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Rezension Lawrence und Elisabeth Hanson: "Paul Gauguin - Der edle Wilde", Zürich 1955 (Rascher et Cie), 318 Seiten Text, 16 Bildtafeln / J.A. Schmoll gen. Eisenwerth

Schmoll, Josef A.

Abstract

UB Digital. Annales Universitatis Saraviensis / Rezension Lawrence und Elisabeth Hanson: "Paul Gauguin - Der edle Wilde", Zürich 1955 (Rascher et Cie), 318 Seiten Text, 16 Bildtafeln / J.A. Schmoll gen. Eisenwerth. In: Annales Universitatis Saraviensis. Jg.3. 1955, S. 187

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Universitätsbibliothek Paderborn Annales Universitatis Saraviensis Rezension Lawrence und Elisabeth Hanson: "Paul Gauguin - Der edle Wilde", Zürich 1955 (Rascher et Cie), 318 Seiten Text, 16 Bildtafeln Schmoll, Josef A. Saarbrücken, 1.1952 - 10.1961 urn:nbn:de:hbz:466:1-37449 J.A.Schmoll gen .Eisenwerth Rezension :Lawrence und Elisabeth Hanson :Paul Gauguin . ,Der elde Wilde'.Zürich 1955. In: Annales Universitatis Saraviensis .Philosophie .Jg.3(1955), H.4,S.187f. LAWRENCE und ELISABETH HANSON :«Paul Gauguin —Der edle Wilde »,Zürich 1955 (Rascher et Cie),318 Seiten Text,16 Bildtafeln. Die seit dem Bewusstwerden der Vor¬ kämpferschaft Gauguins für die Malerei des 20.Jahrhunderts seit Jahrzehnten ständig im Wachsen begriffene Literatur über den Künstler und sein Werk erhält durch das neue Buch des englischen Äutorenpaares eine willkommene Bereiche¬ rung .Die Gauguin -Biographie mit dem Untertitel «Der edle Wilde »(«The noble savage »),die der Rascher -Verlag Zürich in einer ausgezeichneten Übertra¬ gung in die deutsche Sprache (besorgt durch Ilse Krämer )vorlegt ,ist kein Buch der Kunstgeschichte oder Kunstwissen¬ schaft im Sinne einer exakten Quellendar¬ legung und Werkanalyse .Es will dies auch garnicht sein .Dennoch wird das Buch —so widersprüchlich es klingt — seine Rolle auch im Rahmen kunsthisto¬ rischer Bemühungen um die eigenwillige Gestalt Gauguins spielen .Das beruht auf der Verwertung aller bisher bekannt ge¬ wordenen Quellen ,ohne dass diese aus¬ führlich genannt sind oder gar in Anmer¬ kungen verzeichnet werden .So liest sich das Buch völlig wie ein Roman ,flüssig im Text ,anschaulich in der Schilderung der Stationen dieses bewegten ,tragischen Künstlerschicksals .Dabei wird der Le¬ bensbericht streng chronologisch geglie¬ dert ,exakt Jahr für Jahr registrierend , was dem Helden begegnet ,was er sieht , wie er sein Ziel hartnäckig verfolgt .Und nirgends gleitet die Darstellung in das Peinliche psychologisierender Künstler¬ romane ab .Es wird nur berichtet ,was durch die Quellen auch nachprüfbar ist. Dennoch liegt ein besonderer Akzent auf der Verständlichmachung der Gefühle , Gesinnungen und Entschlüsse Gauguins . Die psychologische Methode ist hier wohl¬ tuend zurückhaltend angewandt .Es wird nicht seziert ,dennoch fast alles in diesem oft widersprüchlichen Charakter und Le¬ bensweg zart gedeutet ,das Schwerver¬ ständliche der Klärung nahegeführt .Und wo es die Quellen gebieten ,wird auch kein Blatt vor den Mund genommen .In allem zieht die neue Biographie gleich¬ sam die Resultierende aus den verschie¬ denen Kurven ,die durch Gauguins eigene Äusserungen ,Briefe und Schriften ,durch die Bemerkungen seiner dänischen Frau , durch die Darstellung seines Sohnes Pola («Mein Vater Paul Gauguin »,1937), durch die Meinung der Freunde (vor allem unter Benutzung der Briefwechsel Gauguins mit den Malern Schuffenecker , Bernard ,Van Gogh und de Monfreid ) und durch die kritischen Bearbeiter des Themas (unter denen vor allem die spä¬ teren Autoren Cogniat ,Graber ,Haute - coeur,Perruchot ,Rewald und Russell genannt seien )gezeichnet worden sind . Eine Resultierende in diesem Koor¬ dinatennetz von Gewissheiten und Mög¬ lichkeiten ,die immer verantwortungsbe - wusst scheidet ,interpoliert und verdich¬ tet .Es ist bewunderungswürdig ,wie auf diese Weise die beiden gefährlichen Klip¬ pen «freischriftstellerischer Künstlerro¬ man »und «registrierende Chronologie » umfahren werden . Da sich die Verfasser zum Hauptthema den Menschen Gauguin gewählt haben , nimmt nicht wunder ,dass sein Werk un¬ tergeordnet erscheint und mitunter etwas zu kurz kommt .Dennoch finden sich ein¬ zelne in wenigen Strichen angelegte Bild¬ beschreibungen und Bilddeutungen ,die z. T.auf dem festen Grund der Quellen ba¬ sieren ,z.T.freilich auch neue Erläuterun¬ gen hinsichtlich der Genesis gewisser Bild¬ motive und bestimmter Formwandlungen geben .Hier beginnt das Kunsthistorische im engeren Sinne ,obwohl es nicht in der Fachsprache auftritt .Und man sollte es nicht einfach beiseiteschieben ,weil es in einen «Roman »verknüpft erscheint .Wie denn überhaupt dieses Buch voller Anre¬ gungen steckt und vorbildlich zu nennen ist für eine neue Form der reinen «Vita » —im Sinne Vasaris ,Grimms und Justis —nur mit den Mitteln neuzeitlicher Quellenverwertung und Psychologie er¬ baut ,deren Hilfsgerüste für den Leser je¬ doch unsichtbar bleiben .Man möchte die¬ ses Buch jedem empfehlen ,der sich nicht nur flüchtig mit dem romanhaften Verlauf der Lebenskurve Gauguins bekannt ma¬ chen will ,aber auch allen ,die ernsthaft bemüht sind ,in das Wesen seiner Kunst einzudringen .Es ist ein ideales Buch zur Einführung in das Thema Gauguin und wird sich neben den Schriften ,die sich mit seinem Werk befassen ,behaupten ,da es nicht nur den vollständigen Abriss sei¬ nes Lebens gibt ,sondern zugleich auch mit den Lebens -und Kunstfragen seiner Epoche vertraut macht .Der Meister von Pont -Aven und Tahiti ,sein elementares Künstlerschicksal ,zwischen Impressionis¬ mus ,Symbolismus und Expressionismus , geschichtlich zwischen den kraftverwand¬ ten Erscheinungen von Courbet und Pi¬ casso ,—dieses Malerphänomen ,mit dem die Moderne des 20.Jahrhunderts (wie die des 19.mit Goya )beginnt ,wird hier faszinierend lebendig :—die beste Gau¬ guin -Biographie ,die bisher geschrieben wurde ,vielleicht die beste auf lange Sicht . J.A.SCHMOLL gen .EISENWERTH