scieee Science in your language
[de] (orig)
vorgelegt von
M.Sc.
SARAH BERGER
geb. in Görlitz
von der Fakultät III - Prozesswissenschaften
der Technischen Universität Berlin
zur Erlangung des akademischen Grades
Doktor der Naturwissenschaften
- Dr. rer.nat. -
genehmigte Dissertation
Promotionsausschuss:
Vorsitzender: Prof. Dr. Jens Kurreck
Gutachter: Prof. Dr. Roland Lauster
Gutachter: Prof. Dr. Bastian Opitz
Gutachterin: Dr. Ing. Geraldine Nouailles-Kursar
Tag der wissenschaftlichen Aussprache: 25. Juli 2018
Berlin 2019
Analyse der Hyperinflammation im Verlauf der murinen
Pneumokokken-Pneumonie unter besonderer Berücksichtigung
des Neutrophile-rekrutierenden Chemokins CXCL5
I
Inhaltsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis .......................................................................................................... V
1 Zusammenfassung ..................................................................................................... VIII
2 Summary ...................................................................................................................... IX
3 Einleitung ....................................................................................................................... 1
3.1 Die ambulant erworbene Pneumonie ...................................................................... 1
3.2 Streptococcus pneumoniae ..................................................................................... 2
3.3 Therapie einer Lungenentzündung .......................................................................... 3
3.3.1 Mechanische Beatmung und die beatmungsassoziierte Lungenschädigung .... 4
3.4 Die alveolokapilläre Barriere .................................................................................... 5
3.4.1 Das Endothel.................................................................................................... 6
3.4.2 Das alveoläre Epithel ....................................................................................... 7
3.5 Die Zellen des angeborenen Immunsystems ........................................................... 8
3.5.1 Alveoläre Makrophagen ................................................................................... 9
3.5.2 Monozyten ......................................................................................................10
3.5.3 Dendritische Zellen .........................................................................................11
3.5.4 Neutrophile Granulozyten ................................................................................11
3.6 Chemokine und ihre Rezeptoren ............................................................................14
3.6.1 Chemokingruppen ...........................................................................................14
3.6.2 Vom Stimulus zur Chemokinausschüttung ......................................................15
3.6.3 Die Rolle des Chemokinrezeptors CXCR2 und seiner Liganden .....................17
4 Zielsetzung ...................................................................................................................19
5 Material und Methoden .................................................................................................21
5.1 Material ..................................................................................................................21
5.1.1 Geräte .............................................................................................................21
5.1.2 Verbrauchsmaterialien ....................................................................................22
5.1.3 Reagenzien .....................................................................................................24
5.1.4 Antikörper ........................................................................................................25
5.1.5 Enzyme ...........................................................................................................25
II
5.1.6 Narkose und Heparin ......................................................................................26
5.1.7 Medien und Puffer ...........................................................................................26
5.1.8 Bakterienstämme ............................................................................................29
5.1.9 Zelllinien ..........................................................................................................29
5.1.10 Kits ..................................................................................................................29
5.1.11 Software ..........................................................................................................30
5.2 Methoden ...............................................................................................................30
5.2.1 Anzucht von Streptococcus pneumoniae .........................................................30
5.2.2 Tierexperimentelle Untersuchungen ................................................................31
5.2.3 Analyse der Tiere und Probenentnahme .........................................................34
5.2.4 Mechanische Ventilationsversuche .................................................................36
5.2.5 Färbung der BAL-Zellen für durchflusszytometrische Untersuchungen ...........37
5.2.6 Histologische Untersuchungen ........................................................................39
5.2.7 Ermittlung der vaskulären Permeabilität ..........................................................39
5.2.8 Quantifizierung von Chemokinen, Zytokinen und Wachstumsfaktoren ............40
5.2.9 In vitro Versuche .............................................................................................40
5.2.10 Auswertung und Darstellung der Ergebnisse ...................................................45
6 Ergebnisse ...................................................................................................................47
6.1 Der Einfluss früher und später antimikrobieller Therapie auf die Resolution einer
Streptokokken-induzierten Pneumonie in der Maus ..........................................................47
6.1.1 Eine retardierte Antibiotika-Therapie schützt nicht vor einem fatalen Pneumonie-
Verlauf in Mäusen .........................................................................................................47
6.1.2 Der Zeitpunkt der Antibiotika-Gabe hat keinen Einfluss auf die antibakterielle
Wirkung ........................................................................................................................48
6.1.3 Die Ampicillin-Therapie hat keinen Einfluss auf die Kinetik der Leukozyten im
Alveolarraum ................................................................................................................50
6.1.4 Frühzeitige und späte Antibiotika-Therapie reduzieren lokale Zytokin-Level ....52
6.1.5 Eine antibakterielle Therapie vermindert unabhängig vom Startzeitpunkt lokale
Konzentrationen einzelner ............................................................................................54
6.1.6 Zirkulierende Immunzell-Populationen werden weder von früher noch von später
antibakterieller Therapie beeinflusst .............................................................................56
III
6.1.7 Frühe, aber nicht späte antibakterielle Therapie verhindert den systemischen
Anstieg inflammatorischer Mediatoren ..........................................................................58
6.1.8 Eine frühzeitige antibakterielle Therapie schützt vor Entwicklung von Pleuritis,
Steatitis und Leberschädigung ......................................................................................60
6.1.9 Nur eine frühe Therapie zeigt einen protektiven Effekt auf die Entwicklung eines
perivaskulären Ödems ..................................................................................................62
6.1.10 Ein frühzeitiger Therapiebeginn verhindert die Schädigung der alveolokapillären
Barriere ........................................................................................................................64
6.2 Der Einfluss des Chemokins CXCL5 auf Neutrophile-Rekrutierung und
Lungenschädigung in der Streptokokken-induzierten Pneumonie .....................................66
6.2.1 Die CXCR2 Liganden werden in vivo nach S. pn-Infektion sekretiert ...............66
6.2.2 Epithelzellen sind die Hauptquelle der CXCL5 Sekretion in der Mauslunge ....67
6.2.3 Die Sekretion der CXCR2 Liganden von Epithelzellen ist TLR2-abhängig .......69
6.2.4 Die Abwesenheit von CXCL5 resultiert in einer stark verminderten Neutrophile-
Rekrutierung .................................................................................................................70
6.2.5 Trotz erhöhter bakterieller Last ist die Mortalität nicht beeinflusst ....................71
6.2.6 Die Abwesenheit von CXCL5 beeinflusst neben Neutrophilen auch alveoläre
Makrophagen im Alveolarraum .....................................................................................72
6.2.7 CXCL5 beeinflusst keine weiteren inflammatorischen Mediatoren in
Alveolarraum und Blut ..................................................................................................73
6.2.8 Im Zuge einer Serotyp 2-Infektion schützt die Abwesenheit von CXCL5 nicht vor
Ödem-Entwicklung oder der bakteriellen Ausbreitung in die Peripherie ........................74
6.2.9 Die Abwesenheit von CXCL5 vermindert die Schädigung der alveolokapillären
Barriere ........................................................................................................................76
6.3 Der Einfluss des Chemokins CXCL5 auf Neutrophile-Rekrutierung und
Lungenschädigung in einem Modell mechanischer Beatmung ..........................................76
6.3.1 Mechanische Beatmung induziert die Sekretion von CXC-Chemokinen und
Neutrophile-Infiltration in vivo ........................................................................................77
6.3.2 Mechanische zyklische Dehnung induziert die Ausschüttung von CXC-
Chemokinen und VEGF in vitro.....................................................................................77
6.3.3 In Abwesenheit von CXCL5 ist die Rekrutierung von Neutrophilen im Zuge der
mechanischen Ventilation vermindert ...........................................................................78
IV
6.3.4 CXCL5 beeinflusst keine weitere Rekrutierung von Immunzellen in den
Alveolarraum bei einer mechanischen Beatmung .........................................................80
6.3.5 Die Abwesenheit von CXCL5 ist die Lungenfunktion unter mechanischer
Beatmung verbessert ....................................................................................................81
6.3.6 Histopathologische Untersuchungen der Lunge ventilierter Mäuse weisen auf
eine erhöhte Schädigung der Alveolarwand in Anwesenheit von CXCL5 hin ................83
6.3.7 In Abwesenheit von CXCL5 ist die alveolokapilläre Barriere unter mechanischer
Beatmung geschützt .....................................................................................................85
7 Diskussion ....................................................................................................................86
7.1 Etablierung eines Modells der frühzeitigen und späten Antibiotikatherapie bei
Pneumokokken-induzierter Pneumonie ............................................................................86
7.2 Mögliche Mechanismen hinter dem Therapieversagen einer späten antibakteriellen
Behandlung ......................................................................................................................89
7.3 Die Rolle von VEGF bei der der Erhöhung der alveolokapillären Permeabilität ......94
7.4 Die alveolokapilläre Barriere in Abhängigkeit von CXCL5 ......................................96
7.4.1 Alveoläre Epithelzellen sind die Hauptquelle von CXCL5 in der Lunge ...........96
7.4.2 CXCL5 ist notwendig für eine vollständige Rekrutierung der Neutrophilen ......98
7.4.3 CXCL5-unabhängige Wege der Neutrophilen-Rekrutierung ............................99
7.4.4 Folgen einer reduzierten Neutrophile-Rekrutierung ....................................... 100
7.4.5 Möglicher therapeutischer Effekt von CXCL5 und einer verminderten oder
inhibierten Neutrophile-Rekrutierung .......................................................................... 104
7.4.6 Mechanismen hinter dem Schutz der alveolokapillären Barriere in Abwesenheit
von CXCL5 ................................................................................................................. 105
8 Literaturverzeichnis ..................................................................................................... 107
9 Anhang ....................................................................................................................... 123
9.1 Tabellenverzeichnis .............................................................................................. 123
9.2 Abbildungsverzeichnis .......................................................................................... 124
9.3 Publikationen ........................................................................................................ 126
9.4 Danksagung ......................................................................................................... 128
V
Abkürzungsverzeichnis
a
anti
alvMs
alveoläre Makrophagen
AST
Aspartat-Aminotransferase
BAL
Bronchoalveoläre Lavage
BALC
BAL Cells, Zellen der bronchoalveolären Lavage
BALF
BAL Fluid, Nicht-zellulärer Anteil der bronchoalveolären Lavage
BSA
Bovines Serumalbumin
CAP
community-acquired pneumonia, ambulant erworbene Pneumonie
CCL
Ligand mit C-C Motiv
CCR
Rezeptor eines Liganden mit C-C Motiv
CD
Cluster of Differentiation, System zur Bezeichnung von
Differenzierungsantigenen
CFU
colony forming units, Kolonie-bildende Einheiten
Cre
Cre-Rekombinase
CXCL
Ligand mit C-X-C Motiv
CXCR
Rezeptor eines Liganden mit C-X-C Motiv
DCs
Dendritische Zellen
DNA
deoxyribonucleic acid, Desoxyribonukleinsäure
E. coli
Escherichia coli
ELISA
Enzyme-linked Immunosorbent Assay, enzymgekoppelter
Immunadsorptionstest
Eos
Eosinophile
EpiCs
Epithelzellen
FACS
fluorescence-activated cell sorting, Durchflusszytometrie
FCS
fetal calf serum, Fetales Kälberserum
G
Gauge
G-CSF
Granulocyte-Colony Stimulating Factor, Granulozyten-Kolonie-
stimulierender Faktor
GM-CSF
Granulocyte-macrophage colony-stimulating factor, Granulozyten-
Monozyten-Kolonie-stimulierender Faktor
H & E
Hematoxylin & Eosin
HBSS
Hank’s Balanced Salt Solution
HMGB1
high mobility group box 1
HSA
Humanes Serumalbumin
HVT
high tidal volume ventilation, Beatmung mit hohem Tidalvolumen
VI
i.p.
intraperitoneal
i.v.
intravenös
IFN
Interferon
IL
Interleukin
iMs
inflammatorische Monozyten / Makrophagen
LPS
Lipopolysaccharide
LVT
high tidal volume ventilation, Beatmung mit niedrigem Tidalvolumen
M. tuberculosis
Mycobacterium tuberculosis
MACS
Magnetic cell separation, Magnetische Zellseparation
M-CSF
Macrophage colony-stimulating factor, Monozyten-Kolonien-
stimulierender Faktor
MHC
major histocompatibility complex, Haupthistokompatibilitätskomplex
MOI
multiplicity of infection, Multiplizität der Infektion
MSA
Murines Serumalbumin
MyD88
myeloid differentiation factor 88
n.n.
nicht nachweisbar
NETs
neutrophil extracellular traps, neutrophile extrazelluläre Fallen
NF-κB
nuclear factor „kappa-light-chain-enhancer“ of activated B-cells
NO
reaktive Stickstoffspezies
NV
Nicht ventiliert
OD
optische Dichte
P. aeruginosa
Pseudomonas aeruginosa
p.i.
post infectionem, nach der Infektion
PAMPs
Pathogen-associated molecular patterns, Pathogen-assoziierte
molekulare Muster
PAS
periodic acid-Schiff, Perjodsäure-Schiff Reaktion
PBS
phosphate buffered saline, Phosphatgepufferte Salzlösung
PIP
peak inspiratory pressure, inspiratorischer Spitzendruck
PLY
Pneumolysin
PMNs
Polymorphkernige neutrophile Granulozyten
PRRs
Pattern recognition receptors, Mustererkennungs-Rezeptoren
RNA
ribonucleic acid, Ribonukleinsäure
ROS
reaktive Sauerstoffspezies
RT
Raumtemperatur
S. pn.
Streptococcus pneumoniae
siRNA
Small interfering RNA, kleine eingreifende RNA
ssRNA
single-stranded ribonucleic acid, Einzelsträngige RNA
VII
ST
Serotyp
STAT3
signal transducer and activator of transcription 3
tACE
Angiotensin-konvertierendes Enzym
TIR
Toll/Interleukin-1 Rezeptor
TIRAP
TIR domain-containing adapter protein, Adapterprotein, welches eine
TIR Domäne aufweist
TLR
Toll-like Receptor, toll-ähnlicher Rezeptor
TNF
Tumornekrosefaktor
TRIF
TIR-domain-containing adaptor protein-inducing IFN-β, TIRAP, welches
IFN-β induzieren kann
ü.N.
über Nacht
VE-Cadherin
vascular endothelial cadherin, vaskuläres endotheliales Cadherin
VEGF
Vascular Endothelial Growth Factor, vaskulärer endothelialer
Wachstumsfaktor
VE-PTP
vascular endothelial protein tyrosine phosphatase, vaskuläre
endotheliale Protein Tyrosin Phosphatase
VILI
ventilator-induced lung injury, Ventilations-assoziierte
Lungenschädigung
WT
Wildtyp
VIII
1 Zusammenfassung
Die ambulant erworbene Pneumonie ist mit ihrer hohen Inzidenz und Mortalität eine der
bedeutendsten Infektionskrankheiten weltweit. Streptococcus pneumoniae (S. pn.) ist der
häufigste Erreger der ambulant erworbenen Pneumonie. Eine wichtige Ursache für die hohe
Sterblichkeit trotz wirksamer antibiotischer Therapie stellt die umgreifende Schädigung eines
inadäquat aktivierten Immunsystems während der Infektion dar. Vor allem neutrophile
Granulozyten (PMNs) können im Zuge der Pathogen-Eliminierung das Lungengewebe und die
alveolokapilläre Barriere schädigen, weshalb es zur Entstehung von Lungenödemen kommen
kann. Ferner kann sich die Inflammation in die Peripherie ausbreiten, wodurch sich eine lokale
Infektion der unteren Atemwege oftmals zu einer lebensbedrohlichen Sepsis entwickelt. Die
detaillierten Mechanismen hinter dem Therapieversagen trotz antibakterieller Behandlung sind
bisher unbekannt, könnten aber wertvolle Ansatzpunkte für neue adjuvante Therapien
darstellen. In dieser Doktorarbeit wurde deshalb der Fokus auf die Hyperinflammation gelegt,
welche trotz Eliminierung der Erreger unter antibiotischer Therapie auftritt.
Dazu wurden S. pn.-infizierte Mäuse, die eine Pneumonie ausgebildet hatten, beginnend früh
(24 h p.i.) oder spät (48 h p.i.) nach der Infektion in 12 h-Intervallen mit Ampicillin therapiert.
S. pn-infizierte Kontrollgruppen wurden analog mit Lösungsmittel behandelt. Detaillierte
Analysen von Immunantwort und klinischen Parametern zu mehreren Zeitpunkten
ermöglichten die Verfolgung des Infektionsverlaufs während der gesamten Therapie. Nach
beiden Behandlungsstarts verliefen Pathogen-Eliminierung und Reduktion der lokalen
inflammatorischen Mediatoren zeitlich analog ab. Dennoch konnte nur eine frühe Therapie
infizierte Tiere retten. Faktoren, die mit dem Therapieversagen assoziiert werden konnten,
waren eine erhöhte vaskuläre Permeabilität sowie das Auftreten einer systemischen
Inflammation. Diese Prozesse konnten durch eine frühe Therapie verhindert werden, während
eine späte Behandlung bereits etablierte Schädigungen weder verringern, noch eine
systemische Inflammation eindämmen konnte.
Weiterhin wurde der Einfluss des PMN-rekrutierenden Chemokins CXCL5 untersucht. In vivo
und in vitro zeigte sich eine vermehrte CXCL5-Sekretion sowohl nach S. pn.-Infektion als auch
im Anschluss an invasive Beatmung bzw. zyklischer Dehnung von Epithelzellen. Alveoläre
Epithelzellen konnten als Hauptquelle des Chemokins identifiziert werden. In vivo führte eine
Deletion von Cxcl5 zu einer reduzierten PMN-Migration in den Alveolarraum, was im
Infektionsmodell mit einer Erhöhung der bakteriellen Last einherging. In beiden Modellen
schützte die Abwesenheit von CXCL5 vor einer Schädigung der alveolokapilläre Barriere.
Es konnte gezeigt werden, dass eine Reduktion von PMNs, die Stärkung der alveolokapillären
Barriere oder eine Verminderung der systemischen Inflammation Ansatzpunkte für die
Entwicklung neuer adjuvanter Therapien sein könnten. In Verbindung mit einer adäquaten
antibiotischen Therapie könnte so zukünftig eine Herabsetzung der Mortalität erreicht werden.
IX
2 Summary
Community-acquired pneumonia, due to its high incidence and morbidity rates, is one of the
most clinically relevant infectious diseases worldwide. While the reasoning behind poor
survival rates are complex, one major driving factor seems to be the overwhelming activation
of the host immune system during infection with Streptococcus pneumoniae (S. pn.), the main
pathogen of pneumonia. Especially polymorphonuclear neutrophils (PMNs) may cause
damage to the lung and alveolar-capillary barrier during tissue infiltration and exertion of
effector functions. Thus, common consequences are alveolar flooding. Further, the
inflammation can spread into the circulation, whereby a local infection of the lower respiratory
tract can develop into life-threatening sepsis. The underlying mechanisms behind therapeutic
failure despite appropriate antibiotic treatment are still unknown, albeit important for the
development of new adjunctive therapies. Therefore, the focus of this doctoral thesis was to
examine host-specific hyperinflammation, which occurs despite pathogen-elimination.
S. pn.-infected mice were treated every 12 h with Ampicillin, starting early (24 h p.i.) and late
(48 h p.i.) following infection. Respective S. pn.-infected control groups were treated with
solvent. At both starting points, infected animals showed characteristics of pneumonia together
with bacteremia. Detailed analysis of local and systemic inflammatory processes and
pneumonia symptoms at multiple experimental time points allowed for comprehensive
monitoring of the course of infection during therapy. Following both therapeutic starting points,
the degree of bacterial elimination accompanied by reduction of local inflammatory mediators
were comparatively effective. However, only early antibiotic therapy commencement rescued
S. pn.-infected mice. The main events causative for therapy failure are believed to be the
breakdown of the alveolar-capillary barrier and development of a systemic inflammation. These
processes were prevented by early therapy only while late therapy neither reversed
established barrier damage nor reduced inflammatory mediators in the blood.
Furthermore, the impact of the PMN-attracting chemokine CXCL5 was examined in models of
murine pneumonia and mechanical ventilation. S. pn.-infection and mechanical ventilation
evoked increased CXCL5 secretion in vivo, while in vitro experiments helped confirm epithelial
cells as main source of CXCL5 in both models. Cxcl5-deficiency caused a strong decrease in
PMN-migration into the alveolar space, accompanied by elevated bacterial burden in the
S. pn.-infection model. However, in mice lacking CXCL5, the alveolar-capillary barrier was
shown to be protected compared to the respective wild-type mice.
A reduction of PMN infiltration, intactness of the alveolar-capillary barrier and diminishing of
systemic inflammation were hereby indicated to be crucial for the development of new
adjunctive therapies. With the aid of ongoing research accompanied by appropriate antibiotic
regimen, these strategies may help to decrease the mortality of community-acquired
pneumonia.
1
3 Einleitung
3.1 Die ambulant erworbene Pneumonie
Die ambulant erworbene Pneumonie (community-acquired pneumonia (CAP)) gehört aufgrund
ihrer hohen Morbidität und Mortalität zu den bedeutendsten Infektionskrankheiten weltweit.
Nach Informationen der Weltgesundheitsorganisation war im Jahr 2015 eine Infektion der
unteren Atemwege weltweit die dritthäufigste Todesursache [1]. Dabei war allein die
Pneumonie für 16 % aller Todesfälle von Kindern unter fünf Jahren verantwortlich [2].
In Deutschland sind laut Angaben des statistischen Bundesamtes im Jahr 2015 19.368
Personen an einer Pneumonie verstorben, womit die Pneumonie an achter Stelle der
häufigsten Todesursachen rangierte [3]. Die Inzidenz der Pneumonie lag hier in den Jahren
2010 / 2011 bei 9,7 von 1.000 Einwohnern pro Jahr, wovon 46,3 % hospitalisiert werden
mussten [4]. Die Sterblichkeitsrate unterscheidet sich abhängig von der nach Art der
Lungenentzündung: Nicht-invasive Formen, bei denen es zu keiner Ausbreitung der
Infektionserreger ins Blut des Patienten kam, verlaufen nachweislich milder und werden mit
einer hohen Überlebenschance assoziiert [5]. Allerdings kann sich aus einer nicht-invasiven
Form eine invasive Pneumonie entwickeln, wenn die Erreger aus dem Respirationstrakt in das
Blutsystem übertreten. Dies erfordert oft eine Hospitalisierung des Patienten und steht mit
einem erhöhten Risiko für Atemversagen oder einem Sepsis-assoziierten Organversagen in
Verbindung [6]. Im Jahre 1937, bevor die flächendeckende Behandlung mit Antibiotika
eingeführt wurde, lag die Sterblichkeit der Pneumonie zwischen 8 und 100 %, wobei vor allem
eine invasive Form und zunehmendes Alter des Patienten mit einer ansteigenden Mortalität in
Verbindung gebracht werden konnten (siehe Abbildung 1) [7].
Auch heute müssen noch 21 % der hospitalisierten CAP-Patienten in den USA auf der
Intensivstation behandelt werden, von denen 26 % eine mechanische Beatmung benötigen
([8], siehe 3.3.1). Daten des AQUA-Instituts bestätigen, dass zunehmendes Alter der Patienten
mit einer erhöhten Sterblichkeit einhergeht: Während die Mortalität hospitalisierter Patienten
zwischen 20 und 29 Jahren bei lediglich 1,2 % liegt, steigt sie auf 12,3 % in der Gruppe der 70
bis 79-Jährigen. Patienten, die älter als 90 Jahre sind, haben die höchste Sterblichkeitsrate
mit 22,5 % [9]. Obwohl es mit der Einführung der Antibiotikatherapie zu einem starken
Rückgang der Mortalität gekommen ist, liegt diese in Deutschland immer noch bei 12 - 13 %
[5, 6].
2
Abbildung 1: Mortalität der Pneumonie.
Die Mortalität der Pneumonie ist abhängig vom Alter der Patienten und
der Ausbreitung der Infektion in das Blutsystem. Basierend auf [7].
3.2 Streptococcus pneumoniae
Obwohl die ambulant erworbene Pneumonie von einer Vielzahl von Infektionserregern
ausgelöst werden kann, sind meist bakterielle Pathogene für eine Erkrankung verantwortlich.
Am häufigsten wird dabei das grampositive Bakterium Streptococcus pneumoniae (S. pn.) als
kausales Pathogen identifiziert [10]. S. pn. wurde 1881 parallel von Louis Pasteur und Georg
Miller Sternberg isoliert, kultiviert und beschrieben. Albert Fränkel arbeitete von 1884 bis 1886
an dem Nachweis, dass dieses Bakterium der Erreger der humanen Pneumonie ist, was 1886
von Anton Weichselbaum in Wien bestätigt werden konnte. Auch in Deutschland findet sich
bei über 40 % der Patienten, die an einer bakteriellen Pneumonie erkrankt sind, S. pn. als
nachweisbarer Erreger [11]. S. pn., auch als „Pneumokokkusbezeichnet, kolonialisiert den
Nasopharynx von Kindern (53 %) und Erwachsenen (4 %), von wo sich das Bakterium in die
unteren Atemwege oder ins Blutsystem ausbreiten kann [12]. Es konnte gezeigt werden, dass
eine vorherige Kolonialisierung des Nasopharynx mit diesen Bakterien die Voraussetzung für
eine spätere Erkrankung ist [13].
Anhand des Aufbaus der Polysaccharidhülle (Kapsel) lassen sich innerhalb der Art der
Pneumokokken über 90 verschiedene Serotypen unterscheiden. Diese Kapsel-Saccharide
zählen zu den potentesten Virulenzfaktoren, da sie das Bakterium umhüllen und vor einer
Phagozytose schützen können [14]. Aufgrund der unterschiedlichen Strukturen der Hülle
unterscheidet sich je nach Serotyp die Immunantwort des Wirtes auf die Infektion [15]. Auch
die Mortalität variiert zwischen den verschiedenen Serotypen. Während beispielsweise eine
nicht antibiotisch behandelte invasive Infektion mit Serotyp 2-Pneumokokken altersabhängig
zu einer Sterblichkeit zwischen 50 % und 89 % führt (Abbildung 2 A), haben Patienten aller
Altersgruppen bei einer unbehandelten Serotyp 3-Bakteriämie eine Mortalität von 96 bis 100 %
12-19 20-29 30-39 40-49 50-59 60-69 70+
0
2 0
4 0
6 0
8 0
100
A lte r [in Ja h ren]
M ortalität [% ]
B a k te riä m ie
ke in e B a kte riä m ie
3
(Abbildung 2 B). Basierend auf den Polysacchariden der verschiedenen Kapsel-Typen wurden
Impfungen gegen die 23 bzw. 13 am häufigsten nachgewiesenen Serotypen entwickelt [16].
Eine Immunisierung schützt vor einer pulmonalen und systemischen Infektion und beugt der
Besiedlung des Nasopharynx und der damit verbundenen Verbreitung in der Gesellschaft vor.
Abbildung 2: Mortalität einer nicht antibiotisch behandelten Streptococcus
pneumoniae Pneumonie in Abhängigkeit von Alter und Nachweis der Erreger im Blut.
A) Serotyp 2. B) Serotyp 3. Modifiziert nach [7].
3.3 Therapie einer Lungenentzündung
In den letzten Jahren wurden diverse Studien und Übersichtsarbeiten veröffentlicht, die die
Lungenentzündung als Notfall beschreiben und die Bedeutung einer umgehenden Therapie
unterstreichen [5, 17, 18]. Daniel et al. konnten zeigen, dass hospitalisierte Patienten, die
innerhalb von vier Stunden eine antibiotische Behandlung erfahren hatten, eine signifikant
niedrigere Mortalität zeigten als diejenigen, die später therapiert worden waren [19]. Auch
Phua et al. beschrieben einen Zusammenhang zwischen einer frühen und aggressiven
medikamentösen Betreuung der Patienten und einer verminderten Sterblichkeitsrate [20]. Bei
bakteriellen Pneumonien wird in erster Linie mit antibiotischen Substanzen therapiert, um eine
schnelle Eliminierung der Pathogene zu ermöglichen. Die Wahl und Konzentration des
Antibiotikums richtet sich dabei nach der Schwere der Infektion, möglichen
Nebenerkrankungen und dem Alter des Patienten. Des Weiteren werden unkomplizierte
Lungenentzündungen, die keiner Hospitalisierung bedürfen, meist oral therapiert, während bei
schweren Verläufen intravenös behandelt wird. Das Mittel der Wahl sind dabei
Aminopenicillinpräparate, auch als β-Laktame bekannt [21]. Dabei handelt es sich um
Antibiotika, bei denen eine Aminogruppe an den Benzylrest des Penicillins angefügt wurde,
wodurch das Wirkspektrum dieser Therapeutika erweitert wird. Zur Gruppe der
Aminopenicilline gehören beispielsweise Ampicillin und Amoxicillin. Diese Antibiotika sind
bakteriolytisch und greifen bei der Teilung der Bakterien ein, indem sie die Ausbildung einer
12-29 30-49 50+
0
2 0
4 0
6 0
8 0
100
A lte r [Jah re ]
M ortalität [% ]
B a k te riä m ie ke in e B a kte riä m ie
12-29 30-49 50+
0
2 0
4 0
6 0
8 0
100
A lte r [Jah re ]
M ortalität [% ]
B a k te riä m ie ke in e B a kte riä m ie
4
neuen Mureinschicht durch die Blockierung des Enzyms D-Alanin-Transpeptidase inhibieren
[22]. Bei mittelgradigen bis schweren Verläufen oder Penicillin-Resistenzen werden häufig
zusätzlich Beta-Laktamase-Inhibitoren eingesetzt. Diese Präparate verhindern, dass das
bakterieneigene Enzym Beta-Laktamase das molekulare Grundgerüst des Penicillins auflöst
und somit die Wirkung des Antibiotikums hemmt. Bei schweren Verläufen wird empfohlen,
zusätzlich zum β-Laktam mit einem Makrolid zu behandeln [21]. Diese Antibiotikagruppe hat
neben ihrer bakteriostatischen Wirkung auch einen immunsupprimierenden Effekt [23, 24], der
bei Patienten mit einer inadäquat aktivierten Immunreaktion (Hyperinflammation) oftmals
hilfreich ist. Um eine zu unkontrollierte und damit schädigende Immunantwort einzudämmen,
wurde in den letzten Jahren an weiteren adjuvanten Therapiemöglichkeiten geforscht. So
wurde in einigen klinischen Studien an Patienten mit schwerer Pneumonie die Behandlung mit
Kortikosteroiden, in der Nebenniere gebildeten Steroidhormonen, untersucht und mit einer
niedrigeren Mortalität, einem geringeren Risiko für mechanische Beatmung (siehe 3.3.1) und
einem verkürzten Krankenhausaufenthalt in Verbindung gebracht [25, 26]. Bei Patienten mit
leichten bis mittelgradigen Pneumonien konnte dieser Effekt allerdings nicht beobachtet
werden, weshalb die Verwendung von Kortikosteroiden sich nicht als adjuvante Therapie, die
bei allen Patienten eingesetzt wird, durchsetzen konnte. Auch auf dem Schutz der
alveolokapillären Barriere (siehe 3.4) liegt ein Fokus der aktuellen Forschung. Beispielsweise
wird dem körpereigenen Peptid Adrenomedullin eine protektive Funktion zugeschrieben,
indem es die zellulären Verbindungen stärkt und somit der Bildung inter-endothelialer Spalten
entgegenwirkt [27-29]. In einigen Studien wurde auch eine immunmodulatorische Wirkung von
Adrenomedullin beschrieben [29, 30]. Andere Studien konnten diesen Effekt jedoch nicht
reproduzieren [31, 32]. Bisher wurden mit Adrenomedullin noch keine klinischen Studien an
Pneumonie-Patienten durchgeführt, weshalb eine Aussage über die Wirksamkeit im humanen
System zu diesem Zeitpunkt noch nicht getroffen werden kann.
3.3.1 Mechanische Beatmung und die beatmungsassoziierte Lungenschädigung
Eine weitere Behandlung, die bei vielen Patienten mit schwerer CAP und damit
einhergehender respiratorischer Insuffizienz eingesetzt wird, ist die invasive mechanische
Beatmung [33, 34]. Allerdings lässt sich beobachten, dass mit Einsatz einer mechanischen
Beatmung auch die Sterblichkeitsrate der Patienten ansteigt [35, 36]. Diese gesteigerte
Mortalität kann mit einer Schädigung des Lungengewebes in Verbindung gebracht werden, die
als ventilator-induced lung injury (VILI) bezeichnet wird. Aus diesem Grund wird heutzutage
nur mit einem Tidalvolumen von 6 mg/kg statt 10 15 mg/kg, einem Plateaudruck von unter
30 cmH2O und mit einem positiven endexspiratorischen Druck beatmet, um eine mechanische
Schädigung des Lungengewebes zu vermeiden. Allein durch diese Maßnahmen konnte die
5
Mortalität von Patienten mit einer akuten Lungenschädigung um 22 % gesenkt werden [37].
Die Grundlage dieser Untersuchung war, dass der starke mechanische Stimulus im Zuge der
Beatmung beim umliegenden Gewebe eine Umwandlung des Signals, verbunden mit einer
Ausschüttung inflammatorischer Mediatoren bewirkt ein Vorgang, der Mechanotransduktion
genannt wird [38-40]. Obwohl durch die Vermeidung hoher Tidalvolumina VILI reduziert wird,
kann es doch nicht komplett vermieden werden. So sorgt auch eine protektive
Ventilationsstrategie für einen Anstieg inflammatorischer Mediatoren und einen Einstrom von
Neutrophilen (siehe 3.5.4). Auch ein systemischer Anstieg der Zytokinlevel, eine Schädigung
der alveolokapillären Barriere (siehe 3.4) und die Entwicklung von Lungenödemen kann im
Zusammenhang mit VILI beobachtet werden [41-43]. Häufig tritt bei Patienten, die eine
mechanische Beatmung erfahren, eine Schädigung sekundärer Organe, verbunden mit einem
erhöhten Risiko für die Entwicklung einer Sepsis auf [32, 44, 45]. Vor allem bereits
geschädigtes Lungengewebe im Zusammenhang mit einer Sepsis oder Pneumonie ist
besonders gefährdet, VILI zu entwickeln [46, 47].
3.4 Die alveolokapilläre Barriere
Im Zuge einer Pneumonie kann sich auch unabhängig von einer mechanischen Beatmung
eine lokale Infektion zu einer systemischen Inflammation entwickeln. Grundlage dafür ist
einerseits der aktive Übertritt der Bakterien in das Blutsystem des Wirts, andererseits eine
Schädigung der Barriere, die die Alveolen von den Kapillaren der Lunge trennt. Physiologisch
ermöglicht diese mechanische Barriere einen effizienten Gasaustausch und trennt das
Lungen- und Luftkompartiment vom Blut- bzw. Flüssigkeitskompartiment. Zellulär setzt sich
die alveolokapilläre Barriere aus Epithelzellen der Lungen und Endothelzellen der Kapillare
zusammen. Zwischen diesen Zellschichten befindet sich eine Basalmembran und interstitielles
Gewebe, das von einer alveolären Basalmembran flankiert wird (Abbildung 3). Dieses
Interstitium hat die Aufgabe, bei der Bildung eines pulmonalen Ödems die entstehende
Flüssigkeit zu sammeln. Dadurch bleibt die freiliegende Seite der Barriere trocken und es kann
weiterhin ein ungehinderter Gasaustausch erfolgen [48]. Die Endothelzellen auf der
vaskulären Seite der Barriere kontrollieren die Passage von zirkulierenden Zellen und
Proteinen in das angrenzende Gewebe.
Diese semipermeable Barriere sorgt dadurch für den Aufbau von osmotisch wirksamen
Protein-Gradienten, die für die Regulierung der Gewebsflüssigkeit essentiell ist.
Die alveolokapilläre Barriere ist auch von immunologischer Bedeutung, da durch sie das
unkontrollierte Übertreten von Pathogenen oder Immunzellen ins Blutsystem verhindert wird.
[49, 50]. Des Weiteren wird die Exsudation von Wasser oder wasserlöslichen Bestandteilen
6
von den Kapillaren in die Alveolen verhindert und der Abtransport von Flüssigkeiten aus dem
Alveolarraum von den Zellen der Barriere gefördert.
3.4.1 Das Endothel
Die endotheliale Permeabilität wird durch zwei Transport-Mechanismen ermöglicht: Gelöste
Stoffe oder Zellen können einerseits auf direktem Weg durch die Zelle hindurch (transzellulär),
andererseits zwischen den Zellen entlang (parazellulär) befördert werden. Die transzelluläre
Route erfordert entweder Poren oder ein komplexes System aus Vesikeln, die zu Kanälen
fusionieren können und so den Transport von Zellen oder Molekülen ermöglichen [51, 52]. Im
Gegensatz dazu wird der parazelluläre Weg durch koordiniertes Öffnen und Schließen der
Zell-Zell-Verbindungen zwischen den einzelnen Endothelzellen ermöglicht. Diese Funktion
verläuft streng reguliert, um die endotheliale Integrität zu bewahren [53, 54]. Biophysikalische
Prozesse (wie eine Dehnung des Gewebes) aber auch diverse Moleküle, zum Beispiel
Histamin, Thrombin oder vascular endothelial growth factor (VEGF) können zu einer
reversiblen Bildung parazellulärer Spalten führen [55, 56], die durch kontraktile Mechanismen
des Actin-Myosin-Komplexes entstehen [57]. Diese zeitweilige Permeabilität ermöglicht einen
schnellen Übertritt von Nährstoffen, verhilft Leukozyten zum Ort der Entzündung zu migrieren
und führt zur Akkumulierung von Fibrinogen an den Blutgefäßen für eine verbesserte Gewebe-
Reparatur. Histamin, VEGF und Thrombin haben einen unmittelbaren Effekt auf die
Permeabilität [55, 58], wohingegen inflammatorische Zytokine längere Zeit benötigen, um eine
Erhöhung der Permeabilität herbei zu führen. Dieser Effekt ist aber langlebiger und dauert bis
zu 48 h an [59].
Abbildung 3: Schematischer Aufbau der alveolokapillären Barriere.
Alveolarepithel
Alveolarepithel
Basalmembran
Basalmembran
Interstitium
Endothel
Endothel
Blutkapillare
7
3.4.2 Das alveoläre Epithel
Das alveoläre Epithel dient als erste mechanische Barriere der unteren Atemwege gegen
Pathogene und kleidet alle der bis zu 400 Millionen Alveolen der Lunge aus, was einer Fläche
von 220.000 µm2 entspricht [60]. Man kann zwei alveoläre Epithelzellen-Arten unterscheiden:
Jede Alveole ist durchschnittlich von 40 Typ I Epithelzellen und 77 Typ II Epithelzellen
ausgekleidet, allerdings machen Typ I Zellen bis zu 95 % der zellulären Oberfläche aus [60].
Über ihre großflächige Struktur sorgen sie für den Gasaustausch zwischen Epithel und
Kapillaren. In Abbildung 4 ist die humane alveoläre Oberfläche dargestellt. In Gelb koloriert ist
in der Abbildung eine Typ I Epithelzelle zu erkennen, die über einem Netz von Kapillaren liegt
und deutlich großflächiger ist als die daneben liegenden Typ II Epithelzellen. Letztere sind
durch einen Ring an Mikrovilli gekennzeichnet, Strukturen, die der Oberflächenvergrößerung
der Zelle dienen. Die kubisch geformten Typ II Epithelzellen sind für die Sekretion von
Surfactant zuständig [61], einer oberflächenaktiven Substanz, die für eine Herabsetzung der
Oberflächenspannung zwischen Luft und Alveole sorgt und so das Zusammenfallen der
Lungen verhindert [62]. Typ II Epithelzellen spielen auch eine große Rolle bei
Reparaturprozessen in der Lunge, da sich aus ihnen neue Typ I Epithelzellen differenzieren
können [63, 64].
Neben ihrer Funktion als mechanische Barriere bei Infektionen haben Epithelzellen auch eine
tragende Rolle bei der Rekrutierung und Aktivierung von Immunzellen, indem sie Zytokine und
Chemokine (siehe 3.6) sekretieren [65-67]. Der Verbund der Epithelzellen wird, wie auch bei
Endothelzellen, durch tight- und adherens junctions vernetzt [68-71]. Durch diese engen
Verbindungen wird verhindert, dass Substanzen oder Zellen unkontrolliert die alveolokapilläre
Barriere übertreten [72]. Diese inter-endothelialen und -epithelialen Verbindungen öffnen sich
durch die Remodellierung von Molekülen wie VE-Cadherin (vascular endothelial cadherin)
[73]. Für eine optimale VE-Cadherin Funktion muss das Cadherin mit VE-PTP (vascular
endothelial protein tyrosine phosphatase) assoziiert sein, einem Protein der Endothel-
Membran. Die Separation von VE-PTP und VE-Cadherin kann beispielsweise durch die
Bindung von Leukozyten oder durch eine Stimulation mit VEGF initiiert werden [74]. Auch
während einer Infektion mit S. pn kommt es aufgrund von Dissoziationen der tight- und
adherens-junctions zu einer Erhöhung der vaskulären Permeabilität. Die erste Phase, die vor
allem der Rekrutierung von Leukozyten dient, ist reversibel. Allerdings folgen auf diese initiale
Phase oft irreversible Schädigungsprozesse am Epithel, die eine folgenschwere
Beeinträchtigung der alveolokapillären Barriere mit sich bringen [75]. Diese Prozesse sind
einerseits auf Pathogen-assoziierte Faktoren zurück zu führen, können aber auch durch eine
unkontrollierte Immunantwort des Wirts herbeigeführt werden. Diese Schädigung der Barriere
ist vor allem durch die Flutung der Alveolen mit proteinreicher Ödem-Flüssigkeit charakterisiert
[76]. Trotz effektiver antibiotischer Therapie (siehe 3.3) kommt es bei CAP-Patienten häufig zu
8
einer akuten Schädigung der alveolokapillären Barriere, dem Übertritt proteinreicher
Flüssigkeit in den Alveolarbereich, Ödembildung und schlussendlich zu einer mitunter
lebensbedrohlichen Lungenschädigung [77].
Abbildung 4: Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme der alveolären Oberfläche
einer humanen Lunge.
Zu sehen sind Kapillaren unter Typ I und Typ II Epithelzellen (Ep1 bzw. Ep2). Die Pfeile
markieren die gelb gefärbte Typ I Epithelzelle. Zwei Typ II Epithelzellen befinden sich in den
Nischen der Kapillaren und sind gekennzeichnet durch Mikrovilli. Entlang der Zellen sind
interzelluläre Zell-Zell-Verbindungen zu sehen. Reprinted with permission of the American
Thoracic Society. Copyright
©2018 American Thoracic Society. Weibel, 2015: On the tricks alveolar epithelial cells play to
make a good lung. Am J Respir Crit Care Med 2015, 191(5):504-513. [78]
3.5 Die Zellen des angeborenen Immunsystems
Wie gravierend sich eine Pneumonie nach einer Infektion mit S. pn. entwickelt, ist von zwei
Prozessen abhängig: der Resistenz des Immunsystems gegen den Erreger und der
Widerstandsfähigkeit der Gewebe des Wirts gegenüber Pathogen und wirtseigenen Faktoren
[79]. Eine Resistenz wird über die Reduktion der Pathogene bewirkt, bei Patienten in ärztlicher
Betreuung kann dies beispielsweise durch eine Antibiotika-Therapie geschehen. Diese
Aufgabe können auch die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) erfüllen, Zellen des
Immunsystems, die im Zuge der Blutbildung (Hämatopoese) im Knochenmark gebildet werden
(siehe Abbildung 5). Dort bilden sich aus einer pluripotenten Vorläuferzelle zwei
Stammzellpopulationen: die myeloischen Vorläuferzellen, aus denen sich im Zuge der
Hämatopoese die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) und Blutplättchen (Thrombozyten,
9
siehe 3.5.4.3), aber auch Leukozyten entwickeln. B- und T-Lymphozyten entstehen aus
lymphoiden Vorläuferzellen. In welche Richtung sich die entsprechenden Vorläuferzellen
entwickeln, wird von den umgebenden Zytokinen bestimmt, die beispielsweise von
Endothelzellen und Makrophagen sekretiert werden. So bewirkt die Anwesenheit des
Granulocyte-Colony Stimulating Factors, (G-CSF) die Entwicklung von Neutrophilen (siehe
3.5.4), während der Macrophage colony-stimulating factor (M-CSF) eine Differenzierung zu
Monozyten (siehe 3.5.2) begünstigt.
Abbildung 5: Vereinfachtes Schema der Entwicklung von Blutzellen aus Stammzellen im
Knochenmark.
Aus einer pluripotenten Stammzelle entwickeln sich zwei Stammzelllinien (lymphatische und
myeloische Vorläuferzellen). Durch eine Vielzahl an Zytokinen werden die weiteren
Entwicklungsschritte bestimmt. Modifiziert nach [80]. Abkürzungen: IL= Interleukin, G-CSF=
Granulocyte-Colony Stimulating Factor, M-CSF= Macrophage colony-stimulating factor, GM-CSF=
Granulocyte-macrophage colony-stimulating factor
3.5.1 Alveoläre Makrophagen
Die ersten Zellen, auf die eindringende Pathogene in der Lunge treffen, sind Epithelzellen und
alveoläre Makrophagen (alvMs). Obwohl sie unter basalen Bedingungen etwa 90-95 % der
zellulären Bestandteile des Alveolarraums ausmachen, befindet sich nur in jeder dritten
Alveole ein alveolärer Makrophage [81].
Durch ihre phagozytotischen Eigenschaften können Makrophagen für die Abtötung erster
eindringender Pneumokokken sorgen [82]. Bei einer Pneumonie scheint aber die wichtigere
IL-17
IL-2, IL-4, IL-7
IL-11
IL-5
IL-3
G-CSF
GM-CSF
IL-3
G-CSF
M-CSF
IL-3
10
Aufgabe der alvMs in der Beseitigung zellulärer Überreste körpereigener Zellen, wie
apoptotischer Neutrophiler (siehe 3.5.4) zu liegen [83, 84]. Durch diese Phagozytose, dem
Umfließen und Verdauen von Partikeln oder Zellen, kann eine Schädigung des umliegenden
Gewebes durch teilweise toxische Zellbestandteile vermindert werden.
Alveoläre Makrophagen entstehen während der Embryogenese aus fetalen Monozyten [85].
Die Entwicklung von alvMs bei Erwachsenen wird seit Jahrzehnten in der Wissenschaft
diskutiert. Während einige Ergebnisse auf zirkulierende Monozyten aus dem Knochenmark als
Vorläufer für die residenten Makrophagen schließen lassen [86, 87], legen weitere Studien
nahe, dass sich alvMs selbst erneuern und Knochenmark-Zellen keinen Einfluss auf die
Entwicklung neuer AlvMs haben [85, 88-90].
Alveoläre Makrophagen, genauso wie die die Alveole auskleidenden Epithelzellen, werden
durch Pathogen-associated molecular patterns (PAMPs) aktiviert, was zu einer Stimulation
des Immunsystems über die Ausschüttung von Zytokinen wie IL-1 und IL-6 und anderen
inflammatorischen Mediatoren führt [91-93].
Alveoläre Makrophagen befinden sich über gap junctions in engem Kontakt mit den sie
umgebenden Epithelzellen. Eine Stimulation der Makrophagen über toll-like Rezeptoren
(TLRs) führt zu zyklischen und synchronisierten Ausschüttungen von in Makrophagen und
Epithelzellen gespeicherten Calcium-Ionen. Dadurch wird eine schnelle und weitreichende
Weiterleitung des Signals über viele Alveolen hinweg zu anderen alvMs ermöglicht [81].
3.5.2 Monozyten
Monozyten sind mononukleare myeloide Zellen, entwickeln sich also aus myeloischen
Stammzellen im Knochenmark. Sie zirkulieren in Blut und Knochenmark sowie in der Milz.
Monozyten können anhand der Expression des C-C-Chemokin Rezeptors Typ 2 (CCR2) und
des Oberflächenmarkers Ly6C unterschieden werden [94]. Die CCR2low und Ly6Clow
Monozyten werden in nicht-infizierte Gewebe rekrutiert, wo sie sich zu Makrophagen
differenzieren können. CCR2+ und Ly6Chigh Monozyten werden auch als inflammatorische
Monozyten oder inflammatorische Makrophagen (iMs) bezeichnet, da sie infolge einer
Infektion zum Ort der Entzündung migrieren.
Die Rekrutierung inflammatorischer Monozyten / Makrophagen bezeichnet wird durch CCR2
und seinen Liganden CCL2 koordiniert [95, 96]. IMs werden im Zuge einer Inflammation mit
Hilfe eines Chemokin-Gradienten aus dem Blut zum Entzündungsort rekrutiert, wo sie eine
wichtige Rolle in der Bekämpfung eingedrungener Pathogene spielen. Experimentell konnte
gezeigt werden, dass vermehrte Rekrutierung von Monozyten nach einer S. pn. Infektion durch
eine CCL2 Überexpression in alveolären Epithelzellen zu einer Verringerung der bakteriellen
Last und einer niedrigeren Mortalität führt. Allerdings entwickelten diese Versuchstiere eine
11
Entzündung der Bronchiolen, was auch auf eine starke gewebeschädigende Wirkung der
damit im Zusammenhang stehenden inflammatorischen Prozesse schließen lässt [96].
Rekrutierte Monozyten produzieren inflammatorische Mediatoren wir VEGF,
Tumornekrosefaktor (TNF) und reaktive Stickstoffspezies (NO) [97-99], phagozytieren aber
auch apoptotische Zellen oder toxische Moleküle [100]. Des Weiteren können sie zu Subtypen
von Dendritischen Zellen differenzieren [101].
3.5.3 Dendritische Zellen
Dendritische Zellen (DCs) sind eine heterogene Zellpopulation, entwickeln sich teilweise aus
Monozyten und haben als phagozytierende Zellen ebenfalls die Aufgabe der Beseitigung von
körperfremden Materialien, abgestorbenen Zellen und Pathogenen. Anschließend werden,
z. B. bei bakteriellen Infektionen, Moleküle der phagozytierten Bakterien zu Peptiden
prozessiert, auf den Haupthistokompatibilitätskomplex II (major histocompatibility complex,
MHCII) geladen und anschließend auf der Oberfläche der DCs präsentiert [102]. Nachdem die
aktivierten DCs in die drainierenden Lymphknoten gewandert sind, präsentieren sie dort
spezifischen T Zellen ihr Antigen und initiieren somit die adaptive Immunantwort [103]. DCs
fungieren somit als Bindeglied zwischen angeborener und erworbener Immunität.
3.5.4 Neutrophile Granulozyten
Polymorphkernige neutrophile Leukozyten (PMNs) sind die häufigsten Vertreter der weißen
Blutkörperchen (Leukozyten) in Säugetieren. Sie entwickeln sich aus Stammzellen im
Knochenmark, aus dem sie ins Blutsystem gelangen und dort zirkulieren, um schnell zum Ort
einer Infektion migrieren zu können.
3.5.4.1 Die Migration von Neutrophilen zur Entzündungsstelle
PMNs werden, wie alle Leukozyten mittels ihrer Oberflächenrezeptoren zur Entzündung
gelockt, indem sie auf Stimuli wie Chemokine und Komplement-Komponenten reagieren und
einem chemotaktischen Gradienten folgen. In der Maus dient vor allem der CXC-Motiv-
Chemokinrezeptor 2 (CXCR2, siehe 3.6.3) der Erkennung von rekrutierenden Chemokinen.
Nach der Bindung eines Liganden werden Integrine des Neutrophilen aktiviert, wodurch sich
das Zytoskelett verändert. Beim Übertritt der Neutrophilen vom Blutsystem in die Alveole
müssen sie Endothel und Epithel durchqueren. Dafür erfolgt zunächst über die Interaktion von
Selektinen und Integrinen die Adhäsion der Neutrophilen an das vaskuläre Endothel [104] und
anschließend eine trans- oder parazelluläre Migration der PMNs durch das Endothel (siehe
Abbildung 6).
12
Nach der darauffolgenden Wanderung durch das interstitielle Gewebe müssen die
Neutrophilen das Epithel überqueren. Dies erfolgt in den meisten Schritten analog zu der
Migration durch das Endothel, allerdings haben die Neutrophilen durch diese vorherigen
Aktionen und den Kontakt zu den Chemokinen bereits eine erste Aktivierung (Priming)
erfahren [105, 106]. Für die Migration adhärieren die PMNs an der basolateralen Oberfläche
der Epithelzellen, wobei hier im Gegensatz zur transendothelialen Überquerung keine
Selektine am Adhäsionsprozess beteiligt sind. Es wurde lange davon ausgegangen, dass die
Überquerung des Epithels nur über die parazelluläre Route erfolgt. Allerdings konnten neuere
Studien auch die transzelluläre Migration zeigen [107]. Nach der Migration adhärieren
Neutrophile auf der apikalen Seite der Epithelzellen [108]. Dadurch vermeiden sie, weggespült
zu werden und können mit der Phagozytose eingedrungener Pathogene beginnen.
Dieser Ablauf der einzelnen Migrationsschritte kann ohne eine Beeinträchtigung der
alveolokapillären Barriere erfolgen [109], allerdings scheinen stark aktivierte Neutrophile über
die Sekretion zytotoxischer Moleküle das Epithel bei der Durchquerung zu schädigen, indem
sie zur Beeinträchtigung der junction Proteine sowie zur Induktion von epithelialer Apoptose
führen [110-112]. PMNs scheinen mit der Entwicklung einer irreversiblen Barriere-Dysfunktion
in Verbindung zu stehen, beispielsweise indem sie und ihre Produkte die parazelluläre
Permeabilität erhöhen [113]. Da sie ebenfalls Chemokine und Zytokine sekretieren, sind sie
aktiv an der Rekrutierung und Aktivierung weiterer Immunzellen beteiligt (siehe Abbildung 6)
[114, 115].
Eine andere Studie zeigte, dass PMNs von einem inflammatorischen Status in einen anti-
inflammatorischen Status wechseln können, indem sie beispielsweise Lipide sekretieren, die
bei der Resolution der Inflammation helfen [116] (siehe Abbildung 6). Darüber hinaus ist über
diesen anti-inflammatorischen Einfluss von Neutrophilen in Entzündungen jedoch wenig
bekannt.
3.5.4.2 Phagozytose, Apoptose, NETose
Neutrophile beseitigen körpereigene apoptotische Zellen mittels Phagozytose (siehe 3.5.1,
alvMs). Pathogene können zusätzlich mittels reaktiver Sauerstoff- und Stickstoffspezies (ROS;
NO) oder über proteolytische Prozesse wie der Generation von neutrophil extracellular traps
(NETs) bekämpft werden (siehe Abbildung 6). Diese netzartigen Strukturen bestehen aus
adhäsiver Neutrophilen-DNA, Histonen und aktiven Proteasen, wodurch sie einen essentiellen
Beitrag bei der Bekämpfung diverser Mikroben leisten [117]. Neutrophile haben eine kurze
Lebensspanne, von meist nur wenigen Stunden [118], obwohl auch gezeigt werden konnte,
dass sie bis zu fünf Tage lang zirkulieren können [119]. PMNs sterben entweder durch
unkontrollierte Nekrose und Lyse oder durch programmierten Zelltod (Apoptose), der im Zuge
der NETose (NETs Produktion) geschehen kann. Die Apoptose ist stark reguliert und kann
13
durch intrinsische (mitochondriale) und extrinsische (über Stimuli von außen) Signalwege oder
aufgrund von vorheriger Pathogen-Phagozytose initiiert werden [120-122]. Während im Zuge
der Nekrose unkontrolliert pro-inflammatorische Moleküle wie beispielsweise HMGB1 (high
mobility group box 1) ausgeschüttet werden, wird dies im Zuge der Apoptose verhindert, da
hierbei die Zellmembran intakt bleibt. Neutrophile verändern während des Sterbeprozesses
ihre Oberflächenmarker, um von anderen Zellen (z. B. alvMs, siehe 3.5.1) effektiver gefunden
und phagozytiert werden zu können [123]. Das Entfernen von abgestorbenen Zellen ist dabei
essentiell für die Resolution einer Entzündung, da sterbende Neutrophile zu einer länger
anhaltenden Inflammation und Schädigung des umliegenden Gewebes führen können [124].
Abbildung 6: Funktionen der
Neutrophilen.
Nach der Migration phagozytieren
Neutrophile (PMNs) eingedrungene
Bakterien, produzieren NETs
(NETose), um Bakterien zu fangen
oder sekretieren Zytokine, um weitere
Immunzellen anzulocken. Nach der
Beseitigung der Bakterien können
PMNs in Apoptose gehen. Modifiziert
nach [125].
©2013 Mócsai et al., veröffentlicht im
Journal of Experimental Medicine,
https://doi.org/10.1084/jem.20122220.
3.5.4.3 Neutrophil-Thrombozyt Interaktion
Blutblättchen (Thrombozyten) scheinen eine tragende Rolle bei der durch Neutrophile
verursachten Lungenschädigung zu spielen. PMNs und Thrombozyten interagieren im
Blutsystem, aber auch am Inflammationsort. Neutrophile formen über das Thrombozyten-
Oberflächenprotein P-Selektin Aggregate mit Blutblättchen [126], wodurch sich die
Aktivierungsgrade von beiden Zelltypen erhöhen und die inflammatorischen und
antibakteriellen Effekte verstärkt werden [127]. Diese Interaktion ist für das Immunsystem von
großer Wichtigkeit, beispielsweise indem Thrombozyten die vaskuläre Oberfläche absuchen,
Pathogene aufnehmen und darüber Neutrophile stimulieren. Dieser Prozess initiiert eine
verstärkte inflammatorische Reaktion der PMNs, was allerdings eine Gewebeschädigung
begünstigen kann [128]. ]. Der Prozess der NETose scheint durch die PMN-Thrombozyten
Interaktion verstärkt zu werden, wodurch die Ausbreitung bakterieller Infektionen verringert
14
werden kann [129]. Es konnte aber ebenfalls gezeigt werden, dass eine Thrombozyten-
Depletion eine Säure- oder Transfusions-induzierte Lungenschädigung vermindert [130].
3.6 Chemokine und ihre Rezeptoren
Auf der Oberfläche von Neutrophilen und anderen Immunzellen befinden sich eine Vielzahl
von Rezeptoren, die der Wahrnehmung der direkten Umgebung dienen. Damit Zellen des
Immunsystems zum Ort der Inflammation rekrutiert werden können, müssen Chemokine
erkannt werden. Dies geschieht über spezielle Chemokinrezeptoren. Bei Chemokinen handelt
es sich um chemotaktisch wirksame Zytokine, die Zielzellen zu einer gerichteten Bewegung
aus dem Blut zum Ort der Inflammation führen (Chemotaxis). Dabei orientieren sich die
rekrutierten Zellen entlang eines chemischen Chemokingradienten. Chemokinrezeptoren sind
G-Protein-gekoppelte Oberflächenrezeptoren mit sieben Transmembrandomänen, die nach
Bindung eines Liganden phosphoryliert werden [131]. Dadurch wird ein Einstrom von Calcium-
Ionen in die Zelle angeregt, wodurch intrazellulare Signalwege bis zur Aktivierung von
Integrinen und einer Veränderung des Zytoskeletts initiiert werden, die notwendig sind für die
Chemotaxis [132]. Chemokinrezeptoren werden je nach Art der Liganden in unterschiedliche
Subgruppen eingeteilt.
3.6.1 Chemokingruppen
Es sind etwa 50 unterschiedliche Chemokine bekannt, die in vier Chemokingruppen unterteilt
werden können. Die Gruppen haben eine stark konservierte Faltung (Tertiärstruktur),
unterscheiden sich aber am Amino-Terminus, wo Cysteinreste in verschiedenen Mengen und
Positionen vorkommen und ein oder zwei Disulfidbrücken ausbilden können (siehe Abbildung
7). Anhand dieser Cysteine lässt sich zwischen den vier Gruppen unterscheiden. Die Gruppe
der C-Chemokine (Abbildung 7 A) trägt nur ein Cystein am Amino-Terminus, welches nur eine
Disulfidbrücke ausbildet. Kommen zwei Cysteine direkt hintereinander vor, gehört das
Chemokin zu den CC-Chemokinen (Abbildung 7 B). Wenn sich zwischen den beiden
Cysteinen eine Aminosäure befindet, wird das Chemokin zur Gruppe der CXC-Chemokine
zugeordnet (Abbildung 7 C), bei drei Aminosäuren gehört es den CX3C-Chemokinen
(Abbildung 7 D). Diese letzten drei Gruppen zeichnen sich durch zwei Disulfidbrücken an den
Cysteinen aus [133]. Zur Nomenklatur der Chemokine dient die Zugehörigkeit zur
Chemokingruppe, verbunden mit einem L (Ligand) und einer fortlaufenden Nummerierung. Im
Zuge dieser Arbeit wird ein spezieller Fokus auf Chemokine der CXC-Chemokingruppe gelegt,
weshalb auf diese Familie und einen ihrer Rezeptoren in Kapitel 3.6.3 spezieller eingegangen
wird.
15
Abbildung 7: Einteilung der Chemokingruppen anhand von Cysteinresten und
Disulfidbrücken.
A. C-Chemokine tragen ein Cystein am Amino-Terminus, das eine Disulfidbrücke ausbildet. B.
CC-Chemokine haben zwei aufeinanderfolgende Cysteine. C. CXC-Chemokine weisen zwischen
den Cysteinen eine Aminosäure (X) auf. D. CX3C-Chemokine weisen drei Aminosäuren zwischen
den Cysteinen auf. Die Gruppen der CC-, CXC- sowie CX3C-Chemokine (B-D) bilden zwei
Disulfidbrücken aus. Modifiziert nach L. Kohidai, 2008.
3.6.2 Vom Stimulus zur Chemokinausschüttung
Damit das Immunsystem auf körperfremde Stoffe reagieren kann, müssen die Immunzellen
mittels Oberflächenrezeptoren durch externe Stimuli wie z. B. PAMPs aktiviert werden. PAMPs
sind Moleküle, die von Pathogenen exprimiert oder sekretiert werden und vom Immunsystem
des Wirts über Mustererkennungs-Rezeptoren (Pattern recognition receptors (PRRs)), wie
z. B. TLRs spezifisch erkannt werden können. Klassische PAMPs sind beispielsweise
Lipopolysaccharide (LPS) oder Endotoxine, die auf der Oberfläche gramnegativer Bakterien
vorkommen. Bei grampositiven Bakterien, wie S. pn. können Lipoproteine der Zellwand als
PAMPs wirken, indem sie an TLR-2 binden [134]. Auch das intrazellulare Toxin Pneumolysin
(PLY) ist ein potenter Immunstimulus, der von Pneumokokken produziert wird. PLY scheint
einerseits aktiv von S. pn. sekretiert zu werden, andererseits auch durch lytische Prozesse
(z. B. bei Therapie mit einem lytischen Antibiotikum) aus den Zellen zu gelangen [135, 136].
Hoch konzentriertes PLY lysiert Wirtszellen, während es niedriger dosiert die Expression vieler
immunmodulatorischer Gene initiiert [136-139]. PLY scheint von den Rezeptoren TLR-2 und -
4 erkannt zu werden [140], die unter anderem auf Makrophagen und Epithelzellen (siehe 3.4.2)
A B C
D
C-Chemokine CC-Chemokine CXC-Chemokine
CX3C-Chemokine
Mucinartige
Domäne
Peptidkette
Disulfidbrücke
16
zu finden sind. Die Aktivierung dieser Rezeptoren sorgt für eine Weiterleitung des Signals über
eine Signalkaskade ins Zellinnere (siehe Abbildung 8), wodurch schließlich eine Ausschüttung
inflammatorischer Mediatoren initiiert wird [141, 142]. In Abb. Abbildung 8 ist der Signalweg
nach TLR-Liganden-Bindung dargestellt: Bestandteile extrazellulärer Bakterien (z. B.
Lipoproteine) binden an den TLRs auf der Zelloberfläche von Immunzellen, wohingegen
einzelsträngige RNA / DNA oder doppelsträngige RNA intrazellulär von den TLRs 3, 7 / 8 oder
9 detektiert wird. Die zytosolischen Domänen der Rezeptoren rekrutieren im Anschluss an die
Liganden-Bindung Adapterproteine, beispielsweise den myeloid differentiation factor 88
(MyD88). Nur TLR3 scheint unabhängig von MyD88 zu agieren. Der MyD88-assoziierte
Signalweg führt zu einer Aktivierung von nuclear factor kappa-light-chain-enhancer of
activated B-cells (NF-κB), einem Transkriptionsfaktor, dessen Proteine p65 (RelA) und p50 in
Folge einer Phosphorylierungsreaktion in den Zellkern wandern, um die Transkription und
Translation inflammatorischer Zytokine und Chemokine anzuregen [143]. Es konnte gezeigt
werden, dass NF-κB bzw. RelA in Epithelzellen essentiell ist für eine wirkungsvolle
Immunantwort nach Pneumokokken-Infektion [65, 144]. Dahingegen scheint in Makrophagen
vor allem die direkte und frühzeitige Immunreaktion RelA-abhängig zu sein, da in einzelnen
Infektionsexperimenten ein konditioneller RelA-Knockout in Makrophagen zu frühen
Zeitpunkten eine retardierte Rekrutierung der Neutrophilen und verminderte Zytokinlevel mit
sich brachte, zu späteren Zeitpunkten aber keine Unterschiede mehr zu sehen waren [145].
In einem geringeren Maße scheinen auch TLR- und MyD88-unabhängige Prozesse zu einer
Sekretion von Zytokinen oder Chemokinen wie CXCL5 zu führen. So konnte beispielsweise
eine Beteiligung des Transkriptionsfaktors STAT3 (signal transducer and activator of
transcription 3) an der IL-6 induzierten Sekretion von CXCL5 gezeigt werden [146].
Die tragende Rolle von TLRs in Infektionen zeigt sich bei Patienten mit genetischer Defizienz
von MyD88. Diese Patienten zeigen eine abgeschwächte Immunreaktion mit geringeren
Zytokin-Konzentrationen und einer erhöhten Rate invasiver Pneumonien [147, 148].
17
Abbildung 8: Signalkaskade nach toll-like Rezeptor (TLR) Aktivierung.
Abkürzungen: dsDNA: double-stranded deoxyribonucleic acid; dsRNA: double-stranded ribonucleic
acid; IRF: IFN regulatory factor; LPS: Lipopolysaccharid; MyD88: myeloid differentiation factor 88;
IFN: Interferon; NF-κB: nuclear factor kappa-light-chain-enhancer of activated B-cells; ssRNA:
single-stranded ribonucleic acid; TIR: Toll/interleukin-1 receptor; TIRAP: TIR domain-containing
adapter protein; TRAM: TRIF-related adaptor molecule; TRIF: TIR-domain-containing adaptor
protein-inducing IFN-β. Modifiziert nach [149].
©2014. Valles et al.: Acute kidney injury: what part do toll-like receptors play? International journal of
nephrology and renovascular disease 2014, 7:241-251.
3.6.3 Die Rolle des Chemokinrezeptors CXCR2 und seiner Liganden
Auf der Oberfläche von Neutrophilen werden verschiedene Chemokinrezeptoren exprimiert,
unter anderem die CXC-Motiv-Chemokinrezeptoren 2 (CXCR2, auch als IL-8 Rezeptor
bekannt) und -4 (CXCR4) [150, 151]. Das Zusammenspiel dieser Rezeptoren reguliert die
Freisetzung von Neutrophilen aus dem Knochenmark. Während CXCR4 und sein Ligand
CXCL12 für einen Rückhalt der PMNs im Knochenmark sorgen, fungiert eine CXCR2-
Aktivierung durch die im Knochenmark produzierten Chemokine CXCL1 und CXCL2 für die
Freisetzung der Zellen ins Blut [151]. Diese Liganden, wie auch CXCL5, sind gekennzeichnet
durch die Anwesenheit des aus den Aminosäuren Glutamyl, Leucyl, Arginin bestehenden ELR-
Motivs (ELR+ Chemokine) und werden in der Maus nur von CXCR2 detektiert. Auf humanen
Neutrophilen wird zusätzlich CXCR1 exprimiert, an den ebenfalls ERL+ Chemokine binden
können. Dieser Rezeptor ist strukturell sehr ähnlich zu CXCR2 und scheint ebenfalls der
Neutrophile-Rekrutierung und -Aktivierung zu dienen [152].
Funktionell konnte in den letzten Jahren gezeigt werden, dass CXCR2 und seine Liganden,
z. B. CXCL1, CXCL2 und CXCL5, eine tragende Rolle bei der Rekrutierung von Neutrophilen
Lipoproteine Flagellin
Endosom Endosom
Zytoplasma
Zellkern
Inflammatorische
Zytokine und
Chemokine
IFN-β,
IFN-induzierte
Gene
IFN-α/IFN-β,
IFN-induzierte
Gene
18
und mesenchymalen Stammzellen in Tumorgewebe haben [153-155], wobei eine starke
Expression von CXCR2 oder CXCL5 in tumorösen Bereichen mit verringerten
Überlebenschancen assoziiert werden kann [156, 157].
Zu der Rolle von CXCR2 und seinen Liganden in Infektionen ist beispielsweise bekannt, dass
CXCL5 aufgrund vermehrter Infiltration von Neutrophilen zu einer Schädigung der Blut-Hirn-
Schranke nach einer LPS Stimulation im Gehirn beiträgt [158]. Des Weiteren konnte gezeigt
werden, dass ein Knockout von CXCR2 oder CXCL5 in einem Tuberkulose-Model vor einem
schadhaften Neutrophile-Influx und einer hohen Letalität schützt [67]. Allerdings wurde auch
vermehrt von einem protektiven Einfluss der ELR+ Chemokine berichtet: Bei einer Bakterien-
induzierten Darminfektion schützt der mittels CXCR2 eingeleitete Einstrom von Neutrophilen
vor der Ausbreitung der Bakterien und Diarrhö [159]. In einer murinen virusinduzierten
Enzephalomyelitis, einer entzündlichen Erkrankung des Zentralnervensystems, sorgt die
Infiltration von PMNs zwar für eine Schädigung der Blut-Hirn-Schranke, ermöglicht so aber
auch die Rekrutierung von virusspezifischen T-Zellen zum Ort der Infektion, sodass eine
Inhibition von CXCR2 in einer unkontrollierten Virusvermehrung und einer 100 %-igen
Mortalität resultiert [160]. Auch in einer Pseudomonas aeruginosa Pneumonie tragen CXCR2
und seine Liganden essentiell zur Rekrutierung von PMNs und Bakterienbekämpfung bei,
weshalb eine Neutralisierung von CXCR2 dazu führt, dass die Überlebenssrate der infizierten
Tiere stark sinkt [161].
Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die Neutrophile-rekrutierende Wirkung von CXCR2
und ELR+ Chemokinen entweder positiv oder negativ für die Bekämpfung und Resolution der
Erkrankung ist, was abhängig vom Pathogen zu sein scheint. Vor allem bei Infektionen, die
eine starke Reaktion des Immunsystems mit irreversibler Gewebeschädigung verursachen,
scheint eine Verminderung der Neutrophilenzahl durch Neutralisierung von Rezeptor oder
Liganden tendenziell eine verminderte Mortalität mit sich zu bringen [67].
19
4 Zielsetzung
Die Pneumonie ist mit ihrer unverändert hohen Morbidität und Mortalität immer noch eine der
der wichtigsten Infektionskrankheiten. Obwohl die vielen Forschungsergebnisse der letzten
Jahrzehnte zu einer Anpassung der Therapie geführt haben, sterben trotz adäquater
antimikrobieller Betreuung und Behandlung von Ko-Morbiditäten immer noch zu viele
Patienten.
Bei einer Pneumonie scheint oftmals eine lokale Hyperinflammation mit der Entwicklung einer
schädlichen systemischen Entzündung und Organschädigung assoziiert werden zu können.
Aus diesem Grund wird empfohlen, innerhalb von höchstens vier Stunden nach Einweisung
mit einer antibakteriellen Therapie zu beginnen. Die Bedeutung und die Auswirkungen der
frühen Intervention sollen im Zuge dieser Dissertation detailliert untersucht werden. Dazu
sollen S. pn.-infizierte Mäuse frühzeitig oder erst zu einem späten Zeitpunkt der Infektion mit
Ampicillin therapiert werden. Eine umfangreiche Analyse klinischer Parameter, der lokalen und
systemischen Immunantwort, der Integrität der alveolokapillären Barriere sowie
histopathologische Untersuchungen sollen vor Therapiebeginn und zu ausgewählten
Zeitpunkten während der Therapie durchgeführt werden. Dies ermöglicht die Untersuchung
des Verlaufs der Pneumonie in Abhängigkeit vom Zeitpunkt des Therapiebeginns. Durch
diesen Ansatz kann des Weiteren analysiert werden, welche Prozesse der Pneumokokken-
induzierten Inflammation durch eine antibiotische Therapie reversibel sind. Ebenso könnten
Hinweise darauf gefunden werden, welche irreversiblen Schädigungen vor Einsatz einer
antibakteriellen Therapie entstehen, die durch die Eliminierung des Pathogens nicht verringert
werden können.
Ferner soll in der vorliegenden Arbeit der Einfluss des Neutrophile-rekrutierenden Chemokins
CXCL5 auf die Schädigung der Lunge untersucht werden, und zwar sowohl bei einer
infektiösen Inflammation der Lunge nach S. pn. Infektion, als auch nach steriler Inflammation
im Zuge einer invasiven Beatmung mit hohem Tidalvolumen. Eine Reduktion der neutrophilen
Granulozyten, die bei diesen Modellen früh und in hoher Zahl in den Alveolarraum migrieren,
könnte zu einer Verminderung der Neutrophilen-assoziierten Schädigung des
Lungengewebes führen. Um diese Hypothese zu überprüfen, sollen Cxcl5-defiziente Mäuse
mit Pneumokokken infiziert oder mechanisch ventiliert werden. Da Neutrophile essentiell sind
für die Eliminierung von Pneumokokken, könnten verringerte PMN-Zahlen in der Lunge
infizierter Tiere zu einer erhöhten bakteriellen Last führen. Ob dies die Mortalität erhöht oder
die verminderte Gewebs- und Barriereschädigung zu einer Verbesserung des klinischen
Zustandes der infizierten Tiere führt, ist bisher noch unklar. Die Analyse klinischer Parameter,
der Immunantwort, der vaskulären Permeabilität sowie histopathologischer Merkmale einer
Lungenschädigung sollen bei beiden Formen der pulmonalen Inflammation Aufschluss
darüber geben, inwieweit die Abwesenheit von CXCL5 vorteilhaft oder von Nachteil ist.
20
Basierend auf den Ergebnissen, die im Zuge dieser Arbeit generiert werden, könnten Ansätze
für adjuvante Therapien gefunden werden. Diese könnten aufbauend auf einer antibakteriellen
Behandlung langfristig eine Verbesserung der Überlebensrate von Pneumonie-Patienten
herbeiführen.
21
5 Material und Methoden
5.1 Material
5.1.1 Geräte
Tabelle 1: Übersicht der verwendeten Geräte
Gerät
Bezeichnung
Hersteller
Analysewaage
Sartorius, MC 5(-OCE)
Sartorius AG (Göttingen)
Autoklav
Tuttnauer Systec 2540 EL
Systec GmbH (Wettenberg)
Beatmungspumpe Maus
flexiVent
SCIREQ Scientific
Respiratory Equipment Inc.
(Kanada)
Brutschrank
Heraeus Typ BB 6220 O2
Kendro Laboratory Products
(Osterode)
Durchflusszytometer
BD FACSCanto
BD (Heidelberg)
Hämatologiegerät
scil Vet abc
scil animal care company
GmbH (Viernheim)
Homogenisierer
gentleMACS Dissociator
Miltenyi Biotec (Bergisch
Gladbach)
Kaltlichtquelle
Flexilux 600 longlife
Hugo Sachs Elektronik
(March-Hugstetten)
Magnet für magnetische
Säulen
MidiMACS Separator
Miltenyi Biotec (Bergisch
Gladbach)
Magnet für Zellisolation
DynaMag - Spin magnet
Thermo Fisher Scientific
(USA)
Magnethalter
MACS MultiStand
Miltenyi Biotec (Bergisch
Gladbach)
Magnetrührer
Thermo Scientific™
Variomag Mono Direkt
Thermo Fisher Scientific
(USA)
Oximeter
MouseOX Plus
Hugo Sachs Elektronik
(March-Hugstetten)
pH-Meter
FiveEasy™ pH/mV-
Messgerät
Mettler-Toledo
Photometer
Multiskan
Mikrotiterplatten-Photometer
Thermo Fisher Scientific
(USA)
Photometer
Scanning
Spectrophotometer, Uvikon
XL
BioTek Instruments (USA)
Präparationsbesteck
Fine Science Tools GmbH
(Heidelberg)
Pumpe für gleichmäßige
Entleerung von Spritzen
Pump 11 Elite Infusion
Hugo Sachs Elektronik
(March-Hugstetten)
22
Säulen für magnetische
Zellisolierung
LS Columns
Miltenyi Biotec (Bergisch
Gladbach)
Sicherheitswerkbank
Hera Safe Typ HS 12
Kendro Laboratory Products
(Osterode)
Tension System
Flexcell® FX-5000TM
Tension Systems
Flexcell® International
Corporation (USA)
Thermometer
BAT-12 Microprobe
Thermometer
Physitemp Instruments, Inc.
(USA)
Trachealkanüle für Mäuse
Hugo Sachs Elektronik
(March-Hugstetten)
Vakuumpumpe
Vacusafe comfort
Integra Biosciences AG
(Schweiz)
Vortexer
Vortex-Genie 2® Model G-
560E
Scientific Industries, Inc.
(USA)
Wärmematten System
Homeothermic Blanket
Systems
Harvard Apparatus (USA)
Wärmematten System
Homeothermic Blanket
Systems
Harvard Apparatus (USA)
Wasserbad
SW23 Schüttelwasserbad
Julabo GmbH (Seelbach)
Zählkammer
Neubauer-Zählkammer
bright-line
LO-Laboroptik GmbH
(Friedrichsdorf)
Zellfilter für magnetische
Zellisolierung
Pre-Separation Filters
(30 µm)
Miltenyi Biotec (Bergisch
Gladbach)
5.1.2 Verbrauchsmaterialien
Tabelle 2: Übersicht der verwendeten Materialien
Material
Spezifikation
Hersteller
Dispenser-Spitzen (5/10 ml)
Combitips advanced®
Eppendorf AG (Hamburg)
Dynabeads für Endothelzell-
Isolation
Dynabeads Sheep anti-Rat
IgG
Thermo Fisher Scientific
(USA)
Dynabeads für Epithelzell-
Isolation
MagniSort™ Streptavidin
Negative Selection Beads
Thermo Fisher Scientific
(USA)
Einbettkassetten
Rotilabo, Carl Roth GmbH +
CO. KG (Karlsruhe)
Handschuhe
B. Braun (Melsungen)
Homogenisier Gefäße
gentleMACS M Tubes
Miltenyi Biotec (Bergisch
Gladbach)
Impfschlingen (1/10 µl)
Einmal-Impfschlingen
Sarstedt (Nümbrecht)
Kanüle 18 G
Sterican® G 18 × 1/2"
B. Braun (Melsungen)
Kanüle 20 G
Sterican® G 20 × 1/2"
B. Braun (Melsungen)
Kanüle 26 G
Sterican® G 26 × 1/2"
B. Braun (Melsungen)
23
Kanüle 27 G
BD Microlance™ 3
BD (Heidelberg)
Kapillarblutentnahmesystem
(für Serum)
BD Microtainer® SST
Tubes
BD (Heidelberg)
Kapillarblutentnahmesystem
(mit EDTA)
Microvette® 500 µl
Sarstedt (Nümbrecht)
Kryo-Röhrchen (1 ml)
Thermo Fisher Scientific
(USA)
Küvetten
Halb-Mikro-Küvette, PS
Sarstedt (Nümbrecht)
Mikrotestplatte (96 Well)
Mikrotestplatte 96 Well, F
Sarstedt (Nümbrecht)
Reagenzgefäß
(0,5/1,5/2,0 ml)
Reagiergefäß SafeSeal
Sarstedt (Nümbrecht)
Reagenzgefäß (15/50 ml)
Falcon® konische
Zentrifugenröhrchen
Corning (USA)
Reagenzgefäß für FACS
Falcon® 5mL Round Bottom
High Clarity PP Test Tube
Corning (USA)
Serologische Pipetten
(2/5/10/25 ml)
Falcon® serologische
Einwegpipetten aus
Polystyrol
Corning (USA)
Spritzen (1 ml)
Omnifix® F Solo, 1 ml
B. Braun (Melsungen)
Spritzen (2/5/10 ml)
BD Discardit II
BD (Heidelberg)
Vakuum Filter System
Filtropur V50 500ml 0.22µm
Sarstedt (Nümbrecht)
Zellkulturflasche, 75 cm2
TC-Flasche T75,Standard
Sarstedt (Nümbrecht)
Zellkulturplatte
(6/12/24/48/96 Well)
Falcon® Multiwell-
Zellkulturplatten
Corning (USA)
Zellkulturschale, 8 cm2
TC-Schale 35, Standard
Sarstedt (Nümbrecht)
Zellsiebe (40/70/100 µm)
EASYstrainer Zellsiebe
Greiner Bio-One
(Österreich)
24
5.1.3 Reagenzien
Tabelle 3: Übersicht der verwendeten Reagenzien
Reagenz
Hersteller
Ampicillin
Ratiopharm (Ulm)
Bovines Serumalbumin (BSA)
Sigma-Aldrich Chemie GmbH (Taufkirchen)
cOmplete™, Mini Protease Inhibitor Cocktail
Roche Diagnostics GmbH (Mannheim)
CountBright™ Absolute Counting Beads
Thermo Fisher Scientific (USA)
Dulbecco’s Phosphatgepufferte Salzlösung
(1 × PBS)
Thermo Fisher Scientific (USA)
Ethanol, absolut reinst
Merck (Darmstadt)
FACSFlow
BD (Heidelberg)
FACS Shutdown Solution
BD (Heidelberg)
Formaldehyd-Lösung, gepuffert (4 %)
AppliChem (Darmstadt)
Hämalaunlösung, sauer nach Mayer
Carl Roth (Karlsruhe)
Hank’s Balanced Salt Solution (HBSS),
ohne CaCl2 und MgCl2 (HBSS-/-)
Thermo Fisher Scientific (USA)
Hank’s Balanced Salt Solution (HBSS),
versetzt mit CaCl2 und MgCl2 (HBSS+/+)
Thermo Fisher Scientific (USA)
Heparin 25000 I.E., 5 ml
Ratiopharm (Ulm)
Humanes Serumalbumin (20 %), HSA
CSL Behring (USA)
Isotonische Kochsalzlösung 0,9 %
Fresenius Kabi (Langenhagen)
Kanadabalsam
Carl Roth (Karlsruhe)
Opti-MEM®
Thermo Fisher Scientific (USA)
Perjodsäure, 99 %
Carl Roth (Karlsruhe)
Prostaglandin I2 Natriumsalz (PGI2)
Merck (Darmstadt)
Schiffs Reagenz
Carl Roth (Karlsruhe)
Thilo Tears Augengel
Alcon Pharma GmbH(Freiburg im Breisgau)
Tween® 20
Sigma-Aldrich Chemie GmbH (Taufkirchen)
Xylol
Carl Roth (Karlsruhe)
25
5.1.4 Antikörper
Tabelle 4: Übersicht der verwendeten Antikörper
Spezifität
Klon
Fluorochrom
Konzentration
Hersteller
CD11b
M1/70
PE-Cy7
0,2 mg/ml
BD (Heidelberg)
CD11c
N418
Cy5
1 mg/ml
ATCC (USA)
CD11c
HL3
APC
0,2 mg/ml
BD (Heidelberg)
CD144
11D4.1
unkonjugiert
125 µg/ml
BD (Heidelberg)
CD16/32
2.4G2
biotinyliert
0,5 mg/ml
BD (Heidelberg)
CD31
MEC13.3
biotinyliert
15,6 mg/ml
BD (Heidelberg)
CD45
30-F11
FITC
0,5 mg/ml
BD (Heidelberg)
CD45
30-F11
biotinyliert
0,5 mg/ml
BD (Heidelberg)
F4/80
BM8
PE
0,2 mg/ml
Thermo Fisher
Scientific (USA)
Ly6C
AL-21
V450
0,2 mg/ml
BD (Heidelberg)
Ly6C
HK1.4
BV510
0,1 mg/ml
BioLegend (USA)
Ly6G
1A8
PerCP-Cy5.5
0,2 mg/ml
BD (Heidelberg)
MHCII
M5/114.15.2
AF700
0,2 mg/ml
Thermo Fisher
Scientific (USA)
Siglec F
E50-2440
BV421
0,5 mg/ml
BD (Heidelberg)
TLR2
T2.5
unkonjugiert
0,2 µg/ml
Thermo Fisher
Scientific (USA)
5.1.5 Enzyme
Tabelle 5: Übersicht der verwendeten Enzyme
Enzym
Hersteller
Apyrase
Merck (Darmstadt)
Dispase
Corning (USA)
DNase I
AppliChem (Darmstadt)
Kollagenase II
Biochrom (Berlin)
26
5.1.6 Narkose und Heparin
Tabelle 6: Übersicht und Zusammensetzung der verwendeten Narkotika und Heparin
Narkose-Mix für Analyse
9 ml
NaCl 0,9 %
B. Braun (Melsungen)
2 ml
Ketamin (100 mg/ml)
Bela-pharm (Vechta)
1 ml
Xylazin 2 %
CP-Pharma (Burgdorf)
Ulmer-Mix für Infektion
Ulmer-Mix für Infektion
Ulmer-Mix für Infektion
3 ml
NaCl 0,9 %
B. Braun (Melsungen)
3 ml
Ketamin (100 mg/ml)
Bela-pharm (Vechta)
2,4 ml
Xylyzin 2 %
CP-Pharma (Burgdorf)
Narkose-Mix für Ventilierung
1 ml
NaCl 0,9 %
B. Braun (Melsungen)
2 ml
Fentanyl (0,5 g/ml)
Ratiopharm (Ulm)
1 ml
Medetomidin (1 mg/ml)
CP-Pharma (Burgdorf)
2 ml
Midazolam (5 mg/ml)
Ratiopharm (Ulm)
Heparin-Gemisch
Heparin-Gemisch
Heparin-Gemisch
2 ml
NaCl 0,9 %
B. Braun (Melsungen)
2 ml
Heparin (5.000 U/ml)
Ratiopharm (Ulm)
5.1.7 Medien und Puffer
Tabelle 7: Übersicht und Zusammensetzung der verwendeten Medien und Puffer
RPMI-10 Complete Medium (cRPMI)
RPMI 1640
PAA Laboratories GmbH
(Österreich)
10 %
FCS, Hitzeinaktiviert
CAPRICORN Scientific
(Ebsdorfergrund)
1 %
HEPES Puffer (1 M)
Life Technology (USA)
1 %
L-Glutamin (200 mM, 100 ×)
Life Technology (USA)
1 %
Penicillin/Streptomycin
10.000 U/ml
Life Technology (USA)
FACS Puffer
1 × PBS
Thermo Fisher Scientific
(USA)
0,2 %
BSA
Sigma-Aldrich Chemie
GmbH (Taufkirchen)
Wachstumsmedium für Bakterien (THY+Yeast)
0,5 %
Bacto™ Technischer Hefeextrakt
BD (Heidelberg)
3 %
Bacto™ Todd Hewitt Bouillon
BD (Heidelberg)
27
H2O (destilliert)
B. Braun (Melsungen)
Einfriermedium für Bakterien
20 %
Glycerin
Merck (Darmstadt
80 %
THY+Yeast
Eigene Herstellung
Red Blood Cell Lysis buffer
1000 ml
H2O (destilliert)
B. Braun (Melsungen)
1 g
KHCO3 (10 mM)
Merck (Darmstadt
8.29 g
NH4Cl (0.15 M)
Merck (Darmstadt
1%-ige Paraformaldehyd (4% PFA) Lösung, methanolfrei
36 ml
1 × PBS
Thermo Fisher Scientific
(USA)
1 ml
Formaldehyd, methanolfrei,
37 %
Carl Roth (Karlsruhe)
T7 Wachstumsmedium
DMEM
Life Technology (USA)
10 %
FCS, Hitzeinaktiviert
CAPRICORN Scientific
(Ebsdorfergrund)
1 %
HEPES, 1 M
Life Technology (USA)
1 %
Insulin-Transferrin-Selenium
Supplements
Thermo Fisher Scientific
(USA)
1 %
L-Glutamin, 209 mM
Life Technology (USA)
DMEM-10 Complete Medium (cDMEM)
DMEM
Life Technology (USA)
10 %
FCS, Hitzeinaktiviert
CAPRICORN Scientific
(Ebsdorfergrund)
1 %
HEPES, 1 M
Life Technology (USA)
1 %
L-Glutamin, 209 mM
Life Technology (USA)
Endothelzell-Wachstumsmedium
Endothelial Cell Growth Medium
MV2
PromoCell
10 %
FCS, Hitzeinaktiviert
CAPRICORN Scientific
(Ebsdorfergrund)
1 %
Penicillin/Streptomycin
10.000 U/ml
Life Technology (USA)
MACS Puffer
1 × PBS
Thermo Fisher Scientific
(USA)
0,5 %
BSA
Sigma-Aldrich Chemie
GmbH (Taufkirchen)
28
2 mM
EDTA
Thermo Fisher Scientific
(USA)
ACD Puffer
111 mM
D-Glukose
Sigma-Aldrich Chemie
GmbH (Taufkirchen)
85 mM
tri-Natriumcitrat-Dihydrat,
C6H5Na3O7 × 2 H2O
Merck (Darmstadt)
67 mM
Zitronensäuremonohydrat,
HOC(COOH)(CH2COOH)2 × H2O
Merck (Darmstadt)
CGS Puffer
0,033 M
M-Glukose
Sigma-Aldrich Chemie
GmbH (Taufkirchen)
0,123 M
Natriumchlorid, NaCl
Carl Roth (Karlsruhe)
0,013 M
tri-Natriumcitrat-Dihydrat,
C6H5Na3O7 × 2 H2O
Merck (Darmstadt)
Auf einen pH von 6,5 einstellen
Tyrodes Puffer
0,35 %
BSA
Sigma-Aldrich Chemie
GmbH (Taufkirchen)
2 mM
Calciumchlorid Dihydrat,
CaCl2×2H2O
Merck (Darmstadt)
5,5 mM
D-Glukose
Sigma-Aldrich Chemie
GmbH (Taufkirchen)
10 mM
HEPES
Life Technology (USA)
2,7 mM
Kaliumchlorid, KCl
Merck (Darmstadt)
1 mM
Magnesiumchlorid Hexahydrat;
MgCl2×6 H2O
AppliChem (Darmstadt)
137 mM
Natriumchlorid, NaCl
Carl Roth (Karlsruhe)
0,3 mM
Natriumdihydrogenphosphat-
Monohydrat, NaH2PO4×H2O
Merck (Darmstadt)
11,9 mM
Natriumhydrogencarbonat,
NaHCO3
Merck (Darmstadt)
VILI Puffer
487,5 ml
Jonosteril®
Fresenius Kabi (Bad
Homburg vor der Höhe)
12,5 ml
Tham Köhler
Köhler Pharma (Alsbach-
Hähnlein)
29
5.1.8 Bakterienstämme
Tabelle 8: Übersicht der verwendeten Bakterienstämme
Bezeichnung
Serotyp
NTCC
D39
2
NCTC 7466
PN36
3
NCTC 7978
5.1.9 Zelllinien
Tabelle 9: Übersicht der verwendeten Zelllinien
Bezeichnung
Herkunft
Hersteller
T7 (ECACC
07021402)
Typ II alveoläre
Epithelzellen aus
H 2Kb-tsA58 Mäusen
ECACC (UK)
5.1.10 Kits
Tabelle 10: Übersicht der verwendeten Kits
Bezeichnung
Hersteller
Anti-Ly-6G MicroBead Kit, mouse
Miltenyi Biotec (Bergisch
Gladbach)
Foxp3/Transcription Factor
Staining Buffer Set
Thermo Fisher Scientific (USA)
Human Albumin ELISA Kit
Bethyl Laboratories (USA)
Mouse Albumin ELISA Kit
Bethyl Laboratories (USA)
Mouse CXCL1/KC DuoSet ELISA
R&D Systems (USA)
Mouse CXCL2/MIP-2 DuoSet
ELISA
R&D Systems (USA)
Mouse LIX DuoSet ELISA
R&D Systems (USA)
Mouse VEGF DuoSet ELISA
R&D Systems (USA)
ProcartaPlex® Multiplex
Immunoassay
Thermo Fisher Scientific (USA)
30
5.1.11 Software
Tabelle 11: Übersicht der verwendeten Software
Bezeichnung
Hersteller
GraphPad Prism, V7
Graphpad Software
FACS Diva
BD (Heidelberg)
FlowJo, V10
FlowJo, LLC
FX-5000TM software
Flexcell® International
Corporation (USA)
scil vIP Manager, V2.0
scil animal care company GmbH
(Viernheim)
SkanIt, 4.1
Thermo Fisher Scientific (USA)
5.2 Methoden
5.2.1 Anzucht von Streptococcus pneumoniae
5.2.1.1 Kryokonservierung von Streptococcus pneumoniae
Es wurden Kryostocks der Stämme D39 und PN36 angelegt. Dafür wurden die Pneumokokken
mit Hilfe einer 1 µl Impfschlinge auf Blutagarplatten aufgebracht und über Nacht (ü.N.) bei
37 °C und 5 % CO2 inkubiert. Einzelne Kolonien wurden auf neue Blutagarplatten übertragen
und für 8 h bei 37 °C und 5 % CO2 inkubiert. Alle Kolonien einer Platte wurden in ein 1 ml
Kryoröhrchen mit 1 ml Gefriermedium überimpft und bei -80 °C bis zur Verwendung gelagert
5.2.1.2 Zucht von Streptococcus pneumoniae für Infektionsversuche
Mit einer 1 µl Impfschlinge wurde Bakterienmaterial aus dem gefrorenen Stock auf nf
Blutagarplatten ausgestrichen und bei 37 °C und 5 % CO2 für 8 h inkubiert. Anschließend
wurden Einzelkolonien in 18 ml THY + Yeast, versetzt mit 2 ml hitzeinaktiviertem FCS,
übertragen, bis eine optische Dichte bei 600 nm Wellenlänge (OD600nm) von 0,03 - 0,04 erreicht
wurde. Die anschließende Inkubation im Wasserbad erfolgte bei 37 °C, bis die Bakterien die
exponentielle Wachstumsphase erreichten (OD600nm = 0,3 - 0,4). Anschließend wurde die
Flüssigkultur bei 2000 × g für 10 min bei Raumtemperatur (RT) zentrifugiert, der Überstand
verworfen und das Bakterienpellet in 20 ml warmen 1 × PBS aufgenommen. Nach erneuter
Zentrifugation wurden die Bakterien in 1 ml 1 × PBS resuspendiert und durch Bestimmung der
OD die Anzahl Kolonie bildender Einheiten (colony forming units, CFUs) bestimmt, wobei eine
OD600nm von 0,1 einer Konzentration von 1 × 108 CFU/ml entspricht. Die Bakteriensuspension
wurde mit 1 × PBS auf die für den jeweiligen Versuch gewünschte Konzentration verdünnt und
zur Kontrolle in 1:10 Verdünnungsschritten auf Blutagarplatten aufgetragen. Die Auszählung
der Kontrollplatten erfolgte am nächsten Tag.
31
5.2.2 Tierexperimentelle Untersuchungen
5.2.2.1 Versuchstiere
Für die Untersuchung der Pneumokokken-Pneumonie in Abhängigkeit von unterschiedlichen
Zeitpunkten der Antibiotikagabe wurden 8 Wochen alte weibliche Mäuse des Stammes
C57BL/6N von Charles River Laboratories (Sulzfeld) bezogen.
Zur Untersuchung der Entwicklung eines Lungenschadens in Abhängigkeit von CXCL5 in der
Pneumokokken-Pneumonie und unter mechanischer Beatmung wurden neben Wildtyp (WT)
Mäusen des Stammes C57BL/6J auch Cxcl5 Knockout (Cxcl5/−) Tiere mit diesem Stamm als
Hintergrund verwendet. Der Cxcl5/− Stamm wurde in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Stefan
H.E. Kaufmann am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie (Berlin) generiert und uns
freundlicherweise zur Verfügung gestellt [67].
5.2.2.2 Tierhaltung
Für unsere tierexperimentellen Arbeiten wurde die Zucht der Cxcl5 Wildtyp (WT) und Cxcl5/−
Stämme in der Forschungseinrichtung für Experimentelle Medizin der Charité
Universitätsmedizin Berlin verlegt.
Der Transport der Mäuse erfolgte 5 7 Tage vor Versuchsstart, um den Tieren eine Adaption
an den Tierstall im Labor zu ermöglichen. Bis zu fünf Mäuse wurden nach ihrer Ankunft
gemeinsam in individuell ventilierte, mit Filterhauben ausgestattete Käfige gesetzt, wo ihnen
Wasser und Futter ad libitum zur Verfügung stand. Ein Wechsel zwischen Hell- und
Dunkelphasen erfolgte im 12-Stunden Rhythmus. Tiere unterschiedlicher experimenteller
Gruppen wurden in getrennten Käfigen gehalten.
5.2.2.3 Versuchsgruppen
Für das Modell der retardierten Ampicillin-Therapie wurden die in Tabelle 12 dargestellten
Versuchsgruppen zu den angegebenen Zeitpunkten untersucht. Ein Schema des Ablaufes von
Infektion und antibakterieller Therapie ist in Abbildung 9 dargestellt.
Tabelle 12: Versuchsgruppen Pneumokokken-Pneumonie und Ampicillin-Therapie
Infektion
Behandlung
Behandlungsstart
(h p.i.)
Analyse Zeitpunkt
(h p.i.)
PBS
-
-
24, 48
5 × 106 S. pn ST3
-
-
24, 48
5 × 106 S. pn ST3
0,9 % NaCl
24
36, 48, 60, 72
5 × 106 S. pn ST3
0,4 mg Ampicillin
24
36, 48, 60, 72, 96, 120
5 × 106 S. pn ST3
0,9 % NaCl
48
60, 72
5 × 106 S. pn ST3
0,4 mg Ampicillin
48
60, 72, 96, 120
32
Für das Modell der Pneumokokken-Pneumonie in Abhängigkeit von CXCL5 wurden die in
Tabelle 13 dargestellten Gruppen untersucht.
Tabelle 13: Versuchsgruppen Pneumokokken-Pneumonie in Abhändigkeit von CXCL5
Genotyp
Infektion
Analyse Zeitpunkt (h p.i.)
Cxcl5 WT
PBS
24
Cxcl5 WT
5 × 106 S. pn ST2
24
Cxcl5/−
PBS
24
Cxcl5/−
5 × 106 S. pn ST2
24
Zur Untersuchung der akuten Lungenschädigung unter mechanischer Beatmung in
Abhängigkeit von CXCL5 und Neutrophilen wurden die in Tabelle 14 gelisteten
Versuchsgruppen analysiert.
Tabelle 14: Versuchsgruppen mechanische Beatmung in Abhängigkeit von CXCL5 und Neutrophilen
Genotyp
Behandlung
Beatmungsmodus
Cxcl5 WT
-
NV (10 min)
Cxcl5 WT
-
HVT (4 h)
Cxcl5/−
-
NV (10 min)
Cxcl5/−
-
HVT (4 h)
NV = nicht ventiliert, HVT = ventiliert mit hohem Tidalvolumen
5.2.2.4 Infektion der Tiere
Vor der Infektion wurden Körpertemperatur und Gewicht bestimmt. Anschließend erfolgte die
Einleitung der Narkose entsprechend des Gewichtes durch Verabreichung des Ulmer-Mixes
mit 80 mg/kg Ketamin und 25 mg/kg Xylazin, welcher intraperitoneal (i.p.) appliziert wurde.
Nach Feststellung der ausreichenden Narkose-Tiefe durch Überprüfung des Zwischenzeh-
Reflexes wurde den Tieren zum Schutz der Kornea Augensalbe aufgetragen, bevor sie an den
oberen Schneidezähnen hängend in einer Infektionsbox fixiert wurden. Es folgte eine
tropfenweise Verabreichung von 10 µl Bakteriensuspension (2,5 × 108 CFU/ml) pro
Nasenloch. Die Infektion der Kontrollgruppen verlief analog mit 10 µl 1 × PBS pro Nasenloch.
Anschließend wurden die Mäuse in den Käfigen bis zum Erwachen unter Rotlicht gestellt und
regelmäßig überwacht.
5.2.2.5 Behandlung mit Ampicillin
Die Therapie der S. pn.-infizierten Tiere mit 0,4 mg Ampicillin in 150 µl 0,9 % NaCl startete
24 h bzw. 48 h nach der Infektion (post infectionem, p.i.). Sie erfolgte intraperitoneal (i.p.) und
in 12 h-Intervallen. Kontrollgruppen wurden analog mit 0,9 % NaCl behandelt (Abbildung 9).
33
Abbildung 9: Infektion und Therapie mit Ampicilin.
Beginn der Ampicillin-Therapie erfolgte 24 h bzw. 48 h nach der Infektion mit 5 × 106 CFU S. pn. oder
der Kontrollinfektion mit 1 × PBS. Zur Kontrolle wurden S. pn.-infizierte Tiere mit 150 µl 0,9 % NaCl
i.p. behandelt. Die Analyse der Gruppen, die keine oder nur Lösungsmittel-Therapien erhielten,
erfolgte bis 72 h p.i. Mit Ampicillin behandelte Tiere wurden bis zum Zeitpunkt 120 h p.i. analysiert.
Abkürzung: S. pn. Streptococcus pneumoniae; p.i. - post infectionem
5.2.2.6 Überwachung des Infektionsverlaufs
Beginnend 24 h p.i. wurden alle Gruppen der Experimentreihe für frühzeitige und verspätete
antibakterielle Therpie im 12 h Intervall über den gesamten Versuchszeitraum überwacht.
Dafür wurde neben Gewichts- und Temperaturmessung das äußere Erscheinungsbild und das
Verhalten der Mäuse beobachtet und die Atmung kontrolliert. Wenn dabei festgestellt wurde,
dass die Krankheit bei einzelnen Tiere weit fortgeschritten und das Leiden nicht mehr ethisch
vertretbar war, erfolgte umgehend eine Euthanasie mittels Narkotisierung und anschließender
zervikalen Dislokation. Zur Beurteilung dieses Zeitpunktes wurde nach Empfehlung des
Arbeitskreises Berliner Tierschutzbeauftragter ein Score Sheet erstellt, mit dessen Hilfe die
Belastung dokumentiert und Abbruchkriterien festgelegt wurden. Eine Übersicht dieses
Scoring Systems ist Tabelle 15 zu entnehmen. Folgende Handlungsanweisungen wurden
beachtet: Erfüllt das Tier Symptome der Kategorie A oder B wird es weiter beobachtet. Sobald
das Tier ein Symptom der Kategorie C aufweist, muss es unverzüglich schmerzlos
euthanasiert werden.
Infektion
5 × 106 CFU
S. pn. / PBS
+/- Ampicillin / 0,9 % NaCl (alle 12 Stunden)
Analyse-Zeitpunkte in Stunden p.i.
0
24
36
48
60
72
96
120
34
Tabelle 15: Handlungsanweisung zur klinischen Beurteilung infizierter Tiere
Symptom
Kategorie
Tier isoliert sich
A
Struppiges / ungepflegtes Fell
A
Verhaltens-/ und Haltungsauffälligkeiten
A
Augen (krustige Belege, Augenausfluss)
B
Atmung n/t/s *
/ B/ C
Krämpfe, Torkeln, Apathie
C
Schmerzen (gekrümmte Haltung oder Leib aufgezogen, Laufen auf
Zehenspitzen)
C
Tier vermeidet Bewegung / Reaktionsminderung auf äußeren Reiz
A
Fehlstellung der Zähne
A
Äußere Veränderungen:
Verletzungen Hautveränderungen (A)
Abszesse, äußerlich sichtbare Infektionen, Ödeme, Automutilation (B)
A/ B
Hautfalten bleiben stehen
B
Leib hart und aufgetrieben
B
Körpertemperatur-Bestimmung [°C]
Hypothermie (Körperkerntemperatur < 35 °C)
B
Körpermasse-Bestimmung [g]
Körpermasseabnahme ab 10 %
A
Körpermasseabnahme ab 20 %
B
Körpermasseabnahme 25 %
C
Legende: * Atmung: n = normal; t = beschleunigt oder flach (Kategorie B); s = schwerfällige
oder stark pumpende Atmung (Kategorie C)
5.2.3 Analyse der Tiere und Probenentnahme
5.2.3.1 Vorbereitung der Tiere
Zum festgelegten Analyse Zeitpunkt wurden die Mäuse ein letztes Mal auf die in Tabelle 15
aufgelisteten Symptome untersucht und anschließend durch intraperitoneale Verabreichung
des Narkose-Mixes (160 mg/kg Ketamin, 75 mg/kg Xylazin, verdünnt in 0,9 % NaCl)
entsprechend ihres Körpergewichtes narkotisiert. Nach Feststellung einer ausreichenden
Narkosetiefe durch Testung des Zwischenzeh-Reflexes wurden die Tiere auf einer
Styroporunterlage fixiert und mit 70 %-igem EtOH benetzt. Die Bauchhöhle wurde vorsichtig
geöffnet, wonach aus der Vena cava caudalis und mit Hilfe einer 27 G Kanüle Blut entnommen
wurde. Durch diese finale Blutabnahme wurde ein sofortiger Herz- und Kreislaufstillstand
gewährleistet.
35
5.2.3.2 Verarbeitung des Blutes
50 µl des entnommenen Blutes wurden in ein mit EDTA behandeltes Blutentnahmesystem
gegeben, das restliche Volumen zur Gewinnung von Serum in ein Serum separator tube
gefüllt. Dieses wurde für 30 min bei RT inkubiert und bei 13.000 × g für 2 min bei RT
zentrifugiert, bevor das Serum in 1,5 ml Reaktionsgefäße überführt und bis zur weiteren
Analyse bei -80 °C gelagert wurde. In dem mit EDTA versetzten Blut wurde mit Hilfe eines
Hämatologiegerätes Leukozyten, Monozyten und Granulozyten im Blut gemessen und der
Hämatokrit bestimmt. Des Weiteren wurde zur Bestimmung der bakteriellen Last das Blut pur
und in 1:10 Verdünnungen auf Blutagarplatten gebracht und über Nacht bei 37 °C und 5 %
CO2 inkubiert. Am folgenden Tag wurden die gewachsenen Kolonien ausgezählt. Für die
Untersuchung des akuten Lungenschadens in Abhängigkeit von CXCL5 wurde kein Serum
gewonnen, sondern das Plasma aus dem mit EDTA versetzten Blut untersucht. Dafür wurden
die EDTA-Röhrchen bei 2.000 × g für 10 min bei 4 °C zentrifugiert und das Plasma bis zur
weiteren Analyse bei -80 °C gelagert.
5.2.3.3 Durchführung der bronchoalveoären Lavage
Zur Freilegung der Trachea wurde ein medianer Hautschnitt bis zum Kopf der Maus
durchgeführt und das Gewebe oberhalb der Trachea entfernt. Zwei 1 ml Spritzen wurden mit
jeweils 800 µl 1 × PBS, versetzt mit Protease-Inhibitor, befüllt. Eine 18 G Kanüle wurde die
Trachea eingeführt, eine Spritze aufgesetzt und die Lunge vorsichtig gespült. Nach dem
Wechsel der Spritzen erfolgte eine erneute Spülung. Die Lavageflüssigkeit (BAL) wurde pur
und in 1:10 Verdünnungen auf Blutagarplatten gebracht und über Nacht bei 37 °C und 5 %
CO2 inkubiert. Am folgenden Tag wurden die gewachsenen Kolonien ausgezählt. Die BAL
wurde für 5 min bei 400 × g und 4 °C zentrifugiert. Der Überstand (BAL fluid, BALF) wurde bei
-80 °C bis zur weiteren Analyse gelagert, das Zellpellet (BAL cells, BALC) in 100 µl FACS
Puffer resuspendiert und bis zur Antikörper-Färbung (siehe 5.2.5) in einem Reaktionsgefäß für
FACS auf Eis gelagert.
5.2.3.4 Verarbeitung der Lunge
Die Lunge wurde mit Hilfe einer 10 ml Spritze und einer 27 G Kanüle über das Herz mit 5 ml
1 × PBS perfundiert, woraufhin alle Lungenlappen bis auf den linken Lungenlappen (Pulmo
sinister) und den rechten mittleren Lappen (Lobus medius) in 1 ml 1 × PBS mit Hilfe des
gentleMACS Dissociators homogenisiert wurden. Die Suspension wurde pur und in 1:10
Verdünnungen auf Blutagarplatten gebracht und über Nacht bei 37 °C und 5 % CO2 inkubiert.
Am folgenden Tag wurden die gewachsenen Kolonien ausgezählt.
36
5.2.3.5 Verarbeitung der Milz
Die Milz wurde in 1 ml 1 × PBS mit Hilfe des gentleMACS Dissociators homogenisiert. Die
Suspension wurde pur und in 1:10 Verdünnungen auf Blutagarplatten gebracht und über Nacht
bei 37 °C und 5 % CO2 inkubiert. Am folgenden Tag wurden die gewachsenen Kolonien
ausgezählt.
5.2.4 Mechanische Ventilationsversuche
5.2.4.1 Anfangs-Präparation
Nach einer Gewichtsbestimmung der Maus wurden entsprechend ihres Gewichtes das
Narkosegemisch für die Ventilierung (siehe Tabelle 6) verabreicht (Fentanyl (0,05 mg/kg),
Midazolam (5 mg/kg) und Medetomidin (0,5 mg/kg)). Nach Feststellung der ausreichenden
Narkose-Tiefe durch Überprüfung des Zwischenzeh-Reflexes wurde die Maus unterhalb des
Beatmungsgerätes fixiert. Zur durchgängigen Bestimmung der rpertemperatur wurde rektal
eine Temperatursonde eingeführt. Anschließende Schritte der Anfangs-Präparation wurden
von Dr. med. vet. Sandra-Maria Wienhold durchgeführt. Um im Laufe des
Ventilationsexperimentes weiterhin Narkose verabreichen zu können, wurde ein
intraperitonealer Narkose-Katheter gelegt. Die Trachea wurde freigelegt und vorsichtig
geöffnet. Anschließend wurde eine Trachealkanüle in die generierte Öffnung eingeführt und
fixiert, woraufhin eine Beatmung mit einem niedrigen Tidalvolumen (LVT, 9 ml/kg) gestartet
wurde. In die anschließend freigelegte Halsschlagader (Arteria carotis) wurde ein Katheter zur
fortlaufenden Versorgung mit VILI-Puffer (siehe Tabelle 7) gelegt. Ein Blasenkatheter diente
dem Auffangen von Urin.
5.2.4.2 Ventilation
Die Ventilation erfolgte unter gleichbleibenden Bedingungen für 10 min (Gruppe: NV) oder mit
einem hohen Tidalvolumen (33 ml/kg) für 240 min (Gruppe: HVT). Der positive
endexspiratorische Druck (PEEP) betrug 2 cm/H2O, der Anteil am inspiratorischen Sauerstoff
(fraction of inspired oxygen (FiO2)) 0,5. VILI-Puffer wurde über einen Katheter zur
Halsschlagader mittels einer elektrischen Pumpe mit einer Flussrate von 350 µl/h konstant
zugeführt. Alle 10 min wurden Blutdruck (gemessen durch einen Druckaufnehmer über den
Katheter in der Halsschlagader), Atem- und Herzfrequenz notiert. Über das FlexiVent® wurden
der peak inspiratory pressure (PIP) und die Compliance im 10 min Intervall gemessen. Um
eine ausreichende Narkosetiefe über den Versuchszeitraum gewährleisten zu können, wurde
im weiteren Verlauf abhängig von der Narkosetiefe über den i.p. Katheter Narkosegemisch
verabreicht (30 % der Ausgangsdosis). Um die Integrität der alveolokapillären Barriere mittels
ELISA bestimmen zu können, wurden 90 min vor Versuchsende 1 mg humanes
37
Serumalbumin (HSA) in 75 µl 0,9 % NaCl intraarteriell über den Carotiskatheter bzw.
intravenös über die laterale Schwanzvene (i.v., NV-Gruppe) appliziert.
5.2.4.3 Beendigung der Ventilation und Probenentnahme
Nach 4-stündiger Beatmung wurden 50 µl des Narkosegemisches für die Ventilierung über
den i.p. Katheter appliziert. Nach weiteren 5 min erfolgte eine Verabreichung von 50 µl
Heparin-Gemisch (siehe Tabelle 6) über den Carotiskatheter. Über den selben Katheter wurde
nach einer 5-minütigen Wartezeit mit Hilfe einer 1 ml Spritze, die ein halbes EDTA-Plättchen
enthielt, Blut entnommen, bis ein Herz- und Kreislaufstillstand gewährleistet war. Das Blut
wurde in ein EDTA-Gefäß überführt um mit Hilfe eines Hämatologiegerätes Immunzellen zu
bestimmen. Im Anschluss wurde das Blut zentrifugiert (2.000 × g, 10 min, 4 °C) und das
Plasma für weitere Analysen bei -80 °C gelagert. Die Maus wurde vom FlexiVent® entfernt,
woraufhin eine eine bronchoalveoläre Lavage durchgeführt wurde. Diese wurde zentrifugiert
(400 × g, 5 min, 4 °C), der Überstand bei -80 °C eingefroren und die Zellen für die Analyse der
Immunzellen in 100 µl FACS-Puffer aufgenommen (siehe 5.2.5).
5.2.5 Färbung der BAL-Zellen für durchflusszytometrische Untersuchungen
Die Zellen der BAL wurden mit 10 µl aCD16/CD32 Antikörper für 5 min auf Eis inkubiert, um
unspezifische Bindungsstellen abzudecken. Die Färbung der Oberfläche erfolgte mit den
Antikörpern antiCD11c-Cy5 (aCD11c; 1:250), aCD11b-PE-Cy7 (1:200), aF4/80-PE (1:125),
aLy6G-PerCP-Cy5.5 (1:200), aLy6C-V450 (1:125) und aMHCII-Alexa Fluor 700 (1:666) für
20 min bei 4 °C. Bei Versuchen mit Cxcl5/− und Cxcl5 WT erfolgte eine Oberflächenfärbung
nach analogen Bedingungen mit den Antikörpern aCD11c-APC (1:250), aCD11b-PE-Cy7
(1:200), aF4/80-PE (1:125), aCD45-FITC (1:400), aLy6G-PerCP-Cy5.5 (1:200), aLy6C-BV510
(1:200), aMHCII-Alexa Fluor (1:666) und aSiglec F-BV421 (1:125). Im Anschluss erfolgte eine
Zentrifugation der Proben mit 1 ml 1 × PBS (400 × g, 5 min, 4 °C). Der Überstand wurde
verworfen und die Zellen in 300 µl 1 %-igem PFA aufgenommen. Nach einer Inkubation ü.N.
bei 4 °C wurde 2 ml FACS Puffer zu den Zellen gegeben, woraufhin sie erneut zentrifugiert
wurden (400 × g, 5 min, 4 °C). Nach einem erneuten Waschen der Zellen mit 2 ml FACS Puffer
wurden die Zellen in 100 µl FACS Puffer aufgenommen. Zur Bestimmung der Zellzahl wurden
50 µl CountBright™ Absolute Counting Beads, welche zuvor 1:10 verdünnt wurden, zu den
Zellen gegeben. Die einzelnen Zellpopulationen wurden wie in Abbildung 10 dargestellt
anhand ihrer Oberflächenmarker charakterisiert.
38
Abbildung 10: Gating Strategien zur Untersuchung bronchoalveolären Lavage.
Charakterisierung der einzelnen Leukozyten-Populationen anhand ihrer Oberflächenmarker im A. Modell
einer frühen und späten antibakteriellen Therapie und B. nach S. pn.-Infektion oder mechanischer
Ventilation von Cxcl5/ und WT Tieren..
SSC
FSC
12
3
4
5
6
7
8
CD11c
CD11b
AF
Ly6G
F4/80
Ly6C
F4/80 CD11b
CD11b MHCII
Von 1
Von 2 Von 3
Von 6 Von 7
1 Leukozyten
4Alveoläre Makrophagen
5Neutrophile
8 inflammatorische Monozyten / Makrophagen
FSC-A
SSC-A
FSC-A
FSC-H
FSC-H
CD45
CD11c
CD11b
Siglec F
F4/80
CD11b
MHCII
Ly6G
CD11b
Siglec F
CD11b
F4/80
CD11b
Ly6C
MHCII
1
2
Von 1 Von 2
3
Von 3
4
5
Von 4
6
Von 7
7
8
Von 5
9
10
Von 10
11
Von 11
12 13
Von 12
1 Leukozyten
3 CD45+ Leukozyten
6 Alveoläre Makrophagen
8 Dendritische Zellen
9 Neutrophile
13 inflammatorische Monozyten / Makrophagen
Von 2 Von 3
B
A
39
5.2.6 Histologische Untersuchungen
Für die histopathologischen Untersuchgen der Mauslungen wurden die infizierten bzw.
beatmeten Tiere wie in 5.2.3.1 beschrieben mittels finaler Blutabnahme euthanasiert. Die
Trachea wurde abgebunden, um einen Lungenkollaps zu vermeiden. Nach dem Öffnen des
Thorax wurden die Lungen ohne vorherige Lavage oder Perfusion vorsichtig entnommen und
in Einbettkassetten für 24 h bei RT in 4 %-igem Formalin fixiert. Nachfolgende Schritte wurden
in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Gruber an der Freien Universität Berlin durchgeführt. Die
Lungen wurden in Paraffin eingebettet und in 2 µm dünne Schnitte zerteilt. Die Schnitte wurden
mit Hematoxylin & Eosin (H & E) gefärbt, wie bereits in [162] und [163] beschrieben. Pro Lunge
wurden drei Abschnitte mikroskopisch von den Veterinärmedizinerinnen Dr. Corinne Gunther
oder Dr. Kristina Dietert ausgewertet, um die Ausbreitung und Stärke pathologischer
Veränderungen zu bewerten. Dazu wurden folgende spezifische Inflammationsparameter für
die Lunge ausgewertet: Bereich der betroffenen Lunge; Verteilungen der Läsionen;
peribronchiale, interstitielle und intra-alveoläre Inflammation; alveoläre Nekrose; perivaskuläre
Inflammation und Ödembildung; Infiltration von Immunzellen; alveoläres Ödem; Pleuritis und
Steatitis, wie bereits in [164] beschrieben. Ein Lungen-Inflammationsscore wurde aus dem
Durchschnitte der folgenden Parameter, die je nach Ausprägung auf einer Skala von 0 (nicht
betroffen) bis 4 (hochgradig) eingestuft worden sind, erstellt: Ausprägung der Inflammation,
Immunzellinfiltration, Pleuritis und Steatitis. Alveoläres und perivaskuläres Ödem wurden auf
einer Skala bis 5 (massiv) bewertet.
Bei mechanisch ventilierten Tieren wurde neben einer H & E Färbung zur verbesserten
Darstellung von Bindegewebe, Basalmembran und Zellwänden zusätzlich eine PAS (periodic
acid-Schiff) Reaktion durchgeführt. Dazu wurden die Lungenschnitte entparaffiniert, wozu sie
für jeweils 15 min bei 70 °C zunächst dreimal in Xylol und anschließend in einer absteigenden
Alkoholreihe (100 %, 96 %, 80 %, 70 %, 0 %) inkubiert wurden. Anschließend erfolgte eine
5-minütige Inkubation der Schnitte in 1 %-iger Perjodsäure bei RT, woraufhin sie in
destilliertem Wasser gespült und für anschließend für jeweils 5 min in Schiffs Reagenz, H2O
und Hämalaun gelagert wurden. Daraufhin erfolgte das Bläuen der Schnitte in H2O. Nach einer
aufsteigenden Alkoholreihe zur Entwässerung (jeweils für 15 min bei 70 °C in 70 %, 80 %,
96 % und 100 % Alkohol) wurden die Schnitte in Xylol aufgehellt und in Kanadabalsam
eingebettet.
5.2.7 Ermittlung der vaskulären Permeabilität
Murines Serumalbumin (MSA) wurde im Plasma bzw. Serum sowie in der bronchoalveolären
Lavageflüssigkeit der Mäuse mittels Mouse Albumin ELISA Kit nach Herstellerangaben
quantifiziert. Bei Versuchen mit mechanischer Ventilierung wurde 90 min vor Beendigung des
40
Beatmungsversuchs 1 mg Humanes Serumalbumin (HSA) in 75 µl 0,9 %-igem NaCl i.v.
verabreicht. Die HSA Konzentration wurde mit Hilfe des Human Albumin ELISA Quantitation
Set nach Herstellerangaben bestimmt.
Zur Ermittlung der vaskulären Permeabilität wurde folgende Formel genutzt:
𝑃𝑒𝑟𝑚𝑒𝑎𝑏𝑖𝑙𝑖𝑡ä𝑡 = 𝑐 (𝑀𝑆𝐴 𝐻𝑆𝐴)𝐵𝐴𝐿𝐹
𝑐 (𝑀𝑆𝐴 𝐻𝑆𝐴)𝑆𝑒𝑟𝑢𝑚 𝑃𝑙𝑎𝑠𝑚𝑎
5.2.8 Quantifizierung von Chemokinen, Zytokinen und Wachstumsfaktoren
Chemokine, Zytokine und Wachstumsfaktoren wurden in der BALF und dem Plasma bzw.
Serum der Versuchstiere oder im Zellkultur-Überstand nach Herstellerangaben folgender Kits
quantifiziert:
Tabelle 16: Übersicht der verwendeten ELISA Kits
Analyt
Kit (Hersteller)
CXCL1
Mouse CXCL1/KC DuoSet ELISA (R&D Systems)
CXCL2
Mouse CXCL2/MIP-2 DuoSet ELISA (R&D Systems)
CXCL5
Mouse LIX DuoSet ELISA (R&D Systems)
VEGF
Mouse VEGF DuoSet ELISA (R&D Systems)
IL-1β, IL-6, IL-10, IL-12p40, TNF-α,
IFN-γ, G-CSF, GM-CSF, CCL2,
CCL3
ProcartaPlex® Multiplex Immunoassay (Thermo
Fisher Scientific)
5.2.9 In vitro Versuche
5.2.9.1 Kultivierung von T7 Zellen
Die gefrorenen Zellen wurden in einem Wasserbad bei 37 °C aufgetaut und in ein 50 ml
Reaktionsgefäß mit 15 ml T7 Wachstumsmedium überführt. Nach einer 5-minütigen
Zentrifugation (400 x g, RT) wurde der Überstand verworfen, die Zellen erneut in 10 ml T7
Wachstumsmedium aufgenommen und wiederholt zentrifugiert. Das Zellpellet wurde in 20 ml
T7 Wachstumsmedium aufgenommen und in einer 75 cm2 Zellkulturflasche bei 37 °C und 5 %
CO2 inkubiert. Zum Aufteilen in neue Zellkulturflaschen oder Zellkulturplatten wurden die
Zellen mit 37 °C warmen 1 × PBS gewaschen und anschließend mit 2 ml Trypsin / EDTA
versetzt. Nach einer 2minütigen Inkubation bei 37 °C wurde die Reaktion mit T7
Wachstumsmedium gestoppt und die Zellsuspension in ein 50 ml Reaktionsgefäß überführt.
Nach der Zentrifugation (400 x g, 5 min, RT) wurde der Überstand entfernt, die Zellen in 1 ml
T7 Wachstumsmedium aufgenommen und nach einer 1:50-Verdünnung in eine neue 75 cm2
41
Zellkulturflasche überführt. Für weiterführende Experimente wurden die Zellen in Opti-MEM®
aufgenommen, mit Hilfe von Tryptanblau ausgezählt und in Zellkulturplatten eingebracht.
5.2.9.2 Stimulation oder Infektion von T7 Zellen
Für Infektionsversuche wurden die Zellen in einer Konzentration von 2 × 105/ml in
Zellkulturplatten eingebracht und bei 37 °C und 5 % CO2 inkubiert, bis sie einen konfluenten
Zellrasen gebildet hatten. Die Bakterien für eine Infektion der Zelllinie wurden analog zu den
in vivo Infektionsversuchen ohne Zugabe von FCS gezüchtet (siehe 5.2.1.2) und in einer
Konzentration von 1 × 107/ml in Opti-MEM® aufgenommen. Für eine Multiplizität der Infektion
(MOI) von 1 wurden 10 µl der Bakteriensuspension pro Well einer 24-Well Zellkulturplatte auf
die Zellen gegeben und für 24 h bei 37 °C und 5 % CO2 stimuliert. Die Überstände wurden
abgenommen und bis zur Quantifizierung der sekretierten Proteine (siehe 5.2.8) bei -20 °C
gelagert.
Für eine Blockierung des toll-like Rezeptors 2 (TLR2) vor der Infektion wurden nach
Erneuerung des Kulturmediums 0,05 µg aTLR2 (T2.5) Antikörper pro Well einer 24-Well
Zellkulturplatte eingebracht und für 30 min unter gleichbleibenden Bedingungen vor der S. pn.-
Infektion inkubiert. Zur Kontrolle der Infektionsdosis wurde die Bakteriensuspension pur und
in 1:10 Verdünnungen auf Blutagarplatten gebracht und über Nacht bei 37 °C und 5 % CO2
inkubiert. Am folgenden Tag wurden die gewachsenen Kolonien ausgezählt.
Zur Simulation einer mechanischen Ventilation in vitro wurden T7 Zellen in einer Konzentration
von 1 × 105/ml in Opti-MEM®, versetzt mit 1 % Penicillin / Streptomycin aufgenommen. 2 ml
der Zellsuspension wurden in jedes Well einer Kollagen IV-beschichteten flexiblen Membranen
einer BioFlex® Zellkulturplatte gebracht und bis zur Bildung eines konfluenten Zellrasens bei
37 °C und 5 % CO2 inkubiert. Nach der Erneuerung des Mediums wurden die Zellen bei 37 °C
und 5 % CO2 mit Hilfe des FlexcelFX-5000TM Tension Systems mit einer Frequenz von
0,25 Hertz (Hz) und einer Elongation von 18 % zyklisch gedehnt. Als Kontrolle dienten analog
behandelte, unter statischen Konditionen inkubierte T7 Zellen. Die Überstände wurden
abgenommen und bis zur Quantifizierung der sekretierten Proteine (siehe 5.2.8) bei -20 °C
gelagert.
5.2.9.3 Isolation und Infektion muriner vaskulärer Endothelzellen
Die Mäuse wurden wie in 5.2.3.1 beschrieben narkotisiert und durch eine finale Blutabnahme
aus der Vena Cava euthanasiert. Die Lunge wurde freigelegt, nach Entfernung von
umgebendem Fettgewebe, Herz und Thymus vollständig entnommen und in HBSS-/-
gewaschen. Das Lungengewebe wurde in 1 2 mm3 große Stücke zerschnitten, in 10 ml
Verdau-Lösung überführt und für 60 min im 37 °C warmen Wasserbad inkubiert. In der
Inkubationszeit wurden 35 mm2 Zellkulturschalen bei RT für 60 min mit 1 ml Fibronektin
42
beschichtet und die magnetischen Beads vorbereitet. Dazu wurden pro Mauslunge 3 µl
Dynabeads in 1000 µl HBSS+/+ + 0,5 % BSA in ein 1,5 ml Reaktionsgefäß überführt und am
Magneten platziert, sodass sich die Beads an der Rückwand des Reaktionsgefäßes
anlagerten. Der Überstand wurde verworfen, das Reaktionsgefäß vom Magneten entfernt und
erneut 1000 µl HBSS+/+ + 0,5 % BSA zu den Beads gegeben. Dieser Waschvorgang wurde
dreimal durchgeführt, bevor die Beads im ursprünglichen Volumen (4 µl / Maus) aufgenommen
und mit 2,5 µl aCD144 Antikörper pro Lunge versetzt wurden. Die Suspension wurde für
60 min bei RT in einem Schüttler inkubiert, anschließend wie bereits beschrieben dreimal am
Magneten gewaschen in 100 µl HBSS+/+ + 0,5 % BSA aufgenommen.
Im Anschluss an die Inkubation der Lunge im Wasserbad wurden die Gewebestücke mit einer
10 ml Pipette für 5 min auf- und abpipettiert, um die Zellen aus dem Gewebe zu lösen.
Anschließend wurde die Zellsuspension durch ein 70 µm in ein 50 ml Reaktionsgefäß mit
10 ml Endothelzell-Wachstumsmedium überführt und bei 400 × g für 5 min bei 4 °C
zentrifugiert. Der Überstand wurde verworfen, das Zellpellet in 10 ml HBSS+/+ + 0,5 % BSA
aufgenommen und erneut zentrifugiert. Die Zellen wurden in 700 µl HBSS+/+ + 0,5 % BSA
resuspendiert und mit den zuvor gewaschenen und mit Antikörpern inkubierten Dynabeads
vermengt. Nach einer 30minütigen Inkubation bei RT wurde die Suspension auf vier 1,5 ml
Reaktionsgefäße überführt und in jeweils 1 ml HBSS+/+ + 0,5 % BSA aufgenommen. Die Zellen
wurden wie bereits beschrieben dreimal gewaschen, bevor die Zellen in 1 ml HBSS+/+ + 0,5 %
BSA aufgenommen und in einem 1,5 ml Reaktionsgefäß zusammengeführt wurden. Nach
einem letzten Waschvorgang mit Hilfe des Magneten wurden die Zellen in 1 ml Endothelzell-
Wachstumsmedium aufgenommen und in die mit Fibronektin beschichtete 35 mm2
Zellkulturschale eingesäht. Nach einer 24-stündigen Inkubation bei 37 °C und 5 % CO2 wurde
das Medium erneuert. Dies erfolgte alle 48 h, bis die Zellen eine Konfluenz von 80 % erreicht
hatten. Für Infektionsversuche wurden die Zellen mit Hilfe von Trypsin / EDTA analog zum
Protokoll für T7 Zellen auf 24-Well Zellkulturplatten aufgeteilt (siehe 5.2.9.1). Wenn die
Endothelzellen einen konfluenten Zellrasen gebildet hatten, wurden sie mit 1 × PBS
gewaschen und mit 500 µl Opti-MEM® versetzt. Nach einer 3-stündigen Inkubation wurden
die Endothelzellen analog zu den T7 Zellen für 24 h mit S. pn. stimuliert, bevor der Überstand
abgenommen und bis zur Messung der Proteine bei -20 °C aufbewahrt wurde.
5.2.9.4 Isolation und Infektion alveolärer Epithelzellen
Die Mäuse wurden wie in 5.2.3.1beschrieben narkotisiert und durch eine finale Blutabnahme
aus der Vena Cava euthanasiert. Zur Freilegung der Trachea wurde ein medianer Hautschnitt
bis zum Kopf der Maus durchgeführt und das Gewebe oberhalb der Trachea entfernt. Die
Lunge wurde über das Herz mit 5 ml HBSS-/- gespült. Mit Hilfe einer 18 G Kanüle wurden über
die Trachea vorsichtig 1,5 ml Dispase-Lösung (500 U) in die Lunge eingebracht, woraufhin die
43
Spritze schnell gewechselt wurde, um anschließend 500 µl einer flüssigen 1 %-igen
Agaroselösung zu applizieren. Nachdem sich diese verfestigt hatte, wurden Herz und Thymus
entfernt, die mit Dispase und Agarose gefüllte Lunge herauspräpariert, dreimal in HBSS-/- auf
Eis geschwenkt und in einem 15 ml Reaktionsgefäß mit 1 ml Dispaselösung bedeckt bei RT
für 40 min inkubiert. 24,5 ml cDMEM wurden mit 2,5 mg DNase versetzt. Im Anschluss an die
Inkubation wurde die Lunge in eine 60 mm Petrischale mit 5 ml dieser Verdaulösung überführt.
Mit Hilfe von zwei Pipetten wurden die Zellen aus dem Lungengewebe geklopft. Anschließend
wurde die Zellsuspension mit einer 10 ml Pipette auf- und abpipettiert und durch ein 100 µm
Zellsieb gegeben, um die Zellen zu vereinzeln. Nach einer 5-minütigen Zentrifugation (200 × g,
4 °C) wurde das Pellet in 1,5 ml cDMEM + 10 % FCS aufgenommen. Der Überstand wurde
erneut zentrifugiert und das Pellet mit den Zellen der vorherigen Zentrifugation
zusammengeführt. Die Zellen wurden mit Hilfe von Tryptanblau quantifiziert, woraufhin pro
1 × 107 Zellen für die spätere Negativselektion jeweils 10 µl unkonjugiertes aCD45, aCD16/32
und aCD31 zu der Zellsuspension gegeben und für 30 min bei 37 °C und 5 % CO2 inkubiert
wurden. In dieser Zeit wurden 10 µl der magnetischen Beads pro 1 × 107 Zellen wie in 5.2.9.3
beschrieben dreimal mit jeweils 1 ml 1 × PBS am Magneten gewaschen und anschließend in
100 µl 1 × PBS aufgenommen. Im Anschluss an die Inkubation wurde die Zellsuspension mit
20 ml cDMEM versetzt und zentrifugiert (5 min, 200 × g, 4 °C). Der Überstand wurde
verworfen, das Pellet in 25 ml cDMEM aufgenommen, erneut zentrifugiert und in 1,5 ml
cDMEM resuspendiert. Zusammen mit den vorbereiteten Beads wurden die Zellen für 15 min
bei RT inkubiert, auf zwei 1,5 ml Reaktionsgefäße aufgeteilt und an einen Magneten platziert.
Da hier eine Negativselektion angewendet wurde, wurden die Zellsuspension mit den Zellen,
die nicht am Magneten gebunden waren in ein 15 ml Reaktionsgefäß überführt. Die Zellen am
Magneten wurden erneut in 1 ml cDMEM aufgenommen und am Magneten platziert. Der
Überstand wurde ebenfalls in das 15 ml Reaktionsgefäß gegeben, mit 10 ml cDMEM + 10 %
FCS versetzt und bei 200 × g und 4 °C für 5 min zentrifugiert. Die Zellen wurden in 1 ml
cDMEM + 10 % FCS aufgenommen und mit Hilfe von Tryptanblau ausgezählt. Die Zellen
wurden auf eine Konzentration von 1 × 106 / ml eingestellt und 500 µl der Epithelzell-
Suspension pro Well in eine 24-Well Zellkulturplatte eingebracht. Die Epithelzellen wurden bei
37 °C und 5 % CO2 inkubiert, woraufhin alle 48 h das Medium erneuert wurde. Wenn die Zellen
konfluent waren, wurden sie dreimal mit warmen 1 × PBS gewaschen und 500 µl DMEM + 2 %
FCS + 1 % L-Glutamin + 1 % HEPES pro Well zu den Zellen gegeben. Nach einer Inkubation
ü.N. wurden das Infektionsmedium erneuert und die Zellen analog zu den T7 Zellen für 24 h
mit S. pn. stimuliert, bevor der Überstand abgenommen und bis zur Messung der Proteine bei
-20 °C aufbewahrt wurde.
44
5.2.9.5 Isolation und Infektion alveolärer Makrophagen
Die Mäuse wurden wie in 5.2.3.1 beschrieben narkotisiert und durch eine finale Blutabnahme
aus der Vena Cava euthanasiert. Zur Freilegung der Trachea wurde ein medianer Hautschnitt
bis zum Kopf der Maus durchgeführt und das Gewebe oberhalb der Trachea entfernt. Fünf
1 ml Spritzen wurden mit jeweils 800 µl 1 × PBS befüllt. Eine 18 G Kanüle wurde die Trachea
eingeführt, die Spritzen nacheinander aufgesetzt und die die Lunge fünfmal vorsichtig gespült.
Die Lavageflüssigkeit wurde in einem 15 ml Reaktionsgefäß gesammelt und bei 400 × g und
4 °C für 5 min zentrifugiert. Der Überstand wurde verworfen, die Zellen in 100 µl DMEM + 10 %
FCS aufgenommen und mit Hilfe von Tryptanblau ausgezählt. 5 × 104 Zellen in 200 µl DMEM
+ 10 % FCS wurden pro Well in eine 96-Well Zellkulturplatte eingebracht und für 2 h bei 37 °C
und 5 % CO2 inkubiert. Das Medium mit den nicht-adhärenten Zellen wurde entfernt und 200 µl
frisches Medium zu den Zellen gegeben. Die Infektion erfolgte am kommenden Tag analog zu
den T7 Zellen für 24 h mit S. pn., bevor der Überstand abgenommen und bis zur Messung der
Proteine bei -20 °C aufbewahrt wurde.
5.2.9.6 Isolation und Infektion muriner Knochenmarks-Neutrophiler
Die Mäuse wurden wie in 5.2.3.1 beschrieben narkotisiert und durch eine finale Blutabnahme
aus der Vena Cava euthanasiert. Das Fell und Fleisch wurde vorsichtig von Femur und Tibia
entfernt und das Bein vom Hüftknochen gelöst. Femur und Tibia wurden voneinander getrennt
und die Fußknochen vorsichtig entfernt, ohne die Knochen zu beschädigen. Die Enden der
Knochen wurden entfernt und das Knochenmark mit Hilfe einer 27 G Kanüle und 10 ml
1 × PBS herausgespült. Die Suspension wurde in ein 50 ml Reaktionsgefäß mit 15 ml MACS
Puffer übertragen und bei 300 × g für 5 min bei 4 °C zentrifugiert. Der Überstand wurde
verworfen, die Zellen in 5 ml MACS Puffer pro Maus aufgenommen und mit Hilfe von
Tryptanblau ausgezählt. Nach einer erneuten Zentrifugation unter gleichen Bedingungen
wurden die Konzentration der Zellen in MACS Puffer auf 5 × 108/ml eingestellt und pro 1 × 108
Zellen 50 µl aLy6G-Biotin zu den Zellen gegeben. Nach einer 10-minütigen Inkubation bei 4 °C
wurden pro 1 × 108 Zellen 150 µl MACS Puffer sowie 100 µl aBiotin-Microbeads
hinzugegeben, woraufhin eine erneute Inkubation für 15 min bei 4 °C erfolgte. Die Zell-
Antikörper-Microbead Suspension wurde mit 10 ml MACS Puffer versetzt, zentrifugiert
(300 × g, 5 min, 4 °C) und in 500 µl MACS Puffer pro 1 × 108 Zellen resuspendiert.
Anschießend erfolgte die Isolierung der Ly6G-positiven Zellen mit Hilfe eines Magnet-
Systems. Dazu wurde eine Säule (LS Column) in das magnetische Feld eines MidiMACS
Separators eingebracht und mit 3 ml MACS Puffer versetzt. Die Zellsuspension wurde durch
einen 30 µm Filter auf die Säule gegeben, wodurch Zellen, die an einen aLy6G Antikörper und
die Microbeads gekoppelt waren, an dem Magneten hängen blieben. Die Zellen, die durch die
Säule hindurchgingen, wurden verworfen. Anschließend wurden zum Waschen der Zellen und
45
zum Entfernen unspezifisch gebundener Zellen dreimal 3 ml MACS Puffer auf die Säule
gegeben. Die Säule wurde vom Magneten entfernt, woraufhin sie zum Herauslösen der Zellen
mit 5 ml MACS Puffer versetzt wurde. Die isolierten Neutrophilen wurden in einem 15 ml
Reaktionsgefäß aufgefangen und mit Hilfe von Tryptanblau ausgezählt. Für anschließende
Infektionsversuche wurden die Neutrophilen zentrifugiert (300 × g, 5 min, 4 °C) und zu
5 × 105/ml in Opti-MEM® resuspendiert. Pro Well einer 48-Well Zellkulturplatte wurden 250 µl
der Zellsuspension eingebracht. Die S. pn.-Infektion der Neutrophilen erfolgte am selben Tag
analog zu den T7 Zellen für 24 h, bevor der Überstand abgenommen und bis zur Messung der
Proteine bei -20 °C aufbewahrt wurde.
5.2.9.7 Isolation und Infektion muriner Thrombozyten
Die Mäuse wurden wie in 5.2.3.1 beschrieben narkotisiert.150 µl des ACD-Puffers wurden in
eine 1 ml Spritze gefüllt, in welche das Blut entnommen wurde. Durch diese finale
Blutabnahme aus der Vena Cava wurden die Mäuse euthanasiert. Das mit ACD-Puffer
versetzte Blut wurde in ein 1,5 ml Reaktionsgefäß überführt. Eine Apyrase-Lösung (0,02 U/ml)
wurde 1:1000 in CGS-Puffer verdünnt, wovon 200 µl zum Blut gegeben wurden. Nach einer
Zentrifugation (200 × g, 10 min, 37 °C) wurden die oberste Schicht mit Zwischenphase und
25 % der untersten Sicht in ein neues Reaktionsgefäß überführt. Zu den übrigen 75 % der
erythrozytenhaltigen untersten Schicht wurden erneut 200 µl Apyrase-haltiger CGS-Puffer
hinzugegeben. Beide Reaktionsgefäße wurden bei gleichbleibenden Bedingungen
zentrifugiert, die obersten Schichten vorsichtig abgenommen und in einem neuen
Reaktionsgefäß vereint. In diese Lösung wurde entsprechend des Volumens PGI2
hinzugegeben, sodass eine Verdünnung von 1:1.000 erreicht wurde. Nach sanftem Mischen
der Suspension und einer anschließenden Zentrifugation (1.000 × g, 6 min, 37 °C) wurde der
Überstand verworfen, das Thrombozyten-Pellet in 1 ml CGS-Puffer (versetzt mit PGI2 und
Apyrase) aufgenommen und erneut bei gleichbleibenden Bedingungen zentrifugiert. Das
Pellet wurde in 400 µl Tyrodes Puffer + 0,1 % Apyrase resuspendiert und die Zellen für eine
Stunde bei RT ruhen lassen. Die Thrombozyten wurden mit Hilfe von Druchflusszytometrie
ausgezählt, die Zellen erneut bei gleichen Bedingungen zentrifugiert und in Tyrodes Puffer
ohne Apyrase resuspendiert. Anschließend erfolgte eine S. pn.-Infektion analog zu den T7
Zellen, allerdings nicht für 24 h, sondern nur für eine Stunde.
5.2.10 Auswertung und Darstellung der Ergebnisse
GraphPad Prism (Version 7.0) wurde für die statistische Auswertung der Ergebnisse und die
Erstellung der Graphen verwendet. Die Kurven zur Darstellung der Überlebensraten wurden
mit Hilfe der Kaplan-Meier Methode dargestellt und einem log-rank (Mantel-Cox) Test
46
ausgewertet. Zur statistischen Auswertung parametrischer Daten zweier Gruppen wurde ein
ungepaarter t-Test verwendet. Die Messdaten wurden als Mittelwert ± Standardfehler des
Mittelwertes (SEM) dargestellt. Nicht-parametrischen Daten wurden als Median mit 25 75 %
Interquartilabstand dargestellt und mit Hilfe eines Mann Whitney Tests statistisch ausgewertet.
In der Experimentreihe zur Untersuchung frühzeitiger und später antibakterieller Therapie
wurden mehrerer Zeitpunkte der S. pn.-infizierten, lösunsmittelbehandelen Kontrollgruppe mit
Hilfe eines 1-way ANOVAs (Kruskal-Wallis-Test) zu den Werten des Behandlungsstarts
verglichen. Parametrische wie auch nicht-parametrische Daten von mehr als zwei Gruppen
wurden mit einem 2-way ANOVA statistisch ausgewertet. P Werte kleiner als 0,05 wurden als
statistisch signifikant gewertet.
47
6 Ergebnisse
6.1 Der Einfluss früher und später antimikrobieller Therapie auf die Resolution
einer Streptokokken-induzierten Pneumonie in der Maus
Der Effekt frühzeitiger und verspäteter Ampicillin-Therapie auf den Krankheitsverlauf und die
Immunantwort des Wirts sollte detailliert erforscht werden, um die Wichtigkeit einer
frühzeitigen antibakteriellen Therapie zu verstehen. Dazu wurden C57BL/6J-Mäuse transnasal
mit S. pn. infiziert und ab 24 h p.i. bzw. 48 h p.i. in 12-Stunden Intervallen mit Ampicillin
therapiert. S. pn.-infizierte Kontrolltiere wurden mit 0,9 % NaCl behandelt.
6.1.1 Eine retardierte Antibiotika-Therapie schützt nicht vor einem fatalen
Pneumonie-Verlauf in Mäusen
Tiere, die frühzeitig (24 h p.i.) behandelt wurden, konnten vor einem fatalen Pneumonie-
Verlauf geschützt werden und zeigten eine Mortalität von lediglich 2,9 %, wohingegen ein
später Therapiestart (48 h p.i.) in einer signifikant erhöhten Sterblichkeit von 79,6 % resultierte
(Abbildung 11 A). Von außen sichtbare Anzeichen einer murinen Pneumonie, wie
schwerfällige Atmung, eitrige Augen oder ungepflegtes Fell, wurden in einem klinischen Score
zusammengefasst und über den Infektionsverlauf hinweg dokumentiert. 24 h nach Infektion
wiesen die Tiere einen signifikant erhöhten klinischen Score im Vergleich zur scheininfizierten
Kontrollgruppe auf. Mit Hilfe einer frühzeitigen Therapie konnten diese klinische Symptome
bereits 12 h nach initialer Ampicillin-Gabe signifikant reduziert werden und blieben im weiteren
Verlauf auf basalem Niveau. 48 h nach Infektion, zum Startpunkt der späten Therapie, zeigten
sich vermehrt äußere Pneumonie-Symptome, wodurch es zu einem Anstieg des klinischen
Scores kam. Dieser konnte durch eine späte Therapie nicht reduziert werden (Abbildung 11
B). Auch die Fähigkeit, die Körpertemperatur aufrecht zu erhalten (Abbildung 11 C) und das
Gewicht (Abbildung 11 D) der infizierten Tiere waren 24 h p.i. bereits signifikant vermindert,
konnten aber durch die frühzeitige Antibiotikagabe innerhalb von 12 bis 24 erhöht werden.
48
Abbildung 11: Späte Antibiotika-Therapie schützt S. pn.-infizierte Mäuse nicht vor fataler
Pneumonie.
Die Mäuse wurden mit S. pn. infiziert (n = 9). Beginnend 24 h (blau) bzw. 48 h (rot) nach Infektion
wurden Behandlungsgruppen mit Ampicillin therapiert (n = 9). Kontrollgruppen wurden mit
Lösungsmittel scheininfiziert (1 × PBS, n = 7) bzw. mit Lösungsmittel behandelt (0,9 % NaCl, n = 9). A.
Kaplan-Meier Kurven der Überlebensrate der einzelnen Gruppen, Log-rank Test. B. Klinischer Score,
Median und 25 75 % Interquartilsabstand, 2-way ANOVA/Sidak’s multiple comparison Test für den
Vergleich von Ampicillin- versus Lösungsmittel-Behandlung. Kruskal-Wallis Test/Dunn’s multiple
comparison Test für den Vergleich zu unbehandelten, S. pn.-infizierten Tieren zu Therapiebeginn. C.
Körpertemperatur und D. Körpergewicht der jeweiligen Gruppen. C, D: Mittelwert ± SEM, 2-way
ANOVA/Sidak’s multiple comparison Test. * zeigt einen Unterschied zwischen Gruppen zum selben
Zeitpunkt an, # zeigt den Unterschied zum Therapiestart an. A D: :*/# p < 0,05 und ****/#### p < 0,0001.
6.1.2 Der Zeitpunkt der Antibiotika-Gabe hat keinen Einfluss auf die antibakterielle
Wirkung
Um den Verlauf der bakteriellen Eliminierung zu messen und die Wirksamkeit der frühen und
späten Therapie zu kontrollieren, wurden Lavage-Flüssigkeit (BAL), Lungen-Homogenat und
Blut der infizierten Tiere auf Kolonie-bildende Einheiten (CFUs) untersucht. Es zeigte sich,
dass die Kinetik der Bakterien-Abtötung in allen untersuchten Organen nach frühem und
spätem Therapiebeginn vergleichbar ablief: 48 h nach Therapiebeginn war die bakterielle Last
im Alveolarraum auf ~ 104 CFUs reduziert, unabhängig vom Start der Behandlung (Abbildung
12 A). Zum Zeitpunkt 48 h p.i. war in der Lunge eine höhere bakterielle Last zu finden als 24 h
Z eit p.i. [h]
Ü b e rle b e n [% ]
0 12 24 36 48 60 72 84 96 108 120
0
2 0
4 0
6 0
8 0
100 ****
Z eit p.i. [h]
K örp e rte m pe ra tu r [°C ]
0 12 24 36 48 60 72 84 96 108 120
2 4
2 7
3 0
3 3
3 6
3 9
**** **** ****
****
****
Z eit p.i. [h]
K lin isch e r S co re
2 4 3 6 4 8 6 0 7 2
0
2
4
6
8
****
****
**** ****
####
####
####
####
####
Z eit p.i. [h]
48 60 72 96 120
0
2
4
6
8
####
#
Z eit p.i. [h]
G ew icht
[% G e w ic h t v or In fe k tio n ]
0 12 24 36 48 60 72 84 96 108 120
7 0
7 5
8 0
8 5
9 0
9 5
100
105
*
****
****
****
Überlebensrate
Körpertemperatur
A B
C
Klinischer Score
GewichtD
T im e p .i. [h ]
b o d y te m p e ra tu re [°C ]
0 24 3 6 4 8 60 7 2
25
30
35
40
P B S K o n tro lle
S . p n . + A m p ic illin 2 4 h p .i.
S . p n . + Lö su n g sm itte l 2 4 h p .i.
S . p n . + Lö su n g sm itte l 4 8 h p .i.
S . p n . + A m p ic illin 4 8 h p .i.
h o u rs p .i.
C lin ical S c o re
48 60 72 96 120
0
2
4
6
# # # #
#
S . p n . + A m p ic illin 2 4 h p .i.
S . p n . + L ö s u n g sm itte l 2 4 h p .i.
P B S K o n tro lle
S . p n .
S . p n . + L ö s u n g s m itte l 4 8 h p .i.
S . p n . + A m p ic illin 4 8 h p .i.
T im e p .i. [h ]
b o d y te m p e ra tu re [°C ]
0 24 3 6 4 8 60 7 2
25
30
35
40
P B S K o n tro lle
S . p n . + A m p ic illin 2 4 h p .i.
S . p n . + Lö su n g sm itte l 2 4 h p .i.
S . p n . + Lö su n g sm itte l 4 8 h p .i.
S . p n . + A m p ic illin 4 8 h p .i.
h o u rs p .i.
C lin ical S c o re
48 60 72 96 120
0
2
4
6
# # # #
#
S . p n . + A m p ic illin 2 4 h p .i.
S . p n . + L ö s u n g sm itte l 2 4 h p .i.
P B S K o n tro lle
S . p n .
S . p n . + L ö s u n g s m itte l 4 8 h p .i.
S . p n . + A m p ic illin 4 8 h p .i.
T im e p .i. [h ]
b o d y te m p e ra tu re [°C ]
0 24 3 6 4 8 60 7 2
25
30
35
40
P B S K o n tro lle
S . p n . + A m p ic illin 2 4 h p .i.
S . p n . + Lö su n g sm itte l 2 4 h p .i.
S . p n . + Lö su n g sm itte l 4 8 h p .i.
S . p n . + A m p ic illin 4 8 h p .i.
49
p.i. (Abbildung 12 B). Infolge der frühzeitigen Therapie konnten in der Ampicillin-Gruppe
niedrigere Werte gemessen werden als in der kontrollbehandelten Gruppe, aber nur eine
geringe Reduktion im Vergleich zum Therapiestart. Durch die späte Behandlung konnte keine
signifikante Verminderung erreicht werden, jedoch waren Tendenzen sichtbar. Im Blut
(Abbildung 12 C) konnten bereits 24 h p.i. Erreger detektiert werden. Hier war ebenfalls eine
Eliminierung zu beobachten: 12 h nach Therapiebeginn war nach beiden Behandlungsstarts
eine Reduktion um mehr als 99 % erreicht und im Laufe von 48 h Therapie konnte die
Erreberlast auf 0 10 CFU/µl Blut reduziert werden.
Abbildung 12: Die Kinetik der Bakterien-Eliminierung mittels Antibiotika-Therapie ist nicht
abhängig vom Therapiebeginn.
Die Mäuse wurden mit S. pn. infiziert (n = 9). Beginnend 24 h (blau) bzw. 48 h (rot) nach Infektion
wurden Behandlungsgruppen mit Ampicillin therapiert (n = 9). Kontrollgruppen wurden mit
Lösungsmittel scheininfiziert (1 × PBS, n = 7) bzw. mit Lösungsmittel behandelt (0,9 % NaCl, n = 9).
Bakterielle Last in A. bronchoalveolärer Lavage (BAL), B. Homogenisierter Lunge und C. Blut. A - C:
Median ± Interquartilsabstand, 2-way ANOVA/Sidak’s multiple comparison Test für den Vergleich von
Ampicillin- versus Lösungsmittel-Behandlung. Kruskal-Wallis Test/Dunn’s multiple comparison Test
für den Vergleich zu unbehandelten, S. pn.-infizierten Tieren zu Therapiebeginn. * zeigt einen
Unterschied zwischen Gruppen zum selben Zeitpunkt an, # zeigt den Unterschied zum Therapiestart
an. A C: */# p < 0,05, **/## p < 0,01, ***/### p < 0,001 und ****/#### p < 0,0001. CFU= Kolonie-bildende
Einheiten
Z e it p .i. [h ]
C F U [lo g 1 0]
48 60 72 96 120
2
3
4
5
6
7
#
C F U [log 1 0 ]
2 4 3 6 4 8 6 0 7 2
2
3
4
5
6
7
#
####
# #
*
*
#
C F U / µ l [lo g 1 0 ]
2 4 3 6 4 8 6 0 7 2
0
1
2
3
4
# #
#
*
*** * ***
Z e it p .i. [h ]
C F U / µ l [lo g 1 0 ]
48 60 72 96 120
0
1
2
3
4
###
#
# #
** *
CFU BAL CFU BlutA
C F U [log 1 0 ]
2 4 3 6 4 8 6 0 7 2
0
2
4
6
8
1 0
1 2 *** * * *
#
# #
Z e it p .i. [h ]
C F U [log 1 0 ]
48 60 72 96 120
0
2
4
6
8
1 0
1 2
B CCFU Lunge
h o u rs p .i.
C linical S c ore
48 60 72 96 120
0
2
4
6
# # # #
#
S . p n . + A m p ic illin 2 4 h p .i.
S . p n . + L ö s u n g s m itte l 2 4 h p.i.
P B S K o n tro lle
S . p n .
S . p n . + L ö su n g s m itte l 4 8 h p .i.
S . p n . + A m p ic illin 4 8 h p .i.
h o u rs p .i.
C linical S c ore
48 60 72 96 120
0
2
4
6
# # # #
#
S . p n . + A m p ic illin 2 4 h p .i.
S . p n . + L ö s u n g s m itte l 2 4 h p.i.
P B S K o n tro lle
S . p n .
S . p n . + L ö su n g s m itte l 4 8 h p .i.
S . p n . + A m p ic illin 4 8 h p .i.
50
6.1.3 Die Ampicillin-Therapie hat keinen Einfluss auf die Kinetik der Leukozyten im
Alveolarraum
Residente und rekrutierte Immunzellen sind an der Bekämpfung eindringender Pathogene
beteiligt [79]. Um zu untersuchen, ob die Unterschiede in der Überlebensrate infolge
beeinflusster Zellrekrutierung stattfanden, wurden mittels Durchflusszytometrie diverse
Leukozyten-Populationen ausgewertet. Die Mehrzahl der rekrutierten Leukozyten waren
PMNs, die zum Zeitpunkt 24 h p.i. allein 60 % der Leukozyten darstellten (Abbildung 13 A). Im
Verlauf der Pneumonie verminderte sich die Neutrophilen-Population, allerdings unabhängig
von der Ampicillin-Therapie, da keine Unterschiede zu den kontrolltherapierten Gruppen
erkennbar waren. Die residenten AlvMs zeigten nach frühzeitigem Therapiebeginn keine
signifikanten Unterschiede, weder zum Infektionsstart noch zu den Kontrollgruppen (Abbildung
13 B). Bei spätem Therapiebeginn war im weiteren Infektionsverlauf ein prozentualer, aber
nicht in totalen Zellzahlen widergespiegelter Anstieg der Makrophagen erkennbar. Allerdings
können die erhöhten prozentualen Anteile an AlvMs durch den Rückgang der PMNs erkrt
werden. Die Anzahl an iMs stieg im Zuge der Infektion signifikant an (Abbildung 13 C), blieb
aber von der Antibiotika-Therapie unbeeinflusst.
51
Abbildung 13: Ampicillin hat keinen Einfluss auf Leukozyten-Populationen im Alveolarraum.
Die Mäuse wurden mit S. pn. infiziert (n = 9). Beginnend 24 h (blau) bzw. 48 h (rot) nach Infektion wurden
Behandlungsgruppen mit Ampicillin therapiert (n = 9). Kontrollgruppen wurden mit Lösungsmittel scheininfiziert
(1 × PBS, n = 7) bzw. mit Lösungsmittel behandelt (0,9 % NaCl, n = 9). Totale Anzahl und Frequenzen von A.
Neutrophilen (PMNs), B. Alveolären Makrophagen (AlvMs) und C. Inflammatorischen Monozyten / Makrophagen
(iMs), gemessen in der bronchoalveolären Lavage (BAL) zum Analysezeitpunkt. D. Repräsentative Dot Blots zur
Illustration der Analyse der Populationen. A C: Mittelwert ± SEM; 2-way ANOVA/Sidak’s multiple comparison
Test für den Vergleich von Ampicillin- versus Lösungsmittel-Behandlung. 1-way ANOVA/Dunnett’s multiple
comparison Test für den Vergleich zu unbehandelten, S. pn.-infizierten Tieren zu Therapiebeginn. # zeigt den
Unterschied zum Therapiestart an. # p < 0,05, *## p < 0,01, ### p < 0,001 und #### p < 0,0001.
P M N s in B A L
[10 5]
2 4 3 6 4 8 6 0 7 2
0
1
2
#
# #
# #
B
48 60 72 96 120
0
1
2
# #
# #
Z e it p .i. [h ]
48 60 72 96 120
0
2 5
5 0
7 5
#
# #
####
# #
Z e it p .i. [h ]
% d e r Le u k oz yten
2 4 3 6 4 8 6 0 7 2
0
2 0
4 0
6 0
8 0
###
####
####
####
BAL PMNs
iM s in B A L
[10 4]
2 4 3 6 4 8 6 0 7 2
0
2
4
6
###
###
48 60 72 96 120
0
2
4
6
# #
Z e it p .i. [h ]
% d e r Le u k oz yten
2 4 3 6 4 8 6 0 7 2
0
5
1 0
1 5
2 0
####
####
####
Z e it p .i. [h ]
48 60 72 96 120
0
5
1 0
1 5
2 0
#
#
###
#
BAL iMs
A lv M in B A L
[10 4]
2 4 3 6 4 8 6 0 7 2
0
2
4
6
8
1 0
1 2
1 4
48 60 72 96 120
0
2
4
6
8
1 0
1 2
1 4
#
# #
Z e it p .i. [h ]
48 60 72 96 120
0
2 0
4 0
6 0
8 0
100
# #
# #
# #
#
# #
Z e it p .i. [h ]
% d e r Le u k oz yten
2 4 3 6 4 8 6 0 7 2
0
2 0
4 0
6 0
8 0
100
# #
# #
BAL AlvMs
C
A
CD11b
CD11c
24 h 48 h
23 % 23 %
24 h 48 h
MHCII
Ly6C
24 h 48 h
0.1 % 5 %
24 h 48 h
CD11b
Ly6G
68 % 50 %
24 h 48 h
BAL
PMNs
BAL
AlvMs
BAL
iMs
D Dot Blots
h o u rs p .i.
C lin ical S c ore
48 60 72 96 120
0
2
4
6
# # # #
#
S . p n . + A m p ic illin 2 4 h p .i.
S . p n . + L ö s u n g s m itte l 2 4 h p .i.
P B S K o n tro lle
S . p n .
S . p n . + L ö su n g sm itte l 4 8 h p .i.
S . p n . + A m p ic illin 4 8 h p .i.
CD11b
CD11c
MCHII
Ly6C
52
6.1.4 Frühzeitige und späte Antibiotika-Therapie reduzieren lokale Zytokin-Level
Residente und rekrutierte Zellen der Lunge produzieren nach direkter oder indirekter
Stimulation von Pathogenen inflammatorische Mediatoren. Infolge früher und später
Ampicillin-Therapie konnten die lokalen inflammatorischen Zytokine IL-6, IL-1β, TNF-α und
IFN-γ im Alveolarraum reduziert werden (Abbildung 14 A). Auch die Konzentration des anti-
inflammatorischen Zytokins IL-10 sank nach frühzeitiger Therapie. Im Gegensatz dazu konnte
im Verlauf einer frühen antibakteriellen Behandlung vermehrt IL-12p40, der geteilten
Untereinheit von IL-12 und IL-23, nachgewiesen werden. Nach einem späten Therapiebeginn
sank die Konzentration von IL-12p40. Das Ausmaß der Inflammation in der Lunge sollte auch
auf histologischer Basis untersucht werden. Dazu wurden von Dr. Kristina Dietert, PhD, aus
der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Achim Gruber an der Freien Universität Berlin die
histopathologisch darstellbare Ausbreitung und Schwere der S. pn.-Infektion, Inflammation
und induzierten Läsionen des Gewebes einzeln bewertet und zu einem Gesamtscore
zusammenfasst (Inflammationsscore, Abbildung 14 B). r diese Bewertung wurden die
fixierte Lunge geschnitten und anschließend mittels Hämatoxylin-Eosin-Färbung (H & E)
beurteilt (Abbildung 14 C). Infolge einer frühen Therapie zeigten die antibiotisch behandelten
Tiere pathologisch deutlich geringere Anzeichen von Läsionen und Entzündungen, wodurch
der Inflammationsscore der antibiotisch behandelten Tiere signifikant niedriger blieb als der
der kontrollbehandelten Gruppen. Dies konnte nach später Therapie nicht beobachtet werden,
hier gab es weder Unterschiede zum Therapiestart, noch zur entsprechenden Kontrollgruppe.
53
Abbildung 14: Verminderte Zytokin-Level im Alveolarraum nach antibakterieller Therapie und
histologische Analysen.
Die Mäuse wurden mit S. pn. infiziert (A: n = 9, B: n = 4). Beginnend 24 h (blau) bzw. 48 h (rot) nach Infektion
wurden Behandlungsgruppen mit Ampicillin therapiert (n = 9 bzw. 4). Kontrollgruppen wurden mit
Lösungsmittel scheininfiziert (1 × PBS, n = 7 bzw. 4) bzw. mit Lösungsmittel behandelt (0,9 % NaCl, n = 9
bzw. 4). A. Zytokin-Konzentrationen, in der bronchoalveolären Lavageflüssigkeit, Mittelwert ± SEM, B.
Inflammationsscore, zusammengestellt aus histologischen Inflammationsparametern der Lunge, Median ±
Interquartilsabstand, Score-Einteilung: 0: nicht betroffen, 1: vereinzelt, 2: geringgradig, 3: mittelgradig, 4:
hochgradig, 5: massiv. C: Repräsentative H & E Färbung ganzer Lungenschnitte. A, B: 2-way ANOVA/Sidak’s
multiple comparison Test für den Vergleich von Ampicillin- versus Lösungsmittel-Behandlung. A. 1-way
ANOVA/Dunnett’s multiple comparison Test und B. Kruskal-Wallis Test/Dunn’s multiple comparison Test für
den Vergleich zu unbehandelten, S. pn.-infizierten Tieren zu Therapiebeginn. * zeigt einen Unterschied
zwischen Gruppen zum selben Zeitpunkt an, # zeigt den Unterschied zum Therapiestart an. */# p < 0,05, **/##
p < 0,01, ***/### p < 0,001 und ****/#### p < 0,0001.
Z e it p .i. [h]
pg /m l [10 2]
2 4 3 6 4 8 6 0 7 2
0
2
4
6
8
1 0 ** *
Z e it p .i. [h]
pg /m l [1 0 ]
2 4 3 6 4 8 6 0 7 2
0
1
2
3
####
*
####
####
####
Z e it p .i. [h]
pg /m l [10 4]
2 4 3 6 4 8 6 0 7 2
0
1
2*** *
#
#
#
IL-6
IL-1β
IL-10
Z e it p .i. [h]
48 60 72 96 120
0
1
2
Z e it p .i. [h]
4 8 6 0 7 2 9 6 1 2 0
0
1
2
3
#
# #
#
#
###
Z e it p .i. [h]
48 60 72 96 120
0
2
4
6
8
1 0
Z e it p .i. [h]
In fla m m a tio n s s c o re
2 4 3 6 4 8 6 0 7 2
0
1
2
3
4
5
*
**
Z e it p .i. [h]
4 8 6 0 7 2
0
1
2
3
4
5
#
InflammationsscoreB
C
60 h p.i.
72 h p.i.
S. pn. +
Amp 48 h p.i.
S. pn. +
0,9% NaCl 48 h p.i.
36 h p.i.
S. pn. +
Amp 24 h p.i.
48 h p.i.
S. pn. +
0,9% NaCl 24 h p.i.
C
2 mm
Z e it p .i. [h]
pg /m l [10 3]
2 4 3 6 4 8 6 0 7 2
0 ,0
0 ,5
1 ,0
1 ,5
####
####
####
####
TNF-α
Z e it p .i. [h]
48 60 72 96 120
0 ,0
0 ,5
1 ,0
1 ,5
# #
#
#
Z e it p .i. [h]
pg /m l [10 3]
2 4 3 6 4 8 6 0 7 2
0 ,0
0 ,2
0 ,4
0 ,6
0 ,8
*
#
#
#
# #
IFN-γ
Z e it p .i. [h]
48 60 72 96 120
0 ,0
0 ,2
0 ,4
0 ,6
0 ,8
# #
#
# #
#
Z e it p .i. [h]
pg /m l [10 2]
2 4 3 6 4 8 6 0 7 2
0 ,0
0 ,5
1 ,0
1 ,5
**
###
####
IL-12p40
Z e it p .i. [h]
48 60 72 96 120
0 ,0
0 ,5
1 ,0
1 ,5
#
#
#
####
A Zytokinlevel im Alveolarraum
h o u rs p .i.
C lin ical S c o re
48 60 72 96 120
0
2
4
6
# # # #
#
S . p n . + A m p ic illin 2 4 h p .i.
S . p n . + L ö su n g s m itte l 2 4 h p .i.
P B S K o n tro lle
S . p n .
S . p n . + L ö s u n g sm itte l 4 8 h p .i.
S . p n . + A m p ic illin 4 8 h p .i.
54
6.1.5 Eine antibakterielle Therapie vermindert unabhängig vom Startzeitpunkt lokale
Konzentrationen einzelner
Lokale alveoläre Chemokine sorgen für die Rekrutierung von Leukozyten. In 6.1.3 konnte
gezeigt werden, dass lokale Leukozyten-Populationen unbeeinflusst waren von einer
antibakteriellen Therapie. Gleichbleibende Chemokin-Konzentrationen könnten dafür
ursächlich gewesen sein und wurden aus diesem Grund ebenfalls analysiert. Der alveoläre
Proteingehalt an CCL3 und CCL2, beides Monozyten-rekrutierende Chemokine, war nach
einer frühen Behandlung deutlich niedriger als zu Therapiestart oder in den Kontrolltieren
(Abbildung 15). Nach spätem Therapiebeginn zeigte sich 60 h p.i. ebenfalls eine tendenzielle
Reduktion dieser Chemokine, welche im späteren Verlauf auch in den kontrollbehandelten
Tieren nachgewiesen wurde. Der Wachstumsfaktor G-CSF scheint die Mobilisierung von
Neutrophilen in einer Infektion zu regulieren [165], während GM-CSF beispielsweise die anti-
inflammatorische Immunantwort von AlvMs beeinflusst [166]. Die Kinetik von G-CSF spiegelte
die von CCL2 wieder, während es nach frühzeitiger Therapie zu einem kurzfristigen Anstieg
von GM-CSF kam. Auch hier sanken die Konzentrationen im Zuge der S. pn.-Infektion in den
Ampicillin-therapierten Tieren in gleichem Maße wie in der Kontrollgruppe. Die CXCR2-
Liganden CXCL1, CXCL2 und CXCL5 sind für die Neutrophilen Rekrutierung wichtig [167]. Im
Laufe der Infektion stiegen die Konzentrationen dieser drei Chemokine in den infizierten,
kontrollbehandelten Tieren an. Im Anschluss an eine Antibiotika-Therapie sanken die CXCL1
und CXCL2-Level, während CXCL5 erhöht blieb. Analog zu GM-CSF zeigte sich auch hier ein
kurzfristiger Anstieg nach frühzeitigem Therapiebeginn.
55
Abbildung 15: Regulierte Konzentrationen von Chemokinen und Wachstumsfaktoren im
Alveolarraum nach antibakterieller Therapie
Die Mäuse wurden mit S. pn. infiziert (n = 9). Beginnend 24 h (blau) bzw. 48 h (rot) nach Infektion wurden
Behandlungsgruppen mit Ampicillin therapiert (n = 9). Kontrollgruppen wurden mit Lösungsmittel
scheininfiziert (1 × PBS, n = 7) bzw. mit Lösungsmittel behandelt (0,9 % NaCl, n = 9). Die Chemokine
und Wachstumsfaktoren wurden in der bronchoalveolären Lavageflüssigkeit bestimmt. Mittelwert ± SEM;
2-way ANOVA/Sidak’s multiple comparison Test für den Vergleich von Ampicillin- versus Lösungsmittel-
Behandlung. 1-way ANOVA/Dunnett’s multiple comparison Test für den Vergleich zu unbehandelten,
S. pn.-infizierten Tieren zu Therapiebeginn. * zeigt einen Unterschied zwischen Gruppen zum selben
Zeitpunkt an, # zeigt den Unterschied zum Therapiestart an. */# p < 0,05, **/## p < 0,01 und ***/### p < 0,001.
Z e it p .i. [h ]
pg/m l [10 3]
2 4 3 6 4 8 6 0 7 2
0
1
2
*
*
###
Z e it p .i. [h ]
pg/m l
2 4 3 6 4 8 6 0 7 2
0
2
4
6
8
#
Z e it p .i. [h ]
pg/m l [10 2]
2 4 3 6 4 8 6 0 7 2
0
1
2
3
4
** *
** *
Z e it p .i. [h ]
pg/m l [10 2]
2 4 3 6 4 8 6 0 7 2
0
1
2
3
# #
#
Z e it p .i. [h ]
48 60 72 96 120
0
1
2
3
4
#
#
Z e it p .i. [h ]
pg/m l [x10 3]
2 4 3 6 4 8 6 0 7 2
0
2
4
6
8** *
**
#
Z e it p .i. [h ]
48 60 72 96 120
0
1
2
**
# #
#
Z e it p .i. [h ]
48 60 72 96 120
0
1
2
3
#
###
Z e it p .i. [h ]
48 60 72 96 120
0
2
4
6
8
Z e it p .i. [h ]
48 60 72 96 120
0
2
4
6
8
# #
#
#
Z e it p .i. [h ]
pg/m l [10 2]
2 4 3 6 4 8 6 0 7 2
0
1
2
3
4
# #
# #
# #
# #
Z e it p .i. [h ]
48 60 72 96 120
0
1
2
3
4
# #
Z e it p .i. [h ]
pg/m l [10 2]
2 4 3 6 4 8 6 0 7 2
0
2
4
6
8
1 0
** *
Z e it p .i. [h ]
48 60 72 96 120
0
2
4
6
8
1 0
#
# #
CCL3
CCL2
G-CSF
GM-CSF
CXCL1
CXCL2
CXCL5
h o u rs p .i.
C lin ical S co re
48 60 72 96 120
0
2
4
6
# # # #
#
S . p n . + A m p ic illin 2 4 h p .i.
S . p n . + L ö su n g sm itte l 2 4 h p .i.
P B S K o n tro lle
S . p n .
S . p n . + L ö s u n g s m itte l 4 8 h p .i.
S . p n . + A m p ic illin 4 8 h p .i.
56
6.1.6 Zirkulierende Immunzell-Populationen werden weder von früher noch von
später antibakterieller Therapie beeinflusst
Um auch über die systemische Immunantwort infolge der frühzeitigen und verspäteten
antimikrobiellen Behandlung Aussagen treffen zu können, wurden mit Hilfe eines
Hämatologiegerätes im Blut der Tiere Neutrophile, Monozyten, Eosinophile und Thrombozyten
bestimmt. Die Frequenzen, aber nicht die totalen Zellzahlen an PMNs waren im Anschluss an
eine frühe Ampicillin-Therapie reduziert (Abbildung 16 A). 24 h p.i., zu Beginn des frühen
Behandlungsstarts, war ein signifikanter Anstieg an Monozyten im Vergleich zur
kontrollinfizierten Gruppe zu vermerken (Abbildung 16 B). Im Laufe der Infektion sank dieser
Wert, allerdings unabhängig von Ampicillin. Eosinophile waren ebenfalls nicht von einer
Therapie beeinflusst, allerdings zeigten sich analog zu den PMNs auch hier verminderte
Frequenzen infolge eines frühzeitigen Therapiestarts (Abbildung 16 C). Die Konzentration an
Thrombozyten schien weder durch eine Infektion noch durch die nachfolgende Behandlung
beeinflusst zu werden (Abbildung 16 D). Allerdings schien der Gesamtanteil an festen
Bestandteilen im Blut, auch als Hämatokrit bezeichnet, durch die S. pn.-Infektion anzusteigen
(Abbildung 16 E). Im Zuge einer frühen Ampicillin-Therapie sank der Wert im Vergleich zum
Therapiestart, aber auch zu den kontrollbehandelten Tieren. Im Anschluss an eine späte
Therapie ließ sich dieser Effekt nicht beobachten.
57
Abbildung 16: Eine antibakterielle Therapie hat keinen Einfluss auf Leukozyten- und
Thrombozyten-Konzentrationen im Blut, jedoch auf den Hämatokrit.
Die Mäuse wurden mit S. pn. infiziert (n = 9). Beginnend 24 h (blau) bzw. 48 h (rot) nach Infektion
wurden Behandlungsgruppen mit Ampicillin therapiert (n = 9). Kontrollgruppen wurden mit
Lösungsmittel scheininfiziert (1 × PBS, n = 7) bzw. mit Lösungsmittel behandelt (0,9 % NaCl, n = 9).
Die Bestimmung von A. Neutrophilen (PMNs), B. Monozyten, C. Eosinophilen (Eos), D. Thrombozyten
und E. Hämatokrit (HCT) erfolgte mit einem Hämatologiegerät. A E: Mittelwert ± SEM; 2-way
ANOVA/Sidak’s multiple comparison Test für den Vergleich von Ampicillin- versus Lösungsmittel-
Behandlung. 1-way ANOVA/Dunnett’s multiple comparison Test für den Vergleich zu unbehandelten,
S. pn.-infizierten Tieren zu Therapiebeginn. * zeigt einen Unterschied zwischen Gruppen zum selben
Zeitpunkt an, # zeigt den Unterschied zum Therapiestart an. */# p < 0,05, **/## p < 0,01, ***/### p < 0,001
und #### p < 0,0001.
48 60 72 96 120
0
1
2
3
P M N s/µ l [10 3]
2 4 3 6 4 8 6 0 7 2
0
1
2
3
Z e it p.i. [h ]
% de r Le u k oz yte n
2 4 3 6 4 8 6 0 7 2
0
2 0
4 0
6 0
* *
#
*
Z e it p.i. [h ]
48 60 72 96 120
0
2 0
4 0
6 0
Blut PMNsA
E o s/µ l [10 3]
2 4 3 6 4 8 6 0 7 2
0 ,0
0 ,2
0 ,4
0 ,6
0 ,8
1 ,0
Z e it p.i. [h ]
T h rom bo z yte n /µ l [10 6]
2 4 3 6 4 8 6 0 7 2
0 ,0
0 ,5
1 ,0
1 ,5
Z e it p.i. [h ]
48 60 72 96 120
0 ,0
0 ,5
1 ,0
1 ,5
#
Z e it p.i. [h ]
% de r Le u ko z yten
2 4 3 6 4 8 6 0 7 2
0
5
1 0
1 5 *
Z e it p.i. [h ]
4 8 6 0 7 2 9 6
0
5
1 0
1 5
Blut Thrombozyten
Blut Eosinophile
48 60 72 96 120
0 ,0
0 ,2
0 ,4
0 ,6
0 ,8
1 ,0
B
48 60 72 96 120
0 ,0
0 ,2
0 ,4
0 ,6
#
#
M o no z yte n /µ l [10 3]
2 4 3 6 4 8 6 0 7 2
0 ,0
0 ,2
0 ,4
0 ,6
####
####
####
# #
#
Z e it p.i. [h ]
% de r Le u k oz yte n
2 4 3 6 4 8 6 0 7 2
0
5
1 0
1 5
2 0
####
####
###
####
#
Z e it p.i. [h ]
48 60 72 96 120
0
5
1 0
1 5
Blut Monozyten
Z e it p.i. [h ]
H C T [% ]
2 4 3 6 4 8 6 0 7 2
4 5
5 0
5 5
6 0
6 5 ***
###
# #
###
Z e it p.i. [h ]
48 60 72 96 120
4 5
5 0
5 5
6 0
6 5
#
#
Hämatokrit
C
D
E
h o u rs p .i.
C lin ical S core
48 60 72 96 120
0
2
4
6
# # # #
#
S . p n . + A m p ic illin 2 4 h p .i.
S . p n . + L ö s u n g sm itte l 2 4 h p .i.
P B S K o n tro lle
S . p n .
S . p n . + L ö su n g s m itte l 4 8 h p .i.
S . p n . + A m p ic illin 4 8 h p .i.
h o u rs p .i.
C lin ical S core
48 60 72 96 120
0
2
4
6
# # # #
#
S . p n . + A m p ic illin 2 4 h p .i.
S . p n . + L ö s u n g sm itte l 2 4 h p .i.
P B S K o n tro lle
S . p n .
S . p n . + L ö su n g s m itte l 4 8 h p .i.
S . p n . + A m p ic illin 4 8 h p .i.
58
6.1.7 Frühe, aber nicht späte antibakterielle Therapie verhindert den systemischen
Anstieg inflammatorischer Mediatoren
Infolge einer lokalen Inflammation in der Lunge kommt es oftmals zur systemischen
Ausbreitung von Bakterien und Entzündung. Dies kann einerseits durch den aktiven Übertritt
der Bakterien ins Blutsystem geschehen, wo es zu einer sekundären Entzündungsreaktion
kommt oder als Folge einer geschädigten alveolokapillären Barriere eintreten, wodurch ein
unkontrollierter Übertritt inflammatorischer Mediatoren aus der Alveole ins Blutsystem glich
ist. Zum Zeitpunkt 24 h p.i. konnten im Serum im Vergleich zu scheininfizierten Kontrolltieren
keine erhöhten Proteinkonzentrationen der Zytokine (z.B. IL-6, TNF-α oder IFN-γ; Abbildung
17 A) und Chemokine (z.B. CCL2 und CXCL1) sowie G-CSF (Abbildung 17 B) festgestellt
werden. Eine frühe Ampicillin-Therapie, begonnen 24 h p.i., beugte dem Anstieg dieser Werte
vor, wohingegen S. pn.-infizierte, kontrollbehandelte Tiere stark erhöhte
Serumkonzentrationen dieser inflammatorischen Mediatoren aufwiesen. Zum Zeitpunkt 48 h
p.i., bevor mit der späten Therapie begonnen wurde, waren die systemischen Zytokinwerte im
Vergleich zu 24 h p.i. um das 10- bis 12-fache erhöht (IL-6 bzw. TNF-α). Auch bei den
systemischen Chemokinen (Abbildung 17 B) zeigte sich, dass zum Zeitpunkt 48 h p.i. 5- bis
90-fach (CXCL1 bzw. CCL3) erhöhte Konzentrationen im Vergleich zu 24 h p.i. messbar
waren. Im Vergleich zu den kontrollbehandelten Tieren konnte im Anschluss an diese späte
antibakterielle Therapie keine signifikante Reduktion der Zytokin- oder Chemokin-
Konzentrationen beobachtet werden. Lediglich bei TNF-α zeigten sich tendenzielle
Unterschiede zwischen den Gruppen, diese waren aber nicht signifikant. Eine Reduktion der
systemischen Inflammation konnte nach später Therapie erst zwei bis drei Tage nach
Behandlungsstart und im späten Verlauf der Pneumonie beobachtet werden.
Systemische IL-10-Konzentrationen waren nur vereinzelt messbar. Es konnten keine
Unterschiede zwischen den Gruppen oder in Abhängigkeit vom Therapiestart beobachtet
werden. IL-1β ließ sich im Serum nicht nachweisen (Daten nicht gezeigt).
Systemische CXCL5-Konzentrationen ließen sich nicht auswerten, weil der Vorgang der
Serum-Aufbereitung eine unkontrollierte CXCL5-Ausschüttung durch aktivierte Thrombozyten
induziert.
59
Abbildung 17: Frühzeitige, jedoch nicht späte antibakterielle Therapie verhindert systemische
Inflammation.
Die Mäuse wurden mit S. pn. infiziert (n = 9). Beginnend 24 h (blau) bzw. 48 h (rot) nach Infektion wurden
Behandlungsgruppen mit Ampicillin therapiert (n = 9). Kontrollgruppen wurden mit Lösungsmittel
scheininfiziert (1 × PBS, n = 7) bzw. mit Lösungsmittel behandelt (0,9 % NaCl, n = 9). Im Serum der
analysierten Tiere wurden A. Zytokine, B. Chemokine und G-CSF gemessen. A, B: Mittelwert ± SEM; 2-
way ANOVA/Sidak’s multiple comparison Test für den Vergleich von Ampicillin- versus Lösungsmittel-
Behandlung. 1-way ANOVA/Dunnett’s multiple comparison Test für den Vergleich zu unbehandelten,
S. pn.-infizierten Tieren zu Therapiebeginn. * zeigt einen Unterschied zwischen Gruppen zum selben
Zeitpunkt an, # zeigt den Unterschied zum Therapiestart an. */# p < 0,05, **/## p < 0,01, ***/### p < 0,001
und ****p < 0,0001.
Z e it p .i. [h]
pg/m l [10 2]
2 4 3 6 4 8 6 0 7 2
0 ,0
0 ,2
0 ,4
0 ,6
0 ,8
1 ,0
**
** *
Z e it p.i. [h]
48 60 72 96 120
0 ,0
0 ,2
0 ,4
0 ,6
0 ,8
1 ,0
n .n .
Z e it p.i. [h]
48 60 72 96 120
0
2
4
6
*
#
Z e it p .i. [h]
pg/m l [10 3]
2 4 3 6 4 8 6 0 7 2
0
1
2
3
**
Z e it p .i. [h]
48 60 72 96 120
0
1
2
3
TNF-α
IFN-γ
IL-6
Z e it p .i. [h]
pg/m l
2 4 3 6 4 8 6 0 7 2
0
5
1 0
1 5
Z e it p .i. [h]
48 60 72 96 120
0
5
1 0
1 5
Z e it p .i. [h]
pg/m l
2 4 3 6 4 8 6 0 7 2
0
2
4
6
8
Z e it p .i. [h]
48 60 72 96 120
0
2
4
6
8
IL-12p40
IL-10
Z e it p.i. [h]
pg/m l [10 2]
2 4 3 6 4 8 6 0 7 2
0
1
2
3
*
**
Z e it p .i. [h]
pg/m l [10 2]
2 4 3 6 4 8 6 0 7 2
0
2
4
6
8*** *
*** *
Z e it p .i. [h]
pg/m l [10 3]
2 4 3 6 4 8 6 0 7 2
0 ,0
0 ,5
1 ,0
1 ,5
*** *
**
Z e it p .i. [h]
pg/m l
2 4 3 6 4 8 6 0 7 2
0
5
1 0
1 5
2 0
2 5
Z e it p .i. [h]
48 60 72 96 120
0
5
1 0
1 5
2 0
2 5
Z e it p.i. [h]
48 60 72 96 120
0
1
2
3
Z e it p.i. [h]
48 60 72 96 120
0 ,0
0 ,5
1 ,0
1 ,5
CCL3
G-CSF
CCL2
CXCL1
BA
Z e it p.i. [h]
48 60 72 96 120
0
2
4
6
8
Z e it p.i. [h]
pg/m l [1 0 ]
2 4 3 6 4 8 6 0 7 2
0
2
4
6
*
*** * *** *
#
h o u rs p .i.
C linical S co re
48 60 72 96 120
0
2
4
6
# # # #
#
S . p n . + A m p ic illin 2 4 h p .i.
S . p n . + L ö s u n g s m itte l 2 4 h p .i.
P B S K on tro lle
S . p n .
S . p n . + L ö s u n g s m itte l 4 8 h p .i.
S . p n . + A m p ic illin 4 8 h p .i.
60
6.1.8 Eine frühzeitige antibakterielle Therapie schützt vor Entwicklung von Pleuritis,
Steatitis und Leberschädigung
Im Laufe einer Pneumonie kann es zu einer Schädigung sekundärer Organe und einer
Entzündung des Brustfells oder des die Lunge umgebenden Fettgewebes kommen. Vor allem
die Entzündung des Brustfells (Pleuritis) ist bei Patienten oftmals mit symptomatischen
Atemschmerzen verbunden.
Die histologischen Analysen zur Untersuchung der Ausprägung der Entzündung von Brustfell
und Fettgewebe wurden erneut von Dr. Kristina Dietert, PhD durchgeführt. Zum Zeitpunkt 24 h
p.i. war noch kein signifikanter Unterschied zu den kontrollinfizierten Tieren sichtbar. Eine
frühzeitige Therapie schützte vor der Entstehung einer Pleuritis (Abbildung 18 A), wohingegen
diese 48 h p.i. bereits hochgradig ausgeprägt war und anschließend an einen späten
Behandlungsstart nicht therapiert werden konnte. Analoge Ergebnisse zeigten sich für die
Entwicklung einer Steatitis, einer Entzündung des die Lunge umgebenden Fettgewebes
(Abbildung 18 B). Zur Analyse von Laborwerten wurden in den Serumproben im Labor von
LABOklin (Bad Kissingen) die Konzentrationen der Aspartat-Aminotransferase (AST), einem
Marker für Leberschädigung gemessen (Abbildung 18 C). Erhöhte AST-Werte zeigten sich
48 h p.i., aber nicht 24 h p.i. Ein früher Therapiestart verhinderte auch hier den Anstieg der
AST-Werte, wohingegen ein später Start keine Reduktion der bereits erhöhten Werte bewirken
konnte.
61
Abbildung 18: Frühzeitige, jedoch nicht späte antibakterielle Therapie schützt vor der
Entwicklung von Pleuritis, Steatitis und Leberschädigung.
Die Mäuse wurden mit S. pn. infiziert (A, B: n = 4, C: n = 9). Beginnend 24 h (blau) bzw. 48 h
(rot) nach Infektion wurden Behandlungsgruppen mit Ampicillin therapiert (n = 4 bzw. 9).
Kontrollgruppen wurden mit Lösungsmittel scheininfiziert (1 × PBS, n = 4 bzw. 7) bzw. mit
Lösungsmittel behandelt (0,9 % NaCl, n = 4 bzw. 9). Histologische Analysen zur Ermittlung
des Schweregrades von A. Pleuritis und B. Steatitis. C. Zur Untersuchung der
Lungenschädigung wurde im Serum der Tiere Aspartat-Aminotransferase (AST) bestimmt.
A, B: Score-Einteilung: 0: nicht betroffen, 1: vereinzelt, 2: geringgradig, 3: mittelgradig, 4:
hochgradig, 5: massiv. Median ± Interquartilsabstand, C: Mittelwert ± SEM; 2-way
ANOVA/Sidak’s multiple comparison Test oder A, B. Kruskal-Wallis Test/Dunn’s multiple
comparison Test für den Vergleich von Ampicillin- versus Lösungsmittel-Behandlung. und C.
1-way ANOVA/Dunnett’s multiple comparison Test für den Vergleich zu unbehandelten,
S. pn.-infizierten Tieren zu Therapiebeginn. * zeigt einen Unterschied zwischen Gruppen zum
selben Zeitpunkt an, # zeigt den Unterschied zum Therapiestart an. * p < 0,05, ** p < 0,01, ***
p < 0,001 und ****/#### p < 0,0001.
Z eit p.i. [h ]
P le u ritis S co re
2 4 3 6 4 8 6 0 7 2
0
2
4
6
*
** *
Z eit p.i. [h ]
S te a titis S c o re
2 4 3 6 4 8 6 0 7 2
0
2
4
6
*
***
*
Z eit p.i. [h ]
U /l [10 2]
2 4 3 6 4 8 6 0 7 2
0 ,0
0 ,5
1 ,0
1 ,5 *** *
**
C
Z eit p.i. [h ]
48 60 72 96 120
0 ,0
0 ,5
1 ,0
1 ,5
AST
Z eit p.i. [h ]
4 8 6 0 7 2
0
2
4
6
####
Z eit p.i. [h ]
4 8 6 0 7 2
0
2
4
6
####
A Pleuritis Score
B Steatitis Score
h o u rs p .i.
C lin ical S co re
48 60 72 96 120
0
2
4
6
# # # #
#
S . p n . + A m p ic illin 2 4 h p .i.
S . p n . + L ö s u n g sm itte l 2 4 h p .i.
P B S K on trolle
S . p n .
S . p n . + L ö su n g s m itte l 4 8 h p .i.
S . p n . + A m p ic illin 4 8 h p .i.
h o u rs p .i.
C lin ical S co re
48 60 72 96 120
0
2
4
6
# # # #
#
S . p n . + A m p ic illin 2 4 h p .i.
S . p n . + L ö s u n g sm itte l 2 4 h p .i.
P B S K on trolle
S . p n .
S . p n . + L ö su n g s m itte l 4 8 h p .i.
S . p n . + A m p ic illin 4 8 h p .i.
62
6.1.9 Nur eine frühe Therapie zeigt einen protektiven Effekt auf die Entwicklung eines
perivaskulären Ödems
Die Erfassung der Ödembildung in der Lunge ist in der Pneumonie von besonderer Bedeutung,
da es infolge dieser Flüssigkeitsansammlungen in Alveole und Interstitium zur Atemnot kommt
und der Patient nur noch beeinträchtigt Sauerstoff aufnehmen kann [168].
Bei der Bildung von Ödemen kommt es zum Übertritt von Flüssigkeit aus dem Blut in das
Interstitium (perivaskuläres Ödem) oder später in die Alveolen (alveoläres Ödem) der Lunge.
Grundlage dafür ist eine erhöhte vaskuläre Permeabilität. Die histopathologische Auswertung
zur Ausprägung der Ödeme wurde an H & E gefärbten Lungenschnitten mit Hilfe von Scores
evaluiert. Bereits 24 h nach einer S. pn.-Infektion zeigte sich ein perivaskuläres Ödem
(Abbildung 19 A, repräsentative Bilder in Abbildung 19 C). Innerhalb von 48 h konnte auch ein
alveoläres Ödem nachgewiesen werden (Abbildung 19 B, repräsentative Bilder in Abbildung
19 D). Das perivaskuläre Ödem konnte nach frühem Therapiestart im Vergleich zur
lösungsmittelbehandelten Kontrollgruppe zunächst reduziert werden, nahm allerdings im
Laufe der Infektion erneut tendenziell zu (Abbildung 19 A und C). Eine späte Therapie hatte
dahingegen keine Auswirkung auf die Ausbreitung des perivaskulären Ödems. Das Ausmaß
des alveolären Ödems zeigte sich tendenziell geringer als das des perivaskulären Ödems.
Eine frühzeitige antibakterielle Behandlung bewirkte eine tendenzielle, aber nicht signifikante
Reduktion der Ausbreitung des alveolären Ödems im Vergleich zur Kontrollgruppe,
wohingegen eine späte Behandlung keinen Therapieeffekt zeigte.
63
Abbildung 19: Die frühe antibakterielle Behandlung hat einen therapeutischen Effekt auf die
Ödemausprägung.
Die Mäuse wurden mit S. pn. infiziert (n = 4). Beginnend 24 h (blau) bzw. 48 h (rot) nach Infektion wurden
Behandlungsgruppen mit Ampicillin therapiert (n = 4). Kontrollgruppen wurden mit Lösungsmittel
scheininfiziert (1 × PBS, n = 4) bzw. mit Lösungsmittel behandelt (0,9 % NaCl, n = 4). Histologische Scores
zur Quantifizierung des Schweregrades an A. perivaskulärem und B. alveolärem Ödem. Score-Einteilung:
0: nicht betroffen, 1: vereinzelt, 2: geringgradig, 3: mittelgradig, 4: hochgradig, 5: massiv. A, B: Median ±
Interquartilsabstand; 2-way ANOVA/Sidak’s multiple comparison Test für den Vergleich von Ampicillin-
versus Lösungsmittel-Behandlung. Kruskal-Wallis Test/Dunn’s multiple comparison Test für den Vergleich
zu unbehandelten, S. pn.-infizierten Tieren zu Therapiebeginn. * zeigt einen Unterschied zwischen Gruppen
zum selben Zeitpunkt an, # zeigt den Unterschied zum Therapiestart an. */# p < 0,05, ** p < 0,01 und #### p <
0,0001. Repräsentative H & E Färbung zur Darstellung von alveolärem (*) und Perivaskulärem (#) Ödem
nach C. frühzeitiger und D. später Therapie mit Ampicillin oder Lösungsmittel (0,9 % NaCl).
Maßstabsbalken: 100 µm.
Z e it p .i. [h ]
4 8 6 0 7 2
0
1
2
3
4
5
#
Z e it p .i. [h ]
A lve o lä re s Ö d e m
2 4 3 6 4 8 6 0 7 2
0
1
2
3
4
5
Z e it p .i. [h ]
P e rivask u lares Ö d e m
2 4 3 6 4 8 6 0 7 2
0
1
2
3
4
5
** *
#
Z e it p .i. [h ]
4 8 6 0 7 2
0
1
2
3
4
5
#
####
A B Alveoläres ÖdemPerivaskuläres Ödem
C Ödembildung nach früher Antibiose ab 24 h p.i.
Ampicillin 0,9 % NaCl.
36 h p.i.
*
#
*
Alveolär Perivaskulär
48 h p.i.
*
*
#
60 h p.i.
**
#
#
D Ödembildung nach später Antibiose ab 48 h p.i.
60 h p.i.
#
**
Ampicillin 0,9 % NaCl. 72 h p.i.
#
#
*
*
h o u rs p .i.
C lin ical S c o re
48 60 72 96 120
0
2
4
6
# # # #
#
S . p n . + A m p ic illin 2 4 h p .i.
S . p n . + L ö s u n g s m itte l 2 4 h p .i.
P B S K on tro lle
S . p n .
S . p n . + L ö s u n g s m itte l 4 8 h p .i.
S . p n . + A m p ic illin 4 8 h p .i.
#
Ampicillin 0,9 % NaCl.
Ampicillin 0,9 % NaCl. Ampicillin 0,9 % NaCl.
Alveolär Perivaskulär
64
6.1.10 Ein frühzeitiger Therapiebeginn verhindert die Schädigung der alveolokapillären
Barriere
Eine weitere Möglichkeit, die Integrität der alveolokapillären Barriere zu untersuchen, ist neben
der histologischen Analyse der Ödemausprägung eine Quantifizierung von Makromolekülen
in Blut und Alveolarraum. Dazu wurden die Konzentrationen an murinem Serumalbumin (MSA)
in bronchoalveolärer Lavageflüssigkeit (BALF) und Serum der analysierten Tiere mittels ELISA
bestimmt. MSA ist ein Protein mit einem molekularen Gewicht von 67 kDa, welches im Blut zu
finden ist und unter physiologischen Bedingungen nicht die alveolokapilläre Barriere übertritt.
Bei einem Integritätsverlust der Barriere kann man dieses Protein aber auch im Alveolarraum
nachweisen. Je höher das Verhältnis von MSA in BALF zu Serum, desto ausgeprägter ist
demnach die Schädigung der alveolokapillären Barriere. 24 h p.i. konnte noch keine vermehrte
Schädigung im Vergleich zur Lösungsmittel-infizierten Kontrollgruppe nachgewiesen werden
(Abbildung 20 A). Der frühe Beginn der Ampicillin-Therapie verhinderte einen weiteren
Anstieg, wodurch signifikante niedrigere Werte als bei den infizierten,
lösungsmittelbehandelten Kontrolltieren gemessen werden konnten. 48 h nach der S. pn.-
Infektion war eine signifikante Erhöhung der vaskulären Permeabilität im Vergleich zur
Kontrollgruppe messbar. Ein später Therapiebeginn konnte diese entstandene Schädigung
nicht beheben.
VEGF ist ein Wachstumsfaktor, der die Zellen der alveolokapillären Barriere beeinflussen und
somit die Permeabilität erhöhen kann und beispielsweise von Neutrophilen nach S. pn.-
Stimulation sekretiert wird [56, 169]. Analog zur Permeabilität zeigte sich, dass ein frühzeitiger
Therapiestart einen signifikanten Rückgang der VEGF-Konzentration im Alveolarraum
bewirkte, während dies nach einer verzögerten Behandlung nicht der Fall war (Abbildung
20 B).
65
Abbildung 20: Nur ein frühzeitiger Therapiestart erhält die Integrität der
alveolokapillären Barriere und reduziert lokale VEGF-Level.
Die use wurden mit S. pn. infiziert (n = 9). Beginnend 24 h (blau) bzw. 48 h (rot) nach
Infektion wurden Behandlungsgruppen mit Ampicillin therapiert (n = 9). Kontrollgruppen
wurden mit Lösungsmittel scheininfiziert (1 × PBS, n = 7) bzw. mit Lösungsmittel
behandelt (0,9 % NaCl, n = 9). A. Quantifizierung der Permeabilität der alveolokapillären
Barriere mittels Messung von murinem Serumalbumin (MSA) in bronchoalveolärer
Lavageflüssigkeit (BALF) und Serum. B. Vascular Endothelial Growth Factor (VEGF) in
BALF. A, B: Mittelwert ± SEM; 2-way ANOVA/Sidak’s multiple comparison Test für den
Vergleich von Ampicillin- versus Lösungsmittel-Behandlung. 1-way ANOVA/Dunnett’s
multiple comparison Test für den Vergleich zu unbehandelten, S. pn.-infizierten Tieren
zu Therapiebeginn. */# p < 0,05 und **/## p < 0,01.
Z e it p.i. [h ]
M S A B A L F /
M S A S e ru m [1 0 -2 ]
2 4 3 6 4 8 6 0 7 2
0
1
2
3
4
5
**
*
A
B
Z e it p.i. [h ]
48 60 72 96 120
0
1
2
3
4
5
# #
Permeabilität
Z e it p.i. [h ]
pg/m l [10 2]
2 4 3 6 4 8 6 0 7 2
0 ,0
0 ,5
1 ,0
1 ,5
**
# #
#
#
Z e it p.i. [h ]
48 60 72 96 120
0 ,0
0 ,5
1 ,0
1 ,5
VEGF
h o u rs p .i.
C lin ical S co re
48 60 72 96 120
0
2
4
6
# # # #
#
S . p n . + A m p ic illin 2 4 h p .i.
S . p n . + L ö s u n g sm itte l 2 4 h p .i.
P B S K on trolle
S . p n .
S . p n . + L ö su n g s m itte l 4 8 h p .i.
S . p n . + A m p ic illin 4 8 h p .i.
h o u rs p .i.
C lin ical S co re
48 60 72 96 120
0
2
4
6
# # # #
#
S . p n . + A m p ic illin 2 4 h p .i.
S . p n . + L ö s u n g sm itte l 2 4 h p .i.
P B S K on trolle
S . p n .
S . p n . + L ö su n g s m itte l 4 8 h p .i.
S . p n . + A m p ic illin 4 8 h p .i.
66
6.2 Der Einfluss des Chemokins CXCL5 auf Neutrophile-Rekrutierung und
Lungenschädigung in der Streptokokken-induzierten Pneumonie
Neutrophile gehören in vielen Inflammationsmodellen zu den ersten Zellen, die zum Ort der
Infektion rekrutiert werden. Dies konnte im Zuge dieser Arbeit auch für die Pneumokokken-
induzierte Pneumonie in der Maus festgestellt werden (siehe 6.1.3). Für die Migration von
PMNs in den Alveolarraum scheinen der Oberflächenrezeptor CXCR2 und seine Liganden bei
vielen Erkrankungen eine tragende Rolle zu spielen, was beispielsweise in einem murinen
Tuberkulose-Modell gezeigt werden konnte [67]. Ebenfalls wurde in jener Arbeit dargestellt,
dass von den drei für die PMN-Rekrutierung wichtigen CXCR2 Liganden (CXCL1, CXCL2 und
CXCL5) CXCL5 als erstes in der Lavageflüssigkeit infizierter Tiere nachweisebar und allein für
mehr als 50 % der rekrutierten Neutrophilen zuständig war. Daten von Yamamoto et al.
zeigten, dass nach LPS- oder Pneumokokken-Stimulation CXCL5 von Epithelzellen sekretiert
wird und in diesem Modell ebenfalls eine Rolle bei der Neutrophile-Rekrutierung zu haben
scheint [65, 170]. Im weiteren Verlauf der vorliegenden Arbeit wurde deshalb untersucht,
welche detaillierten Funktionen CXCL5 in der Pneumonie hat und ob eine mögliche Reduktion
der PMNs einen therapeutischen oder nachteiligen Effekt auf den Verlauf der Infektion mit sich
bringt.
6.2.1 Die CXCR2 Liganden werden in vivo nach S. pn-Infektion sekretiert
Verschiedene Pneumokokken Stämme unterscheiden sich durch den Aufbau der Kapsel, die
die Bakterien umkleidet (siehe 0). Zunächst sollte untersucht werden, ob neben dem bereits
untersuchten S. pn. Serotyp 3 (Abbildung 21 A) auch Serotyp 2 zur Sekretion der CXCR2
Liganden CXCL1, CXCL2 und CXCL5 führt (Abbildung 21 B). Ein signifikanter Anstieg der
Chemokin-Konzentrationen im Alveolarraum gegenüber kontrollinfizierter Tiere konnte für
beide untersuchten Serotypen gemessen werden. Beide Serotypen waren demnach in der
Lage, die Sekretion der untersuchten Chemokine zu induzieren. CXCL5 zeigte dabei im
Vergleich zu CXCL1 und CXCL2 bei beiden untersuchten Serotypen den höchsten Anstieg
zum Zeitpunkt zwei Stunden nach Infektion. Während die Konzentration von CXCL5 im
Anschluss an die Serotyp 3-Infektion im weiteren Verlauf tendenziell absank, nahm sie
während der Serotyp 2-Infektion weiter zu. Zum Zeitpunkt 48 h p.i. waren die Proteinlevel nach
Serotyp 3- (Mittelwert: 0,46 ng/ml) und Serotyp 2-Infektion (Mittelwert: 0,42 ng/ml) vergleichbar
hoch. Im Gegensatz dazu stiegen die Proteinkonzentrationen der Chemokine CXCL1 und
CXCL2 im Verlauf einer Serotyp 3-Infektion stärker an als infolge einer Serotyp 2-Infektion.
67
Abbildung 21: Sekretion von CXCL1, CXCL2 und CXCL5 nach S. pn.-Infektion in vivo.
WT Mäuse wurden mit S. pn. A. Serotyp 3 oder B. Serotyp 2 infiziert (n = 9 - 25). Kontrollgruppen
wurden mit Lösungsmittel scheininfiziert (1 × PBS, n = 6 - 14). Die Chemokine CXCL1, CXCL2 und
CXCL5 wurden in der bronchoalveolären Lavageflüssigkeit mittels ELISA bestimmt. A, B: Mittelwert
± SEM; 2-way ANOVA/Sidak’s multiple comparison Test zum Vergleich S. pn.-infiziert zu 1 × PBS. *
p < 0,05, ** p < 0,01, *** p < 0,001 und **** p < 0,0001.
6.2.2 Epithelzellen sind die Hauptquelle der CXCL5 Sekretion in der Mauslunge
Yamamoto et al. beschreiben in einem in vivo Modell, dass Epithelzellen (EpiCs) die
Hauptquelle für CXCL5 nach einer S. pn.-Infektion in der Lunge sind [170]. Um diese
Hypothese zu bestätigen und zusätzlich zu untersuchen, welche Zelltypen der Lunge CXCL1
und CXCL2 sekretieren, wurden verschiedene Lungen-residente oder -rekrutierte
Zellpopulationen isoliert und mit S. pn. stimuliert. CXCL1 wurde infolge einer Pneumokokken-
Infektion hauptsächlich von AlvMs (Abbildung 22 A), Epithelzellen (Abbildung 22 B) und
Endothelzellen (Abbildung 22 C) sekretiert. AlvMs sekretieren neben CXCL1 auch CXCL2,
ebenso wie PMNs (Abbildung 22 D). Auch EpiCs und Endothelzellen scheinen infolge einer
S. pn.-Stimulation geringe Mengen CXCL2 zu sekretieren. CXCL5 wird von EpiCs und
Thrombozyten (Abbildung 22 E) sekretiert. Da in den anschließenden in vitro Experimenten
auf eine EpiC Zelllinie zurückgegriffen werden sollte, wurde diese wie die Primärzellen infiziert.
Es zeigten sich weitestgehend analoge Sekretionsmuster (Abbildung 22 F), denn auch im
Überstand der Zelllinie waren die Chemokine CXCL1 und CXCL5 nach S. pn.-Infektion in
hohen Konzentrationen nachweisbar, allerdings konnte hier keine CXCL2 Sekretion
nachgewiesen werden.
Z e it p .i. [h]
C X C L 1 [n g /m l]
0 2 6 1 2 2 4 4 8 7 2
0 ,0
0 ,2
0 ,4
0 ,6
0 ,8
1 ,0
* *
* * *
* * *
* * *
Z e it p .i. [h]
C X C L 1 [n g /m l]
2 2 4 4 8 7 2 1 2 0
0 ,0
0 ,2
0 ,4
0 ,6
0 ,8
****
Z e it p .i. [h]
C X C L 2 [n g /m l]
2 2 4 4 8 7 2 1 2 0
0 ,0
0 ,2
0 ,4
0 ,6
0 ,8
***
Z e it p .i. [h]
C X C L 5 [n g /m l]
2 2 4 4 8 7 2 1 2 0
0 ,0
0 ,2
0 ,4
0 ,6
0 ,8
****
****
***
Z e it p .i. [h]
C X C L 2 [n g /m l]
0 2 6 1 2 2 4 4 8 7 2
0 ,0
0 ,2
0 ,4
0 ,6
0 ,8
1 ,0
*****
* *
Z e it p .i. [h]
C X C L 5 [n g /m l]
0 2 6 1 2 2 4 4 8 7 2
0 ,0
0 ,2
0 ,4
0 ,6
0 ,8
1 ,0
* * *
* * * ****
A
B
Z e it p .i. [h ]
C X C L 1 [n g /m l]
0 2 6 1 2 2 4 3 6 4 8 6 0 7 2
0 .0
0 .2
0 .4
0 .6
0 .8
1 .0
* *
* * *
* * *
* * *
S . p n .
1 P B S
S. pn. Serotyp 3
S. pn. Serotyp 2
68
Abbildung 22: Sekretion der Chemokine CXCL1, CXCL2 und CXCL5 nach S. pn.-Infektion
in vitro.
A. Alveoläre Makrophagen, B. Lungen Epithelzellen, C. Lungen Endothelzellen, D. Neutrophile
aus Knochenmark (PMNs), E. Thrombozyten aus dem Blut, und F. eine Epithel Zelllinie (T7)
wurden mit S. pn. Serotyp 2 infiziert. Als Kontrolle wurde mit Lösungsmittel (1 × PBS) infiziert.
Die Chemokine CXCL1, CXCL2 und CXCL5 wurden im Zellüberstand mittels ELISA bestimmt.
Die Versuche wurden 2 bis 3-mal unabhängig durchgeführt, repräsentative Experimente wurden
für diese Darstellung ausgewählt. A F: Mittelwert ± SEM; 2-way ANOVA/Sidak’s multiple
comparison Test. * p < 0,05, **p < 0,01, *** p < 0,001 und ****p < 0,0001. n.n. = nicht nachweisbar.
EndothelzellenEpithelzellenAlveoläre
Makrophagen
PMNs Epithel ZelllinieThrombozyten
A B C
D E F
CXCL 1
CX C L 2
CX C L 5
0 ,0
0 ,5
1 ,0
1 ,5
2 ,0
2 ,5
****
****
****
C X C L [n g /m l]
CXCL 1
CX C L 2
CX C L 5
0 ,0
0 ,5
1 ,0
1 ,5
2 ,0
n.n.
****
****
C X C L [n g /m l]
CXCL 1
CX C L 2
CX C L 5
0 ,0
0 ,2
0 ,4
0 ,6
0 ,8
1 ,0
1 ,2 ****
n .n . n .n .
CXCL 1
CX C L 2
CX C L 5
0 ,0
0 ,2
0 ,4
0 ,6
0 ,8
1 ,0 * *
n .n . n .n .
CXCL 1
CX C L 2
CX C L 5
0
5
1 0
1 5
2 0
2 5
n.n.
****
****
Z eit p.i. [h ]
C X C L 1 [n g /m l]
0 2 6 1 2 2 4 3 6 4 8 6 0 7 2
0 .0
0 .2
0 .4
0 .6
0 .8
1 .0
* *
* * *
* * *
* * *
S . p n .
1 P B S
CX C L 1
CXCL 2
CX C L 5
0 ,0 0
0 ,2 5
0 ,5 0
0 ,7 5
1 ,0 0
1 ,2 5
* * *
*
Z eit p.i. [h ]
C X C L 1 [n g /m l]
0 2 6 1 2 2 4 3 6 4 8 6 0 7 2
0 .0
0 .2
0 .4
0 .6
0 .8
1 .0
* *
* * *
* * *
* * *
S . p n .
1 P B S
69
6.2.3 Die Sekretion der CXCR2 Liganden von Epithelzellen ist TLR2-abhängig
Es ist bekannt, dass Oberflächenproteine von S. pn. von toll-like Rezeptoren (TLRs) erkannt
werden. Lipoproteine nnen an die Rezeptoren TLR1, TRL2 und TLR6 binden. In einem
Reportergen-Assay konnte bereits demonstriert werden, dass für eine S. pn.-induzierte
Immunantwort TLR2 notwendig ist [134]. Dies sollte nun auch für Epithelzellen nachgewiesen
werden. CXCL1 und CXCL5 wurden von T7 Zellen nach S. pn.-Infektion vermehrt sekretiert.
Dies konnte durch eine vorherige Inkubation mit einem anti-TLR2 Antikörper inhibiert werden
(Abbildung 23). Kein Einfluss konnte auf die CXCL2-Sekretion beobachtet werden. Hier waren
nur vereinzelt Werte messbar, die meisten befanden sich unter dem Detektionslimit des
ELISAs.
Abbildung 23: Die epitheliale Sekretion von CXCL1 und CXCL5 geschieht in Abhängigkeit vom
toll-like Rezeptor 2 (TLR2).
T7 Zellen wurden mit einem anti-TLR2 Antikörper bzw. Lösungsmittel (1 × PBS) inkubiert und
anschließend mit S. pn. Serotyp 2 infiziert. Zur Kontrolle wurden die Zellen analog mit Lösungsmittel
infiziert. Die Chemokine CXCL1, CXCL2 und CXCL5 wurden im Zellüberstand mittels ELISA
bestimmt. Die Versuche wurden 2-mal unabhängig durchgeführt, repräsentative Ergebnisse wurden
für diese Darstellung ausgewählt. Mittelwert + SEM; 2-way ANOVA/Sidak’s multiple comparison Test.
**** p < 0,0001. n.n. = nicht nachweisbar.
CXCL5
1 P B S S T2
0
1 0
2 0
3 0 ****
C h e m o kin e [n g /m l]
1 P B S S T2
0
2 0
4 0
6 0
****
CXCL1 CXCL2
1 P B S S T2
0 ,0
0 ,2
0 ,4
0 ,6
0 ,8
1 ,0
n .n . n .n .
1 P B S S T2
0
10
20
30 **** K ontrolle
anti T LR 2
1 P B S S T2
0
10
20
30 **** K ontrolle
anti T LR 2
70
6.2.4 Die Abwesenheit von CXCL5 resultiert in einer stark verminderten Neutrophile-
Rekrutierung
Während in einem Tuberkulose-Modell CXCL5 für eine verstärkte Neutrophile-Rekrutierung
sorgt [67], scheint nach einer E. coli Infektion CXCL5 eine eher hemmende Wirkung zu
besitzen und andere Chemokine oder Zytokine für die Migration der PMNs essentiell zu sein
[171]. Infolge einer S. pn.-Infektion von WT und Cxcl5-Knockout Mäusen (Cxcl5/−) zeigte sich
zum Zeitpunkt 24 h p.i. eine Verminderung der Neutrophile-Rekrutierung im Alveolarraum um
67 %, während keine Unterschiede zwischen den kontrollinfizierten Tieren zu beobachten
waren (Abbildung 24 A). Im Blut zeigte sich zum selben Zeitpunkt keine signifikant veränderte
Größe der Granulozyten Population (Abbildung 24 B).
Abbildung 24: Verminderte Neutrophile-Rekrutierung in den Alveolarraum S. pn.-
infizierter Mäuse in Abwesenheit von CXCL5.
WT und Cxcl5/ Mäuse wurden mit S. pn. Serotyp 2 infiziert (n = 14). Kontrollgruppen
wurden mit Lösungsmittel scheininfiziert (1 × PBS, n = 8). Neutrophile wurden in A.
bronchoalveolären Lavage (BAL) mittels FACS und B. Blut mit Hilfe eines Hämatologie-
Gerätes bestimmt. A, B: Mittelwert ± SEM; 2-way ANOVA/Tukey’s multiple comparison Test.
**** p < 0,0001.
% d e r L e u ko zyte n
0
2 0
4 0
6 0
8 0 ****
S . p n .
1 P B S
P M N s in B A L [1 0 4]
0
5
1 0
1 5
2 0
2 5 ***
S . p n .1 P B S
P M N s / µ l B lut [1 0 3]
0
2
4
6
S . p n .1 P B S
% d e r L e u ko zyte n
0
1 0
2 0
3 0
4 0
5 0
S . p n .1 P B S
ANeutrophile im Alveolarraum
BNeutrophile im Blut
W T C x c l5 -/-
0
1
2
3
4
A lve o la rw a nd-
S c h ä d ig u n g (S co re )
W T
C x c l5 -/-
WT
Cxcl5−/−
71
6.2.5 Trotz erhöhter bakterieller Last ist die Mortalität nicht beeinflusst
Neutrophile scheinen einen essentiellen Beitrag bei der Eliminierung von Pathogenen zu
leisten [117], wurden in Cxcl5−/− Mäusen aber vermindert in den Alveolarraum rekrutiert. Die
bakterielle Last der infizierten Tiere wurde zum Zeitpunkt 24 h p.i. untersucht. Es zeigte sich,
dass im Alveolarraum (Abbildung 25 A) und im Lungengewebe (Abbildung 25 B) in
Abwesenheit von CXCL5 signifikant erhöhte Mengen des Erregers nachweisbar waren. In Blut
(Abbildung 25 C) und Milz (Abbildung 25 D) zeigten sich keine Unterschiede zwischen der WT
und der Cxcl5/− Gruppe. Trotz erhöhter bakterieller Last konnte kein nachteiliger Effekt auf die
Überlebensrate der Tiere nachgewiesen werden: Die Mortalität der Cxcl5/− Tiere unterschied
sich nicht signifikant von der Mortalität der WT Gruppe (Abbildung 25 E).
Abbildung 25: Eine erhöhte bakterielle Last in Alveolarraum und Lunge hat keinen nachteiligen
Effekt auf die Mortalität S. pn.-infizierter Mäuse.
WT und Cxcl5/ Mäuse wurden mit S. pn. Serotyp 2 infiziert (n = 14). Kontrollgruppen wurden mit
Lösungsmittel scheininfiziert (1 × PBS, n = 8). Colony Forming Units (CFU) in A. bronchoalveolärer
Lavage (BAL), B. Lunge, C. Blut und D. Milz. A D: Zur verbesserten Darstellung und statistischen
Auswertung nach der Formel Y=Y+1 modifiziert und anschließend logarithmiert. Median ±
Interquartilsabstand; Mann Whitney Test. ** p < 0,01 und **** p < 0,0001. E. Kaplan-Meier Test der
Überlebensrate der einzelnen Gruppen, Log-rank Test.
0
2
4
6
8
C F U / M ilz [lo g 1 0 ]
W T C x c l5 -/-
0
2
4
6
C F U / L u n g e [lo g 1 0 ]
* *
W T C x c l5 -/-
0
1
2
3
C F U /µ l B lu t [lo g 1 0 ]
W T C x c l5 -/-
0
1
2
3
4
5
C F U /µ l B A L [lo g 1 0 ]
****
W T C x c l5 -/-
A CFU BAL B CFU Lunge C CFU Blut
D CFU Milz E Mortalität
Z e it p.i. [h]
Ü b e rle b e n [% ]
0 12 24 36 48 60 72 84 96 108120
0
2 0
4 0
6 0
8 0
100
WT
Cxcl5−/−
72
6.2.6 Die Abwesenheit von CXCL5 beeinflusst neben Neutrophilen auch alveoläre
Makrophagen im Alveolarraum
Alveoläre Makrophagen haben eine wichtige Aufgabe in der Beseitigung von Pathogenen,
aber auch Überresten körpereigener Zellen wie apoptotischer PMNs [83, 84]. Durch diese
Phagozytose-Prozesse kann eine Schädigung des umliegenden Gewebes vermindert werden.
Dabei kommt es allerdings in vielen Infektionen auch zu einem Rückgang dieses Zelltyps, was
wiederum zu einer länger anhaltenden Inflammation führen kann. In Cxcl5/− Tieren waren
nach einer S. pn.-Infektion trotz erhöhter bakterieller Last (siehe 6.2.5) signifikant mehr AlvMs
im Alveolarraum nachweisbar als in der WT Gruppe (Abbildung 26 A). Die Rekrutierung
anderer Immunzellen wie iMs (Abbildung 26 B) und DCs (Abbildung 26 C) war durch die
Abwesenheit von CXCL5 und der damit verbundenen verminderten Migration von
Neutrophilen nicht beeinflusst.
Abbildung 26: In S. pn.-infizierten Tieren sind alveoläre Makrophagen, aber nicht
inflammatorische Monozyten / Makrophagen oder dendritische Zellen, durch eine Cxcl5
Deletion beeinflusst.
WT und Cxcl5/Mäuse wurden mit S. pn. Serotyp 2 infiziert (n = 14). Kontrollgruppen wurden mit
Lösungsmittel scheininfiziert (1 × PBS, n = 8). A. Alveoläre Makrophagen (AlvMs), B.
Inflammatorische Monozyten / Makrophagen (iMs) und C. Dendritische Zellen (DCs) wurden in der
bronchoalveolären Lavage mittels FACS gemessen. A C: Mittelwert ± SEM; 2-way ANOVA/Tukeys
multiple comparison Test. ** p < 0,01 und **** p < 0,0001.
A
% d e r L e u ko zyte n
0
2 0
4 0
6 0
8 0
100 ****
S . p n .1 P B S
A lv M s in B A L [1 0 4]
0
5
1 0
1 5
2 0
**
S . p n .1 P B S
% d e r L e u ko zyte n
0 ,0
0 ,5
1 ,0
1 ,5
S . p n .1 P B S
D C s in B A L [1 0 2]
0
5
1 0
1 5
S . p n .1 P B S
% d e r L e u ko zyte n
0
1
2
3
4
5
S . p n .1 P B S
iM s in B A L [1 0 2]
0
1 0
2 0
3 0
4 0
S . p n .1 P B S
Alveoläre
Makrophagen
B Inflammatorische
Monozyten / Makropagen
C Dendritische
Zellen
WT Cxcl5−/−
W T C x c l5 -/-
0
1
2
3
4
A lve o la rw a n d-
S c h ä d ig u n g (S co re )
W T
C x c l5 -/-
W T C x c l5 -/-
0
1
2
3
4
A lve o la rw a n d-
S c h ä d ig u n g (S co re )
W T
C x c l5 -/-
73
6.2.7 CXCL5 beeinflusst keine weiteren inflammatorischen Mediatoren in
Alveolarraum und Blut
Da Neutrophile selbst inflammatorische Mediatoren sekretieren oder andere Zelltypen zur
Expression entsprechender Gene stimulieren können, wurden im Alveolarraum (Abbildung
27 A) und im Blut (Abbildung 27 B) eine Vielzahl an Zytokinen, Chemokinen und
Wachstumsfaktoren mit einem Multiplex-Assay gemessen. Es zeigten sich keine
unterschiedlichen Konzentrationen der Zytokine IL-1β, IL-6, TNF-α oder IFN-γ. Auch die
Wachstumsfaktoren G-CSF und GM-CSF blieben durch die Cxcl5 Deletion unverändert. Die
Chemokine CCL2, CCL3 und CXCL1 waren ebenfalls gleichbleibend zwischen den Gruppen
und es konnten keine signifikanten Unterschiede in Lavageflüssigkeit oder Plasma detektiert
werden. Erwartungsgemäß führte die Deletion des Cxcl5 Gens dazu, dass in den WT Tieren
signifikant mehr CXCL5 gemessen wurden als in der Knockout Gruppe.
Abbildung 27: Inflammatorische Mediatoren in einer S. pn.-Infektion werden durch eine Cxcl5
Deletion nicht beeinflusst.
WT und Cxcl5/Mäuse wurden mit S. pn. Serotyp 2 infiziert (n = 14). Kontrollgruppen wurden mit
Lösungsmittel scheininfiziert (1 × PBS, n = 8). Die Konzentrationen inflammatorischer Mediatoren
wurden in A. Alveolarraum und B. Plasma der Tiere mittels Multiplex bestimmt. Abkürzungen: BAL:
Bronchoalveoläre Lavage, IL: Interleukin, TNF: Tumornekrosefaktor, IFN: Interferon, G-CSF:
Granulozyten-Kolonie-stimulierender Faktor, GM-CSF: Granulozyten-Monozyten-Kolonie-
stimulierender Faktor. A, B: Mittelwert + SEM; 2-way ANOVA/Sidak’s multiple comparison Test. ****
p < 0,0001.
A Konzentration inflammatorischer Mediatoren im Alveolarraum
B
M e d ia toren im
P la s m a [p g /m l]
IL -1
IL -6
T N F -
IF N -
G -C S F
G M -C S F
CCL 2
CC L 3
C X C L 1
CX C L 5
0
200
400
600
800
****
M e diatore n in
B A L F [p g /m l]
IL -1
IL -6
T N F -
IF N -
G -C S F
G M -C S F
CCL 2
CC L 3
C X C L 1
CX C L 5
0
100
200
300
400
500
****
Konzentration inflammatorischer Mediatoren im Plasma
K on ze n tra tion im
P la s m a [p g /m l]
IL -1
IL -6
T N F
IF N
G -C S F
GM -C S F
CCL2
CC L 3
C X C L 1
C X C L 5
0
200
400
600
800
**** W T
C x c l5 -/-
WT
Cxcl5−/−
K on ze n tra tion im
P la s m a [p g /m l]
IL -1
IL -6
T N F
IF N
G -C S F
GM -C S F
CCL2
CC L 3
C X C L 1
C X C L 5
0
200
400
600
800
**** W T
C x c l5 -/-
WT
Cxcl5−/−
74
6.2.8 Im Zuge einer Serotyp 2-Infektion schützt die Abwesenheit von CXCL5 nicht vor
Ödem-Entwicklung oder der bakteriellen Ausbreitung in die Peripherie
Analog zu einer Infektion mit Serotyp 3 Pneumokokken konnte bei mit Serotyp 2-infizierten WT
Mäusen zum Zeitpunkt 24 h p.i. ein tendenzieller Anstieg der histopathologischen Anzeichen
einer Pneumonie, zusammengefasst als Inflammationsscore, beobachtet werden (Abbildung
28 A und vergleiche Abbildung 14 B). Bei den Cxcl5-defizienten Tieren wurden zum WT
vergleichbare Scores ermittelt. Im analysierten Zeitraum von 24 h nach einer S. pn.-Infektion
wurde in keinem der Genotypen eine Entwicklung von alveolären Ödemen beobachtet (nicht
dargestellt), allerdings konnten bereits minimal bis mittelgradig ausgebildete perivaskuläre
Ödeme histologisch dargestellt werden (Abbildung 28 B). Auch hier wurde kein signifikanter
Unterschied zwischen WT und Cxcl5/− Tieren festgestellt. Die Ausbreitung der
Pneumokokken und eine damit zusammenhängende leichte Entzündung des die Lunge
umgebenden Fettgewebes (Steatitis, Abbildung 28 C) konnte bei zwei von fünf Tieren 24 h p.i.
in beiden Gruppen beobachtet werden. Anzeichen einer Entzündung des Brustfells (Abbildung
28 D) waren ebenfalls bei einzelnen Tieren beider Gruppen feststellbar. Beide S. pn.-infizierte
Gruppen zeigten Anzeichen einer eitrigen Entzündung im Zuge der Pneumonie, die bei den
mit 1 × PBS scheininfizierten Kontrolltieren nicht darstellbar waren (Abbildung 28 E).
75
Abbildung 28: Histopathologische Analysen zeigen keine Unterschiede bei der Entwicklung
einer entzündlichen Pneumonie zwischen WT und Cxcl5/auf.
WT und Cxcl5/Mäuse wurden mit S. pn. Serotyp 2 (ST2) infiziert (n = 5). Kontrollgruppen wurden mit
Lösungsmittel scheininfiziert (1 × PBS, n = 3). A. Inflammationsscore, zusammengestellt aus
histologischen Inflammationsparametern der Lunge. Histologische Scores zur Quantifizierung des
Schweregrades an B. Perivaskulärem Ödem, C. Steatitis und D. Pleuritis. A D: Median ±
Interquartilsabstand. Score-Einteilung: 0: nicht betroffen, 1: vereinzelt, 2: geringgradig, 3: mittelgradig.
2-way ANOVA/Tukey’s multiple comparison Test. * p < 0,05. E. Repräsentative H & E Färbung
scheininfizierter (oben) und S. pn.-infizierter (unten) WT (links) und Cxcl5-KO (rechts) Tiere zur
Darstellung der eitrigen Pneumonie (*).
A Inflammationsscore B
Pleuritis Score
0 ,0
0 ,5
1 ,0
1 ,5
In fla m m a tio n s sc o re
S . p n .
1 P B S
0 ,0
0 ,5
1 ,0
1 ,5
2 ,0
P le u ritis S co re
S . p n .
1 P B S
0 ,0
0 ,5
1 ,0
1 ,5
S te a titis S co re
S . p n .
1 P B S
0
1
2
3
4
P e riv ask u lä re s
Ö d e m (S c o re )
S . p n .
1 P B S
*
Steatitis Score
Perivaskuläres Ödem
DC
W T C x c l5 -/-
0
1
2
3
4
A lve o la rw a nd-
S c h ä d ig u n g (S co re )
W T
C x c l5 -/-
WT
Cxcl5−/−
WT
*
*
S. pn. ST 2 1 PBS
E Histopathologische Darstellung
Cxcl5−/−
= 100 µm
*= eitrige Pneumonie
76
6.2.9 Die Abwesenheit von CXCL5 vermindert die Schädigung der alveolokapillären
Barriere
Durch die Endothel- und Epithelschicht der alveolokapillären Barriere eindringende, aktivierte
Neutrophile können zu einer Schädigung dieser schützenden Zellschicht zwischen Alveole und
Blutgefäß führen [110-112]. Die Quantifizierung der Schrankenstörung zeigte, dass Cxcl5-
defiziente Tiere zum Zeitpunkt 24 h p.i. niedrige Permeabilitätswerte aufwiesen, wohingegen
WT Tiere bereits eine Störung der alveolokapillären Barriere zeigten (Abbildung 29 A). Ein
Wachstumsfaktor, der zu einer Dissoziation der inter-endothelialen und -epithelialen Zell-Zell-
Verbindungen führen kann, ist VEGF [74]. Dieser Wachstumsfaktor wird unter anderem von
Neutrophilen, aber auch von inflammatorischen Monozyten / Makrophagen produziert und
scheint neben seinem schädigenden Effekt und seiner Neutrophile-rekrutierenden Wirkung
auch wichtig zu sein für die Gewebe-Reparatur [172]. Analog zu den reduzierten
Permeabilitätswerten zeigten Cxcl5/− Tiere ebenfalls niedrige VEGF-Konzentrationen im
Alveolarraum.
Abbildung 29: Die Abwesenheit von CXCL5 schützt vor Barriereschädigung nach S. pn.-
Infektion.
WT und Cxcl5/Mäuse wurden mit S. pn. Serotyp 2 infiziert (n = 14). Kontrollgruppen wurden mit
Lösungsmittel scheininfiziert (1 × PBS, n = 8). A. Die Bestimmung der Permeabilität der
alveolokapillären Barriere erfolgte mittels Quantifizierung von murinem Serumalbumin (MSA) in
bronchoalveolärer Lavageflüssigkeit (BALF) und Plasma. B. Die Bestimmung von Vascular
Endothelial Growth Factor (VEGF) aus der BALF erfolgte mittels ELISA. A, B: Mittelwert ± SEM; 2-
way ANOVA/Tukey’s multiple comparison Test. * p < 0,05 und *** p < 0,001.
6.3 Der Einfluss des Chemokins CXCL5 auf Neutrophile-Rekrutierung und
Lungenschädigung in einem Modell mechanischer Beatmung
Die Rolle von CXCL5 auf die alveolokapillären Barriere sollte auch unabhängig von einer
bakteriellen Infektion untersucht werden, weshalb ein Modell einer sterilen Lungenschädigung
eingesetzt wurde. Dazu wurden Mäuse mit einem Beatmungsgerät unter Einsatz hoch- und
niedrigvolumiger Tidalvolumina ventiliert. Mit diesem Modell kann die Situation von Patienten
A Permeabilität B VEGF
V E G F in B A L F [n g /m l]
0 ,0 0
0 ,0 2
0 ,0 4
0 ,0 6
0 ,0 8
0 ,1 0
0 ,1 2 * * *
S . p n .
1 P B S
M S A B A L F /
M S A P la s m a 1 0 - 3
0
5
1 0
1 5
2 0
2 5
S . p n .
1 P B S
*
W T C x c l5 -/-
0
1
2
3
4
A lve o la rw a nd-
S c h ä d ig u n g (S co re )
W T
C x c l5 -/-
WT
Cxcl5−/−
77
auf der Intensivstation simuliert und der Effekt einer mechanischen Beatmung auf Zell-
Rekrutierung, Lungenfunktion und Barriereschädigung untersucht werden.
6.3.1 Mechanische Beatmung induziert die Sekretion von CXC-Chemokinen und
Neutrophile-Infiltration in vivo
Auch im Zuge einer sterilen Inflammation kommt es zu einer Rekrutierung von Neutrophilen.
Dies kann beispielsweise durch Signale nekrotisierender Zellen eingeleitet werden [173, 174].
Im Zuge einer Ventilation mit hohem Tidalvolumen (HVT) über 240 min kam es in WT Tieren
zur vermehrten Sekretion der CXCR2-Liganden CXCL1 und CXCL5 im Vergleich zur nicht-
ventilierten (NV) WT Kontrollgruppe (Abbildung 30 A - C). Kein Einfluss konnte auf die
Sekretion von CXCL2 gemessen werden. Zwischen nicht-ventilierten WT und Cxcl5/− Tieren
konnte kein Unterschied der Sekretion der CXC-Chemokine beobachtet werden. Infolge der
vierstündigen Beatmung mit hohem Tidalvolumen zeigte sich jedoch eine verminderte CXCL1-
Sekretion in der Cxcl5−/− Gruppe im Vergleich zu den WT Tieren.
Abbildung 30: Induktion der Ausschüttung von CXCL1 und CXCL5 nach hochvolumiger
mechanischer Beatmung in vivo.
WT und Cxcl5/Mäuse wurden für 10 min mit einem Tidalvolumen von 9 mg/kg (NV: nicht ventiliert,
n = 8-9) oder für 240 min (HVT: hochvolumige Ventilation, n = 8-15) mit einem Tidalvolumen von
33 ml/kg beatmet. A. CXCL1, B. CXCL2 und C. CXCL5 in der bronchoalveolären Lavageflüssigkeit,
bestimmt mittels ELISA. A C: Mittelwert + SEM. 2-way ANOVA/Tukey’s multiple comparison Test.
* p < 0,05 und **** p < 0,0001.
6.3.2 Mechanische zyklische Dehnung induziert die Ausschüttung von CXC-
Chemokinen und VEGF in vitro
Um zu überprüfen, ob die mechanische Belastung der Epithelzellen ursächlich war für die
erhöhten Chemokinlevel im Alveolarraum, wurde in vitro untersucht, ob eine zyklische
Dehnung von Epithelzellen die Sekretion der CXC-Chemokine induziert. Nach periodischer,
18 %-iger Dehnung eines einschichtigen Epithelzellrasens zeigte sich im Vergleich zur analog
behandelten statischen Kontrolle eine signifikante Erhöhung der CXCL1- und CXCL5-
0 ,0
0 ,1
0 ,2
0 ,3
0 ,4
C X C L 1 [n g /m l]
**** *
NV H VT
CXCL 1
C X C L 2
CX C L 5
0 .0
0 .5
1 .0
1 .5
2 .0
C X C L [n g /m l]
W T H V T
* *
W T N V
0 ,0
0 ,1
0 ,2
0 ,3
0 ,4
0 ,5
C X C L 2 [n g /m l]
NV H VT
0 ,0
0 ,5
1 ,0
1 ,5
2 ,0
C X C L 5 [n g /m l]
**
NV H VT
WT Cxcl5−/−
CXCL 1
C X C L 2
CX C L 5
0 .0
0 .5
1 .0
1 .5
2 .0
C X C L [n g /m l]
W T H V T
* *
W T N V
A CXCL1 B CXCL2 C CXCL5
78
Sekretion (Abbildung 31 A). CXCL2 konnte analog zur S. pn.-Infektion in vitro (siehe Abbildung
22 F) nicht im Zellüberstand detektiert werden. Die Sekretion von VEGF wurde nach
periodischer Dehnung der Zellen ebenfalls vermehrt induziert, allerdings auf einem niedrigeren
Niveau als die Chemokin-Konzentrationen (Abbildung 31 B).
Abbildung 31: Mechanische Dehnung von Epithelzellen induziert die Ausschüttung von
CXCL1, CXCL5 und VEGF.
T7 Zellen wurden auf Kollagen IV-beschichteten flexiblen Zellkultur-Membranen für 24 h mit einer
Frequenz von 0,25 Hz zyklisch um 18 % gedehnt. Statische Kontrollen (0 %) wurden auf analogen
Membranen im selben Inkubator parallel inkubiert. A. Die Chemokine CXCL1, CXCL2 und CXCL5
und B. der Wachstumsfaktor VEGF wurden im Zellüberstand mittels ELISA bestimmt. Die Versuche
wurden 2-mal unabhängig durchgeführt, ein repräsentatives Experiment wurden für diese Darstellung
ausgewählt. A, B: Mittelwert + SEM; A. 2-way ANOVA/Sidak’s multiple comparison Test, B:
ungepaarter t-Test. ** p < 0,01 und **** p < 0,0001. n.n. =nicht nachweisbar.
6.3.3 In Abwesenheit von CXCL5 ist die Rekrutierung von Neutrophilen im Zuge der
mechanischen Ventilation vermindert
Im Anschluss an hochvolumige mechanische Beatmung war eine Infiltration von Neutrophilen
in den Alveolarraum zu beobachten, dabei war diese nach 240 min Ventilation bei den Cxcl5/−
Tieren im Vergleich zur HVT WT Gruppe im Mittel um 53 % vermindert (Abbildung 32 A, B).
Bei den nicht-ventilierten Gruppen (Präparation und 10-minütige Ventilation mit niedrigem
Tidalvolumen) zeigten sich keine Unterschiede in der Infiltration von Neutrophilen in den
Alveolarraum. Im Blut wiesen die Cxcl5/− Mäuse im Vergleich zum WT vor und nach einer
HVT-Beatmung tendenziell erhöhte Granulozyten-Konzentrationen auf. Anteilig an den
Gesamtleukozyten war dieser Unterschied signifikant (Abbildung 32 C).
A CXC-Chemokine B VEGF
C X C L 1 C X C L 2 C X C L 5
0
1 0
2 0
3 0
4 0
5 0
C X C L [n g /m l]
****
****
n .n .
0 ,0 0
0 ,0 5
0 ,1 0
0 ,1 5
V E G F [n g /m l]
* *
0 .0 0
0 .0 5
0 .1 0
0 .1 5
V E G F [n g /m l]
* *
18 %
0 %
79
Abbildung 32: Induktion der Neutrophile-Rekrutierung in den Alveolarraum durch
mechanische Beatmung.
WT und Cxcl5/Mäuse wurden für 10 min mit einem Tidalvolumen von 9 mg/kg (NV: nicht ventiliert,
n = 8-9) oder für 240 min (HVT: hochvolumige Ventilation, n = 8-15) mit einem Tidalvolumen von
33 ml/kg beatmet. A. Neutrophile (PMNs) wurden in der bronchoalveolären Lavage mittels
Durchflusszytometrie bestimmt. B. Repräsentative Dot Blots der Neutrophilen-Populationen im
Alveolarraum. C. Neutrophile im Blut wurden mit Hilfe eines Hämatologie-Gerätes bestimmt. A, C:
Mittelwert + SEM. 2-way ANOVA/Tukey’s multiple comparison Test. ** p < 0,01, *** p < 0,001 und ****
p < 0,0001.
0
5
1 0
1 5
P M N s in B A L [1 0 3]
NV HVT
0
5
1 0
1 5
2 0
2 5
% d e r L e u ko zyte n
**** * *
NV HVT
A Neutrophile im Alveolarraum
0 ,0
0 ,5
1 ,0
1 ,5
2 ,0
2 ,5
G ranulo zyte n / µl
B lu t [1 0 3]
NV HVT
0
1 0
2 0
3 0
4 0
% d e r L e u ko zyte n
* * *
NV HVT
* *
B
Neutrophile im Blut
W T C x c l5 -/-
0
1
2
3
4
A lve o la rw a n d-
S c h ä d ig u n g (S co re )
W T
C x c l5 -/-
WT
Cxcl5−/−
C
WT
NV
HVT
Cxcl5−/−
Neutrophile im Alveolarraum Dot Blots
CD11b
Ly6G
80
6.3.4 CXCL5 beeinflusst keine weitere Rekrutierung von Immunzellen in den
Alveolarraum bei einer mechanischen Beatmung
Auch im Zuge einer sterilen Inflammation werden AlvMs benötigt, um apoptotische oder
nekrotische PMNs zu beseitigen und eine weitere Schädigung des Gewebes zu reduzieren
[175]. Zu Beginn sowie nach der vierstündigen HVT Ventilation war die Zahl der AlvMs im
Alveolarraum durch eine Cxcl5 Deletion nicht beeinflusst (Abbildung 33 A). Allerdings zeigte
sich eine Verminderung der AlvM-Frequenzen im Mittel von 87 auf 73 % im Anschluss an eine
HVT Beatmung in der WT Gruppe, wohingegen bei der Cxcl5/− Gruppe kein Rückgang
gemessen werden konnte, was mit einem Einstrom an Neutrophilen zusammenhing (siehe
Abbildung 32). Des Weiteren zeigten sich in keiner Gruppe eine Veränderung der totalen
Zellzahlen oder Frequenzen der iMs (Abbildung 33 B) und DC-Populationen (Abbildung 33 C)
in den Alveolen.
Abbildung 33: CXCL5 beeinflusst neben der PMN-Rekrutierung keine weiteren Immunzellen im
Alveolarraum nach mechanischer Beatmung.
WT und Cxcl5/Mäuse wurden für 10 min mit einem Tidalvolumen von 9 mg/kg (NV: nicht ventiliert,
n = 8-9) oder für 240 min (HVT: hochvolumige Ventilation, n = 8-15) mit einem Tidalvolumen von
33 ml/kg beatmet. Totale Zellzahlen und Prozente an Leukozyten von A. Alveolären Makrophagen
(AlvMs), B. Inflammatorischen Monozyten / Makrophagen (iMs) und C. Dendritischen Zellen (DCs)
wurden mittels FACS in der bronchoalveolären Lavage (BAL) bestimmt. A C: Mittelwert + SEM. 2-
way ANOVA/Tukey’s multiple comparison Test. * p < 0,05 und ** p < 0,01.
0
2
4
6
8
1 0
A lv M s in B A L [1 0 4]
NV HVT
0
2 5
5 0
7 5
100
% d e r Le u ko zyten
*
* *
NV HVT
0 ,0
0 ,5
1 ,0
1 ,5
2 ,0
2 ,5
% d e r Le u ko zyte n
NV HVT
0
2
4
6
iM s in B A L [10]
NV HVT
0
2
4
6
8
D C s in B A L [10]
NV HVT
0 ,0
0 ,2
0 ,4
0 ,6
0 ,8
1 ,0
% d e r Le u ko zyte n
NV HVT
A Alveoläre
Makrophagen
B Inflammatorische
Monozyten / Makrophagen
C Dendritische
Zellen
WT Cxcl5−/−
W T C x c l5 -/-
0
1
2
3
4
A lve o la rw a nd-
S c h ä d ig u n g (S co re )
W T
C x c l5 -/-
W T C x c l5 -/-
0
1
2
3
4
A lve o la rw a nd-
S c h ä d ig u n g (S co re )
W T
C x c l5 -/-
81
6.3.5 Die Abwesenheit von CXCL5 ist die Lungenfunktion unter mechanischer
Beatmung verbessert
Mit Hilfe des maximalen inspiratorischen Drucks (peak inspiratory pressure, PIP) ist eine
Aussage darüber möglich, wie viel Widerstand in der relativ steifen Trachea während der
Einatmung gemessen wird. Je höher dieser Wert, desto mehr Druck muss ausgeübt werden,
um die Lunge zu ventilieren. Auch die Dehnbarkeit der Lunge kann bestimmt werden, und
zwar mit Hilfe der „Compliance“. Diese ist definiert als der Quotient aus Volumenänderung pro
Druckänderung (C = ΔV × ΔP-1) und gibt Aufschluss darüber, wie viel Druck ausgeübt werden
muss, um die im Gegensatz zur steifen Trachea relativ elastische Lunge selbst zu dehnen.
Mehr Kraft muss beispielsweise aufgewendet werden, wenn die Lunge im Zuge einer
Schädigung des Gewebes steifer wird. Die Anwendung eines erhöhten Drucks wiederum kann
zu einer stärkeren Entwicklung von Ödemen führen als eine Beatmung mit geringerem Druck.
Zusammenfassend lässt sich demnach sagen, dass eine niedrige Compliance sowie erhöhte
PIP-Werte auf eine verschlechterte Lungenfunktion hinweisen. In Abwesenheit des
Chemokins CXCL5 zeigten die Tiere im Verlauf der vierstündigen mechanischen HVT-
Beatmung niedrigere PIP-Werte auf als in der WT Gruppe (Abbildung 34 A). Die Cxcl5-
defizienten Mäusen zeigten zwar im Vergleich zu den WT Tieren mit niedrigeren PIP Werten
in das Experiment ein, der Unterschied war zum Zeitpunkt 0 h aber statistisch nicht signifikant.
Nach 240 min Beatmung, zum Ende des Experiments, zeigten WT Tiere statistisch höhere
PIP-Werte im Vergleich zu den Cxcl5-defizienten Mäusen (Abbildung 34 A rechts). Für erhöhte
PIP-Werte können das Alter und das Gewicht der Tiere ursächlich sein, allerdings waren auch
hier keine signifikanten Unterschiede zwischen den Versuchsgruppen messbar (Abbildung
34 B). Die Compliance der Cxcl5/ Tiere war tendenziell niedriger als in der WT-Gruppe
(Abbildung 34 C). Die Cxcl5-defizienten Mäuse zeigten bereits zu Beginn des Versuchs
tendenziell niedrigere Werte, die Unterschiede waren allerdings nicht statistisch signifikant.
Der Abfall in der Dehnbarkeit über die Beatmungszeit war bei den WT Tieren stärker
ausgeprägt. Dies zeigte sich deutlich nach Normalisierung der Messwerte der Compliance auf
den Anfangszeitpunkt t = 30 min. Der relative Complianceverlust war in den WT Tieren
demnach signifikant stärker als in der Cxcl5/ Gruppe. Über den Verlauf der Beatmung
entstanden in den Lungen der Cxcl5/ Tiere folglich signifikant weniger Versteifungen als in
den Lungen der WT Tiere.
82
Abbildung 34: Die Lungenfunktion ist in Abwesenheit von CXCL5 nach mechanischer
Beatmung verbessert.
WT und Cxcl5/Mäuse wurden für 240 min (HVT: hochvolumige Ventilation, n = 11-15) mit einem
Tidalvolumen von 33 ml/kg beatmet. A. Maximaler inspiratorischer Druck (peak inspiratory pressure,
PIP), gemessen alle 10 min (links) und zu Beginn und Ende (rechts). B. Alter und Gewicht der
untersuchten Tiere. C. Dehnbarkeit der Lunge (Compliance), in absoluten Messwerten (oben) und
normalisiert zu t = 30 min (unten). A - C: Mittelwert ± SEM. A. 2-way ANOVA mit aufeinander
folgenden Messungen (links), 2-way ANOVA/Sidak’s multiple comparison Test (rechts), B.
ungepaarter t-Test. C. 2-way ANOVA mit aufeinander folgenden Messungen. *p < 0,05, ** p < 0,01
und **** p < 0,0001.
APeak Inspiratory Pressure (PIP)
B Alter und Gewicht
0 h 4 h
1 0
1 2
1 4
1 6
1 8
2 0 *
n .s .
A lte r [T a g e ]
W T C x c l5 -/-
6 0
6 5
7 0
7 5
8 0
8 5
G e w ich t [g ]
W T C x c l5 -/-
1 6
1 8
2 0
2 2
2 4
0 60 120 180 240
1 3
1 4
1 5
1 6
Z e it [m in ]
P IP [cm H 2O ]
****
0 60 120 180 240
0,020
0,025
0,030
0,035
Z e it [m in ]
c o m p lia n c e
C [m l/cm H 2O ]
C Dehnbarkeit der Lunge
60 120 180 240
0 ,8
0 ,9
1 ,0
1 ,1
1 ,2
Z e it [m in ]
re la tive C o m p lia n ce
* *
W T C x c l5 -/-
0
1
2
3
4
A lve o la rw a n d-
S c h ä d ig u n g (S co re )
W T
C x c l5 -/-
WT
Cxcl5−/−
WT HVT
Cxcl5−/− HVT
83
6.3.6 Histopathologische Untersuchungen der Lunge ventilierter Mäuse weisen auf
eine erhöhte Schädigung der Alveolarwand in Anwesenheit von CXCL5 hin
Zur Beurteilung der Entstehung von Ödemen und Emphysemen, der Schädigung der die
Alveole auskleidenden Epithelzellen und der Bildung hyaliner Membranen, erfolgten
histopathologische Untersuchungen der Lungen von WT und Cxcl5/− Tieren. Hyaline
Membranen weisen auf einen diffusen alveolären Schaden hin. Sie entstehen, wenn
Plasmaproteine aufgrund einer Permeabilitätserhöhung aus dem vaskulären Kompartiment in
den Alveolarraum übertreten und gemeinsam mit nekrotischen Alveolarzellen
charakteristische transparente (hyaline) Membranen bilden. Die Auswertung der einzelnen
Tiere ergab, dass in allen Tieren der Cxcl5-defizienten Gruppe nach HVT Beatmung nur
vereinzelt Hyalin-Membranen in den Alveolen vorkamen, während bei drei von vier WT Tieren
tendenziell mehr dieser Strukturen gefunden werden konnten (Abbildung 35 A und F). Bei der
Entwicklung von alveolären und perivaskulären Ödemen konnten keine Unterschiede
zwischen den Genotypen beobachtet werden, ebenso nicht beim Auftreten alveolärer
Emphyseme (Abbildung 35 B - D). Diese Überblähung der alveolaren Strukturen entsteht
beispielsweise, wenn durch Inflammation und der damit verbundenen Leukozyten-
Rekrutierung Proteasen freigesetzt werden, die die Struktur der Alveolen schädigen. Dadurch
können die Alveolen kollabieren und die darin enthaltene Luft bleibt in diesen Blasen gefangen
[176]. Unterschiede zeigten sich aber in der Schädigung der Alveolarwand, welche
beispielsweise durch Nekrose von Epithelzellen versursacht werden kann. Während in
Abwesenheit von CXCL5 die Tiere nur minimale bis geringgradige Schädigungen aufwiesen,
konnte in der WT Gruppe eine gering- bis mittelgradige Ausprägung charakterisiert werden
(Abbildung 35 E und F).
84
Abbildung 35: Histopathologische Auswertung der ventilierten WT und Cxcl5/Tiere.
WT und Cxcl5/ Mäuse wurden für 240 min (HVT: hochvolumige Ventilation, n = 4) mit einem
Tidalvolumen von 33 ml/kg beatmet. Histopathologische Scores der Ausbreitung von A. hyalinen
Membranen, B. alveolären Ödemen, C. perivaskulären Ödemen, D. alveolären Emphysemen und E.
der Schädigung der Alveolarwand. A E: Score-Einteilung: 0: nicht betroffen, 1: vereinzelt, 2:
geringgradig, 3: mittelgradig, 4: hochgradig. Mittelwert ± SEM, Mann Whitney Test. F. Repräsentative
H & E Färbung (oben) und PAS (periodic acid-Schiff) Reaktion zur Darstellung von hyalinen
Membranen (Pfeil) und Alveolarwand-Schädigung (Pfeilkopf) in WT (links) und Cxcl5/ (rechts)
Tieren.
A Hyaline Membran B Alveoläres Ödem
W T C x c l5 -/-
0
1
2
3
4
A lve o la rw a n d-
S c h ä d ig u n g (S co re )
W T C x c l5 -/-
0 ,0
0 ,5
1 ,0
1 ,5
2 ,0
2 ,5
H yaline
M em b ra n (S c o re )
W T C x c l5 -/-
0
1
2
3
4
5
P e riv ask u lä re s
Ö d e m (S c o re )
W T C x c l5 -/-
0 ,0
0 ,5
1 ,0
1 ,5
2 ,0
2 ,5
A lv e o lä re s
Ö d e m (S c o re )
W T C x c l5 -/-
0 ,0
0 ,5
1 ,0
1 ,5
2 ,0
2 ,5
A lv e o lä re s
E m p h y se m (S c o re )
C Perivaskuläres Ödem
D Alveoläres
Emphysem
E Schädigung der
Alveolarwand
WT
H&E
PAS
F Histophatologische Darstellung
= Hyaline Membran = Alveolarwand-Schädigung = 100 µm
W T C x c l5 -/-
0
1
2
3
4
A lve o la rw a nd -
S c h ä d ig u n g (S co re )
W T
C x c l5 -/-
WT
Cxcl5−/−
Cxcl5−/−
85
6.3.7 In Abwesenheit von CXCL5 ist die alveolokapilläre Barriere unter mechanischer
Beatmung geschützt
Im Laufe der vierstündigen HVT Beatmung erhöhte sich die Permeabilität der alveolokapillären
Barriere bei den WT Tieren im Vergleich zu den nicht-beatmeten Kontrolltieren signifikant
(Abbildung 36 A). In Abwesenheit von CXCL5 zeigte sich nach hochvolumiger Ventilation eine
signifikant geringere vaskuläre Permeabilität im Vergleich zu den WT Tieren, jedoch nicht zur
nicht-ventilierten Kontrollgruppe (Abbildung 36 A). Beide Genotypen zeigten im Anschluss an
die Beatmung signifikant erhöhte VEGF Werte, wobei im Gegensatz zum Infektionsmodell (vgl
Abbildung 29 B) kein Unterschied zwischen der WT und der Cxcl5/− Gruppe detektiert werden
konnte (Abbildung 36 B).
Abbildung 36: Bei einer mechanische Beatmung schützt die Abwesenheit von CXCL5 vor einer
Schädigung der alveolokapilläre Barriere.
WT und Cxcl5/Mäuse wurden für 10 min mit einem Tidalvolumen von 9 mg/kg (NV: nicht ventiliert,
n = 8-9) oder für 240 min (HVT: hochvolumige Ventilation, n = 8-15) mit einem Tidalvolumen von
33 ml/kg beatmet. A. Die Bestimmung der Permeabilität der alveolokapillären Barriere mittels
Quantifizierung von humanem Serumalbumin (HSA, 90 min vor Versuchsende appliziert) in
bronchoalveolärer Lavageflüssigkeit (BALF) und Plasma. B. Die Bestimmung von Vascular
Endothelial Growth Factor (VEGF) aus der BALF erfolgte mittels ELISA. A, B: Mittelwert ± SEM; 2-
way ANOVA/Tukey’s multiple comparison Test. * p < 0,05, ** p < 0,01 und **** p < 0,0001.
A Permeabilität B VEGF
0
1
2
3
4
H S A B A L F /
H S A P la s m a 1 0 - 3
NV HVT
*
* *
0 ,0 0
0 ,0 5
0 ,1 0
0 ,1 5
0 ,2 0
0 ,2 5
V E G F in B A L F [n g /m l]
* *
****
NV HVT
W T C x c l5 -/-
0
1
2
3
4
A lve o la rw a nd-
S c h ä d ig u n g (S co re )
W T
C x c l5 -/-
WT
Cxcl5−/−
86
7 Diskussion
7.1 Etablierung eines Modells der frühzeitigen und späten Antibiotikatherapie
bei Pneumokokken-induzierter Pneumonie
Bei einer Lungenentzündung handelt es sich um eine schwerwiegende Infektion der unteren
Atemwege. Vor allem die Ausbreitung des Pathogens (S. pneumoniae gilt dabei als der
häufigste Erreger [10]) von der Lunge in die Peripherie wird mit einer erhöhten Sterblichkeit
assoziiert, während nicht-invasive Formen oftmals milder verlaufen [5, 7]. Die Mortalität der
Pneumonie liegt trotz antibakterieller Therapie bei 12 - 13 % [5, 6], wobei sie bei Patienten, die
wegen einer schwerwiegenden Infektion auf die Intensivstation eingewiesen werden müssen,
deutlich höher ist [9, 34, 177, 178]. In den letzten Jahren konnte in diversen Studien gezeigt
werden, dass eine umgehende antibakterielle Therapie innerhalb von vier Stunden nach
Vorstellung des Patienten beim Arzt mit einer verbesserten Überlebensrate assoziiert ist [19,
20].
Die im Zuge der vorliegenden Arbeit durchgeführten Experimente zum Vergleich zwischen
frühzeitigem und spätem Behandlungsstart hatten die Ziele, diese Aussagen zu bestätigen,
zugrundeliegende Mechanismen zu untersuchen sowie Ansatzpunkte für adjuvante Therapien
herauszustellen.
Zum frühzeitigen Behandlungsstart zum Zeitpunkt 24 h p.i. zeigten die infizierten Tiere bereits
äußerlich sichtbare Krankheitssymptome wie ungepflegtes Fell oder ruhigeres Verhalten, was
eine Verschlechterung des allgemeinen Befindens der Tiere implizierte. Auch
Körpertemperatur und -gewicht waren 24 h p.i. signifikant reduziert. Des Weiteren konnten
Pneumokokken in Lunge, Alveolarraum und Blut nachgewiesen werden. Die Infektion hatte
sich demnach bereits von einer lokalen Infektion in die Peripherie ausgebreitet. In den
histopathologischen Untersuchungen der Lunge zeigten sich bereits perivaskuläre Ödeme,
jedoch keine Hinweise auf ein alveoläres Ödem oder eine Schädigung der alveolokapillären
Barriere. In unserem Modell hatten die Tiere demnach bereits zum Zeitpunkt 24 h p.i., dem
Start der frühen Therapie, eine Pneumonie und Bakteriämie ausgebildet. Die frühe
Behandlung zeigte dennoch einen protektiven Effekt, weshalb 97 % der S. pn.-infizierten Tiere
die Infektion überlebten.
Problematisch bei der Therapie einer Pneumonie ist wie bei anderen Erkrankungen unter
anderem auch, dass viele Patienten erst bei einer weit fortgeschrittenen Erkrankung in
medizinische Betreuung kommen oder dass Komorbiditäten den Krankheitsverlauf
beschleunigen. Aus diesem Grund ist eine frühzeitige Behandlung (analog zu dem im Modell
gewählten frühem Therapiebeginn) nicht mehr möglich, was eine der Ursachen für die hohe
Mortalität der Pneumonie ist. Weitere Gründe für das Versterben von Patienten trotz
antimikrobieller Therapie sind vielseitig. Resistenzen gegenüber verwendeten Antibiotika
87
werden als eine Ursache genannt. Auch die falsche Dosierung des Antibiotikums kann ein
Grund für das Versterben von Patienten sein [179]. Generell werden beispielsweise hohes
Alter und männliches Geschlecht als Risikofaktoren genannt, die in dem für die vorliegende
Arbeit gewählten Modell aber nicht dargestellt wurden [34].
Eine stark fortgeschrittene Pneumonie sollte in dem experimentellen Tiermodell mit Hilfe eines
späteren Behandlungsstarts zum Zeitpunkt 48 h p.i., also nur 24 h nach Beginn der
frühzeitigen Therapie, repräsentiert werden. Zu diesem Zeitpunkt waren Körpergewicht- und
Temperatur der Versuchstiere weiter gesunken und die äußerlich erkennbaren Symptome
einer Pneumonie hatten sich noch verstärkt. Neben einem perivaskulärem Ödem konnten
auch ausgeprägte alveoläre Ödeme nachgewiesen werden. Des Weiteren zeigte sich eine
deutliche Schädigung der alveolokapillären Barriere und eine ausgeprägte systemische
Inflammation hatte sich bereits ausgebildet. Im Gegensatz zu einer frühen Therapie war ein
Behandlungsstart zu diesem Zeitpunkt nicht mehr protektiv, weshalb nur etwa 20 % der
therapierten Versuchstiere diese Erkrankung überlebten.
Die im Infektionsmodell beobachtete Mortalität ist damit höher als die bei Patienten
dokumentierte Sterblichkeit, obwohl einige beim Menschen bestehende Risikofaktoren wie
hohes Alter oder Komorbiditäten bei den Tieren nicht vorlagen. Allerdings werden schwer
erkrankte Patienten im Krankenhaus intensiver und umfangreicher therapiert als die Mäuse in
dem für diese Arbeit verwendeten Modell. Sie erhalten beispielsweise, wenn die Monotherapie
mit einem einzelnen Antibiotikum nicht mehr ausreichend sein könnte, Makrolide, die
entzündungshemmend wirken und so zu einer verbesserten Überlebenschance beitragen
können [21, 180]. Auch eine zusätzliche Flüssigkeitszufuhr gegen die Dehydrierung wird
gewährleistet. Solch eine intensive Betreuung stellt das in dieser Arbeit verwendete Modell
nicht bereit, was ein zusätzlicher Grund für die hohe Mortalität der spät therapierten Tiere sein
könnte.
Es muss des Weiteren angebracht werden, dass sich die Immunreaktion von Mensch und
Maus in vielen Punkten unterscheidet. Mäuse, die abgeschirmt von vorherigen Infektionen in
einer Tierhaltung geboren wurden, zeigen beispielsweise eine andere Reaktion auf Pathogene
als Menschen, deren Immunsystem durch vorherige Infektionen besser adaptiert ist. Da naive
Labormäuse beispielsweise keine T-Gedächtniszellen aufweisen, ähnelt ihre Immunantwort
eher der Neugeborener als der Erwachsener. Mäuse, die unter Exposition von Mikroben leben,
wie freilebende Tiere oder solche aus einem Zoofachgeschäft, weisen dagegen diese
Lymphozyten-Population auf [181]. Bereits die gemeinsame Haltung von Labor- und
Fachgeschäft-Mäusen genügt, um eine Immunreaktion hervorzurufen, die der Erwachsener
ähnlicher ist. Weiterführende Experimente könnten diesen Ansatz des „Co-Housings“ nutzen,
um die Immunreaktion der Tiere ähnlicher der von Patienten zu gestalten.
88
Auch der Aufbau der Lunge unterscheidet sich zwischen Maus und Mensch. Während die
Maus nur einen linken Lungenlappen hat, sind beim Menschen zwei linke Lappen ausgeprägt.
Die Zellen der alveolokapillären Barriere sind dünner bei der Maus (0,32 µm) als beim
Menschen (0,62 µm), was glicherweise Einfluss auf Gasaustausch und Lungenmechanik
hat [182]. Des Weiteren werden für tierexperimentelle Untersuchungen Inzuchtlinien
verwendet, um die genetische Varianz zwischen den Tieren zu minimieren. Auch dies steht im
Gegensatz zu humanen Patienten, die eine hohe genetische Streuung aufweisen. Trotz all der
Unterschiede, die zwischen einem murinen Modell und humanen Patienten herrschen, zeigen
die Versuchstiere der für die vorliegende Arbeit durchgeführten Experimente im Verlauf der
Pneumonie sehr viele Überschneidungen zum Menschen. So zeigten Rodriguez et al., dass
die Mortalität immunkompetenter Pneumonie-Patienten trotz adäquater antibakterieller
Therapie und Behandlung von Komorbiditäten bei 20,7 % liegen kann [178]. Vor allem das
Voranschreiten der Infektion mit der Ausbreitung in die Peripherie, einer messbaren Erhöhung
inflammatorischer Mediatoren in Alveolarraum und Blutsystem und der Schädigung
sekundärer Organe spiegelt den Infektionsverlauf im Menschen wider.
In dieser Arbeit sollte der Fokus nicht auf die Therapie- oder Resistenz-assoziierten [179],
sondern auf die wirtsspezifischen Probleme bei der Behandlung einer Pneumonie gelegt
werden. Diese umfassen beispielsweise die häufig auftretende unkontrollierte
Hyperinflammation, die im Zuge einer Infektion zu einer Schädigung des Lungengewebes,
Multiorganversagen und Sepsis führen kann [179]. Auch bereits bestehende eitrige
Entzündungen, beispielsweise der Lunge, zählen zu den wirtsspezifischen Problemen, werden
aber in dieser Arbeit nicht adressiert. Der Fokus auf wirtsspezifische Probleme bei der
Therapie konnte erzielt werden, indem die Faktoren falsche Dosierung und Resistenzen durch
die kontrollierte Durchführung der Experimente und die Wahl eines nicht resistenten S. pn.-
Stammes ausgeschlossen wurden. Für die Entwicklung neuer adjuvanter Therapien, die
wirtsspezifische Probleme bei der Infektionsresolution adressieren, ist eine detaillierte
Untersuchung der genauen Abläufe der Immunreaktion essentiell. Der Fokus richtete sich
hierbei vor allem auf die Frage, welche potentiell schädigenden Prozesse der Immunantwort
durch eine antimikrobielle Therapie reversibel sind und an welchen Stellen die alleinige
Eliminierung der Pathogene nicht ausreicht, um dem Patienten zu helfen. Um diese Frage
genauer zu untersuchen, bietet sich das für diese Arbeit gewählte Modell der frühzeitigen,
protektiven im Vergleich zur verspäteten, unzureichenden Therapie mit Ampicillin sehr gut an.
Mit Hilfe des Versuchsaufbaus konnten detaillierte Mechanismen hinter dem
Therapieversagen untersucht und Ansätze für die Entwicklung neuer adjuvanter
Behandlungsmöglichkeiten herausgestellt werden.
89
7.2 Mögliche Mechanismen hinter dem Therapieversagen einer späten
antibakteriellen Behandlung
In der Klinik stehen Mediziner vor der schweren Aufgabe, die Therapie eines Pneumonie-
Patienten zu modifizieren, sollte sich dessen Verfassung trotz antibakterieller Behandlung
nicht verbessern. Neben den Fragen, ob eventuelle Resistenzen ursächlich sind [183] oder die
richtige Antibiotika-Klasse und -Dosis [184-186] eingesetzt wurde, müssen hierbei auch
wirtsspezifische Probleme in Betracht gezogen werden. Denn trotz adäquat eingesetzter
antimikrobieller Behandlung verschlechtert sich der Zustand vieler Patienten im Zuge der
Behandlung [178]. Die Autoren dieser und weiterer Studien nehmen an, dass bei der
Entwicklung einer schweren invasiven Pneumonie und einer damit assoziierten Sepsis eine
Hyperinflammation zu einer schweren Schädigung der Organe führt [34, 178, 187].
Um diese Annahme zu untersuchen, wurde in der vorliegenden Arbeit exploriert, welche
Prozesse ursächlich für die unterschiedlichen Überlebensraten der frühzeitig und verspätet
behandelten Tiere sind. Dafür wurden lokale und systemische inflammatorische Reaktionen
detailliert ausgewertet. Auffällig war, dass viele Prozesse in den S. pn.-infizierten Mäusen zu
beiden Behandlungsstarts analog verliefen. Die Eliminierung der Pneumokokken erfolgte nach
frühzeitigem und spätem Therapiebeginn in vergleichbarem Umfang und schien demnach
nicht ursächlich zu sein für die unterschiedliche Mortalität der Versuchsgruppen. Des Weiteren
schien die Anwesenheit von Immunzellen im Alveolarraum generell nicht durch die eingesetzte
Therapie beeinflusst zu werden, da keine Unterschiede zu den infizierten, Lösungsmittel-
therapierten Tieren gemessen werden konnten. Es konnte allerdings nicht gezeigt werden, ob
Unterschiede in der Apoptose- bzw. Nekroserate der Leukozyten zwischen den Gruppen
vorzufinden waren, da entsprechende Marker (z. B. 7-AAD und Annexin V zur Unterscheidung
apoptotischer von nekrotisierenden Zellen [188]) nicht untersucht wurden. Wie im
Alveolarraum war auch im Blut kein Effekt von Ampicillin auf die zirkulierenden Neutrophilen
und Monozyten messbar.
Die gleichbleibende Anzahl an Neutrophilen in der Lunge könnte in der von der antibakteriellen
Therapie unbeeinflussten Konzentration des Neutrophile-rekrutierenden Chemokins CXCL5
im Alveolarraum der Tiere begründet liegen [67]. Diese unveränderten CXCL5-Level scheinen
nicht in der Methodik der Aufbereitung der Lavage und einer damit verbundenen
unkontrollierten Ausschüttung des Chemokins begründet zu sein, da signifikante Unterschiede
zur kontroll-infizierten Gruppe nachweisbar waren. Möglicherweise kann die CXCL5-Sekretion
von Epithelzellen durch die zellulären Bestandteile der antibakteriell lysierten Pneumokokken
vermehrt induziert werden. Dies wurde bereits von Baumgartner et al. in vitro für einen
Serotyp 3 S. pn. Stamm an humanen Epithelzellen des Nasopharynx gezeigt. Hier induzierten
antibiotisch lysierte Bakterien eine stärkere Sekretion des Neutrophile-rekrutierenden
Chemokins CXCL8 [189], einem humanen Analog von CXCL5, als intakte Pneumokokken
90
[190]. Ein weiterer Mechanismus hinter der unveränderten CXCL5-Konzentration könnten die
erhöhten IL-12p40 Werte sein. IL-12p40 ist eine Untereinheit der beiden Interleukine IL-12 und
IL-23. Die Sekretion von IL-12 wird beispielsweise durch freigesetzte Pneumokokken-RNA
induziert [191] und scheint ebenfalls die Rekrutierung von Neutrophilen zu begünstigen [192].
IL-23 kann die IL-17 Sekretion einiger T-Zell Populationen induzieren [193, 194]. In einem
Klebsiella pneumoniae-Infektionsmodell wurde gezeigt, dass IL-17 zu einer stärkeren CXCL5-
Sekretion alveolärer Epithelzellen führt, welche wiederum eine vermehrte Neutrophile-
Rekrutierung induziert [195]. Im Laufe der Resolution der Pneumonie kam es in allen
überlebenden Tieren zum Rückgang der Neutrophilen im Alveolarraum. Im Menschen konnte
gezeigt werden, dass Patienten, bei denen die Resolution verzögert abläuft, auch zwei
Wochen nach einer antibakteriellen Therapie mehr Neutrophile im Alveolarraum aufwiesen als
Patienten mit einer unkomplizierten Pneumonie [196]. Die Autoren dieser Studie konnten auch
beobachten, dass inflammatorische Mediatoren im Blut der Patienten zu diesem Zeitpunkt
nicht mehr nachweisbar waren, die lokalen Zellpopulation der Patienten aber längere Zeit
erhöht waren. Die in der vorliegenden Arbeit erhobenen Ergebnisse zeigten keinen
Unterschied an Neutrophilen zwischen früher und später Therapie. Allerdings muss angemerkt
werden, dass nach spätem Behandlungsbeginn zu den Zeitpunkten 72 h, 96 h und 120 h p.i.
nur 20 % der zu Experimentstart infizierten Tiere überlebt hatten, welche in die Analyse
einfließen konnten. Diese Tiere zeigten zwar zu Beginn des Versuchs eine vergleichbare
Ausprägung der messbaren Symptomatik und wurden deshalb nicht aus dem Experiment
ausgeschlossen, möglicherweise waren sie dennoch in der Lage, die Infektion mit eigenen
Kräften besser zu bekämpfen als die Mehrzahl der übrigen Tiere. Dadurch könnte es zu einer
Verschiebung der Ergebnisse gekommen sein, da nur die Mäuse, die zu diesen späten
Zeitpunkten noch am Leben waren, analysiert wurden und die schweren Verläufe, die im Zuge
des Versuches euthanasiert werden mussten, nicht mit in die Analysen aufgenommen werden
konnten.
Im Gegensatz zu den Ergebnissen in dieser Arbeit wurde in anderen Studien an S. pn.-
infizierten, Ampicillin-behandelten Mäusen festgestellt, dass eine Ampicillin-Therapie zu einer
zumindest tendenziellen Reduktion von Neutrophilen im Alveolarraum führen kann [197, 198].
Direkte immunomodulatorische Effekte von β-Laktamen auf die Leukozyten-Rekrutierung sind
nicht bekannt, es konnte aber gezeigt werden, dass Ampicillin möglicherweise die
Differenzierung humaner T-Zellen einleiten kann [199]. Dennoch scheint die in anderen
Studien beobachtete Reduktion der Leukozyten im Alveolarraum eher indirekt und im
Zusammenhang mit der Eliminierung der Bakterien durch das Antibiotikum induziert worden
zu sein. Die oben diskutierten Chemokine und Interleukine wurden in den genannten Arbeiten
nicht quantifiziert, weshalb keine Aussage darüber getroffen werden kann, inwieweit diese
ebenfalls beeinflusst waren.
91
Obwohl die Anzahl der im Alveolarraum vorgefundenen Immunzellpopulationen in den
Versuchen der vorliegenden Arbeit nicht durch Ampicillin beeinflusst wurde, schienen sich ihre
Aktivierungsgrade im Anschluss an eine Therapie signifikant zu vermindern. Dies wurde
indirekt anhand der sekretierten inflammatorischen Mediatoren gemessen, deren Level mit
Ausnahme von CXCL5, GM-CSF und IL-12 / -23 nach beiden Behandlungsstarts absanken.
Der Wachstumsfaktor GM-CSF wird beispielsweise von alveolären Epithelzellen sekretiert
[200] und ist essentiell für die Funktionalität alveolärer Makrophagen und der damit
einhergehenden Elimination von Pathogenen [166, 201]. Das Absinken der anderen
Mediatoren-Konzentrationen war vor allem nach frühzeitiger Behandlung deutlich erkennbar.
Auch nach später Behandlung kam es zu einer signifikanten Reduktion vieler Zytokin- und
Chemokin-Level, allerdings muss an dieser Stelle erneut auf den geringen Gruppenumfang ab
dem Zeitpunkt 72 h p.i. hingewiesen werden, weshalb diese Daten nur unter Vorbehalt
interpretiert werden können.
Bei den Mediatoren IL-1β, TNF-α und IFN-γ konnte eine tendenzielle Zunahme der
Konzentrationen 12 h nach frühzeitigem Therapiestart im Alveolarraum gemessen werden.
Diese kurzfristige Erhöhung der Sekretion könnte auf den lytischen Eigenschaften von
Ampicillin basieren. Es konnte beispielsweise gezeigt werden, dass die Verwendung eines
lytischen Antibiotikums zu einer stärkeren TNF-α-Sekretion in Makrophagen führt als die
Verwendung eines nicht-lytischen Antibiotikums [202] und dass die Zellwand grampositiver
Bakterien die Sekretion von TNF-α und IL-6 in humanen Monozyten induzieren kann [203].
Da dieser Anstieg der Zytokin-Konzentrationen nur kurzfristig war und die früh therapierten
Tiere zu diesem Zeitpunkt bereits eine verbesserte äußerlich erkennbare Symptomatik und
eine normalisierte Körpertemperatur aufwiesen, kann davon ausgegangen werden, dass
dieser Anstieg zu keiner Benachteiligung der Versuchstiere führte. Die frühzeitige Therapie
verhinderte erfolgreich das Voranschreiten der Infektion und die Ausbildung von
bakterieninduzierten Läsionen, bereits entwickelte Gewebeschädigungen konnten jedoch
nicht vermindert werden. Diese Läsionen spiegelten sich jedoch in dieser Versuchsgruppe
nicht in weiteren Symptomen wider. Zu Beginn der späten Therapie war es bereits zu einer
stärkeren Schädigung des Lungengewebes gekommen, vermutlich aufgrund der längeren
Exposition mit einer hohen bakteriellen Last und Inflammation. Auch hier bewirkte die
antibakterielle Behandlung keinen Rückgang der bereits ausgebildeten Läsionen.
Zum späten Therapiebeginn hatten sich Infektion und damit einhergehende entzündliche
Reaktionen im Körper der Tiere bereits in die Peripherie ausgebreitet, was pathologisch
beispielsweise an der hochgradig entwickelten Pleuritis sowie Steatitis erkennbar war. Die
bakterielle Last im Blut der Versuchstiere zum Zeitpunkt 48 h p.i. lag auf einem ähnlichen
Niveau wie beim frühen Behandlungsstart und beide Therapien führten zu einer umgehenden
Reduktion der bakteriellen Last im Blut. Zum Zeitpunkt 24 h p.i. konnte trotz hoher Erregerlast
92
im Blut der Versuchstiere noch kein signifikanter Anstieg der inflammatorischen Mediatoren im
Serum im Vergleich zu den kontroll-infizierten Tieren nachgewiesen werden. Im Gegensatz
dazu waren die Werte zum Zeitpunkt 48 h p.i. stark erhöht und es zeigten sich vermehrt
leberspezifische Entzündungswerte. Bei Pneumonie-Patienten werden die lokal produzierten
Zytokine im Alveolarraum stärker sekretiert und sind deshalb besser quantifizierbar als im Blut
[204, 205]. Es konnte allerdings gezeigt werden, dass die systemischen Konzentrationen von
beispielsweise IL-6 und IFN-γ in Pneumonie-Patienten ebenfalls erhöht sind und mit der
Schwere der Erkrankung korrelieren. Im Gegensatz dazu können die inflammatorischen
Mediatoren in der BAL nicht mit dem aktuellen Krankheitsverlauf assoziiert werden [204-206].
Diese Beobachtungen decken sich mit den Ergebnissen der vorliegenden Arbeit, in der die
lokale Inflammation unabhängig von der weiteren Entwicklung der Pneumonie im Zuge der
antibakteriellen Behandlung abnimmt, wohingegen die systemischen Konzentrationen mit der
Schwere der Pneumonie korrelierten. Des Weiteren konnten Endeman et al. keinen
Unterschied in den systemischen Zytokin-Leveln zwischen adäquat und inadäquat
antibakteriell therapierten Patienten messen. Allerdings wurde dieses Ergebnis nicht in
Abhängigkeit der Schwere der Pneumonie untersucht. Deshalb ist keine Aussage darüber
möglich, ob es, wie in dieser Dissertation, Abhängigkeiten zwischen systemischer
Inflammation und Krankheitsverlauf gab [207].
Mehrere Ursachen könnten der Beobachtung zugrunde liegen, dass zum Zeitpunkt des
späteren Behandlungsstarts signifikant erhöhte systemische Konzentrationen
inflammatorischer Mediatoren gemessen wurden, während dies zu 24 h p.i. trotz
vergleichbarer bakterieller Last noch nicht der Fall war. Zum einen hatte das Blutsystem eine
um 24 Stunden verlängerte bakterielle Expositionszeit, wodurch die vaskulären Endothelzellen
und zirkulierenden Immunzellen vermehrt Zytokine und Chemokine produzieren konnten.
Achouiti et al. konnten ebenfalls eine Zunahme der gemessenen inflammatorischen
Mediatoren im Blut S. pn.-infizierter Mäuse über die Zeit messen, allerdings stieg hier auch die
bakterielle Last im gleichen Zeitraum an, weshalb nicht gesagt werden kann, ob die vermehrte
Inflammation eine direkte Folge der erhöhten bakteriellen Last war oder die verlängerte
Inkubationszeit der Bakterien im Blut zu diesem Ergebnis führte [208]. Neben dem bekannten
Vorgang des aktiven Übertritts der Bakterien aus dem Lungenkompartiment in die Peripherie
[209-211] und der darauffolgenden sekundären systemischen Entzündungsreaktion, könnte
es auch zu einem unkontrollierten Übergang der lokalen inflammatorischen Mediatoren über
die zum Zeitpunkt 48 h p.i. geschädigte alveolokapilläre Barriere gekommen sein. Die
Schädigung der alveolokapillären Barriere wird in vielen Studien und Übersichtsarbeiten als
ein zentraler Schritt bei der Pathogenese einer Pneumonie beschrieben, der im
Zusammenhang mit der Entwicklung von Atemversagen, Sepsis und der Schädigung weiterer
Organe stehen kann [113, 212, 213].
93
Die Schädigung dieser zellulären Barriere wurde in dieser Arbeit nur durch die frühzeitige
Therapie verhindert. Gracia et al. zeigten in einer Studie mit S. pn.-infizierten Ratten ebenfalls,
dass eine frühzeitige Therapie einer Schädigung des Lungengewebes vorbeugen kann und
das Versterben infizierter Tiere verhindert. Allerdings wurde in dieser Studie bereits eine
Stunde nach Infektion mit der frühen Behandlung gestartet, weshalb im Gegensatz zu der
vorliegenden Arbeit in jener Studie nicht davon ausgegangen werden kann, dass die Tiere
bereits eine Pneumonie entwickelt hatten oder eine irreversible Schädigung des
Lungengewebes vorlag [214]. Die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit und der von Gracia et
al. zeigen des Weiteren, dass die antibiotische Lyse der Bakterien, die eine Freisetzung
intrazellulärer, teilweise gewebeschädigender Substanzen wie Pneumolysin mit sich zieht
[215, 216], nicht in jedem Fall zu einer messbaren Erhöhung der vaskulären Permeabilität
führt.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine frühzeitige, aber auch eine späte antibakterielle
Therpie die Bakterien effektiv eliminierten. Weder der frühe noch der späte Start führte zu einer
Verringerung der Leukozyten in Blut und Alveolarraum, reduzierten aber die lokalen
Konzentrationen inflammatorischer Mediatoren. Während eine frühzeitige Behandlung die
Schädigung der alveolokapillären Barriere, eine systemische Inflammation und
Leberschädigung verhinderte, verfehlte die späte Therapie diese Effekte, was wahrscheinlich
ursächlich war für die stark erhöhte Mortalität dieser Tiere. Als Schlussfolgerung sollte
demnach die antibakterielle Therapie unverzüglich nach Vorstellung des Patienten erfolgen,
worauf beispielsweise auch Daniel et al. und Phua et al. im Jahr 2016 hinwiesen [19, 20]. Des
Weiteren sollten als Ergebnis dieser Doktorarbeit die Verminderung der systemischen
Inflammation und der Schutz der alveolokapillären Barriere im Fokus der Entwicklung neuer
adjuvanter Therapien stehen. So konnte beispielsweise in weiteren Forschungen dieser
Arbeitsgruppe gezeigt werden, dass die Peptide Adrenomedullin und Vasculotide eine
Barrierestörung in der Maus vermindern können [31, 212]. Weiterführende Studien sollten
allerdings noch durchgeführt werden, um die Wirksamkeit im Menschen zu untersuchen. Den
Weg in die Klinik schaffen leider nur wenige der in der Präklinik als vielversprechend geltenden
Agenzien (z.B. GM-CSF [217, 218]). Daher besteht die Aufgabe der Grundlagenforscher und
Präklinker weiterhin darin, mögliche Wirkmechanismen und Angriffspunkte für adjuvante
Therapien zu identifizieren. Das Ziel ist dabei, die Mortalität der Pneumonie, die seit der
Einführung der antibakteriellen Behandlung bei 12 - 13 % stagniert, weiter zu senken.
94
7.3 Die Rolle von VEGF bei der der Erhöhung der alveolokapillären
Permeabilität
Die Konzentration des lokal gemessenen vaskulären endothelialen Wachstumsfaktors (VEGF)
zeigte in dem gewählten Modell früher und später antibakterieller Behandlung einen zur
vaskulären Permeabilität analogen Verlauf. Dies weist darauf hin, dass VEGF eine potentielle
Ansatzstelle für adjuvante Therapien sein könnte. Nach einer Serotyp 2 S. pn.-Infektion sowie
im Anschluss an die in dieser Arbeit durchgeführte mechanische Ventilation von WT und
Cxcl5-defizienten Versuchstieren konnte ebenfalls ein Anstieg von VEGF festgestellt werden.
Deshalb soll an dieser Stelle genauer auf den möglichen Einfluss dieses Mediators auf die
alveolokapilläre Barriere eingegangen werden. Auch andere Arbeitsgruppen beschrieben
bereits eine vermehrte VEGF Sekretion nach mechanischer Beatmung [97, 219]. Es konnte
ebenfalls gezeigt werden, dass VEGF einen direkten Einfluss auf die Erhöhung der vaskulären
Permeabilität hat, beispielsweise indem es zur Bildung parazellulärer Spalten führt [56]. Eine
Inhibition von VEGF mit Hilfe von siRNA kann im Ventilations-Modell dazu führen, dass sich
die induzierte Lungenschädigung vermindert und die Infiltration von Neutrophilen reduziert
wird. Ob dies ein direkter Effekt von VEGF ist, oder indirekt als Folge der geringeren
Gewebeschädigung auftritt, wurde jedoch nicht untersucht [219].
Allerdings ist VEGF auch essentiell für die Bildung neuer Blutgefäße, die Regeneration des
Lungengewebes und kann das Überleben von Endothelzellen verlängern [172, 220]. Des
Weiteren konnte gezeigt werden, dass die Verabreichung von VEGF dazu führen kann, dass
eine LPS-induzierte Schädigung der alveolokapillären Barriere vermindert wird [221]. Das
Wirkspektrum von VEGF ist demnach umfangreich und reicht von Barriere-destabilisierend bis
regenerierend. Verschiedene Studien beschreiben gegensätzliche Ergebnisse und die Rolle
von VEGF bei der bakteriellen und sterilen Inflammation ist immer noch nicht im Detail
verstanden.
In Beatmungsmodellen mit mechanischer Ventilation wurde bereits gezeigt, dass neben
Epithelzellen auch inflammatorische Monozyten / Makrophagen in der Lage sind, VEGF zu
sekretieren und damit die Permeabilität von Endothelzellen zu erhöhen [97]. In den für die
vorliegende Arbeit durchgeführten Ventilationsversuchen mit WT und Cxcl5-defizienten
Versuchstieren konnte nach vierstündiger invasiver Beatmung noch keine Rekrutierung dieser
Zellpopulationen in den Alveolarraum festgestellt werden. Dies legt nahe, dass
inflammatorische Monozyten / Makrophagen in diesen Experimenten nicht die Hauptquelle für
VEGF sind. In vielen Studien wurde beschrieben, dass Typ II Epithelzellen VEGF speichern
und nach Stimulation abgeben können [222-224]. Dass für eine erhöhte VEGF Sekretion allein
ein mechanischer Stimulus hinreichend ist, konnte in der vorliegenden Arbeit in vitro nach
zyklischer Dehnung von Epithelzellen beobachtet werden. Allerdings könnte dies auch ein
indirekter Effekt gewesen sein und die VEGF Sekretion nicht unmittelbar als Ergebnis der
95
mechanischen Belastung, sondern als Folge der vermehrten Ausschüttung inflammatorischer
Mediatoren ausgelöst worden sein. Es ist bekannt, dass Zytokine wie IL-6 und TNF-α eine
VEGF-Ausschüttung induzieren können [225, 226]. Im zweiten Teil der vorliegenden Arbeit
wurde die Rolle des Neutrophile-rekrutierenden Chemokins CXCL5 bei der Schädigung der
vaskulären Permeabilität untersucht. Über den Einfluss der CXCR2-Liganden CXCL5, CXCL1
und CXCL2 auf die VEGF Sekretion wurden bisher noch keine Studien veröffentlicht. Diese
Chemokine wurden infolge der für diese Arbeit durchgeführten zyklischen Dehnung der
Epithelzellen ebenfalls vermehrt sekretiert und könnten eine VEGF Sekretion induziert haben.
Die ebenfalls durchgeführten in vivo Versuche lassen allerdings darauf schließen, dass CXCL5
die VEGF Sekretion nicht beeinflusst, da die Konzentration dieses Wachstumsfaktors in WT
und Cxcl5/− Tieren nach hochvolumiger Ventilation vergleichbar war. Dennoch könnte die
zyklischen Dehnungsversuche in weiterführenden Experimenten analog an Epithelzellen,
isoliert aus Cxcl5−/ Mäusen durchgeführt werden, um einen Einfluss von CXCL5 auf die
VEGF Sekretion von Epithelzellen zu explorieren. Auch Neutrophile speichern VEGF in ihren
Granula [227], welches sie nach Stimulation freisetzen können. In den in der vorliegenden
Arbeit verwendeten Modellen korrelierten die Menge an Neutrophilen im Alveolarraum nicht
mit den VEGF-Konzentrationen, da bei ventilierten Cxcl5/− Tieren vergleichbare Mengen des
Proteins gemessen wurden wie bei analog behandelten WT Tieren trotz unterschiedlich
starker Neutrophile-Rekrutierung. In diesem Modell scheinen Neutrophile also keinen Einfluss
auf die Gesamtmenge an VEGF zu haben. Dennoch unterschieden sich die Gruppen in der
messbaren Schädigung der alveolokapillären Barriere. Im Zuge einer mechanischen
Ventilation, die eine sterile Inflammation auslöst, zeigte sich demnach keine Assoziation
zwischen dem in der Lavageflüssigkeit messbaren VEGF und der Zunahme der vaskulären
Permeabilität. Es gibt in diesem Modell also keinen Hinweis darauf, dass VEGF für die
Induktion einer Schrankenstörung verantwortlich ist.
Im Gegenzug dazu zeigte sich in den Modellen der S. pn.-induzierten Lungenschädigung ein
Zusammenhang zwischen VEGF-Menge und vaskulärer Permeabilität. So entwickelte sich die
Proteinkonzentration an VEGF nach einer Serotyp 2- wie auch Serotyp 3-Infektion parallel zur
Schädigung der alveolokapillären Barriere und war bei einer Cxcl5-Defizienz sowie nach
frühzeitiger Therapie signifikant reduziert. Möglicherweise unterscheidet sich die Rolle von
VEGF bei Entstehung der vaskulären Permeabilität zwischen steriler und bakterieller
Inflammation. Weiterführende Experimente sollten untersuchen, inwieweit sich eine Inhibition
von VEGF, beispielsweise mit Hilfe von siRNA oder Rezeptor-Blockade, auf die Entwicklung
der vaskulären Permeabilität in einer S. pn.-Infektion und bei einer invasiven Beatmung
auswirkt. Anschließend könnte in Betracht gezogen werden, ob ein Eingreifen in eine VEGF-
vermittelte Permeabilität ein möglicher Ansatz für eine adjuvante Therapie sein könnte.
96
7.4 Die alveolokapilläre Barriere in Abhängigkeit von CXCL5
Wie im Voraus diskutiert, scheint die Intaktheit der alveolokapillären Barriere von zentraler
Wichtigkeit für den Gasaustausch und die Verhinderung einer unkontrollierten Ausbreitung der
Inflammation von der Lunge in die Peripherie zu sein. Im ersten Teil wurde untersucht,
inwieweit der Zeitpunkt des Therapiebeginns ausschlaggebend war für diese Vorgänge nach
einer S. pn.-Infektion. Im weiteren Verlauf wurde analysiert, inwieweit das Neutrophile-
rekrutierende Chemokin CXCL5 Einfluss auf die Entwicklung einer Schrankenstörung haben
kann. Neben der Beeinträchtigung der alveolokapillären Barriere im Zuge einer
Pneumokokken-induzierten Pneumonie wurde in dieser Arbeit des Weiteren untersucht, wie
eine mechanische Ventilation, die bei Pneumonie-erkrankten Patienten häufig eingesetzt wird,
die vaskuläre Permeabilität erhöhen kann. Die mechanische Ventilation induziert einen
Lungenschaden, der im Gegenzug zu einer bakteriellen Infektion eine sterile Inflammation
hervorruft.
7.4.1 Alveoläre Epithelzellen sind die Hauptquelle von CXCL5 in der Lunge
Die Sekretion der CXCR2-Liganden CXCL1 und CXCL5 im Alveolarraum erfolgte frühzeitig
nach einer Pneumokokken-Infektion sowie nach einer vierstündigen Ventilation mit hohem
Tidalvolumen. Eine erhöhte CXCL2-Konzentration konnte dagegen nur nach einer Serotyp 3-
Infektion, nicht nach einer in vivo Serotyp 2-Infektion oder im Anschluss an eine Ventilation
gemessen werden. In vitro dagegen war zu beobachten, dass eine Serotyp 3-Infektion zu einer
Sekretion aller drei analysierten CXCR2-Liganden in rekrutierten und residenten Zellen der
Lunge führte. Dabei wurde nicht jedes dieser Chemokine von allen Zelltypen sekretiert.
Stattdessen wiesen die verschiedenen Zellen unterschiedliche Sekretionsmuster der
einzelnen Liganden auf. Primäre alveoläre Epithelzellen wie auch eine Typ II Epithel Zelllinie
waren in der Lage, infolge einer S. pn.-Infektion CXCL5 zu sekretieren. Wie bereits im
M. tuberculosis-Modell gezeigt [67], war dies in Epithelzellen auch nach einer S. pn.-Infektion
abhängig von TLR2. Auch infolge einer simulierten mechanischen Ventilation in vitro, bei der
T7 Zellen zyklisch gedehnt wurden, zeigte sich eine vermehrte CXCL1 und CXCL5 Sekretion.
Dieser Vorgang der Umwandlung einer mechanischen Stimulation in die Ausschüttung
inflammatorischer Mediatoren wird als Mechanotransduktion bezeichnet und konnte im
Tiermodell wie auch bei invasiv beatmeten Patienten beobachtet werden. Auf Grundlage
dieser früheren Studien wurden die Beatmungsparameter in der Klinik angepasst, um eine
durch die mechanische Beatmung induzierte schädigende Immunantwort zu reduzieren. In
Folge der Herabsetzung des eingesetzten Plateaudrucks und Tidalvolumens [37] konnte im
Patienten eine verringerte Mortalität und im Tiermodell ein Rückgang der Lungenschädigung
97
festgestellt werden [40, 228]. Allerdings kann auch eine niedrigvolumige Ventilation in
gesunden Versuchstieren eine Schädigung des Lungengewebes hervorrufen [41].
Nouailles et al. und Jeyaseelan et al. beschrieben bereits, dass Epithelzellen die Hauptquelle
für CXCL5 infolge einer M. tuberculosis-Infektion oder LPS-Stimulation sind [67, 229]. Auch
Yamamoto et al. konnten zeigen, dass eine Epithelzell-spezifische Deletion von RelA, einem
Bestandteil von NF-κB, zu einer signifikanten Reduktion der messbaren CXCL5-Menge in der
Lunge und im Alveolarraum infolge einer LPS-Stimulation bzw. zu Beginn einer S. pn.-Infektion
führte [65, 170]. Aus diesen Ergebnissen schlussfolgerten sie ebenfalls, dass Epithelzellen
(Typ II wie auch Typ I) eine wichtige Quelle für CXCL5 sind, wobei die Sekretion von CXCL1
und CXCL2 vom Knockout unbeeinflusst war und demnach von andere Zelltypen übernommen
wurde. Dies konnte in der vorliegenden Arbeit bestätigt werden, da CXCL2 nur in sehr
geringem Maße von Epithelzellen sekretiert und CXCL1 beispielsweise auch von AlvMs in den
Überstand abgegeben wurde. Der Knockout von RelA führte in den S. pn.-
Infektionsexperimenten von Yamamoto et al. allerdings zu keiner kompletten Blockierung der
CXCL5-Sekretion. Außerdem war bereits nach 24-stündiger Infektion kein Unterschied zu den
WT Tieren mehr sichtbar. Daraus lässt sich entweder schließen, dass epitheliales RelA nur zu
Beginn einer Infektion essentiell für eine CXCL5-Sekretion ist und weitere, NF-κB-
unabhängige Prozesse zur Ausschüttung von CXCL5 führen, oder aber dass auch andere
Zellen neben Epithelzellen in der Lage sind, dieses Chemokin zu produzieren. Traber et al.
konnten beispielsweise zeigen, dass die Expression von Cxcl5 auch durch STAT3, also ohne
Einbeziehung von NF-κB, mit Hilfe von Oncostatin-M, einem Zytokin der IL-6 Familie, induziert
werden kann [146]. Auch andere inflammatorische Mediatoren, wie IL-17, TNF-α oder IL-1β
können die CXCL5-Sekretion von Epithelzellen induzieren [230, 231]. Dies könnte die zeitliche
Verzögerung der CXCL5-Sekretion in den RelA-Knockouts erklären, da die genannten
Zytokine erst im Verlauf der Infektion ansteigen.
Weiterführende in vitro Experimente könnten zeigen, ob eine S.pn.-abhängige Induktion der
CXCL5-Sekretion trotz Inhibition von TLR2 und damit NF-κB, beispielsweise durch IL-6, IL-1β,
TNF-α oder IL-17 in Epithelzellen möglich ist. Die Zytokine könnten von den Epithelzellen
selbst produziert werden und die Sekretion von CXCL5 initiieren (autokriner Mechanismus)
oder von anderen Zellen, um anschließend auf die Epithelzellen zu wirken (z. B. alveoläre
Makrophagen oder PMNs, parakriner Mechanismus). Diese Zellen könnten sich entweder in
Ko-Kultur mit den Epithelzellen befinden oder in einem separaten Experiment infiziert werden,
um anschließend die Überstände auf die unstimulierten Epithelzellen zu geben.
Des Weiteren konnte in der vorliegenden Arbeit auch bei Thrombozyten nach einer Stimulation
mit Pneumokokken eine vermehrte CXCL5-Ausschüttung beobachtet werden. Thrombozyten
speichern CXCL5 in Vesikeln, wodurch sie unmittelbar auf eine Stimulation reagieren können
[171, 232]. Das von Yamamoto et al. quantifizierte CXCL5 in Lungengewebe und Alveolarraum
98
könnte demnach auch durch Thrombozyten bedingt gewesen sein, die entweder durch die
Erreger oder durch die verwendete Präparationstechnik zu einer Ausschüttung von CXCL5
stimuliert worden sind.
7.4.2 CXCL5 ist notwendig für eine vollständige Rekrutierung der Neutrophilen
Die Rekrutierung von Neutrophilen zum Ort der Infektion erfolgt häufig über die Stimulation
des Chemokin-Rezeptors CXCR2. Nach M. tuberculosis-Infektion oder LPS-Stimulation von
Cxcr2/− Tieren konnte beispielsweise gezeigt werden, dass die Migration von PMNs in den
Alveolarraum vollständig inhibiert war [67, 233]. Der Chemokin-Rezeptor ist demnach
essentiell für die Neutrophilen-Rekrutierung in diesen Infektionsmodellen. Oft werden
Chemokine, die an einen gemeinsamen Rezeptor binden, als redundant angesehen. Dass
dies für die CXCR2 Liganden CXCL1, CXCL2 und CXCL5 nicht der Fall zu sein scheint, wurde
bereits im murinen Tuberkulose-Modell dargestellt [67] und konnte in der vorliegenden Arbeit
bestätigt werden: Im Zuge einer S. pn.-Infektion und nach mechanischer Beatmung resultierte
der Knockout von Cxcl5 in einer um 67 bzw. 53 % reduzierten Infiltration von Neutrophilen in
den Alveolarraum, ein Prozess welcher durch andere Neutrophile-rekrutierende Vorgänge
nicht kompensiert werden konnte. Diese Ergebnisse decken sich mit den von Nouailles et al.
dargestellten Beobachtungen und widersprechen damit denen von Mei et al., die eine
Migrations-hemmende Wirkung von CXCL5 im Zuge einer E. coli-Infektion beschrieben hatten
[67, 171]. Die Rekrutierung der Neutrophilen von der Zirkulation ins Lungengewebe konnte in
der vorliegenden Arbeit an den im Blut gemessenen Zellzahlen nicht beobachtet werden:
Weder nach einer S. pn.-Infektion noch infolge einer Ventilation konnte ein signifikanter
Rückgang der gemessenen Neutrophilen im Blut von WT oder Cxcl5-defizienten Tieren
beobachtet werden. Dies könnte in einer schnellen Rekrutierung neuer PMNs aus dem
Knochenmark begründet liegen, wo bis zu 120 Millionen Neutrophile gespeichert werden.
Dadurch kann sich die Menge an Blut-Neutrophilen innerhalb von Stunden um das zehnfache
steigern [234]. Im Blut, aber nicht im Alveolarraum, wiesen Cxcl5-defiziente Mäuse bereits vor
einer mechanischen Ventilation tendenziell mehr Neutrophile auf als die WT Tiere. Nouailles
et al., die den gleichen Knockout-Stamm nutzten, der auch für die vorliegenden Arbeit
verwendet wurde, konnten bereits nachweisen, dass naive Cxcl5-defiziente Tiere mehr
Neutrophile im Knochenmark aufweisen als WT Mäuse. Bisher ist kein direkter Einfluss von
CXCL5 auf die Rekrutierung von Neutrophilen aus dem Knochenmark bekannt. Stattdessen
konnte bisher gezeigt werden, dass PMNs über den Rezeptor CXCR4 und seinen Liganden
CXCL12 im Knochenmark zurückgehalten werden, während CXCR2 mit den Liganden CXCL1
und CXCL2 die Freisetzung der PMNs ins Blut initiiert [151]. Da aber auch CXCL5 an CXCR2
bindet, wäre ein Effekt des Chemokins auch auf die Abgabe der Neutrophilen aus dem
99
Knochenmark denkbar. Möglicherweise kommt es zu einer Ansammlung dieser Zellen in
Knochenmark und Blut, da sie auch unter basalen Bedingungen in Abwesenheit von CXCL5
nur vermindert in die Gewebe rekrutieren können. In weiterführenden Experimenten sollten
mittels Durchflusszytometrie die Immunzellen im Blut naiver Tiere erneut überprüft werden,
um eine endgültige Aussage darüber treffen zu können, ob naive Cxcl5/− Mäuse neben der
erhöhten Anzahl von Neutrophilen im Knochenmark auch mehr PMNs im Blut aufweisen.
7.4.3 CXCL5-unabhängige Wege der Neutrophilen-Rekrutierung
Da eine Deletion von Cxcl5 nicht zu einer vollständigen Inhibition der PMN-Migration führt,
scheinen weitere, CXCL5-unabhängige Mechanismen bei einer S. pn.-Infektion und dem
Modell der mechanischen Ventilation dazu führen zu können, dass diese Immunzellen zum
Ort der Inflammation wandern. Weitere CXCR2-abhängige Wege wirken über CXCL1 und
möglicherweise auch über CXCL2. Wenn die Liganden von CXCR2 inhibiert oder deletiert
werden, kommt es bei vielen Infektionsmodellen, analog zu dem hier vorliegenden, zu einer
Reduktion der Neutrophilen-Infiltration ins Gewebe [235, 236]. So scheint beispielsweise eine
Neutralisierung des Chemokins CXCL2 in einer Klebsiella pneumoniae-Pneumonie zu einer
stark verminderten Migration von PMNs zu führen [237]. Allerdings ist für ein murines Modell
einer pulmonalen Nocardia asteroides-Infektion beschrieben, dass CXCL2 keinen Effekt bei
der Neutrophile-Rekrutierung aufweist [238]. In einem Kombinationsmodell aus i.p.-
verabreichtem Alkohol und S. pn.-Infektion konnte rekombinantes CXCL1, nicht aber CXCL2
zu einer Eliminierung der Pathogene führen. Ursächlich dafür könnte eine mit Hilfe des
Chemokins induzierte Migration von Neutrophilen gewesen sein. Diese Zellen wurden in dieser
Studie von den Autoren allerdings nicht quantifiziert [239]. Die Liganden von CXCR2 scheinen
demnach in den genannten Studien wie auch in der vorliegenden Arbeit keine redundanten,
sondern additive Effekte auf die Rekrutierung von Neutrophilen in den Alveolarraum
auszuüben. Welche prozentualen Anteile CXCL1 und CXCL2 an der Rekrutierung von
Neutrophilen in Folge einer S. pn.-Infektion besitzen, sollte in weiterführenden Experimenten
untersucht werden.
Eine Blockade des geteilten Rezeptors CXCR2 in Infektionsexperimenten oder nach LPS-
Stimulation führt häufig zur kompletten Inhibierung der PMN-Rekrutierung [67, 233, 240]. Dies
ist auch in Modellen einer sterilen Inflammation, wie einer chronisch-entzündlichen
Darmerkrankung zu beobachten. Auch hier kann eine Blockierung von CXCR2 zur
vollständigen Inhibition der PMN-Infiltrierung ins entzündliche Gewebe führen [241].
Aber auch CXCR2-unabhängige Signalwege können eine Migration von Neutrophilen ins
Lungengewebe bewirken. Dies zeigte sich in einigen Infektionsexperimenten, unter anderem
mit S. pn.-infizierten Cxcr2-defizienten Tieren [242]. In diesen Experimenten oder nach
100
Blockierung des Rezeptors mit Hilfe eines anti-CXCR2 Antikörpers und anschließender
Infektion mit Legionella pneumophila, zeigte sich jeweils eine starke Verminderung, jedoch
keine vollständige Inhibition der Neutrophilen-Migration in den Alveolarraum [242, 243].
Weitere Veröffentlichungen zeigen ebenfalls lediglich eine Reduktion der Neutrophilen-
Infiltration, allerdings wurde bei nicht die Migration in den Alveolarraum, sondern die
Neutrophilen im Lungengewebe quantifiziert [161, 238]. Reutershan et al. konnten zeigen,
dass Cxcr2-defiziente Neutrophile nach LPS-Stimulation nicht in den Alveolarraum wanderten,
jedoch im Lungengewebe zu finden waren. Mit Hilfe einer separaten rbung systemischer
und lokaler Neutrophiler und einer Perfusion der Lunge konnten die Autoren des Weiteren
zeigen, dass sich die Zellen im vaskulären Kompartiment und in Adhärenz zu den
Gefäßwänden befanden. Diese Ergebnisse zeigen, dass eine klassische Analyse des
gesamten lavagierten Lungengewebes auch die vaskulär adhärenten Neutrophile erfasst und
somit nicht spezifisch jene Neutrophile identifizieren kann, die ins interstitielle Gewebe migriert
sind [233].
Eine Inhibition der Signalweiterleitung des CXCR2 Rezeptors in einem sterilen
Inflammationsmodell mit Zigarettenrauch führte ebenfalls zu einer Reduktion, aber keiner
vollständigen Blockierung des Einstroms an Neutrophilen [244]. Es konnte beispielsweise in
einem Arthritis-Modell gezeigt werden, dass Leukotrin B4, ein Lipid Metabolit, dass in
Leukozyten vorkommt, über die Bindung an den Rezeptor BLT1 auf der Oberfläche von
Neutrophilen ebenfalls eine Migration der Zellen zum Inflammationsort induziert [231]. Ein
weiterer Chemokin-Rezeptor auf der Oberfläche von PMNs ist CCR1, der beispielsweise die
Liganden CCL3, CCL4 und CCL5 bindet. Bei einer Candida-Infektion hatte dieser Rezeptor
einen positiven Einfluss auf die Rekrutierung der Neutrophilen in die Nieren der Versuchstiere
[245]. Auch eine Überexpression von CCL5 im Lungengewebe führte zu einer verstärken
Migration von PMNs [246].
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass CXCL5 nicht der einzige Ligand des Rezeptors
CXCR2 ist, der in sterilen und infektiösen Inflammationsmodellen die Rekrutierung von
Neutrophilen herbeiführen kann. Des Weiteren sind auch CXCR2-unabhängige Wege
bekannt, die die Migration dieser Immunzellen initiieren können. Dennoch muss
hervorgehoben werden, dass eine Deletion von Cxcl5 eine starke Reduktion der PMN-
Rekrutierung bewirkt und CXCL5 in den in der vorliegenden Arbeit untersuchten Modellen
demnach das wichtigste Chemokin für die Migration von Neutrophilen ist.
7.4.4 Folgen einer reduzierten Neutrophile-Rekrutierung
Vielfach wurde gezeigt, dass Neutrophile essentiell sind für die Elimination der Pneumokokken
in der Lunge [192, 242, 247]. Aus diesem Grund kann geschlussfolgert werden, dass die in
101
der vorliegenden Arbeit beobachtete erhöhte bakterielle Last in den Cxcl5-defizienten Tieren
in der verminderten Anzahl an Neutrophilen im Alveolarraum begründet liegt. Dagegen zeigte
sich die Zahl der alveolären Makrophagen im Vergleich zum WT erhöht. Alveoläre
Makrophagen, wie bereits von Knapp et al. und Morimoto et al. beschrieben, spielen in einer
S. pn.-Infektion eine tragende Rolle bei der Beseitigung körpereigener Zellreste wie
apoptotischer Neutrophiler und tragen weniger zur Eliminierung des Pathogens bei [83, 84].
Die Phagozytose der toxischen Zellbestandteile ist dabei essentiell für die Resolution der
Inflammation [83]. Es ist bekannt, dass die Phagozytose zellulärer Bestandteile alveoläre
Makrophagen zur Sekretion von Zytokinen anregt [248, 249]. Durch intratracheale
Verabreichung des Pneumokokken-eigenen Virulenzfaktors Pneumolysin wurde gezeigt, dass
dieser eine Reduktion der alveolären Makrophagen bewirkt [250]. Auch im Zuge viraler
Infektionen oder bei Erkrankungen mit intrazellulären Bakterien kommt es zu einer
Verminderung alveolärer Makrophagen [251-253]. Ursächlich hierfür ist, dass diese
Pathogene Makrophagen als Wirtszellen einnehmen und die Immunzellen über eine induzierte
Apoptose die Elimination der Erreger herbeiführen können [254]. Bei aus inflammatorischen
Monozyten differenzierten Makrophagen, die selbst Bakterien eliminieren, wurde der Vorgang
der induzierten Apoptose nach einer S. pn.-Infektion ebenfalls bereits beschrieben [255].
In dem in der vorliegenden Arbeit gewählten Modell der mechanischen Beatmung konnte kein
Unterschied in der Menge alveolärer Makrophagen im Alveolarraum zwischen WT und
Cxcl5/ Mäusen festgestellt werden. Möglicherweise war hier die Menge apoptotischer
Neutrophiler geringer, da diese nicht die Aufgabe der Pathogen-Eliminierung übernahmen. Es
sollte demnach in weiterführenden Experimenten zum einen untersucht werden, wie viele der
gemessenen Neutrophilen Apoptose-Marker tragen (z. B. 7-AAD und Annexin V [256]). Des
Weiteren könnte überprüft werden, ob eine reduzierte Anzahl apoptotischer Neutrophiler dazu
führt, dass alveoläre Makrophagen vermindert diese zellulären Bestandteile beseitigen und ob
dies vor dem Verlust dieser anti-inflammatorisch agierenden Zellen im Alveolarraum schützen
könnte.
Im vorherigen Teil der vorliegenden Arbeit konnte gezeigt werden, dass eine Reduktion der
bakteriellen Last mittels (verspäteter) antibakterieller Therapie nicht unmittelbar die
Schädigung des umliegenden Gewebes vermindert. In Cxcl5-defizienten und S. pn.-infizierten
Versuchstieren war die Zahl an Pneumokokken erhöht. Dies schien ebenfalls nicht direkt zu
einer Entwicklung von Ödemen oder einer vermehrten Schädigung der alveolokapillären
Barriere zu führen. Die Mortalität der Tiere war nicht beeinflusst, was möglicherweise im
Zusammenhang mit dem Schutz der zellulären Barriere stand. Der Virulenzfaktor PLY hat
einen direkten negativen Einfluss auf die alveolokapilläre Barriere und kann zur Schädigung
des Lungengewebes führen, weshalb eine erhöhte bakterielle Last stets mit einer gesteigerten
vaskulären Permeabilität assoziiert wurde [250, 257]. Diese Beobachtung konnte basierend
102
auf den Ergebnissen der vorliegenden Arbeit nicht unterstützt werden. Vielmehr ließ sich ein
protektiver Effekt einer verminderten Neutrophile-Rekrutierung, trotz vermehrter
Pneumokokken, beobachteten. Die Menge an freigesetztem PLY in Alveolarraum und Lunge
wurde allerdings nicht quantifiziert, dies könnte in weiterführenden Experimenten untersucht
werden. Zusätzlich könnte die Analyse weiterer Zeitpunkte nach der Infektion zeigen, ob die
erhöhte bakterielle Last im weiteren Verlauf der Infektion eine Erhöhung der vaskulären
Permeabilität mit sich bringt.
Im Gegensatz zu den Ergebnissen der vorliegenden Arbeit zeigten Versuche anderer
Arbeitsgruppen mit unterschiedlichen pulmonalen Infektionserregern, dass die CXCR2-
vermittelte vollständige Rekrutierung von Neutrophilen die Versuchstiere schützt und eine
verminderte oder inhibierte PMN-Migration die Mortalität erhöht [161, 235, 238]. Eine stark
reduzierte Neutrophile-Infiltration bei S. pn.-infizierten Cxcr2-Knockout Mäusen führte zu einer
signifikant erhöhten bakteriellen Last und einer Mortalität von 100 % innerhalb von vier Tagen
p.i. [242]. Die Autoren dieser Studie zeigten des Weiteren, dass ein prozentualer Knockout
von Cxcr2 von 10 - 75 % die bakterielle Last stufenweise erhöht, was mit einer sinkenden
Überlebensrate der Tiere assoziiert war. Die zusammenfassende Aussage der Studie war,
dass bereits eine Reduktion der lokalen Neutrophilen um 10 bis 25 % zu einer gesteigerten
Mortalität S. pn.-infizierter Mäuse führt. Dagegen zeigten die Analysen der vorliegenden
Arbeit, dass eine um mehr als die Hälfte reduzierte Neutrophilen-Infiltration, die mit einer
erhöhten bakteriellen Last assoziiert war, keine verschlechterte Überlebensrate mit sich
brachte. Mögliche Gründe für diese Abweichungen könnte die Verwendung unterschiedlicher
Maus- und Bakterienstämme sein. Die von Herbold et al. genutzten BALB/c Mäuse scheinen
beispielsweise weniger resistent gegenüber einer S. pn.-Infektion zu sein als der für die
vorliegende Arbeit verwendete C57BL/6J Stamm [258]. Des Weiteren wiesen die infizierten
WT Tiere eine höhere bakterielle Last und eine stärkere Rekrutierung von Neutrophilen zum
Zeitpunkt 24 h p.i. auf als die Mäuse in den Experimenten für diese Doktorarbeit, was ebenfalls
ursächlich für die beobachteten Unterschiede in den Überlebensraten sein könnte.
Weiterführende Experimente mit einer höheren Infektionsdosis könnten Hinweise darauf
geben, ab welchem Umfang eine vermehrte und unkontrollierte Pneumokokkenlast zu
irreversiblen Schädigungen des umliegenden Gewebes und einer signifikanten Erhöhung der
Mortalität führt.
Wie sich eine vollständige Depletion von Neutrophilen auf die bakterielle Last bei einer S. pn.-
Infektion auswirkt, wurde von Garvy und Harmsen [247] untersucht: Bei einer Infektion mit
einer geringen Infektionsdosis scheint die Depletion von Neutrophilen keinen Einfluss auf die
bakterielle Last zu haben. Im Gegensatz dazu führte eine vorherige Eliminierung der PMNs
nach Infektion mit einer hohen Infektionsdosis zu einer unkontrollierten Vermehrung der
Bakterien in der Lunge. Allerdings muss angemerkt werden, dass in diesen Versuchen ein
103
anti-GR-1 Antikörper für die Depletion verwendet wurde. GR-1 bindet jedoch an Ly6G auf
Neutrophilen wie auch an Ly6C auf Monozyten, weshalb in dieser Studie wahrscheinlich nicht
nur Neutrophile, sondern auch Monozyten depletiert wurden und somit keine Aussage darüber
getroffen werden kann, inwieweit sich eine alleinige Neutrophilen-Depletion auf die bakterielle
Last auswirkt. Aussagen über die Beschaffenheit der alveolokapillären Barriere oder die
Mortalität der untersuchten Tiere wurden in dieser Studie leider nicht getroffen.
In Cxcl5/− Mäusen konnte in der vorliegenden Arbeit auch im Anschluss an eine mechanische
Beatmung eine geschützte alveolokapilläre Barriere und eine verbesserte Dehnbarkeit der
Lunge beobachtet werden. Die untersuchten WT Tiere wiesen im Vergleich zur Cxcl5/−-
Gruppe eine erhöhte vaskuläre Permeabilität auf. Thatcher et al. konnten in einem anderen
murinen Modell steriler Inflammation, induziert durch Zigarettenrauch, beobachten, dass eine
reduzierte Anzahl von Neutrophilen ebenfalls zu einer verminderten Schädigung des
Lungengewebes führt [244]. Eine Inhibition der PMN-Infiltration wie auch eine Depletion von
Neutrophilen führte ebenfalls zu einer Verminderung der Gewebeschädigung in einem
Reperfusionsschaden-Modell in Kaninchen, bei dem eine induzierte Durchblutung eines
vorher minderdurchbluteten Gewebes eine Schädigung induzieren kann [259]. Es lässt sich
aus den in der vorliegenden Arbeit generierten Ergebnissen schlussfolgern, dass nicht primär
die Pneumokokken für die Schädigung der alveolokapillären Barriere verantwortlich sind.
Vielmehr weisen die Analysen darauf hin, dass die Reaktionen des Immunsystems des Wirtes
vermehrt zur Erhöhung der vaskulären Permeabilität beitragen. Zur Validierung dieser
Ergebnisse sollten diese Versuche mit einer höheren Infektionsdosis oder einem anderen
Mausstamm wiederholt werden, um das Modell robuster zu gestalten. Die reine Anwesenheit
von Neutrophilen scheint in dem gewählten S. pn.-Infektionsmodell nicht zu einer Schädigung
der alveolokapillären Barriere zu führen, wie nach früher und später antimikrobieller Therapie
beobachtet wurde. Ob in den untersuchten Inflammationsmodellen die von aktivierten PMNs
am Ort der Inflammation sekretierten zytotoxischen Moleküle alleine oder bereits der Vorgang
der Migration der Neutrophilen durch die Zellen der alveolokapillären Membran die
Schädigung herbeiführt, sollte in weiterführenden Experimenten näher betrachtet werden.
Studien anderer Arbeitsgruppen zeigten einerseits, dass die Rekrutierung von Neutrophilen
durch die zelluläre Barriere ohne eine Schädigung ablaufen kann [109], allerdings
widersprechen andere Studien dieser Beobachtung und zeigen, dass durch den Vorgang der
Migration PMNs die Apoptose von Epithelzellen bewirken können [110-112].
104
7.4.5 Möglicher therapeutischer Effekt von CXCL5 und einer verminderten oder
inhibierten Neutrophile-Rekrutierung
Eine vollständige Inhibierung der Neutrophile-Rekrutierung ist beim Menschen nicht
praktikabel, da der Patient sich erst mit etablierter Infektion beim Arzt vorstellt. Dennoch könnte
eine Verminderung zusätzlich infiltrierender PMNs als adjuvante Therapie bei einer
Pneumonie oder anderen Erkrankungen mit starker Neutrophile-Migration vorteilhaft sein. Bei
erfolgreicher Eliminierung der Infektionserreger mit Hilfe einer antibakteriellen Therapie wäre
eine Reduktion der infiltrierenden Neutrophilen möglicherweise sinnvoll, um eine mit
Neutrophilen assoziierte Schädigung des infizierten Gewebes zu vermindern. Bei Infektionen
mit antibiotikaresistenten Bakterien sollte eine solche Therapie allerdings nicht angewendet
werden, da Neutrophile einen großen Beitrag bei der Beseitigung von Bakterien leisten und
eine unkontrollierte Vermehrung der Pathogene zusätzlich schädlich für die Infizierten wäre.
Eine Übersichtsarbeit von Boppana et al. fasst eine große Anzahl von CXCR1- und CXCR2-
Inhibitoren zusammen, die bei den untersuchten Krankheitsmodellen die Neutrophile-
Rekrutierung vermindern oder vollständig blockieren können [260]. Es gibt mehrere Ansätze
zur Unterbindung der Wirksamkeit eines Rezeptors. Antagonisten, auch Inhibitoren genannt,
binden an einen Rezeptor (an oder außerhalb der Bindungsstelle des Liganden) und
verhindern durch die induzierte Konformationsänderung des Proteins die Bindung und
Signalinduktion der eigentlichen Liganden. So konnten beispielsweise die CXCR2-Inhibitoren
Antileukinate und Reparixin in vivo eine Bleomycin- bzw. LPS-induzierte Neutrophilen-
Rekrutierung in die Lunge reduzieren [261, 262]. In beiden Modellen konnte einhergehend mit
der verminderten PMN-Migration ebenfalls eine geringere vaskuläre Permeabilität gemessen
werden. Ein anderer therapeutischer Ansatz umfasst Chemokin-Analoga, die im Gegensatz
zu Antagonisten dem eigentlichen Liganden strukturell sehr ähnlich sind und an dessen Stelle
am Rezeptor binden, aber keine Signalweiterleitung induzieren. So konnte in dem bereits
genannten Modell der Zigarettenrauch-induzierten sterilen Inflammation das Chemokin-
Analogon SCH-N die Migration von Neutrophilen in die Bronchien inhibieren und damit
einhergehend die Inflammation in der Lunge im Vergleich zur Kontrollgruppe vermindern [244].
Weiterführende Experimente, die eine verspätete antibakterielle Behandlung mit einer
Blockade von CXCR2 oder einer Deletion von Cxcl5 kombinieren, könnten hilfreich sein, um
einen möglichen Ansatz für eine adjuvante Therapie in der Pneumonie zu untersuchen. Auch
eine Reduktion der Neutrophilen-Infiltration bei der mechanischen Ventilation kann von Vorteil
sein, um eine Schädigung des Lungengewebes und eine Verschlechterung der
Lungenfunktion zu vermindern. Um zu untersuchen, ob mechanisch beatmete Patienten von
solch einer Therapie profitieren würden, könnten Antikörper zur Neutralisierung von CXCL5
oder zur Blockierung von CXCR2 in weiteren Experimenten mit WT Tieren mit Beginn der
105
Beatmung zum Einsatz kommen. Dies wäre ein therapeutischer Ansatz, der im Gegensatz zu
einer Cxcl5 Deletion auch im Patienten anwendbar wäre.
7.4.6 Mechanismen hinter dem Schutz der alveolokapillären Barriere in Abwesenheit
von CXCL5
Die Experimente dieser Arbeit zeigen, dass die Deletion von Cxcl5 zu einer verringerten
Schädigung des Lungengewebes und einem Schutz der alveolokapillären Barriere führt. Dies
könnte damit erklärt werden, dass weniger Neutrophile zum Ort der Inflammation rekrutiert
werden, was mit einer verminderten Schädigung des umliegenden Gewebes assoziiert werden
kann. Neben Neutrophilen exprimieren aber auch Endothelzellen und Bronchialepithelzellen
den Chemokin-Rezeptor CXCR2, an welchen CXCL5 bindet [233]. Es könnte demnach auch
einen direkten Einfluss von CXCL5 auf die Endothelzellen der alveolokapillären Barriere
geben, der bei WT Tieren zu einer Erhöhung der vaskulären Permeabilität führen kann. So
konnte beispielsweise gezeigt werden, dass in Cxcr2/− Mäusen nach einer LPS-Injektion in
das Gehirn neben einer verminderten Neutrophile-Rekrutierung die zerebralen Endothelzellen
auch eine reduzierte Expression von Adhäsions-Molekülen im Vergleich zur WT Gruppe
aufwiesen, was die Infiltration von Leukozyten vermindern könnte. Des Weiteren scheint
CXCR2 für eine Aktivierung der Endothelzellen essentiell zu sein [263]. Diese Aktivierung ließ
sich aber auch durch CXCL1 induzieren, weshalb nicht gesagt werden kann, dass CXCL5 für
diese CXCR2-induzierte Endothel-Aktivierung essentiell ist. Für die Lunge konnte gezeigt
werden, dass CXCR2 auf Zellen nicht-hämatopoetischen Ursprungs benötigt wird, um nach
einer LPS-Stimulation die vaskuläre Permeabilität zu erhöhen [233]. Es kann neben der
reduzierten Migration von Neutrophilen aufgrund der Abwesenheit eines CXCL5-
Chemokingradienten also auch der direkte Effekt von CXCL5 auf die Zellen der
alveolokapillären Barriere ausschlaggebend für den Schutz vor einer erhöhten vaskulären
Permeabilität sein.
Weiterführende Experimente sollten durchgeführt werden, um die zugrundeliegenden
Mechanismen zu untersuchen. Eine Antikörper-vermittelte Depletion von Neutrophilen mit
anschließender mechanischer Beatmung könnte zeigen, ob Unterschiede in der induzierten
Permeabilität zwischen WT und Cxcl5/− Mäusen auch unabhängig von rekrutierten
Neutrophilen auftreten. Ein weiterer Ansatz könnte in der Generation von Maus-Chimären
liegen, wie es bereits von Reutershan et al. untersucht wurde [233]. Die Autoren dieser Studie
konnten beobachten, dass die CXCR2-Expression auf Zellen hämatopoetischen Ursprungs
zwar essentiell ist für eine LPS-induzierte PMN-Rekrutierung in den Alveolarraum, aber keine
Veränderung der vaskulären Permeabilität mit sich bringt. Wenn andererseits lediglich Zellen
nicht-hämatopoetischen Ursprungs (wie beispielsweise Endothelzellen) Cxcr2-defizient waren
106
und Neutrophile ungehindert dem Chemokingradienten in der Lunge folgen konnten, war die
alveolokapilläre Barriere geschützt. Reutershan et al. schlussfolgerten aus diesen
Ergebnissen, dass allein die Expression des Chemokin-Rezeptors auf nicht-
hämatopoetischen Zellen ausschlaggebend ist für die Schädigung der zellulären Barriere.
Allerdings nutzte diese Arbeitsgruppe kleine Versuchsgruppen, bestehend aus vier Tieren und
LPS als Stimulanz. LPS ist auf gramnegativen Bakterien zu finden und ruft damit
möglicherweise eine andere Immunreaktion hervor als ein grampositiver Infektionserreger
oder eine im Zuge einer mechanischen Beatmung hervorgerufene sterile Inflammation. Aber
auch nach einer LPS-Stimulation kommt es zum Einstrom von Neutrophilen, welche in
Apoptose und Nekrose gehen und von alveolären Makrophagen eliminiert werden [264].
Dennoch könnte die Verwendung von Chimären aus WT und Cxcr2/− Aufschluss darüber
geben, ob auch im Falle einer mechanischen Beatmung oder einer S. pn.-Infektion die CXCR2
Expression auf Endothelzellen essentiell für die Schädigung der alveolokapillären Barriere ist.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine intakte alveolokapilläre Barriere neben ihrer
Aufgabe des Gasaustauschs essentiell ist, um eine unkontrollierte Ausbreitung einer
Inflammation aus der Lunge in die Peripherie zu verhindern und der Bildung von Ödemen
entgegenzuwirken. Eine umgehende antimikrobielle Behandlung und die Reduktion der
infiltrierenden Neutrophilen in den Alveolarraum sind Wege, die vor eine Erhöhung der
vaskulären Permeabilität schützen können. In weiterführenden Experimenten sollte untersucht
werden, inwiefern eine Kombination beider Modelle als möglicher Ansatz für die Therapie von
Pneumonie-Patienten dienen kann, um die seit Jahrzehnten gleichbleibende Mortalität dieser
Infektionskrankheit zu senken.
107
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123
9 Anhang
9.1 Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Übersicht der verwendeten Geräte ......................................................................21
Tabelle 2: Übersicht der verwendeten Materialien ................................................................22
Tabelle 3: Übersicht der verwendeten Reagenzien ..............................................................24
Tabelle 4: Übersicht der verwendeten Antikörper .................................................................25
Tabelle 5: Übersicht der verwendeten Enzyme ....................................................................25
Tabelle 6: Übersicht und Zusammensetzung der verwendeten Narkotika und Heparin ........26
Tabelle 7: Übersicht und Zusammensetzung der verwendeten Medien und Puffer ...............26
Tabelle 8: Übersicht der verwendeten Bakterienstämme ......................................................29
Tabelle 9: Übersicht der verwendeten Zelllinien ...................................................................29
Tabelle 10: Übersicht der verwendeten Kits .........................................................................29
Tabelle 11: Übersicht der verwendeten Software .................................................................30
Tabelle 12: Versuchsgruppen Pneumokokken-Pneumonie und Ampicillin-Therapie .............31
Tabelle 13: Versuchsgruppen Pneumokokken-Pneumonie in Abhändigkeit von CXCL5 ......32
Tabelle 14: Versuchsgruppen mechanische Beatmung in Abhängigkeit von CXCL5 und
Neutrophilen .........................................................................................................................32
Tabelle 15: Handlungsanweisung zur klinischen Beurteilung infizierter Tiere .......................34
Tabelle 16: Übersicht der verwendeten ELISA Kits ..............................................................40
124
9.2 Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Mortalität der Pneumonie. ................................................................................. 2
Abbildung 2: Mortalität einer nicht antibiotisch behandelten Streptococcus pneumoniae
Pneumonie in Abhängigkeit von Alter und Nachweis der Erreger im Blut. ............................. 3
Abbildung 3: Schematischer Aufbau der alveolokapillären Barriere. ...................................... 6
Abbildung 4: Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme der alveolären Oberfläche einer
humanen Lunge. ................................................................................................................... 8
Abbildung 5: Vereinfachtes Schema der Entwicklung von Blutzellen aus Stammzellen im
Knochenmark. ....................................................................................................................... 9
Abbildung 6: Funktionen der Neutrophilen. ...........................................................................13
Abbildung 7: Einteilung der Chemokingruppen anhand von Cysteinresten und Disulfidbrücken.
.............................................................................................................................................15
Abbildung 8: Signalkaskade nach toll-like Rezeptor (TLR) Aktivierung. ................................17
Abbildung 9: Infektion und Therapie mit Ampicilin. ...............................................................33
Abbildung 10: Gating Strategien zur Untersuchung bronchoalveolären Lavage....................38
Abbildung 11: Späte Antibiotika-Therapie schützt S. pn.-infizierte Mäuse nicht vor fataler
Pneumonie. ..........................................................................................................................48
Abbildung 12: Die Kinetik der Bakterien-Eliminierung mittels Antibiotika-Therapie ist nicht
abhängig vom Therapiebeginn. ............................................................................................49
Abbildung 13: Ampicillin hat keinen Einfluss auf Leukozyten-Populationen im Alveolarraum.
.............................................................................................................................................51
Abbildung 14: Verminderte Zytokin-Level im Alveolarraum nach antibakterieller Therapie und
histologische Analysen. ........................................................................................................53
Abbildung 15: Regulierte Konzentrationen von Chemokinen und Wachstumsfaktoren im
Alveolarraum nach antibakterieller Therapie .........................................................................55
Abbildung 16: Eine antibakterielle Therapie hat keinen Einfluss auf Leukozyten- und
Thrombozyten-Konzentrationen im Blut, jedoch auf den Hämatokrit. ....................................57
Abbildung 17: Frühzeitige, jedoch nicht späte antibakterielle Therapie verhindert systemische
Inflammation. ........................................................................................................................59
Abbildung 18: Frühzeitige, jedoch nicht späte antibakterielle Therapie schützt vor der
Entwicklung von Pleuritis, Steatitis und Leberschädigung. ...................................................61
Abbildung 19: Die frühe antibakterielle Behandlung hat einen therapeutischen Effekt auf die
Ödemausprägung. ................................................................................................................63
Abbildung 20: Nur ein frühzeitiger Therapiestart erhält die Integrität der alveolokapillären
Barriere und reduziert lokale VEGF-Level. ...........................................................................65
Abbildung 21: Sekretion von CXCL1, CXCL2 und CXCL5 nach S. pn.-Infektion in vivo. .......67
125
Abbildung 22: Sekretion der Chemokine CXCL1, CXCL2 und CXCL5 nach S. pn.-Infektion in
vitro. .....................................................................................................................................68
Abbildung 23: Die epitheliale Sekretion von CXCL1 und CXCL5 geschieht in Abhängigkeit vom
toll-like Rezeptor 2 (TLR2). ...................................................................................................69
Abbildung 24: Verminderte Neutrophile-Rekrutierung in den Alveolarraum S. pn.-infizierter
Mäuse in Abwesenheit von CXCL5. .....................................................................................70
Abbildung 25: Eine erhöhte bakterielle Last in Alveolarraum und Lunge hat keinen nachteiligen
Effekt auf die Mortalität S. pn.-infizierter Mäuse. ...................................................................71
Abbildung 26: In S. pn.-infizierten Tieren sind alveoläre Makrophagen, aber nicht
inflammatorische Monozyten / Makrophagen oder dendritische Zellen, durch eine Cxcl5
Deletion beeinflusst. .............................................................................................................72
Abbildung 27: Inflammatorische Mediatoren in einer S. pn.-Infektion werden durch eine Cxcl5
Deletion nicht beeinflusst. .....................................................................................................73
Abbildung 28: Histopathologische Analysen zeigen keine Unterschiede bei der Entwicklung
einer entzündlichen Pneumonie zwischen WT und Cxcl5/auf. ..........................................75
Abbildung 29: Die Abwesenheit von CXCL5 schützt vor Barriereschädigung nach S. pn.-
Infektion................................................................................................................................76
Abbildung 30: Induktion der Ausschüttung von CXCL1 und CXCL5 nach hochvolumiger
mechanischer Beatmung in vivo. ..........................................................................................77
Abbildung 31: Mechanische Dehnung von Epithelzellen induziert die Ausschüttung von
CXCL1, CXCL5 und VEGF. ..................................................................................................78
Abbildung 32: Induktion der Neutrophile-Rekrutierung in den Alveolarraum durch mechanische
Beatmung. ............................................................................................................................79
Abbildung 33: CXCL5 beeinflusst neben der PMN-Rekrutierung keine weiteren Immunzellen
im Alveolarraum nach mechanischer Beatmung. ..................................................................80
Abbildung 34: Die Lungenfunktion ist in Abwesenheit von CXCL5 nach mechanischer
Beatmung verbessert. ..........................................................................................................82
Abbildung 35: Histopathologische Auswertung der ventilierten WT und Cxcl5/Tiere. ........84
Abbildung 36: Bei einer mechanische Beatmung schützt die Abwesenheit von CXCL5 vor einer
Schädigung der alveolokapilläre Barriere. ............................................................................85
126
9.3 Publikationen
In der vorliegenden Arbeit enthaltene Daten wurden publiziert:
Berger S, Gökeri C, Gupta SK, Vera J, Dietert K, Behrendt U, Lienau J, Wienhold SM, Gruber
AD, Suttorp N, Witzenrath M, Nouailles G. Delay in Antibiotic Therapy Results in Fatal
Disease Outcome in Murine Pneumococcal Pneumonia. Crit Care. 2018, 22(1):287.
Dietert K, Nouailles G, Gutbier B, Reppe K, Berger S, Jiang X, Schauer AE, Hoche AC, Herold
S, Slevogt H, Witzenrath M, Suttorp N, Gruber AD. Digital Image Analyses on Whole Lung
Slides in Mouse Models of Acute Pneumonia. Am. J. Respir. Cell Mol. Biol. 2018, 58(4):440-
448.
Konferenzbeiträge:
Poster: 2nd International Conference “Innate immunity of the lung Improving pneumonia
outcome”.15. 17.09.2016, Berlin. Berger S, Gökeri C, Behrendt U, Lienau J, Suttorp N,
Nouailles G, Witzenrath G: In vivo Analysis of Murine Pneumococcal Pneumonia for
Mathematical Modelling of Community Acquired Pneumonia.
Poster und Vortrag: Herbsttreffen der Sektion Zellbiologie und der Sektion Infektiologie und
Tuberkulose der DGP. 11. 12.11.2016, Hannover. Berger S, Gökeri C, Behrendt U, Lienau
J, Suttorp N, Nouailles G, Witzenrath G: In vivo Analysis of Murine Pneumococcal
Pneumonia for Mathematical Modelling of Community Acquired Pneumonia.
Poster: 58. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin
(DGP). 22. 25.03.2017, Stuttgart. Berger S, Gökeri C, Behrendt U, Lienau J, Suttorp N,
Nouailles G, Witzenrath G: In vivo Analysis of Murine Pneumococcal Pneumonia for
Mathematical Modelling of Community Acquired Pneumonia.
Poster: 58. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin
(DGP). 22. 25.03.2017, Stuttgart. Berger S, Wienhold SM, keri C, Behrendt U, Fatykhova
D, Zscheppang K, Berg J, Gisch N, Dietert K, Doehn JM, Hocke AC, Witzenrath M, Nouailles
G: Spatial and temporal regulation of neutrophil-attractant CXCL5/LIX in acute
streptococcal pneumonia.
Poster: Gemeinsame Jahrestagung DGI und des DZIF 2017. 28. 30.09.2017, Hamburg.
Berger S, Gökeri C, Behrendt U, Lienau J, Suttorp N, Witzenrath M, Nouailles G: Delay in
127
Adequate Antibiotic Therapy Results in Fatal Disease Outcome in a Mouse Model of
CAP.
Poster: Herbsttagung der Sektionen Zellbiologie und Infektiologie und Tuberkulose der
Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. 10. 11.11.2017,
Gießen. Berger S, Gökeri C, Behrendt U, Lienau J, Suttorp N, Witzenrath M, Nouailles G:
Delay in Adequate Antibiotic Therapy Results in Fatal Disease Outcome in a Mouse
Model of CAP.
Poster: Herbsttagung der Sektionen Zellbiologie und Infektiologie und Tuberkulose der
Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. 10. 11.11.2017,
Gießen. Berger S, Wienhold SM, Gökeri C, Behrendt U, Müller-Redetzky H, Dietert K, Gruber
AD, Witzenrath M, Nouailles G: Role of neutrophil-attractant CXCL5/LIX in barrier damage
in ventilator-induced lung injury and pneumococcal pneumonia.
Poster: 59. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin
(DGP). 14. 17.03.2018, Dresden. Berger S, Gökeri C, Behrendt U, Lienau J, Suttorp N,
Witzenrath M, Nouailles G: Delay in Adequate Antibiotic Therapy Results in Fatal Disease
Outcome in a Mouse Model of CAP.
128
9.4 Danksagung
Ich möchte allen Personen danken, die mich in den letzten Jahren dabei unterstützt haben,
das Projekt „Doktorarbeitzu meistern. Einzelnen und sehr wichtigen Wegbegleitern soll an
dieser Stelle separat gedankt werden:
Dr. Geraldine Nouailles-Kursar, der besten Betreuerin, die ich mir vorstellen kann. Neben der
Übermittlung eines großen Anteils ihres umfangreichen immunologischen Wissensschatzes
hat sie vor allem einen unglaublichen Beitrag dabei geleistet, kritisches Denken und
wissenschaftliche Eigenständigkeit zu fördern. Sie hat es geschafft, gleichzeitig meine
Selbstständigkeit zu unterstützen wie auch Rückhalt zu geben. Durch einfaches Zuhören oder
strukturiertes Angehen von Problemen war sie stets eine riesige Stütze und ein großes Vorbild.
Prof. Dr. Martin Witzenrath, der mich mit großer Herzlichkeit in seine Arbeitsgruppe
aufgenommen hat, mir einen umfangreichen Einblick in die Medizin ermöglichte und der trotz
seiner knapp bemessenen Zeit immer Wege fand, auftretende Anliegen zu besprechen.
Prof. Dr. Roland Lauster und Prof. Dr. Bastian Opitz, welche mir als Gutachter dieser
Dissertation eine unkomplizierte und reibungsfreie Promotion an der TU Berlin ermöglichten.
Prof. Dr. Jens Kurreck möchte ich dafür danken, dass er die Leitung der Prüfungskommission
übernommen hat.
Allen Mitgliedern der AG Witzenrath. Die unglaublich hilfsbereite, freundliche und kollegiale
Atmosphäre hat einen Großteil dazu beigetragen, dass ich jeden Tag gerne zur Arbeit
gekommen bin, unglaublich viel gelernt habe und daran auch große Freunde hatte. Besonders
möchte ich Ulrike und Cengiz danken: Ulrike war die größte Hilfe der Welt. Die letzten Monate
wären so ohne sie nicht möglich gewesen. Cengiz, I can’t imagine how night preps would have
been without his help and friendship! Jasmin danke ich fürs Korrektur lesen, das war eine
riesige Hilfe. Sandra, die fachlich wie auch privat immer für mich da war. Danke!
Dr. Kristina Dietert aus der AG Gruber, die die histopathologischen Auswertungen
durchgeführt und mir darüber hinaus immer ihr großes Fachwissen zur Verfügung gestellt hat.
Meiner Familie und Roberto. Vor allem meiner Mama möchte ich danken, bei ihr konnte ich
immer darauf vertrauen, ein offenes Ohr für alle Sorgen zu finden. Meinen Schwestern Conny
und Claudia, die es für mich sogar mit dieser Arbeit aufgenommen haben. Ein riesiges
Dankeschön auch an Roberto, der war immer für mich da und mich unterstützt hat, wo er nur
konnte. Du bist der Beste.