Die Phänomenologische Methode
Abstract
Phänomenologie ist der Oberbegriff für eine vielfach ausdiff erenzierte philosophische Strömung, die sich mit Erlebnissen von Erscheinungen befasst.…
Full text
77
h ps://doi.o g/10.38071/2024-00981-1
h ps://c a i ecommons.o g/licenses/by-sa/4.0
Die Phänomenologische Me hode
Fynn-Me lin Rehding & Johannes C. Wo eschk
Abs ac
Phänomenologie is de Obe beg i ü eine iel ach aus-
di e enzie e philosophische S ömung, die sich mi E -
lebnissen on E scheinungen be ass . Phänomenologi-
sche Un e suchungen ich en sich da au , die den E leb-
nissen on E scheinungen zug unde liegende Ve nun
ans Lich zu b ingen.
Einlei ung
Was is eigen lich Wasse ? Eine An wo au diese F age
könn e lau en: Wasse is de deu sche Beg i ü eine che-
mische Ve bindung, bes ehend aus den Elemen en Saue -
s o (O) und Wasse s o (H), de en Summen o mel H2O
lau e . Eine an diese e s e Bes immung anschließende Be-
sch eibung könn e e ne da au e weisen, dass Wasse
den lüssigen Agg ega zus and diese chemischen Ve bin-
dung bezeichne , ode abe , dass die mola e Masse (M) die-
se Ve bindung 18,02 g·mol-1 be äg .
De a ige Aus üh ungen scheinen ü eine o läu ige De-
ini ion eilich hin eichend zu sein, Edmund Husse l – dem
Beg ünde de Phänomenologie – abe dü en sie o nehm-
lich als Ausd uck eine K ise anmu en, welche beding is
du ch das objek i is ische Wissenscha spa adigma de po-
si i en (Na u -)Wissenscha en. Ihm zu olge habe de wis-
senscha liche Objek i ismus, de sei de Renaissance als
78 Fynn-Me lin Rehding & Johannes C. Wo eschk
Lei gedanke wah e Na u e kenn nis jegliche Vaghei und
Rela i i ä unse e leiblichen E ah ung de Wel aus ih en
Un e suchungen zu ilgen ach e , gleichsam den g undle-
genden Rahmen e schleie , inne halb dessen sich die Wis-
senscha en selbs bewegen (Husse l, 1962a, 142). Die
wah e Na u on Wasse e wa e weis sich in diesem Bild
als nich s ande es als die chemische Ve bindung e schie-
dene Elemen e – dass es sich hie bei abe ebenso um e was
handel , das wi inken, mi dem wi uns waschen e c., is
ü die Wissenscha belanglos. Die K ise also, die Husse l
seine zei den Wissenscha en des 20. Jah hunde s a es-
ie e, äuße sich inso e n in einem B uch, de die wissen-
scha liche Wel on de Wel des äglichen Lebens unübe -
b ückba zu ennen d oh (Husse l, 1962a, 129; Zaha i,
2009, 132).
Vo dem Hin e g und diese P oblems ellung is auch
das phänomenologische Schlagwo ‚Zu den Sachen selbs !‘
zu e s ehen. In ihm a ikulie sich eine wissenscha sk i-
ische Hal ung, die beansp uch , sich nich in lee en Speku-
la ionen zu e lie en, sonde n in den eigenen Un e suchun-
gen au diejenige Wel e ah ung zu ückzukeh en, die jede
wissenscha lichen Beg i s ixie ung o ausgeh (Zaha i,
2007, 38). Die Fo de ung de Phänomenologie bes eh da-
bei jedoch nich da in, die wissenscha lichen E kenn nisse
zu ni ellie en. Vielmeh is ih da an gelegen, jede heo e-
ische Fo de ung, die den Ansp uch au Rech mäßigkei e -
heb , di ek ode indi ek aus de menschlichen Wel e ah-
ung he aus zu legi imie en (Husse l, 1962b, 300; Husse l,
1976, 44 .; Zaha i, 2009, 134). Phänomenologie e such
mi hin da an zu e inne n, dass unse Wissen on de Wel
– auch unse wissenscha liches Wissen – eine Pe spek i e
Die Phänomenologische Me hode 79
lebendige E ah ung en sp ing , ohne die die Wissenscha -
en selbs sinnlos wä en (Me leau-Pon y, 1966, 4 .; Zaha i,
2007, 38).
Was abe is Phänomenologie? Zunächs bezeichne Phä-
nomenologie eine philosophische S ömung, die on Ed-
mund Husse l An ang des 20. Jah hunde s beg ünde wo -
den is und sich sei dem zu dem Obe beg i eines en mu i-
gend wei en Feldes en wickel ha . Die Phänomenologie des
F emden, die Lebensphänomenologie, die S uk u phäno-
menologie, die Tie enphänomenologie, die Neue Phänomeno-
logie und die Bildphänomenologie sind nu einige Beispiele
des um ang eichen Ka alogs an Ausp ägungen, die gegen-
wä ig o zu inden sind. F eilich is hie mi allein die phi-
losophische Sei e angesp ochen, de Blick au ande e Dis-
ziplinen o enba wei e e Abkömmlinge und Anschlussun-
e nehmungen wie e wa die Rech sphänomenologie, die
psychopa hologische Phänomenologie ode die Phänomeno-
logische E ziehungswissenscha . Was an diese Au zählung
zum Ausd uck komm , is das besonde e Maß de O enhei ,
das de Phänomenologie ü auße philosophische Inhal e
zugesp ochen we den kann. Doch diese O enhei siche
de Phänomenologie nich nu eine gewisse Ak uali ä , sie
läss zugleich e sich lich we den, dass mi ih kein homo-
genes ode ga monoli hisches Gebilde angesp ochen is
(Zaha i, 2007, 7 ., 36). Ih e mannig achen Spiela en be-
dingen eine auße o den liche Schwie igkei , die Phäno-
menologie au ih Wesen einzug enzen. Nich sdes o o z
lassen sich, e wa un e Bezug au Me leau-Pon y, im min-
des en ie e schiedene Aspek e beleuch en:
E s ens is die Phänomenologie in gewisse Hinsich es-
sen ialis isch ausge ich e . Ih Augenme k lieg nich au
80 Fynn-Me lin Rehding & Johannes C. Wo eschk
de ein empi ischen Un e suchung e schiedene Phäno-
mene, sonde n au de En hüllung des Bes ändigen und We-
senha en, du ch welches sich de Bewuss seinss om, die
Leiblichkei , die Wah nehmung usw. kennzeichnen. Zu-
gleich bilde die ak ische Exis enz die G undlage ih es Ve -
s ändnisses des Menschen und de Wel . Sie e weis sich in-
so e n nich als ein bloße Essen ialismus, sonde n auch als
eine Philosophie de Fak izi ä (Me leau-Pon y, 1966, 3 .;
Zaha i, 2007, 36).
Zwei ens e s eh sich die Phänomenologie als T ans-
zenden alphilosophie. Das bedeu e , sie ich e sich da au ,
die Bedingungen de Möglichkei on E ah ungen zu e lek-
ie en und die Annahmen unse e na ü lichen, o heo e i-
schen Eins ellung auße Gel ung zu se zen, um sie au diese
Weise eine k i ischen Un e suchung un e ziehen zu kön-
nen. Indes äum sie gleiche maßen ein, dass jedwede Re-
lexion in einem o gängigen Wel e häl nis e ha e
bleib , womi die Haup au gabe de Philosophie in ih en Au-
gen nich meh abe auch nich wenige um ass , als die A -
ikula ion de ollen Bedeu ung dieses unmi elba en und
di ek en Wel kon ak es (Me leau-Pon y, 1966, 3 .; Zaha i,
2007, 36).
D i ens e heb die Phänomenologie den Ansp uch Phi-
losophie als s enge Wissenscha zu e wi klichen. Um
abe Raum, Zei , Wel usw. als e leb e und geleb e Phäno-
mene angemessen e assen zu können, is sie da au be-
dach , die menschliche Lebenswel zu besch eiben (Me -
leau-Pon y, 1966, 3 .; Zaha i, 2007, 37).
Die Phänomenologie be ach e sich dahe ie ens als
eine desk ip i e Disziplin. Sie e such also E ah ungen in
eine unmi elba en Weise zu besch eiben, so wie sie uns
Die Phänomenologische Me hode 81
gegeben sind. Sie in e essie sich wede ü den psycholo-
gischen ode biologischen U sp ung de E ah ungen, noch
möch e sie diese als E gebnis eines kausalen Ge üges e klä-
en (Me leau-Pon y, 1966, 3 .; Zahi, 2007, 37).
Die soeben genann en Aspek e e anschaulichen, dass
die Phänomenologie als Obe beg i s e s ein Spannungs eld
besch eib , dessen He e ogeni ä auch dadu ch beding is ,
dass nahezu alle spä e en Phänomenolog*innen sich au
ih e je eigene Weise on Husse ls u sp ünglichem P o-
g amm dis anzie haben. Dennoch kann ebenso es ges ell
we den, dass die Phänomenologie wei e hin du ch be-
s imm e G und hemen und sich aus diesen ablei enden me-
hodologischen Mo i en e bunden is – ande n alls wä e
auch die Rede on einem Obe beg i de Phänomenologie
zunehmend agwü dig.
Ziel dieses Bei ages is es nunmeh , in einem e s en
Sch i e schiedene G und hemen phänomenologischen
Philosophie ens zu e ö e n, um on diesem Punk aus ei-
nen Einblick in dessen me hodologische Implika ionen zu
geben. In den nachs ehenden Abschni en (1.–3.) we den
dahe zunächs die Beg i e PHÄNOMEN, INTENTIONALITÄT und
LEBENSWELT um issen und da au hin (4.) ih Zusammen-
spiel im Rahmen des Ve ah ens on EPOCHÉ und REDUKTION
in ih en G undzügen e läu e sowie (5.) mi els eine kon-
k e en Analyse beispielha e anschaulich .
1. Phänomen
Das Wo Phänomenologie lei e sich on phainomenon
(phainomai, e scheinen) und logos (Ve nun ) ab. Mi diese
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E ymologie is zugleich das Ziel angegeben, welchem sich
die un e diesem Beg i ge üh en Un e suchungen e -
p lich en: phänomenologische Un e suchungen be ach en
E lebnisse on E scheinungen und das mi de Absich , die
diesen E lebnissen zug unde liegende Ve nun ans Lich zu
b ingen (Pi če ić, 1972, 11). Eine de a ige Ku zde ini ion
e mag zwa noch nich s da übe auszusagen, au welche
Weise eine solche Un e suchung du chzu üh en is , doch
läss sich an ih gleichwohl e kennen, dass de Beg i des
PHÄNOMENS – dasjenige, was in bes imm en E lebnissen e -
schein – nich mi dem gleichzuse zen is , was wi um-
gangssp achlich un e Phänomenen e s ehen. Hie näm-
lich e wenden wi ihn gewöhnlich als Gegensa z zu ande-
en Beg i en, beispielsweise Phänomen s. Wesen ode
Phänomen s. physische Wi klichkei . Diesem all äglichen
Ve s ändnis zu olge bilde das Phänomen e was, das nu
scheinba is , e was, das übe sch i en we den muss, um
die Wah hei hin e de E scheinung au decken zu können.
Doch dies is nich de Phänomenbeg i mi dem die Phä-
nomenologie a bei e . Vielmeh be u sie sich au eine Kon-
no a ion dieses Beg i es, welche bis in die An ike zu ück-
e olg we den kann (Heidegge , 1986, §7). Gemäß diese
T adi ion e weis sich das PHÄNOMEN als die Mani es a ion
de Sache selbs – als das also, was on sich selbs he e -
schein (Zaha i, 2007, 13). In diesem Sinne e s eh sich die
Phänomenologie als eine philosophische Re lexion übe die
Weise, in de uns Gegens ände25 e scheinen, d.h. sich selbs
zeigen (Zaha i, 2009, 57).
25 Un e Gegens and muss in diesem Kon ex nich allein Reales, wie e wa
ein Kugelsch eibe , sonde n ebenso Ideales, wie e wa die Zahl 8, e s anden
we den.
Die Phänomenologische Me hode 83
2. In en ionali ä
Um nun abe die Weise des E scheinens de Gegens ände
un e suchen zu können, is es no wendig, sich unse en Ve -
s ehenss uk u en zuzuwenden, da diese übe haup e s die
Möglichkei sbedingungen des E scheinens on Gegens än-
den bilden. Hie he e häl auch das zu o angesp ochene
Ve s ändnis de Phänomenologie als Un e suchung on E -
lebnissen on E scheinungen seinen Sinn. Alles, was e -
schein , e schein in bes imm en E lebnissen, und zwa im-
me als e was ü jemanden – es gib kein un-e leb es E -
scheinen (Pi če ić, 1972, 11; Zaha i, 2007, 17). Wenn wi
also die Weise des E scheinens on Gegens änden un e su-
chen wollen und inso e n nach den p inzipiellen Bedingun-
gen de E kenn nis, de Wah hei , des Sinns, de Bedeu-
ung, de Beg ündung e c. agen, kommen wi nach Ansich
de Phänomenologie nich umhin, die E s e-Pe son-Pe -
spek i e in unse e Un e suchung mi einzubeziehen
(Zaha i, 2007, 17). Dies wiede um bedeu e , sich mi de
Wesensa de INTENTIONALITÄT zu beschä igen.
Mi INTENTIONALITÄT is zunächs das g undsä zliche Ge-
ich e -sein de E s e-Pe son-Pe spek i e angesp ochen
(Pi če ić, 1972, 59), welches sich, in seine Beziehung zu
einem Gegens and, du ch seine Leiblichkei , seine Zei lich-
kei , seine His o izi ä , abe auch du ch seine soziale und
gesellscha liche Ve anke ung auszeichne (Zaha i, 2007,
17) und als solche das E lebnis de E scheinung eines Ge-
gens andes in seine spezi ischen Weise kons i uie
(Husse l, 1984, 169). De lei ende Gedanke in diesem Zu-
sammenhang is olgende : Wenn wi e s ehen wollen,
wie physische Objek e, ma hema ische Modelle, chemische
84 Fynn-Me lin Rehding & Johannes C. Wo eschk
P ozesse, soziale Ve häl nisse ode kul u elle P oduk e als
das e scheinen können, was sie sind, und zwa mi de Be-
deu ung, die sie ü uns haben, dann müssen wi die Vo -
s ellungs-, Pe zep ions-, U eils- und We ak e hema isie-
en, au die diese E scheinungen bezogen sind (Husse l,
1984, 425–426). Die Phänomenologie b ing uns inso e n
nich allein die Gegebenhei des E scheinens on Gegen-
s änden zu Bewuss sein, sonde n ebenso de en subjek i es
Ko ela – die A de INTENTIONALITÄT, die im E lebnis des
Gegens andes am We k is (Zaha i, 2007, 18).
Wenn wi e scheinende Gegens ände un e suchen, zei-
gen wi uns mi hin auch selbs als diejenigen, denen de
Gegens and e schein . Das Thema phänomenologische
Analysen is dami jedoch nich ein wel loses Subjek , ge-
nauso wenig bilden sie den Ve such, eine bewuss seinsun-
abhängige Wel zu besch ieben, ielmeh ücken sie das
Ve häl nis zwischen Subjek und Wel in den Blickpunk ih-
e Be ach ung. Phänomenologische Analysen machen au
den Ums and au me ksam, dass wede on dem subjek i en
Bewuss sein noch on de Wel sinn oll gesp ochen we den
kann, wenn ih jeweiliges Ko ela auße Ach gelassen
wi d. We on seine Wah nehmung, seinem Denken, sei-
nem U eil, seine Vo s ellungsk a , seinem Zwei el, seine
E wa ung ode seine E inne ung sp echen möch e, kann
dies nich un ohne auch das Wah genommene, das Bezwei-
el e, das Beu eil e usw. zu be ücksich igen (Zaha i, 2007,
41). So wi d das Subjek allein du ch sein Ve häl nis zu
Wel e s ändlich, wie auch de Wel nu Sinn gegeben we -
den kann, inso e n sie einem Subjek e schein und on die-
sem e s anden wi d (Zaha i, 2007, 20). Dies is auch de
Die Phänomenologische Me hode 85
Hin e g und o dem Husse l e klä en kann, dass die Wi k-
lichkei nich e was bloß Vo handenes is , das gänzlich un-
abhängig on jedem E ah ungskon ex exis ie (Husse l,
1976, 120). Das mag nach einem philosophischen Idealis-
mus klingen, doch diese These soll o nehmlich die Ableh-
nung eines Objek i ismus zum Ausd uck b ingen, de be-
haup e , dass ein Ve s ändnis de Wi klichkei , de Wel
und de Wah hei allein du ch den Ausschluss on Subjek-
i i ä zu e eichen sei (Me leau-Pon y, 1966, 489).
3. Lebenswel
Die be ei s in de Einlei ung e wähn e ablehnende Hal ung
de Phänomenologie gegenübe dem Ideal eines wissen-
scha lichen Objek i ismus kann gleichsam als Rehabili ie-
ungs e such de LEBENSWELT e s anden we den. Un e LE-
BENSWELT is in diesem Zusammenhang zunächs diejenige
Wel zu assen, die wi im All ag ganz selbs e s ändlich o-
ausse zen (Zaha i, 2007, 31). Sie is die Wel in de wi
leben, de O an dem uns E ah ungen konk e , sinnlich
und anschaulich gegeben sind. Wa um abe , so ließe sich
agen, beda die Lebenswel eine Rehabili ie ung? Mi
Husse l gesp ochen wä e diese F age dadu ch zu bean wo -
en, dass die LEBENSWELT die Sinng undlage und inso e n
den unhin e gehba en Ausgangspunk jede wissenscha li-
chen E kenn nis da s ell (Husse l, 1962a, 129, 142), als sol-
che abe in de P axis wissenscha liche Objek i ie ung
zunehmend e gessen, e wisch ode e d äng zu we den
d oh (Husse l, 1973c, 381; Husse l, 1952, 207). Die Wissen-
92 Fynn-Me lin Rehding & Johannes C. Wo eschk
162) e scheinen, in de E s en-Pe son-Pe spek i e is e je-
doch du ch eine Sonde s ellung cha ak e isie : ande s als
zu allen ande en Kö pe n e hal en wi uns zu unse em ei-
genen nich wie zu einem Ding; wi e leben und du chleben
ihn inso e n wi imme schon du ch ihn leben (Alloa &
Dep az 2019, 11). Dies is es auch, dass den Kö pe aus de
E s en-Pe son-Pe spek i e des Subjek es zu meh als nu
einem Kö pe mach , e is de lebendig e ah ene Leib und
dami „eine g und e schiedene A de E ah ung als alle
ande en Kö pe sie ü mich haben“ (Husse l, 1993, 615).
Zugleich is de Leib dadu ch gekennzeichne , in jede E -
ah ung als absolu e Nullpunk gegenwä ig zu sein. E is
das indexikalische „Hie “, au das jede e ah ene Gegen-
s and ausge ich e is . Dies is de G und aus dem Husse l
behaup en kann, dass jede Wel e ah ung du ch unse e
Leiblichkei e mi el und e möglich is (Husse l, 1962a,
220; Husse l, 1952, 159; Husse l, 1962b, 392). De Leib, als
die lebendige E ah ung de E s en-Pe son-Pe spek i e, bil-
de das Zen um, um das he um sich die Wel ü das Sub-
jek en al e und au das jede E ah ung s e s bezogen
bleib (Husse l, 1966, 298; Zaha i, 2007, 60). E is unse
S and- und Ausgangspunk und genau deshalb läss e sich
als solche auch nich ohne den du ch ihn beding en Wel -
bezug e kunden.
Wenn es in de phänomenologischen Analyse nunmeh
da um geh , die eigenen nai en me aphysischen Eins ellun-
gen zu suspendie en und au das anszenden ale Funda-
men de na ü lichen Sphä e zu ückzu üh en, so bedeu e
das in diesem Zusammenhang zunächs nich s ande es, als
den Leib in seine p imä en E scheinungs o m zu be ach-
Die Phänomenologische Me hode 93
en. Hie abe s ell sich die philosophische He aus o de-
ung, denn de Leib is – als Bedingung de Möglichkei on
E ah ung übe haup – s e s au eine so g undlegende und
du chg ei ende Weise anwesend, dass es eines B uches, ei-
ne G enzsi ua ion beda , um ihn ausd ücklich zu beme -
ken. Im All ag kann dies e wa du ch K ankhei , E schöp ung
ode ande wei ige Schme zen geschehen, die dazu üh en,
dass wi uns in unse e e au en In e ak ion mi de Wel
ges ö ühlen. Die phänomenologische Analyse kann au
de gleichen selbs edend nich abs ellen, sie beda hinge-
gen eines bewuss en Wandels in de eigenen Eins ellung,
anhand dessen zu o un e lek ie ü selbs e s ändlich
Gehal enes de Be ach ung zugänglich gemach wi d.
Wie sieh das konk e aus? Ich si ze lesend am Tisch und
möch e eine No iz machen. Ich nehme den S i , de links
neben mi in G i wei e lieg . Rech s on mi sehe ich du ch
das Fens e einen Baum, dessen Blä e sich leich im Wind
bewegen. In diese Si ua ion kann ich ga nich ande s als
den S i links on mi und den Baum ech s on mi , in ei-
nige Dis anz, wah zunehmen. De S i is in G i wei e,
de Baum nich . Wo sich S i und Baum im Raum be inden
weiß ich zualle e s in Rela ion dazu, wo ich mich be inde.
Wenn ich nun den S i in die Hand nehme, dann habe ich
eine Ope a ion du chge üh , die mi nu du ch genau die-
ses Wissen möglich is . Ich weiß, wo de S i sich im Ve -
häl nis zu meine Hand be inde . Meine Wah nehmung is
au den S i ge ich e . Ich gucke abe nich e wa on oben
au die Si ua ion und sehe S i und mich selbs gleiche ma-
ßen nebeneinande . Nein, ich sehe den S i aus meine Pe -
spek i e. Das bedeu e auch, dass ich nich e s den Au en -
hal so meine Hand im Raum be echnen muss. Na ü lich
94 Fynn-Me lin Rehding & Johannes C. Wo eschk
kann ich mich als Kö pe im Raum isualisie en – de Punk
is abe , dass eine solche Vo s ellung imme Nach ang ha .
U sp ünglich is nu meine E s e-Pe son-Pe spek i e au
den S i in de mein Leib de äumliche Nullpunk meine
E ah ung is . Mein Leib is imme das Zen um des Wel -
ausschni es, den ich ge ade wah nehme. Dass ich meinen
Leib du ch die Wel bewege und dabei s e s de Mi elpunk
des on mi wah genommenen Raums bleibe, bedeu e eine
leibliche Subjek i i ä , aus de ich nich he auskann. De
Leib is dami in Me leau-Pon ys Wo en nich nu »im Mi -
elpunk de Wel « in meinem Du chgang du ch sie, son-
de n auch ih Angelpunk (Me leau-Pon y, 1966, 106).
Abe diese Übe legungen lassen sich un e Be ücksich i-
gung de engen Ve knüp ung on Wah nehmung und Hand-
lung noch adikalisie en – wenn wi uns kla machen, dass
E ah ung eben nich bloß passi e Rezep ion, sonde n
gleiche maßen ak i e Un e suchung in sich schließ
(Zaha i, 2007, 58). En sp echend be on Husse l die Bedeu-
ung, die Bewegung ü unse e E ah ung des Raumes und
de äumlichen Gegens ände spiel (Husse l, 1966, 299).
Seine These lau e dabei, dass unse e E ah ung on Gegen-
s änden on eine spezi ischen A des leiblichen Selbs be-
wuss seins beglei e is – einem mi ungie en jedoch un-
hema isie en E lebens de Posi ion und Bewegung des Ei-
genlebens (Zaha i, 2007, 59).
Wi können uns o s ellen, was passie , wenn ich mich
nun nach d außen zum Baum bewege. Ich kann die Bo ke
ab as en und ih e S uk u e ühlen. Fah e ich so mi de
Hand übe den Baum, dann nehme ich das Rauhe seine ze -
u ch en Obe läche übe meine Finge wah . Wie sich de
Baum ü mich an ühl , is gewisse maßen nich s ande es
Die Phänomenologische Me hode 95
als wie sich meine Finge bei diese Be üh ung an ühlen.
Die plas ische Bescha enhei de Bo ke und die Bewe-
gungsemp indung, die ich in meine Hand spü e, sind zwei
Sei en ein- und de selben Medaille. Und dies gil nich nu
ü das Ab as en on Gegens änden in G i eichwei e.
Auch, wenn ich e was beobach e, is mein E leben zualle -
e s ein E leben meine Kop - und Augenbewegungen.
Meine Wah nehmung de Wel is inso e n nich nu du ch
meine äumliche Posi ion, sonde n auch du ch meine Bewe-
gungen und Handlungen kons i uie .
Was dieses kleine Gedankenexpe imen e anschaulich ,
is s eng genommen nich s Ge inge es als de Ke n dessen,
was Husse l EPOCHÉ nenn . Indem wi on dem un hema i-
sie en und o - e lexi en E leben ab ücken und beispiels-
weise dami beginnen, die Bedeu ung de Bewegung unse-
es Leibes ü unse e E ah ung de Wi klichkei zu be-
ach en, e ände n wi unse e Eins ellung und ö nen un-
se en Blick ü das g undlegende Ve häl nis zwischen Sub-
jek i i ä und Wel , de en nähe e Besch eibung le z en En-
des nich ande es is als die Du ch üh ung eine REDUKTION.
Zugegeben, die Aus üh ungen des le z en Kapi els haben
das P e d gewisse maßen on hin en au gespann . Denn die
kon ex ualisie enden Beme kungen zu Bedeu ung des Lei-
bes ü die Phänomenologie, welche unse em Gedanken-
spiel o angegangen sind, wä en im Un e angen eine
wah ha igen phänomenologischen Analyse nich als de
Ausgangspunk , sonde n als das E gebnis de aus üh lichen
Besch eibung des Ve häl nisses on Leib und Wel zu den-
ken. Obwohl die hie skizzie e phänomenologische Analyse
zu Da s ellungszwecken in ih e üblichen Reihen olge um-
gekeh wo den is , ho en die Au o en, einen geeigne en
96 Fynn-Me lin Rehding & Johannes C. Wo eschk
Eind uck sowohl des Ve ah ens wie auch de Zielpe spek-
i e phänomenologischen Philosophie ens e mi el zu ha-
ben.
Li e a u
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