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Synthesebericht NFP 48
Virtuelle Welten – reale Entscheide?
Synthesebericht NFP 48
Virtuelle Welten – reale Entscheide?
Die Alpen im Modellbaukasten
Thematische Synthese zum Forschungsschwerpunkt V
«Virtuelle Repräsentation»
Landschaften bieten keinen Raum für Experimente. Was in ihnen realisiert wird, bildet – meist für Jahr-
zehnte oder gar für Jahrhunderte – einen unauslöschlichen Teil von ihnen. Bevor endgültige Entscheide
gefällt werden, ist deshalb umsichtige und vorausschauende Planung gefordert. Computergestützte
Modelle erlauben es, Entwicklungsoptionen und Entscheidungsalternativen zu prüfen und zu visualisieren.
Entsprechend gewinnt die virtuelle Wiedergabe von Landschaftsprozessen in der Planung zunehmend
an Bedeutung.
Die thematische Synthese V des Nationalen Forschungsprogrammes 48 «Landschaften und Lebensräume
der Alpen» zeigt das Potenzial computer gestützter Modelle und Visuali sierungen für die Raum- und Land -
schafts planung auf und lotet den aktuellen Stand der Forschung aus. Die im Rahmen des NFP 48 entwickelten
Modelle behandeln die wichtigsten Themenkomplexe der Raum- und Landschaftsplanung in den Alpen –
Mechanismen und Land schaftsveränderungen durch sich wandelnde landwirtschaftliche Nutzung, den
Tourismus und intensive Siedlungsentwicklung oder das sich als Folge der Klimaerwärmung verändernde
Naturgefahren potenzial. Die Synthese V beleuchtet Chancen und Hindernisse von Modellen und Visuali -
sie rungen in der Planungspraxis und stellt dar, wie die Formulierung von «Use Cases» die Entwicklung
computergestützter Modelle und der dazugehörigen Software für die Praxis erleichtert und verbessert.
Autorenteam:
Ariane Walz, Christian Gloor, Peter Bebi, Andreas Fischlin, Eckart Lange, Kai Nagel, Britta Allgöwer
Herausgeber:
Schweizerischer Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung SNF
Schweizerischer Nationalfonds
Fonds national suisse
Swiss National Science Foundation
www.vdf.ethz.ch
verlag@vdf.ethz.ch
V
Synthesebericht NFP 48
Virtuelle Welten – reale Entscheide?
Die Alpen im Modellbaukasten
Thematische Synthese zum Forschungsschwerpunkt V
«Virtuelle Repräsentation»
Ariane Walz, Christian Gloor, Peter Bebi, Andreas Fischlin, Eckart Lange, Kai Nagel, Britta Allgöwer
ISBN: 978–3–7281–3202-4
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Virtuelle Welten – reale Entscheide?
Die Alpen im Modellbaukasten
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Für Walter Schaufelberger (23.5.1940 – 14.9.2008) in tiefer Dankbarkeit
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vdf Hochschulverlag AG an der ETH Zürich
Virtuelle Welten – reale Entscheide?
Die Alpen im Modellbaukasten
Thematische Synthese und Ausblick zum Forschungsschwerpunkt V
«Virtuelle Repräsentation»
Nationales Forschungsprogramm 48 «Landschaften und Lebensräume der Alpen»
des Schweizerischen Nationalfonds
Ariane Walz, Christian Gloor, Peter Bebi, Andreas Fischlin, Eckart Lange, Kai Nagel und
Britta Allgöwer, Zürich und Davos, 2008
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Walz, Ariane et al.: Virtuelle Welten - reale Entscheidungen? Die Alpen im Modellbaukasten, © vdf Hochschulverlag 2009
Impressum
Projektteam
Dr. sc. techn. Britta Allgöwer, Geographisches Institut, Universität Zürich (Gesamtleitung); Dr. sc. natw. Ariane Walz, WSL-SLF
(Wissenschaftliche Bearbeitung); Dr. Christian Gloor, Universität Zürich (Wissenschaftliche Bearbeitung); Dr. Peter Bebi, WSL-SLF;
Dr. sc. natw. Andreas Fischlin, ETH Zürich; Prof. Dr. Eckart Lange, University of Sheffield; Prof. Dr. Kai Nagel, TU Berlin
Begleitgruppe
Leitungsgruppe des NFP 48: Prof. Dr. Wolfgang Haber, Freising, Deutschland; Prof. Dr. Bernard Lehmann, ETHZ, Zürich; Dr. Michael Weber,
ETHZ, Zürich; Stefan Husi, Schweizerischer Nationalfonds SNF; Urs Steiger, Kommunikationsbeauftragter NFP 48
Wissenschaft: Prof. Dr. Walter Schaufelberger, Institut für Automatik, ETHZ, Zürich
Bundesverwaltung: Fred Baumgartner, Sektion Siedlung und Landschaft, Bundesamt für Raumentwicklung ARE, Bern; Dr. Urs Frei, Bereich
Raumfahrt, Staatssekretariat für Bildung und Forschung, Bern
Kantonale Verwaltung: Walter Castelberg, Amt für Wirtschaft und Tourismus Kanton Graubünden, Chur; Cla Semadeni, Amt für Raumplanung
Kanton Graubünden, Chur
Politik: Hans Peter Michel, Landammann der Landschaft Davos Gemeinde, Davos
Vertreter der Praxis (Planung und Wirtschaft): Maria von Ballmoos, Davos, Graubünden; Thomas Schneider, Lodano, Tessin; Peder Plaz,
Co-Geschäftsführer des Wirtschaftsforums Graubünden, Chur
Bild Titelseite: Ausschnitt aus einer Animation, berechnet für das Use Case-Beispiel der Synthese V.
Bilder Kapitelseiten 1 bis 6: Grafische Umsetzungen aus Bildern der Synthese V.
Gestaltung: Grafikatelier Max Urech, Interlaken
Publiziert mit Unterstützung des Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung.
Empfohlene Zitierweise
Autorinnen/Autoren: Walz, A.; Gloor, C.; Bebi, P.; Fischlin, A.; Lange, E.; Nagel, K.; Allgöwer, B.
Titel: Virtuelle Welten – reale Entscheide? Die Alpen im Modellbaukasten
Untertitel: Thematische Synthese zum Forschungsschwerpunkt V «Virtuelle Repräsentation»
des Nationalen Forschungsprogramms NFP 48
«Landschaften und Lebensräume der Alpen» des Schweizerischen Nationalfonds SNF
Ort: Zürich
Jahr: 2008
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische
Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
ISBN : 978–3–7281–3202–4
© 2008, vdf Hochschulverlag AG an der ETH Zürich
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Walz, Ariane et al.: Virtuelle Welten - reale Entscheidungen? Die Alpen im Modellbaukasten, © vdf Hochschulverlag 2009
This work is licensed under a creative commons license
Dieses Werk ist gedruckt unter www.vdf.ethz.ch erhältlich
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Inhalt
Inhaltsverzeichnis
Dank
Prolog
Kurzfassung
1 Einführung
2 NFP 48-Projekte mit Modellierungscharakter
3 Einsatz von Modellen in der Raum- und Landschaftsplanung
4 Virtuelle Repräsentation – vom «schönen Bild» zum hilfreichen Planungsinstrument
5 Fazit
6 Anhang
Literaturverzeichnis
Begleit-CD-ROM zur Synthese
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Walz, Ariane et al.: Virtuelle Welten - reale Entscheidungen? Die Alpen im Modellbaukasten, © vdf Hochschulverlag 2009
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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
Dank
Prolog
Kurzfassung
1 Einführung
1.1 Motivation
1.2 Bedeutung der Synthese V für die Alpenforschung
1.3 Begleitgruppe
1.4 Zielpublikum der Synthese V
1.5 Ziele
1.6 Fragenkatalog
1.7 Aufbau der Synthese V
1.8 Definition und Abgrenzung von Schlüsselbegriffen
2 NFP 48-Projekte mit Modellierungscharakter
2.1 Vorstellung der Projekte
2.2 Merkmale der Projekte
2.2.1 Einordnung in die Landschaftsforschung
2.2.2 Inhaltliche Ausrichtung
2.2.3 Methodische Ansätze der Modellierung
2.2.4 Räumliche und zeitliche Skalen
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7INHALTSVERZEICHNIS
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Walz, Ariane et al.: Virtuelle Welten - reale Entscheidungen? Die Alpen im Modellbaukasten, © vdf Hochschulverlag 2009
2.2.5 Die wichtigsten Szenarien für die Schweizer Alpen
2.2.6 Datengrundlagen der Projekte
2.2.7 Funktion der Modelle
2.2.8 Kommunikation und Visualisierung der Ergebnisse
2.3 Bewertung des Gesamtbeitrags
2.3.1 Komplementäre Ansätze und Kombination von Ansätzen
2.3.2 Technische Fortschritte bei der Kombination von Ansätzen
2.3.3 Einsatzpotenzial für die praktische Anwendung
3 Einsatz von Modellen in der Raum- und Landschaftsplanung
3.1 Erwartungen an virtuelle Planungsinstrumente
3.2 Probleme und Lösungsansätze zur Etablierung von Modellen in der Planungspraxis
3.2.1 Datenverfügbarkeit und -qualität
3.2.2 Schnittstellen zwischen verschiedenen Tools
3.2.3 Erforderliche Vielschichtigkeit und Komplexität
3.2.4 Übertragbarkeit von Modellen
3.2.5 Mögliche Funktionen im Planungsprozess
3.2.6 Etablierung von Modellen in der Planungskultur
3.3 Leitfaden zur Beurteilung des Einsatzbereiches der Modelle
4 Virtuelle Repräsentation – vom «schönen Bild» zum hilfreichen Planungsinstrument
4.1 Wie entwickelt man die fallspezifische, individuell angepasste Software-Lösung?
4.1.1 Der Anwendungsfall – oder von der «kleinen Geschichte» zur Funktionalitätenliste
4.1.2 Von der Idee zur Realisierung – wer nimmt welche Rolle ein?
4.2 Ein didaktisches Beispiel – Belegung der Wanderwege rund um den Schatzalpturm
4.2.1 Aufwand für die Herstellung der gewünschten Schatzalp-Animation
4.2.2 Verwendete Visualisierungstypen
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8NFP48 THEMATISCHE SYNTHESE V
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Walz, Ariane et al.: Virtuelle Welten - reale Entscheidungen? Die Alpen im Modellbaukasten, © vdf Hochschulverlag 2009
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INHALTSVERZEICHNIS 9
4.3 Beispiele aus dem NFP48
4.3.1 Use Case aus Alpscape
4.3.2 Use Case aus Ipodlas
4.3.3 Use Case zu den Auswirkungen von sich ändernden Rahmenbedingungen für
die Landwirtschaft auf Landschaft und Tourismus in den Alpen
4.4 Schlussfolgerungen für die Software-Entwicklung und Anwendung
im Bereich Planung und Landschaftsanalyse
5 Fazit
6 Anhang
6.1 Dokumentation des Begleitgruppenprozesses
6.1.1 Auswertung der Fragebögen
6.1.2 Anforderungsprofil an Modelle aus Sicht der (potenziellen) Anwender
Literaturverzeichnis
Begleit-CD-ROM zur Synthese V
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Walz, Ariane et al.: Virtuelle Welten - reale Entscheidungen? Die Alpen im Modellbaukasten, © vdf Hochschulverlag 2009
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DANK 11
Dank
Soll eine Synthese im Bereich «Virtuelle Repräsentation»
geschrieben werden? Diese Frage hat nicht nur die NFP 48
Programmleitung eingehend beschäftigt, sondern auch das
Autorenteam der vorliegenden Synthese V.
Kann in vernünftige Worte gefasst werden, was eine
Computer ani mation scheinbar spielerisch und mühelos
ver mittelt? Und was hat das mit Landschaften und Lebens -
räumen der Alpen zu tun? Vieles oder auch nichts. Be -
trach tet man die analysierten NFP 48-Arbeiten mit Model -
lierungscharakter unter dem thematischen Aspekt, sind
sie alle an den Alpenraum gebunden. Interessiert der
Modellierungs- und Technikaspekt, werden die Alpen irre-
levant. Methoden im Bereich der Virtuellen Repräsen ta -
tion und der Landschaftsanalyse können irgendwo auf der
Welt – auch in der imaginären Welt – entwickelt werden.
Der angedeutete Spagat spiegelt sich nicht nur in der
Synthese V wider, sondern auch im Schwer punkt V des
NFP 48. Diese Projekte pendeln alle zwischen metho di -
schen und thema ti schen Aspek ten hin und her und neh -
men dement spre chend wech selnde Betrach tungswinkel
ein. Auch das Autoren team der Synthese V war sich nicht
immer klar, geschweige denn einig, welchem Aspekt nun
die Priorität gegeben werden soll.
Synthese V «Virtuelle Welten – reale Entscheide? Die
Alpen im Modellbaukasten» liegt vor und es gilt, einen
grossen Dank von Herzen auszusprechen. Einerseits der
NFP 48-Programmleitung, welche uns diese Synthese an -
vertraute und andererseits dem Autorenteam, allen voran
Ariane Walz und Christian Gloor, unseren beiden NFP 48-
Post-Doktorierenden und Hauptautoren. Ohne die kons -
truk tive und stets wohlwollende Kritik der ganzen Pro -
grammleitung, namentlich von Prof. Wolfgang Haber und
Prof. Bernard Lehmann, aber auch ohne den grossen
Einsatz von Ariane Walz – die in dieser Zeit auch ihre
Tochter Marlena zur Welt brachte – und Christian Gloor,
der uns die animierte Welt erschloss, wäre diese Synthese
nie zustande gekommen!
Grosser Dank gebührt auch der Begleitgruppe der Syn -
these V. Diese hat nicht nur «begleitet», sondern auch die
Stakeholder-Gruppen des NFP 48 vertreten. Es ist nicht
selbstverständlich, dass Menschen mit einem vollen Pen -
sum sich Zeit nehmen, das Entstehen einer solchen Arbeit
über längere Zeit und mehrere Begegnungen hinweg mit
Interesse, kritischem Wohlwollen und wertvollen Anre gun -
gen zu begleiten. Ganz herzlich gedankt sei Prof. Walter
Schaufelberger und Thomas Schneider für die Bildung der
Subgruppe Informatik & Praxis, Fred Baumgartner für die
Anregungen aus Bundessicht und Dr. Urs Frei für das Redi -
gieren des Manuskriptes. Bei der zweiten Begleit -
gruppensitzung, dem Stakeholder-Treffen in Davos am
19.1.2007, stiess Frau Elisabeth Mani-Heldstab, Grosse
Land rätin von Davos und Grossrätin des Kantons Grau -
bünden, dazu und hat wertvollen Input beigetragen. Auch
dafür sei herzlich gedankt!
Repräsentation – ob virtuell oder real – bedarf der ge -
konnten und durchdachten Gestaltung. Ohne Max Urech,
Grafiker und Erschaffer der grafischen Identität des NFP
48, würde die Synthese V ebenfalls nicht vorliegen. Er hat
es hervorragend verstanden, die abstrakten, mitunter tro-
ckenen Inhalte typografisch und bildlich dem Leser, der
Leserin näher zu bringen. Wir alle möchten im für seinen
unermüdlichen Enthusiasmus, sein Eindenken in den Text,
seine Geduld und sein Können ganz herzlich danken.
Ein grosses Dankeschön geht auch an die beiden
Lektorinnen des vdf, Hochschulverlag AG Zürich, Frau
Angelika Rodlauer und Frau Katharina Tschopp für die
sorgfältige Korrektur des deutschen Manuskripts.
Davos und Zürich, im Herbst 2007 und Sommer 2008
Britta Allgöwer, Gesamtleitung NFP 48-Synthese V
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Walz, Ariane et al.: Virtuelle Welten - reale Entscheidungen? Die Alpen im Modellbaukasten, © vdf Hochschulverlag 2009
NFP 48 THEMATISCHE SYNTHESE V12
Prolog
«Orascom Hotels & Development1(OHD) mit Sitz in
Kairo,Ägypten, plant in Andermatt ein Tourismus resort
mit Hotels, Ferienwohnungen und -häusern zu errich-
ten. Insgesamt sollen gegen 3’000 Gastbetten,
Kommerz flä chen und verschiedene Freizeitanlagen im
Sport- und Well nessbereich sowie ein 18-Loch-Golfplatz
entstehen.»
«Hafencity Flüelen:2Die Kombination der Lage am
Urner see und der des historischen Tourismusorts mit
dem Potential der Durchgangsreisenden könnte in Form
eines neuen Haltepunktes auf der internationalen Route
eine grosse Chance für das Alpental sein. Vorgeschlagen
wird ein kombinierter Bahn-, Auto- und Schiffshalt in
Flüelen als Entwicklungsschwerpunkt. Unter Nutzung
der Seelage und der Potentiale der Verkehrsträger kann
ein neuer Stadtteil in Form einer Hafencity mit Fern ver -
kehrsanschluss entstehen. Flüelen kommt wieder zum
See und wird zum attraktiven Anknüpfungspunkt des
historischen Siedlungsbogens an die Zukunft.»
«Vom Zauberberg zum Zauberturm:3Die Regierung4,5
hat die vom Davoser Stimmvolk am 31. Oktober 2004 be -
schlos sene Ortsplanungsrevision, mit welcher unter an -
de rem die Voraussetzung für einen 105 Meter hohen
Turm mit Hotel- und Wohnnutzung auf der Schatzalp
geschaffen wurde, genehmigt. Gleichzeitig hat die
Regierung die gegen das Turmkonzept eingereichten
Pla nungsbeschwerden abgewiesen.»
So lauten einzelne Kernsätze in den Unterlagen zu geplan-
ten Grossbauprojekten in den Alpen. Sind dies nun harm-
lose Papiertiger oder raumplanerischer Zündstoff? Plan -
spiele oder ernstzunehmende Entwicklungstrends in
einem sensiblen Raum?
Die NFP 48-Synthese V gibt darauf keine Antwort, aber
sie zeigt Möglichkeiten auf, wie solche Projekte durchge-
spielt werden können, bevor sie tatsächlich in die Realität
umgesetzt werden. «Virtuelle Welten – reale Entscheide»
symbolisiert denn auch das Spannungsfeld, in dem sich
Planung, Modellierung und gelebte Umsetzung befinden.
War es früher das Kartonmodell, welches die Vorstellungs -
kraft unterstützen musste, kann es einem heute bange
werden ob der Möglichkeiten, die das Internet und die
Rechenkapazität heutiger Personal Computer auftun. 3D-
und 4D-Planungswelten scheinen hier zum Kinderspiel zu
werden. Allerdings verschwimmen die Grenzen zwischen
Realität, Fiktion und Parallelwelten. Am 17. Mai 2007 ging
folgende Meldung durch den digitalen Blätterwald:6
«Deutsche Bank eröffnet Filiale in Second Life. Ber lin/
München/Grasbrunn – Im Wettlauf um die optimale Unter -
nehmensvermarktung in der virtuellen, 3D-simulierten
1SAWIRIS-Projekt: Richtplananpassung Urserntal, Erläuterungsbericht gemäss Art. 47 RPV, Korrekturexemplar Änderungen gegenüber Stand
12.09.06, Herausgeberin Kanton Uri, Justizdirektion, Projektleitung Andermatt, Tourismusresort Benno Bühlmann, Projektleiter,
Bearbeitung Ernst Basler + Partner AG, 8032 Zürich, 14.11.2006, pp. 60.
2Metron: Kurzzusammenfassung der Testplanung 06, pp. 1. REUR – Raumentwicklung unteres Reusstal Bericht Testplanung Juni 06 Marina
Uri, pp. 14.
3Pius App: Die Schatzalp – vom Zauberberg zum Zauberturm. Referat an der SommerUni Davos 2007 – Die Alpen zwischen Idylle und
Grossbaustelle, 20. – 24.08.2007, Davos.
4Regierungsbeschluss Kanton Graubünden vom 4.07.2006 (Protokoll-Nr. 815).
5http://www.link-gr.ch/wbb2/showthread.php?p=952 (Zugriff 1.06.2007).
6Zum Beispiel: http://www.news.ch oder http://www.nachrichten.ch/detail/275849.htm (Zugriff 1.06.2007).
7http://secondlife.com/world/de/whatis/ (Zugriff 1.06.2007).
8Koeppel, D. 2002. Massive Attack. Popular Science Online Magazine, November 2002, http://www.popsci.com/popsci/science/
(Zugriff am 6.06.2007).
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Walz, Ariane et al.: Virtuelle Welten - reale Entscheidungen? Die Alpen im Modellbaukasten, © vdf Hochschulverlag 2009
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PROLOG 13
Com puterwelt Second Life7eröffnete nun auch der deut-
sche Finanzdienstleister und Spezialist für elektronische
Zahlungssysteme Wirecard eine eigene interaktive
Filiale.»
Die Homepage von Second Life liest sich wie eine
moderne Adaptation früher Science-Fiction-Literatur und
ihrer Suche nach der besseren Welt, nur dass Second Life
ironischerweise den heutigen, von Materialismus und
Mach barkeitsanspruch geprägten Zeitgeist vorbehaltlos
verinnerlicht hat:
«Second Life ist eine virtuelle Welt – eine dauerhaft
bestehende 3D-Umgebung, die vollständig von ihren
Be wohnern erschaffen und weiterentwickelt wird. In die-
ser gewaltigen und schnell wachsenden Onlinewelt kön-
nen Sie praktisch alles erschaffen oder werden, was Sie
sich vorstellen können. […] Sie können 3D-Inhalte ent-
werfen und verkaufen, Land erwerben und bebauen, und
Sie können virtuelles Geld in Form einer Mikrowährung
verdienen, die in reales Geld umgetauscht werden
kann.»
Fliessend ist auch die Grenze zwischen Forschung und
Unterhaltungsindustrie. Multiagententechnologie und
ausgeklügelte Computergraphik lassen die Soldaten des
Bösen – die Orks8– in der Filmtrilogie «Herr der Ringe» zu
Tausenden und in Echtzeit aufmarschieren und Schlachten
vor imposanter Landschaft schlagen. Die Orks – oder eben
Agenten – verfügen über ein riesiges Bewegungs- und
sogar Sinnesrepertoire, dass sie «selbstständig» Ent -
schei de treffen und «intelligent» in der ebenfalls künst-
lichen Landschaftskulisse navigieren lässt. Andererseits
befasst sich auch die akademische Welt mit der Erfor -
schung künstlicher Intelligenz und der virtuellen Welt. So
gibt es interaktive 3D-Applikationen in der Medizin für bei-
spielsweise das Erlernen der endoskopischen Mikro -
chirurgie, die Darstellung in der Architektur oder in dem
dieser Synthese näher liegenden Gebiet der Landschafts -
analyse.
Schliesslich gilt es festzuhalten, dass der Wunsch nach
bildlicher und kartografischer Darstellung ein alter ist, sei
es aus strategisch-militärischen oder emotionalen, erin -
nerungs behafteten Gründen. Dass dabei auch die drei-
dimensionale Darstellung schon früh ins Spiel kam, mag
erstaunen, entspricht aber der Tatsache, dass planare Dar -
stellungen das grössere Abstraktionsvermögen vorausset-
zen als die intuitiv verständliche 3D-Dar stellung. Wunder -
schönes und filigranes Zeugnis dafür ist die Arbeit eines
unbekannten Künstlers um 1800, der die Berner Alpen zwi-
schen Interlaken, Haslital, Brienzergrat und Breithorn
liebe voll in eine Nussschale einbettete. Heute steht dieses
Kleinod der Landschaftsdarstellung und Kartographie im
Schlossmuseum Burgdorf.
Die NFP 48-Synthese V «Virtuelle Welten – reale Ent -
scheide? Die Alpen im Modellbaukasten» zeigt, inwieweit
Modellierung im Nationalen Forschungsprogramm 48
«Landschaften und Lebensräume der Alpen» eine Rolle
spielte und wirft einen Blick hinter die Kulissen virtueller,
computerbasierter Planungsinstrumente, um Schluss fol -
ge rungen für die Praxis zu ziehen.
Davos, Zürich, Sheffield und Berlin, im Herbst 2007
Die Autoren der NFP 48-Synthese V:
Britta Allgöwer, Ariane Walz, Christian Gloor, Peter Bebi,
Andreas Fischlin, Eckart Lange, Kai Nagel
Quelle: Anonymus, um 1800, Schlossmuseum Burgdorf.
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Walz, Ariane et al.: Virtuelle Welten - reale Entscheidungen? Die Alpen im Modellbaukasten, © vdf Hochschulverlag 2009
NFP 48 THEMATISCHE SYNTHESE V14
Kurzfassung
Die Synthese V des Nationalen Forschungsprogramms
NFP 48 «Landschaften und Lebensräume der Alpen» wid-
met sich der computergestützten Modellierung, der
Simulation und der Visualisierung von Landschaften und
landschaftsverändernden Prozessen.
Echte Landschaften sind «träge». Echte Landschafts -
veränderungen sind in den meisten Fällen unwiederbring-
lich und sie bieten keinen Raum für Experimente. Da liegt
es nahe, Entwicklungsoptionen und Entscheidungs -
alternativen in einer «Virtuellen Welt» zu prüfen, bevor
endgültige Entscheide getroffen werden. Computer ge -
stütz te Modelle erlauben, ausgewählte Mechanismen
unserer Realität in dieser «Virtuellen Welt» zu testen, und
der Visualisierung gelingt es, uns diese «Virtuelle Welt»
intuitiv verständlich zu kommunizieren. Deswegen ge -
winnt die virtuelle Repräsentation von Landschafts -
prozessen anhand von Modellen und Visualisierungen
immer mehr Bedeutung für die Planung.
Das Hauptziel der Synthese V war es daher, das Po ten -
zial computergestützter Modelle und Visualisierungen
für die Raum- und Landschaftsplanung und den Beitrag
des NFP 48 dazu aufzuzeigen.
Die vorgestellten Erkenntnisse umfassen dabei nicht
allein die direkte Erfahrung aus der NFP 48-Forschung im
Sinne einer Synthese, sondern geben auch einen erweiter-
ten Ausblick zur verbesserten Etablierung von Modellen in
der Planungspraxis und schlagen eine Methode zur opti-
mierten Entwicklung von Modellen für die Praxis vor.
Teil 1 (Kapitel 2) beschreibt die Auswahl an Modellen,
die im Rahmen des NFP 48 entwickelt wurden, und zeigt
auf dieser Grundlage den aktuellen Stand der Forschung
auf. Es wird gezeigt, dass die Modelle des NFP 48 wich-
tige Beiträge zu aktuellen Fragen der inhaltlich, metho-
disch und technisch ausgerichteten Landschafts for schung
leisten und ein weites Spektrum an Möglich kei ten im
Be reich der Landschaftsmodellierung abdecken.
Die analysierten Modelle weisen eine hohe inhaltliche
und methodische Komplementarität auf, so dass ein gros-
ses Potenzial in ihrer Verknüpfung zu finden ist. Da die
Modelle keiner systematischen Auswahl entsprechen, er-
gibt sich allerdings nicht ein kohärentes Ge samt er geb nis.
Die Modelle des NFP 48 gehen auf die wichtigsten
Themenkomplexe der Raum- und Land schafts planung in
den Alpen ein. Dazu zählen Mecha nis men und Folgen
von Landschaftsveränderungen durch sich wandelnde
land wirtschaftliche Nutzungsmuster und intensive, oft-
mals tourismusbedingte Siedlungs entwicklung so wie
ein verändertes Naturgefahren potenzial durch die Kli -
ma erwärmung.
Die NFP 48-Forschung deckt auch unterschiedliche
funktionale Ausrichtungen von Modellen ab. Während
die Funktion von Modellen in der Forschung vorzugs-
weise in der erklärenden Analyse von Systemen liegt,
wurden im Rahmen des NFP 48 auch Simulations -
modelle, Bewertungsansätze und Visualisierungs tech -
ni ken entwickelt, wie sie im Rahmen von Planungs -
prozessen sinnvoll eingesetzt werden können. Die ver-
schiedenen Werkzeuge können kombiniert oder einzeln
verwendet werden.
Um den Anforderungen wissenschaftlicher Forschung
gerecht zu werden, treten im Rahmen dieser Projekte
typischerweise methodische oder technische Detail -
fragen in den Vordergrund. Obwohl die Machbarkeit und
Plausibilität der Modelle im Vordergrund steht, sind
die erarbeiteten Erkenntnisse für die Praxis von grosser
Relevanz. Die Modelle selbst stellen Proto typen dar,
die in einzelnen Fallstudien entwickelt und getestet
wurden.
Die entsprechende Software wurde meist auch nur als
Prototyp implementiert, um den so genannten «proof of
concept» erbringen zu können. Zur Erreichung der
Praxisreife müsste noch ein weit über die wissenschaft-
liche Aufgabenstellung hinausgehender Programmier -
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Walz, Ariane et al.: Virtuelle Welten - reale Entscheidungen? Die Alpen im Modellbaukasten, © vdf Hochschulverlag 2009
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KURZFASSUNG 15
aufwand geleistet werden. Das heisst auch, dass die
Prototypen die erforderlichen Standards hinsichtlich
Benutzerfreundlichkeit, Stabilität, Rechengeschwindig -
keit und Dokumentation nicht erfüllen. Die Angaben zu
den getroffenen Annahmen sowie die technischen Hin -
ter gründe wären aber notwendig, um Simulations er geb -
nisse zu interpretieren und Modelle für andere An wen -
dungssituationen zu adaptieren. Dies bedeutet, dass
die erarbeiteten Modelle selbst nur bedingt als allge-
mein gültige Werkzeuge in der Planung Verwendung fin-
den. Viele dieser Modelle sprechen zwar die Viel schich -
tigkeit der Raum- und Landschaftsentwicklung an, adä-
quate Werkzeuge sollten für die Planungspraxis aber
vorzugsweise wohldefinierte und immer wieder auftre-
tende Fragen der Regional- und Land schafts planung
abbilden.
Teil 2 (Kapitel 3) schlägt die Brücke zur Planungspraxis,
in dem er die Gründe für die eher geringe Nutzung von
computergestützten Modellen in der Raum- und Land -
schafts planung und Lösungsansätze diskutiert. Dabei
hat sich gezeigt, dass die Ergebnisse repräsentativer
internationaler Studien zu diesem Thema weitgehend
mit den Erfahrungen aus dem Begleitgruppen prozess
der Syn these V zur Situation in der Schweizer Pla nungs -
praxis übereinstimmen.
Die Modelle und die Visualisierun gen werden dabei
als wichtige Hilfsmittel in der Pla nung verstanden. Die
Be deu tung von Modellen wird mit zu neh men der
Komplexität der Planungs fragen und steigender Nach -
frage nach entsprechenden Entscheidungs grund lagen
wachsen. Modelle können den politischen Prozess einer
Entscheidungs findung durch zusätzliche Informationen
unterstützen. Dabei wird die Visualisierung der Modelle
als Kom munikationsmittel eingesetzt. Es können grosse
Einzelein griffe in die Landschaft (z.B. die Pla nung eines
Stausees) oder schleichende Veränderungen (z.B. der
stetige Verlust von Magerwiesen durch Überdüngung) in
eine intuitiv begreifbare Form gebracht werden.
Technische Probleme wie Datenverfügbarkeit und
-qua lität, aber auch die Schnittstellen zwischen Soft -
ware-Paketen sind neben mangelnder Erfahrung im Um -
gang mit Modellen die wichtigsten Gründe für die gerin-
ge Etablierung von Modellen in der Planungs praxis.
Verfolgt man die Entwicklung seit den 1990er Jahren,
ist im Bereich der Datenverfügbarkeit und -qualität mit
einer schnellen Verbesserung der Situation zu rechnen.
Die insgesamt gute Datenlage in der Schweiz könnte
durch die gezielte Verknüpfung existierender Daten sätze
für Planungsaufgaben weiter verbessert werden. Zur
Bewältigung dieser Schnittstellenproblematik konnten
Projekte des NFP 48 Lösungsbeiträge zur Integration
unter schiedlicher Software-Umgebungen als auch un ter-
schiedlicher Modelle liefern.
Modelle, die ganz gezielt wohldefinierte Pla nungs -
fragen ansprechen, können technisch so optimiert wer-
den, dass sie als Werkzeuge für die Praxis dienen kön-
nen. Modellierung kann aber auch als Methode zur
Strukturierung eines eher unübersichtlichen Problems
eingesetzt werden. In diesem Fall steht dabei nicht das
Modell als Werkzeug, sondern vielmehr der Prozess der
Modellierung und der damit verbundene (oftmals kol-
lektiven) Lernprozess im Vordergrund. Entsprechende,
meist partizipative Methoden wurden hierzu in der
Forschung entwickelt und im Rahmen von Fallstudien
eingesetzt. Oftmals handelt es sich dabei um zunächst
qualitative Ansätze, die zu einzelnen, klar abgegrenzten
Teilfragen auf numerische Modelle zurückgreifen.
Schliesslich kann eine Modellierung auch in der Pla -
nungspraxis und Verwaltung zur Analyse oftmals auf-
wändig erhobener Daten eine wertvolle Methode sein.
Auch in diesem Fall steht der Prozess der Modellierung
im Vordergrund.
Aufwand und Mehrgewinn durch den Einsatz von
Modellen und Visualisierungen müssen in einem sinn-
vollen Verhältnis stehen. Da viele Visualisierungs werk -
zeuge (z.B. Visual Nature Studio, Simmetry 3d, Land -
Xplorer oder auch ArcGIS 3D Analyst) inzwischen recht
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Walz, Ariane et al.: Virtuelle Welten - reale Entscheidungen? Die Alpen im Modellbaukasten, © vdf Hochschulverlag 2009
komfortabel funktionieren, werden Visualisierungen
heute in zunehmendem Masse in der Planung einge-
setzt. Dabei wird neben der computerbasierten Überar-
beitung von Photographien inzwischen auch auf 3D-
Visualisierungen zurückgegriffen, die auf abstrakten
Daten aufbauen, wie Landnutzungskartierungen oder
Konstruktionspläne.
Aufgrund technischer Probleme und mangelnder Er -
fah rung mit Modellen bedeutet der Einsatz von Mo del -
len dagegen heute oftmals noch einen grossen Aufwand
für die Planungspraxis. Aus diesem Grund wird sich der
Einsatz von Modellen in der näheren Zukunft zunächst
höchstwahrscheinlich noch auf grosse Planungs pro jek te
konzentrieren. Die von Orascom Hotels & Development
(Kairo) geplante Ferienresortüberbauung in Ander matt,
die Hafencity Flüelen, der Gotthard-Basistunnel, die
Porta Alpina oder auch die Vergrösserung des Grimsel-
Stausees sind Projekte mit vielschichtiger Wirkung auf
die betroffenen Regionen und ihre Land schaft. Im
Rahmen derartiger Grossprojekte können Modelle
heute sinnvoll und gewinnbringend eingesetzt werden.
In diesen Projekten könnte zum Beispiel eine partizipa-
tive, qualitative Modellierung ein hilfreicher Schritt im
Planungsprozess darstellen, währenddem für Einzel -
fragen auf numerische, als Werkzeug aufgearbeitete
Modelle zurückgegriffen werden kann.
Neben der Berechnung von Informationsgrundlagen
in Entscheidungsprozessen stellt die wirklichkeitsnahe
Visualisierung ein wichtiges Hilfsmittel in der Planung
dar. Sie hat insbesondere in der Kommunikation von zu -
künftig zu erwartenden, teilweise nur schleichend voran-
schreitenden Veränderungen einen hohen Stellen wert.
Die realitätsnahe 3D-Visualisierung stellt ein wichtiges
Hilfsmittel dar, um die Ergebnisse komplexer Land -
schafts simulation anschaulich und eindrücklich zu kom-
munizieren. Dies gilt insbesondere für die Öffentlich-
keitsarbeit, je nach Fragestellung kann sie aber auch die
visuelle Vorstellungskraft der Fachleute sinnvoll unter-
stützen. Die Nutzung von seriös dokumentierten und
kommunizierten Modellen zur Abschätzung eines
zukünftigen Landschaftsbildes kann die Gefahr des
Miss brauchs dieses wirkungsvollen Kommunikations -
mittels reduzieren.
Eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen Praxis
und Wissenschaft könnte ausserdem der geringen Er -
fah rung und damit auch den methodischen Problemen
und der Skepsis im Umgang mit Modellen in der Pla -
nung entgegenwirken. Über Qualifikationsarbeiten wie
Diplom- und Doktorarbeiten im Rahmen aktueller
Planungsprojekte wird der Know-how-Transfer verbes-
sert und werden die entsprechenden Fachleute für die
Praxis ausgebildet.
Wir schlagen schliesslich die Ausarbeitung eines
umfassenden Leitfadens zum Einsatz von Modellen in
der Planung in der Art eines Bestimmungsschlüssels vor.
Dieser Leitfaden soll dazu beitragen, dass sich interes-
sierte Planer einfach über Möglichkeiten und Methoden
der Modellierung und Visualisierung informieren kön-
nen und diese gewinnbringend in die Planungs praxis
integrieren können.
Teil 3 (Kapitel 4) stellt eine Methode zur verbesserten
Ent wick lung computergestützter Modelle und da zu ge -
hörender Software für die Praxis vor. Anhand meh re rer
Beispiele wird er läutert, wie virtuelle Pla nungs- und
Land schaftsanalyseinstrumente funktionieren, respek-
tive wie sie im Dialog zwischen Anwender und Ent wick -
ler gemeinsam entworfen und implementiert werden
können.
Die For mulierung von «Use Cases» oder «Anwen -
dungs beispielen» stellt dabei eine Möglichkeit dar,
Anforderungen und Funktionalitäten eines Modells im
Sinne eines Werkzeugs und im Rahmen der technischen
Möglichkeiten optimal aufeinander abzustimmen. Der
Ansatz wird in der Software-Entwicklung seit Jahr -
zehnten angewendet, doch hat er bisher kaum Eingang
in die Entwicklung von Land schaftsmodellen gefunden.
Bei der Formulierung von Use Cases werden umfang-
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Walz, Ariane et al.: Virtuelle Welten - reale Entscheidungen? Die Alpen im Modellbaukasten, © vdf Hochschulverlag 2009
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KURZFASSUNG 17
reiche Anwendungen detailliert in kleinste Aktions -
schrit te aufgegliedert, um so schrittweise massge-
schneiderte Software-Spezifkationen zu formulieren.
Damit kann zum einen dem Kommunikationsaspekt
Rechnung getragen werden, zum anderen kann aber
auch die technische Umsetzbarkeit der formulierten An -
forderungen geprüft werden.
Anhand eines «didaktischen» Beispiels wird die An -
passung eines der NFP 48-Modelle auf eine hypotheti-
sche Planungsfrage im Detail veranschaulicht. Am Bei -
spiel des geplanten Schatzalpturms in Davos wird de -
mon striert, wie eine komplexe und verschachtelte Frage-
stellung in wohldefinierte Teilaspekte aufgegliedert
werden kann. Gleichzeitig dokumentiert dieses Bei spiel
den zeitlichen Aufwand, der nötig ist, um Mo delle, die in
einer Fallstudie entwickelt wurden, auf eine andere
Region oder leicht veränderte Fragestellung zu übertra-
gen. Damit wird auch die technische Heraus for derung
deutlich, Modelle mit grosser und komfortabler Über-
tragbarkeit zu entwickeln.
Weitere Beispiele aus der NFP 48-Forschung und ihr
hypothetischer Einsatz für bestimmte Anwendungs -
situationen zeigen auf, welche Beiträge die Modelle für
die Planung liefern könnten. Dazu werden typische
Planungssituationen dargestellt, in denen die Modelle
zum Einsatz kommen. Die ausgewählten Use Cases um -
fassen ökologische Fragestellungen mit Relevanz für das
Landschaftsbild (Beispiel: Migrationsmuster von Lär -
chen wicklern) sowie Aspekte der Ortsplanung (Beispiel:
Änderung in der Zonenplanung). Ein prominenter Use
Case zur Landwirtschaftsförderung verdeutlicht schliess-
lich, wie die vorgestellten NFP 48-Modelle inhaltlich
kombiniert werden könnten.
Die vorgestellten Beispiele zeigen, dass die NFP 48-
Forschung wichtige Herausforderungen der aktuellen
Raum- und Landschaftsplanung in den Alpen zu grossen
Teilen abdeckt, dass jedoch die technische Um set zung
den Anforderungen der Planungspraxis (meistens noch)
nicht entspricht.
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Einführung
1
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NFP 48 THEMATISCHE SYNTHESE V 20
1 Einführung
1.1 Motivation
Was ist eine Landschaft, was ist ein Lebensraum? Wo fängt
Landschaft an, wo hört sie auf? Wie können wir die Land -
schaft virtuell abbilden, wenn wir ihre Mehrdimen sio na -
lität und Vielschichtigkeit kaum oder nur umständlich in
Worte fassen, geschweige denn angemessen quantifizie-
ren können?
Die Synthese V des Nationalen Forschungsprogramms
NFP 48 «Landschaften und Lebensräume der Alpen» stellt
nicht den Anspruch, die oben gestellten Fragen umfassend
zu beantworten. Sie möchte jedoch aufzeigen, wie Land -
schaften und Lebensräume trotz aller Limitierungen mo del -
liert, simuliert und virtuell repräsentiert werden können.
Mehr noch, sie möchte aufzeigen, wie computerbasierte,
virtuelle Landschaftsanalyse- und Planungsinstrumente
aus sehen müssten und was die aktuellen Forschungs -
ergebnisse des NFP 48 zu diesen Instrumente beitragen
könnten.
Dabei geht sie sowohl auf computergestützte Model lie -
rung als auch auf computergestützte Visualisierung ein.
Denn spricht man von «Virtuellen Welten», werden diese
beiden an sich unabhängigen Techniken oft kombiniert
(Koll- Schretzenmayr et al., 2004).
Dazu stützt sich die Synthese V einerseits auf die model-
lierungsorientierten Projekte des NFP 48 ab und berück-
sichtigt andererseits die breit gefächerte Fachliteratur.
Ausserdem wirft sie einen Blick hinter die Kulissen der
Software-Entwicklung. Dieser Blick hinter die Kulissen ver-
sucht, dem immer wieder angetroffenen Reflex gerecht zu
werden, sich komplexen Modellierungs- und Darstellungs -
abläufen in Form einer «kleinen, leicht nachvollziehbaren
Geschichte» anzunähern.
Die inhaltliche Ausrichtung der Synthese V konzentriert
sich auf die methodische Diskussion. Geographisch be -
schränkt sie sich weitgehend auf die Schweizer Alpen, da
die berücksichtigten Projekte fast ausschliesslich diesen
Raum oder Teile davon behandeln. Es interessiert, welche
Modellierungstechniken und -ansätze verwendet wurden
und inwiefern in Zukunft Modellierung und Visualisierung
in der Raum- und Landschaftsplanung im Alpenraum ein-
gesetzt werden könnten. Obwohl die in den verschiedenen
Projekten verwendeten Ansätze nicht zwingend auf den
Alpenraum beschränkt sind, bedeuten die schwierigen
topographischen Verhältnisse für die Modellierung und
Visualisierung eine besondere Herausforderung, die eine
spezifische Behandlung erfordert.
Die Umsetzung von Raum- und Landschaftsplanungs -
konzepten scheitern oftmals daran, dass weder die Öffent-
lichkeit noch die Entscheidungsträger9sich die Auswir kun -
gen von Entscheiden oder auch Nicht-Entscheiden vorstel-
len können und zukünftige Entwicklungen unterschätzen.
Viele Probleme sind aber nur aus einer langfristigen Sicht
erkennbar. Da die politischen Prozesse kurzfristig orien-
tiert sind, kann mit Modellen ein Mittel zur stärkeren und
fundierteren Berücksichtigung langfristiger Entwick lun gen
geschaffen werden.
Die Synthese V strebt danach, die aktuellen Forschungs -
fragen in der Landschaftsmodellierung und -analyse auf-
zuarbeiten und zu zeigen, wie die erzielten Forschungs -
ergebnisse in der Praxis genutzt werden können und wel-
che Anforderungen praxistaugliche Produkte erfüllen
müss(t)en.
9Die Synthese V ist weitgehend geschlechtsneutral abgefasst. Wo dies nicht möglich ist, beziehen die männlichen Bezeichnungen Personen
beider Geschlechter ein.
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1EINFÜHRUNG 21
1.2 Bedeutung der Synthese V
für die Alpenforschung
Wie bereits erwähnt, ist die Synthese V methodisch nicht
an die Alpen gebunden. Das Wesen virtueller Landschafts -
analyse- und Planungsinstrumente könnte am Beispiel
jeden Landschaftstypus untersucht werden. Dass kompli-
zierte Topographien höhere Anforderungen an Modelle
und Daten stellen, liegt auf der Hand und lässt sich an den
Alpen naturgemäss schön zeigen.
Da der Alpenraum vor grossen, sowohl deutlich wahr-
nehmbaren als auch schleichenden Veränderungen steht,
sind methodische Fragen zur Modellierung und virtuellen
Repräsentation durch Werkzeuge der Raum- und Land -
schaftsplanung für diesen Raum von grosser Bedeutung.
Anstehende Grossprojekte rufen nach Modellierung und
Simulation als möglichen Instrumenten in der Planung. Es
sei in diesem Zusammenhang zum Beispiel an Stau damm -
projekte, den Alpentransit, die Ausscheidung und Etablie -
rung von Naturpärken, Entscheide zum Zweitwohnungs -
bau oder Investitionen im Wintertourismus vor dem Hin -
ter grund einer zu erwartenden Klimaveränderung erin nert.
Ausserdem schlagen sich neben Grossprojekten auch gra-
duelle Veränderungen der Landnutzungsmuster in der
Land schaft nieder, die z.B. durch eine neue Agrarpolitik
oder auch durch Veränderungen im Touris mus- und Er -
holungsverhalten ausgelöst werden. Diese Verände run gen
werden nicht direkt durch einzelne Eingriffe in die Land -
schaft verursacht, sondern wirken sich schleichend auf-
grund zahlreicher, quasi unabhängiger Einzel ent scheide
auf die Landschaft aus.
Die genannten Projekte und landschaftsrelevanten
Entscheide in der Agrar-, Erschliessungs- und Tourismus -
politik sowie die damit verbundenen Entscheidungs -
prozesse können mit geeigneten Planungsinstrumenten
unterstützt werden. Diese erlauben es, unterschiedliche
Zukunftsszenarien in virtuellen Welten zu simulieren und
bildlich darzustellen. Ob dann die richtigen realen Ent-
scheide gefällt werden, ist eine andere Frage.
1.3 Begleitgruppe
Um die Funktion der Synthese V als Brücke zwischen
Wissenschaft und Praxis besser zu verankern, wurde die
Begleitgruppe als Stakeholder-Gruppe konzipiert, die sich
aus Vertretern der Wirtschaft, Verwaltung, Politik und
Wissenschaft zusammensetzt. Zwei der drei Begleitgrup -
pen treffen dienten der Identifikation und Kommunikation
von Bedürfnissen und Interessen verschiedener Stake -
holder-Gruppen. Dieser Begleitgruppenprozess ist im
Anhang dokumentiert, und die Ergebnisse dieser Zusam -
menarbeit bilden neben der einschlägigen Fachliteratur
die Grundlage von Kapitel 3.
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NFP 48 THEMATISCHE SYNTHESE V 22
1.4 Zielpublikum der Synthese V
Die Synthese V richtet sich an Anwender computerge-
stützter, virtueller Planungs- und Landschafts ana lyse-
ins trumente und an diejenigen, die diese Instrumente in
Zu kunft einsetzen möchten. Damit wendet sie sich in
namentlich an Verwaltungsstellen mit Bezug zur Raum-
und Land schaftsplanung sowie an die entsprechenden pri-
vaten Planungs- und Beratungsbüros. Sie wendet sich zu -
dem an Entscheidungsträger aus Politik, Verwaltung und
Wirt schaft, die sich mit den Möglichkeiten dieser Ins -
trumente vertraut machen und einen Überblick gewinnen
wollen.
1.5 Ziele
Das Ziel der Synthese V liegt darin, das Potenzial compu-
tergestützter Modelle für die Raum- und Land schafts -
planung aufzuzeigen. Dieses Ziel soll durch die folgenden
drei Teilziele erreicht werden:
Teilziel 1
Die Auswahl und Breite der Modelle, die im Rahmen des
NFP 48 entwickelt wurden, unter Berücksichtigung ver-
schiedener Merkmale darstellen und auf dieser Grund -
lage den aktuellen Stand der Forschung aufzeigen.
Teilziel 2
Die Erwartungen an computergestützte Planungsins tru -
mente und die Probleme bei ihrer Nutzung in der Praxis
identifizieren und aus dem Spektrum an Ansätzen des
NFP 48 Beiträge zu ihrer Lösung herausarbeiten.
Teilziel 3
Ein Verfahren zur Unterstützung der gezielten Ent -
wicklung computergestützter Instrumente für die Praxis
vorstellen und anhand ausgewählter Bespiele erläutern.
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1EINFÜHRUNG 23
1.6 Fragenkatalog
Der folgende Fragenkatalog konkretisiert die Ziele der
Synthese V und stellt in dieser Form auch die Grundlage
für ihr Gesamtfazit dar. Er thematisiert sowohl den Beitrag
und die Bedeutung der NFP 48-Forschung im Bereich com-
putergestützter Instrumente als auch bestehende und zu -
künftige Anwendungsmöglichkeiten dieser Instrumente in
der Raum- und Landschaftsplanung.
Zu Teilziel 1
Welche Erkenntnisse liefern die vorliegenden Projekte
der NFP 48-Forschung im Bereich der Modellierung,
der computergestützten Simulation und der virtuellen
Reprä sentation?
Was sind die in Bezug auf die Anwendbarkeit wichtig-
sten Forschungsgebiete im Bereich computergestütz-
ter Landschaftsmodellierung für die Zukunft?
Zu Teilziel 2
Stellen Modellierung, Simulation und Visualisierungs -
techniken hilfreiche Instrumente dar, um die beste-
henden Probleme in der Raum- und Landschafts -
planung zu lösen? Falls ja, in welcher Weise können
sie einen Beitrag leisten?
Können wir Merkmale für wissenschaftliche Modelle
finden, die sich auch für die praktische Anwendung
eignen?
Was sind die Perspektiven von computergestützter
Modellierung, Simulation und Visualisierungstechnik
für die Praxis? Welches sind die nächsten Schritte, um
deren Einsatz in der Praxis in Zukunft zu erleichtern?
Zu Teilziel 3
Wie können die Bedürfnisse potenzieller Anwender in
die Entwicklung eines Modells direkt einfliessen?
1.7 Aufbau der Synthese V
Gemäss den drei Teilzielen geht die Synthese V in drei
Schritten vor. Der erste Teil (Kapitel 2) besteht aus einer
kritischen Würdigung derjenigen NFP 48-Projekte, bei
denen Modellierung und computergestützte Visualisie -
rungs techniken im Vordergrund standen. Dazu werden
diese Projekte und ihr Beitrag zur Modellierung zuerst
kurz vorgestellt. Dann wird das Spektrum, das diese
Modelle hinsichtlich verschiedener Merkmale abdecken,
aufgezeigt und der Beitrag der NFP 48-Forschung zur
Landschaftsmodellierung dieser Projekte bewertet.
Der zweite Teil (Kapitel 3) stellt die Bedürfnisse der
Praxis auf der Basis einschlägiger Literatur und der Zu -
sam menarbeit mit Stakeholdern in der Begleitgruppe dar.
Nach dieser Bedarfsabklärung werden die Probleme bei
der Nutzung von computergestützten Modellen in der
Praxis beleuchtet und mögliche Beiträge der Forschung
zur Lösung dieser Probleme aufgezeigt.
Der dritte Teil (Kapitel 4) stellt einen Ansatz zur Ent wick -
lung computergestützter Instrumente aus dem Software-
Engineering vor. Auf der Basis verschiedener Beispiele aus
dem NFP 48 werden mögliche Vorgehensweisen bespro-
chen und wird zur besseren Veranschaulichung eine hypo-
thetische Anwendungssituation als didaktisches Beispiel
komplett durchgespielt. Anschauungsmaterial zu diesem
Beispiel befindet sich in Form von Filmen auf der beilie-
genden CD-ROM.
Im Fazit (Kapitel 5) werden die in Abschnitt 1.6 auf-
geworfenen Fragen mit Verweis auf die präsentierten Aus -
ar beitungen im Einzelnen beantwortet.
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Walz, Ariane et al.: Virtuelle Welten - reale Entscheidungen? Die Alpen im Modellbaukasten, © vdf Hochschulverlag 2009
NFP 48 THEMATISCHE SYNTHESE V 24
1.8 Definition und Abgrenzung
von Schlüsselbegriffen
Um das gemeinsame Verständnis sicherzustellen, bedarf
es zunächst der Klärung einiger Begriffe, die in dieser
Synthese V immer wieder verwendet werden: Welche
Themen gebiete umfasst die Landschaftsforschung? Mit
welchen Problemen beschäftigt sich die Raum- und
Landschaftsplanung? Was ist ein Modell und welchen
Schwerpunkt setzen wir diesbezüglich in der Synthese V?
Was verstehen wir unter einer Simulation? Was ist ein
Szenario? Wie wird der Begriff Szenario verwendet?
Landschaftsforschung
Die Landschaftsforschung bearbeitet die vielfältigen
Aspekte, die Einfluss auf die Landschaft nehmen und die
ihrerseits von der Landschaft beeinflusst werden. Land -
schafts forschung untersucht das gesamte, in einem be -
stimmten Landschaftsausschnitt herrschende komplexe
Wirkungsgefüge zwischen den Lebensgemeinschaften,
ihren Umweltbedingungen und ihrer Entwicklung über die
Zeit. Den Mensch, der die Landschaft in Wert setzt, verän-
dert und wahrnimmt, schliesst sie dabei als Teil dieses
Wirkungsgefüges mit ein. Die Landschaftsforschung ist
eine Querschnittsdisziplin, zu der neben Fachleuten aus
Biologie, Pedologie, Hydrologie und anderen naturwissen-
schaftlichen Disziplinen auch Fachleute aus Regional -
entwicklung, Landwirtschaft, Verkehrsforschung, Touris -
mus, Psychologie, Geschichte und anderen sozialwissen-
schaftlichen Disziplinen beitragen.
In den letzten zehn Jahren wurden in der Land schafts -
forschung grosse Anstrengungen zur Entwicklung von Mo -
dellen unternommen, welche die Simulation von Land -
schaftsveränderungen und deren Bewertung für Mensch,
Tier und Pflanze erlauben. Dabei wird ein besonderer
Fokus auf die Abschätzung der Folgen von menschlichen
Eingriffen und von klimatischen Veränderungen auf ökolo-
gische Wirkungssysteme gelegt. Viele dieser Modelle stüt-
zen sich auf Geographische Informationssysteme (GIS) als
Analyseinstrumente und basieren auf Fernerkundungs -
daten (vorwiegend Satellitendaten und Luft bilder).
Raum- und Landschaftsplanung
Die Raumplanung ist eine öffentliche Aufgabe, die im eid-
genössischen Raumplanungsgesetz umschrieben ist. Mit
Hilfe der Raumplanung soll für eine haushälterische
Nutzung des Bodens und eine geordnete Besiedlung des
Landes gesorgt werden (Art. 1 RPG), um dadurch langfris-
tig die Erhaltung des Lebensraumes und eine Vielfalt von
Nutzungen sicherzustellen.
Ziel der Raumplanung ist es, die unterschiedlichen Be -
dürf nisse an unseren Lebensraum aufeinander abzustim-
men und so für eine nachhaltige, d.h. ökonomisch, ökolo-
gisch und sozial ausgewogene Ent wicklung der Schweiz
zu sorgen. Raumplanung umfasst alle räumlichen Planun -
gen der öffentlichen Hand auf allen Verwaltungsebenen
und in allen raumrelevanten Sach ge bieten wie Verkehr,
Umwelt, Wirtschaft, Gesellschaft und vielen mehr (BRP/
EJPD, 1998).
Die Landschafts planung befasst sich mit der Berück -
sich tigung der natürlichen Lebensgrundlagen bei allen
Planungsentscheiden sowie mit der Nutzung, dem Schutz
und der Gestaltung der freien Landschaft und der Sied -
lungsfreiräume (BSLA, 2005). Die Landschaftsplanung ist
integraler Bestandteil der Raumplanung (z.B. bei der Erar -
bei tung von Entscheidungsgrundlagen für die Ausschei -
dung von Baugebiet und Nichtbaugebiet), kann aber auch
selbständige Sachplanung (z.B. Naturschutzkonzepte)
oder Bestandteil von Umweltverträglichkeitsprüfungen
sein. Darüber hinaus leistet sie einen wichtigen Beitrag in
Form der landschaftspflegerischen Begleitplanung (z.B.
bei Strassenprojekten).
Modell
Ein Modell ist eine vereinfachte, auf das Wesentliche redu-
zierte Abbildung der Wirklichkeit. Wir benutzen bei der
Wahr nehmung unserer Realität entsprechend immer wieder
Modelle, auch wenn wir dies meistens nicht explizit tun
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1EINFÜHRUNG 25
und uns darüber gar nicht bewusst sind. Wie sie genau
aussehen, bestimmt unser Vorwissen, unsere Perspektive
und die Situation, in der wir uns befinden. Was «das
Wesentliche» ist und wie es im Modell abgebildet wird,
ändert sich je nach Fragestellung und Anwendungsbereich
des Modells. Dasselbe gilt auch für explizite Modelle, wie
sie in der Forschung und in der Praxis verwendet werden.
Dementsprechend gross ist das Spektrum an Modellen,
das neben rein mentalen Modellen, mit denen wie erwähnt
jede Wahrnehmung der Realität beginnt, auch physische
und computergestützte Modelle umfasst. Letztere spielen
in Bildung und Forschung eine zentrale Rolle, denn die
Komplexität der Wirklichkeit bewusst zu reduzieren ist
oftmals notwendig, um die wichtigsten Zusammenhänge
zu kommunizieren und um einzelne Aspekte bewusst in
grösserer Detailschärfe zu betrachten. Physische und
computergestützte Modelle erlauben, mit der Realität zu
«spielen» und Experimente durchzuführen, die in natura
nicht möglich wären.
In der Landschaftsforschung wird mit mentalen, physi-
schen und computergestützten Modellen gearbeitet.
Aktuelle Forschung im Bereich der mentalen Modelle fin-
den wir zum Beispiel im sich verändernden Verständnis
der Interaktion zwischen Mensch und Umwelt, die ein zen-
trales Thema der Landschaftsforschung bildet (z.B. Tress
und Tress, 2001). Ein Beispiel aus der aktuellen NFP 48-
Forschung sind die Unterschiede im Verständnis von Land -
schaft, die die Entscheidungsprozesse beziehungsweise
die Kommunikation verschiedener Interessensvertreter
innerhalb eines solchen Prozesses vehement erschweren
können (Droz und Miéville-Ott, 2005). Diese mentalen Mo -
delle sind weitgehend Gegenstand der Synthese I «Alpen -
landschaften – Von der Vorstellung zur Handlung» zum
Forschungsschwerpunkt «Prozesse der Wahrnehmung
und Darstellung von Landschaften und Lebensräumen in
den Alpen» (Backhaus et al., 2007).
Physische Modelle werden insbesondere in der natur-
wissenschaftlich orientierten Landschaftsforschung ein-
gesetzt. Dabei handelt es sich zum Beispiel um die
Nachbildung von Flusssystemen, mit denen Überflutungs-,
Renaturierungs- oder Verbauungsexperimente durchge-
führt werden.
Computergestützte Modelle sind Gegenstand der Syn -
these V. Sie werden im Bereich der Landschafts for schung
vor allem eingesetzt, um Landschaftsveränderungen zu
erklären, zu simulieren, ihre Folgen abzuschätzen oder sie
zu bewerten. Computergestützte Modelle erlauben, die
Reaktion des abgebildeten Systems in Abhängigkeit von
einzelnen Einflussfaktoren zu simulieren. Damit wird es
möglich, auch mit Systemen zu experimentieren, die sich
nicht physisch rekonstruieren lassen. Dies ist insbeson-
dere dann nötig, wenn die abgebildeten Systeme zu träge
sind, d.h. ihre Veränderung zu langsam ist, um sie in einem
physischen Modell abzubilden (z.B. Wald- oder Klima ent -
wicklung), oder wenn die Interaktion mit dem Menschen
wesentlich für das System ist. Mit dem computergestütz-
ten Modell kann virtuell experimentiert werden, um
Erkenntnisse über das abgebildete System und seine
Reaktion auf verschiedene Einflussfaktoren zu gewinnen.
Computergestützte Modelle werden auch zur Simulation
der Zukunft genutzt. Dabei wird mit alternativen Zukunfts -
szenarien experimentiert und die Reaktion des Systems
auf veränderte, für die Zukunft als plausibel erachtete Ein -
gabeparameter abgebildet. Die Modelle schätzen zum Bei -
spiel die langfristigen Konsequenzen veränderter klimati-
scher Rahmenbedingen oder eines politischen Ent schei -
des ab. Mit dieser Information können sie inhaltlich zur
Entscheidungsfindung beitragen. Obwohl es auch analoge
Simulationsmodelle gibt, beziehen wir uns in der Syn the -
se V immer auf computergestützte Simulations modelle.
Wichtig bei der Erstellung eines computergestützten Mo-
dells ist eine klare Zielsetzung. Damit kann entschieden
werden, welche Szenarien und Randgrössen betrachtet
werden müssen, um verwendbare Ergebnisse zu erlangen.
Gleichzeitig muss eine gewisse Verallgemeinerung erfol-
gen und der Detaillierungsgrad nicht zu hoch sein, weil
sonst der Zeitbedarf zur Erstellung des Modells sowie der
Rechenzeitaufwand für jedes Experiment steigen.
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NFP 48 THEMATISCHE SYNTHESE V 26
Simulation
Simulation ist eine realitätsgetreue Abbildung von Pro zes -
sen, Ressourcen und Abläufen mit dem Ziel, Entwick lun -
gen abzuschätzen und Veränderungen zu bewerten, ohne
dabei in den realen Prozess einzugreifen. Die verbindliche
Definition findet sich in den VDI-Richtlinien 3633 (VDI,
1993): «Simulation ist die Nachbildung eines Systems mit
seinen dynamischen Prozessen in einem Modell, um zu
Erkenntnissen zu gelangen, die auf die Wirklichkeit über-
tragbar sind.»
Simulationen beruhen meistens auf dynamischen
Model len mit einer zeitlichen Komponente. Ursprünglich
kamen dabei in der Physik Differenzialgleichungen zum
Einsatz. In der Landschaftsmodellierung genügt aber
meist eine zeitdiskrete Betrachtung, die Beziehungen zwi-
schen den Systemzuständen und speziellen Zeitpunkten
herstellt.
Simulationen in der Raum- und Landschaftsplanung
erstrecken sich meist über Zeithorizonte von mehreren
Jahrzehnten vom aktuellen Zustand aus in die Zukunft. Zur
Validierung der Modelle wird dagegen in der Regel von
einem wohldokumentierten Zustand ausgegangen und
von dort die Vergangenheit simuliert, so dass man die tat-
sächlich eingetretene Entwicklung mit den Simulations -
resultaten vergleichen kann.
Visualisierung
Visualisierung bedeutet, dass Informationen oder Zusam -
men hänge bildlich aufbereitet und in eine einfach erfass-
bare Form gebracht werden. Die Visualisierung ist ein Mit -
tel zur Kommunikation, wobei die Informationen so wohl
abstrakt (z.B. Diagramme und Graphiken) als auch reali täts -
nah (z.B. photorealistische Landschafts visualisie run gen)
aufbereitet werden können.
Zu den Techniken der Landschaftsvisualisierung zählen
«statische» Visualisierungen wie Photographien und digital
retuschierte Bilder sowie «dynamische» Visua lisie run gen
wie Filme und Computeranimationen. In der planerischen
Praxis werden zumeist digitale Photomontagen eingesetzt
(2D-Bilddaten). Diese können einen extrem hohen Reali -
täts grad aufweisen. Seit einigen Jahren werden auch zu -
nehmend 3D-Daten zur Generierung von echten 3D-Land -
schaftsmodellen («Virtuelle Welten») verwendet, in denen
sich der Betrachter frei bewegen kann (Lange, 1994). Diese
Art der Visualisierung ist zwar technisch aufwändiger, sie
ist jedoch durch eine nachvollziehbare Methodik gekenn-
zeichnet, bei der die Landschaftsvisualisierung auf einem
digitalen Geländemodell und dreidimensionalen Einzel -
objekten beruht, die mit hoch aufgelösten Texturen wie
digitalen Orthophotos oder Fassaden von Gebäuden kom-
biniert werden können (Graf, 1995).
Ein grosser Vorteil dieser 3D-Visualisierungen ist, dass
der Ansatz weitgehend übertragbar ist und auch veränder-
te oder beispielsweise simulierte Datensätze bei entspre-
chendem Format in ein wirklichkeitsnahes Bild übertragen
werden können. Sie liefern damit eine Technik, um Simu-
la tions modelle mit einer realitätsnahen, anschaulichen
Wieder gabe zu verknüpfen.
In der Raum- und Landschaftsplanung werden Visua li -
sierungen dazu eingesetzt, Zusammenhänge zu verdeutli -
chen, die sich aus einem gegebenen Datenbestand erge-
ben, aber nicht unbedingt direkt visuell vorstellbar sind.
Damit kann der visuelle Eindruck, der durch einen Eingriff
oder schleichende Veränderungen in der Landschaft verur-
sacht wird, für den Planungsprozess zugänglich gemacht
werden (Lange, 1994). Darüber hinaus lassen sich inner-
halb eines modellierten Landschaftsausschnitts verschie-
dene Varianten einer Planung vergleichsweise einfach
generieren und in unterschiedlichen Perspektiven darge-
stellen. Mit den zunehmend besser verfügbaren Daten und
der Etablierung entsprechender Software wird die Visua -
lisierung in vermehrtem Masse auch als Kommuni ka tions -
mittel in partizipativen Planungsprozessen eingesetzt
(Lange et al., 2005).
Szenarienanalyse
Ein Szenario stellt in der Fachsprache der Planung eine
hypothetische Aufeinanderfolge von Ereignissen dar, die
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Walz, Ariane et al.: Virtuelle Welten - reale Entscheidungen? Die Alpen im Modellbaukasten, © vdf Hochschulverlag 2009
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1EINFÜHRUNG 27
unter Beachtung kausaler Zusammenhänge und zur Ab -
schätzung möglicher Entwicklungen konstruiert wird.
Die Szenarienanalyse ist eine Methode zur Darstellung
und Analyse möglicher Entwicklungen und wird ausser in
Wirtschaft, Militär und Politikentwicklung auch in der
Raum- und Landschaftsplanung eingesetzt. Eines der
ersten Einsatzgebiete der Szenarienanalyse waren in den
1960er Jahren die think tanks der US-Regierung zu militä-
rischen Themen (Kahn und Wiener, 1967). Weitere promi-
nente Beispiele sind die strategische Unternehmens -
planung des Shell Konzerns (z.B. Shell, 2001), die volks-
wirtschaftliche Studie «Grenzen des Wachstums» des Club
of Rome (Meadows et al., 1972) oder auch die Klima -
szenarien des IPCC (IPCC, 2007).
Ein zentrales Ziel der Szenarienanalyse ist es, Unsicher -
heiten zu berücksichtigen, die das betrachtete System
betreffen und kaum abschätzbar sind. Bei der Arbeit mit
Modellen werden bei wenig bekannten Eingangsgrössen
Szenarien entwickelt, die eine plausible und oft verein-
fachte Beschreibung der Zukunft darstellen. Sie sind da -
mit von (eindeutigen) Vorhersagen abzugrenzen.
Neben plausiblen Entwicklungen des untersuchten Sys -
tems werden meistens eine Häufung negativer Ent wick -
lun gen als negatives Extremszenario und eine Häufung
positiver Entwicklungen als positives Extremszenario ent-
wickelt. Die beiden Extremszenarien zeigen die Band -
breite der potenziellen Entwicklungen hinsichtlich der be -
rücksichtigten Unsicherheiten auf. Es wird angenommen,
dass die tatsächliche zukünftige Entwicklung sich zwi-
schen diesen beiden Extremen bewegen wird (Abb 1-1).
In der Landschaftsmodellierung wird vielfach mit Szena -
rien gearbeitet, da sich die zukünftig verändernden Rah -
men bedingungen eben nur unter grossen Unsicherheiten
abschätzen lassen. Aufgrund ihrer Komplexität werden alle
relevanten Einflussgrössen und ihre gegenseitigen In ter -
aktionen konsistent durchgedacht, um so Eingabe werte
für die Simulation abzuleiten. Dies kann sowohl nach
strengen formellen Kriterien als auch informell und intuitiv
erfolgen (Scholz und Tietje, 2002; Wiek et al., 2006).
Eine Szenarienanalyse kann sowohl deskriptiv-explo-
rativ als auch normativ-strategisch eingesetzt werden (van
Notten et al., 2003). Der deskriptiv-explorative Ansatz ver-
folgt die Frage «Wie könnten zukünftige Entwicklungen
aussehen?» («descriptive and forecasting exploration sce-
narios» in van Notten et al., 2003). Dagegen orientiert sich
der normativ-strategische Ansatz an einer Wunschvor stel -
lung von der Zukunft und fragt: «Wie kann dieser Zustand
erreicht werden?» In der Raum- und Landschaftsplanung
wird meistens der Status quo als Ausgangspunkt genom-
men und entsprechend dem deskriptiv-explorativen An -
satz die potenziellen Entwicklungen für die Zukunft ab ge -
leitet bzw. simuliert, wenn mit Modellen gearbeitet wird.
In der Synthese V wird der Begriff Szenario immer dann
verwendet, wenn alternative Eingabewerte oder -daten-
sätze für die Simulation auf der Grundlage von potenziel-
len zukünftigen Entwicklungen abgeleitet werden.
Dabei kann es sich um Szenarien handeln, die Rahmen -
bedingungen ansprechen, welche sich extern entwickeln
und auf die das betrachtete System keinen direkten Ein fluss
hat (z.B. die Auswirkungen der WTO-Verhandlungen auf
die regionale Berglandwirtschaft). Eine Szenarienana lyse
kann in diesem Fall aufzeigen, welche Folgen sich aus der
neuen Konstellation von externen Rahmen be din gun gen
ergeben und ob allenfalls Handlungsbedarf besteht.
Es kann sich aber auch um Szenarien handeln, die Hand -
lungsvarianten lokaler Entscheidungsträger analysieren
(z.B. Entscheide zwischen verschiedenen Bau inves ti tio nen).
In diesem Fall werden mögliche zukünftige Kon se quenzen
einer Entscheidung, z.B. auf die Landschaft, abgeschätzt.
Modellen und computergestützten Werk zeu gen können
verschiedene Entscheidungsvarianten und deren Konse -
quen zen gegenüberstellt werden, um die lang fristig sinn-
vollste Variante zu erkennen.
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Walz, Ariane et al.: Virtuelle Welten - reale Entscheidungen? Die Alpen im Modellbaukasten, © vdf Hochschulverlag 2009
NFP 48 THEMATISCHE SYNTHESE V 28
Abbildung 1-1
Darstellung der Bandbreite von Szenarien in einer Szenarienanalyse anhand des Szenarientrichters
Quelle: Graf und Klein (2003).
Szenarientrichter
Empirische Daten,
bisherige Entwicklung
Visionen, Utopien,
Zukunftsentwürfe
Vergangenheit Gegenwart Zukunft
Diskontinuität,
wild card Szenario A
Szenario B
Szenario C
Szenario B’
Szenario D
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NFP 48-Projekte
mit Modellierungs-
charakter
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Walz, Ariane et al.: Virtuelle Welten - reale Entscheidungen? Die Alpen im Modellbaukasten, © vdf Hochschulverlag 2009
2 NFP 48-Projekte mit
Modellierungscharakter
Dieses Kapitel umfasst eine Zusammenschau der relevan-
ten NFP 48-Projekte und die Bewertung ihres Beitrags vor
dem Hintergrund der aktuellen Landschaftsforschung. Die
Auswahl an Projekten zeichnet sich durch ihren Bezug zur
Modellierung aus. Wie unterscheiden sich die Modelle?
Wo lassen sich methodisch und/oder inhaltlich Parallelen
feststellen? Sind die Modelle methodisch und/oder inhalt-
lich komplementär? Ergänzen sich ihre Resultate oder kön-
nen die Modelle selbst kombiniert werden? Inwiefern haben
die Modelle einen direkten Bezug zur Alpenlandschaft?
2.1 Vorstellung der Projekte
Für die vorliegende Synthese V wurden 13 Projekte des
NFP 48 berücksichtigt (Tabelle 2-1). Sechs davon fokussie-
ren direkt auf die Entwicklung von und Simulation mit com-
putergestützten Modellen. Sie bilden das inhaltliche Kern -
stück dieser Zusammenschau. Die anderen sieben Projekte
stellen inhaltliche und methodische Ergänzungen zu den
oben genannten Modellierungsprojekten dar. Sie erwei-
tern die Zusammenschau um wichtige Einzelaspekte, die
nicht direkt durch die Modellierungsprojekte abgedeckt
werden und Grundlagen für zukünftige Modelle darstellen.
Im Rahmen dieser Synthese können die Projekte nur kurz
skizziert und im Wesentlichen ihr Beitrag für die Syn these V
herausgearbeitet werden. Die Literaturliste, in der die Ver-
öffentlichungen aus den entsprechenden NFP 48-Pro jek ten
zusammengestellt sind, zeigt auf, wo weitere Detail infor -
mation erhältlich ist. Weitere Dokumente befinden sich
auf www.nfp48.ch.
Nach einer Einordnung aller in Tabelle 2-1 aufgeführten
Projekte konzentriert sich diese Synthese auf die in
Kapitel 1.8 näher beschriebenen Simulationsmodelle. Was
letztere zu Entscheidungsprozessen beitragen können
und wie sie optimal in Entscheidungsprozesse integriert
werden, ist Gegenstand der Synthese V. Ein wichtiger As -
pekt kommt dabei auch der Kommunikation der Simula -
tions er geb nisse zu. Computergestützte Verfahren er lau ben
es, in Ver bindung mit hochentwickelten Visualisierungs -
tech ni ken attraktive Kommunikationsmedien zu erstellen
(Bishop und Lange, 2005; Lange et al., 2005), die neben der
rein inhaltlichen Aussage der Modellierung im politischen
Prozess durchaus wirksam eingesetzt werden können.
In den in Tabelle 2-1 hinterlegten Projekten Alpscape,
Alpsim, Gisalp, Ipodlas, Schutzwälder und Sulaps war
die Entwicklung von Simulationsmodellen zentraler Be -
stand teil der Forschung. Diese Projekte bilden den Kern -
input zur Synthese V. In den Projekten Ecosysserv und
Erreichbarkeit wurde zwar mit Simulationsmodellen ge -
ar beitet, doch lagen die Forschungsschwerpunkte nicht in
der Prognose, sondern auf Ansätzen zur Bewertung von
Landschaftsveränderungen beziehungsweise auf retro-
spektiven Analysen. In den übrigen Projekten wurden zum
Teil wichtige Grundlagen zur Modellierung erarbeitet, wie
z.B. die Erfassung der Geschwindigkeit beobachteter
Land schaftsveränderungen oder die Systematisierung von
«Driving Forces» der Landschaftsveränderung im Projekt
Transformation.
Im Folgenden werden die in Tabelle 2-1 aufgeführten
Projekte kurz zusammengefasst. Auf die farbig hinter leg -
ten Pro jekte, bei denen die Entwicklung eines Simulations -
mo dells von zentraler Bedeutung war, wird dabei zuerst
und etwas ausführlicher eingegangen.
30 NFP 48 THEMATISCHE SYNTHESE V
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31 2 NFP 48-PROJEKTE MIT MODELLIERUNGSCHARAKTER
Tabelle 2-1
Übersicht über die NFP 48-Projekte, die im Rahmen der Synthese V betrachtet werden
Hinterlegt sind die sechs Projekte, die auf die Entwicklung und Nutzung von computergestützten Simulations modellen
fokussieren und die wichtigsten inhaltlichen Grundlagen der Synthese bilden.
Projektkürzel
Projektleitende Person
Alpscape
Bebi
Alpsim
Schmid
Gisalp
Haeberli
Ipodlas
Allgöwer
Schutzwälder
Brang
SULAPS
Pfefferli
Alpro
Schwarzwälder
Ecosysserv
Grêt-Regamey
Erreichbarkeit
Axhausen
Flood’Alps
Gobat
Soziales Umfeld
Droz
Transformation
Pfefferli
Wasalp
Baur
Deutsche Projekttitel
Landschaftliche und ökonomische Zukunftsszenarien für alpine Regionen: Simulation von
zukünftigen Landschaften und Entwicklung von regionalen Entscheidungshilfesystemen
Raumplanung mit virtuellen alpinen Landschaften und autonomen Agenten
4D-Geoinformation für integrative Planungsstrategien in klimasensitiven Ökosystemen
des alpinen Hochgebirges
Wissensbasierte dynamische Landschaftsanalyse und Simulation alpiner Umwelten
Minimale Baumverjüngung in Schutzwäldern:
Herleitung von Sollwerten mit Simulationsmodellen
Nachhaltige Landschafts-Produktionssysteme:
Ein nachfrageorientierter landwirtschaftlicher Ansatz
Analyse von Landschaftsentwicklungsprojekten aufgrund verschiedener Kriterien
als Instrument für die Moderation partizipativer Entscheidungsprozesse
Räumlich explizite Bewertung von Ecosystem Services als Hilfsmittel für
regionale Entscheide in den Alpen
Verkehrs-Infrastruktur, Touristen-Verhalten und Raumnutzung in Landschaften und
Lebensräumen der Alpen
Überschwemmungsebenen im Alpenraum im Spannungsfeld von Sicherheitsansprüchen und
Artenvielfalt: Veränderungen in der Wahrnehmung, den Entscheiden und dem Management
Das soziale Umfeld der Landschaft:
Darstellung und Legitimation bei Nutzungsentscheiden in alpinen Lebensräumen
Transformationsgeschwindigkeiten von Landschaften im Alpenraum:
Gefahren und Chancen für Menschen und ausgewählte Arten
Waldausdehnung im Schweizer Alpenraum: Eine quantitative Analyse naturräumlicher und
sozioökonomischer Ursachen unter besonderer Berücksichtigung des Agrarstrukturwandels
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32 NFP 48 THEMATISCHE SYNTHESE V
Alpscape
Im Projekt Alpscape werden Modelle aus mehreren Dis-
zi plinen kombiniert, um sie dann im Rahmen eines partizi-
pativen Prozesses zur Regionalentwicklung in der Studien -
region Davos einzusetzen (Bebi et al., 2005). Die Einzel -
mo delle umfassen eine regionale Input-Output-Tabelle
(Wegmann und Kytzia, 2005), eine Stoffflussanalyse, ein
räumlich explizites Landnutzungsmodell (Walz, 2006) und
einen Ansatz zur Bewertung von Landschaftsfunktionen
(Grêt-Regamey et al., 2008). Dieses Konglomerat von Mo -
del len wird zur Simulation verschiedener Zukunfts sze na -
rien (Lundström et al., 2007) verwendet. Durch die Simu -
lation der Szenarien mit den verschiedenen Modellen
konnten die Auswirkungen auf die Landschaft Davos an -
hand mehrerer Indikatoren abgeschätzt werden (Bebi et
al., 2005).
Die Szenarien wurden in enger Zusammenarbeit mit
einer einheimischen Begleitgruppe aus Politik, Touris mus
und Gewerbe sowie Vertretern der Öffentlichkeit erarbei-
tet (Abbildung 2-1). Um einen weiten Bogen an Problem -
feldern und Unsicherheiten für die Zukunft aufzuzeigen,
wurden in diesen Szenarien folgende drei Themen ange-
sprochen: a) Klimaveränderung und potenzielle Auswir -
kungen auf den Wintertourismus, b) Veränderungen in der
Berglandwirtschaft durch eine veränderte Agrarpolitik und
die Liberalisierung von Märkten, und c) die Ausrichtung
eines Mega-Sport-Events (von Ballmoos und Bebi, 2003).
Die Ergebnisse der Simulation wurden bei einem Ab -
schluss treffen mit der Begleitgruppe vorgestellt und in -
ten siv diskutiert. Zwar waren die Ergeb nisse für die meis-
ten Teilnehmer nicht besonders überraschend, doch waren
die Reaktionen recht stark. So wurden die Ergebnisse
inzwischen bei weiteren Anlässen vorgetragen und flossen
in die Entwicklung des Leitbildes der Land schaft Davos ein
(Thalmann, 2006).
Alpsim
Ziel des Projektes Alpsim war es, die Möglichkeiten von
Multiagentensystemen zur Simulation des Verhaltens von
Wanderern in Tourismusregionen zu testen (Cavens und
Lange, 2004; Gloor et al., 2004). Grundsätzlich sollte da -
mit geklärt werden, ob sich Multiagentensysteme eignen,
die Reaktion von Gästen und Einheimischen auf Land -
schafts veränderungen zu simulieren und damit auch Rück -
schlüsse auf die Tourismusindustrie zu ziehen (Cavens und
Lange, 2004). Dazu wurden Modelle zur Verkehrs simu -
lation und Ergebnisse der Umweltpsychologie kombiniert.
Die visuelle Attraktivität der Landschaft sollte dabei nicht
statisch von einem Punkt aus (wie auf einem Bild) bewer-
tet werden, sondern als visuelles Erlebnis einer Wande -
rung durch die Landschaft (d.h. als eine Folge von Bildern,
wie ein Film) simuliert werden (Abbildung 2-2).
Mit dem Ansatz, jeden Touristen als individuellen Agen -
ten zu modellieren, wurde eine synthetische Bevölkerung
er zeugt, die den demographischen Verhältnissen der tat -
ch lichen Touristen entspricht. Die Ziele und Erwartun -
gen der Agenten können sich dabei individuell unterschei-
den. Den Agenten wurden Tagespläne zugeteilt und sie
wurden in die Simulation gesetzt, ohne dass sie ein
Wissen der Um gebung hatten. Die Agenten führten diese
Pläne aus und erhielten beim Wandern Rückmeldungen
der Umgebung. Am Ende jedes Durchganges wurden die
Aktionen der Agenten mit ihren Erwartungen verglichen.
Falls die Resul tate eines bestimmten Planes nicht den
Erwartungen entsprachen, wurde dieser für darauf folgen-
de Simulations-Durchgänge geringfügig modifiziert. Diese
Modifikationen basierten auf den eigenen Erlebnissen der
Agenten, aber, je nach eingesetztem Lernmuster, auch auf
der Erfahrung der anderen Agenten.
Dieses Projekt hatte einen computertechnologischen
Schwer punkt. Nebst der Präsentation des Frameworks und
seiner Module wurden die technischen Aspekte der imple-
mentierten Fussgängersimulation näher betrachtet. Durch
den Einsatz von neuen Methoden, speziell für Fuss gänger
in den Alpen entwickelt, wurde es möglich, eine Fläche von
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Abbildung 2-1
Schema zur Einbindung der integrierten Modellierung in einen partizipativen Prozess durch die Entwicklung von regionalen Szenarien
aus dem Projekt Alpscape
Quelle: Walz et al., 2007
33 2 NFP 48-PROJEKTE MIT MODELLIERUNGSCHARAKTER
Feedback
Enhanced
scenario story
Numerical
Modelling
Framework
Workshops
List of input
parameters
Scenario Table
Regional Scenario DevelopmentGaining and Processing of
Local S
y
stem Knowledge
Integrated Numerical
Modelling
Enhanced
scenario table Nummerical
modelling
outputs
Parameterisation
and quantification
Subset of
relevant elements
Critical elements
impact matrix
system graph
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Walz, Ariane et al.: Virtuelle Welten - reale Entscheidungen? Die Alpen im Modellbaukasten, © vdf Hochschulverlag 2009
NFP 48 THEMATISCHE SYNTHESE V 34
15 km2oder mehr auf einem einzigen PC zu simu lieren. Die
eigentliche Fussgängersimulation war eine Mischung zwi-
schen einem kontinuierlichen und einem zellenbasierten
Modell. Die einzelnen Fussgänger konnten jede beliebige
Position einnehmen und sich in eine beliebige Richtung
bewegen – die Informationen über die Umgebung waren
allerdings in einem Raster enthalten. Die Grösse der ein-
zelnen Rasterzellen konnte bis zu 250 m x 250 m betragen,
also ein Vielfaches einer normalen Schrittweite eines
Menschen. Nur durch die Einsparung von Rechenzeit und
Speicherauslastung konnte die gesamte Fläche simuliert
werden.
In der Fallstudie für die Gemeinde Schönried, Gstaad-
Saanenland, wurden die Ergebnisse von Befragungen zum
Verhalten der Touristen und von demographischen Daten
auf die Agenten übertragen. In der Simulation wurde dann
getestet, ob die Landschaft genug Möglichkeiten bietet,
die Bedürfnisse und Erwartungen der Gäste zu erfüllen
(Cavens und Lange, 2004; Cavens et al., 2003). Drei Szena -
rien wurden simuliert, um zu testen, ob die Agenten so auf
Eingriffe in die Landschaft reagieren würden wie voraus-
gesagt. Das erste Szenario zeigt den Status quo und
wurde zur Kalibierung des Modells verwendet. Das zweite
Szenario nimmt an, dass alle Bergbahnen im Sommer
geschlossen sind, und das dritte geht von einer Aus -
breitung des Waldes aufgrund von Kürzungen in der Agrar -
politik aus. Die Tests zeigen, dass das Modell eine gute
Plattform bietet, um Experimente zur Ausformulierung
weiterer Studien durchzuführen. Es zeigt sich allerdings
auch, dass der heutige Forschungsstand noch nicht aus-
reicht, um die Gründe des Touristenverhaltens zu verste-
hen und das Modell besser zu kalibrieren.
Abbildung 2-2
Ausschnitt aus einem Simulationslauf des Projektes Alpsim
Die virtuellen «Agenten» (rote Klötzchen) starten gerade ihre
Wanderung vom Hotel aus.
Quelle: Gloor et al., 2003.
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2 NFP 48-PROJEKTE MIT MODELLIERUNGSCHARAKTER 35
Gisalp
Ziel des Projektes Gisalp war es, mittels Kombination
exis tierender vegetationskundlicher, geomorpho logi scher,
gla ziologi scher und pedologischer Modelle das Naturge -
fah ren potenzial und die landschaftliche Attraktivität einer
Region zu beurteilen. Die Zusammenführung der Modelle
in Form von Modulen eines Gesamtmodells erforderte ein
konsistentes Datenmodell, in dem Datenformate und -flüsse
zwischen den einzelnen Modulen koordiniert werden. Alle
ein zelnen Module können für einen bestimmten Zeitpunkt
(2000, 2025, 2050, 2075 oder 2100) gestartet werden und
greifen bei Bedarf auf die Resultate von anderen Modulen
zurück (Rothenbühler, 2006). Das kombinierte Modell
wurde zur Beurteilung eines Klimaszenarios im Ober enga -
din über einen Zeitraum von 100 Jahren eingesetzt. Es er -
mög licht erstmals, nicht nur ein einzelnes Landschafts -
objekt oder einen einzelnen Naturgefahrenprozess zu
model lieren, sondern die Hochgebirgslandschaft des
Oberengadins als Synthese aus den vier oben erwähnten
Teilbereichen zu betrachten. So zeigt es zum Beispiel auf,
welche Veränderungen in den rezent vergletscherten
Land schaftsausschnitten oder auch im heutigen Perma -
frost gebiet durch einen Anstieg der Temperatur auftreten
und welche Folgeereignisse durch die Kombination von
klimabedingten Veränderungen ausgelöst werden könn-
ten. Als Beispiel wird eine Eislawine genannt, welche
einen Gletschersee erreicht und dort einen Murgang aus-
löst (Abbildung 2-3).
Ein Vergleich der Veränderungsräume untereinander
er möglicht zum einen Aussagen über Geschwindigkeit,
räum liche Verteilung und Beschleunigung der ablaufen-
den Veränderungen. Zum anderen können aufbauend auf
den Simulationen Landschaftsausschnitte ausgemacht
werden, in denen die menschliche Nutzung durch klimabe -
dingte Veränderungen des Naturgefahrenpotentials oder
der Landschaftsattraktivität beeinträchtigt werden könnte
(Rothenbühler, 2006).
Abbildung 2-3
Simulationsergebnisse des Projektes Gisalp
Resultate des Moduls Murdisp zur Abschätzung der
Mur gangs fläche im Jahr 2000 (oben) und 2100 (unten).
Quelle: Rothenbühler, 2006.
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NFP 48 THEMATISCHE SYNTHESE V 36
räumigen Verteilungsmuster der Lärchenwickler popu la tio -
nen hatten. Dies zeigte sich auch bei der Charakte ri sie rung
der grossräumigeren räumlich-zeitlichen Muster der Lär -
chenwicklerpopulationsdynamik über den ganzen Alpen -
bogen, wo untersucht wurde, welche Populationen syn-
chron migrieren und welche mit einer Zeitverschiebung
(Price et al., 2006; Price, 2006). In der Folge wurde eine
neue Art der Visualisierung entwickelt, welche die
Lärchenwicklerpopulationen als «Wolke» fliegender
Individuen darstellt. Dank neuester und beschleunigter 3D-
Rendering-Techniken kann der Betrachter die Migration
der Lärchenwickler in Abhängigkeit von Landschafts- und
Geländemerkmalen sowie über verschiedene Mass stabs -
ebenen hinweg verfolgen. Darin werden die zugrunde lie-
genden Lärchenbestände nach dem Grad der (episodi-
schen) Entnadelung eingefärbt, und die Farbcodierung der
Insektenwolken sind so gewählt, dass der Betrachter ver-
folgen kann, welche Subpopulation welchen Bestand ver-
lässt und welchen Bestand neu besiedelt (Wu et al., 2006a,
2006b).
Die Fallstudie zum Waldbrand diente einerseits dazu,
das Verhalten von Flammen und Rauch mit Hilfe physikali-
scher Modelle zu modellierten (Abbildung 2-4). Ande rer -
seits wurden dynamische Texturmethoden verwendet, um
Flammen und Rauch so realitätsnah wie möglich darzu-
stellen. Die Studie wurde sowohl auf Ebene der einzelnen
Flamme wie auch der landschaftsrelevanten Feuerfront
durchgeführt (Wu, 2007).
Die im Projekt Ipodlas entwickelten Konzepte, An sätze
und Techniken werden als genügend allgemein gültig
erachtet und eignen sich auch für die Simulation und die
Visualisierung anderer natürlicher Prozesse.
Ipodlas
Ipodlas steht für «Interactive Process Oriented Dynamic
Landscape Analysis and Simulation». Das Pro jekt hatte
zum Ziel, die drei traditionellerweise getrennten Bereiche
der räumlichen Modellierung (auf GIS beruhend), der zeit-
lichen Modellierung (auf Systemtheorie beruhende zeitli-
che Simulationssysteme) und der Echtzeit-Visualisierung
(auf Virtual Reality beruhend) miteinander zu verbinden.
Das Schwergewicht lag auf dem Verständnis und der
Simu la tion ökologischer Prozesse sowie der Etablierung
intuitiver, ansprechender Visualisierungsverfahren für die
entstehenden Resultate. Neben der Entwicklung des theo-
retischen Hintergrundes basierte die Entwicklung von
Ipodlas auf real existierenden Fallstudien, um das theore-
tische Konzept beweisen zu können. Die Modelle und die
Daten stammten aus langjährigen Forschungsprojekten
der Hauptgesuchssteller und befassten sich beide mit alpi-
nen Waldökosystemen: a) migrierende Insektenpopu la tio -
nen und b) Ausbreitung von Waldbränden. Auf der Basis
dieser Fallstudien wurden in drei eng verknüpften Disser -
ta tionen die Spezifikationen und die gewünschte Funk tio -
nalität des Ipodlas-Software-Systems erarbeitet (Isenegger
et al., 2005; Isenegger, 2006). Dieses Set-up erlaubte es,
skalenübegreifende Modellierungen und Simulationen
mit verschiedenen Daten und Modellen zu erforschen und
mit flexiblen Visualisierungsprozeduren zu verknüpfen. Da
der Begriff Skala Gegenstand vieler verschiedener Be -
trach tungsweisen ist, die vom jeweiligen Sachgebiet her
geprägt sind, entwickelten wir ein System, bei dem die
Skalenebenen systematisch abgegrenzt werden können.
Danach steht 0 für die Skala des «einzelnen Tales/der
Landschaft (z.B. Ober engadin)», -1 für den «einzelnen
(Wald-)Bestand» und +1 «bis zum gesamten Alpenbogen».
Die Fallstudie der migrierenden Insekten diente dazu zu
zeigen, wie sich Lärchenwicklerpopulationen (Zeiraphera
diniana GN., Lep., Tortricidae) über Raum und Zeit verhal-
ten. Dabei zeigte sich, dass bestimmte Landschafts ele -
mente und vom Gelände abhängige Windmuster auf der
Ebene einzelner Täler einen grossen Einfluss auf die klein-
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2 NFP 48-PROJEKTE MIT MODELLIERUNGSCHARAKTER 37
Schutzwälder
Ziel des Projektes Schutzwälder war es, die langfristige
Entwicklung von Schutzwäldern im schweizerischen Alpen-
raum besser zu verstehen und ein Werkzeug zur langfristi-
gen Bewertung der Schutzwaldfunktion gegen Stein schlag
zu entwickeln. Dazu wurden existierende Simulations mo -
delle zur Walddynamik und zur Abschätzung der Schutz -
wirkung verschiedener Bestandesstrukturen gekoppelt,
auf ihre Eignung zur Bewertung der Schutzwaldfunktion
hin geprüft und einige Funktionen speziell angepasst, um
den Prototyp eines Werkzeugs zur Schutzwaldpflege zu
ent wickeln.
Neben diesem gekoppelten Simulationsmodell, das vor-
wiegend zur wissenschaftlichen Auswertung dient (Stoffel
et al., 2006; Wehrli et al., 2005, 2007), wurde ein weniger
detailliertes Modell entwickelt, das grössere Zeiträume
ab bildet und weitere Aspekte einbezieht, wie z.B. waldbau-
liche Eingriffe, natürliche Störungen und die Abschät zung
der Kostenwirksamkeit alternativer Manage ment stra te -
gien (Brang et al., 2004). Dieses zweite Modell eignet sich
als Werkzeug im Rahmen des Entscheidungs prozesses
und wurde der Praxis bereits in Fortbildungs kursen ver-
mittelt (www.wsl.ch/forschung/forschungsprojekte/schutz-
waldmodell).
Im Sinne dieser Synthese handelt es sich bei den ver-
wendeten Modellen um Simulationsmodelle. Die simulier-
ten Szenarien sind zum grössten Teil durch alternative
waldbauliche Massnahmen gekennzeichnet. Mit der Simu -
lation ihres Effektes auf die Schutzfunktion des Waldes
unterstützt insbesondere das zweite, weniger detaillierte
Modell die Optimierung waldbaulicher Eingriffe im Sinne
eines Werkzeugs.
Abbildung 2-4
Simulation und Visualisierung eines Waldbrands
im Rahmen des Projektes Ipodlas
Quelle: Wu, 2007.
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NFP 48 THEMATISCHE SYNTHESE V 38
Sulaps
In diesem Projekt werden die Auswirkungen veränderter
agrarpolitischer und wirtschaftlicher Rahmen bedin gun -
gen auf Berglandwirtschaft und Kulturlandschaft anhand
eines agentenbasierten Modells analysiert (Lauber, 2006;
Lauber et al., 2004). Das Modell simuliert das Verhalten der
einzelnen landwirtschaftlichen Betriebe auf der Grund lage
eines Optimierungsansatzes und zeigt durch die Verknüp -
fung mit einem Flächenmobilitätsmodell räumlich explizit
die Auswirkungen auf das Landnutzungsmuster. Zur
Identifikation und Kalibrierung der einzelnen «Agenten»
wurden betriebswirtschaftliche Daten und Informationen
zu den bewirtschafteten Flächen für jeden einzelnen land-
wirtschaftlichen Betrieb in den Regionen Albula und Sur -
selva aufgenommen. Die Struktur der simulierten Land nut-
zungsmuster wurde schliesslich anhand von Land schafts-
masszahlen bewertet (Killer, 2005).
Die berechneten Szenarien umfassen Annahmen zur
Reduktion der Direktzahlungen, zur Liberalisierung des
schweizerischen Agrarmarktes und zur Regulierung der
Flä chenaufgabe. Im Falle des Liberalisierungsszenarios
würden beispielsweise rund 20% der ursprünglich 63 Be -
triebe aufgegeben, während die Betriebsgrösse der ver-
bleibenden Betriebe zunehmen würde. Für alle Szenarien
zeigen die Simulationen einen Rückgang der landwirt-
schaftlich genutzten Fläche, der in der Landwirtschaft ge -
leisteten Arbeitsstunden und des Einkommens sowie eine
Zunahme der Biobetriebe (Lauber, 2005).
Das Sulaps-Modell ist im Sinne dieser Synthese ein typi-
sches Simulationsmodell. Es simuliert die Reaktion der
regionalen landwirtschaftlichen Strukturen basierend auf
Szenarien für einen Zeitraum von 1015 Jahren. Die simu-
lierten Veränderungen werden anhand eines Indikatoren -
sets aufgezeigt, wie zum Beispiel der Intensität der Flä chen-
nutzung (Abbildung 2-5). Damit kann das Modell Informa -
tionen und Entscheidungsgrundlagen für die Agrarpolitik
und eine nachhaltige Entwicklung im schweizerischen
Alpenraum liefern.
Abbildung 2-5
Simulationsergebnisse des Projektes Sulaps
Hier der Anteil der landwirtschaftlichen Nutzfläche nach Art der
Nutzung im Jahr 2002 und für sechs Zukunftsszenarien.
Legende
Modell 2002
Szenario I
Szenario II
Szenario III
Szenario IV
Szenario V
Szenario VI
Quelle: Lauber, 2005.
0%
5%
10% 15% 20 % 25 % 30 % 35 % 40% 45 %
0%
5%
10% 15% 20 % 25 % 30 % 35 % 40% 45 %
Extensiv
Wenig extensiv
Intensiv
Dauerweide
Ackerbau
Anteile an bewirtschafteter Fläche (in Prozent der LN)
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Walz, Ariane et al.: Virtuelle Welten - reale Entscheidungen? Die Alpen im Modellbaukasten, © vdf Hochschulverlag 2009
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Abbildung 2-6
Visualisierung potentieller Siedlungsentwicklungen
aus dem Projekt Alpro
Manipulierte Photographien als Grundlage für eine
Nutzwertanalyse in Mürren, Berner Oberland.
Heutige Siedlung
Szenario 1: Hotelkomplex
Szenario 2: Chaletsiedlung
Quelle: Schwarzwälder und Kooijman, 2005.
2 NFP 48-PROJEKTE MIT MODELLIERUNGSCHARAKTER 39
Alpro
Ziel des Projektes Alpro war es, Bewertungsverfahren für
Eingriffe in die Landschaft durch Bauprojekte zu entwi-
ckeln und zu testen, um Konfliktpotenzial frühzeitig im
Planungsprozess zu erkennen. Zum einen wurden dazu
Discrete-Choice-Experimente durchgeführt (Baumgart,
2005), und zum anderen wurde ein Instrument zur Be -
wertung von landschaftsverändernden Bauprojekten an -
hand einer Nutzwertanalyse entwickelt (Schwarzwälder
und Kooijman, 2005). Durch die Discrete-Choice-Experi -
mente wurde der monetäre Wert des Landschaftsbildes
anhand manipulierter Photos abgeschätzt (Abbildung 2-6),
während die Nutzwertanalyse mit dimensionslosen Noten
arbeitet, aber dafür ein systematisiertes und umfangrei-
ches Spektrum an Entscheidungskriterien (insgesamt 35)
umfasst. Obwohl Alpro implizit ein Modell der Inter aktio -
nen zwischen Landschaft und Gesellschaft zugrunde liegt,
handelt es sich nicht um ein Simulationsmodell, sondern
um ein computergestütztes Instrument zur Bewertung von
Landschaftseingriffen, das zum Beispiel in einem partizi-
pativen Prozess eingesetzt werden kann (Schwarzwälder
und Kooijman, 2005).
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Erreichbarkeit
Das Projekt setzt sich mit der Frage auseinander, wie sich
eine verbesserte Erschliessung auf Attraktivität und Nut -
zungsmöglichkeiten von Alpenregionen auswirkt. Dazu
wurden Erreichbarkeiten auf nationaler, regionaler sowie
lokaler Ebene betrachtet und mit Befragungen in den
Unter suchungsregionen verknüpft (Simma und Axhausen,
2003; Tschopp et al., 2003a, 2003b, 2005). Zur Berechnung
der grossräumigen Erreich barkeiten wurden Modelle auf
nationaler Ebene genutzt und weiterentwickelt. Es handelt
sich dabei nicht im engeren Sinne um Landschafts mo -
delle, jedoch spielt die Er schliessung einer Region eine
wichtige Rolle für ihre zu künftige Entwicklung. Dieser
Zusammenhang wurde im Rahmen des Projektes ebenfalls
quantifiziert. Damit konnte das Projekt zur Entwicklung
von Simulationsmodellen für Er reichbarkeiten beitragen
und eine Grundlage schaffen, um grossräumige Muster
zukünftiger Landnutzungs verän de rungen abzuschätzen.
NFP 48 THEMATISCHE SYNTHESE V 40
Ecosysserv
Im Rahmen dieses Projektes wurden mehrere Ecosystem
Services für die Landschaft Davos in einem räumlich expli-
ziten Ansatz bewertet (Grêt-Regamey et al., im Druck).
Dazu wurde der Wert der einzelnen Landschaftsfunktionen
für die Gesellschaft monetarisiert, z.B. der Wert der
Schutzfunktion des Waldes auf der Basis einer Risiko ana -
lyse (Grêt-Regamey und Straub, 2006) und der Wert der
landschaftlichen Attraktivität mit einem Willingness-to-
pay-Ansatz (Grêt-Regamey et al., 2007). In einem zweiten
Schritt wurden die Auswirkungen eines Klimasze na rios auf
diese Ecosystem Services abgeschätzt. Dazu wurden ver-
schiedene Simulationen vorgenommen, z.B. zu Lawinen -
auslaufzonen, Hochwasserbereichen und zur Wald aus -
brei tung, die dann als Grundlage zur erneuten Beurteilung
der Ecosystem Services dienten. Obwohl mehrere Simu -
lationsmodelle in diesem Projekt eingesetzt und teilweise
auch entwickelt wurden, stand weniger die Simulation als
die räumlich explizite Bewertung der veränderten Land -
schaftssituation anhand von Ecosystem Ser vices im Zen -
trum des Forschungsinteresses.
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2 NFP 48-PROJEKTE MIT MODELLIERUNGSCHARAKTER 41
Flood’Alps
Das Projekt beschäftigt sich mit dem Zusammenhang zwi-
schen Flussverbauungen und Biodiversität in alpinen Fluss-
systemen (Bullinger-Weber und Gobat, 2006; Bullinger-
Weber, 2007; Gremaud et al., 2004; Weber et al., 2004).
Anhand von vier disziplinären Forschungsansätzen konn-
ten morphologische, hydrologische, soziale und rechtliche
Aspekte zukünftiger Massnahmen zur Gewährleistung der
Sicherheit und zum Schutz der Biodiversität abgeleitet
werden. Es wurden damit die Grundlagen zu einer zukünf-
tigen Modellierung geschaffen. Diese wurde allerdings
noch nicht umgesetzt.
Soziales Umfeld
Der ethnologische Ansatz des Projektes betrachtet die
Potenziale und Schwächen verschiedener Akteure in der
Landschaftsplanung (Droz und Miéville-Ott, 2005). Dazu
schlagen die Autoren ein «Soziales Feld» vor, das durch
die Achsen «Kapital» (= finanzielle Mittel, die ein Akteur
aufbringen kann) und «Intervisibilität» (= Möglichkeit, kon -
kret Änderungen in der Landschaft vorzunehmen) gebildet
wird. Entscheidungsprozesse werden durch die Positio nie -
rung der Akteure in diesem Feld sowie deren Wahrneh mung
des Verhandlungsobjektes «Landschaft» geprägt. Die Er -
geb nisse des Projekts zur Dynamik dieser beiden Faktoren
während eines Entscheidungsprozesses sollen in Zukunft
in ein Werkzeug zur Begleitung von Entscheidungs pro zes -
sen einfliessen. Dieses Projekt unterstreicht die Bedeu -
tung von mentalen Modellen ebenso wie ihre bewusste
Nutz barkeit für zukünftige Entscheidungsprozesse.
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NFP 48 THEMATISCHE SYNTHESE V 42
Transformation
Mit welcher Geschwindigkeit verändert sich die Land -
schaft? Wie gehen die Menschen damit um? Wie reagiert
die Natur darauf? Die drei Fragen wurden in diesem Pro -
jekt mit drei komplementären Ansätzen im Bereich der
sichtbaren Landschaftsveränderungen, der Wahrnehmung
dieser Veränderung und der entsprechenden Habitat ände -
rungen verfolgt (Felber, 2005; Lütolf, 2006; Schneeberger,
2005). In allen drei Teilstudien wurde vorwiegend retros-
pektiv vorgegangen (Abbildung 2-7), um Grundlagen für
zukünftige Entscheide zu erarbeiten. Damit wurden wich-
tige Grundlagen für die Landschaftssimulation und die
Bewertung von Landschaftsveränderungen geschaffen.
Insbesondere die Ergebnisse zur Abschätzung der
Geschwindigkeit von Landschaftsveränderungen in den
vergangenen 150 Jahren (Schneeberger et al., 2007b) und
die Identifikation und Systematisierung von Driving Forces
für Landschaftsveränderungen stellen wichtige Beiträge
für zukünftige Simulationsmodelle dar (Schneeberger et
al., 2007a).
Abbildung 2-7
Retrospektiver Landschaftsvergleich aus
dem Projekt Transformation
Hier das Hotel Acker in Liesighus im Jahr 1920, 1960 und 1980.
1920 © Photoglob AG, Zürich
1960 © Foto Anna, Wildhaus
1980 © Foto Anna, Wildhaus
Quelle: Felber, 2005.
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2 NFP 48-PROJEKTE MIT MODELLIERUNGSCHARAKTER 43
Wasalp
Das Muster und die Gründe für die Wiederbewaldung auf
aufgelassenem Landwirtschaftsland waren Forschungs ge -
gen stand dieses Projektes. Es verfolgte drei komple men -
täre An sätze: a) die naturräumliche Charakterisierung des
Wie derbewaldungsprozesses mit einer Auflösung von
100 m x 100 m (Rutherford, 2006), b) die strukturelle Cha -
rak terisierung auf der Basis der Gemeinden (Gellrich et al.,
2007) und c) die Befragung einzelner Landwirte zur Be -
grün dung der Aufgabe landwirtschaftlicher Flächen (Gell -
rich et al., 2008). Zur naturräumlichen und strukturellen
Charakterisierung des Wiederbewaldungsprozesses wur-
den statistische Modelle entwickelt, die zwar in erster
Linie zur Analyse (Abbildung 2-8), aber teilweise auch zur
Simulation eingesetzt wurden (Bolliger et al., 2007). Ein
Beispiel ist die Verwendung der Simulation der Landnut -
zungs veränderungen im Naturraum von Davos im Rahmen
des Projektes Alpscape für die Simulation des Wieder be -
wal dungsprozesses in der gesamten Schweiz (Walz,
2006).
Abbildung 2-8
Die Bodenbedeckungs- und Landnutzungsveränderungen,
wie sie im Projekt Wasalp analysiert wurden
Quelle: Rutherford, 2006.
Extensively used land Overgrown areas
Closed canopy forest
Intensively used land Open canopy forest
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NFP 48 THEMATISCHE SYNTHESE V 44
und schliesslich kann die simulierte Landschaft bewertet
und mit der ursprünglichen verglichen werden (z.B. Eco -
sys serv).
2.2.2 Inhaltliche Ausrichtung
Die inhaltliche Ausrichtung der Projekte erstreckt sich über
zahlreiche und vielfältige Themen wie
die Landschaftsveränderung durch den Strukturwandel
in der Landwirtschaft (Alpscape, Sulaps, Wasalp),
den Einfluss von Erreichbarkeit und regionaler Entwick -
lung auf die Landschaft (Alpscape, Erreich bar keit),
den Einfluss der Fauna auf die Landschaft und Aus wir -
kun gen von Landschaftsveränderungen auf Wildtier habi-
tate (Ecosysserv, Ipodlas, Transformation),
die Auswirkungen einer veränderten Nutzung oder Ge-
s taltung auf die Biodiversität (Flood’Alps, Sulaps),
die Auswirkungen von Naturgefahren auf die Landschaft
und die Schutzfunktion der Landschaft selbst (Ipodlas,
Gisalp, Schutzwälder) sowie
die Änderungen des Erholungsverhaltens und des tou-
ristischen Potenzials aufgrund von Landschafts verän de -
rungen (Alpsim, Alpro, Ecosysserv).
Die Bandbreite der thematisch-inhaltlichen Ausrichtung
der Projekte zeigt zum einen auf, dass Landschafts model -
lie rung in vielen Bereichen sinnvoll eingesetzt werden
kann. Zum anderen weist sie auch darauf hin, dass Land -
schaftsmodelle bereits sehr spezifische Fragestellungen
aufgreifen. Nur bei gleichem Fokus der Fragestellung kann
das Modell entsprechend auch in einer anderen Situation
eingesetzt werden. Für Anwendungen in ähnlichen, aber
nicht exakt gleichen Situationen muss das Modell ent-
sprechend angepasst werden.
2.2.3 Methodische Ansätze der Modellierung
Die vorliegenden Modellierungen umfassen ein breites
Spektrum an aktuellen methodischen Ansätzen. Unter den
vorliegenden Studien lassen sich grundsätzlich statisti-
sche Modelle, Simulationsmodelle, Bewertungsmodelle
und Datenmodelle unterscheiden, was sich vor allem
2.2 Merkmale der Projekte
Aus dem vorangegangenen Kapitel 2.1 wird ersichtlich,
dass die Modellierungsprojekte des NFP 48 ein weites
Spek trum an inhaltlichen und methodischen Ausrich tun -
gen abdecken. In den folgenden Abschnitten werden die
Projekte unter verschiedenen Gesichtspunkten diskutiert
und eingeordnet.
Bei der Vielzahl an Eigenschaften, die Modelle in der
Land schaftsforschung haben können, ist es auch nicht ver -
wunderlich (z.B. Briassoulis, 2000), dass die Projekte der
NFP 48-Forschung das weite Spektrum an Möglichkeiten
weder komplett noch systematisch abdecken.
2.2.1 Einordnung in die Landschaftsforschung
Die Projekte betrachten Landschaften und Lebensräume
sowie ihre Veränderung unter verschiedenen Blickwinkeln.
Die wichtigsten Perspektiven umfassen dabei
die Gründe und Umstände («driving forces»), die zu Ver -
än derungen der Landschaften und der Lebensräume füh-
ren (Erreich bar keit, Sulaps, Transformation, Wa salp),
die Muster und Prozesse, mit denen sich Landschaften
und Lebensräume verändern (Alpscape, Gisalp, Sulaps,
Transformation, Wasalp),
die Bewertung der Landschaftsveränderungen (Alpro,
Alpsim, Ecosysserv, Flood’Alps), und schliesslich
die methodisch-technischen Möglichkeiten, bestehende
Modelle und computergestützte Techniken der Land -
schafts forschung zu kombinieren (Alpscape, Gisalp,
Ipodlas).
Diese Betrachtungsweisen sind weitgehend komplemen-
tär und können bei gleicher inhaltlicher sowie zeitlich-
räumlicher Ausrichtung oftmals gut miteinander kombi-
niert werden. Dies wird durch die enge Zusammenarbeit
zwischen verschiedenen Projekten unterstrichen. So kann
der Fokus eines Projektes im Bereich der Gründe und Um -
stände und in der Erkennung von Veränderungsmustern
liegen (z.B. Wa salp). Diese Erkenntnisse werden zur Simu -
lation zukünftiger Veränderung eingesetzt (z.B. Alpscape),
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2 NFP 48-PROJEKTE MIT MODELLIERUNGSCHARAKTER 45
durch die jeweilige Zielsetzung ergibt. Jede dieser Klassen
umfasst theoretisch eine Vielzahl alternativer Modellie -
rungs ansätze. Im Rahmen der vorliegenden Arbeiten des
NFP 48 wird diese Vielfalt insbesondere bei den Simula -
tions modellen deutlich, auch wenn sie selbst dort nicht
systematisch und komplett aufgezeigt werden kann.
Statistische Modelle konnten neue Erkenntnisse zur
räum lichen Verteilung von Landschaftsveränderungen
durch einen Rückgang der Landwirtschaft im Alpenraum
liefern (Wasalp). Sie bilden auch die Grundlage für eines
der Simulationsmodelle (Alpscape).
Simulationsmodelle werden zur Simulation von Zu kunfts -
szenarien und zur Beurteilung alternativer politischer
Mass nahmen und Managementstrategien eingesetzt.
Sie operieren entweder auf der Grundlage von statisti-
schen Modellen (Alpscape), von physikalisch basierten
Teilmodellen (Gisalp, Schutzwälder), von biologisch-
empirischen Zusammenhängen (Ipodlas, Schutz wäl -
der) oder von empirisch basierten Multiagentensyste -
men (Alpsim, Sulaps). Tabelle 2-2 gibt einen Überblick
über die methodischen Merkmale und die inhaltliche
Ausrichtung dieser Simulationsmodelle.
Modelle zur systematischen Bewertung von Eingriffen
und Veränderungen in die Landschaft umfassen Krite -
rien kataloge, Grundlagen zur Gewichtung und schliess-
lich die Bewertung selbst, die je nachdem monetär
(Alpro, Ecosysserv) oder auf der Basis dimensions-
loser «Noten» (Alpro) erfolgt.
Die Erarbeitung neuartiger Datenmodelle konnte die
Integration existierender Teilmodelle (Gisalp) sowie
funk tional und technisch einzelnstehender Soft ware -
produkte (Ipodlas) unterstützen.
2.2.4 Räumliche und zeitliche Skalen
Landschaftsmodelle arbeiten auf verschiedenen räumli -
chen und zeitlichen Skalen. Die räumlichen Skalen, auf
denen im Rahmen des NFP 48 gearbeitet wurde, reichen
von der nationalen Ebene (Erreichbarkeit) über den ge -
samten schwei zerischen Alpenraum (Ipodlas, Wasalp),
die regionale und die lokale Ebene (Alpscape, Gisalp,
Ipodlas, Sulaps, Transformation), einzelne Wald stand -
orte (Schutz wälder) bis hin zu Einzelbäumen (Ipodlas).
Obwohl die Projekte ein grosses Skalenspektrum abde-
cken, ist die lokale bis regionale Ebene deutlich dominant
(Alpscape, Alpsim, Sulaps, Transformation). Ein Grund
dafür ist, dass Landschaftsveränderungen vor allem auf
dieser Ebene wahrgenommen werden (Transformation).
Trotzdem haben die dargestellten Prozesse der Land -
schafts veränderung vielmals ihren Ursprung auf mehreren
hierarchischen räumlichen Ebenen (Transformation).
Des wegen verfolgt zum Beispiel Ipodlas das Ziel, den
Fokus auf eine Ebene zu überwinden und mehrere Skalen
miteinander zu verbinden.
Die zeitlichen Skalen der Modelle sind durch die darge-
stellten Phänomene des Landschaftswandels bestimmt. Je
nachdem, ob Landschaftsveränderung als Folge des struk -
turellen Wandels in der Landwirtschaft, der Waldent -
wicklung oder des Klimawandels untersucht wird, werden
daher Zeitspannen von 1050 Jahren in unterschiedlicher
Auflösung betrachtet. Eine Ausnahme bildet das Projekt
Transformation, das retrospektiv bis über einen Zeit -
raum von rund 150 Jahren die Geschwindigkeit des Land -
schafts wandels erfasst.
Wie die zeitliche Dimension (Auflösung und Dauer) in
Modellen verwirklicht wurde, unterscheidet sich sehr zwi-
schen den Projekten. Während im Projekt Alpsim die
Entscheide von Wanderern zeitlich sehr hoch aufgelöst
modelliert wurden, wurden im Projekt Ipodlas Migra tions-
muster des Lärchenwickler auf Jahresbasis über mehrere
Jahrzehnte und im Projekt Alpscape Landnutzungs ände run-
gen in 12-Jahres-Schritten über 50 Jahre hinweg simuliert.
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NFP 48 THEMATISCHE SYNTHESE V 46
Tabelle 2-2
Inhaltliche und methodische Eigenschaften der sechs Simulationsmodelle
Projekt
Alpscape
Alpsim
Gisalp
Ipodlas
Schutzwälder
Sulaps
Inhaltliche
Schwerpunkte
Tourismus
Regionalentwick -
lung, Struktur -
wandel in der
Landwirt schaft
Naturgefahren
Migrationsmuster
(Lärchenwickler),
Ausbreitung von
Rauch, Flammen
und Wolken
Abschätzung der
Schutzfunktion
von Waldstruktur
Strukturwandel
in der Landwirt -
schaft,
Biodiversität
Methodischer
Ansatz
Agenten-
basiertes Modell
Integiertes
Modell:
Kombination
verschiedener
disziplinärer
Ansätze
Integiertes
Modell:
Kombination
mehrerer bereits
existierender
Modelle
Populations-
genetisches
Modell,
Waldbrand-
modell,
Rauchmodelle,
Wolkenmodelle
Kombiniertes
Modell, prozess-
basiert
Agenten-
basiertes Modell
Räumliche
Skala
Lokal
Lokal
Regional
Multiskalar:
Lokal,
Regional,
Alpenraum
Waldbestand
Waldbestand
Lokal
Zeitliche
Skala
1 Woche
50 Jahre
Nicht definiert
Zyklen à
710 Jahre oder
Stunden/Tage
(Feuer)
Mehrere
Jahrzehnte
150 Jahre
1015 Jahre
Implementierung
Automatisiert
Einzelne Teile
teilweise auto-
matisiert,
die Kombination
von Modellen
quasi «manuell»
Automatisiert
Konzept zur
Integration von
GIS, zeitlicher
Simulation und
Visualisierung
sowie
Automatisierung
Automatisiert
Automatisiert
Komplett
automatisiert
Visualisierung
Film,
photo realistische
Darstellung
Tabellen mit
Indikatorwerten
und Karten
Karten
Film oder
Echtzeit-
Demonstrationen
Indikatorwerte
und Karten
Einbindung von
Stakeholdern
Lokale
Begleitgruppe,
Szenarien-
entwicklung
und Diskussion
der Simulations-
ergebnisse
Daten und
finanzielle
Unterstützung
von kantonalen
Ämtern
«simulierte
Stakeholder» wie
z.B. Tourismus-
verantwortliche
oder Feuerwehr-
leute
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2 NFP 48-PROJEKTE MIT MODELLIERUNGSCHARAKTER 47
2.2.5 Die wichtigsten Szenarien
für die Schweizer Alpen
In den meisten der Modellierungsprojekte des NFP 48
wurde der Einfluss von Zukunftsszenarien auf die Land -
schaft simuliert. Drei Themen kristallisierten sich dabei als
besonders bedeutsam für die Zukunft des Alpenraums
heraus:
Der Klimawandel und seine Folgen für den Schweizer
Alpenraum, wobei insbesondere auf die Frequenz und
Intensität von alpinen Naturgefahren (Gisalp) und auf
mögliche Veränderungen im Wintertourismus (Alp -
scape) eingegangen wurde.
Der landwirtschaftliche Strukturwandel und seine
Folgen für die alpine Landschaft, wobei die bereits beo -
bachteten Landnutzungsveränderungen durch statisti-
sche und betriebswirtschaftlich basierte Modelle in die
Zukunft projiziert wurden (Alpscape, Sulaps).
Die Siedlungs- und Infrastrukturentwicklung, wobei
diese mehrmals in Verbindung mit der Bewertung der Ver -
änderung und der touristischen Entwicklung einer Region
betrachtet wurden (Alpscape, Alpro, Ecosysserv).
Für die Zukunft kann angenommen werden, dass diese
drei Entwicklungen einen dominierenden Einfluss auf die
Schweizer Berglandschaften und neben ökologischen
Konse quenzen auch Folgen auf die Attraktivität der
Landschaft haben werden.
2.2.6 Datengrundlagen der Projekte
Die Datengrundlagen decken ebenfalls ein weites Spek trum
an Möglichkeiten ab:
Existierende Datensätze, die teilweise mehrere Jahr -
zehn te abdecken, wurden vorwiegend zur Entwicklung
statistischer und empirischer Modelle eingesetzt (Alp -
scape, Erreichbarkeit, Ipodlas, Transformation,
Wasalp). Es handelte sich dabei um Langzeitdatensätze
und Daten, die von Bundesstellen erhoben werden, wie
z.B. die Arealstatistik.
Teilweise wurden die Daten in den Projekten selbst er -
hoben. Die Erhebungen, in denen z.B. die aktuelle Sozial-
und Wirtschaftslage einer Region oder eines Betriebs
(Alpscape, Sulaps), das Mobilitätsverhalten von Tou ris -
ten (Erreichbarkeit), Landschaftspräferenzen (Alpro,
Alpsim, Ecosysserv) oder Veränderungen der Biodi ver -
sität (Flood’Alps) aufgenommen wurden, decken eine
grosse Bandbreite an Inhalten und Methoden ab. Die er -
hobenen Daten wurden teilweise direkt zur Modell bil -
dung eingesetzt (Alpscape, Alpsim, Sulaps) oder bieten
sich als Grundlage zur zukünftigen Modellbildung und
Verifikation an (z.B. Flood’Alps).
Mehrere Projekte nutzten ausserdem indigenes Wissen
von lokalen Akteuren (Sulaps, Wasalp). Im Projekt Alp -
scape wurde auf dieser Datengrundlage z.B. die numeri-
sche Modellierung mit einer partizipativen Szenario -
analyse kombiniert.
Schliesslich stellte ein grosser Fundus an bereits beste-
hender wissenschaftlicher Literatur eine weitere wich-
tige Informations- und Datenquelle für die betrachteten
Projekte dar.
2.2.7 Funktion der Modelle
Die Funktion eines Modells ist ein besonders wichtiges
Merkmal, um sein Potenzial für die Praxis der Raum- und
Landschaftsplanung aufzuzeigen. Es wird dabei deutlich,
wie sehr die Zielsetzung der Modelle und damit auch ihre
mögliche Funktion in Entscheidungsprozessen variieren
kann. Hier werden die vier funktionalen Schwerpunkte
Erklärung, Prognose, Bewertung und Visualisierung aus
Sicht der Modelle unterschieden. Sie lassen sich direkt
den Funktionen innerhalb des Planungsprozesses, wie sie
in Kapitel 3.2.5 beschrieben sind, zuordnen. So werden
beispielsweise Simulationsmodelle, die Prognosen und
vor ausschauende Analysen liefern, typischerweise zur Be -
rechnung von Entscheidungsgrundlagen eingesetzt.
Erklärende Analyse
Zu den erklärenden Ansätzen zählen insbesondere die
analytischen Ansätze der Projekte Erreichbarkeit,
Flood’Alps, Transformation und Wasalp. Sie arbeiten
zu einem grossen Teil retrospektiv und haben ihren
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Walz, Ariane et al.: Virtuelle Welten - reale Entscheidungen? Die Alpen im Modellbaukasten, © vdf Hochschulverlag 2009
Schwerpunkt im Erkenntnisgewinn. Dabei wird in man-
chen Projekten mit analytisch-erklärenden Modellen ge -
arbeitet (z.B. statistische Modelle in Wasalp), teilweise
greifen die Projekte aber auch auf andere Methoden zu -
rück (z.B. informelle Expertengespräche in Transfor -
ma tion). Die gewonnenen Erkenntnisse können in der
Raum- und Landschaftsplanung grosse Bedeutung haben
und richtungsweisend für Entscheide sein. Erklärend-
analytische Modelle werden vor allem in der Forschung
genutzt und kaum in der Praxis eingesetzt. Ein Haupt -
grund dafür ist, dass der grösste Erkenntnisgewinn
nicht bei der Anwendung des Modells, sondern bei sei-
ner Entwicklung erreicht wird.
Prognose/vorausschauende Analyse
Unter Prognose wird die Abschätzung zukünftiger
Entwicklungen eines Systems verstanden. Prognose ist
das primäre Ziel von Simulationsmodellen, die eben
diese Entwicklung über die Zeit auf der Grundlage von
theoretischen Überlegungen und empirischen Analysen
abschätzen.
Wenn es sich dabei um komplexe Systeme handelt,
bei denen die zukünftige Entwicklung von grossen Un -
sicherheiten gekennzeichnet ist, ist eine Prognose im
engeren Sinne nicht mehr durchzuführen. Simulationen
werden dann vielfach im Rahmen einer vorausschauen-
den Szenarienanalyse eingesetzt (siehe auch Kapitel 1.8).
Damit erlauben sie ein Experimentieren mit unterschied-
lichen Rahmenbedingungen, das so mit Landschaften
und Regionen nicht möglich wäre, und zeigen auf, unter
welchen Umständen mit welchen Entwicklungen zu
rechnen ist.
Im Rahmen der NFP 48-Forschung wurden Prognosen
und Simulationen zur Optimierung von Management stra-
tegien (Schutzwälder, Sulaps) und als Grundlage zur
Diskussion von Zukunftsvisionen (Alpscape) er stellt.
Bewertung
Bewertungsansätze verfolgen die Absicht, systematische
und nach Möglichkeit regional übertragbare Methoden
zur Bewertung von Landschaftsveränderungen zu entwi-
NFP 48 THEMATISCHE SYNTHESE V 48
ckeln. Dabei kann es sich um die Abschätzung der
Attraktivität einer Landschaft handeln (Alpro, Ecosys -
serv) oder auch um andere Eigenschaften, z.B. die Be -
wer tung des Lawinenschutzes oder der Hochwasser prä -
vention durch Gebirgswälder (Ecosysserv). Ein wichtiger
Aspekt dabei ist die Vergleichbarkeit zweier möglicher
Zustände, weswegen entweder mit dimensionslosen Be -
wer tungsklassen im Sinne von Indikatoren oder mone-
tarisierten Werten gearbeitet wird (Alpro, Ecosysserv).
Bewertungsansätze haben ein grosses Potenzial, zur
Objektivierung eines Entscheidungsprozesses in der
Praxis beizutragen.
Visualisierung
Neben der Analyse und Simulation von Landschafts ver -
änderungen werden mit zunehmender Rechnerkapazität
auch die Visualisierungstechniken immer komplexer.
Ins besondere die Kopplung dynamischer Modelle mit
photo realistischen Darstellungsformen ist eine wichtige
Herausforderung für die aktuelle Forschung (Alpsim,
Ipodlas). Hochentwickelte 3D-Visualisierungstechniken
erlauben es, komplexe Simulationsergebnisse durch ein
anschauliches und leicht interpretierbares Bild bezie-
hungsweise einen entsprechenden Film darzustellen.
Diese Techniken stellen eine sinnvolle Verbindung zwi-
schen Simulationsmodellen und Kommunikations medien
dar, die auch in der Landschafts- und Regionalplanung
erfolgreich eingesetzt werden.
Die erwähnten vier Funktionen können weitgehend auto-
nom erfüllt werden. Im Falle von computergestützten Mo -
dellen werden sie oftmals auch kombiniert. Die Analyse der
Vergangenheit, die typischerweise der Funktion Erklä rung
zugeschrieben wird, bildet dabei häufig die Grundlage zur
Entwicklung von Prognoseinstrumenten. Die Prognose
ihrerseits stellt die Grundlage für Visualisierungen und zur
Bewertung von möglichen Zukunftsentwicklungen dar.
Die relevanten NFP 48-Projekte werden entsprechend
ihrer hauptsächlichen Akzentuierung diesen Funktionen
zugeordnet. Dabei zeigt Abbildung 2-9 nur eine grobe
Einordnung, denn die meisten Projekte können nicht ein-
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2 NFP 48-PROJEKTE MIT MODELLIERUNGSCHARAKTER 49
deutig zugeordnet werden. Viele der Modelle decken meh-
rere Funktionen ab (z.B. Sulaps) oder streben die Kom bi -
nation verschiedener Funktionen an (z.B. Ipodlas).
2.2.8 Kommunikation und Visualisierung
der Ergebnisse
Form und Technik, in der die Ergebnisse der Modellierung
ausgegeben und kommuniziert wurden, unterscheiden
sich stark zwischen den Projekten. Während manche
Projekte mehrere, mitunter komplexe Indikatorwerte aus-
geben (Alpscape, Sulaps), arbeiten andere mit Vertei -
lungs karten (Alpscape, Gisalp, Sulaps) und schliesslich
manche mit hochentwickelten Visualisierungsprodukten
wie realitätsnahen Animationen und Filmen (Alpsim,
Ipodlas). Diese Bandbreite zeigt die Gewichtung zweier
komplementärer Aspekte in der computergestützten Land -
schaftsmodellierung: Die Generierung und die Kommuni -
kation von Wissen.
Abbildung 2-9
Einordnung der Modellierungsprojekte des NFP 48 nach Funktionen
Die blau gekennzeichneten Projekte lieferten wichtige inhaltliche
Grundlagen zu dieser Synthese.
Quelle: Eigene Darstellung.
Visualisierung Bewertung
Prognose
Erklärung und Analyse
Ipodlas Alpro
Alpsim Ecosysserv
Alpscape
Sulaps
Gisalp
Erreichbarkeit
Transformation Soziales Umfeld
Schutzwälder
Wasalp
Flood’Alps
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NFP 48 THEMATISCHE SYNTHESE V 50
2.3 Bewertung des Gesamtbeitrags
Wir wollen hier die NFP 48-Modelle hinsichtlich ihres Bei -
trags zur aktuellen Forschung sowie in Bezug auf eine
mög liche praktische Anwendung bewerten.
2.3.1 Komplementäre Ansätze und
Kombination von Ansätzen
Vom wissenschaftlichen Standpunkt her ist die Kombina -
tion verschiedener Modellierungsansätze methodisch und
inhaltlich interessant und wünschenswert. Die Breite der
Modellierungsmerkmale in den einzelnen Projekten und
damit die Vielzahl möglicher Kombinationen zeigen, dass
das Potenzial zur Kombination von Ansätzen im Allgemei -
nen und auch auf der Basis der im NFP 48 entwickelten
Modelle hoch ist.
Um Modellierungsansätze erkenntnisbringend mitein-
ander zu kombinieren, müssen zahlreiche Faktoren aufein-
ander abgestimmt werden. Die zeitliche und räumliche
Auflösung der Daten ist dabei neben der inhaltlichen
Ausrichtung eines der bedeutsamsten Kriterien.
Die Zusammenarbeit der Projekte Alpscape, Ecosysserv
und Wasalp ist ein gutes Beispiel für die Kombination un -
ter schiedlicher Modellierungsansätze: Nachdem das Pro -
jekt Wasalp statistische Modelle zur Entwicklung der Wald -
ausdehnung entwickelt hatte, wurden diese im Pro jekt
Alpscape zur Entwicklung eines regionalen Simu la tions -
modells eingesetzt. Die räumlich expliziten Simu la tions er -
gebnisse aus dem Projekt Alpscape lieferten schliesslich
die Grundlage für die Bewertung von Eco system Services
im Projekt Ecosysserv (z.B. Grêt-Rega mey et al., 2008).
Diese Abfolge war inhaltlich und methodisch sinnvoll und
durchaus auch erkenntnisbringend. Doch gestaltete sich
die räumliche Auflösung der zwischen den Modellen
ausgetauschten Daten als problematisch. Sie musste mit
Hilfe zu sätzlicher Studien und Modellierschritte ange-
passt werden.
2.3.2 Technische Fortschritte bei
der Kombination von Ansätzen
Zu den technischen Problemen, welche die Arbeit mit
Modellen oftmals schwerfällig und zeitaufwändig machen,
gehören insbesondere Schnittstellenprobleme zwischen
verschiedenen Datenformaten und Software-Umgebungen.
Im Bereich räumlich expliziter Daten, die für die Raum-
und Landschaftsplanung besonders relevant sind, wird die
Datenverwaltung weitgehend von Geographischen Infor -
ma tionssystemen (GIS) übernommen. Die dynamische
Mo del lierung erfolgt oftmals in einer unabhängigen, zeit-
basierten Entwicklungsumgebung, und zur Visualisierung
wird ein drittes Instrument verwendet (Bishop, 1998; Isen -
egger et al., 2005). Die Optimierung dieser Schnittstellen
wird als wichtiger Beitrag zur Anwendbarkeit von Mo del -
len in der Praxis gesehen (Vonk et al., 2005).
Das NFP 48 hat zu dieser Schnittstellenproblematik zwei
wichtige Beiträge geleistet. Im Hinblick auf die Daten -
konvertierung, die zwischen verschiedenen Modellen oft-
mals nötig ist, hat Gisalp mit der Entwicklung eines ein-
heitlichen Datenmodells für verschiedene Naturgefahren -
modelle beitragen können. Das Projekt Ipodlas hat mit
der Konzeption einer Software-Architektur, welche die
Bereiche Datenverwaltung/GIS, dynamische (zeitliche)
Modellierung und Visualisierung direkt miteinander ver-
knüpft, einen Vorstoss im Bereich der Zusammenführung
der meist separat verwendeten Software-Umgebungen
gemacht.
2.3.3 Einsatzpotenzial für
die praktische Anwendung
Eines der erklärten Ziele des NFP 48 war es, anwendungs-
nahe Forschung zu fördern. Bei den Modellierungs pro jek -
ten stellt sich deswegen die Frage, ob neben den eigent-
lichen Forschungsergebnissen auch die entwickelten
Modelle in der Praxis angewendet werden können. Dies ist
bei den meisten Projekten aus verschiedenen Gründen nur
unter grossem zusätzlichem Aufwand möglich. Grosse Be -
deutung bei der Anwendung von Modellen in der Praxis
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2 NFP 48-PROJEKTE MIT MODELLIERUNGSCHARAKTER 51
hat die jeweils ganz konkrete Fragestellung (siehe auch
Kapitel 2.2.3 und 3.3). Es gibt durchaus Fragestellungen,
die in Planungsprozessen immer wieder auftauchen und
deren Beantwortung durch Modelle objektiviert und ver-
einfacht werden könnte. Ein Beispiel für ein solches Werk -
zeug wäre das einfachere Modell, das im Rahmen des
Projekt Schutzwälder weiterentwickelt wurde (Brang et
al., 2004, 2006).
In den meisten Projekten des NFP 48 wurden allerdings
kaum derartige Werkzeuge entwickelt, stattdessen stellen
die meisten der entwickelten Modelle quasi inhaltlich-
methodische Prototypen dar. Setzt man eine entsprechen-
de Fragestellung voraus, sind sie als Fallstudien metho-
disch auf andere Regionen übertragbar (siehe auch
Kapitel 3.2.4). Gegebenenfalls müssten sie für andere
Regionen nur noch einmal kalibriert und validiert werden
(z.B. Alpro, Sulaps).
Technisch erfüllen sie jedoch die Voraussetzungen für
den Einsatz in der Praxis kaum. Zur Bereitstellung eines
Modells als Planungswerkzeug sind eine benutzerfreund-
liche Ausgestaltung des Modells, eine stabile Program -
mie rung und eine umfassende Dokumentation, die auch
die Annahmen des Modells aufzeigt und die Möglichkeiten
zu Adaption auf eine andere Fallregion erklärt, unbedingt
erforderlich (Vonk et al., 2005).
Das NFP 48 hatte den Anspruch zu Praxisnähe und
Trans disziplinarität (Fry, 2001; Klein et al., 2001). In den
meisten Projekten wurden deswegen potenzielle Nutzer
der Modelle schon früh in die Projekte einbezogen. Der
Kontakt zu Entscheidungsträger oder Verwaltungs insti tu -
tio nen wurde häufig bereits in der Formulierung der Projekt-
idee aufgenommen (z.B. Gisalp), und die Einbindung der
lokalen Bevölkerung erfolgte in Form von Workshops
(z.B. Alpscape) und/oder Informationsveranstaltungen
(z.B. Sulaps) während des Projektes. Trotzdem gelang es
nur teilweise, regelmässig Kontakt über die ganze Laufzeit
eines Projektes zu pflegen. Oftmals entwickelten sich die
Erwartungen der Wissenschaft und der Praxis im Laufe der
Projekte auseinander. Wie in zahlreichen anderen trans-
disziplinären Forschungsprojekten (Mittelstrass, 2003)
wurde deutlich, dass es sich trotz aller Bemühungen bei
den NFP 48-Projekten primär um Forschungsprojekte han-
delt, die neben den Erwartungen der Praxis auch der
Grundlagenforschung und der Ausbildung gerecht werden
sollten.
Ein weiterer Grund, weshalb das Einsatzpotenzial der
Modelle in der Praxis noch nicht ausgeschöpft wurde, ist
die anfängliche Aussicht auf eine spezielle Umsetzungs -
phase des NFP 48. Das Projektdesign sah deshalb in meh-
reren Fällen eine Methodenentwicklung und die Erstellung
eines Prototyps in der ersten Projektphase vor, während
die Forschungsresultate in einer zweiten Projektphase für
die Praxis oder die Öffentlichkeit umgesetzt werden sollte.
Schliesslich ist im Einzelfall auch ein gezieltes Marke -
ting hilfreich, um ein Modell als Werkzeug zu etablieren.
Dies zeigt das Beispiel des Projektes Alpro, aus dem eine
ansprechende Broschüre über das entwickelte Bewer -
tungs instrument hervorgegangen ist (Schwarzwälder und
Kooijman, 2005).
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Einsatz von Modellen
in der Raum- und
Landschaftsplanung
3
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NFP48 THEMATISCHE SYNTHESE V54
3 Einsatz von Modellen in der
Raum- und Landschafts planung
Seit den 1980ern wurden zahlreiche computergestützte,
räumlich-explizite Modelle zur Raum-, Landschafts- und
auch Stadtplanung entwickelt. Während sich Visuali sie -
rungs techniken bereits relativ gut in der Planungspraxis
etabliert haben (Bishop und Lange, 2005), bestätigt die
Literatur und auch unsere Zusammenarbeit mit den Ex -
perten der Begleitgruppe, dass Modelle in der Praxis trotz
intensiver Forschungsaktivitäten kaum genutzt werden
(z.B. Geertman und Stillwell, 2004; Stillwell et al., 1999).
Dies bedeutet nicht, dass Modelle für die Planungspraxis
wertlos sind. Im Gegenteil, es wird von sehr positiven
Erfah rungen berichtet, wo sie angewandt wurden (z.B. Cos-
tanza, 1998; van den Belt, 2004).
In diesem Kapitel werden die wichtigsten Erwartungen
und Probleme bei der Nutzung von Modellen in der Pla -
nungs praxis angerissen, mögliche Lösungsansätze entwi-
ckelt und der allfällige Beitrag der NFP 48-Forschung dar-
gestellt. Dabei stellt man fest, dass die NFP 48-Forschung
(Kapitel 2) wichtige Beiträge zur Lösung mehrer Kern pro -
bleme liefert.
3.1 Erwartungen an virtuelle
Planungsinstrumente
In den vergangenen Jahren haben sich zahlreiche Institu -
tio nen und Forscher mit der Ausarbeitung und Verbesse -
rung von Planungsinstrumenten beschäftigt (z.B. Bishop,
1998; Klostermann, 2001; Landis, 2001; Waddell, 2002;
Wegener, 2001). Die Ergebnisse dieser Forschung wurde in
mehreren Büchern zusammengeführt (Brail und Kloster -
mann, 2001; Geertmann und Stillwell, 2003) und zeigen
die Bandbreite und Möglichkeiten von Planungsinstru -
men ten auf.
Gleichzeitig gibt es auch ein paar wenige Arbeiten, die
sich mit den Bedürfnissen der Planungspraxis direkt und
empirisch auseinandersetzen. In gross angelegten Studien
sind Cockerill et al. (2004) und Vonk et al. (2005) zum
Beispiel der Akzeptanz von Modellen in Planungs pro zes -
sen nachgegangen.
Die Autoren betonen, dass die grosse Mehrheit der Be -
fragten überzeugt war, dass Modelle hilfreiche Werkzeuge
in der Planung und dem dazugehörenden politischen Pro -
zess sind (Cockerill et al., 2004). Trotzdem werden sie in
der Planungspraxis bisher kaum genutzt (z.B. Stillwell,
1999). Die Hauptgründe, weswegen die Aktivität bei der
Entwicklung von Planning Support Systems für die Raum-
und Landschaftsplanung die tatsächliche Nutzung über-
steigt, werden darin gesehen, dass die Planung mit dem
Potenzial und der Handhabung von Modellen noch nicht
ausreichend vertraut ist und die technischen Komplika tio -
nen oftmals gross sind (Vonk et al., 2005).
Die Ergebnisse dieser Studien spiegeln auch den Stand -
punkt der Begleitgruppe dieser Synthese V sehr gut wider
(Dokumentation des Begleitgruppenprozesses im An hang).
Auch sie sieht auf der einen Seite das grosse Potenzial der
virtuellen Planungsinstrumente, aber auch, dass der Ein -
satz von Modellen durch notwendige Adaptionen und er -
for derliche Daten mit einem grossen zeitlichen und finan-
ziellen Aufwand verbunden ist und viele Anwender diesen
Aufwand scheuen. Trotz einzelner Zweifel geht die Begleit -
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3 EINSATZ VON MODELLEN IN DER RAUM- UND LANDSCHAFTSPLANUNG 55
gruppe davon aus, dass virtuelle Planungswerkzeuge in
Zukunft zunehmend zum Einsatz kommen werden, da sie
der zunehmenden Komplexität der Entscheide, dem ent-
sprechenden Bedürfnis nach Planungsgrundlagen und
einer verbesserten Transparenz der Planungsverfahren
Rechnung tragen können.
Funktionen der Planungsinstrumente
Für die Praxis ist es wichtig, zwischen verschiedenartigen
Funktionen, die computerbasierte Planungsinstrumente
in nerhalb des Planungsprozesses haben können, zu
unter scheiden. So muss zum Beispiel zwischen Instru -
men ten, deren Ergebnisse intern als Entscheidungs grund -
lage und jenen, deren Ergebnisse zur Kommunikation an
die Öffentlichkeit oder Entscheidungsträger verwendet
wer den, unterschieden werden. Dies entspricht weitge-
hend der Differenzierung zwischen Modellen und Visua -
lisierungen, wie sie in der Synthese V gehandhabt wird
(siehe Kapitel 2.2.7). Ausserdem stellt es ein grundlegen-
des Merkmal dar, um passende Werkzeuge für die eigenen
Bedürfnisse zu finden (siehe Kapitel 3.2.5).
Vielschichtigkeit und Komplexität
Verschiedenartige Folgewirkungen von Entscheiden abbil-
den und Alternativen simulieren zu können, stellt das
gros se Potenzial der Planungsinstru men te dar, welche
dadurch einem weiteren wichtigen Anspruch der Praktiker
gerecht werden.
Problematisch kann dabei allerdings die erwartete Viel -
schichtigkeit der Modelle sein, die oftmals die Kombi na tion
verschiedener Modellierungsansätze und verschiedener
disziplinärer Herangehensweisen erfordert. Im Sinne einer
nachhaltigen Entwicklung würde die Praxis zum Beispiel
gerne ökonomische Modelle mit Environmental-Impact-
Modellen auch in Tools verknüpft sehen. Zwar können
diese Zusammenhänge unter weitreichenden Annahmen
in einzelnen Fallstudien hergestellt werden (z.B. Grêt-
Regamey und Kytzia, 2007), doch nehmen im Allgemeinen
mit der Vielschichtigkeit eines Modells die involvierten
Un sicher heiten und begleitenden Annahmen zu. Die
Trans parenz und Übertragbarkeit der Modelle leidet dar-
unter und es wird auch immer schwieriger, das Modell zu
einem Planungsinstrument auszubauen.
Trotzdem zeigte die Diskussion in der Begleitgruppe,
dass im Bereich der Simulationsmodelle oftmals eine
grosse Vielschichtigkeit gefragt ist. Diese Aussage stimmt
mit den Erfahrungen von Bishop (1998) überein, der allzu
vielschichtige Erwartungen an Planungswerkzeuge aller-
dings kritisiert und auf unterschiedliche Werkzeuge für
unterschiedliche Aufgaben hinweist. Dies gilt für die in -
haltliche Ausrichtung von Modellen (z.B. Ökonomie versus
Ökologie) ebenso wie für die Funktionen der Instrumente
innerhalb des Planungsprozesses (z.B. Visualisierung ver-
sus Simulation).
Modelltransparenz und Vertrauen
Die Modelltransparenz und das Vertrauen in die Modelle
spielen eine wichtige Rolle für die Akzeptanz von Modellen
in der Planungspraxis. Dies bestätigt auch die Begleit -
gruppe in Übereinstimmung mit Vonk et al. (2005) und
Cockerill et al. (2004). Dabei ist Transparenz im Sinne
einer detaillierten und kompletten Dokumentation in
erster Linie für Nutzer bedeutsam, die sich mit dem Modell
detailliert auseinandersetzen, das methodische Vorgehen
beurteilen können sollten und die Plausibilität der Er geb -
nisse abschätzen müssen. Dies können kleine Teams oder
auch Einzelpersonen in der Verwaltung und in Beratungs -
büros sein.
Für Nutzer, die sich mit dem Modell selbst nicht detail-
liert auseinandersetzen, wie zum Beispiel die Politik als
potenzielle Auftraggeberin, ist nicht die Modell trans pa -
renz, sondern das Vertrauen in das Modell, seine Entwick -
ler und seine Anwender entscheidend. Eine aktive Ver -
trauensbildung im Vorfeld kann daher entscheidend sein
für die Akzeptanz eines Modells im Planungsprozess
(Cockerill et al., 2004).
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Walz, Ariane et al.: Virtuelle Welten - reale Entscheidungen? Die Alpen im Modellbaukasten, © vdf Hochschulverlag 2009
NFP48 THEMATISCHE SYNTHESE V56
3.2 Probleme und Lösungsansätze
zur Etablierung von Modellen
in der Planungspraxis
3.2.1 Datenverfügbarkeit und -qualität
Die technischen Probleme, die dazu führen, dass die Nut -
zung computergestützter Hilfsmittel noch immer einen
grossen finanziellen und zeitlichen Aufwand bedeutet,
um fassen unter anderem die Verfügbarkeit und die Auf -
bereitung von Datengrundlagen (Begleitgruppe, siehe An -
hang, und Vonk et al., 2005). Im Gegensatz zur Forschung
können in der Praxis oftmals nicht erst selbst Daten erho-
ben werden, bevor ein Modell oder Planungswerkzeug zum
Einsatz kommt. Die Datengrundlagen, die in der Raum-
und Landschaftsplanung verwendet werden, sind viel-
schichtig und unterscheiden sich neben der inhaltlichen
Ausrichtung in ihrer räumlichen Ausdehnung sowie in ihrer
räumlichen und zeitlichen Auflösung. Obwohl der Umfang
der zur Verfügung stehenden Daten gross ist, decken sie
viele Bedürfnisse der Raum- und Landschafts planung der-
zeit noch nicht ausreichend ab.
Flächendeckende Datensätze
Für die gesamte Schweiz stehen mehrere flächendecken-
de Datensätze zur Verfügung. Der Vorteil dieser Daten -
sätze besteht darin, dass sie für alle Regionen der Schweiz
erhältlich sind, dass sie keinen datenschutzrechtlichen
Restriktionen unterliegen und dass sie sehr gut dokumen-
tiert sind. Sie werden zum grössten Teil vom Bundesamt
für Statistik (BFS) und von swisstopo (Bundesamt für
Landes topographie) aufgenommen und weitergeführt, wie
z.B. die Datensätze des GEOSTAT (BFS, 2001) oder der
Vector25-Datensatz (swisstopo, 2006).
Die GEOSTAT-Datensätze decken ein weites Spektrum
an Themen ab. So werden z.B. die Ergebnisse der Volks -
zählung, aber auch pedologische und klimatische Infor -
ma tionen im Rahmen dieses Datensatzes aufbereitet (BFS,
2001). Ein weiterer Vorteil dieser Daten ist, dass genau
Interaktive Instrumente
In Übereinstimmung mit Vonk et al. (2005) ist auch für die
Begleitgruppe ein interaktives Instrument ein langfristig
erstrebenswertes Ziel. Eine hohe Interaktivität in Verbin -
dung mit schnellen Rechenzeiten ermöglicht das «Herum -
spielen» mit dem Modell. Professionelle Anwender könn-
ten so die Plausibilität eines Modells und dessen Grenzen
schnell abschätzen, ausserdem wäre es möglich, es direkt
in Sitzungen und öffentlichen Veranstaltungen nutzen.
Datenverfügbarkeit und -qualität
Obwohl die Datensituation in der Schweiz im internationa-
len Vergleich sehr gut ist, stellen Datenverfügbarkeit und
-qualität in der Praxis eine grosse Herausforderung dar
und der Aufwand zu ihrer Aufbereitung wird oftmals ge -
scheut. In der Begleitgruppe wird dies als eine rein techni-
sche Herausforderung beurteilt und langfristig als weniger
problematisch bewertet, obwohl die Daten be schaffung im
Moment noch eine sehr grosse Hürde bedeutet.
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3 EINSATZ VON MODELLEN IN DER RAUM- UND LANDSCHAFTSPLANUNG 57
dokumentierte Zeitreihen existieren, wie im Falle der
Arealstatistik (1979/85, 1992/97 und demnächst auch
2004/09) und der Volkszählungen (1990 und 2000) (BFS,
2001). Allerdings reicht die räumliche Auflösung der GEO-
STAT-Daten nur bedingt für die Durchführung regionaler
und lokaler Studien (Abbildung 3-1).
Vector25 bildet ebenfalls die gesamte Schweiz ab. Die
räumliche Auflösung dieses Datensatzes ist um ein Viel -
faches besser, da der Vector25-Datensatz auf der Landes -
karte der Schweiz im Massstab 1:25’000 beruht, welcher
für regionale und lokale Studien meistens ausreicht.
Aller dings umfasst er ausschliesslich die Informationen,
die für die Landeskarten der Schweiz ge braucht werden
(swisstopo, 2006). Ökologische oder soz io logische Daten
wer den nicht aufgenommen und Zeit reihen sind aufgrund
des geringen Alters des Datensatzes auch (noch) nicht er -
hältlich.
Form und Inhalt weiterer
öffentlich zugänglicher Datensätze
Neben diesen flächendeckenden Datensätzen der Bundes -
institutionen existieren weitere öffentlich zugängliche
Daten sätze von Ämtern auf Kantons- und Gemeindeebene.
Da die Daten von Kantonen und Gemeinden oftmals räum -
lich höher aufgelöst sind, stellen sie eine sinnvolle Ergän -
zung der flächendeckenden Datensätze des Bundes dar.
Abbildung 3-1 zeigt ein Beispiel aus dem Bereich Land-
nutzung. Während die linke Abbildung auf der Areal sta -
tistik mit einer Auflösung von 100 m x 100 m be ruht (BFS,
2001), zeigt die rechte Abbildung die durch eigene Erhe -
bun gen angereicherten Daten des Amtlichen Geo meters
der Landschaft Davos Gemeinde. Gerade für die Nut zung
von virtuellen Planungsinstrumenten wäre es sehr hilf-
reich, die Verfügbarkeit solcher Daten, ihre Eigenschaften
und Inhalte zusammenzutragen und öffentlich zu machen.
Ein Abgleich dieser Datensätze hinsichtlich ihrer Form und
Inhalte von einer Gemeinde zur nächsten wäre ein weiterer
Schritt, um die Übertragbarkeit von Modellen zwischen
einzelnen Regionen zu vereinfachen.
Kombination bereits existierender
öffentlich zugänglicher Datensätze
Bei der Aufbereitung von Daten für die Raum- und Land -
schaftsplanung wäre die Kombination bereits existieren-
der öffentlich zugänglicher Datensätze eine grosse Ver -
bes serung. So wäre zum Beispiel die Verknüpfung von
Verkehrserhebungen mit dem Strassennetz des Vector25
oder die Verknüpfung der Stockwerkzahlen pro Gebäude
mit dem Gebäudedatensatz des Vector25 sehr hilfreich.
Die Informationen liegen auf Ämtern in Form von Berichten
und Plänen nahezu flächendeckend vor, doch sind sie digi-
tal nicht erhältlich oder es bestehen rechtliche Restrik -
tionen, welcher einer Datenabgabe im Wege stehen.
Aggregation von Daten auf räumliche Einheiten
Nicht alle Informationen von Interesse für die Raum- und
Landschaftsplanung sind räumlich explizit. Wichtige sozio-
ökonomische Daten werden auch auf der Ebene von Ver -
waltungseinheiten erhoben. Dazu gehören zum Beispiel
die Kennzahlen zur regionalen Wirtschaft und zur Land -
wirt schaftsstruktur. Die Aggregation auf der Ebene der
Gemeinden ist dabei für die Raum- und Landschafts pla -
nung oftmals ausreichend. Problematisch ist es dagegen,
wenn Daten nur auf höheren administrativen Ebenen erho-
ben werden. Ein Beispiel dafür sind Finanzflüsse zwischen
Wirtschaftsbranchen. Derartige Daten, wie sie für Input-
Output-Tabellen erforderlich sind, werden zum Beispiel
nur auf Bundesebene erhoben, obwohl sie sich regional
stark unterscheiden. Die Regionalisierung solcher Daten -
sätze ist sehr aufwändig, stellt aber einen grossen Infor -
ma tionsgewinn für die Regionen dar, wie man am Beispiel
der Input-Output-Tabelle im Rahmen des Projektes Alp -
scape sehen kann (Wegmann und Kytzia, 2005).
Lücken in der Datenabdeckung
Trotz der insgesamt recht guten Datenlage in der Schweiz
gibt es letztendlich noch Lücken in der Datenab de ckung.
Manche dieser Lücken führen dazu, dass die Raum- und
Landschaftsplanung in wichtigen Bereichen auf grobe
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NFP48 THEMATISCHE SYNTHESE V58
Abbildung 3-1
Gegenüberstellung der Arealstatistik und dem Datensatz eines Amtlichen Geometers
Je nach räumlicher Auflösung lassen sich unterschiedliche Inhalte darstellen und Aussagen machen.
Massstab: 1:100’000
Räumliche Auflösung und Genauigkeit: 100 m
Inhaltlicher Fokus: Sich gegenseitig beeinflussende
Ver änderungen von Siedlung, Landwirtschaft und Wald
Land use classes
Closed forest
Open forest
Overgrown area
Intensive agriculture
Extensive agriculture
Unproductive grassland
Bare land
Housing and infrastructure
Water surfaces
Quelle: Verändert nach Walz, 2006.
Massstab: 1:5’000
Räumliche Auflösung und Genauigkeit: ~ 0.25 m
Inhaltlicher Fokus: Siedlungsstrukturen und Nutzung
der Siedlungsfläche
Usage
Residential
Tourist accomodation: hotel
Tenure
Single owner
Multiple owner
Planning
Construction capacity factor (CCF)
CCF = 0m2GEA/m2base area
CCF
0.5 m2GEA/m2base area
CCF
1.0 m2GEA/m2base area
CCF
1.5 m2GEA/m2base area
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3 EINSATZ VON MODELLEN IN DER RAUM- UND LANDSCHAFTSPLANUNG 59
dieser speziell zu einer Fragestellung erhobenen Daten
wäre vielmals eine sinnvolle Ergänzung zu den heute stan-
dardmässig durchgeführten Analysen. So könnten statt der
meist rein gedanklich vollzogenen Szenarien wohldoku-
mentierte Szenarienanalysen und Simulationen durch ge -
führt werden.
3.2.2 Schnittstellen zwischen
verschiedenen Tools
Die technische Verbesserung der Schnittstellen zwischen
ver schiedenen Tools gilt als essenziell zur Etablierung von
Simulationsmodellen in der Praxis. Weil diese Schnitt stel -
len zwischen verschiedenen Software-Paketen wie z.B.
einem GIS und einem Simulationsmodell schlecht ausge-
arbeitet oder inexistent sind, muss viel Zeit für die Auf be -
reitung und den Austausch von Daten zwischen verschie-
denen Software-Paketen aufgewendet werden (Bishop,
1998). Diese technischen Probleme machen die Nutzung
von computergestützten Hilfsmitteln und Modellen sehr
schwerfällig.
Die Entwicklungen der jüngsten Vergangenheit zeigen
jedoch, wie rasch der technische Fortschritt zu neuen
Standards führen kann. Ein Beispiel dafür ist der Einsatz
von Geographischen Informationssystemen (GIS). Sie wer-
den inzwischen standardmässig bei Planungsprozessen
genutzt. Ein zweites Beispiel ist Google Earth, das vom
Datenumfang, von der Rechengeschwindigkeit und von der
Interaktivität her vor wenigen Jahren noch nicht für mög-
lich gehalten worden wäre. Die bestehenden technischen
Probleme werden insofern als lösbar und als wichtige
Felder zukünftiger Forschung und Entwicklung erachtet.
Zwei Projekte der NFP 48-Forschung fokussieren genau
auf diese Problematik. In Ipodlas wurde ein Konzept zur
technischen Optimierung der Verbindung von GIS, Visua li -
sierungssoftware und dynamischen, zeitkritischen Model -
len ausgearbeitet (Isenegger et al., 2005). Im Mittelpunkt
stand dabei die Konzeption einer Software-Architektur, die
einen direkten Datenfluss zwischen den drei Werkzeugen
er möglichte und anhand von Use Cases den «Proof of
Abschätzungen und relativ schlecht dokumentierte
Befragung zurückgreifen muss. Eine dieser Lücken ist zum
Beispiel die Verteilung und Belegung von Zweit woh -
nungen. Besonders in den Bergregionen ist diese Angabe
von grosser Bedeutung für die Raum- und Land schafts -
planung. Grosse Hoffnung wird in die zurzeit laufende so
genannte Registerharmonisierung gesetzt. Diese verlangt
detaillierte Angaben zur Belegung von Erst- und Zweit -
wohnungen in der ganzen Schweiz und soll langfristig die
herkömmliche Volkszählung ersetzen.
Ebenso schwierig ist die Erhebung von Daten zu den
Tagestouristenströmen und deren räumlich-zeitlichen Prä -
ferenzen. Tagestouristen müssen keine Übernachtungsge-
bühren bezahlen und müssen sich auch nicht melden. Für
diese für die Raum- und Landschaftsplanung in den
Schweizer Alpen wichtigen Angaben ist man immer wieder
auf die Kooperation der Bergbahnen angewiesen. Wie gut
diese Kooperation funktioniert, hängt meist von persön-
lichen Kontakten ab, obwohl diese Daten von öffentlichem
Interesse wären.
Es müssen und können sicher nicht alle derartigen
Daten lücken geschlossen werden, dennoch würde es Pla -
nungsprozesse in Zukunft wesentlich erleichtern, wenn
gewisse, immer wieder auftretenden Lücken identifiziert
und auch geschlossen werden könnten. In vielen Fällen
wie in den aufgeführten Beispielen würde das nicht nur für
die Nutzung von Modellen und Planungs werk zeugen hilf-
reich sein, sondern damit würden von vornherein wesent-
lich verbesserte Diskussions- und Entschei dungs grund -
lagen zur Verfügung stehen.
Modellierung als Analysewerkzeug
Bisher haben wir uns auf modellbasierte Planungs ins tru -
mente konzentriert, also auf die Entwicklung und Nut zung
eines Werkzeugs. Aber Modellierung kann auch eine – im
Moment in der Praxis noch eher wenig etablierte –
Analysemethode bedeuten. In der Planungspraxis werden
regelmässig aufwändige Erhebungen durchgeführt (z.B.
Verkehrszählungen). Eine Modellierung auf der Grundlage
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NFP48 THEMATISCHE SYNTHESE V60
concept» erbrachte. Gisalp konzentrierte sich dagegen
auf die Entwicklung eines Datenmodels, um verschiedene
be reits existierende Modelle im Bereich Naturgefahren zu
kom binieren. Dabei standen Lösung von Konvertie rungs -
pro blemen im Vordergrund, so dass die kombinierte Nut zung
der Modelle stark vereinfacht wurde (Rothenbühler, 2006).
3.2.3 Erforderliche Vielschichtigkeit
und Komplexität
In der Planungspraxis ist es von grösster Bedeutung, dass
Werkzeuge und Methoden dem Planungsproblem ange-
messen sind. Komplexere Modelle zeichnen sich durch
viel schichtigere Ergebnisse und eine grössere Men ge an
erforderlichen Eingabedaten aus. Oftmals können jedoch
bereits technisch und methodisch relativ einfache Ansätze
zum Ziel führen.
Überträgt man die unterschiedlichen Eigenschaften von
Modellen in der Raum- und Landschaftsplanung auf ein
Bauwerk, lassen sich Modelle finden, die das Bauwerk ein-
fach von aussen zeigen. Komplexere Modelle stellen das
Bauwerk aus mehreren Perspektiven und vielleicht auch
noch in seiner Umgebung dar. Noch komplexere Modelle
zeigen auch das Innere des Bauwerks und lassen den Be -
trachter darin herumspazieren. Schliesslich gibt es Model -
le, die neben dem Bauwerk auch noch seine Nutzung, die
Menschen, die ein- und ausgehen, und die Materialflüsse,
die mit Bau und Betrieb des Objektes in Zusammenhang
stehen, abbilden.
Bildliche Darstellung und Visualisierung
Es ist weder für Fachleute noch für die Öffentlichkeit ein-
fach, sich Eingriffe in die Landschaft und vor allem auch
schleichende Veränderungen visuell vorzustellen. Die
Visualisierung von Landschaftsveränderungen wird des-
wegen als wichtiges Hilfsmittel eingestuft und bereits jetzt
in der Raum- und Landschaftsplanung immer wieder wir-
kungsvoll eingesetzt.
Vielmals ist bereits die computergestützte Visua lisie rung
eines geplanten Objektes in seiner Umgebung sehr auf-
schlussreich (z.B. Abbildung 3-2). Dazu werden entweder
Photographien in einem Bildverarbeitungsprogramm so
verändert, dass sie den zu diskutierten Eingriff in die Land -
schaft veranschaulichen. Oder es wird eine 3D-Visua li sie -
rung genutzt, die das Planungsobjekt (in Form eines digi-
talen Datensatzes) virtuell in seine Umgebung (digitales
Geländemodell und Bodenbedeckungskarte) einbettet.
Zur 3D-Visualisierung eines Planungsobjektes sind Daten
zur Abmessung des geplanten Objektes, der Umgebung,
in der es erstellt werden soll, und eine Standard-Software,
in der beides aus verschiedenen Perspektiven gezeigt wer-
den kann, erforderlich. Geeignete Software-Pakete werden
direkt als Visualisierungswerkzeuge angeboten, ausser-
dem eignen sich auch Produkte aus den Bereichen CAD
(Computer Aided Design) und GIS (Geographische Infor -
ma tionssysteme).
Während die Nachbereitung von Photographien eine
weithin bekannte Technik ist, die lange vor der Etablierung
von Computern genutzt wurde, handelt es sich bei der 3D-
Visualisierung um eine Technik, die sich in den letzten
Jahrzehnten mit entsprechender Software und mit zuneh-
mend verfügbaren Daten allmählich etabliert.
Auch wenn die entsprechenden Bilder heute teilweise
noch etwas unnatürlich wirken, hat die 3D-Visualisierung
gegenüber der Nachbearbeitung von Photographien eini-
ge Vorteile. Da sie auf Daten beruht, die inzwischen für
viele Geländeausschnitte und Planungsobjekte vorhanden
sind, ist sie relativ einfach übertragbar. Die Detailschärfe
der Abbildungen kann dabei den Anforderungen des Pla -
nungs prozesses mit einem zusätzlichen Rechen aufwand
nahezu beliebig – sofern die entsprechenden Daten vor-
handen sind – angepasst werden. Ausserdem erlaubt die
computergestützte Visualisierung, das Objekt aus un ter -
schiedlichen Perspektiven abzubilden. Wie Abbil dung 3-2
zeigt, kann dies bei der Beurteilung der visuellen Wirkung
eines Planungsobjektes ein grosser Vorteil ge gen über
physischen Architekturmodellen sein. Schliess lich – und
im Zusammenhang mit virtuellen Welten von besonderem
Interesse – kann Visualisierung auch eingesetzt werden,
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3 EINSATZ VON MODELLEN IN DER RAUM- UND LANDSCHAFTSPLANUNG 61
Abbildung 3-2
Computergestützte Visualisierungen im Vergleich zum (analogen) 3D-Architekturmodell
Beispiel Planung neues Nationalparkzentrum im Schlossgarten von Zernez, GR.
Bauprofile der Bauherrschaft
Die von der Gegnerschaft erzeugte Gebäudesimulation
3D-Modell des verantwortlichen Architekten
Pro Chaste da Zernez, 2004.
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NFP48 THEMATISCHE SYNTHESE V62
um die Ergebnisse von Simulationen der Land schafts -
entwicklung in ein einfach zu verstehendes Bild zu über-
setzen. Damit macht sie abstrakte Simula tions ergebnisse
in ihrer Bedeutung erfassbar, was gerade für das Verständ -
nis von schleichenden Prozesse eine grosse Bedeutung er -
langen kann.
Erfolgreich wurde die computergestützte Visualisierung
zum Beispiel im bereits erwähnten Fall des neuen Natio -
nalparkzentrums in Zernez, GR, eingesetzt. Die Lage des
bereits bewilligten Bauprojektes wurde noch einmal in
Diskussion gestellt, nachdem eine massstabsgetreue
Visualisierung zeigte, dass das Objekt im Schlossgarten
die Sicht auf das Ensemble von Schloss und Schlosswiese
verdecken und somit das durch das ISOS (Inventar der
schützenswerten Ortsbilder der Schweiz, beruhend auf
dem Natur- und Heimatschutzgesetz) geschützte Ortsbild
stark in Mitlei den schaft ziehen würde (Abbildung 3-2).
Angestossen durch diese Visualisierung wurde das Objekt
an einem anderen Ort platziert, wo es nun realisiert wurde.
Nicht untersucht wurde, in wieweit die Verwendung der
Farbe Schwarz für die Darstellung des Neubaues die Dis -
kus sion um den Standort des neuen National park zen -
trums beeinflusste.
Kausale Zusammenhänge und Modellbildung
Einen höheren Grad an Komplexität wird bei der Dar stel -
lung von kausalen Zusammenhängen erreicht. Methoden,
um diese Zusammenhänge zu etablieren, wurden im
Bereich der Systemanalyse und -dynamik entwickelt (z.B.
Forrester, 1972; Vester und von Hesler, 1980). Diese An -
sätze werden sowohl in der Informatik, in den Natur wis sen -
schaften als auch in den Wirtschafts- und Sozial wis sen -
schaften eingesetzt. Eines der frühen und sehr bekannten
Beispiele ist der Bericht «Grenzen des Wachstums» des
Club of Rome Anfang der 1970er (Meadows et al., 1972).
Derzeit werden systemanalytische Methoden vor allem im
Rah men von Szenarienanalysen (z.B. Scholz und Tietje,
2002) und im Bereich des Adaptive Management (z.B.
Sendzimir et al., 2007) eingesetzt.
Das Vorgehen der Systemanalyse ist zunächst qualitativ
und eignet sich sehr gut für die Gruppenarbeit. Im ersten
Schritt werden die Systemgrenzen festgelegt, im zweiten
die für die Fragestellung relevanten Elemente ausgewählt,
im dritten die Beziehung zwischen den ausgewählten
Elemen ten bestimmt, und schliesslich werden die Eigen -
schaften des Gesamtsystems und seine Beziehungen zur
Umwelt betrachtet. Das Ergebnis der qualitativen System -
analyse beschreibt die ursächlichen Zusammenhänge
innerhalb eines Systems und wird graphisch in der Form
eines Flussdiagramms dargestellt (siehe Abbildung 3-3).
Im Folgenden lassen sich auch die Beziehungen zwi-
schen den Elementen semiquantitativ oder quantitativ be -
stimmen. Beispiele dafür sind die semiquantitative Beur -
teilung der Wirkung zwischen Elementen oder die Quanti fi -
zierung von Stoff- oder Energieflüssen zwischen Elemen ten.
Mit Hilfe entsprechender Software (z.B. Stella, Powersim,
Vensim u.ä.) kann eine derartig quantifizierte System -
analyse relativ einfach zu einem Simulations modell wei -
ter entwickelt werden.
Die Systemanalyse stellt vielfach den ersten Schritt zur
Entwicklung numerischer computergestützter Modelle dar.
Sie bestimmt die Logik und die Struktur eines Modells und
kann als eigentlicher Schritt der Modellbildung be trachtet
werden.
Sie eignet sich ausserdem sehr gut dazu, einen Dialog-
und Lernprozess zu unterstützen (z.B. van den Beld, 2004;
Vennix, 1996). In einem Stadium des Planungsprozesses,
in dem die Verbesserung des System- und Problem ver -
ständnisses von Stakeholdern und Entscheidungsträgern
im Vordergrund steht (siehe auch Kapitel 3.2.5), kann die
Systemanalyse deswegen hilfreich in einem partizipativen
Prozess eingesetzt werden (z.B. Sendzimir et al., 2007).
In der Synthese III «Landschaft gemeinsam gestalten» wird
sie deswegen auch im Zusammenhang mit den «Men talen
Modellen» beschrieben (Simmen und Walter, 2007).
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3 EINSATZ VON MODELLEN IN DER RAUM- UND LANDSCHAFTSPLANUNG 63
Abbildung 3-3
Qualitative Ergebnisse der Systemanalyse aus dem Projekt Alpscape
Am Beispiel der Landwirte (Satellite Group: Agriculture)
Quelle: Walz et al., 2007.
Processing industry
Loans
Innovations
Demand on local products
Public subsidies
Ecology
Landscape attractiveness
Public acceptance
National policies Tourism
Housing development
Agricultural land
Cultural heritage
Secondary income
Local policies
Natural hazards
Climate
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NFP48 THEMATISCHE SYNTHESE V64
Quantifizierung kausaler Zusammenhänge
und Kalibrierung
Um die Intensität von Prozessen, das Resultat interagieren-
der Prozesse oder die Überschreitung von Schwellen werten
abschätzen zu können, müssen die Zusammen hän ge eines
abgebildeten Systems quantifiziert und kalibriert werden.
Dabei handelt es sich um Parameter, die auf der Grundlage
von empirischen Beobachtungen abgeschätzt werden, wie
z.B. betriebwirtschaftliche Eckwerte in der Landwirtschaft
(Sulaps), Migrationszyklen von Lärchenwicklern (Ipodlas),
oder Vorlieben von Wanderern (Alpsim).
Diese Quantifizierung erlaubt es, das Modell unter flan-
kierenden Annahmen dynamisch zu Computer simula tio -
nen zu nutzen. Die Ergebnisse der Computersimulation
hängen stark von der Kalibrierung des Modells ab. Nur mit
einer sehr detaillierten Dokumentation kann ein potentiel-
ler Anwender abschätzen, ob das vorliegende Modell auch
seinen Anforderungen entspricht, ob Adaptionen erforder-
lich sind und ob es seinen Anwendungsfall ausreichend
gut abbildet.
Weil die Möglichkeit zu Rekalibrierung und Adaptionen
bei der Verbreitung eines Modells von grosser Bedeutung
ist, werden viele Modelle inklusive Source Code zur Ver -
gung gestellt. Die Rekalibrierung und Adaption eines Mo -
dells kann in Einzelfällen recht arbeits- und datenintensiv
sein (Stevensa et al., 2007), obwohl zur Rekalibrierung
teilweise automatisierte Verfahren zur Verfügung stehen
(z.B. Straatman et al., 2004).
Die Kalibrierung von Modellen wird umso schwieriger,
je schlechter sich Zusammenhänge quantifizieren lassen.
In integrierten Ansätzen, in denen Modelle aus verschie-
denen Disziplinen kombiniert werden, ist es besonders
schwierig. In der NFP 48-Forschung war Alpscape ein typi-
sches Beispiel für ein integriertes Modell. Die verschie-
denen, auf die lokalen Verhältnisse kalibrierten Mo delle
wurden dabei nicht durch einen vollautomatisierten
Mechanismus zusammengeführt, sondern durch die Aus -
formulierung von Szenarien (Walz et al., 2007). Um zum
Beispiel aus Landnutzungsänderungen auf eine verän-
derte Produktivität der lokalen Landwirtschaft oder einen
veränderten Wert der landschaftlichen Attraktivität zu
schliessen, waren im Einzelfall weitere Annahmen nötig,
die am besten im Rahmen der Szenarien kommuniziert
werden konnten.
An diesen Schnittstellen – insbesondere zwischen öko-
logischen und wirtschaftlichen Fragestellungen – liegen
noch Forschungsdefizite vor, die für die Schweizer Alpen
essenziell sind. Die Forschung muss in diesem Bereich in
Zukunft wesentliche Beiträge liefern, um integrierte
Modellansätze für die Planung attraktiv zu machen. Erste
Beiträge findet man beispielsweise bereits in den Pro jek -
ten Sulaps, Ecosysserv und der Synthese IV zu «Raum -
nut zung und Wertschöpfung» (Simmen et al., 2007).
3.2.4 Übertragbarkeit von Modellen
Ein weiteres und – langfristig betrachtet – womöglich das
schwierigste Problem zur Etablierung von computerge-
stützten Hilfsmitteln in der Planung sehen wir darin, dass
wenige der Entscheidungssituationen vergleichbar sind.
Das heisst, dass sich die Hilfsmittel und Modelle hinsicht-
lich ihrer inhaltlichen Schwerpunkte und auch hinsichtlich
der notwendigen Datengrundlagen von Situation zu Situa -
tion unterscheiden.
Inwiefern ein Simulationsmodell auf eine andere Pla -
nungs situation übertragen werden kann, wie offen und
flexibel ein Werkzeug zur Entscheidungshilfe sein muss,
um verschiedenen Situationen gerecht werden zu können,
oder ob man vor allem die Erfahrung und die entwickelten
Methoden in neuen Anwendungssituationen übernehmen
kann, hängt sehr von der Komplexität der Fragestellungen
ab. Hinsichtlich der Übertragbarbeit von Modellen lassen
sich zwei Hauptrichtungen für den Einsatz in der Raum-
und Landschaftsplanung herausschälen:
Auf der einen Seite haben wir die technischen Hilfs -
mittel, die aufgrund ihrer relativ einfachen Datenan -
forderungen auf viele Einzelfälle übertragen werden
können («Tools»). Ein Beispiel dafür ist die Darstellung
von geplanten Bauobjekten in ihrer Umgebung aus ver-
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Abbildung 3-4
Einsatz von Modellen in der Raum- und Landschaftsplanung als Spektrum zwischen «Tool» und «Lernhilfe»
3 EINSATZ VON MODELLEN IN DER RAUM- UND LANDSCHAFTSPLANUNG 65
schiedenen Perspektiven mit Hilfe von Visualisierungs-
Software, CAD oder GIS. In diesem Fall sind die Daten ver-
fügbarkeit und die technischen Software-An forde run gen
heutzutage nahezu Standard.
Auf der anderen Seite haben wir den Einsatz von Mo del -
len zur Vertiefung des Problem- und System verständ -
nisses. Bei diesem Einsatzgebiet steht der Lernprozess
aller Beteiligten im Vordergrund («Lernhilfen»). Wichtig
ist bei diesem Einsatz von Modellen, dass die Problem -
stellung durch die Modellierung strukturiert und das
Systemverständnis selbst erarbeitet wird. Aus diesem
Grund ist der Prozess der Modellentwicklung von zen-
traler Bedeutung. Nur bedingt kann es hilfreich sein, auf
existierende Modelle zurückzugreifen. Ein Beispiel für
einen solchen Einsatz ist z.B. das Projekt Alpscape, in
dem die lokalen Entscheidungsträger und Vertreter der
Öffentlichkeit in den Prozess der Szenarienentwicklung
einbezogen wurden (Walz et al., 2007). Weitere sehr
gute Beispiele, in denen der Lernprozess im Vorder -
grund stand und Entscheidungsträger in den Prozess
der Modellentwicklung selbst einbezogen wurden, fin-
det man z.B. in van den Beld (2004).
Beide Einsatzbereiche zeigen charakteristische Eigen -
schaf ten für die Übertragbarkeit der entsprechenden
Modelle. Sie lassen sich dabei als die zwei äusseren Pole
eines Spektrums betrachten (Abbildung 3-4). Die Simu -
lations modelle des NFP 48 bilden dabei das Binde glied
zwischen «Tool» und «Lernhilfe». Mittels Fallstudien ent -
wick eln damit Betroffene und Entscheidungsträger fall-
spezifische Methoden. Einerseits lag das Schwergewicht
auf der Entwicklung technischer und methodischer An -
sätze, die für die Ent wicklung von Planungsinstrumenten
grundlegend sein können (z.B. Ipodlas oder Alpsim).
Andererseits stellten sie Fallstudien dar, in welche die ent-
sprechenden Entscheidungsträger einbezogen waren, so
dass sie für die Untersuchungsregion selbst als
«Lernhilfe» fungierten (z.B. Alpscape). Schliesslich liefer -
ten sie Er kennt nisse, die eine Hilfestellung für Entscheide
sein können, auch ohne eine direkte Anwendung des ent-
sprechenden Modells (z.B. Sulaps). Dabei gibt es natür-
lich auch unter den NFP 48-Modellen Unterschiede. So ist
zum Beispiel Alpscape in diesem Spektrum relativ weit
rechts einzuordnen, während Schutzwälder eher links
angesiedelt ist.
Too l
Ziel:
Werkzeug, das in zahlreichen Einzel-
fällen angewendet werden kann
Grosse Übertragbarkeit:
Datenverfügbarkeit für neue
Anwendung hoch
Modellentwicklung:
durch Experten
oder Wissenschaftler
Quelle: Eigene Darstellung.
Fallstudie mit komplexen Simulationen
Ziel:
Erarbeitung von Entscheidungs grund-
lagen durch Simulation
Mittlere Übertragbarkeit:
Datenaufbereitung und evtl. -erhebung
für neue Anwendung und Adaptionen
am Modell notwendig
Modellentwicklung:
in punktuellem Kontakt mit
Entscheidungsträgern
Lernhilfe
Ziel:
Strukturierung des Problems und
besseres Systemverständnis
Nur Übertragbarkeit der Methoden:
Modellentwicklung als zentraler
Prozess
Modellentwicklung:
in Zusammenarbeit
mit Entscheidungsträgern
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NFP48 THEMATISCHE SYNTHESE V66
3.2.5 Mögliche Funktionen im Planungsprozess
Der Einsatz von computergestützten Hilfsmitteln kann Pla -
nungs- und Entscheidungsprozesse nicht ersetzen, aber
konstruktiv unterstützen. Dabei können ihre Funktionen in
verschiedenen Planungsprozessen und in unterschied-
li chen Phasen dieser Prozesse variieren.
Das Spektrum an Funktionen umfasst (1) die Berech nung
von Entscheidungsgrundlagen durch komplexe und voraus-
sagende Analysen wie Simulationen, (2) Kommunika tions -
aspekte, (3) die Bewertung anhand von Indikatoren, (4)
partizipative Lernprozesse und schliesslich (5) Analyse und
Erklärung. Im Zusammenhang mit der Forschung des NFP 48
wurden diese Funktionen teilweise in Kapitel 2.2.7 bereits
angesprochen. Wie sie im Einzelnen einen Beitrag zur Ent -
scheidungsfindung leisten können und welche Kompo -
nen ten dabei notwendig sind, zeigt Abbildung 3-5.
Berechnung von Entscheidungsgrundlagen
(Decision Support)
Prognosen und vorausschauende Analysen können Argu -
mente und Grundlagen zur Verbesserung von Einzelent -
schei den liefern. Bei der Berechnung von Entscheidungs -
grundlagen gehen dabei Standardmethoden (z.B. Trend be-
rechnungen), hochentwickelte Techniken zur Datenana lyse
(z.B. statistische Modellierung, Data Mining, neuronale
Netze oder künstliche Intelligenz) und Simulations mo -
delle, wie wir sie in Kapitel 1.8 definiert haben, allmählich
ineinander über. Simulationsmodelle werden dabei als
Mittel der vorausschauenden Analyse im Rahmen von
Szenarienanalysen eingesetzt. Die Simulationsmodelle
der NFP 48-Forschung werden zum grössten Teil genau in
diesem Bereich eingesetzt. So liegt bei den Projekten
Alpscape, Alpsim, Gisalp, Ipodlas und Sulaps der Fokus
auf der zukünftigen Entwicklung.
Dabei liegt ein grosser Schwerpunkt darauf, alternative
Entwicklungspfade aufzuzeigen und nicht im engeren
Sinne eine Prognose abzugeben. Beispielsweise trägt
Sulaps im Bereich der agentenbasierten Modelle mit
einem Ansatz, Landschaftsveränderung auf der Grundlage
von aufwändig erhobenen Daten landwirtschaftlicher
Betriebe zu simulieren, zur einem verbesserten Ver -
ständnis der Mechanismen der Hofaufgabe im schweizeri-
schen Alpenraum bei. Und auf dem Gebiet der
«Integrierten Modelle» hat die Forschung des NFP 48 ins-
besondere mit dem Projekt Alpscape einen Beitrag zur
Integration verschiedener disziplinärer Modelle anhand
von Szenarienanalysen geleistet.
Kommunikation durch Visualisierung
Während die Berechnung von komplexen Entschei dungs -
grundlagen die Hauptaufgabe bildet, wird die Visuali sie -
rung als Querschnittsaufgabe betrachtet (Abbildung 3-5).
Eine sinnvolle realitätsnahe Visualisierung muss nicht
an ein Simulationsmodell gekoppelt sein, sondern kann
je nach Bedarf aus manipulierten Bildern oder aus 3D-
Visualisierungen des geplanten Vorhabens bestehen
(siehe auch Kapitel 3.2.3). Doch im Gegensatz zu dem oft-
mals recht abstrakten Output von Simulationsmodellen in
Form von Indikatorwerten oder Karten, der sich vorwiegend
an Experten wendet, kann man mit einer realitätsnahen
Visualisierung auch Adressaten erreichen, die über wenig
Erfahrung in der Raum- und Landschaftsplanung verfügen.
Neben der Öffentlichkeit gilt dies auch für wichtige
Entscheidungsträger in der Politik.
Die NFP 48-Forschung hat mit dem Projekt Ipodlas ein
Konzept zur Integration von Werkzeugen zur Verwaltung
von (räumlichen) Daten, von Simulationsmodellen und von
Visualisierungsinstrumenten geschaffen. Diese Integra tion
ermöglicht es, den umständlichen Transfer zwischen den
verschiedenen Instrumenten zu erleichtern und damit die
Simulationsresultate sofort zu visualisieren (Isenegger et
al., 2005). Das Ergebnis einer dynamischen Simulation
kann damit direkt als Film präsentiert werden. Das Projekt
Alpsim geht noch einen Schritt weiter. Einerseits wird die
Landschaft photorealistisch visua li sie rt, und andererseits
erfahren die Agenten des Modells «visuelle» Reize in die-
ser virtuellen Landschaft und reagieren darauf mit ihrem
Verhalten (Cavens und Lange, 2004; Gloor et al., 2004).
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3 EINSATZ VON MODELLEN IN DER RAUM- UND LANDSCHAFTSPLANUNG 67
Bewertung anhand von Indikatoren
Bewertungsansätze werden immer wieder sehr kontrovers
diskutiert, so auch in der Begleitgruppe. Obwohl die auto-
matisierte, objektive Bewertung von Landschafts ein grif -
fen und Entwicklungsoptionen in vielen Ohren sehr viel-
versprechend klingt, wird sie nicht als zentrale Aufgabe
von computergestützten Hilfsmitteln betrachtet. Selbst
von Be fürwortern wird sie eher als Zusatzfunktion eines
Simu la tionsmodells eingestuft («nice-to-have»), siehe Ab -
bil dung 3-5.
Obwohl dies eine eher zwiespältige Haltung der Begleit -
gruppe aufzeigt, ist zu bedenken, dass die Bewertung einer
Landschaftsveränderung nicht immer trivial ist und eine
automatisierte Bewertung durch einen Experten in man-
chen Fällen nützlich sein kann (z.B. Mortberg et al., 2007).
Die NFP 48-Forschung trägt zur Entwicklung von Ins tru -
menten zur Bewertung von Landschaftseingriffen mit den
Projekten Ecosysserv und Alpro bei. In Alpro wurden
Methoden zur systematischen und vielschichtigen Be wer -
tung von Landschaftseingriffen anhand von Befragungen
Abbildung 3-5
Verschiedene Funktionen von Modellen und ihr Beitrag zum Entscheidungsprozess
Quelle: in Anlehnung an Bishop, 1998.
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NFP48 THEMATISCHE SYNTHESE V68
entwickelt (Baumgart et al., 2005). Sie ermöglichen ein
Meinungsbild zu erstellen, beziehen sich aber nicht auf
eine automatisierte Bewertung von Simulations ergeb nis -
sen. Im Projekt Ecosysserv stehen verschiedene Metho -
den der Monetarisierung von Landschaftsveränderungen
im Vordergrund (z.B. Grêt-Regamey et al., 2007). Dabei
werden auch Methoden entwickelt, die zur automatisier-
ten Bewertung von Simulationsergebnissen von grösster
Bedeutung sein könnten, wie z.B. die Übertragung von
punktuellen Befragungsergebnissen auf die Fläche oder
die Vergleichbarkeit der Bewertung für verschiedene
Landschaftsfunktionen (Grêt-Regamey et al., im Druck).
Partizipative Lernprozesse
Wenn man vom Potenzial von Modellen in der Landschafts-
und Raumplanung spricht, soll auch auf die Potenziale der
Modellierung als Methode angesprochen werden. Eine ge -
meinsame Modellierung kann in partizipativen Pro zessen
ein Augenöffner und eine grosse Hilfe beim Finden ge -
meinsamer Lösungen sein. So weist auch die Synthese III
«Landschaften gemeinsam gestalten» auf den Einsatz von
Modellierung im Rahmen partizipativer Prozesse hin.
Modellierungen im Rahmen partizipativer Prozesse
erlebt nach einer ersten Hochphase in den 1970ern in den
letzten Jahren wieder einen grossen Bedeutungszuwachs
(Antunes et al., 2006; Förster und Kytzia, 2004; Hare et al.,
2003; van den Beld, 2004). Sie wird insbesondere bei der
komplexen und unscharfen Entscheidungssituationen
erfolgreich eingesetzt («messy problems» nach Vennix,
1999). Im Gegensatz zum Einsatz von Modellen für kom-
plexe Analysen und Voraussagen steht dabei nicht das
Modell im Vordergrund, sondern der Modellierungs pro -
zess an sich (van den Beld, 2004).
Durch die partizipative Modellierung wird innerhalb
einer Gruppe ein gemeinsames Problemverständnis eta-
bliert, die Abgrenzung des betroffenen Systems festgelegt
und die Wirkungsweise zwischen einzelnen Elementen
dieses Systems definiert. Mit dem daraus entstehenden
Modell können die Reaktionen des Systems auf äussere
Veränderungen simuliert werden. Das Modell kann dabei
rein qualitativ, aber auch semi-quantitativ oder quantitativ
sein (siehe auch Kapitel 3.2.3). Neben den Simulations er -
gebnissen wird insbesondere das gemeinsam erworbene
Systemverständnis als Produkt des Modellierungs pro zes -
ses betrachtet, was bei schlecht abzugrenzenden, viel-
schichtigen Entscheiden zur Lösung beitragen kann. In Ab -
bildung 3-4 wäre eine derartige Modellanwendung weit
links auf der Seite der Lernhilfen anzusiedeln.
Erklärende Analyse
Analytisch-erklärende Ansätze werden vorwiegend in der
Forschung eingesetzt. Dabei verfolgen sie das Ziel, allge-
mein gültige Erkenntnisse zu generieren (Abbildung 3-5).
Trotzdem können auch diese Ansätze für die Planung rele-
vant sein. Zum einen wird dabei Wissen gewonnen, das für
die Praxis bedeutsam sein kann. Zum anderen könnte die
Praxis davon profitieren, in Zukunft Modellierung ebenfalls
als eine Analysemethode einzusetzen (siehe auch Kapitel
3.2.6).
Ein Beispiel aus der NFP 48-Forschung ist das Projekt
Schutz wälder. Dort wurde zuerst ein Modell zu For -
schungs zwecken entwickelt (Stoffel et al., 2006; Wehrli et
al., 2005, 2007). Und in einem zweiten Schritt wurden die
Ergebnisse aus dieser Forschung zur Ent wicklung eines
Werkzeugs für die Praxis genutzt (Brang, 2002; Brang et
al., 2004).
3.2.6 Etablierung von Modellen in
der Planungskultur
Die mangelnde Erfahrung im Umgang mit Modellen und
die Tatsache, dass sie in der Planung so wenig eingesetzt
werden, weisen auf einen beträchtlichen Kommunika tions-
bedarf zwischen Entwicklern und potenziellen Anwendern
hin. Potenzielle Anwender müssen mit den Möglichkeiten
der entwickelten Werkzeuge vertraut sein, um ihren Ein satz
in Erwägung zu ziehen.
Vonk et al. (2005) schlagen zur Etablierung von Model -
len in der Planungskultur professionelles Marketing vor,
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3 EINSATZ VON MODELLEN IN DER RAUM- UND LANDSCHAFTSPLANUNG 69
3.3 Leitfaden zur Beurteilung des
Einsatzbereiches der Modelle
Um interessierten Praktikern eine bessere Übersicht über
computergestützte Methoden und Modellierungs tech ni ken
in der Raum- und Landschaftsplanung, ihre Poten zia le und
ihre Grenzen zu vermitteln, wäre die Entwicklung eines
Leitfaden mittelfristig von grosser Hilfe.
Ein Überblick über bereits zur Verfügung stehende Mo -
delle in der Raum- und Landschaftsplanung wurde bereits
von mehreren Autoren und Institutionen herausgegeben
(Brail und Klosterman, 2001; Geertman und Stillwell, 2004;
USEPA, 2000). Diese Veröffentlichungen beziehen sich
aller dings nur auf bereits existierende Modelle und haben
ihren Fokus auf Simulationsmodellen und Bewertungs-
werkzeugen.
Die wichtigsten Schritte bei der Auswahl eines solchen
Modells können hier zusammengetragen werden. Der ei -
gent lichen Auswahl eines Modells oder Tools vorausge-
hend muss sich der Anwender über einige Fragen erst
selbst klar werden (Abbildung 3-6). Zuerst muss die vor-
liegende Problemstellung genau erfasst und die eigent-
liche Frage formuliert werden. Davon muss die Information
abgeleitet werden, die man mit Hilfe des Modells berechnen
möchte. In diesen beiden Schritten geht es um die inhalt-
liche und funktionale Ausrichtung des Modells. Damit kann
auch der Kreis der möglicherweise passenden Modelle
deutlich eingeschränkt werden. Die US Environ mental Pro -
tection Agency (2000) hat in ihrer Zusammen schau bei-
spielsweise 22 existierende und erhältliche Simu la tions -
modelle und Bewertungsinstrumente vorgestellt. In dieser
Zusammenschau wird zwischen Land nut zungsmodellen,
Ver kehrsmodellen, Wirtschaftsmodellen und Environmental-
Impact-Modellen unterschieden (USEPA, 2000). Somit
werden die vier wichtigsten inhaltlichen Schwerpunkte
fest gehalten. Diese Unterscheidung ist allerdings bei
Weitem nicht ausreichend für die Auswahl eines Modells
im Einzelfall, werden doch allein für die Verkehrsmodelle
vier weitere Untergruppen differenziert.
wie es zum Beispiel auch im Bereich der GIS-Anwen dun -
gen in den 1990ern grossflächig erfolgreich war. Diesen
Vorschlag halten wir nur für bedingt hilfreich, da die
Vielfalt an Funktionen und inhaltlichen Ausrichtungen bei
Modellen sehr gross ist. Wir sehen dagegen ein grosses
Potenzial im direkten Know-how-Transfer durch eine ver-
besserte Zusammenarbeit zwischen den Entwicklern und
den (potenziellen) Nutzern von Modellen.
Im Rahmen von aktuellen Planungsprojekten kann die
Zusammenarbeit über Qualifikationsarbeiten wie Diplom-
und Doktorarbeiten gefördert werden. Qualifizierte und im
Umgang mit Modellen erfahrene Fachleute würden ent-
sprechend auch danach auf dem Arbeitsmarkt zur Einbin -
dung in die Planung zur Verfügung stehen.
Umgekehrt kann die Forschung auch Anwender und Ent -
scheidungsträger ansprechen, in dem sie sie in vergleichs-
weise kleinere, oftmals weniger dringliche Projekte direkt
mit einbezieht. Dies entspricht dem Ansatz, den das NFP 48
mit seiner Forderung nach Transdisziplinarität verfolgt und
gefördert hat. Die potenziellen Anwender der Instrumente
oder zumindest des generierten Wissens sollten frühzeitig
in die Forschungsprojekte eingebunden werden, am
besten direkt bei seiner Ausformulierung. Wie erfolgreich
diese Strategie war, ist von einem Projekt zum anderen
sehr unterschiedlich. Am Beispiel Alpscape kann man zum
Beispiel sehen, dass zwar das Modell nicht weiter in der
Region zum Einsatz kommt, die Ergebnisse jedoch teil-
weise in die Ausarbeitung eines Leitbilds für die Land -
schaft Davos einflossen (Thalmann, 2006).
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NFP48 THEMATISCHE SYNTHESE V70
Abbildung 3-6
Die wichtigsten Vorüberlegungen zur Auswahl eines geeigneten Modells im einzelnen Anwendungsfall
Quelle: Entwurf nach USEPA, 2000.
Was ist genau die Frage, die ich habe?
Welche Informationen suche ich?
Über welche Ressourcen verfüge ich?
Welches Modell ist für mich das richtige?
Bewertungsschema für alternative Modelle
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3 EINSATZ VON MODELLEN IN DER RAUM- UND LANDSCHAFTSPLANUNG 71
Tabelle 3-1
Bewertungsschema zur Auswahl eines geeigneten Modells im einzelnen Anwendungsfall
Merkmal
Inhaltliche Ausrichtung/Relevanz
Funktion des Modells
im Entscheidungsprozess
Zeitliche und räumliche Auflösung
Genauigkeit
Interaktivität
Form des Outputs/Visualisierung
Verknüpfungspotenzial
Übertragbarkeit
Datenanforderungen
Technische Erfahrung
Ressourcen
Support
Erfahrung anderer Anwender
Summe
1niederes Gewicht = 1 bis 5 = hohes Gewicht
2erfülllt gewünschte Eigenschaft nicht = 0 bis 10 = erfüllt gewünschte Eigenschaft optimal
Quelle: Entwurf nach USEPA, 2000, verändert nach Chang und Kelly, 1995.
Gewichtung1
G
Bewertungsskala2BW
Alternative Möglickeiten
Modell #1 Modell #2 Modell #3
BW BW x G BW BW x G BW BW x G
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NFP48 THEMATISCHE SYNTHESE V72
Landschaftsplanung hierarchisch gegliedert werden und
somit einen relativ einfachen Zugang für den Laien her-
stellen. Damit könnte man Praktikern ein Hilfsmittel an die
Hand geben, mit dem sie sowohl den Aufwand als auch
den Mehrgewinn durch die Anwendung bestimmter
Methoden und Modelle im Voraus gut abschätzen könn-
ten. Abbildung 3-7 stellt eine Skizze eines solchen
Entscheidungsbaumes dar.
Aus diesem Grund ist eine gut formulierte Frage aus-
schlaggebend, um mit der Auswahl eines Modells zu be -
ginnen. Dann muss der potenzielle Nutzer seine Ressou r -
cen abschätzen. Es gilt dabei den Aufwand, den der Nutzer
sich leisten kann und will, abzuschätzen. Neben den finan-
ziellen Ressourcen sind die technische Erfahrung im Um -
gang mit Modellen, das Zeitbudget und die Ver füg barkeit
und Aufbereitung von Daten entscheidende Punkte.
In einem weiteren Schritt muss nun die Wahl des geeig-
neten Modells erfolgen. Kriterien und ein Bewertungs -
schema zur Auswahl eines geeigneten Modells im einzel-
nen Anwendungsfall werden in Tabelle 3-1 aufgezeigt.
Dieser Kriterienkatalog ist das Ergebnis der Zusammen -
arbeit mit der Begleitgruppe (vor allem Workshop 2, siehe
Anhang) und der einschlägigen Literatur zu diesem Thema
(z.B. Brail und Klosterman, 2001; Geertman und Stillwell,
2004; USEPA, 2000).
Die bisher aufgezeigten Veröffentlichungen geben einen
guten Überblick über die Eigenschaften und die Auswahl -
kriterien für bereits existierende Simulationsmodelle und
Bewertungswerkzeuge (Brail und Klosterman, 2001;
Geert man und Stillwell, 2004; USEPA, 2000). Sie geben
allerdings keinen Gesamtüberblick über die Möglichkeiten
von Modellierungsansätzen und computergestützten Werk-
zeugen, die ja nicht unbedingt an Simulations modelle
gebunden sein müssen. So berücksichtigen sie nicht, dass
computergestützte Werkzeuge in der Visualisierung einen
wichtigen Beitrag zum Entscheidungsprozess liefern kön-
nen oder dass die partizipativen Modellierungsansätze
Entscheidungsprozesse strukturieren können.
Wir schlagen einen umfassenden Leitfaden vor, der nicht
nur existierende Modelle beschreibt, sondern eine Metho -
denanleitung darstellt, die das in Kapitel 3.1 beschriebene
Spektrum an Planungsinstrumenten und -methoden ein-
schliesst. Eine Möglichkeit zur Ausarbeitung dieses Leit -
fadens sehen wir in der Entwicklung eines Entschei dungs -
baumes, wie er in Abbildung 3-7 gezeigt wird. In dieser
Baumstruktur können Entscheidungskriterien für ver-
schiedene Techniken und Modelle in der Raum- und
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3 EINSATZ VON MODELLEN IN DER RAUM- UND LANDSCHAFTSPLANUNG 73
Abbildung 3-7
Skizze eines Entscheidungsbaumes zur Beurteilung von Modellen und Hilfsmitteln in der Raum- und Landschaftsplanung
Quelle: Eigene Darstellung.
Wie könnte sich
eine globale Klimaerwärmung
auf die Tourismusregion
Davos auswirken?
Welche Verjüngung ist
im Waldbestand notwendig, so dass
der Bestand langfristig das Stein-
schlagrisiko vermindert?
Was für einen Einfluss
haben Errichtung und Betrieb
einer grossen Ferienanlage auf den
Lebensraum und die Tourismus-
destination Mürren?
|
Möchte ich die Auswirkungen
eines Entscheides bzw.
von veränderten Rahmen-
bedingungen abschätzen?
|
Möchte ich alternative Zukunfts-
entwicklungen gegenüberstellen?
|
Wie weit in die Zukunft möchte/
kann/muss ich gehen?
|
Brauche ich einen dynamischen Ansatz?
|
Welche zeitliche Auflösung ist nötig?
|
Brauche ich eine räumlich
explizite Modellierung?
|
Welche räumliche Auflösung ist nötig?
|
Existieren bereits Modelle, die sich mit
dieser Fragestellung auseinandersetzen?
|
Arbeiten sie auf den richtigen zeitlichen
und räumlichen Skalen?
|
Kann ich ein existierendes Modell
für meine Fragestellung anpassen?
Muss ich es speziell für meinen
Einsatz neu kalibrieren?
|
Entwickele ich besser ein eigenes Modell?
|
Welche methodischen Ansätze kommen
in Frage? Optimierungsansätze, Multi-Criteria-
Ansätze, Input-Output-Analyse, agenten-
basierte Ansätze, integrierte Ansätze
|
|
Möchte ich
vorhandene Daten-
sätze analysieren?
|
|
Verbesserte Datengrundlagen
für Einzelentscheide liefern
|
|
|
Veränderungen
systematisch bewerten
|
Wie lautet die genaue Fragestellung?
|
Welche Funktion soll mein
Hilfsmittel oder Modell erfüllen?
|
|
|
Gemeinsames System- und
Problemverständnis herstellen
|
|
Allgemein gültige
Zusammenhänge finden
|
|
Einen visuellen
Eindruck geben
|
|
Möchte ich
Erhebungen
durchführen?
|
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4 VIRTUELLE REPRÄSENTATION – VOM «SCHÖNEN BILD» ZUM HILFREICHEN PLANUNGSINSTRUMENT 75
Virtuelle Repräsentation –
vom «schönen Bild»
zum hilfreichen
Planungsinstrument
4
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NFP48 THEMATISCHE SYNTHESE V 76
4 Virtuelle Repräsentation –
vom «schönen Bild» zum
hilfreichen Planungsinstrument
Er besticht – der geplante «Bienenwabenturm» auf der
Schatz alp! Aber ist die Realisierung auch möglich? Was
bedeutet er für das Landschaftsbild, was für die regionale
Wirtschafts- und Tourismusentwicklung? Diese Fragen
müs sen Baustatiker, Baufachleute, Touristiker, Finanz-
und Wirtschaftsexperten, Planer und schliesslich Bau her -
ren beantworten. Bevor sie dies jedoch tun, greifen sie oft
auf die «Kraft der Bilder» zurück, seien diese statisch oder
animiert.
Bauvorhaben und Grosseingriffe in die Landschaft wer-
den zwar im 2D-Plan millimetergenau geplant, so richtig
vorstellen können sich diese die meisten Betrachter –
namentlich die meisten Entscheidungsträger – erst, wenn
3D-Modelle oder 3D-Animationen zur Verfügung stehen.
Abbil dung 4-1 (des geplanten Schatzalpturms) repräsentiert
eine statische Variante. Diese kombiniert eine terrestrische
Photographie mit der im Computer erzeugten Dar stel lung
des Schatzalpturms sowie die übrigen erforderli chen bau-
lichen Veränderungen an der bestehenden Bau sub stanz.
Der gewählte Blickwinkel lässt den Turm «greifbar» er -
scheinen, da der Betrachter gleichsam auf den Turm hin-
unterschaut oder sich mit ihm auf «Augenhöhe» befindet.
Auf diese Weise verliert der Turm etwas an seiner zuweilen
kritisierten Monumentalität, die den Betrachter zu irritie-
ren vermag, wenn er von «unten» zum Schatzalpturm hin-
aufschaut. Die photographische Grundlage für Abbildung
4-1 ist eine Flugaufnahme. Sie ist damit eine ge schickte
An leh nung an das verkleinerte Kartonarchi tek tur modell,
welches zwar einen 3D-Eindruck vermittelt, aber doch die
1:1-Situation nicht wiederzugeben vermag.
Ob wir es wollen oder nicht: Solche Darstellungen beein-
flussen unsere Entscheidungen, sei es als möglicher Käufer
einer solchen Liegenschaft oder als Stimmbürger, der über
eine Zonenplanänderung abstimmen muss. Die wenigsten
Menschen werden den Schatzalpturm in Natura je so
sehen wie er auf der Abbildung 4-1 dargestellt ist – die
Mehrzahl der Menschen in Davos bewegt sich auf dem
Boden fort. Trotzdem wird so eine beinahe «intime» Sicht
ermöglicht, die eine Identifikation mit dem Turm eher zu -
lässt als die eventuell Ehrfurcht bis Beklemmung aus-
lösende Froschperspektive.
Dass diese «Quasi-Vertrautheit» mit ebenso suggesti-
ven wie einfachen Mitteln über den Haufen geworfen wer-
den kann, zeigt das Beispiel des Neubaus des National -
parkzentrums in Zernez (vgl. Kapitel 3.2.3, Abbildung 3-2).
Eine einfache, plakative Darstellung des Neubaus, der die
Sicht auf das unter Heimatschutz stehende Schloss
Planta-Wildenberg verwehrt, reichte, um das Baubewil-
li gungsverfahren in Frage zu stellen und schlussendlich
einen neuen Bausstandort zu erzwingen. Bauherren, Planer
und Software-Entwickler tun gut daran, solche Reaktionen
zu antizipieren und dem «Kunden» ihrer Produkte die
Darstellung aller Perspektiven und Möglichkeiten zu ge -
währen. Dann wird der fruchtbare Dialog, das fruchtbare
Variantenstudium erst möglich. Dann erfüllen virtuelle com-
putergestützte Visualisierungstechniken ihre Bestim mung
und werden zum wertvollen Instrument oder Werk zeug für
Planung und Praxis.
Kapitel 4 soll Einblick geben in das, was hinter compu-
terbasierten Planungsinstrumenten und Landschafts ana -
lyse instrumenten steckt und wie diese durch Benutzer wie
auch Entwickler erschlossen werden können. Da im NFP 48-
Programm viele Modellierungen durchgeführt wurden,
liegt es auf der Hand, dies an den analysierten Beispielen
zu demonstrieren.
Die grosse Schwierigkeit für diese Synthese besteht nun
darin, dass die analysierten NFP 48-Projekte mit Model lie -
rungscharakter sowohl thematisch wie räumlich nicht
über einstimmen. Dies ist teilweise begründbar aus der
(ursprünglichen) Datenverfügbarkeit heraus, die oft auf
persönlichen Kontakten der jeweiligen Antragsteller be -
ruht, als auch verständlich im Sinne eines Versuches,
Resul tate geographisch breiter zu streuen. Im Sinne der
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4 VIRTUELLE REPRÄSENTATION – VOM «SCHÖNEN BILD» ZUM HILFREICHEN PLANUNGSINSTRUMENT 77
Abbildung 4-1
Der geplante Schatzalpturm
Quelle: © Herzog & de Meuron, in: Wettbewerbsfähige Strukturen und Aufgabenteilung
im Bündner Tourismus, AWT Graubünden, Chur, 2006.
Synthese wäre es jedoch sehr viel einfacher, wenn sich
alle Computeranwendungen auf dieselbe geographische
Region bezogen hätten. Unterschiede in der Daten notwen -
digkeit, in der räumlichen und zeitlichen Auflösung, im
Aufwand seitens der Entwickler oder der Bediener (User)
wären dann offensichtlicher, Aspekte wie allgemein auf-
tretende Probleme oder thematische Lücken und fehlende
Modelle auch.
Da die Vorraussetzung der Homogenität nicht gegeben
ist, stellt die Synthese V eine Technik vor, welche dies we -
nig stens zum Teil kompensiert und gleichzeitig an schau -
lich ist im Hinblick auf einen konstruktiven Dialog zwi-
schen Entwicklern und Anwendern von Computer anwen -
dungen. Es ist dies die Technik des so genannten «Use
Case» (z.B. Cockburn, 2001; Isenegger et al., 2005), zu
Deutsch «Anwendungsfall».
Ein Use Case ist eine informelle Beschreibung eines
typischen Anwendungsfalles einer Computeranwendung.
Use Cases bieten die Möglichkeit, komplexe Sach- und
Modellverhalte auf Einzelschritte herunterzubrechen und
daraus die erforderlichen Software-Anforderungen abzu-
leiten. Bei zielgerichteter Software-Entwicklung ist es im
Allgemeinen für beide Seiten von Vorteil, vor und während
der Entwicklungsarbeit mehrere solcher Use Cases durch-
zusprechen und zu dokumentieren. Use Cases können als
Vorstufen zu exakten Programmspezifikationen dienen
und sind in vielen Fällen auch als pragmatischer Ersatz
solcher Spezifikationen nützlich, nicht zuletzt in dem
Sinne, dass gemeinsam entwickelte Use Cases besser sind
als nie geschriebene Spezifikationen.
Anhand eines exemplarisch durchgespielten (didakti-
schen) Use Cases und Beispielen aus den NFP 48-Projekten
möchten wir in Kapitel 4 in diese Technik einführen und
dabei auch der Praxis in die Hand spielen, die grosse Hoff -
nung in die Verwendung virtueller Planungsinstrumente
setzt. Ein virtueller Stausee, eine virtuelle Strasse können
per Mausklick verändert oder gelöscht werden – einmal
Gebautes lässt sich nicht mehr so leicht «wegeditieren».
Ergänzend zu diesem Kapitel wurde eine Begleit-CD-ROM
angefertigt, die verschiedene Beispiele enthält.
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Walz, Ariane et al.: Virtuelle Welten - reale Entscheidungen? Die Alpen im Modellbaukasten, © vdf Hochschulverlag 2009
NFP48 THEMATISCHE SYNTHESE V 78
4.1 Wie entwickelt man
die fallspezifische, individuell
angepasste Software-Lösung?
4.1.1 Der Anwendungsfall –
oder von der «kleinen Geschichte»
zur Funktionalitätenliste
Unter einem Use Case oder Anwendungsfall verstehen wir
Folgendes, zitiert aus dem dieser Synthese V zugrunde
liegenden Proposal:
«A use case provides a description of the behavior of a
specific software system in a typical use as experienced
from the perspective of the main actors/users. The des-
cription is made either in form of a story (procedural,
yet informal) or more formally (e.g. decision table, state
transition diagram).»
Wir sind der Meinung, dass es von grosser Wichtigkeit
ist, die entwickelten Methoden auch in «echten» Sze na -
rien anzuwenden. Die der Synthese V zugrunde liegenden
Projekte waren sehr ambitiös und breit gefächert. Use
Cases können helfen, die Komplexität herunterzubrechen:
Sie bilden sozusagen einen Sandkasten, angesiedelt zwi-
schen Theorie und Wirklichkeit, mit dessen Hilfe eine
Brücke zwischen den Entwicklern und den Anwendern von
Software gebaut werden kann. Der Use Case ermöglicht
den Dialog zwischen den Anwendern und den Autoren
oder Software-Entwicklern, in dem er die Anforderungen
und Wünsche der ersteren formuliert und gleichzeitig die
Vorlage für die Entwickler liefert, welche diese nachher in
Software-Funktionalitäten übersetzen müssen.
4.1.2 Von der Idee zur Realisierung –
wer nimmt welche Rolle ein?
Im Idealfall sitzen Auftraggeber (Anwender/User) und Auf -
tragnehmer (Entwickler) am gleichen Tisch. Die Auftrag -
geber sind in der Regel die Entscheidungsträger oder
Stakeholder-Gruppen beziehungsweise deren Vertreter;
die Auftragnehmer sind die Planer und/oder Modellierer –
und im Glücksfall auch die Software-Entwickler.
Halten sich beide Seiten an abgemachte Spielregeln,
wie die Anwendungsbeispiele entwickelt werden können,
steht einem erfolgreichen Use Case-Entwicklungsprozess
nichts im Wege.
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4 VIRTUELLE REPRÄSENTATION – VOM «SCHÖNEN BILD» ZUM HILFREICHEN PLANUNGSINSTRUMENT 79
Stand orte für ihre Ausführungen sind. Resultat soll eine
Animation (Film) sein, die eine mögliche und besonders
schöne Wanderung zum Schatzalpturm hin zeigt und
die auf der Homepage von Davos Tourismus aufge-
schaltet wird.»
Von dieser trivial anmutenden Geschichte zur Software-
Spezifikation braucht es einige Schritte. Auf den ersten
Blick ist nicht klar erkennbar, welcher Strang der Ge -
schichte auf welche Funktionalität abzielt. Geht es um die
Berechnung einer Wertschöpfungskette oder um eine sim-
ple Sichtbarkeitsberechnung von einem Wegnetz aus?
Oder geht es um beides?
Dies herauszufiltern und eine Sequenz von Aktionen
(«sequenced action list») oder Einzelschritten zu definie-
ren ist nun die Aufgabe eines guten Software-Entwicklers.
Je klarer dabei die Einzelschritte dieser verschachtelten
Use Case-Geschichte von einander unterschieden werden
können, desto leichter fällt es, die Funktionalitäten zu er -
kennen und die Spezifikationen zu formulieren.
Erforderliche GIS-Funktionalitäten
Einlesemöglichkeiten von Vektor- und Rasterdaten
Selektionsmöglichkeiten für verschiedene Feature-
Klassen (Linien, Punkte, Flächen, Rasterzellen/Pixel,
Aggregationen von Rasterzellen/Pixeln etc.)
Berechnung von Gehzeiten auf einzelnen Linien ab-
schnitten in Abhängigkeit von Steigung und Marsch-
geschwindigkeiten
Berechnung von Sichtbarkeitsbereichen von einem
bestimmten Beobachterstandort aus in Abhängigkeit
von Blickwinkel und Blickrichtung
Verschneidefunktionen (Overlay-Funktionen) für
verschiedene Feature-Klassen
Export-/Importfunktionen (Schnittstellen) zu
weiterer erforderlicher Software
Bei genauerer Betrachtung «zerfällt» diese Geschichte in
drei Haupteile beziehungsweise folgende Aktionen
(Tabelle 4-1a):
4.2 Ein didaktisches Beispiel –
Belegung der Wanderwege rund
um den Schatzalpturm
Was soll eine Software können? Die meisten Anwender
haben keine spezifischen Software-Entwicklerkenntnisse.
Dies brauchen sie auch nicht. Es reicht, wenn das User
Interface so gut ist, dass die Anwender sich intuitiv und
unter Verwendung assoziativen, passiven Wissens zur ge -
wünschten Funktionalität «durchklicken» können. Damit
Entwickler nun aber herausfinden können, was Anwender
brauchen, hilft es, wenn diese eine «Geschichte» schrei-
ben, was sie mit der Software machen wollen. Eine solche
Geschichte wird anschliessend in eine Folge von Aktionen
zerlegt, die einer semi-formalen Beschreibung gleich-
kommt und die dazu dient, die gewünschten Funktio nali -
täten zu identifizieren. Im Falle virtueller Planungs- und
Land schaftsanalyseinstrumente geht es in erster Linie da -
rum, herauszufinden, welche (räumlichen) GIS-, welche
zeitlichen und welche 2D- und/oder 3D-Darstellungs funk -
tionalitäten erwünscht sind.
Das folgende Beispiel zum geplanten Schatzalpturm in
Davos ist fiktiv. Es hat didaktischen Charakter und soll in
keiner Weise den Schatzalpturm neu erfinden, sondern
ledi glich aufzeigen, wie Software-Spezifikationen entste-
hen können. Die «kleine Geschichte» dazu lautet wie folgt:
«Der Davoser Landammann sitzt im Rathaus und über-
legt, was der Schatzalpturm der Gemeinde Davos bringt.
Zum einen erwartet die Gemeinde durch den Verkauf
der Wohnungen finanzkräftige Zweitwohnungsbesitzer,
die wiederum ihren Bekanntenkreis dazu animieren,
nach Davos zu kommen. Zum andern könnte Davos Tou -
rismus geführte Architekturwanderungen zum Schatz -
alp turm anbieten und so den Bekanntheitsgrad von
Davos noch fördern. Erstrebenswert dabei ist, den
Schatz alpturm im besten und interessantesten Licht zu
zeigen. Dazu sollen die fachkundigen Wanderleiter tes-
ten, welches die besten Zugänge und ungestörten
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NFP48 THEMATISCHE SYNTHESE V 80
Tabelle 4-1a
Aktionsliste – Übersicht 1
A
B
C
Die Hauptteile können wiederum in weitere Einzelschritte
zerlegt werden (Tabelle 4-1b):
Tabelle 4-1b
Aktionsliste – Übersicht 2
A1
A2
B1
B2
B3
C1
C2
Landammann schätzt Verkaufsmöglichkeiten und Wertschöpfung des Turms ab
Wanderleiter muss optimale Begehungs- und Besichtigungsstandorte berechnen
Wanderleiter simuliert mögliche Wanderung und speichert sie als Animation ab
Landammann benötigt Verkaufspreise für Wohnungen im Turm
Landammann berechnet Wertschöpfungspotenzial der einzelnen Wohnungen
Wanderleiter berechnet Gehzeiten auf Wegnetz
Wanderleiter führt Sichtbarkeitsanalysen durch
Wanderleiter bestimmt optimale Aussichtspunkte
Wanderleiter simuliert mögliche Wanderungen
Wanderleiter speichert Wanderungen als Animation ab
.
In unserem Beispiel konzentrieren wir uns auf die Schritte
B1, B2 und B3 sowie C1 und C2. Diese können dem Gebiet
der Landschaftsanalyse zugeordnet werden. Die Behand -
lung der Schritte A1 und A2 würde Modelle aus der Öko-
nomie und Betriebswirtschaft erfordern. Damit B1 bis B5
durchgeführt werden können, braucht es eine weitere Ver -
feinerung der sequenziellen Aktionsliste. Anhand der fol-
genden sequenziellen Aktionsliste (Tabelle 4-1c) können
an schliessend die erforderlichen Funktionen sowie Soft -
ware-Umgebungen abgeleitet und in die Implementation
der massgeschneiderten Software-Lösung einbezogen
werden. Dabei wird analysiert, was Standardfunktionen
und was neu zu implementierende Funktionen sind.
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4 VIRTUELLE REPRÄSENTATION – VOM «SCHÖNEN BILD» ZUM HILFREICHEN PLANUNGSINSTRUMENT 81
Tabelle 4-1c
Detaillierte sequenzielle Aktionsliste zur Ableitung der erforderlichen Software-Funktionalitäten und -Spezifikationen
B1.1
B1.2
B1.3
B1.4
B1.5
B1.6
B1.7
B1.8
B1.9
B2.1
B2.2
B3.1
B3.2
B3.3
B3.4
B3.5
C1.1
C1.2
C1.3
C2.1
C2.2
C2.3
C2.4
Wanderleiter startet GIS
Wanderleiter lädt Wegnetz in das GIS
Wanderleiter wählt gewünschte Wanderstrecke
Wanderleiter wählt Ausgangs- und Endpunkt der Wanderung
Wanderleiter lädt dazugehöriges digitales Geländemodell in das GIS
Wanderleiter startet Berechnung der Gehzeit für Hinweg
Wanderleiter speichert die berechnete Gehzeit Hinweg
Wanderleiter startet Berechnung der Gehzeit für Rückweg
Wanderleiter speichert die berechnete Gehzeit Rückweg
Wanderleiter bestimmt Beobachterstandort und -zielpunkt für Sichtbarkeitsanalyse
Wanderleiter wählt Turmstandort für erste Annäherung, was sichtbar ist
Wanderleiter verschneidet Sichtbarkeitsbereich Turm mit Wegnetz
Wanderleiter wählt neue Beobachterstandorte im Sichtbarkeitsbereich
Wanderleiter wählt Turm als Beobachterzielpunkt («target point»)
Wanderleiter berechnet neue Sichtbarkeitsbereiche von Aussichtspunkten aus
Wanderleiter speichert neue Sichtbarkeitsbereiche und dazugehörende Beobachterstandorte
Wanderleiter wählt eine mögliche Route mit optimalem Aussichtspunkt
Wanderleiter berechnet Fussgängersimulation(en) auf dieser Strecke
Wanderleiter berechnet mögliche Interaktionen zwischen den Fussgängern
Wanderleiter erstellt ein 3D-Oberflächenmodell mit Textur aus Landnutzung und Wegnetz:
aus den Geländemodell wird die Oberfläche erstellt
Wanderleiter erstellt weitere 3D-Modelle für die Vordergrunddarstellung und fügt diese einzeln
(z.B. Häuser) oder mehrfach ein (z.B. Bäume)
Wanderleiter berechnet mittels Ray Tracing von jedem Punkt, an dem ein Fussgänger in der
Simulation je stand, ein Bild
Wanderleiter fügt die Bilder zusammen und speichert sie als Animation
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NFP48 THEMATISCHE SYNTHESE V 82
Erforderliche Simulationsfunktionalitäten
Simulation eines Wanderers auf einer bestimmten
Wegstrecke
Simulation von Interaktionen mehrerer Wanderer
auf einer bestimmten Wegstrecke
Erforderliche Visualisierungsfunktionalitäten:
Berechnung des 3D-Bildes, das ein Wanderer von
jedem Punkt des zurückgelegten Wegstückes
aus sieht
Zusammenfügen der berechneten Bilder zu
einer Sequenz von Bildern
Abspeichern der Sequenz als Animation (Film)
Die erforderlichen GIS-Funktionalitäten entsprechen mehr-
heitlich Standardfunktionen der meisten gängigen GIS-Sys-
teme und decken die Schritte B1.1 bis B3.5 in Tabelle 4-1c
im Wesentlichen ab. Allerdings ist das Problem der
«besten Standorte» im vorliegenden Beispiel nicht allein
mit einer Sequenz von Abfragen in einem GIS gelöst, auch
wenn die Positionen, von denen aus man den Turm sehen
kann, sich in einem GIS berechnen lassen. Für den «besten
Standort» braucht es auch noch eine Berechnung, wie sich
die Wanderer auf den Wegen und Aussichts plä tzen gegen-
seitig beeinflussen und allenfalls in die Quere kommen,
was im vorliegenden Beispiel den Wander ge nuss beein-
trächtigen würde.
Bei den Simulationsanforderungen (Schritte C1.1 bis C1.3)
wird es schon schwieriger, Standardlösungen zu finden. Es
liegt aber auf der Hand, dass hier die Multiagenten techno -
logie den vielversprechendsten Ansatz bietet. Für die
Visua lisierung (Schritte C2.1 bis C2.4) werden Renderings -
techniken benötigt, die sehr zeitaufwändig sind. Im Fol gen-
den soll der Implementationsaufwand für das gewählte
Beispiel dargestellt werden.
4.2.1 Aufwand für die Herstellung
der gewünschten Schatzalp-Animation
Aufwand für die GIS-Analysen
Eine durchschnittlich versierte GIS-Person führt die gefor-
derten GIS-Standardberechnungen in ca. zwei Tagen
durch, vorausgesetzt, die nötigen räumlichen Daten ste-
hen zur Verfügung und liegen auch in einem GIS-kompati-
blen Datenformat vor. Im vorliegenden Fall können die
Daten der Landestopographie verwendet werden: Vector
25 und DHM25 (© swisstopo). Eine aufwändige Daten -
beschaffung und Datenaufbereitung fallen damit weitge-
hend weg. Die einzelnen Schritte schlagen mit folgendem
Arbeitsaufwand zu Buche:
Datenübernahme und Aufbereitung für Analyse
(DHM25, Vector25: Wegnetz, Siedlungen,
Einzelobjekte) 0.5 Tage
Gehzeitberechnungen 0.5 Tage
Sichtbarkeitsberechnungen und Overlays 0.5 Tage
Abschlussarbeiten und Dokumentation 0.5 Tage
Arbeitsaufwand GIS-Analysen Total 2.0 Tage
Implementationsaufwand für die Fussgänger -
simulation
Grundsätzlich ist der Implementationsaufwand von der
Laufzeit der Simulation zu unterscheiden. Ersterer ist nur
dann notwendig, wenn das Gebiet gewechselt wird (z.B.
von Gstaad – Projekt Alpsim nach Davos) oder wenn die
Art der Simulation grundsätzlich ändert (z.B. von einer
Fuss gängersimulation zu einer Verkehrssimulation). Die
Laufzeit der Simulation fällt bei jeder Auswertung neu an.
Dazu kommt die Visualisierung, die auf den Ausgabedaten
der Simulation aufbaut.
Das agentenbasierte Simulationssystem ist im Projekt
Alpsim bereits entwickelt worden und steht somit für die
Simulationen rund um den Schatzalpturm zur Verfügung.
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4 VIRTUELLE REPRÄSENTATION – VOM «SCHÖNEN BILD» ZUM HILFREICHEN PLANUNGSINSTRUMENT 83
Geht man davon aus, dass am Simulationssystem nichts
verändert werden muss, und dass man sich damit bereits
auskennt, reicht eine kurze Zeit, um es zu installieren und
zu testen. Allenfalls kommt hier die Evaluation dazu, falls
mehrere Systeme zur Wahl stehen.
Simulation aufsetzen 1.0 Tag
Das Geländemodell und das daraufliegende Wander -
weg- und Strassennetz bilden die Grundlage der Dar stel -
lung in der Fussgängersimulation und anschliessenden
Visuali sierung. Auch wenn diese Daten vorhanden sind, ist
eine Adaption nicht auf jeden Fall geradlinig. Besonders in
den Bergen werden an das Geländemodell höhere An for -
de rungen gestellt, es muss entsprechend feinmaschig vor-
liegen, damit die Animation plausibel ausfällt. Es kommt
da her folgender Aufwand dazu:
Geländemodell im richtigen Format 5.0 Tage
Wegnetz im richtigen Format 5.0 Tage
Sind diese Grundlagen vorhanden, kann das Simu-
la tions system zusammengefügt werden. Je nach System
wer den für verschiedene Berechnungen getrennte Pro -
gramm teile verwendet (modulares System). Typische Mo -
dule sind a) die Berechnung der physikalischen Welt,
Kollisionsberechnungen zwischen Fussgänger und Umge -
bung, aber auch untereinander, b) Routenberechnung, c)
Sichtbarkeitsanalysen und d) die Verwaltung der von den
Fussgängern gelernten Daten (das «Gehirn»).
System aufsetzen, zusammenfügen und testen 2.0 Tage
Arbeitsaufwand Simulation Total 13.0 Tage
Aufwand für die 3D-Visualisierung und
Filmherstellung
Für 3D-Visualisierungen aus grossen Distanzen stehen
Programme wie zum Beispiel Google Earth zu Verfügung.
Es scheint so, als ob diese auch geeignet wären, eigene
benutzerdefinierte Daten darin darzustellen. Sobald man
aber Ansichten aus Bodennähe benötigt, leidet die Dar -
stel lungs qualität stark und ist meist nicht ausreichend.
Für die Herstellung des Schatzalp-Films auf der beige-
legten CD-ROM wurde ein eigenes 3D-Oberflächenmodell
mit einer Textur bestehend aus Informationen zur Land -
nut zung und dem Wegnetz erstellt, das anschliessend mit
einem vorhandenen Raytracer in Bilder umgewandelt
wurde. Das Oberflächenmodell enthält 3D-Informationen
zu Bäumen und Häusern, die ebenfalls in die Filmbe rech -
nungen einbezogen werden. Der Aufwand dafür setzte
sich wie folgt zusammen:
Höhenmodell aussuchen, zuschneiden und testen,
evtl. konvertieren nach Rasterformat 2.0 Tage
Umwandeln in Mesh (Dreiecke) 3.0 Tage
Primärnutzflächen: Gras, Geröll etc. 2.0 Tage
3D-Modelle der typischen lokalen Objekte
(Bäume, einfache Pflanzen) 5.0 Tage
Positionen der Bäume und Pflanzen (randomisiert) 5.0 Tage
3D-Modelle von Gebäuden: je nach Genauigkeit 5.0 Tage
Arbeitsaufwand Film Total 22.0 Tage
Ein solches 3D-Modell mit Textur muss nur einmal pro
Gebiet erstellt werden. Im Prinzip wäre ein einziges Modell
für die gesamte Schweiz oder gar Europa ideal, aber die
Datenmenge würde dabei so gross, dass es dann doch
zugeschnitten beziehungsweise unterteilt werden müsste.
Je nach Szenario müssen noch spezifische Gebäude oder
andere Objekte zusätzlich erstellt werden.
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NFP48 THEMATISCHE SYNTHESE V 84
Nach dem Aufsetzen des Szenarios wird die Simulation
gestartet. Für einfache Szenarien wird wenig Rechenzeit
benötigt (wenige Minuten). Die Ausgabe der Simulation
bildet die Grundlage für die anschliessende Visuali -
sierung. Für diese wird allerdings viel mehr Zeit benötigt:
Für die folgende Rechnung wurde ein 3D-Modell mit
200’000 Objekten verwendet (vor allem Bäume und
Boden bedeckungselemente wie Pflanzen und Gräser). Die
Darstellung im Speicher (RAM) des Raytracers ist knapp
500 Megabytes gross.
Die Angaben beziehen sich auf die Verwendung eines
Computers mit 2 GHz CPU und 1 Gigabyte RAM. Raytracing
eignet sich vor allem für Szenen mit Spiegelungen und
transparenten Objekten, was beides in freier Natur selten
vorkommt. Es ist daher möglich, Berechnungsmethoden
zu verwenden, die signifikant schneller sind. Um eine rea-
listische Landschaft zu erzeugen, werden aber vor allem
sehr viele einzelne Objekte benötigt, z.B. Bäume und Ge -
bäude. Das Einlesen dieser Daten dauert in etwa gleich
lange wie das Berechnen und Anzeigen der Szene.
Für ein Bild mit einer Auflösung von 640 x 480 Pixeln
ergeben sich folgende Rechenzeiten:
Einlesen und intern darstellen 1min 58 sek
Berechnen und anzeigen 1min 45 sek
Total 3min 43 sek
Berechnen der Einzelbilder, pro Bild ca. 4min
Es werden mindestens 5 Bilder pro Sekunde Film benö-
tigt – ideal wären 30 Bilder pro Sekunde. Für eine Minute
Film werden im vorliegenden Fall 300 Bilder benötigt:
1Minute Film à 5Bilder/Sekunde 20 Std
Gesamtaufwand für die Herstellung
der Schatzalp-Animation
Addiert man den gesamten Arbeitsaufwand (Tabelle 4-2),
kommt man auf fast zwei Monate Arbeitszeit für die Pro -
duktion von einer Minute Film, dessen Herstellung seiner-
seits noch mindestens 20 Stunden Computerrechenzeit
benötigte. Dies erscheint horrend! Bedenkt man aber, dass
dies die Implementation und Bearbeitung verschiedens-
ter Teilaspekte (Modellanpassungen), die partielle Anpas -
sun gen des Programm-Codes sowie die Modellierung der
neuen 3D-Objekte bedeutet, sieht die Bilanz wieder
anders aus. Auch da gilt, dass sich der Aufwand mit jeder
weiteren Übertragung auf andere Untersuchungsgebiete
reduzieren würde. Vernachlässigbar wird der Aufwand
aber nie, da jedes neue Studiengebiet wieder Anpassun -
gen in der Fragestellung, der Datenverfügbarkeit und der
Simulation erfordert.
Tabelle 4-2
Gesamtaufwand für die Schatzalp-Animation
Arbeitsaufwand GIS-Analysen Total 2.0 Tage
Arbeitsaufwand Simulation Total 13.0 Tage
Arbeitsaufwand Film Total 22.0 Tage
Arbeitsaufwand Total 37.0 Tage
4.2.2 Verwendete Visualisierungstypen
Für die Berechnung der nachfolgenden Abbildungs bei -
spiele (Abbildung 4-2 bis 4-7) dienten die Landes topo gra -
phiedaten Vector25 und DHM25 (© swiss topo) als räum-
liche Grundlage. Sämtliche 3D-Objekte – Bäume, Blumen,
Gräser und der Schatzalpturm – wurden entweder im Pro -
jekt Alpsim (Abbildungen 4-3 und 4-4) oder im Rahmen
dieser Synthese (Abbildungen 4-6 und 4-7) erstellt.
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Abbildung 4-2
2D-Ansicht des simulierten Gebietes
Dargestellt sind die Agenten mit der ihnen zugeordneten Nummer
(orange), sowie die die Agenten beeinflussenden Ereignisse (grüne
und rote Kreuze).
Abbildung 4-3
3D-Ansicht des simulierten Gebietes
Derselbe (räumliche) Ausschnitt wie in Abbildung 4-2: Die Agenten
(rote Balken) sind stark vergrössert dargestellt, damit sie aus dieser
Distanz überhaupt sichtbar sind.
Quellen beider Abbildungen: Szenario Gstaad, Projekt Alpsim
4 VIRTUELLE REPRÄSENTATION – VOM «SCHÖNEN BILD» ZUM HILFREICHEN PLANUNGSINSTRUMENT 85
Real-Time-Visualisierung
Die Real-Time- oder Echtzeit-Visualisierung greift direkt
auf die Daten einer laufenden Simulation zu und stellt
diese dar. Dabei stehen die Positionen der Fussgänger im
Mittel punkt; die Ausgaben (neben der Position z.B.
Geschwin dig keit, Ziel, Angaben über Hunger, Durst, Kraft,
Interes sen) beziehen sich oft auf individuelle Fussgänger
und sind nicht weiter aggregiert.
Die Darstellung kann sowohl 2- als auch 3-dimensional
sein. Damit die Visualisierung in Echtzeit geschehen kann,
muss auf aufwändige Details verzichtet werden. Je nach
verfügbarer Rechenleistung sieht diese Art von Visua li sie -
rung jedoch entsprechend abstrakt aus.
Real-Time-Visualisierungen sind für den Anwender der
Simulation hilfreich, da er sofort sehen kann, was in der vir -
tuellen Welt geschieht. Ferner kann dadurch die Ar beits -
weise eines Simulationssystemes demonstriert werden.
Offline-Visualisierung
Wird erst nach Beendigung der Simulation aus den gesam-
melten Daten eine Visualisierung erstellt, stehen viel mehr
Computerzeit und Rechenleistung zur Verfügung, entspre-
chend mehr Aufwand kann in ein realistisches Aus sehen
der Visualisierung gesteckt werden. Es ist möglich, photo-
realistische 3D-Darstellungen zu berechnen. Abbildungen
4-4, 4-6 und 4-7 wurden so erstellt.
Die in Kapitel 4.2.1 aufgeführte Aufwandsschätzung
basiert auf der Berechnung von Bildern wie in Abbildung
4-6 und 4-7 dargestellt.
Solche Visualisierungen zeigen die Ausgabe einer Simu -
lation und eignen sich daher besonders für Demon stra -
tionen, bei denen nicht die Technik, sondern das Resultat
einer einzelnen Simulation gezeigt werden soll.
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NFP48 THEMATISCHE SYNTHESE V 86
Abbildung 4-4
Offline berechnete virtuelle 3D-Ansicht Derselbe Ausschnitt wie in Abbildung 4-2
Abbildung 4-5
Natürliche photographische Ansicht Derselbe Ausschnitt wie in Abbildung 4-2
Quelle: Szenario Gstaad, Projekt Alpsim.
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Abbildung 4-6
Szenario Schatzalp: Ausschnitt aus der Animation der virtuellen Wanderung zum Schatzalpturm oberhalb von Davos
Quelle: Eigene Darstellung, berechnet für das Use Case-Beispiel der Synthese V (Szenario Schatzalp).
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Abbildung 4-7
Szenario Schatzalp: Mögliche Aussicht von der Wiese oberhalb des Schatzalpturms auf den Büelenberg und das Jakobshorn
Besondere Beachtung verdient die detaillierte Struktur des Vordergrundes.
Quelle: Eigene Darstellung, berechnet für das Use Case-Beispiel der Synthese V.
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4.3 Beispiele aus dem NFP 48
Im Folgenden werden aus den Projekten Alpscape und
Ipodlas exemplarische Use Case-Situationen herausge-
griffen und kurz nach dem oben beschriebenen Vorgehen
analysiert. Auf eine Arbeitsaufwandabschätzung wird al ler -
dings verzichtet. Beiden Projekten lag die Ausführung von
Dissertationen zugrunde, bei denen die Arbeits be las tung
naturgemäss sehr hoch ist und nicht mit den gängigen
Arbeitszeiten und Ansätzen der Praxis verglichen werden
kann.
4.3.1 Use Case aus Alpscape
Dieses Projekt befasste sich mit der Modellierung der Ent -
wicklung alpiner Tourismusgemeinden. Die Geschichte eines
Alpscape-Use Cases könnte folgendermassen lauten:
«Die Vertreter des Gemeinderates diskutieren das neue
Baugesetz und die neue Zonenplanung, welche für eine
alpine Tourismusgemeinde erarbeitet werden. Kontro -
vers wird diskutiert, wie diese Zonenplanung aussehen
soll. Es bestehen divergierende Interessen, weil a) der
Tourismus sich frei entfalten können soll, b) neuer
Wohn raum auch für die einheimische Bevölkerung ge -
braucht wird, und c) die Zersiedlung der Landschaft ein-
geschränkt werden soll. Gewünscht werden Karten, die
aufzeigen, wo innerhalb der verschiedenen Bau zonen
noch Sied lungsreserven liegen, beziehungsweise wo
noch Brutto geschoss fläche reserven vorhanden wären.»
Aktionsliste des Alpscape-Use Case
Der beschriebene Use Case zu Alpscape erfordert im Mini -
mum die folgende Aktionsliste (Tabelle 4-3). Einzelne
Schritte könnten noch in Subschritte unterteilt werden,
namentlich was die Ausgabe- oder Visualisierungs funk tio -
nen (V) betrifft. Für eine fruchtbare Diskussion mit Soft -
ware-Entwicklern dürfte dies aber reichen.
Notwendige Daten für den Alpscape-Use Case
Grundflächen und Stockwerkzahlen zur Abschätzung
der Bruttogeschossfläche
Aktuelle Zonenplanung zur Abschätzung des noch
existierenden Potenzials
Daten zur Besitzstruktur der existierenden Gebäude:
Besitzen mehrere Eigentümer eine Liegenschaft
zusammen (Mehrfacheigentümer), verringert dies
die Wahrscheinlichkeit, dass eine Liegenschaft ab-
gerissen und mit einer erhöhten Ausnutzungsziffer
neu ge baut wird.
Daten zur Nutzung: Hotellerie, Ferienwohnungen,
Zweitwohnsitze, Erstwohnsitze pro Wohneinheit
Zeitlich hoch aufgelöste Gästebelegungszahlen
über mehrere Jahre nach verschiedenen Tourismus-
kategorien
Anzahl Betten, differenziert nach Nutzung
Auslastung der Tourismusbetten nach
Kategorie pro Jahr
Maximale Auslastung der Tourismusbetten
nach Kategorie
–m
2Bruttogeschossfläche pro m2Grundfläche des
Grundstücks (= Ausnutzung bzw. Ausnutzungsziffer)
Bettendichte pro Grundstück nach Tourismus-
kategorien
Mögliche Visualisierung des Alpscape-Use Case
Die Abbildung 4-8 zeigt, wo innerhalb der Bauzone noch
Sied lungs reserven liegen, beziehungsweise wo noch ver-
baubare Bruttogeschossfläche vorhanden wäre. Solche
Kar ten kön nen nun mit der effektiven Überbauungssitua-
tion verglichen und als Entscheidungsgrundlage weiter-
verwendet werden.
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NFP48 THEMATISCHE SYNTHESE V 90
Tabelle 4-3
Aktionsliste für den Alpscape-Use Case
Eingabefunktionen (E)
E1
E2
E3
E4
Rechenfunktionen (R)
R1
R2
R3
R4
R5
R6
Visualisierung (V) – Ausgabefunktionen am Monitor und in Form von Dateien, die anderswo wiederverwendet werden können
V1
V2
V3
V4
V5
V6
V7
Quelle: Isenegger, 2006.
Einlesen von Zonenplanung (+ Szenarien) in gängigen GIS- und CAD-Formaten
Einlesen von Belegungszahlen im Jahresverlauf für verschiedene Tourismuskategorien
Szenarien in DBF-Format
Bettendichte für verschiedene Tourismuskategorien bei möglicher Siedlungserweiterung
Abschätzung der Bruttogeschossfläche
Berechnung des aktuellen Potenzials zur Erweiterung von Wohnraum
Berechnung der Potenziale nach den Szenarien A und B
Berechnung der möglichen Übernachtungen (je nach Tourismusstrategie)
Berechnung der Bettendichte pro Grundstück für verschiedene Tourismuskategorien
Berechnung der erforderlichen Siedlungserweiterung in m
2
im Fall einer Zunahme um xx Betten
für bestimmte Tourismuskategorien bei gleichbleibender Bettendichte
Karten mit Betten pro Gebäude
Karte mit Übernachtungen pro Gebäude inkl. jahreszeitlicher Verlauf der Belegung
Karte mit Potenzial m
2
Bruttogeschossfläche pro Gebäude (heute und nach Szenarien)
Zahl – theoretisch notwendige m
2
Bruttogeschossfläche und Siedlungserweiterung (nach Szenarien)
Karte – Bruttogeschossfläche pro Bett und Gebäude
Karte – Bruttogeschossfläche pro Grundfläche Grundstück (Ausnutzung heute und nach Szenarien)
in gängigen GIS- und CAD-Formaten sowie als JPG
Karte – Potenzial zum Ausbau der Bruttogeschossfläche
jede Karte soll als Vektordatensatz in gängigen GIS- und CAD-Formaten und als JPG und TIFF
verschiedener Auflösungen exportierbar sein
zu jeder Karte soll auch eine Legende erscheinen
Legenden sollen bearbeitbar sein (Farbwahl + Beschriftung)
in die Ausgabe am Monitor soll hineingezoomt werden können
Strassennamen sollen ab einer Ausgabe von 1:5’000 am Bildschirm, in Bildern und auch
auf Ausdrucken erscheinen
Drucker soll direkt aus dem Modell heraus ansprechbar sein
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Abbildung 4-8
Gegenwärtige Ausnutzungsziffer («construction capacity factor») und existierendes Potenzial «remaining capacity» zur Erweiterung
der Bruttogeschossfläche «gross floor space», gebäudegenau
Construction Capacity Factor
according to spatial planning
0.00
0.01 – 0.50
0.51 – 1.00
1.01 – 1.50
1.51 – 2.00
Quelle: Walz, 2006, Daten © LIS Davos.
Remaining Capacity
to increase gross floor space
0.00 sqm
0.01 – 0.50 sqm
0.51 – 1.00 sqm
1.01 – 1.50 sqm
1.51 – 2.00 sqm
0 1’000 2’000 Meters
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NFP48 THEMATISCHE SYNTHESE V 92
4.3.2 Use Case aus Ipodlas
Im Projekt Ipodlas ging es darum, eine Software-Um ge -
bung zu konzipieren, die in der Lage ist, räumliche und
zeitliche Modellierungssysteme zu kombinieren und die
modellierten Prozesse möglichst ansprechend zu visuali-
sieren. Eine solch komplexe Aufgabe kann nur mit Hilfe
ausgefeilter Use Cases gelöst werden. Um dem Anspruch
der realen Anwendung gerecht werden zu können, wurden
Fallstudien und Daten aus bereits bestehenden For schungs-
gebieten ausgewählt. Damit wurde verhindert, dass intuitiv
«einfache» Beispiele gewählt wurden, die dann «lehrbuch-
mässig» hätten implementiert werden können. Die Ver -
wendung bestehender Daten, Modelle und Software-
Umgebungen stellt sehr hohe Anforderungen an die
Entwickler eines Systems, da alle Bestandteile integriert
werden müssen. Andererseits hat dann der (geglückte)
«Proof of concept» einen viel grösseren Stellenwert.
Der folgende Use Case aus dem Projekt Ipodlas be -
schreibt, wie eine englischsprachige, aus Australien stam-
mende Doktorandin sich im NFP 48-Pro gramm zurecht fin-
den und sich den gestellten Aufgaben im alpinen Raum,
nämlich der Modellierung des Lärchen wick ler zyklus über
den ganzen Alpenraum und spezifisch im Oberengadin
stellen muss. Zusätzlich wird die Lärchen wickler-Model lie -
rung mit einer Feuerausbreitungs model lie rung gekoppelt.
Dies macht nicht nur vom Software-Ent wick lerstandpunkt
aus Sinn – bei dem es darum geht, «Härte fälle» zu testen –,
sondern auch thematisch. Durch Insekten befall beein träch-
tige Waldbestände sind für weitere Stö rungs ereignisse
wie beispielsweise Feuer beson ders anfällig.
An dieser Stelle erlauben wir uns, die Ipodlas-Use Case-
Geschichte und die -Aktionsliste sowie die abgeleitete
Funktionalitätenliste in englischer Sprache wiederzugeben
und so zu dokumentieren, wie der Ipodlas-Prototyp schritt-
weise und unter Verwendnung aufeinander aufbauender
Use Cases entstand. Die folgenden Ausführungen beruhen
auf den Dissertationen von Bronwyn Price (2005), Daniel
Isenegger (2006) und Yi Wu (2007), die alle im Rahmen des
Ipodlas-Projektes entstanden sind. Die Dissertation Isen -
egger übernahm dabei den Part der Software-Konzeption
und Entwicklung. Die Dissertation Price bearbeitete die
Lärchenwickler-Modellierungen und übernahm auf diese
Weise die Rolle der Anwenderin mit komplexer Frage stel -
lung. Die Dissertation Wu schliesslich setzte das Schwer -
gewicht auf die Visualisierung der modellierten räumlichen
Prozesse im 4D-Raum. Die Ge schich te eines Ipodlas-Use
Case könnte folgendermassen lauten:
«Bronwyn is an ecologist and expert user of the Ipod -
las system. She is a PhD student within the Ipodlas
project and wants to use functionalities of the Ipodlas
system to help her answer research questions concer-
ning the spatiotemporal dynamics of the Larch Bud
Moth (LBM) Zeiraphera diniana Gn. (Lep., Torticidae) at
differing scales and to investigate the influence of spa-
tial data resolution on modelling LBM dynamics in the
Upper Engadine valley.
In particular, Bronwyn wants to see LBM migration
within the Upper Engadine valley, in particular a 3-D
visualization of the seasonal LBM migration from given
sites to other sites and the resultant forest appearance
due to defoliation. After a simulation run, Bronwyn
changes parameters of the LBM simulation model in the
Ipodlas GUI: she wants to simulate warmer winter con-
ditions with higher egg mortality. Afterwards, Bronwyn
is interested in the interaction of LBM and wildland fire
occurrence (WLF). She wants to explore WLF spread in a
LBM peak year exhibiting high defoliation and tree mor-
tality. Bronwyn starts a WLF in a site having a high defo-
liation rate.» Zitiert nach Isenegger, 2006.
Aktionsliste des Ipodlas-Use Case
Die nachfolgende Aktionsliste mutet akribisch an, ist aber
für die Konzeption der erforderlichen Software-Architektur
und das Ermitteln der nötigen Software-Funktionen eine
grosse Hilfe, da damit die Spezifikationen für die Soft ware-
Entwickler formuliert werden können.
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4 VIRTUELLE REPRÄSENTATION – VOM «SCHÖNEN BILD» ZUM HILFREICHEN PLANUNGSINSTRUMENT 93
Tabelle 4-4
Aktionsliste für die Analyse des Lärchenwicklers im Oberengadin
Das Kürzel LE3 steht für «Larch Bud Moth Expert Use Case number 3» bzw. «Lärchenwickler-Experte-Use Case Nr. 3».
Action
LE3e-1
LE3e-2
LE3e-3
LE3e-4
LE3e-5
LE3e-6
LE3e-7
LE3e-8
LE3e-9
LE3e-10
Description of action
Bronwyn starts IPODLAS and selects LBM from the list of topics.
IPODLAS shows her the Alpine Arc with highlighted areas where LBM data are provided.
Bronwyn selects the Upper Engadine valley.
IPODLAS displays a 2-D map of the Upper Engadine valley. An additional menu shows several
options (geographic data, 3-D, simulate, pre-calculated movie). Bronwyn chooses to simulate
and see the output in 3-D.
In the LBM configuration window, Bronwyn chooses a start and stop time (1953, 1954) and
otherwise keeps all defaults, then runs the model.
IPODLAS displays a 3-D visualization of the output showing comparative numbers of LBM migrating
(departure and landing points) and the resultant coloring of the forest in the sites symbolizing
the defoliation ratio.
After the end of the simulation, Bronwyn changes the «winter egg mortality» parameter in the
LBM configuration window, keeps all the other defaults, and starts the simulation again.
IPODLAS displays a 3-D visualization of the output showing comparative numbers of LBM migrating
(departure and landing points) and the resultant coloring of the forest in the sites symbolizing
the defoliation ratio.
After the simulation ended, Bronwyn selects in the IPODLAS GUI the WLF topic and then the WLF
simulation configuration window. In there, Bronwyn chooses that the ignition point can be set
in VR and that the «live moisture» parameter of the WLF simulation model is taken from the
output of the LBM simulation.
In the VR interface of IPODLAS the defoliation of the forest in the respective sites is
displayed applying different colors. Bronwyn now selects a WLF ignition point in a site
exhibiting high defoliation values.
In the VR interface of IPODLAS the spread of a WLF is shown starting from the user-selected
ignition point.
Tabelle 4-5
GIS-Funktionalitäten und Übergabe der Resultate an das Submodul Visualisierung
Action
LE2-2a, LE3e-2a
LE2-2b, LE3e-2b
LE2-2c, LE3e-2c
LE2-4a, LE3e-4a
Required GIS functionality
Receiving request to provide areas with
available data
Selecting data from storage(s):
areas with available data
Notifying the requesting subsystem about
available data via IPODLAS
Receiving request concerning forest and in
particular larch distribution, calculating
slope and aspect, and wind simulation
Type of GIS functionality
Communication/information exchange
between subsystems
Connection to storage(s) and retrieving data
from storage(s)
Communication/information exchange
between subsystems
Communication/information exchange
between subsystems
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Walz, Ariane et al.: Virtuelle Welten - reale Entscheidungen? Die Alpen im Modellbaukasten, © vdf Hochschulverlag 2009
NFP48 THEMATISCHE SYNTHESE V 94
LE2-4b, LE3e-4b
LE2-4c, LE3e-4c
LE2-4d, LE3e-4d
LE2-5a, LE3e-5a
LE2-5b, LE3e-5b
LE2-5c, LE3e-5c
LE3e-6a
LE3e-6b
LE3e-6c
LE3e-6d
LE3e-8a
LE3e-8b
LE3e-8c
LE3e-9a
LE3e-9b
LE3e-9c
Quelle beider Tabellen: Isenegger, 2006.
Selecting data from storage(s) if simulation
data is not already available: forest data,
larch data, temperature data, DTM
Calculating, if not available in storage:
larch per hectare, forest area per hectare,
temperature distribution
slope, aspect
wind speed and direction statistics
Notifying the requesting subsystem about
available data via IPODLAS
Receiving request to transform
tabular simulation output to raster
Transform tabular simulation output to raster
Notifying the requesting subsystem about
available data via IPODLAS
Receiving request concerning LBM data with
changed «winter egg mortality»
Selecting data from storage(s) if simulation
data is not already available: forest data,
larch data, temperature data, DTM, defoliation
Calculating, if not available in storage:
larch per hectare, forest area per hectare,
temperature distribution
slope, aspect
wind speed and direction statistics
Notifying the requesting subsystem about
available data via IPODLAS
Receiving request concerning defoliation data
in sites
Selecting defoliation data from storage(s)
if data is already available
Notifying the requesting subsystem about
available data via IPODLAS
Receiving request concerning WLF simulation
(with ignition point)
Starting WLF simulation
Notifying the requesting subsystem about
available data via IPODLAS
Connection to storage(s) and retrieving data
from storage(s)
Map algebra, map overlay, clipping
Slope, aspect calculation from DTM
Simulation using the wind model and
calculating statistics using Map algebra
Communication/information exchange
between subsystems
Communication/information exchange
between subsystems
Join attribute data with spatial data and
generate raster through rasterization
Communication/information exchange
between subsystems
Communication/information exchange
between subsystems
Connection to storage(s) and retrieving data
from storage(s)
Map algebra, Map overlay, clipping
Slope, aspect calculation from DTM
Querying wind model
Communication/information exchange
between subsystems
Communication/information exchange
between subsystems
Connection to storage(s) and retrieving data
from storage(s)
Communication/information exchange
between subsystems
Communication/information exchange
between subsystems
Accessing and invoking a WLF simulation model
to simulate a WLF spread
Communication/information exchange
between subsystems
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Walz, Ariane et al.: Virtuelle Welten - reale Entscheidungen? Die Alpen im Modellbaukasten, © vdf Hochschulverlag 2009
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4 VIRTUELLE REPRÄSENTATION – VOM «SCHÖNEN BILD» ZUM HILFREICHEN PLANUNGSINSTRUMENT 95
Abbildung 4-9
Ausschnitt aus dem User Interface zur Berechnung der Lärchenwickler- und Feuerausbreitungsmodelle
Quelle: Isenegger, 2006.
Mögliche Visualisierung des Ipodlas-Use Case
Abbildung 4-9 und Abbildung 4-10 stellen die Lärchen -
wick lerpopulationen als farbige «Wolken» dar. Abbildung
4-11 zeigt eine mögliche Waldbrandausbreitung in den ge -
schwächten Beständen. Aus den Originaldaten zu den Lär -
chen wicklerpopulationen und den Lärchenwickler model -
len des Oberengadins weiss man, welche Subpopulation
aus welchem Waldbestand stammt. Aufgabe für die Visua -
lisie rung war nun, die Migration der Subpopulationen so
darzustellen, dass der Betrachter nachvollziehen kann,
welche Subpopulation aus welchem Bestand wegfliegt
und zu welchem Zielbestand. Die Farbskala der Wald be -
stände (grün bis gelb/orange) spiegelt dabei den Grad der
Entnadelung wider.
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Walz, Ariane et al.: Virtuelle Welten - reale Entscheidungen? Die Alpen im Modellbaukasten, © vdf Hochschulverlag 2009
NFP48 THEMATISCHE SYNTHESE V 96
Abbildung 4-10
Ausschnitt aus einer Lärchenwicklerflug-Animation
Abbildung 4-11
Ausschnitt aus der nachgeschalteten Feuermodellierung
Quelle beider Abbildungen: Wu, 2007.
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Walz, Ariane et al.: Virtuelle Welten - reale Entscheidungen? Die Alpen im Modellbaukasten, © vdf Hochschulverlag 2009
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4 VIRTUELLE REPRÄSENTATION – VOM «SCHÖNEN BILD» ZUM HILFREICHEN PLANUNGSINSTRUMENT 97
4.3.3 Use Case zu den Auswirkungen
von sich ändernden Rahmenbedingungen
für die Landwirtschaft auf Landschaft
und Tourismus in den Alpen
Gleichsam als Ausblick und Fazit wird im Folgenden skiz-
ziert, was möglich wäre, wenn einige der im NFP 48-Pro -
gramm entwickelten Modelle in ein gemeinsames Fall bei -
spiel zusammengezogen würden. Die Use Case-Geschich te
dazu lautet:
«Im National- und Ständerat wird über die Öffnung von
Agrarmärkten und die Entwicklung der Landwirtschafts -
politik diskutiert. Es wird angenommen, dass durch
eine extreme Kürzung der Agrarsubventionen jegliche
Landwirtschaft im Raum Davos an Hanglagen einge-
stellt wird. Man geht davon aus, dass die dadurch aus-
gelöste Sukzession einen Grossteil der Kulturland -
schaft durch flächendeckenden Wald bis zur Baum -
grenze ersetzen wird. Es wird erwartet, dass die daraus
resultierende Landschaft für Sommertouristen erheb-
lich unattraktiver wird und diese sich daher anderweitig
orientieren.»
Dieser Use Case wirkt vergleichsweise komplex. Es stellt
sich aber heraus, dass im Rahmen des NFP48 Modelle ent-
wickelt wurden, welche diese Fragen im Prinzip bearbeiten
können. Theoretisch besteht also die Möglichkeit, die
NFP48-Modelle wie folgt zu kombieren:
Sulaps betrachtet die Veränderungen in der Berg land wirt -
schaft als Folge der veränderten Agrar sub ven tio nen:
Veränderung bei den Betriebsgrössen und den Schwer -
punkt setzungen
Veränderung der Flächennutzung
Alpscape nimmt diese Ergebnisse auf und simuliert:
direkte und sekundäre Effekte auf die regionale Wirt -
schaft
Veränderungen bei den Material- und Energieflüssen
und im Selbstversorgungsgrad der Region als Resultat
der veränderten Bewirtschaftung
Wasalp und Ipodlas berechnen darauf aufbauend die
raum-zeitliche Entwicklung der Ausdehnung und Struktur
der Waldbestände um Davos:
Wasalp liefert räumlich hoch aufgelöst den differenzier -
ten Bewuchs im Bereich um Davos
Ipodlas berechnet die Veränderungen der Wald struk -
turen und Zusammensetzung mit Hilfe ent spre chender
Wachstumsfunktionen für bestimmte Waldtypen
Das kombinierte Resultat ist eine Waldbestandes karte,
die sowohl inhaltliche (Artenzusammen setzung, struk-
turelle Parameter) wie geometrische Informationen
(Wald ausdehnung) enthält, aufgegliedert nach gewün -
sch ten Zeitabschnitten.
Gisalp generiert, darauf aufbauend, statische Bilder des
veränderten Bewuchses, und berechnet daraus Indika -
toren für eine möglicherweise veränderte Attraktivität der
Landschaft.
Alpsim simuliert, aufbauend auf den veränderten Bewer -
tungen, die Veränderungen im Verhalten der Wanderer:
Veränderungen in der Routenwahl der Wanderer
Veränderungen in der Zufriedenheit der Wanderer (z.B.
Unzufriedenheit damit, dass man nun jedes Mal über die
Baumgrenze muss, um eine schöne Aussicht zu haben)
Veränderungen der Tätigkeitsstruktur während des
Urlaubes (z.B. weniger Wanderungen, dafür mehr
Besuche im Schwimmbad)
Veränderungen in der gewünschten Verweildauer
am Urlaubsort
Erreichbarkeit schätzt, basierend auf der veränderten
Zufriedenheit, das veränderte Zielwahl verhalten der
Wochenendbesucher ab. Dabei wird auch betrachtet, in
welchem Masse die erwarteten Verluste durch eine
schnellere Bahnverbindung ausgeglichen werden können.
Die praktische Umsetzung dieser Kombination wirft einige
Probleme auf: Übertragbarkeit zwischen geographischen
Regionen, Programmierung von Schnittstellen zwischen
Modellen und noch zu entwickelnde Bau steine. Dennoch
halten wir die sen Use Case für bearbeitbar.
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Walz, Ariane et al.: Virtuelle Welten - reale Entscheidungen? Die Alpen im Modellbaukasten, © vdf Hochschulverlag 2009
NFP48 THEMATISCHE SYNTHESE V 98
4.4 Schlussfolgerungen für die
Software-Entwicklung und
Anwendung im Bereich Planung
und Landschaftsanalyse
Software-Entwicklungsprojekte scheitern meist nicht an
technischen Fragen, sondern daran, dass Menschen sich
nicht verstehen, nicht verstehen können. Anwender und
Entwickler mögen vielleicht das gleiche Ziel vor Augen
haben, ihre Rollen und Möglichkeiten könnten aber unter-
schiedlicher nicht sein. Geht es Ersteren (am liebsten kurz
und bündig!) um die Beantwortung einer inhaltlichen Fra -
ge, so streben Letztere in der Regel nach einer technisch
ausgeklügelten Lösung. Dauern Implementationsprozesse
länger als geplant oder bringen sie nicht das gewünschte
Resultat, können Verständnisschwierigkeiten auftreten. Je
sorgfältiger die Use Cases entwickelt werden, desto eher
lassen sich solche Schwierigkeiten vermeiden.
Die in Kapitel 4 vorgestellten Use Case-Beispiele zeigen,
dass komplexe Fragestellungen mit der Methodik des Use
Case auf beinahe spielerische Weise angegangen und auf
verständliche Einzelfragen heruntergebrochen werden
kön nen, ohne dabei die übergeordnete Frage zu vergessen.
Dass Software-Anwender eine andere Sprache sprechen als
Software-Entwickler, scheint noch auf der Hand zu liegen.
Das Gleiche kann aber auch für den Bereich der Land -
schaftsanalyse und Planung gesagt werden. Da verstehen
sich die verschiedenen Akteure auch nicht immer. So spre-
chen Modellierer, Planer, Bauherren, Politiker und Tech ni -
ker zu Beginn eines Planungsprozesses mit Sicherheit
sehr un terschiedliche Sprachen.
Mit der vorgestellten Methodik lassen sich diese «Sprach -
schwierigkeiten» sehr detailliert analysieren. Die Use Case-
Methodik begegnet dem immer wieder angetroffenen Re -
flex, komplizierte Sachverhalte intuitiv als «sequenzielle
Geschichten» zu erzählen, welche einen Ausgangspunkt
und ein gewünschtes Resultat beinhalten. Dabei wird
gleichsam eine Eselsbrücke konstruiert, die das Erlernen
des gegenseitigen Verständnisses ermöglicht, ohne dass
die Beteiligten auf Anhieb viel vom Fachgebiet des Gegen -
übers, geschweige denn dass Anwen der etwas von Pro -
gram mierung verstehen müssten.
Die Technik des Use Case wird in der Software-Ent wick -
lung häufig eingesetzt. Im Bereich der Landschafts -
analyse- und Planung hat sie sich aber noch nicht stark
etabliert. Aus Sicht dieser Synthese scheint es folglich
Sinn zu machen, diesen Ansatz zu propagieren, da dieses
methodische Vorgehen für jeden Sachverhalt, für jedes Ge -
biet und für jegliche Art von Sachdaten angepasst werden
kann. Darüber hinaus kann diese Vorgehensweise – ohne
«aufdringlich» zu werden – in die Rolle des «Mediators»
schlüpfen, was den meisten Planungsprozessen nur dien-
lich sein kann.
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Walz, Ariane et al.: Virtuelle Welten - reale Entscheidungen? Die Alpen im Modellbaukasten, © vdf Hochschulverlag 2009
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99
Fazit
5
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Walz, Ariane et al.: Virtuelle Welten - reale Entscheidungen? Die Alpen im Modellbaukasten, © vdf Hochschulverlag 2009
NFP48 THEMATISCHE SYNTHESE V 100
5 Fazit
Welche Erkenntnisse liefern die vorliegenden Projekte der
NFP 48-Forschung im Bereich der Modellierung, compu-
tergestützten Simulation und virtuellen Repräsentation?
Die vorliegenden Modelle des NFP 48 zeigen die grosse
Vielfalt an Möglichkeiten im Bereich der Modellierung
und Visualisierung auf. Allerdings decken sie das Spek -
trum bei Weitem nicht ab und stellen auch keine syste-
matische Auswahl dar. Insofern zeigen sie also beispiel-
haft auf, was möglich ist, stellen aber als Gesamtbeitrag
kein kohärentes Ergebnis dar.
Die Modelle des NFP 48 sind komplementär und ergän-
zen sich inhaltlich und methodisch. Ein grosses Poten -
zial dieser Modelle besteht daher in der Verknüpfung
ver schiedener Ansätze. Ein erstes Beispiel dafür sind die
Beiträge der Projekte Wasalp, Alpscape und Ecosys -
serv, wie sie in Kapitel 2.2.1 erläutert sind. Einen weite-
res, hypothetisches Beispiel ist in Kapitel 4.3 umfang-
reich beschrieben.
Die Modellierungsprojekte des NFP 48 konnten im Ein -
zel nen wichtige Beiträge zu international aktuellen For -
schungsfragen leisten. Diese Beiträge decken inhaltliche,
methodische und auch technische Herausforderungen
im Bereich der Landschaftsmodellierung ab.
Teilweise konnten die Modelle wichtige Ergebnisse für
die Alpenforschung im Allgemeinen erbringen. Dazu sol-
len die Arbeiten zu Veränderungen in der Landwirtschaft
der Projekte Wasalp und Sulaps und die Ergebnisse zur
Schutzwaldpflege des Projektes Schutzwälder erwähnt
sein. Ihre Ergebnisse sind über die regionalen Fall stu dien
hinaus für den Alpenraum von Bedeutung. Bei anderen
Projekten ist der Bezug zu den Alpen eher lokal (z.B.
Alp scape) oder die Lages des Untersuchungsgebietes
im Alpenraum nicht von unmittelbarer Bedeutung (z.B.
Ipodlas).
Methodische Beiträge von internationaler Bedeutung
wur den ebenfalls in verschiedenen Projekten erarbeitet.
So konnte Alpsim im Bereich der agentenbasierten
Mo del lierung wichtige Fortschritte im Umgang mit «vi -
suel len» Landschaftseindrücken erarbeiten. Dabei wird
in diesem Projekt in doppelter Weise mit visuellen Effek -
ten gearbeitet: zum einen reagieren die Agenten auf
«visuelle» Eindrücke einer eigenständigen virtuellen
Landschaft, und zum anderen werden diese Eindrücke in
Form eines Films festgehalten und so auch für den Nut -
zer visualisiert.
Ein wichtiger methodisch-konzeptioneller Beitrag
im Bereich der Bewertungsansätze leistet Ecosysserv
mit der vielschichtigen Monetarisierung von Umwelt -
leis tun gen.
Mit einem integrierten Modellierungsansatz und einer
starken Einbindung der lokalen Bevölkerung verfolgt
auch Alpscape einen aktuellen methodischen Ansatz.
Doch besteht insbesondere in der Definition und Kali -
brierung der Schnittstellen zwischen den einzelnen dis-
ziplinären Ansätzen auch in Zukunft noch grosser For -
schungsbedarf.
Für zukünftige Arbeiten in der Landschafts model -
lierung werden die Ergebnisse zur Geschwindigkeit von
Landschaftsveränderungen und zur Systematisierung
von Driving Forces im Projekt Transformation eine
grosse Bedeutung haben.
Beiträge zu den technischen Herausforderungen im
Bereich der Landschaftsmodellierung haben insbeson-
dere die Projekte Gisalp und Ipodlas geleistet. Wäh rend
Gisalp ein einheitliches Datenmodell zur Kombination
verschiedener Naturgefahrenmodelle vorlegte, wurde in
Ipodlas ein Konzept zur direkten Verknüpfung verschie-
dener Software-Umgebungen erarbeitet.
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Walz, Ariane et al.: Virtuelle Welten - reale Entscheidungen? Die Alpen im Modellbaukasten, © vdf Hochschulverlag 2009
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5FAZIT 101
Was sind die in Bezug auf die Anwendbarkeit wichtigsten
Forschungsgebiete im Bereich der computergestützten
Landschaftsmodellierung für die Zukunft?
Die Zusammenarbeit mit der Begleitgruppe und die Lite -
ratur haben gezeigt, dass in der Raum- und Land schafts -
planung Interesse an der Nutzung von Model len besteht.
Thematisch-inhaltlich alle möglichen Einsatz bereiche
abdecken zu können, kann nicht das Ziel der For schung
in diesem Bereich sein. Doch sie kann im Bereich der
methodischen und technischen Heraus forderungen
wichtige, keineswegs ausgeschöpfte Dienste leisten.
Entsprechend der hohen Komplexität, die die Frage stel -
lun gen in der Raum- und Landschaftsplanung aufweisen,
versprechen integrierte Modellierungsansätze einen
wich ti gen Fortschritt. Dabei stellen insbesondere die
Schnitt stellen zwischen verschiedenen disziplinären
Ansätzen einen Forschungsschwerpunkt dar.
Auch integrierte Modelle dürfen nicht als «Super mo -
delle» konzipiert und verstanden werden, die auf viele
verschiedene Fragestellungen eingehen können. Denn
die Auswahl der methodischen Ansätze, die in den ein-
zelnen Teilen verwendet werden, und die Definition der
Schnittstellen müssen gezielt auf eine bestimmte Frage -
stellung hin optimiert werden.
Die realitätsnahe Visualisierung wird als wichtiges Ins -
tru ment bei der Kommunikation von Zukunftsszenarien
eingesetzt. Zur automatisierten «Übersetzung» abstrak-
ter Informationen in realitätsnahe Bilder und Filme so -
wie zur Gestaltung und Wirkung dieser Medien besteht
weiterhin noch grosser Forschungsbedarf.
Heute werden Datenverwaltung, Datenanalyse/Modell -
bildung, Simulation und Visualisierung oftmals in unter-
schiedlichen, jeweils auf die einzelne Aufgabe speziali-
sierten Software-Umgebungen realisiert. Diese Trennung
macht die Entwicklung und Nutzung von Modellen oft-
mals schwerfällig. Technische Lösungen zur Kombi na tion
der verschiedenen Software-Umgebungen könnten in
Zu kunft die Nutzung von Modellen erleichtern.
Stellen Modellierung, Simulation und Visualisierungs -
techniken hilfreiche Instrumente dar, um die bestehenden
Probleme in der Raum- und Landschaftsplanung zu lösen?
Falls ja, in welcher Weise können sie einen Beitrag leisten?
Modelle, Simulationen und Visualisierungstechniken
werden sowohl von der Begleitgruppe als auch in der
internationalen Literatur als hilfreiche Werkzeuge in der
Raum- und Landschaftsplanung bewertet.
Weil sich die Raum- und Landschaftsplanung mit immer
komplexeren Problemstellungen beschäftigt und die Mo -
dellierung diese Komplexität ordnet und systematisiert,
wird Modellen ein grosses Potenzial für die Zukunft ein-
geräumt.
Modelle und Visualisierungstechniken können Konflikte
der Raum- und Landschaftsplanung nicht lösen. Sie kön-
nen allerdings als Hilfsmittel in Entscheidungs pro zes sen
eingesetzt werden und diese durch zusätzliche Informa -
tion bereichern, objektivieren und transparenter ma chen.
Bei emotional stark aufgeladenen Themen können Mo -
delle eventuell in partizipativen Ansätzen genutzt wer-
den (im Sinne eines «Mediated Modelling», z.B. van den
Belt, 2004).
Problematisch ist im Moment noch der Aufwand, der nö -
tig ist, um diese Werkzeuge zu nutzen. Dieser wird sich,
insbesondere durch technische Fortschritte und eine ver-
besserte Datenverfügbarkeit, in den kommenden Jahren
und Jahrzehnten höchstwahrscheinlich stark redu zieren.
Empfehlungen dazu sind in Kapitel 3.2.1 zu finden.
Aufwand und Mehrgewinn durch den Einsatz eines
Mo dells in der Planung müssen in einem sinnvollen Ver -
hält nis stehen. Um die Verhältnismässigkeit zwischen
Auf wand und Mehrgewinn an Information durch die
Model lierung zu gewährleisten, wird das An wen dungs -
poten zial von Modellen im Moment vor allem bei
umfang reichen und komplexen Projekten und Pro -
blemen ge sehen. Für die nähere Zukunft wird höchst-
wahrscheinlich noch gelten, dass der Einsatz und die
Entwicklung von Modellen in der Praxis auf die grossen
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Walz, Ariane et al.: Virtuelle Welten - reale Entscheidungen? Die Alpen im Modellbaukasten, © vdf Hochschulverlag 2009
NFP48 THEMATISCHE SYNTHESE V 102
und aufwändigen (Planungs-)Fälle beschränkt bleibt.
Kleinere Projekte hingegen eigenen sich auch weiterhin
für die Methodenentwicklung in der Forschung.
Da im Alpenraum zahlreiche komplexe Probleme und
grosse Projekte anstehen, können Modelle auch heute
schon hilfreich in den Entscheidungsprozessen der
Raum- und Landschaftsplanung genutzt werden. Im Be -
reich der Grossprojekte sind zum Beispiel das SAWIRIS-
Projekt in Andermatt, die Hafencity Flüelen, der Gott -
hard-Basistunnel, die Porta Alpina und die Erweiterung
des Grimsel-Stausees als typische Einsatzbereiche zu
nen nen. Weitere komplexe Probleme des Alpenraums,
bei deren Lösung Modelle sinnvoll genutzt werden
könn ten, sind zum Beispiel die Problematik des Alpen -
transits, die Etablierung von Naturparks in der Schweiz
und grosse Investitionen in den Wintertourismus vor
dem Hinter grund einer erwarteten Klimaänderung.
Es ist zu beachten, dass dabei auch die Modellierung als
Lernhilfe und Analysemethode herangezogen werden
kann. Bereits bestehende Modelle decken oftmals nur
Teilaspekte der anstehenden Frage ab, jedoch zeigen sie
den Fundus an Möglichkeiten und Methoden für die An -
wendung im konkreten Einzelfall auf.
Visualisierung spielt als Kommunikationsform eine
wichtige Rolle in der Entscheidungsfindung in Raum-
und Landschaftsplanung. Dabei gilt es im Sinne der Ver -
hältnismässigkeit die angemessene Technik zu wählen.
Je nach Einzelfall kann ein retuschiertes Bild, das durch
Manipulation einer realen Aufnahme am Computer ent-
standen ist, ein rein «oberflächliches» Landschafts modell
auf der Basis von Gelände-, Landnutzungs- und Gebäude-
daten oder eine komplexe Simulation, die Material-,
Geld- und Verkehrsströme einbezieht, angemessen sein.
Können wir Merkmale für wissenschaftliche Modelle fin-
den, die sich auch für die praktische Anwendung eignen?
Der Einsatzbereich von Modellen in der Wissenschaft
liegt vielfach im Erkenntnisgewinn. Sie konzentrieren
sich oftmals auf Detailfragen, zu deren Beantwortung
zahlreiche Faktoren und Faktorenkombinationen getes-
tet werden. Obwohl diese Erkenntnisse für die Praxis
grosse Relevanz haben können, haben diese Modelle
oftmals einen Fokus auf wissenschaftliche Frage stel -
lungen oder sind zu detailliert für Anwender.
Es werden in der Forschung auch Modelle explizit zu
angewandten Fragestellungen entwickelt. Doch selbst
diese Modelle kommen letztendlich nur selten in der
Praxis zum Einsatz. Neben der inhaltlichen Übertragbar-
keit sind Benutzerfreundlichkeit, Dokumentation und
Support der Modelle wichtige Aspekte, um ihren Einsatz
in der Praxis zu fördern.
Voraussetzung zur Anwendung eines solchen Modells in
der Praxis ist, dass es auf flächendeckend und öffentlich
erhältliche Daten zurückgreift.
Diese Modelle müssen gut dokumentiert sein: Die Do -
ku mentation muss neben Anleitungen zur Installation
und Handhabung des Modells auch Details zur internen
Ver arbeitung der Daten und zur Kalibrierung des Mo dells
enthalten. Um im Einzelfall Anpassungen vornehmen zu
können, sollte der Code gut gegliedert und kommentiert
sein.
Modelle, die sich für die Praxis eignen, können über das
Internet verfügbar gemacht werden. Für manche Mo -
delle ist neben der Dokumentation auch eine Reihe von
An wen dungsbeispielen, ein Forum zur Diskussion von
allfälligen Fragen potenzieller Nutzer und eine Kontakt -
adresse angegeben. Die Verfügbarkeit dieser Infor ma -
tion und die Möglichkeit, sich mit eigenen Fragen direkt
an die Entwickler des Modells zu wenden, vereinfachen
den Einstieg sehr (beispielsweise www.cluemodel.nl,
www.ncgia.ucsb.edu/projects/gig/project_gig.htm
oder www.whatifinc.biz).
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Walz, Ariane et al.: Virtuelle Welten - reale Entscheidungen? Die Alpen im Modellbaukasten, © vdf Hochschulverlag 2009
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5FAZIT 103
Die Fragestellungen im einzelnen Anwendungsfall sind
sich selten ähnlich genug, um bereits existierende Mo -
delle 1:1 zu übertragen. Je komplexer die Fra ge stellung
ist, umso schwieriger ist es, ein Modell zu finden, das
der Ausgangssituation und der Problematik im Einzel -
nen gerecht wird.
Was sind die Perspektiven von computergestützter Model -
lierung, Simulation und Visualisierungstechnik für die
Praxis? Welches sind die nächsten Schritte, um deren Ein -
satz in der Praxis in Zukunft zu erleichtern?
Aufgrund der zunehmenden Komplexität von Ent schei den
und der Reduktion technischer Schwierigkeiten wird an -
genommen, dass die Bedeutung von Modellen in der Zu -
kunft zunehmen wird.
Modelle können verschiedene Aufgaben in der Pla nungs-
praxis übernehmen. Für die Planung sind folgende drei
Aufgaben relevant: (1) Simulationsmodelle, (2) Visua li sie-
rungs techniken und (3) partizipative Modellierungs an -
sätze. Die Bedeutung von Bewertungsansätzen wird in
der Planung (noch) nicht sehr hoch eingeschätzt.
Die Simulation von Varianten hat in der Planung einen
hohen Stellenwert. Simulationsmodelle, die vielschich-
tige Entwicklungen abbilden und damit Entscheidungs -
grundlagen liefern können, werden als zukünftig wich-
tige Instrumente der Planung eingeschätzt.
Diese Simulationsmodelle müssen eventuell speziell zu
den konkreten Fragestellungen konzipiert werden. Gera -
de bei grossen Projekten, zu deren Beurteilung sowieso
Daten erhoben werden (müssen), kann dies allerdings
eine lohnende Anstrengung sein.
Photorealistische Visualisierungen können abstraktes
Wissen in ein eindrückliches Bild verwandeln. Ihr Vorteil
wird insbesondere bei der Kommunikation an die
Öffentlichkeit und Entscheidungsträger, die keine ver-
tiefte Erfahrung im Bereich der Raum- und Land schafts -
planung haben, gesehen. Da es oftmals sehr schwierig
ist, sich einen visuellen, konkreten Eindruck von einer
zukünftigen Entwicklung zu machen, kann die photorea-
listische Visualisierung ein wichtiges Kommunikations -
mittel sein.
Die photorealistische Visualisierung transportiert neben
der reinen Information auch immer eine emotionale
Kom ponente. Auf der einen Seite führt dies dazu, dass
sie eindrücklich und leicht verständlich ist, auf der ande-
ren Seite besteht damit die Gefahr der Manipulation.
Partizipative Modellierungsansätze können insbeson-
dere bei schlecht abzugrenzenden Problemen ein hilfrei-
ches Mittel zur Strukturierung und Lösung des Problems
sein. Wie im oben beschriebenen Fall von der Ent wick -
lung von Simulationsmodellen für einzelne Fragestel lun-
gen tritt hier der Prozess der Modellierung in den Vor -
der grund, anstatt dem Modell als Werkzeug.
Technische Schwierigkeiten im Bereich der Schnitt stel -
len zwischen Software-Umgebungen und im Bereich der
Datenaufbereitung machen die Arbeit mit Modellen und
Visualisierungstechniken schwerfällig. Aufgrund aktuel-
ler Entwicklungen in diesem Bereich kann man davon
ausgehen, dass diese Probleme sich in Zukunft relativ
bald lösen werden.
Die Datenverfügbarkeit in lokalen, kantonalen und Bun -
desinstitutionen hat in den letzten Jahren rasch zuge-
nommen. Um den Aufwand zu reduzieren, der im Mo -
ment noch nötig ist, um Daten zur Modellierung aufzu-
nehmen und aufzubereiten, empfehlen wir gezielt Lücken
in den Datenbeständen zu schliessen.
Datengrundlagen verschiedener Institutionen und Orga -
nisationen sollten gemeinsam und über einzelne ad mi nis-
trative Ebenen hinaus verwaltet und zugänglich ge macht
werden. Selbst wenn die Daten selbst nicht zen tral gela-
gert werden (können), sollten Inhalt und Eigen schaften
der Daten über öffentlich zugängliche Daten kataloge
(«Metadaten») ständig aktuell und einsehbar sein.
Weil Forschungsprojekte typischerweise an kleineren
Fall beispielen Methodenentwicklung betreiben, ist die
Einbindung von Akteuren aus der Praxis oftmals schwie-
rig. Der Aufwand einer Modellierung lohnt sich in der
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Walz, Ariane et al.: Virtuelle Welten - reale Entscheidungen? Die Alpen im Modellbaukasten, © vdf Hochschulverlag 2009
NFP48 THEMATISCHE SYNTHESE V 104
Planungspraxis erst bei grossen Projekten. Um die
Modellierung als Methode in der Planungspraxis zu eta-
blieren, sollte vor allem bei diesen grossen Projekten
eine Zusammenarbeit zwischen Forschung und Praxis
stattfinden. In diesen tatsächlichen Anwendungsfällen
könnte das methodischen Know-how der Forschung in
die Praxis transportiert werden.
Wie können die Bedürfnisse potenzieller Anwender in die
Entwicklung eines Models direkt einfliessen?
Anwender und Entwickler (von Modellen) leben meist in
sehr unterschiedlichen gedanklichen Welten. Nebst der
Etablierung partizipativer Prozesse erscheint die in Ka -
pitel 4 aufgezeigte Methodik des Use Cases eine ideale
Voraussetzung dafür, dass die beiden Seiten sich ver-
stehen lernen und die zunächst als komplex erscheinen-
de Fragestellung auf Einzelfragen herunterbrechen.
Die Technik des Use Case wird in der Software-Ent wick -
lung häufig eingesetzt. Im Bereich der Landschafts ana -
lyse und -planung hat sie sich aber noch nicht etabliert.
Aus Sicht der Synthese V scheint es sinnvoll, diesen An -
satz zu propagieren, da dieses methodische Vor gehen
für jeden Sachverhalt, für jedes Gebiet und für jegliche
Art von Sachdaten angepasst werden kann.
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Walz, Ariane et al.: Virtuelle Welten - reale Entscheidungen? Die Alpen im Modellbaukasten, © vdf Hochschulverlag 2009
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105
Anhang
6
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Walz, Ariane et al.: Virtuelle Welten - reale Entscheidungen? Die Alpen im Modellbaukasten, © vdf Hochschulverlag 2009
6 Anhang
6.1 Dokumentation des
Begleitgruppenprozesses
Um die Meinungen und Erfahrungen der Fachleute einzu-
beziehen, wurde die Synthese V von einer Gruppe von 14
Personen aus der Raum- und Landschaftsplanung begleitet.
Die Begleitgruppe bestand aus Mitgliedern der Lei tung des
NFP 48 und neun weiteren Fachleuten aus den Berei chen
Verwaltung, Politik, Beratung und Wissenschaft und deck-
te von der lokalen bis zur nationalen Ebene alle räumlich-
administrativen Ebenen ab. Die Mitglieder sind zugleich
auch Stakeholder auf dem Gebiet der Landschafts- und
Regionalentwicklung und vertreten zahlreiche Instanzen
der Planung.
Dieser Personenkreis kam während des Projektes zwei-
mal zu Workshops zusammen. Vor dem ersten Workshop
am 17. August 2006 wurden durch eine Fragebogenum -
frage die Erfahrungen und Erwartungen der Teilnehmer im
Zu sammenhang mit computergestützten Modellen er mittelt.
In hal te dieses Workshops waren die Vorstellung des Syn -
theseprojekts und eine Diskussion über Gemeinsam kei ten
im Verständnis von Modellen sowie über Möglichkeiten
und Probleme ihres Einsatzes. Nach dem Workshop haben
die Teilnehmer den gleichen Fragebogen noch einmal aus-
gefüllt.
Im zweiten Workshop am 19. Januar 2007 wurden Anfor -
derungsprofile an mögliche Modelle zur Unterstützung
von Entscheidungsprozessen aus unterschiedlichen Pers -
pek tiven erarbeitet. Dazu wurden die Erwartungen an vir-
tuelle Planungsinstrumente aus Sicht der Verwaltung, der
Politik, der Praxis und des Tourismus anhand des Beispiels
Schatzalpturm zuerst in Kleingruppen und dann im Ple -
num diskutiert. Abschliessend wurden die vorgeschlage-
nen Modelleigenschaften im Plenum auf ihre Bedeut sam -
keit hin bewertet.
6.1.1 Auswertung der Fragebögen
Ziel der Befragung war es, verschiedene Erfahrungen mit
computergestützten Modellen und entsprechende Erwar -
tun gen für verschiedene Einsatzgebiete zu erfassen. Die An -
zahl der befragten Begleitgruppenmitglieder ist zu ge ring,
um ein repräsentatives Ergebnis zu erwarten. Doch zeigen
die Antworten bereits ein Spektrum auf, das nach Ver gleich
mit einschlägiger Fachliteratur (z.B. Brail und Klosterman,
2001; Cockerill et al., 2004; Vonk et al., 2005) als typisch
bewertet werden kann.
Der Fragebogen vom 18. August 2006 deckte die im
Folgenden diskutierten Gebiete ab:
Einsatzgebiet
Ein Einsatz von computergestützten Modellen in den Be -
reichen Raum- und Landschaftsplanung erscheint sowohl
den Teilnehmern mit als auch ohne Erfahrung in der An wen-
dung computergestützter Modelle als hilfreich. Als wich-
tige Einsatzgebiete werden vor allem die Zusammenhänge
in der Regionalentwicklung, Bewertung von Landschafts -
ver änderungen, Klimaänderung, Tourismusentwicklung
und wirtschaftliche Entwicklung genannt.
Bewertung verschiedener Funktionen
Das grösste Potenzial von Modellen sehen die Fachleute
in deren Funktion, komplexe Zusammenhänge aufzuzeigen
und komplexe Entwicklungen in Form von Simu la tio nen dar-
stellen zu können. Wenn Modelle damit inhaltlich glaub -
würdige und methodisch nachvollziehbare Informa tio nen
und Argumente liefern, können sie damit den Ent schei -
dungsträgern für langfristige Entwicklungen sensibilisieren
und den Entscheidungsprozess massgebend be reichern.
Eine weitere, als sehr wichtig eingestufte Funktion der
Modelle ist es, diese Information auch ansprechend zu
visualisieren. Gerade dieser Aspekt der Visualisierung
wurde in der Diskussion vielfach wieder aufgenommen
und stellt insbesondere für die Teilnehmer, die auf lokaler
und kantonaler Ebene arbeiten, das wichtigste Argument
für den Einsatz computergestützter Modelle dar.
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Ein letztes, sowohl in den Fragebögen als auch in der
Dis kussion immer wieder genanntes Argument für den Ein-
satz computergestützter Modelle kommt mehr bei deren
Ent wicklung als bei der Anwendung zum Tragen. Es han-
delt sich dabei um den Lernprozess beim Verlauf der Mo -
de llierung, der zu einem tieferen Verständnis des bearbei-
teten Problems führt. Der Entscheidungsprozess profitiert
unabhängig von den eigentlichen Simulations er geb nissen
davon, dass im Verlauf der Modellierung ein klares
Problemverständnis und eine Strukturierung sämtlicher
Ein flussgrössen notwendig sind. Die Möglichkeit, anhand
von Modellen systematische Bewertungen durch Indi ka -
toren durchzuführen, wurde von den Experten zum Gross -
teil als «schön, aber nicht zwingend» eingeschätzt.
Nutzer
Der Einsatz von computergestützten Modellen wird als
besonders bedeutsam für die Fachleute und -gremien ein-
gestuft, weil die damit erarbeiteten Grundlagen weiter
in die Entscheidungsprozesse eingespeist werden können.
Viele der Befragten halten es ausserdem für sinnvoll und
wünschenswert, wenn die Modelle direkt «live» in Gre mien
und Sitzungen genutzt werden können; Voraus setzung da -
für sind eine entsprechend benutzerfreundliche Gestal tung
der Modelle und schnelle Rechenzeiten. Eine Nutzung der
Modelle durch die Öffentlichkeit, z.B. über ein Internet-
Portal, wird als weniger wahrscheinlich angesehen.
Zeitaufwand
Die Befragung zeigt, dass die meisten Teilnehmer nur
einen geringen Arbeitsaufwand für den Einsatz eines com-
putergestützten Modells auf sich nehmen würden. Einen
Tag zum Kennenlernen des Modells und zu seiner Anwen -
dung oder eine Woche, um auch noch eventuelle notwen-
dige Adaptionen vornehmen zu können, halten die meisten
Befragten für vertretbar; nur wenige wären bereit, auch
ein grösseres Zeit- und Kostenbudget einzuräumen.
Diese Antworten zeigen, warum sich Erwartungen an
Modelle und ihre gewünschten Leistungen sowie ihr tat-
sächlicher Einsatz so sehr unterscheiden. Die Erwartung,
komplexe Systeme darstellen und langfristige Entwick lun -
gen aufzeigen zu können und Modellierung zur Verbes se -
rung des eigenen Problemverständnisses zu nutzen, steht
in deutlichem Widerspruch zum geringen Aufwand, den
sich viele Nutzer leisten können.
Bedeutung auf unterschiedlichen
räumlichen Ebenen
Die Bedeutung von Modellen auf den verschiedenen räum -
li chen Ebenen findet eine sehr unterschiedliche Bewer tung.
Tendenziell zeichnen sich dabei zwei Richtungen ab. Die
eine nimmt Bezug auf die Möglichkeit, Landschafts verän -
derungen kleinräumig und detailliert zu visualisieren, was
insbesondere für die Entscheidung über Einzelprojekte
und auf lokaler Ebene bedeutsam ist. Die andere folgt der
Erwartung, durch die Modellierung komplexe Systeme dar -
zustellen und besser zu verstehen, was insbesondere für
grossräumigere Fragestellungen interessant ist. Dabei wird
allerdings auch darauf hingewiesen, dass Modelle gerade
in konfliktreichen Entscheiden meistens keine Hilfe bieten
können. Nur zwei der Befragten schätzen die Bedeutung
computergestützter Modelle auf allen Ebenen gleich hoch
bzw. gleich niedrig ein.
Zukünftige Bedeutung
Die zukünftige Bedeutung von computergestützten Mo -
del len in der Raum- und Landschaftsplanung wird in den
Fragebögen ebenfalls recht unterschiedlich bewertet.
Die meisten Antworten weisen auf eine in Zukunft grös-
sere Bedeutung computergestützter Modelle hin. Die zu -
nehmend verfügbaren Input-Daten und die wachsende Ver-
trautheit mit der Technologie sind wichtige Gründe dafür.
Aber auch die Beobachtung, dass die Komplexität vieler
Ent scheide zunimmt und immer umfangreichere Daten -
grund lagen zur Entscheidungsfindung erwartet werden,
sprechen für den zunehmenden Einsatz von Modellen.
Schliess lich wird auch angenommen, dass weiter verbes-
serte Modelle erfolgreich in der Praxis Einsatz finden und
6 ANHANG 107
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NFP48 THEMATISCHE SYNTHESE V 108
so die allgemeine Akzeptanz von Modellen in Zukunft
wächst.
Doch wird auch die gegensätzliche Meinung vertreten,
dass computergestützte Modelle in Zukunft nicht an Be -
deu tung gewinnen werden. Gründe dafür sind zum einen
Glaubwürdig keit und Qualität der Modelle selbst, zum
anderen aber auch die mangelnde Sachlichkeit und Sys te -
matik, mit denen Entscheide im Bereich der Raum- und
Landschaftsplanung häufig gefällt werden.
Aus den Begründungen sowie der Gruppendiskussion
ging hervor, dass die grundlegende Voraussetzung für
einen erfolgreichen Einsatz computergestützter Modelle
eine relativ sachlich geführte Diskussion in den Entschei -
dungsgremien ist. Politisches Taktieren und Lavieren be -
ein trächtigt die Anwendung von Modellen. Auch wird ein
Modell nie zwischen verschiedenen Interessen vermitteln
können, so dass Entscheidungskonflikte nur bedingt durch
den Einsatz von Modellen gelöst werden können.
6.1.2 Anforderungsprofil an Modelle
aus Sicht der (potenziellen) Anwender
Ziel des zweiten Workshops war es, die Bedürfnisse po -
ten zieller Nutzer aus den verschiedenen Anwendungs be -
rei chen zusammenzutragen und aus der Diskussion Anfor -
de rungsprofile dafür zu entwickeln. Als Beispiel eines
möglichen Modelleinsatzes wurde der Schatzalpturm in
Davos und die damit zusammenhängenden Simulationen
ge wählt. Die Anforderungen wurden in vier Gruppen
gegliedert, die jeweils die Sicht von Politik, Verwaltung,
Wirt schaft/Praxis oder der Tourismusbranche vertraten.
Jede einzelne Gruppe hat während 15 Minuten rund
sechs Anforderungen an ein potenzielles Modell gesam-
melt und diese in weiteren 10 Minuten nach ihrer Bedeu -
tung rangiert. Schliesslich wurde die Diskussion für weite-
re 10 Minuten für das Plenum geöffnet, das dann die
Anforderungen gesammelt, diskutiert und ihre Bedeutung
im Einzelnen bewertet hat.
Jeder Teilnehmer war aufgefordert, frei und unabhängig
von beruflichen oder fachlichen Interessen zwischen den
Gruppen zu wählen. Insofern stellte die Gruppenarbeit
eine Art Rollenspiel mit freier Argumentation dar.
Anforderungsprofil aus Sicht der Politik
Transparenz im Sinne von Modellverständnis und Ver -
trauen in das Modell wurden in der Gruppe Politik am
höchsten bewertet (Abbildung 6-1a), wobei die Begriffe
«Trans parenz» und «Vertrauen» in der Diskussion weitge-
hend identisch waren. Zur Entscheidungsfindung muss die
Politik nicht genau jedes mathematische Detail eines Mo -
dells kennen, sondern in erster Linie Vertrauen in seine Er -
gebnisse haben. Dies muss nicht in erster Linie methodisch-
technischen Aspekten, sondern vielmehr den verantwort-
lichen Modellierern entgegengebracht werden und ergibt
sich vor allem aus der entsprechenden Kom munikation.
Grosse Bedeutung wurde ausserdem der Visualisierung
zugeschrieben, und zwar aus zwei Grün den. Zum einen
liessen sich damit sinnvolle Lösungen «überzeugend ver-
kaufen». Zum anderen können sich so wohl Politik als auch
die Öffentlichkeit mittels Visualisie rung die Folgen eines
Entscheides erst richtig vorstellen, wie z.B. bei der Ge neh -
mi gung eines Bauprojektes oder einer Änderung der Zo nen-
planung. Trotz des hohen Stel len werts der Visuali sie rung
wurde sie kontrovers diskutiert und z.B. keine Einig keit
erzielt, ob ihre Bewertung von Seiten der Politik oder nach
entsprechend vorher festgelegten Kriterien direkt durch
das Instrument vorgenommen werden solle.
In der Diskussion wurde die Bedeutung der aufgeführ-
ten Anforderungen an computergestützte Modelle als Ent -
scheidungshilfen noch einmal grundlegend relativiert. Als
übergeordnete Notwendigkeit wurde die Fähigkeit der
Modelle bezeichnet, die unterschiedlichen Phasen eines
Entscheidungsprozesses mit jeweils unterschiedlichen
Anforderungen gezielt zu unterstützen.
Anforderungsprofil aus Sicht der Verwaltung
Aus Sicht der Verwaltung werden zwei Einsatzgebiete für
Modelle von vornherein unterschieden (Abbildung 6-1b).
Zum einen werden sie intern zur Schaffung von Daten grund-
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6 ANHANG 109
lagen für Entscheide, zum anderen als Kommunika tions -
mittel in partizipativen Prozessen und in der Öffentlich -
keits arbeit verwendet.
Beim internen Gebrauch steht die Abbildung komplexer
Zusammenhänge zur Vorbereitung von Entscheidungs -
grund lagen im Vordergrund, wie z.B. die möglichen Folge -
wirkungen eines diskutierten Eingriffs in die Landschaft.
Für Entscheide auf der Basis der simulierten Information
ist die Transparenz des Modells von grundlegender Be deu -
tung. Die Möglichkeit Varianten zu berechnen wird so wohl
für den internen als auch für den externen Gebrauch als
wichtig bewertet, ohne dass sie in der Diskussion unbe-
dingt interaktiv berechenbar sein müssen. Beim heutigen
Stand der Technik wird die automatisierte Bewertung nach
Indikatoren als wünschenswert, jedoch als weniger be deut-
sam angesehen.
Insgesamt wird angenommen, dass zum verwaltungsin-
ternen Gebrauch von Modellen ein recht technokratischer
Ansatz auch ohne eine realitätsnahe Visualisierung ver-
folgt werden kann, im Gegensatz zu den Anforderungen
der Gruppe Politik oder zu extern genutzten Modellen.
Beim externen Gebrauch für die Öffentlichkeitsbeteiligung
und -arbeit hat die Visualisierung einen sehr hohen Stel -
lenwert. Dabei setzen Computerspiele einen hohen Mass -
stab für die Realitätsnähe, die allerdings im Moment von
Simulationsmodellen noch nicht erreicht wird. Ähnlich wie
in der Gruppe Politik wird auch hier die Möglichkeit, alter-
native Entwicklungsszenarien als Diskussionsgrundlage
simulieren und präsentieren zu können, als überaus
wichtig be wertet. In der Diskussion wird aber auch darauf
hingewiesen, dass Öffentlichkeitsbeteiligung und -arbeit
nicht die Hauptaufgabe der Verwaltung darstellen, son-
dern bereits in den Bereich Politikvorbereitung gehören.
Anforderungsprofil aus Sicht der Wirtschaft/Praxis
Die Diskussion in der Gruppe Wirtschaft/Praxis war stark
vom Verhältnis zwischen Aufwand und Nutzen des poten-
ziellen Modelleinsatzes geprägt. Das Ergebnis der Gruppe
lässt sich in zwei grösseren Themenkomplexen zu sam -
men fassen (Abbildung 6-1c) und bildet keine Rang liste wie
eigentlich vorgesehen.
Der Themenkomplex A, der von dem vorgeführten De -
monstrationsfilm der Wan de rer simulation ausgeht, kriti -
siert den zu grossen Auf wand für die Herstellung einer sol-
chen Visualisierung. Als weniger aufwändige Alternative
zu Filmen werden Reihen mit manipulierten Photos vorge-
schlagen, die als Kommunikationshilfe dienen können.
Andererseits wird deutlich, dass der Aufwand für den
Demonstrationsfilm sehr viel geringer wäre, würden die
entsprechend aufbereiteten Daten bereits zur Verfügung
stehen. Insofern wurde der visualisierungskritische Stand -
punkt mit dem Hinweis auf die zu erwartenden tech ni -
schen Entwick lun gen vom Ple num abgelehnt.
Der Themenkomplex B geht dagegen vom Aufwand
einer Modellierung aus und sieht in deren Möglichkeit zur
Darstellung komplexer Systeme und zur Schaffung von
Ent scheidungs grund lagen ein grosses Potenzial. Dieser
Auf wand wird allerdings als sehr hoch eingeschätzt, und
nach Meinung der Beteiligten könnten in den meisten
Fällen Einzelstudien mit gezielter Datenaufnahme effizien-
ter sein.
Basierend auf dieser Demonstration wurde zudem der
drin gende Wunsch nach Interaktivität geäussert, die das Ler-
nen zum Verständnis und zur Nutzung der Modelle fördert.
In der Diskussion im Plenum stiess der visualisierungs-
kritische Standpunkt der Gruppe Wirtschaft/Praxis auf
gros se Überraschung. Gerade Investoren müssten ein
gros ses Interesse an der Visualisierung haben, da sie sich
sehr effektiv im Marketing einsetzen liesse.
Anforderungsprofil aus Sicht des Tourismus
Die Gruppe Tourismus sieht in der Nutzung von Modellen
und computergestützten Entscheidungshilfen vor allem
bei der Vermarktung ein grosses Potenzial und misst einer
realitätsnahen Visualisierung grösste Bedeutung zu (Ab -
bil dung 6-1d); in ihr sollten auch alternative Erschei nungs -
bilder zu verschiedenen Jahres- und Tageszeiten berück-
sichtigt werden. Ausserdem wird ein hoher Grad an Inter -
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NFP48 THEMATISCHE SYNTHESE V 110
Abbildung 6-1a
Ergebnis der Gruppenarbeiten: Zusammenstellung von Modellanforderungen zum Schatzalpturm aus Sicht der Politik
Quelle: Eigene Darstellung.
Transparenz
Visualisierung
Bewertung
z.B. nach Nachhaltigkeitskriterien
Übergeordnetes Ziel und thematische Ausrichtung
Kostenabschätzung
Interaktivität
um Sensitivitäten zu testen und Varianten zu berechnen
Gruppe Politik
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6 ANHANG 111
Abbildung 6-1b
Ergebnis der Gruppenarbeiten: Zusammenstellung von Modellanforderungen zum Schatzalpturm aus Sicht der Verwaltung
Quelle: Eigene Darstellung.
Externe Verwendung
z.B. Öffentlichkeitsarbeit
Interne Verwendung und
interne Entscheidungsfindung
Zeitaufwand teils gerechtfertigt
z.B. bei Projekten mit hoher Öffentlichkeitswirksamkeit
Realitätsnähe
«Spiele können das auch»
Varianten simulieren
Modelltransparenz
Folgewirkungen aufzeigen
z.B. Strassen, weitere Gebäude
Bewertung anhand
von Indikatoren
Gruppe Verwaltung
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NFP48 THEMATISCHE SYNTHESE V 112
Abbildung 6-1c
Ergebnis der Gruppenarbeiten: Zusammenstellung von Modellanforderungen zum Schatzalpturm aus Sicht der Wirtschaft/Praxis
Quelle: Eigene Darstellung.
Themenkomplex A
Der Aufwand, der in dem vorgeführten Film steckt, ist zu gross.
Um solche Simulationen in der Praxis anzuwenden, müssten
aufbereitete Daten bereits zur Verfügung stehen.
Gruppe Wirtschaft/Praxis
Themenkomplex B
Modelle können einen wichtigen Beitrag zur Berechnung von
Entscheidungsgrundlagen leisten. Der zeitliche und finanzielle
Aufwand ist aber (noch) sehr hoch.
Auswirkungen auf
den Ort, z.B. Verkehr
Statistische Erhebungen
können ausreichend sein
Schaffung von
Entscheidungsgrundlagen
mit inhaltlicher
Tiefe/Komplexität
Eventuell reichen
Einzelstudien,
Aufwand für Simulationen
(noch) sehr hoch
Simulation und Film
können durch eine Reihe
manipulierter Bilder ersetzt
werden, z.B. Marketing
Aufarbeitung von Basisdaten
zur Simulation für die
ganze CH > Daten müssten
schneller und günstiger
verfügbar sein
Verschiedene Varianten für
die Simulation im Beispielfall
des Schatzalpturm: Saisons,
Tageszeiten, Innenansichten
Modelle sollen interaktiv
sein, so dass Nutzer sie
besser verstehen lernen
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6 ANHANG 113
Abbildung 6-1d
Ergebnis der Gruppenarbeiten: Zusammenstellung von Modellanforderungen zum Schatzalpturm aus Sicht des Tourismus
Quelle: Eigene Darstellung.
Realitätsnahe
Visualisierung
Alternative
Erscheinungsbilder
z.B. Jahreszeiten, Wetter
Transparenz Infrastruktur-
management
Verkehrs- und
Besucherströme
Interaktivität
Integration von
Massstabsebenen
Simulation von
zukünftigen
Entwicklungen
Gruppe Tourismus
Verknüpfung von
Informationsquellen
und Modellen
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NFP48 THEMATISCHE SYNTHESE V 114
aktivität gefordert, so dass das Tool direkt in Sitzungen
eingesetzt und zu Marketingzwecken über ein Internet-
Portal genutzt werden kann.
Die Folgewirkungen eines diskutierten Eingriffes in die
Landschaft auf die Attraktivität der touristischen Ziele soll-
ten, ähnlich wie bei den anderen Gruppen, durch die Simu -
lation von zukünftigen Entwicklungen abgeschätzt werden
können. Dabei weist die Gruppe explizit daraufhin, dass
dazu verschiedene Informationsquellen und Modelle zu
verknüpfen seien, um der Komplexität der Situation ge -
recht zu werden.
Auch in dieser Gruppe wird Transparenz des Modells als
Voraussetzung zu seiner Nutzung gesehen und, ähnlich
wie bei der Gruppe Politik, weitgehend synonym mit Ver -
trauen verwendet.
Gemeinsame Bewertung von Modelleigenschaften
In der anschliessenden Diskussion wurden die Eigen schaf -
ten, die in den einzelnen Gruppen genannt wurden, ge -
mein sam durch das Plenum bewertet. Die Eigenschaften
und die Bewertungen, die in Tabelle 6-1 aufgeführt sind,
verfolgen weder den Anspruch auf Vollständigkeit noch ist
die Tabelle eine bis ins letzte Detail differenzierte
Beurteilung. Viel mehr spiegelt Tabelle 6-1 sehr gut den
Verlauf der Dis kussion wider und fasst sie in grossen
Teilen zusammen.
Die bereits in den Gruppen Verwaltung und Wirt schaft/
Praxis diskutierte Differenzierung zwischen Modellen,
deren Ergebnisse intern als Entscheidungsgrundlage und
jenen, deren Ergebnisse vorwiegend zur Kommunikation
nach aussen verwendet werden, wurde dabei in Tabelle
6-1 als grundsätzliches Unterscheidungsmerkmal aufge-
nommen.
Als einen der wichtigsten Punkte wurde die Modell trans -
parenz aufgeführt. Im Sinne einer detaillierten und kom-
pletten Dokumentation ist Transparenz in erster Linie für
Nutzer bedeutsam, die der einzelnen Sachfrage mit gros-
sem Detaillierungsgrad nachgehen. Im Laufe der Diskus -
sion erwies sich allerdings der Begriff «Transparenz» nicht
für alle potenziellen Nutzer als treffend. Denn in Berei -
chen, in denen die Auseinandersetzung mit der einzelnen
Sachfrage nicht bis in einen grossen Detaillierungsgrad
erfolgt, wie zum Beispiel in der Politik, ist nicht die Modell -
trans parenz, sondern eigentlich das Vertrauen in das
Modell, seine Entwickler und seine Anwender ent schei -
dend. Ergeb nisse, die an die Öffentlichkeit weitergegeben
werden, sollten auf ihre Richtigkeit und ihre Ver trauens -
würdig keit hin bereits überprüft sein. Insofern spielt die
Transparenz und Vertrauensbildung im Vorfeld eine wichti-
gere Rolle. In Tabelle 6-1 wird neben der Modell trans -
parenz auch die Transparenz des Entscheidungsprozesses
aufgeführt. Obwohl Modelleigenschaften nur einen gerin-
gen Anteil an dieser Transparenz gegenüber der Öffent-
lichkeit haben, wurde er von den Entscheidungsträgern
und Praktikern sehr hoch bewertet.
Weitere als wichtig eingestufte Ansprüche an ein mögli-
ches Modell war die Fähigkeit, verschiedenartige Fol ge -
wirkungen von Entscheiden abbilden und die, Alter nativen
simulieren zu können. Diese Ansprüche deuten da rauf hin,
dass Simulationsmodelle eines hohen Kom plexi täts -
grades durchaus von Anwendern gewünscht werden. Denn
zukünftige Entwicklungen systematisch abzuschätzen wird
durchaus als hilfreicher Beitrag zu Ent schei dungs grund -
lagen gewertet. Welchen Grad der Komplexi tät diese Mo -
delle abdecken sollen, kann von einem Anwendungsfall
zum nächsten stark variieren. Doch zeigt die Diskussion
während des Workshops, dass im Bereich der Simu la -
tionsmodelle oftmals gerade hohe Kom plexi tät gefragt ist.
Die realitätsnahe Visualisierung nimmt, wie bereits in
den Kleingruppen besprochen, insbesondere bei der Kom -
mu nikation nach aussen an ein Publikum, das über keinen
grossen professionellen Erfahrungsschatz in der Planung
verfügt, einen sehr hohen Stellenwert ein. Dies sind neben
der Öffentlichkeit auch Entscheidungsträger der Politik.
Er gänzend zur Diskussion während des Workshops muss
ausserdem erwähnt werden, dass eine Visualisierung auch
Experten und Entscheidungsträgern im planungsnahen
Um feld überraschende Eindrücke vermitteln kann. Zum
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6 ANHANG 115
Bei spiel ist es auch für Experten sehr schwer, sich vor
Augen zu führen, was eine höhere Auslastung der gegebe-
nen Ausnutzungsziffer für Konsequenzen für das Stadtbild
haben kann.
Obwohl die technischen Probleme und der Mehrauf wand
bei der Implementierung eines Modells den Experten der
Begleitgruppe durchaus bewusst ist, wäre für sie ein inter-
aktives Instrument ein langfristig erstrebenswertes Ziel.
Eine hohe Interaktivität in Verbindung mit schnellen Re -
chen zeiten ermöglicht das «Herumspielen» mit dem Mo -
dell. So könnten professionelle Anwender die Plausibilität
und die Grenzen des Modells relativ schnell abschätzen,
und es könnte ausserdem direkt in Sitzungen und öffent-
lichen Veranstaltungen genutzt werden.
Die Verfügbarkeit und Aufbereitung von Daten wird als
eine rein interne Herausforderung eher weniger hoch be -
wer tet. Und auch die automatisierte Bewertung von Simu -
la tionsergebnissen anhand eines vordefinierten Indika to -
ren systems wird in diesem Sta dium als weniger bedeut-
sam betrachtet.
Zusammenfassung des zweiten Begleitgruppen-
Workshops
Die ausführliche Dokumentation des zweiten Begleit -
gruppen-Workshops lässt sich in ein paar Haupter geb nis -
se zusammenfassen:
dass die Anwendung von Simulationsmodellen heute
oftmals noch einen grossen Aufwand bedeutet und die-
Tabelle 6-1
Bewertung von Modelleigenschaften im Plenum des zweiten Begleitgruppen-Workshops am 19. Januar 2007
Modelleigenschaften
Modelltransparenz/Vertrauensbildung
Folgewirkungen darstellen
Möglichkeit zur Erzeugung von Varianten
Realitätsnahe Wirkung
Interaktivität
Datengrundlagen für Modellanwendung
Indikatorensysteme
Transparenz des Entscheidungsprozesses
Quelle: Eigene Darstellung.
Zur internen Entscheidungsunterstützung
+++
+++
+++
(bis zu 30 Varianten, bis zu 3 Tage Arbeits-/
Rechenzeit pro Szenario akzeptabel)
+
Kann bis zu einem gewissen Grad
durch «Varianten» ersetzt werden.
Auf Dauer wünschenswert
(=++)
++
+
Zur Kommunikation nach aussen
++
++
+++
(ca. 3 Varianten)
+++
Interaktive Betrachtung der Szenarien
++++
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Walz, Ariane et al.: Virtuelle Welten - reale Entscheidungen? Die Alpen im Modellbaukasten, © vdf Hochschulverlag 2009
ser Aufwand sich bei kleineren Projekten in der Praxis
nicht lohnt,
dass dieser Aufwand den heutigen Stand der Ent wick -
lung abbildet und in der nahen Zukunft bereits ganz
andere Standards anzunehmen sind, insbesondere hin-
sichtlich der Datenverfügbarkeit sowie technischer Pro -
bleme,
dass zwischen der Nutzung von Modellen zur Berech -
nung von Datengrundlagen für die interne Ausarbeitung
von Entscheidungen und der Nutzung von Visuali sie run -
gen zur Kommunikation nach aussen differenziert werden
muss, weil sich daraus andere Anforderungen an die vir-
tuellen Planungsinstrumente ergeben,
dass die Anforderungen an Modelle und Werkzeuge in
allen Nutzergruppen trotzt der Betrachtung aus unter -
schiedlichen Blickwinkeln ähnlich waren und sich nur
die Gewichtung je nach Fokus etwas auf die interne oder
externe Nutzung verlagert,
dass komplexe und interdisziplinär angelegte Simula -
tions modelle als Idealvorstellung immer noch die Dis -
kus sion beherrschen,
dass die Verfügbarkeit und Aufbereitung von Daten als
eine rein interne Herausforderung eher weniger hoch
be wertet wird, und
dass die automatisierte Bewertung von Simulations -
ergebnissen anhand eines vordefinierten Indikatoren -
systems als weniger bedeutsam betrachtet wird.
NFP48 THEMATISCHE SYNTHESE V 116
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LITERATURVERZEICHNIS 117
Literatur aus NFP 48-Projekten
Alpscape
Bebi, P., Kytzia, S., Lundström, C., Walz, A., Grêt-Regamey, A.,
Lardelli, C. (2005)
Alpscape Simulation und Bewertung von Zukunftsszenarien
Alpiner Regionen am Beispiel der Landschaft Davos.
Schlussbericht, Davos.
Lundström, C., Kytzia, S., Walz, A., Grêt-Regamey, A., Bebi, P. (2007)
Linking models of land-use, resources and economy to simulate
the development of Alpine regions (Alpscape).
Environ mental Management 40, S. 379393.
Von Ballmoos, M., Bebi, P. (2003)
Raumentwicklung und Nachhaltigkeit in der Landschaft Davos.
Geomatik Schweiz, S. 661664.
Walz, A. (2006)
Land Use Modelling for an Integrated Approach to Regional
Development in the Swiss Alps. Dissertation der Universiät
Zürich, Zürich.
Walz, A., Lardelli, C., Behrendt, H., Grêt-Regamey, A., Lundström, C.,
Kytzia, S., Bebi, P. (2007)
Participatory scenario analysis for integrated regional modelling.
Landscape and Urban Planning 81, S. 114131.
Wegmann, M., Kytzia, S. (2005)
Input-Output-Tabelle für Davos, 2002. Unveröffentlichter
Bericht, Institut für Raum- und Landschaftsplanung NSL,
Zürich.
Alpro >www.infraconsult.ch
Baumgart, K. (2005)
Bewertung landschaftsrelevanter Projekte im Schweizer
Alpenraum – Die Methode der Discrete-Choice-Experimente.
Dissertation der Universität Bern, Bern.
Baumgart, K., Bernhard, T., Kooijman, C., Roth, G., Schild, R.,
Schwarzwälder, B. (2005)
Projektbewertung mit Alpro, Auswirkungen auf Wirtschaft,
Gesellschaft und Ökologie, Bern.
Literaturverzeichnis
Publikationen im Rahmen des NFP 48
> www.nfp48.ch
Um einen schnellen Überblick über die Pub li ka tio nen zu er -
halten, die im Rahmen eines Projekts des NFP 48 entstan-
den sind und in diese Synthese Eingang gefunden haben,
werden im Folgenden die einzelnen Publikationen eines
Projekts dem Projektkürzel (vgl. Ta belle 2-1) zugeordnet.
Thematische Synthesen des NFP 48
Backhaus, N., Reichler, C., Stremlow, M. (2007)
Alpenlandschaften – Von der Vorstellung zur Handlung;
Thematische Synthese zum Forschungsschwerpunkt I
«Prozesse der Wahrnehmung und Darstellung von Land -
schaften und Lebensräumen der Alpen» des Nationalen
Forschungsprogramms 48 «Landschaften und Lebensräume
der Alpen» des Schweizerischen Nationalfonds SNF, Zürich.
Simmen, H., Walter, F. (2007)
Landschaft gemeinsam gestalten – Möglichkeiten und Grenzen
der Partizipation. Thematische Synthese zum Forschungs -
schwerpunkt III «Zielfindung und Gestaltung» des Nationalen
Forschungsprogrammes 48 «Landschaften und Lebensräume
der Alpen» des Schweizerischen Nationalfonds SNF, Zürich.
Simmen, H., Walter, F., Marti, M. (2006)
Den Wert der Alpenlandschaften nutzen. Thematische Synthese
zum Forschungsschwerpunkt IV «Raumnutzung und Wert -
schöpfung» des Nationalen Forschungsprogrammes 48
«Landschaften und Lebensräume der Alpen» des
Schweizerischen Nationalfonds SNF, Zürich.
Stöcklin, J., Bosshard, A., Klaus, G., Rudmann-Maurer, K.,
Fischer, M. (2007)
Landnutzung und biologische Vielfalt in den Alpen – Fakten,
Perspektiven, Empfehlungen. Thematische Synthese zum
Forschungsschwerpunkt II «Land- und Forstwirtschaft im
alpinen Lebensraum» des Nationalen Forschungsprogrammes
48 «Landschaften und Lebensräume der Alpen» des
Schweizerischen Nationalfonds SNF, Zürich.
S5_Literatur_d.qxd:133-144_Literatur.qxd 19.11.2008 10:33 Uhr Seite 117
Walz, Ariane et al.: Virtuelle Welten - reale Entscheidungen? Die Alpen im Modellbaukasten, © vdf Hochschulverlag 2009
NFP48 THEMATISCHE SYNTHESE V118
Schwarzwälder, B., Kooijman, C. (2005)
Projektbewertung mit e-Alpro: Auswirkungen eines land-
schaftsverändernden Projekts auf Wirtschaft, Gesellschaft
und Umwelt im Alpenraum. IC Infraconsult AG, Bern.
Alpsim
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Walz, Ariane et al.: Virtuelle Welten - reale Entscheidungen? Die Alpen im Modellbaukasten, © vdf Hochschulverlag 2009
NFP48 THEMATISCHE SYNTHESE V124
Begleit-CD-ROM zur Synthese V
Virtuelle Repräsentation ist ohne die multimediale Aus -
gabe kaum denkbar. Die Projekte Alpsim und Ipodlas
haben sich vertieft mit dieser Thematik im Schwerpunkt V
des NFP 48-Programms befasst. Animierte Darstellungen
in einem Buch wiederzugeben ist kaum möglich; die meis-
ten Vorteile der dynamischen Wiedergabe gehen verloren.
Die vorliegende Begleit-CD-ROM stellt daher eine Er gän -
zung zur Synthese V dar. Kurze Kommentare ergänzen die
auf der CD-ROM enthaltenen Videos und Abbildungen.
Inhalt
ALPSIM
Bilder und Videos zum Projekt
IPODLAS
Videos zum Projekt
Synthese V
Videos und Bilder, die für die Synthese V
neu erstellt worden sind
Benötigte Software zum Abspielen der Filme und Anzeigen
der Bilder
Die Filme sind im Internet-Browser abspielbar mit dem Flash-Player
von Adobe. Dieser ist erhältlich unter: http://www.adobe.com/go/
getflashplayer_de und funktioniert sowohl für Mac OS X als auch
für Microsoft Windows. Die Bilddateien können direkt im Browser
angezeigt werden, bedingen jedoch aktivierte Javascript-Funktionen.
Verbreitung und Weiterverwendung der Daten
Der Inhalt der vorliegenden CD-ROM ist urheberrechtlich geschützt
und darf nur unter Angabe der vollständigen Quellen weiterver-
breitet werden. Insbesondere erlaubt ist die Verwendung für
Unterrichts zwecke und die Publikation auf einer Webseite unter
Erwähnung der Synthese V.
Empfohlene Zitierweise
Daten aus dem Directory «ALPSI
Gloor, C., 2005. Distributed Intelligence in Real-World Mobility
Simulations, Hartung-Gorre, 174 pp, ISBN-10 3-86628-029-7
Daten aus dem Directory «IPODLAS»
Wu, Y., 2007. Knowledge-based 4D Visualization of Amorphous
Phenomena in Complex Terrain. Dissertation der Mathe ma tisch-
naturwissenschaftlichen Fakultät, Universität Zürich, Remote
Sensing Series 49, 126 pp, ISBN-13 978-3-03703-015-8
Daten aus dem Directory «SYNTHESE V»
Begleit-CD-ROM «Virtuelle Welten – reale Entscheide?
Die Alpen im Modellbaukasten», NFP 48 Synthese V, Walz, A.,
Gloor, C., Bebi, P., Fischlin, A., Lange, E., Nagel, K., Allgöwer, B.,
vdf Hochschulverlag, Zürich, 125 pp, ISBN 978-3-7281-3202-4
S5_Literatur_d.qxd:133-144_Literatur.qxd 19.11.2008 10:33 Uhr Seite 124
Walz, Ariane et al.: Virtuelle Welten - reale Entscheidungen? Die Alpen im Modellbaukasten, © vdf Hochschulverlag 2009
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Synthesebericht NFP 48
Virtuelle Welten – reale Entscheide?
Synthesebericht NFP 48
Virtuelle Welten – reale Entscheide?
Die Alpen im Modellbaukasten
Thematische Synthese zum Forschungsschwerpunkt V
«Virtuelle Repräsentation»
Landschaften bieten keinen Raum für Experimente. Was in ihnen realisiert wird, bildet – meist für Jahr-
zehnte oder gar für Jahrhunderte – einen unauslöschlichen Teil von ihnen. Bevor endgültige Entscheide
gefällt werden, ist deshalb umsichtige und vorausschauende Planung gefordert. Computergestützte
Modelle erlauben es, Entwicklungsoptionen und Entscheidungsalternativen zu prüfen und zu visualisieren.
Entsprechend gewinnt die virtuelle Wiedergabe von Landschaftsprozessen in der Planung zunehmend
an Bedeutung.
Die thematische Synthese V des Nationalen Forschungsprogrammes 48 «Landschaften und Lebensräume
der Alpen» zeigt das Potenzial computer gestützter Modelle und Visuali sierungen für die Raum- und Land -
schafts planung auf und lotet den aktuellen Stand der Forschung aus. Die im Rahmen des NFP 48 entwickelten
Modelle behandeln die wichtigsten Themenkomplexe der Raum- und Landschaftsplanung in den Alpen –
Mechanismen und Land schaftsveränderungen durch sich wandelnde landwirtschaftliche Nutzung, den
Tourismus und intensive Siedlungsentwicklung oder das sich als Folge der Klimaerwärmung verändernde
Naturgefahren potenzial. Die Synthese V beleuchtet Chancen und Hindernisse von Modellen und Visuali -
sie rungen in der Planungspraxis und stellt dar, wie die Formulierung von «Use Cases» die Entwicklung
computergestützter Modelle und der dazugehörigen Software für die Praxis erleichtert und verbessert.
Autorenteam:
Ariane Walz, Christian Gloor, Peter Bebi, Andreas Fischlin, Eckart Lange, Kai Nagel, Britta Allgöwer
Herausgeber:
Schweizerischer Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung SNF
Schweizerischer Nationalfonds
Fonds national suisse
Swiss National Science Foundation
www.vdf.ethz.ch
verlag@vdf.ethz.ch
V
Synthesebericht NFP 48
Virtuelle Welten – reale Entscheide?
Die Alpen im Modellbaukasten
Thematische Synthese zum Forschungsschwerpunkt V
«Virtuelle Repräsentation»
Ariane Walz, Christian Gloor, Peter Bebi, Andreas Fischlin, Eckart Lange, Kai Nagel, Britta Allgöwer
ISBN: 978–3–7281–3202-4
REW_Umschlag_S5_d.qxd:EWf_Umschlag_sIV.qxd 2.12.2008 11:57 Uhr Seite 1