Kinematische Modellierung eines
kontinuierlichen z-Faltprozesses für
die Batterieproduktion
vorgelegt von
M.Sc.
Arne Glodde
ORCID: 0000-0001-8626-8056
an der Fakultät V – Verkehrs- und Maschinensysteme –
der Technischen Universität Berlin
zur Erlangung des akademischen Grades
Doktor der Ingenieurwissenschaften
– Dr.-Ing. –
genehmigte Dissertation
Promotionsausschuss:
Vorsitzender: Prof. Dr.-Ing. Dirk Oberschmidt
Gutachter: Prof. Dr.-Ing. Franz Dietrich
Gutachter: Prof. Dr.-Ing. Günther Seliger
Gutachter: Prof. Dr.-Ing. Klaus Dröder
Tag der wissenschaftlichen Aussprache: 13. August 2019
Berlin 2020
Danksagung
Die hier vorliegende Arbeit entstand während meiner Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbei-
ter und Oberingenieur am Fachgebiet Montagetechnik und Fabrikbetrieb, später Fachgebiet
Handhabungs- und Montagetechnik am Institut für Werkzeugmaschinen und Fabrikbetrieb
(IWF) der Technischen Universität Berlin.
Besonderer Dank gilt meinen beiden betreuenden Professoren, Prof. Dr.-Ing. Franz Dietrich
und Prof. em. Dr.-Ing. Günther Seliger. Franz, ich danke dir für die konstruktive Kritik und
die intensiven Diskussionen, die stets zur Weiterentwicklung beigetragen haben. Prof. Seliger,
Ihnen danke ich für die langjährige Betreuung von meinen ersten Schritten noch als Student
bei Ihnen am Fachgebiet bis hin zur Promotion und das Vertrauen, das Sie in mich gesetzt
haben. Im Weiteren möchte ich Prof. Dr.-Ing. Klaus Dröder für die Übernahme des Gutachtens
danken.
Da eine wissenschaftliche Arbeit nie das Werk einer einzelnen Person ist, möchte ich mich
ebenso bei allen bedanken, die mich auf diesem Weg begleitet haben. Danke an meine Kollegen
und studentischen Mitarbeiter, die mit Rat und Tat zur Seite standen, und so die Umsetzung
des Demonstrators ermöglichten. Lieben Dank auch an dich Sabine, die Gute Seele unseres
Fachgebietes. Du warst immer eine große Unterstützung über die vielen Jahre am Fachgebiet.
Ganz besonders möchte ich mich hier auch bei meiner studentischen Hilfskraft Sören bedanken.
Ich wünsche dir viel Erfolg für dein Promotionsvorhaben. Es war immer eine Freude mit dir
zusammen zu arbeiten.
Im speziellen möchte ich hier meiner Frau Ilona für all Ihre Unterstützung danken. Ohne dich
wäre dies hier nicht möglich gewesen. Du hast mich in allen Bereichen unterstützt und hast
mir in unzähligen Situationen den Rücken frei gehalten. Ohne dich wäre dieser Abschluss nicht
so geglückt. Gemeinsam mit unserer Tochter Laura habt ihr mir die Energie gegeben, dieses
Werk zu vollenden. Ein besonderer Dank gilt auch meinen Eltern Ingrid und Rüdiger, die mich
auf meinem Werdegang von Anfang an begleitet haben und mich stets in allen Lebenslagen
unterstützten. Zum Schluss möchte ich meinen Freunden danken, die in der Zeit der Promotion
mir auch immer wieder einen neuen Blick auf die Problemstellungen ermöglicht haben.
Zusammenfassung
Der immer weiter steigende Bedarf an Batteriezellen wird sich zukünftig kaum durch die
konventionellen Verfahren decken lassen. Selbst innovative Verfahren im Forschungsstadium
können die erforderliche Anlagengeschwindigkeit von einer Sekunde pro Falte nicht erreichen.
Diese Lücke aufgreifend wurde ein kontinuierliches Verfahren entwickelt, welches großformatige
z-gefaltete Elektroden-Separator-Verbünde mit einer Geschwindigkeit von 0,7 Sekunden pro
Falte stabil, und sogar bis rund 0,35 Sekunden pro Falte falten kann.
Die Betrachtung eines Patents zum z-Falten eines Bahnmaterials und die Analyse eines Gestal-
tungsentwurfs für eine Gesamtanlage bilden den Ausgangspunkt für die Konzeptentwicklung
dieses Verfahrens. Es werden Anforderungen an das kontinuierliche Verfahren abgeleitet und
ein kinematisches Modell erstellt. Dieses Modell erlaubt es, die Bewegungen aller Elemente in
dem System abhängig des Vorschubs des Separators zu beschreiben. Das darauf aufbauende
Fehlermodell ermöglicht es, die Empfindlichkeit des Modells zu berechnen und erwartete Fehler
abzuleiten. Sowohl die Eignung des umlaufenden Transportsystems als auch weitere Anforderun-
gen werden aus experimentellen Untersuchungen abgeleitet. Die Schwingungsanalyse, Messung
der Positionier- und Bahngenauigkeit geben ein Gefühl dafür, welche Geschwindigkeiten mit
welchen Abweichungen zu erwarten sind.
Aus dem analysierten Gestaltungsentwurf und den Versuchen werden weitere Baugruppen
entwickelt, um die Faltung zu realisieren. Ein pendelndes Rollenpaar übergibt den Separator in
die Faltung, sodass ein Hintergreifen durch den Greifer überhaupt ermöglicht wird. Ebenso wird
ein Gestaltungsentwurf für einen zwangsaktuierten Greifer für das umlaufende Transportsystem
vorgestellt. Die Entwicklung schließt die Aufhängung des Transportsystems ab.
Die prototypische Umsetzung der Bewegungsführung dieses kontinuierlichen Verfahrens wird
anhand von Versuchen validiert. Diese Betrachtung erfolgt mit einem Greiferprototypen für
unterschiedliche Verfahrensgeschwindigkeiten von bis zu 1000
mm
/s
, welches rund 0,35 Sekunden
pro Falte entspricht.
Im Ergebnis der Arbeit steht ein kinematisches Modell für die kontinuierliche z-Faltung in der
Batterieproduktion. Dieses Modell bildet die Basis für die implementierte Bahnplanung in der
SPS des Demonstrators des Projektes KontiBat. Im Weiteren bildet die Untersuchung der
Fehlereinflüsse in Kombination mit einer Fehlermodellbildung eine Abschätzung der erreichbaren
Prozessgenauigkeit des betrachteten Verfahrens.
I
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis III
Tabellenverzeichnis V
Symbolverzeichnis VI
1 Bedarf kontinuierlicher Verfahren in der Zellverbundherstellung 1
2 Die Relevanz der kontinuierlichen Batteriezellverbundherstellung 4
2.1 Begriffe und Definitionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
2.2 Herstellungsverfahren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
2.3 Industrielle Verfahren zur Herstellung großformatiger Zellen . . . . . . . 8
2.4 Forschung in der Produktionstechnik für großformatige Zellen . . . . . . 12
2.5 Verfahrensgegenüberstellung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
2.6 Vorarbeiten zur kontinuierlichen z-Faltung . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
2.7 Bedarf an kontinuierlichen Verfahren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
3 Systementwicklung zur kontinuierlichen z-Faltung 24
3.1 Anforderungen und Randbedingungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24
3.1.1 Bestimmung der kinematikrelevanten Separatorkennwerte . . . . 29
3.2 Kinematische Modellbildung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32
3.2.1 Modellentwicklung für die Faltstrecke . . . . . . . . . . . . . . . 33
3.2.2 Modellentwicklung für die Zuführung . . . . . . . . . . . . . . . 50
3.2.3 Simulation des kinematischen Modells . . . . . . . . . . . . . . . 59
3.3 Fehlermodell................................ 61
3.3.1 Fehlereinflüsse ........................... 62
3.3.2 Empfindlichkeitsanalyse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62
3.3.3 Vorhersage der Elektrodenposition im Stapel . . . . . . . . . . . 65
3.4 Bewertung des Transportsystems . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68
3.4.1 Allgemeiner Versuchsaufbau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69
3.4.2 Schwingungsanalyse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70
3.4.3 Positioniergenauigkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 75
3.4.4 Genauigkeit des internen Messsystems . . . . . . . . . . . . . . . 78
3.5 Entwicklung von Teilfunktionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 83
3.5.1 Anpassung des Gestaltungskonzeptes . . . . . . . . . . . . . . . 83
3.5.2 Pendler............................... 84
3.5.3 Greifer ............................... 85
II Inhaltsverzeichnis
3.5.4 Aufhängung der Transportsysteme . . . . . . . . . . . . . . . . . 88
3.6 Implementierung des kinematischen Modells in der Steuerung . . . . . . 90
4 Validierung 94
4.1 Experimentelle Betriebsmittelerprobung . . . . . . . . . . . . . . . . . . 94
4.2 Experimentelle Systemerprobung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 96
4.3 Erfassung der Laufwagenpositionsdifferenz . . . . . . . . . . . . . . . . 98
5 Zusammenfassung, Bewertung und Ausblick 102
5.1 Zusammenfassung ............................. 102
5.2 Ergebnisse und ihre Bedeutung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 103
5.3 Ausblick .................................. 104
Literaturverzeichnis X
Anhang XVIII
A Exkurs Einfluss der Führungsschiene XIX
B Zusätzliche Abbildungen XX
C Konzeption und Implementierung der Steuerung sowie Bahnplanung XXII
III
Abbildungsverzeichnis
2.1 Verbundbauweisen einer Lithium-Ionen Batteriezelle nach [Bac-17] . . . . 6
2.2
Verfahrensweise zum Aufbau eines z-gefalteten Elektrode-Separator-Verbundes
in Anlehnung an Mooy nach Hong und Manz . . . . . . . . . . . . . . . 8
2.3
Produktivität in Amperestunden pro Zeiteinheit von Maschinen und Anlagen
der z-faltenden Elektrode-Separator-Verbundherstellung nach [Moo-19] . 10
2.4 Zeitlicher Ablauf des konventionellen z-Faltens nach [Ayd-17] . . . . . . 11
2.5 Vergleich von Verfahren zur Zellverbundherstellung nach [Moo-19] . . . 13
2.6 Funktionsprinzip in der Patentschrift von Glodde et al. . . . . . . . . . . 17
2.7
Gestaltungsentwurf der Baugruppe Faltung zum Lösungskonzept nach Bach
18
2.8
Gestaltungsentwurf der Greifer der Baugruppe Faltung zum Lösungskonzept
nach Bach [Bac-17]............................ 20
2.9 Schematische Darstellung des Elektrode-Separator-Verbunds . . . . . . . 20
2.10 Anlagenarchitektur des Projektes KontiBat . . . . . . . . . . . . . . . . 21
3.1 Darstellung der Anpassungen am Gestaltungsentwurfs . . . . . . . . . . 25
3.2 Spannungs-Dehnungs-Diagramm verschiedener Separatoren . . . . . . . 30
3.3 Skizze der kinematisch relevanten Größen im Faltsystem . . . . . . . . . 34
3.4 Bereichseinteilung für die kinematische Modellbildung . . . . . . . . . . 37
3.5 KinematikBereichI ............................ 39
3.6 KinematikBereichII............................ 41
3.7 Geometrische Bestimmung des Endpunkts des Übergangsbogens . . . . . 44
3.8 KinematikBereichIII ........................... 46
3.9 KinematikBereichIV ........................... 48
3.10 Bahnverlauf in der Zuführstrecke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51
3.11 Kinematische Konfiguration an der Bereichsgrenze . . . . . . . . . . . . 52
3.12 Kinematische Konfiguration nach der Bereichsgrenze ℓunten ........ 57
3.13 Berechneter Bahnverlauf der TCP in Weltkoordinaten . . . . . . . . . . 60
3.14 Fehlereinflluss von qL,PosDiff auf den Eingriffzeitpunkt . . . . . . . . . . . 63
3.15 Hauptfehlereinflüsse zum Eingriffszeitpunkt . . . . . . . . . . . . . . . . 65
3.16 Berechnete Elektrodenposition im Stapel . . . . . . . . . . . . . . . . . 66
3.17 Foto des Versuchsaufbaus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70
3.18 Versuchsaufbau zur Analyse des Schwingungsverhaltens . . . . . . . . . 71
3.19 Einfluss des KP-Faktors bei einer Nutzlast von 500g ........... 71
3.20 Einfluss des KP-Faktors bei einer Nutzlast von 350g ........... 72
3.21
Maximale Verfahrgeschwindigkeit
vLaufwagen
in Abhängigkeit von
KP
sowie
mNutzlast .................................. 73
IV Abbildungsverzeichnis
3.22
Maximale Positionsdifferenz in Abhängigkeit von Geschwindigkeit und Nutz-
last..................................... 73
3.23 Maximales Überschwingen nach Erreichen der Eingriffsstrecke . . . . . . 74
3.24 Versuchsaufbau zur Messung der Bahngenauigkeit . . . . . . . . . . . . 75
3.25 Zeitlicher Ist-Positionsverlauf beim Anfahren einer definierten Zielposition 76
3.26 Überschwingen während Anfahrt der Ablageposition . . . . . . . . . . . 77
3.27 Maximale Positionsabweichung der Messwerte vom Soll-Wert . . . . . . 77
3.28 Einfluss von KPauf die Ist-Laufwagenposition im Ablagepunkt . . . . . . 78
3.29 Versuchsaufbau zur Messung der Bahngenauigkeit . . . . . . . . . . . . 79
3.30
Differenz des externen zum internem Messsystem bei einer Nutzlast von 350g
80
3.31
Abweichungen zwischen dem Lasertriangulationssensor und dem internem Mess-
system bei unterschiedlichen Nutzlasten . . . . . . . . . . . . . . . . . . 81
3.32
CAD-Darstellung des konzipierten Pendlers eingebaut in der Faltungsbaugruppe,
links Draufsicht, rechts Isometrisch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 85
3.33 Gestaltungsentwurf nach [Ayd-18] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87
3.34
Transportsystemaufhängung im CAD, links Detailansicht, rechts Draufsicht
89
3.35
Stand der Faltungsbaugruppe im Aufbau als Teil des Demonstrators des Kon-
tiBatProjektes............................... 89
3.36 Antriebsbewegungen des nachlaufenden Wagens . . . . . . . . . . . . . 90
3.37
Abweichungen der Berechnungen von MatLab und der SPS im Bereich
IV 90
3.38
Kompensierte Abweichungen zwischen den Berechnungen von MatLab und der
SPS im Bereich IV ............................ 92
3.39
Faltenlänge unter Verwendung der SPS berechneten Sollpositionen der TCP
unter Verwendung der Übertragungsfunktion . . . . . . . . . . . . . . . 92
4.1 Positionsdifferenz der Laufwagen bei 1000mm
/s.............. 95
4.2 Positionsabweichung des Laufwagens entlang der Faltstrecke . . . . . . . 96
4.3 Faltenlänge berechnet aus Ist-Positionsdaten bei 500mm
/s......... 97
4.4 Änderung der Materialspannung während des Faltvorgangs bei 500 mm
/s. 98
4.5
Ergebnisse des Fehlermodells unter Verwendung der ermittelten Abweichungen
von qT,PosDiff ................................ 100
4.6 Faltenlänge aus Ist-Positionsdaten während des Faltvorgangs . . . . . . . 101
A-1
Einfluss der Führungsschiene auf die Positionsdifferenz
xP osDiff
der Laufwagen
aufGeradenmodulen............................ XIX
B-1 Darstellung des Gestaltungsentwurfs zum Lösungskonzept nach [Bac-17] XXI
C-1 Sensorkonfiguration im Bereich der Elektrodenzuführung [Glo-18] . . . . XXIII
C-2 Grundlegende Architektur der Anlagensteuerung [Glo-18] . . . . . . . . . XXIV
V
Tabellenverzeichnis
2.1
Vergleich der neuartigen Verfahren zur Produktion von großformatigen Zel-
len ..................................... 15
3.1 Eigenschaften der im Zugversuch untersuchten Separatoren . . . . . . . 29
3.2 Berechnetes E-Modul aus den Ergebnissen der Zugversuche . . . . . . . 31
3.3
Zusammenfassende Auflistung der Laufwagenpositionen in den jeweiligen Be-
reichen................................... 38
3.4 Übersicht üblicher Ursachen systematischer und stochastischer Fehler . . 61
3.5 Fehlereinfluss der Parameter auf die Faltenlänge . . . . . . . . . . . . . 64
3.6 Herstellerangaben zum Liniensensor . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76
3.7 Herstellerangaben zum Lasertriangulationssensor . . . . . . . . . . . . . 79
3.8
Mittelwerte und Standardabweichung der Differenz zwischen internem und ex-
ternenMesssystem............................. 81
3.9 Beispieltabelle zur Konzeptbewertung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 83
3.10 Gegenüberstellung der Antriebe zur Verschiebung der Führungsrollen . . 84
3.11 Vergleich der Lösungskonzepte zum Greifer . . . . . . . . . . . . . . . . 86
3.12 Vergleich der Lösungsansätze zur Aufhängung der Transportsysteme . . . 88
4.1
Gegenüberstellung der geschwindigkeitsabhängigen Bahnfehler der Laufwagen
97
4.2 Gegenüberstellung der Mittelwerte der Fehler und ihrer Streuung . . . . . 99
C.1
Vergleich der neuartigen Verfahren zur Produktion von großformatigen Zel-
len ..................................... XXV
VI
Symbolverzeichnis
Variable Erklärung
□
Vektor
□
Matrix
□
□Angabe der Variablenbezeichnung
□
□
Angabe des Bezugskoordinatensystems
□
ˆgemessene Variable
□
max Maximalwert einer Variable
0 Ursprung des 0-Koordinatensystems
0x x-Achse des 0-Koordinatensystems
0z z-Achse des 0-Koordinatensystems
αÖffnungswinkel zwischen den beiden Transportsystemen
AQuerschnittsfläche des Separators
aiSubstitution i in einer Gleichung zur übersichlicheren Darstellung
bBreite des Separators
bZBogenlänge der Umschlingung der Zuführrolle durch das Bahnmaterial
bPo
Bogenlänge der Umschlingung der Pendlerrolle oberhalb des
Rollenmittelpunktes
bPu
Bogenlänge der Umschlingung der Pendlerrolle unterhalb des
Rollenmittelpunktes
βPu Winkel zwischen der Strecke PP,MPPu,K und ℓPL
βPo Winkel zwischen der Strecke PP,MPPo,K und ℓZP
βZWinkel zwischen der Strecke PZ,MPZ,K und ℓZP
δPu Mittelpunktswinkel des Bogens bPu
δPo Mittelpunktswinkel des Bogens bPo
δZMittelpunktswinkel des Bogens bZ
hZHöhe der Zuführungsrollen über dem Pendler
hPHöhe des Pendlers über dem Eingriffspunkt
EElastizitätsmodul des Separators
EFEmpfindlichkeit, Änderung des Ausgangs im Verhältnis zur
Eingangsänderung
εDehnung des Separators
ε1Spezifische Dehnung des Separatos von 0,05 %
ε2Spezifische Dehnung des Separatos von 0,25 %
Tabellenverzeichnis VII
Variable Erklärung
ϵKB
Winkel der Gerade durch PP,M und PUB,M gegenüber einer parallelen zur z
Achse des -Koordinatensystems
ϵPu
Winkel zwischen der Strecke PP,MPPu,K und einer parallel der x Achse des
Z-Koordinatensystems
ϵPo
Winkel zwischen der Strecke PP,MPPo,K und einer parallel der x Achse des
Z-Koordinatensystems
ϵZ
Winkel zwischen der Strecke PZ,MPZ,K und einer parallel der x Achse des
Z-Koordinatensystems
FKraft in Newton
γPo Winkel zwischen ℓZP und ℓo
γPu Winkel zwischen ℓPL und ℓu
γZWinkel zwischen ℓZP und ℓo
KpProportionalverstärkungsfaktor des Positionsreglers
ℓ0Ausgangslänge der Separatorprobe
∆ℓLängenänderung der Separatorprobe
ℓFFaltenlänge
ℓFS Faltstrecke
ℓKBUBz Abstands der Mittelpunkte des Kreis- und Übergangsbogen in z-Richtung
ℓoben exakte Gesamtlänge des Separators zwischen Führungsrollen und Pendler
ℓoLänge des Separators zwischen den Kontaktpunkten an den Führungsrollen
und den Pendlerrollen
ℓPL
Strecke zwischen dem Mittelpunkt des Pendlers und dem TCP des letzten
im Eingriff befindlichen Greifers
ℓT,Umlauf Länge der Bahn des Transportsystems für einen vollen Umlauf
ℓunten exakte Gesamtlänge des Separators zwischen Pendler und Eingriffspunkt
ℓuLänge des Separators zwischen dem Kontaktpunkten an den Pendlerrollen
und dem TCP des Greifers
ℓZu Länge des Bahnmaterials in der Zuführung
ℓZP Strecke zwischen den Mittelpunkten von Zuführrollen und Pendler
λVorschubvariable des Separators
λ
˙Bahngeschwindigkeit des Separators bei Einlauf in die Baugruppe
λ
˙PostPendler Bahngeschwindigkeit des Separators nach dem Pendler
λsep Länge des Separators für einen Zellverbund
λFnPosition der Falte n entlang der Laufvariable des Separators
mNutzlast Masse der Nutzlast am Laufwagen
nAnzahl der betrachteten Falten
PAAblagepunkt für die jeweilige Seite
PA,L Ablagepunkt für die linke Seite
PA,R Ablagepunkt für die rechte Seite
PEEingriffspunkt auch Ursprung des 0, L und R Koordinatensysteme
PKB,M Mittelpunkt des Kreisbogens
PLPunkt auf der TCP Bahn eines Laufwagens des linken Transportsystems
PL,F
Fehlerbehaftete Position des TCP eines Laufwagens des linken
Transportsystems
PPMittelpunkt des Pendlers
PP,M Mittelpunkt der aktiven Rolle des Pendlers
PPo
Kontaktpunkt des Bahnmaterials an der aktiven Pendlerrolle oberhalb des
Mittelpunktes
PPo,K Kontaktpunkt des Separators am Pendler oben
VIII Tabellenverzeichnis
Variable Erklärung
PPu
Kontaktpunkt des Bahnmaterials an der aktiven Pendlerrolle unterhalb des
Mittelpunktes
PPu,K Kontaktpunkt des Separators am Pendler unten
PRPunkt auf der TCP Bahn eines Laufwagens des rechten Transportsystems
PUB,A Kontaktpunkt zwischen der Geraden und dem Übergangsbogen
PUB,E Kontaktpunkt zwischen der Übergangsbogen und dem Kreisbogen
PUB,M Mittelpunkt des Übergangsbogens
PZMittelpunkt des Zuführrollenpaares
PZ,K Kontaktpunkt des Bahnmaterials an der aktiven Zuführrolle
φPo
Winkel zwischen einer parallelen zur z-Achse des Z-Koordinatensystems und
ℓZP
φPu
Winkel zwischen einer parallelen zur z-Achse des Z-Koordinatensystems und
ℓPL
φZ
Winkel zwischen einer parallelen zur z-Achse des Z-Koordinatensystems und
ℓZP
qGi
Antriebskoordinate eines Greifers auf einem Transportwagen eines
Transportsystems
qGL
Antriebskoordinate eines Greifers auf einem Transportwagen des linken
Transportsystem
qGR
Antriebskoordinate eines Greifers auf einem Transportwagen des rechten
Transportsystem
qLAntriebskoordinate des linken Transportsystems im Faltungsbereich
qL,0Offset zwischen qLund qTL
qL,I Ende des Bereich I in qLsiehe Abbildung 3.4 S.37
qL,II Ende des Bereich II in qLsiehe Abbildung 3.4 S.37
qL,III Ende des Bereich III in qLsiehe Abbildung 3.4 S.37
qL,IV Ende des Bereich IV in qLsiehe Abbildung 3.4 S.37
qP
Antriebskoordinate des Pendlers entlang der Faltstrecke des rechten
Transportsystems
qP,SS Spitze Spitze Wert der Antriebskoordinate des Pendlers
qRAntriebskoordinate des rechten Transportsystems im Faltungsbereich
qR,0 Start des Bereich I in qRsiehe Abbildung 3.4 S.37
qR,I Ende des Bereich I in qRsiehe Abbildung 3.4 S.37
qR,II Ende des Bereich II in qRsiehe Abbildung 3.4 S.37
qR,III Ende des Bereich III in qRsiehe Abbildung 3.4 S.37
qR,IV Ende des Bereich IV in qRsiehe Abbildung 3.4 S.37
qR,0Offset zwischen qRund qTR
qTAntriebskoordinate des Transportsystems (allgemein)
qT,0
Offset zwischen zwischen internem und verwendetem Nullpunkt des
Transportsystems
qT,PosDiff Positionsabweichung des Laufwagen von der Sollposition
qTL interne Laufvariable des linken Transportsystems
qTR interne Laufvariable des rechten Transportsystems
rZRadius der Zuführsrollen
rPRadius der Pendlerrollen
rRolle Radius der Rollen
Tabellenverzeichnis IX
Variable Erklärung
σMSpannung im Separator durch Dehnung εn
σ1Spezifische Spannung des Separatos bei 0,05 %
σ2Spezifische Spannung des Separatos bei 0,25 %
θMSatz an Materialparametern
tZeit
tADauer der Verfahrbewegung der Anode
tSDauer der Verfahrbewegung des Separators
tKDauer der Verfahrbewegung der Kathode
tPPO Dauer der Herstellung einer Falte über Pick-and-Place Operation
tabt Abtastrate des Sensors
tan Ansprechzeit des Sensors
tEEinschwingdauer zum erreichen des Zielwertes
0
LTTransformationsmatrix vom L in das 0-Koordinatensystem
L
0TTransformationsmatrix vom 0 in das L-Koordinatensystem
0
RTTransformationsmatrix vom R in das 0-Koordinatensystem
R
0TTransformationsmatrix vom 0 in das R-Koordinatensystem
R
LTTransformationsmatrix vom L in das R-Koordinatensystem
L
RTTransformationsmatrix vom R in das L-Koordinatensystem
TPendler Periodendauer einer Pendlerbewegung
u(λ, t)Verschiebung des Separators als Funktion Separator und Zeit
u′(λ, t)Dehnung des Separators als Funktion von Separator und Zeit
vAGeschwindigkeit der Anodenzuführbewegung siehe Abbildung 2.4 S.11
vKGeschwindigkeit der Kathodenzuführbewegung siehe Abbildung 2.4 S.11
vSGeschwindigkeit der Separatorzuführbewegung siehe Abbildung 2.4 S.11
vVDurchschnittsgeschwindigkeit des Prozess siehe Abbildung 2.4 S.11
vLaufwagen Geschwindigkeit des Laufwagens entlang der Führung des Transportsystem
Lxx-Achse des L-Koordinatensystems
Rxx-Achse des R-Koordinatensystems
xKB,M x-Koordinate des Mittelpunktes des Kreisbogens
xLKoordinate in x-Richtung des L-Koordinatensystems
xRKoordinate in x-Richtung des R-Koordinatensystems
xUB,M x-Koordinate des Mittelpunktes des Übergangsbogens
∆xAÄnderung der Ausgangsgröße
∆xEÄnderung der Eingangsgröße
xDifferenz Wegdifferenz zwischen internem und externen Messsystem
xˆextSensor Messwert des externen Sensors
xUS Überschwingamplitude bei Anfahren einer Zielposition
xˆIG
Messwert des Sensors entlang des Koordinatensystems des Transportsystems
Z Ursprung des Z-Koordinatensystems
zKB,M z-Koordinate des Mittelpunktes des Kreisbogens
zLKoordinate in z-Richtung des L-Koordinatensystems
zRKoordinate in z-Richtung des R-Koordinatensystems
zUB,M z-Koordinate des Mittelpunktes des Übergangsbogens
Lzz-Achse des L-Koordinatensystems
Rzz-Achse des R-Koordinatensystems
1
1 Bedarf kontinuierlicher Verfahren
in der Zellverbundherstellung
Der Bedarf an Energiespeichern für die elektrifizierte Mobilität wird sich in Europa von 3
GWh
in 2015 auf voraussichtlich 30
−
150
GWh
in 2025 erhöhen [
Het-17
]. Bezogen auf die globale
Nachfrage prognostizieren Michaelis et al. einen Bedarf von 500
bis
700
GWh
[
Mic-18
].
Begründen lässt sich diese Entwicklung durch die immer strengeren Vorgaben zum Flotten-
CO2
-
Ausstoß seitens der Politik. Von daher ist zu erwarten, dass sich der Bedarf an Energiespeichern
weiter erhöht.
Um den Bedarf an Energiespeichern zu decken, ist ein signifikanter Ausbau der Produktions-
kapazitäten für Lithium-Ionen Batteriezellen notwendig. Einen Engpass bei der Produktion
stellt die Zellverbundherstellung dar [
Mic-18
]. Die Herausforderungen auf diesem Weg de-
klarieren Maiser et al. als so genannte Red Brick Walls, welche sie wiederum auf vier
Kernherausforderungen herunterbrechen: Qualitätssteigerung bei gleichzeitiger Kostensenkung,
Prozessstabilität, Nachhaltigkeit und Erhöhung des Produktionsdurchsatzes [Mai-14].
Sowohl die Qualitätssteigerung als auch die Prozessstabilität zielen auf eine Reduktion des
Produktionsausschusses und somit ebenso auf eine Erhöhung der Produktionskapazitäten bei
gleichzeitiger Verbesserung der ökologischen und ökonomischen Nachhaltigkeit. Eingefahrene
Fabriken erzeugen heutzutage
≈
10% an Ausschuss [
Bro-13
]. Darum ist das Potenzial dieser
Anstrengungen mit Bezug auf Produktionskapazitäten hier eher als gering einzuschätzen. Die
Nachhaltigkeit betrachtet den
CO2
-Fußabdruck der Zellproduktion und hat somit kaum einen
Einfluss auf die weltweit verfügbaren Produktionskapazitäten. Alleinig das Forschungsgebiet
Erhöhung des Produktionsdurchsatzes bietet aus produktionstechnischer Sicht die Chance, den
Engpass bei der Zellproduktion zu beheben.
Die Verfahren zur Herstellung des Zellverbunds, mit Ausnahme rundgewickelter Zellen, basieren
auf Zu- und Rückstellbewegungen. Für die Handhabungsprozesse kommen in der Anlage In-
dustrieroboter unterschiedlicher Bauarten, Linearmodule sowie Schwenkarme mit z-Achse zum
Einsatz [
Sch-15a
] [
Bac-17
]. Die Bewegungszeit ist insbesondere durch zwei Größen begrenzt:
die Trägheit der beweglichen Komponenten und Belastungsgrenze des Zellverbundmaterials.
Einerseits ist die Trägheit der Bewegungseinrichtungen nicht beliebig reduzierbar. Andererseits
limitiert die Belastungsgrenze des eingesetzten Zellverbundmaterials die maximale Beschleuni-
gung und Verfahrgeschwindigkeit während des Einsatzes der Greifer. Diese beiden Parameter
2 Bedarf kontinuierlicher Verfahren in der Zellverbundherstellung
in Kombination mit den etablierten Verfahrensführungen verhindern die Steigerung der Produk-
tionsgeschwindigkeit mit der vorhandenen Anlagentechnologie zur Deckung des Marktbedarfs.
Aus diesem Grund müssen neuartige Verfahren in der Zellverbundherstellung im Labor sowie im
Pilotlinienmaßstab erforscht werden, um diesen Engpass zu beheben [
Kwa-18
]. Viele Verfahren
in der Entwicklung bieten die Chance den Produktionsdurchsatz zu erhöhen. Bisher ließ sich
jedoch keines dieser Verfahren in einer Pilotlinie einsetzen aufgrund des niedrigen Reifegrades.
Für die Produktivitätssteigerung sind diskontinuierliche Verfahren uninteressant, da sie durch
physikalische Grenzen beschränkt sind und daher in dieser Arbeit nicht weiter betrachtet werden.
Bei den kontinuierlichen Verfahren hingegen ist das Potenzial beim Rundwickeln ausgeschöpft.
Selbst Flachwickeln ist in seinem Verfahren soweit optimiert, dass nur marginale Verbesserungen
zu erwarten sind. Aus diesem Grund werden die bisher bestehenden kontinuierlichen Verfahren
ausgeklammert.
Angesichts des Forschungsdefizits wird in der vorliegenden Arbeit ein neues Verfahren zur
kontinuierlichen Batteriezellproduktion vorgestellt. Vielversprechend ist der Ansatz aus dem
Patent von Glodde et. al. [
Glo-16
]. Für diese Idee, eingebettet in einem Gesamtsystem,
hat Bach in seiner Dissertation einen ersten Gestaltungsentwurf vorgeschlagen. Er prognosti-
ziert eine Verfahrensgeschwindigkeit von 1
,
4
m
/s
, was einer Produktivitätssteigerung gegenüber
dem Stand der Technik auf 460 % entspricht. Da dieses Verfahren bisher weder kinematisch
modelliert noch validiert wurde, setzt sich die vorliegende Arbeit zum Ziel, diese Lücke zu
schließen. Zudem soll die Frage beantwortet werden, um wie viel Prozent sich die Produktivität
gegenüber den bisher eingesetzten Verfahren steigern lässt.
Der Inhalt und Aufbau der Arbeit richtet sich nach dem Vorgehen für die Untersuchung neuer
Verfahren:
•Einordnung in den Stand der Technik und Ableitung der Anforderungen
•Kinematische Modellbildung
•Bestimmung der Fehlereinflüsse
•Bewertung und Untersuchung der Einzelkomponenten
•Entwicklung der Teilfunktionen und Anpassung des Gesamtkonzeptes
•Validierung
3
Beginnend mit der Einordnung des kontinuierlichen Verfahrens in die Batterietechnik im Kapitel
2, werden die unterschiedlichen Verfahren zur Zellherstellung vorgestellt. Darauf aufbauend wird
der Handlungsbedarf verdeutlicht und die Vorarbeiten zur kontinuierlichen z-Faltung dargelegt.
Im Mittelpunkt des dritten Kapitels steht die Systementwicklung zur kontinuierlichen z-Faltung.
Aufbauend auf den Vorarbeiten zu diesem Verfahren lassen sich Anforderungen ableiten und
Schwachstellen adressieren. Die Modellierung der Kinematik und die Fehleranalyse stecken den
Rahmen für die technische Umsetzung des Konzeptes ab. Experimente am Transportsystem
beantworten die Frage, wie gut sich das ausgewählte System für die Umsetzung eignet und
die Anforderungen an die Teilfunktionen werden definiert. Anhand der Ergebnisse lassen sich
erforderliche Teilfunktionen gestalten und die Steuerung auf Grundlage des kinematischen
Modells implementieren.
In Kapitel 4 wird das kinematische Modell in der Steuerung des Demonstrators analysiert und
die erreichte Performance untersucht. Erfasste Abweichungen werden dabei untersucht und
kompensiert. Abschließend werden die Ergebnisse erneut in das Fehlermodell übertragen, um
dort eine Aussage über die voraussichtliche Ablagegenauigkeit des Systems zu ermöglichen.
Zum Schluss sind in Kapitel 5 die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst und kritisch begut-
achtet.
4
2 Die Relevanz der kontinuierlichen
Batteriezellverbundherstellung
2.1 Begriffe und Definitionen
Die Begriffe im Umfeld der Lithium-Ionen Batteriezellen werden in der Industrie und Wissen-
schaft teilweise stark unterschiedlich geprägt. Daher wird hier eine Definition der Begriffe
eingeführt.
Eine
Zelle
besteht aus zwei Elektroden mit einem Elektrolyten, welche durch einem mikropo-
rösen Separator getrennt sind. Dabei muss in Primärzellen sowie Sekundärzellen unterschieden
werden. Primärzellen sind im Gegensatz zu Sekundärzellen nicht wieder aufladbar. Der Begriff
Batterie, welcher sich auf Primärzellen bezieht, wird dabei fälschlicherweise häufig Synonym
für Akkumulatoren verwendet.
Ein
Akkumulator
, kurz Akku, besteht aus einer oder mehreren miteinander verschalteten
Sekundärzellen. Diese können wiederum zur Kapazitätserhöhung parallel oder zur Spannungs-
erhöhung seriell verschaltet sein [
Pau-14
]. Zu mehreren zusammengefasst wird dieser Verbund
im Automobilsektor dann als Batteriemodul bezeichnet.
Batteriesysteme
wiederum besitzen
zusätzliche Komponenten wie Zell- und Modulverbinder, Batteriemanagement, Kühlung und
Gehäuse [Val-13].
Eine Batteriezelle besteht aus dem
Zellgehäuse
(ggf. mit Deckel, Überdruckventil, Dichtung),
den Ableitern und dem Zellkern. Der
Zellkern
besteht aus dem
Zellverbund
(Anoden,
Kathoden und Separatormaterial) sowie dem Elektrolyt. Der Zellverbund ist dabei prismatisch
gewickelt, rund gewickelt, gestapelt oder z-gefaltet realisiert [Kwa-18] [Rei-11].
Separatoren in der Lithium-Ionen-Batterietechnik sind ein- oder mehrschichtige biegeschlaffe
Materialien. Sie sind ionendurchlässig und werden nach Polymermembranen, Vliesmaterialien
oder laminierten Separatoren eingeteilt [
Sch-15a
]. Diese drei Gruppen unterschieden sich stark
in ihrem E-Modul (siehe Tabelle 3.2), welches ausschlaggebend für die maximal zulässige Bahn-
spannung während der Handhabung ist. Aufgrund ihrer geringen Materialstärke, üblicherweise
im Bereich unter 30
µm
, sind nur sehr geringe Zugspannungen bei der Handhabung dieser
Folien zulässig.
Herstellungsverfahren 5
Bei den polyolefinbasierten Separatoren sind, je nach Material, Dehnungen von 8 % bis 27 % er-
reichbar, während keramische Separatoren bei einer Dehnung zwischen 8 % bis 25 % vollständig
versagen [
Sch-15a
]. Je nach Separator liegen entsprechende Bahnspannungen bei gerade einmal
25 N. Da keramische und Tri-Layer-Separatoren trotz der geringen zulässigen Dehnung und
geringen maximalen Bahnspannung eine höhere Betriebssicherheit [
Zha-07
] erreichen, werden
diese als Grundlage für die weiteren Betrachtungen gewählt.
2.2 Herstellungsverfahren
Schmitt et al. klassifizieren Verfahren zur Herstellung des Elektrode-Separator-Verbunds
hinsichtlich der Materialbereitstellung des Separators und der Elektroden in diskrete sowie
kontinuierliche Verfahren [Sch-15a].
BACH hingegen klassifiziert diese Verfahren nach der geometrischen Anordnung des Separa-
tors in drei Bauweisen [
Bac-17
]: gewickelt, gefaltet und gestapelt. Diese Bauweisen sind in
Abbildung 2.1 dargestellt.
Bei den faltenden Verfahren betrachten Schmitt et al. die z-Faltung, welche erstmals
im Jahre 1984 von Savage [
Sav-84
] beschrieben, von Hong im Jahre 2002 patentiert, und
seitdem industriell weitestgehend durchgesetzt hat [
Man-18
] [
Red-13
]. Weiterführend existieren
auch Faltvarianten, welche intermittierend beschichtete, kontinuierliche Elektroden verarbeiten
[Red-96].
Michaelis et. al kategorisieren die Verbundbauweise Falten nicht, obwohl hier ein bandför-
miger Separator zum Einsatz kommt Anstelle einzelner Separatorblätter. Sie sehen das Falten
als Teilmenge des Stapelns an [
Mic-18
, S. 52]. Trotz dieser Kategorisierung von Michaelis
et. al wird bei den von Bach ausgeführten Zellverbundbauweisen verblieben. Bach definiert
die nachfolgenden Verbundbauweisen:
Die
gewickelte Verbundbauweise
ist ein spiralförmiger Strukturaufbau des Separators, wie
er durch das kontinuierliche Rotieren um eine Achse mit einem Rotationswinkel stets größer 180
°
entsteht. Der Strukturaufbau wird maßgeblich durch mindestens ein ununterbrochenes, den
gesamten Zellverbund einfassendes Separatorband gebildet, in welches das Elektrodenmaterial
eingewickelt ist. Die finale Gestalt des gewickelten Zellverbunds kann sowohl rund (zylindrisch)
als auch flach (prismatisch) sein. B-1
Die
gestapelte Verbundbauweise
ist ein stapelförmiger, ebener Strukturaufbau des Sepa-
rators, wie er durch das sequenzielle Stapeln einzelner Lagen entsteht. Sowohl das Separator-
6 Die Relevanz der kontinuierlichen Batteriezellverbundherstellung
als auch das Elektrodenmaterial liegen ausschließlich als konfektionierte, ebene Einzelblätter
vor und weisen an keiner Stelle des Strukturaufbaus eine Faltung auf. Die finale Gestalt des
gewickelten Zellverbunds ist flach und kann unterschiedliche zweidimensionale Geometrien
annehmen (prismatisch, rund, trapezförmig). B-1
Die
gefaltete Verbundbauweise
ist ein mäanderförmiger, ebener Strukturaufbau des Sepa-
rators, wie er durch ein sequentielles Falten mittels linearer Wirkbewegung oder Rotation mit
einem Rotationswinkel von maximal 180
°
entsteht. Der Strukturaufbau kann sowohl durch
mindestens ein ununterbrochenes, den gesamten Zellverbund einfassendes Separatorband als
auch durch konfektionierte Bandabschnitte gebildet werden, die mit mindestens einer Faltung
das Elektrodenmaterial umfassen. Die finale Gestalt des gewickelten Zellverbunds ist flach
(prismatisch). B-1
gewickelt gewickelt gestapelt
Separator
Kathode
Anode
Ableiter
Abbildung 2.1: Verbundbauweisen einer Lithium-Ionen Batteriezelle nach [Bac-17]
Diese Verbundbauweisen werden über unterschiedliche Verfahren hergestellt. Aus dem Stand der
Technik lassen sich die Verbundherstellungsverfahren Wickeln, mit Rundwickeln, Flachwickeln,
und Lagenwickeln, sowie Falten und Stapeln ableiten [Kwa-18] [Zae-14] [Ahn-16] [Pet-14].
Zum konventionellen Wickeln zählen
Rund- und Flachwickeln
. Beide Verfahren basieren
auf einer kontinuierlichen Rotation des Wickelkerns. Um diesen Kern werden die Ausgangsma-
terialien in vier Bahnen gewickelt (Separator, Anode, Separator, Kathode). Der Unterschied
beider Verfahren liegt allein in der Form des Wickelkerns: Beim Rundwickeln ist dieser ein
Zylinder, beim Flachwickeln ein flacher Quader.
Eine Sonderform des Wickelns ist das
Lagenwickeln
[
Che-12
]. Hier liegen Stapel aus Sepa-
rator und Elektrode auf einem Separatorband. Je nach Konfiguration dieser Stapel, wird von
sogenannten Bi- oder Trizellen gesprochen. Bei Bizellen sind die Stapel als dreilagiges Sandwich
aus Kathode - Separator - Anode aufgebaut. Bei Trizellen ist dieses Sandwich fünfschichtig.
Beim
Stapeln
wird der Elektrode-Separator-Verbund durch sequenzielles Handhaben und
Fügen hergestellt. Das
Falten
ist durch das gezielte Umformen eines bandförmigen Separators
durch lineare oder auch rotatorische Umformbewegungen charakterisiert. Dabei alterniert
Herstellungsverfahren 7
die Umformrichtung, sodass sich ein mäanderförmiger Strukturaufbau ergibt. Die Elektroden
werden in diesem Verfahren wechselseitig in die aufgezogenen Falten eingelegt.
Gefaltete oder gestapelte Elektrode-Separator-Verbünde, die diskrete Elektroden verwenden,
weisen im Vergleich zum gewickelten Elektrode-Separator-Verbund, die höchste volumetrische
und gravimetrische Energiedichte auf [
Kur-12
] [
Kam-14
] [
Kar-15
] [
Mic-18
] und werden bei
Pouchzellen sowie prismatischen Zellen eingesetzt. Gewickelte Zellverbünde finden wiederum
in der zylindrischen Zellen ihre Anwendung.
In automobilen Anwendungen werden unterschiedlichste Zellen eingesetzt. Das Unternehmen
Tesla setzt kleinformatige rundgewickelte 18650 sowie 21700 Zellen ein, die nur eine Kapazität
von wenigen
Ah
speichern können. Diese Zellen werden rundgewickelt, da sie sich so sehr
schnell, kostengünstig und in großer Zahl herstellen lassen. Die Kapazität dieser Zellen ist so
gering, dass eine Vielzahl zusammengeschaltet werden muss, um die benötigten Kapazitäten
zu erreichen.
Allgemein sind jedoch großformatige Batteriezellen in Form von Pouchzellen durch ihre gravime-
trisch und volumetrisch höhere Energiedichte von Vorteil. Gleichzeitig altern die Zellkernmate-
rialien durch die vorteilhaftere Verteilung der Wärme in der Zelle gleichmäßiger, was wiederum
eine längere Lebensdauer der Zellen zur Folge hat. Da sich die quaderförmigen Pouchzellen
besser stapeln lassen, ist die volumetrische Energiedichte höher, als bei rundgewickelten Zellen
[Mic-18].
Auf Grund der dargestellten Vorteile von großformatigen Zellen als Energiespeicher für die
elektrifizierte Mobilität, werden im weiteren Verlauf der Arbeit nun fokussiert die Fertigungs-
verfahren für diese betrachtet.
8 Die Relevanz der kontinuierlichen Batteriezellverbundherstellung
2.3 Industrielle Verfahren zur Herstellung
großformatiger Zellen
Im weiteren Verlauf der Arbeit werden die Verfahren für die Herstellung des Elektrode-Separator-
Verbundes beschrieben. Als Grundlage für die Beschreibung und Erläuterung dienen die Ver-
fahrensschritte, wie sie beim z-Falten nach Hong et al. durchlaufen werden [
Hon-02
]. In
Abbildung 2.2 ist im linken Bereich die prinzipielle Funktionsweise in schematischer Form so-
wie im rechten Teil der Abbildung eine industriell realisierte Form dargestellt. Der gesamte
Verfahrensablauf ist dort im unteren Teil als Ablaufdiagramm zu sehen.
Abbildung 2.2:
Verfahrensweise zum Aufbau eines z-gefalteten Elektrode-Separator-Verbundes
in Anlehnung an Mooy nach Hong (l.o.) und Manz (r.o.) [
Moo-19
] [
Hon-02
]
[Man-11]
Der sequenzielle Stapel- und Faltprozess beginnt mit Schritt
I
○
. Am Anfang dieses diskontinu-
ierlichen Verfahrens wird das Ende der Separatorbahn in der Faltvorrichtung (FV) fixiert. Das
Elektrodenmaterial wird in der Form von diskreten Elektroden in Magazinen bereitgestellt. In
Industrielle Verfahren zur Herstellung großformatiger Zellen 9
diesen Magazinen sind die Elektroden nicht definiert positioniert und orientiert, sodass sie vor
der finalen Ablage auf dem Separatormaterial justiert werden müssen.
Bei der Pick-Operation
a
○
wird die Anodenfolie aus dem Magazin entnommen. Die Elek-
trodenfolie wird über den im rechten Bereich der Abbildung markierten Bereich positioniert
und anschließend über ein Kamerasystem in seiner Absolutposition vermessen, um so einen
maximalen Flächenüberdeckungsgrad erreichen zu können [
Mai-14
]. Der Greifer gleicht den
Lagefehler der Elektrode aus und transportiert diese zur Ablageposition. Simultan erfolgt die
Faltenerzeugung. Bei diesem Vorgang muss Aufgrund der örtlichen Lage der Faltvorrichtung
das Separatormaterial erst aufgerollt und anschließend wieder abgerollt werden, wodurch der
sensitive Separator mehrere Beschleunigungsrampen durchläuft.
Die nachfolgende Operation ist die Place-Operation
b
○
, also das Ablegen und somit Fügen der
Anodenfolie mit dem Separator. Die abgelegte Elektrode wird anschließend von einem Nieder-
halter in ihrer Position fixiert und ihre Position optisch vermessen [
Mai-14
] [
Sch-15a
] [
Hei-16
].
Die so abgelegte und fixierte Anodenfolie wird durch lineares Verschieben der Faltvorrichtung
bei der Bewegung zum Kathodenablageort in einer Tasche eingefasst.
Analog folgt im Schritt
II
○
der dargestellte Vorgang teilweise zeitlich überlappend mit den
Schritten für die Aufnahme, Vermessung und anschließende Ablage der Kathodenfolie. Diese
Schritte werden wiederholt, bis die gewünschte Zellkapazität erreicht ist. Die letzte Elektroden-
folie wird von einer Separatorschicht abgedeckt, die Faltvorrichtung in die Entnahmeposition
verfahren sowie der in die Zelle eingebrachte Separator von der Separatorbahn getrennt. Nach-
folgend wird der so hergestellte Zellverbund mit dem verbleibenden Separator umwickelt und
durch Klebefolie in seiner Konfiguration gesichert. Anschließend beginnt der Prozess für die
nächste Zelle von vorn.
Für den Transport der Elektroden werden industriell unterschiedliche Greiftechnologien einge-
setzt, wie zum Beispiel Flächensauger, Bernoulli-Greifer, Punktsauger oder Ultraschallsauger
[
Sch-12
] [
Man-15
] [
ZS–17
] [
PEM-17
]. All diese Greifer funktionieren nach dem Prinzip der
Haftvermittlung über die beschichtete Oberfläche der Elektroden und sind somit nur in der Lage,
die Elektroden bis zu einer begrenzten Querbeschleunigung sicher und beschädigungsfrei zu
handhaben. Aufgrund der Oberflächensensitivität der Elektrodenfolien werden bevorzugt nicht
berührende Greifer verwendet, welche wiederum eine noch geringere Haftung zur Elektrode
aufweisen.
Mooy trägt im Rahmen seiner Dissertation eine Übersicht der Anlagen sowie ihrer Hersteller
für drei Zellkapazitäten zusammen [
Moo-19
, S. 15]. Aus dieser Darstellung geht hervor, dass
durch die Handhabung von kleinen Elektrodenfolien tendenziell schnellere Zykluszeiten erreicht
werden können. Wird die Darstellung angepasst, wie in Abbildung 2.3, zeigt sich, dass die
10 Die Relevanz der kontinuierlichen Batteriezellverbundherstellung
Produktivität von Anlagen für großformatige Zellen wesentlich höher liegt, als die der für
kleinere Zellkapazitäten von 20
Ah
. Keine der aufgeführten Anlagen ist jedoch in der Lage eine
Handhabungszeit von unter 1 Sekunde pro Falte zu erreichen.
Eine besonders interessante Anlage ist die von Jonas und Redmann Automation GmbH.
Gemäß Datenblatt wird eine Handhabungszeit pro Elektrodenfolie von
<
1
s
/Elektrodenfolie
bei
einer Ablagegenauigkeit von
±
0
,
3
mm
angegeben [
Red-18
]. Ohne Angaben zu den Abmes-
sungen der Elektrodenfolien für diese Anlage kann eine Produktivität in Amperestunden pro
Minute jedoch nur grob geschätzt werden. Aus den von Jonas und Redmann abgeschätz-
ten Elektrodenabmessungen im Bereich von ca. 150
mm
x100
mm
und der von Mooy für
seine Berechnungen zu Grunde gelegten spezifischen Flächenladung für Elektrodenfolien von
3,5mAh
/cm2, ergibt sich eine Produktivität von 27,4Ah
/min.
Unter der Annahme, dass die Anlage ohne signifikante Geschwindigkeitsreduktion ebenso
Elektroden nach [
DIN91252
] mit den Abmessungen von 165
mm
x227
mm
handhaben könnte,
ergäbe sich somit eine Produktivität von 57
,
2
Ah
/min
. Dieser Wert für die Anlage aus [
Red-18
]
wurde farblich abgehoben in die Darstellung nach Mooy aufgenommen, welche auf den Daten
von [
DGG-13
], [
Gee-16
], [
Gel-15
], [
Gre-17
], [
Hon-17
], [
Hon-18
], [
Joy-17
], [
Lea-13
], [
Nag-15
],
[Sup-17], [She-13], [TOB-15] und [Yin-17] basiert.
Produktivität in Ah
/min
Handhabungszeit in s
/Elektrode
[Red-18]
Abbildung 2.3:
Produktivität in Amperestunden pro Zeiteinheit von Maschinen und Anlagen
der z-faltenden Elektrode-Separator-Verbundherstellung nach [Moo-19]
Bach betrachtet in seiner Dissertation die Materialbewegungsprofile beim z-Falten nach Hong
[
Hon-02
]. In einer gemeinsamen Veröffentlichung mit Aydemir [
Ayd-17
] wurde der Zusam-
menhang dieser Bewegungsprofile für die Verfahrensschritte dargestellt. Die dort veröffentlichte
Darstellung ist in Abbildung 2.4 zu sehen.
Industrielle Verfahren zur Herstellung großformatiger Zellen 11
Abbildung 2.4: Zeitlicher Ablauf des konventionellen z-Faltens nach [Ayd-17]
Die Dauer des jeweiligen Montagevorgangs für die Elektroden
tPPO
besteht aus der Zeit für die
Elektrodenzuführbewegung
tA
bzw.
tK
und der Zeit für den Separator
tS
.
tS
ist hier vereinfacht
dargestellt und betrachtet nicht die nötigen Rückzug- und Vorschubbewegungen, welche mit
Bezug auf Abbildung 2.2 zu berücksichtigen sind.
Aus den während dieser Zeitspannen vorliegenden Materialgeschwindigkeiten lässt sich die
mittlere Materialvorschubgeschwindigkeit
vV
ermitteln. Der Mittelwert für die Handhabung
einer Elektrode von 1
,
6
s
/Falte
wurde von Mooy in seiner Recherche zum Stand der Technik für
Anlagen ermittelt, welche z-gefalteten Elektrode-Separator-Verbund herstellen [
Moo-19
]. Der
hier dargestellte, vollständig sequenzielle Bewegungsablauf aus Abbildung 2.4, entspricht im
weitesten Sinne der nicht optimierten z-Faltung nach [Hon-02].
Um die Zykluszeit zu reduzieren und damit die Produktivität der z-faltenden Herstellung von
Elektrode-Separator-Verbund zu steigern, werden unterschiedliche Pfade verfolgt. Ein Ansatz
dabei ist es, die mittlere Vorschubgeschwindigkeit zu erhöhen. Die dafür nötige Erhöhung der
wirkenden Beschleunigungen wird, aus Sicht der Handhabungsgeräte, durch eine Reduktion der
Massen und Trägheiten verfolgt, ist jedoch im Bereich der Elektrodenhandhabung durch die
zulässigen Beanspruchungen der oberflächensensitiven Elektrodenfolien und der verfügbaren
Greifertechnik begrenzt.
Analog ist durch den sehr dünnen Separator und die geringen zulässigen Zugkräfte ebenso hier
eine Steigerung der Verfahrensgeschwindigkeit nur mit hohem Aufwand möglich. Speziell unter
12 Die Relevanz der kontinuierlichen Batteriezellverbundherstellung
dem Gesichtspunkt der voranschreitenden Bestrebungen, die Dicke des Separatormaterials
weiter zu reduzieren. Ebenso werden neuartige Greifer eingesetzt, welche mit gesteigerter
Dynamik Haftung vermitteln und wieder lösen, bzw. bei höheren Querbeschleunigungen das
Elektrodenmaterial sicher bewegen können. Im Weiteren wird eine Reduktion der Zykluszeit
durch eine Parallelisierung der Prozesse, wie durch eine Vermessung der Elektrodenposition
auf dem Greifer während der Verfahrbewegung, erreicht.
Eine vollständige Parallelisierung der Handhabungs- und Fügebewegung der Elektrodenfolien
sowie Umformbewegung des Separators wird derzeit durch Manz und Jonas und Redmann
verfolgt [
Red-18
] [
Man-18
]. Bei all diesen Verfahren wird jedoch bei stehendem Separator
gefügt, wodurch die erreichbare maximale Verfahrengeschwindigkeit und somit Produktivität
schlussendlich durch die diskontinuierliche Bewegung des Separators begrenzt ist. Als weiterer
Ansatz ist noch die Bestrebung zu nennen, die Anzahl der nötigen Pick-and-Place-Operationen
pro Batteriezelle zu reduzieren. Eine Möglichkeit, das zu erreichen, ist die vorgelagerte Montage
von Bi-Zellen. Durch diesen Schritt wird die Produktivität, gemessen an den Elektrodenfolien
pro Minute sowie Amperestunden pro Minute, erhöht, die Verbundherstellung jedoch partiell
auf eine zweite Anlage ausgelagert und der Platzbedarf der Gesamtanlage dadurch signifikant
erhöht [Che-12].
Die beschriebenen Verfahren und Anstäze zur Fertigung von Batteriezellen fokussieren auf
die Faltenbildung bei stehendem Separatorvorschub. Bei diesen Verfahren ist eine Geschwin-
digkeitssteigerung kaum zu erwarten, solange sich die Stillstandzeiten nicht vermeiden lassen
(siehe Abbildung 2.4).
2.4 Forschung in der Produktionstechnik für
großformatige Zellen
Mooy gibt im Rahmen seiner Dissertation einen breiten Überblick über die wissenschaftliche
Forschung und trägt Forschungsprojekte sowie Forschungszentren in einer Übersicht zusammen
[
Moo-19
]. Dabei unterteilt Mooy die wissenschaftliche Forschung in die Weiterentwicklung
oder Konversion bestehender Verfahren und die Entwicklung neuer Verbundherstellungsverfah-
ren (siehe Abbildung 2.5). Da die begrenzte Geschwindigkeitssteigerung bestehender Verfahren
zur Verbundherstellung bereits dargelegt wurde, wird nun auf die in Abbildung 2.5 erfass-
ten Veröffentlichungen zum Thema der Verbundherstellung bei Lithium-Ionen Batteriezellen
eingegangen.
Forschung in der Produktionstechnik für großformatige Zellen 13
Abbildung 2.5: Vergleich von Verfahren zur Zellverbundherstellung nach [Moo-19]
In Abbildung 2.5 werden sieben Veröffentlichungen aufgeführt. Fleischer et al. betrachten,
wie sich unterschiedliche Greifprinzipien für die Handhabung biegeschlaffer Materialien eignen,
um einen Zellverbund herzustellen [Fle-12].
Stühm et al. betrachten das Elektrodenfolienhandling. Dazu entwickelten sie einen neuarti-
gen Bernoulli-Greifer [
Stu-14
], welcher die Folien berührungslos greift. Dabei tritt durch entlang
der Greiferoberfläche angeordnete Löcher Luft aus, welche über eine zweite Öffnung wieder
aufgenommen und abgeführt wird. Dadurch soll eine Kontamination im Prozess verhindert
werden.
Schmitt untersucht den Herstellungsprozess des Elektrode-Separator-Verbunds unter Ver-
wendung eines konventionellen z-Falters der Firma Jonas und Redmann. Er analysiert
und qualifiziert den Faltprozess für diese Anlage, wobei der Erkenntnisgewinn in der Charak-
terisierung, Etablierung und Optimierung des konventionellen z-Faltprozesses nach [
Hon-02
]
liegt.
14 Die Relevanz der kontinuierlichen Batteriezellverbundherstellung
Die vorgestellten Veröffentlichungen lassen nur eine inkrementelle Verbesserung erwarten. Die
erforderlichen Verbesserungen aus Sicht der Produktivitätssteigerung von Produktionsanlagen
zur Herstellung von Elektrode-Separator-Verbünden bleiben aus. Mit Bezug auf das Poten-
tial einer signifikanten Steigerung der Prozessgeschwindigkeit sollen nun als nächstes die in
Abbildung 2.5 dunkel hinterlegten Veröffentlichungen betrachtet werden.
Haag und Fleischer entwickelten ein Verbundherstellungsverfahren, welches auf die Ver-
wendung von bandförmigem Elektroden- und Separatormaterial setzt. Dieses Verfahren stellt
in Helix-Bauweise einen durch ein alternierendes Abrollen der Bandmaterialien erzeugten Zell-
verbund her [Haa-16].
In diesem Helix-Verfahren werden drei Lagen, bestehend aus zwei Separatorbahnen mit da-
zwischen liegender doppelseitig intermittierend beschichteten Anodenbahn auf der einen Be-
wegungseinrichtung, sowie einer einseitig intermittierend beschichteten Kathodenbahn auf der
zweiten Bewegungseinrichtung, eingesetzt. Die beiden Bewegungseinrichtungen sind dabei um
90
°
zueinander gedreht. Zur Herstellung des Elektrode-Separator-Verbunds werden die drei
Bahnen der ersten Bewegungseinrichtung auf der Faltvorrichtung fixiert.
Die Baugruppe, welche die Kathode bewegt, fährt über die Faltvorrichtung, um anschließend
ihre Bewegungsrichtung umzukehren und erneut über die Faltvorrichtung zu fahren, wodurch
quasi eine zweiseitig beschichtete Kathode auf der Faltvorrichtung platziert wird. Anschließend
verfährt die Anoden-Separator-Bewegungseinrichtung die Faltvorrichtung einmalig. Dieser
Prozess wird wiederholt, bis die gewünschte Zellkapazität erreicht ist.
Baumeister und Fleischer haben eine Systemkomponente zum Feinstanzen von Elek-
trodenmaterialien entwickelt (Cut-in-Place). In diesem Stanzwerkzeug ist ein Flächensauger
integriert, welcher die Elektrode im Anschluss an den Stanzvorgang fixiert und unterhalb der
Stanzebene ablegt [
Bau-14a
] [
Bau-14b
]. Diese Funktionsintegration ermöglicht eine sehr hohe
Ablagegenauigkeit der Elektrode. Das Verfahren wurde für große Elektroden verifiziert, wo-
bei eine theoretische Zykluszeit von unter 1 s für den unverketteten Vorgang erreicht werden
konnte.
Baumeister entwickelt in seiner Dissertation dieses Werkzeug weiter und integriert das von
Baumeister und Fleischer entwickelte Cut-In-Place Verfahren als Systemkomponente in
einem Demonstratoraufbau zur Verbundherstellung. Dieser Aufbau montiert einen Elektrode-
Separator-Verbund in Anlehnung an das Einzelblattstapeln. Der Stapeltisch verfährt auf einer
Linearachse zwischen den drei Modulen. Im Ergebnis steht ein validierter Demonstrator im
Technikumsmaßstab. Baumeister gibt an, dass der Demonstrator, trotz der einfachen ki-
nematischen Abläufe, dem Einzelverfahren in Hinblick auf die erreichte Geschwindigkeit um
Verfahrensgegenüberstellung 15
einiges nachsteht und nicht mehr die vorhergesagte, von der Industrie geforderte, Verfahrens-
geschwindigkeit erreicht [Bau-17].
Bach führt in seiner Dissertation eine umfangreiche Analyse des Stands der Technik durch,
bei welcher er bestehende Verbundherstellungsverfahren vergleicht. Im Kern des Ergebnisses
seiner Betrachtung steht die Erkenntnis, dass sequentielle Verfahren durch die nötigen Zu- und
Rückstellbewegungen inhärent produktivitätslimitierend sind. Dies folgert er auf Grund der
durch ihre inhärente Trägheit geschwindigkeitslimitierten Handhabungssysteme in Kombination
mit der eingesetzten Technik zur Qualitätssicherung. Basierend auf dieser Erkenntnis entwickelt
er im Rahmen seiner Dissertation das Konzept einer Anlage zur kontinuierlichen z-gefalteten
Zellverbundherstellung [
Bac-17
]. Die konzipierten Teilfunktionen sind dabei geprägt vom
Gedanken kontinuierlicher Bewegungsabläufe und der Abkehr von Zu- und Rückstellbewegungen
bei gleichzeitigem Verzicht auf Pick-and-Place Vorgänge. Das der Zellverbundherstellung zu
Grunde liegende patentierte Verfahren [
Glo-16
] bildet dabei den Kern der Anlage. Den Nachweis
einer technischen Machbarkeit erbringt er für die von ihm konzipierten Teilfunktionen jedoch
nicht.
2.5 Verfahrensgegenüberstellung
Verfahren Abkehr von kontinuierliche Integration von Reifegrad
Pick-and-Place Verfahrensführung Produktionsschritten
Haag und Fleischer 1
Baumeister 4
Bach 1
: Vollständig erfüllt, : Teilweise erfüllt, : kaum oder nicht erfüllt
Tabelle 2.1: Vergleich der neuartigen Verfahren zur Produktion von großformatigen Zellen
Durch eine Kombination der von Bach aufgestellten Paradigmen für eine produktivitätsge-
steigerte Zellproduktion und der Bewertung des Reifegrads nach Schindler durch Mooy, lässt
sich Tabelle 2.5 aufstellen. Aus dieser Tabelle geht hervor, dass alle drei Verfahren durch eine
Integration von Produktionsschritten eine Produktivitätssteigerung anstreben. Dabei ist auch
vorwiegend eine Abkehr von Pick-and-Place-Operationen zu erkennen. Im Falle von Baumeister
werden die ausgestanzten Komponenten weiterhin mit unterdruckbasierten Handhabungssys-
temen fixiert. Wird jedoch die Verfahrensführung betrachtet zeigt sich, dass sowohl Haag
und Fleischer als auch Baumeister weiterhin auf Zu- und Rückstellbewegungen in ihren
Verfahren setzen.
16 Die Relevanz der kontinuierlichen Batteriezellverbundherstellung
Verfahren, die auf Zu- und Rückstellbewegungen basieren, werden kaum in der Lage sein,
die Produktivität von kontinuierlichen Verfahren zu erreichen. Sie benötigen eine wesentlich
höhere Spitzengeschwindigkeit und signifikant höhere Beschleunigungen, um die gleiche mittlere
Verfahrensgeschwindigkeit zu erreichen. Das Verfahren von Baumeister ist am weitesten
entwickelt und führt damit das Forschungsfeld mit Bezug auf Technologiereife an. Die anderen
beiden Verfahren befinden sich auf der Ebene der Grundlagenforschung. Auch wenn beide
Verfahren noch Potenzial zur Verbesserung besitzen, ist hier für das Verfahren von Haag zu
erwarten, dass es wegen der eingesetzten Zu- und Rückstellbewegungen kaum in der Lage
sein wird, eine äquivalente Handhabungszeit von ca. 1 s zu erreichen, geschweige denn zu
unterschreiten.
Das von Glodde et. al. patentierte und technisch beschriebene Verfahren [
Glo-16
] und
das anschließend von Bach vorgestellte Konzept für eine Gesamtanlage, weisen ein hohes
Risiko durch das geringe TRL sowie den noch nicht vollständig erbrachten Nachweis der
technischen Machbarkeit auf. Dennoch hat es wegen der kontinuierlichen Verfahrensführung
großes Potenzial mit Bezug auf die erreichbare Verfahrensgeschwindigkeit und somit auf die
Produktivität.
Die Integrationsfähigkeit einer Anlage nach Bach ist als sehr hoch einzuschätzen, da sie
konfektionierte und magazinierte diskrete, beidseitig beschichtete Elektrodenfolien sowie Se-
paratorfolien als Endlosmaterial verwendet. So wäre es denkbar, die Konfektionierung und
Magazinierung durch von Baumeister und Fleischer entwickelte Baugruppen zu realisie-
ren und so eine kompakte, hochproduktive Gesamtanlage zu entwickeln. Wie zuvor dargestellt
besitzt dieses Verfahren das größte Potenzial, die Produktivität zellverbundherstellender An-
lagen signifikant zu steigern. Das in [
Bac-17
] vorgestellte Verfahren wird für die weitere
Betrachtung im Rahmen dieser Arbeit ausgewählt.
2.6 Vorarbeiten zur kontinuierlichen z-Faltung
In diesem Kapitel wird das Patent DEA102015108651 (A1) bzw. das europäische Patent EP
3304632 (B1) von Glodde et. al. erläutert, welches die Grundlage für diese Arbeit schafft.
Das Funktionsprinzip aus dem Patent wurde von Bach in seiner Dissertationsschrift aufgegriffen
und ein Gestaltungsentwurf für eine Gesamtanlage vorgestellt. In diesem Zusammenhang erfolgt
ebenso eine Vorstellung der Forschungsprojekte ProTrak 01MX12046 [
Pro-12
] und KontiBat
03VP01480 [
Kon-17
]. Nach einer Analyse dieser Vorarbeiten wird die Zielsetzung und das
Vorgehen im Rahmen dieser Arbeit abgeleitet.
Vorarbeiten zur kontinuierlichen z-Faltung 17
Diese Dissertation entstand im Rahmen der Aktivitäten zur kontinuierlichen Zellfertigung am
Fachgebiet ehemals Montagetechnik und Fabrikbetrieb, heute Montage- und Handhabungs-
technik des Instituts für Werkzeugmaschinen und Fabrikbetrieb der TU-Berlin. Die Aktivitäten
zu dieser Dissertation beginnen mit der Konzeptentwicklung zum Faltverfahren, welche in der
Patentanmeldung DEA102015108651 (A1) [
Glo-16
] beschrieben sind. Die Konzeptentwicklung
des Verfahrens wurde in [
Sch-15b
] vorgestellt. Weitergeführt wurden diese Tätigkeiten im
Rahmen der Projektbearbeitung des Projektes ProTrak sowie KontiBat.
Im Forschungsprojekt ProTrak (Produktionstechnik für die Herstellung von Lithium-Zellen)
wurde ein neuartiges Verfahren im Rahmen einer Versuchsträgerentwicklung zur kontinuierlichen
z-faltenden Verbundherstellung entwickelt. Das Funktionsprinzip ist in Abbildung 2.6 zu sehen.
ℓF
Transportsystem Greifer
Faltenablagebene
Laufwagen
ℓFS
Abbildung 2.6: Funktionsprinzip in der Patentschrift von Glodde et al. nach [Glo-16]
Die Abbildung zeigt zwei symmetrisch angeordnete Rechtecke, die um eine vertikale Achse
gespiegelt sind. Die beiden Rechtecke stehen für das Transportsystem, entlang dessen die
Laufwagen (Punkte) mit den Greifern (Striche an den Punkten) im Kreis umherlaufen. Die
Umlaufrichtung ist gegenläufig und in jedem Transportsystem in der Mitte des Rechtecks
eingezeichnet.
Der Separator wird von oben entlang der vertikalen Achse in das System eingeführt. Die
umlaufenden Greifer hintergreifen nun abwechselnd den Separator. Während die Greifer mit
dem Separator in Umlaufrichtung weiterfahren, ziehen sie eine Falte auf mit der Länge
ℓF
. Die
Faltenlänge bleibt im gesamten Prozess konstant.
Durch die gestrichelte horizontale Linie ist die Ablageebene angedeutet. Die Greifer fahren
entlang der Strecke
ℓFS
mit dem Separator und verlangsamen bis zur Ablageebene. Im Ablage-
18 Die Relevanz der kontinuierlichen Batteriezellverbundherstellung
punkt öffnen sich die Greifer und fahren über die äußeren Seiten des Transportsystems wieder
an den Anfang des Prozesses, wo sie erneut den Separator hintergreifen. Dieser Ablauf zeigt
die kontinuierliche Zuführung des Separators und die kontinuierliche Bewegung der Laufwagen.
Bach stellt in seiner Dissertation einen Gestaltungsentwurf für eine Gesamtanlage im Kon-
zeptstadium vor, welche auf dem vorgestelltem Prinzip basiert. Dieser Entwurf zeigt dabei
eine Anlage, welche aus diskreten Elektroden und rollenförmig bereitgestelltem Separator einen
endlosen, z-gefalteten Elektrode-Separator-Verbund herstellen soll. Der vollständige Gestal-
tungsentwurf ist in Abbildung B-1 im Anhang gezeigt. Abbildung 2.7 stellt hier ausschließlich
den Ausschnitt der
Faltung
dar. Die
Faltung
ist in Bachs Entwurf horizontal ausgerich-
tet. Die gezeigten Transportsysteme sind XTS-Systeme des Herstellers Beckhoff mit einer
umlaufenden Länge von ℓT,Umlauf = 2000 mm.
1
23
4
1 Warteposition
2 Hintergreifen
3 Falte aufziehen
4 Falte sichern
Abbildung 2.7:
Gestaltungsentwurf der Baugruppe Faltung zum Lösungskonzept nach Bach
[Bac-17]
Vorarbeiten zur kontinuierlichen z-Faltung 19
Zusätzlich zu der im Patent dargestellten Skizze sind am Eingang der Baugruppe zwei Trans-
portrollen dargestellt. Die beiden Rollen führen den Separator definiert in die Baugruppe hinein,
sodass dieser gleich dahinter von einem Greifer hintergriffen werden kann. Das Aufziehen
und Ablegen der Falten erfolgt anschließend durch die sich von der Mittelebene entfernenden
Greifer bis hin zur Faltenablageebenbe. Die Greifer sind als zwangsöffnende fremdaktuierte
Scherengreifer mit kurzen Faltengreifhaken abgebildet. Eine eingesetzte Druckfeder erzwingt
ein Öffnen des Greifers. Der Faltengreifhaken hintergreift den Separator nur wenige
mm
und
bietet so wenig Stabilität bei der Faltenführung. In der Faltenablageebene nimmt die Falten-
aufnahmevorrichtung (ein geschlitztes Band) die Falten auf und bewegt sich langsam mit dem
geklemmten Verbund aus der Baugruppe.
Eine Anlauframpe, welche am Transportsystem befestigt ist, aktuiert die Greifer. Diese Rampe
ist wiederum in drei Bereiche aufgeteilt: den Einlaufbereich kurz vor dem Eingriffspunkt, durch
welchen die Greifer geschlossen werden, den Haltebereich während der Faltstrecke, in dem
die Greifer geschlossen gehalten werden sowie den Öffnungsbereich im Übergabepunkt zum
Zellverbundgreifer, an welchem sich die Greifer öffnen.
In diesem Übergabepunkt übernehmen die Zellverbundgreifer die Falte und nehmen so den
z-gefalteten Endloszellverbund auf. Die Klemmelemente öffnen sich dabei durch den Umlenk-
bereich zu Beginn und am Ende der geraden Führungsstecke.
Zur Veranschaulichung des Separators mit den abwechselnd aufgebrachten Elektroden zeigt
die Abbildung 2.9 die wertschöpfende Aufgabe der Faltung.
Bach schließt seine Dissertation mit einem konzeptionell erarbeiteten Gestaltungsentwurf. Die-
ser von ihm dokumentierte Entwurf stellt dabei einen Zwischenentwicklungsstand des ProTrak
Projektes dar. Drei Baugruppen aus dem Gestaltungsentwurf sind im diesem Projekt als Kern-
komponenten des Entwurfs identifiziert und als drei Laborversuchsträger zum Mengenverändern,
Bewegen und Falten umgesetzt worden.
Im Nachfolgeprojekt KontiBat [
Kon-17
] (Validierung eines innovativen Verfahrens zur durch-
satzgesteigerten Herstellung von z-gefalteten Lithium-Ionen Batteriezellen durch eine konti-
nuierliche Verfahrensführung) wird untersucht, wie sich die in ProTrak [
Pro-17
] entwickelten
Laborversuchsträger zu einer Gesamtanlage entwickeln lassen.
Die Anlage aus KontiBat setzt diskrete Elektroden sowie bandförmigen Separator als Ausgangs-
materialien ein, welche innerhalb der Anlage zuerst zu einem Elektrode-Separator-Verbund
gefügt werden und als z-gefalteter Elektrode-Separator-Verbund die Anlage verlassen.
20 Die Relevanz der kontinuierlichen Batteriezellverbundherstellung
Druckfeder
Schwenkarm
Wirksystem
Wegbegrenzer
Laufwagen
Schwenkbewegung
Schwenkauslöser
Idealposition
der Falten
Elektroden-Separator-Verbund
FSchwenk
Abbildung 2.8:
Gestaltungsentwurf der Greifer der Baugruppe Faltung zum Lösungskonzept
nach Bach [Bac-17]
Abbildung 2.10 zeigt die aktuelle Anlagenarchitektur mit allen zehn Prozessbaugruppen: Sepa-
ratorzuführung,Fügen,Faltung und Zellhandhabung ebenso wie die, in zweifacher Ausführung,
jeweils einmal für die Anoden- sowie Kathodenseite dargestellten Prozessbaugruppen, Maga-
zinwechsel,Mengeverändern und Bewegen. In Separatorzuführung, am oberen linken Rand
der Abbildung, wird das Separatormaterial von der Rolle abgewickelt, bahnspannungsgeregelt
sowie die Bahnkante ausgerichtet.
Die Baugruppe Mengeverändern nimmt von einem Magazin die dort vorgehaltenen Elektroden.
Die Elektroden werden aus dem gestapelten Zustand im Stillstand in die Anlagengeschwindigkeit
beschleunigt. Die Baugruppe Magazinwechsel stellt dabei der Baugruppe Mengeverändern
Anode
Kathode
Separator
FaltenFalten-1 Falten-2
Faltenlänge lF
Vorschubrichtung
Abbildung 2.9: Schematische Darstellung des Elektrode-Separator-Verbunds (links ungefaltet,
rechts gefaltet)
Vorarbeiten zur kontinuierlichen z-Faltung 21
Legende:
Forschungsgegenstand des
Projektes ProTrak
Forschungsgegenstand
des Projektes KontiBAT
Fokus der vorliegenden
Dissertation
Kathodenfolie Anodenfolie Separatorband
Bewegungspfade
SEPARATORZUFÜHRUNG
BEWEGENBEWEGEN
FÜGEN
FALTUNG
MENGE-
VERÄNDERN
ZELLHANDHABUNG
MAGAZINWECHSEL MAGAZINWECHSEL
g
MENGE-
VERÄNDERN
Abbildung 2.10: Anlagenarchitektur des Projektes KontiBat
die mit Elektrodenfolien gefüllten Magazine bereit. In der Baugruppe Bewegen werden die
Elektroden im Transport ausgerichtet und zur Baugruppe Fügen transportiert. Der quasi endlose
Separator wird zusammen mit den Elektroden der Prozessbaugruppe Fügen zugeführt. Diese
Baugruppe erhält von den links sowie rechts in der Abbildung angeordneten Baugruppenpaaren
die Elektroden, welche sie mit dem Separator fügt. Der so gefügte Elektrode-Separator-Verbund
wird der Baugruppe Faltung zugeführt.
Der Baugruppe Faltung wird von der vorgelagerten Baugruppe ein quasi endloser Elektrode-
Separator-Verbund zugeführt. Dieser Verbund besteht aus
n
Kathoden und
n
+ 1 Anoden,
welche wechselseitig mit dem Separator gefügt sind. Den Elektroden folgt ein Abschnitt
des Separators, an dem keine Elektroden geklebt sind. Mit diesem Abschnitt wird später
der Zellverbund umwickelt. Durch die Baugruppe wird dieser Verbund zu einem z-gefalteten
Elektrode-Separator-Verbund überführt, auf dem Falttisch abgelegt und von einem Verbund-
sicherungssystem fixiert. Abschließend wird der so erzeugte Stapel durch die nachfolgende
Baugruppe abgeführt und ein weiterer Falttisch der Baugruppe bereitgestellt.
22 Die Relevanz der kontinuierlichen Batteriezellverbundherstellung
Der für die Baugruppe Faltung ausgewählte Gestaltungsentwurf wird von Bach auf konzep-
tioneller Ebene beschrieben [
Bac-17
]. Bach setzt in dieser Baugruppe, wie auch im Patent
[
Glo-16
] konzipiert, auf den Einsatz eines neuartigen linearen und zugleich umlaufenden Trans-
portsystems, welches er aus Datenblättern auswählt. Kritisch ist an dieser Stelle zu sehen, dass
die Untersuchung zur Machbarkeit aussteht.
Gerade diese Baugruppe bildet den innovativen Kern des Anlagenkonzepts zur produktivitäts-
gesteigerten kontinuierlichen z-Faltung. Im Wesentlichen wird hier auf ein neues und von
Glodde, Bach, Mooy und Aydemir [
Glo-16
] patentiertes Verfahren gesetzt, welches
durch die Abkehr von Zu- und Rückstellbewegungen eine signifikante Produktivitätssteigerung
bei der Zellverbundherstellung verspricht. In Kombination mit der von Kwade et al. erwähn-
ten vorgelagerten Laminierung der Elektroden mit dem Endlosseparator [
Kwa-18
] wäre diese
Baugruppe auch ohne erfolgreiche Validierung der vorgelagerten Baugruppen ein Verfahren,
welches in industriell etablierte Anlagen integriert werden kann und somit die Produktivität
signifikant steigern könnte. Eine erste Validierung der vorgelagerten Baugruppen wurde durch
Mooy im Rahmen seiner Dissertation durchgeführt [Moo-19].
Angenommen, dabei wird eine von Bach definierte [
Bac-17
] Anlagengeschwindigkeit von
1400
mm
/s
erreicht. Mit Elektrodenabmessungen nach [
DIN91252
] von 330
mm
x162
mm
ergibt
sich eine Produktivität von 392
,
9
Ah
/min
. Das entspricht einer Steigerung der Produktivität auf
≈400% gegenüber dem von Bach ermittelten Stand der Technik.
2.7 Bedarf an kontinuierlichen Verfahren
Die derzeit industriell etablierten Verfahren zur Herstellung von Elektrode-Separator-Verbünden
in gefalteter oder gestapelter Form sind nicht kontinuierliche Verfahren und basieren auf pro-
duktivitätslimitierenden Pick-and-Place-Bewegungen bei gleichzeitigem Einsatz von Zu- und
Rückstellbewegungen weitestgehend in direkter Anlehnung an das Verfahren von Hong et al.
[
Hon-02
] [
Man-11
] [
Man-18
] [
Red-13
] [
Red-18
]. Bei diesen diskontinuierlichen Verfahren ist
die erreichbare mittlere Verfahrensgeschwindigkeit stark limitiert. Einerseits kostet die Umkehr
der Bewegungsrichtung Zeit, andererseits findet das Fügen der Elektroden mit dem Separator
im Stillstand statt. Verfahren wie das Helix-Verfahren von Haag umgehen die Problemstellung
des Pick-and-Place, behalten jedoch ein zu- und rückstellungsbasiertes Bewegungsprofil bei
[Haa-16].
Der Forschungsansatz von Baumeister et al. scheint als alleinstehender Prozess vielver-
sprechend. Jedoch gelang es ihm nicht im Rahmen seiner Dissertation, die im Einzelverfahren
erreichten Geschwindigkeiten mit dem Demonstrator zu erreichen [
Bau-14b
] [
Bau-14a
] [
Bau-17
].
Bedarf an kontinuierlichen Verfahren 23
Auch wenn die von Baumeister dargelegten Ursachen für die Diskrepanz zwischen Einzel-
prozessgeschwindigkeit und erreichter Demonstratorgeschwindigkeit beseitigt werden, erscheint
ein Erreichen der Einzelprozessgeschwindigkeit unter Verwendung der diskontinuierlichen Ver-
fahrensführung wenig aussichtsreich.
Allgemein liegt die diskontinuierliche Verfahrensführung weiterhin im Fokus der Forschung,
wodurch nur eine begrenzte Steigerung der Produktivität zu erwarten ist. Das vom Deutschen
Industrieverband angestrebte Ziel von deutlich unter 1
s
/Falte
erscheint kaum erreichbar, solange
weiterhin Verfahren betrachtet werden, die auf Zu- und Rückstellbewegungen basieren.
Die kontinuierliche Verfahrensweise fand bereits 2012 erste Beachtung. Forschungsprojekte
und Patente von Bidian et al. sowie der Daimler AG [
Bid-12a
] [
Bid-12b
] [
Bid-12c
]
[
Bid-12d
] griffen die Idee der ununterbrochenen Verfahrensführung auf. Jedoch wird auch hier
im Abschlussbericht nur von einem zumindest teilweise kontinuierlichen Ablauf gesprochen
[
AG-12
] und der Entwicklungsstand dieser Betrachtungen als Teil einer Konzeptentwicklung
bezeichnet. Nach Projektabschluss wurden auch die Fertigungskapazitäten der LiTec eingestellt
und veräußert [
Sor-15
]. Ein Einsatz dieses Ansatzes einer kontinuierlichen Verfahrensführung
erscheint derzeit rein spekulativ.
Nach aktuellem Stand der Publikationen erscheint der Gestaltungsentwurf von Bach, auf
Grundlage des Patents [
Glo-16
], als Basis für eine kontinuierliche Verfahrensweise z-gefalteter
Elektrode-Separator-Verbünde ein vielversprechender Ansatz. Um den industriellen Einsatz die-
ses Verfahrens zu ermöglichen, ist eine Durchdringung, Weiterentwicklung und experimentelle
Untersuchung des Lösungsansatzes erforderlich, um mit diesem das Ziel einer Handhabungszeit
von wesentlich unter 1s
/Falte zu erreichen.
Durch die Analyse publizierter Verfahren in der Forschung sowie etablierter industrieller An-
lagentechnik wurde aufgezeigt, dass erforderliche Stillstände in der Verfahrensführung, welche
die erreichbare durchschnittliche Verfahrensgeschwindigkeit signifikant limitieren, weiterhin
bestehen bleiben. Auch die Forschungsansätze zum Helix-Verfahren von Haag sowie dem
Cut-In-Place von Baumeister und Fleischer erreichen kaum die geforderten Geschwin-
digkeiten, weil sie weiterhin die Bewegungsführung mit Stillstandphasen unterbrechen. Wird der
rein sequenzielle Ablauf auf einen parallelen umgestellt, erscheint eine Produktivitätssteigerung
im angestrebten Korridor von unter 1
s
/Falte
erreichbar. Das Verfahren von Glodde et. al.
[
Glo-16
] bietet durch den Einsatz einer kontinuierlichen Verfahrensführung das Potenzial, den
gewünschten Korridor zu erreichen.
24
3 Systementwicklung zur
kontinuierlichen z-Faltung
Um ein Systemverständnis für das Verfahren zu schaffen, wird in diesem Kapitel zunächst eine
Anforderungsanalyse durchgeführt. Anschließend werden besondere Herausforderungen, die
über den Gestaltungsentwurf hinausgehen, dargestellt. Basierend auf der Analyse folgt die Auf-
stellung eines kinematisches Modells für die kontinuierliche z-Faltung. Aus den beschreibenden
Gleichungen lassen sich die Anforderungen an die Unterbaugruppen und Wirkzusammenhänge
sowie für die Teilfunktionen ableiten. Eine systematische Konzeption der Teilkomponenten
erfolgt auf dieser Grundlage. Experimentelle Untersuchungen an dem Transportsystem bilden
den letzten Schritt vor der Entwicklung und Implementierung der Steuerungsarchitektur.
3.1 Anforderungen und Randbedingungen
Da für den in Kapitel 2.4 eingeführten Prozess bisher kaum Untersuchungen im Bereich der
Kinematik durchgeführt wurden, müssen zuerst die Anforderungen und Randbedingungen an
den Prozess erfasst werden. Im Gegensatz zu konventionellen Prozessen mit bandförmigen
Materialien ist hier eine Synchronisierung mehrerer kinematisch gekoppelter Antriebe während
der Bewegung erforderlich, woraus eine gesteigerte Komplexität für die Modellierung entsteht.
Der Faltung vorgelagert werden die Elektroden mit dem Separatormaterial wechselseitig gefügt.
Dieser Verbund wird abwechselnd von den Greifern hintergriffen. Zwischen dem Hintergriff
und der Ablage wird die Falte durch das System bahnspannungsgerecht in die Ablageebene
geführt. Dabei wird das Material in Form eines
Z
gefaltet. In der Ablage angekommen wird
der Hintergriff gelöst und der Laufwagen fährt entlang des Transportsystems weiter in Richtung
eines Wartepunktes, um von dort anschließend den Prozess von Neuem zu beginnen.
In der Abbildung 3.1 werden zwei Probleme in der Bewegungsführung dargestellt und in rot her-
vorgehoben, die sich bei näherer Analyse des vorgestellten Gestaltungsentwurfs ergeben. In der
Abbildung ist dabei der Separator zu sehen, wie er wechselseitig von den Greifern hintergriffen
wird. Die Bahnen der Tool Center Points (TCP) der Greifer sind in Form gestrichelter Linien
abgebildet. Im oberen Bereich ist ein Laufwagen mit Greifer hervorgehoben. Dieser Greifer
kann mit seinem TCP den Separator nicht hintergreifen, solange die beiden Führungsrollen
statisch aufgehängt sind. Die Separatorbahn verläuft zum Eingriffszeitpunkt entlang der rot
Anforderungen und Randbedingungen 25
hervorgehobenen Linie und schneidet sich nicht mit der Bahn des TCP. Die Lösung zu dieser
Problematik wird im weiteren Verlauf der Arbeit als Pendler referenziert.
Im unteren Bereich der Abbildung 3.1 ist eine weitere Problemstellung dargestellt. Die beiden
Greifer, welche sich in der Faltebene befinden, sowie der letzte im Eingriff befindliche Greifer
auf dem rechten der beiden Umlaufsysteme, in rot hervorgehoben, bilden ein gleichschenkliges
Dreieck. Um die Randbedingung der konstanten Faltenlänge
ℓF
und somit Aufrechterhaltung der
Bahnspannung einhalten zu können, muss der Endeffektor des letzten im Eingriff befindlichen
Greifers einen Kreisbogen beschreiben und nicht eine Gerade. Die Lösung zu diesem Problem
wird im weiteren Verlauf der Arbeit als Kurvenelement referenziert.
Führungsrollenpaar
Bahn der Tool Center Points
Separatorbahn fehlerbehaftet
Separatorbahn korrekt
Laufwagen mit Greifer
Faltebene
Kurvenelement
ℓF
Abbildung 3.1: Darstellung der Anpassungen am Gestaltungsentwurfs von Bach
Basierend auf der Prozessbeschreibung sowie Analyse des Gestaltungsentwurfs lassen sich
die folgenden Randbedingungen und Annahmen formulieren. Einige dieser Punkte werden
anschließend kurz diskutiert.
Vorgehen und Annahmen
•
Der Prozess wird unter Verwendung von analytisch lösbaren Gleichungssystemen beschrie-
ben.
•Der Aufbau des Systems ist achsensymmetrisch.
26 Systementwicklung zur kontinuierlichen z-Faltung
•
Alle Prozesse in der Baugruppe werden als eine Funktion von dem Vorschub des Separators
beschrieben.
•Das kinematische Modell wird basierend auf der Bahn des TCP aufgestellt.
•Die Faltenlänge ℓFist konstant.
•Der Prozess verläuft ab dem Start des Prozesses periodisch.
•
Das gefaltete Material wird in der Ablageebene einer nachfolgenden Baugruppe übergeben,
durch welche die Verbundsicherung übernommen wird.
•
Die Bahnführung des Separators am Eingang der Baugruppe erfolgt durch ein bewegliches
Rollenpaar.
•
Die Bahnspannung im Bereich vor dem Ablagepunkt wird durch einen Kreisbogen aufrecht
erhalten.
•Vor dem Kreisbogen wird ein Übergangsbogen eingeführt.
•Die Prozessführung erfolgt vertikal.
Alle Prozesse in der Baugruppe werden als eine Funktion von dem Vorschub des Separators
beschrieben
Wird das Modell abhängig von nur einer Variablen aufgestellt, lässt sich das gesamte System
zu jedem Zeitpunkt eindeutig beschreiben. Gleichzeitig ermöglicht diese zentrale Variable eine
exakte Beschreibung aller kinematischen Komponenten zu jedem Zeitpunkt und verhindert so
die Fehlerverkettung durch relative Angaben.
Das kinematische Modell wird basierend auf der Bahn des TCP aufgestellt
Die Positionen der TCP (und indirekt der Laufwagen) werden immer als Kombination aus
vorlaufendem und nachlaufendem Laufwagen gesehen. Diese Beschreibung wird im Rahmen
der Modellherleitung mit dem linken Transportsystem, als dem nachlaufenden, und dem rechten
Transportsystem, als vorlaufendem, dargestellt.
Die Faltenlänge ℓFist konstant
Um die erfassten Bedingungen einzuhalten, lassen sich die Bahnen der TCP des rechten und
linken Systems aus zwei Bereichen beschreiben. Der erste Bereich ist dabei eine Gerade und
der zweite ein Kreisbogen. Aus der Kombination dieser beiden Bereiche ist es möglich, die
Anforderungen und Randbedingungen 27
Annahme des konstanten Abstands zwischen den Endeffektoren über die gesamte Faltstrecke
einzuhalten.
Der Prozess verläuft ab dem Start des Prozesses periodisch
Das bedeutet, dass immer wechselseitig neue Falten aufgezogen werden, auch wenn zu diesem
Zeitpunkt keine Elektroden auf dem Separator gefügt sind. Mit dem leer gefaltetem Material
wird im späteren Prozess der Zellverbund umwickelt und gesichert.
Die Bahnspannung im Bereich vor dem Ablagepunkt wird durch einen Kreisbogen aufrecht
erhalten
Das Einbringen des Kreisbogens ermöglicht die Aufrechterhaltung der Bahnspannung im Bereich
vor dem Ablagepunkt
PE
. Der Greifer muss aus diesem Grund eine Freiheit aufweisen. Die
Wahl eines Kreises erleichtert eine analytische Beschreibung der Bewegung.
Vor dem Kreisbogen wird ein Übergangsbogen eingeführt
Der direkte Übergang von der Geraden in den Kreisbogen würde zu einer Überhöhung der
Beschleunigung an dieser Stelle führen. Um die Beschleunigung an diesem Übergang zu
reduzieren, wird ein Übergangsbogen eingeführt. Für diesen Übergang können unterschiedliche
Bahnformen gewählt werden. Es wird eine Form gesucht, welche die Bahn stetig fortsetzt und
sich zudem einfach analytisch beschreiben lässt. Die einfachste Form ist hier ein Kreisbogen.
Dieser schließt stetig an die Gerade und den Kreisbogen an, ist in der resultierenden Gesamtbahn
jedoch nicht krümmungsstetig. Eine Möglichkeit die Krümmungsstetigkeit zu erreichen, wäre die
Verwendung einer Spline. Eine analytische Lösung wäre dann jedoch wesentlich komplizierter.
Aufgrund des großen Radius des Kreisbogens von
ℓF
ist der Einfluss der nicht gegebenen
Krümmungsstetigkeit für eine Anlage des gegebenen TRL jedoch akzeptabel.
Die Prozessführung erfolgt vertikal
Eine horizontale Prozessführung bedingt eine hängende sowie eine auf dem Separator auflie-
gende Elektrode. Aufgrund der geringen zulässigen Beanspruchungen für den Separator ist
eine horizontale Verfahrensführung nicht vorteilhaft. Dies folgt im Weiteren aus ersten Unter-
suchungen, die einen nicht zu vernachlässigenden Unterschied im Verhalten der Greifsysteme
sowie Transportsystem bei horizontaler Prozessführung zeigten. Ebenso ist aus regelungstech-
nischer Sicht diese Variante zu vermeiden, da auf die beiden Transportsysteme die Schwerkraft
unterschiedlich stark wirkt und somit jeweils separat betrachtet und ausgeregelt werden müsste.
Annahmen und Vereinfachungen für die Modellbildung
•
Der Spalt zwischen den Rollen der Zuführung und des Pendlers ist vernachlässigbar klein.
•Die einzelnen Falten werden als starre Körper angenommen.
28 Systementwicklung zur kontinuierlichen z-Faltung
•Das System wird als ebenes Problem betrachtet.
•Der Separator verrutscht während der Handhabung nicht.
•Die TCP der Greifer werden als idealisierte Griffpunkte angenommen.
•
Der Laufwagen auf dem rechten Transportsystem läuft dem auf dem linken System
voraus.
•
Der Aufbau des Verfahrens ist spiegelsymmetrisch zur Ebene des einlaufenden Bahnma-
terials.
•Der Faltenabstand auf dem Separator ist konstant.
•Die Radien des Übergangsbogens und Kreisbogens sind gleich.
•Das Bewegungsprofil des Pendlers ist sinusförmig
Es werden zwei Umlaufsysteme mit jeweils einer umlaufenden Länge von
ℓT,Umlauf
= 2500
mm
eingesetzt. Das Umlaufsystem besteht dabei aus sechs Geradenmodulen sowie zwei Klothoi-
denmodulen. Eine Klothoide ist eine Kurve, deren Krümmungswinkel sich proportional zur
Länge ändert. Die Krümmung der Kurve ist dabei eine stetige Funktion. Die Klothoidenmodule
haben eine Umlauflänge von 500 mm, während die Geradenmodule jeweils 250 mm lang sind.
Voruntersuchungen haben gezeigt, dass ein geringerer Öffnungswinkel
α
den Positionierungs-
fehler der Laufwagen reduziert. Außerdem ist eine Beruhigungsstrecke nach dem Ende der
Klothoide nötig, um eine korrekte Positionierung des Laufwagens gegenüber der Faltposition
am ungefalteten Elektrode-Separator-Verbund sicherzustellen. Diese Erkenntnisse basieren auf
Versuchen, welche in Kapitel 3.4 näher erläutert werden.
Die Faltstrecke wird zu
ℓFS
= 650
mm
definiert. Diese Definition leitet sich aus den Versuchser-
gebnissen aus Kapitel 3.4.2 sowie konstruktiven Anforderungen ab. Mit Hilfe der Faltenlänge des
Separators
ℓF
, die hier konkret aus den Anforderungen des Projektes KontiBat mit
ℓF
= 304
mm
angenommen wird, lässt sich der Neigungswinkel der beiden Umlaufsysteme zueinander über
trigonometrische Zusammenhänge berechnen.
Zur Vereinfachung wird auf beiden Faltstrecken jeweils nur ein Laufwagen betrachtet. Basierend
auf der Achsensymmetrie des Verfahrens können alle aufgestellten Beziehungen jeweils für den
nächsten vorlaufenden Laufwagen verwendet werden. Das Verhalten für mehrere Laufwagen
lässt sich entsprechend ableiten. Der Beginn der Faltstrecke wird dabei basierend auf Ergebnis-
Bestimmung der kinematikrelevanten Separatorkennwerte 29
sen der Untersuchungen in Kapitel 3.4 um 50
mm
gegenüber dem Ende des Klothoidenmoduls
verschoben.
Die Bewegung des Pendlers wird als sinusförmig definiert. Der Pendler durchläuft für zwei
Faltenlängen
ℓF
eine volle Periode und befindet sich jeweils zum Zeitpunkt des Eingriffs in
Endlage. Die Verwendung des Cosinus führt zu einer ruckfreien Bewegung.
3.1.1 Bestimmung der kinematikrelevanten Separatorkennwerte
Um den Zusammenhang zwischen der Positionsabweichung des Laufwagens
qT,PosDiff
und
Spannung
σ
bzw. Zugkraft in Bahnrichtung
F
auf den Separator zu finden, muss das Verhalten
des Separators unter Zugbeanspruchung bekannt sein. Da die Datenblätter der Hersteller keine
entsprechenden Angaben enthalten [
Cel-18a
] [
Cel-18b
] [
Lit-16
], müssen Zugversuche an den
diesen Separatoren durchgeführt werden. Es ist also ein Zusammenhang der Form
F=f(ε, θM)(3.1)
gesucht. Dabei fasst
θM
einen Satz an Materialparametern des Separators zusammen und
ε
beschreibt die Dehnung des Separatormaterials. Die verwendeten Separatoren, sowie ihre
Eigenschaften, sind in Tabelle (3.1) zusammengetragen. Die Spannungs-Dehnungs-Diagramme
Separator Materialstärke in µmMaterial
Celgard H2013 20 Trilayer PE/PP/PE
Celgard PP2068 20 Monolayer PP
Separion S240P30 28 keramisch beschichtete PET-Folie
Tabelle 3.1: Eigenschaften der im Zugversuch untersuchten Separatoren
für drei unterschiedliche Separatoren sind in Abbildung 3.2 dargestellt. Bei dem Separator
Celgard H2013 handelt es sich um einen Shut-Down-Separator, welcher auch als Trilayer
bezeichnet wird. Der Graph des Separators steigt im Spannungs-Dehnungs-Diagramm relativ
steil an, bevor er bei
≈
20% reißt. Die Steigung vom Monolayer Celgard PP2068 ist die
geringste der drei Separatoren. Dieses Verhalten liegt begründet in dem elastischen Verhalten
von Polypropylen (PP). Der Separator Separion S240P30 besteht aus einem Verbund aus
Polyethylenterephthalat (PET) und einer keramischen Beschichtung. Im Spannungs-Dehnungs-
Diagramm ist der hohe Anstieg der Spannung bei geringer Dehnung zu sehen. Bereits bei einer
Dehnung von
≈
4% reißt der Separator. Dieses Verhalten ist typisch für Keramiken. Sie sind sehr
spröde und halten bereits kleinen Dehnungen kaum stand. Für kleine Dehnungen ∆
ℓ <<
5 %,
wie sie im Betrieb zu erwarten sind, ist bei allen Separatoren ein linearer Zusammenhang
zwischen Spannung und Dehnung zu erkennen. Basierend darauf werden mit dem Hookeschen
30 Systementwicklung zur kontinuierlichen z-Faltung
Abbildung 3.2: Spannungs-Dehnungs-Diagramm verschiedener Separatoren
Materialgesetz die Zusammenhänge beschrieben. Gemäß Schmitt sind bei Separatoren bereits
ab einer Dehnung von ca. ∆
ℓ≈
5 % Beschädigungen der Struktur zu erkennen, welche die
Zellperformance negativ beeinflussen [Sch-15a].
F=E·A·u′(λ, t),(3.2)
wobei u(λ, t)die Verschiebung und u′(λ, t)die Dehnung εbeschreibt.
Aus der Gleichung (3.2) geht hervor, dass das E-Modul
E
, die Querschnittsfläche
A
und
die Dehnung
ε
einen Einfluss auf die Kraft haben. Die Dehnung
ε
ist dabei das Verhältnis
zwischen der Längenänderung ∆
l
und der ursprünglichen Länge
l0
. Das E-Modul
E
und die
Längenänderung ∆lsind als verbleibende Größen noch unbekannt.
Um das E-Modul aus den ermittelten Werten zu bestimmen, wird die DIN 527 verwendet. Die
Norm beschreibt, wie sich Zugeigenschaften von Kunststoffen bestimmen lassen. Anhand der
Spannungswerte bei den Dehnungen
ε1
= 0
,
05 % und
ε2
= 0
,
25 % lässt sich das E-Modul mit
der Gleichung (3.3) berechnen [DIN5271, S.21].
E=σ2−σ1
ε2−ε1
(3.3)
Für die drei Separatoren sind die bestimmen E-Module in Tabelle (3.2) zusammengetragen.
Der Separator Separion S240P30 hat das höchste E-Modul von
E
= 3119
,
7
MPa
, da die
Bestimmung der kinematikrelevanten Separatorkennwerte 31
Separator E-Modul [MPa]
Celgard H2013 1894,3
Celgard PP2068 55,1
Separion S240P30 3119,7
Tabelle 3.2: Berechnetes E-Modul aus den Ergebnissen der Zugversuche
keramische Beschichtung einen sehr großen Einfluss auf die Steifigkeit des Materials hat. Der
Monolayer Celgard PP2068 hingegen ist der Separator mit dem geringsten E-Modul von nur
E= 55,1 MPa .
In weiteren Berechnungen wird mit dem E-Modul von Celgard H2013 gerechnet. Dieser gehört
zur Gruppe der Trilayer Shut-Down-Separatoren. Diese Separatoren können den Ionenfluss
zwischen den Elektroden unterbrechen, sobald die Zelle eine kritische Temperatur erreicht.
Erhitzt sich die Zelle, schmilzt die dafür vorgesehene Schicht im Separator und senkt damit
seine Permeabilität. Das bedeutet, dass entweder bei alten oder beschädigten Zellen die
Wahrscheinlichkeit für einen thermal runaway stark reduziert wird. Beim thermal runaway
erhitzt sich die Zelle und kann anfangen zu brennen oder sogar explodieren. Aufgrund dieser
Eigenschaft bietet diese Separatorart einen Vorzug in der Zellsicherheit [Ore-12].
Die zweite Unbekannte aus Gleichung (3.2) ist die Längenänderung ∆
ℓ
. Um diese zu bestim-
men, wird die Gleichung nach ∆
ℓ
umgestellt und das E-Modul
E
und die Abmessungen zur
Bestimmung der Querschnittsfläche für den Separator Celgard H2013 eingesetzt. Für die Breite
des Separators wird der Wert b= 129 mm gewählt.
F=E·A·∆ℓ
ℓ0
(3.4)
⇔∆ℓ=ℓ0
E·A·F(3.5)
⇒∆ℓ=304 mm
1894,3N
mm2·(0,020 mm ·129 mm) ·F(3.6)
⇒∆ℓ≈0,0622 ·F(3.7)
32 Systementwicklung zur kontinuierlichen z-Faltung
3.2 Kinematische Modellbildung
In diesem Abschnitt wird ein kinematisches Modell zur kontinuierlichen z-Faltung nach Glodde
et al. [
Glo-16
] entwickelt. Hier soll ein analytisches Modell für die Kinematik gefunden
werden, welches sich später direkt in einer SPS implementieren lässt. Dazu wurde zunächst
der Gestaltungsentwurf von Bach untersucht und anschließend die Randbedingungen und
Annahmen festgelegt. Basierend auf diesen wird ein kinematisches Modell hergeleitet, bei dem
alle Bewegungen des Systems von einer zentralen Größe, dem Vorschub des Separatormaterials,
abhängig beschrieben werden können. Zu diesem Zweck erfolgt eine bereichsweise Herleitung
und Definition von Übergangsbedingungen zwischen den Bereichen. Eine weitere Aufteilung
des Modells in den Bereich der Faltstrecke sowie den vorgelagerten Bereich des Pendlers wird
dabei zusätzlich vorgenommen. Die Faltstrecke beschreibt den Bereich nach dem Eingriffspunkt
während der vor diesem Punkt dem Pendler zugeordnet wird. Eine Darstellung der Bereiche
kann Abbildung 3.3 entnommen werden. Der Eingriffspunkt ist in dieser Abbildung mit dem
Ursprung des Koordinatensystems 0gekennzeichnet. Das Modell wird dabei in einer Form
hergeleitet, die es erlaubt, flexibel auf geometrische Änderungen zu reagieren. Durch analytische
Lösungen für die Gleichungen ist das Modell auf speicherprogrammierbaren Steuerungen in
Echtzeit lauffähig und ermöglicht so eine direkte Integration des Modells. Weiterhin wird das
Modell um eine Koordinatentransformation der Größen aus lokalen Koordinatensystemen auf
Weltkoordinaten erweitert.
Modellentwicklung für die Faltstrecke 33
3.2.1 Modellentwicklung für die Faltstrecke
In diesem Abschnitt wird das kinematische Modell für die Faltstrecke aufgestellt. Dabei werden
die Annahmen und Festlegungen aus Kapitel 3.1 verwendet. Als Führungsgröße dient dabei
die Position
qL
des nachlaufenden Laufwagens. Dabei wird die Grundlage für die Bahnpla-
nung der Laufwagen in der Steuerung geschaffen sowie eine Möglichkeit, den Einfluss von
Ungenauigkeiten der Laufwagen-Positionierung auf die Spannung des Separators zu beurteilen.
In Abbildung 3.3 sind die Eingriffspunkte
PL
und
PR
markiert, wobei L für das linke Umlauf-
system und R für das rechte Umlaufsystem steht. Die Verbindung zwischen den Punkten als
starr angenommen. In diesem Fall besitzt das System nur eine Freiheit und die Position beider
Eingriffspunkte kann in Abhängigkeit einer Variable beschrieben werden. Dabei gilt folgende
Randbedingung:
Als erster Schritt wird der Öffnungswinkel
α
aus den zwei bekannten Größen
ℓF
sowie
ℓFS
berechnet.
α= 2 ·arcsin( ℓF
2·ℓFS
).(3.8)
Aus den gegebenen Größen ergibt sich αzu:
α≈27,047 ◦.(3.9)
In Abbildung 3.3 sind die Eingriffspunkte
PL
und
PR
markiert, wobei L für das linke Umlaufsys-
tem und R für das rechte Umlaufsystem steht. Die Verbindung zwischen den Punkten ist als
starr angenommen. In diesem Fall besitzt das System nur eine Freiheit und die Position beider
Eingriffspunkte kann in Abhängigkeit einer Variable beschrieben werden. Dabei gilt folgende
Randbedingung:
ℓF=|PLPR|, mit ℓF
!
=const. (3.10)
(3.11)
Die lokalen Koordinatensysteme, welche den Ursprung im Eingriffspunkt haben, sind jeweils par-
allel zum linken sowie rechten Transportsystem ausgerichtet. Das lokale Koordinatensystem auf
der linken Seite wird als L-Koordinatensystem und das Koordinatensystem auf der rechten Seite
als R-Koordinatensystem bezeichnet. Zusätzlich zu diesen beiden lokalen Koordinatensyste-
men wird ein drittes Koordinatensystem, das Weltkoordinatensystem (’0’-Koordinatensystem),
eingeführt. Der Ursprung dieses Koordinatensystems liegt ebenso im Eingriffspunkt PE.
34 Systementwicklung zur kontinuierlichen z-Faltung
α
LxRx
LzRz
0x
0z
ℓF
qR,0
ℓFS
qL,0
hZ
hP
qP
PL
PR
λ
qTL qTR
0
Zuführungsrollen
Pendlerrollen
Transportsystem links
qR
qL
C
C
PUB,E
Übergangs-
bogen
Kreis-
bogen
PA
PUB,A
PR
qGR
qGL
Abbildung 3.3: Skizze der kinematisch relevanten Größen im Faltsystem
Modellentwicklung für die Faltstrecke 35
In der Abbildung 3.3 sind alle drei Koordinatensysteme dargestellt. Mit Hilfe einer Koordinaten-
transformation ist es möglich, auf eine Veränderung der Position der Koordinatensysteme zuein-
ander zu reagieren, wie es zum Beispiel bei der Veränderung der Faltenlänge oder Faltstrecke der
Fall wäre. Die Koordinaten lassen sich mit Hilfe einer entsprechenden Transformationsmatrix
umrechnen, um die lokalen Koordinaten im 0-Koordinatensystem auszudrücken.
Die entsprechenden Transformationsmatrizen ergeben sich zu:
0
LT=[︄cos(α
2)−sin(α
2)
sin(α
2) cos(α
2)]︄(3.12)
L
0T=[︄cos(α
2) sin(α
2)
−sin(α
2) cos(α
2)]︄(3.13)
0
RT=[︄cos(α
2)−sin(α
2)
−sin(α
2)−cos(α
2)]︄(3.14)
R
0T=[︄cos(α
2)−sin(α
2)
−sin(α
2)−cos(α
2)]︄(3.15)
R
LT=[︄cos(α)−sin(α)
−sin(α)−cos(α)]︄(3.16)
L
RT=[︄cos(α)−sin(α)
−sin(α)−cos(α)]︄(3.17)
Die Variable
qT
gibt die Position des Laufwagens entlang der Transportsysteme an. Die
Positionen der Laufwagen werden in der Faltung mit
qL
für das linke sowie
qR
für das rechte
Transportsystem bezeichnet. Zusätzlich wird durch eine weitere Antriebskoordinate
qGimit i
=
L,R die Höhe des Endeffektors beschrieben.
Die Ursprünge der Laufvariablen
qTL
und
qTR
bezeichnen die Nullpunkte des internen umlau-
fenden Koordinatensystems der Transportsysteme. Das Offset
qT,0
beschreibt wiederum den
Zusammenhang zwischen der Antriebskoordinate des Transportsystems sowie der Antriebsko-
ordinate entlang der Faltstrecke
ℓFS
. Der Wert von
qL
sowie
qR
im Eingriffspunkt
PE
. ist somit
0.
qT,0≡qR,0=qL,0
qR=qTR −qR,0(3.18)
qL=qTL −qL,0(3.19)
36 Systementwicklung zur kontinuierlichen z-Faltung
Die TCP der Greifer der Laufwagen lassen sich in den lokalen Koordinatensystemen über die
folgenden Gleichungen beschreiben:
LPL=(︄xL
zL)︄(3.20)
RPR=(︄xR
zR)︄(3.21)
Um nun die die Anforderung aus Gleichung (3.11) umsetzen zu können, müssen die Punkte
im Weltkoordinatensystem ausgedrückt werden. Unter Verwendung von Gleichung (3.12) und
(3.14) ergibt sich:
0PL=0
LT·LPL=[︄cos(α
2)−sin(α
2)
sin(α
2) cos(α
2)]︄·(︄xL
zL)︄
=(︄xL·cos(α
2)−zL·sin(α
2)
xL·sin(α
2) + zL·cos(α
2))︄(3.22)
0PR=0
RT·RPR=[︄cos(α
2)−sin(α
2)
−sin(α
2)−cos(α
2)]︄·(︄xR
zR)︄
=(︄xR·cos(α
2)−zR·sin(α
2)
−xR·sin(α
2)−zR·cos(α
2))︄(3.23)
Nun kann die Strecke zwisichen PRund PLberechnet werden:
0PRPL=0PL−0PR=(︄xL·cos(α
2)−zL·sin(α
2)−xR·cos(α
2) + zR·sin(α
2)
xL·sin(α
2) + zL·cos(α
2) + xR·sin(α
2) + zR·cos(α
2))︄(3.24)
=(︄cos(α
2)·(xL−xR) + sin(α
2)·(zR−zL)
sin(α
2)·(xL+xR) + cos(α
2)·(zL+zR))︄(3.25)
Die so erhalte Gleichung für |PRPL|kann nun in Gleichung (3.11) eingesetzt werden.
ℓ2
F=(cos(α
2)·(xL−xR) + sin(α
2)·(zR−zL))2
+ (sin(α
2)·(xL+xR) + cos(α
2)·(zL+zR))2(3.26)
Mit Gleichung (3.26) ist nun der Zusammenhang zwischen den TCP der an der Falte beteiligten
Laufwagen bekannt.
Modellentwicklung für die Faltstrecke 37
3.2.1.1 Bereichseinteilung der Faltung
Für die Herleitung des kinematischen Modells für die Faltstrecke ist es erforderlich, die Falt-
strecke in Bereiche zu unterteilen. Abbildung 3.4 stellt die Unterteilung der Faltstrecke in vier
Bereiche dar. Diese Aufteilung ist aufgrund der Kurvenelementproblematik erforderlich. Die
Bereiche geben die Bewegungsbahnkombinationen der TCP wieder.
Bereich I
beschreibt die
LxRx
LzRz
qR,IV
I
II
III
IV
qL
qL,I
qL,II
qL,III
qL,IV
qR,0
0x
0z
qR,II
qR,III
qR,I
qR
PE
qGR
qGL
PL
PR
Abbildung 3.4:
Bereichseinteilung für die kinematische Modellbildung mit überproportionaler
Darstellung der Übergangs- und Kreisbogens
Beziehung von
qL
und
qR
, wenn sich beide Punkte auf der Geraden befinden. Der
Bereich
II
beschreibt die Beziehung, wenn ein Punkt auf der Geraden und ein Punkt auf dem Über-
gangsbogen ist. Der
Bereich III
beschreibt den Zusammenhang, wenn sich ein Punkt auf
der Geraden und der andere Punkt auf dem Kreisbogen befindet. Im
Bereich IV
wird der
Zusammenhang von
qL
und
qR
gesucht, wenn ein Punkt auf dem Übergangsbogen und der
38 Systementwicklung zur kontinuierlichen z-Faltung
andere auf dem Kreisbogen ist. In Tabelle 3.3 findet sich eine zusammenfassende Darstellung
der Aufteilung.
Bereich Laufwagen qLLaufwagen qR
I Gerade Gerade
II Gerade Übergangsbogen
III Gerade Kreisbogen
IV Übergangsbogen Kreisbogen
Tabelle 3.3:
Zusammenfassende Auflistung der Laufwagenpositionen in den jeweiligen Berei-
chen
3.2.1.2 Bereich I
Ziel in diesem Abschnitt ist es,
qR
über
qL
zu beschreiben. Als Grenzen für diesen Bereich
gelten
qL
(
qL,0
) = 0 und
qL
(
qL,I
).
qL
(
qL,I
)ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt und muss
im späteren Verlauf bestimmt werden. Da beide TCP der Laufwagen sich in diesem Bereich
auf der Geraden befinden, ist
qGL
(
qL
) =
qGR
(
qR
)=0. Dieser Bereich ist in Abbildung 3.5
dargestellt.
Mit zL=zR= 0 ergibt sich für ℓ2
F:
ℓ2
F= cos2(α
2)·(xL−xR)2+ sin2(α
2)·(xL+xR)2
=x2
L·cos2(α
2)−2·xL·xRcos2(α
2) + x2
R·cos2(α
2)
+x2
L·sin2(α
2)+2·xL·xR·sin2(α
2) + x2
R·sin2(α
2)
=x2
L·(cos2(α
2) + sin2(α
2)) −2·xL·xR·(cos2(α
2)−sin2(α
2))
+x2
R·(cos2(α
2) + sin2(α
2))
=x2
L+x2
R−2·xL·xR·cos(α)(3.27)
Anschließend wird diese Gleichung nach xRaufgelöst.
0 =x2
R−xR·(2 ·xL·cos(α)) + x2
L−ℓ2
F(3.28)
⇒xR1,2 =xL·cos(α)±√︂x2
L·cos2(α)−x2
L+ℓ2
F(3.29)
Modellentwicklung für die Faltstrecke 39
LxRx
LzRz
I
qL
qL,I
qR,0
0x
0z0
qR,I
qR
PL
PR
Abbildung 3.5: Kinematik Bereich I
Da der Laufwagen auf dem rechten Transportsystem vorausläuft, ist die Größere der beiden
Lösungen der Gleichung korrekt.
xR=xL·cos(α) + √︂x2
L·cos2(α)−x2
L+ℓ2
F(3.30)
Aus der Definition der Antriebe sowie Koordinatensysteme kann nun für Gleichung (3.30)
xL
durch qLsowie xRdurch qRersetzt werden.
qR=qL·cos(α) + √︂q2
L·cos2(α)−q2
L+ℓ2
F(3.31)
40 Systementwicklung zur kontinuierlichen z-Faltung
Die so erhaltene Gleichung beschreibt
qR
in Abhängigkeit von
qL
und ist somit der in diesem
Abschnitt gesuchte Zusammenhang. Aus der Gleichung (3.31) kann durch einsetzen von
qL
= 0
qR,0 bestimmt werden.
qR,0 = 304 mm
3.2.1.3 Bereich II
Ziel in diesem Abschnitt ist es ebenso
qR
(
qL
)zu beschreiben. Als Grenzen für diesen Bereich
gelten
qL
(
qL,I
)und
qL
(
qL,II
). Beide sind zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt und müssen
bestimmt werden. Der TCP des linken Laufwagens befindet sich in diesem Bereich auf der
Geraden, womit
qGL
(
qL
)=0ist. Der TCP des rechten Laufwagens befindet sich in diesem
Bereich auf dem Übergangsbogen. Dieser Bereich ist in Abbildung 3.6 zu sehen.
Um die Kinematik für Bereich II herzuleiten, muss die Gleichung für den Übergangsbogen
bestimmt werden. Dabei ist der Abstand des Mittelpunktes des Übergangsbogen in x-Richtung
im R-Koordinatensystem bekannt, da der Übergangsbogen die Gerade durch den Eingriffspunkt
tangiert und beträgt somit den Wert ℓF.
RPUB,M =(︄xR
ℓF)︄(3.32)
Der Mittelpunkt vom Kreisbogen PKB,M ist bekannt und kann in R beschrieben werden.
RPKB,M =(︄ℓFS ·cos(α)
−ℓFS ·sin(α))︄(3.33)
Die Radien der beiden Kreise über dem Kreisbogen und Übergangsbogen sind bekannt. Da
sich beide Kreise in nur einem Punkt schneiden, gilt für den Abstand:
2·ℓF=|PUB,MPKB,M|
2·ℓF=√︁(xUB,M −xKB,M)2+ (zUB,M −zKB,M)2.(3.34)
Durch umstellen dieser Gleichung nach xUB,M erhält man folgenden Term.
Modellentwicklung für die Faltstrecke 41
LxRx
LzRz
II
qL
qL,I
qL,II
0x
0z0
qR,II
qR,I
qR
PL
PR
PUB,M
PKB,M
Abbildung 3.6: Kinematik Bereich II
xUB,M =xKB,M ±√︂4·ℓ2
F−(zUB,M −zKB,M)2(3.35)
Da der Übergangsbogen vor dem Kreisbogen liegt, folgt
xUB,M ≤xKB,M
. Damit ergibt sich
xUB,M zu
xUB,M =xKB,M −√︂4·ℓ2
F−(zUB,M −zKB,M)2.(3.36)
Durch einsetzen der Bekannten Punkte kann xUB,M berechnet werden.
42 Systementwicklung zur kontinuierlichen z-Faltung
xUB,M =ℓFS ·cos(α)−√︂4·ℓ2
F−(ℓF+ℓFS ·sin(α))2(3.37)
Der Kreismittelpunkt des Übergangsbogens ergibt sich zu:
RPUB,M =(︄ℓFS ·cos(α)−√︁4·ℓ2
F−(ℓF+ℓFS ·sin(α))2
ℓF)︄.(3.38)
xUB,M
entspricht
qR,I
, da an dieser Stelle der TCP von der Geraden auf den Übergangsbogen
übergeht.
qR,I ≈478 mm
Aus Gleichung (3.37) ist nun der Übergang
qL,I
ermittelbar. Dieser kann durch Einsetzen in
Gleichung(3.28) und anschließendes auflösen nach xLermittelt werden.
qL,I ≈213 mm
Die Kreisgleichungen für den Übergangsbogen sowie den Kreisbogen im R-Koordinatensystem
ergeben sich zu:
Allg.: r2=(x−xM)+(z−zM)(3.39)
UB: ℓ2
F=(xR−ℓFS ·cos(α)−√︂4·ℓ2
F−(ℓF+ℓFS ·sin(α))2)2+ (zR−ℓF)2(3.40)
KB: ℓ2
F=(xR−ℓFS ·cos(α))2+ (zR−(−ℓFS ·sin(α)))2
ℓ2
F=(xR−ℓFS ·cos(α))2+ (zR+ℓFS ·sin(α)))2.(3.41)
Um
qR
in Abhängigkeit von
qL
zu beschreiben, muss nun die Gleichung (3.40) nach
zR
umgestellt
werden.
Modellentwicklung für die Faltstrecke 43
ℓ2
F=(xR−ℓFS ·cos(α))2+ (zR−(−ℓFS ·sin(α)))2
⇔ℓ2
F=x2
R−2·xR·xUB,M +x2
UB,M +z2
R−2·zR·zUB,M +z2
UB,M (3.42)
→zR1,2 =zUB,M ±√︂−xR+ 2 ·xR·xUB,M +ℓ2
F(3.43)
Aus der Bedingung, dass zR≤zUB,M ist, kann die korrekte Lösung ausgewählt werden.
zR=zUB,M −√︂−x2
R+ 2 ·xR·xUB,M −x2
UB,M +ℓ2
F(3.44)
Nun muss Gleichung (3.38) in Gleichung (3.44) eingesetzt werden.
zR=ℓF−√︂−x2
R+ 2 ·xR·xUB,M −ℓF−ℓ2
FS ·cos(2 ·α)+3·ℓ2
F−2·ℓFS ·(cos(α) + ℓF·sin(α))
(3.45)
mit xUB,M =ℓFS ·cos(α)−√︂4·ℓ2
F−(ℓF+ℓFS ·sin(α))2
Gleichung (3.45) entspricht qGR, wodurch dies ebenso bekannt ist.
qGR =ℓF−√︂−q2
R+ 2 ·qR·xUB,M −ℓF−ℓ2
FS ·cos(2 ·α)+3·ℓ2
F−2·ℓFS ·(cos(α) + ℓF·sin(α))
(3.46)
mit xUB,M =ℓFS ·cos(α)−√︂4·ℓ2
F−(ℓF+ℓFS ·sin(α))2
Durch Einsetzen von Gleichung (3.45) und
zL
= 0 in Gleichung (3.26), ist nun der gesuchte
Zusammenhang bekannt.
qR,II = cos(α
2)·(ℓFS ·cos(α
2)−ℓF·sin(ϵKB)) −sin(α
2)·(1
2·(ℓF−ℓKBUBz)) (3.47)
Da nun die gesuchte Beziehung bekannt ist, müssen die fehlenden Bereichsgrenzen bestimmt
werden. Um den Kontaktpunkt der Kreise zu bestimmen und damit den Übergang von Bereich
II nach Bereich III, wird der Punkt RPUB,M im 0-Koordinatensystem ausgedrückt.
44 Systementwicklung zur kontinuierlichen z-Faltung
0PUB,M =0
RT·RPUB,M
=[︄cos(α
2)−sin(α
2)
−sin(α
2)−cos(α
2)]︄·RPUB,M
=[︄cos(α
2)−sin(α
2)
−sin(α
2)−cos(α
2)]︄·(︄ℓFS ·cos(α)−√︁4·ℓ2
F−(ℓF+ℓFS ·sin(α))2
ℓF)︄(3.48)
Lx
Lz
PE
Rz
ℓFS
α
ϵKB
ℓF
ℓF
PKB,M
0z
0x
PUB,A
PUB,E
PUB,M
ℓKBUBz
ℓFS
Abbildung 3.7: Geometrische Bestimmung von RPUB,E
Über die in Abbildung (3.7) dargestellten geometrischen Beziehungen lässt sich
RPUB,E
aus
ℓKBUBz
sowie
ϵKB
bestimmen. Um
ℓKBUBz
zu berechnen, wird die z-Komponente des zuvor ins
0-Koordinatensystem transformierten Punktes 0PUB,M benötigt. ℓKBUBz ergibt sich zu:
Modellentwicklung für die Faltstrecke 45
ℓKBUBz =1
2·ℓF+ (ℓFS ·cos(α)−√︂4·ℓ2
F−(ℓF+ℓFS ·sin(α))2)·sin(α
2+ℓF·cos(α
2))
(3.49)
Somit lässt sich ϵKB bestimmen über:
ϵKB = arccos(ℓKBUBz
2·ℓF
)(3.50)
RPUB,E ist somit bekannt über:
0PUB,E =(︄ℓFS ·cos(α
2)−ℓF·ϵKB
1
2·ℓF−ℓKBUBz
2)︄(3.51)
Transformiert in das R-Koordinatensystem ergibt sich:
RPUB,E =R
0T·0PUB,E
=(︄cos(α
2)·(ℓFS ·cos(α
2)−ℓF·sin(ϵKB)) −sin(α
2)·(1
2·(ℓF−ℓKBUBz))
−sin(α
2)·(ℓFS ·cos(α
2)−ℓF·sin(ϵKB)) −cos(α
2)·(1
2·(ℓF−ℓKBUBz)))︄(3.52)
Der Übergang von Bereich II nach Bereich III entspricht der x-Komponente von RPUB,E.
3.2.1.4 Bereich III
Analog zu Bereich I und Bereich II ist das Ziel,
qR
in Abhängigkeit von
qL
zu beschreiben. Als
Grenzen für diesen Bereich gelten
qL
(
qL,II
)und
qL
(
qL,III
). Beide sind zu diesem Zeitpunkt noch
nicht bekannt und müssen bestimmt werden. Der TCP des linken Laufwagens befindet sich
in diesem Bereich auf der Geraden, womit
qGL
(
qL
)=0gilt. Der TCP des rechten Laufwagens
befindet sich in diesem Bereich auf dem Kreisbogen. Dieser Bereich ist in Abbildung 3.8
dargestellt.
Da sich der rechte Laufwagen auf dem Kreisbogen bewegt, muss die Komponente
zR
aus
Gleichung (3.26) entsprechend eingesetzt werden. Dies wird über die Verwendung der Kreisglei-
chung des Kreisbogens (3.41) unter Verwendung des Kreibogenmittelpunktes (3.33) gemacht.
46 Systementwicklung zur kontinuierlichen z-Faltung
LxRx
LzRz
III
qL
qL,II
qL,III
0x
0z0
qR,II
qR,III
qR
PL
PR
PKB,M
Abbildung 3.8: Kinematik Bereich III
ℓ2
F=(xR−ℓFS ·cos(α))2+ (zR+ℓFS ·sin(α)))2
=x2
R−2·xR·ℓFS ·cos(α) + z2
R+ 2 ·zR·ℓFS ·cos(α) + ℓ2
FS
Durch lösen der nach zRergibt sich:
zR1,2 =−ℓFS · ±√︂−1·(ℓFS ·cos(α)−x2
R+ℓF)(3.53)
In diesem Fall wird die positive der beiden Lösungen gesucht, da der Kreisbogen sich in positiver
z Richtung befindet.
zR=−ℓFS ·+√︂−1·(ℓFS ·cos(α)−x2
R+ℓF)(3.54)
Modellentwicklung für die Faltstrecke 47
Aus dieser Gleichung ist nun die Gleichung für qGR bekannt mit:
qGR =−ℓFS ·+√︂−1·(ℓFS ·cos(α)−q2
R+ℓF)(3.55)
Durch einsetzen von Gleichung (3.54) zusammen mit
zL
= 0 in Gleichung (3.26) und anschlie-
ßendem umstellen nach xRergibt sich:
xR(xL) = 1
2(xL+ℓFS)·cos (α) + √︄ℓ2
F−(︃1
2(xL+ℓFS)−ℓFS)︃2
·sin (α)(3.56)
Was entsprechend für qR(qL)gilt:
qR(qL) = 1
2(qL+ℓFS)·cos (α) + √︄ℓ2
F−(︃1
2(qL+ℓFS)−ℓFS)︃2
·sin (α)(3.57)
3.2.1.5 Bereich IV
Ziel in diesem Abschnitt ist es ebenso
qR
über
qL
zu beschreiben. Als Grenzen für diesen Bereich
gelten
qL
(
qL,III
)und
qL
(
qL,IV
). Die Bereichsgrenzen sind bereits bekannt.
qL,III
entspricht
qR,I
und
qL,IIII
entspricht
qR,II
. Der TCP des linken Laufwagen befindet sich in diesem Bereich auf
dem Übergangsbogen. Der TCP des rechten Laufwagens befindet sich in diesem Bereich auf
dem Kreisbogen. Dieser Bereich ist in Abbildung 3.9 dargestellt. Die Gleichung für
zR
(
xR
)ist
bereits aus Bereich III bekannt, siehe Gleichung (3.54) Die Gleichung für
zL
(
xL
)ist bereits
aus Bereich II bekannt, siehe Gleichung (3.44). Dort wurde dieser Zusammenhang für das
R-Koordinatensystem hergeleitet. Durch die Spiegelsymmetrie kann durch einen Indizetausch
dieser in Bereich IV für den nachlaufenden Laufwagen verwendet werden. Durch einsetzen in
Gleichung (3.26) und auflösen nach xRergibt sich folgender Term.
48 Systementwicklung zur kontinuierlichen z-Faltung
LxRx
LzRz
qR,IV
IV
qL
qL,III
qL,IV
0x
0z0
qR,III
qR
PL
PR=PA
PKB,M
PUB,M
Abbildung 3.9: Kinematik Bereich IV
Modellentwicklung für die Faltstrecke 49
xR(xL) = −a4−√︁a2
4−4·a·a5
2·a·cos(α) + a6·sin(α)(3.58)
a1=−(−√︃ℓ2
F−(xL+√︂4·ℓ2
F−(ℓF+ℓFS ·sin(α))2−ℓFS ·cos(α))2+ℓF)
a2=x2
L+a2
1−ℓ2
FS
a3= 1 + (ℓFS −xL
−a1
)2
a4= (a2·(ℓFS −xL)
−a1
2
)−(2 ·xL)−2·(ℓFS −xL))
a5=a2
2
4·a2
1
+−a2+x2
L+a2
1−ℓ2
F
a6=√︄ℓ2
F−(−a4−√︁a2
4−4·a3·a5
2·a3
−ℓFS)2
Die so hergeleiteten Gleichungen zur Beschreibung der Laufwagenposition in Abhängigkeit des
nachlaufenden Laufwagens, ermöglichen eine Beschreibung der kinematischen Zusammenhänge
im Bereich der Faltung.
50 Systementwicklung zur kontinuierlichen z-Faltung
3.2.2 Modellentwicklung für die Zuführung
Um die Bewegungsabläufe der Faltung
qλ
mit der einlaufenden Bahn zu verknüpfen, muss das
Verhalten der Separatorbahn in der Zuführung beschrieben werden. Die Zuführung besteht
aus zwei statisch aufgehängten Zuführungsrollen, gefolgt vom Pendler und endet im TCP des
letzten im Eingriff befindlichen Greifers des Transportsystems.
λ
beschreibt den Vorschub des
Separators am Eingang der Baugruppe. Gesucht ist die Laufvariable des linken Greifers
qL
(
λ
)
in Abhängigkeit von λ.
Die Bewegung des Pendlers wird über eine Cosinus-Funktion beschrieben.
qP(λ) = qP,max ·cos(π·λ
ℓF
)(3.59)
Die Amplitude des Pendlers
qP,max
ergibt sich dabei aus der Kinematik. Die sich für die
Zuführung ergebenden Zusammenhänge sind in Abbildung (3.10) dargestellt.
Modellentwicklung für die Zuführung 51
rZ
δZ
βZ
ℓo
hZ
PZ,M
PP,M
rP
γPu
PPo,K
PZ,K
bPo
bZ
qP
Z
hP
δPu
PPu,K
bPu
PL
ℓu
0x
0z
λ
Zx
Zz
ℓZP
δPo
qL
γZ
γPo
βPo
ϵZ
φZ
φPo
ϵPo
φPu
βPu
ϵPu
α
2
ℓPL
Abbildung 3.10: Bahnverlauf in der Zuführstrecke
52 Systementwicklung zur kontinuierlichen z-Faltung
3.2.2.1 Bereichseinteilung der Zuführung
Die Zuführung teilt sich in 3 Bereiche auf. Der obere Bereich
ℓoben
ist der Verlauf vom
Mittelpunkt des Zuführungsrollenpaares
PZ
bis zum Mittelpunkt des Pendlerrollenpaares
PP
und entspricht Bereich I. Der untere Bereich beschreibt die Bahn zwischen dem Mittelpunkt
des Pendlers
PP
sowie des TCP des letzten im Eingriff befindlichen Laufwagens
PL
. Der untere
Bereich unterteilt sich in Bereich II und III, wobei der Bereichsübergang dort liegt, wo die aktive
Pendlerrolle wechselt. Dies geschieht, wenn der Pendler über dem Greifer-TCP des letzten sich
im Eingriff befindenden Laufwagens steht. Für die Übergangsbedingung gilt:
qP=qL·sin(α
2)(3.60)
PP,M,R
γPu
qP
hP
PE
ℓu
0x
0z
qL
φPu
βPu
ϵPu
α
2
ℓPL
PL
rP
PP,M,L
rP
ℓPL
Abbildung 3.11: Kinematische Konfiguration an der Bereichsgrenze
Modellentwicklung für die Zuführung 53
Damit gilt für die Länge des Separators in der Zuführung:
ℓZu =ℓoben +ℓunten (3.61)
3.2.2.2 Bereich I
In diesem Abschnitt wird die Länge der Separatorbahn
ℓoben
bestimmt. Diese besteht aus der
Strecke zwischen den Kontaktpunkten an den Rollen
ℓo
=
|PZ,KPPo,K|
, dem Bogen an der
Pendlerrolle bZsowie dem Bogen an der Zuführungsrolle bPo.
ℓoben =ℓo+bZ+bPo (3.62)
Die folgenden Gleichungen gelten für
−ℓF
2≤λ≤ℓF
2
und damit für die halbe Periode der
Pendlerrolle. Dabei ist der Pendler links von den beiden Zuführungsrollen. Für
λ≥ℓF
2
wird
der Separator von der rechten Zuführrolle und der linken Pendlerrolle geführt, und nicht mehr
von der linken Zuführrolle und der rechten Pendlerrolle. Damit ist der Pendler nun rechts der
beiden Zuführungsrollen. Da dieser Bereich an der vertikalen Achse des 0-Koordinatensystems
gespiegelt ist, gelten alle Berechnungen analog. Genau bei
n·ℓF
+
ℓF
2
findet der Wechsel
zwischen den führenden Rollen des Separators statt.
Im ersten Schritt wird die Länge der Tangente zwischen der Zuführungsrolle und der Penglerrolle
ℓobestimmt. Für den Abstand der beiden Rollen gilt:
|PZ,MPP,M|=ℓZP =√︁h2
z+ (qP−2·rRolle)2(3.63)
54 Systementwicklung zur kontinuierlichen z-Faltung
Aus den geometrischen Beziehungen zwischen den beiden Rollen und dem nun bekannten
Abstand lassen sich die Winkel γZ,βZ,φZund ϵZbestimmen.
sin(γZ) = rRolle ·sin(π
2)
1
2·ℓZP
(3.64)
sin(γZ) = 2·rRolle
ℓZP
(3.65)
γZ=γPo (3.66)
φZ=φPo (3.67)
βZ=βPo (3.68)
ϵZ=ϵPo (3.69)
ℓZP
2·cos(βZ) =rRolle (3.70)
⇔2·rRolle
ℓZP
= cos(βZ)(3.71)
γZ= arcsin(2·rRolle
ℓZP
)(3.72)
βZ= arccos(2·rRolle
ℓZP
)(3.73)
δ=π−βZ−φZ(3.74)
ϵZ=βZ+φZ−π
2(3.75)
tan(φZ) = hZ
qP−rRolle
(3.76)
φZ=arctan(hZ
qP−rRolle
)(3.77)
Damit ergibt sich für die Berührpunkte:
PK,Zu =(︄rRolle ·cos(ϵZ)
rRolle ·(1 −sin(ϵZ)))︄(3.78)
PK,Po =(︄hZ−rRolle ·cos(ϵZ)
qP−rRolle +rRolle ·sin(ϵZ))︄(3.79)
Modellentwicklung für die Zuführung 55
Für die Länge der Tangente ℓogilt nun:
r2
Rolle + (ℓo
2)2= (ℓZP/2)2(3.80)
ℓo
4=ℓ2
ZP
4−r2
Rolle (3.81)
ℓ2
o=ℓ2
ZP −4·r2
Rolle (3.82)
⇒ℓo=√︂ℓ2
ZP −4·r2
Rolle (3.83)
Nun können die beiden Kreisbögen bestimmt werden. Mit
δZ=π−βZ−φZ(3.84)
ergibt sich
bZ=rRolle ·δZ
=rRolle ·(π−βZ−φZ)(3.85)
Aus den dargestellten Zusammenhängen lässt sich ℓoben bestimmen.
ℓoben =ℓo+bZ+bPo
=ℓo+ 2 ·bZ
=√︂ℓ2
ZP −4·r2
Rolle + 2 ·rRolle ·(π−arccos(2·rRolle
ℓZP
)−arctan(hZ
qP−rRolle
)) (3.86)
mit ℓZP =√︁h2
z+ (qP−2·rRolle)2(3.87)
3.2.2.3 Bereich II
Bereich II gilt für
qP
(0)
≤qP≤qL·sin
(
α
2
). Hier findet der Übergang des Separators von der
rechten auf die linke Pendlerrolle statt. Die Variable
ℓunten
beschreibt die Länge des Separators
in der Zuführung zwischen Pendler und Greifer-TCP des letzten sich im Eingriff befindenden
Laufwagens. Für den Punkt des Greifer-TCP gilt:
PL=(︄qL·cos(α
2)
qL·sin(α
2))︄.(3.88)
56 Systementwicklung zur kontinuierlichen z-Faltung
Daraus folgt für den Abstand zwischen PLund dem Mittelpunkt der Pendlerrolle PP,M:
ℓ2
PL = (hP+qL·cos(α
2))2+ (qP−rRolle −qL·sin(α
2)) (3.89)
Damit gilt für die Winkel:
ℓPL ·sin(γPu) = rRolle (3.90)
⇔γPu = arcsin(rRolle
ℓPL
)(3.91)
βPu =π
2−γPu (3.92)
ℓPL ·sin(φPu) = hP+qL·cos(α
2)(3.93)
⇔φPu = arcsin(hP+qL·cos(α
2)
ℓPL
)(3.94)
δ=π−(βPu +φ)(3.95)
ϵPu =π
2−δPu (3.96)
ℓu=ℓPL ·cos(γPu)(3.97)
Berechnung von ℓu
ℓ2
u=(qL·cos(α
2) + hP−rRolle ·cos(ϵ2
Pu))
+ (qL·sin(α
2)−qP+rRolle −rRolle ·sin(ϵPu))2
=q2
L·cos(α
2) + h2
P+rRolle ·cos(ϵPu)2+ 2 ·qL·hP·cos(α
2)
−2·rRolle ·qL·cos(α
2)·cos(ϵPu)−2·hP·rRolle ·cos(ϵPu)
+q2
L·sin(α
2)2+q2
P+r2
Rolle +r2
Rolle ·sin(α
2)−2·qL·qP·sin(α
2)
+rRolle ·qL·sin(α
2)−rRolle ·qL·sin(α
2) sin(ϵPu)−2·qP·rRolle
+ 2 ·qP·rRolle ·sin(ϵPu)−r2
Rolle ·sin(ϵPu)(3.98)
Die Bogenlänge berechnet sich aus
bPu =rRolle ·δPu (3.99)
Modellentwicklung für die Zuführung 57
Für ℓunten folgt damit
ℓunten =ℓu+bPu (3.100)
3.2.2.4 Bereich III
PP,M
γPu
qP
hP
δPu
PK,Pu
bPu
PE
ℓu
0x
0z
qL
φPu βPu
ϵPu
α
2
ℓPL
PL
rP
Abbildung 3.12: Kinematische Konfiguration nach der Bereichsgrenze ℓunten
Bereich III gilt für
qL·sin
(
α
2
)
≤qP≤qP
(
ℓF
). Für den Abstand
ℓPL
zwischen Mittelpunkt der
Pendlerrolle PP,M und PLgilt:
ℓ2
PL = (hP+qL·cos(α
2))2+ (qP−rRolle +qL·sin(α
2))2(3.101)
58 Systementwicklung zur kontinuierlichen z-Faltung
Mit dem Abstand ℓPL ergibt sich für die Winkel:
ℓPL ·sin(γPu) =rRolle (3.102)
⇔γPu = arcsin(rRolle
ℓPL
)(3.103)
βPu =π
2−γPu (3.104)
ℓPL ·sin(φPu) =hP+qL·cos(α
2)(3.105)
⇔φPu = arcsin(qL·cos(α
2)
ℓPL
)(3.106)
δPu =π−(βPu −φPu)(3.107)
ϵPu =π
2−δPu (3.108)
ℓunten =ℓu+bPu (3.109)
Der Zusammenhang für
ℓu
in Bereich III lässt sich analog zum Vorgehen in Bereich II herleiten.
Simulation des kinematischen Modells 59
3.2.3 Simulation des kinematischen Modells
In diesem Abschnitt werden mit Hilfe der zuvor hergeleiteten Gleichungen die Bewegungen der
Laufwagen während der Faltung berechnet. Im ersten Schritt wird diese analytische Lösung
in einer Simulationsumgebung (hier MatLab) implementiert und die Ergebnisse zum Vergleich
visualisiert.
Die Position des nachlaufenden Laufwagens entlang der Faltstrecke
ℓFS
ist über
qL
beschrieben,
während der TCP des Greifers über
qL
und
qGL
beschrieben wird. Diese Position hängt in Bereich
I vom Separatorvorschub
λ
und der Länge des Bahnmaterials im Pendler ab. Die Position des
vorlaufenden Laufwagens
qR
wird aus der Position des nachlaufenden Laufwagens berechnet.
Die Berechnung erfolgt über den Abstand der beiden TCP zueinander. Diese sind immer um
ℓF
voneinander entfernt. Der nachlaufende Laufwagen wird so Bereichsweise bewegt und der
vorlaufende Laufwagen entsprechend berechnet. Das Ergebnis der Simulation zeigt Abbildung
3.13 in Weltkoordinaten.
PL
repräsentiert die Bahn des TCP des nachlaufenden Laufwagens
für die Bereiche I bis IV,
PR
steht für die Bahn des TCP des vorlaufenden Wagens. Die grauen
Bereiche sind ergänzte Bahnbereiche, welche sich aus der kontinuierlichen Bewegung und dem
Wechsel zwischen nachlaufendem und vorlaufendem Laufwagen ergeben.
In der Abbildung 3.13 ist zu sehen, dass sich beide Bahnen im Eingriffspunkt
PE
schneiden
(Punkt (0|0)). Von dort aus entsprechen die Bahnen einer Geraden, welche bis zum Über-
gangsbogen verlaufen. Bei
0x≈
470 fängt der Übergangsbogen an (konkave Bahn) und bei
0x≈
510 der Kreisbogen (konvexe Bahn). Am Übergang in den Kreisbogen endet die Bahn
des PL, da hier PRim Ablagepunkt angekommen ist.
Die Simulation hat gezeigt, dass das kinematische Modell korrekt aufgestellt worden ist und
es nun als Basis in der Steuerung implementiert werden kann.
60 Systementwicklung zur kontinuierlichen z-Faltung
−160−140−120−100−80 −60 −40 −20 0 20 40 60 80 100 120 140 160
0
50
100
150
200
250
300
350
400
450
500
550
600
650
0z-Koordinate in mm
0x-Koordinate in mm
PL
PR
Abbildung 3.13: Berechneter Bahnverlauf der TCP in Weltkoordinaten
Fehlermodell 61
3.3 Fehlermodell
In diesem Abschnitt wird ein Fehlermodell zur Betrachtung der Einflüsse der jeweiligen Parame-
ter auf die erreichbare Ablagegenauigkeit des Systems zur kontinuierlichen z-Faltung aufgestellt.
Dazu wird die Empfindlichkeit der Zielgröße auf die jeweiligen Abweichungen der einzelnen
Parameter untersucht. Ziel der Betrachtung ist es, den Einfluss möglicher Fehler abzuschätzen
und diese gegebenenfalls zu korrigieren. Das Modell basiert dabei auf dem zuvor hergeleiteten
kinematischen Modell und misst die Güte des Verfahrens anhand der Lage der Elektrodenfolien
im z-gefalteten Stapel.
Bei der Betrachtung der Fehler wird in zwei Fehlerarten unterschieden. Die systematischen
Fehler sind reproduzierbare Fehler, welche sich durch Verfahren wie Mapping oder Feinkalibrie-
rung minimieren lassen. Stochastische Fehler sind zufällig und treten annähernd normalverteilt
auf. Sie lassen sich mathematisch beschreiben, jedoch nicht direkt korrigieren.
Die Tabelle 3.3 zeigt typische Ursachen der jeweiligen Fehlerarten.
Systematische Fehler Stochastische Fehler
Fertigungs- und Montagetoleranzen Spiel in den Führungen
Nichtlinearitäten der Messsysteme Schwingungen durch äußere Einflüsse
temperaturbedingte Bauteilausdehnung Messunsicherheiten der Messsysteme
Tabelle 3.4:
Übersicht üblicher Ursachen systematischer und stochastischer Fehler nach
[DIN13191]
Die Empfindlichkeit eines Systems gibt an, wie das Ausgangssignal auf eine Änderung des
Eingangssignals reagiert. Die Empfindlichkeit
E
ist nach [
VDI2600
] [
DIN13191
] wie folgt
definiert:
EF=∆xA
∆xE
(3.110)
Im Bereich der Industrieroboter werden zwei Empfindlichkeiten definiert: die Strukturempfind-
lichkeit sowie die Maßtoleranzempfindlichkeit [
Pok-04
]. Die Strukturempfindlichkeit gibt an,
in welcher Wiese sich die Fehlstellungen der Antriebe auf den Fehler in der Pose des Endef-
fektors auswirken. Die Maßtoleranzempfindlichkeit gibt die Auswirkungen von geometrischen
Abweichungen, wie Längenfehlern innerhalb der Struktur, auf die Pose des Endeffektors wieder.
62 Systementwicklung zur kontinuierlichen z-Faltung
3.3.1 Fehlereinflüsse
Das Fehlermodell berücksichtigt Antriebs-, Längen- und Winkelfehler. Antriebsfehler sind
Positionierfehler der Antriebsachsen, wie sie zum Beispiel durch Abweichungen zwischen Ist
und Sollposition auftreten. Diese werden für die Laufwagen, die Greifer und den Pendler be-
rücksichtigt. Längenfehler beschreiben die Auswirkungen von Montageabweichungen bei der
Aufhängung der Transportsysteme. Diese können im Modell durch die Integration von Fehler-
termen umgesetzt werden. Winkelfehler sind Fehler aus der Lage zwischen Transportsystemen,
Pendler und Zuführrollenpaar. Diese beeinflussen die Lage der Bahn im Raum relativ zum
Eingriffspunkt.
Nicht betrachtet werden Abweichungen aus den Antrieben der Rollen in der Zuführung sowie
des Pendlers. Fehler aus den Antrieben können durch den Kontakt der Rollen mit dem Bahn-
material die Bahnspannung verändern, womit die Lage der Falte auf der Bahn relativ zum
Eingriffspunkt verschoben wird. Im weiteren werden Fehler aus den Rollenradien nicht betrach-
tet. Abweichungen im Radius der Rollen über die Winkellage erzeugen einen ungleichmäßigen
Vorschub des Bahnmaterials. Gleichzeitig führen diese zu Abweichungen im Umfang der Rolle.
Diese Umfangabweichung kann unter der Annahme der Schlupffreiheit zwischen Bahnmaterial
und Rolle zu Skalierungsfehlern führen, und sich somit zu Abweichungen in der Faltenposition
ergeben, welche sich von Falte zu Falte aufsummieren.
Ebenso nicht berücksichtigt werden Einflüsse, die durch ein Durchrutschen des Bahnmaterials
am Greifer entstehen können. Sollte die Bahnspannung zwischen zwei nachfolgenden Falten
zu große Unterschiede aufweisen, könnte es zu einem verrutschen des Materials am Greifer
kommen. So würde sich die Position der Falte auf der Bahn nach dem Eingriff verändert.
Schwingungen, Vibrationen sowie Bahnfehler, die durch die Trägheit der Bahn im Pendler
entstehen, werden ebenso nicht abgebildet.
3.3.2 Empfindlichkeitsanalyse
Wie Antriebs- und Längenfehler das System beeinflussen, lässt sich mit Hilfe des kinematischen
Modells quantitativ bestimmen. Für diesen Zweck werden gezielt die jeweiligen Elemente
des kinematischen Modells mit einem Fehler beaufschlagt, welcher die Bahn der Laufwagen
während der Faltung beeinflusst.
Für jedes Element werden die Abweichungen vom Idealwert durch Therme repräsentiert. Die
Ergebnisse der Berechnung werden, über eine Skizze mit einer Freiheit, dargestellt und ihr Ein-
fluss auf die Faltenlänge
ℓF
bestimmt. Dazu wird die Konfiguration ohne Fehler aufgebaut und
Empfindlichkeitsanalyse 63
die Länge des Separators ermittelt. Anschließend wird das Modell um einen definierten Fehler
∆
ℓFS
= 0
,
5
mm
variiert und die Veränderung des zu betrachtenden Parameters aufgezeichnet.
Im Bereich der Faltung lassen sich, basierend auf dem aufgestellten kinematischen Modell, fünf
Einflussfaktoren auf die Faltenlänge bestimmen:
xL
,
xR
,
zL
,
zR
sowie
α
. Im Pendler sind es
die drei Parameter qP,hP,hZ.
Für den Fehler der Faltenlänge
ℓF
, der aus der Positionsdifferenz der Laufwagen
qPosDiff
entsteht,
muss die Kontaktbedingung untersucht werden. Zum idealen Eingriffszeitpunkt befindet sich
der Pendler in seiner maximalen Auslenkung
qP,max
. Unter der Annahme kleiner Abweichungen
von
qPosDiff <
0
,
5
mm
kann
qP
als konstant angenommen werden. Dies ist auf die sehr kleinen
Änderungen am Sinus in den jeweiligen Scheitelpunkten zurückzuführen. Basierend auf dieser
Annahme ist der Fehler aus
qP,PosDiff
geometrisch abhängig von der Absolutgeschwindigkeit
λP ostP endler
˙
und
vLaufwagen
, sowie der Lage der Vektoren zueinander. Dieser Zusammenhang ist
in Abbildung 3.14 dargestellt.
Separatorbahn TCP Bahn
PE
α
λ
˙PostP
∆λ
qL,PosDiff
q˙L
Abbildung 3.14: Fehlereinflluss von qL,PosDiff auf den Eingriffzeitpunkt
Aus der kinematischen Beziehungen in Abbildung 3.14 lässt sich der Einfluss von
qPosDiff
auf
∆
ℓFS
, basierend auf den Geschwindigkeitsverhältnissen in der Umgebung des Eingriffspunktes,
bestimmen. Für diesen Fall entspricht die lokale Separatorgeschwindigkeit
λPostP
˙
der globalen
λ
˙, da sich die Länge über den Pendler zu diesem Zeitpunkt nur vernachlässigbar ändert.
λ
˙PostP =λ
˙(3.111)
Wird nun der Einfluss von
qL
analog zu
qP
über die Skizzenmethode bestimmt, berechnet sich
die Geschwindigkeit von
q˙L
zu
≈
560
mm
/s
bei einer Schrittweite von ∆
λ
= 0
,
5
mm
. Über
64 Systementwicklung zur kontinuierlichen z-Faltung
das nun bekannte Geschwindigkeitsverhältnis lässt sich der Fehlereinfluss auf die Position der
Falte sowie die Faltenlänge
ℓF
bestimmen. Der Fehlereinfluss von
qGi,PosDiff
geht dabei direkt in
die Faltposition
λFn
und Faltenlänge
ℓF
ein. Die Ergebnisse der Berechnungen sind in Tabelle
3.3.2 zusammengefasst.
Parameter ∆P arameter für ∆ℓF= 0,5 mm Empfindlichkeit EEinflussart
α0,056 °8,93 mm
/°statisch
qGL 0,62 mm 0,80 statisch
qGR siehe qGL 0,80 statisch
qL2,10 mm 0,24 statisch
qRsiehe qL0,24 statisch
qP0,95 mm 0,53 dynamisch
hP0,45 mm 1,11 statisch
hZ0,52 mm 0,96 statisch
Parameter ∆P arameter für ∆ℓF= 0,5 mm
und Faltenposition Empfindlichkeit EEinflussart
qPosDiff bei PE0,56 mm 0,89 dynamisch
qGi,PosDiff bei PE1,11 mm 0,45 dynamisch
Tabelle 3.5:
Fehlereinfluss der Parameter auf die Faltenlänge
ℓF
, gegliedert nach der jeweiligen
Ermittlungsmethode
Um das Ergebnis für
α
in Verhältnis zu den anderen Längenangaben zu setzen, muss der
zulässige Fehler bestimmt werden, mit dem die Ablagepunkte
PA,L
und
PA,R
ausgerichtet
werden müssen, wenn
PE
als exakt angenommen wird. Hier wird erneut auf eine Skizze
zurückgegriffen. Aus dieser lässt sich ermitteln, dass
PE
der beiden Transportsysteme mit
einem maximal zulässigen Fehler von 0
,
3
mm
für jede der beiden Seiten eingerichtet werden
muss, um innerhalb der veranschlagten Referenzabweichung von ∆ℓFS = 0,5 mm zu bleiben.
Alle statischen Fehler gehen auf die Geometrie der Baugruppe zurück. Weil sie von der
Geometrie abhängen, sind sie sehr gut kontrollierbar. Eine Abweichung in
α
hat mit Abstand
den größten Einfluss auf die Faltenlänge. Aus diesem Grund ist bei der Montage besonders
auf diesen Parameter zu achten. Da diese Fehler durch entsprechende Justage der Elemente
zueinander sehr gut kompensierbar sind, liegen die dynamischen Fehler im Fokus des nächsten
Kapitels.
Vorhersage der Elektrodenposition im Stapel 65
3.3.3 Vorhersage der Elektrodenposition im Stapel
Mit Hilfe der Parameter ∆
qL
sowie ∆
qR
und ∆
qGL
sowie ∆
qGR
lässt sich ein Modell zur Vorher-
sage der Elektrodenposition in der Ablageebene aufstellen. Diese Position ist ein quantitatives
Maß der erreichbaren Stapelgüte des Verfahrens. Im Kern wird die Ablagegüte durch die Fehler
aus den Antrieben bestimmt, also den dynamischen Fehlern, da die statischen Fehler durch eine
Vermessung des aufgebauten Systems in die Berechnung der Laufwagenpositionen übernom-
men und so kompensiert werden können. Dabei wird angenommen, dass das Separatormaterial
am TCP des Greifers nicht rutscht sowie vorerst eine ideale Lage der Elektroden auf dem
Separatormaterial gewährleistet ist. Die Position der Elektroden in der Ablageebene wird dabei
über ihr Mittelpunktkoordinatensystem angegeben.
PL,F
α
Bahn des TCP
qP
qR
qGR
∆qP
PE
∆qGL
∆qL
λ
˙postP
PPu,K
PR
Abbildung 3.15: Hauptfehlereinflüsse zum Eingriffszeitpunkt
Für die Bestimmung der Ablageposition einer Elektrode im Stapel müssen zwei Zeitpunkte
während der Handhabung der Falte im Detail betrachtet werden. Der Zeitpunkt, an dem am
Eingriffspunkt
PE
das Separatormaterial hintergriffen wird, sowie der Systemzustand im Moment
der Faltenübernahme durch den Niederhalter im Ablagepunkt
PA
. Zum Eingriffszeitpunkt
wird die Position der Falte, und damit die Position der Elektrode, durch fünf dynamische
Parameter beeinflusst: die Position des Pendlers
qP
, die Abweichungen in Vorschubrichtung
des Transportsystems ∆
qL
,∆
qR
, im Hub des TCP ∆
qGL
sowie ∆
qGR
. Die Positionsdifferenz
des Pendlers ändert die Lage der Separatorbahn im Raum. Diese Änderung verschiebt den
Eingriffspunkt für den TCP des linken Greifers. Die Bahnspannung des Separators wird durch
einen positiven Fehler
qP,PosDiff
erhöht und der Punkt
PE
verschiebt sich entsprechend der
Längenverhältnisse der Strecken zwischen PK,Pu und PEsowie PEund PR.
66 Systementwicklung zur kontinuierlichen z-Faltung
Der Fehler
qGi,P osDiff
beeinflusst ebenso die Lage der Separatorbahn im Raum und verschiebt
den Punkt
PE
in Richtung
zR
. Der Fehler
qR,PosDiff
wirkt sich vorwiegend auf die Bahnspannung
des Separatormaterials zwischen dem TCP des rechten Greifers und dem Kontaktpunkt an der
Rolle des Pendlers aus. Diese Spannungsänderung durch
qR
beeinflusst den Punkt
PE
entlang
der Separatorbahn. In Abbildung 3.15 sind die Fehlereinflüsse aus den dynamischen Anteilen des
linken Laufwagens sowie des Pendlers eingezeichnet. Die Einflüsse des rechten Laufwagens, der
in diesem Moment die letzte Falte führt, sind zur Vereinfachung der Darstellung vernachlässigt
worden. Durch die alternierende Ablage der Elektroden im Zellstapel alterniert auch der Einfluss
der Fehler auf die Lage der Elektroden im Stapel.
Aus diesen Fehlereinflüssen wird ein Modell zur Vorhersage der Elektrodenposition im Stapel
hergeleitet. Dazu werden zunächst die Einflüsse der einzelnen Fehlerkomponenten auf die
Faltenposition zum Zeitpunkt des Hintergreifens geometrisch abgebildet und in einen Punkt
des realen Faltenhintergriffpunktes verrechnet. Anschließend wird die nächste Falte berechnet,
welche jedoch die Fehler aus der vorhergehende Falte als Ausgangspunkt für die Position und
Lage der Separatorbahn verwendet. In diesem Vorgehen wird für eine Anzahl von
n
= 100
Falten ein fortlaufender Fehlerverlauf, und der daraus resultierende Verlauf der Ablageposition
der Elektroden im Stapel, berechnet.
Werden die Annahmen für die Richtigkeiten und Präzisionen der einzelnen Einflussparameter
in das aufgestellte Fehlermodell eingesetzt, ergibt sich eine voraussichtliche Verteilung der
Abweichung der Elektrodenposition in
zElektrode
wie in Abbildung 3.16. Dabei wurde ein Fehler
von ∆
qT,PosDiff
=
±
0
,
25
mm
sowie ∆
qGi,PosDiff
=
±
0
,
1
mm
angenommen. Der Fehler für
∆
qT,PosDiff
basiert auf der Absolutgenauigkeit, die der Hersteller des Transportsystems in seinem
Datenblatt angibt. Die Annahme für ∆
qGi,PosDiff
resultiert aus der Angabe des Herstellers von
Miniaturrollen und deren Rundlaufgenauigkeit. Für den Pendler wird ein Fehler von ∆
qP,PosDiff
=
±0,05 mm angenommen.
0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100
−0,40
−0,20
0,00
0,20
0,40
Faltennummer
∆zElektrode in mm
Abbildung 3.16:
Berechnete Elektrodenposition im Stapel unter Verwendung der Annahmen
zu den Abweichungen von qi,PosDiff und qGi,PosDiff
Vorhersage der Elektrodenposition im Stapel 67
In Abbildung 3.16 ist zu sehen, dass sich unter den oben genannten Annahmen eine Verteilung
der Elektrodenposition im einem Bereich von
±
0
,
4
mm
ergibt. Um die Annahmen zu ersetzen,
müssen nun Messungen zu den Verteilungen der jeweiligen Parameter durchgeführt werden.
Eine Erweiterung der Berechnung um nicht ideal gefügte Elektroden und somit Positionsab-
weichungen dieser auf dem Separator wurde zusätzlich in die Berechnung integriert. Diese ist
jedoch in der Abbildung zu Null gesetzt.
68 Systementwicklung zur kontinuierlichen z-Faltung
3.4 Bewertung des Transportsystems
Die umlaufenden Transportsysteme stellen den Kern der Bewegungsführung dar. Da diese
Transportsysteme noch relativ neu sind, siehe Kapitel 2.6, muss überprüft werden, in wieweit
sie für diesen Prozess geeignet sind und welche Parameter in welcher Weise die Qualität
beeinflussen. Dabei muss der Einfluss der Nutzlast auf die Abweichungungen in der Position
der Laufwagen in Abhängigkeit von der Verfahrgeschwindigkeit ermittelt werden. Im Weiteren
muss die Genauigkeit der Laufwagen beim Anfahren eines Punktes, sowie das zeitliche Verhalten
währenddessen, untersucht werden. Auch eine Untersuchung der Genauigkeit und Richtigkeit
des internen Positionserfassungssystems ist aufgrund der Neuheit des Systems durchzuführen.
Das Transportsystem bewegt den Greifer als Nutzlast und fährt dabei mit dem Laufwagen eine
vorberechnete Bahn. Für kurze Strecken nahe dem Eingriffpunkt
PE
sind Geschwindigkeiten
von 2
·λ
˙
erforderlich. Von dort aus verzögert der Laufwagen seine Geschwindigkeit entlang der
Faltstrecke ℓFS bis hin zum Ablagepunkt PA.
In drei Experimenten wird untersucht, wie das Transportsystem auf unterschiedliche Nutzlasten
mit unterschiedlichen Verfahrgeschwindigkeiten reagiert. Ziel dieser Versuche ist es herauszu-
finden, wie die optimale Paarung zwischen Verfahrgeschwindigkeit des Transportsystems und
Nutzlast aussieht. Die maximale Verfahrgeschwindigkeit des Transportsystems im Prozess liegt
dabei kurzzeitig bei über
≈
150 % der Verfahrensgeschwindigkeit. Dafür wird im ersten Expe-
riment das Schwingungsverhalten für unterschiedliche Geschwindigkeits-Last-Kombinationen
untersucht. Im zweiten Versuch wird die Positioniergenauigkeit betrachtet und im Fokus der
dritten Untersuchung steht die Bahngenauigkeit.
Bei der Auswahl der Messverfahren und -methoden ist auf eine möglichst geringe Beeinflussung
des Prozesses durch die Messvorrichtung zu achten. Um die Rückwirkung des Messgeräts auf
das System auszuschließen, können kontaktlose Messverfahren eingesetzt werden. Dabei kann
es erforderlich sein, einen Teil des Messgeräts am Messobjekt zu montieren, wodurch, je nach
den entsprechenden Eigenschaften, es trotz kontaktloser Messung zu einer Rückwirkung auf
das Messobjekt kommen kann.
Linearencoder gehören zu der Gruppe kontaktloser Messsysteme, die entweder magnetisch oder
optisch die Position bestimmen können. Da der messende Teil jedoch am Laufwagen befestigt
werden muss, beeinflusst das Gewicht die Messung. Aus diesem Grund wird ein optisches
Messsystem, welches nach dem Prinzip der Lesertriangulation arbeitet, ausgewählt.
Durch eine Verarbeitung des Messsignals über kurze Messstrecken, kann seine Beeinflussung
durch Einstreuungen gemindert werden. Des Weiteren ist zu berücksichtigen, dass die Wieder-
Allgemeiner Versuchsaufbau 69
holbedingungen einzuhalten sind. So müssen alle Parameter, welche die Messung beeinflussen
könnten, gemessen oder zumindest unverändert gehalten werden.
3.4.1 Allgemeiner Versuchsaufbau
Das Transportsystem, welches in den Versuchen zum Einsatz kommt, hat eine Umlauflänge
von
qT,Umlauf
= 2000
mm
wie im Gestaltungsentwurf von Bach. Es besteht aus vier Geraden-
modulen mit jeweils 250
mm
Länge sowie zwei Klothoidenmodulen mit jeweils 500
mm
. Die
in Abbildung 3.17 dargestellten Transportsysteme sind in einem etwas flacheren Winkel als
α
zueinander geneigt. Diese Konfiguration basiert auf den Annahmen, die im Rahmen der
Patenterarbeitung entstanden sind und auch in den Gestaltungsentwurf von Bach einflossen.
Auch im Projekt ProTrak wurde diese Konfiguration verwendet. Zum Einsatz kommen zwei
Transportsysteme mit jeweils mehreren Laufwagen.
Beide Transportsysteme sind im Versuchsaufbau einseitig gelagert. Die Sensoren für die
Messungen sind direkt an der Führungsschiene des Transportsystems befestigt, wodurch Rela-
tivbewegungen zwischen Transportsystem und Sensor minimiert werden.
Eine direkte Integration der Sensoren in die Steuerung der Transportsysteme ermöglicht es,
die Signale aller Komponenten mit 1
kHz
zu erfassen. Gleichzeitig wurden die Sensoren so
ausgewählt, dass auf eine AD/DA-Wandlung, durch eine interne Verarbeitung der gesamten
Messkette, verzichtet werden kann. Die Sensoren verfügen über eine digitale Schnittstelle, mit
der sie direkt in das Bussystem der Steuerung integriert sind. Alle Sensoren für die einzelnen
Versuchsreihen sind am System montiert, so dass die Messungen untereinander vergleichbar
sind. Die steuerungsinterne Software zeichnet alle Parameter synchron auf und speichert sie.
70 Systementwicklung zur kontinuierlichen z-Faltung
Transportsystem
Sensorik
Laufwagen
Messrechner
Abbildung 3.17:
Versuchsaufbau mit Transportsystemen, Laufwagen, Sensorik und Messrechner
3.4.2 Schwingungsanalyse
In diesem Experiment wird das Verhalten des Transportsystems bei variierender Nutzlast
mNutzlast
und Geschwindigkeit
vLaufwagen
untersucht. Das Ziel dieser Untersuchung ist es her-
auszufinden, wie eine optimale Paarung aus Verfahrgeschwindigkeit und Nutzlast für diesen
Prozess aussieht.
Die Geschwindigkeit der Laufwagen entspricht gemäß der Modellentwicklung näherungsweise
der Geschwindigkeit der Separatorbahn
vLaufwagen ≈λ
˙
. Das Ziel dieses Versuchs ist es, das
Schwingungsverhaltens eines Laufwagens in Abhängigkeit der Nutzlast zu analysieren, um so das
Gewicht zulässiger Greifer
mNutzlast
abschätzen zu können. Durch eine gleichzeitige Variation
des
KP
-Faktors des Positionsreglers des Laufwagens wird untersucht, welchen Einfluss die
Regelparameter auf das zulässige Gewicht des Greifers haben. In dieser Versuchsreihe werden
die Ist- und Soll-Position sowie der Schleppabstand
qT,PosDiff
des verwendeten Laufwagens
aufgezeichnet. In Abbildung 3.18 ist der Versuchsaufbau skizziert.
Auf der Geraden zur Rückführung liegt der Startpunkt der Messung mit
qT
(
start
) = 1245
mm
.
Dieser Punkt ist so gewählt, damit der Laufwagen beim Beschleunigen eine Strecke auf der
Geraden fährt, bevor er das Klothoidenmodul erreicht. Das Klothoidenmodul beginnt bei
qT
= 500
mm
und endet bei
qT
= 1000
mm
. Der Endpunkt auf der Eingriffsgeraden liegt
bei
qT
= 145
mm
. Entsprechend fährt der Laufwagen von dem Bogen auf die Gerade und
überstreift einen Teil der Eingriffsstrecke. Diese Wahl der Versuchsstrecke ermöglicht es,
Schwingungsanalyse 71
qT
Klothoidenmodul
Modulübergang
Laufwagen
Nutzlast
Geradenmodul
PStart
1254
145 Messbereich
PEnde
Abbildung 3.18: Versuchsaufbau zur Analyse des Schwingungsverhaltens
auch das Verhalten des Laufwagens nach Verlassen des Klothoidenmoduls zu bewerten und
abzuschätzen, an welchem Punkt die Faltstrecke beginnen kann.
Im Versuch wird der Laufwagen schrittweise mit Gewichten von
mNutzlast
= 50 g bis
mNutzlast
=
600 g belastet und die Bewegung unter Verwendung dieser Nutzlast aufgezeichnet. Zur Referenz
wird zusätzlich ein Versuch ohne Nutzlast aufgenommen. Für die Bewegungsführung wird
ein steuerungsinterner Sollwertgenerator mit trapezförmigem Geschwindigkeitsprofil verwendet.
Als zweiter Parameter wird die Geschwindigkeit von
vLaufwagen
= 100
mm
/s
schrittweise bis
vLaufwagen
= 4000
mm
/s
erhöht. Der Laufwagen durchfährt die Versuchsstrecke bei den Versuchen
jeweils mehrfach.
200300400500600700800900100011001200
−6
−4
−2
0
2
4
6
qTin mm
qT,PosDiff in mm
KP= 0,03 1
/s
KP= 0,02 1
/s
Abbildung 3.19:
Einfluss des
KP
-Faktors bei einer Nutzlast von
mNutzlast
= 500 g auf Positi-
onsdifferenz bei einer Verfahrgeschwindigkeit vLaufwagen = 1000 mm
/s
72 Systementwicklung zur kontinuierlichen z-Faltung
Abbildung 3.19 zeigt die Messwerte von zwei Versuchen mit einer Nutzlast
mNutzlast
= 500 g und
bei einer Geschwindigkeit von
vLaufwagen
= 1000
mm
/s
. Bei dieser Fahrt tritt unter Verwendung
von
KP
= 0
,
03
1
/s
eine schwach gedämpfte Schwingung auf, welche direkt ab dem Eintritt in
des Klothoidenmodul bei
qT
= 1000
mm
beginnt. Die Amplitude der Schwingung steigt bis zum
Ende des Klothoidenmoduls an. Ab
qT
= 500
mm
klingt die Schwingung ab, kommt jedoch erst
in der Zielposition zum Erliegen. Im Gegensatz dazu klingt die Schwingung unter Verwendung
von
KP
= 0
,
02
1
/s
noch während der Durchfahrt des Klothoidenmoduls ab. Zusätzlich ist hier
ein Aufschwingen des Systems beim Verlassen des Klothoidenmoduls zu beobachten. Eine
Reduktion des KP-Faktors führt hier zu einer Verbesserung des Schwingverhaltens.
200300400500600700800900100011001200
−1,0
0,0
1,0
qTin mm
qT,PosDiff in mm
KP= 0,03 1
/s
KP= 0,02 1
/s
Abbildung 3.20:
Einfluss des
KP
-Faktors bei einer Nutzlast von
mNutzlast
= 350 g auf Positi-
onsdifferenz bei einer Verfahrgeschwindigkeit vLaufwagen = 1000 mm
/s
In Abbildung 3.20 sind die Messwerte für den Versuch mit
mNutzlast
= 350 g dargestellt. Der
Einfluss des
KP
-Faktors auf die Schwingung ist auch hier zu beobachten. Im Gegensatz zu einer
Nutzlast von
mNutzlast
= 500 g ist hier jedoch auch mit
KP
= 0
,
03
1
/s
keine sich verstärkende
Schwingung bei der Klothoidendurchfahrt zu beobachten. Auch hier ist wieder ein Aufschwingen
bei Verlassen des Klothoidenmoduls zu erkennen. Diese Versuche zeigen, dass die Faltstrecke
ℓFS erst nach einer Fahrtstrecke von ≈50 mm begonnen werden sollte.
Abbildung 3.21 stellt die Grenzgeschwindigkeiten dar, welche unter Verwendung der entspre-
chenden Nutzlast noch erreichbar waren. Gleichzeitig ist der Einfluss des
KP
-Faktors auf diese
abgetragen. Mit kleinen Nutzlasten bis
mNutzlast
= 100 g wird die Maximalgeschwindigkeit des
Systems erreicht. Es ist gut zu erkennen, dass je kleiner der
KP
-Faktor ist, desto größer ist die
zu erreichende Maximalgeschwindigkeit.
Wie jedoch in Abbildung 3.19 gezeigt wurde, sind bereits bei
vLaufwagen
= 1000
mm
/s
bei
einer Nutzlast von
mNutzlast
= 350 g Schwingungen im Kurvenmodul von mehreren
mm
zu
Schwingungsanalyse 73
0 50 100 150 200 250 300 350 400 450 500 550
1000
2000
3000
4000
mNutzlast in g
vLaufwagen in mm
/s
KP= 0,030 1
/s
KP= 0,025 1
/s
KP= 0,020 1
/s
KP= 0,015 1
/s
Abbildung 3.21:
Maximale Verfahrgeschwindigkeit
vLaufwagen
in Abhängigkeit von
KP
sowie
mNutzlast
beobachten. Auf Grund dieser Schwingungen werden die weiteren Versuche nur bis zu einer
Geschwindigkeit von vLaufwagen = 1000 mm
/sdurchgeführt.
mNutzlast in g
vLaufwagen in mm
/s
qT,PosDiff in mm
350
400 450
500 400 600 800 1000
0
2
4
6
6
5
4
3
2
1
Abbildung 3.22:
Maximale Positionsdifferenz ∆
qT,Laufwagen,max
in Abhängigkeit von Geschwin-
digkeit und Nutzlast
Die Ergebnisse der Versuche bis zu einer Geschwindigkeit von
vLaufwagen
= 1000
mm
/s
und
für Massen zwischen
mNutzlast
= 350 g und
mNutzlast
= 500 g sind in Abbildung 3.22 darge-
stellt. Es zeigt sich, dass eine Masse bis zu
mNutzlast
= 400 g beinahe ohne Einschränkungen
verwendet werden kann, während bei einer Geschwindigkeit von
vLaufwagen
= 1000
mm
/s
es
bereits zu Positionsdifferenzen von ∆
xLaufwagen ≈
3
mm
kommt. Für eine Geschwindigkeit
von
vLaufwagen
= 800
mm
/s
ist anzumerken, dass es, unabhängig von der Nutzlast, zu einer
74 Systementwicklung zur kontinuierlichen z-Faltung
sehr geringen maximalen Positionsdifferenz kommt. Betrachtet man dazu das Verhalten bei
mNutzlast
= 500 g erscheint es möglich, dass dieses Verhalten aus der Anregungsfrequenz durch
die Bewegung im Verhältnis zur Steifigkeit der Aufhängung kommt.
Die Messungen zeigen, dass das maximale Gewicht des Greifers bei
mNutzlast <
400 g, besser
noch
mNutzlast ≤
350 g liegen sollte. Für eine Nutzlast von
mNutzlast
= 350 g und Geschwin-
digkeiten von
vLaufwagen ≤
1000
mm
/s
ist die Positionsdifferenz bei Erreichen der Faltstrecke in
Tabelle 3.23 zu sehen. Die Faltstrecke beginnt dabei, wie zuvor ermittelt, 50
mm
nach dem
Übergang aus dem Klothoidenmodul in das Geradenmodul.
vLaufwagen in mm
/sMessergebnis in mm
250 −0,2772 mm
500 −0,2524 mm
750 −0,2764 mm
1000 −0,3261 mm
Abbildung 3.23:
Maximales Überschwingen nach Erreichen der Eingriffsstrecke bei
mNutzlast
=
350 g
Die Daten aus Tabelle 3.23 zeigen keinen klaren Zusammenhang der Positionsabweichung zum
Eingriffszeitpunkt und der Geschwindigkeit. Es ist ein leichter Anstieg zu erkennen, welcher
jedoch nicht proportional zur Erhöhung der Geschwindigkeit ist. Gemäß dieser Messungen
erscheinen Geschwindigkeiten bis
vLaufwagen
= 1000
mm
/s
, da ∆
qT,PosDiff,max <
2
mm
sowie die
Abweichung bei Eintritt in die Faltstrecke ca
≈
18 % erhöht ist gegenüber einer Geschwindigkeit
von 250 mm
/s.
Positioniergenauigkeit 75
3.4.3 Positioniergenauigkeit
Mit dieser Untersuchung soll ermittelt werden, wie präzise sich ein spezifischer Punkt durch
das Transportsystem mit einem Laufwagen anfahren lässt. Zu diesem Zweck wird ein Punkt
aus der gleichen Richtung mit gleich parametrierter Trajektorie mehrfach angefahren.
Ein Laser-Liniensensor erfasst die Position des Laufwagens. Die relevanten Kennwerte des
Sensors sind in Tabelle 3.6 aufgeführt. Der Sensor arbeitet nach dem Sender-Empfänger-
Prinzip. Er erfasst den Schatten, der durch den Laufwagen auf dem Empfänger entsteht
[Keya].
Der Versuchsaufbau ist in Abbildung 3.24 dargestellt. Die Nutzlast wird von
mNutzlast
= 350 g
bis
mNutzlast
= 500 g, ebenso wie die Geschwindigkeit von
vLaufwagen
= 200
mm
/s
bis
vLaufwagen
=
1000
mm
/s
variiert. Ziel der Messung ist es abzuschätzen, mit welchen Abweichungen in der
Position im Ablagepunkt zu rechnen ist. Zunächst wird der Laufwagen ohne Gewicht mit
qT
Klothoidenmodul
Modulübergang
Laufwagen
Nutzlast
Geradenmodul
PStart
PEnde
Messbereich
Liniensensor
Abbildung 3.24: Versuchsaufbau zur Messung der Bahngenauigkeit
einer Geschwindigkeit von
vLaufwagen
= 100
mm
/s
in die Position
qT
= 150
mm
verfahren. Der
dabei durch den Liniensensor gemessene Wert
xˆIG
dient als Referenzwert für die Auswertung,
da die Einflüsse aus Nutzlast und Geschwindigkeit fehlen. In Abbildung 3.25 ist der zeitliche
Verlauf des Messwertes
xˆIG
bei einer Messung mit der Nutzlast von
mNutzlast
= 350 g und
Verfahrgeschwindigkeit von
vLaufwagen
= 500
mm
/s
dargestellt. Der Verlauf des Sensormesswertes
xˆIG
ist dabei in Form der blauen Linie gezeigt. Bei allen Messungen ist ein Überschwingen der
Zielposition zu erkennen. Die Abkling- oder Beruhigungszeit, bis der Messwert ein bestimmtes
Toleranzband nicht mehr überschreitet, wird ermittelt. Dieses beträgt bei allen Messungen
durchschnittlich
tE≈
400
ms
. Der Laufwagen überschießt zunächst die Soll-Position und strebt
nach der Zeit
tE
einen Wert von
tE≈
13
,
65
mm
an. Aus den Messungen werden das Maximum
sowie der Endwert ermittelt.
76 Systementwicklung zur kontinuierlichen z-Faltung
Eigenschaft Werte
Hersteller Keyence
Bezeichnung IG-028
Messbereich 28 mm
Auflösung 1µm
Präzision 5µmbei einem Einstellabstand von 100 mm
Linearität ±0,1%v.E. (±28 µm)
Abtastzyklus 980 µs
Messsignalausgabe digital
Tabelle 3.6: Herstellerangaben zum Liniensensor aus [Keya]
0 100 200 300 400 500 600 700 800 900 1000
13,60
13,65
13,70
13,75
Zeit in ms
xˆIG in mm
Abbildung 3.25:
Zeitlicher Verlauf von
xˆIG
während des Anfahrens der Zielposition
qT
=
150 mm, Zielwert als rote Linie eingezeichnet
In Abbildung 3.26 ist die Amplitude des Überschwingens als Differenz zwischen dem maximalen
Wert und dem Endwert über die Geschwindigkeit und die Masse aufgetragen. Es ist deutlich zu
erkennen, dass mit steigender Nutzlast die Amplitude zunimmt, während die Geschwindigkeit
nur einen sehr geringen Einfluss hat. So ist die größte Amplitude bei
vLaufwagen
= 1000
mm
/s
und
mNutzlast
= 500 g zu verzeichnen, mit einem Wert von
xˆUS,max
= 0
,
162
mm
. Durch eine
geeignete Vorsteuerung erscheint dieses Verhalten jedoch kompensierbar.
In Abbildung 3.27 ist die maximale Abweichung in Abhängigkeit von Masse und Geschwindigkeit
angegeben. Die maximale Abweichung von ∆
xIG,max
= 0
,
092
mm
tritt bei der Kombination
von
vLaufwagen
= 750
mm
/s
und
vLaufwagen
= 400 g ein. Die kleinste maximale Abweichung tritt
mit einem Wert von ∆
xmax
= 0
,
068
mm
bei
vLaufwagen
= 450 g und
vLaufwagen
= 250
mm
/s
auf.
Somit ist, entgegen der Ergebnisse aus den Versuchen zum Schwingverhalten, ein höheres
Gewicht vorteilhaft für die Einhaltung der Faltenlänge
ℓF
auf der Faltstrecke, da der Laufwagen
weniger stark im Ablagepunkt überschwingt.
In Abbildung 3.28 sind die Werte bei einer Geschwindigkeit von
vLaufwagen
= 1000
mm
/s
und ver-
änderlichen Massen bei
KP
= 0
,
02
1/s
und
KP
= 0
,
03
1/s
gegenübergestellt. Bei allen Massen
ist die Abweichung mit
KP
= 0
,
02
1/s
höher als mit
KP
= 0
,
03
1/s
. Es ist daher im Hinblick
Positioniergenauigkeit 77
mNutzlast in g
vLaufwagen in mm
/s
350
400 450 500
400
600
800
1000
0,05
0,10
0,15
0,20 0,16
0,14
0,12
0,10
200
xUS in mm
Abbildung 3.26: Überschwingen während Anfahrt der Ablageposition
vLaufwagen in mm
/s
mNutzlast in g
1000 800 600
200 350 400 450 500
0,06
0,08
0,10,090
0,085
0,080
0,075
0,070
∆xAblage in mm
400
Abbildung 3.27: Maximale Positionsabweichung der Messwerte vom Soll-Wert
78 Systementwicklung zur kontinuierlichen z-Faltung
auf die Positionierung nicht empfehlenswert, ausschließlich den
KP
-Faktor zu reduzieren. Die
Reduzierung des
KP
-Faktors hat hier, entgegen der Ergebnisse aus den vorhergegangenen
Versuchen zum Schwingverhalten, einen negativen Einfluss auf die Positioniergüte. Dies kann
über die geringere Wirkung des Positionsreglers bei niedrigerem KP-Faktor erklärt werden.
Basierend auf diesen Versuchen zeigt sich, dass durch geeignete Maßnahmen die Schwingungs-
neigung des Systems zu reduzieren ist. Eine Ursache dafür liegt in der Lagerung des Transport-
systems. Die gegebene, einseitige Lagerung erscheint hier als zu nachgiebig und ermöglicht ein
Schwingen des gesamten Transportsystems. Aus diesem Grund sollte die Aufhängung versteift
werden.
Auch ein kleiner
KP
-Faktor reduziert dieses Verhalten, da der aus der Regelung eingeleitete
Ruck verringert wird. Dies ist wiederum durch die geringeren Kräfte zu erklären, welche
aus den schwächeren Korrekturversuchen des Positionsreglers folgen. Werden diese Werte
350 375 400 425 450 475 500
0
0,02
0,04
0,06
0,08
0,1
mNutzlast in g
∆xAblage in mm
KP= 0,03 mm
/s
KP= 0,02 mm
/s
Abbildung 3.28:
Einfluss von
KP
auf die Ist-Laufwagenposition im Ablagepunkt bei
vLaufwagen
=
1000 mm
/s
in das kinematische Model eingesetzt, ergibt sich eine Dehnung des Separators in diesem
Bereich von ∆
ℓF
= 0
,
038
mm
. Das entspricht, unter den in der Modellbildung angenommenen
Voraussetzungen, einer Kraft von
F
= 0
,
612 N. Diese Spannungsänderung im Separator könnte
nach Schmitt zu einer Beeinflussung der Stapelgenauigkeit führen und sollte daher in späteren
Versuchen gesondert untersucht werden. Gegebenenfalls ist ein Einbau von Nachgiebigkeiten
in den Greifern anzustreben, sollte es nicht möglich sein, diese Abweichung durch andere
Maßnahmen signifikant zu reduzieren.
3.4.4 Genauigkeit des internen Messsystems
Die Genauigkeit des internen Messsystems wird untersucht, indem die Istwerte der Position
des Laufwagens des internen mit dem externen Messsystem verglichen werden. Das bedeutet,
Genauigkeit des internen Messsystems 79
dass die internen Werte des Transportsystems über eine längere Strecke gemessen und den
Werten von einem zweiten Messsystem gegenübergestellt werden. Auf diesem Weg lässt sich
abschätzen, wie groß Schwankungen im Fahrweg des Laufwagens sind. Es ist zu untersuchen,
welchen Einfluss der KP-Faktor auf die Genauigkeit der Messung hat.
Abbildung 3.29 zeigt den Messaufbau. Start- und Endpunkt sind identisch mit den Punkten aus
den vorhergehenden Versuchen. Als externes Messsystem wird ein Lasertriangulationssensor
qT
Klothoidenmodul
Modulübergang
Laufwagen
Nutzlast
Geradenmodul
Startpunkt
Endpunkt
Messbereich
Sensor
Abbildung 3.29: Versuchsaufbau zur Messung der Bahngenauigkeit
genutzt. Gemessen wird entlang der in Abbildung 3.29 gezeigten Geraden. Die Kernparameter
des eingesetzten Sensors sind in Tabelle 3.7 zusammengefasst. Mit einem Messbereich von
290 mm kann ein großer Teil der Faltstrecke untersucht werden.
Eigenschaft Werte
Hersteller Keyence
Bezeichnung IL-300
Referenzmessung 300 mm
Messbereich 160 bis 450mm
Auflösung 1µm
Präzision 30 µm
Linearität ±0,25 %v.E.(±0,35 mm)
Abtastzyklus 330 µs
Messsignalausgabe digital
Tabelle 3.7: Herstellerangaben zum Lasertriangulationssensor aus [Keyb]
Ähnlich zu dem Versuch für die Positioniergenauigkeit, wird die Nutzlast von
mNutzlast
= 350 g in
50 g-Schritten bis
mNutzlast
= 500 g variiert. Die Geschwindigkeit wird mit
vLaufwagen
= 250
mm
/s
80 Systementwicklung zur kontinuierlichen z-Faltung
gewählt und für die Versuche schrittweise in 250
mm
/s
-Schritten bis
vLaufwagen
= 1000
mm
/s
erhöht.
Um die Messwerte interpretieren zu können, werden die Werte der Positionsdifferenz und
die Werte vom Lasertriangulationssensor anhand des Aufzeichnungszeitpunkts übereinander
gelegt. Dabei ist zu beachten, dass der Lasertriangulationssensor eine Ansprechzeit von
tan
=
26
ms
hat (bei einer Abtastzeit von
tabt
= 1
ms
und Mittelwertbildung aus 16 Werten). Die
Daten müssen daher vor dem Vergleich zeitlich zueinander verschoben werden. In Abbildung
3.30 ist ein Diagramm der gemittelten Werte und des Differenzengraphen gezeigt. Dabei
wurde die Differenz zwischen dem gemittelten Graphen des Lasertriangulationssensors und dem
gemittelten Graphen des internen Messsystems gebildet. Zu erkennen ist eine starke Änderung
in der Differenz
xDifferenz
im Bereich 320
mm < xextSensor <
330
mm
. Diese Besonderheit kann
durch den Modulübergang zwischen zwei Geradenmodulen erklärt werden. Durch ein erneutes
Einlernen der Übergänge zwischen den Modulen ist es möglich, eine Verbesserung umzusetzen.
160 180 200 220 240 260 280 300 320 340 360 380 400 420 440
−0,5
0
0,5
1
xˆextSensor in mm
xDifferenz in mm
Abbildung 3.30: Differenz des externen zum internem Messsystem bei mNutzlast = 350 g
Der Differenzengraph wird für verschiedene Parameter-Paarungen ermittelt. Um abzuschätzen,
wie groß die Bahngenauigkeit ist, wird aus den Messwerten die Standardabweichung berechnet.
Die Ergebnisse dazu sind in Abbildung 3.31 zu sehen.
In den Graphen von
mNutzlast
= 350 g,
mNutzlast
= 400 g und
mNutzlast
= 450 g ist ein ähnliches
Verhalten zu erkennen. Bei den Graphen für die Massen
mNutzlast
= 350 g und
mNutzlast
= 400 g
ist die Standardabweichung bei
vLaufwagen
= 250
mm
/s
am höchsten. Bei
mNutzlast
= 450 g sinkt
die Standardabweichung von
vLaufwagen
= 250
mm
/s
zu 500
mm
/s
. Danach steigt der Graph, bis
er bei
vLaufwagen
= 1000
mm
/s
sein Maximum mit
xDifferenz ≈
0
,
27
mm
erreicht. Bei dem
schwarzen Graph sinkt die Standardabweichung von
vLaufwagen
= 250
mm
/s
bis
vLaufwagen
=
750 mm
/s. Danach steigt der Wert bei 1000 mm
/sstark an bis zu einem Wert von xDifferenz ≈
Genauigkeit des internen Messsystems 81
0
,
39
mm
. Auch aus diesen Daten zeigt sich ein Problem einer Verfahrgeschwindigkeit von
vLaufwagen = 1000 mm
/sin Kombination mit einer Nutzlast von mNutzlastm= 500 g.
350 375 400 425 450 475 500
0,2
0,3
0,4
mNutzlast in g
xDifferenz in mm
250 mm
/s
500 mm
/s
750 mm
/s
1000 mm
/s
Abbildung 3.31:
Abweichungen zwischen dem Lasertriangulationssensor und dem internem
Messsystem bei unterschiedlichen Nutzlasten
In Tabelle 3.8 sind die Mittelwerte und ihre Standardabweichung bei unterschiedlichen Ge-
schwindigkeiten für eine Nutzlast von m= 350 g aufgelistet.
Geschwindigkeit in mm
/sMittelwert ±Standardabweichung in mm
250 0,161 ±0,200
500 −0,028 ±0,186
750 −0,023 ±0,179
1000 −0,256 ±0,186
Tabelle 3.8:
Mittelwerte und Standardabweichung der Differenz zwischen internem und exter-
nen Messsystem bei mNutzlast] = 350 g
Bei einem negativen Wert wird das Bahnmaterial gedehnt, bei einem positiven Wert wird
er entspannt. Im Fall der Ergebnisse für eine Nutzlast von
m
= 350 g bedeutet das, dass
bei einer Geschwindigkeit von
vLaufwagen
= 250
mm
/s
der Bahnmaterial entspannt, jedoch bei
vLaufwagen
= 1000
mm
/s
gedehnt wird. Bei den beiden anderen Geschwindigkeiten wird das
Bahnmaterial während der Fahrt sowohl gedehnt als auch entspannt.
Die höchste Abweichung im negativen Bereich ist unter allen Werten bei der Geschwindigkeit
vLaufwagen
= 1000
mm
/s
und
mNutzlast
= 350 g zu verzeichnen. Bei diesen Parametern ist die
Abweichung ∆
x
=
−
0
,
441
mm
. Wird der Betrag in das kinematische Modell eingesetzt, ergibt
dies eine maximale Längenabweichung von ∆
ℓF
= 0
,
104
mm
. Unter Verwendung des zuvor
ausgewählten Tri-Layer-Separators, erzeugt dies eine maximale Bahnspannungserhöhung von
F= 1,69 N.
82 Systementwicklung zur kontinuierlichen z-Faltung
Die maximale Abweichung im positiven Bereich tritt bei der Geschwindigkeit
vLaufwagen
=
250
mm
/s
und der Nutzlast
mNutzlast
= 400 g ein. Der Wert der Abweichung beträgt bei den
Parametern ∆
x
= 0
,
822
mm
. Bei diesem Wert beträgt die maximale Längenabweichung
∆l= 0,196 mm. Das entspricht einer Bahnspannungs von F= 3,15 N.
Bei Erhöhung der Kraft auf den Separator während der Fahrt wird dieser kurzzeitig gedehnt.
Jedoch erreichen die Kraftwerte mit
F
= 3
,
15 N keinen kritischen Bereich, bei dem der
Separator geschädigt wird. Eine Stauchung ist wesentlich schädlicher für den Prozess, da der
Separator nicht mehr kontrolliert geführt werden kann und möglicherweise über die TCP der
Greifer rutscht und somit die Faltenlänge ℓFverändert.
Die Werte für
mNutzlast
= 350 g und
vLaufwagen
= 1000
mm
/s
liegen im Negativen. Die kleinste
Abweichung beträgt −0,070 mm, was einer Kraft von 0,268 N entspricht.
Die Ergebnisse müssen kritisch gewertet werden, da die von Schmitt empfohlenen Grenz-
werte von 1 N bei vielen Parameterkombinationen deutlich überschritten werden. Auch wenn
Spannungserhöhungen von bis zu
F
= 1
,
69 N auf den Separator wirken, ist doch die Reduktion
von bis zu
F
= 3
,
15 N, je nach gewählter Separatorbahnspannung, wesentlich schädlicher für
den Prozess.
Aus den Zugversuchen ging die obere Streckgrenze mit
ReH ≈
97
N
/mm2
hervor. Die Spannung
im Separator, mit der maximal auftretenden Kraft
F
= 1
,
69 N und der Querschnittsfläche
A
= 129
mm ·
0
,
028
mm
, beträgt
σ
= 0
,
654
N
/mm2
. Die Spannung liegt damit unter dem Wert
der oberen Streckgrenze. Das Separatormaterial wird nicht geschädigt. Demzufolge kann die
Kombination von
mNutzlast
= 350 g und
vLaufwagen
= 1000
mm
/s
für die Bewegung als am besten
geeignet angesehen werden, da nur Zugkräfte auftreten. Durch die gezielte Integration einer
leichten Nachgiebigkeit in den Greifern ist zu erwarten, dass Dehnungen in diesem Bereich
durch den Greifer ausgeglichen werden können.
Die Messergebnisse des eingesetzten Lasertriangulationssensors sind auf Grund der Angaben
zur Linearität des Sensors kritisch zu bewerten. Durch das vom Hersteller garantierte Lineari-
tätsfenster von
±
0
,
35
mm
kann in den erfassten Werten teilweise stärkere Einflüsse aus diesem
Linearitätsfehler vorhanden sein. Mit Bezug auf die in Abbildung 3.30 gezeigten Verläufe rühren
bis zu 0
,
7
mm
der erfassten Differenz ggf. aus dem Linearitätsfehler des Lasertriangulationssen-
sors. Die in Tabelle 3.8 dargestellten Ergebnisse verlieren dadurch nicht ihre Gültigkeit, da auf
Grund der sehr guten Präzision von 30
µm
die Messungen trotzdem untereinander vergleichbar
bleiben.
Entwicklung von Teilfunktionen 83
3.5 Entwicklung von Teilfunktionen
Aus der kinematischen Betrachtung des Systems ergaben sich weitere notwendige Teilfunktionen
sowie Anpassungen an dem bestehenden Gestaltungsentwurf von Bach. An dieser Stelle wird
das vorhandene Gestaltungskonzept angepasst und weitere Teilfunktionen entwickelt, welche
durch die vorangegangenen Betrachtungen für die Faltung erforderlich sind.
Die Konzeptauswahl und -entwicklung erfolgt in Anlehnung an die methodischen Vorgehenswei-
sen von [
Pah-07
], [
VDI2221
] sowie [
VDI2206
]. Dabei werden aus den Anforderungen mehrere
Lösungskonzepte abgeleitet, anschließend bewertet und die bevorzugte Variante entwickelt.
Beispielhaft ist eine solche Darstellung in Tabelle 3.5 aufgeführt. Abschließend wird eine
Betrachtung der erreichten Ergebnisse durchgeführt.
Konzept Art der Lösung Flexibilität ↑Kosten ↓Komplexität ↓Produktivität ↑
Konzept A mechanisch
Konzept B mechatronisch
Konzept C sensorgeführt
: Vorwiegend erfüllt, : Teilweise erfüllt, : kaum erfüllt, ↑erhöhen, ↓senken
Tabelle 3.9: Beispieltabelle zur Konzeptbewertung
3.5.1 Anpassung des Gestaltungskonzeptes
Um die Prozessunsicherheiten zu reduzieren und die Verfahrensführung zu verbessern, wurde
die Ausrichtung der Faltung um 90
°
im Uhrzeigersinn gedreht im Gegensatz zur von Bach
[
Bac-17
] vorgestellten Anlagenaufbaurichtung. Diese Drehung der Anlage ermöglicht es für
Anoden sowie Kathoden vergleichbare Belastungen während der Faltung zu erhalten und bringt
gleichzeitig für die vorgelagerte Baugruppe des Elektrodenfügen Vorteile in der Prozessführung.
Die Länge der umlaufenden Transportsysteme wurde um zwei Mal 250
mm
und somit insge-
samt um 500
mm
erhöht. Diese Erhöhung der Faltenlänge reduziert die Fehlereinflüsse aus
bestehenden Bahnfehlern des Transportsystems.
Durch die Erhöhung der Anzahl der Laufwagen ist es möglich, die Geschwindigkeit der Lauf-
wagen in der Rückführung zu reduzieren und somit die durch die Kurvenfahrt eingeleiteten
Schwingungen zu abzumildern. Je geringer die Anzahl der Laufwagen im System ist, desto
kürzer ist die Zeit, die zwischen dem Ablegen der Falte und dem erneuten Einsatz verbleibt.
Höhere Beschleunigungen, und somit auf das Transportsystem wirkende Kräfte, reduzieren
84 Systementwicklung zur kontinuierlichen z-Faltung
unnötig die Genauigkeit. Vorerst wird weiterhin mit fünf Laufwagen gearbeitet, eine Erhöhung
der Anzahl ist jedoch zu einem späterem Zeitpunkt eine Option ggf. auftretende Probleme zu
reduzieren.
3.5.2 Pendler
Durch die Hintergriff-Problematik muss eine zusätzliche Teilfunktion konzipiert werden. Diese
Teilfunktion ist der Pendler. Er ist der Faltung vorgelagert und führt den Elektrode-Separator-
Verbund, um ein Hintergreifen durch die Greifer zu ermöglichen.
Der Pendler lenkt den Verbund aus seiner vertikalen Bahn aus und durchläuft dabei, gemäß
der kinematischen Bedingungen, je Elektrode eine halbe Periode seiner Bewegung. Der umzu-
setzende Hub je Richtung liegt bei
qP,max ≈
96
mm
und die Periodendauer bei
TP
= 1
,
22 s. Es
ergibt sich somit ein Verfahrweg des Pendlers von
qP,SS
= 2
·qP,max ≈
192
mm
. Dabei sollte eine
Positioniergenauigkeit basierend auf den Ergebnissen des Fehlermodells von
<±
0
,
01
mm
er-
reicht werden, um den Fehlereinfluss aus der Pendlerbewegung für die Systemfehlerabschätzung
vernachlässigen zu können.
Die auf dem Pendler zu bewegende Masse umfasst dabei das Bahnführungselement, sowie ggf.
zusätzliche Elemente wie Motoren. Da sich die Länge des Separators zwischen Führungsrollen
und Pendler dynamisch ändert, verändert sich auch die Geschwindigkeit an den Führungsele-
menten. Werden diese Rollen nicht angetrieben, muss der Separator die aus der Änderung der
Beschleunigung resultierenden Belastungen abfangen. Aus diesem Grund werden angetriebene
Rollen bevorzugt.
Das Weg-Zeit-Diagramm der Pendlerbewegung wird dabei wie im Kapitel 3.2 beschrieben
eine Cosinusfunktion sein. Prinzipiell stehen somit drei Antriebsvarianten zur Auswahl: die
Riemenachse, die Spindelachse sowie die Linearmotorachse. In Tabelle 3.10 werden diese drei
Antriebe gegenübergestellt.
Betriebsmittel Präzision und Richtigkeit ↑Kosten ↓max. Geschwindigkeit ↑
Riemenachse
Spindelachse
Linearmotorachse
: Vollständig erfüllt, : Teilweise erfüllt, : k.A.
Tabelle 3.10: Gegenüberstellung der Antriebe zur Verschiebung der Führungsrollen
Die Riemenachse besitzt auf Grund ihres zahnriemenbasierten Antriebssystems eine hohe Ma-
ximalgeschwindigkeit
>
3000
mm
/s
, weist gleichzeitig jedoch nur eine typische Präzision von
Greifer 85
±
0
,
1
mm
auf und ist somit für diese nicht ausreichend. Eine Linearmotorachse besitzt eine
typische Präzision von
±
0
,
005
mm
und gleichzeitig eine sehr hohe erreichbare Maximalge-
schwindigkeit
>
3000
mm
/s
. Die Spindelachse erreicht eine typische Präzision von
±
0
,
02
mm
bei einer Maximalgeschwindigkeit von >1000 mm
/s.
Der gewählte Gestaltungsentwurf ist in Abbildung 3.32 dargestellt. Dieser basiert auf Linearmo-
torachsen in Portalkonfiguration. Als Messsystem kommt hier ein Linearencoder zum Einsatz.
Nach dem Start des Systems und einer Referenzierung ist eine absolute Positionierung möglich.
Das Rollenpaar wird aktuiert und gleicht die Geschwindigkeitsunterschiede des Separators aktiv
aus, so dass eine belastungsarme Führung des Separatormaterials gewährleistet wird.
Abbildung 3.32:
CAD-Darstellung des konzipierten Pendlers eingebaut in der Faltungsbaugrup-
pe, links Draufsicht, rechts Isometrisch
3.5.3 Greifer
Die Anforderungen an den Greifer aus der Sicht der Bewegungsführung können wie folgt
zusammengefasst werden:
1.
Der Greifer muss eine Funktion beinhalten, die es ermöglicht, die Bahnspannung im
Kurvenelement aufrecht zu erhalten.
2.
Um auf spätere Änderungen in der Geometrie der zu fertigenden Zelle reagieren zu
können, wird hier die Flexibilität benötigt, entsprechende Anpassungen ohne Austausch
der Greifer ermöglichen zu können.
3.
Er muss eine Funktion enthalten, um den Greifer zu öffnen und zu schließen. Diese
Funktion sollte aufgrund der Anwendung auf dem Laufwagen des umlaufenden Trans-
portsystems ohne äußere Zuleitungen für Druckluft, Energie und Signale auskommen.
86 Systementwicklung zur kontinuierlichen z-Faltung
4.
Der Elektrode-Separator-Verbund muss am Eingriffspunkt
PE
hintergriffen, sowie im
Ablagepunkt ohne Verfahrbewegung entlang der Verfahrrichtung des Laufwagens gelöst
werden können.
5.
Entlang der Faltstrecke muss der Verbund sicher und ohne Durchrutschen geführt werden.
Tabelle 3.11 stellt drei grundlegende Konzepte für die Ausführung des Greifers gegenüber.
Lösungskonzept Flexibilität ↑Kosten ↓Komplexität ↓Gewicht ↓
mechanisches Greifer
mechatronisches Greifer
sensorgeführtes Greifer
: Vorwiegend erfüllt, : Teilweise erfüllt, : kaum erfüllt
Tabelle 3.11: Vergleich der Lösungskonzepte zum Greifer
Ein mechanischer Greifer wird in vielen industriellen Anwendungen erfolgreich eingesetzt. Oft
wird die Bewegung durch eine Zwangsführung in Kombination mit einer rückstellenden Feder
realisiert. Durch diesen Zusammenhang ist die Flexibilität des Systems nicht sehr hoch. Die
Flexibilität ist hier jedoch nicht durch den Greifer selbst eingeschränkt. Für eine Änderung
im Zellformat müssen die Zwangsführungen für die Öffnung der Greifer sowie die für das
Kurvenelement angepasst werden. Am Greifer selbst sind dabei basierend auf dem derzeitigen
Erkenntnisstand keine Änderungen erforderlich.
Ein mechatronischer Greifer ermöglicht den Wegfall der Anlauframpen. Um dies möglich zu
machen, ist es jedoch erforderlich, die entsprechenden Antriebe ebenso wie die Energieversor-
gung für diese im Greifer unterzubringen. Diese Maßnahmen erhöhen die Flexibilität durch
programmierbare TCP-Bahnen, erhöhen jedoch die Systemkomplexität sowie die Kosten und
das Gewicht.
Ein sensorgeführter Greifer integriert zusätzlich zu den Funktionen eines mechatronischen eine
Sensorik z.B. für die Bahnzugmessung. Diese Sensorik bietet durch die Erfassung der Zugkräfte
am Wirksystem des Greifers den Elektrode-Separator-Verbund eine koordinierte Regelung der
Bahnkräfte lokal sowie über mehrere Greifer hinweg. Zu diesem Zweck ist eine bidirektionale
Kommunikation der Greifer mit der laufwagenführenden SPS erforderlich. Diese erweiterte
Kopplung lokaler sowie verteilter System erhöht weiter die Komplexität und steigert zustzälich
die Kosten.
Der Einsatz eines mechanischen Greifers erfüllt, bis auf die Flexibilität, alle Kriterien und
gilt somit als Favorit. Ohne das der Nachweis der Notwendigkeit einer Bahnsteuerung oder
Greifer 87
Bahnzugregelung erbracht ist, erscheinen diese komplexeren Systeme nicht erforderlich und
sollten unter dem Gesichtspunkt überschaubarer Komplexität, erhöhten Greifergewichts sowie
signifikant höherer Kosten nachrangig behandelt werden.
Führungswagen
Laufwagen
Zugfeder
Linearführung
Öffnungshub
Elektrode-Separator-Verbund
Laufrad (Schließen des Greifers)
Position der Rampen
TCP-Führung
TCP
Abbildung 3.33: Gestaltungsentwurf nach [Ayd-18]
In der gemeinsamen Veröffentlichung von Aydemir et. al wird ein Gestaltungsentwurf
zum Greifer präsentiert [
Ayd-18
]. Dieser ist ein mechanischer Greifer ohne eigenen Antrieb mit
vier Freiheiten. Der Greifer wird passiv über Rampen entlang des Transportsystems aktuiert.
Er besitzt einen Öffnungshub von 140
mm
sowie einen Vertikalhub für die Aufrechterhaltung
der Bahnspannung im Kurvenelement von 10
mm
. Diese Hübe sind dabei zwangsöffnend
ausgeführt und ermöglichen so die einzusetzende Rampenlänge zu reduzieren, da diese nur vom
Öffnungspunkt bis zum Ablagepunkt benötigt werden. Die Öffnung des Greifers im Ablagepunkt
wird dabei über ein Wegziehen der Rampen über Pneumatikzylinder realisiert. Gegenüber den
konkurrierenden Konzepten ist das Gewicht mit ca. 350 g wesentlich niedriger als 500 g. Der
Greifer, montiert auf einem Laufwagen, ist in Abbildung 3.33 dargestellt. Die Wirkstellen sind
dabei als Flachprofile ausgeführt und hintergreifen den Elektrode-Separator-Verbund nahezu
vollständig.
Der Gestaltungsentwurf zum Greifer bildet einen Ausgangspunkt für die Umsetzung nach der
Anforderungsanalyse, durch die aus der Kinematik ableitbaren Bewegungsprofile der Laufwagen.
Dieser Entwurf genügt formal den Anforderungen, die basierend auf der Modellbildung an den
Greifer gestellt wurden.
88 Systementwicklung zur kontinuierlichen z-Faltung
3.5.4 Aufhängung der Transportsysteme
Die Aufhängung dient der räumlichen Befestigung und Ausrichtung der Transportsysteme
innerhalb der Faltung. An ihr werden die Transportsysteme, die Laufbahnen für die Greifer sowie
später der Niederhalter befestigt. Die Ausrichtung der Transportsysteme sowie die Steifigkeit
des Maschinenbetts sind die Kernanforderungen an die Aufhängung. Die Flexibilität in der
Ausrichtung der Transportsysteme ist auf Grund der in Kapitel 3.3.2 erörterten Empfindlichkeit
des Systems auf geometrische Fehler erforderlich. Die Transportsysteme müssen zueinander
im Restfehlerbereich von
<
0
,
1
mm
ausgerichtet werden, um die beanspruchungsgerechte
Handhabung des Separators gewährleisten zu können.
Die Steifigkeit ist erforderlich, um Nachgiebigkeiten, welche sich negativ auf die Regelung des
Systems auswirken, reduzieren zu können. Alle Laufwagen beider Systeme werden im gleichen
Regeltakt angesteuert und induzieren ihre Reaktionskräfte in das Maschinenbett. Wird dieses
durch diese Kräfte ausgelenkt, werden die Bewegungen der anderen Laufwagen beeinflusst,
was ausgeschlossen werden muss. Gleichzeitig ist es im Rahmen der Demonstratorentwicklung
notwendig, auf Änderungen spät im Entwicklungsprozess reagieren zu können.
Als Anforderungen für diese Teilfunktion ist somit eine einfache Justagemöglichkeit für die Aus-
richtung der Transportsysteme gegenüber dem Falttisch notwendig. Dabei soll eine gewünschte
Zielausrichtung der Transportsysteme in einem weiten Bereich flexibel erreicht werden. Die
Zugänglichkeit für die robotergestützten Falttische muss gegeben sein. Eine Wahl der finalen
Montagehöhe soll in weiten Bereichen möglich sein. Basierend auf den aufgestellten Anforde-
rungen wurden Lösungskonzepte entwickelt, welche in Tabelle 3.12 dargestellt sind.
Lösungsansatz Flexibilität ↑Kosten ↓Zugänglichkeit ↑Steifigkeit ↑
einseitige verstärkte Aufhängung
zweiseitige Aufhängung
motorisierte Aufhängung
: Vorwiegend erfüllt, : Teilweise erfüllt, : kaum erfüllt
Tabelle 3.12: Vergleich der Lösungsansätze zur Aufhängung der Transportsysteme
In Abbildung 3.34 ist das gewählte Lösungskonzept dargestellt. Dieses besteht fast vollständig
aus Standardkomponenten. Eingesetzt werden dabei Wellen mit einem Durchmesser von
25mm, welche in einem Wellenbock eingespannt werden. Zwei dieser Wellen werden dabei je
Transportsystem eingesetzt. Diese befinden sich wiederum auf einer Vorrichtung, welche eine
Verstellung der Lage der Transportsysteme durch translatorisches Verschieben der Wellenböcke
entlang der Weltkoordinatenachse
0z
ermöglicht. Das Aluminiumprofil wiederum kann in seiner
Höhe gegenüber dem Falttisch entlang der Weltkoordinatenachse
0x
verschoben werden. Die
Aufhängung der Transportsysteme 89
beidseitige Aufhängung reduziert die Belastungen der eingesetzten Komponenten und erhöht
so die Zugänglichkeit durch eine kompakte Bauweise.
Abbildung 3.34: Transportsystemaufhängung im CAD, links Detailansicht, rechts Draufsicht
Abbildung 3.35:
Stand der Faltungsbaugruppe im Aufbau als Teil des Demonstrators des Kon-
tiBat Projektes
Das gezeigte Konzept zur Aufhängung der Transportsysteme ermöglicht es, die Anschlusspunkte
für die Rampen in die Struktur zu integrieren. Die Zugänglichkeit für die roboterbasierten Falt-
tische ist, wie rechts in der Abbildung 3.34 zu sehen, durch die Aufhängung nicht eingeschränkt.
Das im Inneren der Baugruppe sichtbare V-Element stellt die Rampe für die Aktuierung der
Greifer dar. Diese Rampe enthält Funktionen zum Öffnen und Schließen sowie zum Folgen der
Bahn im Kurvenelement. Durch die dargestellte Bauweise ist eine schwingungsarme Basis für
den Demonstratoraufbau der Faltung geschaffen worden.
90 Systementwicklung zur kontinuierlichen z-Faltung
3.6 Implementierung des kinematischen Modells in
der Steuerung
Nachfolgend wird dargestellt, wie die bereits in MatLab implementierte Berechnung in diesem
Kapitel auf die SPS übertragen wird. Durch die zusätzliche Startphase sind Programmabschnitte
notwendig, die das physische System in die Ausgangskonfiguration bringen. Die transferierten
Gleichungssysteme werden anschließend auf korrekte Ergebnisse überprüft. Zum Schluss werden
die Ergebnisse aus dem kinematischen Modell mit denen aus der SPS verglichen.
In Abbildung 3.36 sind die Ergebnisse der in der SPS berechneten TCP Bewegung dargestellt.
0 50 100 150 200 250 300 350 400 450 500
300
400
500
600
qLin mm
qRin mm
0 50 100 150 200 250 300 350 400 450 500
−100
−98
−96
−94
−92
qGR in mm
Abbildung 3.36: Antriebsbewegungen des nachlaufenden Wagens
In Abbildung 3.37 werden die Ergebnisse der berechneten Werte für
qR
(
qL
)dargestellt. Die
Berechnung in der SPS liefert andere Ergebnisse für
qR
als die Simulation in MatLab. Diese
Unterschiede zeigen sich besonders am Ende der Faltstrecke
ℓFS
. Dort weichen die Ergebnisse
um 10 mm beziehungsweise 1,5 % voneinander ab.
480 485 490 495 500 505 510 515 520 525
640
650
660
qLin mm
qRin mm
MatLab
SPS
Abbildung 3.37: Abweichungen der Berechnungen von MatLab und der SPS im Bereich IV
Diese Differenzen werden nur in Bereich IV sichtbar, weshalb einige Fehlerursachen bereits
ausgeschlossen werden können. Zur Korrektur dieses Fehlers müssen die möglichen Ursachen
Implementierung des kinematischen Modells in der Steuerung 91
zusammengetragen und analysiert werden. Ursachen für diesen Fehler können in den folgenden
Bereichen zu finden sein:
•Fehler in den Gleichungen des kinematischen Modells
•Fehlerhafte Implementierung der Gleichungen in der SPS
•Inkorrekt gesetzte Randbedingungen für die Anwendung der Bereiche in der SPS
•Fehler in der Berechnung der Ergebnisse
Um den Fehler einzugrenzen, wurden die Zwischenergebnisse der Berechnung von
qR
unter-
sucht. Ein Vergleich dieser zeigt einen ähnlichen Wertebereich und Verlauf zwischen MatLab
und der SPS, jedoch treten beim Ziehen der Wurzel aus Zahlen im Bereich von 10
8
nicht
vernachlässigbare Unterschiede in den Ergebnissen auf. Diese Unterschiede sind in diesem Fall
auf die eingesetzten Solver zurückzuführen. Die Abbruchbedingung und der dort zulässige Rest-
fehler erscheint bei der SPS Implementierung höher, wodurch bei der Verarbeitung mehrerer
so abweichender Werte ein beobachteter Unterschied der Ergebnisse auftritt.
Da die Einstellungen der Solver der SPS nicht beeinflusst werden können, muss ein alternativer
Weg zur Korrektur der Berechnungsfehler gewählt werden. Eine Möglichkeit bietet hier die
lineare Regression. Unter Verwendung der Ergebnisse der Berechnungen von MatLab sowie der
SPS wird so eine Übertragungsfunktion berechnet. In diese Übertragungsfunktion werden die
Ergebnisse der SPS-Berechnungen eingespielt und das Ergebnis in der Variable
qR
gespeichert.
Wird dabei ein Polynom dritten Grades eingesetzt, ergibt sich die in Abbildung 3.38 dargestellte
Übereinstimmung der Ergebnisse für qRaus der SPS-Berechnugn sowie MatLab.
Um die Güte des berechneten Polynoms für den Einsatz im kinematischen Modell zu berechnen,
wird der Einfluss der Übertragungsfunktion auf die Faltenlänge
ℓF
aus den Sollwerten in der SPS
betrachtet. In Abbildung 3.39 sind die Ergebnisse dieser Berechnung für Bereich IV dargestellt.
Zu erkennen ist, dass ein Einfluss auf die Faltenlänge
ℓF
durch die Übertragungsfunktion
gegeben ist, dieser jedoch im Bereich von 20
µm
liegt und damit vernachlässigt werden kann.
Durch die Verwendung eines Polynoms höheren Grades, ist eine genauere Näherung denkbar,
jedoch in diesem Fall nicht erforderlich.
Durch die Kompensation der Unterschiede zwischen MatLab und SPS wurde eine erfolgreiche
Implementierung des kinematischen Modells in der SPS realisiert. Diese bildet nun die Basis
für die Ansteuerung der Laufwagen des Transportsystems. Durch die integrierte Berechnung
92 Systementwicklung zur kontinuierlichen z-Faltung
480 485 490 495 500 505 510 515 520 525
634
636
638
640
642
644
646
648
650
qLin mm
qRin mm
MatLab
SPS Comp
Abbildung 3.38:
Abweichungen zwischen den Berechnungen von MatLab und der SPS im
Bereich
IV
unter Verwendung einer Kompensationsfunktion für den Bereich
IV
480 485 490 495 500 505 510 515 520 525
303,975
303,980
303,985
303,990
303,995
304,000
304,005
Postion des nachlaufenden Laufwagens qLin mm
Faltenlänge ℓ
ˆFin mm
Abbildung 3.39:
Faltenlänge unter Verwendung der SPS berechneten Sollpositionen der TCP
unter Verwendung der Übertragungsfunktion
Implementierung des kinematischen Modells in der Steuerung 93
der Faltenlänge
ℓF
ist es möglich, eine Aussage über die Beanspruchung des Separators als
Folge aus den Ist- sowie Soll-Positionsdaten der Laufwagen zu berechnen.
Ein vergleichbares Vorgehen wäre auch für die Korrektur der Bahnfehler des Transportsystems
denkbar. Ein ausreichend genaues Messsystem könnte die Ist-Position jeden Laufwagens entlang
der Faltstrecke
ℓFS
erfassen. Mit diesen Werten ließe sich eine Korrekturtabelle anfertigen. Diese
Tabelle ermöglicht es dann die Position des Laufwagens so zu korrigieren, dass Linearitätsfehler
des Wegmesssystems signifikant reduziert werden können.
94
4 Validierung
Allgemein werden mit der Validierung die an ein Verfahren gestellten Anforderungen überprüft.
In diesem Fall ist die Validierung mehrstufig. Zuerst wird der Einfluss der entwickelten Aufhän-
gung auf das Schwingungsverhalten der Laufwagen untersucht. Aus diesem Experiment lassen
sich Rückschlüsse auf die erreichbare Performance am Demonstrator ziehen.
Nachfolgend wird das kinematische Modell in der Steuerung verwendet, um die Laufwagen
während des Faltprozesses auf ihrer Bahn zu bewegen. Mit dieser Messung kann auf die
Gesamtleistung des Systems geschlossen werden.
Abschließend wird untersucht, mit welcher Präzision der Eingriffspunkt angefahren werden kann
und wie die Positionsdifferenz der Laufwagen bei doppelter Verfahrgeschwindigkeit abweicht.
4.1 Experimentelle Betriebsmittelerprobung
In Abbildung 4.1 ist die erste Versuchsreihe dargestellt. Die Abbildung zeigt dabei den Verlauf
der Positionsdifferenz des Laufwagens
qT,PosDiff
abgetragen über der Weglaufvariable des Trans-
portsystems
qT
. Der Beginn der Faltstrecke
ℓFS
liegt bei
qT
= 1300
mm
. Für den Versuch
fährt der Laufwagen zwischen
qT
= 500
mm
und
qT
= 1500
mm
mit einer Geschwindigkeit von
λ
˙
= 1000
mm
/s
hin und her. Das Klothoidenmodul befindet sich in diesem Versuch zwischen
qT= 750 mm und qT= 1250 mm.
Bereits mit den Referenzparametern aus Kapitel 3.4 ist eine Verbesserung der Positionsdifferenz
zu sehen. In der Kurve reduziert sich die maximale Abweichung auf
≈
1
mm
gegenüber der
Differenz mit der vorher verwendeten Aufhängung. Diese Verbesserung ist mit hoher Wahr-
scheinlichkeit auf die erhöhte Steifigkeit der Aufhängung der Transportsysteme zurückzuführen.
Mit Hilfe der Regelparameter und Filtereinstellungen kann die verbleibende Abweichung im
Weiteren signifikant reduziert werden. So lässt sich die Abweichung in der Kurve von rund
1,2 mm auf 0,5 mm senken. Gleichzeitig ist die Amplitude der Schwingung kleiner.
Im unteren Teil der Abbildung 4.1 ist ein Detailausschnitt dargestellt. Dieser Ausschnitt zeigt
den Bereich vom Ende des Klothoidenmoduls bis zum Ende der Verfahrbewegung. Ebenso
ist der Beginn der Faltstrecke
ℓFS
bei
qT
= 1300
mm
gekennzeichnet. In dem für die Faltung
relevanten Bereich wurde die Positionsdifferenz auf maximal 0
,
1
mm
reduziert. Aus dieser
Abbildung wird auch die Wahl von qL,0=qR,0= 1300 mm ersichtlich.
Experimentelle Betriebsmittelerprobung 95
500 600 700 800 900 1000 1100 1200 1300 1400 1500
−1
−0,5
0
0,5
1
qTin mm
qT,PosDiff in mm
1260 1280 1300 1320 1340 1360 1380 1400 1420 1440 1460 1480 1500
−0,5
−0,4
−0,3
−0,2
−0,1
0
0,1
0,2
0,3
0,4
0,5
Beginn Faltstrecke!
qTin mm
qT,PosDiff in mm
Referenz
Angepasst
Abbildung 4.1:
Positionsdifferenz
qT,PosDiff
der Laufwagen bei einer Verfahrgeschwindigkeit
λ
˙
= 1000
mm
/s
unter Verwendung eines Greiferprototypen nach [
Ayd-18
] und
Variation der Anpassung der Regelparameter
96 Validierung
Die angepassten Rahmenbedingungen, im Speziellen die Aufhängung des Systems, verbessern
die Positionstreue der Laufwagen signifikant. Durch eine steifere Aufhängung ist es möglich,
die Regelparameter für die Position so anzupassen, dass der Regler schneller reagiert. Somit
sind die Grundlagen geschaffen für die Implementierung und Evaluierung des kinematischen
Modells auf dem Versuchsträger.
4.2 Experimentelle Systemerprobung
Bei der experimentellen Erprobung des kinematischen Modells werden die Transportsysteme
synchronisiert in der Konfiguration des Verfahrens gemäß der Parameter aus dem Kapitel 3.2.
Auf dem Laufwagen ist dazu ein prototypischer Greifer montiert.
Als erstes wird der Einfluss der Separatorgeschwindigkeit
λ
˙
untersucht. In Abbildung 4.2 ist der
Verlauf der Positionsabweichung
qT,PosDiff
der Laufwagen über die Faltstrecke
ℓFS
abgebildet.
Der Bereich von
qL
ist von
qL
= 0
mm
bis
qL
= 528
mm
dargestellt, da bei
qL>
528
mm
der vorlaufend Laufwagen sich auf dem Kreisbogen des Kurvenelements befindet und keinen
Einfluss mehr auf ℓFhat. Die Versuche mit drei Geschwindigkeiten werden verglichen.
0 50 100 150 200 250 300 350 400 450 500
−0,2
−0,15
−0,1
−5·10−2
0
5·10−2
0,1
0,15
0,2
qLin mm
qT,PosDiff in mm
100 mm
/sOptimiert
250 mm
/sOptimiert
500 mm
/sOptimiert
Abbildung 4.2: Positionsabweichung des Laufwagens entlang der Faltstrecke ℓFS
Experimentelle Systemerprobung 97
Die Verfahrensgeschwindigkeit hat keinen Einfluss auf die Abweichung in der Position. Je nach
Bereich entlang
qL
zeigt sich bei einer anderen Geschwindigkeit die maximale Amplitude von
qT,PosDiff.
Geschwindigkeit Betragsmaximum Betragsmittelwert Standardabweichung
λ
˙= 100 mm
/s0,175 mm 0,028 mm 0,038 mm
λ
˙= 250 mm
/s0,170 mm 0,042 mm 0,054 mm
λ
˙= 500 mm
/s0,205 mm 0,049 mm 0,069 mm
Tabelle 4.1: Gegenüberstellung der geschwindigkeitsabhängigen Bahnfehler der Laufwagen
In Tabelle 4.2 sind für die in Abbildung 4.2 dargestellten Verläufe die Standardabweichung, der
Betragsmittelwert sowie das Betragsmaximum zu sehen. Je höher die Geschwindigkeit, desto
größer ist die Differenz (Betragsmittelwert). Dieser Einfluss ist jedoch weit geringer als das
Verhältnis der Geschwindigkeitssteigerung. So erhöhen sich die Werte zwischen 18% bis 82%,
was jedoch weit unter den 500% Geschwindigkeitsverhältnis liegt. Im Weiteren werden die
Versuche bei einer Verfahrensgeschwindigkeit von λ
˙= 500 mm
/sdurchgeführt.
In Abbildung 4.3 ist der Einfluss der Positionsabweichung
qT,PosDiff
des nachlaufenden sowie
vorlaufenden Laufwagens über der Faltstrecke ℓFS abgetragen. Die Faltenlänge ℓFändert sich
um ∆ℓF=±0,2 mm , an wenigen Stellen um ∆ℓF=±0,3 mm.
0 50 100 150 200 250 300 350 400 450 500
303,6
303,7
303,8
303,9
304,0
304,1
304,2
304,3
Position des nachlaufenden Laufwagens qLin mm
Faltenlänge ℓF,gem in mm
Abbildung 4.3: Faltenlänge berechnet aus Ist-Positionsdaten der Laufwagen bei λ
˙= 500 mm
/s
Diese Darstellung lässt sich auf die Spannungsänderung in der gegriffenen Falte umrechnen.
Die Ergebnisse dazu sind in Abbildung 4.4 dargestellt.
98 Validierung
0 50 100 150 200 250 300 350 400 450 500
−6,0
−4,0
−2,0
0,0
2,0
4,0
Position des nachlaufenden Laufwagens qLin mm
∆FF alte in mm
Abbildung 4.4:
Änderung der Materialspannung während des Faltvorgangs bei
λ
˙
= 500
mm
/s
ermittelt aus Messungen von qT,PosDiff
Die Versuche zeigen, dass sich die Faltenlänge maximal um 0,10 % reduziert bzw. um 0,12 %
verlängert. Für den Separator H2013 von Celgard führt das zu einer Änderung der Bahn-
spannung durch das Bewegungsführungssystem von +4
,
8 N
bis −
6
,
17 N. Ausgehend von
einer nominalen Nennbahnspannung von 8 N ergibt sich eine Bahnspannung im Prozess von
1
,
83 N
< FBahn <
12
,
8 N. Damit werden die Vorgaben für eine Bahnspannung gemäß der
Anforderungen an konventionelle z-Faltprozesse durch Schmitt [
Sch-15a
] nicht direkt einge-
halten. Im Ablagepunkt wird der Einfluss des dynamischen Anteils aus dem Fehler ∆
qT
entlang
der Faltstrecke vernachlässigbar, so dass die Schwankungen in der Bahnspannung im Zellstapel
geringer ausfallen.
4.3 Erfassung der Laufwagenpositionsdifferenz
Um die prinzipielle Möglichkeit zur Faltung nachzuweisen, wurde die Faltung wiederholt mit
zwei Laufwagen durchgeführt. Auf dem Laufwagen L
1
wurde dafür ein Prototyp des Greifers
nach [
Ayd-18
] montiert. Der Laufwagen R
1
wurde ohne Greifer verfahren. So ist ein Vergleich
des Verhaltens mit und ohne Nutzlast im Faltungseinsatz möglich.
Die Verfahrensgeschwindigkeit
λ
˙
= 500
mm
/s
wurde gewählt. Diese Geschwindigkeit würde
einer Produktivität der Baugruppe von 0
,
6
s
/Falte
entsprechen und somit bereits die vom VD-
MA [
Mic-18
] aufgestellte Schallmauer von 1
s
/Falte
unterschreiten. Auf Grund des stärksten
Einflusses dieses Parameters auf die Faltenposition, siehe Tabelle 3.3.2, besitzt dieser Versuch
Erfassung der Laufwagenpositionsdifferenz 99
eine hohe Aussagekraft zur erreichbaren Ablagegenauigkeit der Baugruppe. In Tabelle 4.3 ist
der Mittelwert der Schleppabstände
qT,PosDiff
sowie seine Standardabweichung für die beiden
Laufwagen abgetragen.
Bezeichnung Betragsmittelwert Standardabweichung
Laufwagen L1mit protypischem Greifer 0,0635 mm 0,0049 mm
Laufwagen R1ohne Nutzlast -0,0702 mm 0,052 mm
Tabelle 4.2:
Gegenüberstellung der Mittelwerte der Fehler und ihrer Streuung von
qT,PosDiff
für
belastete und unbelastete Laufwagen
Es zeigt sich, dass beide Laufwagen eine ähnliche Abweichung zum Eingriffszeitpunkt aufweisen,
welche jedoch im Vorzeichen gegensätzlich ist. Laufwagen L
1
hängt somit leicht hinterher und
würde die Falte im Mittel mit
≈
0
,
063
mm
zu spät greifen. Die Standardabweichung der
qT,PosDiff
beträgt dabei jedoch nur
≈
0
,
005
mm
. Werden diese Werte auf Ihren Einfluss auf die
Faltenposition gemäß des aufgestellten Fehlermodells umgerechnet, ergibt sich ein Mittelwert
von
≈
0
,
056
mm
und eine Standardabweichung von
≈
0
,
0045
mm
. Somit liegen statistisch
99,73 % aller Eingriffspunkte in einem Zielfenster von ≈0,056 mm ±0,013 mm.
Die Unsicherheit der Faltenposition aus der Positionsdifferenz
qT,PosDiff
liegt somit bei
±
0
,
013
mm
.
Dieser Wert liegt im Bereich der vom Hersteller des Systems angegebenen Wiederholgenauigkeit
von 10
µm
. Der über das interne Messsystem ermittelte Fehler muss jedoch auf Grund der
Herstellerangabe zur Absolutgenauigkeit innerhalb eines Geradenmoduls von
±
0
,
25
mm
mit
Vorsicht interpretiert werden. Der Zeitpunkt für das Erreichen des Eingriffspunktes
PE
sollte
in jedem Falle überprüft werden.
Um die Ablagegenauigkeit vorhersagen zu können, werden diese Ergebnisse in das Fehlermodell
eingesetzt und für einen Stapel von 100 Falten ausgerechnet (siehe Abbildung 4.5). Die Einflüsse
aus den anderen Fehlern wurden hier vernachlässigt, um eine Verfälschung der Darstellung
zu vermeiden. Der Fehlereinfluss aus den vernachlässigten Werten muss noch verschlechternd
hinzugerechnet werden. Wird, basierend auf der Messung von
qT,PosDiff
, der Betrag dieses
Fehlers für die Laufwagen verwendet, ist unter einer groben Schätzung ein Fehler von
≈
±
0
,
1
mm
aus den dynamischen Anteilen zu erwarten. So lässt sich eine erste Abschätzung der
Gesamtpräzision vornehmen.
Nach einer ersten Schätzung auf Basis der Vorversuche ist mit einer Positionsabweichung
der Elektroden auf dem Separator von
±
0
,
2
mm
zu rechnen. Unter dem Einfluss der bisher
berücksichtigten Fehler, erscheint für die Baugruppe eine Präzision in der Ablage der Elektroden
von ≈ ±0,5 mm erreichbar.
100 Validierung
0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100
−2
−1
0
1
2
·10−2
Faltennummer
∆zElektrode in mm
Abbildung 4.5:
Ergebnisse des Fehlermodells unter Verwendung der ermittelten Abweichungen
von qT,PosDiff
Gesondert betrachtet wird an dieser Stelle ein Versuch für die Geschwindigkeit
λ
˙
= 1000
mm
/s
in Abbildung 4.6. Das System kann nur wenige Faltvorgänge durchführen, bevor es in einen
Fehlerzustand geht, da die Steuerung für diesen Fall noch nicht stabil ist.
Trotz dieses Fehlers kann das kinematische Modell die Bewegung bei dieser Geschwindigkeit
führen. Im Eingriffspunkt ist eine erhöhte Abweichung in der Position von
≈
1
,
5
mm
zu
beobachten, welche sich nach
≈
20
mm
legt. Im weiteren Verlauf der Faltstrecke ist ein
vergleichbarer Verlauf wie bei einer Geschwindigkeit von
λ
˙
= 500
mm
/s
. Die Abweichungen
im Ablagepunkt sind wiederum ungefähr doppelt so hoch, wie die bei halber Geschwindigkeit.
Diese Messung zeigt, dass das kinematische Modell sowie die Transportsysteme auch bei
höheren Geschwindigkeiten formal das Separatormaterial falten können, wenn auch mit erhöhten
Abweichungen in der Faltenposition.
Die Validierung hat gezeigt, dass das Verfahren für eine Verfahrensgeschwindigkeit
λ
˙
=
1000 mm
/sbereit ist. Die gemessenen Abweichungen bei der Handhabung der Falte sind inner-
halb des zulässigen Rahmens für einen Trilayer-Separator, wie den Celgard H2013. Gleichzeitig
zeigt sich bereits mit den prototypischen Greifern eine sehr niedrige Standardabweichung wäh-
rend des Anfahrens des Eingriffspunkts. Mit der in Abbildung 4.6 gezeigten Messung konnte
zudem gezeigt werden, dass das System bereits weitestgehend für höhere Geschwindigkeiten
verwendet werden kann.
Erfassung der Laufwagenpositionsdifferenz 101
0 50 100 150 200 250 300 350 400 450 500
304,0
304,5
305,0
305,5
Position des nachlaufenden Laufwagens qLin mm
Faltenlänge ℓFin mm
Abbildung 4.6:
Faltenlänge aus Ist-Positionsdaten während des Faltvorgangs bei
λ
˙
= 1000
mm
/s
102
5 Zusammenfassung, Bewertung
und Ausblick
5.1 Zusammenfassung
Im Rahmen der Arbeit wurde ein innovatives Verfahren zur kontinuierlichen z-Faltung von
bandförmigen Materialien zur Herstellung von Batteriezellverbünden untersucht. Dieses kon-
tinuierliche Verfahren besitzt, basierend auf der kontinuierlichen Verfahrensführung und der
Abkehr von Zu- und Rückstellbewegungen, das Potenzial, eine signifikante Produktivitätsstei-
gerung gegenüber dem Stand der Technik sowie auch dem Stand der Forschung zu erzielen.
Basierend auf dem Patent zum Verfahren zum z-falten eines Bahnmaterials und dem Gestal-
tungsentwurf zum Anlagenkonzept wurde das Verfahren im Detail ausgearbeitet. Im Rahmen
dieser Analyse wurde sich besonderer Herausforderungen in der Verfahrensführung angenom-
men, welche vorher nicht betrachtet worden waren. Es wurde gezeigt, dass ein dynamisches
Bahnführungssystem der Baugruppe vorzulagern ist. Die Faltenhandhabung wurde dabei um
ein Kurvenelement erweitert, welches die adäquate Handhabung der Falten über den gesamten
Faltprozess sicherstellt.
Als erster Schritt wurden die Anforderungen und Rahmenbedingungen erarbeitet. Darauf ba-
sierend ist ein kinematisches Modell für den Faltprozess aufgestellt worden. Das Modell ist so
aufgebaut, dass alle kinematischen Elemente durch eine Variable in Kombination mit einem
Parametersatz beschrieben werden können. Dies ermöglicht es, flexibel auf Änderungen geome-
trischer Abmessungen zu reagieren, ohne das Modell anpassen zu müssen. Zur Überwachung
der berechneten Werte ist in das Modell eine Koordinatentransformation integriert worden,
durch welche die räumliche Position der Elemente ermittelt werden kann. Gleichzeitig kann
dadurch eine Überprüfung der Bahnen der Endeffektoren erfolgen. Im Weiteren ist eine Be-
rechnung der Faltenlänge jeder aufgezogenen Falte implementiert worden, welche für spätere
Validierungen als Basis zur Einschätzung der Verfahrensfähigkeit dienen kann.
Die Empfindlichkeit des Verfahrens gegenüber Fehlereinflüssen wurde anhand des kinematischen
Modells berechnet. Dies ermöglicht es, Fehler aus der Ungenauigkeit der Ausrichtung der Kom-
ponenten zu berechnen. Zur Einschätzung der Ablagepräzision der Elektroden im Zellverbund
ist ein Fehlermodell aufgestellt worden, in dem, basierend auf den Fehlereinflüssen zur Falten-
position, die Position der Elektroden im Zellverbund berechnet wird. Durch eine Betrachtung
Ergebnisse und ihre Bedeutung 103
von mehreren Falten konnte eine voraussichtliche Verteilung der Elektrodenmittelpunkte im
Stapel vorhergesagt werden.
Eine messtechnische Untersuchung zur Charakterisierung des Transportsystems wurde durch-
geführt. Dabei sind Untersuchungen zur Nutzlast in Kombination mit der Verfahrensgeschwin-
digkeit, Positioniergüte, sowie Bahntreue durchgeführt worden. Im Rahmen der Versuche
zur Nutzlast konnte gezeigt werden, dass ein Prozessfenster mit diesem Transportsystem im
Bereich von
∼
350 g Nutzlast als obere Grenze bei der Entwicklung der Greifer angestrebt
werden sollte. Gleichzeitig konnte gezeigt werden, dass für Geschwindigkeiten bis 1000
mm
/s
das Transportsystem mit dieser Nutzlast formal in der Lage ist, die gewünschte Präzision zu
erreichen. Dies entspricht einer Zeit pro Falte von 0,304 s.
Die Konzeption und Entwicklung der Teilkomponenten des Verfahrens wurde dargestellt. Die-
se Komponenten sind entsprechend der aus dem Fehlermodell sowie der Untersuchung des
Transportsystems abgeleiteten Anforderungen entwickelt worden.
Eine Implementierung des kinematischen Modells in der speicherprogrammierbaren Steuerung
zeigte Herausforderungen bei seiner Portierung. Die beobachteten Abweichungen wurden dabei
auf ihre Ursachen untersucht und eine Korrektur vorgenommen. Diese Korrektur ist durch den
Einsatz einer linearen Regression ermöglicht worden. Als Ergebnis steht eine Übertragungs-
funktion, welche angenähert das ideale Verhalten der SPS-basierten Umsetzung herstellt.
Im Rahmen der Validierung ist die Fähigkeit des Bewegungsführungssystems zum Aufziehen und
Führen von Falten gezeigt worden. Bei diesen Versuchen kamen Greiferprototypen als Nutzlast
zum Einsatz, so dass verfahrensnahe Rahmenbedingungen für den Versuch geschaffen werden
konnten. Durch den Einsatz konzipierter und implementierter Teilkomponenten konnten die
Leistungsparameter aus vorhergehenden Untersuchungen übertroffen werden. Eine Betrachtung
der Faltenlänge im Rahmen der Validierung zeigte geringe Abweichungen im Bereich von
wenigen Zehntel Millimeter. Diese wiederum, auf die Faltenlänge umgerechnet, ergeben eine
Schwankung der Bahnspannung entlang der Faltstrecke von wenigen Newton.
5.2 Ergebnisse und ihre Bedeutung
Im Ergebnis der Arbeit steht ein kinematisch modelliertes und auf Fehlereinflüsse untersuchtes
Verfahren zur z-Faltung von bahnförmigen Materialien. Das kinematische Modell, welches in
der Anlagensteuerung implementiert wurde, befähigt das System, die erforderliche Bahn zu
fahren. Das kinematische Modell ist dabei flexibel in der Konfiguration des Zellformates und
kann durch Eingabe der Parameter die entsprechende Bewegungsführung berechnen.
104 Zusammenfassung, Bewertung und Ausblick
Unter seiner Verwendung konnten stabile Verfahrensabläufe bis zu einer Separatorvorschubge-
schwindigkeit von 500
mm
/s
gezeigt werden, jedoch ohne das dabei Bahnmaterial gefaltet wurde.
Die dabei erzielte Präzision lässt auf eine voraussichtliche Ablageungenauigkeit der Elektro-
den von
<
0
,
5
mm
inklusive einer bereits in der Elektrodenposition enthaltenen Unsicherheit
von
±
0
,
2
mm
schließen. Die Verfahrensproduktivität liegt bei einer Verfahrensgeschwindig-
keit von 500
mm
/s
mit 140
Ah
/min
bereits auf 165 % gegenüber dem dargestellten Stand der
Technik. Gelingt eine Stabilisierung des Prozesses bei 1000
mm
/s
und somit einer Produktivität
von 280
Ah
/min
, läge diese bei 329 % gegenüber dem Stand der Technik. Diese Produktivitäts-
steigerung wäre in der Lage, eine disruptive Innovation im Bereich der Zellverbundherstellung
darzustellen
5.3 Ausblick
Als nächster Schritt steht die Ausgestaltung der Greifer und deren Erprobung unter Verwendung
von Separatormaterial und sukzessive mit Elektrode-Separator-Verbundmaterial. Über das
Separatormaterial werden sich die Laufwagen gegenseitig in ihrer Position beeinflussen, was
wiederum die Positionierfehler der Laufwagen beeinflussen wird. Damit stellen diese Versuche
einen spannenden nächsten Schritt dar.
Je nach den finalen Gewichten der Greifer sollte der Austausch der Führungsschiene des Trans-
portsystems erwogen werden. Erste Tests mit einem alternativen Schienensystem zeigten ein
verbessertes Schwingungsverhalten bei höheren Nutzlasten. Gleichzeitig sind diese Systeme
jedoch mit der bereits erreichten Verfahrensgeschwindigkeit von 1000
mm
/s
nahe der herstelle-
reigenen Geschwindigkeitsbegrenzung, während die Transportsysteme
≈
4000
mm
/s
erreichen
könnten.
Eine Übertragung des Fehlermodells auf den dreidimensionalen Raum steht als nächster Schritt
für die Fehlermodellbetrachtung. Auch die Betrachtung weiterer Parameter steht noch aus,
welche Aufgrund des Entwicklungsstandes des Demonstrators bisher nicht messtechnisch erfasst
werden konnten.
X
Literaturverzeichnis
[AG-12]
AG, E. I.; Barenschee, E. R.; Produktionsforschung für Hochleistungs-Lithium-
Ionen-Batterien für Elektromobilität : ProLiEMo ; Abschlussbericht ; Laufzeit
des Vorhabens: 01.05.2009 - 30.06.2011; in Technische Informationsbibliothek u.
Universitätsbibliothek Kamenz, 2012.
[Ahn-16]
Ahn, S.; Lee, H.-M.; Lee, S.-J.; Park, Y.; et al.; The Impact of Cell Geo-
metries and Battery Designs on Safety and Performance of Lithium Ion Poly-
mer Batteries; in Batteries RD, LG Chemical Ltd./Research Park. Homepage:
http://www.electrochem.org/dl/ma/203/pdfs/0106.pdf. Zuletzt aufgerufen am
09.12.2016, 2016.
[Aut-19]
Automation, B.; TwinCat 3 - Produktübersicht, Web-
site: https://www.beckhoff.de/german/twincat/twincat-3-
products.htm?id=1905053018933378 zuletzt Aufgerufen am: 17.01.2019;
in , 2019.
[Ayd-17]
Aydemir, M.; Glodde, A.; Mooy, R.; Bach, G.; Increasing productivity in assembling
z-folded electrode-separator-composites for lithium-ion batteries; in CIRP Annals
- Manufacturing Technology 66, S. 25-28, 2017.
[Ayd-18]
Aydemir, M.; Müller, A.; Glodde, A.; Seliger, G.; Greifsystem für die z-faltende
Zellverbundherstellung; in wt-Werkstattstechnik Online 108, Nr. 9 Springer-VDI-
Verlag, Düsseldorf , 2018.
[Bac-17]
Bach, G.; Beitrag zur durchsatzgesteigerten Massenherstellung von Lithium-Ionen-
Batteriezellen; in Diss., Technische Universität Berlin, 2017.
[Bau-14a]
Baumeister, M.; Fleischer, J.; Feinstanzmodul für die Produktion von Lithium-
Ionen-Batteriezellen; in ZWF Zeitschrift für wirtschaftlichen Fabrikbetrieb Jahrg.
109, Heft 5, S. 301-304, 2014.
[Bau-14b]
Baumeister, M.; Fleischer, J.; Integrated cut and plae module for high productive
manufacturing of lithium-ion cells; in CIRP Annals - Manufacturing Technology
63, S. 5-8, 2014.
Literaturverzeichnis XI
[Bau-17]
Baumeister, M.; Automatisierte Fertigung von Einzelblattstapeln in der Lithium-
Ionen-Zellproduktion; Doktorarbeit; Diss., Karlsruher Institut für Technologie,
2017.
[Bid-12a]
Bidian, P.; Steinmetz, H.; Pfister, U.; Verfahren zur Herstellung eines Elektro-
denstapels aus Kathode, Anode und Separator; in Patent: DE102010055617 A1,
Deutsches Patent- und Markenamt, 2012.
[Bid-12b]
Bidian, P.; Steinmetz, H.; Pfister, U.; Verfahren zur Herstellung eines Elektro-
denstapels aus Kathode, Anode und Separator; in Patent: DE102010055608,
Deutsches Patent- und Markenamt, 2012.
[Bid-12c]
Bidian, P.; Steinmetz, H.; Pfister, U.; Verfahren zur Herstellung eines Elektro-
denstapels aus Kathode, Anode und Separator; in Patent: DE102010055611 A1,
Deutsches Patent- und Markenamt, 2012.
[Bid-12d]
Bidian, P.; Steinmetz, H.; Pfister, U.; Berger, R.; Verfahren und Vorrichtung zum
Herstellen eines Elektrodenstapels; in Patent: DE102012000615 A1, Deutsches
Patent- und Markenamt, 2012.
[Bro-13]
Brodd, R. J.; Helou, C.; Cost comparison of producing high-performance Li-ion
batteries in the U.S. and in China; in Journal of Power Sources, Volume 231,
2013.
[Cel-18a]
Celgard; Technisches Datenblatt Cellgard H2013; in Celgard, LLC, Datenblatt per
Mail erhalten., 2018.
[Cel-18b]
Celgard; Technisches Datenblatt Cellgard PP2068; in Celgard LLC, Datenblatt
per Mail erhalten., 2018.
[Che-12]
Chem, L.; Advanced Li-Ion Polymer Battery Cell Manu-
facturing Plant in USA; in LG Chem, Website: htt-
ps://www.energy.gov/sites/prod/files/2014/03/f10/arravt001_es_koo_2012_p.pdf,
Zuletzt angesehen: 10.1.2019, 2012.
[DGG-13]
DGGREAT; Hochleistungs-Kaschiermaschine GTZDP: JD-003;
in Dongguan DGGREAT Technology Co., Ltd. Homepage:
http://www.great588.com/products_detail/productId=60.html. Zuletzt
aufgerufen am 29.08.2017, 2013.
XII Literaturverzeichnis
[DIN13191]
DIN-1319-1: Grundlagen der Messtechnik: Teil 1: Grundbegriffe; Deutsches
Institut für Normung, 1995.
[DIN5271]
DIN527-1: Kunststoffe - Bestimmung der Zugeigenschaften: Teil 1: Allgemeine
Grundsätze; Deutsches Institut für Normung, 2012.
[DIN91252]
DIN-91252: Elektrische Straßenfahrzeuge - Batteriesysteme - Abmessungen für
Lithium-Ionen-Zellen.; Deutsches Institut für Normung, 2011.
[Fle-12]
Fleischer, J.; Ruprecht, E.; Baumeister, M.; Haag, S.; Automated Handling of
Limp Foils in Lithium-Ion-Cell Manufacturing; in Hrsg. D. Dornfeld, B. Linke.
Leveraging Technology for a Sustainable World. Springer, Berlin, Heidelberg,
2012.
[Gee-16]
Geesun; Automatische Maschine für quadratische Lithium-Ionen-Batterie. Z-
Förmig; in Shenzhen Geesun Automation Technology Co., Ltd. Homepa-
ge: http://www.geesun.com/product_show.asp?id=11. Zuletzt aufgerufen am
29.08.2017, 2016.
[Gel-15]
Gelon; Semi-automatic stacking machine for Lithium ion battery Z-
shaped stacking method; in Gelon Lib Group Co., Ltd. Homepa-
ge: https://www.libgroup.net/Semi-automatic-stacking-machine-for-Lithium-ion-
battery-Z-shaped-stacking-method-49-234-1.html. Zuletzt aufgerufen am
29.08.2017, 2015.
[Glo-16]
Glodde, A.; Bach, G.; Mooy, R.; Aydemir, M.; Verfahren und Vorrichtung zum
z-Falten eines Bahnmaterials; in Patent: PCT/DE2016/100253, Europäisches
Patent und Markenamt, 01.06.2016.
[Glo-18]
Glodde, A.; Mooy, R.; Aydemir, M.; Seliger, G.; Prozesssteuerungs- und Re-
gelungskonzept für die produktivitätsgesteigerte Batteriezellherstellung; in wt
Werkstattstechnik online Jahrgang 108. Heft 5, 2018.
[Gre-17]
Greensun; Automatische Förderstrecke (Stapler); in Greensun Technology. Shenz-
hen Gelin Sheng Technology Co., Ltd. Homepage: http://www.greensun-
tech.com/product/productsinfo.asp?Id=42. Zuletzt aufgerufen am 29.08.2017,
2017.
[Haa-16]
Haag, S.; Fleischer, J.; Kontinuierliches Stapelverfahren für Li-Ion-Zellen; in wt
Werkstattstechnik online Jahrgang 106. Heft 7/8, 2016.
Literaturverzeichnis XIII
[Hei-16]
Heinrich, D.; Modlinger, A.; Thiemig, D.; Rentenberger, S.; Vetter, B.; Rentsch,
M.; Bockholt, H.; Westphal, B.; Nowak, S.; Integriertes Fertigungskonzept für
advanced automotive batteries; in Abschlussbericht zum Forschungsprojekt iFaaB,
Kamenz, 2016.
[Het-17]
Hettesheimer, T.; Thielmann, A.; Neef, C.; Möller, K.-C.; Wolter, M.; Lorentz, V.;
Gepp, M.; Wenger, M.; Prill, T.; Zausch, J.; Kitzler, P.; Montnacher, J.; Miller,
M.; Hagen, M.; Fanz, P.; Entwicklungsperspektiven für Zellformate von Lithium-
Ionen-Batterien in der Elektromobilität; in Hrsg. Fraunhofer-Allianz Batterien,
Pfinztal, 2017.
[Hon-02]
Hong, J.-J.; Packaging apparatus for an automated manufacturing of lithium
secondary battery; in Patent: WO 2002095845 A1, World International Property
Organization, Genf/Schweiz, 2002.
[Hon-17]
Hongbao; Automatische Kaschiermaschine HB-ZDP200I; in Dong-
guan Hongbao Lithium Technology Co., Ltd. Homepage:
http://prflylb.battery.com.cn/sell/itemid-849917.shtml. Zuletzt aufgerufen
am 29.08.2017, 2017.
[Hon-18]
HongYao; Automatischer Laminator der Reihe Hy-DP; in HongYao Equipment
Co. Ltd. Homepage: http://gzhongyao.com/Products/Show[underline]15.html.
Zuletzt aufgerufen am 26.04.2018, 2018.
[Joy-17]
Joycreat; JBSM-01 Dual Station Lamination Stacking Machine; in Joycreat Tech-
nology Ltd. Homepage: http://www.joycreat.com/JBSM-01-8016.html. Zuletzt
aufgerufen am 10.11.2017, 2017.
[Kam-14]
Kampker, A.; Elektromobilproduktion; in Springer Vieweg, Berlin, Heidelberg,
2014.
[Kar-15]
Karl, A.; Elektromobilität - Grundlagen und Praxis; in Carl Hanser Verlag, Mün-
chen, 2015.
[Keya] IL Serie Benutzerhandbuch; in , 2018.
[Keyb] Modellreihe IG Betriebsanleitung; in , 2018.
[Kon-17]
KontiBAT; Validierung eines innovativen Verfahrens zur produktivitatsge-
steigerten Herstellung von z-gefalteten Lithium-Ionen-Batterien durch ei-
XIV Literaturverzeichnis
ne kontinuierliche Verfahrensfuhrung; in Homepage: http://www.mf.tu-
berlin.de/menue/forschung_und_industrie/projekte/. Zuletzt aktualisiert am
06.06.2017, 2017.
[Kur-12]
Kurfer, J.; Westermeier, M.; Tammer, C.; Reinhart, G.; Production of large-area
lithium-ion cells – Preconditioning, cell stacking and quality assurance; in CIRP
Annals Volume 61, Issue 1, 2012, Pages 1-4, 2012.
[Kwa-18]
Kwade, A.; Haselrieder, W.; Leithoff, R.; Modlinger, A.; Dietrich, F.; Droeder, K.;
Current status and challenges for automotive battery production technologies; in
Nature Energy; 3(4), 2018:290–300.
[Lea-13]
Lead; Laminating machine for lithium-ion secondary batteries; in Lead Intelli-
gent Equipment Co., Ltd. Homepage: http://www.leadchina.cn/cn/cp02-05.htm.
Zuletzt aufgerufen am 29.08.2017, 2013.
[Lit-16]
Litarion, G.; Technisches Datenblatt Separion S240 P30; in Litari-
on GmbH, Datenblatt http://litarion.com/content/pdf/Brochure_SEPARION-
Ceramic-Separator.pdf , 2016.
[Mai-14]
Maiser, E.; Michaelis, S.; Müller, D.; Kampker, A.; et al.; Roadmap Batterie-
Produktionsmittel 2030; in Hrsg. VDMA Batterieproduktion, Frankfurt am Main,
Deutschland, 06.10.2014.
[Man-11]
Manz; Lithium-Ion Batteries; in Manz AG: Youtube-Video unter htt-
ps://www.youtube.com/watch?v=IJHojE9cjPY. Hochgeladen am 13.12.2011.
Zuletzt angesehen am 24.05.2017, 2011.
[Man-15]
Manz; Laser durchlöchert zwei Keramikfilme gleichzeitig; in Ab-
bildung aus einem Artikel in der Zeitschrift Maschinenmarkt. In:
https://www.maschinenmarkt.vogel.de/laser-durchloechert-zwei-keramikfilme-
gleichzeitig-a-497232/, 09.07.2015.
[Man-18]
Manz; Messestandpräsentation; in Manz AG: Messestandpräsentation auf der
Battery Show Europe, Deutsche Messe AG, 15.-17.05.2018 Hannover, 2018.
[Mic-18]
Michaelis, D. S.; Kampker, P. D. A.; Müller, D.; Kampker, A.; et al.; Roadmap
Batterie-Produktionsmittel 2030 - Update 2018; in Hrsg. VDMA Batterieproduk-
tion, Frankfurt am Main, Deutschland, 10.2018.
Literaturverzeichnis XV
[Moo-19]
Mooy, R.; Beitrag zur Produktivitätssteigerung in der Vereinzelung, Positionierung
und Orientierung von Elektrodenfolien durch eine kontinuierliche Materialbewe-
gung; Thesis; Technischen Universität Berlin; 10.14279/depositonce-9055, 2019.
[Nag-15]
Nagano; Laminating machine for lithium-ion secondary batteries; in
Nagano Automation Co., Ltd. Homepage: https://www.nagano-
automation.co.jp/en/implementation/466/. Zuletzt aufgerufen am 29.08.2017,
2015.
[Ore-12]
Orendorff, C. J.; The Role of Separators in Lithium-Ion Cell Safety; in Electrochem.
Soc. Interface Summer 2012 volume 21, issue 2, 61-65; (10.1149/2.F07122if),
2012.
[Pah-07]
Pahl, G.; Beitz, W.; Feldhusen, J.; Grote, K.-H.; Grundlagen erfolgreicher Pro-
duktentwicklung. Methoden und Anwendung; in Fachbuch, 7. Auflage. Springer
Verlag, Berlin, Heidelberg, 2007.
[Pau-14] Paul, S.; Paul, R.; Grundlagen der Elektrotechnik und Elektronik 1; in Lehrbuch,
5. Auflage. Springer-Verlag, 2014.
[PEM-17]
PEM; PEM Chair of Production Engineering for E-Mobility Com-
ponents of RWTH Aachen University; in Youtube-Video unter htt-
ps://www.youtube.com/watch?v=pgtH8lZENTo Hochgeladen am 05.10.2017.
Zuletzt angesehen am 11.04.2018, 2017.
[Pet-14]
Pettinger, K.-H.; Herausforderungen an die Produktion von Li-Ionen-Zellen fuer die
Elektromobilitaet; in Vortrag auf dem Münchener Kolloquium Produktionskongress
2014, Bayern Innovativ, München - Nürnberg. Zuletzt aufgerufen am 01.03.2017,
18.03.2014.
[Pok-04]
Pokar, G.; Untersuchung zum Einsatz von ebenen Parallelrobotern in der Mikro-
montage; Doktorarbeit; Institut für Werkzeugmaschinen und Fertigungstechnik
der TU Braunschweig, 2004.
[Pro-12]
ProLIZ; Interdisziplinäre Batterieforschung; in Produktionstechnik für Lithium-
Ionen-Zellen, Universitätszeitung TUMcampus 2/12. Homepage: htt-
ps://portal.mytum.de/pressestelle/tum_mit/14.pdf. Zuletzt aufgerufen am
17.11.2017, 2012.
XVI Literaturverzeichnis
[Pro-17]
ProTrak; Produktionstechnik für Lithium-Zellen; in Homepage:
http://www.mf.tu-berlin.de/menue/forschung_und_industrie/abgeschlossene_projekte/protrak/.
Zuletzt aktualisiert am 10.04.2017, 2017.
[Red-96]
Reddy, T.; Rodriguez, P.; Folded Electrode and configuration for galvanic cells;
in Patent: US 5525441, United States Patent and Trademark Office, Alexan-
dria/Virginia/USA, 1996.
[Red-13]
Redmann, L.; Vorrichtung zur Herstellung von Elektrodenstapeln; in Patent: DE
102012019975 B3, Deutsches Patent und Markenamt, 2013.
[Red-18]
Redmann, L.; Z-Falten von Elektroden; in Unternehmenshomepage: Abgerufen
am 27.06.2018., 2018.
[Rei-11]
Reinhart, G.; Kurfer, J.; Handhaben in der Batteriefertigung - Forschungs- und
Demonstrationszentrum für Lithium-Ionen-Zellen; in wt-Werkstattstechnik Online
101, Nr. 9, S. 545-550. Springer-VDI-Verlag, Düsseldorf , 2011.
[Sav-84]
Savage, D.; Method and apparatus for assembling battery cell elements; in
Patent: US 4479300 A, United States Patent and Trademark Office, Alexan-
dria/Virginia/USA, 1984.
[Sch-12]
Schmalz; Neuer Greifer für automatisierte Batteriezellen-Fertigung;
in Abbildung aus den Produktnews der J. Schmalz GmbH. Ho-
mepage: https://www.schmalz.com/de/vakuumtechnik-fuer-die-
automation/produktnews/details/neuer-greifer-fuer-automatisierte-
batteriezellen-fertigung/, 31.01.2012.
[Sch-15a]
Schmitt, J.; Untersuchungen zum Herstellprozess des Elektrode-Separator-
Verbunds für Lithium-Ionen Batteriezellen; in Diss., Technische Universität Braun-
schweig, 2015.
[Sch-15b]
Schröder, R.; Glodde, A.; Aydemir, M.; Bach, G.; Process to Increase the Output
of Z-Folded Separators for the Manufacturing of Lithium-Ion Batteries; in Applied
Mechanics and Materials; 794, 2015:19–26.
[She-13]
Shenyuanda; Automatische Kaschiermaschine QZD-100A; in
Shenzhen Shenyuanda Technology Co., Ltd. Homepage:
http://www.syd2000.com/productshow.asp?id=398. Zuletzt aufgerufen
am 29.08.2017, 2013.
Literaturverzeichnis XVII
[Sor-15]
Sorge, N.-V.; Hier verscherbelt Daimler eine deutsche Industrie-Hoffnung; in
Manager Magazin, zuletzt aufgerufen am 10.1.2019, 2015.
[Stu-14]
Stuehm, K.; Tornow, A.; Schmitt, J.; Grunau, L.; Dietrich, F.; Dröder, K.; A
novel gripper for battery electrodes based on the Bernoulli-principle with integrated
exhaust air compensation; in in Procedia CIRP 23, 161 - 164, 2014.
[Sup-17]
Super_Components; Laminiermaschine - Automatische laminierte Batterie schnell
Z Typ; in Super Components Engineering (Dongguan) Ltd. Homepage:
http://www.supercom.com.cn/products_detail/productId=31.html. Zuletzt auf-
gerufen am 29.08.2017, 2017.
[TOB-15]
TOB; Automatische Stapelmaschine für Batterieelektrode. TOB-03-200-
AS; in Xiamen TOB New Energy Technology Co., Ltd. Home-
page: http://www.tobmachine.com/Automatic-Stacking-Machine-For-Battery-
Electrode_p505.html. Zuletzt aufgerufen am 29.08.2017, 2015.
[Val-13]
Vallée, D.; Schnettler, A.; Kasperk, G.; Elektromobilität. Grundlagen einer Zu-
kunftstechnologie; in , 2013.
[VDI2206]
VDI-2206: Entwicklungsmethodik für mechatronische Systeme; VDI-Gesellschaft
Produkt- und Prozessgestaltung, 2004.
[VDI2221]
VDI-2221: Methodik zum Entwickeln und Konstruieren technischer Systeme und
Produkte; VDI-Gesellschaft Produkt- und Prozessgestaltung, 1993.
[VDI2600]
VDI/VDE 2600 Blatt 4 - Metrologie (Messtechnik) - Begriffe zur Beschreibung
der Eigenschaften von Messeinrichtungen - Zurückgezogen, 1973.
[Yin-17]
Yinhe; Laminiermaschine YSZ250F; in Yinhe Technology. Home-
page: http://www.yhlxc.cn/en_yhwins_com/index.php?m=content&c=index
&a=show&catid=57&id=95. Zuletzt aufgerufen am 29.08.2017, 2017.
[Zae-14]
Zaeh, M.; Schmitz, P.; Westermeier, M.; Produktionsforschung für den elektri-
schen Antriebsstrang; in Produktionskongress 2014, München, S. 98-110, 2014.
[Zha-07]
Zhang, S. S.; A review on the separators of liquid electrolyte Li-ion batteries; in
Journal of Power Sources 164, S. 351, 2007.
XVIII Literaturverzeichnis
[ZS–17]
ZS-Handling; Greifen von oben; in Abbildung aus Technologie der ZS-Handling
GmbH. Homepage: http://www.zs-handling.de/Greifen-Handhabung/, 2017.
XIX
A Exkurs Einfluss der
Führungsschiene
100 120 140 160 180 200 220 240 260 280 300 320 340 360 380 400
−0,2
0
0,2
xP osDiff in mm
AT9000
AT9000+500g.
100 120 140 160 180 200 220 240 260 280 300 320 340 360 380 400
−0,2
0
0,2
Vorschub in mm
xP osDiff in mm
PSF
PFS+ 500g
Abbildung A-1:
Einfluss der Führungsschiene auf die Positionsdifferenz
xP osDiff
der Laufwagen
auf Geradenmodulen
Bei der Untersuchung unterschiedlicher Tragschienen für das umlaufende Transportsystem
ergaben sich die in Abbildung A-1. Die Schiene AT9000 ist die werksseitige Führung des
Herstellers. Die Schiene mit der Bezeichnung PSF ist eine nachgerüstete Alternativschiene,
welche jedoch nur für Geraden eingesetzt werden kann. Beide Führungen zeigen eine Reduktion
der Positionsabweichungen
PosDiff
durch das hinzufügen einer Nutzlast von
mNutzlast
=
500 g. Die AT9000 zeigt jedoch ein radikales Schwingungsverhalten mit einer solchen Nutzlast
sobald das Kurvenmodul angefahren wird. Für die eingesetzten Transportsysteme existieren
steifere Führungen welche für zukünftige funktionsintegrierte Greifer evaluiert werden sollten
auch wenn diese bauartbedingt auf eine Verfahrgeschwindigkeit von
≈
1000
mm
/s
begrenzt sind.
Durch die höhere Steifigkeit ermöglichen diese erhöhte Nutzlasten und somit eine erweiterte
Funktionsintegration in die Greifer. Sollte es jedoch möglich sein die nötigen Funktionen der
Greifer in
<<
500 g zu integrieren ist die höhere Verfahrensgeschwindigkeit der AT9000 zu
bevorzugen.
XX
B Zusätzliche Abbildungen
XXII
C Konzeption und Implementierung
der Steuerung sowie Bahnplanung
Bei der Entwicklung des Steuerungsprogramm sowie der Implementierung der Bahnplanung
kommt die Software TwinCat 3.1 von Beckhoff zum Einsatz [
Aut-19
]. TwinCat ist eine
PC-basierte Steuerungstechnik, welche modular aufgebaut ist, wodurch mehrere Steuerungs-
programm simultan auf einem System ausgeführt werden können. Ebenso ist es möglich große
Datenmenge durch die hohe Bandbreite von 100
Mbit
/s
pro Strang des EtherCat Bussystems
zu verarbeiten, welches benötigt wird um die Transportsysteme, welche als Grundlage für die
Baugruppe Faltung dienen, anzusteuern.Aufgrund der tiefen Integration der Funktionen wird
der gesamte Demonstrator betrachtet.
.1 Anforderungsanalyse
Für die Entwicklung der Steuerung ist es nötig die Anforderungen zusammenzutragen und so
eine gezielte Implementierung zu ermöglichen. Dabei müssen auch die Anforderungen basierend
auf der Intergration des Demonstrators des KontiBat Projektes beachtet werden. Als erstes
ist die Gesamtarchitektur des Demonstrators zu betrachten. Wie in Abbildung 2.10 dargestellt
besteht der Demonstrator aus zehn Baugruppen. Im System sind insgesamt ca. 70 Achsen
sowie hunderte Sensoren integriert. Es entfallen zehn Achsen auf die Transportsysteme der
Baugruppe Faltung. Die sensorgegeführte Handhabung der Elektroden in den Baugruppen
Menge verändern und Bewegen erfordert eine schnelle Reaktionszeit und feine Regelung jeder
Achse, weshalb eine Zykluszeit von 1 ms für die gesamte Steuerung angestrebt wird.
Das Sensorkonzept wird dabei von Mooy im Rahmen seiner Dissertation bereits vorgestellt
[
Moo-19
]. Eine Beschreibung der Funktionsweise hat bereits im Rahmen der Veröffentlichung
[
Glo-18
] stattgefunden. Die Erfassung der Elektroden während der Bewegung ist eine Kernan-
forderung aus der kontinuierlichen Prozessführung und muss über den gesamten Demonstrator
durchgeführt werden. Ein Fehler in der Positionierung der Elektroden bis hin zur Baugruppe
Fügen kann im Nachhinein nicht mehr korrigiert werden. Die Symmetrie der Anlage sowie die
den in [
Glo-18
] dargestellten Messprinzipien des Demonstrators, legen die Modularisierung der
Steuerungskomponenten nahe. Diese ermöglicht es spät auf Änderungen in der Konstruktion
zu reagieren und dabei den Änderungsaufwand gering zu halten. Der Separatorvorschub bietet
sich als einheitlicher Master für alle Abläufe im Demonstrator an. Diese Achse dient als Lei-
tachse. Alle Abläufe im Demonstrator verwenden die Position dieser Achse als Referenz. Eine
XXIII
virtuelle Achse ist im Kontext der verwendeten Steuerungsumgebung eine Achse in der NC, der
keine physische Achse zugewiesen ist. Als Vorbild für diese Achse wird hier die Sollposition des
Separatorvorschubs verwendet.
.2 Konzept der Demonstratorsteuerung
Das Konzept der Demonstratorsteuerung setzt auf den Einsatz von Programmmodulen für jede
Baugruppe. Diese Module verwenden dabei eine Zentrale Datenstruktur um aus allen Modulen
Zugriff auf die nötigen Eine durchgehende Gruppierung der angelegten Funktionen, verarbeiteten
sowie erfassten Daten zu prozessbezogenen Strukturen ermöglicht ein weitgehendes Bild über
alle Funktionen zu erzeugen. Alle Funktionen orientieren sich dabei an einer Virtuelle Achse
als Leitachse. Diese ermöglicht die Synchronisierung und Koordination aller Abläufe indem
die Faltposition als Referenz dient, welche sich wiederum direkt auf die Position der Leitachse
umrechnen lässt.
In den Elektroden zuführenden Baugruppen Menge verändern,Bewegen sowie Fügen werden
Sensorlinien eingesetzt. Daher bietet sich hier eine Implementierung als Funktionsbauerstein an.
Die Position der Sensorlinie ebenso wie der Versatz zwischen den Messpunkten wird dabei in
der Steuerung als Parameter hinterlegt und ermöglicht so jede Messung direkt auf die spätere
Fügepose der Elektrode abzuleiten. Die Integration einer Datenbank der verarbeitenden Elek-
troden ermöglicht es dabei unabhängig von Formfehlern der Elektrodenkannte eine maximalen
Überdeckungsgrad zu ermöglichen. Die eingesetzte Sensorkonfiguration ist dabei in Abbildung
C-1 dargestellt.
Abbildung C-1: Sensorkonfiguration im Bereich der Elektrodenzuführung [Glo-18]
Vor dem letzten Führungsrollenpaar befindet sich ebenso eine Sensorlinie wie sie bereits in den
vorhergehenden Baugruppen zum Einsatz kam. Diese ermöglicht es die Abweichungen aus
dem Fügeprozess zu erfassen und somit auch im Prozessabbild sichtbar zu machen. Auch die
XXIV Konzeption und Implementierung der Steuerung sowie Bahnplanung
Bewegungsführung der roboterbasierten Falttische ist dabei in der Anlagensteuerung integriert.
Die Berechnung der Falttischhöhe erfolgt dabei synchronisiert zur Faltung, so dass für jede
abzulegende Falte die gleiche Faltebene angenommen werden kann.
.3 Implementrierung der Demonstratorsteuerung
Die im vorhergehenden Kapitel angesprochen Entwicklung der Sensormodulentwicklung ist in
TwinCat 3.1 von Beckhoff implementiert worden. Die Sensoren werden über das Bussystem
als Zeitstempelsignale ausgelesen und Wert an den Baustein übergeben. Als weitere Eingänge
erhält der Baustein den Abstand der Sensorpunkte quer und entlang der Transportrichtung
der Elektroden. Gleichzeitig wird ein Sollwert für die Sollpose der Elektrode übergeben. Aus
diesen Werten wird die Abweichung der Elektrode gegenüber ihrer Sollpose bestimmt und
in Komponenten dargestellt. Über die Implementierung einer zentralen Leitachse in Form
einer virtuellen Achse werden alle Achsen des Demonstrators an eine zentrale Größe gekoppelt.
Durch die Kopplung an die Ist-Position ist es möglich auch über Hochlaufphasen oder temporäre
Reduktionen der Geschwindigkeit auf Grund von Prozesseinflüssen eine korrekte Positionierung
der Elektroden relativ zu ihrer Zielpose auf dem Separator zu ermöglichen.
Im Weiteren wurde die in Abbildung C-2 abgebildete und bereits in [
Glo-18
] veröffentlichte
Architektur umgesetzt. Der Abschnitt zur kontinuierlichen Verbesserung der Anlage über eine
historische Datenbank sowie Smarte Regelalgorithmik wurde nur Konzeptionell entwickelt. Die
notwendigen Schnittstellen für die spätere Erweiterung der Steuerungsarchitektur wurden jedoch
bereits von beginn an eingebracht.
Abbildung C-2: Grundlegende Architektur der Anlagensteuerung [Glo-18]
XXV
.4 Konzept der Bahnplanung der Faltungsbaugruppe
Aufgrund des Umfangs des Demonstrators und im speziellen der hohen Anzahl an Achsen, ist
es nötig in Kombination mit der antizipierten Zykluszeit den Berechnungsaufwand für die Bahn-
planung kompakt zu halten Aus den aufgestellten Anforderungen wurden vier Lösungskonzepte
für die Bahnplanung abgeleitet. In Tabelle C.1 werden die Lösungskonzepte zusammengefasst
gegenübergestellt. Lösungskonzept A basiert auf einer offline Bahnplanung. Bei diesem Lö-
sungskonzept werden die Bewegungsprofile der Laufwagen in einer externen Softwareumgebung
geplant und als Datei abgespeichert. Diese Datei muss von der Anlagensteuerung eingelesen
werden und wird dann nach dem PlayBack Prinzip abgespielt. Lösungskonzept B basiert auf
einer online Bahnplanung. Im Gegensatz zu Variante A wird hier die Bahn der Laufwagen in
Abhängigkeit der Leitachse direkt in der Steuerung berechnet. Variante C erweitert die Variante
B um eine Kraftregelung des Separators basierend auf der Position der Laufwagen.
Lösungsansatz Art der Lösung Flexibilität ↑Aufwand ↓Komplexität ↓
Lösungskonzept A offline Bahnplanung extern
Lösungskonzept B online Bahnplanung
Lösungskonzept C kraftgeregelte online bahnplanung
: Vorwiegend erfüllt, : Teilweise erfüllt, : kaum erfüllt
Tabelle C.1: Vergleich der neuartigen Verfahren zur Produktion von großformatigen Zellen
Basierend auf den in Tabelle C.1 dargestellten Kriterien wird Lösungskonzept B ausgewählt.
Aufgrund der Untersuchungen zur prinzipiellen Machbarkeit ist dieses Konzept technisch am
attraktivsten, da bisher noch keine Untersuchungen gezeigt haben, dass eine komplexere aufwen-
digere Implementierung notwendig ist. Gleichzeitig ist jedoch durch die zentrale Datenerfassung
die Basis für die Erweiterung zur Optimierung und Untersuchung basierend auf den Prinzipien
des Machine Learning gegeben.
.5 Implementierung
Die Ablaufsteuerung der Faltungsbaugruppe besteht aus vier Modulen, dem Bootup, der Syn-
chronisierung, dem Eingriff und der Rückführung. Der Bootup bringt die Laufwagen aus einer
beliebigen Ausgangsposition in die Warteposition für die Faltung, wobei die folgenden Schritte
durchlaufen werden. Ein Positionswert für alle Laufwagen wird vorgegeben, welcher eine einheit-
liche Verfahrrichtung für alle Laufwagen vorgibt. Dabei müssen aufgrund der Transportsysteme
vielfache des Modulübergangs, also
xwait
=
n∗
250
mm
gewählt werden, da das System auf
diesen dazu neigt bei einem ColdBoot die Laufwagen nicht zu erkennen. Als nächster wird die
Moduloposition der einzelnen Laufwagen abgefragt, in einem Array abgelegt und anschließend
geordnet. Danach erhalten die Laufwagen sequenziell ihre neue Zielposition und verfahren dort
XXVI Konzeption und Implementierung der Steuerung sowie Bahnplanung
hin. Währenddessen überwacht eine steuerungsinterne Kollisionsüberwachungsfunktion den
Mindestabstand von 100
mm
. Ist dieser Prozess abgeschlossen, sind die Laufwagen bereit zur
Übergabe an den Faltungs- und Rückführungszyklus.
Dieser Zyklus besteht wiederum aus drei Bestandteilen, der Synchronisierung, dem Eingriff
und der Rückführung. Im Abschnitt der Synchronisierung werden die Laufwagen auf die
virtuellen Achsen synchronisiert und bis zum Eingriffspunkt gebracht. Im Abschnitt des Eingriffs
werden die Positionen der virtuellen Achsen über die im Kapitel
??
hergeleiteten kinematischen
Zusammenhänge berechnet. Die Rückführung bewegt die Laufwagen aus der Faltungsebene
zurück in die Warteposition. Je nach Zustand erhalten die Laufwagen eine Zustandsvariable
zugewiesen, die in der späteren Auswertung der Daten es erleichtert den aktuellen Bereich
sowie Abschnitt zu erfassen.
Die Laufwagen werden in Abhängigkeit der Separatorposition ausgelöst. Eine interne Funktion
liest dabei die aktuelle Position aller Laufwagen aus und schreibt diese in ein zentrales Array.
In Abhängigkeit der Position wird den Laufwagen innerhalb der Faltung dann den jeweiligen
Bereichen zugeordnet. Der nullte Bereich ist der Synchronisationsbereich. Die nachfolgenden
vier Bereiche befinden sich auf der Faltstrecke. Aufgrund des zwischengeschalteten Pendler-
systems, wird dabei nicht mehr der Separator als direkter Bezug wie in den vorhergehenden
Baugruppen verwendet. Die veränderliche Länge zwischen dem Führungsrollenpaar und dem
letzten im Eingriff befindlichen Laufwagen wird dabei als Kompensation zyklisch verrechnet.
Die Faltung verwendet die im Kapitel 3.2 hergeleiteten Bereichseinteilungen sowie Gleichungen
um die Position der Laufwagen zyklisch zu berechnen. Die Position des Laufwagens wird
dabei von der Position des im nachfolgenden Laufwagens vorgegeben. Die so aufgestellte
Randbedingung zwischen den Laufwagen hält diese aus Sicht der Sollwerte auf einem räumlichen
Abstand, der der Faltenlänge ℓFentspricht.
Am Ende der Faltung werden die Laufwagen von Ihren virtuellen Achsen entkoppelt und
der Gruppenbewegungsfunktion mit Kollisionsüberwachung übergeben. Die virtuellen Achsen
werden dabei auf die Zielposition gefahren, während sich die physischen Laufwagen durch den
Sicherheitsabstand vor der Warteposition aufstauen.
In die Steuerung wurde dabei ein Modell zur Berechnung der Weltkoordinaten der Laufwagen
sowie Endeffektoren integriert. Diese Modell ermöglicht es basierend auf den erfassten Positio-
nen der Laufwagen die Faltenlänge im Prozess zu beobachten und somit eine Nachverfolgung
des Prozessablaufs für jede Falte zu ermöglichen. Weitere Parameter wir Beschleunigungen
und Kräfte auf die beteiligten Betriebsmittel sind somit formal in der Demonstratorsteuerung
zugänglich.
XXVII
Die so implementierte Steuerung ermöglicht es die Faltungsbaugruppe, sowie die verbleibenden
Teile des Demonstrators, formal in Betrieb zu nehmen. Die Implementierung der Bahnplanung
im Steuerungscode des Demonstrators ermöglicht es, Anpassungen auf konstruktive Änderun-
gen am Demonstrator direkt als Parameter in die Steuerung einzugeben ohne eine aufwendige
Neuberechnung der Bewegungsbahn der Laufwagen zu erfordern. Der Steuerungscode ist dabei
in der Lage mit einer niedrigen Auslastung der verfügbaren Echtzeit die Berechnung für den
Demonstrator durchzuführen. Der Demonstrator ist somit steuerungs-, bahnplanungstechnisch
sowie konzeptionell bereit nach der Fertigstellung der Greiferentwicklung und Implementierung
der Separatorzuführung eine Faltung von Elektrode-Separator-Verbünden durchzuführen.