh Gäs e als e zeichne am Ho speisen zu lassen. Punk
sieben schließ sich dem an: Jede Pla z an einem Tisch in de Bu gs ube (siehe dazu un en
meh ) soll e imme zu den Mahlzei en oll bese z sein. Ein An ich en on Speiss und T ank
wa ü d eien, ie en ode un en alleine (Pe sonen an einem Tisch) un e sag . Fü Essen
und T inken soll e, wie zu e wa en wa , Go dem Allmech igen gedank we den. Auch hie
wi d die Go es ü ch igkei deu lich. Beans andungen zu Ve p legung wa en beim Ho meis-
e ode Fu e ma schall zu melden. Diesen oblag es, die Mängel zu e s a en. Ve mu lich
dü en sich diese Mängel au die Quali ä bzw. den Zus and de Mahlzei en bezogen haben.
Un e Au sich des Fu e ma schalls bzw. des Sahlhe n wu den Essens es e zu ück zu
Küche in die Ve an wo ung des Koches geb ach , dami die liebe Speise nich e schleppe
we den möge. So soll e das Essen ü die Hunde gewo en we den. Falls das Gesinde nich
30 Siehe dazu auch ebd., S.120 .; La enz: Kiele Schloss (wie Anm.18), S.35.
31 G eine : Zwischen Un e o dnung und Selbs behaup ung (wie Anm. 2), S.45.
32 Ebd., S.248.
33 Kadelbach: Husume Ho leben (wie Anm. 23), S.123–126; G eine : Zwischen Un e o dnung und Selbs behaup ung
(wie Anm. 2), S.247–249. Siehe dazu auch ebd., S.44 .
34 Siehe wei e e Un e suchungen zum Ho s aa on Ma ia Elisabe h nach wie o Kadelbach: Husume Ho leben (wie
Anm. 23).
Loose: Dieses Alles wie obengemelde wollen wi on allen und jeden unse n Ho diene n | 83
ollzählig zu eine Mahlzei e schien, wu den nu anwesende Pe sonen e kös ig , de en
Anzahl dem Fu e ma schall, dem Hauskoch und dem Schlü e zu e melden wa . Dabei
soll e, was o ensich lich g undsä zlich gal , nu die No u und nich zum Uebe luss Speiss
und T ank ge eiche we den. Nu das Nö igs e du e e speis bzw. ge unken we den. An
de Ta el wu de Mäßigkei e wa e . Völle ei und Ve schwendung wa en un e sag .
Punk ach häl es , dass die Mahlzei en auch lenge nich alss nu eine S unde gehal en we den.
Wäh end de Essenszei en wu de de Wi wensi z, abe auch ande e unse e Wi humsem e
des Mi ags umb zehn, und des Abends umb ih Uh eigen lich e schlossen und niemandem
au gespe . Es wu de demnach um zehn Uh und 16 Uh gespeis . Diese Maßnahme läss
sich auch ande no s o inden: In de Ho o dnung des He zogs Philipp on Schleswig-Hol-
s ein-Sonde bu g-Glücksbu g, welche e am 18. Juni 1637 ü seinen Ho s aa im Schloss
Glücksbu g e ließ,35 is eine ähnliche Passage es gehal en. Philipp bes imm , dass das Schloss
Glücksbu g zugeschloßen und nich wiede au gemach we den, es sey dan die Fü s l[iche]
Ta el [is ] ollende .36 Vo und nach de Mahlzei oblag es dem Fu e ma schall – zu ück im
Kiele Schloss –, d ei mal mi seinem S ecken au den Tisch [zu] schalgen, dami das Ho gesin-
de an das Gebe und die Danksagung an Go e inne we de.
Punk neun s ell kla : Alle Winkelzechen, Winkelessen und Speisung sollen an unse m
Ho e gänzlich e bo en und abgescha sein. Das Essen ode T inken auße halb de es geleg-
en Mahlzei en wa nich ges a e – mi Ausnahme eine di ek en Ano dnung du ch Ch is i-
ne. Im Rahmen dessen du e auch niemand, es sei denn, dass dies e o dne wa , die Küche
und den Kelle be e en. Dies wa un e höges e S a e und Ungnade e bo en. Ho meis e
und Fu e ma schall ha en zu übe wachen, dass niemand gegen diese Anweisungen e -
s ieß, ebenso wa en sie gegebenen alls ü die Umse zung de S a e e an wo lich.
Punk zehn egel , dass Mund- und Hauskoch nebs ih en Knech en und Jungen dem
Ho meis e Geho sam zollen muss en und un e And ohung eine S a e nich s ohne dessen
E laubnis au speisen ode weggeben du en. De el e Punk häl es , dass zu jede Mahl-
zei dem Ho gesinde imgleichen die säm lichen Pe sonen in de Küche ein Qua ie Bie
gegeben we den soll e. Auch als Zwischenmahlzei und wei e als Schla unke du e auch
jede diese Pe sonen ein wei e es Qua ie Bie inken, was äumlich nich au die Bu gs u-
be besch änk sein muss e. Auch den Ho junke n und jemands [...] aus de Canzlei soll e,
alls sie zu Zei en einen T unk begeh en, ein solche nach No u billich ge eiche we den.
De Ho meis e ha e den Schlü e en sp echend zu in o mie en, dass nu diese bes imme
Pe sonenk eis und nich die Jungen hie on Geb auch mach en du en. Den Jungen wu de
demnach dieses »P i ileg« nich zu eil, was ein e s es Indiz ü eine Hie a chie is , die wei e
un en im Rahmen de Speiseo dnung de aillie e behandel wi d.
Bei den wei e en Punk en de Ho o dnung handel es sich um e schiedene egulie ende
Maßnahmen, die nich ode nu wenig zu den obigen Aspek en de Go seligkei bzw. de
35 Schlossa chi Glücksbu g 1/8d.
36 Ebd.
90 | Fü s innen in Schleswig-Hols ein
Teil des Ho lebens. Am Ho Ma ia Elisabe hs e hiel die Ge olgscha neben den Ba bezügen
eilweise noch Na u alien bzw. de en Gegenwe in ba . Daneben gab es Neujah s-, Hoch-
zei s- und Ge a e ngeschenke sowie Reise- und T inkgelde . So e hiel beispielsweise de
Ho p edige alljäh lich ach Reichs ale zu ein Pah Schweine.51 Ch is ine schien es du chaus
ähnlich zu hal en: So e hiel en jeden alls sechs P e de, die im Besi z des Hie onymus Ran -
zaus wa en, Tag und Nach ein Schip Ha e n. Auße dem konn e e sich ü seine P e de des
eyen Rach u e s und Hue schalgs zue ewen.
Aus nich ausge üh en G ünden wa es Hie onymus Ran zau un e sag , Hunde sowol
Jag hunde alß Winde [...] so wol au unse m Hause alß unnse n Vo wegen und Sche e eyen
[zu] hal en, wenn e gleich sie selbs speisen unnd unnde hal en woll e. Du ch den Ve zich
au die Hundehal ung wu de ihm soga seine Jha besoldung mi un zig hale n e besse .
Wa um Ch is ine hie au We leg e, bleib aglich.52
Die Au gaben de Ge olgscha
Sich im Allgemeinen zu den P lich en de in den Quellen iden i izie en Äm e zu äuße n,
wä e zwa g undsä zlich möglich, jedoch keineswegs ziel üh end. So kann man g undsä z-
lich zu e wa ende Au gaben bzw. Au gaben elde eines jeden Funk ions äge s anhand de
Fo schungsli e a u da legen, doch bleib es aglich, wie iel hie on ü den Ho Ch is ines
zu a . Dahe soll sich hie lediglich au die Inhal e de d ei analysie en Quellen besch änk
und anhand diese he ausgea bei e we den, welche P lich en mi welchen Äm e n e knüp
wa en. Auch wenn das sich da aus e gebende Bild mosaika ig bzw. lückenha is und nich
alle Äm e e ass we den können, bie e es doch den Vo eil, du ch die Quellen ges ü z zu
sein. In Teilen komm es zu Wiede holungen on obige Aus üh ungen.
De Ho meis e nahm zunächs eine Sank ions unk ion wah : Soll e das Ho gesinde nich
de e o dne en Go seligkei nachkommen und/ode eine P edig mu willig und ü se z lich
e säumen, soll de jenige[,] so solches am Feie age hu , om Ho meis e zu Rede ges ell
und mi bes imm en S a en beleg we den.53 Um welche es sich dabei handel e, wi d nich
da geleg . Soll e gegen die Regula ien im Umgang mi Feue – Punk ün de Ho o dnung –
e s oßen we den, oblag es auch hie dem Ho meis e , en sp echende S a en – eine gebü li-
che S a e, wie es in de Ho o dnung heiß – au zue legen.54 Ho meis e und Fu e ma schall
51 Kadelbach: Husume Ho leben (wie Anm. 23), S.109 . Siehe dazu auch G eine : Zwischen Un e o dnung und Selbs -
behaup ung (wie Anm. 2), S.44.
52 In eine Kopie de U kunde is bezüglich de Hunde hinzuge üg : Weiln wi dann Ihme auch in gnadenn gewillige , Vieh
Koppel Jag hunde in jede e Koppell d ej Hunde. unnd ie Winde zuhal en, Soll ihme daßelbige hiemi onn unns auch
nachgegeben sein (Seebach: Kiele Schloss [wie Anm. 10], S.236). Es schein also möglich, dass – jeden alls diese
Kopie nach – doch noch eine Einigung bezüglich de Hunde ge unden wu de.
53 Ebd., S.233.
54 Ebd.
Loose: Dieses Alles wie obengemelde wollen wi on allen und jeden unse n Ho diene n | 91
ha en wei e auch zu übe wachen, dass niemand egelwid ig die Küche und den Kelle
be a . Daneben oblag es o enba dem Ho meis e , wie oben be ei s e wähn , da übe zu
en scheiden, ob emden Pe sonen de Zu i zum Schloss gewäh we den du e. Ho meis-
e und auch Ho meis e in ha en anhand eines Ve zeichnisses, das ihnen on Ch is ine zu-
ges ell wu de, den Übe blick da übe zu hal en, welche außens ehenden Pe sonen am Ho
e laub wa en und welche nich . Le z e e wu den dann, gegebenen alls auch om Ho meis-
e bzw. de Ho meis e in, om Ho e wiesen. De Ho meis e ha e wei e hin, wie be ei s
un e Punk zehn de Ho o dnung angesp ochen, eine Au sich s unk ion gegenübe dem
Mund- und Hauskoch inne.55 De Schlü e wu de om Ho meis e ins uie , dass nu die
Ho junke und jemands [...] aus de Canzlei einen »auße planmäßigen« T unk e hiel en.56
Zule z ha e de Ho meis e neben dem Sahlhe n auch am sechs en Tisch Au sich da übe
zu üh en, dass nich meh als nö ig ü die anwesenden Pe sonen au ge isch wu de.57
De Fu e ma schall ha e neben dem ge ade E wähn en eine Meldungsp lich : Soll e (siehe
dazu die d i e Bes immung de Ho o dnung) on Mi gliede n des Ho s aa es go loses We-
sen an den Tag geleg we den, beispielsweise Fluchen ode Go esles e n, und/ode soll e es
un e ande em zu Völle ei ode auch eine Ve ach ung gö liche Gaben an Kos und Ge enke
kommen, so wa de Fu e ma schall e p lich e , diese Vo kommnisse dem Ho meis e zu
melden. Auch hie s and Le z e e in de Ve an wo ung, S a maßnahmen in die Wege zu
lei en: Die Go esles e e und Ve b eche soll en e ns lich ges a e we den mögen.58 Wei e hin
wa de Fu e ma schall alle Tage und Malzei en in de Bu gs ube zwecks Au sich anwesend.
Im Rahmen dessen, wie oben schon angesp ochen wu de, oblag es dem Fu e ma schall, an
ihn he ange agene und on ihm a sächlich es ges ell e Mängel bei den Lebensmi eln nach
den o handenen Möglichkei en zu beheben. Dies iel auch in den Au gabenbe eich des Ho -
meis e s, alls e in de Bu gs ube wäh end de Essenszei en anwesend sein soll e. Vo und
nach den Mahlzei en soll e de Fu e ma schall d ei mal mi seinem S ecken au den Tisch
schlagen, dami das Ho gesinde an das Gebe und die Danksagung an Go e inne we de.59
Neben dem Fu e ma schall ha e auch de Sahlhe Au sich in de Bu gs ube, auch um
siche zus ellen, dass üb iggebliebene Speisen bzw. Ge änke zu ück in die Küche geb ach
wu den. De Sahlhe ha e in de Bu gs ube ebenso, wie dies in de Speiseo dnung ange üh
wi d, au die Anzahl de anwesenden Pe sonen zu ach en, dami die Küche nich meh als
nö ig an ich e . Wei e hin ha e e , wie in Punk neun de Ho o dnung ange üh wi d, nach
den Mahlzei en die Bu gs ube selbs , Beche , Schüsseln und Fässe zu einigen, alles wiede
zu ück an die O e, an die es gehö , zu s ellen und die Bu gs ube danach zu e schließen.60
55 Ebd., S.233 .
56 Ebd., S. 234.
57 Sch öde : Ch is ine (wie Anm. 17), S.146.
58 Seebach: Kiele Schloss (wie Anm. 10), S.233.
59 Ebd., S.234.
60 Ebd.
92 | Fü s innen in Schleswig-Hols ein
Was zu den P lich en des Am manns gehö e, is de Bes allungsu kunde des Hie onymus
Ran zau zu en nehmen.61 Seine Au gaben umsch eib Ch is ine olgende maßen: Insonde hei
soll e sich auch mi allem ge euenn leiße anbe ohlen sein lassen, unse n Unnde hanen ge-
dach s unnse s Amb s au ih ansuchen, das Heilige Rech mi zu eilen, Sie samb und sonde -
lich in gue em be ehlich hal en. E soll e auch da au ach en, dass on den benach ba enn,
diesem unse m Leibgedings Amb e, ann seine Scheide und bezi ck, kein ein ag beschehe,
Be(sonde n) das Zu alle Zei dessen Rech und ge ech igkei in ach (genommen) und unnß
und unse n lieben Kinde n zu schaden und (nach eil) du ch einigen un leiß, do ane nich e -
henge we de . Auße dem oblag es ihm, egelmäßig die Meie hö e, Vo we ke und Schä e eien
au zusuchen, um alles Zu unse m [...] bes en an[zu]o dnen. Wenn Holz Zum Gebew ode Zu
ew ung ge äll we den soll e, du e es nu mi dem Ein e s ändnis Ch is ines geschehen –
dieses einzuholen, oblag gegebenen alls auch Hie onymus Ran zau. Übe haup muss en die
Holzungen on ihm kon ollie we den, dami sie nich e hawen we den. Auch wa en on
ihm die Holz anspo e zu übe wachen. Zusammen mi dem Ho meis e oblag es ihm da übe
hinaus, au die Einhal ung de Publicie en Ho o dnung zu ach en und dass im Rahmen des-
sen das Ho gesinde [danach leben] we den muege. Ebenso wa es seine Au gabe, benebens
unse m Ho meis e Hochs es leisses unnd e muegens ach [zu]geben, dass die Haushal ung
spa sam anges elle wi d und dass das, was so wol onn dem einen alß Ande n eingenommen
und e obe wi d , e zeichne und be echen we den muege. Ho meis e und Am mann muss-
en demnach auch inanzielle Ve an wo ung agen. Gene ell soll e sich Le z e e bei de
Am sausübung alß einem ge ewen Amb manne billich eigne und wolgebue e zeigen.
De Haus og üh e nach s Au sich im Schloss und ö ne e bzw. e schloss dessen P o -
e. Ch is ine e hiel on ihm, nach dem Ve schließen de P o e, die Schlüssel, die ih ins Ge-
mach zu b ingen wa en. Soll e de Haus og indes einmal nach s nich im Schloss anwesend
sein, muss e e sich on Ch is ine eine en sp echende Genehmigung einholen, dami sie
auch E sa z ü die näch liche Au sich bzw. das Au - und Zuschließen des Schlosses e nen-
nen konn e.62 Ganz ähnlich e häl es sich beim Glücksbu ge He zog Philipp, de ebenso in
seine Ho o dnung bes imm , dass des Abends nach geschloßene P o en [...] die Schlüßel in
Ih e Fü s l[ichen] Gemach ge eiche we den.63
De P ö ne übe wach e die P o e und ha e da ü zu so gen, dass niemand Unbe ech-
ig es ins Schloss kommen konn e. E soll e insbesonde e auch da au Ach geben, dass nich
B od Fisch ode Fleisch he un e ge agen we de, also aus dem Schloss mi genommen wu de.
Bei außens ehenden (besuchenden) Pe sonen soll e de P ö ne e s in E ah ung b ingen,
mi wem aus dem Schloss ein Gesp äch gesuch wu de.64
61 Ebd., S.235.
62 Ebd., S.234.
63 Schlossa chi Glücksbu g 1/8d.
64 Seebach: Kiele Schloss (wie Anm. 10), S.234 .
Loose: Dieses Alles wie obengemelde wollen wi on allen und jeden unse n Ho diene n | 93
De Pas o ha e die Au gabe, wäh end de Mahlzei en mi ags und abends am Tisch de
He zogin, ih e Kinde und de beiden Ho meis e zu p edigen. Falls de Pas o diese P edig
nich hal en soll e, muss e eine de Jungen diese P lich übe nehmen und das Benedic e
und G a ias be en.65
De Silbe knech wu de e mahn , on dem Silbe nich s wohin zu e lehnen, es nach jede
Mahlzei einzusammeln, zu pu zen und gene ell zu p legen.66 Als Küchensch eibe bes and
die Ve p lich ung, leissig au [zu]sch eiben, was äglich in Küchen, Kelle , Backhaus und Fu-
e boden au gehe . Ebenso soll e diese Ch is ine alle Mon ag Mo gen [...] kla e Ve zeichniss
da on zus ellen, was die e gangene Woche au gegangen is , also e b auch wu de. E ha e
genau zu no ie en, was in unse [Ch is ines] Küchen geschlach e , auch abge han, und zu
Au äuche ung in die Baue häuse ode au die Meie hö e geb ach wi d. Wu den die Gü e
wiede zu ück ins Schloss geb ach , muss e e auch dies e zeichnen bzw. beau sich igen.67
Mi hil e eines Ve zeichnisses ha e de Am sch eibe es zuhal en, was in unse n [Ch is i-
nes] Ko n- und Malzmühlen [...] und au den Vo we ken ode Meie hö en an alle hand Ko n
aussgemessen und was aus den Schi en ode on Ko nboden eingekau und zu Wei e e -
a bei ung zu de Mühlen ode au unse n [Ch is ines] Boden geb ach wi d.68
Ch is ines Wi wenho s aa – eine Schlussbe ach ung
Du ch die obige Analyse wu den e schiedene Einblicke in den Kiele Wi wenho s aa Ch is-
ines möglich – insbesonde e in die pe sonelle Zusammense zung, Regeln de Lebens üh ung
bzw. des Diens es, die Ho hie a chie und P lich en einzelne Äm e . Ein Minimum on 87
Pe sonen bilde e die Ge olgscha Ch is ines. Go seligkei sowie die Kon olle und Konsum-
egulie ung on Lebensmi eln wa en zwei zen ale Aspek e des Ho lebens. Die Ho - und
Speiseo dnung sowie die Bes allungsu kunde des Hie onymus Ran zau bilde en die G undlage
de Un e suchung und e möglich en besag e E kenn nisse. Wei e hin wu den Ve gleiche mi
dem Wi wenho s aa Ma ia Elisabe hs und dem Ho s aa Philipps gezogen. Hie du ch wu de
e sich lich, dass einige he o gehobene Me kmale des Ho s aa es Ch is ines auch am Wi wen-
ho s aa de Ma ia Elisabe h bzw. bei Philipp wiede zu inden sind. Es is da on auszugehen,
wie oben be ei s angeme k wu de, dass iele de im Rahmen de Analyse e a bei e en As-
pek e keine einziga igen Spezi ika on Ch is ines Wi wenho s aa sind. Die de aillie en Re-
gelungen zum Umgang mi den Lebensmi eln mögen da eine Ausnahme sein. So ode so wa
jede Anweisung Ch is ines wich ig ü den Diens und die Lebens üh ung ih e Ge olgscha .
In wei e e Fo schungsa bei is de Ho s aa Ch is ines noch s ä ke im De ail zu be ach en,
65 Sch öde : Ch is ine (wie Anm. 17), S.145.
66 Ebd., S.147.
67 Ebd., S.147 .
68 Ebd.
94 | Fü s innen in Schleswig-Hols ein
genauso soll en abe auch noch g ündliche Ve gleiche zwischen ih em und Ma ia Elisabe hs
Ho s aa du chge üh we den. In alle Auseinande se zung mi den Ho s aa en und e waig
au e enden Gemeinsamkei en is abe imme die Indi iduali ä eines jeden Gebildes zu be-
ach en. Es da keines alls o eilig gene alisie ode ypisie we den – und es muss in S udien
auch de jeweils einzelne Ho s aa genaue e o sch we den.
Abs ac
Ch is ine o Schleswig-Hols ein-Go o (née o Hessen) esided a he widow’s esidence, Kiel
Cas le, om 1588 o 1604 a e he dea h o he husband, Adol I o Schleswig-Hols ein-Go o . The e,
she had he own c ea i e space wi hin he widow’s cou , which she was able o shape based on he
inancial means ( esul ing om he dowe ) and ee om he in luence o he o me husband. In
pa icula , he cou egula ions and he dining ules issued by Ch is ine p o ide insigh s in o he
(a leas dic a ed) li e and o m o he cou . I also becomes e iden ha indi iduali y was a co e
elemen o e e y (widow’s) cou .
Au o
Claudius Loose, M.A.
Mi a bei e beim Fo schungsin o ma ionssys em (FIS) de Ch is ian-Alb ech s-Uni e si ä zu Kiel
und do insbesonde e ü das Publika ions- und Da enmanagemen e an wo lich. Seine be o zug-
en wissenscha lichen Fo schungsgebie e sind die Geschich e schleswig-hols einische Adelshäuse
und die deu sch-dänische Geschich e.
E-Mail: cloose@u .uni-kiel.de
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