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[de] (orig)
Charakterisierung und Stabilisierung der löslichen Hydrogenase aus
Ralstonia eutropha H16 für den technischen Einsatz bei der reduktiven
Cofaktorregenerierung
vorgelegt von
Diplom-Chemikerin
Juliane Ratzka
aus Hennigsdorf
von der Fakultät II – Mathematik und Naturwissenschaften
der Technischen Universität Berlin
zur Erlangung des akademischen Grades
Doktorin der Naturwissenschaften
- Dr. rer. nat. -
genehmigte Dissertation
Promotionsausschuss:
Vorsitzender: Professor Dr. rer. nat. Peter Hildebrandt (TU Berlin)
Berichter: Professor Dr. rer. nat. Marion B. Ansorge-Schumacher (TU Berlin)
Berichter: Professor Dr. rer. nat. Udo Kragl (Universität Rostock)
Tag der wissenschaftlichen Aussprache: 19.10.2011
Berlin 2011
D 83
Danksagung
Diese Arbeit entstand im Rahmen meiner Zeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der TU
Berlin am Lehrstuhl für Technische Chemie in der AG Enzymtechnologie im Rahmen des
Excellenzclusters „Unifying Concepts in Catalysis“.
Zunächst danke ich Frau Prof. Dr. Marion Ansorge-Schumacher für die Überlassung des
interessanten Themas und die stete Diskussionsbereitschaft im Laufe der letzten Jahre. Herrn
Prof. Dr. Udo Kragl danke ich ganz herzlich für die Übernahme des Gutachtens und dem
Interesse an meiner Arbeit.
Ein ganz besonderer Dank gilt dem Arbeitskreis Friedrich/Lenz, insbesondere Lars
Lauterbach und Dr. Oliver Lenz, für die anfängliche Unterstützung bei der Zellkultivierung
und Proteinaufreinigung sowie für die stete Diskussionsbereitschaft während der Entstehung
dieser Arbeit.
Ganz besonders großer Dank gilt Nicole Herr und Jason Theobald, die im Rahmen ihrer
Diplom- bzw. Forschungsarbeiten maßgeblich zum Gelingen dieser Arbeit beitrugen.
Meinen lieben Kollegen, insbesondere Valantina Yazbik und Nora Bieler, danke ich für die
immer sehr herzliche Arbeitsatmosphäre, die netten Feierabende sowie die stete Hilfsbereit-
schaft in allen Belangen.
Darüber hinaus bedanke ich mich bei Frau Astrid Müller-Klauke für ihre Unterstützung bei
NMR-Messungen.
Schließlich schulde ich meinen Eltern tiefen Dank für die fortwährende Unterstützung in allen
Belangen während meiner gesamten naturwissenschaftlichen Ausbildung. Auch meinen
Freunden und meinem Freund kann ich gar nicht genug für die stete moralische Unterstützung
in den letzten Jahren danken.
Eidesstattliche Erklärung
Hiermit versichere ich, dass ich die vorliegende Dissertationsschrift selbstständig verfasst und
keine anderen als die angegebenen Quellen und Hilfsmittel benutzt habe.
Berlin, 09. September 2011
Inhalt I
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis............................................................................................................V
Tabellenverzeichnis.................................................................................................................X
1 Einleitung.........................................................................................................................1
1.1 Enzyme in der organischen Synthese.........................................................................1
1.2 Anforderungen an Enzyme für die technische Anwendung.......................................3
1.3 Strategien zur Enzymstabilisierung für die technische Anwendung..........................5
1.3.1 Chemische Modifizierung.................................................................................. 6
1.3.2 Immobilisierung ................................................................................................. 8
1.4 Die lösliche Hydrogenase aus Ralstonia eutropha H16...........................................10
1.4.1 Biochemische Eigenschaften............................................................................ 10
1.4.2 Reaktionsspektrum...........................................................................................12
1.4.3 Anwendungsfelder ...........................................................................................13
1.5 Reduktive Cofaktorregenerierung............................................................................15
1.5.1 Formiatdehydrogenasegekoppelte Cofaktorregenerierung .............................. 16
1.5.2 Hydrogenasegekoppelte Cofaktorregenerierung.............................................. 17
1.6 Zielsetzung ............................................................................................................... 20
2 Material und Methoden................................................................................................22
2.1 Materialien................................................................................................................22
2.1.1 Chemikalien .....................................................................................................22
2.1.2 Sonstige Materialien.........................................................................................23
2.1.3 Geräte ............................................................................................................... 24
2.1.4 Medien und Puffer............................................................................................ 25
2.2 Bereitstellung der Enzyme ....................................................................................... 26
2.2.1 Lösliche Hydrogenase aus Ralstonia eutropha H16........................................26
2.2.2 Carbonylreduktase aus Candida parapsilosis..................................................27
2.3 Proteinmengenbestimmung nach Bradford.............................................................. 28
2.4 SDS-PAGE...............................................................................................................28
2.5 Charakterisierung der SH.........................................................................................29
2.5.1 Bestimmung der Enzymaktivität......................................................................29
Inhalt II
2.5.2 Untersuchung der Enzymaktivität in Abhängigkeit verschiedener isolierter
Einflüsse ...........................................................................................................30
2.5.3 Bestimmung der Enzymstabilität ..................................................................... 32
2.5.4 Untersuchung der Enzymstabilität in Abhängigkeit verschiedener isolierter
Einflüsse ...........................................................................................................33
2.5.5 Untersuchung der Enzymaktivität und -stabilität mittels Design of Experiments
..........................................................................................................................34
2.6 Bestimmung der Enzymaktivität der CPCR und FDH.............................................36
2.7 Chemische Modifizierung der SH mit Methoxypolyethylenglykol (mPEG)........... 37
2.7.1 Aktivierung von Methoxypolyethylenglycol ................................................... 37
2.7.2 Bestimmung des Aktivierungsgrades von p-Nitrophenyl-mPEG-carbonat durch
alkalische Hydrolyse......................................................................................... 38
2.7.3 Modifizierung des Enzyms............................................................................... 38
2.7.4 Charakterisierung des modifizierten Enzyms .................................................. 38
2.8 Immobilisierung der SH........................................................................................... 39
2.8.1 Adsorptive Immobilisierung der SH ................................................................ 39
2.8.2 Kovalente Immobilisierung der SH.................................................................. 39
2.8.3 Immobilisierung der chemisch modifizierten SH ............................................40
2.8.4 Bestimmung der Aktivität der Immobilisate....................................................40
2.8.5 Bestimmung der Stabilität der Immobilisate....................................................41
2.8.6 Bestimmung der Rezyklierbarkeit der Immobilisate ....................................... 41
2.8.7 Charakterisierung der Immobilisate.................................................................41
2.9 Reduktive Cofaktorregenerierung............................................................................ 42
2.9.1 Einsatz der chemisch modifizierten SH ...........................................................43
2.9.2 Einsatz der immobilisierten SH........................................................................ 44
3 Ergebnisse und Diskussion...........................................................................................45
3.1 Charakterisierung der Aktivität und Stabilität der SH in Abhängigkeit von
verschiedenen isolierten Einflüssen ......................................................................... 45
3.1.1 Abhängigkeit der Aktivität der SH von verschiedenen isolierten Einflüssen..45
3.1.2 Abhängigkeit der Stabilität der SH von verschiedenen isolierten Einflüssen.. 54
Inhalt III
3.1.3 Charakterisierung der Aktivität und Stabilität der SH unter Berücksichtigung
der gegenseitigen Beeinflussung von Temperatur und pH-Wert mittels Design
of Experiments..................................................................................................64
3.1.4 Zusammenfassung............................................................................................73
3.2 Stabilisierung der SH mittels der chemischen Modifizierung mit
Methoxypolyethylenglykol (mPEG)........................................................................74
3.2.1 Modifizierung der SH mit verschiedenen aktivierten
Methoxypolyethylenglykolen (mPEGs)...........................................................75
3.2.2 Stabilität der modifizierten SH.........................................................................81
3.2.3 Zusammenfassung............................................................................................85
3.3 Stabilisierung der SH durch adsorptive Immobilisierung........................................ 85
3.3.1 Optimierung des Immobilisierungsverfahrens.................................................86
3.3.2 Aktivität der Immobilisate ............................................................................... 91
3.3.3 Stabilität der Immobilisate...............................................................................93
3.3.4 Rezyklierung der Immobilisate........................................................................98
3.3.5 Zusammenfassung............................................................................................99
3.4 Stabilisierung der SH durch kovalente Immobilisierung.......................................100
3.4.1 Optimierung des Immobilisierungsverfahrens...............................................102
3.4.2 Aktivität der Immobilisate ............................................................................. 108
3.4.3 Stabilität der Immobilisate.............................................................................110
3.4.4 Rezyklierung der Immobilisate......................................................................114
3.4.5 Zusammenfassung..........................................................................................115
3.5 Einsatz der SH bei der reduktiven Cofaktorregenerierung ....................................116
3.5.1 Regenerierung von NADH mit nativer SH .................................................... 117
3.5.2 Regenerierung von NADH mit chemisch modifizierter SH ..........................119
3.5.3 Regenerierung von NADH mit adsorptiv immobilisierter SH.......................120
3.5.4 Regenerierung von NADH mit kovalent immobilisierter SH........................122
3.5.5 Zusammenfassung..........................................................................................123
4 Zusammenfassung.......................................................................................................124
5 Literatur.......................................................................................................................128
Veröffentlichungen IV
Liste der im Rahmen dieser Arbeit entstandenen Veröffentlichungen
J. Ratzka, L. Lauterbach, O. Lenz, M. B. Ansorge Schumacher, Systematic evaluation of the
dihydrogen-oxidising and NAD+-reducing soluble [NiFe]-hydrogenase from Ralstonia
eutropha H16 as a cofactor regeneration catalyst. Biocat. Biotrans. (2011) in Druck.
J. Ratzka, L. Lauterbach, O. Lenz, M. B. Ansorge Schumacher, Stabilisation of the soluble
[NiFe]-hydrogenase from Ralstonia eutropha H16 through modification with
methoxypoly(ethylene) glycol. J. Mol. Catal. B: Enzym. (2011) akzeptiert.
Verzeichnisse V
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1.1 Methoden zur Immobilisierung von Enzymen. ............................................. 9
Abbildung 1.2 Schematische Darstellung der hexameren SH aus R.eutropha H16 nach
Burgdorf et al. 2005a.. ................................................................................. 11
Abbildung 1.3 Schematischer Aufbau der enzymatischen Brennstoffzelle......................... 13
Abbildung 1.4 Substratgekoppelte Cofaktorregenerierung. ................................................ 16
Abbildung 1.5 Reaktionsschema des L-tert-Leucinprozesses............................................. 17
Abbildung 1.6 Hydrogenasegekoppelte Cofaktorregenerierung. ........................................ 18
Abbildung 2.1 Die dreidimensionale Konfiguration eines Central-Composite-Designs..... 35
Abbildung 2.2 Der nach dem Central-Composite-Design erhaltene Versuchsplan für zwei
Faktoren (Temperatur, pH) mit der jeweiligen Faktorkombination, bei denen
die Enzymaktivität und -stabilität untersucht wurden.................................. 35
Abbildung 3.1 Abhängigkeit der SH-Aktivität von der Temperatur................................... 46
Abbildung 3.2 Abhängigkeit der SH-Aktivität vom pH-Wert............................................. 46
Abbildung 3.3 Einfluss verschiedener Salze auf die SH-Aktivität...................................... 47
Abbildung 3.4 Einfluss von 10 und 25 % (v/v) DMF, DMSO und Isopropanol auf die SH-
Aktivität. ...................................................................................................... 48
Abbildung 3.5 Einfluss von MTBE, Toluol und n-Heptan auf die SH-Aktivität................ 50
Abbildung 3.6 Einfluss von 2,5, 5 und 10 % (v/v) verschiedener ILs auf die SH-Aktivität.52
Abbildung 3.7 Einfluss von verschiedenen Additiven auf die SH-Aktivität....................... 53
Abbildung 3.8 Abhängigkeit der Halbwertszeit der SH von der Temperatur. .................... 55
Abbildung 3.9 Abhängigkeit der Halbwertszeit der SH vom pH-Wert............................... 56
Abbildung 3.10 Einfluss verschiedener Salze auf die Halbwertszeit der SH........................ 57
Abbildung 3.11 Einfluss von 10 % (v/v) DMF, DMSO und Isopropanol auf die
Halbwertszeit der SH. .................................................................................. 58
Abbildung 3.12 Einfluss von MTBE, Toluol und n-Heptan auf die Halbwertszeit der SH. . 59
Abbildung 3.13 Einfluss von 2,5, 5 und 10 % (v/v) verschiedener ILs auf die Halbwertszeit
der SH. ......................................................................................................... 61
Abbildung 3.14 Einfluss von verschiedenen Additiven auf die Halbwertszeit der SH......... 62
Abbildung 3.15 Einfluss von mechanischer Beanspruchung auf die Halbwertszeit der SH. 64
Verzeichnisse VI
Abbildung 3.16 Der nach central composite design erhaltene Versuchsplan mit den
Messergebnissen für die Aktivität [in U mL-1] und Halbwertszeit [in h] der
SH bei Variation des pH-Wertes [-] und der Temperatur [in °C]................ 66
Abbildung 3.17 Der mittels DOE erhaltene replicate index für die Aktivität [in U mL-1] und
Halbwertszeit [in h] der SH. ........................................................................ 67
Abbildung 3.18 Der mittels DOE erhaltene investigation plot für die Aktivität und
Halbwertszeit der SH. .................................................................................. 67
Abbildung 3.19 Der mittels DOE erhaltene deleted studentized residuals plot für die
Aktivität und Halbwertszeit der SH............................................................. 69
Abbildung 3.20 Der mittels DOE erhaltene interaction plot für die Aktivität [in U mL-1] und
Halbwertszeit [in h] der SH in Abhängigkeit vom pH-Wert [-] und der
Temperatur [in °C]....................................................................................... 69
Abbildung 3.21 Der mittels DOE erhaltene contour plot für die Aktivität [in U mL-1] (links)
und Halbwertszeit [in h] (rechts) der SH in Abhängigkeit vom pH-Wert [-]
und der Temperatur [in °C].......................................................................... 70
Abbildung 3.22 Der mittels DOE erhaltene surface plot für die Aktivität [in U mL-1] (links)
und Halbwertszeit [in h] der SH (rechts) in Abhängigkeit vom pH-Wert [-]
und der Temperatur [in °C].......................................................................... 71
Abbildung 3.23 Die sweet spot-Analyse für die Aktivität (links) und Halbwertszeit (rechts)
der SH in Abhängigkeit vom pH-Wert [-] und der Temperatur [in °C]. ..... 72
Abbildung 3.24 Die sweet spot Analyse für die Aktivität und Halbwertszeit der SH in
Abhängigkeit vom pH-Wert [-] und der Temperatur [in °C] bei einer
geforderten maximalen Enzymaktivität und -stabilität................................ 72
Abbildung 3.25 Aktivierung von mPEG mit p-Nitrophenylchloroformat............................. 75
Abbildung 3.26 Modifizierung primärer Aminogruppen mit aktiviertem mPEG. ................ 76
Abbildung 3.27 SDS-Gel der SH nach der Modifizierung mit mPEG2000 und mPEG5000 bei
einem Enzym-mPEG-Verhältnis von 1:500 und 1:1000. ............................ 77
Abbildung 3.28 Aktivität der SH nach der Modifizierung mit mPEG2000 und mPEG5000 bei
einem Enzym-mPEG-Verhältnis von 1:500 und 1:1000. ............................ 78
Abbildung 3.29 Aktivität der modifizierten SH in 10 % (v/v) DMF, DMSO und Isopropanol
und Vergleich mit der nativen SH................................................................ 79
Verzeichnisse VII
Abbildung 3.30 Aktivität der modifizierten SH in 2,5 und 5 % (v/v) [EMIM][EtSO4] und
[MTEOA][MeSO4] und Vergleich mit der nativen SH. .............................. 80
Abbildung 3.31 Stabilität der modifizierten SH in rein wässrigen Medien unter
mechanischer Beanspruchung und ohne und Vergleich mit der nativen SH...
...................................................................................................................... 82
Abbildung 3.32 Stabilität der modifizierten SH in 10 % (v/v) DMF, DMSO und Isopropanol
und Vergleich mit der nativen SH................................................................ 83
Abbildung 3.33 Stabilität der modifizierten SH in 2,5 und 5 % (v/v) [EMIM][EtSO4] und
[MTEOA][MeSO4] und Vergleich mit der nativen SH. .............................. 84
Abbildung 3.34 Enzymaktivität und Proteinbeladung nach der Immobilisierung der SH auf
verschiedenen Trägern................................................................................. 88
Abbildung 3.35 Enzymaktivität und Proteinbeladung nach der Immobilisierung der SH auf
AmberliteTM FPA54 bei pH 7,0 und 8,0. ..................................................... 89
Abbildung 3.36 Enzymaktivität und Proteinbeladung nach der Immobilisierung der SH auf
AmberliteTM FPA54 bei verschiedenen Enzym-Träger-Verhältnissen........ 90
Abbildung 3.37 Aktivität der adsorptiv immobilisierten nativen und modifizierten SH in 10
% (v/v) DMF, DMSO und Isopropanol und Vergleich mit der nativen SH.92
Abbildung 3.38 Aktivität der adsorptiv immobilisierten nativen und modifizierten SH in 2,5
und 5 % (v/v) [EMIM][EtSO4] und [MTEOA][MeSO4] und Vergleich mit
der nativen SH.............................................................................................. 93
Abbildung 3.39 Stabilität der adsorptiv immobilisierten nativen und modifizierten SH in rein
wässrigen Medien unter mechanischer Beanspruchung und ohne und
Vergleich mit der nativen SH....................................................................... 94
Abbildung 3.40 Stabilität der adsorptiv immobilisierten nativen und modifizierten SH in 10
% (v/v) DMF, DMSO und Isopropanol und Vergleich mit der nativen SH.96
Abbildung 3.41 Stabilität der adsorptiv immobilisierten nativen und modifizierten SH in 2,5
und 5 % (v/v) [EMIM][EtSO4] und [MTEOA][MeSO4] und Vergleich mit
der nativen SH.............................................................................................. 97
Abbildung 3.42 Aktivität der adsorptiv immobilisierten nativen [A] und modifizierten [B]
SH während der Rezyklierung bei fünf Reaktionsdurchläufen. .................. 99
Abbildung 3.43 Reaktionschema der kovalenten Bindung eines Enzyms an einen festen
Träger......................................................................................................... 102
Verzeichnisse VIII
Abbildung 3.44 Enzymaktivität und Proteinbeladung nach der Immobilisierung der SH auf
AmberliteTM FPA54 bei pH 7,0 und 8,0. ................................................... 103
Abbildung 3.45 Enzymaktivität und Proteinbeladung nach der Immobilisierung der SH auf
AmberliteTM FPA54 bei verschiedenen Glutardialdehydkonzentrationen. 104
Abbildung 3.46 Enzymaktivität und Proteinbeladung nach der Immobilisierung der SH auf
AmberliteTM FPA54 bei verschiedenen Inkubationszeiten des Trägers. ... 105
Abbildung 3.47 Enzymaktivität und Proteinbeladung nach der Immobilisierung der SH auf
AmberliteTM FPA54 bei verschiedenen Inkubationszeiten des Enzyms.... 106
Abbildung 3.48 Enzymaktivität und Proteinbeladung nach der Immobilisierung der SH auf
AmberliteTM FPA54 bei verschiedenen Enzym-Träger-Verhältnissen...... 107
Abbildung 3.49 Aktivität der kovalent immobilisierten nativen und modifizierten SH in 10
% (v/v) DMF, DMSO und Isopropanol und Vergleich mit der nativen SH....
.................................................................................................................... 109
Abbildung 3.50 Aktivität der kovalent immobilisierten nativen und modifizierten SH in 2,5
und 5 % (v/v) [EMIM][EtSO4] und [MTEOA][MeSO4] und Vergleich mit
der nativen SH............................................................................................ 110
Abbildung 3.51 Stabilität der kovalent immobilisierten nativen und modifizierten SH in rein
wässrigen Medien unter mechanischer Beanspruchung und ohne und
Vergleich mit der nativen SH..................................................................... 111
Abbildung 3.52 Stabilität der kovalent immobilisierten nativen und modifizierten SH in 10
% (v/v) DMF, DMSO und Isopropanol und Vergleich mit der nativen SH....
.................................................................................................................... 113
Abbildung 3.53 Stabilität der kovalent immobilisierten nativen und modifizierten SH in 2,5
und 5 % (v/v) [EMIM][EtSO4] und [MTEOA][MeSO4] und Vergleich mit
der nativen SH............................................................................................ 114
Abbildung 3.54 Aktivität der kovalent immobilisierten nativen [A] und modifizierten [B] SH
während der Rezyklierung bei fünf Reaktionsdurchläufen........................ 115
Abbildung 3.55 Reaktionsumsätze von Acetophenon bei variierenden SH- [A] und FDH-
Konzentrationen [B]................................................................................... 117
Abbildung 3.56 TTN [nProdukt/nEnzym] der SH und FDH nach Beendigung der Reaktion. ... 119
Abbildung 3.57 Reaktionsumsatz von Acetophenon unter Einsatz der chemisch
modifizierten SH........................................................................................ 120
Verzeichnisse IX
Abbildung 3.58 Reaktionsumsatz von Acetophenon beim Einsatz der adsorptiv
immobilisierten SH bei zwei aufeinanderfolgenden Reaktionen............... 121
Abbildung 3.59 Reaktionsumsatz von Acetophenon beim Einsatz der kovalent
immobilisierten SH bei zwei aufeinanderfolgenden Reaktionen............... 122
Verzeichnisse X
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1.1 Methoden zur chemischen Modifizierung von Enzymen..............................7
Tabelle 1.2 Auswahl der möglichen Wasserstoffakzeptoren der SH und ihre
entsprechende Hydrogenaseaktivität............................................................ 12
Tabelle 2.1 Zusammensetzung von FN- und FGN-Medium pro Liter...........................25
Tabelle 2.2 Zusammensetzung von Trenn- und Sammelgel........................................... 29
Tabelle 2.3 Zusammensetzung der Reaktionsansätze bei der SH- bzw. FDH-
katalysierten Cofaktorregenerierung............................................................ 42
Tabelle 2.4 Gaschromatographische Analyse von Acetophenon und 1-Phenylethanol. 43
Tabelle 3.1 Referenzwerte für die vier Indikatoren des investigation plots. .................. 68
Tabelle 3.2 Auswahl verschiedener Träger für die adsorptive Immobilisierung der SH ...
......................................................................................................................87
Tabelle 3.3 Parameter für die Optimierung der kovalenten Immobilisierung der SH.. 103
Verzeichnisse XI
Abkürzungen
APS Ammoniumperoxodisulfat
[BMIM][BF4] 1-Butyl-3-methyl-imidazolium-tetrafluorborat
[BMIM][OTf] 1-Butyl-3-methyl-imidazolium-trifluormethansulfonat
BSA bovine serum albumin (Rinderserumalbumin)
CPCR Candida parapsilosis Carbonylreduktase
CSTR continuous stirred- tank reactor (kontinuierlicher Rührtankreaktor)
DMSO Dimethylsulfoxid
DMF N,N-Dimethylformamid
DOE design of experiments (statistische Versuchsplanung)
DTT Dithiothreitol
ee enantiomeric excess (Enantiomerenüberschuss)
EDTA Ethylendiamintetraessigsäure
EC enzyme commission (Enzymkommission)
[EMIM][EtSO4] 1-Ethyl-3-methyl-imidazolium-ethylsulfat
FDH Formiatdehydrogenase (aus Candida Boidinii)
FGN Fructose-Glycerin-Nährmedium
FMN Flavin mononukleotid
FN Fructose-Nährmedium
FPLC fast protein liquid chromatography
GC Gaschromatograph/ Gaschromatographie
[HMIM][Cl] 1-Hexyl-3-methyl-imidazolium-chlorid
IL ionic liquid (ionische Flüssigkeit)
IP Isoelektrischer Punkt
IPTG Isopropyl-β-D-thiogalactopyranosid
LB Luria Bertani
Lys Lysin
logP Dekadische Logarittmus des Verteilungskoeffizienten
kDa Kilodalton
mPEG Methoxypolyethylenglykol
MTBE Methyl-tert-butylether
[MTEOA][MeSO4] Tris-(2-hydroxyethyl)-methyl-ammonium-methylsulfat
Verzeichnisse XII
n/n Mol pro Mol
NADH/ NAD+ Nikotinamid Adenin-Dinukleotid (reduzierte bzw. oxidierte Form)
PAGE Polyacrylamidgelelektrophorese
PEG Polyethylenglykol
pH pH-Wert
Q2 goodness of prediction (Güte der Vorhersagbarkeit)
R2 goodness of fit (Anpassungsgüte)
R.eutropha Ralstonia eutropha
RT Raumtemperatur
SDS Sodiumdodecylsulfat
SH soluble hydrogenase (lösliche Hydrogenase) (aus Ralstonia eutropha)
TCEP Tris-(2-carboxyethyl)-phosphin
TEA Triethanolamin
TEMED N,N,N’,N’-Tetramethylethylendiamin
THF Tetrahydrofuran
Tris Trizma® Base
TTN total turnover number (Umsatzzahl)
U unit (Einheit)
Upm Umdrehungen pro Minute
UV Ultraviolet
v/v Volumen pro Volumen
w/v Masse pro Volumen
w/w Masse pro Masse
Formelzeichen
Av Volumetrische Aktivität U mL-1
c Molare Konzentration mM
d Schichtdicke cm
ε Molarer Extinktionskoeffizient mM-1 cm-1
Ext Extinktion -
E Extinktionsdifferenz -
k Inaktivierungskonstante -
Verzeichnisse XIII
nEnzym Stoffmenge Enzym mol
nProdukt Stoffmenge Produkt mol
t Zeit Min bzw. h
t1/2 Halbwertszeit Min bzw. h
VE Volumen des Enzyms mL
Vges Gesamtvolumen mL
Einleitung 1
1 Einleitung
1.1 Enzyme in der organischen Synthese
Enzyme sind proteinogene Katalysatoren biologischen Ursprungs, die die Natur im Rahmen
evolutiver Prozesse fortwährend weiterentwickelt und optimiert hat. Aus diesem Grund
werden sie häufig als Biokatalysatoren bezeichnet. Ihre technische Nutzung umfasst den
Einsatz isolierter Enzyme und ganzer Zellen, die sowohl natürliche als auch nicht natürliche
Substanzen umsetzen. Ganze Zellen werden insbesondere bei synthetischen Reaktionen, die
die Gegenwart von Cofaktoren erfordern, angewandt. Diese häufig sehr teuren Cofaktoren,
bei denen es sich um für biokatalytische Prozesse essentielle, nicht-proteinogene
Komponenten handelt, lassen sich auf diesem Weg in vitro regenerieren. Zudem hat der
Einsatz ganzer Zellen den Vorteil, dass die Aufreinigung des Enzyms entfällt. Die Vorteile
der Nutzung isolierter Enzyme liegen dagegen in der Vermeidung von Nebenreaktionen durch
andere Enzyme sowie in höheren Enzym- und Produktkonzentrationen [Tyler et al., 2006,
Bommarius und Riebel, 2004, Faber, 2004, Schmid et al., 2001].
Biokatalysatoren zeichnen sich vor allem durch ihre hohe katalytische Effizienz aus, die es
ihnen ermöglicht, eine Reaktionsrate um Faktoren von 108 bis 1014 zu beschleunigen [Azerad,
1995]. In Folge dessen genügen oft bereits Enzymkonzentrationen zwischen 10-3 und 10-4
Mol-% im Reaktionsansatz, um hohe Produktausbeuten zu erzielen. Im Vergleich dazu
werden chemische Katalysatoren in Konzentrationen zwischen 0,1 bis 1 Mol-% eingesetzt
[Faber, 2004].
Eine herausragende Eigenschaft von Enzymen ist ihre Fähigkeit, ein weites Spektrum an
Reaktionen zu katalysieren und gleichzeitig eine hohe Chemo-, Regio- und Stereoselektivität
zu besitzen. Folglich treten Nebenreaktionen wie Isomerisierungen, Racemisierungen und
Epimerisierungen selten bis gar nicht auf, was zu einer deutlich höheren Reinheit des
Produktes führt und somit dessen Aufreinigung erleichtert. Als Konsequenz bedarf es keinem
oder einem verringerten Einsatz der Schutzgruppentechnik, die in der organischen Synthese
oft unerlässlich ist [Tyler et al., 2006, Bommarius und Riebel, 2004, Faber, 2004, Schmid et
al., 2001].
Einleitung 2
Enzyme sind unter milden Reaktionsbedingungen, normalerweise in einem Temperatur-
bereich zwischen 20 und 40 °C, in einem pH-Bereich zwischen 5 und 8 und unter atmosphäri-
schem Druck, aktiv, was zu einer höheren Prozessökonomie aufgrund der verringerten
Energieaufwendung führt. Darüber hinaus wirkt sich ihr Einsatz positiv auf die Prozessöko-
logie aus, da Biokatalysatoren vollständig biologisch abbaubar und somit umweltverträglich
sind [Tyler et al., 2006, Straathof et al., 2002].
Aufgrund der Vielzahl positiver Eigenschaften von Biokatalysatoren finden diese heutzutage
zahlreiche Verwendung im industriellen Sektor. Die Anwendungen umfassen die Katalyse
von Reaktionen, wie Synthesen, Umwandlungen oder Abbaureaktionen in der Pharma-,
Nahrungsmittel-, Textil-, Papier-, Agrar- und Waschmittelindustrie [Aehle, 2007, Straathof et
al., 2002, Liese et al., 2000].
Gegenwärtig existieren etwa 150 etablierte biokatalytische Prozesse, in den meisten Fällen für
die Produktion von komplexen Substanzen mit geringen Produktionsvolumina, sogenannten
Feinchemikalien [Osterath et al., 2007, Schulze und Wubbolts, 1999]. Diese sind meist chiral
und können mit Hilfe von Enzymen mit Enantiomerenüberschüssen (ee) von 99 % synthe-
tisiert werden [Hilterhaus und Liese, 2007]. Zu den industriell bedeutendsten enantiomeren-
reinen Verbindungen zählen chirale Alkohole, Diole oder Hydroxyketone, die beispielsweise
mittels Alkoholdehydrogenasen aus den jeweiligen prochiralen Ketonen hergestellt werden
können [Hummel und Kula, 1989]. Die auf diesem Weg gewonnenen Substanzen stellen
wichtige Bausteine für die Synthese von pharmazeutischen Wirkstoffen, Düngemitteln und
Duftstoffen dar.
Im Bereich der Produktion achiraler Bulkchemikalien können Enzyme, unter anderem
aufgrund ihres hohen Preises, selten gegenüber den etablierten chemischen Verfahren
bestehen. Eine bedeutende Ausnahme ist die biotechnologische Produktion von Acrylamid.
Dabei lassen sich aus der Ausgangssubstanz Acrylnitril mittels der Nitrilhydratase aus
Rhodococcus rhodochrous mittlerweile jährlich 30 000 Tonnen Acrylamid mit einer 99,9
%igen Ausbeute herstellen [Liese et al., 2000].
Einleitung 3
Die bislang etablierten biokatalytischen Prozesse sowie der Einsatz unkonventioneller Medien
zur Erweiterung des Reaktionsspektrums von Enzymen und somit derer Anwendungsbereiche
verdeutlichen das gegenwärtige und zukünftige Potential der Enzymkatalyse. Weiterhin
tragen Fortschritte im Bereich der Molekularbiologie und das wachsende Wissen im Bereich
der Strukturaufklärung von Proteinen zur weiteren Optimierung von Enzymen und somit zur
weiteren Erschließung neuer Anwendungsfelder bei.
1.2 Anforderungen an Enzyme für die technische Anwendung
Obwohl die Anzahl etablierter biokatalytischer Reaktionen in der Industrie stetig zunimmt
existieren noch immer zahlreiche Barrieren, die den technischen Einsatz von Enzymen limi-
tieren. Dazu zählt unter anderem, dass es einer hohen Effizienz des Biokatalysators bedarf,
dieser jedoch gleichzeitig preiswert und in ausreichenden Mengen verfügbar sein sollte. Zu-
dem erfordert der industrielle Einsatz von Enzymen eine hohe Aktivität und Stabilität des
Biokatalysators bei hohen Temperaturen, extremen pH-Bedingungen, hohen Salz-
konzentrationen, unter mechanischer Beanspruchung sowie in Gegenwart unkonventioneller
Lösungsmittel [Iyer und Ananthanarayan, 2008, Bommarius und Riebel, 2004, Faber, 2004,
Illanes, 1999].
Die genannten Anforderungen stellen in vielen Fällen noch immer Grenzen für die technische
Nutzung von Biokatalysatoren dar. So lassen sich zahlreiche Enzyme nur sehr aufwendig und
durch eine Vielzahl an Aufreinigungsschritten bereitstellen. In der Folge entstehen hohe
Kosten für die Isolierung eines Enzyms, was wiederum zu hohen Preisen von Biokatalysato-
ren führt [Faber, 2004].
Bei zahlreichen Reaktionen bedarf es Bedingungen, die außerhalb des Aktivitäts- und
Stabilitätsoptimums von Enzymen liegen. Dazu zählen extreme pH-Werte und hohe
Temperaturen, die zu höheren Reaktionsraten sowie einer besseren Löslichkeit zahlreicher
Reaktanden führen [Iyer und Ananthanarayan, 2008]. In der Folge kommt es in vielen Fällen
zu einer Inaktivierung der Enzyme aufgrund der Entfaltung ihrer Tertiärstruktur unter den
genannten Bedingungen, was eine weitere Begrenzung der technischen Umsetzung biokataly-
sierter Reaktionen darstellt.
Einleitung 4
Der Einsatz hoher Salzkonzentrationen in Gegenwart von Enzymen spielt insbesondere in der
Lebensmittelindustrie eine bedeutende Rolle. Mit Ausnahme halophiler Enzyme zeigen zahl-
reiche Biokatalysatoren unter solchen Bedingungen eine ausgeprägte Instabilität aufgrund der
starken Wechselwirkung der Salzionen mit schwachen ionischen Bindungen des Proteins, was
wiederum den technischen Einsatz von Proteinen beschränkt [Iyer und Ananthanarayan,
2008].
Für die industrielle Anwendung von Enzymen ist deren mechanische Stabilität von großer
Bedeutung, da unter Prozessbedingungen oft Scherkräfte zur Durchmischung der Reaktions-
lösung auf das Enzym einwirken, beispielsweise in einem kontinuierlichen Rührtankreaktor
(CSTR). Aus der mechanischen Beanspruchung des Biokatalysators resultiert oft dessen In-
aktivierung, was eine weitere Einschränkung der industriellen Nutzung von Enzymen dar-
stellt.
Der Einsatz unkonventioneller Lösungsmitteln bei biokatalysierten Reaktionen ist infolge der
begrenzten Löslichkeit vieler Substrate in rein wässrigen Medien oftmals unerlässlich. Zudem
lassen sich unerwünschte wasserabhängige Nebenreaktionen unterdrücken, mikrobielle
Verunreinigungen können eliminiert werden und die Produktisolierung wird aufgrund
niedriger Siedepunkte und hoher Dampfdrücke vereinfacht [Carrea und Riva, 2000,
Natarajan, 1991]. Die Nutzung unkonventioneller Medien umfasst unter anderem die Verwen-
dung wasserlöslicher und -unlöslicher organischer Lösungsmittel, sowie ionischer Flüssig-
keiten (ILs) [Castro und Knubovets, 2003, Carrea und Riva, 2000]. Der Einsatz von Enzymen
in diesen Medien stellt nach wie vor eine große Herausforderung dar, da die Proteinstabilität
in Gegenwart der genannten Medien oft drastisch reduziert wird und es zu einer Inaktivierung
des Enzyms kommt [Iyer und Ananthanarayan, 2008, Schiffer und Dötsch, 1996, Halling,
1990, Hahn-Hägerdal, 1986]. Dabei wird zwischen einer molekularen Toxizität und einer
Grenzflächentoxizität ausgehend vom Medium unterschieden [Carrea und Riva, 2008]. Die
molekulare Toxizität tritt in einem Einphasensystem auf, in dem die in der wässrigen Phase
gelösten Lösungsmittelmoleküle toxisch auf das Protein wirken. Dabei erfolgt die De-
hydratisierung des Enzyms, bei der Wassermoleküle an der Proteinoberfläche gegen Lösungs-
mittelmoleküle ausgetauscht werden, was zu einer Änderung der dreidimensionalen Protein-
struktur führt. Dadaurch kommt es zur Inaktivierung des Enzyms [Iyer und Ananthanarayan,
Einleitung 5
2008]. Zusätzlich hängt dieser Effekt von der Polarität des Lösungsmittels ab, wobei im
Allgemeinen gilt: Je polarer das Lösungsmittel ist, desto größer ist sein Einfluss auf den
Biokatalysator [Iyer und Ananthanarayan, 2008, Laane, et al. 1987]. Dieses Prinzip besitzt
jedoch keine Allgemeingültigkeit und ist somit nicht auf alle Reaktionssysteme übertragbar.
Im Fall der Grenzflächentoxizität, die neben der molekularen Toxizität in Zweiphasen-
systemen stattfindet, tritt das Enzym an der Phasengrenzfläche mit den Lösungsmittel-
molekülen in Kontakt und wird in Folge dessen inaktiviert.
Aufgrund der genannten Limitierungen besteht für die industrielle Nutzung eines Bio-
katalysators der Anspruch, ihn so zu optimieren, dass er unter den beschriebenen technischen
Anforderungen bestehen kann.
1.3 Strategien zur Enzymstabilisierung für die technische Anwendung
Zur Erhöhung der Stabilität von Enzymen für deren technische Nutzung existieren gegenwär-
tig verschiedene Strategien. Bei dem sogenannten medium engineering werden dem Enzym
Additive wie Salze, Kryoprotektantien, Polyole, Zucker, Antioxidantien, Polyethylenglykole
(PEG) und andere synthetische Polymere zugesetzt [Iyer und Ananthanarayan, 2008, Fágáin,
1995, Schmid, 1979]. Diese Methode beinhaltet zusätzlich die Veränderung des Reaktions-
mediums durch den Zusatz von Cosolventien wie organische Lösungsmittel oder ionische
Flüssigkeiten [Fágáin, 1995, Vermue und Tramper, 1995]. Darüber hinaus existieren Strate-
gien, die auf Basis der DNA- sowie auf der Proteinebene eine Erhöhung der Enzymstabilität
bewirken können. Ausgehend von der genetischen Ebene wird zwischen zwei Ansätzen unter-
schieden: dem rationalen Design und der gerichteten Evolution [Dalby, 2007]. Beim
rationalen Design erfolgt die selektive Veränderung der Primärstruktur des Proteins [Eijsink
et al., 2004]. Hierbei bedarf es jedoch einer intensiven Kenntnis von Struktur-Funktionsbezie-
hung des Enzyms. Im Unterschied dazu werden bei der gerichteten Evolution Veränderungen
auf Basis einer zufallsbasierten Mutation hervorgerufen [Rubin-Pitel und Zhao, 2006,
Bornscheuer und Pohl, 2001]. Weiterhin gelten die kovalente chemische Modifizierung von
Aminosäureresten des Proteins und die Immobilisierung des Enzyms durch Bindung an
verschiedenen Trägermaterialien als vielversprechende Methoden, um die Stabilität von Bio-
katalysatoren zu erhöhen [Brady und Jordaan, 2009, Hartmann und Jung, 2009, Sheldon,
Einleitung 6
2007, Davis, 2003, DeSantis und Jones, 1999, Roig und Kennedy, 1992]. Im Folgenden
werden die für diese Arbeit relevanten Methoden näher vorgestellt.
1.3.1 Chemische Modifizierung
Die chemische Modifizierung von Biokatalysatoren ist eine der ältesten Methoden zur ge-
zielten Veränderung der Proteineigenschaften infolge der kovalenten Bindung verschiedener
Reagenzien an bestimmte funktionelle Gruppen der Aminosäureseitenketten des Enzyms.
Prinzipiell stehen dazu alle Aminosäurereste zur Verfügung, wobei jedoch meist nur die pola-
ren Aminosäuren eine ausreichende Reaktivität besitzen, was auf deren ionisierbare Seiten-
ketten zurückzuführen ist. Die jeweils unprotonierten Spezies können als potente Nukleophile
in verschiedenen Additionsreaktionen agieren.
Ursprünglich diente die Modifizierung von Enzymen der Aufklärung von Struktur-Funktions-
Beziehungen [Means und Feeney, 1990]. Gegenwärtig wird sie hingegen bevorzugt zur Erhö-
hung der Enzymstabilität und -löslichkeit eingesetzt [DeSantis und Jones, 1999]. Dabei ist die
Auswahl der zur Verfügung stehenden Methoden und modifizierenden Reagenzien weit-
reichend. Hinsichtlich der Modifizierungsmethoden wird zwischen mono-, bi- und multi-
funktionalen Reagenzien unterschieden. Bi- und multifunktionale Reagenzien führen zur
intra- und intermolekularen Quervernetzung des Proteins, woraus die Bildung fester Enzym-
aggregate resultiert. Aus diesem Grund wird die Quervernetzung von Proteinen auch häufig
der Immobilisierung zugeordnet. Monofunktionale Reagenzien dagegen besitzen nur eine
reaktive Gruppe, die unter definierten Bedingungen mit bestimmten Aminosäureresten
reagiert. Dem entsprechend lassen sich monofunktionale Reagenzien nur nach dem Amino-
säurerest, mit dem sie spezifisch reagieren, oder nach der Art der durchgeführten Reaktion
unterteilen. Eine Auswahl der zur Verfügung stehenden Methoden zur chemischen Modifizie-
rung von Enzymen ist in Tabelle 1.1 zusammengefasst.
Einleitung 7
Tabelle 1.1 Methoden zur chemischen Modifizierung von Enzymen.
Funktionalität
(Aminosäureseitenkette) Reaktion Regenzien
Amidierung Imidoeste
Acetylierung Anhydride
Reduktive Aminierung NaBH4, NaBH3CN
Sulfonierung Trinitrobenzolsulfonat
Aminogruppe (
-,
-Lys)
Cabamatbildung Carbonate
Carboxylgruppe (Asp, Glu) Urethanbildung Carbodiimide
Guanidingruppe (Arg) Alkylierung Dicarbonyl-Derivate
Imidazolgruppe (His) Alkylierung Anhydride
Indolgruppe (Trp) Oxidation N-Bromsuccinimid
Phenolgruppe (Tyr) Nitrierung Tetranitromethan
Alkylierung Halogenacetate
Thiolgruppe (Cys) Oxidation Dithiobis(2-nitrobenzolsäure)
Thioethergruppe (Met) Oxidation Radikalbildner (z.B. H2O2)
Ein Nachteil der chemischen Modifizierung von Enzymen ist die geringe Selektivität, mit der
die entsprechenden Reagenzien an die verfügbaren Aminosäurereste binden. In Folge dessen
kann das Modifizierungsreagenz neben der gewünschten auch an andere funktionelle Gruppen
kovalent binden. Eine Möglichkeit auf die Reaktivität der Aminosäurereste Einfluss zu
nehmen, ist die Veränderung des pH-Wertes während der Modifizierung, da eine Abhängig-
keit zwischen der Reaktivität der funktionellen Gruppen und deren Protonierungsgrad besteht.
Weitere Einflussparameter sind die Konzentration des Modifizierungsreagenzes sowie die
Reaktionsdauer. Trotz dieser Möglichkeiten lassen sich häufig nur heterogene Enzymlösun-
gen gewinnen, die wenig reproduzierbar sind [Means und Feeney, 1990].
Dennoch erfolgte die Etablierung der chemischen Modifizierung von Enzymen, um deren
Eigenschaften gezielt zu verändern. Dazu zählt unter anderem die Erhöhung der Löslichkeit
und Stabilität von Enzymen, beispielsweise durch eine Reaktion mit verschiedenen
Anhydriden [Sangeetha und Abraham, 2006, Khajeh, et al., 2001, Vinogradov et al., 2001],
Einleitung 8
Aldehyden [Vinogradov et al., 2001], Imidoestern [Ryan et al., 1994, Basri et al., 1992] oder
aktivierten Polymeren [Vandertol-Vanier et al., 2002, Hernáiz et al., 1999, Kazan et al.,
1997]. Ein häufig eingesetztes Polymer ist Polyethylenglycol (PEG). Die kovalente Bindung
von PEG an zugängliche Lysinreste an der Proteinoberfläche kann zu einer Erhöhung der
Temperaturstabilität von Enzymen führen [Garcia-Arellano et al., 2002, Yang et al., 1996,
Gaertner und Puigserver, 1992] sowie zu einer Stabilisierung gegenüber inaktivierenden Ein-
flüssen wie organischen Lösungsmitteln beitragen [Van den Wittenboer et al., 2010, Szabo et
al., 2009, Salleh et al., 2002, Vinogradov et al., 2001].
1.3.2 Immobilisierung
Bei der Immobilisierung von Enzymen werden diese per Definition durch chemische oder
physikalische Methoden in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt, wobei ihre katalytischen
Fähigkeiten erhalten bleiben [Hartmeier, 1986]. Das bedeutet, dass ein immobilisierter Bio-
katalysator zum einen ausreichend katalytisch aktiv sein muss und zum anderen nicht mehr in
Lösung gehen darf, woraus die Möglichkeit für eine vereinfachte Abtrennung des Enzyms aus
der Produktlösung resultiert [Cao, 2005].
Durch die Immobilisierung von Enzymen ergibt sich für deren technische Anwendungen eine
Reihe von Vorteilen. So wird der Biokatalysator zum einen in eine handhabbarere Form über-
führt und folglich eine einfache Rezyklierbarkeit des Enzyms sowie eine kontinuierliche
Prozessführung ermöglicht. Zum anderen besitzen immobilisierte Enzyme hohe Katalysator-
dichten. Aufgrund dessen lassen sich die katalysierten Reaktionen wesentlich ökonomischer
gestalten, was für industrielle Anwendungen von großer Bedeutung ist [Sheldon, 2007].
Darüber hinaus weisen immobilisierte Enzyme oft auch verbesserte Eigenschaften auf. Dazu
zählen erhöhte Enzymaktivitäten [Mateo et al., 2007, Goto et al., 2005, Hsu et al., 2000,
Bastida et al., 1998] und sehr häufig verbesserte Stabilitäten, insbesondere unter denaturieren-
den Bedingungen [Bolivar et al., 2009, Mateo et al., 2007, Mateo et al., 2002, Fernandez-
Lafuente et al., 2000]. Dabei kann das Enzym beispielsweise gegenüber hohen Temperaturen
oder auch organischen Lösungsmitteln stabilisiert werden [Goto et al., 2005, Abian et al.,
2002, Klibanov, 1979]. Ferner kann die Immobilisierung eines Enzyms auch einen Einfluss
auf dessen Selektivität ausüben. In diesem Zusammenhang lässt sich diese sowohl verändern
[Cabrera et al., 2009, Palomo 2008, Palomo et al., 2002, Aoun und Baboulene 1998] als auch
Einleitung 9
erhöhen [Mateo et al., 2007, Suh et al., 2003, McIninch und Kantrowitz, 2001, Rotticci et al.,
2000].
Es existieren fünf grundsätzliche Methoden Enzyme zu immobilisieren. Dabei wird zwischen
der Immobilisierung des Enzyms infolge der Ausbildung einer Bindung untereinander oder
mit einem Träger und der Immobilisierung eines Biokatalysators durch dessen Einhüllung in
polymere Matrizes sowie seine Verkapselung in Membranen unterschieden, wie in Abbildung
1.1 dargestellt ist.
Immobilisierung
Bindung Einhüllung
Trägerlose Quervernetzung Verkapselung in Membran
Adsorption an Träger Kovalente Bindung an Träger Einbettung in Matrix
Immobilisierung
Bindung Einhüllung
Trägerlose Quervernetzung Verkapselung in Membran
Adsorption an Träger Kovalente Bindung an Träger Einbettung in Matrix
Abbildung 1.1 Methoden zur Immobilisierung von Enzymen.
Bei der Bindung an einen Träger kommen sehr viele anorganische und organische Stoffe
sowie synthetische Polymere in Betracht, wobei zwischen der adsorptiven und kovalenten
Bindung unterschieden wird. Die Adsorption ist die einfachste und älteste Methode, bei der
die Biokatalysatoren über hydrophobe, polare und elektrostatische Wechselwirkungen an der
Oberfläche des Trägers wie beispielsweise Holzschnitzel, Cellulose oder Silicate gebunden
werden. Diese Methode zeichnet sich durch ihre einfache Ausführbarkeit und den geringen
Einfluss auf die Konformation des Biokatalysators aus. Ihr Nachteil besteht jedoch in der
Freisetzung des Biokatalysators während des Prozesses aufgrund der geringen Bindungsstärke
[Cao, 2005, Faber, 2004, Hartmeier, 1986]. Im Gegensatz dazu tritt dieses Problem bei der
kovalenten Bindung des Enzyms an einem Träger nicht auf, da der Biokatalysator über die
funktionellen Gruppen seiner Aminosäuren kovalent gebunden ist, was zu einem stabileren
Einleitung 10
Biokatalysator-Träger-Komplex führt. Der wesentliche Nachteil dieser Methode liegt dagegen
in der bestehenden Möglichkeit, essentielle Aminosäurereste innerhalb oder in der Nähe des
aktiven Zentrums des Enzyms in diese Bindung zu involvieren, woraus ein drastischer Verlust
der katalytischen Aktivität resultiert [Hartmeier, 1986]. Bei der Quervernetzung (cross-
linking) werden die einzelnen Biokatalysatoren durch bi- oder mehrfunktionelle Reagenzien
wie z.B. Glutardialdehyd und Hexamethyldiisothiocyanate miteinander verbunden, was die
Bildung von sehr hochmolekularen unlöslichen Aggregaten zur Folge hat. Ein Nachteil dieser
Aggregate ist ihre meist gelatinöse Beschaffenheit, die ihren Einsatz in technischen Prozessen
erschwert. Weiterhin kann es bei der Quervernetzung von Enzymen zu einer Blockierung
derer aktiven Zentren innerhalb der entstehenden hochmolekularen Aggregate kommen, was
mit Aktivitätsverlusten einhergeht.
1.4 Die lösliche Hydrogenase aus Ralstonia eutropha H16
Ralstonia eutropha H16 ist ein gramnegatives lithoautotrophes Knallgasbakterium, das zur
-Subklasse der Proteobakterien zählt [Pohlmann et al., 2007]. Dieser Organismus verfügt
über drei aktive Hydrogenasen: eine membrangebundene, eine regulative und eine lösliche
[Burgdorf et al. 2005a, Löscher et al., 2005]. Letztere ist dabei in der Lage, neben der reversi-
blen Spaltung von molekularem Wasserstoff in Protonen und Elektronen gleichzeitig die
Reduktion von Elektronenakzeptoren wie Nicotinamidadenindinukleotid (NAD+) zu kataly-
sieren [Schneider und Schlegel, 1976].
1.4.1 Biochemische Eigenschaften
Die lösliche Hydrogenase aus Ralstonia eutropha H16 (SH, EC 1.12.1.2) zählt wie alle
Hydrogenasen zur Enzymklasse der Oxidoreduktasen. Aufgrund ihres heterodinuklearen Ni-
Fe-aktiven Zentrums ist sie innerhalb der Hydrogenasen der Subklasse der [NiFe]-Hydroge-
nasen zuzuordnen [Burgdorf et al., 2005a]. Bei der SH handelt es sich um ein heterohexame-
ren Proteinkomplex mit einer Molekularmasse von 208,2 kDa, der sich im Gegensatz zu einer
Vielzahl von Standardhydrogenasen durch seine Toleranz gegenüber Sauerstoff auszeichnet
und folglich eine aerobe Reaktionsführung erlaubt [Burgdorf et al., 2005a, Van der Linden et
al., 2004a, Lenz et al., 2002, Schneider und Schlegel, 1981]. Des Weiteren besitzt die SH eine
nur geringe Sensitivität gegenüber Kohlenstoffmonoxid [Van der Linden et al., 2004b].
Einleitung 11
Mittels Kristallographie ist es bereits gelungen detaillierte Informationen zur atomaren Struk-
tur von einigen Standardhydrogenasen aus der [NiFe]-Subklasse zu erlangen [Frey, 2002],
wohingegen die Kristallisation der sauerstofftoleranten Enzyme bislang noch nicht erreicht
werden konnte. Zur Aufklärung von Proteinstruktur-Funktionsbeziehungen der SH wurde sich
bis heute molekularbiologischer und spektroskopischer Techniken bedient, mit deren Hilfe
eine schematische Vorstellung der Struktur entwickelt werden konnte [Löscher et al., 2005,
Burgdorf et al., 2005a, Burgdorf et al., 2005c]. Abbildung 1.2 zeigt diesen strukturellen Auf-
bau der SH.
Ni Fe FMN-b
F
M
N
-a
HoxY HoxU HoxF
HoxH HoxI
NADH
NAD+
2H+
H2
Ni Fe FMN-b
F
M
N
-a
HoxY HoxU HoxF
HoxH HoxI
NADH
NAD+
2H+
H2
Abbildung 1.2 Schematische Darstellung der hexameren SH aus R.eutropha H16 nach
Burgdorf et al. 2005a. [mit freundlicher Genehmigung von S. Karger AG Basel]
Die SH besteht aus zwei funktional unterschiedlichen heterodimeren Komplexen, wobei es
sich um ein Hydrogenasemodul und ein NADH-dehydrogense bzw. -diaphorasemodul han-
delt. Diese beiden Komplexe konnten bereits getrennt voneinander isoliert und charakterisiert
werden [Lauterbach et al., 2011, Horch et al., 2010, Burgdorf et al., 2005b, Burgdorf et al.,
2005c, Löscher et al., 2005, Van der Linden et al. 2004a, Van der Linden et al. 2004b,
Massanz et al. 1998, Schneider et al., 1979, Schneider & Schlegel, 1978]. Demnach besitzt
die SH ein [2Fe-2S]-Cluster, mindestens 3 [4Fe-4S]-Cluster und zwei nicht kovalent gebun-
dene Flavinmononukleotidgruppen (FMN). Das Hydrogenasedimer, kodiert durch die Gene
HoxH (55 kDa) und HoxY (23 kDa), beherbergt unter anderem das Ni-Fe-aktive Zentrum so-
wie eine der beiden FMN-Gruppen (FMN-a) und ist für die Hydrogenaseaktivität verantwort-
lich. Das Diaphorasedimer, kodiert durch die Gene HoxF (67 kDa) und HoxU (26 kDa), regu-
liert hingegen die Bindung und Umsetzung von NAD(H) und stellt die zweite FMN-Gruppe
(FMN-b) sowie mehrere [Fe-S]-Cluster bereit.
Einleitung 12
Die wasserstoffabhängige Reduktion von NAD+ erfordert das tetramere Konstrukt der SH
(HoxHYUF). Die infolge der Wasserstoffspaltung bereitgestellten Elektronen werden dabei
von der Ni-Fe-Seite über FMN-a, die [4Fe-4S]-Cluster und den [2Fe-2S]-Cluster bis hin zum
FMN-b und schlussendlich auf NAD+ übertragen. Die zwei zusätzlichen Untereinheiten, die
vom HoxI-Gen (je 18,6 kDa) kodiert sind, wurden in dem höhergewichtigen hexameren
Komplex entdeckt, wobei deren Funktion bislang noch nicht eindeutig geklärt ist [Burgdorf et
al., 2005b].
1.4.2 Reaktionsspektrum
Die SH katalysiert wie alle Hydrogenasen die Spaltung von molekularem Wasserstoff in
Elektronen und Protonen. Zudem setzt sie aufgrund ihrer Bidirektionalität Elektronenakzepto-
ren wie NAD+ um. Neben ihrer Spezifität gegenüber NAD+ ist die SH ebenso in der Lage, ein
breites Spektrum weiterer Wasserstoffakzeptoren vollständig zu reduzieren [Schneider und
Schlegel, 1976]. Einige dieser möglichen Wasserstoffakzeptoren und die entsprechende
Hydrogenaseaktivität der SH sind in Tabelle 1.2 aufgelistet.
Tabelle 1.2 Auswahl der möglichen Wasserstoffakzeptoren der SH und ihre entsprechende
Hydrogenaseaktivität.
Wasserstoffakzeptor Aktivität [%]
NAD 100
Methylviologen 70
Benzylviologen 34
Menaquinon 307
Ubiquinon 85
Methylenblau 125
Phenazinmethosulfat 354
Diazingrün 108
Ferricyanid 503
FMN 85
Einleitung 13
Die SH kann demnach neben NAD Elektronenakzeptoren wie Methylviologen, Menaquinon,
Methylenblau bis hin zu Ferricyanid umsetzen. Dabei zeigt sie verglichen mit NAD+ 3-, 3,5-
und 5-fach höhere Reaktionsraten bei der Reduktion von Menaquinon, Phenazinmethosulfat
bzw. Ferricyanid. Des Weiteren setzt sie Methylviologen, Benzylviologen oder Ubiquinon
vollständig um, jedoch mit verminderten Hydrogenaseaktivitäten im Vergleich zu NAD+.
1.4.3 Anwendungsfelder
Für den technischen Einsatz der SH sind insbesondere ihre Hydrogenaseaktivität sowie ihre
Fähigkeit, NAD+ zu reduzieren von Bedeutung. In diesem Zusammenhang besteht einerseits
ein großes Interesse an der Verwendung der SH in einer enzymatischen Brennstoffzelle sowie
an ihrem Einsatz für eine lichtgetriebene Wasserstoffproduktion. Andererseits kann sie eben-
falls Anwendung bei der Regenerierung des Cofaktors NADH finden, welcher in einer Viel-
zahl enzymkatalysierter Reduktionen umgesetzt bzw. verbraucht wird.
Die Verwendung der SH in einer Brennstoffzelle beruht auf ihrer Fähigkeit, Wasserstoff in
Elektronen und Protonen zu zerlegen und auf diese Weise aus Wasserstoff und Sauerstoff
elektrischen Strom und Wasser zu produzieren, wie in Abbildung 1.3 in Anlehnung an
Ludwig et al., 2008 dargestellt ist [Ludwig et al., 2008, Cracknell et al., 2008, Vincent et al.,
2006, Vincent et al., 2005a].
Verbraucher
- +
4e
-
Wasserstoff Sauerstoff
Wasser
Hydrogenase
Hydrogenase Laccase
Laccase
Elektrolyt
Elektrolyt
Laccase
Laccase-
-beschichtete
beschichtete
Graphit
Graphit-
-Kathode
Kathode
Hydrogenase
Hydrogenase-
-beschichtete
beschichtete
Graphit
Graphit-
-Anode
Anode
2 H
2 H
2
2
4 H
+
O
O
2
2
2 H
2 H
2
2
O
O
H
+
Verbraucher
- +
4e
-
Wasserstoff Sauerstoff
Wasser
Hydrogenase
Hydrogenase Laccase
Laccase
Elektrolyt
Elektrolyt
Laccase
Laccase-
-beschichtete
beschichtete
Graphit
Graphit-
-Kathode
Kathode
Hydrogenase
Hydrogenase-
-beschichtete
beschichtete
Graphit
Graphit-
-Anode
Anode
2 H
2 H
2
2
4 H
+
O
O
2
2
2 H
2 H
2
2
O
O
H
+
Abbildung 1.3 Schematischer Aufbau der enzymatischen Brennstoffzelle.
Einleitung 14
Wie konventionelle Brennstoffzellen besteht die enzymatische Brennstoffzelle aus zwei
Elektroden, wobei diese nicht aus Platin sondern aus enzymbeschichtetem Graphit bestehen.
Die Graphit-Anode ist dabei mit einer Hydrogenase beschichtet, die Kathode hingegen mit
einer Sauerstoff-Reduktase, einer Laccase. Werden nun die entsprechenden Substrate, Was-
serstoff und Sauerstoff, hinzugefügt lässt sich ein kontinuierlicher Strom erzeugen [Ludwig et
al., 2008, Vincent et al., 2005b]. Im Vergleich zu konventionellen, Platin-basierten Brenn-
stoffzellen besitzt die biologische unter anderem den Vorteil, dass es aufgrund der hohen
Spezifität der Enzyme sowie der Sauerstofftoleranz der Hydrogenasen aus Ralstonia eutropha
H16 keiner Trennung der Elektroden durch eine Protonen-Austausch-Membran bedarf.
Zudem zeichnen sich die Hydrogenasen aus Ralstonia eutropha H16 durch ihre geringe
Sensitivität gegenüber Kohlenstoffmonoxid aus, welches in ungereinigtem, aus fossilen Roh-
stoffen gewonnenem Wasserstoffgas in Spuren vorhanden ist und Platin-basierte Katalysa-
toren vergiftet. Das enzymatische System wird dagegen davon folglich nicht beeinträchtigt
[Ludwig et al., 2008, Cracknell et al., 2008, Vincent et al., 2006, Vincent et al., 2005a,
Vincent et al., 2005b].
Des Weiteren konnte bereits gezeigt werden, dass sich die Hydrogenasen aus Ralstonia
eutropha H16 zur Produktion von reinem Wasserstoff aus Licht und Wasser eignen. Dabei
besteht das Ziel ein solches System in robusten Cyanobakterien zu etablieren, wodurch die
Wasserstoffgewinnung bei gleichzeitiger Sauerstofffreisetzung angestrebt wird [Ludwig et
al., 2008].
Unter Voraussetzung der Gewinnung von Wasserstoff aus der oxygenen Photosynthese und
der Erzeugung elektrischen Stroms aus diesem mittels der enzymatischen Brennstoffzelle
ließe sich ein Kreislauf schließen, bei dem aus Licht und Wasser elektrischer Strom aus-
schließlich durch den Einsatz von Biokatalysatoren erzeugt werden könnte. In diesem
Zusammenhang würde es zu keinem Anfall klimaschädlicher Abfallprodukte kommen, was
aus ökologischer Sicht einen bedeutenden Vorteil darstellt. Unter wirtschaftlichen Aspekten
gesehen stehen der Aufwand der Realisierung eines solchen Systems und die daraus gewon-
nenen Strom- bzw. Wasserstoffmengen bislang jedoch in keinem rentablen Verhältnis. Aus
diesem Grund bedarf es der weiteren Optimierung und Stabilisierung der entsprechenden En-
zyme unter den beschriebenen Bedingungen.
Einleitung 15
Der Einsatz der SH bei der reduktiven Cofaktorregenerierung wird im Folgenden näher
beschrieben.
1.5 Reduktive Cofaktorregenerierung
Die asymmetrische Synthese chiraler Substanzen wie Hydroxysäuren [Simon et al., 1989,
Vasic-Racki et al., 1989], Aminosäuren [Bommarius et al. 1998; Hummel & Kula 1989] oder
Alkohole [Itoh et al., 1999, Rissom et al., 1999, Itoh et al., 2002] aus den entsprechenden
prochiralen Ketonen mittels Oxidoreduktasen erfordert in zahlreichen Reaktionen den Einsatz
von Cofaktoren, am häufigsten NADH. Aufgrund der hohen Kosten der Cofaktoren ist deren
Regenerierung im Reaktionsansatz für eine wirtschaftliche Produktion unerlässlich.
Gegenwärtig existieren verschiedene Strategien zur Regenerierung von NADH, wobei
zwischen biologischen, elektrochemischen, chemischen und photochemischen Methoden zu
unterscheiden ist. Die biologische Methode nutzt ganze Zellen oder isolierte Enzyme zur
Wiedergewinnung des Cofaktors. Das elektrochemische Verfahren hingegen bedient sich
elektrischer Energie und das photochemische der entsprechenden Lichtenergie. Bei der
chemischen Regenerierung von NADH werden wiederum Reduktionsmittel eingesetzt
[Wichmann und Vasic-Racki, 2003, Chenault et al., 1988].
Ein industriell anwendbares Cofaktorregenerierungssystem sollte eine hohe Effizienz auf-
weisen, was sowohl hohe Reaktionsumsätze als auch hohe Reaktionsraten einschließt. In
diesem Zusammenhang wird sich der Ermittlung der total turnover number (TTN) bedient,
die diese Effizienz widerspiegelt. Hierbei gibt die TTN die Menge Produkt an, die mit Hilfe
von 1 Mol Cofaktor produziert wird. Somit gibt sie die Anzahl der Reaktionszyklen, wie häu-
fig ein Cofaktor oxidiert und reduziert werden kann, an [Chenault et al., 1988]. Ein wirt-
schaftliches System sollte dabei den Cofaktor 103 - 105mal regenerieren, was sowohl bei
chemischen als auch bei elektro- und photochemischen Methoden nicht der Fall ist [Chenault
und Whitesides, 1987]. Biologische Cofaktorregenerierungssysteme hingegen zeigen eine
hohe Effizienz. Hierbei wird die Arbeit mit ganzen Zellen durch das Auftreten von Neben-
reaktionen und Substrat- oder Produktinhibierungen begrenzt. Im Gegensatz dazu führt der
Einsatz von isolierten Enzymen sowohl zu hohen TTNs als auch zur Vermeidung von Neben-
Einleitung 16
reaktionen, vorausgesetzt das Enzym besitzt eine ausreichend hohe Stabilität [Wichmann und
Vasic-Racki, 2003, Chenault et al., 1988].
Zur Regenerierung von NADH mittels isolierter Enzyme haben sich gegenwärtig zwei
Strategien bewährt:
1. Bei der substratgekoppelten Regenerierung katalysiert die Oxidoreduktase, wobei es sich
im speziellen um eine Alkoholdehydrogenase handelt, sowohl die Reduktion des
Zielketons als auch die Cofaktorregenerierung (Abbildung 1.4). Dazu wird dem
Reaktionsansatz ein Alkohol, beispielsweise Isopropanol, im Überschuss hinzugegeben,
welcher im selben Maß oxidiert wird, wie das Keton reduziert wird.
NAD
+
NADH + H
+
Oxidoreduktase
Abbildung 1.4 Substratgekoppelte Cofaktorregenerierung.
2. Die enzymgekoppelte Cofaktorregenerierung nutzt ein zweites Enzym und sein Substrat.
1.5.1 Formiatdehydrogenasegekoppelte Cofaktorregenerierung
Die Formiatdehydrogenase aus Candida boidinii (FDH, EC 1.2.1.2) mit Formiat als Substrat
stellt das meist eingesetzte enzymgekoppelte Cofaktorregenerierungssystem dar, da es gegen-
über dem substratgekoppelten System eine Reihe von Vorteilen besitzt [Orlich, 2000]:
Erhöhung der Reduktionsrate, da Substrat und Cosubstrat nicht um dasselbe aktive Zen-
trum eines Enzyms konkurrieren.
Einleitung 17
Formiat ist eine günstige Wasserstoffquelle und zudem in hohen Konzentrationen in
Lösung stabil.
Aufgrund des Übergangs des entstehenden Kohlenstoffdioxids in die Gasphase liegt das
Reaktionsgleichgewicht stark auf der Produktseite (NADH + H+).
Die FDH ist kommerziell und zu niedrigen Preisen erhältlich.
Aufgrund der beschriebenen Vorteile findet die FDH-katalysierte Cofaktorregenerierung
gegenwärtig industrielle Anwendung bei der Evonik Degussa GmbH, wo L-tert-Leucin aus
Trimethylpyruvat mit einer Leucin-Dehydrogenase hergestellt wird (Abbildung 1.5)
[Wöltinger et al., 2005].
HCOOH NAD
+
NADH + H
+
CO2
Leucindehydrogenase
EC 1.4.1.9
+ NH
3
- H
2
O
Formiatdehydrogenase
Abbildung 1.5 Reaktionsschema des L-tert-Leucinprozesses.
1.5.2 Hydrogenasegekoppelte Cofaktorregenerierung
Die Nutzung eines hydrogenasegekoppelten Systems zur Regenerierung von NADH stellt
eine bemerkenswerte Alternative zum konventionell genutzten FDH-katalysierten System dar,
vorausgesetzt die eingesetzte Hydrogenase besitzt neben einer Bindestelle zur Umsetzung von
molekularem Wasserstoff eine weitere für NAD+, wie es bei der SH der Fall ist. In einem
solchen System erfolgt die Regenerierung von NADH durch die Zugabe der Hydrogenase und
ihres Substrates Wasserstoff (Abbildung 1.6).
Einleitung 18
Oxidoreduktase
NAD
+
H
2
NADH + H
+
Hydrogenase
Abbildung 1.6 Hydrogenasegekoppelte Cofaktorregenerierung.
Aus dem Einsatz einer Hydrogenase zur Cofaktorregenerierung ergibt sich zunächst der Vor-
teil, eines der günstigsten zur Verfügung stehenden Reduktionsmittel nutzen zu können,
molekularen Wasserstoff. Des Weiteren wird eine maximale Atomökonomie erzielt und die
Entstehung von Nebenprodukten, wie es bei der FDH der Fall ist, vermieden. Zudem hat sich
das FDH-gekoppelte System zwar bislang für industrielle Anwendungen bewährt, jedoch
besitzt es noch immer eine Reihe von Nachteilen, die durch den Einsatz einer effizienten
Hydrogenase kompensiert werden könnten. So besitzt die FDH eine geringe spezifische
Aktivität, die zwischen 3 und 4 U mg-1 liegt und dazu führt, dass große Enzymmengen und
lange Reaktionszeiten benötigt werden, um ausreichend hohe Reaktionsumsätze zu erzielen
[Hummel, 1999]. In diesem Zusammenhang konnten bei der FDH-gekoppelten Regene-
rierung von NADH bislang nur TTNs zwischen 600 und 80000 erreicht werden [Chenault et
al., 1988, Kula und Wandrey, 1987], was die begrenzte Effizienz dieses Regenerierungs-
systems nochmals belegt. Zudem gilt die FDH in organischen Lösungsmitteln als wenig stabil
[Gröger et al., 2003, Kruse et al., 1996], was die technische Anwendbarkeit zusätzlich
limitiert. Der Einsatz von Formiat bei der FDH-gekoppelten Cofaktorregenerierung zieht
darüber hinaus den ständigen Bedarf einer starken Pufferung des Reaktionssystems nach sich.
Anderenfalls käme es zu einer starken Beeinträchtigung des pH-Wertes während der Reak-
tion, was die Inaktivierung der eingesetzten Enzyme zur Folge hätte.
Dass ein hydrogenasegekoppeltes Cofaktorregenerierungssystem grundsätzlich realisierbar
ist, wurde bislang mittels verschiedener Hydrogenasen demonstriert. So konnte bereits gezeigt
Einleitung 19
werden, dass sich mithilfe der löslichen Hydrogenase aus Pyrococcus furiosus NADPH mit
einer hohen Effizienz regenerieren lässt [Mertens et al., 2003]. Darüber hinaus wurde die
generelle Realisierbarkeit der NADH-Regenerierung unter anderem mit einer Hydrogenase
aus Desulfovibrio vulgaris [Hilhorst et al., 1993] sowie mit der SH gezeigt, wobei die Umset-
zung mit der SH ihren Einsatz in der isolierten Form [Andersson et al., 1998, Klibanov und
Puglisi, 1980] als auch den Einsatz der ganzen Zellen [Hasumi et al., 1992, Okura et al.,
1990, Otsuka et al., 1989, Payen et al., 1983] einschloss. Eine ausgiebige Bewertung und ein
Vergleich mit der konventionell genutzten FDH wurden jedoch bislang nicht vorgenommen,
wodurch noch keine Aussagen über die Effizienz des SH-katalysierten Cofaktorregenerie-
rungssystems getroffen werden konnten.
Einleitung 20
1.6 Zielsetzung
Die asymmetrische Synthese chiraler Substanzen wie Hydroxysäuren, Aminosäuren oder
Alkohole mittels Oxidoreduktasen erfordert häufig den Einsatz des Cofaktors NADH, wes-
halb eine Regenerierung dieses Cofaktors im Reaktionsansatz für eine ökonomische Prozess-
führung unerlässlich ist. Da das gegenwärtig etablierte Verfahren, das die Formiatdehydroge-
nase aus Candida boidinii (FDH) als Cofaktorregenerierungsenzym nutzt, noch immer eine
geringe Effizienz besitzt, besteht das Bestreben ein alternatives und effizienteres Regenerie-
rungssystem bereitzustellen. Ein besonderes Interesse wird in diesem Zusammenhang dem
Einsatz eines hydrogenasegekoppelten Regenerierungssystems beigemessen, vorausgesetzt es
handelt sich um eine bidirektionale Hydrogenase, die neben der Bindestelle zur Umsetzung
von molekularem Wasserstoff eine zweite für die Reduktion von NAD besitzt. Eine Hydroge-
nase, die diese Voraussetzung erfüllt und sich zudem durch eine geringe Sensitivität gegen-
über Sauerstoff auszeichnet, ist die lösliche Hydrogenase aus Ralstonia eutropha H16 (SH).
Für eine solche technische Anwendung der SH erfolgte jedoch bislang noch keine umfassende
Charakterisierung, Bewertung sowie eine gezielte Anpassung des Enzyms an die geforderten
Prozessbedingungen.
Im Rahmen dieser Arbeit sollte zunächst eine umfassende Charakterisierung der überexpri-
mierten und mittels Strep-Tactin®-Affinitätschromatographie aufgereinigten, hexameren SH
erfolgen, da in diesem Bereich nur unzureichend Literaturdaten existieren. Dazu sollte der
Einfluss verschiedener isolierter und technisch relevanter Faktoren auf die Aktivität und
Lagerungsstabilität der SH analysiert werden. Bei den zu untersuchenden Parametern sollte es
sich um die Temperatur, den pH-Wert, verschiedene Salze, unterschiedliche wasserlösliche
und -unlösliche organische Lösungsmittel sowie ionische Flüssigkeiten, verschiedene Additi-
ve und die mechanische Beanspruchung handeln. Zudem sollte die gegenseitige Beeinflus-
sung des pH-Wertes und der Temperatur bezogen auf die Enzymaktivität und -stabilität mit-
tels design of experiments (DOE, statistische Versuchsplanung) analysiert und die optimalen
Bedingungen für eine maximale Aktivität und Stabilität sowie einer Balance zwischen den
beiden Größen ermittelt werden. Basierend auf der Kenntnis dieser technisch relevanten
Faktoren und deren Einfluss auf die Aktivität und Stabilität der SH sollte eine Bewertung der
SH hinsichtlich ihres Einsatzes bei der Regenerierung von NADH erfolgen.
Einleitung 21
Basierend auf den Resultaten der Enzymcharakterisierung sollte die gezielte Stabilisierung
der SH gegenüber deaktivierenden Einflüssen wie der Gegenwart organischer Lösungsmittel,
ionischer Flüssigkeiten und unter mechanische Beanspruchung erfolgen. Da sich die
Stabilisierung eines komplexen, heteromeren Enzyms wie der SH durch molekularbiologische
Methode sehr aufwändig gestaltet, sollte die Stabilisierung der SH über die chemische
Modifizierung der Proteinoberfläche und die adsorptive sowie kovalente Immobilisierung auf
einen geeigneten Träger erfolgen. Dazu sollte für beide Immobilisierungsformen eine Opti-
mierung des Immobilisierungsverfahrens durchgeführt und zudem eine Bewertung der er-
zielten Enzymstabilisierung vorgenommen werden. Durch die Immobilisierung der SH sollte
neben einer Stabilisierung der SH die Entwicklung eines handhabbareren, rezyklierbaren Bio-
katalysators, der eine kontinuierliche Prozessführung erlaubt, erreicht werden.
Schlussendlich sollte die SH in ihrer nativen sowie in ihrer stabilisierten Form bei der
reduktiven Regenerierung von NADH eingesetzt werden. Als Modellreaktion sollte dabei die
durch die Carbonylreduktase aus Candida parapsilosis (CPCR) katalysierte Reduktion von
Acetophenon zu (S)-1-Phenylethanol dienen. Anhand der Bestimmung der Reaktionsumsätze
sowie der Berechnung der erreichten Umsatzzahlen (TTN) sollte die Effizienz dieses
Regenerierungssystems ermittelt und über den Vergleich mit dem gegenwärtig etablierten
FDH-gekoppelten System bewertet werden.
Material und Methoden 22
2 Material und Methoden
2.1 Materialien
2.1.1 Chemikalien
Acetophenon Sigma Aldrich (Steinheim)
AmmoengTM 101 RWTH Aachen (AK Leitner)
Biorad Protein Assay Biorad (München)
[BMIM][BF4] Roth (Karlsruhe)
[BMIM][OTf] Roth (Karlsruhe)
D-Desthiobiotin Sigma Aldrich (Steinheim)
DTT Roth (Karlsruhe)
DMF Roth (Karlsruhe)
DMSO Roth (Karlsruhe)
[EMIM][EtSO4] Roth (Karlsruhe)
FMN Sigma Aldrich (Steinheim)
[HMIM][Cl] Roth (Karlsruhe)
IPTG Roth (Karlsruhe)
Isopropanol Roth (Karlsruhe)
MTBE Roth (Karlsruhe)
[MTEOA][MeSO4] RWTH Aachen (AK Leitner)
n-Heptan Roth (Karlsruhe)
NAD+ Roth (Karlsruhe)
NADH (Kaliumsalz) Sigma Aldrich (Steinheim)
NADH (Natriumsalz) Roth (Karlsruhe)
Rotiphorese® Gel 40 Roth (Karlsruhe)
Toluol Roth (Karlsruhe)
Material und Methoden 23
Alle nicht aufgeführten Chemikalien wurden von den Firmen Fluka (Neu-Ulm), Merck
(Darmstadt), Roth (Karlsruhe) oder Sigma-Aldrich (Steinheim) bezogen und waren mindes-
tens analysenrein (p.a.).
2.1.2 Sonstige Materialien
Durchfluss Strep-Tactin® Superflow® Säule IBA (Göttingen)
FDH (58,3 U mL-1) Sigma Aldrich (Steinheim)
Ni-NTA-Säule Qiagen (Hilden)
Page RulerTM Prestained Protein Ladder Fermentas (Leon-Rot)
Page BlueTM Protein Staining Solution Fermentas (Leon-Rot)
Roti®-Load (4 x) Roth (Karlsruhe)
Plasmide und Stämme
Ralstonia eutropha HF210(pHG1) (Humboldt Universität Berlin, AK
Friedrich/Lenz)
[Kortlücke und Friedrich, 1992]
pGE760 41.2kB, SH Operon (StrepHoxF)
hoxBCJ in pEDY309 TcR RK2 ori
Mob+ (Humboldt Universität Berlin, AK
Friedrich/Lenz)
[Josta Hamann, Oliver Lenz, Lars
Lauterbach, unveröffentlicht]
E. coli BL21(DE3) [F- ompT gal dcm lon hsdSB (rB- m
B-)
λ(DE3 [lacI lacUV5-T7gege 1 ind1 sam7
nin5])] (Novagen)
pET26b(+)CPCRhis 6.266 kb, PT7lac, KanR, lacI, ColE1-
Replikon
Träger für die Enzymimmobilisierung
AmberliteTM XAD 761 Rohm und Haas (Chauny, Frankreich)
AmberliteTM XAD 7HP Rohm und Haas (Chauny, Frankreich)
AmberliteTM FPA 54 Rohm und Haas (Chauny, Frankreich)
Material und Methoden 24
AmberliteTM FPC 3500 Rohm und Haas (Chauny, Frankreich)
CV-IB-A161 Chiralvision (Leiden, Niederlande)
CV-IB-C435 Chiralvision (Leiden, Niederlande)
Sepabeads® EC-EP Resindion S.R.L (Binasco, Italien)
2.1.3 Geräte
Elektrophorese (SDS-PAGE) Xcell SureLockTM Mini-Cell, Invitrogen
(Karlsruhe)
FPLC Amersham Bioscience Europa GmbH
(Freiburg)
Gaschromatograph GC-2010 Shimadzu (Kyoto, Japan)
Geldokumentation Alpha Innotech (Hessisch Oldendorf)
Inkubator Memmert (Schwabach)
Inkubationsschüttler Infors AG (Bottmingen, Schweiz)
Autoklav HSP Steriltechnik AG (Magdeburg)
Magnetrührer VWR (Darmstadt)
pH-Meter Metrohm (Filderstadt, Plattenhardt)
Rotationsverdampfer Büchi (Essen)
Thermoblock Peqlab (Erlangen)
Thermoschränke Aqualytic (Dortmund)
Überkopfschüttler 3025 GFL (Burgwedel)
Ultraschallgeräte:
Ultraschallbad Sonorex RK106 Bandelin (Berlin)
Ultraschallstab Labsonic M Satorius (Göttingen)
UV-Vis-Spektrometer Cary 50 Varian (Darmstadt)
Vortexer Genius 3 IKA (Staufen)
Waage Sartorius (Göttingen)
Zentrifugen:
Minispin Plus Eppendorf AG (Hamburg)
Biofuge Stratos Heraeus, Thermo Fisher Scientific (Bonn)
Material und Methoden 25
2.1.4 Medien und Puffer
FN-/FGN-Medium (SH)
Tabelle 2.1 Zusammensetzung von FN- und FGN-Medium pro Liter.
Komponenten FN-Medium
Masse [g]
FGN-Medium
Masse [g]
Na2HPO4 x 2 H2O 4,47 4,47
KH2PO4 1,5 1,5
MgSO4 x 7 H2O 0,02 0,02
FeCl3 0,0003 0,0003
CaCl2 x 2 H20 0,001 0,001
NiCl2 0,000013 0,000013
ZnCl2 0,000014 0,000014
NH4Cl 0,2 0,2
Fructose 0,4 0,2
Glycerin - 0,2
ZnSO4 x 7 H20 0,0001 0,0001
MnCl2 x 4 H20 0,00003 0,00003
H3BO3 0,0003 0,0003
CoCl2 x 6 H20 0,0002 0,0002
CuCl2 x 2 H20 0,00001 0,00001
Na2MoO4 x 2 H20 0,00003 0,00003
Die Selektion erfolgte durch Zusatz von 0,1 µg mL-1 Tetrazyclin.
LB-Medium (CPCR)
Zusammensetzung pro Liter: 10 g Bacto-Trypton; 10 g NaCl; 5 g Hefeextrakt.
Die Selektion erfolgte durch Zusatz von 25 µg mL-1 Kanamycin.
Laufpuffer für SDS-Gel (pH 8,3)
Zusammensetzung pro Liter: 14,4 g Glycerin; 3 g Tris; 1 g SDS.
Material und Methoden 26
Puffer zur Aufreinigung der SH:
Lysepuffer (pH 7,0)
0,05 M K2HPO4/KH2PO4; 0,05 M Dinatriumsuccinat; 0,5 mM NiCl2; 0,005 M MgCl2.
Waschpuffer (pH 7,1)
0,05 M K2HPO4/KH2PO4.
Elutionspuffer (pH 7,0)
0,05 M K2HPO4/KH2PO4; 0,005 M D-Desthiobiotin.
Puffer zur Aufreinigung der CPCR:
Lysepuffer (pH 8,0)
0,05 M NaH2PO4; 0,3 M NaCl; 0,02 M Imidazol.
Waschpuffer (pH 8,0)
0,05 M NaH2PO4; 0,3 M NaCl; 0,08 M Imidazol.
Elutionspuffer (pH 8,0)
0,05 M NaH2PO4; 0,3 M NaCl; 0,25 M Imidazol.
Entsalzungspuffer (pH 8,0)
0,05 M TEA/HCl; 0,15 M NaCl.
2.2 Bereitstellung der Enzyme
2.2.1 Lösliche Hydrogenase aus Ralstonia eutropha H16
Kultivierung von Ralstonia eutropha
Die Kultivierung von Ralstonia eutropha erfolgte in 1 L-Schüttelkolben. Als Medium diente
FGN, das mit dem Selektionsmarker Tetrazyklin versetzt wurde. Die FGN-Hauptkulturen
wurden 1:50 mit einer 3 Tage FN-Vorkultur beimpft und etwa 48 Stunden bei ebenfalls 30 °C
Material und Methoden 27
und 150 Upm bis zum Erreichen einer OD436 von 8-11 inkubiert. Die Zellernte erfolgte
mittels Zentrifugation (10 min, 7500 Upm, 4 °C) und anschließender Resuspension in 0,05 M
Kaliumphosphatpuffer (pH 7.0) sowie einer abschließenden Zentrifugation. Die Zellpellets
wurden bei mindestens -20 °C gelagert.
Proteinaufreinigung
Die Zellen wurden zunächst auf Eis aufgetaut und anschließend in Lysepuffer resuspendiert
(2 mL g-1 Zellfeuchtgewicht). Nach Zugabe von EDTA-freien Proteaseinhibitoren wurde der
Ansatz abermals für eine Zeitdauer von 10 Minuten auf Eis gehalten. Im Anschluss erfolgte
der Zellaufschluss mittels gepulsten Ultraschalls in 5 Zyklen über je 5 Minuten mit jeweils 1
Minute Pause auf Eis. Die Abtrennung der Trümmer erfolgte durch Zentrifugation unter
Argonatmosphäre (60 min, 15000 Upm, 4 °C). Im Anschluss wurde der gesamte Überstand
mit Sauerstoff begast und bei 4 °C etwa 15 Minuten lang gerührt.
Die Aufreinigung der SH erfolgte über den C-terminalen Strep-tag unter Verwendung einer
Durchfluss Strep-Tactin®-Säule mit einem Matrixvolumen von 5 mL und ebenfalls bei 4 °C.
Vor der Beladung der Strep-Tactin®-Säule wurde diese mit Waschpuffer equilibriert und der
Enzymrohextrakt filtriert. Im Anschluss wurden zunächst ungebundene und unspezifisch ge-
bundene Proteine von der Matrix mit 3-5 Säulenvolumen Waschpuffer gewaschen, bevor
selektiv das Zielprotein eluiert wurde. Dies erfolgte unter Verwendung von 6 x 0,5 Säulen-
volumen Elutionspuffer. Die SH wurde unter Zugabe von 5 % Glycerin bei -80 °C gelagert.
2.2.2 Carbonylreduktase aus Candida parapsilosis
Kultivierung von Candida parapsilosis
Die Expression der rekombinanten CPCR mittels der entsprechenden E.coli Zellen erfolgte in
1 L-Schüttelkolben. Als Medium diente LB, das mit dem Selektionsmarker Kanamycin ver-
setzt wurde. Die Hauptkulturen wurden 1:50 mit einer Übernacht-Vorkultur beimpft und bei
37 °C und 250 Upm bis zum Erreichen einer OD600 von 0,8-1 inkubiert. Die Expression wur-
de durch die Zugabe von 1 mM IPTG induziert und erfolgte für etwa 6 Stunden ebenfalls bei
37 °C und 250 Upm. Die Zellen wurden mittels Zentrifugation geerntet (30 min, 7500 Upm,
4 °C), in 0,02 M Tris/HCl-Puffer (pH 8.0) resuspendiert und erneut über eine Zeitdauer von
25 Minuten zentrifugiert. Die Zellpellets wurden bei mindestens -20 °C gelagert.
Material und Methoden 28
Proteinaufreinigung
Die Zellen wurden zunächst auf Eis aufgetaut und anschließend in Lysepuffer resuspendiert
(4 mL g-1 Zellfeuchtgewicht). Nach Zugabe von 1 mg mL-1 Lysozym erfolgte eine weitere
Inkubation unter Rühren über eine Zeitdauer von 30 Minuten auf Eis. Nach der darauffolgen-
den Zugabe von 5 µg mL-1 DNaseΙ und 1 % (v/v) TritonX100 wurde der Ansatz ebenfalls für
10 Minuten auf Eis gehalten. Der anschließende Zellaufschluss erfolgte mittels gepulsten
Ultraschalls in 6 Zyklen über je 30 Sekunden mit jeweils 1 Minute Pause auf Eis. Die
Zelltrümmer wurden schließlich durch Zentrifugation abgetrennt (30 min, 15000 Upm, 4 °C).
Die Aufreinigung der CPCR erfolgte über den N-terminalen His-tag unter Verwendung eines
FPLC-Systems mit einer Ni-NTA-Säule mit einem Matrixvolumen von 5 mL. Vor der Bela-
dung der Ni-NTA-Säule wurde diese mit Lysepuffer equilibriert und der gesamte Überstand
des Zellaufschlusses filtriert. Nach Auftragung des Enzymrohextraktes auf die Ni-NTA-Säule
wurden zunächst ungebundene und unspezifisch gebundene Proteine von der Matrix ge-
waschen, bevor im Anschluss selektiv das Zielprotein eluiert wurde. Dies erfolgte durch die
direkte Erhöhung der Imidazolkonzentration von 0,001 M auf 0,25 M. Die Flussrate entsprach
stets 5 mL min-1. Die CPCR wurde unter Zugabe von 50 % Glycerin bei -20 °C gelagert.
2.3 Proteinmengenbestimmung nach Bradford
Die Proteinkonzentrationen wurde nach der Methode von Bradford bestimmt [Bradford,
1976]. Die Quantifizierung des Proteins erfolgte dabei durch die Reaktion mit Coomassie
Brilliant Blue spektralphotometrisch bei einer Wellenlänge von 595 nm. Unter Verwendung
von Rinderserumalbumin (BSA) wurde in einem Konzentrationsbereich von 5-25 μg
kalibriert. Jeweils 800 μL der entsprechenden Proben wurden mit 200 μL Bradfordreagenz
versetzt und nach einer Inkubationszeit von 10 Minuten bei Raumtemperatur (RT) vermessen.
2.4 SDS-PAGE
Der Proteinnachweis erfolgte über Sodiumdodecylsulfat-Polyacrylamidgelelektrophorese
(SDS-PAGE). Die genaue Zusammensetzung des Sammel- bzw. Trenngels ist Tabelle 2.2 zu
entnehmen.
Material und Methoden 29
Tabelle 2.2 Zusammensetzung von Trenn- und Sammelgel.
Sammelgel (5 %) Trenngel (12 %)
Dest. Wasser 6,45 mL 4,35 mL
Acrylamid (40 %) 4,5 mL 0,5 mL
1 M Tris/HCl (pH 6,8) - 1,75 mL
1,5 M Tris/HCl (pH 8,8) 3,75 mL -
SDS 10 % (w/v) 0,15 mL 0,6 mL
APS 10 % (w/v) 0,15 mL 0,6 mL
TEMED 0,006 mL 0,006 mL
Die Proteinproben wurden 1:1 mit dem Probepuffer Roti®-Load (4x) versetzt und bei 95 °C 5
Minuten denaturiert. Im Anschluss wurde ein Probevolumen von jeweils 20 µL in die Probe-
tasche gegeben. Als Standard zur Bestimmung des Molekulargewichts der Proteine diente
Page RulerTM Prestained Protein Ladder, von dem 5 µL ebenfalls in eine der Probetaschen ge-
geben wurde. Die Gelelektrophorese erfolgte bei einer konstanten Spannung von 180 Volt für
1-1,5 Stunden. Anschließend wurde das Gel 30 Minuten in destilliertem Wasser gewaschen
und die Proteinbanden mit Page BlueTM Protein Staining Solution über Nacht angefärbt. Die
Entfärbung nicht proteinhaltiger Gelbereiche erfolgte wiederum mit destilliertem Wasser. Die
Dokumentation der Proteinbanden erfolgte mittels einer Geldokumentation.
2.5 Charakterisierung der SH
2.5.1 Bestimmung der Enzymaktivität
Die Aktivität der SH wurde spektralphotometrisch über die wasserstoffabhängige Bildung
von NADH bei einer Wellenlänge von 340 nm ermittelt. Das Reaktionsvolumen betrug 1 mL
und setzte sich wie folgt zusammen:
Puffer 0,05 M Tris/HCl-Puffer (pH 8,0)
NAD+ 1 mM
FMN 1 µM
Material und Methoden 30
Die Reaktionslösung wurde in eine Küvette überführt und mit einem gasdichten Septum ver-
sehen. Im Anschluss wurde die gesamte Lösung mit Wasserstoff gesättigt und die Reaktion
durch die Zugabe von 1-10 µL Enzym gestartet. Die Zunahme der Absorption wurde für 1
Minute bei RT verfolgt, das Messintervall entsprach 1 Sekunde. Die molare Konzentration
von NADH wurde mit Hilfe des Extinktionskoeffizienten aus der gemessenen Extinktion
unter Verwendung des Lambert- Beerschen Gesetzes (Gleichung 2.1) berechnet.
dcExt
Gleichung 2.1
wobei Ext der Extinktion [-],
dem Extinktionskoeffizienten [L mol-1 cm-1], c der Konzen-
tration [mol L-1] und d der Schichtdicke [cm] entspricht. Die Berechnung der volumetrischen
Enzymaktivität erfolgte demnach nach der folgenden Gleichung:
dV
VE
AE
ges
v
340
Gleichung 2.2
wobei v
A der volumetrischen Aktivität [U mL-1],
E
der Extinktionsdifferenz über die Zeit
[-], ges
V dem Gesamtvolumen der Reaktion [mL], E
V dem Enzymvolumen [mL] und 340
dem Extinktionskoeffizienten von NADH bei 340 nm [6220 L mol-1 cm-1] entspricht. Die
Schichtdicke der Küvette beträgt 1 cm. Demnach ist eine Unit (U) der SH als die Enzym-
menge definiert, die die Reduktion von 1 µmol NAD+ pro Minute katalysiert.
2.5.2 Untersuchung der Enzymaktivität in Abhängigkeit verschiedener
isolierter Einflüsse
Die Untersuchung der Enzymaktivität erfolgte in Abhängigkeit von verschiedenen reaktions-
relevanten Parametern [Temperatur, pH, Salze, wasserlösliche und -unlösliche organische
Lösungsmittel, ionische Flüssigkeiten (ILs) und Additive], deren Einfluss nacheinander unab-
hängig von einander analysiert wurde. Hiebei wurde die Anfangsreaktionsgeschwindigkeit,
wie in Kapitel 2.5.1 beschrieben, bestimmt. Die jeweiligen, für die verschiedenen Parameter
untersuchten Bedingungen sind nachfolgend beschrieben.
Material und Methoden 31
Temperatureinfluss
Der Temperatureinfluss wurde durch die Ermittlung der Enzymaktivität bei verschiedenen
Temperaturen (25, 30, 35, 40, 45 °C) in 0,05 M Tris/HCl-Puffer (pH 8,0) untersucht.
pH-Einfluss
Die Untersuchung des pH-Einflusses erfolgte anhand der Bestimmung der Enzymaktivität bei
verschiedenen pH-Werten (7, 7,5, 8, 8,5, 9). Für die Einstellung des pH wurde stets ein
0,05 M Tris/HCl-Puffer verwendet, wobei die Reaktionstemperatur 35 °C betrug.
Einfluss verschiedener Salze
Für die Untersuchung der Enzymaktivität in Abhängigkeit von Salzen wurde diese in Gegen-
wart von NaCl, Na2SO4, Na2HPO4, KCl, K2SO4, K2HPO4, (NH4)Cl, (NH4)2SO4 und
(NH4)2HPO4 bestimmt. Die Salzkonzentration betrug 0,1 M. Die Reaktion wurde in einem
Tris/HCl-Puffer (pH 8,0) bei 35 °C durchgeführt.
Einfluss von wasserlöslichen organischen Lösungsmitteln
Bei der Untersuchung des Einflusses von wasserlöslichen organischen Lösungsmitteln auf
die Enzymaktivität wurden mehrere funktionell unterschiedliche Lösungsmittel ausgewählt,
wobei es sich um DMF, DMSO und Isopropanol handelte. Die Lösungsmittel wurden zu
einem Anteil von jeweils 10 und 25 % (v/v) dem Reaktionssystem zugesetzt. Die Bestim-
mung der Enzymaktivität erfolgte bei 35 °C in einem Tris/HCl-Puffer (pH 8,0).
Einfluss von wasserunlöslichen organischen Lösungsmitteln
Die Untersuchung der Enzymaktivität in Gegenwart von wasserunlöslichen organischen
Lösungsmitteln erfolgte unter der Verwendung funktionell unterschiedlicher Lösungsmittel,
wobei es sich um MTBE, Toluol und n-Heptan handelte. Der für die Reaktion verwendete
Tris/HCl-Puffer (pH 8,0) wurde hierbei mit dem jeweiligen Lösungsmittel gesättigt und die
Enzymaktivität bei 35 °C bestimmt.
Einfluss von ionischen Flüssigkeiten
Der Einfluss von ILs auf die Enzymaktivität wurde unter Verwendung verschiedener wasser-
löslicher ILs durchgeführt. Dabei handelte es sich um AmmoengTM 101, [BMIM][BF4],
Material und Methoden 32
[BMIM][OTf], [EMIM][EtSO4], [HMIM][Cl] und [MTEOA][MeSO4], die dem Reaktions-
system zu einem Anteil von jeweils 2,5, 5 und 10 % (v/v) zugesetzt wurden. Die Reaktion
wurde in einem Tris/HCl-Puffer (pH 8,0) bei 35 °C durchgeführt.
Einfluss von Additiven
Die Untersuchung des Einflusses von verschiedenen Additiven auf die Enzymaktivität erfolg-
te unter Verwendung von jeweils 1 und 3 µM FMN, 0,5 mM und 1 mM DTT, 0,5 mM TCEP,
0,2 M Ascorbinsäure, 0,05 M PEG400 und 0,05, 0,1 und 0,25 M Glycerin. Die Reaktion wurde
in einem Tris/HCl-Puffer (pH 8,0) bei 35 °C durchgeführt.
Bei allen Messungen der Enzymaktivität unter den verschiedenen Reaktionsbedingungen
erfolgte eine Dreifachbestimmung der Aktivität zur statistischen Sicherung der Ergebnisse.
2.5.3 Bestimmung der Enzymstabilität
Die Stabilität der SH wurde über die zeitliche Abnahme der Enzymaktivität und der daraus
resultierenden Inaktivierungskonstante bestimmt. Dazu wurde das Enzym unter definierten
Bedingungen inkubiert und die Restaktivität in regelmäßigen Abständen bestimmt. Dazu
wurde dem Inkubationsansatz ein definiertes Volumen entnommen und die Enzymaktivität,
wie unter 2.5.1 beschrieben ist, ermittelt. Die Inkubation des Enzyms fand bei allen
Messungen unter aeroben Bedingungen statt.
Die Quantifizierung der Enzymstabilität erfolgte über die Halbwertszeit, die sich aus der
Inaktivierungskonstante berechnen lässt (Gleichung 2.3) und als diejenige Zeit definiert ist,
nach der das Enzym 50 % seiner Ausgangsaktivität zurückbehalten hat.
k
t2ln
2/1 Gleichung 2.3
wobei 2/1
t der Halbwertszeit [h] und k der Inaktivierungskonstante entspricht [h-1].
Material und Methoden 33
2.5.4 Untersuchung der Enzymstabilität in Abhängigkeit verschiedener isolier-
ter Einflüsse
Die Untersuchung der Enzymstabilität erfolgte analog zu den Untersuchungen der Enzym-
aktivität in Abhängigkeit von Temperatur, pH, Salzen, wasserlöslichen und -unlöslichen orga-
nischen Lösungsmitteln, ILs, sowie Additiven. Dabei wurden die verschiedenen Einfluss-
größen unabhängig von ihrer gegenseitigen Beeinflussung nacheinander untersucht.
Temperaturstabilität
Die Analyse der Temperaturstabilität wurde über die Inkubation des Enzyms in einem 0,05 M
Tris/HCl-Puffer (pH 8,0) bei verschiedenen Temperaturen (4, 15, 25, 35, 45 °C) durchgeführt.
pH-Stabilität
Die pH-Stabilität wurde bei pH 7, 7,5, 8, 8,5 und 9 in 0,05 M Tris/HCl-Puffer untersucht. Die
Inkubationstemperatur betrug stets 35 °C.
Salzstabilität
Zur Untersuchung der Salzstabilität wurde das Enzym in Gegenwart verschiedener Salze
(NaCl, Na2SO4, Na2HPO4, KCl, K2SO4, K2HPO4, (NH4)Cl, (NH4)2SO4, (NH4)2HPO4) inku-
biert, die dem Tris/HCl-Puffer (pH 8,0) in einer Konzentration von 0,1 M zugesetzt wurden.
Die Inkubation erfolgte bei 35 °C.
Lösungsmittelstabilität
Die Untersuchung der Lösungsmittelstabilität erfolgte zum einen unter Verwendung wasser-
löslicher und zum anderen unter Verwendung wasserunlöslicher organischer Lösungsmittel.
Dabei handelte es sich um funktionell unterschiedliche Lösungsmittel. Die Untersuchung des
Einflusses von wasserunlöslichen Lösungsmitteln umschloss den Einsatz von DMF, DMSO
und Isopropanol, die dem Inkubationsansatz zu einem Anteil von 10 % zugesetzt wurden. Der
verwendete Puffer war stets Tris/HCl-Puffer (pH 8,0). Bei der Untersuchung der
Enzymstabilität in Abhängigkeit von wasserunlöslichen organischen Lösungsmitteln wurden
MTBE, Toluol und n-Heptan eingesetzt. Hierbei wurde der verwendete Puffer mit dem jewei-
ligen Lösungsmittel gesättigt. Die Inkubation erfolgte bei 35 °C.
Material und Methoden 34
IL-Stabilität
Die Untersuchung der IL-Stabilität erfolgte unter Verwendung von AmmoengTM 101,
[BMIM][BF4], [BMIM][OTf], [EMIM][EtSO4], [HMIM][Cl] und [MTEOA][MeSO4], die
dem Reaktionssystem zu einem Anteil von jeweils 2,5, 5 und 10 % (v/v) zugesetzt wurden.
Die Inkubation erfolgte in einem Tris/HCl-Puffer (pH 8,0) bei 35 °C.
Stabilität in Gegenwart verschiedener Additive
Bei der Untersuchung der Enzymstabilität in Gegenwart verschiedener Additive wurden je-
weils 1 µM FMN, 0,25 mM Kaliumhexacyanoferrat, 0,05 M PEG400 sowie 0,05, 0,1 und 0,25
M Glycerin dem Inkubationsansatz zugesetzt. Die Inkubation erfolgte in einem Tris/ HCl-
Puffer (pH 8,0) bei 35 °C.
Mechanische Stabilität
Bei der Untersuchung der mechanischen Enzymstabilität wurde der Einfluss von Scherkräften
in Form eines KPG-Rührers (400 Upm) und eines Magnetrührers (400 und 800 Upm) analy-
siert. Die Inkubation erfolgte in einem Tris/HCl-Puffer (pH 8,0) bei 35 °C.
Bei allen Messungen der Enzymstabilität unter den verschiedenen Inkubationsbedingungen
erfolgte eine Dreifachbestimmung der Halbwertszeit zur statistischen Sicherung der Ergeb-
nisse.
2.5.5 Untersuchung der Enzymaktivität und -stabilität mittels Design of
Experiments
Durch den Einsatz von design of experiments (DOE, statistische Versuchsplanung) lassen sich
im Gegensatz zu klassischen Methoden Wechselwirkungen zwischen mehreren Einflussgrö-
ßen auf eine Zielgröße ermitteln, da über statistische Zusammenhänge alle Faktoren gleichzei-
tig variiert werden können [Siebertz et al., 2010]. Bei den untersuchten Zielgrößen handelte
es sich um die Enzymaktivität und -stabilität, die in Abhängigkeit von der Temperatur und
dem pH unter Berücksichtigung derer gegenseitigen Beeinflussung analysiert wurden. Die
Temperatur und der pH stellten hierbei quantitative Faktoren dar, die einfach variiert werden
konnten. Die beiden Einflussgrößen wurden in 2 Stufen festgelegt, wobei der Versuchsplan
nach dem Central-Composite-Design erstellt wurde. Hierbei entstehen ein Würfel und ein
Material und Methoden 35
Stern, wobei der Würfel dem zweistufigen Versuchsplan entspricht und der Stern aus der
Variation der einzelnen Faktoren, ausgehend von der Mittelstellung, dem sogenannten center
point, resultiert, wie in Abbildung 2.1 nach Siebertz et al., 2010 dargestellt ist. Der
Stufenabstand übersteigt dabei den des Würfels, wodurch letztlich jeder Faktor auf 5 Stufen
getestet wird und sich somit die Möglichkeit bietet, auch nichtlineare Zusammenhänge zu
analysieren.
Abbildung 2.1 Die dreidimensionale Konfiguration eines Central-Composite-Designs.
Die Anzahl der Versuche sowie die Faktorkombination des einzelnen Versuchs können dem
Versuchsplan entnommen werden, der in Abbildung 2.2 gezeigt ist.
Abbildung 2.2 Der nach dem Central-Composite-Design erhaltene Versuchsplan für zwei
Faktoren (Temperatur, pH) mit der jeweiligen Faktorkombination, bei denen die Enzym-
aktivität und -stabilität untersucht wurden.
Material und Methoden 36
Die Untersuchung der Enzymaktivität und -stabilität erfolgte unter den entsprechenden Tem-
peratur- und pH-Bedingungen in 0,05 M Tris/HCl-Puffer. Die Quantifizierung der Enzym-
stabilität erfolgte, wie bereits beschrieben, über die Halbwertszeit (Kapitel 2.5.3).
2.6 Bestimmung der Enzymaktivität der CPCR und FDH
CPCR
Die Bestimmung der Aktivität der CPCR erfolgte spektralphotometrisch über den Verbrauch
von NADH, welches bei der Reduktion von Acetophenon zu 1-Phenylethanol stöchiometrisch
zu NAD+ oxidiert wird. Die Abnahme der Absorption wurde bei 340 nm für 1 Minute und bei
30 °C gemessen. Das Reaktionsvolumen betrug 1 mL und setzte sich wie folgt zusammen:
Puffer 0,1 M TEA/HCl-Puffer (pH 7,5)
Acetophenon 0,3 mM
NADH 0,3 mM
Die Reaktionslösung wurde zunächst vortemperiert und dann in eine Küvette überführt. Im
Anschluss wurde die Reaktion durch die Zugabe von 10 µL Enzym gestartet. Demnach ent-
spricht eine Unit CPCR der Enzymmenge, die die Reduktion von 1 µmol Acetophenon pro
Minute katalysiert.
FDH
Die Bestimmung der Aktivität der FDH erfolgte spektralphotometrisch über die Reduktion
von NAD+, wobei die Bildung von NADH bei einer Wellenlänge von 340 nm über 1 Minute
und bei 30 °C verfolgt wurde. Als Substrat diente Natriumformiat. Das Reaktionsvolumen be-
trug 1 mL und setzte sich wie folgt zusammen:
Puffer 0,1 M TEA/HCl-Puffer (pH 7,5)
Natriumformiat 0,25 M
NAD+ 1,7 mM
Die Reaktionslösung wurde zunächst vortemperiert und dann in eine Küvette überführt. Im
Anschluss wurde die Reaktion durch die Zugabe von 5 µL Enzym gestartet. Demnach ent-
Material und Methoden 37
spricht eine Unit FDH der Enzymmenge, die die Umsetzung von 1 µmol Natriumformiat pro
Minute katalysiert.
Die Berechnung der Aktivität der CPCR und FDH erfolgte analog zu den Berechnungen der
Aktivität der SH.
2.7 Chemische Modifizierung der SH mit Methoxypolyethylenglykol
(mPEG)
2.7.1 Aktivierung von Methoxypolyethylenglycol
Die Aktivierung des verwendeten mPEG2000 und mPEG5000 erfolgte mittels p-Nitrophenyl-
chloroformat nach der Methode von Hernáiz et al., 1997. Jeweils 10 g mPEG wurden in
20 mL wasserfreiem Acetonitril gelöst. Im Anschluss wurde eine Lösung bestehend aus
0,7 mL Triethylamin und 1 g p-Nitrophenylchloroformat zugegeben. Das Gemisch wurde für
20 Stunden bei RT und unter einer Stickstoff-Schutzgasatmosphäre gerührt, wobei ein weißer
Niederschlag bestehend aus Triethylaminchlorid und mPEG entstand. Dieser wurde nach Ab-
lauf der Reaktion abfiltriert und anschließend verworfen. Im nächsten Schritt wurde das Fil-
trat mit 200 mL wasserfreiem Diethylether versetzt und auf 4°C gekühlt. Es entstand ein wie-
ßer Niederschlag bestehend aus dem Produkt und nicht aktiviertem PEG und eine gelbliche
zweite Phase bestehend aus überschüssigem Edukt. Zur Aufreinigung wurde der Niederschlag
abfiltriert, getrocknet und anschließend in 10 mL wasserfreiem Acetonitril resolviert. Zu
dieser Lösung wurden 200 mL wasserfreier Diethylether gegeben und auf 4°C gekühlt. Der
hierbei entstandene Niederschlag wurde erneut abfiltriert und getrocknet. Dieser Schritt wurde
insgesamt viermal wiederholt, bis kein p-Nitrophenylchloroformat mehr nachgewiesen wer-
den konnte. Anschließend wurden Proben entnommen und mittels 1H-NMR analysiert.
1H-NMR p-Nitrophenyl-mPEG-carbonat:
(CDCl3, 200 MHz, 20 °C): δ (ppm) = 8.53-8.63 (m, 2H), 8.28-8,35 (m, 2H), 3.69 (s, 4H), 3.37
(s, 3H)
Material und Methoden 38
2.7.2 Bestimmung des Aktivierungsgrades von p-Nitrophenyl-mPEG-carbonat
durch alkalische Hydrolyse
Die Bestimmung des Aktivierungsgrades des mPEG erfolgte über die spektralphotometrische
Quantifizierung von p-Nitrophenol, welches bei der Esterhydrolyse aus p-Nitrophenyl-
mPEG-carbonat freigesetzt wird. Hierbei wurden 0,16 g aktiviertes mPEG pro Liter destillier-
tes Wasser gelöst. Die Hydrolyse wurde durch die Zugabe von 1 M NaOH (1,2 μL mL-1) initi-
iert, wobei die Carbonatgruppen der aktivierten mPEG durch NaOH hydrolysiert und dabei
neben mPEG p-Nitrophenol und Kohlendioxid freigesetzt werden. Die Lösung wurde für 40
Minuten unter leichtem Rühren bei RT vermischt und die Freisetzung des p-Nitrophenols an-
schließend spektralphotometrisch bei 400 nm gemessen. Die Konzentration des p-Nitro-
phenols wurde dann mittels einer entsprechenden Kalibrierung (0 - 0,1725 mM) berechnet.
2.7.3 Modifizierung des Enzyms
Für die Modifizierung der SH wurde zunächst eine Enzymlösung (1 mg mL-1) in 0,05 M
Tris/HCl-Puffer (pH 8,0) hergestellt. Zu dieser Lösung wurde aktiviertes mPEG2000 bzw.
mPEG5000 in molaren Überschüssen von 500- und 1000-fach gegeben. Die Modifizierung er-
folgte bei 4 °C unter Rühren für 1 Stunde. Im Anschluss wurde die Lösung dann mittels
Ultrazentrifugation über Zentrifugenfilter mit einer Ausschlussgröße von 10 kDa (8 Zentrifu-
gationsschritte) aufgereinigt [Hernáiz et al., 1997]. Die Filter dienten dabei der Entfernung
von freigesetztem p-Nitrophenol und nicht reagiertem mPEG, während modifiziertes Enzym
im Retentat zurückgehalten werden. Im Anschluss wurde das modifizierte Enzym mittels
SDS-PAGE und des Standardaktivitätstests analysiert und bei 4 °C gelagert.
2.7.4 Charakterisierung des modifizierten Enzyms
Die Untersuchung der Aktivität und Stabilität der modifizierten SH erfolgte anhand des Stan-
dardaktivitätstests (Kapitel 2.5.1). Die Enzymaktivität und -stabilität wurde zunächst in rein
wässrigen Medien (0,05 M Tris/HCl-Puffer) bei optimalen Reaktionsbedingungen (35 °C und
pH 8,0) sowohl unter mechanischer Beanspruchung in Form eines Magnetrührers (400 Upm)
als auch ohne analysiert. Im Anschluss wurde die Aktivität und Stabilität des modifizierten
Enzyms in Gegenwart von wasserlöslichen organischen Lösungsmitteln und ILs ebenfalls bei
Material und Methoden 39
35 °C und pH 8,0 untersucht. Hierbei handelte es sich zum einen um DMF, DMSO und Iso-
propanol, die dem Reaktions- bzw. Inkubationsansatz zu einem Anteil von jeweils 10 % (v/v)
zugesetzt wurden, und zum anderen um [EMIM][EtSO4] und [MTEOA][MeSO4], die den An-
sätzen zu einem Anteil von 2,5 und 5 % (v/v) zugesetzt wurden. Es erfolgten stets Dreifach-
bestimmungen der Aktivität und Stabilität des modifizierten Enzyms zur statistischen Siche-
rung der Ergebnisse. Die erhaltenen Resultate wurden direkt mit dem nativen Enzym ver-
glichen.
2.8 Immobilisierung der SH
2.8.1 Adsorptive Immobilisierung der SH
Die adsorptive Immobilisierung der SH wurde auf verschiedenen Träger getestet. Dazu wur-
den zunächst Lösungen, die jeweils 0,1 mg SH und 0,2 g des jeweiligen Trägers enthielten,
hergestellt. Bei dem verwendeten Puffer handelte es sich um 0,05 M Tris/HCl-Puffer
(pH 8,0). Die Immobilisierung erfolgte bei 4 °C in einem Überkopfschüttler über eine Zeit-
dauer von 1 Stunde. Im Anschluss wurden die Immobilisate mit 0,05 M Tris/HCl-Puffer
(pH 8,0) gewaschen und bei 4 °C gelagert. Nach Auswahl eines geeigneten Trägers, der zum
einen zu einer maximalen Restaktivität des Enzyms als auch zu einer maximalen trägergebun-
denen Proteinmenge führte, erfolgte die Optimierung der Immobilisierungsmethode. Dazu
wurde das Immobilisat sowohl hinsichtlich seiner Aktivität als auch der trägergebundenen
Proteinmenge bei verschiedenen pH-Werten (7,0 und 8,0) während der Immobilisierung, bei
verschiedenen Enzym-Träger-Verhältnissen (1:500, 1:1000, 1:2000, 1:4000) und in Ab-
hängigkeit von der Inkubationszeit des Enzyms (1 und 2 h) analysiert. Zur statistischen Siche-
rung der Ergebnisse wurden die Enzymaktivität sowie die trägergebundene Proteinmenge
stets dreifach bestimmt.
2.8.2 Kovalente Immobilisierung der SH
Für die kovalente Immobilisierung der SH wurde eine Anzahl verschiedener Träger getestet.
Im ersten Schritt erfolgte die Aktivierung des jeweiligen Trägers, indem jeweils 0,2 g Träger
mit 2,5 % (v/v) Glutardialdehyd über eine Zeitdauer von 1 Stunde bei RT in einem Überkopf-
schüttler inkubiert wurden. Im Anschluss wurde der jeweilige Träger mit destilliertem Wasser
Material und Methoden 40
gewaschen und zu 1 mL 0,05 M Tris/HCl-Puffer (pH 8,0), der 0,1 mg SH enthielt, gegeben.
Die Immobilisierung erfolgte für 1 Stunde bei RT im Überkopfschüttler. Im Anschluss wur-
den die Immobilisate mit 0,05 M Tris/HCl-Puffer (pH 8,0) gewaschen und bei 4 °C gelagert.
Zur Optimierung der Immobilisierungsmethode wurden der pH-Wert während der Immobili-
sierung (7,0 und 8,0), die Glutardialdehydkonzentration (0,5, 1, 2,5, 5 % (v/v)), die
Inkubationszeit der Träger mit Glutardialdehyd (0,5, 1 und 2 h), die Inkubationszeit des
Enzyms (0,25, 0,5, 1 und 2 h) sowie das Enzym-Träger-Verhältnis (1:500, 1:1000, 1:2000,
1:4000, 1:8000) variiert. Dabei wurden die jeweiligen Immobilisate hinsichtlich ihrer Aktivi-
tät und der trägergebundenen Proteinmenge analysiert. Auch bei diesen Untersuchungen
erfolgte eine Dreifachbestimmung der Enzymaktivität und der trägergebundenen Proteinmen-
ge zur statistischen Sicherung der Ergebnisse.
2.8.3 Immobilisierung der chemisch modifizierten SH
Für die adsorptive sowie kovalente Immobilisierung der chemisch modifizierten SH erfolgte
zunächst die Modifizierung des Enzyms mit mPEG5000 unter optimierten Bedingungen
(Kapitel 2.7.3). Für die anschließende Immobilisierung des modifizierten Enzyms wurden
ebenfalls die in Kapitel 2.8.1 und 2.8.2 für das unmodifizierte Enzym ermittelten, optimalen
Bedingungen gewählt.
2.8.4 Bestimmung der Aktivität der Immobilisate
Die Aktivität der Immobilisate wurde über die wasserstoffabhängige Bildung von NADH er-
mittelt. Das Reaktionsvolumen betrug 2,5 mL und setzte sich genauso wie bei der Aktivitäts-
bestimmung des nativen Enzyms zusammen (Kapitel 2.5.1). Die Reaktionslösung und 0,2 g
Immobilisat wurden in ein 5 mL-Vial überführt, mit einem gasdichten Septum versehen und
mit Wasserstoff gesättigt. Anschließend wurde die Reaktion durch die Zugabe von NAD+ ge-
startet, wobei die Lösung während der Reaktion kontinuierlich mittels eines Magnetrührers
(400 Upm) durchmischt wurde. Die Zunahme der Absorption wurde über eine Zeitdauer von
3 Minuten durch regelmäßige Probeentnahme verfolgt. Zur Vermeidung einer Aufkonzentrie-
rung der Reaktionslösung wurden die Proben nach Messung der Absorption zur Reaktion zu-
rückgegeben. Die Reaktionstemperatur betrug, wenn nicht anders definiert, RT. Die Berech-
nung der Aktivität der Immobilisate erfolgte wie in Kapitel 2.5.1 bereits beschrieben wurde.
Material und Methoden 41
2.8.5 Bestimmung der Stabilität der Immobilisate
Die Untersuchung der Stabilität der Immobilisate erfolgte wie bei der nativen SH über die Er-
mittlung der Halbwertszeit (Kapitel 2.5.3). Dazu wurden 0,2 g Immobilisat unter definierten
Bedingungen über eine definierte Zeitdauer inkubiert und im Anschluss daran die Restaktivi-
tät anhand des Aktivitätstest (Kapitel 2.8.4) bestimmt. Die Inkubation der Immobilisate fand
bei allen Messungen unter aeroben Bedingungen statt.
2.8.6 Bestimmung der Rezyklierbarkeit der Immobilisate
Die Untersuchung der Rezyklierung der Immobilisate wurde anhand der Wiederholung der
Reduktion von NAD+ über 3 Minuten durchgeführt (Kapitel 2.8.4). Dazu wurden die Immobi-
lisate nach jeder Reaktion mit 0,05 M Tris/HCl-Puffer gewaschen und bei einer erneuten
Reaktion eingesetzt. Die Reaktionstemperatur betrug dabei 35 °C. Zur statistischen Sicherung
der Ergebnisse erfolgte eine Dreifachbestimmung der Rezyklierung der Immobilisate.
2.8.7 Charakterisierung der Immobilisate
Die Untersuchung der Aktivität und Stabilität der Immobilisate erfolgte anhand des beschrie-
benen Aktivitätstests (Kapitel 2.8.3). Die Aktivität und Stabilität des immobilisierten Enzyms
wurde zunächst in rein wässrigen Medien (0,05 M Tris/HCl-Puffer) bei optimalen Reaktions-
bedingungen (35 °C und pH 8,0) sowohl unter mechanischer Beanspruchung der Immobilisa-
te in Form eines Magnetrührers (400 Upm) als auch ohne analysiert. Anschließend wurde die
Aktivität und Stabilität des Immobilisats in Gegenwart von wasserlöslichen organischen Lö-
sungsmitteln und ILs ebenfalls bei 35 °C und pH 8,0 untersucht. Hierbei handelte es sich zum
einen um DMF, DMSO und Isopropanol, die dem Reaktions- bzw. Inkubationsansatz zu
einem Anteil von jeweils 10 % (v/v) zugesetzt wurden, und zum anderen um [EMIM][EtSO4]
und [MTEOA][MeSO4], die den Ansätzen zu einem Anteil von 2,5 und 5 % (v/v) zugesetzt
wurden. Zudem wurde auch das Ausbluten des Enzyms aus der Matrix in den verschiedenen
Systemen untersucht. Zur statistischen Sicherung der Ergebnisse erfolgte eine
Dreifachbestimmung der Aktivität und der Stabilität der Enzymimmobilisate. Alle Ergebnisse
wurden direkt mit dem nativen Enzym verglichen.
Material und Methoden 42
2.9 Reduktive Cofaktorregenerierung
Zur Untersuchung des Einsatzes der SH bei der reduktiven Cofaktorregenerierung diente die
CPCR-katalysierte Reduktion von Acetophenon zu (S)-1-Phenylethanol unter Verbrauch des
Cofaktors NADH als Modellreaktion. Zudem erfolgten Vergleichsmessungen mit der FDH.
Das Reaktionsvolumen betrug stets 3 mL, wobei sich die Ansätze wie folgt zusammensetzten.
Tabelle 2.3 Zusammensetzung der Reaktionsansätze bei der SH- bzw. FDH-katalysierten
Cofaktorregenerierung.
SH FDH
CPCR 0,35 U mL-1 0,35 U mL-1
Acetophenon 45 mM 45 mM
NADH 1 mM (als Kaliumsalz) 1 mM (als Natriumsalz)
DTT 1 mM 1 mM
Natriumformiat - 100 mM
Die Reaktionslösungen wurden in 5 mL-Vials überführt, wobei dieses im Fall der SH mit
einem gasdichten Septum verschlossen wurde. Zur Pufferung des Reaktionssystems diente
0,1 M TEA/HCl-Puffer (pH 7,5). Bei den eingesetzten SH- bzw. FDH-Konzentrationen
handelte es sich um jeweils 1, 2 und 4 U mL-1. Der Reaktionsstart erfolgte durch Zugabe der
CPCR und wurde bei 30 °C über eine Zeitdauer von 4 Stunden verfolgt, wobei die Reaktions-
lösung kontinuierlich mittels eines Magnetrührers (400 Upm) durchmischt wurde und im Fall
der SH-katalysierten Cofaktorregenerierung zusätzlich eine kontinuierliche Begasung mit
Wasserstoff erfolgte. Zu verschiedenen Zeitpunkten wurden dem Reaktionsansatz Proben ent-
nommen und im Verhältnis 1:6 mit Ethylacetat versetzt, wodurch Acetophenon und 1-Phenyl-
ethanol extrahiert wurden und deren Konzentration anschließend mittels eines Gaschromato-
graphen (GC) der Firma Shimadzu ermittelt werden konnte. Die Detektion erfolgte dabei über
einen Flammenionisationsdetektor. Als Säule wurde eine apolare Säule (BPX-5) der Firma
SGE verwendet. Weitere Einzelheiten der GC-Methode sind Tabelle 2.4 zu entnehmen. Zur
statistischen Sicherung der Ergebnisse erfolgte bei allen Messungen des Reaktionsumsatzes
über die Zeit eine Dreifachbestimmung.
Material und Methoden 43
Tabelle 2.4 Gaschromatographische Analyse von Acetophenon und 1-Phenylethanol.
Trägergas Stickstoff (70 kPa)
Split 50 mL min-1
Injektionsvolumen 2 µL
Injektor/Detektor 230 °C/ 290 °C
80 °C
98 °C (2 °C/ min)
Temperatur
200 °C (20 °C/ min)
Acetophenon 10,7 min
Retentionszeiten 1-Phenylethanol 10,4 min
Aus den bestimmten Acetophenon- und 1-Phenylethanolkonzentrationen wurden die Umsätze
ermittelt sowie die Umsatzzahl, die total turnover number (TTN), die sich nach Gleichung 2.4
berechnen lässt und als Maß für die Effizienz eines Katalysators gilt.
Enzym
odukt
n
n
TTN Pr
Gleichung 2.4
wobei TT
der Umsatzzahl [-], odukt
nPr der Stoffmenge des gebildeten Produktes [mol] und
Enzym
n der Stoffmenge des eingesetzten Enzyms [mol] entspricht.
2.9.1 Einsatz der chemisch modifizierten SH
Die Untersuchung des Einsatzes der chemisch modifizierten SH erfolgte bei einer Acetophe-
nonkonzentration und NADH-Konzentration von 45 mM bzw. 1 mM unter Zusatz von 1 mM
DTT (Kapitel 2.9). Die CPCR-Aktivität betrug wie beim Einsatz der nativen SH 0,35 U mL-1.
Die native SH wurde unter optimierten Bedingungen mit mPEG5000 modifiziert und an-
schließend mit einer Aktivität von 4 U mL-1 eingesetzt. Die Bestimmung der Reaktionsumsät-
ze erfolgte wie in Kapitel 2.9 bereits beschrieben wurde.
Material und Methoden 44
2.9.2 Einsatz der immobilisierten SH
Die Untersuchung des Einsatzes der adsorptiv und kovalent immobiliserten SH erfolgte unter
den in Kapitel 2.9 und 2.9.2 beschriebenen Bedingungen, wobei die Immobilisierung unter
den jeweils optimierten Bedingungen stattfand. Die Aktivität der eingesetzten Immobilisate
betrug 4 U mL-1.
Rezyklierung der Immobilisate
Zur Untersuchung der Rezyklierbarkeit wurden die in Kapitel 2.9.3 verwendeten Immobilisa-
te nach Beendigung einer Reaktion gewaschen und bei einer weiteren CPCR-katalysierten
Reduktion von Acetophenon eingesetzt. Dabei erfolgte die Bestimmung der Reaktionsum-
sätze bei beiden Reaktionen über eine Zeit von 4 Stunden.
Ergebnisse und Diskussion 45
3 Ergebnisse und Diskussion
3.1 Charakterisierung der Aktivität und Stabilität der SH in Abhängigkeit
von verschiedenen isolierten Einflüssen
Die industrielle Nutzung eines Biokatalysators setzt die hinreichende Kenntnis prozessrele-
vanter Parameter und deren Einfluss auf die Enzymaktivität und -stabilität voraus, da dadurch
erst eine Anpassung des technischen Verfahrens erfolgen kann. Zu diesen technisch entschei-
denden Faktoren zählen unter anderem die Temperatur, der pH-Wert, die Anwesenheit ver-
schiedener Salze, die Zugabe von Lösungsvermittlern und Additiven sowie die mechanische
Beanspruchung. Deren Einfluss auf die Aktivität und Lagerungsstabilität der rekombinanten
SH wurde erstmalig im Rahmen dieser Arbeit systematisch untersucht, da bislang nur Litera-
turdaten für die aus dem Wildtyp isolierte SH existieren. Die Einflussgrößen wurden dabei
anfangs isoliert voneinander betrachtet und nacheinander variiert. Die Charakterisierung der
SH-Aktivität und -Stabilität erfolgte stets bei optimalen Temperatur- und pH-Bedingungen,
die zu Beginn der Untersuchungen bestimmt wurden. Anschließend wurden die Wechsel-
wirkungen zwischen der Temperatur und dem pH-Wert, bezogen auf die SH-Aktivität und
-Stabilität, mittels design of experiments (DOE) analysiert und die optimalen Reaktionsbedin-
gungen für eine Balance zwischen diesen beiden Größen ermittelt. Anhand der Ergebnisse der
Enzymcharakterisierung erfolgte schließlich eine Bewertung der SH hinsichtlich ihres techni-
schen Einsatzes bei der Regenerierung des Cofaktors NADH.
3.1.1 Abhängigkeit der Aktivität der SH von verschiedenen isolierten Einflüssen
Temperatureinfluss
Die Bestimmung des Temperaturoptimums der SH erfolgte in einem Bereich zwischen 25 und
45 °C bei pH 8,0. Dabei wurde ein Aktivitätsmaximum von 30,2 (± 1,0) U mg-1 bei 35 °C er-
mittelt (Abbildung 3.1). Da keine Aktivitätsbestimmung zwischen den untersuchten Tempera-
turen stattfand, könnte das tatsächliche Temperaturmaximum wenige Grad über oder unter
dem ermittelten liegen. Das bei diesen Untersuchungen erhaltene Temperaturoptimum befin-
det sich in Übereinstimmung mit Literaturdaten des SH-Wildtyps, die ein Aktivitätsmaximum
zwischen 33 und 36 °C angeben [Schneider und Schlegel, 1976, Pfitzner et al., 1970].
Ergebnisse und Diskussion 46
25 30 35 40 45
0
10
20
30
40
Aktivität [U mg-1]
Temperatur [°C]
Abbildung 3.1 Abhängigkeit der SH-Aktivität von der Temperatur. [Temperatur wie angege-
ben, 0,05 M Tris/HCl-Puffer (pH 8,0), 1 mM NAD+, 1 µM FMN]
pH-Einfluss
Die Untersuchung des pH-Optimums der SH erfolgte in einem Bereich zwischen 7,0 und 9,0
unter Verwendung eines 0,05 M Tris/HCl-Puffer. Die Reaktionstemperatur entsprach dabei
stets dem ermittelten Temperaturoptimum von 35 °C. Die Ergebnisse dieser Messungen sind
in Abbildung 3.2 gezeigt.
7,07,58,08,59,0
0
10
20
30
40
Aktivität [U mg-1]
pH-Wert [-]
Abbildung 3.2 Abhängigkeit der SH-Aktivität vom pH-Wert. [pH-Wert wie angegeben,
0,05 M Tris/HCl-Puffer, 35 °C, 1 mM NAD+, 1 µM FMN]
Ergebnisse und Diskussion 47
Demnach besitzt die SH ihr Aktivitätsmaximum bei pH 8,0, wohingegen sie bei pH 7,5 und
8,5 bereits 21 bzw. 24 % ihrer maximalen Aktivität verliert. Das hierbei ermittelte pH-Opti-
mum korreliert mit Literaturdaten, die ebenfalls ein pH-Optimum von 8,0 wiedergeben
[Schneider und Schlegel, 1976, Pfitzner et al., 1970]. Aufgrund der geringen Pufferkapazität
von Tris/HCl außerhalb der betrachteten pH-Region wurde auf eine Untersuchung in diesem
Bereich verzichtet. Basierend auf den Ergebnissen des Temperatur- und pH-Optimums der
SH erfolgten alle weiteren Untersuchungen zur Charakterisierung der Aktivität und Stabilität
der SH bei den ermittelten optimalen Bedingungen.
Einfluss verschiedener Salze
Die Untersuchung der SH-Aktivität in Abhängigkeit von Salzionen erfolgte durch die Zugabe
von verschiedenen, in technischen Anwendungen häufig verwendeten Salzen zum Reaktions-
ansatz. Hierbei handelte es sich um NaCl, Na2SO4, Na2HPO4, KCl, K2SO4, K2HPO4, (NH4)Cl,
(NH4)2SO4, (NH4)2HPO4. In Gegenwart von Natriumionen konnte eine deutliche Abnahme
der SH-Aktivität um etwa 70 % beobachtet werden (Abbildung 3.3). Die gleiche Entdeckung
machten bereits Schneider und Schlegel und Keefe et al., wobei letztere von einer Inhibierung
der SH infolge der Zugabe von Natriumionen ausgingen [Keefe et al., 1995, Schneider und
Schlegel, 1976].
reiner Puffer
NaCl
Na2SO4
Na2HPO4KCl
K2SO4
K2HPO4
NH4Cl
(NH4)2SO4
(NH4)2HPO4
0
10
20
30
40
Aktivität [U mg-1]
Abbildung 3.3 Einfluss verschiedener Salze auf die SH-Aktivität. [0,1 M Salzkonzentration,
0,05 M Tris/HCl-Puffer (pH 8,0), 35 °C, 1 mM NAD+, 1 µM FMN]
Ergebnisse und Diskussion 48
Des Weiteren führte die Gegenwart von Ammoniumionen zu einer Abnahme der Enzymakti-
vität um bis zu 30 %, was ebenso von Keefe et al. zuvor beschrieben wurde [Keefe et al.,
1995]. Salze, die Sulfat- oder Phosphationen beinhalteten, verringerten die SH-Aktivität eben-
falls um bis zu 10 %. Keinen Einfluss auf die Enzymaktivität hatten dagegen Kalium- und
Chloridionen. Basierend auf diesen Resultaten sollte in technischen Anwendungen der SH ein
Einsatz von Natriumsalzen vermieden werden und ein Austausch gegen Kaliumsalze erfol-
gen.
Einfluss von wasserlöslichen organischen Lösungsmitteln
Für die Bestimmung der Aktivität der SH in Gegenwart von wasserlöslichen organischen Lö-
sungsmitteln wurden drei häufig in enzymkatalysierten Reaktionen eingesetzte Lösungsmittel
ausgewählt, bei denen es sich um DMF (logP -1,0), DMSO (logP -1,3) und Isopropanol
(logP 0,3) handelte [Azevedo et al., 2001, Guagliardi et al., 1989]. Diese wurden in Konzen-
trationen von 10 und 25 % (v/v) zum Reaktionsansatz gegeben, wie es in einer Vielzahl von
Oxidoreduktase-katalysierten Reaktionen üblich ist, um eine Erhöhung der Substrat- bzw.
Produktlöslichkeit zu erzielen [Vermue und Tramper, 1995, Vazquez-Duhalt et al., 1993,
Mozhaev et al., 1989]. Dabei zeigten alle drei Lösungsmittel einen ausgeprägten inaktivieren-
den Einfluss auf die SH, wie in Abbildung 3.4 dargestellt ist.
DMF DMSO Isopropanol
0
10
20
30
40
Aktivität [U mg-1]
0 % Lösungsmittel
10 % Lösungsmittel
25 % Lösungsmittel
Abbildung 3.4 Einfluss von 10 und 25 % (v/v) DMF, DMSO und Isopropanol auf die SH-
Aktivität. [Lösungsmittelkonzentration wie angegeben, 0,05 M Tris/ HCl-Puffer (pH 8,0),
35 °C, 1 mM NAD+, 1 µM FMN]
Ergebnisse und Diskussion 49
Bezogen auf die Aktivität der SH, die ohne den Einsatz eines Cosolvents in reinem Tris/HCl-
Puffer ermittelt wurde, war bei einer Lösungsmittelkonzentration von 25 % (v/v) nur noch in
DMSO eine Enzymaktivität von 4,7 (± 2,2) U mg-1 messbar, was einer Restaktivität von 15 %
entspricht. In Übereinstimmung mit diesem Ergebnis war bei einer Lösungsmittelkonzentra-
tion von 10 % (v/v) ebenfalls im Fall von DMSO die höchste SH-Aktivität von 15,4 (± 0,5)
U mg-1 zu beobachten, was etwa der Hälfte der Enzymaktivität in reinem Puffer entspricht. Im
Gegensatz dazu führte die Zugabe von DMF zur stärksten Inaktivierung der SH, wobei
lediglich 7 % der ursprünglichen Enzymaktivität noch bestimmt werden konnten. Die Zugabe
von 10 % (v/v) Isopropanol führte ebenfalls zu einem ausgeprägten Aktivitätsverlust um etwa
78 %, wobei eine Aktivität von 6,8 (± 1,3) U mg-1 gemessen wurde.
Die Inaktivierung von Enzymen in Gegenwart organischer Lösungsmittel ist allgemein
bekannt [Schmid et al., 2001]. Die dabei auftretenden Wechselwirkungen zwischen dem
Enzym und dem zugesetzten organischen Lösemittel sind vielfältig. So können wasserlösliche
Lösungsmittel Wassermoleküle von der Proteinoberfläche sowie aus dem katalytischen
Zentrum des Enzyms verdrängen, was die thermodynamische Stabilisierung der Tertiärstruk-
tur beeinflusst. In der Folge kann dies zu einer Inaktivierung aufgrund der Konformations-
änderung führen [Pazhang et al., 2006, Ogino und Ishikawa, 2001].
Dass Enzyme in Gegenwart von DMSO stabilisiert werden bzw. ein abweichendes Verhalten
verglichen mit dem in anderen wasserlöslichen organischen Lösungsmitteln zeigen, wurde
bereits für eine Vielzahl von Enzymen beschrieben [Pazhang et al., 2006, Azevedo et al.,
2001]. Hierbei wurde von einem geringeren inhibierenden Potential von DMSO in Kombina-
tion mit Enzymen ausgegangen. Dieses wurde auf spezielle Interaktionen zwischen DMSO
und den proteinogenen Aminosäuren zurückgeführt, was in der Folge eine Konformations-
änderung des Enzyms hervorruft und so zu dessen erhöhter Flexibilität führt, die wiederum
eine erhöhte Aktivität bzw. einen geringeren Aktivitätsverlust in DMSO verursacht [Pazhang
et al., 2006]. Aufgrund unzureichender Strukturinformationen der SH bleiben genauere Aus-
sagen über mögliche Ursachen für die beobachteten geringen Aktivitäten in den untersuchten
Lösungsmitteln jedoch offen. Des Weiteren existieren keine Vergleichsdaten für die Aktivität
der SH in den analysierten Lösungsmitteln, da entsprechende Untersuchungen der SH bislang
nicht vorgenommen wurden.
Ergebnisse und Diskussion 50
Einfluss von wasserunlöslichen organischen Lösungsmitteln
Zur Bestimmung des Einflusses von wasserunlöslichen organischen Lösungsmitteln auf die
Aktivität der SH wurden MTBE (logP 1,0), Toluol (logP 2,5) und n-Heptan (logP 4,0) ausge-
wählt, wobei diese funktionelle Unterschiede aufweisen sowie verschiedene Wasserlöslich-
keiten besitzen (Wasserlöslichkeiten: MTBE 42 g L-1, Toluol 0,5 g L-1, n-Heptan 0,1 g L-1).
Die Untersuchungen berücksichtigten dabei einzig den Einfluss der molekularen Toxizität des
jeweiligen Lösungsmittels, nicht aber die Grenzflächentoxizität. Dazu genügte die alleinige
Sättigung des Puffers mit dem Lösungsmittel, wodurch ein monophasiges Reaktionssystem
erhalten blieb. Die SH zeigte in jedem der drei untersuchten Lösungsmittel eine Verringerung
ihrer maximalen, in reinem Puffer gemessenen Aktivität (Abbildung 3.5). Am deutlichsten
war dieser Effekt bei der Sättigung des verwendeten Puffers mit Toluol zu sehen. Hierbei
verlor die SH 45 % ihrer ursprünglichen Aktivität. In MTBE und n-Heptan hingegen betrug
der Aktivitätsverlust 19 bzw. 22 %.
reiner Puffer MTBE Toluol n-Heptan
0
10
20
30
40
Aktivität [U mg-1]
Abbildung 3.5 Einfluss von MTBE, Toluol und n-Heptan auf die SH-Aktivität. [Sättigung
des Puffers mit Lösungsmittel, 0,05 M Tris/HCl-Puffer (pH 8,0), 35 °C, 1 mM NAD+, 1 µM
FMN]
Aufgrund dieser Resultate lässt sich schlussfolgern, dass der deaktivierende Einfluss der
untersuchten Lösungsmittel nicht auf die Stärke der Wasserlöslichkeit der gewählten Medien
zurückzuführen ist. Anderenfalls hätte die Enzymaktivität von MTBE hin zu n-Heptan
zunehmen müssen, da n-Heptan die geringste Wasserlöslichkeit besitzt. Vielmehr ließen sich
Ergebnisse und Diskussion 51
die erhaltenen Ergebnisse auf die Funktionalität der untersuchten Lösemittel zurückführen,
wobei auch in diesem Fall keine genauen Ursachen angegeben werden können, da nur
unzureichende Strukturinformationen der SH existieren. Im Weiteren kann kein Vergleich mit
Literaturdaten vorgenommen werden, da entsprechende Vergleichsinformationen für die SH
bislang nicht vorliegen.
Einfluss von ionischen Flüssigkeiten
Ionische Flüssigkeiten (ionic liquids (ILs)) sind sogenannte flüssige Salze, die genauso wie
organische Lösungsmittel löslichkeitsvermittelnde Eigenschaften besitzen, weshalb sie bereits
bei einer Vielzahl biokatalytischer Reaktionen zur Erhöhung der Substrat- bzw. Produktlös-
lichkeit Einsatz fanden [Roosen et al., 2008, Van Rantwijk und Sheldon, 2007, Kragl et al.,
2002, Sheldon et al., 2002]. Darüber hinaus gelten sie als umweltfreundliche Alternative ver-
glichen mit den herkömmlich eingesetzten organischen Lösungsmitteln. Bei den untersuchten
ILs handelte es sich um AmmoengTM 101, [BMIM][BF4], [BMIM][OTf], [EMIM][EtSO4],
[HMIM][Cl] und [MTEOA][MeSO4], die alle vollständig wasserlöslich sind. Die untersuch-
ten Konzentrationen im Reaktionsansatz betrugen 2,5, 5 und 10 % (v/v). Wie in Abbildung
3.6 gezeigt ist, gehen von den analysierten ILs unterschiedliche, deaktivierende Einflüsse auf
die SH aus. Demnach zeigte die SH in Gegenwart von 2,5 % (v/v) [BMIM][BF4] und
[EMIM][EtSO4] noch immer 92 bzw. 94 % ihrer maximalen, in reinem Puffer ermittelten
Aktivität. In 2,5 % (v/v) AmmoengTM 101 und [HMIM][Cl] betrug die Restaktivität der SH
dagegen lediglich 50 bzw. 43 % ihrer maximalen Aktivität. Eine Erhöhung der IL-Konzentra-
tion auf 5 und 10 % (v/v) führte folglich zu einer weiteren Inaktivierung der SH. So ließen
sich bei Zugabe von je 10 % (v/v) [BMIM][BF4], [BMIM][OTf] und [HMIM][Cl] nur noch
Restaktivitäten von 1, 1 bzw. 0,2 % bestimmen, wohingegen die SH in Gegenwart von 10 %
[MTEOA][MeSO4] immer noch 62 % ihrer ursprünglichen Aktivität besaß.
Ergebnisse und Diskussion 52
AmmoengTM 101
[BMIM][BF4]
[BMIM][OTf]
[EMIM][EtSO4]
[HMIM][Cl]
[MTEOA][MeSO4]
0
10
20
30
40
Aktivität [U mg-1]
0 % IL
2,5 % IL
5 % IL
10 % IL
Abbildung 3.6 Einfluss von 2,5, 5 und 10 % (v/v) verschiedener ILs auf die SH-Aktivität.
[IL-Konzentrationen wie angegeben, 0,05 M Tris/HCl-Puffer (pH 8,0), 35 °C, 1 mM NAD+,
1 µM FMN]
Die erhaltenen Ergebnisse stimmen mit Literaturdaten überein, in denen die Deaktivierung
einer Vielzahl von Enzymen in Gegenwart von ILs beschrieben wurde [Nakashima et al.,
2006, Turner et al., 2003, Sheldon et al., 2002, Erbeldinger et al., 2000]. Dabei stellt die
Polarität der ILs einen häufig diskutierten Aspekt bei deren Einfluss auf die Enzymaktivität
dar. In diesem Zusammenhang werden ILs als moderat polar - analog zu kurzkettigen Alko-
holen - eingeordnet [Zhao, 2010]. Des Weiteren können ILs ähnlich wie polare organische
Lösungsmittel in Wechselwirkung mit der Tertiärstruktur des Enzyms treten und dadurch
schließlich zu einer Konformationsänderung, die mit einer Deaktivierung des Proteins
einhergeht, führen [Kragl et al., 2002]. Für einen direkten Vergleich der ermittelten SH-
Aktivitäten in den untersuchten ILs existieren bisher keine entsprechenden Literaturdaten.
Einfluss von Additiven
Basierend auf früheren Studien, in denen eine Aktivierung der SH in Gegenwart von
Reduktionsäquivalenten beschrieben wurde, erfolgte die Untersuchung der SH-Aktivität in
Abhängigkeit von verschiedenen Additiven [Schneider und Schlegel, 1976]. Dabei galt es,
Ergebnisse und Diskussion 53
mögliche enzymaktivierende bzw. -deaktivierende Effekte dieser Reagenzien zu ermitteln.
Bei den gewählten Zusätzen handelte es sich um den SH-Cofaktor FMN, Reduktionsäquiva-
lente wie DTT, TCEP und Ascorbinsäure, sowie Glycerin und PEG400. Die ausgewählten
Additive wurden in definierten Konzentrationen zum Reaktionsansatz gegeben. Die dabei
ermittelten Enzymaktivitäten sind in Abbildung 3.7 dargestellt.
00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10
0
10
20
30
40
Aktivit [U mg-1]
Abbildung 3.7 Einfluss von verschiedenen Additiven auf die SH-Aktivität. [00- ohne
Additive, 01- 1 µM FMN, 02- 3 µM FMN, 03- 0,5 mM DTT, 04- 1 mM DTT, 05- 0,5 mM
TCEP, 06- 0,2 M Ascorbinsäure, 07- 0,05 M PEG400, 08- 0,05 M Glycerin, 09- 0,1 M
Glycerin, 10- 0,25 M Glycerin; 0,05 M Tris/HCl-Puffer (pH 8,0), 35 °C, 1 mM NAD+]
Es zeigte sich, dass die Zugabe von 1 und 3 µM FMN zu einer Aktivierung der SH um 20
bzw. 24 % führt, wie es auch von Schneider und Schlegel in früheren Untersuchungen gezeigt
wurde [Schneider und Schlegel, 1976]. Die beobachtete Enzymaktivierung durch die Zugabe
von FMN ist darauf zurückzuführen, dass die SH durch NADH, das während der Reaktion
entsteht, in ihren reduzierten Zustand überführt wird und dabei an der HoxY-Untereinheit
nicht kovalent gebundenes FMN-a verliert. In der Folge sinkt die Aktivität der SH, da es zu
einer Hinderung der Elektronenübertragung kommt [Lauterbach et al., 2011, Van der Linden
et al., 2004b]. Somit verhindert die Zugabe von FMN diese Inaktivierung der SH infolge der
Wiederherstellung der uneingeschränkten Elektronenübertragung zwischen dem Hydrogena-
se- und Diaphorasedimer. Die Anwesenheit von DTT führte genauso wie FMN zu einer
Aktivierung der SH. In diesem Fall betrug der Aktivitätsgewinn bei einer Konzentration von
Ergebnisse und Diskussion 54
0,5 mM 22 % und bei einer Konzentration von 1 mM lediglich 8 %, was zeigt, dass die
Zugabe höherer Konzentrationen von Reduktionsäquivalenten die Aktivierung der SH stören
kann. DTT ist in diesem Zusammenhang für die Überführung der SH in ihren reduzierten
Zustand verantwortlich, der laut Schneider und Schlegel die aktivierte Enzymform darstellt
[Schneider und Schlegel, 1976]. Dem entsprechend sollte TCEP einen vergleichbaren Effekt
nach sich ziehen, wie auch beobachtet wurde, da die SH in Gegenwart einer 0,5 mM
Konzentration eine um 15 % erhöhte Aktivität verglichen mit der in reinem Puffer zeigte. Die
Zugabe von 0,2 M Ascorbinsäure führte dagegen zu einer Abnahme der SH-Aktivität um 11
%, was nicht erwartet wurde, da dieses Reagenz ebenfalls dem Oxidationsschutz des Enzyms
dient und folglich ein ähnliches Resultat wie bei der Zugabe von DTT und TCEP erwartet
wurde. Dem gegenüber wurden in Anwesenheit des Polymers PEG400 sowie unterschiedlicher
Konzentrationen von Glycerin keine veränderten Enzymaktivitäten ermittelt.
3.1.2 Abhängigkeit der Stabilität der SH von verschiedenen isolierten
Einflüssen
Die Untersuchung der Stabilität der SH in Abhängigkeit von verschiedenen isolierten Ein-
flüssen erfolgte anhand der Bestimmung der Abnahme der Enzymaktivität über die Zeit bei
definierten Inkubationsbedingungen. Daraus ließ sich die Halbwertszeit des Enzyms
berechnen. Die Temperatur sowie der pH-Wert während der Inkubation der SH entsprachen
stets dem in Kapitel 3.1.1 ermittelten Temperatur- und pH-Optimum von 35 °C und pH 8,0
unter Verwendung eines 0,05 M Tris/HCl-Puffers.
Temperaturstabilität
Die Untersuchung der Stabilität der SH in Abhängigkeit von der Temperatur erfolgte
zwischen 4 und 45 °C. Hierbei zeigte sich eine hohe Temperatursensitivität des Enzyms (Ab-
bildung 3.8). So konnte eine maximale Halbwertszeit von 48,5 (± 4,4) h bei einer Inkuba-
tionstemperatur von 4 °C ermittelt werden. Bei ihrem Aktivitätsoptimum von 35 °C betrug
die Halbwertszeit der SH dagegen nur noch 5,3 (± 0,7) h. Die weitere Erhöhung der
Inkubationstemperatur um 10 °C auf 45 °C führte nochmals zu einem 5-fachen Stabilitäts-
verlust (t1/2: 1,0 (± 0,1) h). Da bisher keine entsprechenden Untersuchungen der Temperatur-
stabilität der SH erfolgten, ist ein Vergleich mit Literaturdaten nicht möglich.
Ergebnisse und Diskussion 55
4 15253545
0
10
20
30
40
50
60
Halbwertszeit [h]
Temperatur [°C]
Abbildung 3.8 Abhängigkeit der Halbwertszeit der SH von der Temperatur. [Temperatur wie
angegeben, 0,05 M Tris/HCl-Puffer (pH 8,0)]
Basierend auf den erhaltenen Ergebnissen sollte die hohe Sensitivität der SH gegenüber hohen
Temperaturen bei technischen Anwendungen Berücksichtigung finden bzw. gegebenenfalls
eine Anpassung des Enzyms mittels einer geeigneten Stabilisierungsmethode erfolgen.
pH-Stabilität
Die Untersuchung der pH-Stabilität der SH erfolgte in einem Bereich zwischen pH 7,0 und
9,0. Die Ergebnisse dieser Messungen ergaben eine starke Abhängigkeit der Halbwertszeit
der SH vom pH-Wert (Abbildung 3.9). So führte die Verringerung des pH-Wertes von 8,0 auf
7,0 zu einer deutlichen Erhöhung der Halbwertszeit von 5,3 (± 0,7) h auf 16,1 (± 0,5) h,
wohingegen das Enzym bei der Erhöhung des pH-Wertes auf 9,0 eine klare Abnahme seiner
Halbwertszeit auf 0,5 (± 0,0) h zeigte. Auch für diese Ergebnisse existieren bislang noch
keine entsprechenden Vergleichsdaten.
Ergebnisse und Diskussion 56
7,0 7,5 8,0 8,5 9,0
0
2
4
6
8
10
12
14
16
18
Halbwertszeit [h]
pH-Wert [-]
Abbildung 3.9 Abhängigkeit der Halbwertszeit der SH vom pH-Wert. [pH-Wert wie
angegeben, 0,05 M Tris/HCl-Puffer, 35 °C]
Hinsichtlich eines technischen Einsatzes sollte demnach kein pH größer als 8,0 gewählt
werden, sondern ein pH im Bereich zwischen 7,0 und 8,0. Anderenfalls sollte eine Anpassung
des Enzyms durch eine geeignete Stabilisierungsstrategie erfolgen.
Salzstabilität
Die Untersuchung der SH-Stabilität in Gegenwart verschiedener Salzionen erfolgte über die
Zugabe einer je 0,1 M Konzentration der folgenden Salze zum Inkubationsansatz: NaCl,
Na2SO4, Na2HPO4, KCl, K2SO4, K2HPO4, (NH4)Cl, (NH4)2SO4, (NH4)2HPO4. Dabei zeigte
sich, dass die Stabilität der SH in Anwesenheit von Phosphationen sinkt, da die Zugabe aller
drei phosphathaltigen Salze zu verringerten Halbwertszeiten führte (Abbildung 3.10). Dem-
nach betrug die Halbwertszeit der SH 3,3 (± 0,3) h in 0,1 M Na2HPO4-Lösung, 4,5 (± 0,3) h
in 0,1 M K2HPO4-Lösung und 3,7 (± 0,4) h in 0,1 M (NH4)2HPO4-Lösung, was verglichen
mit der Halbwertszeit in reinem Puffer (5,3 (± 0,7) h) einem Stabilitätsverlust um bis zu 38 %
entspricht. Im Gegensatz dazu führte die Zugabe von Sulfatsalzen zu einer Stabilisierung des
Enzyms, da die Halbwertszeit der SH 6,5 (± 0,6) h in 0,1 M K2SO4-Lösung und 6,9 (± 0,2) h
in 0,1 M (NH4)2SO4-Lösung betrug, was einer Stabilitätserhöhung um 23 bzw. 30 % ent-
spricht. Diese Beobachtung korreliert mit früheren Untersuchungen von Schneider und
Schlegel, die ebenfalls eine 25 %-ige Stabilitätserhöhung der SH in Gegenwart von
Ergebnisse und Diskussion 57
(NH4)2SO4 beschrieben [Schneider und Schlegel, 1976]. Des Weiteren wurde der stabilisie-
rende Effekt von (NH4)2SO4 auch bei einer Reihe anderer Enzyme beobachtet [Schmid,
1979].
reiner Puffer
NaCl
Na2SO4
Na2HPO4
KCl
K2SO4
K2HPO4
NH4Cl
(NH4)2SO4
(NH4)2HPO4
0
1
2
3
4
5
6
7
8
Halbwertszeit [h]
Abbildung 3.10 Einfluss verschiedener Salze auf die Halbwertszeit der SH. [0,1 M
Salzkonzentration, 0,05 M Tris/HCl-Puffer (pH 8,0), 35 °C]
Auf Basis der erhaltenen Resultate für die SH-Stabilität in Gegenwart von verschiedenen
Salzionen sollte bei technischen Anwendungen der SH der Zusatz von Phosphatsalzen ver-
mieden werden, wohingegen Sulfatsalze aufgrund der beobachteten stabilisierenden Effekte
bevorzugt Einsatz finden können.
Lösungsmittelstabilität (wasserlösliche Lösungsmittel)
Zur Analyse der SH-Stabilität in Gegenwart von wasserlöslichen organischen Lösungsmitteln
wurden je 10 % (v/v) DMF, DMSO und Isopropanol zum Inkubationsansatz gegeben. Auf
eine Erhöhung der Lösungsmittelkonzentration auf 25 % (v/v) wurde hierbei verzichtet, da
die Untersuchung der SH-Aktivität in Gegenwart dieser Lösungsmittelkonzentration eine
starke Inaktivierung der SH ergab (Kapitel 3.1.1), so dass im Vorfeld bereits von einer zu
rapiden und nicht mehr erfassbaren Deaktivierung des Enzyms unter diesen Bedingungen aus-
gegangen werden konnte.
Ergebnisse und Diskussion 58
Die Messungen der Halbwertszeit der SH in Gegenwart der gewählten Lösungsmittel zeigten,
dass jedes der drei eingesetzten Lösungsmittel zu einer rapiden Deaktivierung der SH führt
(Abbildung 3.11).
reiner Puffer DMF DMSO Isopropanol
0
1
2
3
4
5
6
7
Halbwertszeit [h]
Abbildung 3.11 Einfluss von 10 % (v/v) DMF, DMSO und Isopropanol auf die Halbwertszeit
der SH. [Lösungsmittelkonzentration wie angegeben, 0,05 M Tris/ HCl-Puffer (pH 8,0),
35 °C]
Die höchste Halbwertszeit von 1,0 (± 0,0) h wurde dabei in DMSO ermittelt, was verglichen
mit der Halbwertszeit ohne Zugabe eines Cosolvents (5,3 (± 0,7) h) einer Stabilitätsver-
ringerung um 81 % entspricht. Die Anwesenheit von 10 % (v/v) DMF und Isopropanol führte
in beiden Fällen zu einer Halbwertszeit von nur 0,1 (± 0,0) h und somit zu einer Destabilisie-
rung der SH um 98 %. Ein Vergleich der erhaltenen Resultate mit Literaturdaten ist nicht
möglich, da bisher keine entsprechenden Untersuchungen erfolgten.
Im Allgemeinen wurde die rapide Deaktivierung von Enzymen in Gegenwart von organischen
Lösungsmitteln bisher für eine Vielzahl von Enzymen beschrieben [Mattos und Ringe, 2001,
Halling, 1990, Hahn-Hägerdal, 1986]. Als Ursache dafür gilt häufig die Entfaltung der dreidi-
mensionalen Proteinstruktur in Folge der Veränderung der lokalen Umgebung des aktiven
Zentrums des Enzyms [Knubovets et al., 1999, Schiffer und Dötsch, 1996]. Im speziellen Fall
der SH könnte zudem eine Aufhebung der Quartärstruktur im Zuge des Proteinzerfalls in
seine einzelnen Untereinheiten die Inaktivierung des Enzyms hervorrufen. Genauere Aussa-
Ergebnisse und Diskussion 59
gen sind jedoch aufgrund der bislang unzureichenden Strukturinformationen der SH nicht zu
treffen. Hinsichtlich einer technischen Anwendung der SH in wässrigen Lösungsmittel-
systemen erwiesen sich die betrachteten Lösungsmittel als ungeeignet, woraus der Bedarf
einer Stabilisierung des Enzyms gegenüber den beobachteten deaktivierenden Einflüssen der
untersuchten Medien erwächst.
Lösungsmittelstabilität (wasserunlösliche Lösungsmittel)
Entsprechend der Aktivitätsuntersuchungen in Abhängigkeit von wasserunlöslichen organi-
schen Lösungsmitteln (Kapitel 3.1.1) erfolgte die Analyse der SH-Stabilität ebenfalls durch
die jeweilige Sättigung des verwendeten Inkubationspuffers mit MTBE, Toluol bzw. n-
Heptan. Hiebei verringerte sich die Halbwertszeit der SH von 5,3 (± 0,7) h in reinem Puffer
auf bis zu 0,4 (± 0,0) h in MTBE-gesättigtem Puffer, was einem Stabilitätsverlust von 92 %
entspricht (Abbildung 3.12).
reiner Puffer MTBE Toluol n-Heptan
0
1
2
3
4
5
6
7
Halbwertszeit [h]
Abbildung 3.12 Einfluss von MTBE, Toluol und n-Heptan auf die Halbwertszeit der SH.
[Sättigung des Puffers mit Lösungsmittel, 0,05 M Tris/HCl-Puffer (pH 8,0), 35 °C]
In dem mit Toluol bzw. n-Heptan gesättigtem Puffer betrug die Halbwertszeit der SH dagegen
3,6 (± 0,3) bzw. sogar 4,5 (± 0,5) h, was einer Verringerung der Stabilität um nur 32 bzw. 15
% gleichkommt. Auch im Rahmen dieser Untersuchungen ist kein Vergleich mit früheren
Studien möglich, da diese für die SH bislang nicht durchgeführt wurden.
Ergebnisse und Diskussion 60
Im Allgemeinen deuten die beobachteten Tendenzen für den Einfluss von wasserunlöslichen
organischen Lösungsmitteln auf die Halbwertszeit der SH auf eine Abhängigkeit der Enzym-
stabilität von der Wasserlöslichkeit des eingesetzten Lösungsmittels hin. So handelt es sich
bei MTBE um das Lösungsmittel mit der höchsten Wasserlöslichkeit (42 g L-1), welches
infolge des stark ausgeprägten Kontaktes mit dem Enzym zu dessen rapider Deaktivierung
führt. Im Gegensatz dazu besitzt n-Heptan die geringste Wasserlöslichkeit (0,1 g L-1). Somit
kommt es im Fall von n-Heptan zur schwächsten Wechselwirkung mit der SH, was wiederum
die nur geringfügige Deaktivierung der SH in diesem Lösungsmittelsystem zur Folge hat.
Basierend auf diesen Resultaten gilt es für technische Anwendungen der SH in vergleichbaren
Lösungsmittelsystemen mittels einer geeigneten Stabilisierungsmethode die Stabilität der SH
in diesen Medien zu erhöhen.
IL-Stabilität
Die Untersuchung der SH-Stabilität in ILs erfolgte analog zu den Aktivitätsmessungen
(Kapitel 3.1.1) durch die Zugabe verschiedener Konzentrationen (2,5, 5 und 10 % (v/v)) der
folgenden ILs zum Inkubationspuffer: AmmoengTM 101, [BMIM][BF4], [BMIM][OTf],
[EMIM][EtSO4], [HMIM][Cl] und [MTEOA][MeSO4]. Dabei zeigte die SH in allen unter-
suchten ILs mit Ausnahme von [MTEOA][MeSO4] deutlich verringerte Halbwertszeiten ver-
glichen mit der in reinem Puffer (5,3 (± 0,7) h), wie in Abbildung 3.13 dargestellt ist. So ließ
sich bei einer IL-Konzentration von 10 % (v/v) nur noch in [MTEOA][MeSO4] eine Halb-
wertszeit der SH ermitteln. Diese betrug in diesem Fall 0,9 (± 0,2) h. Alle anderen untersuch-
ten ILs führten bei dieser Konzentration zu einer vollständigen und nicht mehr messbaren
Deaktivierung der SH. In Gegenwart von 5 % (v/v) der gewählten ILs zeigte die SH neben
[MTEOA][MeSO4] des Weiteren in [EMIM][EtSO4] eine noch erfassbare Halbwertszeit, die
in [MTEOA][MeSO4] 1,8 (± 0,7) h und in [EMIM][EtSO4] 0,5 0,1) h betrug. Wurden
2,5 % (v/v) dieser beiden ILs zum Inkubationsansatz gegeben, besaß die SH eine Halbwerts-
zeit von 7,1 (± 0,8) bzw. 0,9 (± 0,1) h, was im Fall von [MTEOA][MeSO4] sogar einer
erhöhten Halbwertszeit der SH verglichen mit der in reinem Puffer entspricht. Somit führten
geringe Konzentrationen von [MTEOA][MeSO4] zu einer Stabilisierung der SH. Da auch im
Bereich der SH-Stabilität in ILs keine Literaturdaten vorhanden sind, kann kein Vergleich der
erhaltenen Ergebnisse vorgenommen werden.
Ergebnisse und Diskussion 61
AmmoengTM 101
[BMIM][BF4]
[BMIM][OTf]
[EMIM][EtSO4]
[HMIM][Cl]
[MTEOA][MeSO4]
0
1
2
3
4
5
6
7
8
Halbwertszeit [h]
0 % IL
2,5 % IL
5 % IL
10 % IL
Abbildung 3.13 Einfluss von 2,5, 5 und 10 % (v/v) verschiedener ILs auf die Halbwertszeit
der SH. [IL-Konzentrationen wie angegeben, 0,05 M Tris/HCl-Puffer (pH 8,0), 35 °C]
Da die Untersuchung der SH-Stabilität in Abhängigkeit von Salzen einen stabilisierenden
Effekt für Sulfationen ergab (Kapitel 3.1.2), könnten die erhöhten Halbwertszeiten der SH im
Fall von [MTEOA][MeSO4] und [EMIM][EtSO4] ebenfalls auf die bei diesen ILs vorliegen-
den Sulfationen zurückzuführen sein. Aufgrund dessen sollten in technischen Anwendungen,
in denen Löslichkeitsvermittler wie ILs benötigt werden, bevorzugt sulfatenthaltende ILs wie
[MTEOA][MeSO4] in Kombination mit der SH eingesetzt werden. Weiterhin gilt diese IL als
gesundheitlich unbedenklich und umweltschonend, da sie biologisch abbaubar ist
[Wasserscheid und Welton, 2008].
Stabilität in Gegenwart von Additiven
In Analogie zu den Aktivitätsuntersuchungen für die SH in Abhängigkeit von verschiedenen
Additiven (Kapitel 3.1.1) erfolgte eine entsprechende Analyse der SH-Stabilität. In dieser galt
es, mögliche enzymdestabilisierende bzw. -stabilisierende Effekte durch den Zusatz verschie-
dener Additive zu ermitteln. Dazu wurden definierte Konzentrationen der folgenden Additive
zum Inkubationsansatz gegeben: FMN, Kaliumhexacyanoferrat, PEG400 und Glycerin. Von
PEG und Glycerin gingen hierbei bereits bei einer Reihe von Enzymen stabilisierende Effekte
Ergebnisse und Diskussion 62
aus [Iyer und Ananthanarayan, 2008, Schmid, 1979]. Bei Kaliumhexacyanoferrat handelt es
sich dagegen um ein schwaches Oxidationsmittel, welches die SH in ihre oxidierte und nach
Schneider und Schlegel stabilisierte Enzymform überführen sollte [Schneider und Schlegel,
1976].
Wie in Abbildung 3.14 dargestellt ist, zeigte die SH in Gegenwart von 1 µM FMN und
0,25 M Kaliumhexacyanoferrat eine Halbwertszeit von 4,8 (± 0,2) bzw. 1,6 (± 0,1) h, was
verglichen mit ihrer Halbwertszeit ohne den Zusatz eines Additivs (5,3 (± 0,7) h) einer
Stabilitätsabnahme um 9 bzw. 70 % entspricht. Im Gegensatz dazu führte die Zugabe von
PEG400 zu einer geringfügigen Erhöhung der Halbwertszeit um 25 % auf 6,6 (± 0,9) h. Ein
ähnliches Verhalten zeigte die SH in Anwesenheit verschiedener Konzentrationen von Glyce-
rin, wobei bei einer Glycerinkonzentration von 0,1 M eine erhöhte Halbwertszeit von bis zu
7,4 (± 0,3) h bestimmt wurde. Ein Vergleich dieser Ergebnisse mit entsprechenden Literatur-
daten ist an dieser Stelle nicht möglich, da entsprechende Untersuchungen bislang noch nicht
durchgeführt wurden.
00 01 02 03 04 05 06
0
1
2
3
4
5
6
7
8
Halbwertszeit [h]
Abbildung 3.14 Einfluss von verschiedenen Additiven auf die Halbwertszeit der SH. [00-
ohne Additive, 01- 1 µM FMN, 02- 0,25 M Kaliumhexacyanoferrat, 03- 0,05 M PEG400, 04-
0,05 M Glycerin, 05- 0,1 M Glycerin, 06- 0,25 M Glycerin; 0,05 M Tris/HCl-Puffer (pH 8,0),
35 °C]
Ergebnisse und Diskussion 63
Basierend auf den ermittelten Ergebnissen konnte im Fall des Oxidationsmittels Kaliumhexa-
cyanoferrat keine zusätzliche Oxidation und somit Stabilisierung der SH erzielt werden. Die
Zugabe dieser oxidierenden Komponente führte vielmehr zu einer deutlichen Erhöhung der
Deaktivierungsrate der SH. Möglicherweise lag die SH vor der Zugabe von Kaliumhexa-
cyanoferrat schon weitestgehend oxidiert vor, so dass dessen Gegenwart zu einer divergenten
Deaktivierung der SH führte. Auch die Zugabe von FMN zeigte keinen stabilisierenden
Einfluss auf die SH. Lediglich der Zusatz des Polymers PEG400 sowie die Anwesenheit von
Glycerin stabilisierten die SH, was mit Literaturdaten korreliert, in denen der stabilisierende
Effekt durch die Zugabe von PEG und Glycerin für zahlreiche Enzyme beschrieben wurde
[Iyer und Ananthanarayan, 2008, Schmid, 1979].
Aufgrund der gezeigten Resultate erweist sich der Zusatz von PEG-Polymeren und Glycerin
in technischen Anwendungen der SH als geeignet. Auf die Zugabe von Oxidationsmittel wie
Kaliumhexacyanoferrat zum Reaktionssystem sollte dagegen verzichtet werden.
Mechanische Stabilität
Da in technischen Anwendungen von Enzymen eine Durchmischung des Reaktionssystems
unerlässlich ist, wurde die SH unter mechanischer Beanspruchung in Form von Scherkräften
untersucht. Die Stabilitätsmessungen erfolgten zum einen unter Verwendung verschiedener
Rührertypen und zum anderen bei variierenden Rührgeschwindigkeiten. Hierzu wurden ein
KPG-Rührer sowie ein Magnetrührer ausgewählt und deren Einfluss auf die Halbwertszeit der
SH bestimmt. Die Rührgeschwindigkeit betrug dabei zunächst 400 Upm bei beiden Rührer-
typen und wurde dann im Fall des Magnetrührers in einer zusätzlichen Messung auf 800 Upm
erhöht. Dabei zeigte die SH eine deutlich verringerte Stabilität, wenn der Inkubationsansatz
bei 400 Upm gerührt wurde (Abbildung 3.15). Die Rührerform hatte dagegen keinen Einfluss
auf die SH-Stabilität, da die Halbwertszeit der SH beim Einsatz eines KPG-Rührers bei einer
Rührgeschwindigkeit von 400 Upm 1,8 (± 0,1) h betrug und im Fall des Magnetrührers eine
vergleichbare Halbwertszeit von 1,9 (± 0,1) h erhalten wurde. Verglichen mit der Enzym-
stabilität ohne eine mechanische Beanspruchung in Form von Scherkräften (5,3 (± 0,7) h)
betrug die Verringerung der Stabilität in beiden Fällen etwa 65 %. Wurde die Rührgeschwin-
digkeit weiter auf 800 Upm erhöht, kam es wie erwartet zu einer weiteren Abnahme der
Halbwertszeit der SH auf nur 0,8 (± 0,1) h, was einem Stabilitätsverlust von insgesamt 85 %
Ergebnisse und Diskussion 64
entspricht. Auch im Bereich der SH-Stabilität in Abhängigkeit von mechanischer
Beanspruchung existieren bislang noch keine Literaturdaten, die einen Vergleich der
erhaltenen Ergebnisse erlauben.
00 01 02 03
0
1
2
3
4
5
6
7
Halbwertszeit [h]
Abbildung 3.15 Einfluss von mechanischer Beanspruchung auf die Halbwertszeit der SH.
[00- ohne Rühren, 01-KPG- Rührer (400 Upm), 02- Magnetrührer (400 Upm), 03- Magnet-
rührer (800 Upm); 0,05 M Tris/HCl-Puffer (pH 8,0), 35 °C]
Eine der möglichen Ursachen für den drastischen Stabilitätsverlust der SH unter Einwirkung
von Scherkräften stellt der Zerfall der SH in ihre einzelnen Untereinheiten dar. Aufgrund der
erhaltenen Ergebnisse ist eine Stabilisierung der SH gegenüber deaktivierender Einflüsse aus-
gehend von Scherkräften unerlässlich, insbesondere in Hinblick auf technische Anwendun-
gen, welche eine Durchmischung des Reaktionssystems erfordern.
3.1.3 Charakterisierung der Aktivität und Stabilität der SH unter
Berücksichtigung der gegenseitigen Beeinflussung von Temperatur und
pH-Wert mittels Design of Experiments
Bei der klassischen Methode zur Untersuchung des Einflusses verschiedener Parameter auf
ein System wird lediglich ein Einflussfaktor variiert, während alle anderen Parameter konstant
gehalten werden, wie auch in Kapitel 3.1.1 und 3.1.2 vorgegangen wurde. Eine effiziente
Alternative für diese Methode stellt das mathematische Verfahren der Versuchsplanung dar,
Ergebnisse und Diskussion 65
welches unter dem Begriff design of experiments (DOE) zusammengefasst wird. Dadurch ist
es möglich, die gegenseitige Wechselwirkung der Einflussparameter des Systems zu unter-
suchen, da jegliche Parameter gleichzeitig variiert werden können. In der Folge werden zuver-
lässige Karten, die sogenannten contour plots und surface plots, erhalten, die die Mess-
ergebnisse präsentieren und zu einem verbesserten Verständnis des untersuchten Systems
führen [Eriksson et al., 2000].
Das allgemeine Vorgehen des DOEs beruht auf der Festlegung eines relevanten Standard-
experiments, das den sogenannten Nullpunkt center point darstellt und um welchen herum in
symmetrischer Weise weitere Experimente durchgeführt werden. Zudem gilt es, zu Beginn
der Untersuchungen das Problem zu formulieren. Dies umfasst die Auswahl der Zielsetzung,
der Einflussfaktoren und der Zielgrößen, sowie des anzuwendenden Modells und des Designs.
Im letzten Schritt erhält man den entsprechenden Versuchsplan, der die Kombinationen der
durchzuführenden Experimente wiedergibt. Abschließend erfolgt die Analyse der Messergeb-
nisse mittels des DOE [Eriksson et al., 2000].
Der zu Beginn festgelegte center point im Rahmen dieser Untersuchung stellte das in Kapitel
3.1.1 ermittelte Temperatur- und pH-Optimum der SH (35 °C, pH 8,0) dar. Bei den unter-
suchten Einflussfaktoren, deren gegenseitige Beeinflussung es zu analysieren galt, handelte es
sich um die Temperatur und den pH-Wert, wohingegen die Enzymaktivität und die Halb-
wertszeit die Zielgrößen darstellten. Beim anzuwendenden Modell wurde das quadratische
gewählt, so dass die Möglichkeit entstand, auch nichtlineare Zusammenhänge zu erfassen.
Der nach dem central composite design erhaltene Versuchsplan für einen Temperaturbereich
zwischen 25 und 45 °C und einem pH-Bereich zwischen 7,0 und 9,0 sowie die für die Aktivi-
täts- und Stabilitätsmessungen erhaltenen Ergebnisse sind in Abbildung 3.16 dargestellt.
Hierbei bestätigte sich nochmals das in Kapitel 3.1.1 erhaltene Aktivitätsoptimums der SH,
welches bei einer Reaktionstemperatur von 35 °C und einem pH-Wert von 8,0 zu finden ist.
Im Gegensatz dazu zeigte die SH ihre geringste Aktivität von 134 U mL-1 bei 25 °C und pH
7,0. Die niedrigste Stabilität der SH wurde dagegen bei 45 °C und pH 9,0 ermittelt, wobei die
Halbwertszeit der SH bei diesen Bedingungen 0,0 h betrug. Dem gegenüber zeigte die SH
ihre maximale Halbwertszeit von 13,9 h innerhalb des untersuchten Messbereichs bei 20,86
°C und pH 8,0.
Ergebnisse und Diskussion 66
Abbildung 3.16 Der nach central composite design erhaltene Versuchsplan mit den Messer-
gebnissen für die Aktivität [in U mL-1] und Halbwertszeit [in h] der SH bei Variation des pH-
Wertes [-] und der Temperatur [in °C]. [Temperatur und pH-Wert wie angegeben, 0,05 M
Tris/HCl-Puffer (pH 8,0), 1 mM NAD+ und 1 µM FMN bei der Reaktion]
Datenanalyse
Zur Analyse der erhaltenen Daten für die Aktivität und Stabilität der SH bei den untersuchten
Faktorkombinationen sowie für die Bewertung der statistischen Berechnungen existieren ver-
schiedene Methoden innerhalb des DOE.
Den ersten Schritt bei der Datenanalyse bildet die Bewertung der erhaltenen Daten in Form
des replicate index. Dabei erhält man einen Überblick über die Reproduzierbarkeit der
ermittelten Messergebnisse [Eriksson et al., 2000]. Der mittels DOE erhaltene replicate index
ist in Abbildung 3.17 dargestellt. Es konnte gezeigt werden, dass die gemessenen Werte so-
wohl für die Aktivität als auch für die Halbwertszeit der SH bei den verschiedenen Faktor-
kombinationen eine hohe Reproduzierbarkeit aufwiesen, da die jeweiligen Werte für den
center point (Proben 9, 10 und 11) dicht beieinander lagen.
Ergebnisse und Diskussion 67
Abbildung 3.17 Der mittels DOE erhaltene replicate index für die Aktivität [in U mL-1] und
Halbwertszeit [in h] der SH.
Zudem gibt der investigation plot in Form eines Balkendiagramms einen zusammenfassenden
Überblick über die generelle Güte der durchgeführten Experimente und zeigt wesentliche
Kriterien der Anwendbarkeit des gewählten Modells auf (Abbildung 3.18). Dazu existieren
vier Indikatoren, die die vier verschiedenen Balken darstellen [Eriksson et al., 2000].
Abbildung 3.18 Der mittels DOE erhaltene investigation plot für die Aktivität und Halb-
wertszeit der SH.
R2 (goodness of fit), die sogenannte Anpassungsgüte, stellt das Maß für die Anpassbarkeit des
Regressionsmodells für die erhaltenen Daten dar. Dieser Wert wird in Kombination mit Q2
(goodness of prediction), der Güte der Vorhersagbarkeit, betrachtet, wobei eine Aussage über
Ergebnisse und Diskussion 68
die Zuverlässigkeit des Modells hinsichtlich der Vorhersage weiterer Experimente getroffen
werden soll. Die model validity, die Modellgültigkeit, weist das gewählte Modell als geeignet
oder ungeeignet aus, wohingegen die reproducibility, die Reproduzierbarkeit, die Güte der ex-
perimentellen Daten zusammenfasst [Eriksson et al., 2000]. Im Fall der Wahl eines zuverläs-
sigen Modells, sollten diese Indikatoren den folgenden Referenzwerten entsprechen:
Tabelle 3.1 Referenzwerte für die vier Indikatoren des investigation plots.
Indikator Referenzwert [-]
R2 – Q2 < 0,2-0,3
Q2 > 0,5
model validity > 0,25
reproducibility > 0,5
Der investigation plot für die Aktivität der SH zeigte, dass sich die experimentellen Ergebnis-
se mit einem Wert nahe 1 für die reproducibility als sehr reproduzierbar einstufen ließen.
Darüber hinaus wiesen sowohl R2 als auch Q2 mit einer Abweichung von 0,18 die statistische
Auswertung als sehr zuverlässig aus. Auch die model validity lag mit einem Wert von 0,51
weit über den mindestens geforderten 0,25. Der investigation plot für die experimentellen
Daten für die Halbwertszeit der SH wies diese ebenfalls als sehr reproduzierbar aus, da
ebenso ein Wert nahe 1 für die Gesamtreproduzierbarkeit erreicht wurde. Bei einem Wert von
0,45 für die model validity zeigte das gewählte Modell eine hohe Gültigkeit. Hinsichtlich der
zugrunde liegenden statistischen Auswertungsmethode für das Untersuchungsobjekt wiesen
sowohl R2 als auch Q2 unabhängig voneinander die Methode als aussagekräftig aus. Ihre
Differenz untereinander ist jedoch 20 % höher als der geforderte maximale Abstand von 0,3.
Betrachtet man die Messergebnisse hinsichtlich möglicher Datenausreißer, so belegt der
deleted studentized residuals plot, dass sich die Daten für die Aktivität der SH innerhalb der
statistischen Bandbreite bewegen, wohingegen sich die Probe 3 bei den Daten für die Halb-
wertszeit der SH als Ausreißer erwies (Abbildung 3.19).
Ergebnisse und Diskussion 69
Abbildung 3.19 Der mittels DOE erhaltene deleted studentized residuals plot für die
Aktivität und Halbwertszeit der SH.
Die Untersuchung der gegenseitigen Wechselwirkung der Einflussgrößen (Temperatur und
pH-Wert) erfolgte mittels des interaction plots, der in Abbildung 3.20 gezeigt ist.
Abbildung 3.20 Der mittels DOE erhaltene interaction plot für die Aktivität [in U mL-1] und
Halbwertszeit [in h] der SH in Abhängigkeit vom pH-Wert [-] und der Temperatur [in °C].
Hiebei wurde deutlich, dass die beiden Parameter Temperatur und pH-Wert bezüglich ihres
Einflusses auf die Enzymaktivität nur geringfügig miteinander wechselwirken bzw. eine sehr
schwach ausgeprägte gegenseitige Beeinflussung bei hohen Temperaturen erfolgt. Das bedeu-
Ergebnisse und Diskussion 70
tet, dass der pH-Wert während der Reaktion bei höheren Temperaturen einen stärkeren Ein-
fluss auf die Aktivität der SH ausübt, als es bei niedrigen Temperaturen der Fall ist. Für die
Stabilität der SH verdeutlichen die Ergebnisse, dass die untersuchten Parameter bei geringe-
ren Temperaturen stärker miteinander wechselwirken. Das heißt, dass der pH-Wert in diesem
Temperaturbereich einen entscheidenden Einfluss auf die Halbwertszeit der SH besitzt. Zu
hohen Temperaturen hin nimmt dieser Einfluss ab, da in diesem Bereich die Temperatur
selbst die bedeutende Relevanz für die Stabilität der SH besitzt.
Um ein verbessertes Verständnis des untersuchten Systems zu erhalten, kann man sich zwei-
bzw. dreidimensionalen Darstellungen der Messergebnisse bedienen, den sogenannte contour
bzw. surface plots. Diese beiden Darstellungsweisen nehmen eine optische Einordnung der
erhaltenen Messergebnisse mit einem Farbcode vor [Eriksson et al., 2000]. Die für die
Aktivität und Stabilität erhaltenen contour plots sind in Abbildung 3.21 dargestellt.
Abbildung 3.21 Der mittels DOE erhaltene contour plot für die Aktivität [in U mL-1] (links)
und Halbwertszeit [in h] (rechts) der SH in Abhängigkeit vom pH-Wert [-] und der Tempera-
tur [in °C].
Wie anhand der contour plots für die Aktivität und Stabilität der SH ersichtlich ist, zeigte die
SH auch im Rahmen der Untersuchungen mittels DOE eine maximale Aktivität in einem Be-
reich um das in Kapitel 3.1.1 bestimmte Aktivitätsoptimum von 35 °C und pH 8,0 herum. Ei-
ne maximale Stabilität der SH war dabei bei tiefen Temperaturen sowie niedrigen pH-Werten
innerhalb des untersuchten Messbereichs zu beobachten, was mit den in Kapitel 3.1.2 erhal-
Ergebnisse und Diskussion 71
tenen Erkenntnissen übereinstimmt. Der surface plot der Messergebnisse stellt diese Effekte
nochmals in dreidimensionaler Form grafisch dar (Abbildung 3.22). Zudem lassen sich an-
hand dieser Darstellung Aussagen über die Anpassung des Modells treffen [Eriksson et al.,
2000]. Diesbezüglich wird deutlich, dass das Verhältnis zwischen den Einflussfaktoren und
der Aktivität der SH dem quadratischen Modell entspricht. Im Gegensatz dazu ist ersichtlich,
dass die Abhängigkeit der Halbwertszeit der SH von den Einflussfaktoren mit dem quadra-
tischen Modell weniger übereinstimmt, da die Fläche eine nur schwache Krümmung aufweist.
Abbildung 3.22 Der mittels DOE erhaltene surface plot für die Aktivität [in U mL-1] (links)
und Halbwertszeit [in h] der SH (rechts) in Abhängigkeit vom pH-Wert [-] und der Tempera-
tur [in °C].
Da anhand des contour und surface plots nur eine grobe Abschätzung der optimalen Bedin-
gungen für eine maximale Enzymaktivität bzw. -stabilität vorgenommen werden kann, wird
sich der sweet spot-Analyse bedient, mit Hilfe welcher eine genaue Bestimmung dieser
Bedingungen erfolgen kann, wie in Abbildung 3.23 dargestellt ist [Eriksson et al., 2000].
Daraus ergab sich im Rahmen der Faktoreneinstellung ein optimaler Arbeitsbereich für eine
maximale Enzymaktivität bei einer Reaktionstemperatur von 35 °C und einem pH-Wert von
8,2. Eine maximale Enzymstabilität wurde hingegen bei einer Temperatur von 25 °C und
einem pH von 7,0 erreicht. Somit befinden sich die mittels des DOE ermittelten Bedingungen
für eine maximale Aktivität bzw. Stabilität der SH in guter Übereinstimmung mit den anhand
Ergebnisse und Diskussion 72
der klassischen Methode erhaltenen Ergebnissen, da diese ebenfalls ein Aktivitätsoptimum
bei 35 °C und pH 8,0 und ein Stabilitätsoptimum bei pH 7,0 sowie bei niedrigen Temperatu-
ren ergaben (Kapitel 3.1.1 und 3.1.2).
Abbildung 3.23 Die sweet spot-Analyse für die Aktivität (links) und Halbwertszeit (rechts)
der SH in Abhängigkeit vom pH-Wert [-] und der Temperatur [in °C].
Zur Ermittlung einer Faktoreneinstellung, die zu einer hohen Enzymaktivität bei einer
gleichzeitig hohen Stabilität der SH führt, wurde sich ebenfalls der sweet spot-Analyse be-
dient. Die dabei erhaltene Darstellung ist in Abbildung 3.24 zu sehen.
Abbildung 3.24 Die sweet spot Analyse für die Aktivität und Halbwertszeit der SH in Ab-
hängigkeit vom pH-Wert [-] und der Temperatur [in °C] bei einer geforderten maximalen
Enzymaktivität und -stabilität.
Ergebnisse und Diskussion 73
Bei einer geforderten Enzymaktivität zwischen 280 und 349,2 U mL-1 und einer Halbwerts-
zeit zwischen 8,5 und 13,9 h ergab sich der in Abbildung 3.24 rot unterlegte Arbeitsbereich,
welcher sich bei einer Temperatur zwischen 27 und 30 °C und einem pH-Wert zwischen 7,4
und 7,9 befindet. Auch die ermittelten Temperatur- und pH-Bereiche für eine geforderte
maximale Aktivität und Stabilität der SH befinden sich in Übereinstimmung mit den in
Kapitel 3.1.1 und 3.1.2 erhaltenen Resultaten, die ebenfalls die Vermeidung von zu hohen
Temperaturen ergaben und nach denen pH-Werte unter 7,0 und über 8,0 vermieden werden
sollten. Für technische Anwendungen der SH sollten demnach Reaktionstemperaturen von
30 °C nicht überschritten werden und pH-Werte in dem ermittelten Bereich zwischen 7,4 und
7,9 gewählt werden.
3.1.4 Zusammenfassung
Zusammenfassend besitzt die SH eine ausgeprägte Sensitivität gegenüber einer Vielzahl der
untersuchten, technisch relevanten Einflussgrößen. In diesem Zusammenhang wurde eine
rapide Deaktivierung der SH bei Temperaturen oberhalb ihres Optimums bei 35 °C sowie bei
pH-Werten über 8,0 beobachtet. Des Weiteren zeigte die SH eine ausgeprägte Inaktivierung
in Gegenwart von Natriumionen, wohingegen Phosphationen zu einer Verringerung der
Enzymstabilität führten. Die Anwesenheit von Sulfatsalzen lieferte hingegen eine geringfügi-
ge Erhöhung der SH-Stabilität. Ein besonders drastischer Aktivitäts- und Stabilitätsverlust der
Hydrogenase wurde in Gegenwart der untersuchten organischen Lösungsmittel DMF, DMSO
und Isopropanol, sowie beim Zusatz der untersuchten ionischen Flüssigkeiten bestimmt.
[MTEOA][MeSO4] bildete dabei eine Ausnahme, da die SH bei Zugabe dieser ionischen
Flüssigkeit bedingt stabilisiert werden konnte. Wurde die SH einer mechanischen Beanspru-
chung ausgesetzt, zeigte das Enzym dagegen abermals eine rapide Deaktivierung.
Aufgrund der erhaltenen Messresultate für die Untersuchung der SH-Aktivität und -Stabilität
unter den verschiedenen Reaktions- und Inkubationsbedingungen sollte dies in technischen
Anwendungen der SH entsprechend berücksichtigt werden. In diesem Zusammenhang sollte
die Reaktionstemperatur nicht oberhalb von 30 °C und der pH zwischen 7,4 und 7,9 liegen, da
in diesem Bereich eine maximal mögliche Enzymaktivität bei einer gleichzeitig maximalen
Enzymstabilität mittels DOE bestimmt wurde. Zudem sollte bei der Verwendung von Salzen
auf die Zugabe von natrium- und phospathaltigen Salzen verzichtet werden und diese durch
Ergebnisse und Diskussion 74
kalium- oder sulphatenthaltende Salze ersetzt werden. Da insbesondere die Zugabe von orga-
nischen Lösungsmitteln sowie von einer Vielzahl der untersuchten ILs zu einer drastischen
Deaktivierung der SH führte, viele technische Anwendungen die Gegenwart dieser Medien
jedoch erfordern, werden im weiteren Verlauf verschiedene Strategien zur Stabilisierung der
SH untersucht.
3.2 Stabilisierung der SH mittels der chemischen Modifizierung mit
Methoxypolyethylenglykol (mPEG)
Polyethylenglykol (PEG) und Derivate wie Methoxypolyethylenglykol (mPEG) zählen zu den
am häufigsten eingesetzten Polymeren für die chemische Modifizierung von Enzymen, da sie
aufgrund ihres amphiphilen Charakters in der Lage sind, sowohl die Löslichkeit von Protei-
nen als auch deren Stabilität in wässrigen und organischen Lösungen zu erhöhen [Ogino und
Ishikawa, 2001, DeSantis und Jones, 1999, Jene et al., 1997]. Die Enzymstabilisierung ist
dabei auf die Interaktion der PEG-Moleküle mit den Aminosäureresten an der Enzymober-
fläche zurückzuführen. Dadurch kommt es zu einer Verringerung der Flexibilität der Protein-
struktur und somit zu einer Stabilisierung der dreidimensionalen Struktur des Enzyms
[Rodriguez-Martinez et al., 2008]. Zudem handelt es sich bei der chemischen Modifizierung
der Proteinoberfläche um eine wenig zeitintensive Methode, bei der es keiner Kenntnis der
Enzymstruktur bedarf [Ó` Fágáin, 2003].
Die chemische Modifizierung mit mPEG sollte der Stabilisierung der SH dienen, insbe-
sondere gegenüber den in Kapitel 3.1 ermittelten Einflussgrößen, die zu einer ausgeprägten
Deaktivierung der SH führten und eine große technische Relevanz besitzen. Dazu zählten die
Gegenwart der untersuchten wassermischbaren organischen Lösungsmittel und zwei der ioni-
schen Flüssigkeiten sowie die mechanische Beanspruchung des Enzyms in Form von Rühren
in rein wässrigen Medien. Die Wahl des Modifizierungsreagenzes mPEG ist dabei mit dem
stabilisierenden Einfluss von PEG zu begründen, der bereits ohne eine Modifizierung der SH
eingeleitet werden konnte (Kapitel 3.1.2). Zudem wurde die chemische Modifizierung der SH
mit mPEG in der Literatur bislang noch nicht beschrieben. Die mPEGylierung der SH erfolgte
anhand der Verwendung von monofunktionalem mPEG, da somit eine unerwünschte Quer-
vernetzung der SH vermieden werden konnte. Bei dem eingesetzten mPEG handelte es sich
Ergebnisse und Diskussion 75
um mPEG2000 mit einer Molekularmasse von 2166 g mol-1 und mPEG5000 mit einer
Molekularmasse von 5166 g mol-1.
3.2.1 Modifizierung der SH mit verschiedenen aktivierten Methoxypolyethylen-
glykolen (mPEGs)
Um eine kovalente Bindung des mPEGs mit den Aminogruppen des Proteins hervorzurufen,
ist eine Aktivierung des mPEGs notwendig. Die Aktivierung beruht dabei auf der Bildung
einer reaktiven Carbonatbindung durch die Reaktion von p-Nitrophenylchloroformat mit der
Hydroxygruppe des mPEGs (Abbildung 3.25).
mPEG
n = 2000, 5000
p
-Nitophenylchloroformat
p-Nitrophenyl-mPEG-carbonat
[aktiviertes mPEG, n = 2000, 5000]
Abbildung 3.25 Aktivierung von mPEG mit p-Nitrophenylchloroformat.
Für die Aktivierungsgrade des eingesetzten mPEG2000 bzw. mPEG5000 wurden 70 bzw. 55 %
bestimmt. Das bedeutet, dass eine vollständige Aktivierung der mPEG-Moleküle nicht
erreicht werden konnte. Der erreichte Aktivierungsgrad sollte jedoch für die Modifizierung
der SH ausreichen.
Der aktivierte p-Nitrophenyl-mPEG-carbonat-Komplex bildet mit Nukleophilen wie den un-
protonierten -Aminofunktionen des Lysins stabile Carbamat-Komplexe unter Abspaltung
von p-Nitrophenol, wie in Abbildung 3.26 dargestellt ist. Als Nebenreaktion findet ebenso die
Hydrolyse der Carbonatbindung statt. Hierbei wird neben dem p-Nitrophenol das eingesetzte
Polymer frei.
Ergebnisse und Diskussion 76
p
-Nitrophenol mPEG
n = 2000, 5000
Enzym Enzym
p
-Nitrophenyl-mPEG-carbonat
[aktiviertes mPEG, n = 2000, 5000]
Enzym-mPEG-carbamatkomplex
NH2
O
OO
OOH
O
OH
OO
O
Me
O2NNO2
Me
NH Me
n
n
n
m
+
+
+
Abbildung 3.26 Modifizierung primärer Aminogruppen mit aktiviertem mPEG.
Der Modifizierungsgrad sowie die verbleibende katalytische Aktivität des modifizierten En-
zyms hängen stark vom Verhältnis zwischen dem Modifizierungsreagenz und dem Enzym ab.
Da es stetig zur Hydrolyse der Carbonatbindung des aktivierten mPEGs kommt, sollte das
Modifizierungsreagenz immer im Überschuss eingesetzt werden [Means und Feeney, 1990].
Aus diesem Grund wurde die Modifizierung der SH bei zwei verschiedenen Enzym-mPEG-
Verhältnissen, 1:500 und 1:1000, getestet. Die Konzentration der SH betrug stets 1,0
mg mL-1. Zur Vermeidung einer unmittelbaren Inaktivierung der SH während der Modifizie-
rung erfolgte diese bei einem pH-Wert von 8,0 in 0,05 M Tris/HCl-Puffer und einer Modifi-
zierungstemperatur von 4 °C. Die Modifizierung wurde über eine Zeitdauer von einer Stunde
unter mäßigem Rühren durchgeführt. Da die Bindung der mPEG-Moleküle an das Enzym zur
Erhöhung des Molekulargewichts des Proteins führt, ließ sich der Erfolg der Modifizierung
mittels SDS-PAGE analysieren (Abbildung 3.27). Das dabei erhaltene SDS-Gel zeigte, dass
sowohl mPEG2000 als auch mPEG5000 an verfügbare Lysinreste an der Oberfläche der SH
gebunden werden konnte. Die Anzahl der kovalent gebundenen mPEG-Moleküle war dabei
nicht bestimmbar. Wie anhand des SDS-Gels jedoch zu sehen ist, scheinen die nieder-
molekulareren Untereinheiten der SH, HoxU (26 kDa), HoxY (23 kDa) und HoxI (18,6 kDa),
größtenteils unmodifiziert vorzuliegen, während an die höhermolekularen Untereinheiten,
HoxF (67 kDa) und HoxH (55 kDa), mPEG-Moleküle kovalent gebunden wurden. Dies
Ergebnisse und Diskussion 77
deutet darauf hin, dass die zahlreichen Lysinreste der drei niedermolekularen Untereinheiten
der SH einer kovalenten Bindung des Modifizierungsregenzes nicht zur Verfügung stehen, da
sie möglicherweise in einer tieferen Proteinregion verdeckt liegen. Zudem lässt sich anhand
der Banden im SDS-Gel erkennen, dass mittels mPEG5000 ein stärkerer Modifizierungsgrad
erreicht werden konnte.
M 01 02 03 04 05 [KDa]
-170
-130
-95
-70
-55
-40
-35
-25
-15
-10
M
M 00 01 02 03 04 [KDa]
-170
-130
-95
-70
-55
-40
-35
-25
-15
-10
M
M 01 02 03 04 05 [KDa]
-170
-130
-95
-70
-55
-40
-35
-25
-15
-10
M
M 00 01 02 03 04 [KDa]
-170
-130
-95
-70
-55
-40
-35
-25
-15
-10
M
Abbildung 3.27 SDS-Gel der SH nach der Modifizierung mit mPEG2000 und mPEG5000 bei ei-
nem Enzym-mPEG-Verhältnis von 1:500 und 1:1000. [00-native, unmodifizierte SH, 01-
modifizierte SH (mPEG2000, 1:500), 02-modifizierte SH (mPEG2000, 1:1000), 03-modifizierte
SH (mPEG5000, 1:500), 04-modifizierte SH (mPEG5000, 1:1000); 0,05 M Tris/HCl-Puffer (pH
8,0), 4 °C]
Die Untersuchung der Enzymaktivität mittels des Standardaktivitätstests zeigte, dass nach der
Modifizierung mit mPEG2000 bei einem Enzym-mPEG-Verhältnis von 1:500 und 1:1000 noch
86,7 (± 4,6) bzw. 84,0 (± 4,0) % der ursprünglichen Aktivität der SH erhalten blieben (Abbil-
dung 3.28). Im Vergleich dazu zeigte die SH nach der Modifizierung mit mPEG5000 bei einem
Enzym-mPEG-Verhältnis von 1:500 und 1:1000 noch 91,0 (± 13,4) bzw. 87,1 (± 2,5) % ihrer
Ausgangsaktivität. Somit scheint die Verwendung von mPEG5000 mit einem geringeren
Aktivitätsverlust während der Modifizierung einherzugehen. Aufgrund dieses Ergebnisses
und des scheinbar höheren Modifizierungsgrades bei dem Einsatz von mPEG5000 erfolgten die
Untersuchungen der Enzymaktivität und -stabilität der modifizierten SH unter Verwendung
von mPEG5000 bei einem Enzym-mPEG-Verhältnis von 1:500.
Ergebnisse und Diskussion 78
00 01 02 03 04
0
20
40
60
80
100
120
Relative Aktivität [%]
Abbildung 3.28 Aktivität der SH nach der Modifizierung mit mPEG2000 und mPEG5000 bei ei-
nem Enzym-mPEG-Verhältnis von 1:500 und 1:1000. [00- native, unmodifizierte SH, 01-
modifizierte SH (mPEG2000, 1:500), 02- modifizierte SH (mPEG2000, 1:1000), 03- modifizierte
SH (mPEG5000, 1:500), 04- modifizierte SH (mPEG5000, 1:1000)]
Neben der Bestimmung der Aktivität der modifizierten SH in rein wässrigen Medien (Kapitel
3.2.1) wurde die Enzymaktivität nach der Modifizierung mit mPEG in Lösungsmittel-Wasser-
Gemischen sowie in IL-Wasser-Gemischen untersucht. Bei den eingesetzten wassermisch-
baren Lösunsgmitteln handelte es sich um DMF, DMSO und Isopropanol, bei den IL-Wasser-
Gemischen um [EMIM][EtSO4] und [MTEOA][MeSO4], da diese beiden ILs die native SH
am wenigsten deaktivierten, wie in Kapitel 3.1.1 gezeigt wurde. Die Aktivitätsmessungen er-
folgten stets bei optimalen Reaktionsbedingungen von 35 °C und pH 8,0 unter Verwendung
eines 0,05 M Tris/HCl-Puffer. Die Lösungsmittelkonzentrationen und die Konzentrationen
der ILs betrugen dabei 10 bzw. 2,5 und 5 % (v/v). Somit konnten die Ergebnisse für die modi-
fizierte SH direkt mit den Resultaten des nativen, unmodifizierten Enzym aus Kapitel 3.1.1
verglichen und hinsichtlich einer Aktivitätserhöhung oder -abnahme bewertet werden.
Aktivität in Lösungsmittel-Wasser-Gemischen
Die Ergebnisse für die Aktivität der modifizierten SH sowie die in Kapitel 3.1.1 ermittelten
Aktivitäten für die native, unmodifizierte SH in 10 % (v/v) DMF, DMSO und Isopropanol
sind in Abbildung 3.29 dargestellt.
Ergebnisse und Diskussion 79
DMF DMSO Isopropanol
0
10
20
30
40
50
60
70
80
Relative Aktivität [%]
native SH
modifizierte SH
Abbildung 3.29 Aktivität der modifizierten SH in 10 % (v/v) DMF, DMSO und Isopropanol
und Vergleich mit der nativen SH. [Lösungsmittelkonzentration wie angegeben, 0,05 M Tris/
HCl-Puffer (pH 8,0), 35 °C, 1 mM NAD+, 1 µM FMN]
Wie zu sehen ist, zeigte die modifizierte SH deutlich höhere relative Aktivitäten in den
untersuchten Lösungsmitteln als das native, unmodifizierte Enzym. Demnach betrug die
Aktivität der modifizierten SH in 10 % (v/v) DMF noch 22,9 (± 3,3) %. Verglichen mit der
nativen SH, die unter den gleichen Bedingungen nur noch 6,7 (± 1,4) % ihrer Aktivität ohne
den Zusatz von Lösungsmitteln zeigte, konnte somit eine 3,4-fache Aktivitätserhöhung erzielt
werden. In 10 % (v/v) DMSO führte die mPEGylierung der SH immerhin noch zu einer 1,4-
fachen Aktivitätserhöhung, da die gemessene Aktivität des modifizierten Enzyms 72,1 (±
2,8) % betrug. In Isopropanol ließ sich die relative Aktivität der SH durch die Modifizierung
mit mPEG von 22,5 (± 4,4) % auf 44,4 (± 6,6) % erhöhen, was einer Verdopplung der
Aktivität entspricht. Folglich scheint die kovalente Bindung des Modifizierungsreagenzes
mPEG an die Proteinoberfläche der SH diese vor einer Denaturierung durch die Gegenwart
von organischen Lösungsmitteln zu schützen. In Übereinstimmung mit diesen Resultaten
wurden vergleichbare Effekte in früheren Untersuchungen mit anderen Enzymen beobachtet.
Hierbei ließ sich die Lösungsmittelaktivität ebenfalls durch die Modifizierung mit PEG-
Derivaten erhöhen [Wu et al., 2001, Basri et al., 1995]. In diesem Zusammenhang wurde die
Erhöhung der Enzymaktivität darauf zurückgeführt, dass infolge der Proteinmodifizierung die
Ergebnisse und Diskussion 80
Entfernung von katalytisch essentiellem Wasser in der Enzymumgebung durch die anwesen-
den organischen Lösungsmittel verhindert wird [Basri et al., 1995].
Aktivität in IL-Wasser-Gemischen
Die Ergebnisse für die Aktivitäten der modifizierten und nativen, unmodifizierten SH zeigen,
dass auch in 2,5 und 5 % (v/v) von [EMIM][EtSO4] und [MTEOA][MeSO4] eine Erhöhung
der Enzymaktivität durch die Modifizierung mit mPEG erreicht werden konnte (Abbildung
3.30).
2,5% [EMIM][EtSO
4
]
5% [EMIM][EtSO
4
]
2,5% [MTEOA][MeSO
4
]
5% [MTEOA][MeSO
4
]
0
20
40
60
80
100
120
140
160
Relative Aktivität [%]
native SH
modifizierte SH
Abbildung 3.30 Aktivität der modifizierten SH in 2,5 und 5 % (v/v) [EMIM][EtSO4] und
[MTEOA][MeSO4] und Vergleich mit der nativen SH. [IL-Konzentrationen wie angegeben,
0,05 M Tris/HCl-Puffer (pH 8,0), 35 °C, 1 mM NAD+, 1 µM FMN]
Nach der Modifizierung mit mPEG betrug die Aktivität der SH 139,8 (± 14,9) % und 107,5 (±
9,4) % in 2,5 % (v/v) [EMIM][EtSO4] bzw. [MTEOA][MeSO4]. Verglichen mit den Aktivitä-
ten des nativen, unmodifizierten Enzyms konnte somit eine Aktivitätserhöhung um 46 bzw.
34 % in 2,5 % (v/v) der untersuchten ILs erzielt werden. In 5 % (v/v) [EMIM][EtSO4] bzw.
[MTEOA][MeSO4] wurde dagegen eine deutlich geringere Aktivitätssteigerung durch die
mPEGylierung des Enzyms erhalten. So besaß die modifizierte SH eine innerhalb der
Ergebnisse und Diskussion 81
Standardabweichung des unmodifizierten Enzyms liegende Aktivität in Gegenwart von 5 %
(v/v) [EMIM][EtSO4]. In 5 % (v/v) [MTEOA][MeSO4] wurde hingegen eine deutlichere Er-
höhung der Enzymaktivität um 20 % ermittelt.
Die durch die chemische Modifizierung hervorgerufene Aktivitätserhöhung der SH lässt sich
mit Literaturdaten belegen. Dabei führte die chemische Modifizierung eines Enzyms mit PEG
ebenfalls zu einer Steigerung der Enzymaktivität in verschiedenen ILs [Nakashima et al.,
2006].
3.2.2 Stabilität der modifizierten SH
Analog zu den Messungen der Aktivität der chemisch modifizierten SH wurde die Stabilität
des mPEGylierten Enzyms in rein wässrigen Medien unter mechanischer Beanspruchung des
Enzyms sowie ohne und in Lösungsmittel- und IL-Wasser-Gemischen untersucht. Hierbei
betrug die Konzentration der wassermischbaren organischen Lösungsmittel DMF, DMSO und
Isopropanol immer 10 % (v/v). Die ILs [EMIM][EtSO4] und [MTEOA][MeSO4] wurden da-
gegen in Konzentrationen von 2,5 und 5 % (v/v) eingesetzt. Auch diese Messungen erfolgten
stets bei einer Inkubationstemperatur von 35 °C und einem pH von 8,0 unter Verwendung
eines 0,05 M Tris/HCl-Puffer. Somit ließen sich die Ergebnisse für die modifizierte SH eben-
falls direkt mit den Resultaten für das native, unmodifizierte Enzym aus Kapitel 3.1.2 verglei-
chen und hinsichtlich einer Enzymstabilisierung durch die chemische Modifizierung mit
mPEG bewerten.
Stabilität in rein wässrigen Medien
Im Zuge der chemischen Modifizierung mit mPEG konnte die Halbwertszeit der nativen SH
(5,3 (± 0,7) h) nur geringfügig um 11 % auf 5,9 (± 0,1) h erhöht werden (Abbildung 3.31).
Wurde der Inkubationsansatz zusätzlich bei 400 Upm mittels eines Magnetrührers gerührt und
somit das Enzym in Form von Scherkräften zusätzlich beansprucht, betrug die Halbwertszeit
der mPEGylierten SH 3,2 (± 0,3) h. Im Gegensatz dazu besaß die native SH unter vergleich-
baren Inkubationsbedingungen eine Halbwertszeit von nur 1,9 (± 0,1) h. Somit führte die che-
mische Modifizierung der SH zu einer deutlichen Erhöhung ihrer mechanischen Stabilität.
Hierbei betrug die Steigerung der Enzymstabilität 68 %.
Ergebnisse und Diskussion 82
00 01
0
1
2
3
4
5
6
7
Halbwertszeit [h]
native SH
modifizierte SH
Abbildung 3.31 Stabilität der modifizierten SH in rein wässrigen Medien unter mechanischer
Beanspruchung und ohne und Vergleich mit der nativen SH. [00- ohne Rühren, 01- Magnet-
rührer (400 Upm); 0,05 M Tris/HCl-Puffer (pH 8,0), 35 °C]
Stabilität in Lösungsmittel-Wasser-Gemischen
Die Ergebnisse für die Stabilität der chemisch modifizierten SH und der Vergleich mit dem
nativen, unmodifizierten Enzym zeigen, dass in allen untersuchten Lösungsmitteln eine Erhö-
hung der Halbwertszeit im Zuge der mPEGylierung erzielt werden konnte (Abbildung 3.32).
In 10 % DMF (v/v) nahm die Halbwertszeit von 0,1 (± 0,0) h auf 0,3 (± 0,0) h zu, was einer
3-fachen Enzymstabilisierung entspricht. In 10 % DMSO betrug die Halbwertszeit der
mPEGylierten SH 2,0 (± 0,4) h, was verglichen mit der Halbwertszeit für das native Enzym
(1,0 (± 0,0) h) einer Verdopplung der Enzymstabilität entspricht. In 10 % (v/v) Isopropanol
zeigte sich der deutlichste stabilisierende Effekt, der von der chemischen Modifizierung mit
mPEG ausgeht. Hierbei ließ sich die Halbwertszeit des nativen Enzyms von 0,1 0,0) h auf
0,5 (± 0,2) h erhöhen, was einer 5-fachen Stabilisierung entspricht. Folglich führt die
chemische Modifizierung mit mPEG neben einer Steigerung der Enzymaktivität zudem zu
einer Stabilisierung der SH in den betrachteten Lösungsmittel-Wasser-Gemischen. Auch für
andere modifizierte Enzyme wurden bislang vergleichbare Effekte in verschiedenen organi-
schen Lösemitteln beschrieben [Basri et al., 1995].
Ergebnisse und Diskussion 83
DMF DMSO Isopropanol
0,0
0,5
1,0
1,5
2,0
2,5
Halbwertszeit [h]
native SH
modifizierte SH
Abbildung 3.32 Stabilität der modifizierten SH in 10 % (v/v) DMF, DMSO und Isopropanol
und Vergleich mit der nativen SH. [Lösungsmittelkonzentration wie angegeben, 0,05 M Tris/
HCl-Puffer (pH 8,0), 35 °C]
Stabilität in IL-Wasser-Gemischen
Die chemische Modifizierung der SH mit mPEG zeigte keinen Einfluss auf die Stabilität der
SH in 2,5 und 5 % (v/v) [EMIM][EtSO4] und [MTEOA][MeSO4], da die modifizierte SH ver-
gleichbare Halbwertszeiten wie das native, unmodifizierte Enzym besaß (Abbildung 3.33).
Somit gingen keine stabilisierenden Effekte von der Enzymmodifizierung mit mPEG in den
untersuchten IL-Wasser-Gemischen aus. Diese Beobachtung deutet darauf hin, dass der
enzymdeaktivierende bzw. aktivierende Einfluss dieser Lösemittel einem anderen Mechanis-
mus als dem der untersuchten polaren organischen Lösungsmittel folgt. Vielmehr scheinen
die erhaltenen Ergebnisse im Zusammenhang mit den in Kapitel 3.1.1 und 3.1.2 beobachteten
Auswirkungen von gelösten Salzen auf die Aktivität und Stabilität der SH zu stehen. Dabei
zeigten Salze, die beispielsweise Sulfationen enthielten, enzymstabilisierende, phosphat-
haltige Salze hingegen destabilisierende Effekte. Genauere Aussagen sind aufgrund der
fehlenden Strukturinformation zur SH jedoch nicht zu treffen.
Ergebnisse und Diskussion 84
2,5% [EMIM][EtSO
4
]
5% [EMIM][EtSO
4
]
2,5% [MTEOA][MeSO
4
]
5% [MTEOA][MeSO
4
]
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9
Halbwertszeit [h]
native SH
modifizierte SH
Abbildung 3.33 Stabilität der modifizierten SH in 2,5 und 5 % (v/v) [EMIM][EtSO4] und
[MTEOA][MeSO4] und Vergleich mit der nativen SH. [IL-Konzentrationen wie angegeben,
0,05 M Tris/HCl-Puffer (pH 8,0), 35 °C]
Für gewöhnlich wird der stabilisierende Effekt von mPEG durch den Grad der Hydratisierung
der Proteinoberfläche, basierend auf den hydrophilen Eigenschaften des PEGs, bestimmt.
Dabei kommt es zu einer Reduzierung der Enzymflexibilität aufgrund der gleichzeitigen
Wechselwirkung von hydrophoben Bereichen des PEGs mit hydrophoben Teilen an der Ober-
fläche des Proteins [Van den Wittenboer et al., 2010, Quintanilla-Guerrero et al., 2008,
Rodriguez-Martinez et al., 2008, Svergun et al., 2008, Lopez-Cruz et al., 2006, Garcia-
Arellano et al., 2002]. Infolge dessen kommt es zur Ausbildung eines rigiden Käfigs um das
Enzym herum. Dieser reduziert Anfälligkeiten des Enzyms gegenüber Einflüssen, die zu einer
Entfaltung der dreidimensionalen Proteinstruktur führen. Die Größe und Kraft dieses Käfigs
hängt dabei von der Anzahl von kovalent gebundenen PEG-Molekülen pro Enzymmolekül ab.
Demnach kann der Schutz vor denaturierenden Einflüssen durch die Enzymmodifizierung mit
PEG so lang aufrecht erhalten werden, wie ein intakter Käfig um das Protein herum existiert.
Die Ergebnisse für die modifizierte SH deuten somit daraufhin, dass bis zu einer bestimmten
Konzentration an polaren Molekülen, wie den untersuchten organischen Lösungsmitteln,
Ergebnisse und Diskussion 85
mPEG eine hinreichende Schutzfunktion besitzt. In Gegenwart von Molekülen, die eine
starke Wechselwirkung mit Wasser eingehen, kann die Hydratisierung durch mPEG dagegen
nicht mehr aufrechterhalten werden, auch bei niedrigen Konzentrationen dieser Substanzen.
Vermutlich ist ein dem entsprechendes Verhalten bei der modifizierten SH in Gegenwart der
untersuchten ILs zu beobachten.
3.2.3 Zusammenfassung
Es konnte gezeigt werden, dass die chemische Modifizierung der Oberfläche der SH mit
mPEG eine geeignete Methode zur Stabilisierung der SH ist, insbesondere gegenüber inakti-
vierenden Interaktionen mit Lösungsmitteln. Die Modifizierung der SH mit mPEG5000 führte
bei einem Enzym-mPEG-Verhältnis von 1:500 zu hohen Restaktivitäten von 91 %. Zudem
konnte die zuvor beobachtete ausgeprägte Sensitivität des Enzyms gegenüber polaren
organischen Lösungsmitteln deutlich verringert werden. Dabei konnte die Lösungsmittel-
aktivität der SH um ein bis zu 3,4-faches und die Lösunsgmittelstabilität um ein bis zu 5-
faches erhöht werden. Darüber hinaus konnte eine prägnante Aktivitätssteigerung um bis zu
46 % in IL-Wasser-Gemischen erzielt werden. Hinsichtlich der Halbwertszeit der SH in den
untersuchten IL-Wasser-Gemischen war dagegen keine Veränderung zu beobachten, was auf
einen alternativen Mechanismus der Deaktivierung der SH durch die Zugabe von ILs
verglichen mit dem in Lösungsmittel-Wasser-Gemischen hindeutet. In rein wässrigen Medien
war ebenfalls nur die Erhöhung der Enzymstabilität unter Rühren zu beobachten.
3.3 Stabilisierung der SH durch adsorptive Immobilisierung
Die adsorptive Bindung von Proteinen an feste Träger zählt zu den ältesten Methoden inner-
halb der Enzymimmobilisierung, da sich auf diesem Weg die Proteinstabilität in wässrigen
sowie in organischen Lösungen erhöhen lässt [Mateo et al., 2007, Mateo et al., 2000, Pan-Soo
et al., 2000]. Die Enzymstabilisierung ist dabei im Wesentlichen auf die signifikante Verän-
derung der Mikroumgebung des Enzyms durch seine adsorptive Bindung an einen Träger
zurückzuführen. Das stark solvatisierte, von Wasser umgebene Enzym wird dabei desolvati-
siert. Dadurch können natürliche Kräfte, die die solvatisierte Struktur aufrecht erhalten,
gestört werden, weshalb eine Anpassung der Enzymkonformation erfolgt, die häufig mit einer
Veränderung der Enzymaktivität, -stabilität und -selektivität einhergeht [Cao, 2005]. Zusätz-
Ergebnisse und Diskussion 86
lich erhält man bei der adsorptiven Immobilisierung von Enzymen die Möglichkeit, den
Biokatalysator durch einfache Filtration wiederholt einsetzen zu können. Darüber hinaus ist
häufig eine hohe Retention der Enzymaktivität zu beobachten, da das Protein selbst während
der adsorptiven Immobilisierung nicht modifiziert wird, wie es bei der kovalenten Immobili-
sierung der Fall ist [Albayrak und Yang, 2002, Sharma und Yamazaki, 1984].
Die Adsorption der SH an einen geeigneten Träger sollte in erster Linie der Enzymstabilisie-
rung dienen, da diesbezüglich bislang keine Literaturdaten für die SH existieren. Wie schon in
Kapitel 3.2, galt es auch bei diesen Untersuchungen, die Stabilität der SH insbesondere
gegenüber den in Kapitel 3.1.2 beobachteten inaktivierenden Einflussparametern zu erhöhen.
Dies umfasste abermals die Stabilsierung gegenüber den Lösungsmitteln DMF, DMSO und
Isopropanol und den ILs [EMIM][EtSO4] und [MTEOA][MeSO4]. Zudem sollte im Zuge der
Immobilisierung die mechanische Stabilität der SH in rein wässrigen Medien erhöht werden.
Hierzu wurden die Aktivität und die Halbwertszeit der erhaltenen Immobilisate unter den ent-
sprechenden Bedingungen analysiert und durch einen direkten Vergleich mit dem nativen
Enzym hinsichtlich einer Stabilisierung bewertet. Des Weiteren wurde die Rezyklierbarkeit
der hergestellten Immobilisate sowie die mögliche Enzymdesorption von den Partikeln, die
bei der adsorptiven Immobilisierung häufig zu beobachten ist, untersucht [Mateo et al., 2007,
Cao, 2005]. Die Bestimmung der Aktivität und Stabilität erfolgte zum einen für die Immobili-
sate der nativen SH und zum anderen für die Immobilisate der zuvor chemisch modifizierten
SH. Dies sollte der Erfassung möglicher additiver Effekte der beiden Stabilisierungsmethoden
dienen.
3.3.1 Optimierung des Immobilisierungsverfahrens
Zu Beginn der Untersuchungen erfolgte eine Optimierung des Immobilisierungsverfahrens
unter Verwendung der nativen, unmodifizierten SH. Da das Trägermaterial, der pH-Wert
während der Immobilisierung, die Inkubationszeit sowie das Enzym-Träger-Verhältnis einen
maßgeblichen Einfluss auf die Aktivität der Immobilisate und die Proteinbeladung der Träger
besitzen, erfolgte die Optimierung in Abhängigkeit von diesen Parametern [Mateo et al.,
2007, Cao, 2005]. Dazu wurde für jede dieser Einflussgrößen die verbleibende Enzym-
aktivität und die Menge des trägergebundenen Proteins bestimmt. Die Immobilisierung der
SH erfolgte dabei zu Beginn bei pH 8,0, dem pH-Optimum der nativen SH, und einem
Ergebnisse und Diskussion 87
Enzym-Träger-Verhältnis von 1:2000. Die Temperatur betrug stets 4 °C, um eine maximale
Adsorption der SH zu erhalten, die bei niedrigen Temperaturen begünstigt ist. Bei dem
verwendeten Puffer handelte es sich um 0,05 M Tris/HCl-Puffer.
Zunächst wurde eine Auswahl verschiedener Immobilisierungsmatrizes getroffen, bei denen
es sich unter anderem um makroporöse Harze unterschiedlicher Ladung handelte (Tabelle
3.2).
Tabelle 3.2 Auswahl verschiedener Träger für die adsorptive Immobilisierung der SH.
Hersteller Name Matrix Partikelgröße
AmberliteTM XAD761 Divinylbenzol 0,56 – 0,76 mm
AmberliteTM XAD7HP Acryl 0,56 – 0,71 mm
AmberliteTM FPA54 Formophenol -
Rohm und Haas
AmberliteTM FPC3500 Methacryl/Divinylbenzol 0,45 – 0,65 mm
IB-A161 Polystyren 0,35 – 0,7 mm
Chiralvision IB-C435 Polyacryl 0,35 – 0,7 mm
Resindion S.R.L Sepabeads® EC-EP Polymethacryl -
Die Ergebnisse für die gemessene Enzymaktivität und Proteinbeladung nach der Enzym-
immobilisierung auf den verschiedenen Trägern sind in Abbildung 3.34 dargestellt. Hiebei
zeigte sich, dass die adsorptive Bindung der SH an jeden dieser Träger zu einem deutlichen
Aktivitätsverlust führte. Die Aktivitätsabnahme ist hierbei auf die eintretende Konformations-
änderung des Enzyms durch seine ionische Interaktion mit dem Trägermaterial zurück-
zuführen [Cao, 2005]. In der Folge kommt es zudem häufig zu einer Diffusionslimitierung der
beteiligten Reaktanden aufgrund der schlechteren Zugänglichkeit des aktiven Zentrums des
trägergebundenen Proteins. Wie ausgeprägt die Aktivitätsabnahme des Enzyms nach der
Immobilisierung ist, hängt folglich stark von dem eingesetzten Trägermaterial ab, woraus die
ermittelten Aktivitätsunterschiede für die verschiedenen Träger resultieren. Die erreichte
maximale Restaktivität der SH betrug 48,9 (± 0,4) % nach der Immobilisierung auf dem
anionischen Harz AmberliteTM FPA54. Die adsorptive Bindung der SH an den kationischen
Träger AmberliteTM FPC3500 führte hingegen zu einem vollständigen Aktivitätsverlust, da
nur 0,8 (± 0,4) % der ursprünglichen Aktivität der SH bestimmt werden konnten. Die Protein-
Ergebnisse und Diskussion 88
beladung betrug bei beiden Trägern 93,4 (± 0,8) % bzw. sogar 100 (± 0,0) %, was bedeutet,
dass im Fall von AmberliteTM FPC3500 alle Proteinmoleküle adsorptiv gebunden werden
konnten, die dadurch herbeigeführte Änderung der Enzymkonformation jedoch zu einer
vollständigen Inaktivierung der SH führte, möglicherweise durch die kationische
Funktionalität des Trägermaterials. Bei der Immobilisierung der SH auf AmberliteTM FPA54
konnte hingegen eine hoher Anteil der SH gebunden werden und dabei die Hälfte ihrer
ursprünglichen Aktivität erhalten bleiben, weshalb dieser Träger für die weiteren Unter-
suchungen ausgewählt wurde.
00 01 02 03 04 05 06
0
20
40
60
80
100
120
0
20
40
60
80
100
120
Enzymaktivit
Proteinbeladung
Proteinbeladung [%]
Relative Aktivität [%]
Abbildung 3.34 Enzymaktivität und Proteinbeladung nach der Immobilisierung der SH auf
verschiedenen Trägern. [00- AmberliteTM XAD761, 01- AmberliteTM XAD7HP, 02-
AmberliteTM FPA54, 03- AmberliteTM FPC3500, 04- Chiralvision IB-A161, 05- Chiralvision
IB-C435, 06- Resindion S.R.L. Sepabeads® EC-EP; 0,05 M Tris/HCl-Puffer (pH 8,0), 4 °C,
Enzym-Träger-Verhältnis: 1:2000]
Die adsorptive Enzymimmobilisierung erfolgt unter anderem über ionische Interaktionen
zwischen dem Protein und dem Trägermaterial. Diese werden wiederum durch die
Protonierung der Aminosäureseitenketten des Enzyms sowie durch die Protonierung der
Funktionalitäten am Träger bestimmt [Whitesides et al., 2006, Cao, 2005]. Folglich übt der
pH-Wert während der Immobilisierung einen starken Einfluss auf die Quantität der Protein-
Träger-Bindung sowie auf die verbleibende Restaktivität des gebundenen Enzyms aus,
weshalb eine Optimierung des Immobilisierungsverfahrens in Abhängigkeit vom pH-Wert
Ergebnisse und Diskussion 89
erfolgte. Dazu wurde die Aktivität und Proteinbeladung der Immobilisate nach der Immobili-
sierung zusätzlich bei einem pH-Wert von 7,0 bestimmt. Auf die Optimierung in einem
weiteren pH-Bereich wurde dabei verzichtet, da in diesem Fall eine Inaktivierung der SH
während der Immobilisierung zu erwarten war. Es zeigte sich, dass der pH-Wert während der
Immobilisierung in dem betrachteten Bereich keinen signifikanten Einfluss auf die Aktivität
der Immobilisate sowie auf deren Proteinbeladung besitzt (Abbildung 3.35). So nahm sowohl
die Enzymaktivität als auch die Menge des gebundenen Proteins bei einer Verringerung des
pH-Wertes von 8,0 auf 7,0 nur geringfügig ab, da die ermittelte SH-Aktivität noch immer
44,4 (± 0,3) % und die Proteinbeladung 77,8 (± 7,3) % betrug. Somit erfolgte die weitere SH-
Immobilisierung bei einem pH-Wert von 8,0.
78
0
20
40
60
80
100
0
20
40
60
80
100
Proteinbeladung [%]
Relative Aktivität [%]
pH-Wert [-]
Enzymaktivität
Proteinbeladung
Abbildung 3.35 Enzymaktivität und Proteinbeladung nach der Immobilisierung der SH auf
AmberliteTM FPA54 bei pH 7,0 und 8,0. [pH-Werte wie angegeben, 0,05 M Tris/HCl-Puffer,
4 °C, Enzym-Träger-Verhältnis: 1:2000]
Die Variation des Enzym-Träger-Verhältnisses zeigte einen nur geringen Einfluss auf die
Proteinbeladung der Träger (Abbildung 3.36). So wurden nach der Erhöhung der Enzym-
menge von 0,1 mg auf 0,2 mg noch immer 77,8 (± 7,3) % des eingesetzten Proteins am Träger
adsorbiert und bei einer Verringerung auf 0,05 mg SH ebenfalls noch 72,4 (± 0,8) % des
Enzyms am Träger gebunden. Demnach erfolgte eine Erhöhung der trägergebundenen
Enzymmenge, wenn die zur Immobilisierung eingesetzte Enzymmenge erhöht wurde. Im
Gegensatz dazu zeigte die Veränderung des Enzym-Träger-Verhältnisses einen deutlichen
Ergebnisse und Diskussion 90
Einfluss auf die relative Enzymaktivität nach der Immobilisierung. Demnach konnten bei
einem Enzym-Träger-Verhältnis von 1:500 nur noch 15,5 (± 0,0) % der Ausgangsaktivität
bestimmt werden. Bei einer Verdopplung der Enzymmenge, die zu einem Enzym-Träger-Ver-
hältnis von 1:1000 führte, verdoppelte sich gleichzeitig die Restaktivität der Immobilisate,
was mit der absolut höheren Enzymbeladung korreliert. Nur die Erhöhung des Enzym-Träger-
Verhältnisses von 1:2000 auf 1:4000 erzielte eine lediglich geringfügige Erhöhung der Rest-
aktivität um 10 %, die zudem innerhalb der Standardabweichung lag und somit für eine
Sättigung der Trägeroberfläche mit Enzym bei einem Enzym-Träger-Verhältnis von 1:2000
spricht. Zudem deuten die erhaltenen Resultate darauf hin, dass es bei hohen Proteinanteilen
zu einer Ausbildung von Polyenzymschichten kommt [Pareira et al., 2001, Al-Duri und Yong,
2000]. Dabei werden die innergebundenen Enzymmoleküle für einen Substratzugang
blockiert, was in der Folge zu einer Abnahme der Gesamtaktivität führt.
1:4000 1:2000 1:1000 1:500
0
20
40
60
80
100
0
20
40
60
80
100
Proteinbeladung [%]
Relative Aktivität [%]
Enzym-Träger-Verhältnis
Enzymaktivität
Proteinbeladung
Abbildung 3.36 Enzymaktivität und Proteinbeladung nach der Immobilisierung der SH auf
AmberliteTM FPA54 bei verschiedenen Enzym-Träger-Verhältnissen. [Enzym-Träger-
Verhältnisse wie angegeben, 0,05 M Tris/HCl-Puffer (pH 8,0), 4 °C]
Aufgrund der ermittelten hohen Proteinbeladung und der gleichzeitig hohen Aktivität der SH-
Immobilisate bei einem Enzym-Träger-Verhältnis von 1:2000 wurde die Immobilsierung
weiterhin bei diesem Verhältnis durchgeführt. Hierbei betrug die Proteinbeladungsdichte
0,47·10-3 mg SH pro mg Träger.
Ergebnisse und Diskussion 91
Die Erhöhung der Inkubationszeit während der Immobilisierung auf zwei Stunden übte
keinen Einfluss auf die Aktivität und Proteinbeladung der Träger aus, weshalb eine
Immobilisierungsdauer von einer Stunde beibehalten wurde. Die Untersuchung der Aktivität
und Stabilität der SH-Immobilisate erfolgte somit weiterhin bei 4 °C, pH 8,0, einem Enzym-
Träger-Verhältnis von 1:2000 und über eine Inkubationszeit von einer Stunde.
3.3.2 Aktivität der Immobilisate
Analog zu der Aktivitätsuntersuchung der mPEGylierten SH (Kapitel 3.2.2) erfolgte die Be-
stimmung der relativen Aktivität der SH-Immobilisate in Lösungsmittel-Wasser-Gemischen
und IL-Wasser-Gemischen. Wie schon bei der nativen und modifizierten SH erfolgte die
Aktivitätsbestimmung der SH-Immobilisate ebenfalls stets bei 35 °C und pH 8,0 unter
Verwendung eines 0,05 M Tris/HCl-Puffer. Hiebei wurden sowohl die Aktivität der immobi-
lisierten nativen SH als auch die des immobilisierten und zuvor modifizierten Enzyms
ermittelt und hinsichtlich einer Aktivitätserhöhung bewertet.
Aktivität in Lösungsmittel-Wasser-Gemischen
Die adsorptive Immobilisierung auf AmberliteTM FPA54 führte zu einer signifikanten
Erhöhung der Aktivität der SH in Gegenwart von polaren organischen Lösungsmitteln
(Abbildung 3.37). So konnte eine Erhöhung der relativen Enzymaktivität um ein bis zu 13-
faches beobachtet werden. Hierbei betrug die relative Aktivität der nativen SH nach ihrer
Immobilisierung noch 98,7 (± 0,4) %, 84,9 (± 4,5) % und 74,8 (± 5,4) % in 10 % (v/v) DMF,
DMSO bzw. Isopropanol. Die native, unimmobilisierte SH zeigte dem gegenüber eine deut-
lich geringere relative Aktivität unter vergleichbaren Bedingungen. Die Immobilisierung der
zuvor mit mPEG modifizierten SH führte zu ähnlichen bzw. sogar zu teilweise niedrigeren
Aktivitäten der Immobilisate in den untersuchten Lösungsmittel-Wasser-Gemischen. Somit
konnten keine additiven Effekte der beiden Stabilisierungsmethoden auf die Aktivität der SH
festgestellt werden.
Ergebnisse und Diskussion 92
DMF DMSO Isopropanol
0
20
40
60
80
100
Relative Aktivität [%]
native SH
adsorptiv immobilisierte SH
modifizierte und adsorptiv immobilisierte SH
Abbildung 3.37 Aktivität der adsorptiv immobilisierten nativen und modifizierten SH in
10 % (v/v) DMF, DMSO und Isopropanol und Vergleich mit der nativen SH. [Lösungsmittel-
konzentration wie angegeben, 0,05 M Tris/HCl-Puffer (pH 8,0), 35 °C, 1 mM NAD+, 1 µM
FMN]
Die Ergebnisse für die Aktivität der SH-Immobilisate verdeutlichen, dass die adsorptive
Immobilisierung der nativen sowie der chemisch modifizierten SH eine deutlich stabilere
Enzymkonformation hervorruft. In der Folge besitzt die SH eine verringerte Sensitivität
gegenüber den untersuchten organischen Lösungsmitteln, die zu einer geringeren Enzym-
deaktivierung führt.
Aktivität in IL-Wasser-Gemischen
Auch in IL-Wasser-Gemischen ließ sich die Aktivität der SH durch die adsorptive Immobili-
sierung auf AmberliteTM FPA54 deutlich erhöhen (Abbildung 3.38). So führte die Immobili-
sierung der nativen SH insbesondere in 5 % (v/v) [MTEOA][MeSO4] zu einer beachtlichen
Aktivitätszunahme um 294 %, wohingegen sich die Aktivität des immobilisierten und zuvor
chemisch modifizierten Enzyms nur um 127 % erhöhen ließ. Diese Beobachtung lässt auf
eine außergewöhnliche ionische Interaktion zwischen [MTEOA][MeSO4] und der adsorptiv
gebundenen SH schließen, insbesondere bei der gewählten IL-Konzentration. Die Aktivitäts-
zunahmen in 2,5 und 5 % (v/v) [EMIM][EtSO4] und in 2,5 % (v/v) [MTEOA][MeSO4] betru-
Ergebnisse und Diskussion 93
gen bis zu 60, 80 bzw. 75 %. Mit Ausnahme der Aktivität der Immobilisate in 5 % (v/v)
[MTEOA][MeSO4] waren keine signifikanten Unterschiede zwischen der Aktivität der Immo-
bilisate des nativen und des modifizierten Enzyms festzustellen. Somit konnten auch in den
untersuchten IL-Systemen keine deutlichen additiven Effekte bei der chemischen Modifizie-
rung der SH und ihrer zusätzlichen Immobilisierung beobachtet werden.
2,5% [EMIM][EtSO
4
]
5% [EMIM][EtSO
4
]
2,5% [MTEOA][MeSO
4
]
5% [MTEOA][MeSO
4
]
0
50
100
150
200
250
300
350
400
450
native SH
adsorptiv immobilisierte SH
modifizierte und adsorptiv immobilisierte SH
Relative Aktivität [%]
Abbildung 3.38 Aktivität der adsorptiv immobilisierten nativen und modifizierten SH in 2,5
und 5 % (v/v) [EMIM][EtSO4] und [MTEOA][MeSO4] und Vergleich mit der nativen SH.
[IL-Konzentrationen wie angegeben, 0,05 M Tris/HCl-Puffer (pH 8,0), 35 °C, 1 mM NAD+, 1
µM FMN]
3.3.3 Stabilität der Immobilisate
Wie bei der mPEGylierten SH in Kapitel 3.2.3 erfolgte die Untersuchung der Stabilität der
SH-Immobilisate ebenfalls in rein wässrigen Medien, in Lösungsmittel-Wasser-Gemischen
und in IL-Wasser-Gemischen. Die Inkubationsbedingungen betrugen wie auch schon bei der
nativen und chemisch modifizierten SH stets 35 °C und pH 8,0 unter Verwendung eines 0,05
M Tris/HCl-Puffers. Die ermittelten Halbwertszeiten wurden sowohl für das immobilisierte
native als auch für das immobilisierte und zuvor modifizierte Enzym hinsichtlich einer Stabi-
lisierung in den verschiedenen Lösemittelsystemen bewertet.
Ergebnisse und Diskussion 94
Stabilität in rein wässrigen Medien
Die adsorptive Immobilisierung führte zu einer ausgeprägten Erhöhung der SH-Stabilität in
rein wässrigen Systemen (Abbildung 3.39).
00 01
0
2
4
6
8
10
12
14
16
native SH
adsorptiv immobilisierte SH
modifizierte und adsorptiv immobilisierte SH
Halbwertszeit [h]
Abbildung 3.39 Stabilität der adsorptiv immobilisierten nativen und modifizierten SH in rein
wässrigen Medien unter mechanischer Beanspruchung und ohne und Vergleich mit der
nativen SH. [00-ohne Rühren, 01- Magnetrührer (400 Upm); 0,05 M Tris/HCl-Puffer (pH
8,0), 35 °C]
In reinem Puffer und ohne eine zusätzliche Durchmischung des Inkubationsansatzes betrug
die Halbwertszeit der immobilisierten SH 12,8 (± 2,6) h, was einem Stabilisierungsfaktor von
2,4 entspricht. Die zusätzliche Modifizierung der SH mit mPEG führte zu einer ähnlich
hohen, innerhalb der Standardabweichung liegenden Halbwertszeit von 13,3 (± 0,6) h. Wurde
das rein wässrige Inkubationssystem zusätzlich gerührt, ergaben sich sowohl für die
Immobilisate der nativen als auch der mPEGylierten SH Enzymstabilitäten von 3,4 h. Unter
den gleichen Bedingungen betrug die Halbwertszeit der nativen SH nur 1,9 (± 0,1) h. Somit
konnte auch unter diesen Bedingungen eine 1,8-fache Stabilisierung erzielt werden. Erwar-
tungsgemäß ergaben sich für die chemische Modifizierung der SH mit mPEG und der zusätz-
lichen Immobilisierung keine additiven Effekte bezüglich einer Enzymstabilisierung, was mit
den Ergebnissen für die Stabilität der chemisch modifizierten SH in rein wässrigen Medien
(Kapitel 3.2.3), die keine Stabilisierung der SH ergaben, korreliert. Die gemessenen Halb-
Ergebnisse und Diskussion 95
wertszeiten für die SH-Immobilisate sind demzufolge allein auf die adsorptive Bindung an
AmberliteTM FPA54 und der dadurch stabilisierten Enzymkonformation bzw. der erhöhten
Rigidität des Proteins, die eine Entfaltung der dreidimensionalen Enzymstruktur verhindert,
zurückzuführen. Die Ergebnisse stimmen zudem mit Literaturdaten überein, die die Erhöhung
der Stabilität von verschiedenen Enzymen in rein wässrigen Medien durch deren adsorptive
Interaktionen mit einem festen Trägermaterial beschrieben [Mateo et al., 2007, Mateo et al.,
2000, Pan-Soo et al., 2000].
Zusätzlich zu den Stabilitätsmessungen erfolgte die Bestimmung des Proteingehalts in jedem
Inkubationssystem. Dabei war in beiden Fällen kein Protein nachweisbar. Somit kommt es
selbst unter dem Einfluss von Scherkräften zu keinem messbaren leaching des Enzyms unter
den betrachteten Bedingungen. Demzufolge wird kein Enzym von den Immobilisierungs-
partikeln ausgewaschen bzw. unter den gewählten Bedingungen tritt zunächst keine Desorp-
tion des Proteins ein. Das lässt darauf schließen, dass eine ausgeprägte Interaktion zwischen
der SH und der Immobilisierungsmatrix stattfindet, was für technische Anwendungen von
besonderem Interesse ist und nur selten bei der adsorptiven Bindung von Proteinen an ein
Trägermaterial zu beobachten ist [Brady und Jordaan, 2009, Mateo et al., 2007, Cao, 2005].
Stabilität in Lösungsmittel-Wasser-Gemischen
Analog zu der Stabilität in rein wässrigen Medien ließ sich auch die Lösungsmittelstabilität
der SH durch ihre adsorptive Immobilisierung signifikant erhöhen (Abbildung 3.40). So
führte die Immobilisierung der nativen SH zu Halbwertszeiten von 0,6 (± 0,1) h, 2,8 (± 0,4) h
und 0,7 (± 0,1) h in 10 % (v/v) DMF, DMSO bzw. Isopropanol. Verglichen mit der nativen
SH konnten somit Stabilisierungsfaktoren von 6, 2,8, bzw. 7 erreicht werden. Vergleichbare
Effekte wurden ebenfalls für verschiedene andere adsorptiv immobilisierte Enzyme und deren
Stabilisierung gegenüber organischen Lösungsmitteln beschrieben [Mateo et al., 2007].
Hierbei lässt sich der stabilisierende Effekt abermals auf die Erhöhung der Rigidität des
Proteins durch dessen ionischer Interaktion mit einem festen Trägermaterial zurückführen.
Wurde die SH vor ihrer Immobilisierung zudem mit mPEG chemisch modifiziert konnten die
Halbwertszeiten nochmals deutlich erhöht werden. So betrugen die Halbwertszeiten in diesem
Fall 1,6 (± 0,4) h, 6,4 (± 0,0) h und 2,3 (± 0,0) h in Gegenwart von 10 % (v/v) DMF, DMSO
und Isopropanol, was signifikant höheren Stabilisierungsfaktoren von 16, 6,4 und 23
Ergebnisse und Diskussion 96
entspricht, wenn ein Vergleich mit den Immobilisaten der nativen SH erfolgt. Somit kommt
es zu einer Addition der stabilisierenden Effekte, die durch beide Methoden, der chemischen
Modifizierung und der adsorptiven Immobilisierung, eingeleitet werden können. Der be-
obachtete additive Effekt stützt sich zudem auf die Ergebnisse für die Stabilität der chemisch
modifizierten SH (Kapitel 3.2.3), da auch schon die alleinige Modifizierung der SH mit
mPEG zu einer ausgeprägten Stabilisierung gegenüber den untersuchten polaren organischen
Lösemitteln führte.
DMF DMSO Isopropanol
0
1
2
3
4
5
6
7
native SH
adsorptiv immobilisierte SH
modifizierte und adsorptiv immobilisierte SH
Halbwertszeit [h]
Abbildung 3.40 Stabilität der adsorptiv immobilisierten nativen und modifizierten SH in
10 % (v/v) DMF, DMSO und Isopropanol und Vergleich mit der nativen SH. [Lösungsmittel-
konzentration wie angegeben, 0,05 M Tris/HCl-Puffer (pH 8,0), 35 °C]
Auch bei diesen Untersuchungen wurde für jedes Lösemittel der Proteingehalt in den
Inkubationsansätzen bestimmt. Wie schon in den rein wässrigen Systemen zeigte sich, dass
kein leaching des Enzyms während der Inkubation einsetzt. Somit kann auch in diesen Löse-
mittelsystemen auf eine ausgeprägte Interaktion zwischen der SH und dem Trägermaterial
geschlossen werden, die ein Auswaschen des Proteins verhindert.
Ergebnisse und Diskussion 97
Stabilität in IL-Wasser-Gemischen
Die Untersuchung der Stabilität der SH-Immobilisate in den ILs [EMIM][EtSO4] und
[MTEOA][MeSO4] lieferte diverse Ergebnisse (Abbildung 3.41).
2,5% [EMIM][EtSO
4
]
5% [EMIM][EtSO
4
]
2,5% [MTEOA][MeSO
4
]
5% [MTEOA][MeSO
4
]
0
2
4
6
8
10
12
native SH
adsorptiv immobilisierte SH
modifizierte und adsorptiv immobilisierte SH
Halbwertszeit [h]
Abbildung 3.41 Stabilität der adsorptiv immobilisierten nativen und modifizierten SH in 2,5
und 5 % (v/v) [EMIM][EtSO4] und [MTEOA][MeSO4] und Vergleich mit der nativen SH.
[IL-Konzentrationen wie angegeben, 0,05 M Tris/HCl-Puffer (pH 8,0), 35 °C]
Die alleinige Immobilisierung der nativen SH führte zwar zu einer Verdopplung der Halb-
wertszeit in 2,5 % (v/v) [EMIM][EtSO4], bei einer weiteren Konzentrationserhöhung dieser
IL auf 5 % (v/v) war dagegen keine Enzymstabilisierung mehr zu beobachten. Auch in 2,5
und 5 % (v/v) [MTEOA][MeSO4] konnte keine erhöhte Halbwertszeit der adsorptiv immobi-
lisierten SH bestimmt werden. Diese lag in 5 % (v/v) dieser IL sogar unter der des nativen
Enzyms. Wurde die SH vor ihrer Immobilisierung jedoch zusätzlich modifiziert, betrug die
Halbwertszeit der Immobilisate 6,8 (± 0,6) bzw. 1,5 (± 0,0) h in 2,5 und 5 % (v/v)
[EMIM][EtSO4] und 8,8 (± 1,5) bzw. 3 (± 0,3) h in 2,5 und 5 % (v/v) [MTEOA][MeSO4].
Somit ließ sich SH-Stabilität in 2,5 % (v/v) [EMIM][EtSO4] um einen Faktor von 7,6 und
somit beachtlich erhöhen, wohingegen dieser Faktor in den anderen IL-Systemen wesentlich
Ergebnisse und Diskussion 98
kleiner ausfiel. Auch in den IL-Systemen konnte kein Protein bestimmt werden, weshalb es
auch in diesen Medien zu keinem leaching der SH kommt.
Die gezeigten Ergebnisse deuten auf eine ungewöhnliche Interaktion zwischen dem kovalent
gebundenen mPEG, der Immobilisierungsmatrix, den umgebenden ILs und dem Protein selbst
hin, da keine eindeutigen Tendenzen bei Betrachtung der Halbwertszeiten der immobilisierten
SH in den untersuchten IL-Systemen festgestellt werden konnten. Diese Wechselwirkungen
sind mit hoher Wahrscheinlichkeit vorrangig ionischer Natur. Zudem war der beobachtete
Stabilisierungseffekt, der durch die chemische Modifizierung mit mPEG und der zusätzlichen
Immobilisierung auf AmberliteTM FPA54 eingeleitet wurde, so nicht zu erwarten, da sowohl
die alleinige chemische Modifizierung als auch ihre adsorptive Immobilisierung keinen
stabilisierenden Einfluss auf die SH ausübten, eine Kombination aus beidem, wie gezeigt
wurde, aber durchaus.
3.3.4 Rezyklierung der Immobilisate
Neben der Analyse der Aktivität und Stabilität der Immobilisate erfolgte darüber hinaus die
Untersuchung der Rezyklierbarkeit der hergestellten SH-Immobilisate. Dazu wurden sowohl
die immobilisierte native SH als auch die immobilsierte und zuvor chemisch modifizierte SH
wiederholt bei der Reduktion von 1 mM NAD+ eingesetzt. Die jeweilige Reaktionsdauer
betrug dabei drei Minuten, wobei die Immobilisate nach jeder Reaktion zunächst filtriert und
gewaschen und dann bei einer erneuten Reaktion eingesetzt wurden. Zudem wurde der
Reaktionsansatz kontinuierlich mittels Rühren bei 400 Upm durchmischt. Die ermittelten
relativen Aktivitäten der immobilisierten SH nach jeder der insgesamt fünf durchgeführten
Reaktionen sind in Abbildung 3.42 dargestellt. Dabei ließ sich zeigen, dass durch die
adsorptive Immobilisierung der SH ein wiederholt einsetzbarer aktiver Katalysator bereitge-
stellt wird, es trotz dessen aber zu einer Deaktivierung des Enzyms unter Prozessbedingungen
kommt. So verloren sowohl die Immobilisate der nativen SH als auch die Immobilisate der
chemisch modifizierten SH nach jedem Reaktionsdurchlauf kontinuierlich ihre Aktivität. Die
Aktivität der nativen immobilisierten SH bzw. des mPEGylierten immobilisierten Enzyms
betrug nach der ersten Reaktion noch 97,7 (± 8,7) bzw. 98,5 (± 4,2) %, nach der zweiten
Reaktion dann bereits nur noch 88,3 (± 3,5) bzw. 90,6 (± 3,3) %. Nach insgesamt vier
Reaktionsdurchläufen besaßen beide Immobilisate dann nur noch 56,7 (± 8,5) % der ur-
Ergebnisse und Diskussion 99
sprünglichen Aktivität der nativen immobilisierten SH bzw. 62,7 (± 5,5) % der ursprünglichen
Aktivität der immobilisierten mPEGylierten SH.
Da eine zunehmende mechanische Instabilität der Partikel infolge der wirkenden Scherkräfte
zu beobachten war, kann nicht ausgeschlossen werden, dass daraus ein inaktivierender Ein-
fluss auf die immobilisierte SH resultierte. Des Weiteren könnte der beobachtete Aktivitäts-
verlust durch das vorgenommene Waschen der Immobilisate zwischen den einzelnen
Reaktionsdurchläufen und einem damit einhergehenden Enzymverlust hervorgerufen worden
sein.
12345
0
20
40
60
80
100
120
[A]
Relative Aktivit [%]
Anzahl der Reaktionen
12345
0
20
40
60
80
100
120
[B]
Relative Aktivit [%]
Anzahl der Reaktionen
12345
0
20
40
60
80
100
120
[A]
Relative Aktivität [%]
Anzahl der Reaktionen
12345
0
20
40
60
80
100
120
[B]
Relative Aktivität [%]
Anzahl der Reaktionen
Abbildung 3.42 Aktivität der adsorptiv immobilisierten nativen [A] und modifizierten [B] SH
während der Rezyklierung bei fünf Reaktionsdurchläufen. [0,05 M Tris/HCl-Puffer (pH 8,0),
35 °C, 1 mM NAD+, 1 µM FMN]
3.3.5 Zusammenfassung
Anhand der adsorptiven Immobilisierung wurde die SH über verschiedene nicht-kovalente
Wechselwirkungen, die unter anderem ionischer, hydrophiler oder hydrophober Natur sein
Ergebnisse und Diskussion 100
können, an einen geeigneten Träger (Amberlite TM FPA54) gebunden. Dadurch sollte die
Proteinrigidität erhöht werden, um in der Folge eine Stabilisierung gegenüber deaktivierenden
Einflüssen zu erreichen. Zugleich sollte auf diesem Weg ein rezyklierbares Enzympräparat
bereitgestellt werden, welches eine ökonomischere Prozessführung bei möglichen technischen
Anwendungen ermöglicht. Optimierungsuntersuchungen ergaben zunächst eine maximale
Restaktivität von 48,9 % und eine Proteinbeladung von 93,4 % bei einem Enzym-Träger-
Verhältnis von 1:2000 und einem pH-Wert von 8. Darüber hinaus kam es in keinem der
untersuchten Medien zu einem leaching der SH, was in technischen Anwendungen von
Vorteil ist. In rein wässrigen Medien und in jedem der untersuchten organischen
Lösungsmittel zeigten die Immobilisate eine signifikant höhere Halbwertszeit als die native
SH. Dabei wurden in rein wässrigen Medien Stabilisierungsfaktoren von bis zu 2,4 und in
organischen Lösemitteln bis zu 7-fach erhöhte Halbwertszeiten bestimmt. Für die
Immobilisierung der zuvor chemisch modifizierten SH ergaben sich vor allem in DMF,
DMSO und Isopropanol additive Effekte, die zu einer weiteren Erhöhung der Enzymstabilität
führten. In diesem Zusammenhang konnten beachtliche Stabilisierungsfaktoren von bis zu 23
erzielt werden. In den analysierten IL-Wasser-Gemischen konnten zwar verbesserte Enzym-
aktivitäten erhalten werden, jedoch lieferte die Untersuchung der Stabilität der SH-Immobili-
sate in diesen Medien diverse Resultate, die auf keine eindeutige Enzymstabilisierung
schließen ließen. Im Vergleich zur reinen chemischen Modifizierung der SH mit mPEG
(Kapitel 3.2) kann durch die zusätzliche adsorptive Immobilisierung des Enzyms eine
wesentlich stärkere Stabilisierung der SH erzielt werden.
3.4 Stabilisierung der SH durch kovalente Immobilisierung
Die kovalente Bindung von Enzymen an geeignete Träger ist eine weitere bedeutende
Methode innerhalb der Immobilisierung. Im Gegensatz zur adsorptiven Enzymimmobili-
sierung erfolgt hierbei die Ausbildung einer kovalenten und somit stabileren Bindung
zwischen der Immobilisierungsmatrix und dem Protein, die zwar die direkte chemische
Modifizierung des Enzyms zur Folge hat, dafür aber häufig ein leaching des Proteins
verhindert und zudem zu einer stärkeren Enzymstabilisierung führt [Brady und Jordaan, 2009,
Sheldon, 2007, Cao, 2005]. Der stabilisierende Effekt beruht dabei im Allgemeinen auf der
Erhöhung der Enzymrigidität [Iyer und Ananthanarayan, 2008, Fernández-Lafuente et al.,
1999].
Ergebnisse und Diskussion 101
Auch die kovalente Immobilisierung der SH sollte in erster Linie ihrer Stabilisierung gegen-
über deaktivierenden Einflüssen dienen. Diese Einflüsse umfassten, wie auch zuvor, die
mechanische Beanspruchung in rein wässrigen Medien und die Zugabe der organischen Löse-
mittel DMF, DMSO und Isopropanol, sowie der ILs [EMIM][EtSO4] und [MTEOA][MeSO4].
Wie auch schon bei der adsorptiven Immobilisierung der SH erfolgte die Untersuchung der
Aktivität und Stabilität der erhaltenen Immobilisate in den verschiedenen Reaktionsmedien,
wobei es sich zum einen um die immobilisierte native SH handelte und zum anderen um das
immobilisierte und zvor chemisch modifizierte Enzym. Dies sollte, wie schon zuvor, der
Erfassung möglicher additiver Effekte beider Stabilisierungsmethoden dienen. Zudem wurde
ebenfalls die Rezyklierbarkeit der Immobilisate analysiert. Zwar wurde die native SH bereits
auf verschiedenen Trägermaterialien kovalent immobilisiert, jedoch erfolgte bislang noch
keine systematische Studie, in der eine Bewertung der Enzymstabilisierung unter den in
dieser Arbeit untersuchten Inkubationsbedingungen vorgenommen wurde [Deloggio und
Graves, 1988, Popov et al., 1986, Payen et al., 1983, Danielson et al., 1982, Egerer und
Simon, 1982].
Da die Eignung von Amberlite-Trägern zur kovalenten Immobilsierung bislang für eine Viel-
zahl verschiedener Proteine beschrieben wurde, erfolgte die kovalente Bindung der SH an das
bereits bei der adsorptiven SH-Immobilisierung verwendete makroporöse Harz AmberliteTM
FPA54 [Kumari und Kayastha, 2011, Dwevedi und Kayastha, 2009, Fazlena et al., 2006,
Anita et al., 1997]. Dieses verfügt über aktivierbare Aminofuktionen an seiner Oberfläche.
Die kovalente Bindung der SH erfolgte in einer zweistufigen Reaktion, die mechanistisch wie
in Abbildung 3.43 dargestellt abläuft. Hierbei werden zunächst die Funktionalitäten an der
Trägeroberfläche aktiviert, wozu im Fall der Immobilisierung der SH das häufig eingesetzte
hochreaktive Glutardialdehyd diente. Dabei kommt es zur Bildung eines Enamins zwischen
den sekundären Aminogruppen des Trägers und einer der beiden Aldehydfunktionen des
bifunktionalen Aktivirieungsreagenzes. Im zweiten Schritt erfolgt dann die Iminbildung
zwischen der zweiten Aldehydfunktion des Glutarddialdehyds und den verfügbaren
-Lysin-
Aminosäuren des Proteins.
Ergebnisse und Diskussion 102
Abbildung 3.43 Reaktionschema der kovalenten Bindung eines Enzyms an einen festen
Träger.
3.4.1 Optimierung des Immobilisierungsverfahrens
Zunächst erfolgte eine Optimierung der kovalenten Immobilisierung der nativen SH in
Abhängigkeit von den in Tabelle 3.3 aufgeführten Parametern, da diese einen maßgeblichen
Einfluss auf die Aktivität und Proteinbeladung von Immobilisaten ausüben [Mateo et al.,
2007 Cao, 2005]. Dazu wurde jeder der Parameter in einem definierten Bereich, der ebenfalls
in Tabelle 3.3 angegeben ist, variiert und die verbliebene Aktivität der SH sowie die Menge
des kovalent gebundenen Proteins bestimmt. Die Immobilisierung erfolgte stets bei Raum-
temperatur unter Verwendung eines 0,05 M Tris/HCl-Puffers. Der pH-Wert während der
Immobilisierung betrug zu Beginn 8,0, die Glutardialdehydkonzentration 2,5 % (v/v), die
Inkubationszeit für die Trägeraktivierung sowie die Inkubationszeit des Enzyms jeweils 1
Stunde und das Enzym-Träger-Verhältnis 1:2000. Zur Optimierung des Immobilisierungsver-
fahrens wurden dann die jeweiligen Parameter nacheinander variiert.
Ergebnisse und Diskussion 103
Tabelle 3.3 Parameter für die Optimierung der kovalenten Immobilisierung der SH.
Parameter Variationsbereich
pH-Wert 7,0 und 8,0
Glutardialdehydkonzentration 0,5 - 5 % (v/v)
Aktivierungszeit der Träger 0,5 - 2 h
Inkubationszeit des Enzyms 0,25 - 2 h
Enzym-Träger-Verhältnis 1:500 - 1:4000
Da der während der Immobilisierung vorherrschende pH-Wert Einfluss auf die für eine
kovalente Bindung notwendige Nukleophilie der Trägerfunktionalitäten und des Protonie-
rungsgrades der Aminosäureseitenketten ausübt, wurde dieser Parameter zunächst variiert
[Whitesides et al., 2006, Cao, 2005]. Dazu wurden jeweils die Proteinbeladung und Aktivität
der Immobilisate nach der Immobilisierung bei pH 7,0 und 8,0 bestimmt (Abbildung 3.44).
Aufgrund der hohen Instabilität der SH bei pH-Werten über 8 wurde auf eine Untersuchung in
diesem Bereich verzichtet.
78
0
20
40
60
80
100
120
0
20
40
60
80
100
120
Proteinbeladung [%]
Relative Aktivität [%]
pH-Wert [-]
Enzymaktivität
Proteinbeladung
Abbildung 3.44 Enzymaktivität und Proteinbeladung nach der Immobilisierung der SH auf
AmberliteTM FPA54 bei pH 7,0 und 8,0. [pH-Werte wie angegeben, 0,05 M Tris/HCl-Puffer,
RT, 2,5 % (v/v) Glutardialdehyd, Enzym-Träger-Verhältnis: 1:2000]
Ergebnisse und Diskussion 104
Es zeigte sich, dass die Menge der trägergebundenen SH bei beiden pH-Werten 100 % betrug.
Im Gegensatz dazu, übte der pH-Wert während der Immobilisierung aber einen deutlichen
Einfluss auf die Aktivität der SH aus, wobei die Immobilisate bei einem pH-Wert von 7,0
11,5 (± 0,0) % und bei einem pH-Wert von 8,0 28,2 (± 0,1) % der ursprünglichen Aktivität
der nativen SH besaßen. Aufgrund der in Kapitel 3.1.2 ermittelten höheren Stabilität der SH
bei einem pH von 7,0, ist auszuschließen, dass die geringere Aktivität der Immobilisate nach
der Immobilisierung bei diesem pH-Wert durch eine Deaktivierung der SH verursacht wurde.
Vielmehr scheint die Immobilisierung bei pH 8,0 zu einer aktivieren Konformation der träger-
gebundenen SH geführt zu haben, weshalb die Enzymimmobilisierung im Weiteren auch bei
diesem pH-Wert durchgeführt wurde.
Da die Konzentration des Aktivierungsreagenzes Glutardialdehyd die Anzahl der verfügbaren
Bindestellen für die Trägerbindung des Enzyms bestimmt, wurde dieser Einflussparameter im
nächsten Schritt der Optimierungsanalyse untersucht [Singh et al., 2011]. Die dabei erhalte-
nen Ergebnisse der Aktivität sowie der Proteinbeladung der Immobilisate sind in Abbildung
3.45 dargestellt.
0,5 1 2,5 5
0
20
40
60
80
100
120
0
20
40
60
80
100
120
Enzymaktivität
Proteinbeladung
Proteinbeladung [%]
Relative Aktivität [%]
Konzentration Glutardialdehyd [%(v/v)]
Abbildung 3.45 Enzymaktivität und Proteinbeladung nach der Immobilisierung der SH auf
AmberliteTM FPA54 bei verschiedenen Glutardialdehydkonzentrationen. [Glutardialdehyd-
konzentrationen wie angegeben, 0,05 M Tris/HCl-Puffer (pH 8,0), RT, Enzym-Träger-
Verhältnis: 1:2000]
Ergebnisse und Diskussion 105
Die Variation der Glutardiadehydkonzentration zeigte keinen messbaren Einfluss auf die
Proteinbeladung, da stets 100 % der eingesetzten SH kovalent am Träger gebunden wurden.
Im Gegensatz dazu nahm die Aktivität der Immobilisate bei einer Verringerung der Glutardi-
aldehydkonzentration von 2,5 auf 1 % (v/v) zunächst zu (34,1 (± 0,1) %), wobei ein weiteres
Herabsetzten auf 0,5 % (v/v) dann zu einem langsamen Aktivitätsverlust führte. Die geringste
Aktivität von nur 14,7 (± 0,0) % besaßen die SH-Immobilisate jedoch bei einer Glutardialde-
hydkonzentration von 5 % (v/v). Dieser Aktivitätsverlust kann auf die Bildung von Enzym-
agglomeraten und der daraus resultierenden Verzerrung der Enzymstruktur bei hohen Glutar-
dialdehydkonzentrationen zurückgeführt werden [Dwevedi und Kayastha, 2009]. Die weitere
Aktivierung der Träger erfolgte somit bei einer Glutardialdehydkonzentration 1 % (v/v).
Die Veränderung der Inkubationszeit für die Aktivierung des Trägers zeigte weder einen
Einfluss auf die Proteinbeladung noch auf die Aktivität der SH-Immobilisate (Abbildung
3.46).
0,5 1 2
0
20
40
60
80
100
120
0
20
40
60
80
100
120
Enzymaktivität
Proteinbeladung
Proteinbeladung [%]
Relative Aktivitt [%]
Inkubationszeit der Träger [h]
Abbildung 3.46 Enzymaktivität und Proteinbeladung nach der Immobilisierung der SH auf
AmberliteTM FPA54 bei verschiedenen Inkubationszeiten des Trägers. [Inkubationszeiten des
Trägers wie angegeben, 0,05 M Tris/HCl-Puffer (pH 8,0), RT, 2,5 % (v/v) Glutardialdehyd,
Enzym-Träger-Verhältnis: 1:2000]
So genügte bereits eine Aktivierungszeit von einer halben Stunde um eine vergleichbar hohe
Aktivität der SH-Immobilisate von 35,7 (± 0,0) % sowie eine 100 %-ige Proteinbeladung wie
Ergebnisse und Diskussion 106
nach 1 oder 2 Stunden zu erzielen. Somit erfolgte die Trägeraktivierung weiterhin nur noch
über eine Zeitdauer von 30 Minuten.
Ähnliche Tendenzen wie bei der Dauer der Trägeraktivierung ergaben sich für den Einfluss
der Inkubationszeit des Enzyms auf die Proteinbeladung und die Aktivität der Immobilisate
(Abbildung 3.47). So zeigte sowohl die Erhöhung auf 2 Stunden als auch die Verringerung
der Inkubationszeit auf nur 15 Minuten keinen merklichen Effekt auf die beiden Größen.
Infolgedessen kann eine kurze Inkubationszeit für den Enzymbindungsschritt abgeleitet
werden, was eine zeiteffiziente Immobilisierung der SH ermöglicht. Darauf basierend wurde
für die weiteren Untersuchungen die Inkubationszeit der SH auf 15 Minuten reduziert. Dabei
besaßen die Immobilisate eine relative Aktivität von 39,3 (± 0,0) %.
0,25 0,5 1 2
0
20
40
60
80
100
120
0
20
40
60
80
100
120
Enzymaktivität
Proteinbeladung
Proteinbeladung [%]
Relative Aktivität [%]
Inkubationszeit des Enzyms [h]
Abbildung 3.47 Enzymaktivität und Proteinbeladung nach der Immobilisierung der SH auf
AmberliteTM FPA54 bei verschiedenen Inkubationszeiten des Enzyms. [Inkubationszeiten des
Enzyms wie angegeben, 0,05 M Tris/HCl-Puffer (pH 8,0), RT, 2,5 % (v/v) Glutardialdehyd,
Enzym-Träger-Verhältnis: 1:2000]
Wie erwartet, beeinflusste die Variation des Enzym-Träger-Verhältnisses sowohl die Protein-
beladung als auch die Aktivität der SH-Immobilisate (Abbildung 3.48). Dabei sank die
Enzymaktivität sowie die Menge gebundenen Proteins bei einer Erhöhung der Enzymmenge.
Bei einem Enzym-Träger-Verhältnis von 1:500 konnten somit nur noch 47,7 (± 1,4) % der
eingesetzten SH am Träger gebunden werden, wobei die relative Aktivität der Immobilisate
Ergebnisse und Diskussion 107
nur noch 9,6 (± 0,0) % betrug. Eine Verringerung der Enzymmenge von 0,1 auf 0,05 mg
(Enzym-Träger-Verhältnis: 1:4000) führte hingegen zu einer geringfügigen Abnahme der
Enzymaktivität von 39,3 (± 0,0) % auf 34,3 (± 0,0) %. Anhand dieser Ergebnisse lässt sich
daraus schließen, dass bei einem Enzym-Träger-Verhältnis von 1:2000 die gesamte Träger-
oberfläche mit gebundener SH gesättigt ist. Somit kann bei einer weiteren Erhöhung der
Enzymmenge dieses nicht mehr an der Matrix gebunden werden. Demnach ergibt sich ein
optimales Enzym-Träger-Verhältnis von 1:2000, wobei die Proteinbeladungsdichte 0,5·10-3
mg SH pro mg AmberliteTM FPA54 beträgt. Dieser Wert entspricht jenem, der bereits bei der
adsorptiven Immobilisierung ermittelt wurde. Die erfolgreiche kovalente Immobilisierung
lässt sich an dieser Stelle jedoch durch die Variation der Glutardialdehydkonzentration sicher-
stellen, da dieser Parameter einen deutlichen Einfluss auf die Aktivität der erhaltenen Immo-
bilisate zeigte. Im Fall einer vorrangig adsorptiven Trägerbindung der SH hätte dieser
Parameter anderenfalls zu keiner Veränderung der Aktivität der Immobilisate führen dürfen.
1:4000 1:2000 1:1000 1:500
0
20
40
60
80
100
0
20
40
60
80
100
Proteinbeladung [%]
Relative Aktivität [%]
Enzym-Träger-Verhältnis
Enzymaktivität
Proteinbeladung
Abbildung 3.48 Enzymaktivität und Proteinbeladung nach der Immobilisierung der SH auf
AmberliteTM FPA54 bei verschiedenen Enzym-Träger-Verhältnissen. [Enzym-Träger-
Verhältnisse wie angegeben, 0,05 M Tris/HCl-Puffer (pH 8,0), RT, 2,5 % (v/v) Glutardi-
aldehyd]
Letztlich betrug die maximale Aktivität der SH-Immobilisate 39,3 (± 0,0) %, wobei die
Gesamtmenge der eingesetzten SH am Träger gebunden wurde. Der optimale pH-Wert
während der Immobilisierung betrug dabei 8,0, die Glutardialdehydkonzentration 1 % (v/v)
Ergebnisse und Diskussion 108
und das Enzym-Träger-Verhältnis 1:2000. Zudem konnte gezeigt werden, dass es lediglich
einer Inkubationszeit von 30 Minuten bedarf, um eine vollständige Aktivierung der
Immobilisierungsmatrix zu erreichen. Die anschließende kovalente Bindung der SH an
AmberliteTM FPA54 beanspruchte zudem nur 15 Minuten.
3.4.2 Aktivität der Immobilisate
In Analogie zu den Untersuchungen der Aktivität der chemisch modifizierten SH (Kapitel
3.2.2) sowie des adsorptiv immobilisierten Enzyms (Kapitel 3.3.2) erfolgte die Bestimmung
der Aktivität der kovalent immobilisierten SH in Lösungsmittel-Wasser-Gemischen und in
IL-Wasser-Gemischen. Dabei wurde die relative Aktivität für das native kovalent immobili-
sierte Enzym sowie für die immobilisierte und zuvor chemisch modifizierte SH ebenfalls bei
35 °C und pH 8,0 unter Verwendung eines 0,05 M Tris/HCl-Puffers ermittelt und hinsichtlich
einer Aktivitätserhöhung bewertet.
Aktivität in Lösungsmittel-Wasser-Gemischen
Die kovalente Immobilisierung auf AmberliteTM FPA54 führte zu einer deutlichen Erhöhung
der Aktivität der SH in Gegenwart von polaren organischen Lösungsmitteln (Abbildung
3.49). So betrugen die relativen Aktivitäten der kovalent immobilisierten nativen SH 98,9 (±
2,2) %, 109,6 (± 5,0) % und 82,4 (± 3,0) % in 10 % (v/v) DMF, DMSO bzw. Isopropanol.
Verglichen mit der nativen SH entspricht dies einer Aktivitätserhöhung um 92, 59 bzw. 60 %.
Somit verursachten die drei betrachteten Lösemittel nur noch eine geringe Enzymdeaktivie-
rung bzw. im Fall von DMSO sogar eine Aktivierung der SH, wenn diese kovalent immobili-
siert im Reaktionsansatz vorlag. Diese verringerte Sensitivität der SH gegenüber polaren
organischen Lösungsmitteln ist auf die erhöhte Enzymrigidität zurückzuführen, die aus der
kovalenten Bindung des Proteins an einen festen Träger resultiert und auch schon für andere
Enzyme beschrieben wurde [Wan et al., 2010, Qigang et al., 2004]. Der beobachtete aktivie-
rende Einfluss von DMSO auf die trägergebundene SH kann im Zusammanhang mit
Wechselwirkungen des polaren Lösemittels mit den geladenen Aminosäuren des Enzyms
stehen, die in der Folge zu erhöhten Reaktivitäten führen [Azevedo et al., 2001].
Ergebnisse und Diskussion 109
DMF DMSO Isopropanol
0
20
40
60
80
100
120
native SH
kovalent immobilisierte SH
modifizierte und kovalent immobilisierte SH
Relative Aktivität [%]
Abbildung 3.49 Aktivität der kovalent immobilisierten nativen und modifizierten SH in 10 %
(v/v) DMF, DMSO und Isopropanol und Vergleich mit der nativen SH. [Lösungsmittel-
konzentration wie angegeben, 0,05 M Tris/HCl-Puffer (pH 8,0), 35 °C, 1 mM NAD+, 1 µM
FMN]
Wurde die native SH vor ihrer kovalenten Bindung an AmberliteTM FPA54 zusätzlich
chemisch modifiziert besaßen die dabei entstandenen Immobilisate geringere Aktivitäten von
90,1 (± 5,1) %, 80,1 (± 2,4) % und nur 35,3 (± 2,2) % in 10 % (v/v) DMF, DMSO bzw. Iso-
propanol. Die verringerte Aktivität der immobilisierten und zuvor modifizierten SH lässt sich
auf eine Abnahme der Enzymrigidität und der daraus resultierenden erhöhten Sensitivität der
SH-Immobilisate gegenüber deaktivierenden Einflüssen zurückführen. Als Ursache dafür
kann die verringerte Anzahl der zur Verfügung stehenden Bindestellen für die Bildung des
Enzym-Träger-Komplexes angenommen werden, da die dafür erforderlichen Aminofunktio-
nen von Lysin durch bereits kovalent gebundene mPEG-Moleküle blockiert sind.
Aktivität in IL-Wasser-Gemischen
Mittels der kovalenten Bindung der SH an AmberliteTM FPA54 ließen sich auch in den
untersuchten IL-Wasser-Gemischen wesentlich höhere Aktivitäten erzielen (Abbildung 3.50).
Hierbei besaßen die Immobilisate der nativen SH Aktivitäten von 162,6 (± 5,8) %, 163,2 (±
5,6) %, 134,1 (± 0,4) % und 142,9 (± 5,7) % in 2,5 und 5 % (v/v) [EMIM][EtSO4] bzw. 2,5
Ergebnisse und Diskussion 110
und 5 % (v/v) [MTEOA][MeSO4]. Verglichen mit der Aktivität der nativen SH in den beiden
ILs entspricht dies einer deutlichen Aktivitätszunahme. Somit führte die erhöhte Rigidität der
SH infolge ihrer Immobilisierung auch in diesen Lösemittelsystemen zu einer Verringerung
der Enzymsensitivität gegenüber der Gegenwart der untersuchten ILs und stimmt damit mit
Resultaten anderer Enzyme überein [Persson und Bornscheuer, 2003]. Zudem zeigten die
Immobilisate der zuvor chemisch modifizierten SH wiederholt geringere Aktivitäten als die
Immobilisate des nativen Enzyms in den IL-Wasser-Gemischen. Auch in diesem Fall ist
dieser Effekt auf die geringere Enzymrigidität infolge der Bindung von mPEG an der Protein-
oberfläche und dem damit einhergehenden verringerten Anteil der Enzym-Träger-Bindungen
zurückzuführen.
2,5% [EMIM][EtSO
4
]
5% [EMIM][EtSO
4
]
2,5% [MTEOA][MeSO
4
]
5% [MTEOA][MeSO
4
]
0
50
100
150
200
native SH
kovalent immobilisierte SH
modifizierte und kovalent immobilisierte SH
Relative Aktivität [%]
Abbildung 3.50 Aktivität der kovalent immobilisierten nativen und modifizierten SH in 2,5
und 5 % (v/v) [EMIM][EtSO4] und [MTEOA][MeSO4] und Vergleich mit der nativen SH.
[IL-Konzentrationen wie angegeben, 0,05 M Tris/HCl-Puffer (pH 8,0), 35 °C, 1 mM NAD+, 1
µM FMN]
3.4.3 Stabilität der Immobilisate
Die Untersuchung der Stabilität der SH-Immobilisate erfolgte ebenfalls in rein wässrigen
Medien, in Lösungsmittel-Wasser-Gemischen und in IL-Wasser-Gemischen. Die Inkubations-
Ergebnisse und Diskussion 111
bedingungen betrugen wie auch schon bei der nativen, chemisch modifizierten und adsorptiv
immobilisierten SH stets 35 °C und pH 8,0 unter Verwendung eines 0,05 M Tris/HCl-Puffers.
Die ermittelten Halbwertszeiten wurden sowohl für das immobilisierte native als auch für das
immobilisierte und zuvor modifizierte Enzym hinsichtlich einer Stabilisierung in den ver-
schiedenen Lösemittelsystemen bewertet.
Stabilität in rein wässrigen Medien
Die kovalente Bindung an AmberliteTM FPA54 führte zu einer signifikanten Erhöhung der
SH-Stabilität in rein wässrigen Systemen (Abbildung 3.51).
00 01
0
5
10
15
20
25
native SH
kovalent immobilisierte SH
modifizierte und kovalent immobilisierte SH
Halbwertszeit [h]
Abbildung 3.51 Stabilität der kovalent immobilisierten nativen und modifizierten SH in rein
wässrigen Medien unter mechanischer Beanspruchung und ohne und Vergleich mit der
nativen SH. [00-ohne Rühren, 01-Magnetrührer (400 Upm); 0,05 M Tris/HCl-Puffer (pH 8,0),
35 °C]
Die Halbwertszeit der immobilisierten nativen SH und die der immobilisierten und zuvor
chemisch modifizierten SH betrugen 19,1 (± 2,5) bzw. 22,1 (± 4,2) h in reinem Puffer, ohne
dass die Immobilisate einer mechanischen Beanspruchung ausgesetzt wurden. Bei einem
Vergleich der gemessenen Halbwertszeiten mit denen der nativen SH ergaben sich Stabilisie-
rungsfaktoren von 3,6 bzw. 4,2 für die immobilisierte native bzw. die immobilisierte
mPEGylierte SH. Wurde das Inkubationssystem zusätzlich gerührt und somit eine mechani-
Ergebnisse und Diskussion 112
sche Beanspruchung der Immobilisate herbeigeführt, ließen sich Stabilisierungsfaktoren von 6
bzw. 4,8 für die immobilisierte native bzw. die immobilisierte mPEGylierte SH erzielen. So-
mit konnte die mechanische Stabilität der SH im Zuge der kovalenten Immobilisierung bedeu-
tend erhöht werden, wie es auch schon für andere Enzyme beschrieben wurde [Kumari und
Kayastha, 2011, Bolivar et al., 2006]. Der beobachtete stabilisierende Effekt lässt sich dabei
ebenfalls auf die allgemeine Erhöhung der Enzymrigidität infolge der Immobilisierung
zurückführen [Iyer und Ananthanarayan, 2008, Fernández-Lafuente et al., 1999]. Des Weite-
ren zeigte die zusätzliche chemische Modifizierung keinen Einfluss auf die Stabilität der SH-
Immobilisate. Ein Vergleich dieser Resultate mit früheren Ergebnissen für die Immobilisie-
rung der SH gestaltet sich an dieser Stelle schwierig, da die damaligen Stabilitätsuntersuchun-
gen unter abweichenden Bedingungen durchgeführt wurden und zudem keine Quantifizierung
der Enzymstabilität über die Halbwertszeit erfolgte [Deloggio und Graves, 1988, Popov et al.,
1986, Payen et al., 1983, Danielson et al., 1982, Egerer und Simon, 1982].
Stabilität in Lösungsmittel-Wasser-Gemischen
Die kovalente Immobilisierung führte zu einer beachtlichen Erhöhung der Lösungsmittelsta-
bilität der SH (Abbildung 3.52). Die Halbwertszeiten der Immobilisate der nativen SH betru-
gen 13,9 (± 0,5) h, 28,7 (± 4,9) h und 15,9 (± 1,0) h in 10 % (v/v) DMF, DMSO bzw. Isopro-
panol, was verglichen mit dem nativen Enzym beachtlichen Stabilisierungsfaktoren von 139,
28,7, bzw. 159 entspricht. Ähnliche stabilisierende Effekte der kovalenten Immobilisierung
wurden bislang auch für verschiedene andere Enzyme in Gegenwart von organischen
Lösungsmitteln beschrieben [Betancor et al., 2006, Bolivar et al., 2006, Hidalgo et al., 2003,
Sheffield et al., 1994]. Wurde die SH vor ihrer kovalenten Immobilisierung zusätzlich mit
mPEG modifiziert, besaßen die Immobilisate geringere Halbwertszeiten von 9,9 (± 0,1) h,
17,1 (± 0,3) h und 14,9 (± 1,4) h in 10 % (v/v) DMF, DMSO bzw. Isopropanol. Die in diesem
Fall beobachtete verminderte Stabilität der SH-Immobilisate lässt sich wiederholt darauf
zurückführen, dass das immobilisierte und zuvor chemisch modifizierte Enzym eine geringere
Enzymrigidität aufweist als das immobilisierte native Enzym. Da in dem untersuchten
Bereich der Lösungsmittelstabilität der SH bislang noch keine Studien durchgeführt wurden,
ist ein Vergleich der gezeigten Ergebnisse mit entsprechenden Literaturdaten nicht möglich.
Ergebnisse und Diskussion 113
DMF DMSO Isopropanol
0
5
10
15
20
25
30
35
native SH
kovalent immobilisierte SH
modifizierte und kovalent immobilisierte SH
Halbwertszeit [h]
Abbildung 3.52 Stabilität der kovalent immobilisierten nativen und modifizierten SH in 10 %
(v/v) DMF, DMSO und Isopropanol und Vergleich mit der nativen SH. [Lösungsmittel-
konzentration wie angegeben, 0,05 M Tris/HCl-Puffer (pH 8,0), 35 °C]
Stabilität in IL-Wasser-Gemischen
Auch in den gewählten IL-Wasser-Gemischen wies die kovalent immobilisierte SH bedeutend
höhere Halbwertszeiten als das native Enzym auf (Abbildung 3.53). Hiebei konnten für das
immobilisierte native Enzym beachtlich hohe Halbwertszeiten von 15,5 (± 0,9) h und 4,4 (±
0,5) h bzw. 17,5 (± 0,4) h und 16,9 (± 1,5) h ermittelt werden, wenn jeweils 2,5 und 5 % (v/v)
[EMIM][EtSO4] bzw. 2,5 und 5 % (v/v) [MTEOA][MeSO4] zum Inkubationsansatz gegeben
wurden. Die dabei erhaltenen Stabilisierungsfaktoren betrugen 17,2 und 8,8 bzw. 2,5 und 9,4.
Die zusätzliche chemische Modifizierung der SH-Immobilisate führte wiederholt zu einer
Abnahme der Halbwertszeiten der rein kovalent immobilisierten SH. Folglich betrugen die
Stabilisierungsfaktoren nur noch 13,2 und 11,8 bzw. 1,7 und 5,3 in 2,5 und 5 % (v/v)
[EMIM][EtSO4] bzw. 2,5 und 5 % (v/v) [MTEOA][MeSO4]. Auch diese Ergebnisse lassen
auf die Abnahme der Rigidität der immobilisierten SH infolge der zusätzlichen chemischen
Modifizierung schließen.
Ergebnisse und Diskussion 114
2,5% [EMIM][EtSO
4
]
5% [EMIM][EtSO
4
]
2,5% [MTEOA][MeSO
4
]
5% [MTEOA][MeSO
4
]
0
5
10
15
20
native SH
kovalent immobilisierte SH
modifizierte und kovalent immobilisierte SH
Halbwertszeit [h]
Abbildung 3.53 Stabilität der kovalent immobilisierten nativen und modifizierten SH in 2,5
und 5 % (v/v) [EMIM][EtSO4] und [MTEOA][MeSO4] und Vergleich mit der nativen SH.
[IL-Konzentrationen wie angegeben, 0,05 M Tris/HCl-Puffer (pH 8,0), 35 °C]
3.4.4 Rezyklierung der Immobilisate
Im Anschluss an die Untersuchung der Aktivität und Stabilität der kovalent immobilisierten
SH erfolgte die Bestimmung der Rezyklierbarkeit der Immobilisate. Dazu wurden sowohl die
immobilisierte native SH als auch die immobilsierte und zuvor chemisch modifizierte SH
wiederholt bei der Reduktion von 1 mM NAD+ eingesetzt. Die dabei ermittelten relativen
Aktivitäten der immobilisierten SH nach jeder der insgesamt fünf durchgeführten Reaktionen
sind in Abbildung 3.54 dargestellt. Hierbei zeigte sich, dass die Aktivität beider Immobilisate
nach jedem Reaktionsdurchlauf kontinuierlich abnimmt. So betrug die relative Aktivität der
immobilisierten nativen SH bzw. des immobilisierten und mPEGylierten Enzyms nach der
ersten Reaktion zwar noch 100,3 (± 3,9) bzw. 99,3 (± 4,2) %. Während der fünften Reaktion
betrug die relative Aktivität dann aber nur noch 60,2 (± 5,3) bzw. 63,7 (± 5,4) %. Somit kam
es auch im Rahmen der Rezyklierung der kovalent immobilisierten SH zu einer Deaktivierung
der Immobilisate. Da auch bei der Untersuchung der Rezyklierbarkeit der kovalent
immobilisierten SH eine zunehmende mechanische Instabilität der AmberliteTM FPA54-
Ergebnisse und Diskussion 115
Partikel infolge der permanent wirkenden Scherkräfte zu beobachten war, kann nicht
ausgeschlossen werden, dass daraus ein inaktivierender Einfluss auf die immobilisierte SH
resultierte. Des Weiteren könnte der beobachtete Aktivitätsverlust ebenfalls durch das
vorgenommene Waschen der Immobilisate zwischen den einzelnen Reaktionsdurchläufen und
einem damit einhergehenden Enzymverlust hervorgerufen worden sein.
12345
0
20
40
60
80
100
120
[A]
Relative Aktivit [%]
Anzahl der Reaktionen
12345
0
20
40
60
80
100
120
[B]
Relative Aktivit [%]
Anzahl der Reaktionen
12345
0
20
40
60
80
100
120
[A]
Relative Aktivität [%]
Anzahl der Reaktionen
12345
0
20
40
60
80
100
120
[B]
Relative Aktivität [%]
Anzahl der Reaktionen
Abbildung 3.54 Aktivität der kovalent immobilisierten nativen [A] und modifizierten [B] SH
während der Rezyklierung bei fünf Reaktionsdurchläufen. [0,05 M Tris/HCl-Puffer (pH 8,0),
35 °C, 1 mM NAD+, 1 µM FMN]
3.4.5 Zusammenfassung
Durch die kovalente Immobilisierung der SH sollte eine weitere Erhöhung ihrer Stabilität
gegenüber inaktivierenden Einflüssen erreicht werden, da die kovalente Bindung an einen
geeigneten Träger (AmberliteTM FPA54) gewöhnlich zu einer weiteren Zunahme der Protein-
rigidität führt. Optimierungsuntersuchungen ergaben eine maximale Restaktivität von 39,3 %
und eine vollständige Proteinbeladung der Träger bei einem pH-Wert von 8, einer Glutar-
dialdehydkonzentration von 1 % (v/v) und einem Enzym-Träger-Verhältnis von 1:2000.
Ergebnisse und Diskussion 116
Zudem genügte eine sehr kurze Inkubationszeit der Träger mit Glutardialdehyd (0,5 h) als
auch des Enzyms (0,25 h) während seiner Immobilisierung um diese maximale Enzym-
aktivität und Proteinbeladung zu erzielen. Verglichen mit der chemischen Modifizierung mit
mPEG (Kapitel 3.2) und der adsorptiven Immobilisierung (Kapitel 3.3) führte die kovalente
Immobilisierung in allen betrachteten Lösemittelsystemen zu einer deutlich stärkeren
Stabilisierung der SH. In diesem Zusammenhang konnten beachtliche Stabilisierungsfaktoren
von bis zu 159 in 10 % (v/v) Isopropanol ermittelt werden. Die zusätzliche chemische Modifi-
zierung der SH erzielte hingegen keine weitere Enzymstabilisierung, sondern bewirkte
vielmehr eine Abnahme dieser infolge einer möglicherweise verringerten Enzymrigidität.
Schlussendlich wurde durch die kovalente Immobilisierung der SH ein äußerst stabiles sowie
rezyklierbares Enzympräparat bereitgestellt, das verglichen mit dem nativen Protein eine
ökonomischere Reaktionsführung erlaubt, insbesondere wenn polare organische Lösemittel
aber auch ILs eingesetzt werden.
3.5 Einsatz der SH bei der reduktiven Cofaktorregenerierung
Im Anschluss an die Charakterisierung und der daraufhin folgenden Stabilisierung der SH
wurde diese als Regenerierungsenzym für den Cofaktor NADH in Kombination mit der
CPCR eingesetzt. Als Modellreaktion diente die asymmetrische Reduktion von Acetophenon
zu (S)-1-Phenylethanol, wobei die Kapazität der SH anhand des direkten Vergleichs mit dem
derzeit bedeutendsten Cofaktorregenerierungssystem bewertet wurde, der Formiat-
dehydrogenase aus Candida boidinii (FDH) [Patel, 2003, Shaked und Whitesides, 1980, Kula
und Wandrey, 1987]. Zwar existieren gegenwärtig Studien, die die Anwendung der SH bei
der Regenerierung von NADH beschreiben, jedoch erfolgte bislang nie eine Bewertung der
Effizienz dieses Systems und ein Vergleich mit dem etablierten FDH-katalysierten Prozess
[Andersson et al., 1998, Hasumi et al., 1992, Okura et al., 1990, Otsuka et al., 1987, Payen et
al., 1983].
Bei der Wahl der Reaktionsbedingungen der CPCR-katalysierten Reduktion von Aceto-
phenon sollten die in Kapitel 3.1.3 ermittelten pH- und Temperaturverhältnisse, die zu einer
möglichst hohen Aktivität bei einer gleichzeitig maximalen Stabilität der SH führten,
Berücksichtigung finden, weshalb die Reaktion bei 30 °C und pH 7,5 erfolgte. Diese
Ergebnisse und Diskussion 117
Bedingungen gewährleisteten zudem eine hohe katalytische Aktivität der anderen beteiligten
bzw. betrachteten Enzyme, der CPCR und der FDH [Steinsiek, 2006, Bhattacharjee, 2005].
Alle weiteren Reaktionsbedingungen wurden in Anlehnung an die Arbeiten von Steinsiek
gewählt [Steinsiek, 2006], wobei die Reaktionsumsätze über eine Zeit von 4 Stunden
bestimmt wurden. Neben der Untersuchung der NADH-Regenerierung mit der nativen SH
erfolgte zudem der Einsatz der chemisch modifizierten, der adsorptiv immobilisierten sowie
der kovalent immobilisierten SH unter analogen Reaktionsbedingungen.
3.5.1 Regenerierung von NADH mit nativer SH
Die Untersuchung der Reaktionsumsätze von Acetophenon erfolgte in Abhängigkeit von der
Konzentration des jeweiligen Cofaktorregenerierungsenzyms, wobei je 1, 2 und 4 U mL-1 der
SH bzw. der FDH eingesetzt wurden (Abbildung 3.55).
01234
0
20
40
60
80
100
[A]
1 U mL
-1
SH
2 U mL
-1
SH
4 U mL
-1
SH
Reaktionsumsatz [%]
Zeit [h]
01234
0
20
40
60
80
100
[B]
1 U mL
-1
FDH
2 U mL
-1
FDH
4 U mL
-1
FDH
Reaktionsumsatz [%]
Zeit [h]
01234
0
20
40
60
80
100
[A]
1 U mL
-1
SH
2 U mL
-1
SH
4 U mL
-1
SH
Reaktionsumsatz [%]
Zeit [h]
01234
0
20
40
60
80
100
[B]
1 U mL
-1
FDH
2 U mL
-1
FDH
4 U mL
-1
FDH
Reaktionsumsatz [%]
Zeit [h]
Abbildung 3.55 Reaktionsumsätze von Acetophenon bei variierenden SH- [A] und FDH-
Konzentrationen [B]. [SH/FDH: 1, 2, 4 U mL-1, 0,35 U mL-1 CPCR, 0,1 M TEA/HCl-Puffer
(pH 7,5), 30 °C, 45 mM Acetophenon, 1 mM NADH, 1 mM DTT]
Ergebnisse und Diskussion 118
Wie erwartet, ergab sich für beide Cofaktorregenerierungsenzyme eine Abhängigkeit
zwischen deren Konzentration und der Acetophenonumsätze in definierten Zeiträumen. So
nahm die Anfangsreaktionsgeschwindigkeit im Zuge der Erhöhung der SH- bzw. FDH-
Konzentration ebenfalls zu. Für das FDH-katalysierte Cofaktorregenerierungssystem befinden
sich diese Resultate in Übereinstimmung mit den Ergebnissen von Steinsiek [Steinsiek,
2006]. Nach einer Reaktionszeit von 0,5 Stunden betrug der Umsatz bei der höchsten
Cofaktorregenerierungsenzymkonzentration von 4 U mL-1 60,2 (± 3,3) % für das CPCR/SH-
System und 58 (± 2,2) % für das CPCR/FDH-System. Das verdeutlicht, dass die Kapazität der
SH zur Regenerierung von NADH vergleichbar hoch ist wie die der üblich eingesetzten FDH.
Der Endumsatz der Reaktion erreichte in dem CPCR/SH-System 88,8 (± 0,3) % und in dem
CPCR/FDH-System 95,4 (± 4) %, was im Fall der FDH ebenfalls mit den Ergebnissen von
Steinsiek korreliert [Steinsiek, 2006]. Innerhalb der ersten 1,5 Stunden waren bei beiden
betrachteten Regenerierungssystemen vergleichbare Reaktionsumsätze zu beobachten. Diese
stagnierten jedoch im Fall des CPCR/SH-Systems während des weiteren Reaktionsverlaufs,
was sich auf die begrenzte Stabilität der SH unter den gewählten Bedingungen zurückführen
lässt. Dabei kann angenommen werden, dass es insbesondere infolge der kontinuierlichen
Durchmischung des Reaktionssystems durch den eingesetzten Magnetrührer zu einer Deakti-
vierung der SH kommt, so wie es beobachtet wurde.
Nach Beendigung der Reaktion nach einer Zeit von 4 Stunden wurden für beide Regenerie-
rungssysteme die TTNs bei den verschiedenen Konzentrationen der SH und FDH berechnet
(Abbildung 3.56). Hiebei zeigte sich, dass das SH-katalysierte Regenerierungssystem eine
deutliche höhere TTN erzielt als das FDH-System. So betrug die TTN bei der geringsten
Cofaktorregenerierungsenzymkonzentration von 1 U mL-1 143666 (± 5450) im Fall der SH
und nur 1685 (± 14), wenn die FDH zur Regenerierung von NADH eingesetzt wurde. Bei
einer Cofaktorregenerierungsenzymkonzentration von 4 U mL-1 erreichte das SH-System eine
TTN von 50199 (± 180), die 100-fach höher ist als die der FDH (494 (± 21)). Aufgrund dieser
Ergebnisse, kann das SH-Regenerierungssystem als das deutlich effizientere ausgewiesen
werden, was auf die deutlich höhere spezifische Aktivität der SH im Vergleich zur FDH
zurückzuführen ist. In diesem Zusammenhang besaß die SH eine spezifische Aktivität von
24,2 U mg-1, wohingegen die der FDH lediglich 0,4 U mg-1 betrug. Für technische Anwen-
Ergebnisse und Diskussion 119
dungen stellt dieses Ergebnis einen beachtlichen Vorteil dar, da es im Fall der SH deutlich
geringeren Enzymmengen bedarf, um vergleichbare Reaktionsumsätze zu erzielen.
124
0
1000
2000
3000
40000
80000
120000
160000
TTN [%]
Coenzymaktivität [U mL
-1
]
SH
FDH
Abbildung 3.56 TTN [nProdukt/nEnzym] der SH und FDH nach Beendigung der Reaktion.
[SH/FDH: 1, 2, 4 U mL-1, 0,35 U mL-1 CPCR, 0,1 M TEA/HCl-Puffer (pH 7,5), 30 °C,
45 mM Acetophenon, 1 mM NADH, 1 mM DTT]
3.5.2 Regenerierung von NADH mit chemisch modifizierter SH
Die Reaktionsumsätze, die bei der Regenerierung von NADH mit der chemisch modifizierten
SH bestimmt wurden, sind in Abbildung 3.57 dargestellt. Die Regenerierung erfolgte dabei
unter Verwendung einer Cofaktorregenerierungsenzymkonzentration von 4 U mL-1. Wie sich
zeigte, wurden mit der chemisch modifizierten SH zu Beginn der Reaktion vergleichbare
Reaktionsumsätze wie mit der äquivalenten Konzentration des nativen Enzyms erzielt. So
betrug der Umsatz von Acetophenon nach einer Reaktionszeit von 0,5 Stunden 60,5 (± 8,4) %
bei der Verwendung der mPEGylierten SH und im Vergleich dazu 60,2 (± 3,3) %, wenn die
NADH-Regenerierung mit 4 U mL-1 des nativen Enzyms erfolgte (Kapitel 3.5.1). Im
Gegensatz dazu war der Endumsatz von Acetophenon bei der chemisch modifizierten SH mit
98,4 (± 1,4) % um 9,6 % höher als bei der nativen SH (88,8 (± 0,3) %). Diese
Umsatzerhöhung kann auf die erhöhte Stabilität der chemisch modifizierten SH gegenüber
Scherkräften in rein wässrigen Systemen zurückgeführt werden, wie in Kapitel 3.2.3 bestimmt
wurde.
Ergebnisse und Diskussion 120
01234
0
20
40
60
80
100
Reaktionsumsatz [%]
Zeit [h]
Abbildung 3.57 Reaktionsumsatz von Acetophenon unter Einsatz der chemisch modifizierten
SH. [SH 4 U mL-1, 0,35 U mL-1 CPCR, 0,1 M TEA/HCl-Puffer (pH 7,5), 30 °C, 45 mM
Acetophenon, 1 mM NADH, 1 mM DTT]
3.5.3 Regenerierung von NADH mit adsorptiv immobilisierter SH
Für den Einsatz der adsorptiv immobilisierten SH bei der Reduktion von Acetophenon
wurden die gleichen Reaktionsbedingungen gewählt wie bereits bei der Verwendung der
nativen und auch chemisch modifizierten SH. Demnach wurde diejenige Menge an SH-
Immobilisaten eingesetzt, die nach der Immobilisierung eine Restaktivität von 4 U mL-1 auf-
wiesen. Zudem wurden die Immobilisate nach Beendigung der Reaktion nach 4 Stunden
filtriert, gewaschen und bei einer erneuten Reduktion von Acetophenon eingesetzt. Die dabei
erhaltenen Ergebnisse für die Reaktionsumsätze sind in Abbildung 3.58 dargestellt. Anhand
der ermittelten Reaktionsumsätze des ersten Reaktionsdurchlaufs zeigte sich, dass der Einsatz
der immobilisierten SH im Vergleich zur nativen SH zu deutlich geringeren Acetophenonum-
sätzen führte. So betrug die Menge des umgesetzten Substrats nach einer Reaktionszeit von
0,5 Stunden nur 42,4 (± 3,9) %, was verglichen mit der nativen SH einem um etwa 20 %
geringerem Umsatz entspricht. Auch nach 2 Stunden erreichte der Umsatz nur einen Wert von
62,2 (± 0,4) %. Beim Einsatz der nativen SH betrug der Reaktionsumsatz zu diesem Zeitpunkt
dagegen schon 87,7 (± 0,8) % und somit ca. 25 % mehr als im Fall der SH-Immobilisate.
Schlussendlich konnte bis zum Abbruch der Reaktion nach 4 Stunden ein Umsatz von 74,7 (±
Ergebnisse und Diskussion 121
1,0) % erreicht werden. Aufgrund der unerwarteten geringeren Umsätze beim Einsatz der
immobilsierten SH wurden des Weiteren Messungen durchgeführt, die zeigen sollten, ob es
während der Reduktion von Acetophenon zu Adsorptionserscheinungen der beteiligten
Reaktanden an den eingesetzten Träger AmberliteTM FPA54 kommt. Hiebei ergab sich, dass
sowohl Acetophenon als auch 1-Phenylethanol ungleichmäßig am Träger adsorbierten, wobei
stetig etwa doppelt so hohe Konzentrationen des entstehenden Produktes adsorbierten im Ver-
gleich zu Acetophenon. Somit können die ermittelten geringeren Umsätze auf Adsorptions-
vorgänge während der Reaktion zurückgeführt werden. Bei der Durchführung der zweiten
Reaktion mit den filtrierten und gewaschenen Immobilisaten wurde nach einer Reaktionszeit
von 0,5 Stunden noch immer ein Umsatz von 36,7 (± 2,3) % erhalten. Auch zu den darauf-
folgenden Zeiten nahm der Reaktionsumsatz stetig zu und erreichte nach 4 Stunden einen
Wert von 62,2 (± 2,6) %. Somit konnte gezeigt werden, dass das immobilisierte Enzym ver-
glichen mit der nativen SH eine deutlich höhere Stabilität aufweist, um bei einer wiederholten
Anwendung zu nur geringfügig verringerten Umsätzen zu führen. Aus ökonomischer Sicht
stellt das einen bedeutenden Vorteil für technische Anwendungen der SH dar. Die ermittelten
geringeren Umsätze während der Reduktion von Acetophenon wurden zuvor schon
begründet.
01234
0
20
40
60
80
100
1. Reaktion
2. Reaktion
Reaktionsumsatz [%]
Zeit [h]
Abbildung 3.58 Reaktionsumsatz von Acetophenon beim Einsatz der adsorptiv immobilisier-
ten SH bei zwei aufeinanderfolgenden Reaktionen. [SH 4 U mL-1, 0,35 U mL-1 CPCR, 0,1 M
TEA/HCl-Puffer (pH 7,5), 30 °C, 45 mM Acetophenon, 1 mM NADH, 1 mM DTT]
Ergebnisse und Diskussion 122
3.5.4 Regenerierung von NADH mit kovalent immobilisierter SH
Analog zu den Untersuchungen des Einsatzes der adsorptiv immobilisierten SH bei der
Regenerierung von NADH (Kapitel 3.5.3) erfolgte die Verwendung der kovalent
immobilisierten SH bei der Reduktion von Acetophenon. Im Rahmen dessen zeigte sich, dass
anhand der kovalent immobilisierten SH vergleichbare Umsätzen erzielt werden können wie
mit dem adsorptiv immobilisierten Enzym (Abbildung 3.59).
01234
0
20
40
60
80
100
1. Reaktion
2. Reaktion
Reaktionsumsatz [%]
Zeit [h]
Abbildung 3.59 Reaktionsumsatz von Acetophenon beim Einsatz der kovalent
immobilisierten SH bei zwei aufeinanderfolgenden Reaktionen. [SH 4 U mL-1, 0,35 U mL-1
CPCR, 0,1 M TEA/HCl-Puffer (pH 7,5), 30 °C, 45 mM Acetophenon, 1 mM NADH, 1 mM
DTT]
Während des ersten Reaktionsdurchlaufs wurden Umsätze von 49,4 (± 1,5) %, 70,9 (± 0,3) %
und 76,8 (± 1,8) % nach einer Reaktionszeit von 0,5, 2 bzw. 4 Stunden bestimmt. Im
Vergleich dazu lieferte der Einsatz der SH-Immobilisate während des zweiten Durchlaufs
etwas niedrigere Umsätze von 42,2 (± 2,8) %, 62 (± 4,7) % und 74,9 (± 4,5) % nach den
entsprechenden Reaktionszeiten. Als Ursache für die beobachteten geringen Reaktions-
umsätze, die im Vergleich zur nativen SH bestimmt wurden, sind ebenfalls die in Kapitel
3.5.3 beobachteten unsteten Adsorptionserscheiungen der beteiligten Reaktanden zu nennen.
Schlussendlich konnte auch anhand dieser Resultate gezeigt werden, dass die eingesetzte
kovalent immobilisierte SH ebenfalls eine deutlich erhöhte Stabilität aufweist. Im Zuge
Ergebnisse und Diskussion 123
dessen ließen sich bei einem wiederholten Einsatz der SH-Immobilisate erneut hohe
Reaktionsumsätze erzielen, was aus ökonomischer Sicht einen beachtlichen Vorteil gegenüber
des Einsatzes des gelösten nativen Enzyms darstellt, da dadurch eine wirtschaftlichere
Prozessführung erlaubt wird.
3.5.5 Zusammenfassung
Es konnte gezeigt werden, dass die native SH ein erfolgversprechender Biokatalysator zur
Regeneration von NADH in asymmetrischen Reduktionen ist, da sie verglichen mit der
konventionell eingesetzten FDH bei nur geringfügig niedrigeren Endumsätzen bedeutend
höhere TTNs infolge ihrer höheren spezifischen Aktivität erreicht. Für technische Anwendun-
gen stellt dieses Ergebnis einen bedeutenden Vorteil dar, da im Fall der SH geringere Protein-
mengen nötig sind, um vergleichbar hohe Reaktionsumsätze zu erzielen. Wurde die SH in
ihrer chemisch modifizierten Form eingesetzt, gelang es, die Endumsätze um weitere 10 %
auf etwa 98 % zu erhöhen, was den mittels der FDH erzielten Reaktionsumsätzen entspricht.
Die adsorptiv sowie die kovalent immobilisierte SH führte zwar aufgrund von unsteten
Adsorptionsvorgängen der beteiligten Reaktanden am eingesetzten Immobilisierungsträger zu
scheinbar geringeren Umsätzen, jedoch konnte bei deren wiederholtem Einsatz ein vergleich-
bar hoher Endumsatz erzielt werden, was nochmals die erhöhte Stabilität des immobilisierten
Enzyms demonstriert. Es wurde somit ein den industriellen Anforderungen entsprechender
Biokatalysator zur NADH-Regenerierung bereitgestellt, der eine effiziente und somit
ökonomischere Prozessführung erlaubt. Basierend auf diesen Ergebnissen kann ein
technischer Einsatz der SH in industriell bedeutenden Synthesen wie der Produktion von (L)-
tert-Leucin angestrebt werden.
Zusammenfassung 124
4 Zusammenfassung
Die lösliche Hydrogenase aus Ralstonia eutropha H16 (SH) ist aufgrund ihrer Bidirektionali-
tät und ihrer Toleranz gegenüber Sauerstoff ein vielversprechender Biokatalysator zur Rege-
nerierung des Cofaktors NADH. Dieser wird in zahlreichen asymmetrischen Synthesen zur
Herstellung chiraler Hydroxysäuren, Aminosäuren oder Alkohole durch Oxidoreduktasen
benötigt. Aufgrund des Bestrebens einer ökonomischen Prozessführung in industriellen
Anwendungen bedarf es der Regenerierung von NADH im Reaktionsansatz. Da das gegen-
wärtig etablierte Verfahren, das die Formiatdehydrogenase aus Candida boidinii (FDH) als
Cofaktorregenerierungsenzym nutzt, noch immer eine geringe Effizienz besitzt, besteht das
Bestreben ein alternatives Regenerierungssystem bereitzustellen. Ein hydrogenasegekoppeltes
System, welches die SH nutzt, stellt in diesem Zusammenhang eine interessante Alternative
dar. Für eine solche Anwendung wurde jedoch bislang noch keine umfassende
Charakterisierung, Bewertung sowie eine gezielte Anpassung der SH an die geforderten
Prozessbedingungen vorgenommen. Aus diesem Grund erfolgte in der vorliegenden Arbeit
eine systematische Analyse der SH unter prozessrelevanten Bedingungen sowie die
Untersuchung verschiedener Stabilisierungsstrategien.
Zunächst wurde der Einfluss verschiedener technisch relevanter Parameter auf die Aktivität
und Stabilität der SH ermittelt. Dazu zählten die Temperatur, der pH-Wert, verschiedene
Salzionen, organische Lösungsmittel, sowie ionische Flüssigkeiten und die mechanische
Beanspruchung in Form von Scherkräften. Dabei zeigte sich, dass die SH eine ausgeprägte
Sensitivität gegenüber einer Vielzahl der untersuchten Einflussgrößen aufweist. So resultierte
aus der Erhöhung der Temperatur über 35 °C sowie des pH-Wertes über 8,0 eine starke
Inaktivierung der SH. Die Gegenwart von Natriumionen führte wiederum zu einer 70 %-igen
Inhibierung des Enzyms, wohingegen Phosphationen eine Verringerung der Stabilität
bewirkten. Dem gegenüber besaßen Sulfationen einen enzymstabilisierenden Einfluss. Ein
besonders drastischer Aktivitäts- und Stabilitätsverlust der SH wurde in Gegenwart der
verschiedener organischen Lösungsmittel, bei denen es sich um DMF, DMSO und Iso-
propanol handelte, sowie beim Zusatz verschiedener ionischen Flüssigkeiten (ILs) ermittelt.
[MTEOA][MeSO4] bildete dabei eine Ausnahme, da die SH bei Zugabe dieser ionischen
Flüssigkeit bedingt stabilisiert werden konnte. Wurde die SH einer mechanischen Beanspru-
Zusammenfassung 125
chung ausgesetzt, zeigte das Enzym dagegen abermals eine rapide Deaktivierung. Im
Weiteren wurde anhand des design of experiments (DOE) die gegenseitige Beeinflussung der
Temperatur und des pH-Wertes hinsichtlich derer Effekte auf die Aktivität und Stabilität der
SH untersucht. Dies sollte vorrangig der Bestimmung geeigneter Tempartur- und pH-
Bedingungen dienen, die zu einer möglichst maximalen Enzymaktivität bei einer gleichzeitig
hohen Stabilität der SH führen. Hierbei zeigte sich, dass die Reaktionstemperatur nicht ober-
halb von 30 °C und der pH zwischen 7,4 und 7,9 liegen sollte. Da die Zugabe von organi-
schen Lösungsmitteln sowie von ILs zu einer drastischen Deaktivierung der SH führte, viele
technische Anwendungen die Gegenwart dieser Medien jedoch erfordern, wurden im weiteren
Verlauf verschiedene Strategien zur Stabilisierung des Enzyms untersucht.
Durch chemische Modifizierung der freien Aminogruppen der SH wurden zunächst die
chemischen Funktionalitäten auf der Proteinoberfläche verändert, um diese gegenüber Inter-
aktionen mit Lösungsmitteln abzuschirmen. Die Modifizierung der SH mit mPEG5000 führte
bei einem Enzym-mPEG-Verhältnis von 1:500 zu hohen Restaktivitäten von 91 %. Zudem
konnte die zuvor beobachtete ausgeprägte Sensitivität des Enzyms gegenüber polaren
organischen Lösungsmitteln deutlich verringert werden. Dabei konnte die Aktivität der SH
um ein bis zu 3,4-faches und die Enzymstabilität um ein bis zu 5-faches in den untersuchten
LM-Wasser-Gemischen erhöht werden. Darüber hinaus konnte eine signifikante Aktivitäts-
steigerung um bis zu 46 % in IL-Wasser-Gemischen erzielt werden. Hinsichtlich der Halb-
wertszeit der SH in den untersuchten IL-Wasser-Gemischen war dagegen keine Veränderung
zu beobachten, was auf einen alternativen Mechanismus der Deaktivierung der SH durch die
Zugabe von ILs verglichen mit dem in Lösungsmittel-Wasser-Gemischen hindeutet. In rein
wässrigen Medien war ebenfalls nur die Erhöhung der mechanischen Stabilität des Enzyms zu
beobachten.
Anhand der adsorptiven Immobilisierung wurde die SH über verschiedene nicht-kovalente
Wechselwirkungen an einen geeigneten Träger, bei dem es sich um das anionische Harz
AmberliteTM FPA54 handelte, gebunden. Dadurch sollte die Proteinrigidität erhöht werden,
um in der Folge eine Stabilisierung gegenüber deaktivierenden Einflüssen zu erreichen und
zugleich ein rezyklierbares Enzympräparat bereitzustellen, was wiederum einer ökonomische-
ren Prozessführung bei möglichen technischen Anwendungen der SH dient. Optimierungs-
Zusammenfassung 126
untersuchungen ergaben eine maximale Restaktivität von 48,9 % und eine Proteinbeladung
von 93,4 % bei einem Enzym-Träger-Verhältnis von 1:2000 und einem pH-Wert von 8.
Darüber hinaus kam es in keinem der untersuchten Medien zu einem leaching der SH, was in
technischen Anwendungen von Vorteil ist. In rein wässrigen Medien und in jedem der
untersuchten organischen Lösungsmittel zeigten die Immobilisate eine signifikant höhere
Halbwertszeit als die native SH. Dabei wurden in rein wässrigen Medien Stabilisierungs-
faktoren von bis zu 2,4 und in organischen Lösemitteln bis zu 7-fach erhöhte Halbwertszeiten
bestimmt. Für die Immobilisierung der zuvor chemisch modifizierten SH ergaben sich vor
allem in DMF, DMSO und Isopropanol additive Effekte, die zu einer weiteren Erhöhung der
Enzymstabilität führten. In diesem Zusammenhang konnten beachtliche Stabilisierungsfakto-
ren von bis zu 23 erreicht werden. In den analysierten IL-Wasser-Gemischen konnten zwar
verbesserte Enzymaktivitäten erreicht werden, jedoch lieferte die Untersuchung der Stabilität
der SH-Immobilisate in diesen Medien diverse Resultate, die auf keine eindeutige Enzym-
stabilisierung schließen ließen.
Mittels kovalenter Immobilisierung der SH sollte eine weitere Erhöhung ihrer Stabilität
gegenüber inaktivierenden Einflüssen erreicht werden, da die kovalente Bindung an einen
geeigneten Träger (AmberliteTM FPA54) zu einer weiteren Zunahme der Proteinrigidität führt.
Optimierungsuntersuchungen ergaben eine maximale Restaktivität von 39,3 % und eine
vollständige Proteinbeladung der Immobilisate bei einem pH-Wert von 8, einer Glutardialde-
hydkonzentration von 1 % (v/v) und einem Enzym-Träger-Verhältnis von 1:2000. Die kova-
lente Immobilisierung der SH führte in jedem der untersuchten Medien zu einer beachtlichen
Stabilisierung der SH. Dabei konnten Stabilisierungsfaktoren von bis zu 159 erreicht werden.
Die zusätzliche chemische Modifizierung der SH erzielte hingegen keine weitere Enzym-
stabilisierung, sondern bewirkte vielmehr eine Abnahme dieser infolge einer verringerten
Enzymrigidität.
Abschließend wurde die SH als Cofaktorregenerierungsenzym bei der durch die Carbonyl-
reduktase aus Candida parapsilosis (CPCR) katalysierten Reduktion von Acetophenon einge-
setzt, um die Regenerierung von NADH zu katalysieren. Die Effizienz des hydrogenase-
gekoppelten Regenerierungssystems wurde anhand des direkten Vergleichs mit der FDH
ermittelt. Dabei zeigte sich, dass mittels der SH zwar geringfügig niedrige Endumsätze jedoch
Zusammenfassung 127
bis zu 100-fach höhere TTNs erzielt werden. Für technische Anwendungen stellt das einen
bedeutenden Vorteil dar, da im Fall der SH geringere Proteinmengen nötig sind, um
vergleichbar hohe Reaktionsumsätze zu erzielen. Mithilfe der stabilisierten mPEGylierten SH
gelang es, die Endumsätze um weitere 10 % auf etwa 98 % zu erhöhen. Die adsorptiv sowie
die kovalent immobilisierte SH führte zwar aufgrund von Adsorptionsvorgängen der
beteiligten Reaktanden am eingesetzten Immobilisierungsträger zu scheinbar geringeren
Umsätzen, jedoch konnten bei deren wiederholtem Einsatz vergleichbar hohe Endumsätze
erzielt werden. Somit wurde ein, den industriellen Anforderungen entsprechendes
Enzympräparat bereitgestellt, dessen hohe Effizienz sowie Stabilität einen ökonomischeren
Prozess der NADH-Regenerierung ermöglicht.
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Lebenslauf
Persönliche Angaben
Name: Juliane Ratzka
Anschrift: Rheinsberger Straße 62,
10115 Berlin
Geburtsdatum: 22.03.1984
Geburtsort: Hennigsdorf
Familienstand: ledig
Ausbildung und Berufstätigkeit
08/1990 – 06/1996 Grundschule Velten-Süd
08/1996 – 06/2003 A.S.-Puschkin-Gymnasium; Abschluss: Abitur
10/2003 – 09/2008 Studium der Chemie (Diplom) an der Universität Rostock
Hauptfach: Umweltchemie, Diplomarbeit am Institut für Technische
Chemie der Universität Rostock
Thema: Einflussgrößen auf die Aktivität der Lipase B aus Candida
antarctica in binären Systemen
10/2008 10/2011 Promotion an der TU Berlin im Rahmen des Excellenzclusters
„Unifying Concepts in Catalysis“