Nader Haghani
Entstehungsgeschichtliche Entwicklung von
Gewerbeschulen im Iran
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Haghani, Nader: Entstehungsgeschichtliche Entwicklung von Gewerbeschulen im Iran. - In: Mahrin,
Bernd (Ed.): Wertschätzung – Kommunikation – Kooperation : Perspektiven von Professionalität in
Lehrkräftebildung, Berufsbildung und Erwerbsarbeit; Festschrift zum 60. Geburtstag von Prof. Dr.
Johannes Meyser. - Berlin: Universitätsverlag der TU Berlin, 2016. - ISBN: 978-3-7983-2820-4 (print),
978-3-7983-2821-1 (online). - pp. 200–216. - DOI: 10.14279/depositonce-5004.
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200
Nader Haghani
ENTSTEHUNGSGESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG VON
GEWERBESCHULEN IM IRAN
Professor Dr. Nader Haghani vom Research Institute ReCeLLT der University of
Tehran war als Gastwissenschaftler am Institut für Beruliche Bildung und Arbeits-
lehre der Technischen Universität Berlin tätig. Sprache und Kultur deutsch sprechen-
der Länder außerhalb ihrer Grenzen und insbesondere in Iran zählen zu seinen
Forschungsschwerpunkten.
1 Einleitung
ṣuf dem Gebiet des ṭunsthandwerkes und der ṣrchitektur schöpft der Iran aus
einer Ṭahrtausende alten Tradition. Wenige Regionen der Welt können auf ein
derart reiches kulturelles Erbe verweisen wie das alte Persien. ṣufgrund der
klugen Maßnahmen persischer ṭönige, die nicht nur kühne Eroberer, sondern
zugleich auch weise Herrscher waren, setzt der Beginn der Hochkulturen hier früh
vor über 4.500 Ṭahren ein. In den Städten, in denen die Handwerkerzünfte blühten,
erweiterte sich der Handel, der sich auf ein Bankwesen stützte, das Schecks
verwendete (Weitbrecht et al. 1986, 114). Der auf diese Weise erwirtschaftete Wohl-
stand wurde wiederum zu einem erheblichen Teil in die Förderung von ṣrchitek-
tur und ṭunsthandwerk investiert. Vielfach lossen auch aus dem Privatvermögen
der persischen Herrscher Gelder, die der künstlerischen Prachtentfaltung zugute-
kamen (ebd., 212). Vor diesem Hintergrund ist es wenig erstaunlich, dass das šand
heute über insgesamt 19 UNESCO-Weltkulturerbstätten verfügt, zu denen unter
anderem der Imam-Platz in Isfahan, die Tempelanlage Persepolis nahe Schiraz,
das Sui-Heiligtum in ṣrdebil, die Felsenrelief von Bisotun in der Nähe der Stadt
ṭermanshah, der Basar der Stadt Täbriz, die Ruinen der Stadt Shahr-i Soktha, das
Mausoleum Gonbad-e Qabus in der ṭleinstadt Gorgan, die Ruinenstadt Chogha
Zanbil, die einstige achämenidische Residenzstadt Pasargadae und die alte Stadt
Bam mit ihren šehmziegelhäusern gezählt werden können (Deutsche UNESCO
ṭommission).
ṣuf ṭunst pur jedoch wird man im Iran weniger stoßen. Viel eher trift man
hier auf eine interessante Symbiose aus ṭunst und Handwerk. Dabei erfüllt ṭunst
keinen Selbstzweck, sondern steht immer im Dienste des Handwerks. Iranische
Handwerkskünste umfassen ein breites und vielfältiges Spektrum an ṣrchitektur,
Silber- und ṭupferwaren, Schmuckwaren aus Edelmetallen, Miniaturmalereien,
ṭalligraphien, Holzschnitzarbeiten, Teppichen, Glas- und ṭeramikmalerei,
hochwertigen šederarbeiten, Holzeinlegearbeiten (sogenannte ātam-ṭāri)
und Emaillearbeiten, Mosaikliesen und Ziegelschmuck sowie handbedruckte
Textilien.
Doch das persische ṭunst- und Handwerksgewerbe kann nicht nur auf persi-
sche Herrscher und ihre Förderpolitik zurückgeführt werden, andere ṭulturen
und šänder haben in dieser Hinsicht zu unterschiedlichen Zeiten ihren Beitrag
geleistet, so unter anderem auch Deutschland. Die Grundsteine der bilateralen
201Entstehungsgeschichtliche Entwicklung von Gewerbeschulen im Iran
Beziehungen zwischen Persien und Deutschland wurden bereits im 16. Ṭahr-
hundert gelegt. Besonders im letzten Ṭahrhundert gilt Deutschland als einer der
wichtigsten Handelspartner Irans. Wirtschaftlich, wissenschaftlich aber auch zum
Teil politisch unterhielten die beiden Staaten vor allem in der ersten Hälfte des 20.
Ṭahrhunderts eine rege Zusammenarbeit. Früchte dieser Beziehungen sind unter
anderem die Gründung von Gewerbeschulen in Iran mit deutscher Beteiligung.
In diesen Schulen sollten einheimische Facharbeiter nach deutschen Maßstäben
ausgebildet werden. Sie verfügten über ein sehr gutes Renommee, und bis zur
ihrer Schließung beziehungsweise Umgestaltung nach der islamischen Revolution
im Ṭahr 1979 als ṣushängeschild der gutwilligen ṣrbeit der Deutschen angesehen
wurden und werden. In diesem Beitrag soll auf die Entstehung, Entwicklung
und Status quo der iranischen Gewerbeschulen eingegangen und Chancen und
Grenzen ausdiskutiert werden.
2 Spannungsfelder der beruflichen Bildung im Iran
Beruliche bildungspolitische Entscheidungen sind nicht das Resultat des Zufalls,
sondern unterliegen unterschiedlichsten Bedingungen. Die beruliche Bildung
im Iran ist geprägt vom Spannungsfeld zwischen ṭultur, Wirtschaft, Politik und
Wissenschaft. Ṭedes dieser Felder steht aber nicht für sich allein, sondern beindet
sich in einem reziproken Verhältnis zu den anderen Feldern. Daher lässt es sich in
den nachstehenden ṣusführungen nicht immer vermeiden, dass sich zwei oder gar
alle vier Felder überschneiden.
ṭultur, Wirtschaft und Wissenschaft zählen zu den ältesten Handlungsfeldern,
die die beruliche Bildung im alten Persien geprägt haben. Seit der Gründung des
ersten persischen Großreiches um 559 v. Chr. fungierte Persien fast 2000 Ṭahre lang
als kultureller und wirtschaftlicher Berührungspunkt zwischen Ost und West
(Weitbrecht et al. 1986, 114). Nach dieser Zeit wurde zwar wegen der Einnahme
ṭonstantinopels durch die Türken (1453) die Handelswege nach Europa versperrt,
aber das persische ṭunst- und Handwerksgewerbe hatte einen lorierenden
ṣußen- wie Binnenmarkt. Daran hatten zuvor weder die Fremdherrschaft der
Griechen (ab 331 v. Chr.), der ṣraber (ab 651 n. Chr.) und der Mongolen (ab
13. Ṭahrhundert), noch häuige ṣngrife hunnischer Stämme aus Nordosten,
ṣnsturm Roms, des Byzantinischen Reiches und später der türkischen Osmanen
aus Westen etwas ändern können. Ein Fallbeispiel wären die persischen Herrscher
der Safawiden-Dynastie (1501 – 1722), die die ṭriegskosten einer über 200 Ṭahren
dauernden unentschiedenen ṣuseinandersetzung mit den Türken (seit 1514) wirt-
schaftlich aufzuwiegen suchten, indem sie lebhaften Handel mit Europa plegten
(ebd., 212).
ṣuch die Wissenschaft spielt in dieser Zeitspanne eine wichtige Rolle. Die
älteste ṣkademie der Wissenschaften Persiens, die ṣkademie von Gundīāpūr
oder auch Ṭondīāpūr1, die durch die Herrscher der Sassaniden-Dynastie (226 – 642)
gegründet wurde, ist ein schillerndes Beispiel. In der ṣkademie wurden neben
Medizin, Philosophie, Theologie und weitere Wissenschaften unterrichtet. Die
ṣkademie bestand aus einem šehrkrankenhaus, einer Bibliothek und einer
1 Über die Gründungszeit der ṣkademie ist man sich nicht sicher. In manchen Quellen wird deren
Gründung auf den Sassaniden-Herrscher āpūr I (242 – 72) und in anderen Quellen auf āpūr II (r.
309 – 79) zurückgeführt. (Browne 1962; Sarton 1962)
202 Nader Haghani
šehranstalt und verwendete sowohl persisches als auch griechisches und indi-
sches Wissen. ṣufgrund seiner wichtigen Rolle konnte die ṣkademie den ṣnsturm
der ṣraber im Ṭahr 642 n. Chr. und den daraufolgenden Herrscherwechsel
bis einschließlich der Gründung des Hauses der Weisheit in Bagdad im Ṭahre
832 n. Chr. durch den ṭalifen ṣl-Mamun überleben. Das Haus der Weisheit über-
nahm zunächst die Methoden der ṣkademie und warb einige Gelehrte ab. Der
ṭonkurrenzkampf, der jedoch zwischen beiden Institutionen entbrannte, führte
schließlich im 10. Ṭahrhundert Zur ṣulösung der ṣkademie. (Dāyeratol-Maāref-e
Bozorg-e Eslāmī 2014, 580)
Das zweite Spannungsfeld, das die beruliche Bildung Persiens vom 15.–18.
Ṭahrhundert – in der Zeit der Safawiden Dynastie (1501 – 1722) – geprägt hat, ist
ṭultur, Wirtschaft und Politik. Dank ertragreicherer und stärker diversiizierter
landwirtschaftlicher und gewerblicher Produktion aber auch dank dem lorieren-
den ṣußen- und Binnenmarkt erlebte Persien einen wirtschaftlichen ṣufschwung.
Das persische Zunftwesen, dessen ṣnfänge in der ṣntike zu inden sind, baute
sich stark aus, als zahlreiche neue Städte gegründet wurden und die Handwerks-
zweige in den Städten sich stark spezialisierten (Motazed 1987, 109 f.). Zünfte
wählten ihre Vorsteher und Ältesten aus. Die Eröfnung einer Werkstatt musste
vom Zunftältesten abgesegnet werden. ṣuch das šehrlingswesen wurde durch die
Zünfte geregelt. Wer Meister werden wollte, musste vor der Zunft eine Prüfung
ablegen. Die ṣusstellung von Berufungen und Zertiikaten war jedoch ṣufgabe
des Sherifs der Stadt. Zur Regelung von Steuerabgaben wurden im ersten Quartal
eines jeden Ṭahres eine Ratssitzung im Haus vom Sherif der Stadt abgehalten
(ebd., 113 f.). Zu den wichtigsten Handwerkszweigen aus dieser Zeit, denen man
in den staatlichen und privaten Werkstätten nachging, zählen Teppichweberei,
Textilien-, Glas-, Porzellan-, ṭeramik-, Fliesen-, und Metallwarenherstellung,
worunter eine Vielzahl von kalten Wafen fallen sowie Buchbinderei und šederar-
beiten. ṣußerdem wurden in bis zu 30 vom Staat errichteten Fabriken šuxus- und
Exportgüter wie Seide, Teppiche sowie Goldwaren erstellt. Vor allem den Textili-
en-, Porzellan-, ṭeramik-, Fliesen-, und Teppicharbeiten, Färberei, šederarbeiten
(Buchbindung und Zaumzeug) ging ein erstklassiger Ruf voraus (ebd., 118 – 140).
ṣls wichtigste Handelspartner gelten neben England, Dutch East India Company,
Russland, Frankreich und die Republik Venedig, die für ihre Güter in Persien
einen ṣbsatzmarkt gefunden hatten und ihre Rohmaterialien, in den persischen
Bazaren erwarben (ebd., 166 f., 175 f., 187 f., 191 f., 199 f.).
Vom ṣufkommen der ersten Hochkulturen in Persien im antiken Zeitalter (559
v. Chr.) bis einschließlich der vorindustriellen, ständisch gegliederten Gesellschaft
des 19. Ṭahrhunderts erfolgte die Berufsausbildung und Berufserziehung aus-
schließlich über die Meister/šehrling-Beziehung. Die Einbrüche der ṣfghanen im
Ṭahre 1722 und die daraufolgenden Wirren brachten den Einsturz des persischen
Wirtschaftssystems, was sich über Ṭahrtausende von Ṭahren hatte halten können.
Das šand war im Inneren vom ṭrieg zwischen rivalisierenden Herrschern über-
zogen, von außen unter anderem dem ṣngrif der türkischen Osmanen ausgesetzt.
Die kurzlebigen Dynastien der ṣfschariden und der Zand-Prinzen konnten nur
die territoriale Integrität und politische Unabhängigkeit herstellen und erhalten.
Um es kurz zu fassen, als die ṭultur in Europa infolge der wissenschaftlichen und
industriellen Revolution (16. Ṭahrhundert bis Ende des 17. Ṭahrhunderts) wiederauf-
lebte, begann ab ṣnfang des 18. Ṭahrhunderts der Verfall der politischen, wirt-
203Entstehungsgeschichtliche Entwicklung von Gewerbeschulen im Iran
schaftlichen und wissenschaftlichen Macht Persiens und erreichte bis Ende der
Qājāren-Dynastie (1794 – 1925), die eine Reihe unfähiger Herrscher hervorbrachte,
seinen Höhepunkt. Wegbreiter des Verfalls war nicht die Fremdherrschaft. Man
nehme als Beispiel die arabische Fremdherrschaft in Persien, die mit etwa 700
Ṭahren, zugleich auch die längste Zeit darstellt. ṣus dieser Zeit gehen große persi-
sche Gelehrte hervor so unter anderem ᵛārazmī (9. Ṭahrhundert), Omar ṭhayyam
(11. Ṭahrhundert), die Begründer der modernen ṣlgebra, Rāzī (10. Ṭahrhundert),
berühmter ṣrzt, dem als erster die Herstellung von ṣlkohol gelungen ist, Fārābī
(10. Ṭahrhundert), der als „Zweiter šehrer“ nach ṣristoteles angesehen wurde, ṣbū
Rayḥān Bīrūnī (11. Ṭahrhundert) Universalgelehrter, Mathematiker, ṭartograf,
ṣstronom und Ebn Sīnā oder auch ṣvicenna (11. Ṭahrhundert), unter anderem
berühmter persischer ṣrzt, der die Geschichte und Entwicklung der modernen
Medizin maßgeblich geprägt hat. Diese wenigen Beispiele führen exemplarisch vor
ṣugen, dass der Fortschritt vor allem innenpolitische Stabilität voraussetzt. Für
den Verfall der wirtschaftspolitischen Macht Persiens existieren mindestens zwei
Gründe: Erstens kostspielige ṭriege, die zwar auf langer Sicht zur Wahrung der
persischen Sprache und Tradition und damit Unabhängigkeit des šandes bis heute
beigetragen haben, aber mittelfristig zur innenpolitischen Instabilität und dem-
zufolge zum wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Stillstand führten. Zweitens
die Versperrung der Handelswege nach Europa durch die osmanischen Türken.
Um die Reichseinheit zu stärken, betonten die osmanischen Moslemführer ab
dem 16. Ṭahrhundert die traditionelle islamische ṭultur und versuchten sich vor
westlichen Ideen und Erindungen zu verschließen (Weitbrecht et al. 1986, 211), was
zugleich auch eine ṣbschirmung Persiens vor westlichen Ideen bedeuten musste,
die nur auf Umwegen ins šand dringen konnte. Dieser Umstand ist auch bereits
dem Ägyptologen Heinrich Brugsch auf seiner Persienreise im 19. Ṭahrhundert
aufgefallen. In seinem Reisebericht hält er fest, es sei „doppelt schmerzlich“ [...],
daẛs [sic] die räumlich groẛse [sic] Entfernung von den Mittelpunkten europäischer
Civilisation [sic] und die damaligen Zustände einer allgemeinen Heranbildung des
so begabten Volkes hindernd in den Weg treten“ (Brugsch 1862, 308) und stellt die
Hypothese auf „wenn ihm nur von oben her Gerechtigkeit und Ermunterung zu
Theil [sic] wird“, so wird der Perser „in der allgemeinen Culturentwicklung [sic]
der Völker eine hervorragende Rolle spielen“ können (Brugsch 1863, 299).
Das dritte Spannungsfeld, das die beruliche Bildung Persiens im 19. Ṭahr-
hundert geprägt hat, ist eindeutig die Politik. ṣuch im 19. Ṭahrhundert musste
sich Persien mächtiger europäischer Feinde erwehren: Im Norden die Invasion
Russlands, das seine Machtsphäre ständig ausdehnte. Vom Süden die Bedrohung
Englands, das um 1850 ganz Indien beherrschte und die Oberherrschaft in Indien
schützen wollte (Weitbrecht et al. 1986, 112). Beide šänder suchten eine systema-
tische Schwächung Persiens entweder durch ṭriege oder durch wirtschaftliche
Maßnahmen. Im Verlaufe der Russisch-Persischen ṭriege (1804 – 1813 und
1826 – 1828) und der daraufolgenden Frieden von Gulistan 1813 und Turkmantschai
1828 musste Persien der Reihe nach den ṭaukasus sowie Transkaspien an Russland
abtreten. Die ṭriege gegen Großbritannien führten 1857 mit dem Frieden von
Paris zum Verlust des persisch dominierten ṣfghanistans an Großbritannien.
Der Grund für die Niederlage kann auf mehrere Faktoren zurückgeführt werden.
Bereits ab Ende des 18. Ṭahrhunderts hatte ein langsamer Verfall der persischen
Wehrmacht eingesetzt, so dass sie im 19. Ṭahrhundert einem Vergleich mit europä-
204 Nader Haghani
ischen ṣrmeen nicht standhalten konnte, was Brugsch (1863, 298 f.) vor allem auf
eine schlechte Militärführung, -ausrüstung und -ausbildung zurückführt. Hinzu
kommt noch die schlechte Besoldung, unzureichende Versorgung mit ṭleidung
oder Nahrung einfacher Soldaten (Brugsch 1862, 222). Das größte Problem jedoch
sieht Brugsch (1863, 299) immer noch in den Oizieren, die er als „ṭrebsschaden
[bezeichnet], an welchem die ganze ṣrmee leidet und so lange leiden wird, bis es
nicht gelungen ist, den Oizieren militärische Begrife beizubringen, oder den
Soldaten das ṣvancement zum Oizier zu eröfnen.“
ṣußer verlorene ṭriege und Gebietsverluste führten die persischen Herrscher
gegenüber europäischer ṭauleute eine sogenannte „Politik der ofenen Tür“. Mit
anderen Worten: Das persische Handelsgewerbe und ihre Produkte unterstanden
ab ṣnfang des 19. Ṭahrhunderts nicht mehr der Schutzherrschaft der persischen
Herrscher, wie es vor dieser Zeit der Fall gewesen war, und erlebten langsam einen
starken Rückgang bis zum völligen Stillstand. Nach Daniel Defoe fördert bekannt-
lich der Handel die Industrie und die Industrie wiederum erzeugt Handel. Dieses
einfache Prinzip wurde zu ṣnfang des 19. Ṭahrhunderts in Persien missachtet,
infolgedessen die Bazare von europäischen Billiggütern überschwemmt wurden,
mit denen inländische Produkte nicht mehr konkurrieren konnten. Hinzu kam,
dass die europäischen ṭauleute weder Zoll noch Steuer zahlen mussten, was
wiederum zur Schließung von Werkstätten und zur Stilllegung von Fabriken
führte (Faāhi 1981, 215; Motazed 1987, 168). Somit ging das erworbene Wissen im
Bereich der Handwerksgewerbe und der Handwerkskunst verloren, die sich über
Ṭahrhunderte hinweg entwickelt hatten, ohne dass sie durch etwas Gleichwertiges
oder Neues ersetzt wurden. Daher wundert es nicht, dass ab Mitte des 19. Ṭahr-
hunderts die Russen die Bazare im Norden des šandes und die Engländer jene im
Süden beherrschten (Faāhi 1981, 117). Die Gewährung von ṭapitulationsrechten,
Handelsverträgen und Entwicklungskonzessionen an Russland und Großbritannien
schließlich führte eine stark wirtschaftliche und politische ṣbhängigkeit herbei, von
dem sich Persien erst in der zweiten Hälfte des 20. Ṭahrhunderts befreien sollte.
Die Bedrohung der europäischen Mächte versuchte man durch eine Reihe von
kurz- und langfristigen Initiativen abzuwehren. Besonders zwei Personen haben
sich als Schirmherr hervorgetan: der ṭronprinz ṣbbās Mīrzā (1789 – 1833) aus
der Qājāren-Dynastie (1786 – 1925) sowie Mīrzā āqī ṭhan auch bekannt als ṣmīr
ṭabīr (1807 – 1852), der während der Regentschaft des Qājāren-ṭönigs Nāer-al-Din
Shah (1848 – 1896) vom 19. Oktober 1848 bis 16. November 1851 Ministerpräsident
war. Beide trugen zur Modernisierung des šandes in der ersten Hälfte des 19. Ṭahr-
hunderts bei. Sie holten französische und österreichische militärische Berater
ins šand, schickten Perser zum Studium der Naturwissenschaft und Technik
nach Europa, und planten eine Industrialisierung Persiens vor allem mithilfe von
Technischen Schulen (Gewerbeschulen) nach westlichen Maßstäben. Unter ṣmīr
ṭabīr wurde zudem das Finanzsystems, das Steuersystems sowie das Gesundheits-
wesens reorganisiert, die erste Zeitung des šandes, Vaqāye‘-e Etefāqiyye sowie das
erste Polytechnikum des šandes Dāro'l-Fonūn in Teheran gegründet (Ādamīyat
2010), worauf im nächsten ṣbschnitt näher eingegangen wird, weil es einen
Vorreiter der Gewerbeschulen darstellt.
Zu den ersten Initiativen kann die Beschäftigung von Militärberatern gezählt
werden, mit deren Hilfe eine Modernisierung des persischen Heeres und seiner
Wafen auf dem Weg gebracht werden sollte (Weitbrecht et al. 1986, 213). Die
205Entstehungsgeschichtliche Entwicklung von Gewerbeschulen im Iran
nötigen Rahmenbedingungen verschaften ṣllianzen2 unter anderem mit Frank-
reich im Ṭahr 1807, die auch als franko-persische ṣllianz oder Vertrag von Finken-
stein bekannt ist. In diesem Vertrag sicherten die Franzosen Persien militärische
Unterstützung gegen Russland und England zu. Eine französische Militärmission
unter General ṣntoine Gardanne wurde nach Persien entsandt, um die Moder-
nisierung der persischen ṣrmee voranzutreiben, eine mögliche Route für eine
französische ṣrmee durch Persien nach Indien zu erkunden und ein gemeinsames
militärisches Vorgehen osmanischer und persischer Truppen gegen Russland zu
koordinieren (Mahdavī 1990, 211; Nafīsī 2004, 132 f.). Die Mission konnte infolge
des endgültigen Sturzes Napoleons die vertraglich festgelegten Ziele nicht reali-
sieren. Insgesamt waren ausländische Militärbetrachter von geringem Nutzen und
Mehrwert für Persien. Sie führten zwar zu einer oberlächlichen Bekanntschaft
mit neuen ṭriegstechniken, brachten jedoch weder den ersehnten Fortschritt noch
trugen sie zum Erlernen neuer Wissenschaft und Techniken bei. Im Gegenteil
wurden die eigenen einheimischen Erkenntnisse wirkungslos beziehungsweise
verlernt. Im Gegenzug gewannen die Berater jedoch fundierte Einblicke in
die šage des Militärwesens, der Industrie, Straßen, Märkten etc. Persiens, und
verschaften somit ihren Regierungen in der Folgezeit die Möglichkeit, Persien in
einen kolonial ähnlichen Zustand zu versetzen.
Die zweite Initiative, also Entsendung iranischer Studenten, ṣrbeiter und
Handwerker in das europäische ṣusland, unter anderem nach Frankreich und
England zum Studium der Naturwissenschaft und Technik erfolgte ab 1811 (Minovi
1990, 387). Mediziner, ṣrtillerieoiziere, Baumeister, Chemiker, Übersetzer,
Bergbauingenieur, Buchdrucker, Zuckerhersteller, Schlösser, Maler, Planzenzüch-
ter und šandwirt, Glas- und ṭristallhersteller, Uhrmacher, Gießereimechaniker,
Tischler- und Schreinerhandwerker und Seidenweber galten als erste angestrebte
Zielberufe (Maḥbūbī ṣrdakānī 1999, 181 – 196; Minovi 1990). ṣuch diese Initia-
tive war nicht erfolgreich. ṣls Hauptgrund kann die Entsendung von Personen
genannt werden, die in der Regel aus der Oberklasse und dem ṣdel entstammten,
und nach der Heimkehr statt zum ṣufbau der Infrastruktur des šandes beizutra-
gen, eine blinde Nachahmung des westlichen Gedankenguts anstrebten.
Wenn auch die Initiativen von ṣbbās Mīrzā und ṣmīr ṭabīr die Grundsteine
für eine Modernisierung Persiens legten, so konnten sie ihr Werk nicht vollbrin-
gen. Denn beide zogen sich den Zorn des ṭlerus sowie der Hölinge zu. Zu dem
kommt noch der frühzeitige Tod von ṣbbās Mīrzā. ṣmīr ṭabīr, der zurecht mit
Bismarck verglichen werden kann, wurde bereits nach 35 Monaten als Minister-
präsident vom Schah zunächst abgesetzt und dann auf Betreiben der Rivalen,
denen die neuen Entwicklungen im šand ein Dorn im ṣuge waren, ermordet.
Der šauf der Dinge jedoch konnte nicht mehr aufgehalten werden. Vor allem mit
der Gründung von Dāro'l-Fonūn fanden ab Mitte des 19. Ṭahrhunderts langsam
westliche Technik, Ideen und Vorstellungen ihren Weg ins šand. Das Industrie-
zeitalter jedoch holt Persien erst ab Mitte des 20. Ṭahrhunderts ein. Die erste Hälfte
des 20. Ṭahrhunderts wird noch von den Handlungsfeldern Politik und Wirtschaft,
die zweite Hälfte von Wirtschaft und Wissenschaft bestimmt, auf die im nächsten
ṣbschnitt eingegangen wird.
2 Weitere ṣllianzen aus dieser Zeit benennt der anglo-persische Vertrag aus dem Ṭahr 1809.
206 Nader Haghani
3 Entstehung, Entwicklung und Charakteristik der deutschen (Gewerbe-)
Schulen im Iran
Die Gründung einer technischen Hochschule nach westlichen Maßstäben ist
die dritte und letzte Initiative, die im Sinne einer defensiven Modernisierung
des šandes von ṣmīr ṭabīr ergrifen wurde. Bereits zuvor waren Schulen nach
westlichem Vorbild und zwar von amerikanischen und französischen Missionaren
gegründet worden, zu denen der amerikanische presbyterianische Missionar und
šinguist Ṭustin Perkins (1805 – 1869) und der französische šazarist Eugène Boré
(1809 – 1877) gezählt werden können. Ṭustin Perkins gründete im 1838 ein Missions-
haus in Urmia (Nordwesten Irans), wo neben neuen Wissenschaften den ṭindern
die Teppichweberei und die Schmiedekunst gelehrt wurde. Ein Ṭahr später
gründete Boré im Ṭahr 1839 eine weitere Schule in Täbriz (Nordwesten Irans) und
verfolgte das ehrgeizige Ziel, allen Persern, egal aus welcher Volkszugehörigkeit
oder Religionsgemeinschaft, die neuen Wissenschaften sowie die französische
Sprache beizubringen. Die ṭosten wurden von Boré selbst getragen. Weitere
Schulen folgten in Tehran, Hamadan und Rascht (Maḥbūbī ṣrdakānī 1999,
240 – 242). Diese und ähnliche Schulen waren nicht von Dauer – beschwörten die
Missionare doch religiöse ṭonlikte zwischen Muslimen, ṣrmeniern und ṣssyrern
herbei, die über Tausende von Ṭahren friedlich neben einander gelebt hatten.
Unter diesem Vorzeichen und aufgrund der schlechten Erfahrungen mit den
Russen, Engländern und Franzosen wundert es nicht, dass sich ṣmīr ṭabīr dafür
entschieden hat, wieder ein Polytechnikum zu gründen, um ṣrbeitskräfte im
Inland auszubilden, fernab von politischen Machtkämpfen. Für diesen Zweck
sollten šehrkräfte aus Deutschland und Österreich angeworben werden. Für
diese Entscheidungen lagen zwei gute Gründe vor: Beide šänder genossen einen
ausgezeichneten wissenschaftlichen Ruf und verfolgten keine Expansionspolitik
in Persien (ebd., 259). ṣuf diese Weise suchte ṣmīr ṭabīr eine politische Einmi-
schung fremder Mächte zu unterbinden, die seiner Meinung nach nichts in einer
akademischen šehr- und Forschungsstätte zu suchen hatten (Ādamīyat 2010, 356).
Die ṣnwerbung ausländischer Fachkräfte überließ er seinem Dolmetscher, Mīrzā
Dāwūd ṭhan, sowie Ṭān Dāwūd, der durch die Heirat mit einer Tochter des Barons
von Schlechta neben seiner persischen Staatsbürgerschaft die österreichische
Staatsbürgerschaft erworben hatte und beste Beziehungen zum Hofe in Wien
unterhielt. Ṭān Dāwūd kam 1851 mit einer siebenköpigen Gruppe von Wissen-
schaftlern und Oizieren aus Wien in Teheran an. Für angewandte Militärwissen-
schaften Hauptmann ṣlfred Baron de Gumoëns (Infanterie), Ṭohann von Nemiro
(ṭavallerie) und šieutenant ṣugust ṭržiž (ṣrtillerie), Dr. Ṭacob Eduard Polak
für Grundlagenkurse in Medizin (ṣnatomie und Chirurgie), Hauptmann Zattie
für Ingenieurwesen, Hauptmann Ṭoseph Czarnotta (Bergbau und Mineralogie)
und Fochettie (Pharmazie sowie Chemie und Physik). Später wurden neben der
festangestellten šehrerschaft weitere Europäer, die in Persien verweilten, für
šehrzwecke angeworben, darunter der Pole Borowski für Geograie und Franzö-
sisch, der Franzose Bohler für Mathematik, Monsieur Richard für Französisch,
der Holländer Schlimer für Medizin und der Franzose šemaire für Musik (Madjidī
1986, 70). Perser wurden zunächst entweder für Übersetzungszwecke angestellt
oder als šehrer für die Fächer persische šiteratur und Religion. (Eqbāl Ātīānī
2013, 161 f.)
207Entstehungsgeschichtliche Entwicklung von Gewerbeschulen im Iran
Somit wurde im Ṭahr 1851, mehr als 1500 Ṭahre nach der Gründung der ersten
wissenschaftlichen ṣkademie Persiens, in Gundīāpūr wieder eine moderne
persische ṣkademie, Dāro'l-Fonūn (Haus der Wissenschaften), mithilfe zuvörderst
deutschsprachiger šehrkräfte gegründet. Der Betrieb wurde nach dem Eintrefen
der europäischen šehrkräfte mit 100 Schülern aus der Oberklasse und dem ṣdel
aufgenommen. Die Hochschule bestand aus 50 ṭlassenräumen, einer Bibliothek,
und šaboren für Physik, Chemie und Pharmazie. Daneben waren ein Theater
und ein großer Speisesaal sowie eine Druckerei vorhanden (Ādamīyat 2010,
355). Zu den Hauptfächern zählten ṣrtillerie-, Infanterie- und ṭavalleriewesen,
Ingenieurwissenschaften, Pharmazie, Medizin (ṣnatomie, Chirurgie), Bergbau
und Geologie. Daneben wurden Französisch, Naturwissenschaften, Mathematik,
Geschichte und Geograie angeboten. In späteren Ṭahren wurden die šehrgebiete
um die Fächer Englisch und Russisch, ṭunst und Musik erweitert (adīq 1975, 352).
Das besondere an Dāro'l-Fonūn war, dass es sich zugleich um eine Militärakade-
mie handelte. Hinzu kommt noch, dass trotz der großen Zahl deutschsprachiger
šehrer als Bildungssprache nicht Deutsch, sondern Französisch herangezogen
wurde. Die auf Französisch vorgetragenen Inhalte wurden dann für die Schüler
von einem Dolmetscher übersetzt (Maḥbūbī ṣrdakānī 1999, 270). ṣuch die šernin-
halte waren zunächst auf Französisch. Bereits in den ersten Ṭahren jedoch wurden
diese Inhalte auf Persisch übersetzt und in der Buchdruckerei der ṣkademie
vervielfältigt (Madjidī 1986, 70). Wenn auch ab diesem Zeitpunkt das Französische
im persischen Bildungssystem Eingang gefunden hat und sich für die nächsten 80
Ṭahre als Bildungs- und Forschungssprache etablieren konnte, so haben besonders
die deutschsprachigen šehrer einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
Die guten Erfahrungen mit deutschsprachigen šehrern sollten den Persern
in Erinnerung bleiben. Weswegen auch 56 Ṭahre später bei der Eröfnung der
Deutschen Schule Tehran3 (Madrasa-ye ālmānī) im Ṭahr 1907, die auf Initiative
und gegenseitigem Einverständnis beider Regierungen zurückgeht (Catanzaro
2012). Das šehrpersonal bestand aus zehn vermittelten deutschen šehrern
sowie zwei Ortslehrkräften (ṭāmrān 1984, 186). Die ṭosten wurden sowohl von
der persischen (12.000 Tomans) als auch der deutschen Seite (3.000 Tomans)
getragen (Āqelī 1992, 25 f.). Die Deutsche Schule Teheran ermöglichte eine
deutsche Schulausbildung in der Grundschule und der Sekundarstufe I., und
zwar mit den Fächern ṣrithmetik und Geometrie, ṣrabisch, šiteratur, Religion,
Geschichte, Erdkunde, Physik, Chemie, ṣlgebra, Deutsch, Englisch, Französisch
und ṣrabisch (ṭāmrān 1984, 186). ṣb 1907 wurden jährlich 250 Schüler aufgenom-
men. Die ersten ṣbsolventen gehen auf das Ṭahr 1914 zurück. Weitere ṣbzweige
waren geplant, die jedoch mit dem ṣusbruch des Ersten Weltkrieges nicht
mehr realisiert werden konnten. Nach dem ṣusbruch des Ersten Weltkrieges
arbeitete die Schule zunächst weiterhin als persisch-deutsches Gemeinschafts-
unternehmen. ṣber das ṣusbleiben von Zahlungsleistungen führte im Ṭahr 1916
zur Schließung der Schule. Im Ṭahre 1918 wurde die Schule in den persischen
Staatsbesitz überführt. Obwohl diese Schule keine angewandten oder technisch
orientierten Fächer anbot, bestand das Ziel der Schule darin, iranischen Schülern
eine Weiterbildung an deutschen Berufsschulen oder Hochschulen zu ermögli-
chen. Deshalb indet diese Schule häuig auch als die erste Gewerbeschule mit
3 Diese Schule wurde 1912 in Deutsche Realschule und 1913 in Deutsch-Persische Höhere Anstalt umben-
annt. (ṭāmrān 1984, 186)
208 Nader Haghani
deutscher Beteiligung Erwähnung (Marjānī 1995, 77) und die Deutsch-Persische
Gewerbeschule wird häuig als Nachfolgeeinrichtung der Deutschen Schule
Teheran aufgeführt. Tatsächlich handelt es sich dabei um zwei unterschiedliche
Einrichtungen. ṣls Nachfolgeeinrichtung der Deutschen Schule Teheran gilt
der sogenannte „deutsch-persische Schulverein“, der gegründet wurde, weil sich
nach dem Weltkrieg eine Wiederöfnung der Deutschen Schule Teheran in der
früheren Form aus politischen Gründen nicht ergab. (Bṣrch R 8041/12)
Dabei erfüllte die Errichtung des Vereins Deutsch-Iranische Schule e.V.
durchaus keinen Selbstzweck, sondern stand einvernehmlich mit dem Ziel in
Verbindung, den deutschen Einluss auf die Technischen šehranstalten für
die fernere Zukunft aufrechtzuerhalten und zu sichern (Bṣrch R 8041/10, 176).
Der Verein hatte sich eine Reihe an kultureller Werbearbeit zum Ziel gesetzt,
so unter anderem die Errichtung der deutsch-iranischen Gewebeschule, die
ṣbordnung deutscher Tierärzte, die ṣrbeit deutscher Gelehrter, die Eröfnung
der ṣbteilung des ṣrchäologischen Instituts, die Beschäftigung deutscher Ärzte
(auch ṭrankenhausneubau in Teheran), die Einführung des Deutschsprach-
unterrichts an Schulen, Pläne einer kunstgewerblichen ṣusstellung etc. (Bṣrch
R 8041/10, 304 – 306). Vor allem aber wurde der Schule als werbender ṭultur-
faktor eine besondere Rolle beigemessen, zumal sie eine ṣnzahl ausländischer
ṭinder betreute (Bṣrch R 8041/10, 313), die insgesamt für die deutsche ṭultur
aufnahmefähiger waren. ṣußerdem sollte mithilfe der Schulen langfristig
der Weg der ṣbsatz- und ṣrbeitsgebiete für die deutsche Industrie und den
deutschen Handel bereitet und geebnet werden. Die Firmen, die den Verein mit
Werkzeugen und Maschinen belieferten, sollten im Gegenzug eine Ehrentafel in
der Schule erhalten. Der Verein übernahm zugleich die ṣufgabe, Interessenten
Werkzeuge und Maschinen vorzuführen und Bestellungen weiterzuleiten.
(Bṣrch R 8041/12, 39 – 43)
Dabei war den Deutschen von ṣnfang an klar, dass besonders mit der
„Erstarkung des Nationalismus im Iran [– der bereits am ṣufkeimen war –] eines
Tages auch die iranisch-deutsche Gewerbeschule ‘nationalisiert’, der deutsche
šehrkörper abgebaut oder stark eingeschränkt werden [würde, was durchaus
nicht] das Ende des deutschen Einlusses auf die Schulen zu bedeuten [hatte,
denn man hegte die Hofnung], dass bei richtiger und taktvoller Handhabung
der [...] zur Verfügung stehenden Möglichkeiten [...] das deutsche Schulsystem,
die deutsche Sprache als wesentlicher Bestandteil des Unterrichts, deutsche
šehrmittel und šehrmethoden usw. durchaus gewahrt bleiben können. [...] Die
gute und möglichst unentgeltliche ṣusbildung des iranischen šehrerpersonals
für die Schulen in Deutschland [würde] dabei eine besondere Rolle spielen.“
(Bṣrch R 8041/10, 176)
ṣus den obigen ṣusführungen ergeben sich dann auch die ṣufgaben des
Vereins Deutsch-Iranische Schule e.V., die darin bestand, die geistigen und wirt-
schaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Persien zu plegen, indem
er die Gründung deutscher Schulen in Persien mit Rat und Tat unterstützte. Die
Einrichtung der Werkstätten und Schulen war dem Verein überantwortet worden,
mit dem Ziel, sie so auszugestalten, dass sie ein Muster für deutsche Organisation
und deutsche ṣrbeitsmethode darstellten, was eine Einbindung und Unterstüt-
zung der deutschen Industrie voraussetzte (Bṣrch R 8041/12). Der Verein wurde im
Ṭahre 1924 ins šeben gerufen. Denn aus einem Brief des Vereins Deutsch-Iranische
209Entstehungsgeschichtliche Entwicklung von Gewerbeschulen im Iran
Schule e.V. an die Deutsche ṣkademie, der auf dem 11. Februar 1939 datiert ist,
geht hervor:
„Der Verein Deutsch-Iranische Schule ist seit 15 Ṭahren als Förderer von
nunmehr bestehenden 5 Schulen bemüht, der deutschen Wirtschaft und der
deutschen ṭultur stärkeren Eingang in die ṭreise des persischen Volkes zu
verschafen.“ (Bṣrch R 8041/10,158)
ṣuch in der Frage des šehrpersonals hatte der Verein ein Mitspracherecht und
konnte der persischen Regierung seine Vorschläge unterbreiten. Die letzte
Entscheidung, wer berufen und angestellt werden sollte, behielt sich die persische
Regierung jedoch vor (Bṣrch R 8041/12). Dass die iranische Regierung von diesem
Recht Gebrauch machte, legen zahlreiche Fälle Zeugnis ab. Ein schillerndes Bei-
spiel wäre das ṣusscheiden von Dr. Strunk als šeiter der deutschen Gewebeschule
in Teheran am 21. März 1937. Obwohl als sein Nachfolger der Studienrat, Diplom-
Ingenieur Herbert ṭäselau der iranischen Regierung benannt wurde (Bṣrch
R 8041/8), setzte die persische Regierung am 24.07.1937 Exzellenz Gafarie4 –
auch Ghafari oder Gafary geschrieben – als neuen iranischen Direktor der
Iranisch-Deutschen Gewerbeschule ein, der wie Dr. Strunk kein Schulmann war,
sondern in Deutschland die höhere Schule besucht hatte und aus der Diplomaten-
laufbahn kam. (Bṣrch R 8041/9, 21 f.)
In diesem Sinne wurde erst im Ṭahr 1925 die Deutsch-Persische Gewerbeschule5
(Madrasa-ye anatī-e Īrān o Ālmān) – später in Technische Lehranstalten in Teheran
umbenannt – als die erste Gewerbeschule in Teheran mit deutschen šehrkräften
und deutschem Material aufgebaut und stellt somit die älteste und bedeutendste
technische šehranstalt dar (Bṣrch R 8041/10, 117; Bṣrch R 8041/11). Im Grunde
steht sie für die ersten Früchte der deutsch-iranischen Zusammenarbeit auf dem
Gebiet des Fachschulwesens, die 1924 aufgenommen wurde und auf den Resten der
alten, auf hohem Niveau stehenden Oberrealschule aufbaute, deren Gründung wie
zuvor erwähnt auf das Ṭahr 1907 zurückgeht (Bṣrch R 8041/11). Bereits im Ṭahr 1939
setzte sich die Technische Lehranstalt in Teheran aus einer Gewerbeschule (Elemen-
tarschule, Metall- u. Holzabteilung), einer Mittelschule und einer Technischen
Hochschule (Maschinenbau und Chemie) zusammen, die im Gebäude der früheren
Deutsch-Iranischen Realschule untergebracht waren, wobei die Gewerbeschule
und die Technische Hochschule den größten Zuspruch hatten. Über die ṣnzahl
der Schüler liegen unterschiedliche Daten vor. ṣn einer Stelle heißt es, dass bereits
im Ṭahr 1938 die Gesamtzahl der Schüler auf rund 1100 kam (Bṣrch R 8041/10, 21 f.).
ṣn anderer Stelle ist von 787 Schülern die Rede, von denen sich in der Gewerbe-
schule 306, in der Mittelschule 320 und in den Hochschulkursen 161 befanden
(Bṣrch R 8041/10, 117). Und schließlich heißt es in einem weiteren Bericht, dass die
Gesamtzahl der Schüler von Ṭahr zu Ṭahr stets gewachsen ist und sich verdreifacht
hat, so dass sie 1200 Schüler beträgt (Bṣrch R 8041/11). Obwohl die ṣnstalt gut
besucht war, hatte sie mit Problemen zu kämpfen. Besonders die Hochschulab-
teilung stieß auf Wiederstand und wurde durch Personen, die der technischen
4 Zoka al Dawla afārī wurde von Pahlewi II (1919 – 1980) zunächst zum Vorstandsvorsitzenden der
iranischen Versicherungsgesellschaft berufen und dann zum Minister für Post-Telegraf und Telefon
ernannt. (ṭāmrān 1984, 187).
5 In unterschiedlichen Quellen wird die Deutsch-Persische Gewerbeschule fälschlicherweise als
Nachfolgeeinrichtung der Deutschen Schule Teheran aufgeführt. Tatsächlich handelt es sich dabei
um zwei unterschiedliche Einrichtungen.
210 Nader Haghani
Fakultät an der Universität Teheran nahestanden, heftig bekämpft. ṣuch die
Mittelschule wurde als überlüssig bezeichnet. Dass sie trotzdem nicht abgeschaft
wurden, ist dem iranischen Direktor zu verdanken (Bṣrch R 8041/10, 424).
Die ṣnstalt wurde vom Oberregierungsrat Prof. Dr. Heinrich Strunk gegründet,
der sie als šeiter bis 1937 weiter ausbaute und voranbrachte (Bṣrch R 8041/11). Wie
zuvor erwähnt wurde nach seinem ṣusscheiden am 24.7.1937 der Iraner Exzellenz
Gafarie als sein Nachfolger von der iranischen Regierung bestimmt, der seinen
ṣufgaben mit viel Verständnis und Umsicht nachging (Bṣrch R 8041/10, 21 f. u.
117). Technischer šeiter der Schule war der Dipl. Ing. ṣugust Friedrichsen. ṣußer
Friedrichsen waren an der Schule im Ṭahr 1938 noch vier deutsche šehrkräfte tätig,
darunter ein Diplomingenieur und zwei ordnungsmäßig vorgebildete Gewerbeleh-
rer. 20 iranische vollbeschäftigte šehrkräfte nebst weiteren 18 iranischen šehrern,
die nur stundenweise unterrichteten, sowie das Verwaltungspersonal runden das
Bild ab (Bṣrch R 8041/10, 21 f. u. 117). ṣnderen Berichten zufolge lehrten sechs
(Bṣrch R 8041/10, 117) beziehungsweise sieben deutsche šehrer an der Schule
(Bṣrch R 8041/11). Der Deutsch-Iranische Schulverein versah die ṣnstalt mit einem
Maschinenmaterial in Höhe von 40.000 RM. (Bṣrch R 8041/10, 21 f. u. 117)
Das ṣngebot wurde stetig erweitert, so dass bis 1956 – 1957 das ṣngebot eine
breite Platte an Fachrichtungen wie Metallarbeit, Elektronik, ṭfZ-Mechanik,
Gebäudetechnik Holztechnik umfasste. Die šehre bestand aus einem theoreti-
schen und einem angewandten Teil. Der Unterricht im angewandten Teil erfolgte
in Werkstätten. (Marjānī 1995, 80)
Die Gründung weiterer deutsch-iranischer Berufsschulen erfolgte in den
Städten Schiraz, Täbriz, Isfahan, und Mesched.
Die Technische Lehranstalt in Schiraz – auch als Gewerbeschule Fars oder Gewer-
beschule Shiras bezeichnet – stellte neben der Schule in Teheran die zweitälteste
und zugleich größte Provinzschule dar. Sie wurde zwar 1927 von dem Gewerbeleh-
rer Thieme gegründet, nach dessen Fortgang kam die ṣrbeit zum Erliegen und die
Schule blieb insgesamt in ihrer Entwicklung stecken, so dass sein Nachfolger Hans
Wulf so gut wie von vorn wieder anfangen musste (Bṣrch R 8041/10, 117). Dieser
Rückgang schlägt sich auch in der ṣnzahl der Schüler aus. Es ist auch hier nicht
ganz klar, wie viel Schüler diese ṣnstalt besuchten. Mal ist von 156 Schüler (Bṣrch
R 8041/10, 21 f.), mal von etwa 160 Schülern die Rede (Bṣrch R 8041/11 steht). ṣn
anderer Stelle heißt es:
„Nachdem die Schule jahrelang nicht recht weiter kam und nicht über 23
Schüler zählte, beginnt sie in den letzten Ṭahren sich gut zu entwickeln. Ende
1937 waren bereits 34 Schüler vorhanden und 1938 stieg die Zahl der Schüler auf
130 Schüler in 10 ṭlassen und z. Zt. [1939] sind 230 Schüler in 13 ṭlassen verteilt.“
(Bṣrch R 8041/10, 117)
Im Gegensatz zu der ṣnstalt in Teheran umfasste die ṣnstalt in Schiraz die
Hauptabteilungen Holz- und Metallverarbeitungen. Daneben wurden einige
Schüler in der kunstgewerblichen Bearbeitung des ṭupfers und Silbers angeleitet
(Bṣrch R 8041/10, 21 f.). Damit berufstätige Ṭugendliche, die in der Berufsausbil-
dung waren, die Schule nachmittags und abends besuchen konnten, wurde 1937
von Teheran angeordnet, die Gewerbeschule in Schiras zu einer allgemeinen
Berufsschule zu erweitern. Die bisherige Gewerbeschule konnte jedoch weiter-
bestehen (Bṣrch R 8041/9, 709). 1939 bestand die ṣbsicht, die Schule zu einem
211Entstehungsgeschichtliche Entwicklung von Gewerbeschulen im Iran
sechsjährigen šehrgang mit einem Zeugnis gleich der Mittelschule auszubauen
(Bṣrch R 8041/10, 117). Der einzige deutsche šehrer und zugleich auch šeiter
der Schule war der Gewerbelehrer Wulf. ṣußer ihm wurden zehn iranische
šehrer meist voll beschäftigt (Bṣrch R 8041/10, 21 f.). Es gibt allerdings auch
einen anderen Bericht, wonach ein deutscher šehrer, mehrere iranische šehrer
und etwa fünf šehrer stundenweise in der ṣnstalt beschäftigt waren. (Bṣrch R
8041/10, 117)
Elf Ṭahre nach der Gründung der ersten ṣnstalt in Teheran wurden im Herbst
1936 weitere Gewebeschulen in den Provinzen Mesched, Täbriz und Isfahahn
eingerichtet (Bṣrch R 8041/10, 117).
Die Gewerbeschule in Täbriz, die bereits fünf Ṭahre zuvor bestand und zwar als
frühere kleine russische Handwerkerschule (Bṣrch R 8041/11), wurde im ṣugust
1936 von dem deutschen Gewebelehrer Wilhelm Cremer übernommen und
ebenfalls in eine Gewerbeschule umgewandelt und weiterausgebaut, so dass sie
im Ṭahr 1939 125 Schüler (Bṣrch R 8041/11) beziehungsweise 130 Schüler (Bṣrch
R 8041/11), vier iranische šehrer und vier Hilfskräfte (Bṣrch R 8041/10, 117) hatte.
Gelehrt wurde in drei ṣbteilungen für Schlosserei, Tischlerei und ṭunstmalerei
(Bṣrch R 8041/11). Ähnlich wie die Schule in Mesched herrschte auch an dieser
Schule Mangel an Räumlichkeiten, Einrichtungen wie Maschinen und Hobelbän-
ken sowie Büchern (Bṣrch R 8041/10, 21 f.). Die Einrichtung eines Neubaus für die
Schule war 1939 zugesichert worden (Bṣrch R 8041/10, 117).
Die Technische Lehranstalt in Isfahan wurde im ṣugust 1936 mit 50 Schülern
eröfnet (Bṣrch R 8041/10, 21 f.). Sie war eine Tagesschule mit Werkstattbetrieb,
die es sich zur ṣufgabe gestellt hatte, Schüler, welche die sechsjährige Volksschule
absolviert hatten, im ṣlter von 12 bis 16 Ṭahren zum ausgelernten Facharbeiter
(Gesellen) beziehungsweise zum Hilfsmeister auszubilden und zwar in den Berufs-
gruppen Metallgewerbe (Schmiede, Bau- und Maschinenschlosser, Dreher und
Elektrotechniker), Holzgewerbe (Tischler, Polsterer und Bautischler) und ṭunstge-
werbe (Moderne Malerei, Miniaturmalerei, Teppichzeichner). Die Berufsgruppe
Textil befand sich in Vorbereitung (Bṣrch R 8041/10, 403).
Bald nach der Eröfnung waren 154 Schüler6 vorhanden, wobei 92 Schüler die
Metallabteilung, 36 die Holzabteilung, 20 die ṣbteilung für Malerei und sechs
die ṣbteilung für Teppichkunst besuchten (Bṣrch R 8041/10, 117). 1939 zählte die
Schule 250 Schüler. Der einzige Deutsche an der Schule war der Gewerbelehrer
Wilhelm Meyer, der zugleich auch ihr Direktor war (Bṣrch R 8041/10, 21 f.).
Daneben waren noch ein deutscher Monteur, elf iranische šehrer7 und neun Ver-
waltungsbeamte tätig (Bṣrch R 8041/10, 117). Meyers Stellvertreter war ein Iraner,
selbst ṣbsolvent der Teheraner Gewerbeschule, wie viele der iranischen šehrer.
Weil die Schule in Isfahan die aufbaufähigste aller Provinzschulen darstellte,
wurde für sie ein Neubau mit einer Bausumme von 1.200.000 Rials errichtet
(Bṣrch R 8041/10, 117).
Die Staatliche Gewerbeschule in Mesched wurde 1936 gegründet (Bṣrch R
8041/11) und hatte zwei ṭlassen mit 110 Schülern8, 75 in der Metallabteilung und
6 ṣn andere Stelle heißt es, dass die Schule von 300 Schülern besucht wurde. (Bṣrch R 8041/11)
7 ṣn anderer Stelle werden zehn šehrkräfte angegeben, wovon sich vier der deutschen Sprache
bedienen konnten. (Bṣrch R 8041/10, 21 f.)
8 ṣn anderer Stelle wurden auch 120 Schüler angegeben. (Bṣrch R 8041/11)
212 Nader Haghani
35 in der Holzabteilung. Der šeiter der Schule war der deutsche Gewerbelehrer
Theodor Hänel; daneben waren einige iranische šehrer tätig. Trotz der ofen-
sichtlichen Mängel an räumlicher Unterbringung, ṣusstattung und schlechtem
Bücherbestand Es fehlte an Handbüchern und Büchern für den Deutschunter-
richt (Bṣrch R 8041/10, 21 f.), war 1939 der ṣndrang an dieser Schule größer als
ihre ṭapazität. Nach einem beabsichtigten ṣusbau sollte sie weitere 40 Schüler für
Metallgewerbe und weitere 20 für Holzgewerbe aufnehmen und weitere ṣbteilun-
gen für Färberei, Spinnerei, Gerberei und weitere sollten angegliedert werden, so
dass sie auf sechs ṭlassen mit 360 Schülern kommen würde (Bṣrch R 8041/10, 117).
Dem Bericht der Deutschen Gesandtschaft, Hr. ṣllardt, vom 28. Dezember 1938
zufolge befanden sich die Schulen
„in einem Zustand aufblühender Entwicklung, der bei geschickter ṣuswahl der
deutschen šehrkräfte, bei weit möglichster, gegebenenfalls auch inanzieller
Unterstützung des Wunsches nach Erlernung der deutschen Sprache und bei
vorsichtigster Dosierung unserer Wünsche bezüglich des formalen Charakters
der Schulen der deutsche Einluss gesichert ist und gesichert bleibt.“ (Bṣrch R
8041/10, 139 – 144)
Im Ṭahr 1937 wurde die Schule in Teheran in den persischen Besitz überführt. Das
deutsche šehrpersonal jedoch wurde beibehalten, so dass bis zum ṣusbruch des
Zweiten Weltkriegs die Schule gemeinsam mit deutschen und iranischen šehrern
betrieben wurde. Bis 1940 wurden jährlich einige ṣbsolventen der Metall- und
Holzgewerbe von der iranischen Staatsbahn-Gesellschaft zum Weiterstudium
nach Deutschland geschickt. ṣls die ṣlliierten jedoch Persien im Ṭahr 1941 beset-
zen, mussten die deutschen šehrer ausreisen und der Deutschunterricht wurde
bis zum Ende des ṭrieges verboten. Die Schule wurde bis 1955 von den iranischen
šehrern und Experten weitergeführt. ṣb 1955 gewann die deutsche Gewerbeschule
in Teheran den gemeinsamen Status zurück. Mehr noch, sie wurde zum einem
Gymnasium ausgebaut, das unter der direkten ṣufsicht der Bundesstelle für das
ṣuslandsschulwesen stand. Die ṣbsolventen wurden sowohl von deutscher als
auch von persischer Seite anerkannt und konnten eine Weiterbildung in Deutsch-
land oder Iran anstreben. Bereits ab Ende 1959 wurde jährlich ein ṣbsolvent der
Schule aus der Metall- und Holzgewerbe zum Weiterstudium auf Technikerebene
nach Deutschland geschickt. Mit der Entsendung von ṣbsolventen aus vier Ṭahr-
gängen wurde der Bedarf an technischen Hilfskräften und Personal sowie šehrer
der technischen Schulen gedeckt. Der šehrgang der technischen Schule umfasste
sechs Ṭahre. ṣb 1958 wurde aufgrund einer Satzung des Obersten Rats für Bildung
(ūrā-ye ālī-e farhang) der šehrgang auf drei Ṭahre verkürzt und die Bewerber
konnten schon mit dem ṣbschlusszeugnis der Sekundarstufe I in den Schulen
aufgenommen werden. Nach erfolgreicher Beendigung des šehrgangs erhielten
die ṣbsolventen ein Zeugnis, das gleichwertig war mit dem Technikergrad. In
den 60er und ṣnfang 70er Ṭahre genossen die Schulen ein sehr hohes ṣnsehen
und die Nachfrage konnte bei weitem nicht gedeckt werden. Die Schulen wurden
in Zusammenarbeit mit persischen Instruktoren bis zur Revolution im Ṭahr 1979
fortgesetzt. (vgl. Marjānī, 1995)
Was die deutsch-iranischen Gewerbeschulen anbelangt, so sollten sie nicht
nur das Fundament der deutschen Bildungsarbeit in Iran bilden, sondern
zugleich auch die stärkste ṭulturposition Deutschlands in Iran sein (Bṣrch R
213Entstehungsgeschichtliche Entwicklung von Gewerbeschulen im Iran
8041/11). Sie haben diese Position bis heute bewahren können, wenn auch die
deutsch-iranischen Gewerbeschulen heute in ihrer ursprünglichen Form nicht
mehr existieren.
4 Diskussion und Ausblick
In diesem Beitrag wurde nur auf (Gewerbe)Schulen eingegangen, die mit
deutscher Beteiligung entstanden sind. Tatsächlich gab bereits die Gründung
von Dāro'l-Fonūn den ṣnstoß, weitere Schulen nach westlichen Maßstäben zu
errichten. Ähnlich verhielt es sich mit der Gründung der deutschen (Gewerbe-)
Schulen, welche die Eröfnung weiterer Schulen inspirierten; entweder von den
Persern selbst – wie zum Beispiel die šandwirtschaftsschule Madrasa-ye keāvarzī
o anāye-e rūstāī im Ṭahr 1922 – oder in Zusammenarbeit mit anderen šändern,
wofür die Vereinbarung zwischen dem iranischen Ministerium für Bildung
(Wezārat-e Farhang) und der amerikanischen TCṣ (U.S. Technical Cooperation
ṣdministration) aus dem Ṭahr 1953 ein gutes Beispiel ist. Sie sah eine Entwicklung
der berulichen Bildung in sechs Bereichen, einschließlich eines neuen ṭonzepts
der Berufsbildung, šehrerausbildung, šehrpläne, Einrichtungen und ṣusrüstung,
šehrbücher und Erweiterung der berulichen Bildung auf allen Ebenen des Bil-
dungssystems vor (Hendershot 1975, 153). Feststeht jedoch, dass die deutsche Schule
den größten Einlussfaktor beziehungsweise ṣktionsradius genoss. Denn sie
wartete schon damals mit einem geordneten ṣrbeitsplan auf (Marjānī 1995, 108).
Mit der Gründung des Departments für Berufsbildung (Edāra-ye kollī-e talīmāt-e
fannī) im Bildungsministerium im Ṭahr 1958, dessen ṣufgabe darin bestand, eine
Reihe landwirtschaftlich orientierter und industrieller Gewerbeschulen sowohl in
der Hauptstadt als auch den Provinzen aufzubauen, sprießen Gewerbeschulen wie
Pilze aus dem Boden. Die Zahl der Gewerbeschulen betrug im Ṭahrgang 1963/64
zunächst 96, im Ṭahrgang 1977/78 bereits 770 (vgl. Marjānī 1995, 133 f.). Es gab also
eine quantitative Distribution, die selbst nach der Revolution (1979) stetig beibehal-
ten wurde. ṭonnte jedoch die Qualität mithalten?
Die Organisation und die Struktur der Berufsbildung hat sich seit der Revo-
lution wenig verändert. Sie zerfällt ab ṣnfang der 90er Ṭahre bist heute in drei
verschiedene Zweige der Sekundarstufe II: ṣrbeit-und-Studium-Programm (kār
o dāne) Beruliche und Technische ṣusbildung (āmūzeš-e fannī wa ḥerfaī) sowie
Fachhochschulen. Das anwendungsorientierte ṣrbeit- und Studienprogramm
wurde entwickelt, um Schülern praktische Erfahrungen in diversen Bereichen wie
Elektronik, Schneiderei, Teppichweberei und šandwirtschaft etc. zu ermöglichen.
Beruliche und technische ṣusbildung, auf der anderen Seite, wurde entwickelt, um
Studenten für eine ṭarriere in der šandwirtschaft, der Industrie und verschiede-
nen Dienstleistungsbereichen vorzubereiten. Die Schulungen sind als Workshops
organisiert. ṣbsolventen können entweder in die ṣrbeitswelt einmünden oder ihre
ṣusbildung an Fachhochschulen fortsetzen. Hinsichtlich des ṭonzepts stehen die
Programme auf solidem Fundament. Wie sieht es jedoch mit der Realisierung aus?
Das ṣngebot der berulichen und technischen ṣusbildung soll sich grundsätz-
lich nach dem ṣrbeitsmarkt richten. Nur gibt es seit Ṭahren keine ṭoordination
zwischen den Gewerbeschulen und dem ṣrbeitsmarkt. Diese ṭoordination unter-
lag ursprünglich dem Management und der Planung Organisation of Iran (MPO).
Diese Organisation, die bereits 1948 gegründet wurde, wurde jedoch im Ṭahr 2007
214 Nader Haghani
vom damaligen Staatspräsidenten ersatzlos aufgelöst. Erst im Ṭahr 2013 wurde sie
wieder ins šeben gerufen. Das Problem unzureichender ṭoordination besteht
nach wie vor. ṣußerdem gibt es keine Mechanismen, die einen ṣusbildungsplatz
in ṣusbildungsbetrieben garantieren. Neben den zwei externen Hauptproblem-
kreisen, existieren auch innerhalb der Programme zur Berufsbildung Probleme.
Die Bildungsangebote richten sich nach der Infrastruktur (personelle und materi-
elle Möglichkeiten) der jeweiligen Bildungsstätte und nicht nach dem Bedarf auf
dem ṣrbeitsmarkt. ṣußerdem stehen ṣbsolventen generell vor der Wahl, entweder
ins Berufsleben einzusteigen oder an Fachhochschulen weiter zu studieren. Die
meisten ṣbsolventen entscheiden sich fürs šetztere, weil sie sich dadurch bessere
Berufsperspektiven erhofen. Die hohen ṭosten der ṣusbildung, der Mangel an
qualiizierten ṣusbildungskräften, Deizite in Bezug auf geeignete Werkstätten
wären als weitere Problemkreise zu nennen. In summa kann festgestellt werden,
dass ein ṣbglanz der Gewerbeschulen, die bereits im Ṭahre 1925 mit deutscher
Beteiligung gegründet worden sind, zwar nach wie vor besteht. ṣber ein Bedarf an
Umstrukturierung ist dringend erforderlich.
Die Gründung von Dāro'l-Fonūn, welche die dritte Initiative zur Modernisie-
rung Persiens markiert, sollte helfen die Wirtschaft Irans zu modernisieren, damit
das šand an die industrielle Entwicklung in Europa ṣnschluss inden konnte.
Dieser Wunsch konnte bis jetzt nicht realisiert werden.
4 Literatur
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Āqelī, B. (1992): Doktor ṣḥmad Matīn-daftarī: āerāt-e yak naost wazīr.
Tehran: Elmī
Browne, E. G. (1962): ṣrabian medicine: The Fitzpatrick lectures, delivered at the
college of physicians 1919/20. Cambridge: Univ. Pr.
Brugsch, H. (1862): Reise der k. Preussischen Gesandtschaft nach Persien, 1860 und
1861. Band I. šeipzig: Hinrichs
Brugsch, H. (1863): Reise der k. Preussischen Gesandtschaft nach Persien, 1860 und
1861: Band II. šeipzig: Hinrichs
Bundesarchiv Berlin šichterfelde. Ernennung eines Nachfolgers für Dr. Strunk,
dessen Vertrag am 21. März 1937 ablief, R 8041/8/51/ M 2 06/73
Bundesarchiv Berlin šichterfelde. Brief vom 14.01.1937 von Hans Wulf, Direktor
der Iranisch-Deutschen Gewerbeschule Schiras an Herrn Reg. Rat Prof. Dr.
ṭrahmer Möllenberg über den Zustand der Technische šehranstalt in Schiraz,
R 8041/9/51/ M 2 06/73, 709
Bundesarchiv Berlin šichterfelde. Bericht vom 25. Ṭuli 1939 des Ministerialdirigent
Dr. Südhof an den Verein „Deutsch – Iranische Schule e.V.“ über die deutsch-
iranische Zusammenarbeit auf dem Gebiete des Fachschulwesens, R 8041/10/51/
M 2 06/73, 21 f.
Bundesarchiv Berlin šichterfelde. Benachrichtigung des Vereins Iranisch-
Deutsche Schule durch Diplom Ing. ṣ. Friedrichsen über die Berufung eines
iranischen Direktors für die deutsche Gewerbeschule, Brief vom 4. Ṭuni 1937,
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über die ṣufrechterhaltung des deutschen Einlusses auf die Technischen
šehranstalten für die fernere Zukunft, R 8041/10/51/ M 2 06/73, 176
Bundesarchiv Berlin šichterfelde. Die Deutsche Gesandtschaft in Teheran über
ihre wichtigsten Faktoren der kulturellen Werbearbeit in Iran vom 11. Ṭuli 1938,
R 8041/10/51/ M 2 06/73, 304 – 313
Bundesarchiv Berlin šichterfelde. Bericht über die Technische šehranstalt
Isfahan, R 8041/10/51/ M 2 06/73, 407
Bundesarchiv Berlin šichterfelde. Bericht von ṣ. Friedrichsen (Technische
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R 8041/12/51/M 2 06/73
Bundesarchiv Berlin šichterfelde. Bericht vom den 27. Ṭan. 1925 zur Entstehung
und Funktion des Vereins Deutsch-Iranische Schule e.V., ṣkte 12,
R 8041/12/51/M 2 06/73
Bundesarchiv Berlin šichterfelde. Zur Errichtung des Vereins Deutsch-Iranische
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