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[de] (orig)
Anwendung der Impedanzspektroskopie für die
Untersuchung von Biogasreformat in
Brennstozellen
Fachgebiet: Energieverfahrenstechnik und
Umwandlungstechniken regenerativer Energien
von
Wendelin Homann-Walbeck
Betreuer an der TU Berlin:
Univ. Prof. Dr. rer. nat. Frank Behrendt
Betreuer am Leibniz-Institut
für Agrartechnik Potsdam-Bornim e.V.:
Dr.-Ing. Volkhard Scholz
23. November 2007
Ich erkläre hiermit, dass ich die vorliegende Arbeit selbständig verfasst und keine
anderen als die angegebenen Quellen und Hilfsmittel verwendet habe.
Berlin, den 23. November 2007
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Abstract
The purpose of the experimental work reported here is to examine the use of biogas
reformat in PEM fuel cells using electrochemical impedance spectroscopy. The ex-
periments focus on the fact that biogas reformat may contain a very high fraction
of carbon dioxide compared to natural gas reformat. Carbon dioxide is believed to
adsorb on the Platinum/Ruthenium catalyst of the cell and to react according to
the reverse water-gas shift reaction. This reaction produces carbon monoxide which
poisons the catalyst and reduces the cell voltage. The fuel cell is run at 50
, 60
and 70
using a Membrane Electrode Assembly containing a Pt/Ru (0,3 mg/cm
2
)
catalyst on the anode side. The analysis is done by electrochemical impedance spec-
troscopy during 8 hours of fueling with synthetic gas containing 40 % carbon dioxide.
The results are compared to the cell performance while fueled with a gas containing
inert nitrogen instead of carbon dioxide.
The change in the cell conditions is analyzed by characteristic curves and by the
drift in the Nyquist-plot. To allow a more detailed analysis of the impedance data
a model for the cell is used and parameter optimizations are carried out both for
fault conditions with dened amounts of carbon monoxide in the anode gas and for
non-fault conditions.
In the tests with 40 % carbon dioxide the occurrence of the reverse water-gas shift
reaction can not be conrmed. Nearly no negative eects can be observed compared
to anode gas containing 40 % nitrogen and 60 % hydrogen.
At cell temperatures of 70
and 60
no dierence can be observed. At 50
one of three identical Membrane Electrode Assemblies shows a very small power loss
during 8 hours that is within the range of the general cell instabilities. This loss is
still far smaller than that caused by 10 ppm carbon monoxide on the same system.
It can be concluded that 40 % of CO
2
in the anode gas do not cause any problems
with the used Catalysts for temperatures of 60
and above. At 50
there may
be a very small negative impact leading to a voltage loss of about 5 mV. As this loss
is observed in only one of three tested membranes further experiments will have to
be done for low cell temperatures.
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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
1.1 Motivation................................. 1
1.2 Aufgabenstellung............................. 1
2 Die Brennstozellenanlage 3
2.1 Prinzipieller Aufbau einer PEM-Brennstozelle . . . . . . . . . . . . . 3
3 Biogasreformat 7
3.1 Biogas................................... 7
3.2 Der Reformierungsprozess . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
3.3 Biogasreformat im Vergleich zu Erdgasreformat . . . . . . . . . . . . 9
3.4 Kohlendioxid-Reduktion am Brennstozellenkatalysator . . . . . . . . 11
4 Impedanzspektroskopie 14
4.1 Das Prinzip der elektrochemischen Impedanzspektroskopie . . . . . . 14
4.1.1 Ohmscher Widerstand im Nyquist-Diagramm . . . . . . . . . 15
4.1.2 Kondensatoren im Nyquist-Diagramm . . . . . . . . . . . . . 15
4.1.3 Spulen im Nyquist-Diagramm . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
4.1.4 Constant Phase Elements im Nyquist-Diagramm . . . . . . . . 17
4.1.5 Warburg-Elemente im Nyquist-Diagramm . . . . . . . . . . . 18
4.2 Physikalisches Modell und Ersatzschaltbild . . . . . . . . . . . . . . . 19
4.2.1 Interpretation von EIS-Messergebnissen . . . . . . . . . . . . . 22
4.3 Cyclovoltammetrie im Vergleich zur Methode der Impedanzspektro-
skopie ................................... 23
II Inhaltsverzeichnis
5 Material und Methoden 25
5.1 Aufbau des Messstandes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25
5.2 Die Membran-Elektroden-Einheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27
5.3 Versuchs- und Messprogramm . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27
5.4 Durchführung der Versuche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29
6 Ergebnisse und Diskussion 31
6.1 Allgemeine Beobachtungen zum Betrieb der Testzelle . . . . . . . . . 31
6.2 Untersuchung der Brennstozelle bei Kohlenmonoxid im Anodengas . 35
6.3 Untersuchung der Brennstozelle bei hohem Kohlenstodioxid-Gehalt 40
6.4 Auswertung der Parameteranpassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46
6.4.1 Parameterentwicklung bei Kohlenmonoxidvergiftung . . . . . . 48
6.5 Fehlerbetrachtung............................. 53
7 Zusammenfassung und Ausblick 56
8 Formelzeichen und Abkürzungen 59
8.1 Verwendete Formelzeichen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59
8.2 Abkürzungen ............................... 60
Literaturreferenzen 61
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Abbildungsverzeichnis
2.1 Prinzipieller Aufbau einer PEM-Brennstozelle. Der Brennsto wird
auf der Anodenseite durch das Strömungsfeld aufgegeben, die Luft auf
der Kathodenseite. Durch Gasverteilungsschichten (GDL, Gas Diu-
sion Layer) wird auf beiden Seiten für eine homogene Verteilung des
Gases über der Fläche gesorgt. Die Wasserstomoleküle passieren die
(poröse) Anode und werden am Katalysator adsorbiert und ionisiert.
Anschlieÿend passieren die hydratisierten Wasserstoonen die Mem-
bran und reagieren am kathodenseitigen Katalysator mit dem Sauer-
stozuWasser............................... 4
2.2 Die Strom-Spannungs-Kennlinie wird zuerst mit steigender Strom-
dichte, beginnend im Leerlaufbetrieb, und direkt im Anschluss mit
fallender Stromdichte aufgenommen. Beim Aufnehmen der Kennlinie
wird jeweils bei einem Strom von Null mit der Aufzeichnung begon-
nen. Anschlieÿend wird der Strom in 1A-Schritten erhöht. Dies ent-
spricht bei einer Zelläche von 25 cm
2
Stromdichteschritten von 0,04
A/cm
2
. Nach Erreichen des Maximums wird der Strom mit der glei-
chen Schrittweite verringert. Das Spannungsniveau liegt beim zweiten
Teil der Kennlinie, bei abnehmendem Strom, in aller Regel etwas hö-
her als bei der Aufwärtskennlinie. Dargestellt ist eine Kennlinie bei
50
Betriebstemperatur. Das Anodengas besteht zu 60 % aus Was-
sersto und zu 40 % aus Sticksto. Die Überströmung liegt bei 1,3
(Anode) und 3,0 (Kathode). Die Befeuchtung der Gasströme liegt bei
65 % (Anode) und 78 % (Kathode). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
3.1 Die einzelnen Verfahrensschritte bei der Biogasbildung. . . . . . . . . 7
3.2 Die Reformatzusammensetzung in Abhängigkeit von der Biogaszu-
sammensetzung bei 80%-iger Erdgasumsetzung und idealer Kohlen-
monoxid-Eliminierung entsprechend der dargestellten vereinfachten
Modellrechnung............................... 10
4.1 Ohmscher Widerstand im Nyquist-Diagramm . . . . . . . . . . . . . 16
4.2 Kapazitive Impedanz im Nyquist-Diagramm . . . . . . . . . . . . . . 16
4.3 Induktive Impedanz im Nyquist-Diagramm . . . . . . . . . . . . . . . 17
4.4 Das CPE-Element im Nyquist-Diagramm mit variiertem
α
. Das je-
weilige
α
ist an den Graphen im Diagramm eingetragen. . . . . . . . 18
IV Abbildungsverzeichnis
4.5
R2
repräsentiert den Widerstand der Membran,
C1
die ihr zugeord-
nete Kapazität.
C2
bildet die Doppelschichtkapazität an der Phasen-
grenzäche zwischen Elektrolyt und Katalysator ab. Laut [1] konver-
giert dieses Modell sowohl für die Messdaten aus dem Normalbetrieb
als auch für Messungen mit CO-Vergiftung sowie für den Fall einer
Austrocknung. Somit scheint dieses Modell, anders als weitere von [1]
untersuchte Modelle, für die Untersuchungen zu Kohlenmonoxid be-
ziehungsweise Kohlendioxid geeignet zu sein. Auch dürfte es mit die-
sem Ersatzschaltbild möglich sein, anhand der Parametrisierung das
Austrocknen der Zelle, das im Rahmen dieser Arbeit nicht behandelt
wird, von einer Kohlenmonoxidvergiftung zu unterscheiden. . . . . . . 20
4.6 Dargestellt ist ein Ersatzschaltbild für das Modell nach Schiller et
al.(vgl. [2]). Die Doppelschichtkapazitäten werden hier nicht durch
einfache Kondensatoren, sondern durch CPE-Elemente abgebildet.
Die Spule
L1
repräsentiert die aus den elektrischen Leitungen resul-
tierenden Induktivitäten. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
5.1 Flussschema der Gasströme im Versuchsaufbau. Es können alternativ
Kohlendioxid und Sticksto (mit oder ohne einem ppm-Anteil Koh-
lenmonoxid) zum Wassersto beigemischt werden. Die Befeuchtung
mit destilliertem Wasser ist über ein LabView-Interface steuerbar. . . 26
5.2 Auf dem Foto ist die geönete Testzelle ohne MEA und Gasvertei-
lungsschichten zu sehen. Links bendet sich die anodenseitige Po-
larplatte mit integriertem Strömungsfeld, rechts die entsprechenden
Komponenten der Kathode. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26
5.3 Die
TrueData EIS
ist über Last- sowie Sensorkabel mit der Brenn-
stozelle verbunden. Die Lastkabel führen von der
TrueData EIS
zur
elektrischen Last, die mit eigenen Sensorkabeln mit der Brennstozel-
le verbunden ist. Die Steuerung erfolgt über ein LabView-Programm
auf dem an die
TrueData EIS
angeschlossenen Computer. . . . . . . 27
5.4 Nyquist-Diagramm für verschiedene Stromstärken bei Betrieb mit
reinem Wassersto. Der Bogen wird mit zunehmender Stromstärke
deutlich kleiner und verschiebt sich nach links. Dargestellt ist das
Impedanzspektrum für 0,29 Hz bis 10 kHz. Für alle vorgenommenen
Messungen nimmt der Realteil der Impedanz mit zunehmender Fre-
quenz ab. Das heisst, die Bögen beginnen rechts mit der niedrigsten
und enden links mit der chsten Frequenz. Der linke Schnittpunkt
mit der realen Achse entspricht, sofern die induktiven Impedanzen
der Kabel vernachlässigt werden können, dem ohmschen Widerstand
der Zelle sowie der Kabel. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
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Abbildungsverzeichnis V
6.1 Beim stationären Betrieb der Testzelle treten Spannungsschwankun-
gen auf, die sich durch einen regelmäÿigen plötzlichen Anstieg der
Spannung um etwa 25 mV und ein anschlieÿendes langsames Absin-
ken der Spannung auf das ursprüngliche Niveau auszeichnen. Dieser
Vorgang wiederholt sich etwa alle zwanzig Minuten und tritt sowohl
beim Betrieb mit Sticksto wie auch beim Kohlendioxidbetrieb auf.
Dargestellt ist die Zellspannung bei 60
. Das Anodengas enthält 40
% Sticksto, die Stromdichte liegt bei 0,4 A
/
cm
2
. Überströmung und
Befeuchtung entsprechen den Angaben in Tabelle 5.2. . . . . . . . . . 32
6.2 Bei einer Betriebstemperatur von 50
stimmen die Impedanzkurven
der drei Vergleichszellen weitgehend miteinander überein. Dargestellt
sind die Kurven entsprechend der Versuchsbedingungen für 50
aus
Tabelle 5.1. Eingestellt ist eine Stromdichte von 0,4 A
/
cm
2
....... 33
6.3 Die dargestellten Kurven wurden im Abstand von einer Stunde unter
identischen Betriebsbedingungen an der gleichen Membran aufgenom-
men. Die Betriebstemperatur liegt bei 70
, das Anodengas enthält
40 % Sticksto. Die Stromdichte liegt bei 0,4 A
/
cm
2
. Im Zeitraum
zwischen den Messungen A und B wurden weitere EIS-Messungen
bei höheren Strömen aufgenommen. Das mittlere Spannungsniveau
lag während der Messung B um etwa 20 mV höher als während Mes-
sungA. .................................. 34
6.4 Dargestellt sind die Nyquist-Kurven zur Kohlenmonoxidvergiftung
bei 50
mit 20 und 10 ppm Kohlenmonoxidanteil im Anodengas.
Auch bei 10 ppm Kohlenmonoxid ist an der Dehnung des (linken)
Elektrodenbogens bereits eine deutliche Vergiftung festzustellen. . . . 36
6.5 Dargestellt sind die Nyquist-Kurven zur Kohlenmonoxidvergiftung
bei 60
. Auch bei 10 ppm Kohlenmonoxid im Anodengas ist be-
reits eine deutlich Vergiftung zu erkennen. . . . . . . . . . . . . . . . 37
6.6 Dargestellt sind die Nyquist-Kurven zur Kohlenmonoxidvergiftung
bei 70
. Die zweite Vergiftung mit 20 ppm wirkt sich stärker aus als
die erste Vergiftung der gleichen Intensität. 10 ppm Kohlenmonoxid
zeigen dagegen bei dieser Temperatur nur geringe Wirkung. . . . . . 38
6.7 Die Spannung schwankt bei anhaltender Kohlenmonoxidvergiftung
auf einem konstanten Niveau, das deutlich unter der Spannung im
Normalbetrieb liegt. Dargestellt ist die Spannung bei 10ppm Kohlen-
monoxid ab dem Zeitpunkt Null bei einer Betriebstemperatur von 60
. ..................................... 39
6.8 Dargestellt ist die Zellspannung über der Zeit bei einer Kohlenmon-
oxidvergiftung. Ab dem Zeitpunkt Null wird Brenngas mit 20 ppm
Kohlenmonoxid eingesetzt. Die senkrechte Linie markiert den Mo-
ment, ab dem wieder ein reines Wassersto-Sticksto-Gemisch (60:40)
eingesetzt wird, das kein Kohlenmonoxid enthält. Es ist deutlich sicht-
bar, dass sich die Zelle schnellstens regeneriert. Die Betriebstempera-
tur liegt bei 70
. ............................ 39
VI Abbildungsverzeichnis
6.9 Die Nyquist-Kurve zeigt die Vergleichsmembran I bei 40 % Kohlen-
dioxid im Brenngas und einer Betriebstemperatur von 50
. Der
Elektrodenbogen, im linken Teil des Diagramms, zeigt sich über acht
Stunden Betrieb weitgehend unverändert. Eine eventuelle Vergiftung
des Katalysators mit Kohlenmonoxid wäre an einem Anwachsen die-
ses Bogens erkennbar. Die im rechten Teil der Grak dargestellten
Messwerte resultieren aus den niedrigfrequenten Impedanzmessungen.
Leichte Spannungsschwankungen können in diesem Frequenzbereich
die Messung stören und bewirken eine stärkere Streuung der Messer-
gebnisse................................... 41
6.10 Die Strom-Spannungs-Kennlinien bei dem Einsatz von Kohlendioxid
im Anodengas der ersten Vergleichsmembran bei 50
Betriebstem-
peratur. Es ist zu erkennen, dass die Kennlinie, die während des
Kohlendioxid-Einsatzes aufgenommen wurde (nach 8h CO
2
), etwas
über der Kennlinie des vorhergehenden Einsatzes Sticksto liegt. Die
anschlieÿende Sticksto-Kennlinie liegt wiederum etwas höher. Ein
eindeutiger Einuss durch das Kohlendioxid ist damit nicht erkenn-
bar. In der Abbildung sind der Übersichtlichkeit halber nur die Teil-
kennlinien bei abnehmender Stromdichte aufgetragen. . . . . . . . . . 42
6.11 Die Nyquist-Kurve der dritten Vergleichsmembran bei 40 % Kohlen-
dioxid und einer Betriebstemperatur von 50
im Brenngas. Im Ver-
gleich zu den Ergebnissen der ersten Vergleichsmembran (vgl. Abbil-
dung 6.9) zeigt sich eine leichte Dehnung des Membranbogens mit an-
dauernder CO2-Beimischung. Diese Veränderung der Impedanzkurve
ist allerdings sehr gering im Vergleich zu der einer Vergiftung mit 10
ppm Kohlenmonoxid (vgl. Abbildung 6.4). . . . . . . . . . . . . . . . 43
6.12 Die Abbildung zeigt die Strom-Spannungs-Kennlinien bei der Beimi-
schung von Kohlendioxid zum Anodengas der dritten Vergleichsmem-
bran bei 50
Betriebstemperatur. Aus Gründen der Übersichtlich-
keit sind nur die Teilkennlinien bei abnehmender Stromdichte auf-
getragen. Es ist zu erkennen, dass die Kennlinie, die während des
Kohlendioxid-Einsatzes aufgenommen wurde, etwas niedriger liegt als
die Kennlinien beim vorhergehenden und beim anschlieÿenden Ein-
satz von Sticksto. Damit bestätigt sich in der Kennlinie die leichte
Verschlechterung der Zelle während der Kohlendioxidbeimischung, die
sich aus der Dehnung der Impedanzkurve in Abbildung 6.11 erschlie-
ÿenlässt. ................................. 44
6.13 Das Diagramm zeigt die Nyquist-Kurve bei 40 % Kohlendioxid und
einer Betriebstemperatur von 60
für die erste Vergleichsmembran.
Der Nyquist-Bogen zeigt sich bei einem Betrieb über acht Stunden
weitgehend unverändert. Zuvor war die Zelle mit 40 % Sticksto be-
trieben worden. Für eine Kohlenmonoxidvergiftung wäre ein Wachsen
des Impedanzbogens zu erwarten. Es kann geschlossen werden, dass
die RWGS-Reaktion nicht in relevantem Maÿe stattndet und somit
kein Kohlenmonoxid gebildet wird, das den Katalysator blockieren
würde.................................... 45
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Abbildungsverzeichnis VII
6.14 Die Nyquist-Kurve der dritten Vergleichsmembran bei 40 % Kohlen-
dioxid im Anodengas und einer Betriebstemperatur von 70
. Der
Nyquist-Bogen zeigt sich bei einem Betrieb über über neun Stunden
weitgehend unverändert. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45
6.15 Die Veränderung der Parameter aus dem in Abbildung 4.5 dargestell-
ten Modell mit Kohlenmonoxidvergiftung bei 50
Betriebstemperatur. 49
Tabellenverzeichnis
2.1 Thermodynamische Daten für die Reaktion von Wassersto und Sau-
ersto zu Wasser für üssiges und gasförmiges Produktwasser bei ei-
ner Temperatur von 298 Kelvin aufgeführt und einem Druck von 1
bar. .................................... 5
3.1 Die Zusammensetzung von Biogas schwankt, abhängig ist sie vor al-
lem von der Zusammensetzung des Ausgangssubstrats, der Prozess-
führung sowie der Prozesstemperatur. Die Zahlen entsprechen den
Angaben in [3]. Davon abweichende Angaben nden sich bei [4]. Er
gibt einen minimalen Methan-Anteil von 40 % und einen maximalen
Kohlendioxid-Anteil von 60 % an. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
5.1 Alle in der Tabelle aufgeführten Messungen werden an drei verschie-
denen Membranen durchgeführt. Die Überströmung liegt bei allen
Versuchen anodenseitig bei 1,3, kathodenseitig bei 3,0. Die Anoden-
befeuchtung liegt jeweils bei 65 %, die Kathodenbefeuchtung bei 80
%. Die EIS-Messungen werden bei konstantem Strom über den Fre-
quenzbereich zwischen 0,1 Hz und 12,5 kHz durchgeführt. Es werden
zusätzlich einzelne Langzeitmessungen mit einem Kohlendioxid-Anteil
von60%durchgeführt........................... 28
5.2 Die Parametersets für den Betrieb der Brennstozelle bei den ver-
schiedenen Versuchsreihen. Die Gasströme werden jeweils vor der Be-
feuchtung auf 10
über der Zelltemperatur geheizt, um ein Auskon-
densieren in den Zuleitungen zu verhindern. Die Prozentabgabe zur
relativen Gasfeuchtigkeit bezieht sich auf die Zelltemperatur. . . . . . 29
6.1 Die Parameter des 7-Parameter-Modells (vgl. Abbildung 4.5) bei Nor-
malbetrieb sowie bei 10 und 20 ppm Kohlenmonoxid im Anodengas.
Die Betriebstemperatur beträgt 50
. ................. 49
6.2 Die Parameter des 7-Parameter-Modells (vgl. Abbildung 4.5) bei Nor-
malbetrieb sowie bei 10 und 20 ppm Kohlenmonoxid im Anodengas.
Die Betriebstemperatur beträgt 60
. ................. 50
6.3 Die Parameter des 7-Parameter-Modells (vgl. Abbildung 4.5) bei Nor-
malbetrieb sowie bei 10 und 20 ppm Kohlenmonoxid im Anodengas.
Die Betriebstemperatur beträgt 70
. ................. 50
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Tabellenverzeichnis IX
6.4 Die Veränderung der Parameter des 7-Parameter-Modells (vgl. Ab-
bildung 4.5) bei Kohlenmonoxidvergiftung gegenüber dem Normalbe-
trieb. Aufgeführt werden die Angaben aus [1] sowie die Ergebnisse
der eigenen Untersuchungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51
6.5 Die Parameter des 7-Parameter-Modells (vgl. Abbildung 4.5) bei ei-
nem Kohlendioxidanteil von 40 % im Anodengas an Membran III. Die
Betriebstemperatur beträgt 50
..................... 53
6.6 Die Messgenauigkeiten der im Versuchsaufbau genutzten Geräte ent-
sprechend den Herstellerangaben. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54
X Tabellenverzeichnis
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Kapitel 1
Einleitung
1.1 Motivation
Brennstozellen versprechen, zukünftig in einem weiten Leistungs- und Anwen-
dungsbereich elektrische Leistung und Wärme bei einem hohen Wirkungsgrad zur
Verfügung zu stellen. Bislang wird zumindest für PEM-Brennstozellen vor allem
reformiertes Erdgas und somit ein fossiler Energieträger als Brennsto eingesetzt.
Wünschenswert wäre die Nutzung von alternativen, erneuerbaren Wasserstoquel-
len. Eine der Optionen ist dabei Biogas, das durch bakterielle Umsetzung aus Bio-
masse und landwirtschaftlichen Abfallprodukten gewonnen wird. Bislang liegen al-
lerdings wenige Untersuchungen vor, die die möglichen Schwierigkeiten behandeln,
die durch die spezische chemische Zusammensetzung von reformiertem Biogas in
PEM-Brennstozellen entstehen können.
1.2 Aufgabenstellung
Ziel der Diplomarbeit ist die Entwicklung von Verfahren, die es ermöglichen, mit
Hilfe von elektrochemischer Impedanzspektroskopie (EIS) den Einsatz von Biogas-
reformat in PEM-Brennstozellen zu untersuchen und zu beurteilen. Aufgrund sei-
ner spezischen Zusammensetzung treten beim Betrieb mit Biogasreformat andere
Schwierigkeiten auf als beispielsweise bei der Nutzung von Erdgasreformat. Die EIS
hat sich bewährt bei der Analyse des Wasserhaushaltes von Brennstozellen so-
wie von Katalysatorvergiftungen durch Kohlenmonoxid. Diese bereits entwickelten
Verfahren sind allerdings nicht unmittelbar auf den Betrieb mit Biogasreformat an-
wendbar. Neben einigen Spurengasen, insbesondere Schwefelverbindungen, die für
2 Kapitel 1 Einleitung
Biogasreformat typisch sind, zeichnet sich das Aufbereitungsprodukt des Biogases
gegenüber Erdgasreformat durch einen deutlich höheren Kohlenstodioxid-Anteil
aus. Vielfach wurde Kohlendioxid in der Brennstozelle als Inertgas betrachtet. Un-
tersuchungen insbesondere mit der Methode der Cyclovoltammetrie haben gezeigt,
dass Kohlendioxid im Anodengas vermutlich vor allem aufgrund der
Reverse Water-
Gas Shift
(RWGS)-Reaktion bei der gleichzeitigen Anwesenheit von Wassersto zur
Bildung von Kohlenmonoxid führt. Unterstützt wird diese Reaktion in unterschied-
lichem Maÿe durch die verschiedenen in PEM-Brennstozellen eingesetzten Ka-
talysatoren auf Platinbasis. Kohlenmonoxid ist als Katalysatorgift bekannt, und es
nden sich zahlreiche Studien zu seiner Wirkungsweise. In der Literatur nden sich
allerdings bisher nur wenige Untersuchungen zur Kohlendioxid-Vergiftung in PEM-
Brennstozellen.
Es geht daher im Rahmen dieser Diplomarbeit darum, die Möglichkeit von in-situ
Untersuchungen der Katalysatorvergiftung als Folge erhöhter Kohlendioxidanteile
mit Hilfe von EIS zu überprüfen. Eine EIS-Analyse kann z.B. durch die grasche
Auswertung eines Nyquist-Diagramms erfolgen, das die Impedanz des Systems für
verschiedene Frequenzen darstellt. Idealerweise erzeugt der zu untersuchende Scha-
den hier einen typischen, eindeutig zu identizierenden Kurvenverlauf. Eine genauere
Interpretation ermöglicht die Parameteranpassung eines elektrischen Ersatzschaltbil-
des, das die Brennstozelle auf der Grundlage eines physikalischen Modells abbildet.
Mit der Identikation solcher typischen Kurvenverläufe beziehungsweise Parameter-
veränderungen soll die Grundlage geschaen werden für weitergehende Untersuchun-
gen, um optimale Betriebsparameter zu nden, eventuelle Grenzwerte für das Bio-
gasreformat festzulegen oder Katalysatoren mit höherer Toleranz zu entwickeln.
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Kapitel 2
Die Brennstoffzellenanlage
2.1 Prinzipieller Aufbau einer PEM-Brennstoffzelle
Eine PEM-Brennstozelle ist ein elektrochemischer Energiewandler, in dem Wasser-
sto und Sauersto zu Wasser reagieren und dabei elektrische Energie und Wärme
produzieren. Mechanische Wandlungsprozesse wie bei Verbrennungskraftmaschinen
sind nicht notwendig. Der Aufbau einer PEM-Brennstozelle ist in Abbildung 2.1
dargestellt.
Die beiden Reaktanden sind durch eine
Proton Exchange Membrane
(PEM) vonein-
ander getrennt. Der Wassersto wird als reines Gas oder in einem Gasgemisch (im
hier untersuchten Fall Biogasreformat beziehungsweise ein vergleichbares Synthese-
gas) auf der Anodenseite zugeführt. Beide Gasströme werden vor der Einführung in
die Brennstozelle befeuchtet, um die Protonenleitfähigkeit der Membran zu gewähr-
leisten. In der Zelle werden die Gasströme jeweils durch eine Gasverteilungsschicht
(GDL, Gas Diusion Layer) geführt, um eine homogene Verteilung über der Zell-
äche zu ermöglichen. Die Luft passiert anschlieÿend die poröse Kathode, das Was-
serstogemisch die poröse Anode. Auf der Anodenseite werden Wasserstomoleküle
am Platinkatalysator adsorbiert. Die Wasserstobindung wird aufgebrochen und die
adsorbierten Atome werden ionisiert. Die hydratisierten Ionen können die Membran
passieren und auf der Kathodenseite an der Katalysatorschicht mit dem Sauersto
zu Wasser reagieren. Die bei der Ionisierung des Wasserstos auf der Anodenseite
freigewordenen Elektronen gelangen durch den äuÿeren elektrischen Stromkreis und
seine Verbraucher zur Kathode der Brennstozelle.
Die Gesamtreaktion auf der Anodenseite kann folgendermassen beschrieben werden:
H
2
2H
++
2e
(2.1)
4 Kapitel 2 Die Brennstoffzellenanlage
Abb. 2.1:
Prinzipieller Aufbau einer PEM-Brennstozelle. Der Brennsto wird auf der Anoden-
seite durch das Strömungsfeld aufgegeben, die Luft auf der Kathodenseite. Durch Gasverteilungs-
schichten (GDL, Gas Diusion Layer) wird auf beiden Seiten für eine homogene Verteilung des
Gases über der Fläche gesorgt. Die Wasserstomoleküle passieren die (poröse) Anode und werden
am Katalysator adsorbiert und ionisiert. Anschlieÿend passieren die hydratisierten Wasserstoo-
nen die Membran und reagieren am kathodenseitigen Katalysator mit dem Sauersto zu Wasser.
Kathodenseitig entsteht Wasser durch die Reaktion der Wasserstoprotonen mit
Sauersto:
2H
++
2e
+
1
2O
2
H
2
O (2.2)
Die Reaktion der Gesamtzelle lautet somit:
H
2+
1
2O
2
H
2
O (2.3)
Die Potentiale, die an den beiden Elektroden entstehen anodenseitig aufgrund der
Oxidation des molekularen Wasserstos sowie kathodenseitig aufgrund der Reduk-
tion des Sauerstos ,bilden die Potentialdierenz beziehungsweise Spannung der
Brennstozelle. Diese ist zum einen treibende Kraft für die Protonen, um die Mem-
bran zu passieren, zum anderen für die Elektronen, um im elektrischen Kreislauf,
sofern dieser geschlossen ist, elektrische Arbeit zu verrichten.
Die theoretisch maximal in einer PEM-Brennstozelle entstehende Spannung ist
direkt abhängig von der Änderung der freien Gibbs'schen Energie
G, die aus der
Advertisement
2.1 Prinzipieller Aufbau einer PEM-Brennstoffzelle 5
Tab. 2.1:
Thermodynamische Daten für die Reaktion von Wassersto und Sauersto zu Wasser
für üssiges und gasförmiges Produktwasser bei einer Temperatur von 298 Kelvin aufgeführt und
einem Druck von 1 bar.
H
2
O(g) H
2
O(l) Einheit
Gibbs'sche Freie Energie
G
00
-229 -237 kJ/mol
Freie Enthalpie
H
00
-242 -286 kJ/mol
Entropie
S
00
-44 -163 J/(mol
·
K)
Reversible Spannung U
0
1,19 1,23 V
Reaktion von Wassersto mit Sauersto bei einer bestimmten Temperatur resultiert.
Die freie Gibbs'sche Energie kann folgendermassen beschrieben werden:
G
=
H-T
S (2.4)
0.3
0.4
0.5
0.6
0.7
0.8
0.9
1
0 0.1 0.2 0.3 0.4 0.5 0.6 0.7 0.8 0.9 1
Spannung [V]
Stromdichte [A/cm
2
]
aufwärts
abwärts
Abb. 2.2:
Die Strom-Spannungs-Kennlinie wird zuerst mit steigender Stromdichte, beginnend im
Leerlaufbetrieb, und direkt im Anschluss mit fallender Stromdichte aufgenommen. Beim Aufneh-
men der Kennlinie wird jeweils bei einem Strom von Null mit der Aufzeichnung begonnen. An-
schlieÿend wird der Strom in 1A-Schritten erhöht. Dies entspricht bei einer Zelläche von 25 cm
2
Stromdichteschritten von 0,04 A/cm
2
. Nach Erreichen des Maximums wird der Strom mit der
gleichen Schrittweite verringert. Das Spannungsniveau liegt beim zweiten Teil der Kennlinie, bei
abnehmendem Strom, in aller Regel etwas höher als bei der Aufwärtskennlinie. Dargestellt ist eine
Kennlinie bei 50
Betriebstemperatur. Das Anodengas besteht zu 60 % aus Wassersto und zu
40 % aus Sticksto. Die Überströmung liegt bei 1,3 (Anode) und 3,0 (Kathode). Die Befeuchtung
der Gasströme liegt bei 65 % (Anode) und 78 % (Kathode).
6 Kapitel 2 Die Brennstoffzellenanlage
Die maximale elektrische Arbeit W
el
lässt sich bestimmen als:
W
el
=
G
=
nFU
0
(2.5)
mit n für die Anzahl der an der Reaktion beteiligten Elektronen (im vorliegenden
Fall gilt n=2) und F als Faraday-Konstante ( F=96485 C/mol).
U0
ist das ideale
Potential beziehungsweise die reversible Spannung der Zelle. Somit gilt:
U
0=
G
nF (2.6)
Für konstanten Druck und konstante Temperatur können
H und
S berechnet
und somit die reversible Spannung bestimmt werden.
Tabelle 2.1 führt die Standardwerte für Gibbs'sche Freie Energie, die Freie Ent-
halpie sowie die Entropie jeweils für einen gasförmigen und üssigen Produktstrom
auf. Das Standard-Gleichgewichtspotential für die kathodenseitige Reaktion einer
PEM-Brennstozelle berechnet sich mit Gleichung 2.6 auf 1,23 V für das gasförmige
Produkt.
Die real gemessenen Spannungen liegen immer unter den theoretischen Werten, bei
Leerlauf (kein Stromuss) werden Werte gemessen, die um 950 mV liegen.
Die Zellspannung ist eine monoton fallende Funktion der Stromdichte. Für eine einfa-
che Charakterisierung von Brennstozellen werden daher häug Strom-Spannungs-
Kennlinien angegeben (vgl. Abbildung 2.2).
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Kapitel 3
Biogasreformat
3.1 Biogas
Biogas wird durch Methanvergärung von Gülle und nachwachsenden Rohstoen ge-
wonnen. Am Vergärungsprozess sind verschiedenste anaerobe Bakterien beteiligt.
Vier Stufen des Vergärungsvorganges können voneinander unterschieden werden. Zu
Beginn des Prozesses laufen gleichzeitig die Hydrolyse sowie die Acidogenese ab.
Im Rahmen der Hydrolyse sorgen bakterielle Enzyme für die Zerlegung der festen
Substratbestandteile in einfachere Moleküle, die Monomere (wie z.B. Aminosäuren,
Glukose, Fettsäuren). In der säurebildenden Phase, der Acidogenese, werden die ge-
lösten Stoe u.a. zu organischen Säuren abgebaut.
Abb. 3.1:
Die einzelnen Verfahrensschritte bei der Biogasbildung.
In der dritten Phase, der Acetogenese, werden die Substratbestandteile weiter zu
Essigsäure umgewandelt. In der abschlieÿenden Methanogenese wird die Essigsäu-
re zu Methan, Kohlendioxid und Wasser gespalten. Neben den Hauptkomponenten
Methan, Kohlendioxid und Wasser sind zahlreiche Spurengase im Biogas enthalten,
darunter Schwefel- und Stickstoverbindungen sowie Kohlenmonoxid (vgl. [5]).
Die Zusammensetzung des produzierten Biogases (vgl. [3]) kann stark schwanken
8 Kapitel 3 Biogasreformat
Tab. 3.1:
Die Zusammensetzung von Biogas schwankt, abhängig ist sie vor allem von der Zusam-
mensetzung des Ausgangssubstrats, der Prozessführung sowie der Prozesstemperatur. Die Zahlen
entsprechen den Angaben in [3]. Davon abweichende Angaben nden sich bei [4]. Er gibt einen
minimalen Methan-Anteil von 40 % und einen maximalen Kohlendioxid-Anteil von 60 % an.
Komponente
Anteil im Biogas
CH
4
50-75 %
CO
2
29-42 %
N
2
2-16 %
O
2
0,2-4,3 %
und hängt von zahlreichen Faktoren ab, u.a. der Zusammensetzung des Ausgangs-
substrats, der Temperatur, dem pH-Wert und der Verweildauer. Auch die Angaben
in der Literatur über übliche Biogaszusammensetzungen weichen deutlich voneinan-
der ab.
3.2 Der Reformierungsprozess
Das methanreiche Gas wird im Dampfreformer katalytisch mit Wasserdampf in ein
wasserstoreiches Gasgemisch umgewandelt. Die Reaktionen im Dampfreformer kön-
nen durch folgende Gleichungen beschrieben werden:
CH
4+
H
2
O
3H
2+
CO
H
R>0
(3.1)
CH
4+
2H
2
O
4H
2+
CO
2
H
R>0
(3.2)
Um die erforderlichen Temperaturen zwischen etwa 650
und 800
zu erreichen,
muss durch eine externe Quelle Wärme zugeführt werden. Im Reformer kann es zu
ungewollter Ruÿbildung entsprechend der folgenden Gleichungen kommen:
2CO
CO
2+C
H
R<0
(3.3)
CO
+
H
2
H
2O+
C
H
R<0
(3.4)
Es wird versucht, diese Reaktionen zu unterbinden, indem durch Wasserdampfüber-
schuss im Reformer das Reaktionsgleichgewicht aus Gleichung 3.2 zur Produktseite
verschoben wird.
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3.3 Biogasreformat im Vergleich zu Erdgasreformat 9
In der Regel bleiben im Produktgas etwa 10 % Kohlenmonoxid. Dieses muss vor
dem Einsatz in PEM-Brennstozellen in weiteren Reaktionsstufen, der Shift-Stufe
und der SelOx-Stufe, entfernt werden. In der Shift-Stufe reagiert ein Groÿteil des
verbleibenden Kohlenmonoxids mit zugeführtem Wasserdampf. In dieser leicht exo-
thermen Reaktion, die katalytisch bei Temperaturen zwischen 200
und 400
betrieben wird, entstehen Wassersto und Kohlendioxid:
CO
+
H
2
O
H
2+
CO
2
H
R<0
(3.5)
Als ungewollte Reaktion kann die Shift-Reaktion in umgekehrter Richtung, von
rechts nach links, an der Anode der Brennstozelle stattnden (vgl. Kapitel 3.4), so
dass das Katalysatorgift Kohlenmonoxid gebildet wird.
In einem abschlieÿenden Reinigungsschritt wird der Kohlenmonoxidgehalt des Re-
formatgases mittels selektiver Oxidation (SelOx) weiter reduziert. Hierzu wird dem
Gas Luftsauersto zugeführt, so dass Kohlendioxid entstehen kann:
CO
+
3H
2
O
H
2
O
+
CH
4
H
R<0
(3.6)
3.3 Biogasreformat im Vergleich zu Erdgasreformat
Anhand einer einfachen Beispielrechnung für idealisierte Biogasreformierung soll die
unterschiedliche Zusammensetzung von Erdgas- und Biogasreformat erläutert wer-
den. Es wird davon ausgegangen, dass sowohl Erdgas als auch Biogas mit Hilfe der
Dampfreformierung umgesetzt werden. Der nach dem eigentlichen Reformierungs-
schritt im Produktgas bleibende Kohlenmonoxidanteil (bei Erdgasreformierung etwa
10 %) wird in zwei anschlieÿenden Prozessen, der Shift- und der SelOx-Stufe, auf
einen zweistelligen ppm-Wert gesenkt. Der erhöhte Kohlendioxidgehalt im aus Bio-
gas gewonnenen Brennsto lässt sich anhand von vereinfachten Stobilanzen um
den gesamten Reformierungsprozess zeigen, Shift- und SelOx-Stufe zur Kohlenmon-
oxidentfernung eingeschlossen.
Für das Biogas sei hier vereinfacht eine Zusammensetzung aus 60 % Methan und
40 % Kohlendioxid angenommen (vgl. Zusammensetzungen in Tabelle 3.1). Bei al-
len Prozentangaben zur Stozusammensetzung handelt es sich, wenn nicht anders
angegeben, um Molprozent. In einem idealen Prozess wird das gesamte Methan un-
10 Kapitel 3 Biogasreformat
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
30 35 40 45 50 55 60
Anteil im Produktgas [%]
Anteil CO
2
im Biogas [%]
H
2
im Produktgas
CO
2
im Produktgas
CH
4
im Produktgas
Abb. 3.2:
Die Reformatzusammensetzung in Abhängigkeit von der Biogaszusammensetzung bei
80%-iger Erdgasumsetzung und idealer Kohlenmonoxid-Eliminierung entsprechend der dargestellten
vereinfachten Modellrechnung.
ter Beigabe von Wasserdampf zu Kohlendioxid und Wassersto umgesetzt. Für die
Eingangsgasmengen (in Mol) wird beispielhaft angenommen:
n
CH
4,
ein
= 60
mol
n
CO
2,
ein
= 40
mol
Um das Methan in einem idealen Prozess vollständig umzusetzen, erfordert die Stö-
chiometrie eine Wassermenge von 120 mol:
n
H
2
O
,
ein
=
2
n
CH
4,
ein
= 120
mol
Als Ausgangsgasmengen ergeben sich für Kohlendioxid und Wassersto:
n
H
2,
aus
=
2
n
CH
4,
ein
+n
H
2
O
,
ein
= 240
mol
n
CO
2,
aus
=n
CO
2,
ein
+n
CH
4,
ein
= 100
mol
Der Anteil an Wasserdampf, Methan und Kohlenmonoxid ist für den idealen Gesamt-
prozess im Produktstrom Null. Es ergibt sich ein Kohlendioxidanteil im Produktgas
von
x
CO
2,
aus
=100
340 = 0,294b=29,4 %
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3.4 Kohlendioxid-Reduktion am Brennstoffzellenkatalysator 11
Veröentlichungen mit Messergebnissen zur Zusammensetzung von Biogasreformat
geben Kohlendioxid-Anteile von bis zu 45 % im Produktgas an. Solche hohen Werte
lassen auf eine ungünstige Zusammensetzung des eingesetzten Biogases und mögli-
cherweise eine nicht optimierte Prozessführung bei der Reformierung schlieÿen. Da
die Reformierung eines Methanmoleküls nur ein Kohlendioxidmolekül, aber zwei
Wasserstomoleküle hervorbringt, entsteht bei unvollständiger Umsetzung des Me-
thans ein höherer Kohlendioxidanteil im Produktgas als bei der hier berechneten
vollständigen Umsetzung. Um die Produktströme realer Reformer besser anzunä-
hern, wurde bei der Berechnung der in Abbildung 3.2 dargestellten Gaszusammen-
setzung eine Methanumsetzung von 80 % angenommen.
Erdgas hat im Gegensatz zu Biogas einen deutlich höheren Methananteil. Typisches
Erdgas aus der Nordsee hat einen Methananteil von 89 %, 8 % sind weitere Alkane
und die restlichen 3 % Inertgase. Unter der vereinfachenden Annahme, dass neben
Methan und Inertgasen nur Propan enthalten ist, lässt sich eine Rechnung für die
ideale Reformierung wie für das Biogas aufstellen. Es ergibt sich eine berechnete
Zusammensetzung des Erdgasreformats von 18,1 % Kohlendioxid, 81,3 % Wasser-
sto und 0,6 % Inertgas. Der typische Kohlendioxidanteil in Erdgasreformat liegt
somit deutlich unter dem von Biogasreformat. Es ist daher zu untersuchen, inwie-
fern sich der Einsatz von Biogasreformat bezüglich der RWGS-Reaktion vom Einsatz
von Erdgasreformat unterscheidet beziehungsweise ob eine spezielle Anpassung der
Brennstozellen-Betriebsparameter notwendig ist.
3.4 Kohlendioxid-Reduktion am Brennstoffzellenkatalysator
In der Literatur nden sich Berichte, die die Vergiftung von Brennstozellenkata-
lysatoren durch reduziertes Kohlendioxid beschreiben. Es hat kontroverse Diskus-
sionen darüber gegeben, in welcher Form das reduzierte Kohlendioxid vom Kataly-
sator adsorbiert wird und ihn so für Adsorption der Wasserstomoleküle blockiert.
Neben Kohlenmonoxid als vergiftendem Adsorbat wurden in verschiedenen Arbei-
ten COOH, HCO sowie COH im Zusammenhang mit einem Kohlendioxidanteil im
Anodengas nachgewiesen (vgl. [6]). Die Mehrheit der Arbeiten geht jedoch davon
aus, dass die RWGS-Reaktion bei den im Zusammenhang mit kohlendioxidhalti-
gem Anodengas beobachteten Vergiftungserscheinungen dominierend ist. Diese Re-
aktion ndet unter der Anwesenheit von Wassersto statt und wird durch die in
12 Kapitel 3 Biogasreformat
PEM-Brennstozellen üblicherweise eingesetzten Platinkatalysatoren beschleunigt.
Die RWGS-Reaktion lässt sich folgendermaÿen beschreiben (vgl. ( [7]):
CO
2+
2M-H
M-CO
+
H
2
O
+
M (3.7)
Hierbei steht M für das als Katalysator eingesetzte Metall. Das am Katalysator-
in aller Regel eine Platinlegierung- adsorbierte Wasserstoatom wird durch Kohlen-
monoxid verdrängt. Die Platinoberäche wird somit blockiert und die katalytische
Wirkung auf die Wasserstoonisierung reduziert. Als Folge sinkt die Zellspannung.
Der Eekt ist der gleiche wie bei der Vergiftung durch direkt über das Anodengas
zugeführtes Kohlenmonoxid. Zur Vergiftung von Platinkatalysatoren mit Kohlen-
monoxid liegen bereits zahlreiche Untersuchungen vor (vgl. [8], [9], [10], [11]).
[12] beschreiben die Ergebnisse von quantitativen Untersuchungen der RWGS-Reak-
tion in PEM-Brennstozellen. Mit der Methode der Cyclovoltammetrie (vgl. Ka-
pitel 4.3) wird der Einuss von Temperatur und Druck auf die Kohlenmonoxidbil-
dung untersucht. Zwar sinkt gemäÿ den Untersuchungsergebnissen mit zunehmender
Temperatur das Potential, bei dem durch die CV das meiste Kohlenmonoxid gelöst
wird, die Besetzung des Katalysators durch die Kohlenmonoxidmoleküle bleibt im
Temperaturbereich zwischen 50
und 90
allerdings etwa gleich. Als Ursache
wird vermutet, dass bei steigender Temperatur die Kohlenmonoxidbildung und die
Desorption in gleichem Maÿe zunehmen. Die Untersuchungen zeigen ebenfalls, dass
die Kohlenmonoxidbildung mit dem Druck zunimmt. Im Bereich zwischen 31 und
etwa 100 kPa steigt die Kohlenmonoxidbildung mit dem Druck sehr stark an, bei
höheren Drücken bis 500 kPa schwächt sich die Steigung ab. Die Methode des
Air
bleeding
, die Zugabe von Luft zum Anodengas, die die Vergiftung durch Kohlenmon-
oxid mindert, hilft nicht, um die Wirkung der RWGS-Reaktion zu reduzieren (vgl.
( [7]). [13] kommen in experimentellen Untersuchungen zu dem Ergebnis, dass sich
für die Kohlenmonoxidbildung durch die RWGS in einer PEM-Brennstozelle nach
etwa 7 Stunden ein Gleichgewicht einstellt.
In [6] wird im Vergleich zum Betrieb mit reinem Wassersto ein deutlicher Abfall
der Zellspannung festgestellt, wenn dem Anodengas Kohlendioxid beigemischt wird.
Dabei fällt die Spannung anfangs stark und sinkt über einen Zeitraum von 9 Stunden
langsam weiter. Ein anschlieÿender Wechsel zu reinem Wassersto führt zwar zu
einem sprungartigen Anstieg der Spannung, die Regenerierung der Zelle ist jedoch
auch nach 24 Stunden noch nicht abgeschossen, die Spannung bleibt unter dem Wert
von dem vor der Kohlendioxidvergiftung. Diese Beobachtungen werden sowohl bei
reinen Pt- als auch an PtRu-Katalysatoren gemacht, wobei sich die Vergiftung bei
Advertisement
3.4 Kohlendioxid-Reduktion am Brennstoffzellenkatalysator 13
PtRu-Katalysatoren schwächer auswirkt. Für zwei- bis dreistündigen Betrieb mit
40 % Kohlendioxid und PtRu-Katalysator gibt [6] bei 60
und einer Stromdichte
von 0,4 A/cm
2
einen Spannungsverlust von etwa 3 % an, dies entspricht etwa 20
mV. Laut den Beschreibungen von [6] nehmen die Vergiftungserscheinungen durch
Kohlendioxid mit zunehmender Temperatur ab.
Bei [14] werden Messergebnisse zur Zellspannung bei verschiedenen Kohlendioxidan-
teilen im Brenngas mit entsprechenden Stickstoanteilen verglichen. Während bei
einem Fremdgasanteil von 20 % kein signikanter Unterschied festzustellen ist, tre-
ten bei Kohlendioxidanteilen zwischen 30 % und 60 % Spannungsverluste gegenüber
der Vergleichsmessung mit Sticksto von bis zu 20 mV auf.
In der vorliegenden Literatur werden keine EIS-Untersuchungen zur RWGS-Reaktion
beschrieben. Die Untersuchungen zu Vergiftungen von Brennstozellen durch Koh-
lendioxid (vgl. [13]) wurden gröÿtenteils mit der Methode der Cyclovoltammetrie
(s. Kapitel 4.3) durchgeführt. In [15] werden Untersuchungen zur Vergiftung durch
Kohlendioxid beschrieben. Die Autoren kommen zu dem Ergebnis, dass die Vergif-
tung an einem Platinkatalysator bei einem H
2
:CO
2
-Verhältnis von 60:40 im Brenn-
sto vergleichbar ist mit der Vergiftung durch 100 ppm Kohlenmonoxid. [7] erwähnt
Untersuchungen an Pt-Katalysatoren, bei denen die durch 25 % Kohlendioxid im
Anodengas ausgelösten Leistungsverluste geringer liegen als die durch 20 ppm Koh-
lenmonoxid verursachten Verluste.
Es kann nicht abschlieÿend geklärt werden, zu welchem Anteil tatsächlich die mit der
RWGS-Reaktion auftretende Kohlenmonoxidbildung für die Katalysatorvergiftung
verantwortlich ist, die bei höheren Kohlendioxidanteilen im Anodengas beobachtet
wird. Im Rahmen dieser Arbeit wird jedoch angenommen, dass die Folgen einer
Vergiftung durch direkt enthaltenes Kohlenmonoxid prinzipiell die gleichen sind wie
die einer Schädigung durch Kohlendioxidanteile. Es wird daher davon ausgegangen,
dass die Diagnosemöglichkeiten für Kohlenmonoxidvergiftungen insbesondere die
der elektrochemischen Impedanzspektroskopie auch geeignet sind, um Kohlendi-
oxidvergiftungen anzuzeigen.
Kapitel 4
Impedanzspektroskopie
Die elektrochemische Impedanzspektroskopie ndet in verschiedenen Bereichen An-
wendung, wenn frequenzabhängige Phänomene in elektrochemischen Bauteilen un-
tersucht werden sollen - so etwa in Batterien oder in biochemischen Zellen (vgl. [16]).
Auch zur Analyse von Brennstozellen wird die EIS bereits vielfach angewandt. Ent-
scheidender Vorteil der Impedanzspektroskopie ist, dass sie Untersuchungen an einer
elektrochemischen Zelle ermöglicht, ohne dass konstruktive Veränderungen wie der
Einbau von Messfühlern im Innern der Zelle vorgenommen werden müssen. Aus
der Betrachtung der Impedanz über ein deniertes Frequenzspektrum lassen sich
Abweichungen vom Normalbetrieb bestimmten Störungen in den einzelnen Kompo-
nenten des Systems zuordnen. Prinzipiell lassen sich mit der Methode der EIS somit
verschiedene Phänomene und Problemstellungen beim Betrieb von Brennstozellen
untersuchen. Neben Untersuchungen zur Katalysatorvergiftung sind beispielsweise
auch Diagnosen bezüglich des Wasserhaushaltes möglich.
4.1 Das Prinzip der elektrochemischen Impedanzspektroskopie
Ziel der EIS ist es, den Zustand eines elektrochemischen Bauteils zu charakteri-
sieren, indem die Impedanz dieses Systems in einem denierten Frequenzbereich
analysiert wird. Die Zelle wird dafür im Messstand, in dem Betriebszustand, der
untersucht werden soll, mit Wechselstrom verschiedener Frequenzen beaufschlagt.
Die vermessenen Frequenzspektren liegen in der Regel im Bereich zwischen 0,01
Hz und 100 kHz. Häug ist nur ein sehr viel kleinerer Frequenzbereich von Inter-
esse. Für jede beaufschlagte Frequenz wird die Impedanz des Systems bestimmt.
Der Verlauf der Impedanz für die unterschiedlichen Frequenzen liefert die Grund-
lage für die Analyse der Zustände im Innern der Zelle. Bei der Auswertung der
Advertisement
4.1 Das Prinzip der elektrochemischen Impedanzspektroskopie 15
Impedanzmessungen wird vielfach auf das Nyquist-Diagramm zurück gegrien, das
den Imaginärteil der Impedanz über ihrem Realteil für die vermessenen Frequen-
zen abbildet. Dabei wird der Kurvenverlauf für den zu untersuchenden Zustand in
der Brennstozelle (beispielsweise eine Kohlenmonoxidvergiftung) mit der Nyquist-
kurve des Normalbetriebes verglichen, um eine Diagnose stellen zu können. Weitere
Referenzkurven, die denierte Betriebszustände abbilden, erleichtern eine Einord-
nung neuer Messreihen. Um verschiedene Systemzustände und -störungen klarer
voneinander unterscheiden zu können, werden Modelle von der untersuchten Zel-
le erstellt, die das gleiche Impedanzverhalten aufweisen wie das reale System. Im
Rahmen dieser Arbeit werden die Modelle als Ersatzschaltbilder dargestellt, deren
Komponenten auf einem physikalischen Modell der Zelle basieren. Die Ersatzschalt-
bilder setzen sich aus ohm'schen Widerständen, Spulen, Kondensatoren,
Constant
Phase Elements
(CPEs) sowie Warburg-Elementen zusammen (vgl. Kapitel 4.1.1 bis
4.1.5). Die Kenngröÿen dieser Bauelemente sind die Parameter des Modells. Durch
ihre Variation kann das Modell an die reale Zelle angepasst werden. Ziel ist es dabei,
Veränderungen der Parameter eindeutig auf bestimmte Zustände oder Vorgänge im
System zurückführen zu können, so dass durch die Parameterbetrachtung beispiels-
weise Fehlerdiagnosen erstellt werden können.
4.1.1 Ohmscher Widerstand im Nyquist-Diagramm
Ein reiner ohmscher Widerstand bendet sich im Nyquist-Diagramm auf der hori-
zontalen Achse, der imaginäre Impedanzteil ist Null (vgl. Abbildung 4.1):
Z=R
(4.1)
Ohmscher Widerstand wird in einem Brennstozellensystem durch den elektrischen
Widerstand in den Leitungen und den Polarplatten erzeugt. Auÿerdem können die
Durchtrittswiderstände, die zwischen Elektroden und Membran entstehen sowie der
ionische Widerstand, der auf die Wasserstoonen in der Membran wirkt, im Modell
durch ohmsche Widerstände abgebildet werden.
4.1.2 Kondensatoren im Nyquist-Diagramm
Die Impedanz reiner Kondensatoren hat einen Realteil von Null und einen negativen
Imaginärteil:
Z=1
(C)=i·1
ωC
(4.2)
16 Kapitel 4 Impedanzspektroskopie
-1
-0.5
0
0.5
10 0.5 1 1.5 2
Im(Z)[m
]
Re(Z)[m
]
Impedanz Z
Abb. 4.1:
Ohmscher Widerstand im Nyquist-Diagramm
Sie liegt somit auf dem negativen Bereich der vertikalen Achse (vgl. Abbildung 4.2).
-10
-5
0
5
10
-1 -0.5 0 0.5 1 1.5 2
Im(Z)[m
]
Re(Z)[m
]
Impedanz Z
Abb. 4.2:
Kapazitive Impedanz im Nyquist-Diagramm
Kondensatoren werden bei der Modellierung genutzt, um die zwischen den Elek-
troden und der Membran aufgrund der am Katalysator adsorbierten Ladungsträ-
ger entstehenden Doppelschichtkapazitäten abzubilden. Darüberhinaus bildet sich
Advertisement
4.1 Das Prinzip der elektrochemischen Impedanzspektroskopie 17
zwischen den beiden Elektroden aufgrund ihrer parallelen Anordnung eine weitere
Kapazität, die durch einen Kondensator repräsentiert werden kann.
4.1.3 Spulen im Nyquist-Diagramm
Die Impedanz rein induktiver Komponenten hat ebenfalls einen Realteil von Null,
der Imaginärteil ist hingegen positiv:
Z=L
(4.3)
Im Nyquist-Diagramm liegt die Impedanz einer Spule somit auf dem positiven Teil
der vertikalen Achse.
-10
-5
0
5
10
-1 -0.5 0 0.5 1 1.5 2
Im(Z) [m
]
Re(Z)[m
]
Impedanz Z
Abb. 4.3:
Induktive Impedanz im Nyquist-Diagramm
In einer realen Brennstozellenanlage können Induktivitäten durch die verlegten
elektrischen Leitungen entstehen. Diese werden durch Spulen modelliert.
4.1.4 Constant Phase Elements im Nyquist-Diagramm
Nicht alle Messungen an realen Zellen lassen sich durch reine RC-Glieder im Modell
abbilden. Bestimmte Phänomene, deren Herkunft bislang nicht eindeutig geklärt ist
18 Kapitel 4 Impedanzspektroskopie
(vgl. [17], [1]), können nur durch nichtideale Elemente wie CPEs modelliert wer-
den. Diese Modellelemente haben keine Entsprechungen als elektrische Bauteile. Die
Impedanz von CPE-Elementen ist folgendermaÿen deniert:
ZCP E =1
T·()α
(4.4)
0
0.5
1
1.5
2
2.5
3
0 0.5 1 1.5 2 2.5 3
Im(Z) [m
]
Re(Z) [m
]
0,1
0,2
0,3
0,4
0,5
0,6
0,7
0,8
0,9
Abb. 4.4:
Das CPE-Element im Nyquist-Diagramm mit variiertem
α
. Das jeweilige
α
ist an den
Graphen im Diagramm eingetragen.
Ist
α= 1
und
T=C
, so entspricht das CPE einem idealen Kondensator. Mit
α= 0
und
T=R1
entspricht es einem reinen Widerstand. Bei
α=1
und
T=L1
verhält sich das CPE-Element wie eine Spule.
In der Modellbildung werden die CPE-Elemente in der Regel als sogenannte nicht
ideale Kapazitäten eingesetzt. Sie ermöglichen damit im Nyquist-Diagramm die Ab-
bildung der leicht abgeachten bzw. leicht induktiven Halbkreise, die allein durch
ohmsche Widerstände und durch Kondensatoren nicht modelliert werden können.
Somit werden sie in der Regel zur Modellierung der gleichen Phänomene wie Kon-
densatoren (vgl. Kapitel 4.1.2) eingesetzt.
4.1.5 Warburg-Elemente im Nyquist-Diagramm
Das Warburg-Element hat wie das CPE-Element keine reale elektrotechnische Ent-
sprechung. Es dient der Abbildung des diusiven Stotransports durch die gasför-
mige und üssige Phase zu den Katalysatoren. Das Warburg-Element verfügt über
Advertisement
4.2 Physikalisches Modell und Ersatzschaltbild 19
drei Parameter, die an die Messdaten angepasst werden können. Nach [1] und [18]
wird das Warburg-Element folgendermaÿen beschrieben:
ZW st =RW·tanhb(i·TW·ω)φWc
(i·TW·ω)φW
(4.5)
mit
RW
,
TW
und
φW
als Parametern.
TW
ist deniert als:
TW=δ2
Da
(4.6)
mit Diusionslänge
δ
und
Da
als Diusionskoezienten für den Sto a. Der Buch-
stabe
i=1
steht für den Imaginärteil einer komplexen Zahl. Die Schwierigkeit
bei der Vorgabe von Startwerten für die Parameteranpassung besteht in einer Ab-
schätzung von
δ
und
Da
. Erschwerend kommt hinzu, dass beide nicht konstant sind,
sondern von der Befeuchtung der Membran sowie weiteren Betriebsparametern wie
der Temperatur und der Stromdichte abhängen (vgl. [17]). Für die im Rahmen die-
ser Arbeit durchgeführten Parameteranpassungen werden daher Literaturangaben
für
TW
(vgl. [1]) genutzt.
4.2 Physikalisches Modell und Ersatzschaltbild
In der Literatur nden sich zahlreiche Brennstozellen-Modelle für die Parameteran-
passung. Entscheidend bei der Auswahl ist die Schwerpunktsetzung bei der Unter-
suchung beziehungsweise der zu analysierende Fehlbetrieb der Brennstozelle.
Je nachdem in welcher Komponente die Prozesse beziehungsweise Vergiftungser-
scheinungen untersucht werden sollen, sind spezielle Modelle beziehungsweise Ersatz-
schaltbilder zur Abbildung dieser Vorgänge geeignet. In der Regel ist es schwierig,
ein einzelnes Modell zu entwickeln, dessen Parameter zur Analyse verschiedenartiger
Prozesse gut geeignet sind. In einer Brennstozelle stellt beispielsweise die Unter-
suchung des Wasserhaushalts andere Anforderungen an das Modell als die Analyse
einer Kohlenmonoxidvergiftung im Katalysator der Zelle. Ein Vergleich verschie-
dener Brennstozellen-Modelle zur Untersuchung unterschiedlicher Fragestellungen
mit EIS ndet sich bei [1].
[1] gibt einen Überblick über zahlreiche Modelle aus der Literatur und untersucht
und vergleicht sie bezüglich ihrer Tauglichkeit für bestimmte Untersuchungsgebiete.
Die Modelle werden als elektrische Ersatzschaltbilder dargestellt (vgl. Abbildungen
4.5 und 4.6) und unterschieden sich hinsichtlich ihrer (pseudo-) elektrischen Kompo-
nenten (vgl. Kapitel 4.1.1 bis 4.1.5) und deren Verschaltung sowie der Anzahl freier
20 Kapitel 4 Impedanzspektroskopie
W
R2
C2
C1
R1
Abb. 4.5:
R2
repräsentiert den Widerstand der Membran,
C1
die ihr zugeordnete Kapazität.
C2
bildet die Doppelschichtkapazität an der Phasengrenzäche zwischen Elektrolyt und Katalysator
ab. Laut [1] konvergiert dieses Modell sowohl für die Messdaten aus dem Normalbetrieb als auch
für Messungen mit CO-Vergiftung sowie für den Fall einer Austrocknung. Somit scheint dieses
Modell, anders als weitere von [1] untersuchte Modelle, für die Untersuchungen zu Kohlenmonoxid
beziehungsweise Kohlendioxid geeignet zu sein. Auch dürfte es mit diesem Ersatzschaltbild glich
sein, anhand der Parametrisierung das Austrocknen der Zelle, das im Rahmen dieser Arbeit nicht
behandelt wird, von einer Kohlenmonoxidvergiftung zu unterscheiden.
Parameter, die die Anpassung an die Messwerte ermöglichen.
Unter den Modellen, die die gesamte Brennstozelle abbilden, empehlt [1] das in
Abbildung 4.5 dargestellte 7-Parameter-Modell. Die Optimierung der Modellpara-
meter zur Anpassung an reale Messwerte konvergiert sowohl für Daten aus dem stö-
rungsfreien Normalbetrieb als auch für Messdaten, die während der Austrocknung
der Membran und während einer Kohlenmonoxidvergiftung aufgezeichnet wurden.
Dieses Modell scheint daher unter der Voraussetzung, dass sich eine Kohlenmon-
oxidvergiftung und eine eventuelle Kohlendioxidvergiftung auf die gleiche Art aus-
wirken für die im Rahmen dieser Arbeit durchzuführenden Untersuchungen ge-
eignet zu sein. Darüberhinaus erweist sich dieses Modell laut [1] im statistischen
Varianzvergleich als überlegen gegenüber den betrachteten Alternativmodellen. Al-
lerdings ist es mit diesem Modell nicht möglich, den rechten der drei Nyquistbö-
gen, den Stotransportbogen, abzubilden. Sinnvoll ist daher nur eine Anpassung an
Messdaten ab einer höheren Frequenz, deren Impedanz am Beginn des (mittleren)
Elektrodenbogens liegt. Da dennoch die Vorteile dieses Modells überwiegen und der
Stotransportbogen hier nicht von vorrangigem Interesse ist, soll für die Untersu-
chung einer möglichen Kohlendioxidvergiftung im Rahmen dieser Arbeit auf dieses
7-Parameter-Modell zurückgegrien werden.
In den elektrischen Leitungen, den Elektroden und den Polarplatten treten einfache
elektrische Widerstände auf, die zu einem Widerstand
Re
zusammengefasst werden.
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4.2 Physikalisches Modell und Ersatzschaltbild 21
Dieser wiederum wird in der Modellbildung häug mit dem im Elektrolyten auf die
Ionen wirkenden Widerstand
Rm
zusammengefasst bzw. addiert. Die Summe dieser
ohmschen Widerstände wird in Abbildung 4.5 durch
R1
abgebildet. Sofern der induk-
tive Einuss der Kabel vernachlässigbar ist, kann
R1
aus den im Nyquist-Diagramm
aufgetragenen Messdaten als hochfrequenter Schnittpunkt mit der realen Achse ab-
gelesen werden - und später als Initialisierungswert für die Anpassung der Modell-
parameter eingesetzt werden (vgl. Kapitel 6.4). Der Kondensator
C1
repräsentiert
die Impedanz, die aus der parallelen Anordnung der beiden Elektroden resultiert.
In der Membran-Elektroden-Einheit (MEA, Membrane Electrode Assembly) bildet
sich aufgrund des Übertritts und der Adsorption von Wasserstoonen eine kapaziti-
ve Doppelschicht zwischen der Anode und der Membran. Diese Kapazität
C2
nimmt
mit wachsendem Strom zu. Das Phänomen der kapazitiven Doppelschicht ist in [19]
ausführlich dargestellt. Der Ladungsdurchtrittswiderstand wird im Modell durch den
ohmschen Widerstand
R2
dargestellt. Er ist vor allem auf der Kathodenseite beim
Phasenübergang Membran/Katalysator von Bedeutung. Der Massentransport in der
Membran entsprechend dem Fick'schen Gesetz wird durch ein Warburg-Element (in
Abbildung 4.5 durch ein
W
gekennzeichnet) repräsentiert. Es wird davon ausge-
gangen, dass der Stotransport des Sauerstos durch den Gasverteilungsschicht und
zur kathodenseitigen Katalysatorschicht deutlich träger ist als die anodenseitige Dif-
fusion des Wasserstos. Daher wird häug, wie im hier genutzten Modell, nur die
kathodenseitige Massentransportlimitierung berücksichtigt. Das Warburg-Element
kann, wie in Kapitel 4.1.5 dargestellt, über drei Gröÿen parametrisiert werden.
W
R2
R1
CPE1 CPE2
R3
L1
Abb. 4.6:
Dargestellt ist ein Ersatzschaltbild für das Modell nach Schiller et al.(vgl. [2]). Die
Doppelschichtkapazitäten werden hier nicht durch einfache Kondensatoren, sondern durch CPE-
Elemente abgebildet. Die Spule
L1
repräsentiert die aus den elektrischen Leitungen resultierenden
Induktivitäten.
Abbildung 4.6 zeigt ein alternatives Modell für die Parameteranpassung einer Brenn-
stozelle. Mit
L1
wird hier auch eine mögliche Induktivität der elektrischen Leitun-
gen im Brennstozellensystem berücksichtigt.
R1
repräsentiert wie im 7-Parameter-
22 Kapitel 4 Impedanzspektroskopie
Modell (vgl. Abbildung 4.5) die Summe aus ohmschen Leitungswiderständen und io-
nischem Widerstand der Membran. Die Doppelschichtkapazitäten, die Kathode und
Anode mit der Membran bilden, werden statt durch einfache Kondensatoren durch
die CPE-Elemente (vgl. Kapitel 4.1.4)
CPE1
und
CPE2
abgebildet. Auch die La-
dungsdurchtrittswiderstände an Kathode und Anode werden in diesem Modell durch
jeweils eigene Widerstände,
R2
und
R3
, repräsentiert. Die Simulation der kathoden-
seitigen Massentransportlimitierung wird auch hier durch ein Warburg-Element er-
möglicht, das mit dem anodischen Ladungsdurchtrittswiderstand in Reihe geschaltet
ist. Dieses Modell wird ebenfalls empfohlen für die Parameteranpassung bei Normal-
betrieb einerseits und bei Kohlenmonoxidvergiftung andererseits (vgl. [2]).
4.2.1 Interpretation von EIS-Messergebnissen
Ein für PEM-Brennstozellen typisches Impedanzspektrum besteht im Nyquist-Dia-
gramm aus bis zu drei kapazitiven Bögen, die zur Abszisse hin geönet sind. Je-
der dieser Bögen repräsentiert die Messwerte aus einem bestimmten Frequenzspek-
trum, in dem jeweils spezische Phänomene und Komponenten des Brennstozellen-
Systems für die Impedanzantwort prägend sind. Bei drei Impedanzbögen spricht man
vom Membranbogen, Elektrodenbogen sowie Stotransportbogen (vgl. [20]). Der
Membranbogen hat den niedrigsten Realteil und bendet sich im Nyquist-Diagramm
somit links von den anderen beiden Bögen. Der Elektrodenbogen liegt in der Mitte,
der Stotransportbogen rechts.
Im hochfrequenten
Membranbogen
(etwa ab 1 kHz) schlagen sich im Wesentli-
chen der Membranwiderstand und die Membrankapazität nieder. Der Membranwi-
derstand entspricht dabei dem Durchmesser dieses Halbkreises. Er wird kleiner bei
zunehmender Betriebstemperatur. Die Stromdichte hat keinen Einuss auf diesen
Impedanzbogen. Der hochfrequente Schnittpunkt mit der realen Achse entspricht
der Summe der ohmschen Widerstände in Leitern und Elektroden sowie dem Wi-
derstand der in der Membran auf die Protonen wirkt. Ein Austrocknen der Zelle
erhöht den Membranwiderstand und verschiebt somit den hochfrequenten Schnitt-
punkt mit der realen Achse (am linken Bogenende) nach rechts. Die Kapazität des
Membranbogens ist zum einen auf die Doppelschichtkapazität zurückzuführen, die
sich zwischen Elektrode und Membran bildet. Zum anderen steigen sowohl der Mem-
branwiderstand als auch die kapazitive Impedanz im Fall einer Austrocknung der
Membran an. Im Nyquist-Diagramm schlägt sich dies im Wachsen des Membranbo-
Advertisement
4.3 Cyclovoltammetrie im Vergleich zur Methode der Impedanzspektroskopie 23
gens nieder. Bei Flutung der Zelle können Membran- und Elektrodenbogen mitein-
ander verschmelzen.
Der mittlere
Elektrodenbogen
(etwa 1 Hz bis 1 kHz) ist vor allem auf die Durch-
trittsreaktion an der Phasengrenzäche Membran/Katalysator zurückzuführen. Da
der Durchtrittswiderstand an der Anode für den Wassersto vergleichsweise gering
ist, wird die Impedanzantwort der Gesamtzelle im Normalbetrieb durch die Vorgänge
auf der Kathodenseite bestimmt. Der Durchtrittswiderstand und die Doppelschicht-
kapazität spiegeln die Aktivität des Katalysators und dessen aktive Oberäche wider
(vgl. [20]). Dementsprechend ist in diesem Impedanzbogen der Einuss einer mög-
lichen Kohlenmonoxidvergiftung ablesbar, wie es beispielsweise die Messergebnisse
von [1] bestätigen. Mit zunehmender Stromdichte wird der Elektrodenbogen enger.
Der dritte, niederfrequente Bogen (unter 1Hz), der
Stotransportbogen
, ist vor
allem durch die Diusionsimpedanz aufgrund des Sauerstotransports geprägt. Dies
gilt sowohl für den Sauerstotransport in der Gasphase (Luft und Wasserdampf)
als auch für die Diusion des Sauerstos im Wasserlm auf der Elektrodenoberä-
che. Ein Wachsen des Stotransportbogens ist zu erwarten aufgrund von Transport-
hemmung bei hohen Strömen, insbesondere beim Betrieb mit geringem Sauersto-
überschuss (weniger als 2-facher Sauerstoüberschuss bezogen auf den theoretischen
Massenstrom, vgl. [20]) sowie bei einem ungünstig konstruierten Strömungsfeld. Die
Diusionsimpedanz wächst auÿerdem bei einem Durchbruch der Membran, da direkt
übertretender Wassersto mit Sauersto zusätzliches Wasser bildet.
4.3 Cyclovoltammetrie im Vergleich zur Methode der Impe-
danzspektroskopie
Cyclovoltammetrie erlaubt eine in-situ Bestimmung der aktiven Platin-Oberäche
des Anoden- beziehungsweise Kathodenkatalysators. Dazu wird die zu untersuchen-
de Elektrode mit Sticksto, die Referenzelektrode mit Wassersto gespült. Es wird
davon ausgegangen, dass an jedem in der 3-Phasenzone bendlichen Platinatom ein
Wasserstoatom adsorbieren kann. Um die tatsächlich aktive Platinoberäche zu
messen, wird ein Potential aufgeprägt, das dreiecksförmig (linear) abwechselnd steigt
und sinkt. Aus dem dabei gemessenen Strom kann der Wasserstoadsorptionsstrom
bestimmt werden. Durch Integration dieses Stromes über dem aufgeprägten Poten-
24 Kapitel 4 Impedanzspektroskopie
tial lässt sich die tatsächlich besetzte Platinoberäche bestimmen (vgl. [17]). [13]
nutzen die Cyclovoltammetrie, um die Belegung der Platinoberäche durch Kohlen-
monoxid zu quantizieren.
Bezüglich der Ausnutzung/Belegung des Katalysators erlaubt die Cyclovoltamme-
trie eine quantitative Diagnose. In den in der Literatur beschriebenen Untersuchun-
gen wird die Cyclovoltammetrie allerdings nicht im Normalbetrieb der Zelle durch-
geführt. Eine dynamische Anpassung von Betriebsparametern ist daher nicht ohne
weiteres möglich. Ferner erlaubt die Cyclovoltammetrie nicht die gleichzeitige Unter-
suchung von unterschiedlichen Phänomenen in den verschiedenen Brennstozellen-
Komponenten, wie es mit der EIS möglich ist.
Advertisement
Kapitel 5
Material und Methoden
Für den Betrieb der Brennstozelle werden Wassersto, Sticksto, Kohlendioxid ein-
gesetzt. Auÿerdem steht eine Stickstoasche mit 100 ppm Kohlenmonoxid sowie für
die kathodenseitige Versorgung Luft zur Verfügung. Die Gasströme werden einzeln
durch thermische Durchussregler kontrolliert. Für Luft, Wassersto, Sticksto und
Kohlendioxid sind in der Steuersoftware jeweils Stodaten hinterlegt, die eine Mes-
sung entsprechend der jeweiligen Wärmekapazität des einzelnen Stoes ermöglichen.
Für die Dosierung des mit 100 ppm angereicherten Stickstos werden die Kenndaten
für reinen Sticksto genutzt. Ein geringerer Kohlenmonoxidgehalt kann eingestellt
werden, indem der Anode neben dem Prüfgas auch reiner Sticksto zugeführt wird.
Da Sticksto und Kohlenmonoxid sich in ihrer Wärmekapazität kaum unterschei-
den beide liegen bei 25
bei 29,1 J/(mol*K) dürfte ein möglicher Messfehler
bezüglich des Volumenstroms hier vernachlässigenswert gering sein.
5.1 Aufbau des Messstandes
Für die Versuche wird die Testbank FC 25-125 von der HIAT gGmbH eingesetzt,
die für die Untersuchung einzelner MEAs (5x5 cm) entwickelt wurde.
Neben Anschlüssen für die Lastkabel sind Anschlüsse für Sensorkabel vorgesehen, die
im vorliegenden Aufbau an die
TrueData EIS
und
TrueData LOAD
angeschlossen
sind. MEA und GDLs werden zwischen den Strömungsfeldern von Anode und Ka-
thode eingelegt. Der Druck, mit dem die Zellschichten aufeinander gepresst werden,
kann über eine pneumatisch gesteuerte Kolbenstange eingestellt werden. Bei den
durchgeführten Untersuchungen wird mit einem Anpressdruck von 2 bar gearbeitet,
dies entspricht 2 N/mm
2
. Ein höherer Anpressdruck erhöht unter Umständen die
26 Kapitel 5 Material und Methoden
Leitfähigkeit der Membran, kann diese jedoch auch beschädigen. Die Brennstozelle
wird extern über eine regelbare Heizung beheizt.
Die EIS-Messungen werden mit Geräten von
FuelCon
durchgeführt. Genutzt wird
die
TrueData EIS
für die eigentliche Impedanzspektroskopie sowie die elektrische
Last
TrueData LOAD
. Die elektrische Last wird über die
TrueData EIS
gesteuert.
Eine ausführliche Beschreibung des genutzten Teststandes ndet sich in [21].
H2
N2/CO2
Luft
Befeuchtung
Brennstoff-
zelle
Anode
KathodeBefeuchtung
Abgas Anode
Abgas Kathode
Abb. 5.1:
Flussschema der Gasströme im Versuchsaufbau. Es können alternativ Kohlendioxid und
Sticksto (mit oder ohne einem ppm-Anteil Kohlenmonoxid) zum Wassersto beigemischt werden.
Die Befeuchtung mit destilliertem Wasser ist über ein LabView-Interface steuerbar.
Abb. 5.2:
Auf dem Foto ist die geönete Testzelle ohne MEA und Gasverteilungsschichten zu
sehen. Links bendet sich die anodenseitige Polarplatte mit integriertem Strömungsfeld, rechts die
entsprechenden Komponenten der Kathode.
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5.2 Die Membran-Elektroden-Einheit 27
Brennstoff-
zelle
TrueData
EIS Electronic Load
-
++
-
Computer zur Steuerung
Lastkabel
Lastkabel
Sensorkabel
Sensorkabel
Sensorkabel
Steuerung
Steuerung
Abb. 5.3:
Die TrueData EIS ist über Last- sowie Sensorkabel mit der Brennstozelle verbunden.
Die Lastkabel führen von der TrueData EIS zur elektrischen Last, die mit eigenen Sensorkabeln
mit der Brennstozelle verbunden ist. Die Steuerung erfolgt über ein LabView-Programm auf dem
an die TrueData EIS angeschlossenen Computer.
5.2 Die Membran-Elektroden-Einheit
Es werden Membranen von
baltic FuelCells
eingesetzt, die für den Reformatbetrieb
vorgesehen sind. Sie werden bereits mit aufgebrachter Katalysatorschicht und Elek-
troden als MEA's (Typ
BFC-R25-N212
) geliefert. Die MEA's haben eine aktive
Fläche von 5x5cm. Als Katalysatormaterial wird Platin mit Ruthenium genutzt.
Sie haben eine Kathodenbeladung von 0,6 mg Pt/cm
2
und eine Anodenbeladung
von 0,3 mg PtRu/cm
2
. An der Anode wird als Katalysator die Platin-Ruthenium-
Legierung eingesetzt, da sie gegenüber reinem Platin die Kohlenmonoxidtoleranz des
Katalysators verbessert. Die eingesetzten Diusionsschichten (
BFC-G25ccm-S10cc
),
die jeweils zwischen Elektrode und dem Strömungsfeld angebracht werden, stammen
ebenfalls von
Baltic FuelCells
. Sie haben eine Dicke von 400
µ
m.
5.3 Versuchs- und Messprogramm
Grundsätzlich werden im Rahmen der Versuche drei verschiedene Brenngaszusam-
mensetzungen verglichen. Als Referenzgas gilt dabei das Wassersto-Sticksto-Ge-
misch mit 60 % Wasserstoanteil. Es wird angenommen, dass sich Sticksto unter
den gegebenen Betriebsbedingungen inert verhält und somit der Normalbetrieb ge-
währleistet ist. Ein Vergleich mit reinem Wasserstobetrieb würde eine Interpreta-
tion erschweren, da in diesem Fall der Verdünnungseekt nur bei den Versuchen mit
Kohlendioxid beziehungsweise kohlenmonoxidhaltigem Prüfgas aufträte.
28 Kapitel 5 Material und Methoden
Tab. 5.1:
Alle in der Tabelle aufgeführten Messungen werden an drei verschiedenen Membranen
durchgeführt. Die Überströmung liegt bei allen Versuchen anodenseitig bei 1,3, kathodenseitig bei
3,0. Die Anodenbefeuchtung liegt jeweils bei 65 %, die Kathodenbefeuchtung bei 80 %. Die EIS-
Messungen werden bei konstantem Strom über den Frequenzbereich zwischen 0,1 Hz und 12,5 kHz
durchgeführt. Es werden zusätzlich einzelne Langzeitmessungen mit einem Kohlendioxid-Anteil von
60 % durchgeführt.
Versuchsreihe Regelparameter Regelbe-
reich
Schritt-
weite
Datenaufnahme/
Anmerkungen
Normalbetrieb
60% H
2
/40% N
2
Stromdichte
[A/cm
2
]
0,08-0,8 0,16-0,2 EIS-Messungen
Temperatur [
] 50-70 10
Normalbetrieb
60% H
2
/40% N
2
Kennlinie
Stromdichte
[
A
/
cm
2]
0-1,1 0,04 UI-Kennlinie
Temperatur [
] 50-70 10
CO-Untersuchung
60% H
2
/40% N
2
CO-Anteil
[ppm]
10-20 10 EIS, U(t)
Temperatur [
] 50-70 10
CO
2
-
Untersuchung
60% H
2
/40% CO
2
EIS bei einer
Stromdichte
von 0,4 A
/
cm
2
nach 0, 1, 4, 8h
Betrieb; U(t);
UI-Kennlinie
nach 8h.
Als zweites Brenngas wird ein Mischung aus Wassersto und Kohlendioxid einge-
setzt. Dieser Gaszusammensetzung gilt das eigentliche Interesse der vorgenomme-
nen Untersuchungen. Statt tatsächlichen Biogasreformats wird die Impedanzspek-
troskopie mit Wassersto-Kohlendioxid durchgeführt, da hier vorerst nur die RWGS-
Reakion (vgl. 3.4) bei denierter Gaszusammensetzung untersucht werden soll. Um
den Eekt der RWGS-Reaktion beim Einsatz von Kohlendioxid einordnen und ver-
gleichen zu können, werden auÿerdem Versuchsreihen mit Wassersto, Sticksto
sowie einem Kohlenmonoxidanteil von 10 und 20 ppm durchgeführt. Die Angabe
des Kohlenmonoxidanteils bezieht sich immer auf die Gesamtmenge des Anodenga-
ses, das sich bei allen im Rahmen dieser Arbeit mit Kohlenmonoxid durchgeführten
Versuchen zu 60 % aus Wassersto und zu 40 % aus Sticksto zusammensetzt. (Der
Advertisement
5.4 Durchf¨
uhrung der Versuche 29
Kohlenmonoxidanteil wird bei den Prozent-Angaben vernachlässigt.) Kohlenmonoxi-
danteile von unter 10 ppm können aufgrund der Beschränkungen der eingesetzten
Massenuss-Steuerung nicht untersucht werden. Jede der Messungen wird mit min-
destens drei MEA's vom gleichen Typ durchgeführt, um die Reproduzierbarkeit der
Ergebnisse zu überprüfen.
5.4 Durchf¨
uhrung der Versuche
Entsprechend den Empfehlungen der Hersteller der MEAs werden die Brennstozel-
len bei der ersten Betriebnahme mit reinem Wassersto und bei sehr hoher Überströ-
mung für mindestens vier Stunden eingefahren. Dabei wird die Stromdichte häug
variiert und mehrmals kurzzeitig auf extrem hohe Werte eingestellt, bei denen die
Zellspannung auf unter 60 mV fällt. Die Zelle wird in dieser Phase bei Temperatu-
ren bis zu 80
betrieben. Anschlieÿend wird jede Membran für mindestens eine
Nacht mit 40 % Sticksto im Anodengas bei einer konstanten Stromdichte von 0,4
A/cm
2
und einer Betriebstemperatur von 70
gefahren, bevor mit den Messungen
begonnen wird.
Tab. 5.2:
Die Parametersets für den Betrieb der Brennstozelle bei den verschiedenen Versuchs-
reihen. Die Gasströme werden jeweils vor der Befeuchtung auf 10
über der Zelltemperatur ge-
heizt, um ein Auskondensieren in den Zuleitungen zu verhindern. Die Prozentabgabe zur relativen
Gasfeuchtigkeit bezieht sich auf die Zelltemperatur.
Parameterset Zelltemperatur Befeuchtung
Kath.
(Taupunkt-
temperatur)
Bef. Anode
(Taupunkt-
tempera-
tur)
λHλLuft
3 50
78 % (46
) 65 % (43
) 1,3 3,0
2 60
78 % (56
) 65 % (53
) 1,3 3,0
1 70
78 % (66
) 65 % (63
) 1,3 3,0
Ein Durchgang der eigentlichen EIS-Messungen mit der
TrueData EIS
wird auto-
matisiert durchgeführt. Über die
LabView
-Schnittstelle (vgl. [21]) können am Com-
puter Start- und Endfrequenz sowie die Anzahl der Schritte vorgegeben werden. Die
Schrittweite kann wahlweise logarithmisch oder linear berechnet werden. Bei den
durchgeführten Versuchen wird immer ein logarithmische Schrittweite gewählt. Au-
ÿerdem können die für jede Frequenz einzuhaltende minimale Messdauer und die
30 Kapitel 5 Material und Methoden
minimale Periodenzahl festgelegt werden. Hier erweisen sich sechs Sekunden bezie-
hungsweise sechs Perioden als ausreichend. Die Spannung, mit der zur Impedanz-
messung ausgelenkt wird, stellt die
TrueData EIS
automatisch ein. Bei einer Zelle
mit einer Impedanz von unter 800 m
, wie es bei der untersuchten Zelle der Fall ist,
liegt die Auslenkspannung unter 20 mV. Die Messungen werden in logarithmischen
Frequenzschritten, beginnend mit der kleinsten Frequenz, durchgeführt.
-12
-10
-8
-6
-4
-2
0
2
0 5 10 15 20 25 30 35 40
Im(Z) [m
]
Re(Z) [m
]
0,08 A/cm
2
0,24 A/cm
2
0,4 A/cm
2
0,6 A/cm
2
Abb. 5.4:
Nyquist-Diagramm für verschiedene Stromstärken bei Betrieb mit reinem Wassersto.
Der Bogen wird mit zunehmender Stromstärke deutlich kleiner und verschiebt sich nach links.
Dargestellt ist das Impedanzspektrum für 0,29 Hz bis 10 kHz. Für alle vorgenommenen Messungen
nimmt der Realteil der Impedanz mit zunehmender Frequenz ab. Das heisst, die gen beginnen
rechts mit der niedrigsten und enden links mit der chsten Frequenz. Der linke Schnittpunkt mit
der realen Achse entspricht, sofern die induktiven Impedanzen der Kabel vernachlässigt werden
können, dem ohmschen Widerstand der Zelle sowie der Kabel.
Advertisement
Kapitel 6
Ergebnisse und Diskussion
6.1 Allgemeine Beobachtungen zum Betrieb der Testzelle
Es werden alle Versuche mit jeder der drei identischen Brennstozellen-Membranen
durchgeführt. Jede Membran wird entsprechend der in Kapitel 5.4 beschriebenen
Vorgehensweise in Betrieb genommen, bevor erste Messungen aufgenommen wur-
den. Es gelingt nicht immer, bei gleichen Betriebsbedingungen auch die gleiche Leis-
tung abzunehmen. Dabei sind keine eindeutigen Unterschiede zwischen den Membra-
nen zu erkennen, vielmehr verändert sich die Leistungscharakteristik der einzelnen
Membranen mit der Zeit, ohne dass eine klare Tendenz hin zu einer besseren oder
schlechteren Energiewandlung erkennbar würde. Im Laufe des Betriebes kommt es,
in Abständen von einigen Stunden bis wenigen Tagen, zu Spannungssprüngen in
der Gröÿenordnung von bis zu 30 mV. Darüberhinaus führt das Messen von Strom-
Spannungs-Kennlinien häug zu einem bleibenden leichten Anstieg der Leistung.
Dieser Anstieg ist erkennbar an einer etwas höheren konstanten Zellspannung, wenn
nach dem Aufnehmen der Kennlinie wieder die gleiche Stromstärke eingestellt wird
wie zuvor. Die maximale Leistung der Testzelle bewegt sich zwischen etwa 9,5 W
und 11 W. Kurzzeitig wurden Leistungen bis zu 11,7 W gemessen.
Vielfach konnten langfristige Veränderungen des Leistungsniveaus nicht auf bestimm-
te Vorgänge wie das Aufnehmen einer Strom-Spannungs-Kennlinie zurückgeführt
werden. Es ist nicht gelungen, die Ursache vollständig zu klären. Prinzipielle Leis-
tungsunterschiede zwischen den drei identischen untersuchten Membranen konnten
nicht ausgemacht werden. Schwankungen in der Produktqualität oder mögliche Feh-
ler beim Einbau der Membran (wie etwa Verschiebungen zwischen Strömungsfeld,
Gasverteilungsschicht und Membran) sind dementsprechend unwahrscheinlich als
Ursache für die leichten Schwankungen der Leistungsabgabe der Zelle. Es wäre zu
32 Kapitel 6 Ergebnisse und Diskussion
untersuchen, ob beim Einsatz der gleichen Membranen in einem Mehrzeller bei iden-
tischen Versuchsbedingungen ähnliche Phänomene zu beobachten sind. Insbesonde-
re wäre von Interesse, ob sich eventuelle Leistungsschwankungen in den Einzelzellen
eines Mehrzellensystems gegenseitig verstärken oder aber unabhängig voneinander
sind und sich tendenziell gegenseitig aufheben.
0.5
0.52
0.54
0.56
0.58
0.6
0.62
0.64
0.66
0.68
0.7
00:00 00:10 00:20 00:30 00:40 00:50 01:00 01:10 01:20 01:30
Spannung [V]
Zeit [hh:mm]
Spannungsschwankungen im Normalbetrieb
Abb. 6.1:
Beim stationären Betrieb der Testzelle treten Spannungsschwankungen auf, die sich
durch einen regelmäÿigen plötzlichen Anstieg der Spannung um etwa 25 mV und ein anschlieÿen-
des langsames Absinken der Spannung auf das ursprüngliche Niveau auszeichnen. Dieser Vorgang
wiederholt sich etwa alle zwanzig Minuten und tritt sowohl beim Betrieb mit Sticksto wie auch
beim Kohlendioxidbetrieb auf. Dargestellt ist die Zellspannung bei 60
. Das Anodengas enthält 40
% Sticksto, die Stromdichte liegt bei 0,4 A
/
cm
2
. Überströmung und Befeuchtung entsprechen den
Angaben in Tabelle 5.2.
Darüberhinaus wurden kurzfristigere Spannungsschwankungen, mit einer Periode in
der Gröÿenordnung von 20 Minuten, beobachtet (vgl. Abbildung 6.1). Diese Schwan-
kungen treten beim stationären Langzeitbetrieb auf, sowohl beim Einsatz von 40 %
Sticksto im Anodengas wie auch, wenn statt Sticksto Kohlendioxid beigemischt
wird. Die Spannungsschwankungen wurden mit allen gemessenen Gröÿen verglichen,
es konnte jedoch kein weiterer Betriebsparameter mit ähnlichen Schwankungen er-
mittelt werden. Weder die Gas- noch die Wasserströme weisen korrelierende Schwan-
kungen auf. Auch ein Zusammenhang zu den in Kapitel 5.1 beschriebenden Sprüngen
in der bleibenden Regelabweichung zwischen Soll- und Ist-Strom, die die
TrueData
EIS
verursacht, ist nicht zu erkennen. Auf eine mögliche Flutung der Zelle können
die Spannungschwankungen wohl ebenfalls nicht zurückgeführt werden. Zum einen
Advertisement
6.1 Allgemeine Beobachtungen zum Betrieb der Testzelle 33
wird die Testzelle ohnehin bei einer recht geringen Befeuchtung betrieben (vgl. Ta-
belle 5.2), zum anderen treten bei einer Flutung der Zelle üblicherweise Spannungs-
schwankungen mit einer deutlich geringeren Periode auf.
-5
-4
-3
-2
-1
0
1
6 8 10 12 14 16 18 20 22 24
Im(Z) [m
]
Re(Z) [m
]
Membran I
Membran II
Membran III
Abb. 6.2:
Bei einer Betriebstemperatur von 50
stimmen die Impedanzkurven der drei Ver-
gleichszellen weitgehend miteinander überein. Dargestellt sind die Kurven entsprechend der Ver-
suchsbedingungen für 50
aus Tabelle 5.1. Eingestellt ist eine Stromdichte von 0,4 A
/
cm
2
.
An den Nyquist-Kurven sind ebenfalls leichte Schwankungen in den Betriebszustän-
den der Testzelle zu erkennen. Eine EIS-Messung benötigt je nach Start- und End-
frequenz der Messung sowie abhängig von der Schrittweite fünf bis zehn Minuten.
Kommt es während dieses Zeitraumes zu einer Verschiebung des Spannungsniveaus,
so schlägt sich dies in einigen Fällen in einer leichten Verzerrung beziehungsweise ho-
rizontalen Verschiebung eines Teils der Nyquistkurve wieder. Dies ist beispielsweise
in Abbildung 6.14 in der Messung zu erkennen, die zu Beginn der Kohlendioxid-
Beimischung aufgenommen wurde. Im Bereich hoher Frequenzen, ab einem Realteil
von etwa 8 m
, wird die Kurve leicht nach links verschoben. Im Zeitraum dieser
Messungen ist ein plötzlicher Spannungsanstieg um etwa 10 mV zu verzeichnen.
Aufgrund der zeitlichen Übereinstimmung zwischen Spannungssprung und der Hori-
zontalverschiebung der Impedanzwerte (beziehungsweise der Abnahme beim Realteil
der Impedanz) scheinen beide Phänomene eine gemeinsame Ursache zu haben. In an-
deren Fällen lässt sich hingegen kein direkter Zusammenhang zwischen Nyquistkurve
und Spannungsniveau erkennen. Während in Abbildung 6.2 die drei Nyquistkurven,
die unter identischen Betriebsbedingungen und bei gleicher Stromdichte bei den drei
Vergleichsmembranen aufgenommen wurden, sehr gut miteinander übereinstimmen,
34 Kapitel 6 Ergebnisse und Diskussion
weichen die jeweiligen mittleren Spannungsniveaus während der Aufnahme der EIS-
Messung voneinander ab. Die mittleren Spannungen von Membran I und Membran
III liegen mit 641 mV und 646 mV recht dicht beieinander. Membran II jedoch weicht
mit 661 mV recht deutlich von diesen Werten ab.
-5
-4
-3
-2
-1
0
1
2
6 8 10 12 14 16 18 20 22
Im(Z) [m
]
Re(Z) [m
]
Messung A
Messung B
Abb. 6.3:
Die dargestellten Kurven wurden im Abstand von einer Stunde unter identischen Be-
triebsbedingungen an der gleichen Membran aufgenommen. Die Betriebstemperatur liegt bei 70
,
das Anodengas enthält 40 % Sticksto. Die Stromdichte liegt bei 0,4 A
/
cm
2
. Im Zeitraum zwischen
den Messungen A und B wurden weitere EIS-Messungen bei höheren Strömen aufgenommen. Das
mittlere Spannungsniveau lag während der Messung B um etwa 20 mV höher als während Messung
A.
Im Allgemeinen ist für niedrigere Frequenzen bei den EIS-Messungen ein deutlich
stärkeres Rauschen der Messwerte festzustellen, so dass der rechte Impedanzbogen
häug nicht klar ausgebildet ist. Der Grund dürfte in der höheren Dauer liegen, die
eine Einzelmessung bei niedrigeren Frequenzen benötigt. Geringfügige Schwankun-
gen im System können in diesem Bereich daher leichter zu Störungen der Messung
führen. Für die Untersuchung möglicher Kohlenmonoxid-Vergiftungen ist vor allem
der Elektrodenbogen (vgl. Kapitel 4.2.1) ab einer Frequenz von etwa 5 Hz von In-
teresse.
Der in der Literatur beschriebene hochfrequente Membranbogen, der im Nyquist-
Diagramm links vom Elektrodenbogen liegt, konnte bei den durchgeführten Mes-
sungen nicht nachgewiesen werden. Für Frequenzen über 10 kHz zeigen die Impe-
danzmessungen eine starke Streuung oder eine senkrechte Linie links des Elektro-
denbogens, die die reale Achse kreuzt. Diese Messdaten scheinen jedoch nicht von
Advertisement
6.2 Untersuchung der Brennstoffzelle bei Kohlenmonoxid im Anodengas 35
hoher Aussagekraft zu sein, da die
TrueData EIS
während der Messung in diesem
Frequenzbereich immer eine mittlere bis schlechte Messqualität in Bezug auf Einhal-
tung der vorgegebenen Frequenz anzeigt. Laut Herstellerangaben kann eine Über-
lagerung mit hochfrequenten Schwingungen im Brennstozellensystem Ursache für
diesen Fehler sein. In den Graken zu den EIS-Messungen wird auf die Darstellung
des Messbereichs über 5 kHz verzichtet.
6.2 Untersuchung der Brennstoffzelle bei Kohlenmonoxid im
Anodengas
Entsprechend dem in Tabelle 5.1 dargestellten Messprogramm werden Untersuchun-
gen zum Verhalten der Brennstozelle bei Kohlenmonoxid im Anodengas für Be-
triebstemperaturen von 50
, 60
und 70
durchgeführt. Neben Wassersto und
Kohlenmonoxid enthält das Brenngas 40 % Sticksto, der als inert betrachtet wird.
Die Messungen mit Kohlenmonoxid dienen als Referenz für die Versuche mit koh-
lendioxidreichem Anodengas (vgl. Kapitel 6.3), um so eine qualitative Abschätzung
über das Ausmaÿ der RWGS-Reaktion (vgl. Kapitel 3.4) beim Kohlendioxidbetrieb
und der resultierenden Katalysatorvergiftung zu ermöglichen. Es werden daher bei
einer anodenseitigen Überströmung von
λanode = 1,3
Kohlenmonoxidgehalte von 10
ppm und 20 ppm getestet.
Bei allen drei untersuchten Betriebstemperaturen sind für beide Kohlenmonoxidkon-
zentrationen Vergiftungserscheinungen messbar, die sich in ihrer Intensität jedoch
voneinander unterscheiden. Das Ausmaÿ der Katalysatorvergiftung ist sowohl an
der Höhe des resultierenden Spannungsabfalls als auch am Verlauf der Nyquist-
Diagramme erkennbar, die aus den Ergebnissen der EIS-Messungen (vgl. Kapitel 4)
erstellt werden. Wie nach der Auswertung von Literaturangaben zu erwarten ist,
nimmt die Intensität der Vergiftung mit zunehmender Temperatur ab.
In Abbildung 6.4 sind Nyquist-Kurven dargestellt, die bei einer Betriebstemperatur
von 50
aufgenommen wurden. Es sind die Messergebnisse für einen Frequenz-
durchgang mit kohlenmonoxidfreiem Anodengas sowie mit 20 ppm Kohlenmonoxid
abgebildet. Auÿerdem sind die direkt im Anschluss aufgenommenen Daten für die
wieder regenerierten Katalysatoren sowie eine erneute anschlieÿende Vergiftung mit
10 ppm Kohlenmonoxid aufgetragen. Die beiden kleinen Kurven mit zwei Bögen
stammen aus den Messungen vom Betrieb ohne Kohlenmonoxid. Es ist zu erkennen,
dass die Kurve 30 Minuten nach der ersten Vergiftung wieder nahezu den Verlauf der
36 Kapitel 6 Ergebnisse und Diskussion
ursprünglichen Kurve zeigt. Die leichte Verschiebung des rechten Membranbogens
zeugt vermutlich davon, dass die Regenerierung noch nicht komplett abgeschlossen
ist.
Beide Vergiftungskurven zeigen ein starkes Anwachsen des Elektrodenbogens, so
dass der rechte Stotransportbogen überlagert wird beziehungsweise aufgrund des
weniger stabilen Vergiftungszustandes nicht mehr messbar ist und durch die schwan-
kenden niedrigfrequenten Messergebnisse verdeckt wird. Das Wachsen des Membran-
bogens ist bei 20 ppm Kohlenmonoxid im Anodengas stärker als bei 10 ppm. Das
Wachsen des Membranbogens scheint somit zumindest eine qualitative Abschätzung
über das Maÿ einer Kohlenmonoxidvergiftung zu erlauben.
-20
-15
-10
-5
0
5
10
15
0 10 20 30 40 50 60 70
Im(Z) [m
]
Re(Z) [m
]
ohne CO
20 ppm CO
nach 30min ohne CO
10 ppm CO
Abb. 6.4:
Dargestellt sind die Nyquist-Kurven zur Kohlenmonoxidvergiftung bei 50
mit 20 und
10 ppm Kohlenmonoxidanteil im Anodengas. Auch bei 10 ppm Kohlenmonoxid ist an der Dehnung
des (linken) Elektrodenbogens bereits eine deutliche Vergiftung festzustellen.
Abbildung 6.5 zeigt EIS-Messungen zur Kohlenmonoxidvergiftung bei 60
. Auch
bei 10 ppm im Anodengas ist bereits eine deutliche Dehnung des (linken) Elektroden-
bogens (vgl. Kapitel 4.2.1) zu erkennen. Für die Vergiftung mit 20 ppm Kohlenmon-
oxid zeigt sich ein noch stärkeres Anwachsen des Elektrodenbogens. Der in Kapitel
4.2.1 beschriebene dritte, noch links vom Elektrodenbogen liegende hochfrequente
Membranbogen kann bei den durchgeführten Messungen nicht nachgewiesen werden.
Für Untersuchungen von Katalysatorvergiftungen ist vor allem der Elektrodenbogen
von Interesse. Der rechte Stotransportbogen wird durch die Kohlenmonoxidvergif-
tung nach rechts verschoben, ändert sich in seiner Gestalt allerdings kaum. Für die
hier durchzuführenden Untersuchungen steht er nicht im Mittelpunkt des Interesses.
Advertisement
6.2 Untersuchung der Brennstoffzelle bei Kohlenmonoxid im Anodengas 37
-12
-10
-8
-6
-4
-2
0
2
4
6
5 10 15 20 25 30 35 40
Im(Z) [m
]
Re(Z) [m
]
ohne CO
10 ppm CO
20 ppm CO
Abb. 6.5:
Dargestellt sind die Nyquist-Kurven zur Kohlenmonoxidvergiftung bei 60
. Auch bei
10 ppm Kohlenmonoxid im Anodengas ist bereits eine deutlich Vergiftung zu erkennen.
In Abbildung 6.6 sind die Ergebnisse der EIS-Messung für Kohlendioxidvergiftun-
gen bei einer Betriebstemperatur von 70
aufgetragen. Dargestellt sind neben den
Nyquist-Kurven beim Betrieb mit kohlenmonoxidfreiem Anodengas die Messergeb-
nisse für zwei Versuche mit 20 ppm und einem Versuch mit 10 ppm Kohlenmonoxid.
Zwischen den beiden Messungen mit 20 ppm Kohlenmonoxid wurde der Katalysa-
tor durch 15minütigen Betrieb mit sauberem Anodengas regeneriert. Obwohl der
Kohlenmonoxidanteil bei beiden Messungen mit 20 ppm gleich ist, zeigt sich beim
zweiten Versuch eine deutlich stärkere Dehnung des Elektrodenbogens.
Auch bei Versuchen mit anderen Kohlenmonoxidkonzentrationen und bei geringeren
Betriebstemperaturen zeigt sich, dass jeweils das erste Aufgeben eines kohlenmon-
oxidhaltigen Anodengases nach längerem Betrieb mit kohlenmonoxidfreiem Gas eine
sehr viel geringere Wirkung zeigt als die erneute Vergiftung kurz nach der Regene-
rierung von einer vorhergehenden Vergiftung. Dieses Phänomen ist zu beobachten,
obwohl sich die Zelle, wenn die Zellspannung und die Nyquist-Kurve als Indikatoren
herangezogen werden, jeweils vollständig regeneriert hat.
Bei allen Versuchen zur Kohlenmonoxidvergiftung beginnt die Spannung wenige Mi-
nuten nach Beginn der Zugabe des Prüfgases zu sinken. Anschlieÿend stellt sich ein
Zustand ein, der trotz gewisser Spannungsschwankungen als stationär bezeichnet
werden kann. Die Spannung bleibt, abhängig von der Höhe des Kohlenmonoxidan-
teils, auf einem niedrigeren Niveau. In Abbildung 6.7 ist der Spannungsverlauf bei
38 Kapitel 6 Ergebnisse und Diskussion
-15
-10
-5
0
5
10
5 10 15 20 25 30 35 40 45
Im(Z) [m
]
Re(Z) [m
]
ohne CO
erstmals 20 ppm CO
regeneriert, ohne CO
erneut 20 ppm CO
regeneriert, ohne CO
10 ppm CO
Abb. 6.6:
Dargestellt sind die Nyquist-Kurven zur Kohlenmonoxidvergiftung bei 70
. Die zweite
Vergiftung mit 20 ppm wirkt sich stärker aus als die erste Vergiftung der gleichen Intensität. 10
ppm Kohlenmonoxid zeigen dagegen bei dieser Temperatur nur geringe Wirkung.
andauernder Zugabe von Kohlenmonoxid dargestellt. Das Anodengas enthält ab dem
Zeitpunkt Null 10 ppm Kohlenmonoxid, zuvor waren nur Sticksto und Wassersto
enthalten. Auch beim Impedanzspektrum sind im Nyquist-Diagramm bei gleich-
bleibender Vergiftung keine weiteren Veränderungen erkennbar. Nach dem Vergif-
tungsversuch lässt ein Wechsel zu kohlenmonoxidfreiem Anodengas die Zellspannung
sprungartig steigen. Dieser Vorgang ist in Abbildung 6.8 zu erkennen. Dargestellt
ist der Spannungsverlauf während einer Vergiftung mit 20 ppm Kohlenmonoxid bei
einer Betriebstemperatur von 70
. Die senkrechte Linie kennzeichnet das Ende der
Beimischung von Kohlenmonoxid zum Anodengas.
Durch Beenden der Kohlenmonoxidbeimischung wird jedoch nicht sofort das Span-
nungsniveau von vor der Beigabe des Katalysatorgiftes erreicht. Eine vollständige
Regeneration benötigt einige Minuten, in denen die Zelle mit sauberem Gas betrie-
Advertisement
6.2 Untersuchung der Brennstoffzelle bei Kohlenmonoxid im Anodengas 39
0.5
0.52
0.54
0.56
0.58
0.6
0.62
0.64
0.66
0.68
0.7
00 10 20 30 40 50 00 10 20 30
Spannung [V]
Zeit [min]
Zellspannung bei CO-Vergiftung
Abb. 6.7:
Die Spannung schwankt bei anhaltender Kohlenmonoxidvergiftung auf einem konstanten
Niveau, das deutlich unter der Spannung im Normalbetrieb liegt. Dargestellt ist die Spannung bei
10ppm Kohlenmonoxid ab dem Zeitpunkt Null bei einer Betriebstemperatur von 60
.
0.2
0.3
0.4
0.5
0.6
0.7
00 05 10 15 20 25 30 35 40
Spannung [V]
Zeit [min]
Zellspannung bei CO-Vergiftung
Abb. 6.8:
Dargestellt ist die Zellspannung über der Zeit bei einer Kohlenmonoxidvergiftung. Ab
dem Zeitpunkt Null wird Brenngas mit 20 ppm Kohlenmonoxid eingesetzt. Die senkrechte Linie
markiert den Moment, ab dem wieder ein reines Wassersto-Sticksto-Gemisch (60:40) eingesetzt
wird, das kein Kohlenmonoxid enthält. Es ist deutlich sichtbar, dass sich die Zelle schnellstens
regeneriert. Die Betriebstemperatur liegt bei 70
.
ben wird. Die Regeneration des Katalysators kann deutlich beschleunigt werden,
indem die anodenseitige Überströmung kurzzeitig erhöht wird.
40 Kapitel 6 Ergebnisse und Diskussion
Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Membranen deutliche Vergiftungser-
scheinungen durch die Beimischung von Kohlenmonoxid zum Anodengas zeigen.
Die Vergiftungserscheinungen sind stärker bei höherem Kohlenmonoxidanteil. Es
ist allerdings ein gewisser Gedächtniseekt bei der Reaktion auf Kohlenmonoxid zu
konstatieren: Eine erste Vergiftung nach mehrstündigem Betrieb mit kohlenmonoxid-
freiem Anodengas wirkt sich schwächer aus als eine Kohlenmonoxidbeimischung, die
kurz nach der Regeneration von einer vorherigen Vergiftung erfolgt. Die Höhe des
Spannungsabfalls und das Anwachsen des Elektrodenbogens im Nyquist-Diagramm
in Folge einer Vergiftung erlaubt somit nur eine qualitative, aber keine quantitative
Abschätzung über das Ausmaÿ der Kohlenmonoxidvergiftung.
Allgemein gilt, dass mit steigender Betriebstemperatur die Empndlichkeit der Brenn-
stozelle gegenüber Kohlenmonoxid abnimmt.
6.3 Untersuchung der Brennstoffzelle bei hohem Kohlenstoff-
dioxid-Gehalt
Entsprechend der in Tabelle 5.1 aufgeführten Messungen wird der anodenseitige
Betrieb mit einem Kohlenstodioxidanteil von 40 % untersucht. Neben Kohlendi-
oxid enthält das Brenngas ausschlieÿlich Wassersto. Es werden die Messdaten über
eine Betriebsdauer von mindestens 8 Stunden aufgezeichnet und zu Beginn sowie
während des Betriebes EIS-Messungen durchgeführt. Die Stromdichte bleibt dabei
konstant bei 0,4 A
/
cm
2
. Die weiteren Betriebsparameter entsprechen den in Tabelle
5.2 aufgeführten Standardbedingungen. Die Untersuchung wird jeweils für die drei
Betriebstemperaturen von 50
, 60
und 70
an drei identischen Membranen
durchgeführt.
Es ist Ziel dieser Untersuchung, Aussagen darüber zu treen, ob eine Vergiftung
eintritt und welchen Kohlenmonoxidanteilen denierte Kohlendioxidanteile in ihrer
Vergiftungswirkung entsprechen (vgl. Kapitel 3.4).
Die Abbildungen 6.9 und 6.11 zeigen die Nyquist-Diagramme, die während des Koh-
lendioxidbetriebes bei 50
in der ersten und dritten Vergleichsmembran aufge-
zeichnet wurden. Für die erste Membran ist eine sehr exakte Übereinstimmung der
Kurven festzustellen, die beim vorhergehenden Betrieb mit 40 % Sticksto sowie
während des achtstündigen Kohlendioxidbetriebes gemessen wurden. Abbildung 6.10
zeigt Strom-Spannungs-Kennlinien der ersten Vergleichsmembran bei 50
Zelltem-
Advertisement
6.3 Untersuchung der Brennstoffzelle bei hohem Kohlenstoffdioxid-Gehalt 41
-5
-4
-3
-2
-1
0
1
6 8 10 12 14 16 18 20 22 24 26
Im(Z) [m
]
Re(Z) [m
]
N
2
statt CO
2
1,5h CO
2
4h CO
2
8h CO
2
Abb. 6.9:
Die Nyquist-Kurve zeigt die Vergleichsmembran I bei 40 % Kohlendioxid im Brenngas
und einer Betriebstemperatur von 50
. Der Elektrodenbogen, im linken Teil des Diagramms, zeigt
sich über acht Stunden Betrieb weitgehend unverändert. Eine eventuelle Vergiftung des Katalysators
mit Kohlenmonoxid wäre an einem Anwachsen dieses Bogens erkennbar. Die im rechten Teil der
Grak dargestellten Messwerte resultieren aus den niedrigfrequenten Impedanzmessungen. Leichte
Spannungsschwankungen können in diesem Frequenzbereich die Messung stören und bewirken eine
stärkere Streuung der Messergebnisse.
peratur. Aufgenommen wurden die Kennlinien unmittelbar vor dem Wechsel zu
Kohlendioxid (mit 60 % Wassersto und 40 % Sticksto im Anodengas) gegen Ende
des achtstündigen Testbetriebs (mit 60 % Wassersto und 40 % Kohlendioxid) sowie
nach dem erneuten Wechsel zu 40 %-igen Stickstoanteil. Anders als bei dem glei-
chen Versuch mit der dritten Testmembran (vgl. Abbildung 6.12) sinkt die Kennlinie,
dargestellt in Abbildung 6.10, durch den achtstündigen Einsatz von Kohlendioxid
nicht. Im Gegenteil ist hier für den Bereich höherer Stromdichten ein leichter Anstieg
des Spannungniveaus zu konstatieren.
Es kann somit davon ausgegangen werden, dass keine Kohlenmonoxidvergiftung vor-
liegt und dass die RWGS-Reaktion (vgl. Kapitel 3.4) nicht in relevantem Maÿe statt-
gefunden hat. Der Betrieb mit 40 % Kohlendioxid im Anodengas zeigt bei dieser
Membran und 50
Betriebstemperatur keinerlei Beeinträchtigung gegenüber ei-
nem Anodengasgemisch, das zu 40 % Sticksto enthält.
Für den gleichen Versuch an der dritten Vergleichsmembran ist das in Abbildung
6.11 dargestellte Messergebnis nicht ganz so eindeutig. Dargestellt sind vier Nyquist-
42 Kapitel 6 Ergebnisse und Diskussion
0.4
0.5
0.6
0.7
0.8
0.9
1
0 0.1 0.2 0.3 0.4 0.5 0.6 0.7 0.8 0.9
Spannung [V]
Stromdichte [A/cm
2
]
N
2
vor CO
2
nach 8h CO
2
N
2
nach CO
2
Abb. 6.10:
Die Strom-Spannungs-Kennlinien bei dem Einsatz von Kohlendioxid im Anodengas der
ersten Vergleichsmembran bei 50
Betriebstemperatur. Es ist zu erkennen, dass die Kennlinie, die
während des Kohlendioxid-Einsatzes aufgenommen wurde (nach 8h CO
2
), etwas über der Kennlinie
des vorhergehenden Einsatzes Sticksto liegt. Die anschlieÿende Sticksto-Kennlinie liegt wiederum
etwas höher. Ein eindeutiger Einuss durch das Kohlendioxid ist damit nicht erkennbar. In der
Abbildung sind der Übersichtlichkeit halber nur die Teilkennlinien bei abnehmender Stromdichte
aufgetragen.
Kurven, die mit dem Beginn der Kohlendioxidbeimischung und nach 1,5 Stunden
sowie nach 4 und 8 Stunden Kohlendioxidbetrieb aufgenommen wurden.
Es ist eine leichte Dehnung des die Katalysatorfunktion charakterisierenden Elek-
trodenbogens erkennbar. Dieses Anwachsen des Elektrodenbogens ist allerdings im
Vergleich zu den Messungen bei direkter Kohlenmonoxidvergiftung (vgl. Abbildung
6.4) sehr gering. Die Gröÿenordnung der Abweichung liegt im Bereich der Schwan-
kungen, die auch im Normalbetrieb ohne Kohlendioxid auftreten (vgl. Abbildung
6.3). Das leichte Anwachsen des Elektrodenbogens muss daher nicht notwendigerwei-
se aus einer (sehr leichten) Kohlenmonoxidvergiftung aufgrund der RWGS-Reaktion
resultieren.
Eine Linearisierung des Spannungsverlaufs über den untersuchten Zeitraum von acht
Stunden ergibt für diese Membran einen geringen Spannungsabfall von etwa 5 mV.
Auch die Strom-Spannungs-Kennlinien für die dritte Testmembran zeugen von einer
geringfügigen Leistungsabnahme während des Kohlendioxidversuchs bei 50
.
In Abbildung 6.12 sind Kennlinien aufgetragen, die unmittelbar vor Beginn des Koh-
lendioxidbetriebs (mit 60 % Wassersto und 40 % Sticksto im Anodengas), gegen
Advertisement
6.3 Untersuchung der Brennstoffzelle bei hohem Kohlenstoffdioxid-Gehalt 43
-6
-5
-4
-3
-2
-1
0
1
6 8 10 12 14 16 18 20 22 24 26
Im(Z) [m
]
Re(Z) [m
]
0min CO
2
1,5h CO
2
4h CO
2
8h CO
2
Abb. 6.11:
Die Nyquist-Kurve der dritten Vergleichsmembran bei 40 % Kohlendioxid und einer
Betriebstemperatur von 50
im Brenngas. Im Vergleich zu den Ergebnissen der ersten Vergleichs-
membran (vgl. Abbildung 6.9) zeigt sich eine leichte Dehnung des Membranbogens mit andauernder
CO2-Beimischung. Diese Veränderung der Impedanzkurve ist allerdings sehr gering im Vergleich
zu der einer Vergiftung mit 10 ppm Kohlenmonoxid (vgl. Abbildung 6.4).
Ende des achtstündigen Versuchs (mit 60 % Wassersto und 40 % Kohlendioxid)
sowie nach dem erneuten Wechsel zu einem 40 %-igen Stickstoanteil aufgenommen
wurden. Es ist zu erkennen, dass die Kennlinie nach achtstündigem Kohlendioxidbe-
trieb im Bereich höherer Stromdichten etwas unter den beiden anderen Kennlinien
liegt. Damit unterscheidet sich die Veränderung der Kennlinie durch den langfris-
tigen Kohlendioxideinsatz bei dieser Membran von den beschriebenen Kennlinien
der ersten Membran (vgl. Abbildung 6.10). Dies zeugt von einer leichten Abnahme
der Leistung während des Kohlendioxideinsatzes. Im Anschluss erholt sich die Zelle
wieder, die nach dem Wechsel zu Sticksto aufgenommene Kennlinie liegt wieder
auf dem ursprünglichen Niveau, auf dem sie vor dem Versuch lag. Die Verbesserung
zwischen den beiden letzten Kennlinien muss aber nicht auf einer Regenerierung
nach einer Kohlenmonoxidvergiftung beruhen. Auch ohne Veränderung der Brenn-
gaszusammensetzung ist zu beobachten, dass von zwei unmittelbar hintereinander
aufgenommenen Strom-Spannungs-Kennlinien die zweite ein etwas höheres Span-
nungsniveau aufweist. Es kann dementsprechend nicht abschlieÿend geklärt werden,
ob die bei dieser dritten Testmembran beobachteten geringen Leistungsverluste für
den Kohlendioxidbetrieb bei 50
tatsächlich auf eine sehr schwache Kohlenmon-
oxidvergiftung (als Folge der RWGS-Reaktion) zurückgeführt werden können oder
44 Kapitel 6 Ergebnisse und Diskussion
0.3
0.4
0.5
0.6
0.7
0.8
0.9
1
0 0.1 0.2 0.3 0.4 0.5 0.6 0.7 0.8 0.9 1
Spannung [V]
Stromdichte [A/cm
2
]
N
2
vor CO
2
nach 8h CO
2
N
2
nach CO
2
Abb. 6.12:
Die Abbildung zeigt die Strom-Spannungs-Kennlinien bei der Beimischung von Kohlen-
dioxid zum Anodengas der dritten Vergleichsmembran bei 50
Betriebstemperatur. Aus Gründen
der Übersichtlichkeit sind nur die Teilkennlinien bei abnehmender Stromdichte aufgetragen. Es ist
zu erkennen, dass die Kennlinie, die während des Kohlendioxid-Einsatzes aufgenommen wurde,
etwas niedriger liegt als die Kennlinien beim vorhergehenden und beim anschlieÿenden Einsatz von
Sticksto. Damit bestätigt sich in der Kennlinie die leichte Verschlechterung der Zelle während der
Kohlendioxidbeimischung, die sich aus der Dehnung der Impedanzkurve in Abbildung 6.11 erschlie-
ÿen lässt.
ob hier andere Phänomene dominieren.
In Abbildung 6.13 sind Nyquistbögen der ersten Versuchsmembran bei einer Betrieb-
stemperatur von 60
über einen achtstündigen Betrieb mit 40 % Kohlendioxid im
Anodengas dargestellt. Auch ein Vergleich der Strom-Spannungs-Kennlinien, die vor
dem Kohlendioxid-Einsatz, gegen Ende des Einsatzes sowie nach dem Wechsel zum
inerten Sticksto aufgenommen wurden, bestätigt, dass das Kohlendioxid zu keiner
Verschlechterung der Zellleistung führt. Bei keiner der drei Versuchsmembranen ist
bei einer Betriebstemperatur von 60
ein Einuss des Kohlendioxid festzustellen.
Dementsprechend dürfte die RWGS-Reaktion hier nicht in einem relevanten Maÿe
ablaufen. Der Betrieb der Brennstozelle mit einem Anodengas, das zu 40 % Kohlen-
dioxid enthält, kann mit diesem Membran bei 60
als unproblematisch bezeichnet
werden.
In Abbildung 6.14 sind die Impedanzkurven während des achtstündigen Kohlendi-
oxidbetriebes bei 70
dargestellt.
Advertisement
6.3 Untersuchung der Brennstoffzelle bei hohem Kohlenstoffdioxid-Gehalt 45
-4
-3.5
-3
-2.5
-2
-1.5
-1
-0.5
0
0.5
1
4 6 8 10 12 14 16 18 20
Im(Z) [m
]
Re(Z) [m
]
0min CO
2
1h CO
2
4h CO
2
8h CO
2
Abb. 6.13:
Das Diagramm zeigt die Nyquist-Kurve bei 40 % Kohlendioxid und einer Betriebstem-
peratur von 60
für die erste Vergleichsmembran. Der Nyquist-Bogen zeigt sich bei einem Betrieb
über acht Stunden weitgehend unverändert. Zuvor war die Zelle mit 40 % Sticksto betrieben wor-
den. Für eine Kohlenmonoxidvergiftung wäre ein Wachsen des Impedanzbogens zu erwarten. Es
kann geschlossen werden, dass die RWGS-Reaktion nicht in relevantem Maÿe stattndet und somit
kein Kohlenmonoxid gebildet wird, das den Katalysator blockieren würde.
-4.5
-4
-3.5
-3
-2.5
-2
-1.5
-1
-0.5
0
0.5
6 8 10 12 14 16 18 20 22
Im(Z) [m
]
Re(Z) [m
]
0min CO
2
2h CO
2
4,5h CO
2
9h CO
2
Abb. 6.14:
Die Nyquist-Kurve der dritten Vergleichsmembran bei 40 % Kohlendioxid im Anoden-
gas und einer Betriebstemperatur von 70
. Der Nyquist-Bogen zeigt sich bei einem Betrieb über
über neun Stunden weitgehend unverändert.
46 Kapitel 6 Ergebnisse und Diskussion
Die erste Nyquist-Kurve, die zu Beginn der Kohlendioxidbeimischung aufgenom-
men wurde, zeigt einen etwas engeren Elektrodenbogen, der sich jedoch für höhere
Frequenzen, etwa ab einem Realteil von etwa 8 m
, verbreitert. Der Spannungsver-
lauf zeigt für diesen Zeitpunkt einen leichten Anstieg binnen weniger Sekunden. Die
Abweichung der ersten Nyquistkurve von den folgenden Messungen dürfte insofern
auf die in Kapitel 6.1 beschriebenen Schwankungen und nicht auf eine Kohlenmon-
oxidvergiftung zurückzuführen sein. Die Kurven nach 4,5 Stunden und 9 Stunden
Betrieb mit Kohlendioxid im Anodengas stimmen sehr gut miteinander überein. Ein
Vergleich der Strom-Spannungs-Kennlinien, die vor dem Kohlendioxid-Einsatz, ge-
gen Ende des Einsatzes sowie nach dem Wechsel zum inerten Sticksto aufgenommen
wurden, bestätigt, dass das Kohlendioxid zu keiner Verschlechterung der Zellleistung
führt.
6.4 Auswertung der Parameteranpassung
Ist eine anschauliche Betrachtung des Nyquist-Diagramms nicht ausreichend zur
Analyse von EIS-Daten, kann eine genauere Betrachtung mittels Anpassung der
Messdaten an die Parameter eines Brennstozellenmodells (vgl. Kapitel 4.2) er-
folgen. Zur Anpassung der Modell-Parameter an die Messwerte wird die Software
LEVM
1
genutzt. Diese Software wurde speziell zur Auswertung von Versuchen mit
elektrochemischer Impedanzspektroskopie entwickelt. Sie erlaubt die Auswahl zwi-
schen zahlreichen Ersatzschaltbildern beziehungsweise Modellen (vgl. Kapitel 4.2)
und bringt Werkzeuge zum statistischen Vergleich der Parameteranpassungen mit.
Über eine Kongurationsdatei können die zu variierenden Parameter samt Initiali-
sierungswerten sowie xe Parameter festgelegt werden.
Für die Anpassung der Modellparameter aus dem in Abbildung 4.5 dargestellten
Ersatzschaltbild wird ein geeignetes Modell aus der Modellbibliothek von
LEVM
ausgewählt
2
. Das ausgewählte Modell von
LEVM
enthält sehr viel mehr Kompo-
nenten und Parameter als hier benötigt. Nicht benötigte Elemente werden entfernt,
indem ihre Parameter konstant auf Null gesetzt werden. Dieses Verfahren ermöglicht
die Beschreibung eines Ersatzschaltbildes, das identisch ist mit dem 7-Parameter-
Modell aus Abbildung 4.5. Beim Verfahren der komplexen nichtlinearen Optimie-
rung, das
LEVM
für die Parameteranpassung an die Messwerte nutzt, kann nicht
1
Das Programm kann kostenlos unter
www.jrossmacdonald.com
heruntergeladen werden.
2
Für die hier dargestellte Parameteranpassung wird
Circuit A
aus
LEVM 8.06
genutzt.
Advertisement
6.4 Auswertung der Parameteranpassung 47
sichergestellt werden, dass tatsächlich das globale Optimum und damit die bestmög-
liche Anpassung erreicht werden. Essentiell für eine gute Parameteranpassung ist das
Vorgeben sinnvoller Startwerte. Deren Gröÿe lässt sich teilweise aus der Betrachtung
des Nyquist-Diagramms abschätzen.
Der in Abbildung 4.5 dargestellte Widerstand
R1
repräsentiert den ohmschen Wi-
derstand aus den elektrischen Leitungen, den Elektroden und den Polarplatten sowie
den auf die Ionen wirkenden Widerstand der Membran. Als Startwert kann unter der
Annahme, dass die Induktivität der elektrischen Leistungen vernachlässigbar ist, der
hochfrequente Schnittpunkt der Nyquist-Kurven mit der realen Achse herangezogen
werden. Zur Überprüfung der Annahme über eine geringe Induktivität der Kabel
wurden ebenfalls Parameteranpassungen an ein 8-Parameter-Modell durchgeführt.
Dieses Modell ist identisch mit dem in Abbildung 4.5 dargestellten, besitzt allerding
eine zusätzliche, in Reihe geschaltete Spule. Bei den durchgeführten Optimierungen
konvergiert
LEVM
immer für sehr kleine Induktivitäten, so dass die Annahme ver-
nachlässigbarer Induktivität gerechtfertigt erscheint. Für
R1
ist dementsprechend
ein Startwert von etwa 7 m
sinnvoll.
Für den ohmschen Widerstand
R2
(vgl. Kapitel 4.2) ist ein Startwert sinnvoll, der in
der Gröÿenordnung der Breite des Elektrodenbogens entspricht. Für weitere Start-
werte wird auf Literaturangaben (vgl. [1]) zurückgegrien.
Auch bei bedachter Wahl der Startwerte führt die Optimierung häug nicht zu sinn-
vollen Ergebnissen. Oft sind es einzelne Parameter, die sich im Laufe des Optimie-
rungsdurchgangs sehr weit von einem sinnvollen Ergebnis entfernen. Einen Hinweis
auf eine schlechte Optimierung liefern darüberhinaus die Angaben von LEVM. Vor
allem die relative und absolute mittlere Standardabweichung zeigen an, wenn die Op-
timierung kein sinnvolles Ergebnis liefert. Liegt die mittlere Standardabweichung zu
hoch, so hilft es häug, vor einer erneuten Optimierung in der Ausgabe von
LEVM
zu überprüfen, bei welchen Parametern eine besonders hohe Standardabweichung
vorliegt. Diese Parameter häug ist es nur ein einzelner Wert, der sich weit von
einem sinnvollen Optimum entfernt kann nun auf einen Startwert xiert werden.
Optimiert werden nun nur die restlichen Parameter. Dieses Verfahren kann wieder-
holt werden, während der xe Parameter für die kritische Komponente von Hand
vor jedem Optimierungsdurchgang leicht variiert wird. Erscheint die Anpassung an
die verbliebenen freien Parameter sinnvoll und sind die mittleren Standardabwei-
chungen niedrig genug, kann auch die kritische Gröÿe wieder freigegeben und in die
Optimierung einbezogen werden. Häug gelingt nun eine sinnvolle Parameteranpas-
sung für alle Komponenten.
Sofern diese Methode nicht zu einer stabilen Optimierung führt, erweist es sich in
48 Kapitel 6 Ergebnisse und Diskussion
einigen Fällen sinnvoll, zwischenzeitlich mit den gleichen Startwerten einen anderen
aber ähnlichen Datensatz zu optimieren. Beispielsweise können dafür die identischen
Messungen einer anderen Vergleichsmembran oder Messungen bei einer anderen Be-
triebstemperatur genutzt werden. Wenn die Optimierung für diese neuen Messwerte
sinnvoll konvergiert, können die Ergebnisse als neue Startwerte für den ursprüngli-
chen Datensatz genutzt werden.
6.4.1 Parameterentwicklung bei Kohlenmonoxidvergiftung
Um mittels Parameteranpassung des Brennstozellenmodells Aussagen über Zustän-
de im Innern der Zelle treen zu können, ist vor allem die Veränderung der Parameter
gegenüber dem Normalbetrieb relevant.
[1] macht Angaben über die typische Veränderung des hier genutzten 7-Parameter-
Modells (vgl. Kapitel 4.2 und Abbildung 4.5) bei Kohlenmonoxidvergiftung gegen-
über dem Normalbetrieb. Demnach steigt mit der Kohlenmonoxidvergiftung der Wi-
derstand
R1
, der neben dem ohmschen Widerstand der Leitungen, Elektroden und
Polarplatten auch den ionischen Widerstand des Elektrolyten abbildet. Der Para-
meter
R2
, der im Modell den Ladungsdurchtrittswiderstand repräsentiert, wächst
ebenfalls im Zuge einer Kohlenmonoxidvergiftung. Auch für die Zeitkonstante des
Warburg-Elements
TW
(vgl. Gleichungen 4.5 und 4.6) ist ein Anstieg zu verzeich-
nen. Laut [1] ist auÿerdem ein starkes Anwachsen des Warburg-Parameters
RW
(vgl.
Gleichung 4.5) zu erwarten. Die Kapazität des Kondensators
C1
, der mit
R2
par-
allelgeschalt ist und die zwischen den Elektroden entstehende Kapazität abbildet,
sinkt dagegen im Zuge einer Kohlenmonoxidvergiftung. Über die Veränderung des
Warburg-Parameters
φW
sowie den zum Warburg-Element parallelen Kondensator
C2
, der die Doppelschichtkapazität repräsentiert, werden in [1] für das 7-Parameter-
Modell im Zusammenhang mit einer Vergiftung des Katalysators durch Kohlenmon-
oxid keine Angaben gemacht.
In Tabelle 6.4 sind die dargestellten Angaben aus [1] mit den im Rahmen dieser Ar-
beit durchgeführten Versuchen und Parameteranpassungen ermittelten Ergebnissen
im Vergleich dargestellt. Die Tendenzen bei der Veränderung der Modellparameter
durch Kohlenmonoxidvergiftung sind bei den eigenen Untersuchungen (vgl. Kapi-
tel 6.2) für alle drei Betriebstemperaturen (50
, 60
und 70
) gleich. In den
Tabellen zur Parameteranpassung sind die gemittelte absolute Standardabweichung
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6.4 Auswertung der Parameteranpassung 49
      







Abb. 6.15:
Die Veränderung der Parameter aus dem in Abbildung 4.5 dargestellten Modell mit
Kohlenmonoxidvergiftung bei 50
Betriebstemperatur.
(GAS
3
) sowie das quadratische Mittel der Standardabweichungen (QMS
4
) aufge-
führt. Beide Gröÿen stellen Mittelwerte für alle sieben Parameter des Modells aus
dem jeweiligen Optimierungsdurchgang dar und kennzeichnen die Qualität der Para-
meteranpassung. Prinzipiell gilt, dass kleinere Werte von einer besseren Anpassung
zeugen.
Tab. 6.1:
Die Parameter des 7-Parameter-Modells (vgl. Abbildung 4.5) bei Normalbetrieb sowie
bei 10 und 20 ppm Kohlenmonoxid im Anodengas. Die Betriebstemperatur beträgt 50
.
Parameter ohne CO mit 10 ppm
CO
mit 20 ppm
CO
R1
[m
]
6,44 6,67 6,49
R2
[m
]
9,97 23,23 24,44
C1
[F]
2,06 1011,31031,7103
RW
[m
]
13,14 21,32 32,26
TW
[s]
8,93 1028,48 1017,42 101
φW
[-]
4,44 1012,31012,97 101
C2
[F]
3,31044,81044,1104
GAS
3,86 1019,67 1027,17 102
QMS
8,29 1011,59 1011,02 101
Sofern für einen Parameter angegeben ist, dass er bei einer Kohlenmonoxidvergif-
tung gegenüber dem Normalbetrieb unverändert bleibt, so bedeutet dies, dass keine
3
In der Ausgabe des Programms LEVM wird dieser Wert mit PDAV bezeichnet.
4
In der Ausgabe des Programms LEVM wird dieser Wert mit PDRMS bezeichnet.
50 Kapitel 6 Ergebnisse und Diskussion
Tab. 6.2:
Die Parameter des 7-Parameter-Modells (vgl. Abbildung 4.5) bei Normalbetrieb sowie
bei 10 und 20 ppm Kohlenmonoxid im Anodengas. Die Betriebstemperatur beträgt 60
.
Parameter ohne CO mit 10 ppm
CO
mit 20 ppm
CO
R1
[m
]
6,23 6,51 6,71
R2
[m
]
2,64 7,34 18,31
C1
[F]
1,81 1012,43 1031,09 103
RW
[m
]
10,9 17,38 17,85
TW
[s]
4,39 1026,28 1011,55 101
φW
[-]
4,39 1011,81012,02 101
C2
[F]
7,46 1046,51 1044,57 104
GAS
2,21 1013,51 1011,28 101
QMS
3,22 1016,66 1012,19 101
Tab. 6.3:
Die Parameter des 7-Parameter-Modells (vgl. Abbildung 4.5) bei Normalbetrieb sowie
bei 10 und 20 ppm Kohlenmonoxid im Anodengas. Die Betriebstemperatur beträgt 70
.
Parameter ohne CO mit 10 ppm
CO
mit 20 ppm
CO
R1
[m
]
7,4 6,68 6,36
R2
[m
]
3,91 2,72 5,85
C1
[F]
1,03 1011,59 1012,18 103
RW
[m
]
9,57 13,02 16,89
TW
[s]
5,85 1023,68 1021,5101
φW
[-]
4,47 1014,61 1012,74 101
C2
[F]
2,87 1041,42 1043,08 104
GAS
1,86 1012,42 1011,66 101
QMS
2,55 1014,19 1011,96 101
signikante Veränderung erkennbar ist. Die Veränderung ist klein und weist keine
eindeutige Tendenz auf. Leichte Veränderungen, die nicht im Zusammenhang mit
dem Umfang der Kohlenmonoxidvergiftung zu stehen scheinen, können aus der Un-
sicherheit resultieren, die mit den bei der Parameteranpassung genutzten Optimie-
rungsverfahren verbunden sind. Zum einen können diese geringfügigen Dierenzen
der hier als unverändert betrachteten Parameter aus nahe beieinander liegenden lo-
kalen Minima im Optimierungsproblem resultieren. Zum anderen ist der Vergleich
Advertisement
6.4 Auswertung der Parameteranpassung 51
der Güte zweier Optimierungen, die ein Modell an unterschiedliche Datensätze an-
passen, nicht trivial.
Tab. 6.4:
Die Veränderung der Parameter des 7-Parameter-Modells (vgl. Abbildung 4.5) bei Koh-
lenmonoxidvergiftung gegenüber dem Normalbetrieb. Aufgeführt werden die Angaben aus [1] sowie
die Ergebnisse der eigenen Untersuchungen.
Parameter Veränderung laut [1] Veränderung ent-
sprechend eigener
Untersuchung
R1
steigt unverändert
R2
steigt steigt
C1
fällt fällt stark
RW
steigt stark steigt
TW
steigt steigt
φW
k.A. fällt
C2
k.A. unverändert
Der Modellparameter
R1
weist bei den im Rahmen dieser Arbeit durchgeführten
Parameteranpassungen keinen Zusammenhang mit Kohlenmonoxidvergiftungen auf.
Die Dierenzen für die Datensätze der EIS-Messungen bei Normalbetrieb mit 40 %
reinem Sticksto und 60 % Wassersto im Anodengas gegenüber den Ergebnissen
von EIS-Messungen im Vergiftungszustand sind gering und weisen keine eindeutige
Richtung auf. Für einige Datensätze bei Kohlenmonoxidbeigabe liegt
R1
geringfügig
über, bei anderen geringfügig unter dem Wert für den Normalbetrieb. Für nachfol-
gende Untersuchungen scheint es daher angebracht, diesen Modellparameter nicht
als Indikator für eine Katalysatorvergiftung heranzuziehen. Eine drastische Verände-
rung dürfte vielmehr ein Hinweis auf andere Vorgänge, etwa Änderungen beim elek-
trischen Widerstand der Zuleitungen, oder auf eine schlechte Parameteranpassung
sein.
R2
steigt bei allen Parameteranpassungen mit der Kohlenmonoxidvergiftung.
Lediglich bei 70
liegt der Wert für den unvergifteten Betrieb etwas höher als für
die Vergiftung mit 10 ppm (vgl. Tabelle 6.3). In Abbildung 6.6 war jedoch bereits
zu erkennen, dass 10 ppm die Zelle bei 70
kaum vergiften. Das leichte Abfallen
dieses Parameters dürfte eher auf die Ungenauigkeit des Optimierungsverfahrens
zurückzuführen sein. Für die Parameteranpassung für 50
(vgl. Tabelle 6.1) und
unvergifteten Betrieb liegt
R2
mit 9,97 m
recht hoch im Vergleich mit den Werten
für
R2
aus den anderen Temperaturmessungen (mit
R2
-Werten von 2,64 und 3,91,
vgl. Tabellen 6.2 und 6.3) beziehungsweise für 50
zu Beginn der Kohlendioxidbei-
mischung (
R2=3,0
, vgl. Tabelle 6.5). Allerdings weist diese Parameteranpassung
52 Kapitel 6 Ergebnisse und Diskussion
mit QMS=0,829 auch ein recht hohes quadratisches Mittel der Standardabweichun-
gen auf, die laut der Ausgabe von LEVM vor allem auf die Standardabweichung
von
R2
zurückzuführen ist. Die Vermutung liegt also nahe, dass für die Parame-
teranpassung ein besseres Optimum mit einem niedrigeren
R2
existiert. Es gelingt
allerdings im Rahmen der durchgeführten Startwertvariationen nicht, auf ein solches
Parameterset zu konvergieren.
C1
fällt für alle Temperaturen mit der Kohlenmonoxidvergiftung deutlich auf Werte,
die um zwei Zehnerpotenzen unter dem Wert des unvergifteten Betriebs liegen. Der
Warburg-Parameter
RW
wächst bei Kohlenmonoxidvergiftung.
TW
steigt ebenfalls,
bei 50
und 60
ist jedoch zu beobachten, dass der Wert für eine starke Vergiftung
(20 ppm) wiederum etwas niedriger liegt als für die Beimischung von 10 ppm. Es
wäre zu untersuchen, ob sich hier Probleme der Parameteranpassung zeigen oder ob
physikalische Eekte dafür sorgen, dass
TW
mit einer stärkeren Vergiftung wieder-
um zu fallen beginnt. Ähnlich verhält es sich mit dem Warburg-Parameter
φW
, der
für leichte Vergiftungen fällt, bei stärkeren Vergiftungen jedoch wieder geringfügig
ansteigt.
C2
weist bei allen drei Temperaturen leichte Schwankungen auf, die jedoch
keinen Zusammenhang mit der Kohlenmonoxidvergiftung erkennen lassen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine Kohlenmonoxidvergiftung an Hand
der Entwicklung der Modellparameter klar identiziert werden kann. Allerdings
entspricht die Parameterveränderung nicht vollständig den Erwartungen, die das
zugrundegelegte physikalische Modell nahelegt. Der ohmsche Widerstand
R2
aus
Abbildung 4.5 repräsentiert den Ladungsdurchtrittswiderstand. Erwartungsgemäss
wächst dieser Widerstand bei einer Blockade der Katalysatoroberäche durch Koh-
lenmonoxid. Allerdings wächst bei der Vergiftung ebenfalls der Parameter
RW
des
Warburg-Elementes, das die kathodenseitigen Diusionsprozesse abbilden soll. Ein
oensichtlicher physikalischer Zusammenhang zwischen der Sauerstodiusion und
der anodenseitigen Katalysatorvergiftung ist nicht erkennbar. Dennoch bestätigt sich
ein Wachsen von
RW
in allen durchgeführten Vergiftungsversuchen. [1] beobachtet
das gleiche Phänomen, allerdings ebenfalls ohne eine exakte physikalische Erklärung
liefern zu können.
Tabelle 6.5 zeigt die Ergebnisse der Parameteranpassung für den Kohlendioxidver-
such bei 50
an der dritten Vergleichsmembran. Das zugehörige Nyquist-Diagramm
ndet sich in Abbildung 6.11. Die Entwicklung der Modellparameter während der
Dauer des Kohlendioxidversuchs bestätigt die bereits in Kapitel 6.3 diskutierte Mög-
lichkeit einer sehr leichten Katalysatorvergiftung. Die Parameter verändern sich,
wenn auch nur in geringem Maÿe, entsprechend der in Tabelle 6.4 dargestellten
Analyseergebnisse für eine Kohlenmonoxidvergiftung. Lediglich
φW
bleibt nahezu
Advertisement
6.5 Fehlerbetrachtung 53
unverändert statt wie bei den analysierten Kohlenmonoxidvergiftungen zu fallen.
Somit bestätigt die Parameteranpassung weitgehend die anhand der Anschauung des
Nyquist-Diagramms durchgeführte Analyse, ohne eine eindeutige Klärung zu ermög-
lichen: Es könnte eine sehr leichte Vergiftung vorliegen, deren Umfang sich aber im
Rahmen der allgemeinen Schwankungen des Brennstozellenbetriebs bewegt. Da bei
den beiden anderen Membranen keine Verschlechterung beziehungsweise eindeutige
Tendenz über die Dauer der Kohlendioxidbeimischung bei 50
zu beobachten ist,
wäre durch Versuche an weiteren Membranen zu untersuchen, ob tatsächlich ein
Zusammenhang zum Kohlendioxid besteht.
Tab. 6.5:
Die Parameter des 7-Parameter-Modells (vgl. Abbildung 4.5) bei einem Kohlendioxi-
danteil von 40 % im Anodengas an Membran III. Die Betriebstemperatur beträgt 50
.
Parameter 0 min
CO2
4 h
CO2
9 h
CO2
R1
[m
]
6,5 6,53 6,6
R2
[m
]
3,0 5,79 7,02
C1
[F]
1,85 1011,57 1011,22 101
RW
[m
]
10,98 12,31 13,12
TW
[s]
7,41027,84 1028,47 102
φW
[-]
4,41 1014,45 1014,48 101
C2
[F]
6,97 1046,61046,95 104
GAS
1,27 1011,22 1019,82 102
QMS
1,88 1012,09 1011,58 101
6.5 Fehlerbetrachtung
In Kapitel 6.1 wurden bereits die im Normalbetrieb der Testzelle zu beobachtenden
Spannungsschwankungen beschrieben und diskutiert. Zu unterscheiden sind dabei
relativ kurzfristige Schwankungen mit einer Periode von etwa 20 Minuten (vgl. Ab-
bildung 6.1) sowie langfristige Prozesse, die das Spannungsniveau und die erreichbare
Maximalleistung binnen einiger Stunden oder Tage steigen und sinken lassen. Für
beide Phänomene konnten die Ursachen nicht eindeutig geklärt werden. Da es sich
um Schwankungen um bis zu 25 mV handelt, können dadurch unter Umständen
leichte Vergiftungen überlagert beziehungsweise deren Analyse erschwert werden.
Es bestehen im gegebenen Versuchsaufbau leider keine Möglichkeiten, die Gastem-
peraturen sowie Gasbefeuchtung beim Eintritt in die Zelle zu messen. Neben dem
Auslesen des zudosierten Wasserstroms direkt in den Befeuchtungseinheiten bleibt
54 Kapitel 6 Ergebnisse und Diskussion
so nur die Betrachtung des Kondensationswassers an den durchsichtigen Ausgangs-
schläuchen von Kathode und Anode, um die Zustände im Wasserhaushalt der Brenn-
stozelle einzuschätzen. Darüberhinaus kann durch die Variation der Stromdichte
und der Befeuchtunggrade und die gleichzeitige Beobachtung der Zellspannung zu-
mindest abgeschätzt werden, welche Befeuchtungsparameter einen guten Betrieb
erlauben. Eine tatsächliche Optimierung der Membranbefeuchtung gestaltet sich so
allerdings schwierig. Es ist möglich, dass eine Verbesserung der entsprechenden Pa-
rameter zu einer weiteren Stabilisierung des Betriebs und so zu exakteren Messer-
gebnissen beitragen kann.
Tab. 6.6:
Die Messgenauigkeiten der im Versuchsaufbau genutzten Geräte entsprechend den Her-
stellerangaben.
Funktion Typ Messbereich Genauigkeit
MFC
H2
,
CO2/N2
smart controller
GSC type B2
0...500 ml/min
±7,5ml/min
MFC Luft
smart controller
GSC type B4
0...2000 ml/min
±30,0ml/min
MFC
H2O
Anode
liqui-ow L13-
AAD-33-K-10S
0 ... 20 g/h
±0,2g/h
MFC
H2O
Kathode
liqui-ow L13-
AAD-33-K-10S
0 ... 30 g/h
±0,3g/h
Heizungssteuerung
Befeuchter
E-7110AA-33 0 ... 200
±0,6
(80
)
Impedanzmessgerät
Truedata EIS
<100A 1,0 % (absolut)
<10V 1,0 % (absolut)
200
µ
Hz-50kHz 1,0 % (absolut)
Elektrische Last
Truedata EIS
<50A 0,2 % (abs.) +
0,05 % des Mess-
bereichs
<100V 0,2 % (abs.) +
0,05 % des Mess-
bereichs
Tabelle 6.6 führt die von den Herstellern angegebenen Genauigkeiten für die im Ver-
suchsaufbau verwendeten Messgeräte auf. Aufgelistet werden die Angaben für die
Massenussregler (MFC, Mass Flow Controller) der Gas- und Wasserströme, für die
Heizungssteuerung der Befeuchter sowie für das Impedanzmessgerät
Truedata EIS
Advertisement
6.5 Fehlerbetrachtung 55
und für die elektrische Last
Truedata LOAD
.
Beim Betrieb zeigt sich, dass die Regelung zur Einhaltung des Sollstromes in der
Truedata EIS
immer wieder eine bleibende Regelabweichung aufweist. Die Gröÿe
dieser Regelabweichung springt gelegentlich. Meist handelt es sich um 40 mA oder
60 mA Abweichung, die jeweils für zumindest einige Minuten bis auf die übli-
chen Schwankungen im einstelligen Milliampere-Bereich konstant bleibt. Da die
absolute Höhe der Regelabweichung sich jedoch gelegentlich sprunghaft ändert, tritt
hierdurch eine Verfälschung der Messergebnisse ein, da bei zwei zu vergleichenden
EIS-Messungen möglicherweise nicht exakt auf den gleichen Strom geregelt wird. Der
Hersteller der
Truedata EIS
konnte leider keine Lösung für dieses Problem nennen.
Die Zelle wird extern auf die Solltemperatur geheizt. Die Zelltemperatur schwankt
um bis zu 0,7 Kelvin um ihren Sollwert. Da die Heizung beziehungsweise der Tempe-
ratursensor keine Schnittstelle zum Computer haben, kann die Zelltemperatur nicht
protokolliert und die Abweichungen vom Sollwert nicht systematisch analysiert wer-
den.
Kapitel 7
Zusammenfassung und Ausblick
Für den Einsatz von Biogas als Grundlage für in PEM-Brennstozellen eingesetzten
Brennsto ist die Toleranz der Zellkomponenten gegenüber einem hohen Kohlendi-
oxidanteil entscheidend. Es besteht die Vermutung, dass sich aufgrund der RWGS-
Reaktion aus dem Kohlendioxid im Innern der Zelle Kohlenmonoxid bildet und die-
ses zu einer Schädigung der Katalysatoren führt. In der vorliegenden Arbeit wer-
den Versuchsergebnisse für den Betrieb von Brennstozellen mit 40 % Kohlendioxid
im Anodengas dargestellt. Der Betrieb mit dieser dem Biogasreformat ähnlichen
Gaszusammensetzung wird mit zweierlei Referenzgasen verglichen. Als Referenz für
den störungsfreien Betrieb wird das Kohlendioxid durch den als inert angenomme-
nen Sticksto ersetzt. Um die Folgen einer möglichen Kohlenmonoxidbildung in der
Brennstozelle abschätzen zu können, werden darüberhinaus Versuche durchgeführt,
bei denen dem Stickstogemisch denierte Mengen Kohlenmonoxid im ppm-Bereich
beigemischt wurden. Als Untersuchungsmethode wird in erster Linie die elektroche-
mische Impedanzspektroskopie genutzt. Darüber hinaus werden anhand von Strom-
Spannungs-Kennlinien sowie der Betrachtung des Spannungsniveaus über einen län-
geren Zeitraum mögliche Schäden untersucht.
Es zeigt sich, dass die für den Betrieb mit Erdgasreformat entwickelten Brennsto-
zellen-MEAs zumindest weitgehend auch für das kohlenstodioxidreichere Biogas-
reformat geeignet sind. Prinzipiell steigt die Gefahr einer Vergiftung der Platin-
Ruthenium-Katalysatoren mit sinkender Betriebstemperatur.
Für Betriebstemperaturen von 70
und 60
kann für keine der drei untersuchten
baugleichen Membranen eine Beeinträchtigung durch das Kohlendioxid im Anoden-
gas gegenüber dem Stickstogemsich festgestellt werden. Bei 50
zeigt eine der
drei Vergleichsmembranen eine sehr leichte Leistungseinbuÿe im Zuge eines acht-
stündigen Betriebes bei 40 % Kohlendioxid im Anodengas. Dies schlägt sich sowohl
im aus den Impedanzmessungen resultierenden Nyquist-Diagramm wie auch in der
Advertisement
57
Strom-Spannungs-Kennlinie und im mittleren Spannungsniveau, das um etwa 5 mV
sinkt, nieder. Die Leistungseinbuÿe für diese Membran liegt damit weit unter der,
die durch die Beimischung von 10 ppm Kohlenmonoxid zum Anodengas ausgelöst
wird. Sowohl der Spannungsabfall wie auch die Veränderung der Impedanzkurven
bleiben in der Gröÿenordnung der Schwankungen, die beim Betrieb der Zelle auch
unabhängig vom Kohlendioxid beobachtet werden. Da dieses Verhalten jedoch nur
bei einer von drei Membranen nachgewiesen werden kann, kann nicht ausgeschlossen
werden, dass eine anderweitige leichte Schädigung der MEA eingetreten ist oder dass
die Qualität der Fabrikation, etwa bezüglich der Katalysatorzusammensetzung, von
den anderen eingesetzten MEAs abweicht. Um sicherzugehen, dass der Einsatz von
Anodengasen mit bis zu 40 % Kohlendioxidanteil bei Temperaturen unter 60
für
die eingesetzten MEAs tatsächlich ohne Verluste möglich ist, sind weitere Langzeit-
versuche empfehlenswert. Darüber hinaus wäre eine Untersuchung mit noch höheren
Kohlendioxidanteilen interessant. Eine im Rahmen dieser Arbeit durchgeführte acht-
stündige Einzelmessung für den Betrieb mit 60 % Kohlendioxid im Brenngas hat bei
einer Zelltemperatur von 60
keine Hinweise auf eine Vergiftung geliefert. Dar-
überhinaus steht die Untersuchung weiterer MEA-Typen von anderen Herstellern
aus, um eine vergleichende Einschätzung für den Einsatz von Biogasreformat geben
zu können. Die durchgeführten Untersuchungen legen nahe, sich dabei weiterhin auf
(anodenseitige) Katalysatoren mit einer Platin-Ruthenium Legierung zu konzentrie-
ren.
Für einen erfolgreichen Einsatz von Biogasreformat in PEM-Brennstozellen müs-
sen auÿerdem weitere mögliche biogasspezische Schadgase wie etwa Schwefelverbin-
dungen oder Ammoniak untersucht werden. Diese Gaskomponenten können unter
Umständen zu nichtreversiblen Schädigungen der Membran führen. Teilweise gibt
es hier Überschneidungen zu den Untersuchungen bezüglich Erdgasreformat. Ferner
sind mögliche Wechselwirkungen und Überlagerungen der Einüsse verschiedener
im Biogasreformat enthaltener Schadgase zu untersuchen. Hier wäre herauszun-
den, inwiefern die elektrochemische Impedanzspektroskopie eine geeignet Methode
ist, um die Vergiftung durch unterschiedliche Reformatbestandteile voneinander zu
unterschieden. Sofern verschiedene Komponenten, etwa die Membran und die Kata-
lysatoren, betroen sind, sollte eine Dierenzierung anhand des Nyquist-Diagramms
möglich sein. Sorgen allerdings beispielsweise mehrere Gasbestandteile für eine Blo-
ckade des Katalysators, so ist es bei einer Doppelvergiftung vermutlich nicht mög-
lich, den einzelnen Gaskomponenten mit Hilfe der EIS ihren jeweiligen Anteil an der
Schädigung zuzuordnen.
In diesem Zusammenhang scheint eine genauere Untersuchung des für die Parame-
58 Kapitel 7 Zusammenfassung und Ausblick
teranpassung genutzten Modells sinnvoll. Zum einen könnten die im Modell genutz-
ten Kondensatoren durch CPE-Elemente (vgl. 4.1.4) ersetzt werden, die mit ihren
zwei freien Parametern eine bessere Anpassung an reale Impedanzbögen erlauben.
Zum anderen wären die physikalischen Grundlagen des in dieser Arbeit genutzten
Modells genauer zu untersuchen. Wie in Kapitel 6.4.1 beschrieben, lässt sich an Hand
der Parameterentwicklung zwar sehr gut eine Kohlenmonoxidvergiftung identizie-
ren, die Parameterentwicklung entspricht aber nicht vollständig den Erwartungen,
die aus den physikalischen Modellvorstellungen resultieren. Zu klären ist, ob hier
Verbesserungen am Modell selbst oder lediglich an der Parameteranpassung vorge-
nommen werden müssen.
Im Anschluss an die Untersuchungen mit synthetischen Brenngasen gilt es, deren
Ergebnisse durch Versuche mit realem Biogasreformat in den unterschiedlichen auf-
tretenden Zusammensetzungen zu überprüfen. Insgesamt kann als Schlussfolgerung
aus den durchgeführten Untersuchungen festgestellt werden, dass die Kohlendioxid-
toleranz der MEAs bereits sehr hoch ist. Bezüglich dieser Gaskomponente scheinen
die gröÿten Hürden genommen zu sein, die einem Einsatz von Biogasreformat in
PEM-Brennstozellen für die Bereitstellung von elektrischer Energie und Wärme
im Wege standen.
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Kapitel 8
Formelzeichen und Abk¨
urzungen
8.1 Verwendete Formelzeichen
Zeichen Einheit Bezeichnung
Cdl
F Doppelschichtkapazität
F
C/mol Faraday-Konstante F=96485
G
J freie Gibbs'sche Energie
4G00
J/mol Standard Gibbs'sche freie Reaktionsenergie
H
J Enthalpie
4H00
J/mol Standard freie Reaktionsenthalpie
Ho
J/mol oberer Heizwert
Hu
J/mol unterer Heizwert
Rel
elektrischer Widerstand
S
J/K Entropie
4S00
J/(mol*K) Standard Entropie
TW
s Zeitkonstante des Warburg-Elementes
RW
Widerstandsparameter des Warburg-Elementes
Uth
V thermoneutrale Spannung
Wel
W elektrische Arbeit
φW
- Parameter des Warburg-Elementes
60 Kapitel 8 Formelzeichen und Abk¨
urzungen
8.2 Abk¨
urzungen
Abkürzung Bedeutung
BZ Brennstozelle
CPE Constant Phase Element
CV Cyclovoltammetrie
dl double layer
GDL Gas Diusion Layer (Gasverteilungsschicht)
MEA Membrane Electrolyte Assembly (Membran-Elektroden-Einheit)
MFC Mass Flow Controller
GAS Gemittelte absolute Standardabweichung
QMS Quadratisches Mittel der Standardabweichungen
PEM Proton Exchange Membran
RWGS Reverse Water Gas Shift
SelOx Selektive Oxidation
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Literaturreferenzen
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dance Spectroscopy Diagnostics in PEM Fuel Cells, Lake Superior State Uni-
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