JAHRBUCH
MSD 2005-07
Masterstudium Denkmalpflege der Technischen Universität Berlin
Heft 3
ISBN-Nr.: 978-3931278-46-5
Anmerkungen der Redaktion:
Aus urheberrechtlichen Gründen wurden in der digitalen Version vereinzelte
Abbildungen entfernt.
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Masterstudium Denkmalpflege
der Technischen Universität Berlin
Heft 3, Jahrbuch 2005-07
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Masterstudium Denkmalpflege
an der TU Berlin
Jahrbuch 2005-07
Herausgegeben von Dorothée Sack
zusammen mit
Jürgen Giese, Martin Gussone und Daniela Spiegel
FG Historische Bauforschung, Masterstudium Denkmalpflege
Berlin 2007
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Impressum
Technische Universität Berlin
Fakultät VI Planen - Bauen - Umwelt, Institut für Architektur
Fachgebiet Historische Bauforschung, Masterstudium Denkmalpflege
Herausgegeben von Dorothée Sack zusammen mit Jürgen Giese, Martin Gussone und Daniela Spiegel
Masterstudium Denkmalpflege an der TU Berlin - Jahrbuch 2005-07
Masterstudium Denkmalpflege der Technischen Universität Berlin, Heft 3
© Fachgebiet Historische Bauforschung, Masterstudium Denkmalpflege
Berlin, 2007
Redaktion: Jürgen Giese, Martin Gussone, Dorothée Sack, Daniela Spiegel
Redaktion der Poster zum Bürgerhaus in Strausberg und zum Garten Springer in Berlin-Zehlendorf: Jürgen Tietz
Grafik, Layout: Martin Gussone
scripvaz-Verlag, Christof Krauskopf, Berlin
Druck: Difo Druck GmbH, Bamberg
Auflage: 300 Exemplare
ISBN: 978-3-931278-46-5
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Inhalt Seite
Die aktuelle Entwicklung des Fachgebietes Historische Bauforschung und des Masterstudiums
Denkmalpflege 7
Die Mitarbeiter des Fachgebietes Historische Bauforschung 11
Berliner Kolloquium zur Bauforschung und Denkmalpflege 12
Programm Wintersemester 2005/2006 und Sommersemester 2006
Literaturhinweise 15
Verzeichnis der Forschungsprojekte des FG Historische Bauforschung 16
Resafa / Syrien
- Pilgerstadt und Kalifenresidenz. Die Stadt intra und extra muros. – Die fünf Teilprojekte der Projektphase
2006 - 2010, D. Sack, M. Gussone, U. Siegel 18
- Die Archäologische Karte. Zeitschichtenpläne zur Darstellung der Veränderungen in Stadt und Umland,
D. Sack, M. Gussone, U. Siegel 19
- Die Residenz des Kalifen Hisham b. Abd al-Malik. Archäologische Sondagen und Bauaufnahmen zur
Überprüfung der geophysikalischen Prospektionen, D. Sack, M. Gussone, U. Siegel, H. Becker, M. Stephani,
C. Konrad, M. Müller-Wiener 20
- Die Stadtmauer. Bauforschung zur Klärung ihrer Entstehung und ihrer Veränderungen, C. Hof, I. Salman,
M. A. Al Saeed 21
- Basilika A. Erstellung von Restaurierungs- und Sanierungskonzepten, D. Sack, M. Gussone, H. Heister, W. Liebl,
D. Kowoll, A. Sternberg, M. Stephani, W. Wolff 22
- Site Management. Ein Konzept für die touristische Erschliessung des Ruinengeländes, A. Mollenhauer, Y. Khoury,
H. Saleh 23
Berlin – Charlottenburg, Schloss Charlottenburg
- Der Neue Flügel – Bauhistorische und bauarchäologische Untersuchungen, E. v. Gaisberg 24
Berlin – Niederschönhausen, Schloss Schönhausen
- Bauhistorische und bauarchäologische Untersuchungen, E. v. Gaisberg 26
Das Jahrgangsprojekt des MSD 2005-07, Strausberg, Mark Brandenburg – Bürgerhaus Georg-Kurtze-Str. 1
- Grußwort der Brandenburgischen Stadterneuerungsgesellschaft, U. Schieferdecker 28
- Einführung, J. Giese, D. Spiegel 29
Kurzfassung der Ergebnisse
- Historische und städtebauliche Entwicklung Strausbergs, M. Baur, K. Reiß, U. Schmitz 34
- Erforschung eines Hauses an der Stadtmauer, E. Koch, J. Oth, M. Sählhof 35
- Ergebnisse der Bauforschung I, A. Banea, E. Fechnnerova, B. Grimm 36
- Ergebnisse der Bauforschung II, A. Ammerich, S. Herold, Z. Spyranti, T. M. Wolf 37
- Schadensuntersuchung und Maßnahmenplanung, G. Krause, F. Hlal 38
- Denkmalpflegerischer Bindungsplan, A. Criado del Arco, A. Salgo 39
- Überlegungen zur Nutzungskonzeption, S. Herold, E. Koch, J. Meier, A. Salgo, I. Salman, T. M. Wolf 40
Arbeitsproben aus der Originaldokumentation 41
Das Gartendenkmalpflegeprojekt des MSD 2005-07 – Berlin-Zehlendorf, die Steingartenanlage
Schillerstraße 10
- Einführung, C. Rolka 50
Kurzfassung der Ergebnisse
- Lage und Entstehungsgeschichte des Steingartens von Berthold Körting, S. Behan, S. Edelhoff 53
- Ergebnisse der Bauforschung, K. Eisenacher, S. Palmer 54
- Denkmalpflegerische Zielstellung und Maßnahmenplanung, M. Bunke, M. Gohlke, R. Nitschke 55
Arbeitsproben aus der Originaldokumentation 56
Verzeichnis der Dozenten und Förderer des MSD, Jahrgang 2005-07 61
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Die Exkursionen des MSD, Jahrgang 2005-07 62
Verzeichnis der Masterarbeiten MSD 2005-07 64
- Qatna / Syrien, Untersuchung zur Restaurierung von Lehmziegelbauten des 3. bis 1. Jahrtausends v. Chr.,
F. Hlal 65
- Resafa / Syrien, Basilika A – Untersuchungen zur Standsicherheit der Apsis, W. Wolff 66
- Antiochia (Antakya) / Türkei, Stadtmauer. Bestandsdokumentation und Bauforschung am Eisernen Tor,
A. Banea, B. Grimm 67
- Daphne (Antakya) / Türkei, Das Megalopsychia-Mosaik und sein architektonischer Kontext.
Bestandsaufnahme, Bauphasen, Restaurierungskonzept, M. Baur 68
- Stvolínky (Drum) / Tschechien, Allerheiligenkirche. Baudokumentation und Bauforschung,
H. Ammerich, E. Fechnerová, Z. Spyranti 69
- Berlin-Mitte, Ehemalige Jüdische Mädchenschule – Ein Schulgebäude der Neuen Sachlichkeit in der
Spandauer Vorstadt, A. Criado del Arco, K. Reiß 70
- Berlin-Brandenburg, Grenzlandschaft Dreilinden. Geschichte, Bestandserfassung und Denkmalwert,
J. Meier, J. Oth, T.M. Wolf 71
- Potsdam-Sanssouci, Der Bauschmuck des Ensembles Neues Palais. Exemplarische Bestandserfassung
und Maßnahmenplanung an der Kolonnade, S. Behan 72
- Potsdam-Sanssouci, Das Stibadium im Paradiesgarten. Baudokumentation und Sanierungsvorplanung,
S. Edelhoff, A. Salgo, M. Sählhof 73
- Potsdam-Sanssouci, Die Pergola der Villa Liegnitz. Bestandsdokumentation, Bauforschung
und Sanierungskonzeption, M. Bunke, K. Eisenacher 74
- Brandenburg/Havel, St. Johannis – Die ehemalige Franziskanerkirche und ihre nördlichen Anbauten.
Dokumentation und Bauforschung, S. Herold, U. Schmitz 75
- Burg/ Spreewald, Zweite Kolonie, Galeriestall von 1786. Bestandsdokumentation, Schadenskartierung,
Bauforschung, M. Gohlke 76
- Dortmund-Derne, Ehemalige Zeche Gneisenau. Bestandsdokumentation und Überlegungen zur
Umnutzung einer denkmalgeschützen Maschinenhalle, S. Palmer 77
Verzeichnis der Absolventen und Teilnehmer des MSD 2005-07 78
Abbildungsnachweis 79
Die letzte Seite 80
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Gert Mader in Rothenburg o.T., 2006.
Die aktuelle Entwicklung des Fachgebietes Historische Baufor-
schung und des Masterstudiums Denkmalpflege
Mit dem Jahrbuch 2005 - 2007 – die Jahreszahlen
umfassen die dreisemestrige Laufzeit eines
Jahrganges des Masterstudiums Denkmalpflege
(MSD) – stellen wir zum dritten Mal die Aktivitäten
eines Jahres im MSD und im Fachgebiet Historische
Bauforschung der Technischen Universität Berlin
vor. In bewährter Manier ist das Heft in drei Teile
gegliedert: Im ersten Teil werden die laufenden
und in diesem Jahr abgeschlossenen Projekte des
Fachgebietes vorgestellt. Der Hauptteil des Bandes
ist den beiden Jahrgangsprojekten gewidmet,
die von den Studenten des Masterstudiums im
Wintersemester 2005/2006 und Sommersemester
2006 bearbeitet wurden. Als Hauptprojekt haben
wir dieses Mal ein Bürgerhaus des 18. Jahrhunderts
in der Altstadt von Strausberg, Mark Brandenburg
bearbeitet, darüber hinaus beschäftigten sich im
Sommersemester sieben Studierende unter der
Leitung von Caroline Rolka, die im Masterstudium
das Fach „Gartendenkmalpflege“ lehrt, mit der
Steingartenanlage der Villa Springer in Berlin-
Zehlendorf aus den 1920er Jahren. Von diesen
beiden Projekten sind hier sowohl die anlässlich der
Projektpräsentation erstellten Poster abgedruckt, als
auch Arbeitsproben der Aufmaßzeichnungen, des
Raumbuchs und der Sanierungsvorplanung. Den
Abschluss des Jahrgangsheftes bilden die Poster,
mit denen die Studenten ihre Masterarbeiten
vorstellen.
Anfang Februar wurden zunächst die Absolventen
des Jahrganges 2004-2006 mit der Überreichung
ihrer Masterzeugnisse verabschiedet. Zu den
neuen Absolventen gesellten sich aber auch rund
30 unserer „Ehemaligen“, die ihre Zertifikate über
den erfolgreichen Abschluss des Aufbaustudiums
Denkmalpflege durch die Zeugnisse und die
Urkunde über den Erwerb des Titels „Master
of Science“ ersetzen konnten. Sie hatten sich
dem in Heft 2 geschilderten Verfahren der
„Masterisierung“ unterzogen, das nach Ableisten
einiger Zusatzleistungen die Umwandlung der
Zeugnisse ermöglicht.
Für die Entwicklung des Masterstudiums war
in diesem Jahr die traditionelle Exkursion nach
Franken von besonderer Bedeutung, denn sie
wurde zu unserem großen Bedauern letztmalig von
Professor Gert Mader vom Bayerischen Landesamt
für Denkmalpflege geleitet. Nach jahrzehntelanger
Forschungsarbeit und unermüdlichem Einsatz für
gefährdete Denkmale hat sich Professor Mader,
der zu Recht als Wegbereiter und „Eckpfeiler“ der
historischen Bauforschung in der Denkmalpflege
gelten kann, in den wohlverdienten Ruhestand
begeben. Obgleich wir betrübt sind, in Zukunft auf
seine spannenden Vorträge und kenntnisreichen
Erläuterungen vor Ort verzichten zu müssen,
wünschen wir ihm alles Gute und möchten uns
auf diesem Wege noch einmal herzlich für die gute
Zusammenarbeit in den vergangenen acht Jahren
bedanken. Trotz des Ausscheidens von Professor
Mader werden wir weiterhin an der Franken-
exkursion festhalten, um unseren Studenten einen
Einblick in die Arbeit der bayerischen Bauforschung
und Denkmalpflege zu ermöglichen. Daher
werden wir auch 2007 verschiedene, uns bisher
von Herrn Mader vorgestellte Beispiele zu Themen
der Natursteinbearbeitung und -restaurierung
sowie Dachwerksanierung anschauen und uns
beispielhafte Sanierungskonzepte durch die von
Herrn Mader eingeführten Büros erläutern lassen.
Die Abschlussexkursion am Ende des Sommer-
semesters, bei der stets unterschiedliche Denkmal-
regionen besucht werden, führte uns dieses Jahr
in die Bergbaustädte des Erzgebirges, wo wir
Denkmäler in Schwarzenberg, Beierfeld, Schnee-
berg und Annaberg-Buchholz besichtigen und de-
ren teilweise sehr unterschiedliche Sanierungs-
konzepte diskutieren konnten. Einen erlebnisreichen
und detaillierten Einblick in die Entwicklung des
Bergbaus im Erzgebirge konnten wir durch die
Besichtigung der Zinngrube „Sauberger Stollen“
gewinnen. Den Abschluss bildete bei strahlendem
Sommerwetter eine Führung durch den Park des
Schlosses Lichtenwalde mit Erläuterung der soeben
abgeschlossenen gartendenkmalpflege-rischen
Sanierungsmaßnahmen.
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K. Westphal, Strausberg, Georg-Kurtze-Str. 1, 2006.
Gut Blankenfelde, Bauaufnahme, 2006.
Wir freuen uns, berichten zu können, dass unsere
beiden ehemaligen Tutoren Haiko Türk und Gitte
Bieker, die wir letztes Jahr nach ihren erfolgreichen
Diplomverteidigungen verabschiedeten, mittlerweile
erfolgreich ins Berufsleben gestartet sind. Gitte
Bieker fand im Frühsommer eine Anstellung in
einem Münchner Architekturbüro, das sich mit
denkmalgeschützten Bauten befasst, und Haiko
Türk übernahm zum Wintersemester 2006/2007
eine Vertretung als wissenschaftlicher Mitarbeiter am
Lehrstuhl für Baugeschichte an der BTU Cottbus.
Ein wichtiges Mittel, die Aktivitäten des Masterstudiums
Denkmalpflege auch einer breiteren Öffentlichkeit
bekannt zu machen, stellt traditionellerweise der „Tag
des offenen Denkmals“ dar, der dieses Jahr am 9.
und 10. September 2006 stattfand. Entsprechend
dem diesjährigen Gesamtmotto „Rasen, Rosen und
Rabatten – Historische Gärten und Parks“ wurden
in diesem Jahr vor allem die Projektarbeiten auf
dem Gebiet der Gartendenkmalpflege in Vorträgen
und Ausstellungen vorgestellt. Caroline Rolka
präsentierte gemeinsam mit den Studierenden
des MSD die Projektarbeit im Garten Springer in
Berlin-Zehlendorf und beleuchtete in Vorträgen das
Umfeld der Entwicklung der Gartenkunst in den
Zwanziger Jahren.
Weitere Absolventen des Masterstudiums nutzten die
Gelegenheit, die Objekte ihrer Abschlussarbeiten
durch Führungen in das Bewusstsein der
Öffentlichkeit zu rücken. So fanden Führungen
zur Katholischen Kirche St. Judas Thaddäus in
Berlin-Tempelhof (Bastian Müller), zum ehemaligen
Gaswerk in Berlin-Grünau (Sibylle Frank, Corinna
Janßen), zum Bootshaus Nixenstraße in Berlin-
Köpenick (Sandra Seifert, Christine Schlüter), zum
ehemaligen St. Pauli-Kloster in Brandenburg/Havel
(Verena Alex, Katharina Weber) sowie zur Akademie
der Künste in Berlin-Tiergarten (Heike Pieper, Wiebke
Kötter) statt.
Neben der Konzeption und Durchführung des
Masterstudiums ist das Fachgebiet natürlich auch
als Forschungsinstitution tätig, und davon soll nun
die Rede sein:
Anfang des Jahres wurde von Dorothée Sack
ein Doktorandenkolloquium ins Leben gerufen.
Der Wunsch nach einem Forum für die von ihr
betreuten Doktoranden war entstanden, nachdem
das DFG-Graduiertenkolleg Kunstwissenschaft
– Bauforschung – Denkmalpflege, in dem viele
der Doktoranden bislang „beheimatet“ waren, im
April 2005 nach drei Förderperioden turnusgemäß
zu Ende gegangen war. Zweimal im Semester
treffen sich seitdem die mittlerweile knapp 40
Doktoranden, die in 17 verschiedenen Ländern
forschen und unterschiedlichste Themen aus den
Neben dem Ausscheiden von Herrn Mader betreffen
noch zwei weitere personelle Wechsel den Jahrgang
des Masterstudiums, der im Oktober 2006 sein
Studium aufgenommen hat. Die geodätischen
Grundlagen für die Bauaufnahme werden fortan
durch Christian Clemen vom Fachgebiet Geodäsie
und Ausgleichsrechnung vermittelt, der diesen
Lehrauftrag von Frank Gielsdorf aus demselben
Fachgebiet übernommen hat. Ferner mussten wir
Professor Karsten Westphal verabschieden, der
den Studiengang seit seiner Einrichtung 1998
im Fach Sanierungstechnologien unterstützt hat.
Wir möchten die Gelegenheit nutzen, uns sowohl
bei Herrn Gielsdorf, als auch bei Herrn Westphal
sehr herzlich für die geleistete Arbeit in unserem
Studiengang zu bedanken.
Als Nachfolgerin für Herrn Westphal konnten
wir glücklicher Weise Frau Ursula Hüffer vom
Architekturbüro Hüffer-Ramin gewinnen, das sich
unter anderem mit der Instandsetzung der Berliner
Heilig-Geist-Kapelle einen Namen im Bereich
der behutsamen Sanierung denkmalgeschützter
Bauten gemacht hat. Sie wird sowohl die Vorlesung
„Sanierungskonzepte und –technologien I und II“
halten als auch die Arbeit am Jahrgangsprojekt
betreuen, das sich diesmal mit zwei Bauten auf dem
Stadtgut Blankenfelde im Berliner Bezirk Pankow
beschäftigt.
Zwei weitere Personalia seien noch kurz angefügt:
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Resafa (Nord-Syrien), Führung mit D. Sack, im Hintergrund die Zisternen und die Stadtmauer, 2006.
Bereichen Bauforschung und Denkmalpflege
bearbeiten. Das Kolloquium dient nicht nur dazu,
über den aktuellen Arbeitsstand zu berichten,
sondern vor allem, sich gegenseitig auszutauschen
und inhaltliche oder methodische Probleme der
Dissertation gemeinsam zu diskutieren.
Auch bei den verschiedenen Drittmittelprojekten
hat sich im Jahr 2006 einiges getan. So konnte die
bauvorbereitende Bauforschung am Alten Museum,
die 1999 als erstes großes Forschungsprojekt vom
Fachgebiet zusammen mit dem Fachgebiet Bau-
und Stadtbaugeschichte begonnen worden war,
mit der sanierungsbegleitenden Untersuchung
der südlichen Dioskurenpostamente auf dem
Rotundendach vor Ort abgeschlossen werden.
Dieses von Elgin von Gaisberg geleitete Projekt hat
während seiner siebenjährigen Laufzeit insgesamt
15 Mitarbeiter beschäftigt, drei Abschlussarbeiten
sowie verschiedene Publikationen hervorgebracht.
Dem Abschluss entgegen gehen auch die
baugeschichtlichen und bauarchäologischen
Untersuchungen am Neuen Flügel des
Charlottenburger Schlosses, die seit 2004
ebenfalls von Elgin von Gaisberg zusammen mit
Antonia Brauchle, Christiane Hertwig, Dina Sperl
und Haiko Türk durchgeführt wurden.
Das dritte Berliner Fachgebietsprojekt unserer
„Damen von der Schlösserbauforschung“ - hier
war Monika Thiel statt Antonia Brauchle mit von
der Partie - betrifft das Schloss Schönhausen in
Berlin-Niederschönhausen, eine Forschungsarbeit,
die noch in vollem Gange ist. Nach Abschluss
der baugeschichtlichen und bauarchäologischen
Untersuchung hat dieses Jahr die Phase der
baubegleitenden Dokumentation begonnen.
Neben die Berliner Aktivitäten tritt seit diesem Jahr
ein Projekt, das uns weit weg aus Berlin in den Orient
führt, der wissenschaftlichen Heimat von Dorothée
Sack. Denn im Frühjahr 2006 wurde ihr von der
Zentraldirektion des Deutschen Archäologischen
Instituts (DAI) für die nächsten fünf Jahre die
Leitung der Grabung „Resafa“ übertragen. Resafa,
im Nordosten Syriens gelegen, ist eine in der Spät-
antike angelegte, nach der Islamisierung Syriens
weiter genutzte und überformte Pilgerstadt, deren
eindrucksvolle Ruine seit ihrer Wiederentdeckung
im 18. Jahrhundert Reisende und Forscher
anzieht. Hier arbeitet Dorothée Sack bereits
seit 1983, zuerst als Ausgräberin der „Großen
Moschee“ des Umaiyaden-Kalifen Hisham, deren
Publikation zugleich ihre Habilitationsschrift war,
und in den folgenden Jahren als Bearbeiterin des
südlichen Umlands der Stadt, in dem der Kalif
seine weitläufige Residenz anlegte. In diesem Jahr
nun fand von Ende August bis Anfang Oktober
die erste große Grabungskampagne unter ihrer
Gesamtleitung statt. Im Rahmen der Übernahme
der Verantwortung für dieses Projekt wurde für
„Resafa“ ein neues Arbeitsprogramm aufgestellt,
das fünf Teilprojekte umfasst.
1. Erstellung einer Archäologische Karte mit
Zeitschichtenplänen zur Geschichte und Entwicklung
der Stadt Resafa und ihres Umlands
2. Die Residenz des Kalifen Hisham im Umland
von Resafa, Untersuchung der Siedlungsstrukturen
und der baulichen Anlagen mit archäologischen
Sondagen zur Überprüfung und Präzisierung der
Interpretation der dort bereits durchgeführten
geophysikalischen Prospektionen
3. Die Stadtmauer von Resafa, Bauforschung zur
Klärung ihrer Entstehung und ihrer Veränderungen
4. Erstellung von weiteren Restaurierungs- und
Sanierungskonzepten für die Basilika A. Innerhalb
dieses Projektes haben es sich die Geodäten der
Bundeswehrhochschule in München zur Aufgabe
gemacht, anhand von Präzisionsmessungen die
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Die Ausbildung im MSD, Tagung „Baugeschichte und
Architekturlehre“ in Aachen, 2006.
Dynamik von Setzungsprozessen in der Basilika
nachzuvollziehen. Im Rahmen einer Abschlussarbeit
des Masterstudiums Denkmalpflege wurde darüber
hinaus die moderne Restaurierungsgeschichte der
Basilika untersucht und Grundlagen zur statischen
Sicherung der Apsis erarbeitet.
5. Entwicklung von touristischen Erschließungs-
konzepten (Site Management) für den gesamten
Grabungsplatz
Auch im Rahmen der Teilprojekte 3. (Stadtmauer)
und 5. (Site Management) entstehen Abschluss-
arbeiten im Masterstudium Denkmalpflege. Diese
Möglichkeit, am Projekt „Resafa“ zu partizipieren,
soll auch den Studenten der nachfolgenden
Jahrgänge des MSD eröffnet werden. Besonders
erfreulich ist die Teilnahme dreier syrischer
Studenten, die in diesem Jahr das Masterstudium
in Berlin absolvieren, um anschließend mit Hilfe
ihres neu gewonnenen Fachwissens zum Erhalt von
Denkmälern in ihrer Heimat beitragen zu können.
Erste Ergebnisse des neu angelaufenen
Arbeitsprogramms konnte Dorothée Sack bei dem
vom DAI Damaskus durchgeführten Symposium
„Residences, Castles, Settlements. Transformation
Processes from Late Antiquity to Early Islam in Bilad
al-Sham“ vorstellen, das Anfang November in
Damaskus abgehalten wurde.
Zu den weit über Berlin hinausgreifenden Aktivi-
täten gehörte auch die Vorbereitung und Durch-
führung der im zweijährigen Rhythmus stattfinden-
den Koldewey-Tagung, zu der Bauforscher aus
ganz Europa auf Einladung des Vorstands der
Gesellschaft, deren Vorsitzende Dorothée Sack seit
2002 ist, in Breslau zusammen kamen. Die Tagung,
vom 24.- 28. Mai 2006, hatte das Thema „Aufbau
Ost, Aufbau West“, zu dem auch die polnischen
Kollegen um Jacek Kosciuk von der TU Breslau
interessante Beiträge lieferten. Das Programm wurde
abgerundet durch eine große Zahl von „Berichten
aus laufender Forschung“.
Die Palette der im Fachgebiet Historische
Bauforschung verfolgten Forschungsprojekte
wird durch die Aktivitäten der wissenschaftlichen
Mitarbeiter ergänzt. Im Rahmen der Erforschung
der Stadtbefestigung von Messene führte Jürgen
Giese im August und September eine fünfwöchige
Bauaufnahmekampagne durch. Über dieses
gemeinsam mit der Freien Universität Berlin,
der RWTH Aachen und dem CNRS Lattes
durchgeführte Projekt referierte er am Deutschen
Archäologischen Institut Athen sowie im Berliner
Kolloquium zur Bauforschung und Denkmalpflege
an der TU Berlin. Daniela Spiegel stellte an der
FU Berlin und bei der Koldewey-Tagung in Breslau
Teilergebnisse ihres Dissertationsprojektes über die
faschistische Besiedlung des Agro Pontino vor.
Martin Gussone berichte zum einen – ebenfalls
auf der Koldewey-Tagung in Breslau – über einen
Ausschnitt seiner Untersuchungen zur Pyramide im
Neuen Garten zu Potsdam, zum anderen stellte er
bei der Tagung der Ernst-Herzfeld-Gesellschaft in
Bonn – zusammen mit Professor Fernando Valdés,
die Arbeiten an der ehemaligen Klosterkirche San
Agustin in Badajoz/ Extremadura in Spanien vor.
Vom 1. – 4. November 2006 fand an der
RWTH Aachen die Tagung „Baugeschichte und
Architekturlehre“ statt, auf der Jürgen Giese
und Daniela Spiegel das Fachgebiet vertraten.
In die dort geführte Diskussion über die Stellung
der Baugeschichte in den neuen Bachelor- und
Masterstudiengängen der deutschsprachigen
Architekturfakultäten brachten sie in ihrem Beitrag
das didaktische Konzept des Masterstudienganges
Denkmalpflege ein, dessen interdisziplinäre und
projektorientierte Ausrichtung Anregungen auch
für andere Studiengänge geben kann. Die Tagung
machte deutlich, in welcher Umbruchphase
sich die universitäre Architektenausbildung
derzeit in Folge des Bologna-Prozesses befindet.
Von der Notwendigkeit zur Positionierung und
Profilierung wird auch das Berliner Masterstudium
Denkmalpflege im Umfeld sich neu entwickelnder
Studienangebote nicht ausgeschlossen sein. Die
Entwicklung des Masterstudiums Denkmalpflege
wird uns daher in Zukunft intensiv beschäftigen
und so auch ein Thema für die folgenden Hefte
sein.
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Die Mitarbeiter des Fachgebietes Historische Bauforschung,
Masterstudium Denkmalpflege, 2005-07
Leitung des Fachgebietes
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Dorothée Sack
Sekretariat
Dipl.-Ing. Kristin Brenndörfer
Wissenschaftliche Mitarbeiter
Jürgen Giese M.A.
Daniela Spiegel M.A.
Wissenschaftlich-Technischer Mitarbeiter
Dipl.-Ing. Martin Gussone
Wissenschaftliche Mitarbeiter in Drittmittelprojekten
Dipl.-Ing. (FH) Antonia Brauchle: Schloss Charlottenburg
Dr. Elgin von Gaisberg, örtliche Projektleitung: Altes Museum, Schloss Charlottenburg, Schloss Schönhausen
Dr.-Ing. Catharine Hof: Resafa
Christof Konrad M.A.: Resafa
Dr. Anne Mollenhauer: Resafa
Dipl.-Ing. Ulrike Siegel: Resafa
Dipl.-Ing. Mike Schnelle: Exkursionsplanung
Dina Sperl M.A.: Schloss Charlottenburg, Schloss Schönhausen
Dipl.-Ing. Monika Thiel: Altes Museum, Schloss Schönhausen
Dipl.-Ing. Haiko Türk: Schloss Schönhausen
Tutoren in Drittmittelprojekten
cand. arch. Isabelle Frase
cand. phil. Dunya Henker
cand. inform. Daniel Krüger
Architekt Youssef Khoury
Anschrift
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Dorothée Sack
TU Berlin, FG Historische Bauforschung, Masterstudium Denkmalpflege
Sekretariat A 58, Straße des 17. Juni 152, 10623 Berlin
Architekturgebäude, Raum 812
Tel. ++49 30 314-796 11 | Fax. ++49 30 314-796 12 |Mail [email protected]
web: http://baugeschichte.a.tu-berlin.de/hbf-msd/
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Berliner Kolloquium zur Bauforschung und Denkmalpflege
Die von den Fachgebieten Historische Bauforschung und Bau- und Stadtbaugeschichte initiierte
vierzehntägige Vorlesungsreihe bildet ein Forum für alle an Fragen der Denkmalpflege, der Bauge-
schichte, der historischen und archäologischen Bauforschung arbeitenden Kollegen. Seit 1999 wird
hier der Dialog zwischen inner- und außeruniversitären Institutionen und den in der Praxis tätigen
Kollegen befördert.
Im Wintersemester 2005-06 wurde das Berliner Kolloquium in Zusammenarbeit mit dem Landes-
denkmalamt Berlin als Themenreihe: DIE STADT, DAS MUSEUM UND DIE DENKMALPFLEGE durchgeführt.
„Die Diskussion um die Berliner Museen und deren Veränderung in der Nachwendezeit hat vielfäl-
tige Aspekte. Kultur ist einer der weichen, jedoch wesentlichen Standortfaktoren einer an Arbeits-
plätzen nicht reichen Stadt. Die überwiegende Zahl der Museen ist in bestehenden, überwiegend
denkmalgeschützten Bauten untergebracht, so dass die Modernisierung der Museumstechnik und
Veränderungen der Ausstellung stets auch Eingriffe in einen potentiell denkmalgeschützten Bestand
mit sich bringen. Diese Veränderungen sind oft beträchtlich. Die Vortragsreihe untersucht die Voraus-
setzungen und unterschiedliche Lösungsansätze dieser scheinbar sich widersprechenden Aufgaben
zu einem Zeitpunkt, da erste Ergebnisse erzielt wurden und auch in den Einzelheiten beurteilt werden
können und andere Museen sich eben im Planungsprozess befinden.
Ziel der Veranstaltung ist auf der einen Seite die Bilanz des Erreichten auch im internationalen Ver-
gleich und andererseits die Überprüfung, ob die derzeit verfolgten Konzepte auch für die zukünftige
Arbeit Bestand haben sollen.“
Das Sommersmester widmete sich wieder dem Ziel, eine bunte Palette von aktuellen Forschungen
vorzustellen und aus nationaler und internationaler Sicht zu diskutieren. Zum besseren Verständnis der
Vortragstitel werden hier nun auch die Ankündigungstexte der Referenten wiedergegeben.
TU Berlin - Institut für Architektur, Sek. A 58, Straße des 17. Juni 152, 10623 Berlin
Tel. 030-314 219 46 - Fax. 030-314 219 47 - e-mail: [email protected]
Tel. 030-314 796 11 - Fax. 030-314 796 12 - e-mail: [email protected]
http://baugeschichte.a.tu-berlin.de/berliner-kolloquium
Kontakt
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Johannes Cramer Univ.-Prof. Dr.-Ing. Dorothée Sack
FG Bau- und Stadtbaugeschichte FG Historische Bauforschung,
Masterstudium Denkmalpflege
In Zusammenarbeit mit dem Schinkel-Zentrum für Architektur, Stadtforschung und Denkmalpflege.
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Symposium
zum
150. Geburtstag
von
Robert Koldewey
21. November 2005
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Programm Wintersemester 2005/ 2006
Die Stadt, das Museum und die Denkmalpflege
31. Oktober 2005
DIE STADT UND DAS MUSEUM
• Prof. Dr. Peter-Klaus Schuster, Generaldirektor SMB - Die Stadt und das Museum - Berliner Positionsbestimmung
• Prof. Urs Kohlbrenner, TUB, DASL - Museumsbauten und Baudenkmale als Motoren der Stadtentwicklung?
• Dr. Heinrich Wefing, Architekturkritiker, FAZ - Museumsarchitektur als Standortfaktor?
Moderation Prof. Dr. Jörg Haspel, Landeskonservator LDA
7. November 2005
DAS TECHNISIERTE MUSEUM ODER DAS ÜBERFORDERTE DENKMAL?
• Prof. Dr.-Ing. Johannes Cramer, TU Berlin - Das reiche Denkmal und die arme Technik
• Dipl.-Ing. Winfried Brenne, Architekt BDA, Deutscher Werkbund - Dezentrale Klimatisierung
• Bodo Buczinski, Chefrestaurator SMB - Forderungen der Restauratoren
• Prof. Dr. Bernhard Graf, Direktor Museumskunde SMB - Das vernetzte Museum - Anforderungen aus dem Leihverkehr
Moderation Prof. Dr. Wilfried Menghin, Museumsdirektor SMB
21. November 2005
SYMPOSIUM ZUM 150. GEBURTSTAG VON ROBERT KOLDEWEY
im Pergamonmuseum, Bodestraße 1-3, D-10178 Berlin
• Dieter Mertens, Rom - Robert Koldewey – die frühen Jahre
• Olaf Matthes, Hamburg - Robert Koldewey – im Orient
• Beate Salje, Berlin - Robert Koldewey und das Vorderasiatische Museum
• Margarete van Ess, Berlin -
Robert Koldewey und Babylon
• Dony George Youkhanna, Baghdad - New Research in Babylon (engl.)
• Dittmar Machule, Hamburg - Robert Koldewey und die Bauforschung
• Dorothée Sack, Berlin - Robert Koldewey – eine Methode lebt weiter
Koldewey-Gesellschaft – Deutsches Archäologisches Institut, Orient-Abteilung
Deutsche Orient-Gesellschaft – Vorderasiatisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin
5. Dezember 2005
DAS MUSEALE MUSEUM
• Dipl.-Ing. Nikolaus Bernau, Journalist, LDR - Einführung und Überblick: Museumseinrichtungen als Denkmalsubstanz
• Prof. Dr.-Ing. Dorothée Sack, TU Berlin - Das Pergamon-Museum mit den Einrichtungen von Wiegand und Andrae
• Dr. Ferdinand Damaschun, Leiter der Ausstellungen NKM - Das Naturkundemuseum in Berlin
• Dr. Kurt Winkler, Generaldirektor Stiftung Stadtmuseum - Das Märkisches Museum in Berlin
Moderation Prof. Dr. Adrian von Buttlar, TU Berlin, Vorsitzender Landesdenkmalrat
16. Januar 2006
DAS MUSEUM IM BESTAND - BEREICHERUNG ODER BELÄSTIGUNG?
• Prof. Dr. Jörg Haspel, Landeskonservator LDA - Einführung und Überblick
• Prof. Dr. Hans Ottomeier, Generaldirektor DHM - Das Deutsche Historische Museum
• Prof. Dr. Dirk Böndel, Direktor DTM - Das Deutsche Technikmuseum
Moderation Prof. Dr.-Ing. Johannes Cramer, TU Berlin
30. Januar 2006
FALLBEISPIEL KÖPENICK
• Bezirksbürgermeister Dr. Klaus Ulbricht, Köpenick - Altstadt und Schloss Köpenick – stadtentwicklungs- und
kommunalpolitische Perspektiven
• Dr.-Ing. Klaus-Henning von Krosigk, LDA - Schlossinsel Köpenick - Gartendenkmal und Landschaftsraum
• Dr. Angela Schönberger, Museumsdirektorin SMB - Das Kunstgewerbemuseum im Bau- und Kunstdenkmal
• Prof. Dr. Adrian von Buttlar, TU Berlin, Vorsitzender Landesdenkmalrat- Ausstellungsarchitektur versus
Barockarchitektur?
Moderation Dr. Karin Wagner, LDA
13. Februar 2006
DIE STADT, DAS MUSEUM UND DIE DENKMALPFLEGE - Statements mit Podiumsdiskussion
• Ingeborg Junge-Reyer, Senatorin für Stadtentwicklung Land Berlin, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
• Prof. Dr. Klaus-Dieter Lehmann, Präsident SPK, Stiftung Preußischer Kulturbesitz
• Prof. Dr. Adrian von Buttlar, TU Berlin, Vorsitzender Landesdenkmalrat
• Prof. Monika Grütters, MdA, Stiftung Brandenburger Tor
• Staatssekretär Dr. Volkmar Strauch, Land Berlin, Senatsverwaltung für Wirtschaft
Moderation Dr. Heinrich Wefing, Architekturkritiker FAZ
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Berliner Kolloquium – Programm Sommersemester 2006
08. Mai 2006
DAS SCHOELER-SCHLÖSSCHEN IN BERLIN-WILMERSDORF
In Zusammenarbeit mit dem Landesdenkmalamt Berlin
Dr. Markus Jager, Landesdenkmalamt Berlin – DAS DENKMAL – DIE VERGANGENHEIT
Podiumsdiskussion mit Kurz-Statements
Klaus Dieter Gröhler, Bezirkstadtrat für Bauwesen/ stellvertr. Bezirksbürgermeister
Wilmersdorf-Charlottenburg,– DIE BEDEUTUNG FÜR DEN BEZIRK
Dr. Sibylle Badstübner-Gröger, FREUNDESKREIS – „SCHLÖSSER“ DER MARK BRANDENBURG
Prof. Dr.-Ing. Johannes Cramer, TU Berlin – UMGANG MIT BAUTEN DES NATIONALSOZIALISMUS
Prof. Petra Kahlfeldt, Freie Architektin – WIE WEITERBAUEN AM DENKMAL?
Moderation – Dr. Jürgen Tietz, Freier Journalist
Das Schoeler-Schlösschen in Berlin-Wilmersdorf hat eine wechselhafte Geschichte hinter sich. Vom unscheinbaren
Landhaus über den großbürgerlichen Villenbau bis zum Kindergarten hat das Haus viele Nutzungen gehabt.
Die geplante Beseitigung des 1934/35 aufgesetzten 2. OG im Zusammenhang mit der Umnutzung für kulturelle
Zwecke des Bezirks hat in der Berliner Fachöffentlichkeit Überraschung und Widerspruch hervorgerufen.
In der Veranstaltung wurde die Geschichte des Hauses erläutert. Danach wurden die gegensätzlichen Standpunkte
zur Diskussion gestellt.
17. Juli 2006
Prof. Dr. Barry Bergdoll, Columbia University, New York
„THE EYES NEED A REST“ – PEI, BREUER, BARNES UND DIE MUSEUMSENTWÜRFE DER 1960ER JAHRE IN AMERIKA
Der Vortrag beschäftigt sich mit drei neuen Museumsentwürfen, die in den 1960er Jahren eine Kritik des
Mies’schen Modells – vertreten durch die Neue Nationalgalerie in Berlin – verkörpern: I.M. Peis Everson Museum
in Syracuse, New York, Marcel Breuers Whitney Museum in New York und Edward Larabees Barnes Walker Art
Gallery in Minneapolis.
Allen drei Architekten gemein ist die Hinwendung zu einer neuen Ästhetik massiver Baukörper mit abgegrenzten
Ausstellungsflächen. Die Gestaltung neuer monumentaler Kulturbauten in Form abstrakter Skulpturen als Zentrum
revitalisierter amerikanischer Innenstädte ist Teil der intensiven Stadterneuerungs-Diskussion dieser Zeit.
03. Juli 2006
Dr.-Ing. Dirk Dorsemagen, Stiftung Preussische Schlösser und Gärten
SCHLOSS RHEINSBERG – DER MUSENHOF ALS BAUSTELLE
Der spätere preußische König Friedrich der Große richtete sich als Kronprinz ab 1736 im Rheinsberger Schloss
seinen Musenhof ein. Auch der Bruder des Königs, Prinz Heinrich, machte Rheinsberg durch mehrere Erweiterungen
und Umbauten neben Berlin und Potsdam bis zu seinem Tode 1802 zu einem Zentrum der Künste. Im wesentlichen
blieb das Schloss über seine wechselvolle Geschichte hinweg samt seiner raumfesten Ausstattung erhalten, so dass
es heute ein wertvolles Zeugnis des friderizianischen Rokoko und preußischen Klassizismus gibt. 1991 übernahm
die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg die Schlossanlage, die sie seither sukzessive
instand setzt. Der Vortrag beleuchtete die laufenden Sanierungsmaßnahmen an Fassaden und Dachwerk des
Schlosses, die unter der Maßgabe des maximalen Substanzerhalts durchgeführt werden.
19. Juni 2006
Prof. Dr.-Ing. Przemyslaw P. Zalewski M.A., Universität Hannover
ZUM STAND DER DINGE – DIE ABHÄNGIGHEIT VON ARCHITEKTUR UND GRÜNDUNGSVORAUSSETZUNGEN
Die Baugrundbewertung und baulast-gerechte Ausführung der Fundamente stellten besonders bei Großbauten in
der Vergangenheit eine der schwierigsten und unberechenbarsten Aufgaben dar. Noch heute sind ca. 80 bis 90 %
aller schwerwiegenden Schäden an Baudenkmalen auf die Überlastung des Baugrunds zurückzuführen.
Das „Lernen am Werk“ endete häufig mit dramatischen Statikproblemen, ja sogar mit Einstürzen von gerade fertig
gestellten Großbauten. Der „Schiefe Turm“ von Pisa, der Kaiserdom in Worms und viele andere Objekte sind ledig-
lich ein Signal für ein überall verstreutes baugeschichtliches Phänomen, das im Vortrag vorgestellt wurde.
22. Mai 2006
Jürgen Giese M.A., Technische Universität Berlin
„STÄRKER BEFESTIGT ALS BYZANZ“ – DIE STADTMAUER VON MESSENE AUF DER PELEPONNES
Die Errichtung einer Stadtmauer zählt zu den größten Bauprojekten, die sich ein antikes Gemeinwesen
aufbürden konnte. Die Bewohner der 369 v. Chr. gegründeten Stadt Messene auf der südlichen Peleponnes
schufen in schwierigem Gelände ein 9km langes Bauwerk, das fortifikatorischen Nutzen und Repräsentativität
in bewunderungswürdiger Weise miteinander vereint und heute zu den am besten erhaltenen Denkmälern
seiner Art zählt. In einem 2005 gestarteten internationalen Forschungsprojekt wird diese Anlage jetzt erstmals
umfassend untersucht.
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Literaturhinweise
• Masterstudium Denkmalpflege der TU Berlin – Heft 2, Masterstudium Denkmalpflege
Jahrbuch 2004-06, Dorothée Sack (Hrsg.) zusammen mit Jürgen Giese, Martin Gussone
und Daniela Spiegel, Berlin 2006.
• Valeriani, Simona: Kirchendächer in Rom - Zimmermannskunst und Kirchenbau von der
Spätantike bis zur Barockzeit, Berliner Beiträge zur Bauforschung und Denkmalpflege 3,
J. Cramer, D. Sack (Hrsg.), Petersberg 2006
• Mohn, Claudia: Mittelalterliche Klosteranlagen der Zisterzienserinnen. Architektur der
Frauenklöster im mitteldeutschen Raum, Berliner Beiträge zur Bauforschung und
Denkmalpflege 4, J. Cramer, D. Sack (Hrsg.), Petersberg 2006
• Elgin v. Gaisberg, Dorothée Sack, Johannes Cramer, Altes Museum
,
in: Karl Friedrich Schinkel,
Führer zu seinen Bauten, Bd. 1, Berlin und Potsdam, hrsg. von Johannes Cramer, Ulrike Laible,
Hans-Dieter Nägelke, München – Berlin 2006, 46-53.
• Ulrike Laible, Elgin v. Gaisberg, Der Pomonatempel auf dem Pfingstberg, in: Karl Friedrich Schinkel,
Führer zu seinen Bauten, Bd. 1, Berlin und Potsdam, hrsg. von Johannes Cramer, Ulrike Laible,
Hans-Dieter Nägelke, München – Berlin 2006, 116-118.
• Elgin Röver (v. Gaisberg), Arbeitsprozesse und technischer Standard bei der Pfahlrostgründung des
Alten Museums in Berlin, in: Mittel und Wege. Zur Bedeutung von Material und Technik in der
Archäologie, hrsg. von Astrid Dostert und Franziska Lang, Möhnesee 2006, 59-97.
• Jürgen Giese, Neue Forschungen zum Dionysos-Tempel auf Thera, in: Bericht über die 43. Tagung
für Ausgrabungswissenschaft und Bauforschung : vom 19. bis 23. Mai 2004 in Dresden, Koldewey-
Gesellschaft, Vereinigung für Baugeschichtliche Forschung e.V., Bonn 2006, 115-123.
• Anne Mollenhauer, Der Mittelhallen-Grundriss in Beirut und sein Transformationsprozess im 19. und
20. Jahrhundert, in: Bericht über die 43. Tagung für Ausgrabungswissenschaft und Bauforschung :
vom 19. bis 23. Mai 2004 in Dresden / Koldewey-Gesellschaft, Vereinigung für Baugeschichtliche
Forschung e.V., Bonn 2006, beigefügt als Sonderdruck aus: architectura 35, 1, 95-111.
• Dorothée Sack - Helmut Becker - Manfred Stephani - Faris Chouker unter Mitwirkung von
Jörg Fassbinder, Christian Schweitzer, Martin Gussone: Resafa-Umland, Archäologische
Geländebegehungen, geophysikalische Untersuchungen und Digitale Geländemodelle
zur Prospektion in Resafa – Rusafat Hisham Bericht über die Kampagnen 1997 – 2001, in:
Damaszener Mitteilungen 14, 2004, 207-232, Tafel 32-38.
• Jan Schröder, Dorothée Sack, Alexander-Newski-Kirche, in: Karl Friedrich Schinkel, Führer zu
seinen Bauten, hrsg. für das Schinkel-Zentrum der TU Berlin von J. Cramer, U. Laible und H.-
D. Nägelke, Band I: Berlin und Potsdam, München und Berlin 2006, 119-120.
• Dina Sperl, Die Bauten auf der Pfaueninsel: Kavalierhaus, Schweizerhaus; Lustgarten, in: Karl
Friedrich Schinkel, Führer zu seinen Bauten, hrsg. für das Schinkel-Zentrum der TU Berlin von
J. Cramer, U. Laible und H.-D. Nägelke, Band I: Berlin und Potsdam, München und Berlin
2006, 96-100. 54-57.
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Verzeichnis der Forschungsprojekte des FG Historische Bauforschung
Projekte im Vorderen Orient:
- Resafa, Nord-Syrien, seit 2006
Pilgerstadt und Kalifenresidenz – intra und extra muros
Gesamtleitung: Univ.-Prof. Dr.-Ing. Dorothée Sack
Kooperation mit dem Deutschen Archäologischen Institut Berlin-Damaskus und der Direction Générale
des Antiquités es des Musées de la Syrie (DGAMS), Damaskus
Teilprojekt 1. Erstellung einer Archäologischen Karte mit Zeitschichtenplänen zur Geschichte
und Entwicklung der Stadt Resafa und ihres Umlands
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Dorothée Sack, Dipl.-Ing. Martin Gussone, Dipl.-Ing. Ulrike Siegel
Teilprojekt 2. Die Residenz des Kalifen Hisham b. Abd al-Malik im Umland von Resafa
- Untersuchung der Siedlungsstrukturen und baulichen Anlagen: Univ.-Prof. Dr.-Ing. Dorothée Sack,
Dipl.-Ing. Ulrike Siegel, Dipl.-Ing. Martin Gussone
- Archäologische Sondagen in ausgewählten Fundpunkten: Christof Konrad M.A.; Bearbeitung der Kera-
mik und Kleinfunde: Dr. Martina Müller-Wiener, Dunya Henker. Kooperation mit dem Institut für Orient-
und Asienwissenschaften, Abteilung für Asiatische und Islamische Kunstgeschichte der Universität Bonn
- Geodäsie, Digitale Geländemodelle und Entzerrung von Luftbildern: Dr.-Ing. Manfred Stephani.
Kooperation mit dem Fachgebiet Photogrammetrie und Fernerkundung der TU München
- Geophysikalische Prospektionen: Dr. Helmut Becker, München
Teilprojekt 3. Die Stadtmauer von Resafa
- Bauforschung zur Klärung ihrer Entstehung und ihrer Veränderungen:
Dr.-Ing. Catharine Hof, Arch. Ibrahim Salman, Ing. Mohamed Anas Al Saeed
Teilprojekt 4. Basilika A – Erstellung von Restaurierungs- und Sanierungskonzepten
- Präzisionsmessungen an der Basilika A: Prof. Dr.-Ing. habil. Hans Heister, Dipl.-Ing. Wolfgang Liebl,
Cand.-Ing. Dennis Kowoll, Cand.-Ing. Armin Sternberg. Kooperation mit der Universität der Bundeswehr,
München, Institut für Geodäsie; Kooperation mit Dr.-Ing. Manfred Stephani, Akad. Direktor, FG Photo-
grammetrie und Fernerkundung der TU München
Teilprojekt 5. Touristische Erschließung – Site Management
Dr. Anne Mollenhauer, Arch. Youssef Khoury, Arch. Hanaa A. Saleh
- ar-Raqqa/ar-Rafiqa, Nord-Syrien, 1982-1995/ seit 1996
Die früh-abbasidische Stadt und die Residenz des Kalifen Harun ar-Rashid, Ende 8./Anfang 9. Jh.
Prof. Dr. Michael Meinecke (†), Univ.-Prof. Dr.-Ing. Dorothée Sack, Dipl.-Ing. Ulrike Siegel
Projekte in Berlin und Brandenburg
- Berlin-Mitte, Museumsinsel, Altes Museum, seit 1999
Bauhistorische Dokumentation und Bauforschung im Zuge der Grundinstandsetzung
Dr. Elgin von Gaisberg, Dina Sperl M.A., Dipl.-Ing. Monika Thiel, Univ.-Prof. Dr.-Ing. Dorothée Sack,
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Johannes Cramer. - Gemeinschaftsprojekt mit dem FG Bau- und Stadtbaugeschichte
- Berlin-Charlottenburg, Schloss Charlottenburg, seit 2004
Bauhistorische und bauarchäologische Untersuchungen am Neuen Flügel
Dr. Elgin von Gaisberg, Dipl.-Ing. (FH) Antonia Brauchle M.Sc., Dina Sperl M.A. M.Sc., Dipl.-Ing. Haiko
Türk, Univ.-Prof. Dr.-Ing. Dorothée Sack, Univ.-Prof. Dr.-Ing. Johannes Cramer. - Gemeinschaftsprojekt
mit dem FG Bau- und Stadtbaugeschichte
-Berlin-Niederschönhausen, Schloss Schönhausen, seit 2005
Bauhistorische und bauarchäologische Untersuchungen
Dr. Elgin von Gaisberg, Dina Sperl M.A. M.Sc., Dipl.-Ing. Monika Thiel, Dipl.-Ing. Haiko Türk,
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Dorothée Sack
Projekte im europäischen Ausland
- Messene, Griechenland, Die Stadtmauer, seit 2004
Dr. Jean-Claude Bessac, CNRS Lattes, Geologie + Steinbrüche; Jürgen Giese M.A., TU Berlin und
Dipl.-Ing. Judith Bartel, RWTH Aachen, Historische Bauforschung; Dr. des. Silke Müth-Herda, FU Berlin,
Topographie + Geschichtswissenschaft; Ute Schwertheim M.A., FU Berlin, Archäologie.
Prof. Dr. Friederike Fless, Prof. Dr.-Ing. Wolfram Hoepfner, beide FU Berlin; Dorothée Sack, TU Berlin
Kooperation mit FU Berlin, Society for Messenian Archaeological Studies, RWTH Aachen, CNRS Lattes
Abbildungen S. 17 (von oben nach unten): Resafa (Nord-Syrien) extra muros: Archäologische Sondagen; Resafa (Nord-Syrien)
intra muros: Basilika A und Große Moschee; Berlin, Altes Museum - Postamente; Messene, Griechenland, Mauerverlauf.
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Resafa, Lageplan, Stand Dez. 2006 (D. Sack, M. Gussone). Die Teilnehmer der Herbstkampagne 2006 in Resafa (Ch. Konrad).
Resafa von Süden, im Vordergrund FP 220, 1999 (D.Sack).
RESAFA / SYRIEN, PILGERSTADT UND KALIFENRESIDENZ
Die Stadt intra und extra muros – Die fünf Teilprojekte der Projektphase 2006 - 2010
Dorothée Sack, Martin Gussone, Ulrike Siegel
TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN, FAKULTÄT VI, INSTITUT FÜR ARCHITEKTUR
UNIV.-PROF. DR.-ING. DOROTHÉE SACK, FACHGEBIET HISTORISCHE BAUFORSCHUNG, MASTERSTUDIUM DENKMALPFLEGE,
Die ehemals für den östlichen Mittelmeerraum sehr
bedeutende, spätantike Pilgerstadt Resafa und die
in frühislamischer Zeit in ihrem Umfeld entstandene
Residenz des Kalifen Hisham b. Abd al-Malik
wurde in der Folge des „Mongolensturms“ um
1250 aufgegeben und geriet in Vergessenheit (RES
IV, 132, 159). Die Stadt und ihre Kirchen wurden
Ende des 18. Jahrhunderts wieder entdeckt, seit
Beginn des 20. Jahrhunderts werden die Überreste
der Sakralbauten kunsthistorisch beschrieben
und durch Bauaufnahmen erfasst (Sarre 1909,
Spanner/ Guyer 1926).
Gegenstand systematischer archäologischer
Forschungen des Deutschen Archäologischen
Institutes wurde Resafa Anfang der 1950er
Jahre unter Leitung von Johannes Kollwitz. Aus-
schlaggebend war, das Nebeneinander und die
Übergänge zwischen christlicher und islamischer
Kultur untersuchen zu können. Mit dem islamischen
Umland befasste sich Katharina Otto-Dorn (zu den
Arbeiten der 1950er Jahre siehe S. 19).
Seit 1976 wurden die Untersuchungen in der Stadt
Resafa unter der Leitung von Thilo Ulbert fortgesetzt.
Der Schwerpunkt der Arbeiten lag zuerst auf der
Untersuchung der Basilika A (RES II), in der Folge
wurden weitere Bauten im Stadtgebiet, z.B. die
Große Moschee (RES IV) sowie benachbarte,- zum
Limes gehörende Anlagen untersucht (RES V). Ein
Survey im Umland stellte archäologisch relevante
Fundpunkte und Baustrukturen fest, die geodätisch
erfasst wurden (RES I). Auf Grundlage des Surveys
und weiterer Begehungen seit 1983 wurden die
baulichen Strukturen durch Dorothée Sack zunächst
hinsichtlich ihrer Datierung und nach funktionalen
Gesichtspunkten klassifiziert. Von 1997 bis 2001
fanden geophysikalische Prospektionen im süd-
lichen Umland der Stadt statt, deren Auswertung
– zum Teil bereits vorgestellt – weiter fortgesetzt
wird (DiskAB; 5 Jahre ASD, 26f; DaM 14).
In der 2006 begonnenen Projektphase sollen unter
der Leitung von Dorothée Sack stärker als bisher
Stadt und Umland in einer Gesamtbetrachtung als
zusammenhängende Anlage untersucht werden,
indem die bisherigen Ergebnisse zu den einzelnen
Monumenten zusammengeführt und durch neue
Forschungen ergänzt werden.
Das auf fünf Jahre konzipierte Gesamtprojekt setzt
sich aus fünf Teilprojekten zusammen:
Das erste Teilprojekt umfasst die Erstellung einer
Archäologischen Karte mit Zeitschichtenplänen zur
Geschichte und Entwicklung der Stadt Resafa und
ihres Umlandes. In diesem übergreifenden Projekt soll
die Entstehung der Bauten und ihre Veränderungen
sowie die Entwicklung des Stadtorganismus von den
Anfängen bis zu ihrer Aufgabe im 13. Jahrhundert
dargestellt werden1.
Das zweite Teilprojekt widmet sich der Untersuchung
der Residenz des Kalifen Hisham b. Abd al-Malik im
Umland von Resafa und schließt an die umfangreichen
Vorarbeiten der letzten Jahre an. Ziel ist es, die
Siedlungsstrukturen und baulichen Anlagen der
Residenz zu klären2. Durch archäologische Sonda-
gen3 an ausgewählten Fundpunkten (FP) werden die
Ergebnisse der geophysikalischen Prospektionen der
Jahre1997 bis 2001 überprüft. Im Norden der Stadt
sollen die bisher nicht erfassten Bereiche des historisch
besiedelten Umlandes durch geophysikalische Pros-
pektionen untersucht werden4. Eine Ergänzung zur
Interpretation der Befunde der geophysikalischen
Prospektionen stellen Digitale Geländemodelle und
entzerrte Luftbilder dar, diese sollen in den Jahren 1999-
2001 begonnenen Arbeiten fortgeführt werden5.
In dem dritten Teilprojekt wird die Stadtmauer
untersucht, um mit den Methoden der Historischen
Bauforschung Fragen zu ihrer Entstehung und
zu den verwendeten Bautechniken zu klären.
Eine differenzierte Darstellung des Bestandes
soll die Veränderungen und Reparaturphasen
dokumentieren und dadurch die Datierung der
einzelnen Baumaßnahmen ermöglichen6.
Das vierte Teilprojekt dient der Erstellung von
Restaurierungs- und Sanierungskonzepten für
die Basilika A. Im Herbst 2006 wurden die 2002
begonnenen Präzisionsmessungen fortgesetzt. Es
galt zu klären, ob signifikante Deformationen
nachzuweisen sind. Dazu wurde ein Präzisions-
Lage- und Höhennetz angelegt sowie ein
terrestrisches Laserscanning mit hoher Auflösung
durchgeführt7. Einer ähnlichen Fragestellung im
Detail ging eine Abschlussarbeit des MSD nach,
die sich mit den konstruktiven Grundlagen und
der Standsicherheit der Apsiskalotte beschäftigte8.
Beide Untersuchungen schaffen Grundlagen für
künftige Restaurierungsmaßnahmen.
In dem fünften Teilprojekt, das – wie das erste
Teilprojekt – übergreifend das gesamte Gelände
behandelt, wird ein Site Management entwickelt.
Zur touristischen Erschließung wird eine Besucher-
führung mit Informationstafeln im Gelände
entworfen. Ein Archäologischer Führer und die
Ausstellung in einem Besucherzentrum – im Nord-
westen der Stadt geplant – sollen dem Besucher
das Verständnis der Anlage erleichtern und die
im Gelände für das ungeübte Auge nicht immer
nachvollziehbaren archäologischen Befunde er-
läutern9.
Die laufenden Arbeiten in Resafa werden in
Kooperation mit dem Deutschen Archäologischen
Institut Berlin-Damaskus und der Direction
Générale des Antiquités et des Musées de la Syrie
(DGAMS), Damaskus, durchgeführt. Die Arbeiten
im Umland werden durch die Forschungsförderung
der Thyssen-Stiftung finanziert.
Bearbeiter
1. Univ.-Prof. Dr.-Ing. Dorothée Sack, Dipl.-Ing. Martin Gussone/ TU
Berlin, Dipl.-Ing. Ulrike Siegel/ DAI Berlin
2. Univ.-Prof. Dr.-Ing. Dorothée Sack/ TU Berlin, Dipl.-Ing. Ulrike Siegel/
DAI Berlin, Dipl.-Ing. Martin Gussone/ TU Berlin
3. Archäologische Sondagen Christoph Konrad M.A., Bearbeitung der
Keramik und Kleinfunde Dr. Martina Müller-Wiener, Dunya Henker.
Kooperation mit dem Institut für Orient- und Asienwissenschaften, Abtl.
für Asiatische und Islamische Kunstgeschichte der Universität Bonn
4. Dr. Helmut Becker/München
5. Dr.-Ing. Manfred Stephani, Kooperation mit dem Fachgebiet
Photogrammetrie und Fernerkundung der TU München
6. Dr.-Ing. Catharine Hof/ DAI Berlin, Abschlussarbeiten: Arch. Ibrahim
Salman, Ing. Mohamed Anas Al Saeed/ MSD TU Berlin
7. Prof. Dr.-Ing. habil. Hans Heister, Dipl.-Ing. Wolfgang Liebl,
Diplomarbeit: Cand.-Ing. Dennis Kowoll, Cand.-Ing. Armin Sternberg,
Kooperation mit der Universität der Bundeswehr, München.
Dr.-Ing. Manfred Stephani, Kooperation mit dem FG
Photogrammetrie und Fernerkundung der TU München
8. Abschlußarbeit Dipl.-Ing. Wilfried Wolff/ MSD TU Berlin
9. Dr. Anne Mollenhauer, Arch. Youssef Khoury, Abschlussarbeit: Arch.
Hanaa A. Saleh/ MSD TU Berlin
Literatur
5 Jahre ASD D. Sack, M. Gussone, Resafa - Rusafat Hisham, Geschichte
- Ziele - Ergebnisse, Prospektionskampagnen, in: 5 Jahre Aufbaustudium
an der TU Berlin, Berlin 2004, 26-27
DaM 14 D. Sack, H. Becker, M. Stephani, F. Chouker, Resafa-Umland,
Archäologische Geländebegehungen, geophysikalische Untersuchungen
und digitale Geländemodelle zur Prospektion in Resafa – Rusafat
Hisham. Bericht über die Kampagnen 1997 – 2001, DaM 14 (2004)
207-232
DAM 25 Deutsches Archäologisches Institut: Orte und Zeiten. 25 Jahre
archäologische Forschungen in Syrien 1980-2005, Damaskus 2005
DiskAB D. Sack, H. Becker, Zur städtebaulichen Konzeption
frühislamischer Residenzen in Nordmesopotamien mit ersten Ergebnissen
einer Testmessung zur geophysikalischen Prospektion in Resafa-Rusafat
Hisham, in: E.-L. Schwandner, K. Rheidt (Hrsg.), Stadt und Umland,
Diskussionen zur Archäologischen Bauforschung 7 (1999) 270-286
RES I M. Mackensen, Eine befestigte spätantike Anlage vor den
Stadtmauern von Resafa. Ausgrabungen und spätantike Kleinfunde eines
Surveys im Umland von Resafa-Sergiupolis, Resafa I, Mainz 1984
RES II T. Ulbert, Die Basilika des Heiligen Kreuzes in Resafa
Sergiupolis, Resafa II, Mainz 1986
RES IV D. Sack, Die große Moschee von Resafa – Rusafat Hisham,
Resafa IV, Mainz 1996
RES V M. Konrad, Der spätrömische Limes in Syrien: Archäologische
Untersuchungen an den Grenzkastellen von Sura, Tetrapyrgium, Cholle
und in Resafa, Resafa V, Mainz 2001
RES VI G. Brands, Die Bauornamentik von Resafa - Sergiupolis:
Studien zur spätantiken Architektur und Bauausstattung in Syrien und
Nordmesopotamien, Resafa VI, Mainz 2002
Sarre 1909 F. Sarre, Rusafa-Sergiopolis, Monatshefte für Kunstwissen-
schaft 2 (1909) 95 ff.
Spanner/ Guyer 1926 H. Spanner - S. Guyer, Rusafa. Die Wallfahrts-
stadt des Heiligen Sergios, Berlin 1926
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Resafa, Skizze der Stadtanlage mit (1) Basilika A (2) Gr. Moschee (3) Basilika B (4) Zentralbau (5) Zisternen (6) Khan (7) Nordtor (8) Basilika C
(9) Basilika D (10) Al-Mundir-Bau (11) „Hisham Palast“ (W. Müller-Wiener, Österreichische Hochschulzeitung 9, 3 (01. Februar 1957).
1976: Rekonstruktionsversuch der Treppen-
anlage am Osttor (Karnapp 1976, 114).
1989: Rekonstruktionsversuch der Gr.
Moschee, Bauphase Ib, (RES IV, T. 77).
2006: Sondage am FP 143 (M. Gussone).1950er Jahre: Basilika A (AW 4.1977, 19).
1985: Rekonstruktionsversuch der Ge-
samtanlage der Basilika A (RES II, T. 86).
1954: Rekonstruktionsversuch des
Zentralbaus, Blick vom Nordtor (DAI.
1954: Rekonstruktionsversuch des
Khans, Blick nach Osten (DAI).
1954: Arbeiten an der Nordtorstraße (DAI).
RESAFA / SYRIEN, DIE ARCHÄOLOGISCHE KARTE
Zeitschichtenpläne zur Darstellung der Veränderungen in Stadt und Umland
Dorothée Sack, Martin Gussone, Ulrike Siegel
TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN, FAKULTÄT VI, INSTITUT FÜR ARCHITEKTUR
UNIV.-PROF. DR.-ING. DOROTHÉE SACK, FACHGEBIET HISTORISCHE BAUFORSCHUNG, MASTERSTUDIUM DENKMALPFLEGE,
Erstellung einer Archäologischen Karte
Das Teilprojekt 1 hat die Erstellung einer Archäo-
logischen Karte mit Zeitschichtenplänen zum Ziel,
um die Geschichte und die Entwicklung der Stadt
Resafa und ihres Umlandes im Zusammenhang
zu verdeutlichen.
In diesem übergreifenden Projekt sollen die
Arbeitsergebnisse der seit den 1950er Jahren
untersuchten Bauten zusammengefaßt und durch
die laufenden Forschungen ergänzt werden. Die
Baugeschichte der Einzelmonumente und ihre
Veränderungen werden in Verbindung mit jüngeren
Forschungsansätzen, die sich zunehmend urbanen
Fragen zuwenden, in einer Zusammenschau
dargestellt. Das Ziel ist, die Entwicklung der
Gesamtanlage von den Anfängen als Kastell des
römischen Limes, über den Beginn der Blüte als
christliche Pilgerstadt im 5. und 6. Jh. und die
Weiternutzung in frühislamischer Zeit mit dem
Ausbau zur Residenz des Kalifen Hisham b. Abd
al-Malik, bis hin zur Aufgabe der Siedlung im 13.
Jahrhundert nachzuvollziehen. Die zentrale Auf-
gabe der Bauforschung ist es, zu klären wo sich die
einzelnen Zeitschichten baulich fassen lassen.
(T. Ulbert / S. Codreanu), der Basar vor der Basilika
A (T. Ulbert/ R. Petrovsky, DaM 6) und die am
Vorplatz der Zisternen gelegenen Wohnhäuser (M.
Wemhoff, DaM 8) untersucht. Die an die Basilika
A angrenzende Große Moschee bearbeitete D.
Sack (RES IV), der auch seit 1983 die Untersuchung
des südlichen Umlandes übertragen worden war
(DisKAB, DaM 14). Ein archäologischer Survey des
Umlandes sowie die Ausgrabung einer spätantiken
Villa im Westen der Stadt war bereits 1976 von M.
Mackensen durchgeführt worden, der Survey wurde
geodätisch durch H. Tremel begleitet (RES I).
Weitere Arbeiten beschäftigten sich mit übergreifen-
den urbanistischen Fragestellungen. W. Brinker bear-
beitete die Zisternen und die Wasserversorgung der
gesamten Stadtanlage. S. Westphalen erforschte die
Basilika D und deren Umfeld, wobei er die Arbeiten
mit Untersuchungen zur Urbanistik verknüpfte
(DaM 12). Dem spätrömischen Kastell galt eine
Grabung unter der Basilika B, die im Rahmen
eines Projektes zur Erforschungen der Limeskastelle
(Tetrapyrgium, Sura, Cholle/ Hallul) durchgeführt
wurde (M. Konrad, RES V). Die Bearbeitung der
Bauornamentik klärte das Verhältnis der einzelnen
Großbauten in Resafa untereinander und stellte ihre
Ornamentik in Bezug zur zeitgleichen syrischen und
nordmesopotamischen Architekturentwicklung (G.
Brands, RES VI).
Laufende Forschungen
Die begonnenen Untersuchungen sollen fortgesetzt
und ihre Bearbeiter in die laufenden Forschungen
eingebunden werden. Zusätzlich sollen an der
Oberfläche noch sichtbare, bisher aber nicht unter-
suchte Strukturen mit terrestrischen Scans, Digitalen
Geländemodellen und formtreuen Handaufmaßen
erfasst werden. Dazu gehört auch die Reinigung von
anstehenden, sichtbaren Mauerkronen, begleitet
von archäologischen Beobachtungen sowie die
Bearbeitung der Keramik, Kleinfunde und Münzen.
Die Anwendung von Georadar soll geprüft und die
Auswertung der bereits angefertigten Luftaufnahmen
(Überfliegung 1999) weitergeführt werden.
Die (zu erarbeitenden) Zeitschichtenpläne für
alle bereits untersuchten Bereiche sollen in ein
geografisches Informationssystem (GIS) eingebracht
werden. Eine dreidimensionale Darstellung
der Stadtbauphasen soll die verschiedenen
Entwicklungsstufen Resafas, die Entstehung, den
weiteren Ausbau, die Veränderungen und Instand-
setzungen sowie ihren Niedergang verdeutlichen.
Forschungsstand
Die Erforschung von Resafa begann unter der
Leitung von J. Kollwitz. Zwischen 1952 und
1965 wurden der Zentralbau, die Basilika B
und in Ansätzen die Basilika A untersucht. Eine
erste Vermessung des Areals der Basilika A und
der Basilika B führte W. Müller-Wiener durch.
Gleichzeitig bearbeitete W. Karnapp die
Stadtmauer, eine Wohnanlage in Verbindung
mit der Nordtorstraße, den Vorplatz des
Zentralbaus und den Khan. Einige „arabische“
Wohnhäuser westlich der Nordtorstraße wurden
von N. Salibi ausgegraben. Die Arbeiten im
Umland führte K. Otto-Dorn durch, hier ist
besonders die Ausgrabung des sog. Hisham-
Palastes von Bedeutung.
Von 1976 bis 2005 fanden die Forschungsarbeiten
in Resafa unter der Leitung von T. Ulbert statt.
Im Mittelpunkt der Untersuchungen stand die
Basilika A (RES II, RES III), die 2004-05 auch
mit Mitteln der Deutschen Kulturhilfe restauriert
werden konnte.
In den 1980er und 1990er Jahren wurden zudem
der Al-Mundir-Bau (T. Ulbert), die Basilika C
AW 4.1977 W. Karnapp: Deutsche Grabungen und Forschungen
in der Ruinenstadt Resafa, in: Antike Welt 8, 4 (1977)
DAI Resafa-Archiv des DAI, Zentrale Berlin. Die hier abgebildeten
Skizzen und das Foto stammen aus Berichten von W. Karnapp um 1954.
Karnapp 1976 W. Karnapp: Die Stadtmauer von Resafa,
DAA 11, Berlin 1976
1
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567
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Straße
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20
RESAFA / SYRIEN, DIE RESIDENZ DES KALIFEN HISHAM B. ABD AL-MALIK
Archäologische Sondagen und Bauaufnahmen zur Überprüfung der geophysikalischen Prospektionen
Die Untersuchung des etwa 3 km2 großen,
südlichen Umlandes der ummauerten Stadt Resafa
– Rusafat Hisham gilt der Erforschung der Residenz
des Kalifen Hisham b. Abd al-Malik (reg. 105/724
– 125/743). Das bisher nahezu unbebaute Areal
bietet die Möglichkeit, detaillierte Kenntnisse
über eine großflächige, zusammenhängende
Bebauung mit Palastkomplexen und zugehörigen
Nebengebäuden einer frühislamischen, von
einem umaiyadischen Kalifen gegründeten Sied-
lung zu gewinnen.
Forschungsstand
Das südliche Umland ist seit 1976 Gegenstand
von schrittweise durchgeführten Forschungen.
Dabei kamen bisher unterschiedliche Methoden
zum Einsatz, die zusammen ein sich langsam
vervollständigendes Bild ergeben. Der erste
Geländeplan mit der Ausweisung von 310
Fundpunkten (FP 1-310) entstand 1977/78 im
Rahmen eines geodätischen Surveys von Michael
Mackensen und Herbert Tremel (RES I). Zwischen
1983 und 1985 unternahm Dorothée Sack
archäologische Begehungen und nahm eine erste
Auswertung der 310 Fundpunkte vor. Es erfolgte
eine Unterscheidung in palastähnliche Komplexe
und Nebengebäude sowie die Zuordnung von
zusammengehörigen Fundkomplexen, die sich
jeweils um ein palastähnliches Gebäude gruppieren
(Palastkomplex (PK) I-VI) (DiskAB). Seit 1997
wurden die Forschungen durch geophysikalische
Untersuchungen (Cäsiummagnetometrie und Erd-
widerstandsmessungen) und durch die (terrestrische
Architektur: Dorothée Sack, Ulrike Siegel, Martin Gussone, Geophysik: Helmut Becker,
Geodäsie/ Photogrammetrie: Manfred Stephani, Archäologie: Christoph Konrad, Keramik: Martina Müller-Wiener
TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN, FAKULTÄT VI, INSTITUT FÜR ARCHITEKTUR
UNIV.-PROF. DR.-ING. DOROTHÉE SACK, FACHGEBIET HISTORISCHE BAUFORSCHUNG, MASTERSTUDIUM DENKMALPFLEGE,
STRASSE DES 17. JUNI 152, SEKR. A 58, 10623 BERLIN, TEL. 030-314-796 11, MAIL: [email protected]
FP 143, Cäsium-Magnetogramm (Helmut Becker, 2001) mit
Markierung der archäologischen Sondagen, o.M., 2006.
und photogrammetrische) Aufnahme Digitaler
Geländemodelle erweitert. Die Prospektionen
lieferten zwar Erkenntnisse über die Struktur der
Siedlung und teilweise über den inneren Aufbau
der Anlagen, sie erlauben jedoch keine gesicherten
Aussagen über die Datierung, Funktion oder
Ausstattung der einzelnen Gebäude (DaM 14).
Geplante Arbeiten
Mit Hilfe von archäologischen Grabungen sollen
in der neuen Projektphase die Stratigraphie der
Gesamtanlage und die Ausbildung der Architektur
der umaiyadischen Residenz geklärt werden. Die
Interpretation der Bautechnik, der Ausstattung
und der Kleinfunde soll eine Feindatierung
der Gebäude und eine genauere Bestimmung
ihrer Nutzung ermöglichen. Da angesichts der
Ausdehnung des Palastareals und der Größe der
einzelnen Baukomplexe von einer Flächengrabung
abzusehen ist, sind gezielt angelegte Sondagen
in den Palastkomplexen (PK I, II, IV, VI, Mitte)
vorgesehen.
Im Rahmen der Resafa-Kampagne 2006 wurden
die archäologischen Arbeiten an den Fundpunkten
102/ 105 (PK I) und 143 (PK IV) begonnen.
Die durchgeführten Sondagen galten der Über-
prüfung der geophysikalischen Untersuchungen
und ihrer Auswertung1. Durch den Vergleich der
Ergebnisse der Geophysik und ihrer Auswertung
mit dem archäologischen Befund sollen
Grundlagen für die zukünftige Interpretation
der geophysikalischen Prospektionen abgeleitet
werden. Dieser Vergleich soll ermöglichen, bei der
weiteren Auswertung der bereits für große Teile des
Residenzareals angefertigten geophysikalischen
Prospektionen genauere Aussagen treffen zu
können. Archäologische Sondagen können nur
in wenigen, ausgewählten Bereichen durchgeführt
werden.
Parallel zu den archäologischen Sondagen sind
für die nächsten Kampagnen die Fortführung
geodätischer Vermessungen zur Erstellung von
Digitalen Geländemodellen und die Entzerrung
von Luftbildaufnahmen, die bei einer Überfliegung
im Jahr 1999 angefertigt wurden, vorgesehen2.
Für die Frühjahrskampagne 2007 ist zudem
eine detaillierte Aufnahme von Architekturresten
geplant, die sich bei hoher Erdfeuchte an
verschiedenen Fundpunkten sehr deutlich an der
Erdoberfläche abzeichnen.
Resafa, Luftbild von Süden (nach Terry Allen, Five Essays on Islamic Art (1988), Abb. 51).
1 An der von D. Sack geleiteten und von Ch. Konrad betreuten Grabung
nahmen D. Henker und U. Siegel teil. Die Keramik und Kleinfunde
werden von M. Müller-Wiener bearbeitet, Mitarbeit D. Henker.
2 Die Luftbild-Photogrammetrie und die Erstellung der Digitalen
Geländemodelle erfolgt unter Leitung von M. Stephani und der
Mitarbeit von M. Gussone.
Entzerrte Luftaufnahme, Palastkomplex I, FP 100, 102, 103, 105.
Aufnahme 1999, Entzerrung 2006 (M. Stephani).
FP 102, Schnitt 81, Grabungsbefund der Toranlage, Blick von NO
auf die östliche Begrenzung der Torhalle, 2006 (Foto Ch. Konrad).
Fragment/ Vorratsgefäß (143.161), Glasscherbe, Lüsterbemalung
(143.45), Stuckfragment (143.231), 2006 (Fotos M. Müller-Wiener).
FP 143, Schnitt 37, Grabungsbefund Planum 1, Gebäudeecke mit
Lehmziegelmauern und Versturz, 2006, o.M. (Zeichnung U. Siegel).
FP 143
FP 106
FP 102/ 105
Das Grabungsteam der Herbstkampagne 2006 (Foto Ch. Konrad).
105
102
100
103
m
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21
Die Stadtmauer von Resafa, Ostabschnitt von Nordosten. Rundtürme markieren die Ecken der Stadtmauer. Im Wechsel angeordnete kleine und große Türme sind wesentlicher Bestandteil des Verteidigungssystems. Im linken Drittel
des Bildes ist das Osttor zu erkennen. An der ruinösen Mauer fehlt an vielen Stellen die äußerste Mauerschale, so dass der Blick von außen frei wird auf die inneren Rundbogennischen für die Bogenschützen , 2006 (Foto: C. Hof).
Martin Gussone (Fachgebiet Historische Bauforschung, TU Berlin),
Ibrahim Salman und Anas Al Saeed (Studierende des Masterstudiums
Denkmalpflege) während tachymetrischer Vermessungsarbeiten im
südöstlichen Bereich der Stadtmauer. Im Hintergrund die Stadtmauer
mit den Arkaden des Wehrganges. Ein Vollgeschoss steckt verschüttet
im Boden, 2006 (Foto C. Hof).
Grundriss des unteren Wehrganges. Gesamtplan nach Karnapp (1976), Abb.4. Eingerahmt: Der in der Kampagne 2006 tachymetrisch vermessene
Bereich der Südostecke. CAD-Plan (in Arbeit) im Zentrum hier als um das Doppelte vergrößerter Ausschnitt aus Karnapps Plan. Die Vermessungsarbeiten
ergeben, dass im Untersuchungsbereich eine Maueransatzfuge (‚Baunaht‘) am Turm 49 mit einer deutlichen Richtungsänderung (2,21°) im Mauerverlauf
zusammenfällt . Die von Karnapp gerade gezeichneten langen Mauerabschnitte erweisen sich als leicht geknickt. Die weitere Ausarbeitung wird sich den
Fragen widmen, wie die anderen Mauerabschnitte fluchten, wie Knicke mit Ansatzfugen zusammenfallen, wie also die einzelnen noch nachvollziehbaren
Bauabschnitte definiert werden können und damit, wie wir uns eine übergeordnete Bauplanung und das Abstecken vorzustellen haben.
RESAFA / SYRIEN, DIE STADTMAUER
Bauforschung zur Klärung ihrer Entstehung und ihrer Veränderungen
Catharine Hof, Ibrahim Salman, Mohamed Anas Al Saeed
TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN, FAKULTÄT VI, INSTITUT FÜR ARCHITEKTUR
UNIV.-PROF. DR.-ING. DOROTHÉE SACK, FACHGEBIET HISTORISCHE BAUFORSCHUNG, MASTERSTUDIUM DENKMALPFLEGE,
Fast 2 km beträgt der Umfang der monumen-
talen Stadtmauer von Resafa, deren imposante
Ruine noch heute den Betrachter erstaunt.
Im Laufe ihres Bestehens wurde die Befestigungs-
anlage aus den verschiedensten Gründen (An-
griffe, Erdbeben, Erosion) beschädigt und wieder
repariert. Nach der Mitte des 13. Jhs. wurde Resa-
fa verlassen, womit die Instandhaltungsbemühun-
gen dann gänzlich zum Erliegen kamen. Seit den
1960er Jahren setzt die syrische Denkmalpflege
große Energien in den Erhalt der Ruine.
Im Rahmen der Resafa-Kampagne 2006 befasste
sich ein Teilprojekt mit der Stadtmauer1. Das Ziel
der Arbeit besteht darin, die Bauentwicklung der
Befestigungsanlage umfassend zu klären.
Forschungsstand und Fragestellungen
Die Monografie zur Stadtmauer von Resafa von
Walter Karnapp (1976) stellt nach wie vor die
wichtigste Arbeit dar, die sich mit der Befesti-
gungsanlage als Ganzes befasst. Seine Bestands-
aufnahmen geben eine umfassende Übersicht
zur Anlage und seine fundierten Rekonstruktions-
zeichnungen vermitteln ein lebendiges Bild von
dem monumentalen Bauwerk. Grundlage aller
bisher weiterentwickelten Pläne von Resafa-Stadt
sind die beiden von ihm mit Hilfe von Winkelpris-
ma und Stahlbandmass erstellten Pläne2.
Gunnar Brands (2002) tangierte die Stadtmauer
bei seiner Auseinandersetzung mit der Bauorna-
mentik, indem er sich intensiv mit den Stadttoren
befasst. Seine Arbeit hat wichtige Erkenntnisse
zur Stadtgeschichte insgesamt und damit zur Ent-
stehung der Stadtmauer erbracht. Nach seinen
Erkenntnissen entstand die Anlage unter Kaiser
Anastasius (491–518) und seinem Nachfolger
Justin I. (Iustinus I. 518–527) nach dem Römisch-
Persischen Krieg (502–506)3.
Die von Karnapp beschriebene einheitliche Er-
scheinung der Befestigungsanlage mit scheinbar
im Verbund stehenden Teilanlagen von Kurtinen,
Stadttoren und Türmen wird von Brands bezüg-
lich der Bauornamentik bekräftigt. Beide leiten
daraus ab, dass die Befestigungsanlage in einem
Zug in kurzer Zeit errichtet wurde und dass die
gewaltige Bauaufgabe wahrscheinlich durch die
Einteilung in einzelne Bauabschnitte und parallel
vergebene Baulose bewältigt wurde4.
Neben dem einleitend beschriebenen Ziel gilt es
im Teilprojekt, diese These zu überprüfen.
Vermessungsarbeiten und Prospektionen
Eine Bauabschnittsdifferenzierung und Kartierung
in einem Bauphasenplan verlangt nach einer
Neuvermessung der Mauer. Das präzise Bauauf-
maß dient nicht allein als Kartierungsgrundlage
für die verschiedenen Bauphasen (dafür wären
auch Karnapps Pläne nach entsprechender Auf-
bereitung geeignet), sondern die genaue Aufnah-
me ist selbst wichtiges Analyse instrumentarium,
anhand dessen wichtige Beobachtungen erst
möglich werden. So etwa durch die Feststellung
geringfügiger Richtungsänderungen im Mauer-
verlauf oder von Achsbezügen.
Ergänzt werden die Vermessungsarbeiten durch
Prospektionen. Für die verfolgten Fragestellun-
gen ist nach ausgedehnten Surveys festzuhal-
ten, dass die von Karnapp hervorgehobene
ursprüngliche Einheitlichkeit des Bauwerks sich
durchaus differenziert darstellt und dass die
Stadtmauer im Laufe der Zeit in bestimmten
Abschnitten stark überformt wurde. Sie zeigt
umfangreiche Reparaturmaßnahmen, zum Teil
sogar den Ersatz ganzer Türme. Solche wenig
auffälligen Teilrekonstruktionen waren möglich,
da die Bauglieder eben nicht, wie Karnapp imp-
liziert, gut ineinander binden.
Im weiteren Verlauf der Arbeiten sollen Erkennt-
nisse gewonnen werden zur Entstehung des
ursprünglichen Bauwerks und zu den späteren
Veränderungen der Anlage. Zusammen mit den
historischen Umbauten und Reparaturen werden
auch die Sanierungsmaßnahmen der syrischen
Antikenbehörde dokumentiert.
1 Anas Al Saeed und Ibrahim Salman, Teilnehmer des Masterstudi-
ums Denkmalpflege an der TU Berlin und Catharine Hof, Leiterin des
Teilprojektes zur Stadtmauer. Geodätische Fachunterstützung erhielt
das Teilprojekt von Manfred Stephani (Fachgebiet Photogrammetrie
und Fernerkundung (FPF) TU München), Martin Gussone (Fach-
gebiet Historische Bauforschung, TU Berlin) und von dem Team
Wolfgang Liebl, Dennis Kowoll und Armin Sternberg (Universität der
Bundeswehr München, Institut für Geodäsie, Hansbert Heister)
2 Walter Karnapp, Die Stadtmauer von Resafa in Syrien, DAA 11
(Berlin 1976), Abb. 3 u. 4, Grundrisse des Erdgeschosses und des
unteren Wehrganges.
3 Gunnar Brands, Die Bauornamentik von Resafa - Sergiupolis: Stu-
dien zur spätantiken Architektur und Bauausstattung in Syrien und
Nordmesopotamien, Resafa VI (Mainz 2002), 210, 224, 228, 231.
4 Karnapp 1976, 15. Brands 2002, 196.
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22
RESAFA / SYRIEN, BASILIKA A
Erstellung von Restaurierungs- und Sanierungskonzepten
Restaurierungsgeschichte: Dorothée Sack, Martin Gussone, Standsicherheit: Wilfried Wolff
Präzisionsmessungen: Hans Heister, Wolfgang Liebl, Denis Kowoll, Armin Sternberg, Photogrammetrie: Manfred Stephani,
TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN, FAKULTÄT VI, INSTITUT FÜR ARCHITEKTUR
UNIV.-PROF. DR.-ING. DOROTHÉE SACK, FACHGEBIET HISTORISCHE BAUFORSCHUNG, MASTERSTUDIUM DENKMALPFLEGE,
Basilika A, Terrestrischer Laserscanner Leica HDS 3000, 2006.
Basilika A, Blick zur Apsis von Westen, 2006 (M. Gussone).
Basilika A, Punktwolke von einem Scannerstandpunkt, 2006.
Basilika A, Lageplan, Festpunkte des Präzisions-Nivellements, 2006.
Feldversuche zur angenäherten Bestimmung der Materialeigen-
schaften von Stein- und Mörtelproben, 2006 (W. Wolff).
Zielstellung und Restaurierungsgeschichte
Die Basilika A ist der am längsten benutzte
Kultbau der Stadt. Sie war das Zentrum der
Verehrung des Hl. Sergius in Resafa, die noch
unter islamischer Herrschaft andauerte (RES IV,
155 ff.). Architektonisch herausragend ist die
Basilika auch aufgrund ihrer Konstruktion mit sehr
weiten Arkaden.
Die Gefährdung durch Erdbeben und der
schwierige Untergrund, mit seinen durch Wasser-
ausspülung entstandenen Hohlräumen, führten
dazu, dass bereits kurze Zeit nach ihrer Errichtung
ergänzende Baumaßnahmen notwendig waren,
um einen Einsturz der Kirche zu verhindern.
Zuerst wurden die weiten Arkaden durch kleinere
Doppelbögen unterfangen, weitere Anpassungen
sind z.B. bei der angrenzenden Großen Moschee
durch Ausgleichsschichten zu beobachten. Zuletzt
wurden im 11. Jahrhundert enorme Stützmassive
errichtet, um die Standfestigkeit und Benutzbarkeit
des wichtigsten Kultbaus Resafas zu erhalten
(DAM 25, 112 f., RES II, 147 ff.).
Die Restaurierungsmaßnahmen haben sich im
20. Jahrhundert fortgesetzt – nun zum Erhalt der
Ruine. Zwischen 1968 und 1976 wurden durch die
Syrische Antikendirektion (DGAMS) umfangreiche
Freilegungen und Restaurierungen durchgeführt,
wobei überhängende Mauerpartien abgetragen
und z.T. wieder aufgebaut sowie ein Teil der
äußeren Stützmassive – vor allem im Bereich des
Nordhofs – abgebrochen wurden (RES II, 5).
Nach vorbereitenden Gutachten und Präzisions-
messungen wurden in den Jahren 2004-05
Restaurierungsmaßnahmen durch das Deutsche
Archäologische Institut, Station Damaskus, mit
Mitteln des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik
Deutschland durchgeführt. Durch die speziellen
geologischen und klimatischen Verhältnisse ist
eine kontinuierliche Kontrolle des Gebäudes
notwendig, auch im Hinblick darauf, inwieweit
weitere Restaurierungsmaßnahmen erforderlich
oder sinnvoll sind.
Ein wichtiger Bestandteil ist die Fortsetzung der
2002 begonnenen Präzisionsmessungen. Als
Frage steht hierbei im Vordergrund, ob seit den
letzten Messungen signifikante Deformationen
nachzuweisen sind. Der andere wesentliche
Themenkomplex umfasst Untersuchungen zur
Standsicherheit der Basilika A aus statischer Sicht.
Präzisionsmessungen und Photogrammetrie
Der Nachweis von signifikanten Deformationen
an der Basilika A durch die Überprüfung der
Punkte aus dem Jahre 2002 war das Thema einer
Diplomarbeit, die – betreut durch Prof. H. Heister
und W. Liebl – an der Universität der Bundeswehr,
Institut für Geodäsie, von D. Kowoll und A.
Sternberg bearbeitet wurde.
Zunächst mussten die Punkte der Messkampagne
2002 durch Sichtprüfung kontrolliert und fehlende
Punkte neu vermarkt werden. Anschließend wur-
den dann alle notwendigen Lage- und Höhen-
messungen sowie erstmals terrestrisches Laser-
scanning durchgeführt.
Das Präzisionsnivellement wurde, auf der Grund-
lage des Ingenieurnetzes aus dem Jahre 2002 in
gleicher Konfiguration innerhalb und außerhalb der
Basilika A angelegt. Die gewonnenen Messdaten
erlauben nun im Rahmen einer Deformations-
analyse einen Vergleich zur Nullmessung von
2002. Daraus können Aussagen über eventuell
stattgefundene Deformationen an der Basilika A in
den vergangenen vier Jahren abgeleitet werden.
Der Innenraum der Basilika A wurde mit einem
Laserscanner in hoher Auflösung gescannt. Als
Ergebnis werden die intern ermittelten 3D –
Koordinaten und ein entsprechender Intensitätswert
ausgegeben. Zur Detektion von möglichen
Deformationen sind speziell die Bereiche um die
Doppelbögen mit einer sehr feinen Auflösung
abgescannt worden.
Für eine Visualisierung der Basilika A sind neben
den ermittelten Daten im Innenraum auch Scans
der Außenseite erstellt worden. Die Auflösung für
die Bereiche der Außenmauer und der Stützmassive
ist für den Zweck der Visualisierung mit einer
gröberen Punktdichte angepasst worden. Da
nicht bei jedem Scanner-Standpunkt ausreichend
Festpunkte vorhanden waren, wurden zusätzlich
Verknüpfungspunkte eingebunden. Durch die
äußeren und inneren Scanneraufnahmen ist es
möglich, ein gesamtheitliches 3D Modell der
Basilika A zu erstellen.
Zur Vervollständigung der 3D-Dokumentation
der Basilika A wurde der Innen- und Außenraum
von M. Stephani mit einer photogrammetrischen
Teilmesskammer der Fa. Rollei, Format 6cm x 6cm,
erfaßt. Der große Bildmaßstab des Original-Bildes
ist eine wichtige Voraussetzung für die Genauigkeit
der Objektauswertung.
Untersuchungen zur Standsicherheit der Apsis
Der Frage der „Deformationen“ im Detail und
ihrer Auswirkungen auf das bauliche Gefüge
ging die Abschlussarbeit von Wilfried Wolff im
Masterstudium Denkmalpflege nach, die sich mit
den konstruktiven Grundlagen der Basilika A und
der Standsicherheit der Apsis beschäftigte.
Die vor Ort durchgeführte Analyse der Bauweise
und des aktuellen Zustandes umfasste die Bauten
des gesamten Stadtgebietes, bezog sich aber
besonders auf die Beschaffenheit der Basilika A
und ihrer Apsis.
Im Rahmen der Abschlussarbeit wurden die
bisherigen Ergebnisse der Forschung zu diesem
Thema recherchiert, noch offene, ungeklärte
Fragen benannt und Forschungsansätze
formuliert. Ergänzend wurde versucht, die
Eigenschaften der bei den Großbauten
verwendeten Materialien zu beschreiben und
Fragen des Materialverhaltens zu klären.
Aus der Aufnahme der aktuellen Schäden und
den schadenschronologischen Untersuchungen
wird deutlich, dass eine erkennbare Zunahme
der Risse hinsichtlich Anzahl und Größe weder
in den Wänden der Apsis selbst, noch in den
angrenzenden Wänden oder in der Kalotte
nachgewiesen werden kann. Trotz der zum Teil
erheblichen Schadensbilder scheint eine unmittel-
bare Gefährdung der Standsicherheit der Bauteile
nicht gegeben. Die vorgenannten Schäden zeigen
über einen fotografisch dokumentierten Zeitraum
von 50, teilweise 90 Jahren keine nachweisbaren
Veränderungen (siehe S. 66) .
Weitere Schritte zum Erhalt der Basilika A
erfordern sowohl bauliche Maßnahmen, wie
z.B. das Einbringen von Abdichtungen, um eine
Wasseraufnahme der Apsis zu verhindern, oder
eine denkmalgerechte Stabilisierung gefährdeter
Bauteile. Empfohlen wird eine dauerhafte
ingenieurmäßige Begleitung, kontinuierliche
Beobachtungen der Klimaschwankungen und
weitere Präzisionsvermessungen des Bauwerks in
regelmäßigen Abständen.
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23
RESAFA / SYRIEN, SITE MANAGEMENT
Ein Konzept für die touristische Erschließung des Ruinengeländes
Allgemeine Bemerkungen zur Konzeption
Ziel ist es, dem Besucher von Resafa möglichst
umfassende Informationen über die Ruine und
ihre wechselvolle Geschichte auf unterschiedli-
chen Ebenen und in verschiedenen Maßstäben
– von der allgemeinen Stadtgeschichte bis hin
zu den neuesten Ergebnissen aus Archäologie
und Bauforschung – zu präsentieren.
Dabei ist eine der vorrangigen Überlegungen,
die Aufbereitung des Geländes so schonend wie
möglich zu gestalten. So soll beispielsweise der
bisher durch die Ruinen führende Weg etwas ge-
ebnet, aber nicht weiter befestigt werden; Schau-
tafeln werden so aufgestellt, dass sie so wenig
wie möglich in die historischen Bausubstanz (Bo-
denbeläge, Mauern) eingreifen.
Die Besichtigung der einzelnen Monumente soll
auch weiterhin ein wenig Klettern oder Umrun-
den von Hügeln und Mulden mit einschließen,
um dem Besucher das Erleben des weitläufigen
Ruinengeländes zu erhalten. Auf eine durch Ge-
länder und Markierungen vorgebene Wegefüh-
rung und eine Erschließung der Monumente, die
außerhalb des Hauptrundgangs liegen, wird des-
halb verzichtet. Die Wegeführung wird grafisch in
einer beim Erwerb der Eintrittskarten ausgegebe-
nen Broschüre vorgeschlagen. Nur an einer Stel-
le wird das Erschließen einer Ruine, des Khans,
durch die Installation einer leichten, reversiblen
Stahltreppe erleichtert.
Zu den Sicherungsmaßnahmen gehört auch die
Abdeckung der über das gesamte Gelände ver-
teilt liegenden Brunnenlöcher durch Gitterroste.
Um die Anlage der Residenz des Kalifen Hisham
b. Abd al-Malik und andere im Umland der be-
festigten Stadt liegende Baustrukturen erlebbar
zu machen, soll die Treppe auf den südöstlichen
Eckturm der Stadtmauer, von dem aus man die
beste Aussicht über das Umland besitzt, verkehrs-
sicher hergerrichtet werden.
Resafa, Bema in der Basilika A, Besuch einer Gruppe von Studenten im Herbst 2006 (A. Mollenhauer).
Anne Mollenhauer, Youssef Khoury, Hanaa Saleh
TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN, FAKULTÄT VI, INSTITUT FÜR ARCHITEKTUR
UNIV.-PROF. DR.-ING. DOROTHÉE SACK, FACHGEBIET HISTORISCHE BAUFORSCHUNG, MASTERSTUDIUM DENKMALPFLEGE,
Resafa, Übersichtsplan mit dem Konzept der Wegeführung, Stand Dez. 2006 (A. Mollenhauer, Y. Khoury).
Ausstellung im Besucherzentrum
Im geplanten Besucherzentrum, das sich im
Nordwesten außerhalb des ummauerten Stadt-
bezirks befinden wird, soll eine Dauerausstel-
lung zur Stadtgeschichte, ihren verschiedenen
Ausbauphasen und der Grabungsgeschichte
seit den 1950er Jahren eingerichtet werden.
Besucherführung
Beim Kauf einer Eintrittskarte erhält der Besucher
eine Broschüre, in der der Rundgang durch die
Ruine beschrieben wird und eine Kurzinformation
(Bezeichnung und Datierung) zu den einzelnen
Monumenten enthalten ist.
Am Nordtor, dem vom Besucherzentrum nächst-
liegenden Eingang in das Ruinengelände, wird
eine Übersicht mit den wichtigsten Bauten und der
Wegeführung auf einer Schautafel präsentiert.
Schautafeln im Ruinengelände
Im Ruinengelände werden auf großen Stelen
einzelne Monumente in drei Sprachen (deutsch,
englisch und arabisch) in Bild und Text vorge-
stellt. Die Tafeln werden im widerstandsfähigen
und witterungsbeständigen Untereloxaldruck-
verfahren auf Aluminium hergestellt.
Kleine Hinweisschilder an nicht ausgegrabenen
Objekten verweisen auf Texte im Archäologi-
schen Führer (Guide Book).
Archäologischer Führer
Ein archäolgischer Führer (Guide Book) infor-
miert den interessierten Besucher detailliert über
die Geschichte der Stadt, die einzelnen Bauten
und die aktuellen Grabungsergebnisse. Hier
werden auch nicht ausgegrabene, aber obertä-
gig sichtbare Ruinen vorgestellt.
Resafa, Khan, Erschliessungsituation, 2006 (A. Mollenhauer).
Resafa, Nordtorstraße, Blick zum Zentralbau, 2006 (A. Mollenhauer).
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Schloss Charlottenburg, Neuer Flügel, Südansicht (M. Gussone, 2005).
Schloss Charlottenburg, Neuer Flügel, Blick von Südosten,
Messbildaufnahme zwischen 1912-21.
Schloss Charlottenburg, Goldene Galerie, Blick nach Osten
(Nottebaum1944), in: Eggeling/ Hanamann/ Julier, 1993, 116.
BERLIN-CHARLOTTENBURG, SCHLOSS CHARLOTTENBURG
Der Neue Flügel – Bauhistorische und bauarchäologische Untersuchungen
Baugeschichte
Der Neue Flügel wurde von Friedrich dem Großen
unmittelbar nach seinem Regierungsantritt 1740
als neuer Wohn- und Repräsentationsflügel des
Charlottenburger Schlosses beauftragt und unter
Leitung des Architekten Knobelsdorff bis 1747
gebaut und ausgestattet. Spätere Veränderungen
betrafen vor allem die baufeste und bewegliche
Ausstattung in den Wohnbereichen, an denen
mit jedem Herrscherwechsel Änderungen vor-
genommen wurden. Sie hatten auch zum Ziel, den
Komfort in den Wohnräumen zu verbessern, so
wurden beispielsweise die ursprünglich einheitlich
bis zum Fußboden reichenden Fensteröffnungen
durch den Einbau von Brüstungen verkleinert.
Hatte diese Maßnahme im Laufe der Zeit lediglich
zu einem sehr uneinheitlichen Erscheinungsbild
geführt, brachten die Umbauten zwischen
1834-38 entscheidendere Veränderungen mit
sich: Die Fassade wurde im Sinne der Zeit um
ein Attikageschoss (Drempel) erhöht und mit
einem neuem Dachwerk mit flacherer Neigung
versehen. Die freitragende Holzbalkendecke des
weiträumigen Vestibüls erhielt zur Unterstützung
einen Einbau von vier Pfeilern und entsprechenden
Wandvorlagen. Anstelle der Voutendecke wurde
eine durch Unterzüge gegliederte Felderdecke ein-
gebracht und das Vestibül insgesamt im Formengut
des Klassizismus umgestaltet. Nach der Umwand-
lung in Staatsbesitz sanierte man das Schloss in
den 1930er Jahren, die repräsentativen Räume
wurden museal aufbereitet und die unter-
geordneten im östlichen Bereich des EG fortan
von der Musikhochschule genutzt.
Ein Einschnitt bedeutete der Zweite Weltkrieg: Im
November 1943 wurden bei einem Luftangriff bis
zu 60% des Neuen Flügels (und des Schlosses
insgesamt) zerstört. Während erste Sicherungs-
und Instandsetzungsarbeiten bereits 1947 in
dem besser erhaltenen westlichsten Teil durch-
geführt wurden, begann der Wiederaufbau des
Ruinenbereiches erst 1953/54 und setzte sich
über mehrere Bauabschnitte nach Osten bis zur
Dacheindeckung 1956 fort. Der weitere Ausbau,
mit dem zumindest in den repräsentativen
friderizianischen Räumen eine vollständige
Rekonstruktion angestrebt wurde, zog sich bis
1974 hin. 1981–1994 wurde die baufeste
und bewegliche Ausstattung der Wohnräume
überarbeitet, erneuert und ergänzt, um sich dem
‘historischen Bild’ weiter anzunähern.
Das Forschungsprojekt
2004 wurde die TU Berlin von der Stiftung
Preußische Schlösser und Gärten Berlin-
Brandenburg mit den bauhistorischen und
bauarchäologischen Untersuchungen am Schloss
Charlottenburg, zunächst am Neuen Flügel
beauftragt. Im Vordergrund der Untersuchung
steht die Frage, was von dem Baubestand bis
1943 nach der Zerstörung noch vorhanden
war und dann bei dem Wiederaufbau verloren
ging. Darüber hinaus sind Bausubstanz und
baukonstruktive Unterschiede der verschiedenen
Bau- und Umbauphasen aus der heute erhaltenen
Substanz des Schlosses ‘herauszuschälen’, zu
erklären und zu dokumentieren.
Als Grundlagen der Auswertung dienen die in
einem Vorprojekt der TU (K. Abersfelder, C. Hertwig
2003, siehe MSD 2003-05, 29) recherchierten
historischen Pläne aus verschiedenen Bestands-
und Umbauphasen, historische Fotografien sowie
die überlieferten Bauakten und das aktuelle
Bauaufmaß (erstellt vom Büro Dienstleistung
Denkmal, Berlin, 2006). Die Ergebnisse der
Recherche werden vor Ort überprüft und durch die
baubegleitende Untersuchung und Dokumentation
bei den Instandsetzungsmaßnahmen im östlichen
Ausstellungsbereich des Neuen Flügels (EG)
ergänzt.
Die gesamte Baudatensammlung, die die
Archivalien zum Gebäude wie historischen Pläne,
Fotos und Exzerpte aus den Bauakten, aber
auch Dokumentationen der baubegleitenden
Maßnahmen umfasst, ist digital in einer
übergeordneten Struktur zusammengefasst worden
und jederzeit abruf- und erweiterbar. Die Ergebnisse
der Bauforschung sind innerhalb dieser Struktur in
einem Fassaden- sowie Raumbuch geschoss- und
raumweise verortet und überdies in zahlreichen
Plankartierungen zu Bauphasen, baulichen
Verlusten und zu einzelnen Bauteilen dargestellt.
Ein zusammenfassender Bericht der Untersuchung
mit einer tabellarischen Übersicht der Bauphasen
und Maßnahmen schließt die Dokumentation ab.
- MSD 2003-05: K. Abersfelder, C. Hertwig: Berlin – Char-
lottenburg, Schloss Charlottenburg, Erfassung und Auswertung
von Plänen und Fotografien zur Vorbereitung der Bauforschung,
in: MSD Jahrbuch 2003-05, Berlin 2005, 29.
- T. Eggeling/ R. Hanemann/ J. Julier: Ein Schloss in Trümmern.
Berlin, 1993.
ELGIN VON GAISBERG, POSTER-LAYOUT: ISABELLE FRASE
Mitarbeiter: Elgin v. Gaisberg, Antonia Brauchle, Christiane Hertwig, Dina Sperl, Haiko Türk
TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN, FAKULTÄT VII, INSTITUT FÜR BAUGESCHICHTE, ARCHITEKTURTHEORIE UND DENKMALPFLEGE
UNIV.-PROF. DR.-ING. DOROTHÉE SACK, FG HISTORISCHE BAUFORSCHUNG, MASTERSTUDIUM DENKMALPFLEGE
Kooperation mit Univ.-Prof. Dr.-Ing. Johannes Cramer, FG Bau- und Stadtbaugeschichte,
und der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg
Schloss Charlottenburg, Substruktion des Mittelrisalites. Links: Foto nach der ersten Freilegung; rechts: Lage und Grundriss in maß-
stäblicher, vor Ort aufgenommener Skizze (Mai 2005), auf Grundlage eines Aufmaßes der 1970er Jahre (E. v. Gaisberg).
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Die Ergebnisse
Bekannt ist, dass nach dem Zweiten Weltkrieg nur
noch 40% der Bausubstanz des Neuen Flügels
erhalten waren. Bis auf die acht westlichen Achsen
waren sämtliche Decken im OG und EG zerstört
und die Räume bis auf die Umfassungsmauern
ausgebrannt. Überdies blieb die Ruine mit
den spärlichen Resten der Innendekoration bis
1953/54 im westlichen Teil, der Risalit und der
östlich anschließende Bereich bis 1955 ungedeckt.
Dieser Zerstörungsgrad machte aber auch
sichtbar, was anhand der überlieferten historischen
Unterlagen nicht nachvollziehbar ist. So hatten sich
die Maßnahmen der 1930er Jahre nicht auf die
Reparatur und Ergänzung der Oberflächen oder die
Veränderung der Ausstattung beschränkt, sondern
man hatte überdies in die Deckenkonstruktionen
eingegriffen und die bestehenden Balkendecken
durch Stahlträgerkonstruktionen z.T. umfangreich
ergänzt.
Wie sich bei der weiteren Auswertung der Archivalien
herausstellte, brachte der Wiederaufbau weitere
Verluste mit sich und führte in manchen Bereichen zu
einem Rückbau auf die friderizianische Raumfassung.
So wurden die noch in Resten vorhandenen Pfeiler
des 19. Jh.s im Vestibül 1955 in einer modernen
Konstruktion zunächst wieder neu eingebaut,
zugunsten des stützenfreien Raumes von Knobelsdorff
aber 1956 wieder ausgebaut, das 1838 ergänzte
Attikageschoss abgetragen und ein steileres Dach als
Rekonstruktion des Zustandes aus dem 18. Jh. nach
Plänen des frühen 19. Jh.s über dem vorhandenen
Abschlussgesims in einer Stahlträgerkonstruktion
neu aufgebaut. Rückgeführt und vereinheitlicht
wurden auch die Fensterverschlüsse, die seither
durchgehend als zweiteilige Schiebefenster ausge-
führt sind; abweichend vom Zustand Knobels-
dorff entschloss man sich jedoch, in den
Fensteröffnungen des EG durchgehend eine
einheitlich niedrige Steinbrüstung im Hinblick auf
den Einbau von Heizungen auszuführen. In die
friderizianische Bausubstanz eingegriffen wurde
aber vor allem im östlichen Teil des EG, in dem
einst die einfach ausgestatteten Appartements
der Kavaliere untergebracht waren (später von
der Musikhochschule genutzt). Die kleinteiligere
Binnenstruktur wurde nun unter Aufgabe großer
Teile der Substanz in eine großzügigere Raumfolge
– zu Ausstellungszwecken – umgebaut, wobei den
Baurechnungen zufolge 1955/56 „280 cbm altes
Mauerwerk abgebrochen“ wurde.
Während der Rohbau bis zur Dacheindeckung
1956 abgeschlossen war, zog sich der weitere
Ausbau des Neuen Flügels bis 1962, in den
Festsälen im OG sogar bis 1974 hin. Neben der
Rekonstruktion der friderizianischen Ausstat-tung
wurden aber auch moderne Elemente wie die
Deckenmalereien Hann Triers aufgenommen, die
sich allerdings von der Raumfassung des 18. Jh.s
inspiriert zeigen sollte.
Damit waren die Arbeiten jedoch nicht abge-
schlossen; denn in einer zweiten Phase, in den
Bauakten als ‘Endgültige Wiederherstellung’ be-
zeichnet, wurde zwischen 1981 und 1994 die
bewegliche, aber auch die baufeste Ausstattung der
Wohnräume in großen Teilen erneuert und ergänzt,
mit dem Ziel, sich dem ‘historischen Bild’ weiter
anzunähern. Einbauten des Wiederaufbaus, wie
der Marmorfußboden im Vestibül oder Parkett und
Wandverkleidungen in den museal hergerichteten
Wohnräumen wurden zum Teil wieder entfernt und
mit der Absicht, die historischen Raumfassungen
dem angewachsenen Wissensstand gemäß wieder-
zugeben, neu angefertigt. Eine Aufwertung erfuhr
nun auch die Raumfassung des 19. Jh.s, was
dazu führte, im Vestibül einen Wiedereinbau der
vier Mittelstützen erneut zu diskutierten. Mitte der
1980er Jahre wurde zudem die Fassade neu
gefasst und die 1954-56 nach ‘historischem
Vorbild’ gewählten grauvioletten Ziegel durch rote
Biberschwanzziegel ausgetauscht.
Zuletzt wurden 2005 im EG östlich des Mittelbaus
Baumaßnahmen zur Umwandlung der ehemaligen
‘Galerie der Romantik’ (bis 2001) zu den
neuen ‘Ausstellungsräumen im Neuen Flügel’
durchgeführt.
Bei den baubegleitenden Untersuchungen konnten
weitere Erkenntnisse über den Bau gewonnen
werden: Sichtbar wurde, dass das Ziegelmauerwerk
der aufgehenden Wände auf einem durchgehenden
Natursteinfundament ruht, der vorgezogene Säulen-
Mittelbau weist allerdings einen eigenen Unterbau
auf. Als Substruktion wurden hier eine Folge
Nord-Süd gerichteter Tonnengewölbe gegen das
Wandfundament gesetzt, die im vorderen Drittel
paarweise durch ein nach Süden abfallendes Seg-
mentbogengewölbe zusammengefasst sind. Die
einzelnen Ziegelgewölbe wurden auf niedrige
Mauern aus grob behauenen Natursteinen mit Hilfe
einer Schalung gesetzt. Die Lage der Schalungs-
bretter ist auf den Zwischenwänden (Naturstein)
und im Mörtel der Gewölbeunterseite im Abdruck
noch erkennbar. Darüber hinaus konnten die
Fundamente des ehemals dreistufigen Unterbaus
an der Südseite des Neuen Flügels, von dem heute
nur noch eine Stufe erhalten ist, beobachtet und
rekonstruiert werden.
Insgesamt ist festzuhalten, dass der Neue Flügel
in seiner heutigen Substanz bis auf Teile in den
acht westlichen Achsen und die Außen- und
Innenmauern ein Werk des Wiederaufbaues und
der ‘Endgültigen Wiederherstellung’ ist. Trotz der
Bemühungen um genaue Rekonstruktionen bleibt
das Ergebnis eine Neuschöpfung – nicht nur durch
die mutige Zutat moderner Deckengemälde,
sondern auch durch neue Deckenkonstruktionen,
mit denen die Deckenhöhe und damit die
Raumform der friderizianischen Zeit nicht
wiederhergestellt wurde.
- 2005 Tagung „Schloss Charlottenburg in Berlin - Im Wandel
denkmalpflegerischer Auffassungen“, Publikation der Tagungs-
beiträge von D. Sack, D. Sperl, E. v. Gaisberg, im Druck.
- 2006 Tagung „Ludwig Ferdinand Hesse - Architekt im Geiste
Schinkels“ Vortrag E. v. Gaisberg: L.F. Hesse, Der Umbau des
Vestibüls 1834.
Schloss Charlottenburg, Neuer Flügel, Südfassade, darunter Grundrisse EG und OG, Verlustkartierung der Zerstörung 1943 und des Wiederaufbaus 1954-1956, Stand 2006
(E. v. Gaisberg/ D. Sperl/ C. Hartwig/ I.Frase/ H.Türk/ A. Brauchle, Grundlage: Vermessung durch das Büro Dienstleistung Denkmal, Berlin).
ELGIN VON GAISBERG, POSTER-LAYOUT: ISABELLE FRASE
Mitarbeiter: Elgin v. Gaisberg, Antonia Brauchle, Christiane Hertwig, Dina Sperl, Haiko Türk
TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN, FAKULTÄT VII, INSTITUT FÜR BAUGESCHICHTE, ARCHITEKTURTHEORIE UND DENKMALPFLEGE
UNIV.-PROF. DR.-ING. DOROTHÉE SACK, FG HISTORISCHE BAUFORSCHUNG, MASTERSTUDIUM DENKMALPFLEGE
Kooperation mit Univ.-Prof. Dr.-Ing. Johannes Cramer, FG Bau- und Stadtbaugeschichte,
und der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg
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Schloss Schönhausen, Südwestseite (M. Gussone, 2005).
Schloss Schönhausen nach 1965 als Gästehaus der DDR ,
(SPSG, o.Inv.).
Wilhelm Pieck mit Kindern vor der Ostseite des Schlosses.
Aufnahme 1955 (in: Finkemeier/ Röllig, 1998, 233).
Schloss Schönhausen, Haupttreppenhaus (R36), Blick nach
Westen (W. Bittner SPSG, 2005).
Schloss Schönhausen (T. Tapp SPSG, 2005).
BERLIN-NIEDERSCHÖNHAUSEN, SCHLOSS SCHÖNHAUSEN
Bauhistorische und bauarchäologische Untersuchungen
Das Schloss Schönhausen
Schloss Schönhausen in Berlin Niederschön-
hausen, das in seinem Kern aus der zweiten
Hälfte des 17. Jh.s stammt, ist eines der wenigen
Schlösser der preußischen Herrscherfamilie, das
den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden
hat. Als Sommerschloss der Hohenzollern bereits
in der Kurfürstenzeit beliebt und mehrfach umge-
baut, erfuhr es seine erste Blütezeit als ständiger
Wohnsitz Königin Elisabeth Christines (1740-
1797). Die damit verbundenen Um- und Aus-
bauten, die nach 1763 auf Anweisung von Friedrich
dem Großen durchgeführt wurden, waren die bis-
her umfangreichsten und gaben dem Gebäude
seine endgültige Gestalt. So wurde bei dieser
Erweiterung der große Saal mit hoher Vouten-
decke im Obergeschoss angelegt und mit
reichem Stuckdekor ausgestattet und in dem
bestehenden kleinen Ehrenhof ein großes
zentrales Treppenhaus eingebaut; darüber
hinaus wurden die bereits 1704/09 angebauten
niedrigen Pavillons an der Nord- und Südseite
nach Westen erweitert und bis zur Traufhöhe des
Kerngebäudes erhöht, so dass die Einzelbauteile
nun in einem geschlossenen Baukörper zusam-
mengefasst waren. Nach der Umwandlung in
Staatsbesitz begann man ab 1926 das inzwischen
verwahrloste Schloss zu sanieren und 1935/36
zum Ausstellungsgebäude umzubauen (z.B.
Einbau einer Heizung). Da das Gebäude aus
dem Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschadet
hervorgegangen war, wurde es zunächst als
Kasino der russischen Militärregierung, dann
als Schule für russische Kinder genutzt. Größere
Baumaßnahmen erfolgten aber erst um 1950 mit
der Bestimmung des Gebäudes zum Amtssitz des
ersten Präsidenten der DDR, Wilhelm Pieck, und
vor allem 1965, als das Schloss zum Gästehaus
der Regierung umgebaut, modernisiert und neu
ausgestattet wurde; letzte Maßnahmen wurden
Ende der 1970er / Anfang der 1980er Jahre
durchgeführt. In der Funktion als Wohn- und
Repräsentationsbau für hohe ausländische
Staatsgäste der DDR-Regierung rückte Schloss
Schönhausen vermutlich mehr in den Blickpunkt
der Öffentlichkeit als je zuvor und mit dem
Außenministertreffen der „Zwei-plus-Vier-Ge-
spräche“ 1990 ist der Ort zudem eng mit der
jüngsten Geschichte Deutschlands verbunden.
Schloss Schönhausen
Das Forschungsprojekt
Die bauhistorischen und bauarchäologischen
Untersuchungen am Schloss Schönhausen wurden
im Rahmen der Planung und Durchführung
der ‘Sanierung und Restaurierung zum
Schlossmuseum’ von der Stiftung Preußische
Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg
beauftragt und werden seit 2005 bauvorbereitend
sowie baubegleitend von der TU Berlin
durchgeführt. Angesiedelt ist das Projekt bei dem
Fachgebiet Historische Bauforschung mit dem
Masterstudium Denkmalpflege unter Leitung von
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Dorothée Sack.
Ziel der Untersuchungen ist es, Baubestand und
baukonstruktive Unterschiede der verschiedenen
Bau- und Umbauphasen aus der heute erhaltenen
Substanz des Schlosses ‘herauszuschälen’, zu
dokumentieren und zu erläutern. Dabei gilt ein
besonderes Augenmerk der Frage, was von dem
Bauzustand vor den Maßnahmen der 1930er und
späterer Jahre noch nachzuweisen ist, wobei auch
die baufeste Ausstattung (Wandvertäfelungen,
Kaminumrahmungen und Stuckaturen) berücksichtigt
wird.
Als erste Grundlagen der Auswertung dienen das
aktuelle Bauaufmaß (Büro ASD Berlin, 2006),
die recherchierten historischen Pläne aus ver-
schiedenen Bestands- und Umbauphasen, die
vorliegenden Schlossinventare aus dem 18. und
19. Jh. sowie die überlieferten Bauakten. Die
Erkenntnisse aus den Archivalien werden mit den
Befunden vor Ort und mit den Ergebnissen aus
den Untersuchungen der Restauratoren abge-
glichen. Durch die laufende baubegleitende
Dokumentation von freigelegten Bereichen wird
der Arbeitsstand weiter überprüft und aktualisiert.
Die Baudatensammlung, die sowohl die
historischen Unterlagen zum Gebäude, die
Archivalien, als auch die Dokumentation der
laufenden Baumaßnahmen umfasst, ist digital in
einer übergeordneten Struktur zusammengestellt
worden und jederzeit abruf- und erweiterbar.
Die Ergebnisse der Bauforschung (und auch die
Dokumentation der restauratorischen Unter-
suchungen) sind innerhalb dieser Struktur in einem
Gebäudebuch geschoss- und raumweise verortet
und überdies in zahlreichen Plankartierungen zu
Bauphasen, baulichen Verlusten und Decken-
konstruktionen dargestellt. In einer Bauphasen-
tabelle zum Schloss sind die wichtigsten Maß-
nahmen übersichtlich zusammengefasst.
ELGIN VON GAISBERG, POSTER-LAYOUT: ISABELLE FRASE
Mitarbeiter: Elgin v. Gaisberg, Christiane Hertwig, Dina Sperl, Monika Thiel, Haiko Türk
TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN, FAKULTÄT VII, INSTITUT FÜR BAUGESCHICHTE, ARCHITEKTURTHEORIE UND DENKMALPFLEGE
UNIV.-PROF. DR.-ING. DOROTHÉE SACK, FG HISTORISCHE BAUFORSCHUNG, MASTERSTUDIUM DENKMALPFLEGE
STRASSE DES 17. JUNI 152, SEKR. A 58, 10623 BERLIN, TEL. 030-314-796 11, MAIL: [email protected]
Kooperation mit der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg
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Schloss Schönhausen, Längsschnitt, Grundriss EG, Bauphasen, (E. v. Gaisberg, H. Türk, I. Frase) auf Grundlage der Vermessung
duch das Büro ASD, Berlin, Stand 2006.
Schloss Schönhausen, Raum 07, Barocke Stuckdecke aus dem
„Hohen Hause“, Berlin, nach Abnahme der abgehängten
Decke von 1978 (H. Türk, 2006).
Schloss Schönhausen, Raum 14/15, Ostwand mit ehemaligem
Kaminzug (E. v. Gaisberg, 2006).
Die Ergebnisse
Wie die bisherigen Untersuchungen gezeigt
haben, ist Schloss Schönhausen in seinem heutigen
Baubestand vor allem durch die fünf Bau- und
Umbauphasen 1664, um 1700, 1764, 1936 und
1965 geprägt. Im Unterschied zum bisherigen
Forschungsstand ist aber den Maßnahmen nach
dem Übergang in Staatsbesitz ein größeres
Gewicht beizumessen. So wurde bei einer nach
1926 durchgeführten Schwammsanierung das
Mauerwerk an der Südostecke des Gebäudes zu
großen Teilen erneuert, in die Holzbalkendecken
zusätzliche Konstruktionen eingebracht oder diese
überhaupt durch Stahlsteindecken ersetzt. Der
Umbau zum öffentlichen Ausstellungsgebäude
im Jahr 1936 brachte weitere Eingriffe in die
Bausubstanz mit sich, vor allem durch den
Einbau technischer Einrichtungen. Dazu gehören
eine Zentralheizung, für die ein eigener Heizraum
im Erdgeschoss eingerichtet und Kanäle im
Boden sowie in den Wänden eingebracht werden
mussten oder aber die Einrichtung von WCs und
einer Küche. Um zwei gerettete Barockdecken
aus dem abgebrochenen „Hohen Hause“ in
Berlin im Schloss einbauen zu können, wurde
überdies eine Wand vollständig abgebrochen
und an passender Stelle neu aufgebaut, die
dort bestehende baufeste Ausstattung des 18.
Jh.s (Boiserie mit Tafelbildern) ins OG versetzt
und die Vertäfelungen der neuen Raumgröße
entsprechen ergänzt. Vollständig abgebaut
wurde in dieser Phase zudem die inzwischen
abgesackte und nur notdürftig gestützte
Haupttreppe von 1764, die der verantwortliche
Architekt Erich Schonert in einer neuen
Konstruktion mit Stahlträgern, aber unter
Verwendung der alten Stufen und Geländer
wieder einbauen ließ.
Umfangreicher als bisher angenommen, sind
auch die Maßnahmen um 1950 einzustufen, die
der Einzug von Wilhelm Pieck verursachte. So
wurde für die Wohnnutzung im Obergeschoss
an der Nordseite ein Außenfahrstuhl angebaut,
in der friderizianisch ausgestatteten „Galerie
von Gipsmarmor“ im Obergeschoss ein
Kinovorführraum mit den notwendigen tech-
nischen Einbauten eingerichtet, mit einem
neuen Zugang von außen versehen und zudem
die baufeste Ausstattung von 1936 in einigen
Bereichen grundlegend verändert. Wie die
Untersuchung überdies gezeigt hat, griff man
sogar in die Holzkonstruktion der gewölbten
Saaldecke im Obergeschoss ein und legte an
der Nord- und Südseite in der Voute jeweils zwei
1.86 x 0.87 m große, durch Holzklappen zu
verschließende Öffnungen an, deren Funktion
allerdings nicht abschließend geklärt ist.
Der Umbau zum Gästehaus 1965 brachte jedoch
wesentlich größere Verluste an Bausubstanz mit
sich: Durch die Erneuerung und Erweiterung der
Heizungen waren neue Boden- und Wandkanäle
notwendig, bei dem Einbau von neuen WCs im
Erd- und Obergeschoss und einer großen
Küchenanlage mit allen technischen Einrichtungen
sowie durch den Einbau eines internen Aufzugs
wurden bestehende Wände abgebrochen,
weitere Holzbalkendecken ausgebaut und
durch Massivdecken ersetzt. Erneuert und
durch eine Rabitzdecke ersetzt wurde auch die
reich mit Stuckornamenten verzierte Strohputz-
decke der „Galerie von Gipsmarmor“,
wobei man die Stuckornamente teilweise
wiederverwendete, teilweise aber auch neu
anfertigte (Untersuchungsergebnis Restauratoren
SPSG, Leitung T. Tapp).
Im nördlichen Bereich des 1. Obergeschosses
wurde überdies eine Gästewohnung für den
Staatsgast unter Aufgabe bestehender Wände
eingerichtet und im 2. Obergeschoss neue
Wohneinheiten für Begleitpersonen geschaffen.
Im gesamten Schloss wurde schließlich die
baufeste Ausstattung wie Fußbodenbeläge und
Wandbekleidungen in großen Teilen erneuert
oder aber die Oberflächen zumindest neu gefasst.
Ziel dieser Maßnahmen war es, das Schloss
für seine Aufgabe als Staatsgebäude in seinen
haustechnischen Anlagen zu modernisieren
und ihm ein repräsentatives, seiner Bedeutung
entsprechendes Erscheinungsbild zu verleihen.
Wie die baubegleitende Untersuchung darüber
hinaus zeigt, lassen sich am Mauerwerk der
freigelegten Bereiche nun auch die bisher in
historischen Ansichten oder anderen Archivalien
nur unvollständig überlieferten Bauzustände
und Baumaßnahmen Anfang des 18. Jh.s sowie
die von 1764 (Baufugen, frühere Fenster-
und Türöffnungen) näher bestimmen und die
bisherigen Ergebnisse ergänzen. Diese Arbeiten
sind noch nicht abgeschlossen.
- D. Finkemeier/ E. Röllig: Vom ‚petit palais‘ zum Gästehaus.
Berlin-Pankow, 1998.
ELGIN VON GAISBERG, POSTER-LAYOUT: ISABELLE FRASE
Mitarbeiter: Elgin v. Gaisberg, Christiane Hertwig, Dina Sperl, Monika Thiel, Haiko Türk
TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN, FAKULTÄT VII, INSTITUT FÜR BAUGESCHICHTE, ARCHITEKTURTHEORIE UND DENKMALPFLEGE
UNIV.-PROF. DR.-ING. DOROTHÉE SACK, FG HISTORISCHE BAUFORSCHUNG, MASTERSTUDIUM DENKMALPFLEGE
Kooperation mit der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg
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Grußwort der Brandenburgischen Stadterneuerungsgesellschaft
Strausbergs wechselvolle Geschichte spiegelt sich sehr augenscheinlich am Südeingang zur
Altstadt wieder. Da steht der Mauerrest des mittelalterlichen Pulverturmes, aus einer Epoche, als die
märkische Stadt zu den sieben bedeutendsten Handelsstädten der Mark gehörte. Wuchtig deutet die
anschließende Stadtmauer an, dass der Reichtum der Bürger geschützt sein wollte.
Die Zeiten änderten sich und mit ihr auch die Rolle der Kommune. Mit dem Aufblühen Berlins zu
Lasten von Köpenick veränderte sich der Verlauf der Handelswege. Die Warenströme und damit
der Wohlstand machten fortan einen Bogen um Strausberg und der Dreißigjährige Krieg brachte
das Gemeinwesen beinahe zum Erliegen. Noch im Jahr 1700 gab es im Stadtgebiet 88 wüste
Grundstücke. Es waren Fördermittel des Landes, die Anfang des 18. Jahrhunderts Impulse für
die Errichtung zahlreicher Ackerbürgerhäuser gaben. Zu den daraufhin entstandenen Neubauten
gehörte auch das erste Haus hinter dem Pulverturm, die heutige Georg-Kurtze-Straße 1. Ablesbar
in fünf Hauptbauphasen durchlebte das heutige Einzeldenkmal am Südeingang zur Altstadt die
Entwicklungsschübe und gesellschaftlichen Wandlungen der vergangenen drei Jahrhunderte.
Bereits 1994 untersuchte die BSG Brandenburgische Stadterneuerungsgesellschaft als Sanierungsträger
das Gebäude im Rahmen einer Modernisierungsuntersuchung und zeigte Möglichkeiten einer neuen
Nutzung auf. Zahlreiche Neubauangebote und der erhebliche Sanierungsrückstau führten jedoch
zum Leerstand des städtebaulich wichtigen Gebäudes. Daran konnte auch die Erklärung der Georg-
Kurtze-Straße 1 zum Einzeldenkmal im Jahr 1998 nichts ändern. Mehrere Anläufe von Investoren für
eine Modernisierung schlugen fehl. Meist fehlten ihnen die Visionen, weil steuerliche Abschreibungen
und jahrzehntelange Gewohnheiten den Neubau favorisierten. Diffuse Ängste vor der Denkmalpflege
mischten sich mit mangelnder Erfahrung und Phantasie im Umgang mit historischer Bausubstanz.
In dieser Situation war es ein glücklicher Umstand, dass die Technische Universität Berlin für ihren
Masterstudiengang Denkmalpflege 2005-07 ein geeignetes Untersuchungsobjekt suchte und in der
Georg-Kurtze-Straße 1 auch fand. Was sich anfänglich als ein einfaches Wohn- und Geschäftshaus
darstellte, entpuppte sich bei näherer Betrachtung als spannendes Bauwerk mit einer aufregenden
Vita. Jede Veränderung des Daseins unserer Stadt Strausberg spiegelte sich in einer Erweiterung des
Gebäudes nach hinten, zur Seite oder nach oben wider, die Zeitläufe hinterließen schmückend oder
vereinfachend ihre Spuren.
Durch die intensive Erforschung des Werdegangs unseres Gebäudes konnte zudem ein wichtiger
Beitrag zur Strausberger Stadtgeschichte geleistet werden.
Doch was nützt die Kenntnis der Vergangenheit ohne einen Schlüssel für die Zukunft? Wieder einmal ist
es das Land, welches heute mit Städtebaufördermitteln unserem Standort eine Perspektive bescheren
könnte. Doch vor der Investition steht in unserer Gesellschaft noch immer die Finanzierbarkeit. In langen
Diskussionsrunden rangen die Teilnehmer des Masterstudienganges um eine denkmalverträgliche
und zugleich wirtschaftliche Ausbauvariante für das so wichtige Gebäude in Strausbergs Altstadt.
Die vorliegenden Untersuchungen und Bauvorschläge bilden eine wertvolle Hilfe für jenen Strausberger
Bürger, der das Einzeldenkmal 2007 sanieren will. Sie sind nach nunmehr vierzehn Jahren unseres
Strebens als Sanierungsträger um den Erhalt und eine neue Nutzung der Georg-Kurtze-Straße 1
hoch willkommen. Darüber hinaus schrieb der Masterstudiengang Denkmalpflege der Technischen
Universität Berlin hiermit ein spannendes Kapitel Stadtgeschichte nieder, welches bereits im Januar
2007 für die Bürger in einer Ausstellung im Rathaus Strausberg aufgeschlagen wurde.
Dr. Uwe Schieferdecker
BSG Brandenburgische Stadterneuerungsgesellschaft mbH
Sanierungsträger der Stadt Strausberg
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Strausberg/ Mark Brandenburg. Lage der Bürgerhauses Georg-Kurtze-Str. 1 (Google-Earth, 20.Nov. 2006).
Das Jahrgangsprojekt des MSD 2005-07 –
das Bürgerhaus Georg Kurtze Str. 1, Strausberg, Mark Brandenburg
Alle Jahre wieder beginnt die Suche nach einem
Gebäude, das als Jahrgangsprojekt für den
Masterstudiengang geeignet ist. Diese Suche ist
mitunter schwieriger als man denken könnte,
muss das Objekt doch viele verschiedene
Parameter erfüllen: zunächst einmal sollte es in
oder in erreichbarer Nähe von Berlin liegen, da
wir auch während der Bauaufnahme-Kampagnen
den Studenten die Teilnahme an den abendlichen
Vorlesungen ermöglichen möchten. Was das
Gebäude selbst betrifft, muss es klein bzw. groß
genug sein, um von 30 Studierenden „beforscht“
zu werden. Außerdem muss es leer stehen, darf
aber nicht zu baufällig sein und es sollte in
mehreren Bauphasen errichtet sein, um auch
etwas herauszufinden zu können. Zudem, und
das ist nahezu die schwierigste Voraussetzung,
muss es einen Auftraggeber geben, der nicht
nur Interesse an unserer Arbeit hat, sondern
auch einen Teil der Kosten der Untersuchung zu
finanzieren bereit ist.
Bei der Suche nach einem Bauforschungsobjekt
für den Jahrgang 2005-2007 kamen wir in
Kontakt mit Dr. Uwe Schieferdecker von der
Brandenburgischen Stadterneuerungsgesellschaft
mbH (BSG), der uns sofort ein Gebäude anbieten
konnte, allerdings nicht in Berlin, sondern in
Strausberg im östlichen Berliner Umland. Die BSG
ist als Sanierungsträger für das Land Brandenburg
seit Anfang der 1990er Jahre auch in Strausberg
tätig, wo sie in direkter Zusammenarbeit mit dem
dortigen Stadtplanungsamt die Sanierung der
Altstadt fachlich betreut und finanziell unterstützt.
Obwohl die Entfernung zur Universität größer
als bisher war, konnten wir uns wegen der guten
Verkehrsanbindung durch das Berliner S-Bahn-
Netz dennoch für die Bearbeitung dieses Objektes
entscheiden.
Die ältesten Teile der heutigen Altstadtbebauung
von Strausberg reichen in das frühe 13. Jahrhundert
zurück. Aus dieser Besiedlungszeit stammt sowohl
die Anlage der beiden Hauptstraßen (die heutige
Georg-Kurtze-Straße und die Große Straße) als
auch die erhaltenen Reste der Stadtmauer und
Stadttore, die der Altstadt ihre charakteristische
Form verleihen.
Im Bereich der Wohnbebauung hat sich
aufgrund der verheerenden Zerstörungen des
Dreißigjährigen Krieges kaum mittelalterliche
Bausubstanz erhalten, der Großteil der heutigen
Altstadtbebauung stammt aus dem späten 17. und
frühen 18. Jahrhundert. Auch für das Gebäude,
das uns zur Untersuchung anvertraut wurde, gab
es die Vermutung, dass Teile des Baus noch aus
dem 18. Jahrhundert stammen könnten.
Es handelt sich um ein seit Mitte der 1990er Jahre
leer stehendes Wohn- und Geschäftshaus am
südlichen Ende der Strausberger Altstadt. Der Bau,
im Sanierungsgebiet Georg-Kurtze-Straße gelegen
Bahnhof
Georg-Kurtze-Str- 1
Sankt-Marien - Kirche
Straussee
Große Straße
Georg-Kurtze Straße
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30
und seit 1998 als Einzeldenkmal eingetragen,
nimmt innerhalb Strausbergs eine besondere
Stellung ein. Zum einen befindet es sich
unmittelbar an der mittelalterlichen Stadtmauer
und schließt direkt an Reste des 1950
abgebrochenen Landsberger Tores an, zum
anderen bildet das Haus den architektonischen
Abschluss der Großen Straße, die hier auf die
Georg-Kurtze-Straße trifft.
Nicht nur der neue Eigentümer, sondern auch
die Stadt sind daher sehr an einer Instandsetzung
und Wiederbelebung des Bürgerhauses in der
Georg-Kurtze-Straße 1 interessiert. So wurde
der MSD von der Stadt Strausberg beauftragt,
die bauforscherische Voruntersuchung für eine
denkmalgerechte Sanierung des Gebäudes zu
übernehmen, für die Fördermitteln der BSG
beantragt und bewilligt wurden1.
Das Bürgerhaus begrüßte uns mit etwas sprödem
Charme. Bevor wir überhaupt mit der Arbeit
beginnen konnten, galt es erst, das Haus zu
entrümpeln und von den Hinterlassenschaften
verschiedenster Interimsbewohner (inklusive
eines toten Waschbären im Dachwerk) zu
befreien. Bei der anschließenden formtreuen
Bauaufnahme und Bauforschung offenbarte
sich schnell, dass das Gebäude nur widerwillig
bereit war, seine Geschichte preiszugeben. Mit
zunehmendem Erkenntnisgewinn wuchs auch
der Berg an Unstimmigkeiten, so dass die
Baugeschichte am Ende des Wintersemesters
noch jede Menge Fragen offen ließ.
Im Sommersemester teilte sich das Semester
auf: sechs Studenten übernahmen die
vertiefende Bauforschung, dreizehn Studenten
beschäftigten sich mit der Schadenskartierung
und Maßnahmenplanung, und sieben Studenten
verließen das Projekt, um mit Dr.-Ing. Caroline
Rolka in Berlin-Zehlendorf ein eigenes kleines
Projekt im Bereich der Gartendenkmalpflege zu
bearbeiten.
Mithilfe hartnäckigen Forschens und erweiterter
Bauforschungsmethoden (Dendrochronologie,
einer archäologischen Sondage und verglei-
chenden Fassungsuntersuchungen der Wände)
konnten die Studierenden am Ende dennoch
dem Haus seine Geheimnisse entlocken, so dass
sich zum Schluss ein recht genaues Bild seiner
Entstehungs- und Baugeschichte ergab, die sich
in fünf Hauptbauphasen teilen lässt.
Die anfängliche Vermutung, die ältesten Teile
des Hauses könnten eventuell aus dem frühen
18. Jahrhundert stammen, konnte durch die
Bauforschung bestätigt werden. Wenige erhaltene
Wände aus Fachwerk, Deckenbalken sowie
große Teile des heutigen Dachwerkes konnten als
zu einer ersten Bauphase zugehörig identifiziert
werden, die durch die dendrochronologische
Untersuchung auch eine zuverlässige Datierung
ins Jahr 1703/04 zulässt.
Zeichenarbeiten im Dach, 2005. Besprechung der Zeichnungen im Hof, 2005.
1 Das zweigeschossige Hofgebäude war nicht Bestandteil
der Untersuchungen.
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31
Die Konstruktion der erhaltenen Bauteile sowie
Vergleiche innerhalb der Altstadt erlaubten eine
ungefähre Rekonstruktion des Ursprungsbaus:
Es handelte sich um ein traufständiges, teilweise
unterkellertes zweistöckiges Fachwerkgebäude
mit Gefachen aus Lehmwickelstaken, das wohl
einer Weberfamilie als Wohnhaus mit integrierter
Werkstatt gedient hat. Besonders wichtig in
Hinblick auf den denkmalpflegerischen Umgang
mit dem Gebäude war die Erkenntnis, dass nahezu
das gesamte Dachwerk dieses Ursprungsbaus
noch erhalten ist.
Bei der zweiten Bauphase, die sich aus der
relativen Bauchronologie ableiten ließ, handelt
es sich mehr um eine Art Modernisierung des
ursprünglichen Fachwerkgebäudes als um eine
umfassende, tief in die Bausubstanz greifende
Baumaßnahme. So wurde der große Rauchfang
durch zwei Schornsteinzüge ersetzt, die Zimmer
zum Teil vergrößert und verschiedene Fachwerk-
Innenwände aus Lehmziegeln neu aufgemauert,
eventuell sogar auch die Außenwände, die
Kubatur des Hauses blieb jedoch erhalten.
Diese wurde erst in der nächsten Bauphase
verändert, die abermals mit Hilfe der Dendro-
chronologie genau datiert werden konnte, und
zwar auf das Jahr 1860. Bei diesem Umbau
wurde das Gebäude vom Keller bis zum Dach
auf seiner gesamten Breite zum Hof hin erweitert.
Die baulichen Maßnahmen im Hof wurden zum
Anlass genommen, auch die übrigen Außenwände
des Gebäudes in Backstein neu aufzuführen.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts fand eine
erneute Erweiterung des Hauses statt, als die
Lücke zum Landsberger Tor geschlossen wurde.
Die an der Rückseite des mittelalterlichen
Tores befindlichen Ställe wurden durch einen
zweigeschossigen, unterkellerter Bau ersetzt, der
vermutlich als Lager für das Delikatessengeschäft
diente, das in dieser Zeit im Erdgeschoss des
Gebäudes eingerichtet worden war. Der Anbau
besaß eine breite Durchfahrt, deren rückwärtige
Tür zum Hof noch erhalten ist. Die Unterbringung
des Delikatessengeschäftes zog verschiedene
Umbauten am bestehenden Bau nach sich.
Zum einen wurde im westlichen Hofbereich
ein zweigeschossiger Anbau als Küchentrakt
angebaut. Zum anderen zog der gesteigerte
Repräsentationsanspruch eine Vergrößerung der
Fenster und ihre Dekoration mit Stuckverdachungen
an der Straßenfassade nach sich. Für diese
Maßnahme musste die Dachtraufe erhöht werden,
was eine teilweise Kürzung der Deckenbalken des
Obergeschosses erforderte, die daraufhin an
einen neuen Überzug im Dach aufgehängt werden
mussten. Die dendrochronologische Analyse des
hölzernen Überzuges erlaubte eine Datierung
dieser Bauphase in das Jahr 1888.
Wahrscheinlich war es ebenfalls der Wunsch nach
Repräsentation, der in der fünften Bauphase zu
Beginn des 20. Jahrhunderts zur Umgestaltung
des neuen Anschlussbaus zur Stadtmauer
führte. Zunächst wurde das Obergeschoss in
der Höhe dem Hauptbau angepasst und mit
einem repräsentativen Erker und bekrönender
Spitzdachhaube versehen. Im Erdgeschoss
wurde die Durchfahrt geschlossen und große
Schaufenster für den Laden eingebaut.
Danach erfolgten nur noch kleinere Eingriffe
in die Bausubstanz. Dazu gehören mehrfache
Umgestaltungen der inneren Raumstruktur
aufgrund wechselnder Wohnsituationen, Verän-
Bauaufnahme in Strausberg, Projektbesprechung im Hof, 2006.
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derungen der Fensteröffnungen sowie die
Anbringung eines Zementkratzputzes an den
Fassaden.
Im zweiten Semester befasste sich der größte Teil der
Studierenden zunächst mit den baulichen Schäden,
die das Gebäude zu verzeichnen hat, um in einem
nächsten Schritt eine Maßnahmenvorplanung
erstellen zu können. Dabei konnte festgestellt
werden, dass die gravierendsten Schäden auf den
jahrelangen Leerstand und die damit zusammen-
hängende mangelnde Instandhaltung des
Gebäudes zurückzuführen sind.
Als Hauptproblem des Baus wurde die Feuchtigkeit
ausgemacht, die aufgrund undichter Dächer,
nicht funktionierender Regenwasserableitungen,
Sickerwasser und aufsteigender Feuchte in das
Gebäude eindringt. Dennoch sind die Schäden
nicht so gravierend, dass eine denkmalgerechte
Instandsetzung des Hauses unmöglich wäre.
Der von den Studenten erarbeitete denkmal-
pflegerische Bindungsplan sieht vor, den gewach-
senen Zustand des Gebäudes zu wahren, um
seine komplexe Geschichte vom Weberhaus des
18. Jh. bis heute weiterhin ablesbar bleiben zu
lassen und die ursprüngliche, bis zum Leerstand
des Gebäudes überkommene Nutzung als Wohn-
und Geschäftshaus wieder zu reaktivieren.
Die abschließenden Überlegungen zur zukünftigen
Nutzung des Gebäudes bezogen sich direkt
auf die besondere Situation, die mit der zu
erwartenden Förderung der Sanierung durch
die Brandenburgische Stadterneuerungsgesell-
schaft in Zusammenhang stehen. Diese erfolgt in
voller Höhe nämlich nur bei der Schaffung von
Sozialwohnungen, deren optimale Vermietbarkeit
von ihrer Größe abhängig ist.
Unter Berücksichtigung dieser Vorgaben wurden in
Stegreifentwürfen zwei Varianten entwickelt, wie das
Haus in Zukunft sinnvoll genutzt werden könnte:
Bei der ersten Variante lag der Fokus darauf, die
Eingriffe in die Bausubstanz so gering wie möglich zu
halten und die überkommene Struktur zu bewahren.
Der Entwurf sieht vor, entsprechend der letzten
Nutzung im westlichen Teil des Erdgeschosses,
wieder eine Zweizimmerwohnung einzurichten und
den restlichen Bereich für gewerbliche Nutzung
vorzusehen. Eine an der Stelle der jetzigen
Flurtreppe neu zu errichtende Treppe, die den
heutigen Anforderungen gerecht wird, erschließt
das Obergeschoss, das eine Zweizimmerwohnung
mit großer Wohnküche und eine größere Wohnung
mit dreieinhalb Zimmern und ebenfalls großer
Wohnküche aufnimmt. Auf einen Ausbau des
Daches wurde verzichtet.
Die zweite Variante sieht stärkere Eingriffe und
dafür eine optimierte Flächennutzung im Ober-
und Dachgeschoss vor. Im Erdgeschoss sollen zwei
Gewerbeeinheiten entstehen. Die Erschließung
der Obergeschosse von der Straßenseite aus über
die Flurtreppe wird aufgegeben. Stattdessen ist
geplant, den rückwärtigen Küchenanbau durch
ein neues Stahl/Glas-Treppenhaus zu ersetzen,
das über Laubengänge an der Hoffassade die
Wohnungen erschließt. Der Zugang zum Hof wird
durch die Öffnung der ehemaligen Durchfahrt
gewährleistet. Im Obergeschoss sieht der Entwurf
den Einbau von vier Kleinwohnungen vor, wobei
die Anbindung der eingestellten Sanitärräume
über die stillgelegten Schornsteine erfolgen soll.
Auch die Dachgeschosswohnung wird über den
Laubengang erschlossen. Diese ist ausschließlich
im hofseitigen Teil des Daches geplant und
lässt das historische Dach des Ursprungsbaus
unangetastet.
Abschließend bleibt anzumerken, dass wir bei
unserer Arbeit von der BSG wie auch vonseiten des
Stadtplanungsamtes und des Eigentümers stets
unterstützt wurden. Auch die Untere Denkmal-
behörde hat das Jahrgangsprojekt wohlwollend
begleitet. Gern sind wir daher der Einladung
gefolgt, die Ergebnisse unserer Arbeit im Januar
2007 in Form einer Ausstellung unserer Poster im
Foyer des Strausberger Rathauses vorzustellen.
Entsprechend des hohen Engagements aller
Beteiligten bleibt zu hoffen, dass die Erkenntnisse
der Untersuchungen, die als ein kleiner Baustein
die Kenntnis der Strausberger Stadtgeschichte
erweitern, bei der anstehenden Sanierung des
Gebäudes Eingang in die Planung finden und zum
Erhalt und zur denkmalgerechten Instandsetzung
des Bürgerhauses beitragen.
Jürgen Giese, Daniela Spiegel
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Tachymetrie im Dachgeschoss, 2006.
Anlage von Befundöffnungen, 2006.
Tachymetrische Vermessung eines Kellerbereichs, 2006.
Bauaufnahme, 2005, mit Maßband ...
Bauaufnahme Dachgeschoss, 2005.
... und TK-Bleistift, Zeichenarbeiten, 2006.
Bauaufnahme Dachgeschoss, 2005.
Hand-Vermessung im Keller, 2005.
Bauaufnahme, 2006.
Dendrochronologie, 2006.
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34
STRAUSBERG, BÜRGERHAUS GEORG-KURTZE-STRASSE1
Historische und städtebauliche Entwicklung Strausbergs
Die Stadt Strausberg liegt am Straussee in-
mitten des Barnim, einer reizvollen branden-
burgischen Wald- und Seenlandschaft nord-
östlich von Berlin.
Das am Anfang des 18. Jh. entstandene Bür-
gerhaus Georg-Kurtze-Straße 1 in der Altstadt
Strausbergs, das am ehemaligen Landsberger
Tor an die mittelalterliche Stadtmauer an-
grenzt, war das Jahrgangsprojekt des Mas-
terstudiums Denkmalpflege 2005/07.
Anfänge der Stadt
Ein schon zur Slawenzeit genutzter Handelsweg
wurde an seinem höchsten Punkt am Ostufer
des Straussees von einer Burg gesichert, welche
den brandenburgischen Markgrafen ab 1225
als Herrschaftsmittelpunkt diente. Am Seeufer,
unterhalb der Burg, ließen sich Dienstleute nie-
der, während sich die Ritter in der Georg-Kurtze-
Straße, ehemalige Ritterstraße, ansiedelten. An-
grenzend entstand eine Siedlung von Kaufleuten
um die nicht mehr erhaltene Nikolaikirche am
heutigen Lindenplatz. Die Ritterstraße bildete mit
der Großen Straße, ehemalige Hauptstraße, das
Grundgerüst eines Zweistraßenortes3, der 1240
Stadtrecht erhielt. Die heute noch vorhandene Alt-
stadtstruktur wurde 1254 durch eine Stadtmauer
begrenzt. Die beiden Hauptachsen führten zum
Landsberger Tor, dem südlichen Stadteingang1,2,3
[Abb. 2].
Kriegswirren 1320-1714
Nach dem Aussterben des askanischen Herr-
scherhauses 13204 wurde die strategisch güns-
tig gelegene Stadt immer wieder zum Zankapfel
bei kriegerischen Auseinandersetzungen. In den
folgenden drei Jahrhunderten wurde die Stadt
stark geschwächt, zum einen durch Eroberungen
von Raubrittern (Ende des 14. Jhs.) und Hussiten
(1432) und zum anderen durch den Bevölke-
rungsrückgang aufgrund mehrerer Pestepidemi-
en (16. Jh.). Hinzu kamen die Auswirkungen des
Dreißigjährigen Krieges. Im Zuge des Wiederauf-
baus der Stadt erbauten Weber und Tuchmacher
bis Anfang des 18. Jhs. Häuser in der Ritterstraße
und auch das Bürgerhaus Georg-Kurtze-Straße
1 [Abb. 3]4,5.
Magdalena Baur, Kirsten Reiß, Ulrike Schmitz, MSD 2005-07
TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN, FAKULTÄT VI, INSTITUT FÜR ARCHITEKTUR
UNIV.-PROF. DR.-ING. DOROTHÉE SACK, FACHGEBIET HISTORISCHE BAUFORSCHUNG, MASTERSTUDIUM DENKMALPFLEGE,
STRASSE DES 17. JUNI 152, SEKR. A 58, 10623 BERLIN, TEL. 030-314-796 11, MAIL: [email protected]
Abb. 2 Die vier Etappen der Entwicklung zur Stadt
Rolf Barthel, Geschichte der Stadt Strausberg (Berlin 1987) 395
Eine negative Auswirkung der Garnisonsstadt
war im 18. Jh. die Einquartierung der Soldaten
bei den Bürgerfamilien, wodurch der Wohnraum
knapp wurde8.
Um 1860 entstand im Süden die Strausberger
Vorstadt, die 1867 einen Bahnhof für die Kö-
nigliche Ostbahn zwischen Berlin und Küstrin
erhielt. Dadurch wurde die Stadt Strausberg
an das wirtschaftliche und politische Leben der
Metropole angebunden. In der gleichen Zeit
gab es Veränderungen im Erscheinungsbild
der Altstadt, indem die Fassaden klassizistisch
überformt wurden [Abb. 4]9.
Die Garnisonsstadt im 20. Jahrhundert
Vor dem Zweiten Weltkrieg wurde die Garni-
sonsstadt Strausberg in die Kriegsvorbereitungen
einbezogen und durch den Bau eines Militär-
flughafens zum Armeestützpunkt ausgebaut. Von
Kriegszerstörungen blieb die Stadt weitgehend
verschont, das beschädigte Landsberger Tor wur-
de 1950 abgerissen10, 2.
Tuchmacher- und Garnisonsstadt 1714-1918
Durch das seit 1714 angesiedelte preußische
Heer entwickelte sich die Stadt bis in die Anfän-
ge des 19. Jhs. zur Garnisonsstadt. Zunächst
profitierte das ortsansässige Tuchmacherhand-
werk davon, das den Stoff für die Uniformen
her-stellte. Nach einem zeitweiligen Rückgang
aufgrund verringerter Nachfrage florierte das
Tuchmacherhandwerk erneut nach 1855 durch
die Anwendung verbesserter Handwebstühle in
Heimarbeit. Im Zuge der Industrialisierung wur-
de es um 1900 endgültig durch maschinelle Fa-
brikproduktion abgelöst.6,7
Nach der Gründung der DDR wurde Straus-
berg als Kreisstadt zum regionalen Zentrum für
Politik, Wirtschaft und Kultur. Der Charakter als
Garnisonsstadt blieb durch die Ansiedlung des
Verteidigungsministeriums erhalten. Vor allem
im Norden entstanden neue Wohngebiete, die
1955 eine Anbindung an die S-Bahnstrecke von
Strausberg nach Berlin erhielten [Abb. 4]11,2.
Im Rahmen der Arbeiterfestspiele 1978 wurden
„Stadtverschönerungsmaßnahmen“ vorgenom-
men, die die Entstuckung von Fassaden bein-
halteten. Auch die Georg-Kurtze-Straße erhielt
dadurch ein verändertes Erscheinungsbild.
Entwicklung nach 1989
Trotz der Auflösung des Verteidigungsministeriums
nach der Wende blieb der Garnisonsstandort er-
halten, da die Bundeswehr die Militäreinrichtun-
gen übernahm und erweiterte2.
Unberührt von allen wirtschaftlichen und politi-
schen Gegebenheiten sind der landschaftliche Reiz
und die Anziehungskraft des historischen Stadt-
kerns geblieben, die den Fremdenverkehr heute zu
einem wichtigen Wirtschaftsfaktor machen.
Um den Charakter der märkischen Altstadt zu
bewahren bzw. wiederherzustellen, wurde 1994
eine Gestaltungssatzung festgelegt, die auch
das Sanierungsgebiet Georg-Kurtze-Straße mit
einschließt.
Literatur
1 Rolf Barthel, Geschichte der Stadt Strausberg, Berlin 1987, 15-
21 (Barthel 1987).
2 AKANTHUS, Verein für Regionalgeschichte und Denkmal-
pflege e.V., Strausberg; auf http://www.stadt-strausberg.de/
content/rubrik/45, 15.01.07, 14:30 Uhr.
3 Verein für die Geschichte Berlins, Mitteilungen 38, 1921, 39-41
4 Barthel 1987, 26-40, 50
5 Herma Klar (AKANTHUS), Stadtgründung; Bildtafel im Heimat-
museum Strausberg
6 Barthel 1987, 50-84, 92-94, 105-109
7 Herma Klar (AKANTHUS), Söldnerscharen, Kontributionen,
Plünderungen und Misshandlungen; Bildtafel im Heimatmuse-
um Strausberg
8 Barthel 1987, 252
9 Barthel 1987, 101-104
10 Barthel 1987, 192-197
11 Barthel 1987, 226-230, 254-256
Abb. 1 Älteste Ansicht Strausbergs von 1537
A.Marsch, J.H.Biller, F.-D.Jacob (Hrsg.), Die Reisebilder des Pfalz-
grafen Ottheinrich aus den Jahren 1536/37 (Weißenhorn 2001).
Kloster (Abbruch 1787)
Klostergarten
Marienkirche
Nicolaikirche
(Reste 1787 beseitigt)
altes Rathaus
(Abbruch 1805)
Hauptwache
Pfarrhäuser
Ziegelscheune
der Kietz
Vor-Mühle
Hospitalkirche
Scharfrichterei
Stadthirten-Häuser
Judenfriedhof
Schule
Georg-Kurtze-Straße
Grundstück des
Bürgerhauses Georg-
Kurtze-Straße 1,
entstanden 1703/04(d)
Abb. 3 Strausberg nach dem Plan von 1723
Rolf Barthel, Geschichte der Stadt Strausberg (Berlin 1987) 396
Abb. 4 Die bauliche Entwicklung Strausbergs
Rolf Barthel, Geschichte der Stadt Strausberg (Berlin 1987) 399
wettinische Burg
Kietz (Dienstleutesied-
lung zur Burg)
Höfe der adligen
Burgmannen (ungefäh-
re Lage)
Kaufleutesiedlung mit
Nicolaikirche
Städtebauliche Sied-
lung mit Marienkirche
(vor 1252)
Erweiterung 1254
(Beginn des Stadtmau-
erbaus)
Grundgerüst des
Zweistraßenortens
der mittelalterliche Stadtkern
Stadterweiterung zwischen
1850 und 1945
vorwiegend mehrgeschossig
vorwiegend Kleinhaussied-
lung oder Häusergruppen
Einzelgehöft oder
Häusergruppe
Wohnungsbau seit 1945
Wohnkomplexe
Einzelwohnblock
1a
1b
1c
2
3
4
A
B/C
D
E
F
G
H/J
K
L
M
N
O
P
Q
R
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35
STRAUSBERG, BÜRGERHAUS GEORG-KURTZE-STRASSE 1
Erforschung eines Hauses an der Stadtmauer
Einleitung
Das Wohn- und Geschäftshaus, das in seinen
ältesten Teilen aus dem frühen 18. Jahrhundert
stammt, ist seit 1998 ein eingetragenes Einzel-
denkmal und liegt im
Sanierungsgebiet Georg-
Kurtze-Straße
der Stadt Strausberg.
Städtebauliche Situation
Das Bürgerhaus Georg-Kurtze-Straße 1 nimmt
innerhalb Strausbergs eine besondere Stellung
ein. Zum einen befindet es sich unmittelbar an
der mittelalterlichen Stadtmauer und schließt di-
rekt an Reste des 1950 abgebrochenen Lands-
berger Tores an, zum anderen mündet hier die
Georg-Kurtze-Straße in die Hauptstraße der
Stadt, die Große Straße, ein. An dieser Position
bildet das Haus den architektonischen Abschluss
der Großen Straße, der durch einen markanten
Erker mit turmartiger Dachausbildung an der
Straßenfassade noch zusätzlich betont wird. Der
ungewöhnliche Zuschnitt der Parzelle zwischen
Stadtmauer und Straße beeinflusste die Gebäu-
deform.
Lageplan Strausberg, Georg-Kurtze-Straße
Eva Koch, Jocelyn Oth, Martin Sählhof, MSD 2005-07
TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN, FAKULTÄT VI, INSTITUT FÜR ARCHITEKTUR
UNIV.-PROF. DR.-ING. DOROTHÉE SACK, FACHGEBIET HISTORISCHE BAUFORSCHUNG, MASTERSTUDIUM DENKMALPFLEGE,
STRASSE DES 17. JUNI 152, SEKR. A 58, 10623 BERLIN, TEL. 030-314-796 11, MAIL: [email protected]
Baubeschreibung
Das heutige Erscheinungsbild des Wohn- und
Geschäftshauses ist durch seine Mischnutzung
und die zahlreichen Umbau- und Erweiterungs-
phasen geprägt.
Der zweigeschossige, teilunterkellerte Bau ist
traufständig zur Straße ausgerichtet und schließt
mit Satteldach und rückwärtigem Schleppdach
ab. Durch die Verlängerung des Gebäudes bis
an die Stadtmauer ergibt sich in diesem Bereich
eine unregelmäßige Struktur des ansonsten
rechteckigen Grundrisses. Ein weiterer schma-
ler Anbau bildet den hofseitigen Abschluss zum
Nachbargrundstück. Die Hofanlage wird durch
Nebengebäude an der Stadtmauer ergänzt.
Die Straßenfassade unterteilt sich in zwei schräg
aufeinander treffende Wandabschnitte. Der kür-
zere Abschnitt besteht aus der massiven Feld-
steinmauer des ehemaligen Stadttores. Der län-
gere verputzte Abschnitt ist der als Wohn- und
Geschäftshaus errichtete Gebäudeteil. Er weist
in sieben Achsen regelmäßig geordnete Öffnun-
gen auf, die aber seiner Mischnutzung entspre-
chend variieren. Der Ladenbereich im Erdge-
schoss ist anhand dreier großer Schaufenster zu
erkennen, zwischen denen eine ebenerdige Tür
in den Verkaufsraum führt. Die übrigen Fenster
der Fassade haben mit Ausnahme des Erkers in
Georg-Kurtze-Straße 1, Straßenfassade, Fotografie MSD 05-07
Georg-Kurtze-Straße 1, formtreues Handaufmaß, Grundriss Erdge-
schoss, Originalmaßstab 1:25, MSD 05-07 Georg-Kurtze-Straße 1, Bauaufnahme MSD 05-07
beiden Geschossen ein hochrechteckiges For-
mat. Über zwei Stufen und eine Doppelflügel-
tür im Erdgeschoss werden die Wohnbereiche
erschlossen. Im Obergeschoss hebt sich der
Erker nicht nur durch die Gestaltung mit einer
größeren Segmentbogenöffnung und dreiteili-
gem Fenster von der Fassade ab, sondern auch
durch die großzügigere Geschosshöhe und das
Hineinragen in den Dachraum.
Aufgaben und Methoden
Das Bürgerhaus Georg-Kurtze-Straße 1 steht
seit Mitte der 90er Jahre leer und weist erhebli-
che Schäden auf. Nach einem Eigentümerwech-
sel kann es nun mit Fördermitteln der Branden-
burgischen Stadterneuerungsgesellschaft (BSG)
instand gesetzt und modernisiert werden. Als
Grundlage für eine denkmalgerechte Planung
dieser Maßnahmen und zur wissenschaftlichen
Dokumentation führten die Studenten des MSD
im Wintersemester eine detaillierte Bauuntersu-
chung durch. Eingeteilt in sechs Gruppen er-
stellten sie vor Ort ein formtreues Handaufmaß
des Gebäudes im Maßstab 1:25, das durch ta-
chymetrische Messungen ergänzt wurde.
Parallel dokumentierte jede Gruppe schriftlich
und fotografisch erste Bauforschungsergebnisse
und den Bauzustand in Form von Raum-, Fassa-
den- und Gespärrebüchern.
Um weitere Rückschlüsse auf die Konstruktion
des Gebäudes und seine Bauphasen ziehen zu
können, vertiefte ein Teil der Studenten im Som-
mersemester die Bauforschung. Hierfür nahmen
sie gezielte Befundöffnungen vor, legten Ma-
terialkartierungen an und entnahmen dendro-
chronologische Proben. Die Archivrecherche
erbrachte zusätzliche bauhistorische Informati-
onen. Die Ergebnisse wurden in einer Baupha-
senkartierung und der Fortschreibung der ange-
legten Raumbücher festgehalten.
Der andere Teil der Studenten erstellte anhand
einer maßnahmenbezogenen Schadenskartie-
rung eine Sanierungsvorplanung. Auf deren
Grundlage konnte in Verbindung mit der er-
forschten Baugeschichte ein denkmalpflegeri-
scher Bindungsplan entwickelt werden.
Unter Berücksichtigung aller Ergebnisse sowie
in Hinblick auf wirtschaftliche Anforderungen
entstanden schließlich Entwürfe für eine denk-
malgerechte Nutzung des Gebäudes.
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Prozessfarbe SchwarzProzessfarbe Schwarz
36
STRAUSBERG, BÜRGERHAUS GEORG-KURTZE-STRASSE 1
Ergebnisse der Bauforschung I
Das Bürgerhaus Georg-Kurtze-Straße 1 vereint in
sich bauliche Veränderungen verschiedener Jahr-
hunderte, die in ihrer Ausformung als beispielhaft
für die jüngere Siedlungsgeschichte dieser Straße
anzusehen sind. Mehrere Häuser der Nachbarbe-
bauung sind vermutlich sehr zeitnah und auf glei-
cher typologischer Grundlage erbaut und später
umgebaut worden. Die Entwicklung des Hauses,
die eng mit der Geschichte seiner Bewohner ver-
knüpft ist, spiegelt sich in vielen Elementen des Ge-
bäudes wieder. Gerade in dieser außergewöhnli-
chen Komplexität liegt die Besonderheit und damit
auch der Denkmalwert des Hauses [Abb.1].
Vorgängerbauten
Das Grundstück liegt innerhalb des mittelalter-
lichen, von einer Stadtmauer umgebenen Sied-
lungsgebietes von Strausberg. Hinweise auf eine
frühere Bebauung des Grundstückes konnten bei
der Untersuchung nicht gefunden werden. In einer
Stadtchronik wird das Gelände als Garten ausge-
wiesen1.
Bauphase I – Fachwerkhaus, 1703/04(d)
1703/042 ließ die Weberfamilie Gericke3 ein zwei-
geschossiges, traufständiges Wohn- und Arbeits-
haus errichten.
Andreea Banea, Eliska Fechnerova, Björn Grimm, MSD 2005-07
TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN, FAKULTÄT VI, INSTITUT FÜR ARCHITEKTUR
UNIV.-PROF. DR.-ING. DOROTHÉE SACK, FACHGEBIET HISTORISCHE BAUFORSCHUNG, MASTERSTUDIUM DENKMALPFLEGE,
Die Typologie des 2-Stuben-Hauses, die von ei-
nem Flur aus beidseitig je eine Stube für Wohnen
und Arbeiten sowie eine Kammer zum Schlafen
ermöglicht, ist dabei insofern variiert worden, als
man im Obergeschoss diese Grundrisssituation
wiederholte. Die große Erschließungszone, wel-
che sich ungefähr in der Mitte des Hauses be-
fand, bot neben der Treppe auch Raum für einen
zentralen, offenen Rauchfang mit mindestens ei-
ner darunterliegenden Kochstelle.
Konstruktiv handelte es sich um ein Fachwerkhaus,
das größtenteils aus gebeiltem Kiefernholz bestand.
Wände und Decken waren mit Lehmwickelstaken
ausgefacht. Die Überdachung ermöglichte ein
doppelt stehender Stuhl mit längs-, jedoch ohne
querversteifende Kopfbänder. Neben dem auf
der Nordseite angelegten Keller sind von diesem
Ursprungsbau der Dachstuhl fast vollständig und
einzelne Innenwandfragmente in Erd- und Ober-
geschoss erhalten [Abb.2].
Bauphase II – Umbau zwischen 1704 und 1860
Diese dendrochronologisch nicht zu erfassende
Bauphase konnte anhand von Fassungsuntersu-
chungen und der stilistischen Einordnung von
Innentüren belegt werden. Durch letztere lässt
sich diese Baumaßnahme in die Jahre um 1800
einordnen.
Der Abriss des offenen Rauchfangs und der Einbau
zweier Schornsteinzüge beiderseits des Flurs sind
für die Zeit typische, die Wohnqualität verbessernde
Maßnahmen. Dabei wurden die inneren Fachwer-
kquerwände größtenteils durch Lehmziegelwände
ersetzt. Vermutlich ebenfalls in diese Phase gehört
ein aus Lehmziegeln gemauertes Fragment im hin-
teren Flurbereich des Erdgeschosses. Ob dieses
Fragment Teil einer Außenwand oder eines massiv
ummauerten Raumes war, konnte nicht geklärt
werden. Außerdem erhielt der westliche Hausteil
durch Einengung der Erschließungszone im hin-
teren Bereich mehr Raum.
Bauphase III – Erweiterung nach Süden, 1860(d)
Offensichtlich führte ein erhöhter Raumbedarf zur
Erweiterung der rückwärtigen Kammern nach Sü-
den. Dabei verwendete man Lehmziegel, die nach
optischer Beurteilung in Format und Struktur denen
der vorangegangenen Bauphase entsprechen.
Ein gleichzeitiger Einbau scheidet aufgrund der
Fassungsbefunde aus, was ein Hinweis dafür sein
könnte, dass es sich um zweitverwendetes Materi-
al handelt. Anstelle der südlichen Außenwand sind
dabei Unterzüge in Erd- und Obergeschoss ein-
gebaut worden, die seither die Deckenbalken von
Kern- und Erweiterungsbau tragen und zur dendro-
chronologischen Datierung herangezogen wurden.
Unter dem Erweiterungsbau wurde der Keller um
einen zweiten Raum vergrößert.
Als oberer Abschluss der Hauserweiterung diente
ein von Pfetten unterstütztes Pultdach, welches an
den vorhandenen Dachstuhl über dem Kernbau
angefügt wurde und in dieser Form bis heute vor-
handen ist. [Abb.1 - Ergebnisse der Bauforschung II
zeigt den zeitgenössischen Lageplan]
Die so entstandene Raumstruktur in Kern- und
Erweiterungsbau hat sich bis heute erhalten,
wobei im Rahmen späterer Hauserweiterungen
auch Umbauten in diesen Bereichen erfolgten.
Abb.2: Rekonstruktion der Bauphase I (unmaßstäbliche Skizze)
Die heute noch an ursprünglichem Ort eingebauten Bauteile sind grau.
Legende
Erdgeschoss
Kellergeschoss
Obergeschoss
Dachgeschoss
Abb.1: Nachbarbebauung in der Georg- Kurtze-Straße, Typo-
logie und Bauweise sind mit der Bauphase I des untersuchten
Quellen
1 W. Sternbeck, Beiträge zur Geschichte der Stadt Strausberg,
2. Teil, Manuskript, 1893, BLHA, Rep. 8 Strausberg, Nr. 737.
2 Dendrochronologisches Gutachten, Dr. B. Heußner
(Petershagen - 20.05.06).
3 Die Familie war seit 1653 in Besitz der Parzelle;
s. W. Sternbeck 1893, 170.
Bauphasenplan
Umfasst alle Bauphasen von 1703/04 bis heute.
mittelalterliche Stadtmauer
Bauphase I 1703/04(d)
Bauphase II zwischen 1704 und 1860, anhand stilist. Merkmale vermutl. um 1800
Bauphase III 1860(d)
Bauphase IV 1888/89(d)
Bauphase V zwischen 1900 und 1910
Veränderungen zwischen 1911 und 1945, keine einheitliche Bauphase
Veränderungen nach 1945, keine einheitliche Bauphase
Datierung nicht möglich
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37
STRAUSBERG, BÜRGERHAUS GEORG-KURTZE-STRASSE 1
Ergebnisse der Bauforschung II
Bauphase IV – Schließung der Baulücke
zum Landsberger Tor, 1888(d)
Die an das Landsberger Tor grenzenden Stallge-
bäude wurden abgerissen [Abb.1]. Statt dessen
entstand an dieser Stelle ein zweigeschossiger,
unterkellerter Lagerraum. Zwischen diesem und
dem Gebäude führte eine Tordurchfahrt in den
Innenhof, wie auf der historischen Postkarte zu
sehen ist [Abb. 2]. Im Obergeschoss befanden
sich über der Durchfahrt zwei Räume, die in ih-
rer Geschosshöhe jedoch niedriger waren als
die bereits existierenden Wohnräume und sich
wohl auch in ihrer Nutzung von diesen unter-
schieden. Zeitgleich mit dieser Hauserweiterung
kam es zur Änderung der Fassade. Die Appli-
kation von Stuckverdachungen und die Vergrö-
ßerung der Fenster machten den Einbau eines
Überzugs im Dachbereich notwendig, der sich
dendrochronologisch auf das Jahr 1888 datie-
ren lässt. Als dritte Baumaßnahme dieser Zeit ist
der längliche, zweigeschossige Anbau1 in Rich-
tung des Hofes zu betrachten, der die westliche
Giebelwand des Gebäudes fortsetzt und als Kü-
che genutzt wurde. Dadurch wurde sowohl im
Erdgeschoss als auch im Obergeschoss neuer
Wohnraum geschaffen. Das könnte nötig gewe-
sen sein, da archivalische Quellen spätestens
für diese Bauphase eine Ladennutzung2 der
straßenseitigen Räume im Erdgeschoss belegen.
Dieser Raum verfügte schon über zwei Schau-
fenster und eine separate Erschließung [Abb. 3].
Das Fußbodenniveau wurde in diesem Bereich
dem Straßenniveau angepasst.
Bauphase V – Anbau des Erkers und Schließung
der Durchfahrt, Anfang 20. Jh.
Der Ladenraum im Erdgeschoss wurde um den
straßenseitigen Teil der Durchfahrt erweitert,
so dass hier ein großer Verkaufsraum mit drei
Schaufenstern entstand [Abb. 4]. Im Oberge-
schoss wurden die niedrigeren Räume durch
zwei großzügige Wohnräume ersetzt. Deren
bauzeitliche Ausstattung mit einer großen Flü-
geltür als Verbindung und dem innen durch den
Einbau eines Podestes betonten Erker unter-
Abb 1. Historischer Lageplan von 1876, BLHA, Findbuch Rep 2 A I Hb
1218 zur Abtragung der Stadtmauer. Zeichnung von Landinspektor
Düsterkampf, 09.03.1876.
Helena Ammerich, Stephanie Herold, Zoi Spyranti, Tobias Michael Wolf
TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN, FAKULTÄT VI, INSTITUT FÜR ARCHITEKTUR
UNIV.-PROF. DR.-ING. DOROTHÉE SACK, FACHGEBIET HISTORISCHE BAUFORSCHUNG, MASTERSTUDIUM DENKMALPFLEGE,
STRASSE DES 17. JUNI 152, SEKR. A 58, 10623 BERLIN, TEL. 030-314-796 11, MAIL: [email protected]
streicht die repräsentative Wirkung dieser Räu-
me. Auch an der sonst eher schlicht gestalteten
Fassade nahm und nimmt der Erker mit seinen
segmentbogenförmigen Fenstern einen domi-
nanten Platz ein. Zudem hat er durch seine Posi-
tionierung am Eingang zur historischen Altstadt
eine stadtbildprägende Wirkung.
Veränderungen zwischen 1910 und 1945
Bis ca. 1910 waren die größten Baumaßnah-
men des Hauses abgeschlossen. Es folgten klei-
nere Veränderungen, die teilweise darauf beruh-
ten, dass das zu Beginn des 20. Jahrhunderts
als durchgehende Wohnung genutzte Oberge-
schoss in kleine Wohneinheiten aufgeteilt wurde.
Die Ladennutzung im Erdgeschoss blieb weiter
bestehen. Nach dem Abriss des Nachbarhau-
ses3 im Jahr 1938 wurde die Giebelwand, die
bis zu diesem Zeitpunkt aus Fachwerk bestand,
durch eine massive Ziegelwand ersetzt. Gleich-
zeitig wurde dem Erdgeschoss auf dieser Seite
eine eingeschossige Veranda vorgestellt.
Veränderungen nach 1945
1950 wurde das kriegsbeschädigte Landsberger
Tor aus verkehrstechnischen Gründen zugunsten
einer verbreiterten Straßenführung abgerissen.
Die Veränderungen der DDR-Zeit am Gebäu-
de Georg-Kurtze-Straße 1 betrafen hauptsäch-
lich Modernisierungen in den Innenräumen.
Die Einrichtung des Ladens wurde in Form von
neuen Auslagen erneuert, die Decken im Erdge-
schoss größtenteils abgehängt. Der prägendste
Eingriff in die Fassadengestaltung war das Ab-
schlagen des Stucks 19784, als das gesamte
Stadtbild Strausbergs für die Arbeiterfestspiele
modifiziert wurde. Bis auf wenige Ausnahmen,
wie beispielsweise die Erkerfenster, wurden alle
historischen Fenster durch moderne Verbund-
fenster ersetzt.
Anmerkungen
1 BLHA Rep. 39, Strausberg, Karton 6, Gebäudesteuerrolle
Strausberg Bd.1, 1910-1951, Nr. 253
2 Strausberger Wochenblatt Nr. 10, 26.01.1898
3 BLHA Rep. 39, Strausberg, Karton 6, Gebäudesteuerrolle
Strausberg Bd.1, 1910-1951, Nr. 254
4 Information von Dr. Uwe Schieferdecker, BSG, Gespräch vom
15.06.2006
Abb. 2. Bauphase IV, kolloriertes Foto, Heimatmuseum Strausberg, ohne Datierung (um 1900)
Rechts neben dem Landsberger Tor erkennt man den niedrigeren Anbau der Tordurchfahrt. Abb. 4. Bauphase V, Postkarte, Heimatmuseum Strausberg, ohne Datierung (nach 1910)
Delikatessengeschäft Otto Gericke.
Abb 3. Bauphase IV, Postkarte, Heimatmuseum Strausberg, ohne
Datierung (um 1900).
Blick auf die Ritterstraße (Georg-Kurtze-Straße) Richtung Landsberger
Tor; Fassadengestaltung mit Schaufenstern.
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PROJEKT 2005/200
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Abb. 7: Wand b, Fa
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Abb. 8: Wand b, Tür T2.01/2.0
2
Abb.
9
: Wand b, Tür T2.01/2.09
STRAUSBERG, BÜRGERHAUS GEORG-KURTZE-STRASSE 1
Schadensuntersuchung und Maßnahmenplanung
Das Gebäude Georg-Kurtze-Straße 1 steht seit
Mitte der 1990er Jahre leer. Damit es wieder ge-
nutzt werden kann, hat der Masterstudiengang
Denkmalpflege der TU Berlin die vorhandenen
Schäden umfassend untersucht und die notwen-
digen Maßnahmen vorgeplant. Ziel war es dabei,
soviel historische Substanz wie möglich zu erhal-
ten.
Schadensuntersuchung
Die Erkennung und Einordnung der vorhandenen
Schäden erfolgte durch Inaugenscheinnahme.
Sie wurden in ihrer Art, Häufigkeit, Verteilung und
Schwere erfasst und einer der drei Schadenskate-
gorien „kein Handlungsbedarf“ (I), „Handlungs-
bedarf“ (II) oder „dringender Handlungsbedarf“
(III) zugeordnet.
Die Dokumentation umfasst die textliche Be-
schreibung, die Fotodokumentation und die
zeichnerischen bauteilbezogenen Material- und
Schadenskartierungen.
Die Analyse der Schadensdokumentation zeigt,
dass sich das gesamte Gebäude zurzeit in einem
sanierungsbedürftigen baulichen Zustand befin-
det. Stellenweise ist die Bausubstanz stark zerstört.
Verformungen, vor allem des Dachtragwerks, und
Rissbildungen in den Wänden sind auf statische
und konstruktive Probleme durch die häufigen
Umbaumaßnahmen zurückzuführen. Als beson-
ders gravierend sind die fehlende Auflagerung der
Dachbalken auf der straßenseitigen Außenwand
und die offen stehende Baufuge zwischen Haupt-
bau und hofseitigem Anbau zu bewerten.
Vor allem die Holzbauteile sind stark durch bioge-
nen Befall geschädigt, außerdem sind sie teilweise
mit toxischen Substanzen aus Holzschutzmitteln
kontaminiert. An der Fassade wurden zudem Pro-
bleme durch eine falsche Materialwahl verursacht:
der in der DDR-Zeit aufgebrachte Zementputz ist
zu hart für das alte Mauerwerk und liegt inzwi-
schen großflächig hohl.
Weitere schwerwiegende Schäden sind Durch-
feuchtungen und Salzbelastungen. Sie werden
durch Regenwasser verursacht, das in Form von
Schlagregen, Spritz- und Sickerwasser sowie aus
defekten Regenrinnen, durch undichte Fenster
und Türen und die undichte Dachdeckung in das
Gebäude eindringt. Andere Feuchtequellen sind
aufsteigende Feuchte in den Kellern und im Erdge-
schoss sowie Tauwasserbildung aufgrund der der-
Abb. 1: Beispiel Materialkartierung: Wand 2.01b (Fechnerova, Oth, Schmitz, 2006)
Gabriele Krause, Fidaa Hlal, MSD 2005-07
TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN, FAKULTÄT VI, INSTITUT FÜR ARCHITEKTUR
UNIV.-PROF. DR.-ING. DOROTHÉE SACK, FACHGEBIET HISTORISCHE BAUFORSCHUNG, MASTERSTUDIUM DENKMALPFLEGE,
STRASSE DES 17. JUNI 152, SEKR. A 58, 10623 BERLIN, TEL. 030-314-796 11, MAIL: [email protected]
Abb. 3: Beispiel Fotodokumentation: Wand 2.01 b (Fechnerova, Oth, Schmitz, 2006)
zeitigen schlechten Heizungs- und Belüftungssitu-
ation. Als eine der Ursachen der Salzbelastungen
sind Viehställe zu vermuten, die sich im 19. Jh. im
Bereich der Stadtmauer befanden1.
Maßnahmenplanung
Die notwendigen Maßnahmen können in zwei Ka-
tegorien unterteilt werden: Sofortmaßnahmen, um
das Gebäude in seiner Substanz zu erhalten, und
weiterreichende Maßnahmen, mit denen das Ge-
bäude wieder nutzbar gemacht werden kann.
Die Sofortmaßnahmen umfassen die Säuberung
und die Reparatur der Regenrinnen, die Reparatur
der undichten Fenster und der Dachdeckung, die
Entwässerung der Hofflächen und die Sicherstel-
lung einer ausreichenden Belüftung.
Die zu ergreifenden weiterreichenden Maßnah-
men hängen zu einem großen Teil von der Art der
vorgesehenen Nutzung ab. So müssen beispiels-
weise an Wohn- oder Geschäftsräume höhere
Anforderungen hinsichtlich der Trockenheit, der
Belüftung und der Beheizbarkeit gestellt werden,
als an Abstellräume.
Abb. 2: Beispiel Schadenskartierung: Wand 2.01b (Fechnerova, Oth, Schmitz, 2006)
Abb. 4: Beispiel Textdokumenatation: Wand 2.01 b (Fechnerova, Oth, Schmitz, 2006)
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II
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I
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Unabhängig von der Art der Nutzung ist auf
jeden Fall die Behebung der konstruktiven und
statischen Probleme durch Ertüchtigung des Trag-
werks, Einbau von Bewegungsfugen und weitere
Einzelmaßnahmen notwendig.
Weiterhin sind Art und Umfang des biogenen
Befalls und der Kontamination durch Holz-
schutzmittel, der vorliegenden Feuchtequellen
und der Salzbelastungen zu untersuchen. Auf
der Grundlage dieser Untersuchungen kann
anschließend über Notwendigkeit und Umfang
der Sanierungsmaßnahmen entschieden wer-
den. Dabei sind alle Gebäudeteile, die für den
dauerhaften Aufenthalt von Menschen bestimmt
sind, trockenzulegen, und gegen neuerliches
Eindringen von Feuchte zu schützen.
Zur genaueren Planung der durchzuführenden
Maßnahmen müssen Gutachten zur Statik, zum
Holzzustand, zur Durchfeuchtung und zur Salz-
belastung erstellt werden.
1 s. Lageplan von 1876, BLHA, Findbuch Rep 2 A I Hb 1218,
in diesem Heft auf S. 37 abgebildet.
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Prozessfarbe SchwarzProzessfarbe Schwarz
39
STRAUSBERG, BÜRGERHAUS GEORG-KURTZE-STRASSE 1
Denkmalpflegerischer Bindungsplan
Zielstellung
Das Wohn- und Geschäftshaus Georg-Kurtze-
Straße 1 ist ein Baudenkmal von besonderer
städtebaulicher und geschichtlicher Bedeutung.
Durch seine zentrale Lage am Landsberger Tor
und den auffälligen Turmerker ist das Haus ein
stadtbildprägendes Element für die Altstadt. Das
Vorderhaus ist baulich mit dem Stadttorfragment
verbunden und bildet mit seiner Hofbebauung
an der historischen Stadtmauer eine gewachse-
ne Baugruppe. Sie zeigt ihre Nutzungsgeschich-
te von dem Weberhaus Anfang des 18. Jahr-
hunderts bis zu dem Delikatessengeschäft des
frühen 20. Jahrhunderts, und somit den Werde-
gang der Strausberger Familie Gericke.
Das Bürgerhaus Georg-Kurtze-Straße 1 wurde
1998 vom brandenburgischen Landesamt für
Denkmalpflege als Einzeldenkmal eingetragen.
Vorrangig für unsere Zielstellung ist die Erhal-
tung des gewachsenen Denkmalzustands zur
Bewahrung der geschichtlichen Zeugnisfähigkeit
der baulichen Anlage.
Diese Zeugnisfähigkeit wird von der Original-
substanz und der Raumstruktur getragen. Der
heterogene Bestand soll in seiner vollen Kom-
plexität erhalten bleiben, daher werden die ver-
schiedenen Bauphasen, bis auf wenige Ausnah-
men, als gleichwertig angesehen.
Bindungsplan
Der denkmalpflegerische Bindungsplan für das
Bürgerhaus geht im Besonderen auf die erar-
beitete Zielstellung ein. Im Rahmen der Baufor-
schung haben die Studenten des Masterstudien-
gangs Denkmalpflege diesen Plan exemplarisch
für das Wohnhaus ausgearbeitet. Dabei konnte
durch die Bestandsaufnahme die Schutzbedürf-
tigkeit der einzelnen Bauteile belegt werden. Der
Bindungsplan weist diese aus und zeigt die Be-
reiche auf, die Möglichkeiten für bauliche Ver-
änderungen bieten.
Auf diese Weise werden Richtlinien für die Pla-
nung bei einer folgenden Instandsetzung gege-
ben.
Der Bindungsplan ordnet die Denkmalsubstanz
in fünf Kategorien ein, die den Grad der denk-
malpflegerisch vertretbaren baulichen Eingriffe
darstellen. Die Eingriffe sind nach Abstimmung
mit der Denkmalpflege zu entscheiden.
Kategorie 1: Sie betrifft den Großteil der Sub-
stanz. Diese soll unabhängig von Alter und Er-
haltungszustand bewahrt werden.
Kategorie 2: Kleinste Eingriffe sind in die Sub-
stanz möglich, zum Beispiel Öffnungen.
Ana Teresa Criado del Arco, Andreas Salgo, MSD 2005-07
TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN, FAKULTÄT VI, INSTITUT FÜR ARCHITEKTUR
UNIV.-PROF. DR.-ING. DOROTHÉE SACK, FACHGEBIET HISTORISCHE BAUFORSCHUNG, MASTERSTUDIUM DENKMALPFLEGE,
STRASSE DES 17. JUNI 152, SEKR. A 58, 10623 BERLIN, TEL. 030-314-796 11, MAIL: [email protected]
Kategorie 3: Diese Substanz ist zu halten oder
in Funktion und Formsprache gleichwertig zu
ersetzen. Sie bezieht sich auf Bauteile, die zwar
eine geringere handwerkliche Qualität haben,
aber wichtig für die Ablesbarkeit der Raumstruk-
tur sind.
Kategorie 4: Bei angemessenen Gründen ist es
möglich, die Bausubstanz zu entfernen.
Kategorie 5: Sie bedeutet einen erwünschten
Rückbau von Bauteilen. Diese stammen vor-
wiegend aus Modernisierungsmaßnahmen der
letzten Jahrzehnte, besitzen keine handwerkliche
Qualität und wirken störend auf die Raumstruk-
tur.
Maßnahmen
Ab Mitte der 1990er Jahre kam es zum dauer-
haften Leerstand des Bürgerhauses. Der Man-
gel an Instandhaltung und Klimatisierung führte
zu erheblichen Schäden am Gebäude. Um ein
Fortschreiten des Verfalls zu verhindern, sind
Maßnahmen notwendig.
Als Hauptelement der Maßnahmenplanung wird
eine angemessene Nutzung betrachtet. Sie dient
der Revitalisierung des Denkmals und gewähr-
leistet damit die kontrollierte Beheizung und Be-
lüftung sowie die laufende Instandhaltung durch
die Nutzer. Notwendige bauliche Zutaten sollten
additiv ausgeführt werden und als neue Bauteile
erkennbar sein.
Unabhängig von der Nutzung wurde aus der
Untersuchung der Schäden am Gebäude er-
sichtlich, dass grundlegende, nachhaltige
Maßnahmen durchzuführen sind. Diese werden
in Verbindung mit der Schadenskartierung be-
schrieben.
Um die Machbarkeit der Planungsziele zu unter-
suchen, wurden vom Studiengang Entwürfe zur
Modernisierung ausgearbeitet. Hierbei zeigte
sich, dass die Kontinuität der Wohn- und Ge-
schäftsnutzung zu geringeren Veränderungen an
der Bausubstanz führt und damit auch niedrige-
re Sanierungskosten ermöglicht.
Fazit
Die Erhaltung des Bürgerhauses und die Be-
wahrung seines Denkmalwertes sind realisier-
bar. Jedoch sollte die Hofbebauung bei diesen
Erwägungen mit einbezogen werden, um den
Zusammenhang des Denkmals mit seiner histo-
rischen Umgebung sicherzustellen.
Abb.1: Denkmalpflegerischer Bindungsplan, Obergeschoss (Darstellung aller Bindungspläne: H. Ammerich, B. Grimm, T. M. Wolf)
Substanz soll unabhängig von Alter und
Erhaltungszustand bewahrt werden
Kleinste Eingriffe sind in die Substanz möglich
Substanz ist zu halten oder in Funktion und
Formsprache gleichwertig zu ersetzen
Bei angemessenen Gründen ist es möglich,
die Bausubstanz zu entfernen.
Erwünschter Rückbau von Bauteilen
Abb.2: Denkmalpflegerischer Bindungsplan, Kellergeschoss Abb.3: Denkmalpflegerischer Bindungsplan, Erdgeschoss Abb.4: Denkmalpflegerischer Bindungsplan, Dachgeschoss
msd-2005-07-cs.indd 39msd-2005-07-cs.indd 39 24.01.2007 18:49:0424.01.2007 18:49:04
Prozessfarbe SchwarzProzessfarbe Schwarz
40
STRAUSBERG, BÜRGERHAUS GEORG-KURTZE-STRASSE 1
Überlegungen zur Nutzungskonzeption
Einführung
Nach dem weitgehenden Abschluss der Bau-
forschung und der maßnahmenbezogenen
Schadenskartierung beschäftigten sich die Stu-
dierenden des MSD 2005-07 in Gruppenarbeit
mit den Möglichkeiten einer neuen Nutzung des
Bürgerhauses Georg-Kurtze-Straße 1. Dabei
kristallisierten sich zwei grundsätzliche Varian-
ten heraus. Jede wurde im Folgenden von einer
Gruppe weiter durchdacht und skizzenhaft dar-
gestellt. Dabei wurden die spezifischen Eigen-
heiten des Gebäudes zu Grunde gelegt.
Problematik
Das Ziel der erarbeiteten Nutzungsvorschläge
war, den Anforderungen des Bauherrn soweit als
möglich entgegen zu kommen, ohne dabei zu
tief in die denkmalwerte Substanz einzugreifen.
Das bedeutet, eine möglichst hohe Raumaus-
nutzung durch vermietbare Wohn- und Laden-
einheiten mit der überkommenen Struktur des
Gebäudes in Einklang zu bringen. Dies war um
so wichtiger, als der Denkmalwert des Objektes
in besonderem Maße in seiner in Jahrhunderten
gewachsenen Struktur liegt. Da so jeder Eingriff
eine Verminderung des Zeugniswertes zur Folge
hat, war klar, dass sich alle Veränderungen auf
ein Minimum beschränken sollten.
Als ausschlaggebend sollte sich hierbei die Fra-
ge der Erschließung erweisen, da das derzeitige
Treppenhaus nicht mehr den heutigen Ansprü-
chen genügt. Außerdem wurde durch den Ei-
gentümer die Frage einer Wohnnutzung des
Dachgeschosses aufgeworfen, was aus denk-
malpflegerischen Gründen eine große Heraus-
forderung darstellte. Aus den unterschiedlichen
Lösungsansätzen für diese Kernprobleme gingen
die folgenden Varianten hervor.
Die erste Variante beschränkt sich auf den heu-
tigen Umfang des Gebäudes. Sie lässt eine
Aufteilung in drei Wohnungen und einen Laden
zu. Die zweite Variante, die eine Erschließung
mittels eines hofseitigen Laubengangs vorsieht,
teilt das Gebäude in zwei Geschäftseinheiten
und fünf Wohneinheiten, von denen eine im
ausgebauten Dachgeschoss untergebracht ist.
Beide Entwürfe sind als Nutzungsvorschläge zu
verstehen. Sie möchten gangbare Wege für den
Umbau des Hauses aufzeigen.
Variante 1
Bei dieser Variante bleibt die historische Erschlie-
ßung durch das zentrale Treppenhaus bestehen,
wobei die Treppe ersetzt wird. Diese nimmt in
ihrer neuen Form mehr Platz in Anspruch (siehe
Schnitt).
Variante 1, Schnitt durch das Treppenhaus (Eva Koch)
Stephanie Herold, Eva Koch, Jens Meier, Andreas Salgo, Ibrahim Salman, Tobias Michael Wolf, MSD 2005-07
TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN, FAKULTÄT VI, INSTITUT FÜR ARCHITEKTUR
UNIV.-PROF. DR.-ING. DOROTHÉE SACK, FACHGEBIET HISTORISCHE BAUFORSCHUNG, MASTERSTUDIUM DENKMALPFLEGE,
STRASSE DES 17. JUNI 152, SEKR. A 58, 10623 BERLIN, TEL. 030-314-796 11, MAIL: [email protected]
Variante 1, Grundriss Erdgeschoss (Eva Koch, Jens Meier)
Die Ladennutzung im Erdgeschoss bleibt in ih-
rem Umfang bestehen, ebenso wie die rechts
des Flures gelegene Wohneinheit. Im Ober-
geschoss wurden zwei unterschiedlich große
Wohnungen untergebracht. In allen Wohnun-
gen wurden Flurbereiche geschaffen, um eine
getrennte Erschließung der einzelnen Zimmer
zu ermöglichen und Durchgangsräume zu ver-
meiden. Das Dachwerk als einzig vollständig
erhaltenes Bauteil der ersten Bauphase bleibt
durch diese Konzeption unangetastet erhalten
und kann von den Bewohnern als Abstellfläche
genutzt werden.
Variante 2
Die andere Variante geht von einer neuen Er-
schließung auf der Hofseite des Hauses aus,
die durch die wieder geöffnete Durchfahrt er-
reichbar ist. Dazu wird das Treppenhaus im ehe-
maligen Küchenanbau untergebracht und die
einzelnen Wohnungen durch einen Laubengang
erschlossen.
Im Erdgeschoss finden zwei Gewerbeeinheiten
Platz, von denen eine als Laden, die andere
als Büro oder Praxis konzipiert ist. Der Zwickel
zwischen Stadtmauer und Durchfahrt wird als
gemeinsamer Abstellraum für die Wohnungen
vorgesehen. Im Obergeschoss befinden sich
vier Wohneinheiten, von denen drei sowohl zur
Straße als auch zum Hof orientiert sind. Die An-
bindung der eingestellten Sanitärräume und Kü-
chen an die Haustechnik erfolgt über stillgelegte
Schornsteine. Der 1860 hinzugefügte Schlepp-
dachbereich wird zugunsten einer Wohnnutzung
aufgegeben. Dies geschieht unter vollständiger
Erhaltung des Dachwerks von 1703/04, das als
Lagerfläche dem neuen Geschäftsraum im Erd-
geschoss zugeordnet wird.
Fazit
Beide Varianten zeichnen sich durch den weit-
gehenden Erhalt der historischen Substanz mit
allen Zeitschichten aus. Bei Variante 1 bleibt
die überkommene Struktur deutlicher ablesbar,
während Variante 2 eine optimierte Flächennut-
zung des Ober- und Dachgeschosses zulässt.
Begünstigt wird dies durch die additive Erschlie-
ßung, die eine Aufteilung in kleinere Wohnein-
heiten ermöglicht.
Anmerkung
Variante 1 wurde erstellt von Stephanie Herold M.A., Dipl.-Ing.
(FH) Eva Koch und Dipl.-Ing. (FH) Jens Meier.
Variante 2 wurde erstellt von Martin Sählhof M.A., Dipl.-Ing.
Andreas Salgo und Ibrahim Salman Arch.
Variante 1, Grundriss Obergeschoss (Eva Koch, Jens Meier)
Variante 2, Grundriss Erdgeschoss (Andreas Salgo, Ibrahim Salman)
Variante 2, Grundriss Obergeschoss (Andreas Salgo, Ibrahim Salman)
Variante 2, Grundriss Dachgeschoss (Andreas Salgo, Ibrahim Salman)
msd-2005-07-cs.indd 40msd-2005-07-cs.indd 40 24.01.2007 18:49:0924.01.2007 18:49:09
Prozessfarbe SchwarzProzessfarbe Schwarz
41
Strausberg, Bürgerhaus Georg-Kurtze-Str. 1, Entzerrter Bildplan der Fassade. MSD 2005-07.
Arbeitsproben – Beispiel Ansicht: Fotografie - Fassadenplan - Umzeichnung
CAD-Umzeichnung der Strassenfassade auf Grundlage entzerrter Bildpläne, MSD 2005-07.
Fotografie des Hauses, Herbst 2005, MSD 2005-07.
msd-2005-07-cs.indd 41msd-2005-07-cs.indd 41 24.01.2007 18:49:1224.01.2007 18:49:12
Prozessfarbe SchwarzProzessfarbe Schwarz
42
Arbeitsproben – Beispiel Handaufmaß: Grundriß Gesamtplan - Detail
Strausberg, Bürgerhaus Georg-Kurtze-Str. 1, Grundriss Obergeschoss, Abbildung o.M., im Originalmaßstab 1: 25, 2006.
Grundriss Obergeschoss, Detail-Abbildung im Originalmaßstab 1: 25, 2006.
msd-2005-07-cs.indd 42msd-2005-07-cs.indd 42 24.01.2007 18:49:1724.01.2007 18:49:17
Prozessfarbe SchwarzProzessfarbe Schwarz
43
Arbeitsproben – Beispiel Handaufmaß: Schnitt Gesamtplan - Detail
Strausberg, Bürgerhaus Georg-Kurtze-Str. 1, Längsschnitt, Abbildung o.M., im Originalmaßstab 1: 25, 2006.
Längsschnitt Detail-Abbildung, Ausschnitt des Ober- und Dachgeschosses im Originalmaßstab 1: 25, 2006.
msd-2005-07-cs.indd 43msd-2005-07-cs.indd 43 24.01.2007 18:49:2324.01.2007 18:49:23
Prozessfarbe SchwarzProzessfarbe Schwarz
44
c
b
a
d
0.02
0.01
Kurzbeschreibung:
RAUM:
RAUMBUCH
Bürgerhaus
Georg-Kurtze-Str. 1
15344 Strausberg
Objekt:
Juni 2006 WandBoden
sonstigesDecke
Stand:
KELLERGESCHOSS
Gruppe
PROJEKT 2005/2006 TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN MASTERSTUDIUM DENKMALPFLEGE 2
Blatt-Nr.:
H. Ammerich, A. Criado del
Arco, E. Fechnerova,
F. Hlal, Z. Spyranti
1:
0.01a
ef
0.01
Bei Raum 0.01 handelt es sich um einen rechteckigen Kellerraum (Größe 6.46 m², 340/190/165 cm)
mittig unter dem Gebäude, der zum ältesten Teil des Gebäudes gehört. Zuletzt diente der Raum als
Kohlenlager. Der Raum wird aus dem Raum 0.02 durch einen Durchgang in der Wand c erschlossen.
Ein weiterer Durchgang in der Wand a führt über eine defekte Treppe ins Erdgeschoss. Dieser wur-
de in den letzten Jahren als Rutsche für die Kohlen genutzt. Der Boden ist durch Schutt verdeckt, im
Durchgang zum Raum 0.02 liegen als restlicher Bodenbelag vier Backsteine. Die Wände bestehen aus
Feldsteinmauerwerk, im oberen Wandbereich sind auch Backsteine verwendet worden. Die Decke ist
tonnengewölbt. Alle Wände und die Decke sind geschlämmt und weiß - beige gestrichen.
In der nördlichen Ecke der Wand a befindet sich ein Durchbruch zu einer Kammer, die annähernd
quadratisch ist und als Verteilerraum für Abwasser- und Heizungsrohre dient.
Bestand Zustand / Bemerkung
Pos.
Boden:
Der Boden ist durch Schutt nur partiell
einsehbar. Vermutlich Mutterboden unter dem
Schutt. Es ist unsicher, ob es überhaupt einen
Bodenbelag gab, nur im Durchgang zum
Raum 0.02 sind 4 gelbe Backsteine (25/12,5
cm) als Bodenbelag erhalten.
Wände allgemein:
Wände aus Feldsteinmauerwerk, geschlämmt
mit mehreren Schichten weicher Kalk-Sand-
Schlämme. Anstrich aus dicker Kalkfarbe in
beige - weiß, die Streichrichtung ist noch zu
erkennen. Die Schlämme ist in unterschied-
lichen Stärken aufgetragen (0,5 - 2 cm), die
Feldsteine bilden sich als Struktur ab.
Eine zeitlich genaue Einordnung der Wän-
de ist schwer, da Keller aus Feldsteinmauer-
werk in dieser Art ab dem Mittelalter bis ins
20. Jahrhundert gebaut wurden. Beim Raum
0.01 handelt es sich aber vermutlich um den
ältesten Teil im Kernbau des Gebäudes, wor-
auf noch bei den folgenden Beschreibungen
genauer eingegangen wird.
1
0.01-
Strausberg, Grundriss Keller, formtreue Bauaufnahme, Bleistift auf Folie, o.M., im Original M 1: 25, MSD 2005-07.
Strausberg, Raumbuch Keller, Raum 001, MSD 2005-07.
Arbeitsproben – Beispiel Raumbuch Keller:
c
b
a
d
0.01
RAUM:
RAUMBUCH
Bürgerhaus
Georg-Kurtze-Str. 1
15344 Strausberg
Objekt:
Juni 2006 WandBoden
sonstiges
Decke
Stand:
Skizze/Foto
KELLERGESCHOSS
Gruppe
TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN PROJEKT 2005/2006 MASTERSTUDIUM DENKMALPFLEGE1
Blatt-Nr.:
H. Ammerich, A. Criado del
Arco, E. Fechnerova,
F. Hlal, Z. Spyranti
1:
0.01a
0.02
0.01
ef
Abb. 1: Raum 0.01, Blick Nord Abb. 2: Raum 0.01, Blick Südwest
Abb. 3: Boden Raum 0.01, Blick West Abb. 4: Boden Durchgang, Blick Süd
0.01
0.01-
1
msd-2005-07-cs.indd 44msd-2005-07-cs.indd 44 24.01.2007 18:49:2824.01.2007 18:49:28
Prozessfarbe SchwarzProzessfarbe Schwarz
45
Arbeitsproben – Beispiel Raumbuch Keller:
c
b
a
d
0.01
RAUM:
RAUMBUCH
Bürgerhaus
Georg-Kurtze-Str. 1
15344 Strausberg
Objekt:
Juni 2006 WandBoden
sonstiges
Decke
Stand:
Skizze/Foto
KELLERGESCHOSS
Gruppe
TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN PROJEKT 2005/2006 MASTERSTUDIUM DENKMALPFLEGE5
Blatt-Nr.:
H. Ammerich, A. Criado del
Arco, E. Fechnerova,
F. Hlal, Z. Spyranti
1:
0.01a
0.02
0.01
ef
0.01
Abb. 9: Wand b, Blick Ost Abb. 10: Wand c, Blick Südwest
Abb. 11: Wand c, Durchgang zum Raum 0.02 Abb. 12: Wand d, Blick West
5
6
7
8
0.01-
Strausberg, Raumbuch Keller, Raum 001, MSD 2005-07.
RAUM:
RAUMBUCH
Bürgerhaus
Georg-Kurtze-Str. 1
15344 Strausberg
KELLERGESCHOSS
Objekt:
Juni 2006 WandBoden
sonstigesDecke
Stand:
Bestand Zustand / Bemerkung
Pos.
c
b
a
d
0.02
0.01
Gruppe
4
Blatt-Nr.:
PROJEKT 2005/2006 TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN MASTERSTUDIUM DENKMALPFLEGE
H. Ammerich, A. Criado del
Arco, E. Fechnerova,
F. Hlal, Z. Spyranti
1:
0.01a
ef
0.01
0.01-
Wand a:
Feldsteinmauerwerk, geschlämmt, bindet in
die Wände b und d ein.
In der nördlichen Ecke befindet sich 10 cm
oberhalb des Bodens ein Rohrdurchbruch
(Ø 12 cm). Um diesen Durchbruch ist die
Wand mit roten Backsteinen ausgemauert
(25/12,5/7 cm) und nicht verputzt.
Es befindet sich ein weiterer Durchbruch 49
cm von der nördlichen Ecke entfernt, begin-
nend 37 cm über dem Boden, Höhe 89 cm,
der sich zu einer Kammer (0.01 a) öffnet. Die
Gewände des Durchbruches sind aus gelben
Backsteinen (25/12,5/7cm) gemauert, die
Wände der Kammer bestehen ebenfalls aus
gelben Ziegeln. Der Boden besteht aus Est-
rich.
In der östlichen Wandhälfte befindet sich ein
Treppenaufgang, dessen östliche Wand aus
roten Ziegeln (25/12,5/6cm) gemauert ist.
Die westliche Seite des Treppenaufganges ist
ein Mischmauerwerk aus Ziegeln und Feld-
steinen.
Die Treppe ist eine einläufige, aufgesattelte
Holmtreppe aus Eichenholz mit ehemals 5
Trittstufen. Die Setzstufen sind ebenfalls aus
Eichenholz.
Wand b:
Feldsteinmauerwerk, im oberen Bereich die
gleichen roten Backsteine wie bei der tonnen-
gewölbten Decke verwendet (Maße wegen
Schlämme nicht messbar, siehe auch Decke).
Geschlämmt, mit einem beige - weißen An-
strich, bindet in die Wände a und c ein.
Ausbesserung mit Backsteinen aufgrund des
Rohrdurchbruches.
Die Kammer wird nachträglich in Bauphase
VII im Zusammenhang mit der Rohrverlegung
eingebaut worden sein, da die Wände nicht
wie beim ältesten Raum des Kellers aus Feld-
steinen bestehen, sondern aus Backsteinen.
Sie gehört somit zu den jüngsten Einbauten
im Raum 0.01.
Der Treppenaufgang ist nicht bauzeitlich, da
es sich bei der Wand um eine durchgehende
Feldsteinwand handelt, der Aufgang aber aus
Ziegeln gemauert ist. Vermutlich stammt der
Aufgang aus Bauphase III. Ein weiteres Indiz,
dass dieser Aufgang später eingebaut wur-
de, ist die Knagge an der Decke vor Wand b
(siehe auch Decke Raum 0.01), wo sich der
ursprüngliche Kelleraufgang befunden haben
könnte.
An dieser Stelle wurde aufgrund der Knagge
der ursprüngliche Kelleraufgang vermutet, je-
doch ließen sich dafür keine weiteren Hinwei-
se finden (siehe Decke Raum 0.01).
2
3
4
5
RAUM:
RAUMBUCH
Bürgerhaus
Georg-Kurtze-Str. 1
15344 Strausberg
KELLERGESCHOSS
Objekt:
Juni 2006 WandBoden
sonstigesDecke
Stand:
Bestand Zustand / Bemerkung
Pos.
c
b
a
d
0.02
0.01
Gruppe
6
Blatt-Nr.:
PROJEKT 2005/2006 TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN MASTERSTUDIUM DENKMALPFLEGE
H. Ammerich, A. Criado del
Arco, E. Fechnerova,
F. Hlal, Z. Spyranti
1:
0.01a
ef
0.01
0.01-
Wand c:
Feldsteinmauerwerk, im oberen Bereich aus
roten Backsteinen (Maße wegen Schlämme
nicht messbar). Bindet in die Wände b und
d ein.
In der westlichen Ecke befindet sich unterhalb
der Decke ein Rohrdurchbruch.
Mittig in der Wand befindet sich der Durch-
gang (Breite 78 cm, Höhe 148 cm) mit Seg-
mentbogen zum Raum 0.02. Das Gewände
ist aus gelben Ziegelsteinen (25/12,5/6cm).
Über dem Durchgang ist eine Kappe, die auf
ein ehemaliges Fenster hinweist.
Wand d:
Bindet in die Wände c und a ein.
In der nördlichen Wandhälfte befindet sich ein
Rohrdurchbruch (Ø 4 cm), der mit grauem
Zementputz ausgebessert ist. Die Putzfläche
beginnt direkt unter der Decke und hat eine
Höhe von 24 cm und eine Breite von 30 cm.
Weitere Rohre führen direkt vor dieser Wand
vom Raum 0.02 in die Kammer 0.01a, von
wo aus sie in die oberen Geschosse verteilt
werden.
6
7
8
An dem Rohrdurchbruch ist zu erkennen, dass
es sich bei der Wand um eine einschalige
Feldsteinwand handelt (Bauphase I).
Daraus lässt sich ableiten, dass der Durch-
bruch mit dem Gewände aus Ziegeln später
vorgenommen worden sein wird. Die glei-
chen Ziegel lassen sich auch in den Wänden
von Raum 0.02 und im Fenster 0.02c/F1 fin-
den, was bestätigt, dass der Durchgang zeit-
gleich mit dem Bau des Raumes 0.02 in der
Bauphase III erfolgte. Dafür spricht auch die
Ausbildung der Kappe über dem Durchgang
(siehe auch Decke Raum 0.01).
Die Rohrdurchbrüche und Ausbesserungen
mit Zementputz stammen aus der jüngsten
Bauphase VII.
c
b
a
d
0.01
RAUM:
RAUMBUCH
Bürgerhaus
Georg-Kurtze-Str. 1
15344 Strausberg
Objekt:
Juni 2006 WandBoden
sonstiges
Decke
Stand:
Skizze/Foto
KELLERGESCHOSS
Gruppe
TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN PROJEKT 2005/2006 MASTERSTUDIUM DENKMALPFLEGE3
Blatt-Nr.:
H. Ammerich, A. Criado del
Arco, E. Fechnerova,
F. Hlal, Z. Spyranti
1:
0.01a
0.02
0.01
ef
0.01
Abb. 5: Wand a, Blick Nord Abb. 6: Wand a, Schadensbild
Abb. 7: Wand a, Kammer 0.01a Abb. 8: Wand a, Treppenaufgang
2
3
4
0.01-
msd-2005-07-cs.indd 45msd-2005-07-cs.indd 45 24.01.2007 18:49:3424.01.2007 18:49:34
Prozessfarbe SchwarzProzessfarbe Schwarz
46
RAUM:
Juni 2006 DachwerkWände
DeckungAusbau
Stand:
GESPÄRRE-
BUCH
Bürgerhaus
Georg-Kurtze-Str. 1
15344 Strausberg
Objekt:
Gruppe
PROJEKT 2005/2006 TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN MASTERSTUDIUM DENKMALPFLEGE 5
Blatt-Nr.:
6:
A. Al Saeed, S. Edelhoff,
B. Grimm, M. Sählhof,
A. Salgo
c
b
a
d
3.02
3.01
3.03
3.04
3.05
Bretterschalung (Raum 3.04). Die Räume werden über ein Dachflächenfenster belichtet.
Ein Schornstein setzt sich aus Raum 2.03 in die Dachräume fort. Er ist Teil der westlichen Giebelwand und
befindet sich am Übergang der Räume 3.03 und 3.04.
Nördlich von Raum 3.03 schließt sich ein hohes Walmdach (Raum 3.05) an. Dieses überdeckt einen Erker
rechteckigen Grundrisses (ca. 3m²; 1m x 3m) von Anfang des 20. Jh. Die Sparren werden mittig von zwei
Holzständern unterstützt. Da dieses Dach im Süden auf den Sparren des vorgenannten einfach stehenden
Stuhls steht, ist auch hier von einem konstruktiven Zusammenhang zu sprechen.
Auf die Deckenbalken sind Holzdielen aufgenagelt. Die Dachdeckung besteht größtenteils aus einer Not-
sicherung mit Unterspannbahnen. Nach Süden hin sind noch handgestrichene Bieberschwanzziegel als
Kronendeckung vorhanden, die auch den Übergang zu Raum 3.03 abdecken. Ursprünlich wurde der
Raum 3.05 durch eine kleine Gaube, welche fragmentarisch erhalten ist, von Norden belichtet.
An der Süd- Westecke befindet sich ein den Hof flankierender Anbau polygonalen Grundrisses (ca.
16,50m²; 5,50m x 3m), der ebenfalls auf die Zeit um die vorher genannte Jahrhundertwende zu datieren
ist. Dieser ist mit einem ebenfalls eigenständigen Pfetten- Pultdach überdeckt. Dieses Dach ist jedoch nicht
Bestandteil dieser Dokumentation, da es nicht zugänglich war.
Außer den genannten Nutzungen für die Kammern in Dachraum 3.01 kann lediglich eine Lager- und
Wäschetrocken- Nutzung für alle Dachräume angenommen werden.
3.01-3.05
Strausberg, Grundriß Dachgeschoss, fromtreue Bauaufnahme, Bleistift auf Folie, o.M., im Original M 1: 25, MSD 2005-07.
Strausberg, Ausschnitt des Gespärrebuchs (Dachgeschoss), Raum 301, MSD 2005-07.
Arbeitsproben – Beispiel Gespärrebuch Dachgeschoss:
RAUM:
Juni 2006 DachwerkWände
DeckungAusbau
Stand:
GESPÄRRE-
BUCH
Bürgerhaus
Georg-Kurtze-Str. 1
15344 Strausberg
Objekt:
Gruppe
TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN PROJEKT 2005/2006 MASTERSTUDIUM DENKMALPFLEGE4
Blatt-Nr.:
6:
A. Al Saeed, S. Edelhoff,
B. Grimm, M. Sählhof,
A. Salgo
c
b
a
d
3.02
3.01
3.03
3.04
3.05
3.01-3.05
Kurzbeschreibung Dach - Allgemein
Hinsichtlich der Erschließung und der Konstruktion gliedert sich das Dach des Wohnhauses Georg-Kurtze-
Str. 1 im Wesentlichen in drei voneinander unabhängige Bereiche, die Dachräume 3.01 und 3.02, 3.03
bis 3.05 sowie einem weiteren über dem den Hof flankierenden Anbau an der Süd- Westecke (Abb. 1).
Über dem, nur in Fragmenten überkommenen, ursprünglichen Fachwerkhaus von 1703(d) ist dessen
doppelt stehender Stuhl mit in Ost- Westrichtung verlaufendem First fast vollständig erhalten (Raum 3.01).
An diesen schließt sich im Süden eine spätere Erweiterung von 1860(d) mit einer Pfetten- Pultdachkonst-
ruktion an (Raum 3.02). Diese beiden Dachräume sind gemeinsam über die Treppe OG/DG vom Raum
2.01 aus erschlossen. Sie haben einen rechteckigen Grundriss (ca. 130m²; 13m x 10m) und werden im
Osten und Westen jeweils von einer in Backstein gemauerten Giebelwand abgeschlossen, wobei jedoch
nur die westliche Giebelwand zugleich Außenwand ist. Nach Norden und Süden werden sie durch in
Backstein gemauerte, unterschiedlich hohe Kniestöcke begrenzt. Die Zwischenräume der Zerr- bzw. De-
ckenbalkenlage sind mit Lehmwickelstaken (Wellertechnik) vollständig ausgefacht. In Raum 3.01 ist teil-
weise eine Holzdielung aufgenagelt. Als Raumabschluss nach oben sind hier Betonpfannen in Dachlatten
eingehängt und vermörtelt, über 3.02 ist eine bituminöse Lage auf einer Bretterschalung verlegt. Durch
Fenster im südlichen Kniestock, Dachflächenfenster und Glasdachziegel werden die Räume belichtet.
Drei Schornsteine setzen sich aus den unteren Geschossen in die Dachräume fort: zwei von ihnen be-
findet sich im Dachraum 3.01, zu beiden Seiten der Treppe OG/DG, ein weiterer ist Teil des südlichen
Kniestocks in Raum 3.02. Der Dachraum zerfällt durch den Einbau von Trennwänden in unterschiedlich
große Grundrisskompartimente. Hierfür sind hauptsächlich zweitverwendete Bretter, Pressspanplatten und
Möbelteile an die konstruktiven Dachbauteile genagelt. Aufgrund der mangelnden handwerklichen Qua-
lität wird auf eine nähere Beschreibung dieser Einbauten verzichtet. Von Bedeutung ist hingegen eine weiß
getünchte Kammer auf der Westseite von Raum 3.01. Diese ist nach Süden durch eine Lehmziegelwand
und über der Kehlbalkenebene durch eine oberseitig mit Strohlehm abgedichtete Halbholzdecke begrenzt.
Hier ist eine frühere Wohnnutzung zu vermuten. Nach Osten schließt sich eine Räucherkammer an, welche
sich ebenfalls auf der Westseite des Raumes 3.01 befindet. In dieser Kammer ist offensichtlich Kaltgeräu-
chert worden.
Ende des 19./ Anfang des 20. Jh wurde das Gebäude in mehreren Phasen nach Osten, zur Stadtmauer
hin erweitert. Dieser Bereich, von polygonalem Grundriss (ca. 54m²; 9m x 6m), wird von einem ein-
fach stehenden Stuhl mit in Ost- Westrichtung verlaufendem First (Raum 3.03) und einer südlich daran
anschließenden Pfetten- Pultdachkonstruktion überdeckt (Raum 3.04). Beide Räume werden über eine
mobile Leiter von Raum 2.04 aus erschlossen. Die Raumbegrenzung nach Westen ist die aus Backstein
gemauerte, östliche Giebelwand der Räume 3.01 und 3.02. Die in Firstrichtung verlaufenden und le-
diglich Raum 2.03 überspannenden Deckenbalken binden in diese Giebelwand ein und lagern im Os-
ten auf einer Fachwerkwand auf, welche die Trennwand zwischen den Räumen 2.03 und 2.04 darstellt.
Somit erstreckt sich Raum 2.04 bis unter das sich zur Westwand des Landsberger Tors hin fortsetzende
Pfetten- Pultdach (Beschreibung siehe Raum 2.04). Auf die Deckenbalken sind Holzdielen aufgenagelt.
Die Dachdeckung besteht aus vermötelten Betonpfannen (Raum 3.03) und bituminöser Lage auf einer
msd-2005-07-cs.indd 46msd-2005-07-cs.indd 46 24.01.2007 18:49:3524.01.2007 18:49:35
Prozessfarbe SchwarzProzessfarbe Schwarz
47
Arbeitsproben – Beispiel Gespärrebuch Dachgeschoss:
RAUM:
Juni 2006 DachwerkWände
DeckungAusbau
Stand:
Skizze/Foto
GESPÄRRE-
BUCH
Bürgerhaus
Georg-Kurtze-Str. 1
15344 Strausberg
Objekt:
Gruppe
TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN PROJEKT 2005/2006 MASTERSTUDIUM DENKMALPFLEGE8
Blatt-Nr.:
6:
A. Al Saeed, S. Edelhoff,
B. Grimm, M. Sählhof,
A. Salgo
c
b
a
d
3.02
3.01
3.03
3.04
3.05
3.01
Abb. 7:
Gespärre 5
Mit Schleifzapfen zusätzlich eingestellte nördl. Stuhlsäule
Abb. 8:
Gespärre 5
Zweitverwendete, zusätzliche südl. Stuhlsäule
Abb. 9:
Gespärre 6 - Gebinde 3
Südl. Stuhlsäule ohne Kopfband nach Osten
Strausberg, Ausschnitt des Gespärrebuchs (Dachgeschoss), Raum 301, MSD 2005-07.
Bestand Zustand / Bemerkung
Pos.
GESPÄRRE-
BUCH
Bürgerhaus
Georg-Kurtze-Str. 1
15344 Strausberg
RAUM:
Juni 2006 DachwerkWände
DeckungAusbau
Stand: Gruppe
7
Blatt-Nr.:
PROJEKT 2005/2006 TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN MASTERSTUDIUM DENKMALPFLEGE
6:
A. Al Saeed, S. Edelhoff,
B. Grimm, M. Sählhof,
A. Salgo
c
b
a
d
3.02
3.01
3.03
3.04
3.05
Sparrenfüße
Sparren
Aufschieblinge und Hilfssparren
Fehlböden
Gespärre 1 - Gebinde 1
Fachwerkgiebel der Hauptbauphase. Zusätzlich
zur im allgemeinen Teil beschriebenen Kon-
struktion sind für diese Phase folgende Bauteile
nachweisbar. Brustriegel (durch außenseitige
Blattsassen an den Sparren und Zapflöcher,
teilweise noch mit Zapfen und Holznagel, in
den Stuhlsäulen). Mittelständer (durch an Kehl-
balkenunterseite befindliches Zapfloch) Auch in
diesen sind die Brustriegel vermutlich gezapft
gewesen. Andreaskreuz in der oberen Giebel-
spitze (durch Blattsassen auf der Außenseite
der Sparren und des Kehlbalkens). Die Sparren
weisen unterseitig, der Kehlbalken ober- und
unterseitig Kerben für vertikale Lehmwickelsta-
ken auf, welche offensichtlich auf ursprünglich
gewellerte Fachwerkwände hinweisen
*Abb.5*
.
Gespärre 2
Keine Besonderheiten.
Feuchteschäden als allgemein zu vermutendes
Schadensbild (augenscheinlich lediglich auf
der Südseite in Gespärre 3 erkennbar, da die
anderen Sparrenfüße entweder im nördlichen
Kniestock eingemauert oder unter der Boden-
dielung verborgen sind).
Feuchteschäden oberseitig aufgrund an der
Dachhaut abtropfendem Kondenswasser bzw.
durch die Dachhaut eindringenden Nieder-
schlag.
Unterdimensionierung. Z.T. unfachmännischer
Einbau.
Allgemein guter Zustand. Oberseitig sind au-
genscheinlich keine Schäden erkennbar.
Entfernte Bauteile:
Südliche Stuhlsäule (gemauerte Pfeilervorlage
als Ersatz) und dazugehöriges längsversteifen-
des Kopfband
*Abb.4*
. Mittelständer. Sämt-
liche Brustriegel. Andreaskreuz in der Gie-
belspitze. Alle Lehmgefache samt Holzstaken
*Abb.5*
.
Tragverhalten:
Das gesamte Gespärre neigt sich nach Norden
und hat sich im nördlichen Bereich abgesenkt.
Die Verbindungen der noch vorhandenen Bau-
teile sind in gutem Zustand. Sparrenfüße und
insbesondere Zerrbalkenköpfe nicht einseh-
bar!!!
Tragverhalten:
Wie Gespärre 1.
I
II
III
IV
1
2
3.01
Bestand Zustand / Bemerkung
Pos.
GESPÄRRE-
BUCH
Bürgerhaus
Georg-Kurtze-Str. 1
15344 Strausberg
RAUM:
Juni 2006 DachwerkWände
DeckungAusbau
Stand: Gruppe
9
Blatt-Nr.:
PROJEKT 2005/2006 TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN MASTERSTUDIUM DENKMALPFLEGE
6:
A. Al Saeed, S. Edelhoff,
B. Grimm, M. Sählhof,
A. Salgo
c
b
a
d
3.02
3.01
3.03
3.04
3.05
Gespärre 3
Auf Nordseite ist am Zerrbalken ein Stakenein-
schubloch für die Fehlbodenfüllung erkennbar.
Gespärre 4 - Gebinde 2
Keine Besonderheiten.
Gespärre 5
Starke, jedoch augenscheinlich nur oberseitig
erkennbare Eingriffe in den Zerrbalken (Ausklin-
kungen, evtl. sogar Durchtrennung).
Zusätzliche Stuhlsäulen (offensichtlich zweitver-
wendet). Nördliche Stuhlsäule in Stuhlrähm ge-
zapft und mit Schleifzapfen in den Zerrbalken
eingeschoben
*Abb.7*
.
Südliche Stuhlsäule wahrscheinlich ebenfalls in
Stuhlrähm gezapft und mit Futterholz auf darun-
terliegende Wand ablastentend. Südliche Stuhl-
säule besitzt Zapflöcher für Brustriegel
*Abb.8*
,
wobei jedoch keine entsprechenden Anschluß-
spuren wie Blattsassen in den gegenüberliegen-
den Bauteilen (z.B. südlicher Sparren) vorhanden
sind.
Gespärre 6 - Gebinde 3
Während von den innerhalb des Dachraums ste-
henden Stuhlsäulen in Gebinde 2 und von der
nördlichen Stuhlsäule im Gebinde 3 längsverstei-
fende Kopfbänder in Ost- und Westrichtung ab-
gehen, besitzt die südliche Stuhlsäule in Gebinde
3 schon von Anfang an lediglich ein Kopfband
in Westrichtung (keine Blattsasse in Ostrichtung
und keine Zeichen eines oberen Anschlusses am
Stuhlrähm)
*Abb.9*
. Eine Zweitverwendung der
Stuhlsäule ist aufgrund der vorhandenen Ab-
bundzeichen unwahrscheinlich. Weiterhin wech-
Tragverhalten:
Wie Gespärre 1. Vermorschter Zerrbalkenkopf
auf Südseite augenscheinlich erkennbar.
Entfernte Bauteile:
Längsversteifende Kopfbänder nach Westen (je-
weils Blattsassen in Stuhlsäule und Stuhlrähm
vorhanden)
*Abb.6*
.
Gespärredreieck zerstört!!! Die Sparren weisen
außerdem im Firstbereich starke Feuchteschä-
den auf (Kaminstandort der Umbauphase zum
Steinhaus).
Offensichtlich wurde mit dieser Säule beabsich-
tigt die Dachlasten aus Gespärre 4 in Gespärre
5 und damit in die darunterliegende Querwand
umzuleiten, um der Absenkung der Gespärre 2,
3 und 4 im nördlichen Bereich entgegenzuwir-
ken.
Diese Stuhlsäule sollte vermutlich das zwischen
Gespärre 4 und 5 durchtrennte südliche Stuhl-
rähm abfangen.
Tragverhalten:
Die Verbindungen der noch vorhandenen Bau-
teile sind in gutem Zustand. Sparrenfüße und ins-
besondere Zerrbalkenköpfe nicht einsehbar!!!
Tragverhalten:
Die Verbindungen der noch vorhandenen Bau-
teile sind in gutem Zustand. Sparrenfüße und ins-
besondere Zerrbalkenköpfe nicht einsehbar!!!
3
4
5
6
3.01
RAUM:
Juni 2006 DachwerkWände
DeckungAusbau
Stand:
Skizze/Foto
GESPÄRRE-
BUCH
Bürgerhaus
Georg-Kurtze-Str. 1
15344 Strausberg
Objekt:
Gruppe
TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN PROJEKT 2005/2006 MASTERSTUDIUM DENKMALPFLEGE6
Blatt-Nr.:
6:
A. Al Saeed, S. Edelhoff,
B. Grimm, M. Sählhof,
A. Salgo
c
b
a
d
3.02
3.01
3.03
3.04
3.05
Abb. 4:
Gespärre 1 - Gebinde 1
Gemauerte Pfeilervorlage
3.01
Abb. 6:
Gespärre 4 - Gebinde 2
Entferntes längsaussteifendes Kopfband
Abb. 5:
Gespärre 1 - Gebinde 1
Kerben für Lehmwickelstaken der Giebelwandausfachun-
gen von 1703/04(d)
msd-2005-07-cs.indd 47msd-2005-07-cs.indd 47 24.01.2007 18:49:4424.01.2007 18:49:44
Prozessfarbe SchwarzProzessfarbe Schwarz
48
Arbeitsproben – Beispiel Schadenskartierung:
SANIERUNGSVORPLANUNG
Blatt-Nr.:
TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN PROJEKT 2005/2006 MASTERSTUDIUM DENKMALPFLEGE6
Maßnahmenblatt
BÜRGERHAUS
GEORG-KURTZE-STR. 1
15344 STRAUSBERG
c
b
a
d0.05
0.04
Pos. Bauteil Schaden Ursache Maßnahme Kat.
Raum:
Kellergeschoss
Stand:
Juni 2006
Schadenskategorien: Kat. I = z. Zt. keine Maßnahmen erforderlich/beobachten; Kat. II = kleinere Reparaturmaßnahmen/Handlungsbedarf; Kat. III = größere Reparaturmaßnahmen/dringender Handlungsbedarf
Bearbeitet von: Gruppe Turm + Dach
Ana Criado del Arco, Kirsten Reiß,
Hanna Saleh, Ibrahim Salman, Wilfried Wolff
Allgemein
Boden
Wände
Decke
Wände_
Allge-
mein
Wand a
- Durchfeuchtung des Mauerwerks,
Feuchtigkeit nimmt in Richtung
Wand c zu.
- Absanden des Ziegels und des Putzes,
Absanden nimmt in Richtung Wand c ab.
- Unterschiedlich verteilte Salzausblühun-
gen und Kristallisierung.
- Salzausblühungen, am Trägerauflager
vermehrte Salzansammlung.
- Fugen der gesamten Wand sind bis zu
einer Tiefe von 2 cm verlustig.
- Durch fehlende vertikale und horizontale
Abdichtung dringt die Erdfeuchte in das
Mauerwerk ein.
- Erdfeuchte, fehlende Abdichtung, sehr
hohe Luftfeuchtigkeit.
- Die Salzausblühungen sind vermutlich
durch die ehemalige Stallnutzung und
damit einhergehende Belastung des Erd-
reichs verursacht.
- Feuchtigkeit
- Höhere Feuchtigkeit im Sockelbereich-
wegen Schutt
- Freilegung des Mauerwerks durch Ent-
fernung des Putzes, Abbürsten der losen
Oberfläche, Auskratzen der Fugen (ca.
3cm tief), Belassung des blanken Mau-
erwerks wegen Kontrollierbarkeit und um
den Vorgang des Abbürstens wiederholen
zu können (nach ca. 4-5 Jahren)
- Untersuchung und Bestimmung der Sal-
ze nach Art und Konzentration.
Für das gesamte Schadensbild:
Siehe allgemeine Maßnahmen
- Beseitigung des Schutts.
III
II
III
III
III
0.04
Strausberg, Sanierungsvorplanung, Ausschnitt der Schadenskartierung von Raum 0.04/ 0.05, MSD 2005-07.
Blatt-Nr.:
TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN PROJEKT 2005/2006 MASTERSTUDIUM DENKMALPFLEGE5
SANIERUNGSVORPLANUNG
Skizze/Foto
BÜRGERHAUS
GEORG-KURTZE-STR. 1
15344 STRAUSBERG
c
b
a
d0.05
0.04
Raum:
Kellergeschoss
Stand:
Bearbeitet von: Gruppe Turm + Dach
Juni 2006
Ana Criado del Arco, Kirsten Reiß,
Hanna Saleh, Ibrahim Salman, Wilfried Wolff
0.04
Allgemein
Boden
Wände
Decke
004 Schadensübersicht Kellerwände
Material:
-Wandabschnitt a.1, Mauerwerk:
Industrieller hellroter Ziegel
(24,5/11,5/6,5cm),
verfugt mit Kalkmörtel (b=1,5-2cm),
unverputzt
Fl.= 2,30 m² (10 % beschädigt)
- Wandabschnitt a.1, Pfeiler: Ziegel
nicht ersichtlich, vermutlich industrieller
roter Ziegel,
verfugt mit sehr festem Kalkmörtel,
verputzt mit sandhaltigem Kalkputz,
Pfeilerstärke: 2 Steine.
Fl.= 0,90 m² (60 % beschädigt)
- Wandabschnitt a.2: Industrieller roter
Ziegel (25/12/6,5cm),
verfugt mit Kalkmörtel (b=1,5-2cm),
verputzt mit sandhaltigem Kalkputz
Fl= 10,50 m² (70-80 % beschädigt)
- Wand b: Industrieller roter Ziegel
(25/12/6,5cm),
verfugt mit Kalkmörtel (b=1,5-2cm),
verputzt mit sandhaltigem Kalkputz,
im Sockelbereich und am oberen
Wandabschluss teilweise Feldsteine (ca.
5%) enthalten,
Fl.= 10,90 m² (80 % beschädigt)
-Wand c: Wieder verwendeter industriel-
ler roter Ziegel (25/12/6,5cm),
im Bereich der Leibung gelber industriel-
ler Ziegel (24,5/11,5/6,5cm) verfugt mit
Kalkmörtel,
verputzt mit sandhaltigem Kalkputz,
teilweise Feldsteine (ca. 15%) enthalten,
Wand bindet nicht ein
Fl.= 2,10 m² (80 % beschädigt)
- Wand d: Industrieller roter Ziegel
(25/12/6,5cm), verfugt mit Kalkmörtel,
verputzt mit sandhaltigem Kalkputz
Fl.= 12,40 m²(70 % beschädigt)
- Pfeiler: Roter Ziegel, Art nicht erkenn-
bar. Auflager unterfüttert mit Flacheisen.
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Prozessfarbe SchwarzProzessfarbe Schwarz
49
Arbeitsproben – Beispiel Schadenskartierung:
SANIERUNGSVORPLANUNG
Blatt-Nr.:
TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN PROJEKT 2005/2006 MASTERSTUDIUM DENKMALPFLEGE13
Maßnahmenblatt
BÜRGERHAUS
GEORG-KURTZE-STR. 1
15344 STRAUSBERG
c
b
a
d0.05
0.04
Pos. Bauteil Schaden Ursache Maßnahme Kat.
Raum:
Kellergeschoss
Stand:
Juni 2006
Schadenskategorien: Kat. I = z. Zt. keine Maßnahmen erforderlich/beobachten; Kat. II = kleinere Reparaturmaßnahmen/Handlungsbedarf; Kat. III = größere Reparaturmaßnahmen/dringender Handlungsbedarf
Bearbeitet von: Gruppe Turm + Dach
Ana Criado del Arco, Kirsten Reiß,
Hanna Saleh, Ibrahim Salman, Wilfried Wolff
Allgemein
Boden
Wände
Decke
- Feuchtigkeit der Ziegel und des Putzes
- Salzausblühungen
- Schimmelbildung
- Partieller Frostschaden einer Kappe mit
abschalendem Putz und Ziegel
(Abb.6, 004-F-06)
- Keine Verformung bzw. Rissbildung der
Kappen feststellbar.
- korrodierter Eisensturz der Kelleröffnung
zum Hof an Wand c
(Abb.5, 004-F-05)
Decke_
Kappen Für das gesamte Schadensbild:
Feuchtigkeit der angrenzenden Wände
und hohe Luftfeuchtigkeit.
- Siehe allgemeine Ursachen.
schadhafte Kelleröffnung mit Regen-
wassereintritt
- Feuchtigkeitseintritt durch Regenwasser
Für das gesamte Schadensbild:
Wenn die Tragfähigkeit der Träger ge-
währleistet ist:
- Entfernen des Putzes zur Überprüfung
des Kappenmauerwerks mit anschließen-
der Maßnahmenfestlegung.
- Austausch
III
II
II
II
I
III
0.04
Strausberg, Sanierungsvorplanung, Ausschnitt der Schadenskartierung von Raum 0.04/ 0.05, MSD 2005-07.
Blatt-Nr.:
TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN PROJEKT 2005/2006 MASTERSTUDIUM DENKMALPFLEGE11
SANIERUNGSVORPLANUNG
Skizze/Foto
BÜRGERHAUS
GEORG-KURTZE-STR. 1
15344 STRAUSBERG
c
b
a
d0.05
0.04
Raum:
Kellergeschoss
Stand:
Bearbeitet von: Gruppe Turm + Dach
Juni 2006
Ana Criado del Arco, Kirsten Reiß,
Hanna Saleh, Ibrahim Salman, Wilfried Wolff
0.04
Allgemein
Boden
Wände
Decke
Abb. 4: 004-F-04-Feldsteine im Sockelbereich Abb. 5: 004-F-05-korrodierter Träger, schadhafte
Öffnung
Abb. 6: 004-F-06-Frostschaden der Kappe, korrodierter
Träger
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Prozessfarbe SchwarzProzessfarbe Schwarz
50
Berlin-Zehlendorf, Schillerstr. 10. Lage des Gartens Springer (Google-Earth, 20.Nov. 2006).
Das Gartendenkmalpflegeprojekt des MSD 2005-07 –
die Steingartenanlage Schillerstraße 10, Berlin-Zehlendorf.
Der Villengarten in Berlin
Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
entstanden um das damalige Berlin herum
zahlreiche Villen- und Landhauskolonien, die bis
heute maßgeblich das städtebauliche Gesicht
besonders von Dahlem und Zehlendorf prägen.
Die erste Anlage dieser Art war die Villenkolonie
Alsen entworfen von Gustav Meyer, dem
damaligen Königlichen Hofgärtner in Potsdam
Sanssouci. In diesem seit 1869 geplanten, park-
artigen Gelände sind die Gebäude noch
weitgehend von der Schinkel’schen Tradition
der klassizistischen Villa geprägt, sie liegen
eingebettet in landschaftliche Gärten, die von
den Gestaltungstraditionen Lennés und Meyers
geprägt sind.
In einer zweiten Phase verschwimmt dieser
noch aus der Tradition des 19. Jahrhunderts
heraus geborene Planungsgrundsatz zugunsten
einer langsam strengeren Formalisierung
des Außenraums. Immer kleiner werdende
Grundstücke lassen die Realisierung von rein
landschaftlich geprägten Anlagen nicht mehr
zu, so dass die seit dem 18. Jahrhundert
aufgegebenen Gestaltungsprinzipien wieder
Anwendung finden. Die Villen werden nun
ebenerdig, ohne das traditionelle Sockelgeschoss
gebaut, um eine direkte Verbindung zwischen
Haus und Garten zu ermöglichen. Im Garten
werden „klare axiale und wegemäßige Bezüge auf
die Haupteingänge des Landhauses [geschaffen,
die] Anordnung streng formaler Gartenpartien
[steht] in inhaltlicher Korrespondenz zu den
funktionalen Vorgaben des Hauses“ (Krosigk
2005, 14). Neben der formal architektonischen
Anlage ist in dieser Phase die parallele und
zumeist auch gleichberechtigte Entwicklung
des rein landschaftlich geprägten Villengartens
wichtig.
Erst nach der Jahrhundertwende entstehen, in
Nachahmung der englischen „Arts and Crafts“-
Bewegung räumlich deutlich strukturierte, geo-
metrische Gärten, die das Wohnhaus in die
Gestaltung mit einbeziehen. „Kunstwerke voll
Spannung und Explosivität. Räumliche Brüche
und ungewöhnliche Perspektiven, starke farb-
liche Kontraste und bewegte, rhythmische Kom-
positionen waren Mittel der ‚Ausdruckskunst’,
die auch in den Visionen einer Reihe junger
Architekten wiederkehrten“ (Krosigk 2005, 17,
zit. nach Wolschke-Buhlmahn/ Fibich 2004,
27). Junge Landschaftsgestalter wie Gustav Allin-
ger, Georg Bela Pniwoer, Otto Valentin, Herta
Hammerbacher, Wilhelm Hübotter, Hermann
Göritz oder Reinhold Lingner prägten nachhaltig
die Gestaltungskunst der 1920er Jahre in Berlin
und trugen so zu dieser bemerkenswerten
Stadtlandschaft in Berlin-Zehlendorf bei.
Ein wichtiges Zeugnis dieser dritten Gestaltungs-
periode ist der in der Zwischenkriegszeit
entstandene Villengarten des Hauses Springer
in der Schillerstraße in Berlin-Zehlendorf.
„Dieser 1922 angelegte Garten gilt unter
Gartenhistorikern als ein besonders wichtiges
Zeugnis der Gartenkultur der Zwischenkriegszeit
und des Oeuvres von Berthold Körting, ein
Umstand dem die Gartendenkmalpflege mit der
am 01.03.1989 erfolgten Unterschutzstellung
Rechnung trug“ (Krosigk 2005, 19).
Schillerstr. 10
Schlachtensee
S Mexikoplatz
U Krumme Lanke
Argentinische Allee
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Prozessfarbe SchwarzProzessfarbe Schwarz
51
Begehung des Gartens Springer, Berlin-Zehlendorf, 2006.
Das Studienprojekt „Springergarten“
Im Auftrag des Landesdenkmalamtes Berlin,
Referat Gartendenkmalpflege erarbeitete eine
Gruppe von 7 Studierenden des Masterstudiums
Denkmalpflege, Jahrgang 2005-07 eine kon-
zeptionelle Maßnahmenplanung zur Konservierung
und Wiederherstellung des „Springergartens“ in
Berlin-Zehlendorf mit dem Ziel, den Garten in
seiner exakten Linienführung zu erhalten.
Im Unterschied zur parallel laufenden Bau-
aufnahme an einem Wohnhaus in Strausberg
haben sich die Studierenden S. Behan, M.
Bunke, S. Edelhoff, K. Eisenacher, M. Gohlke, R.
Nitschke und S. Palmer intensiv mit der gezielten
Bauaufnahme in der Gartendenkmalpflege
auseinandergesetzt und somit auch die wesent-
lichen Unterschiede zwischen den beiden
Disziplinen herausgearbeitet.
Ein Gartendenkmal ist nach dem Denkmal-
schutzgesetz von Berlin „eine Grünanlage, eine
Garten- oder Parkanlage, [...] oder ein sonstiges
Zeugnis der Garten- und Landschaftsgestaltung
[...].
Zu einem Gartendenkmal gehören sein Zubehör
und seine Ausstattung, soweit sie mit dem
Gartendenkmal eine Einheit von Denkmalwert
bilden“ (§2, Abs. 3 DSchG Bln).
Die Charta der historischen Gärten (Charta
von Florenz 1981) definiert einen historischen
Garten als ein mit baulichen und pflanzlichen
Mitteln geschaffenes Werk, an dem aus
historischen oder künstlerischen Gründen
öffentliches Interesse besteht. Nach dieser inter-
nationalen Vereinbarung sind die historischen
Gärten anderen Denkmalgattungen wie z.B.
dem Baudenkmal gleichgestellt und des-
wegen gleichrangig zu behandeln und zu
schützen. „Ein historischer Garten besteht
aus lebendigem pflanzlichen Material und
ist folglich vergänglich und erneuerbar. Sein
Aussehen resultiert aus einem ständigen
Kräftespiel zwischen jahreszeitlichem Wechsel,
natürlicher Entwicklung und naturgegebenem
Verfall einerseits, und künstlerischem sowie
handwerklichem Wollen andererseits, die darauf
abzielen, einen bestimmten Zustand zu erhalten“
(Charta von Florenz 1981, Art. 2).
Die Gestalt eines historischen Gartens ist ge-
kennzeichnet durch:
- Grundriss und Bodenrelief
- Pflanzungen: ihre Zusammensetzung,
ihre Ausmaße, ihre Farbwirkungen, ihre
Anordnung im Raum, ihre jeweilige Höhe
- Baulichkeiten oder sonstige Ausstattungs-
elemente
- bewegtes oder ruhendes (den Himmel
spiegelndes) Wasser
(Charta von Florenz 1981, Art. 4).
Der Denkmalwert eines historischen Gartens
ist in der Regel unter den oben genannten
vier Eigenschaften zu finden. Von seiner
räumlichen Konzeption bis zum einzelnen
pflanzlichen Element, von der schmückenden
Ausstattung bis zu den Baumaterialien, die
die jeweilige Authentizität eines historischen
Gartens ausmachen, wird alles bei der
Bauaufnahme erfasst und inventarisiert. Dabei
werden alle Anlage- und Bauwerkteile sowie
Pflanzen systematisch dokumentiert, wobei
die geschichtlichen Spuren ursprünglicher
Gestaltungen und Strukturen gleichrangig und
lückenlos erfasst werden.
msd-2005-07-cs.indd 51msd-2005-07-cs.indd 51 24.01.2007 18:49:4824.01.2007 18:49:48
Prozessfarbe SchwarzProzessfarbe Schwarz
52
Garten Springer, Bauaufnahme, 2006.
Garten Springer, Bauaufnahme, 2006.
Garten Springer, Lagebesprechung auf der Terrasse, 2006.
Garten Springer, Blick zum Wasserspiel, Bauaufnahme Sommer 2006.
Garten Springer, Blick zum Haus, Winter 2005/ 2006.
Die Inhalte, die bei der gartendenkmal-
pflegerischen Bauaufnahme aufgenommen
werden, hängen von der Eigenschaft bzw.
dem Kennzeichen der Gestalt des historischen
Gartens ab.
Als Ergebnis der Untersuchung zum „Springer-
garten“ in Berlin-Zehlendorf ist eine um-
fassende Dokumentation entstanden, die in
Form eines Parkpflegewerkes zusammengefasst
zu folgendem Endergebnis gekommen ist:
Zukünftiges Ziel in absehbarer Zeit für den
Springergarten in Berlin-Zehlendorf sollte aus
Sicht der im Sommersemester 2006 durch-
geführten Untersuchungen eine Wiederher-
stellung der sich in Auflösung befindlichen
Anlage sein. Es handelt sich bei diesem
Senkgarten um ein Kulturdenkmal gemäß § 2
(4) des Berliner Denkmalschutzgesetzes vom 24.
April 1995 (DSchG Bln). An seiner Erhaltung
und bestandserhaltenden Sanierung besteht
ein nachgewiesenes öffentliches Interesse. Der
Garten ist in seiner Ausprägung von hohem
Seltenheitswert und in seiner Gestaltung einzig-
artig.
Von der ursprünglich reichen Gestaltung und
Ausstattung der Villengärten der 1920er Jahre
in Berlin-Zehlendorf haben sich nur wenige
Beispiele erhalten. Besonders bedeutend ist dabei
die Tatsache, dass auf Grund der erhaltenen
Substanz eine detailgenaue Rekonstruktion
dieses Gartens noch möglich ist.
Caroline Rolka
Literatur
Berliner Denkmalschutzgesetz (DSchG Bln)
Gesetz zum Schutz von Denkmalen in Berlin, in:
Denkmalschutzgesetze, Schriftenreihe des deutschen
Nationalkomitees für Denkmalschutz 54 (3), Bonn
1997, 29 ff. [akt. Fassung: http: www.stadtentwicklung.
berlin.de/service/gesetzestexte/de/denkmal.shtml]
Charta von Florenz 1981
Charta von Florenz. Charta der historischen Gärten,
21. Mai 1981, in: Denkmalschutz. Texte zum
Denkmalschutz und zur Denkmalpflege, Schriftenreihe
des deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz
52, Bonn 1996
Krosigk 2005
Krosigk v. K.H.: Gartendenkmale in Berlin, Privat-
gärten, Beiträge zur Denkmalpflege, Petersberg 2005.
Wolschke-Bulmahn/ Fibich 2004
Wolschke-Bulmahn, J., Fibich, P.: Garten-
expressionismus, Anmerkungen zu einer historischen
Debatte, in: Stadt und Grün 53, (8) 2004, 27ff.
msd-2005-07-cs.indd 52msd-2005-07-cs.indd 52 24.01.2007 18:49:4924.01.2007 18:49:49
Prozessfarbe SchwarzProzessfarbe Schwarz
53
Abb. 1 Das Haus, um 1926
Privatbesitz der Familie Springer
Abb. 2 Der Steingarten, um 1922
Aus: Gartenschönheit (1922), 3
Abb. 3 Der terrassierte Steingarten, um 1926
Aus: Gartendenkmale in Berlin. Privatgärten, Berlin 2005
Aufbau und Beschreibung des Steingartens
Die Anlage ist ein rechteckiger Senkgarten und
hat eine Gesamtfläche von 374 m². Er ist durch
Terrassen, deren Stützmauern aus Kalkstein be-
stehen, geprägt.
Die terrassenförmige Absenkung erzeugt eine
Tiefenwirkung des Gartens. Der tiefste Punkt
befindet sich 2,40 m unter dem Gartenniveau
in der Mitte des Senkgartens. Dort ist ein Was-
serbecken aus Ziegelmauerwerk, das mit einem
zweiten, höher gelegenen Becken durch einen
Zulauf verbunden ist. Zentral zwischen den bei-
den Becken steht ein schmiedeeisernes Gitter.
Es ist deutlich kleiner als ein normales Gitter und
stellt somit eine optische Täuschung dar, die den
Garten größer erscheinen lässt.
Im rückwärtigen Bereich überragt die Anlage
das Gartenniveau um einen halben Meter. Die
Höhenunterschiede werden durch Treppen aus
Ziegelstein überbrückt.
Der Steingarten ist streng architektonisch auf-
gebaut. Das zentral in der Anlage eingebettete
Wasserspiel aus Ziegelmauerwerk unterstreicht
maßgeblich die Symmetrie des Senkgartens.
Wasserflächen in der Mittelachse vermitteln dem
Betrachter den Eindruck von Weite. Die Wasser-
spiegelung soll die reiche Gliederung der Stufen
und Terrassen auffangen und auflösen.
Beidseitig des oberen Wasserbassins befindet
sich je eine Pflanzterrassenabtreppung. Zur wei-
teren Gestaltung des Wasserzulaufes der Becken
dienen integrierte Bronzeelemente (Abb. 2).
Den besonderen Reiz der Anlage sollte das Ge-
genspiel zwischen Symmetrie und Asymmetrie
ausmachen. Die Pflanzen sollten entsprechend
ihrem lebendigen Wesen verwendet werden und
wurden daher unsymmetrisch angeordnet.
Zur Bepflanzung wurden blühende Staudenge-
wächse und einige wenige Gehölze verwendet1.
Hinter dem oberen Wasserbecken führen zwei
Ziegelsteintreppen an das Ende der Steingarten-
anlage, von dort aus gelangt man wieder auf
den umlaufenden Kiesweg des Gartens.
Berthold Körting plante naturnahe, idealisierte
und ästhetisch ansprechende Gärten, die einen
Gegenpol zu den architektonischen Elementen
bildeten und diese ebenso steigern sollten. Hori-
zontale und vertikale Elemente, z.B. in Form von
terrassierten Mauern oder Säulen-Eiben, wurden
genutzt, um die Wirkung zu steigern. Er maß der
Wirkung von Form und Farbe der Pflanzen eine
hohe Bedeutung zu und setzte diese gezielt ein.
Gleichzeitig berücksichtigte er die Wirkung der
unterschiedlichen Belichtung je nach Tages- und
Jahreszeit2.
BERLIN-ZEHLENDORF, STEINGARTENANLAGE SCHILLERSTRASSE 10
Lage und Entstehungsgeschichte des Steingartens von Berthold Körting
Topographische Lage des Steingartens
Der Garten liegt in dem Villengebiet des
Grunewaldes im Berliner Stadtbezirk Steglitz-
Zehlendorf. Nur wenige hundert Meter vom
Schlachtensee sowie der Krummen Lanke ent-
fernt, befindet sich die Anlage auf dem Eck-
grundstück Schillerstraße/Klopstockstraße.
Die Steingartenanlage von Berthold Körting
liegt südlich des Landhauses der Familie Sprin-
ger, auf einer Fläche, die in der ursprünglichen
Gesamtplanung für den Garten als Rasenfläche
ausgelegt war.
Geschichte des Gartens
1910 erwarb Julius Springer (Enkel des Verlags-
gründers Julius Springer sen.) in der damaligen
Villenkolonie Zehlendorf-West mehrere Parzel-
len. Die Grundstücksfläche betrug zum dama-
ligen Zeitpunkt 4200 m².
Die Architekten L. Eisenlohr und O. Pfennig
planten und errichteten in den folgenden Jahren
ein Haus im Landhausstil mit Garten (Abb. 1).
Es ist bislang das einzige bekannte Objekt der
beiden Stuttgarter Architekten in Berlin.
Vor Baubeginn wurde ein, auf dem Gelände
befindlicher, 20 Jahre alter Kiefernforst gerodet,
anschließend das stark hügelige Gelände einge-
ebnet. Das Geländeniveau blieb aber ca. 1,50
m über dem Niveau der angrenzenden Straßen.
Deshalb erhielt der Garten auf beiden Seiten zur
Straße hin und zum angrenzenden Grundstück
eine Mauer.
1921 erhielt Berthold Körting den Auftrag zur
Umgestaltung einer Rasenfläche im bestehen-
den Garten (Abb. 4). Berthold Körting war
sehr gut befreundet mit Karl Foerster, über den
vermutlich auch die Verbindung zu der Familie
Springer entstand. Beide Gestalter verband die
gleiche Liebe und Begeisterung für Pflanzen, ins-
besondere für Stauden.
Nach dem Tod von Julius Springer im Jahre
1968 erbten seine Kinder das Grundstück mit
dem Haus. Das Grundstück wurde neu aufge-
teilt und Teile von dem Kerngrundstück abge-
trennt.
1989 erfolgte die Unterschutzstellung der Anla-
ge als Gartendenkmal.
Suleika Behan, Stefan Edelhoff, MSD 2005-07
TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN, FAKULTÄT VI, INSTITUT FÜR ARCHITEKTUR
UNIV.-PROF. DR.-ING. DOROTHÉE SACK, FACHGEBIET HISTORISCHE BAUFORSCHUNG, MASTERSTUDIUM DENKMALPFLEGE,
STRASSE DES 17. JUNI 152, SEKR. A 58, 10623 BERLIN, TEL. 030-314-796 11, MAIL: [email protected]
Berthold Körting
6. Mai 1883 in Hannover geboren
1906 Studium an der Kunsthochschule in Dresden
1907 Teilnahme an Studienklassen an der
Akademie der Bildenden Künste in München
1909 Mitglied der Malschule Heinrich von Zügels
in München
ab 1918 Wohnort in Neu-Babelsberg, schuf dort u.
a. Gärten für den Reichskunstwart Dr. Edwin Redslob
in Neu-Babelsberg
1919-1930 Mitbegründer eines Architekturbüros in
Berlin
1924 Gründung der „Oranienburger Werkstätten“
30. Mai 1930 in Babelsberg verstorben
Abb. 4 Schillerstraße 10/Klopstockstraße (1911-12),
Gartenplan von Eisenlohr u. Pfennig
Aus: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Berlin 1995
1 vgl. Gärten der Zwanziger Jahre. In: Gartendenkmale in
Berlin. Privatgärten (Beiträge zur Denkmalpflege in Berlin, Band
21), hrsg. Landesdenkmalamt Berlin, Berlin 2005, S. 279
2 vgl. Körting, Berthold: Zwei Gärten. In: Gartenschönheit
(1929), 7, S. 197-202
msd-2005-07-cs.indd 53msd-2005-07-cs.indd 53 24.01.2007 18:49:5624.01.2007 18:49:56
Prozessfarbe SchwarzProzessfarbe Schwarz
54
Abb. 3 Senkgarten, Blick von Nordost
Abb. 4 Wasserspiel, Blick vom Haus
Abb. 5-8 Wasserspeier
Terrassen
Lange Trockenmauern aus Rüdersdorfer Kalk-
sandstein bilden das Terrassengefüge des Senk-
gartens. Durch dieses Element wird der Wechsel
zwischen Wegen und Pflanzterrassen veranschau-
licht. Mit der zum Haus hin vertikalen Gliederung
der Anlage entsteht eine gewollte perspektivische
Tiefengliederung. Somit wirkt der Garten für den
Betrachter optisch größer.
Der Kalksandstein hat einen durchgängig weißen
bis hellgrauen Farbton. Die bis zu einem halben
Meter hohen Mauern sitzen ohne Gründung auf
dem Erdreich auf. Sie sind einschalig ausgeführt
und ein- bis dreilagig geschichtet.
Berthold Körting gestaltet die Sichtseiten der Tro-
ckenmauern als bruchraue Kanten. Dieses Ge-
staltungselement bricht die exakte Linienführung
des roten Ziegelmauerwerks am Wasserspiel.
Wasserspiel
Wasser ist ein wesentliches Gestaltungselement
des Senkgartens. Das Wasserspiel befindet sich
zentral in der Anlage. Es zeichnet sich durch ein
oberes und ein unteres Becken sowie ein verbin-
dendes Zulaufbassin aus (Abb. 4).
Das Sichtmauerwerk des oberen Wasserbeckens
und des Zulaufbassins ist mit Rathenower Zie-
geln ausgeführt. Als ornamentale Verzierung
des Bassins dient ein verhältnismäßig kleines
Schmuckgitter (Abb. 11, 12). Alle figürlichen
Elemente des Ein- und Auslaufes sind aufwen-
dig in Bronze (Abb. 5-10) gestaltet. Die Materi-
alität des unteren Beckens wurde während der
Bauaufnahme nicht erfasst.
Eine Quelle von Frischwasser speist das obere
Becken und fließt von dort zum verzierten Zu-
flussrohr des Bassins. Angekommen im unteren
Becken versickert es in der randnahen Überlauf-
zone, welche durch Sumpfpflanzen bewachsen
ist.
Vegetation
Die Pflanzterrassen präsentieren sich derzeit in
einem stark verwilderten Zustand. Eine Rekon-
struktion der originalen Bepflanzung ist anhand
der vorhandenen Unterlagen nur annäherungs-
weise möglich. Nur wenige Hinweise in der Lite-
ratur geben Aufschluss darüber, wie die Bepflan-
zung der Terrassen ausgesehen hat.
In einem Aufsatz von Berthold Körting in der Zeit-
schrift Gartenschönheit von 1929 beschreibt er
die Gestaltung der Terrassen mit ihrer lockeren
Bepflanzung. Stauden- und Zwiebelgewächse
bildeten den gestalterischen Schwerpunkt der
Planung. Er hebt hervor, dass die scheinbare Re-
gellosigkeit der blühenden Polsterstauden diese
Gartenarchitektur ausmacht.
Literaturangaben geben Hinweis darauf, dass
Berthold Körting sich in seiner vegetativen Ge-
staltung an den zeitgenössischen modernen
Vorstellungen der 1920er Jahre orientiert. Er
nimmt auch direkten Bezug auf die Ideen seines
Freundes Karl Foerster zur Farbgebung, Höhen-
staffelung und zu Blühaspekten1.
Aufgaben und Methoden
Mit Hilfe eines Nivellements wurde die Anlage
im Juni 2006 in ihrer Struktur erfasst und zeich-
nerisch im Maßstab 1:25 dargestellt.
Die Bestandserfassung des Steingartens erwies
sich aufgrund der Vielgliedrigkeit der Anlage als
außerordentlich schwierig.
Weitere Untersuchungen in Form von Sondagen
waren notwendig, um wichtige konstruktive De-
tails des Wasser- und Wegesystems zu erfassen.
Die freigelegten Bereiche wurden vermessen,
beschrieben und fotografisch dokumentiert.
Das Gesamtbild der Steingartenanlage wird
bestimmt durch das Zusammenspiel einzelner
Elemente. Aufgrund dieser Erkenntnis werden
im Folgenden die Elemente einzeln beschrieben
und ihre Verbindung zueinander herausgestellt.
Elemente der Anlage
Wege
Die Gartenanlage ist begehbar über zwei
Hauptrundwege auf der oberen und unteren
Ebene. Die Verbindung bilden mehrere Neben-
wege.
Auf beiden Rundwegen wurde mit Hilfe von
Befundöffnungen (Abb. 1) die historische Deck-
schicht aus weiss-gräulichem Kies nachgewie-
sen. Beide Wege verspringen in ihrer Ebene und
werden durch rote Ziegeltreppen unterbrochen.
Der Ziegel weist auf die Verbindung zum Was-
serspiel der Anlage hin.
Die Nebenwege führen über Natursteinplatten
sowie Natursteintreppen aus Rüdersdorfer Kalk-
sandstein durch die bepflanzten Terrassen.
Um die Tiefenwirkung des Gartens zu verstärken
wählt Berthold Körting verschiedene Wegebrei-
ten.
Die Entwässerung der Kies- und Natursteinwege
erfolgt jeweils über ein leichtes Gefälle in Rich-
tung des großen Wasserbeckens.
BERLIN-ZEHLENDORF, STEINGARTENANLAGE SCHILLERTRASSE 10
Ergebnisse der Bauforschung
Kristina Eisenacher, Sonja Palmer, MSD 2005-07
TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN, FAKULTÄT VI, INSTITUT FÜR ARCHITEKTUR
UNIV.-PROF. DR.-ING. DOROTHÉE SACK, FACHGEBIET HISTORISCHE BAUFORSCHUNG, MASTERSTUDIUM DENKMALPFLEGE,
STRASSE DES 17. JUNI 152, SEKR. A 58, 10623 BERLIN, TEL. 030-314-796 11, MAIL: [email protected]
Abb. 2 Entwurf von Berthold Körting, 1922
Aus: Gartendenkmale in Berlin. Privatgärten, Berlin 2005
Abb. 1 Wegeaufbau, schematischer Schnitt
Abb. 11, 12 Ziergitter
1 vgl. Körting, Berthold: Zwei Gärten.
In: Gartenschönheit (1929), 7, S. 197-202
Wenn nicht anders angegeben, stammen die Abbildungen von:
Markus Bunke, Berlin 2006.
Wasserspeier, Ansicht - Draufsicht
Abb. 9, 10 Muschel
Muschel, Draufsicht
Gitter, Ansicht
Rüdersdorfer Kalksandstein
anstehender Boden
Schlackestein
Humusauflage
Kies
Sand
Terrassen
Wege
Wasserspiel
msd-2005-07-cs.indd 54msd-2005-07-cs.indd 54 24.01.2007 18:49:5924.01.2007 18:49:59
Prozessfarbe SchwarzProzessfarbe Schwarz
55
(1) offene Fugen u. Fugenflanken (2) Sprengung durch Vegetation (3) Bruch des Mauergefüges (4) Risse einzelner Steine
Die häufigsten Schäden am Ziegelmauerwerk sind:
- partielle Verformungen, z.B. Absenkungen
- offene Fugen und Fugenflanken (1)
- Risse im Mauerwerk
- Sprengung durch Vegetation (2)
- biogener Bewuchs
Für das Trockenmauerwerk konnten folgende
Schäden festgestellt werden:
- Sprengung durch Vegetation
- Bruch des Mauergefüges (3)
- Risse einzelner Steine (4)
- Schräglage der Mauer
- Absenkungen
BERLIN-ZEHLENDORF, STEINGARTENANLAGE SCHILLERSTRASSE 10
Denkmalpflegerische Zielstellung und Maßnahmenplanung
Denkmalpflegerische Zielstellung
Der 1921 angelegte Garten ist ein wichtiges
Zeugnis der beginnenden architektonischen
Gartenkultur der Zwischenkriegszeit.
Berthold Körting verlieh dem Garten durch den
strengen Aufbau seine architektonische Spra-
che.
Das oberste Ziel ist daher der Erhalt der Ables-
barkeit der Anlage. Zur Erhaltung des Werkes
darf die exakte Linienführung der Terrassen nicht
weiter verwischen und muss teilweise wieder
hergestellt werden.
Um einen weiteren Substanzverlust der Anlage
zu verhindern, sind konservierende Maßnahmen
dringend notwendig. Langfristig kann eine Ab-
lesbarkeit der von Berthold Körting gewählten
Gestaltungselemente nur durch die Instandset-
zung weiter Teile des Steingartens gewährleistet
werden.
Maßnahmenplanung
Aufgrund dieser Zielstellung wird folgender
Maßnahmenplan entwickelt:
Dieser Plan gliedert sich in kurzfristige und
langfristige Maßnahmen, wobei zwischen den
einzelnen Elementen der Anlage unterschieden
werden muss.
Wege
kurzfristig: Wiederherstellung der Kieswege (Abtragen
der oberen Humusschicht,
Ergänzung der fehlenden Kiesschicht),
Wiederherstellung d. Entwässerungssystems
langfristig: Pflege
Mauern
kurzfristig: Sicherung des Bruchsteinmauerwerks
langfristig: neu setzen des Bruchsteinmauerwerks
Wasserspiel
kurzfristig: Abdeckscheibe zur Substanzerhaltung des
oberen Beckens
Bronzeelemente konservieren
Instandsetzung
kurzfristig: Abbau des Beckens und neu versetzen
langfristig: Pflege
Vegetation
kurzfristig: sofortige Sicherung durch Bepflanzung
mit Bodendeckern
langfristig: Bepflanzung nach Stil von Körting
(Farbfolgen und Ausrichtung nach d. Licht)
Aufgrund der möglichen erläuterten Maßnah-
men wird eine Rekonstruktion der Wege, Mau-
ern und der Vegetation vorgeschlagen.
Das Wassersystem wird konservierend behan-
delt, da eine Wiederherstellung einen erhebli-
chen Substanzverlust bedeutet und mit sehr ho-
hen Kosten verbunden ist.
Eine exakte Rekonstruktion der Vegetation nach
Berthold Körting ist nicht möglich. Dennoch
sollten bei einer gärtnerischen Neuplanung die
pflanzlichen Gestaltungselemente von Körting
als Grundlage dienen. Ebenso ist das Herstellen
einer exakten Kopie der Bronzeelemente nicht
möglich. Daher wird von dieser Maßnahme ab-
gesehen.
Markus Bunke, Michaela Gohlke, Rommy Nitschke, MSD 2005-07
TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN, FAKULTÄT VI, INSTITUT FÜR ARCHITEKTUR
UNIV.-PROF. DR.-ING. DOROTHÉE SACK, FACHGEBIET HISTORISCHE BAUFORSCHUNG, MASTERSTUDIUM DENKMALPFLEGE,
STRASSE DES 17. JUNI 152, SEKR. A 58, 10623 BERLIN, TEL. 030-314-796 11, MAIL: [email protected]
Schadenskartierung
Besonderes Augenmerk wurde bei der Scha-
denserfassung auf das Ziegelmauerwerk und
die Trockenmauern gelegt. Hier erfolgte eine
genaue Schadenskartierung. Diese bildet unter
anderem die Grundlage für eine spätere Maß-
nahmenplanung.
Als Schäden am Wasserspiel sind insbesondere
das undichte obere Wasserbecken und fehlende
Zierelemente aus Bronze zu erwähnen.
Das Wegesystem ist in seiner ursprünglichen
Form nicht mehr erlebbar. Große Teile der Kies-
schicht sind durch eine geschlossene Grasnarbe
überwachsen. Außerdem wurde das Gefälle der
Terrassenebenen im Laufe der Jahrzehnte durch
Erosion abgetragen.
Wenn nicht anders angegeben, stammen die Abbildungen von:
Markus Bunke, Berlin 2006.
Schadenskartierung
Bestandsplan Grundriss, 2006, MSD 2005-07
Schadenskartierung Trockenmauerwerk/Ziegelmauerwerk
Bestandsplan Schnitt A-A , 2006, MSD 2005-07
msd-2005-07-cs.indd 55msd-2005-07-cs.indd 55 24.01.2007 18:50:0924.01.2007 18:50:09
Prozessfarbe SchwarzProzessfarbe Schwarz
56
Berlin-Zehlendorf, Garten Springer, Grundriss, formtreue Bauaufnahme, o.M., im Original M 1: 25, MSD 2005-07.
Berlin-Zehlendorf, Garten Springer, Grundrissausschnitt im Originalmaßstab, M 1: 25, MSD 2005-07.
Arbeitsproben – Gartendenkmalpflege: Grundriss Gesamtplan - Detail
msd-2005-07-cs.indd 56msd-2005-07-cs.indd 56 24.01.2007 18:51:3224.01.2007 18:51:32
Prozessfarbe SchwarzProzessfarbe Schwarz
57
Arbeitsproben – Gartendenkmalpflege: Schnitt Gesamtplan - Detail
Berlin-Zehlendorf, Garten Springer, Schnitt A-A, formtreue Bauaufnahme, o.M., im Original M 1: 25, MSD 2005-07.
Berlin-Zehlendorf, Garten Springer, Ausschnitt Schnitt B-B im Originalmaßstab, M 1: 25, MSD 2005-07.
Berlin-Zehlendorf, Garten Springer, Schnitt B-B, formtreue Bauaufnahme, o.M., im Original M 1: 25, MSD 2005-07.
msd-2005-07-cs.indd 57msd-2005-07-cs.indd 57 24.01.2007 18:51:5024.01.2007 18:51:50
Prozessfarbe SchwarzProzessfarbe Schwarz
58
Arbeitsproben – Gartendenkmalpflege: Befunddokumenation
Berlin-Zehlendorf, Garten Springer, Befunddokumentation - Bauforschung, MSD 2005-07.
Berlin-Zehlendorf
Steingartenanlage Schillerstraße 10
3 Bauforschung
3.2 Elemente der Anlage
3.2.1 Wege
Abb. 7: Wegestruktur
Abb. 6: Wegeaufbau, schematischer Schnitt
Abb. 5: Wegeaufbau, schematischer Schnitt
Rüdersdorfer Kalksandstein
anstehender Boden
Schlackestein
Humusauflage/Kulturschicht
Kies
Sand
Legende
Hauptweg
Nebenweg
Berlin-Zehlendorf
Steingartenanlage Schillerstraße 10
3 Bauforschung
3.2 Elemente der Anlage
3.2.1 Wege
Der streng architektonische Aufbau der Steingartenanlage findet sich auch im Wegesystem wieder. Das
Wegesystem setzt sich aus zwei Hauptrundwegen zusammen, die über Natursteinwege und -treppen mit-
einander verbunden sind.
Ein Weg verläuft auf der obersten Ebene, dem rechtwinkligen System folgend um die gestaltete Garten-
anlage. Der zweite Weg befindet sich auf der untersten Ebene und umgibt die rechteckige Überlaufzone.
Beide Wege haben einen identischen Aufbau. Die Deckschicht besteht aus weiß-gräulichem Kies mit ei-
ner Korngröße von einem Zentimeter, einer darunter liegenden Ausgleichschicht aus Kies und Erde, sowie
einer ca. zehn Zentimeter hohen Tragschicht aus Sandboden mit Schlackesteinen oder Schotter.
(s. Abb. 5)
Über parallel laufende Nebenwege werden beide Hauptrundwege miteinander verbunden. Diese beste-
hen aus Rüdersdorfer Kalksandstein und sind einfach in Mutterboden aus unregelmäßigen Platten verlegt.
Die Hauptwege verspringen in ihrer Ebene und werden durch Ziegelsteintreppen unterbrochen.
Diese Ziegeltreppen weisen auf den Weg zum kaskadenartigen Wasserspiel.
Um die Tiefenwirkung des Gartens zu unterstreichen, verwendete Berthold Körting zwei Wegebreiten. Für
den Oberen wählte er eine Breite von 1,50 m und für den unteren 1,00 m.
Die Entwässerung der Wege funktioniert wie bei den Pflanzebenen mit einem leichten Gefälle von ca.
zwei Prozent in Richtung des Überlaufbeckens. Das Gefälle ist auf den Wegen noch vorhanden. Auf den
Pflanzebenen ist kaum noch Gefälle nachweisbar, da die oberste Erdschicht mit der Zeit abgespült wurde.
In der Bestandssituation im Juni 2006 liegt der größte Teil der historischen Kieswege unter einer Rasen-
schicht, sowie Efeu und Spontanvegetation.
An der Hausseite wurde später auf den historischen Kies ein weiß-gelblicher Kies mit der Korngröße 6-8
mm hinzugefügt. Sichtig ist der historische Kies ausschließlich auf der östlichen Seite des oberen Haupt-
weges. (s. Grundriss, Katalog I Planwerk)
Berlin-Zehlendorf
Steingartenanlage Schillerstraße 10
3 Bauforschung
3.2 Elemente der Anlage
3.2.2 Trockenmauern
Langgestreckte Stützmauern setzen die Architektur des Hauses terrassenartig in die Tiefe fort. Die 30 bis
50 cm hohen Trockenmauern sitzen ohne Gründung einschalig in ein bis drei Steinschichten auf dem
Erdreich auf.
Der verwendete Naturstein stammt aus dem Rüdersdorfer Kalksandsteinbruch.
Die Abdecksteine des einschaligen Mauersystems werden teils von Bodendeckern der Pflanzbeete über-
wuchert.
Das Entwässerungssystem ist für die gesamte Anlage mit einem Gefälle in Richtung Überlaufbecken aus-
gerichtet. Dadurch ist auch keine Drainage für die einzelnen Ebenen mehr nötig.
Körting gestaltet die Sichtseite der Trockenmauern mit der naturbelassenen Bruchsteinkante. Der Stein hat
durchgängig einen weißen bis hellgrauen Farbton.
Die einzelnen Mauern der Terrassen laufen in ca. ein Meter breite Natursteintreppen aus die einerseits
zum Begehen des Natursteinweges dienen, sowie andererseits zum Ranken der Pflanzen. Die Naturstein-
treppen sind mit einem Versatz von ca. fünf cm ohne Hinterfütterung auf den Mutterboden verlegt.
Die fünf goldenen Regeln des Trockenmauerbaus:
1. Setzen Sie die Steine so, dass jeder Stein seine beiden Nachbarsteine berührt, denn Lücken ge-
fährden die Stabilität.
2. Achten Sie darauf, dass die Steine versetzt platziert werden, damit keine über mehrere Schichten
durchlaufenden Stossfugen entstehen. „Ein Stein auf zwei, zwei Steine auf einen“ lautet die Regel.
3. Füllen Sie alle Hohlräume zwischen und unter den Bausteinen minutiös mit Füllsteinen....
Je kompakter, desto besser!
4. Setzen Sie die Mauer so, dass deren Oberfläche immer waagerecht liegt. Ist die nicht der Fall,
müssen Sie sie mit Keilen (spitzen Steinen) in die gewünschte Lage bringen.
5. Kontrollieren Sie immer wieder die Richtschnur um sicher zu gehen, dass sich Steine und Richt-
schnur nicht berühren. Sonst wird die Schnur herausgedrückt und dadurch die Form der Mauer
verändert.
5
Anmerkungen
5 Stiftung UmweltEinsatz Schweiz (Hrsg.): Trockenmauern, Steffisburg 1996, S. 22
Berlin-Zehlendorf
Steingartenanlage Schillerstraße 10
3 Bauforschung
3.2 Elemente der Anlage
3.2.2 Trockenmauern
Abb. 9: Detailaufnahme Trockenmauer, Ansicht Nord
Abb. 8: Detailaufnahme Trockenmauer, Ansicht Süd
msd-2005-07-cs.indd 58msd-2005-07-cs.indd 58 24.01.2007 18:52:0224.01.2007 18:52:02
Prozessfarbe SchwarzProzessfarbe Schwarz
59
Arbeitsproben – Gartendenkmalpflege: Befunddokumenation
Berlin-Zehlendorf, Garten Springer, Befunddokumentation - Bauforschung, MSD 2005-07.
Berlin-Zehlendorf
Steingartenanlage Schillerstraße 10
3 Bauforschung
3.2 Elemente der Anlage
3.2.3 Wasserspiel
Abb. 13: Ansicht Wasserspiel, Blickrichtung Süd-Ost
Abb. 10: Ansicht Wasserspiel, Blickrichtung Süd Abb. 11, 12: Hahneinfassung (oben)
Wasserbassin (unten)
Abb. 14, 15: Mittelfontäne (oben)
Wasserspeier (unten)
Berlin-Zehlendorf
Steingartenanlage Schillerstraße 10
3 Bauforschung
3.2 Elemente der Anlage
3.2.3 Wasserspiel
Das Wassersystem mit seiner zentralen Ausrichtung ist ein wesentliches Gestaltungselement des Gartens.
Es befindet sich in der Mittelachse der Steingartenanlage und setzt sich aus zwei terrassenartig angelegten
Becken und einem verbindenden, brückenartig ausgebildeten Zulaufbassin zusammen.
Perspektivische Wirkung der Anlage
Das Wasserspiel fließt aufgrund der terrassenförmigen Anordnung der Becken kaskadenförmig zum Haus
hin. Dies wird im Zentrum des Senkgartens durch die Absenkung des Terrains um etwa 2,40 m sowie
im hinteren Teil durch die Anhebung des Geländes um etwa 0,50 m über das normale Niveau hinaus
erreicht.
Durch diese vertikale Gliederung der Anlage entsteht eine gewollte perspektivische Tiefengliederung, so
dass der Garten für den Betrachter optisch größer wirkt.
Darüber hinaus unterstreicht das zentral im Garten zwischen beiden Wasserbecken positionierte schmie-
deeiserne Gitter durch seine auf etwa 2/3 verkleinerte Größe diese optische Wirkung.
Der Weg des Wassers
Der Zulauf des Wassers wurde durch eine vermutlich vom Haus aus verlegte Frischwasserleitung ge-
währleistet, welche frostsicher verlegt ist und deren Ende sich oberhalb des oberen Beckens im hinteren
Bereich der Gartenanlage befindet. Den Übergang vom frostsicher verlegten zum frostgefährdeten Teil
der Zulaufleitung bildet ein Absperrventil, welches von einer kleinen Metalleinfassung mit Metalldeckel
umgeben ist. Diese Einfassung war im historischen Wegeprofil ursprünglich ebenerdig verlegt, so dass
sie durch das heute deutlich höhere Erdniveau verdeckt war.
Nach Aussage des Eigentümers erfolgte der Zulauf des Wassers nicht permanent sondern nur zeitweise zu
besonderen Anlässen. Dies geschah über eine Muschel aus Bronze am hinteren Beckenrand.
Einige historische Abbildungen aus der Zeit kurz nach der Fertigstellung der Anlage lassen jedoch eine
andere Zuführung des Wassers über eine kleine Mittelfontäne erkennen, deren Rohrende in der Mitte des
Beckengrundes noch heute deutlich sichtbar ist.
Über einen mittig angeordneten Auslauf an der Außenseite des oberen Beckens wird das Wasser in den
brückenartig überbauten Zulauf des darunter liegenden Wasserbassins geleitet.
Im unteren quer oblongen Becken angekommen, wird das Wasser in einer gestalteten Überlaufzone den
Pflanzen zugeführt.
Berlin-Zehlendorf
Steingartenanlage Schillerstraße 10
3 Bauforschung
3.2 Elemente der Anlage
3.2.3 Wasserspiel
Gestaltungsmerkmale
Das obere ca. 3 x 3 m große Wasserbecken sowie der brückenartig ausgebildete Zulauf sind in Ziegel-
mauerwerk mit handgestrichenen Rathenower Ziegeln ausgeführt. Deren exakte Art der Ausführung als
Sichtmauerwerk in Läufer- Binderverlegung stellt einen deutlichen gestalterischen Kontrast zum umliegen-
den Trockenmauerwerk aus grob behauenen Kalksteinen dar. Durch die Verwendung des Ziegelmauer-
werkes im Zentrum der Anlage wird die strenge symmetrische Gliederung des Gartens optisch unterstri-
chen.
Der Grund des oberen Beckens ist aus flach gelegten Ziegelsteinen im Ellebogenverband erstellt. Diese
Art der Ausbildung des Bodens durch einen Schmuckverband hatte die optische Aufwertung des zumeist
wasserfreien Beckens zum Ziel. Derzeit ist das Bassin mit einer blau gefassten Abdichtungsschlämme
versehen, deren Zustand ruinös ist.
Eine Fundamentierung des Beckens konnte nicht gefunden werden. Stattdessen befindet sich unter der
gemauerten Bodenschicht eine weitere Mauerschicht aus Ziegeln, welche lediglich auf gewachsenem
Boden aufliegt.
Gestützt werden die gemauerten Beckenwände des oberen Beckens von außen durch eine Betonbö-
schung als Rückenstütze. Diese liegt unter Erdniveau und ist somit nicht sichtbar.
Der vordere, parallel zur Villa gerichtete Beckenrand ist zusätzlich durch eine vorgestellte Ziegelmauer zur
Ausbildung einer Pflanzleiste zweischalig gestaltet.
Das untere, etwa 9,90 x 2,40 m große Becken befindet sich an der tiefsten Stelle des Senkgartens. Das in
seiner Längsausrichtung parallel zum Haus liegende quer oblonge Becken ist allseitig von grob behaue-
nen Randsteinen aus Kalksandstein mit anschließender Überlaufzone umgeben.
Der brückenartig gestaltete, ebenfalls gemauerte Zulauf des unteren Beckens bildet architektonisch das
Bindeglied zwischen der streng gefassten Form des oberen Beckens und dem darunter liegenden, natur-
nahen und ausufernden Wasserbecken.
Die Ausbildung einer etwa 25 cm hohen umlaufenden Sockelzone erfolgt durch die Verblendung der
gemauerten Wände mit einer ca. 3 cm breiten Putzkante.
Ein integriertes schmiedeeisernes Gitter zwischen den Stirnflächen beider Seitenwände des Zulaufs unter-
streicht, als ein zentrales Gestaltungselement des Gartens, die perspektivische Wirkung der Anlage.
Die für das Wassersystem notwendigen Elemente des Ein- und Auslaufes sind künstlerisch aufwendig in
Bronze gestaltet. Den oberen Zulauf bildet eine Muschel mit einem ehemals aufsitzendem Fisch, welcher
als Wasserhahn fungierte und abnehmbar war. Den unteren Auslauf bildet ein ca. 32 cm langes orna-
mentiertes Rohr, auf welchem sich ehemalig ein stehendes Pferd befand.
Im nachfolgenden Katalog sind die einzelnen Bronzeelemente tabellarisch aufgelistet und beschrieben.
Berlin-Zehlendorf
Steingartenanlage Schillerstraße 10
3 Bauforschung
3.2 Elemente der Anlage
3.2.3 Wasserspiel
Abb. 17: Hahneinfassung mit Absperrhahn
Abb. 16: Schnittdarstellung Wassersystem, Ein- und Auslauf
Abb. 18: Detail Absperrhahn
msd-2005-07-cs.indd 59msd-2005-07-cs.indd 59 24.01.2007 18:52:0724.01.2007 18:52:07
Prozessfarbe SchwarzProzessfarbe Schwarz
60
Arbeitsproben – Gartendenkmalpflege: Schadenskartierung
Berlin-Zehlendorf, Garten Springer, Schadenskartierung, MSD 2005-07.
Berlin-Zehlendorf
Steingartenanlage Schillerstraße 10
4 Dokumentation vorhandener Schäden
(3)
(2)
(6)
(5)
Abb. 39-41: Schäden am Bruchsteinmauerwerk
Abb. 36-38: Schäden am Ziegelmauerwerk (1)
(4)
Berlin-Zehlendorf
Steingartenanlage Schillerstraße 10
4 Dokumentation vorhandener Schäden
Besonderes Augenmerk wurde bei der Schadenserfassung auf das Ziegelmauerwerk und die Trocken-
mauern gelegt. Hier erfolgte eine genaue Schadenskartierung (s. Anlage Katalog II, Schadenkartierung).
Diese bildet unter anderem die Grundlage für eine spätere Maßnahmenplanung.
Für das Trockenmauerwerk konnten folgende Schäden festgestellt werden:
Die häufigsten Schäden am Ziegelmauerwerk sind:
Ziegelmauerwerk Schäden Mögliche Ursachen
- Biogener Bewuchs/Vegetation - mangelnde Pflege
Beispiel (1) - Desolate Fugen/ - Witterungseinfluss
Offene Fugenflanken (biogener Bewuchs) - Sprengung durch Vegetation
- Fehlstelle (aktives Schadbild) - Witterungseinfluss
- Fehlstelle (passives Schadbild) - Mechan. Einwirkungen
Beispiel (2) - Risse/Rissbildungen
Beispiel (3) - Verformung durch Schubkräfte (horizontal)
- Fehlender Verbund
Trockenmauerwerk Schäden Mögliche Ursachen
(Kalksandstein)
Beispiel (4) - Biogener Bewuchs/Vegetation - mangelnde Pflege
Beispiel (5) - Fehlstelle - Spontanvegetation/Wildwuchs
Beispiel (6) - Bruch - Witterungseinfluss
- Risse/Rissbildungen
- Schräglage/Kipplage
- Absenkung
Berlin-Zehlendorf
Steingartenanlage Schillerstraße 10
Wassersystem Schäden Mögliche Ursachen
Beispiel (7) - undichtes Wasserbassin (Risse) - mangelnde Pflege, Wurzel-
sprengung
- Baukonstruktive Ursachen
- Mechan. Ursachen
- fehlende Bronzeelemente
Wegesystem Schäden Mögliche Ursachen
Beispiel (8) - Kiesschicht überwachsen von Grasnabe - mangelnde Pflege
- Wegegefälle erodiert - Spontanvegetation/Wildwuchs
- Erosion
Vegetation Schäden Mögliche Ursachen
- Spontanvegetation/Wildwuchs mangelnde Pflege
4 Dokumentation vorhandener Schäden
Berlin-Zehlendorf
Steingartenanlage Schillerstraße 10
Abb. 43: Schäden am Wegesystem
Abb. 42: Schäden am Wasserbecken (7)
(8)
4 Dokumentation vorhandener Schäden
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61
- Dr.-Ing. Udo Bode
Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-
Anhalt
IV Historische Baukonstruktionen I und II
- PD Dr. Christoph Brachmann
FG Kunstwissenschaft
VL Kunst des 14. Jahrhunderts
VL Französische Architektur der Neuzeit
- Univ.-Prof. Dr. Adrian von Buttlar
FG Kunstwissenschaft
- Univ.-Prof. Dr.-Ing. Johannes Cramer
FG Bau- und Stadtbaugeschichte
VL Faszination Antike – Renaissance, Barock, Klassizismus
VL Architektur im Bestand
SE Baustelle Denkmal
- Dipl.-Ing. (FH) Thorsten Dame
PIV Städtebauliche Denkmalpflege I und II
IV Einführung in die Industriedenkmalpflege I und II
- Dr. Thomas Drachenberg
Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und
Archäologisches Landesmuseum
IV Denkmalpflege und Restaurierung in der Praxis
- Univ.-Prof. Dr.-Ing. em. Klaus Dierks
VL Tragwerkslehre für Denkmalpfleger und Kunsthistoriker
- Prof. Dr. Gabi Dolff-Bonekämper
FG Denkmalpflege
VL Geschichte und Theorie der Denkmalpflege
VL Stadtbaugeschichte
- Dipl.-Ing. Wolfgang Frey
SE Methoden erhaltender Objektsanierung
- Dr. Michael Gauß
SE Kommunikationstechniken
- Dr.-Ing. Frank Gielsdorf
FG Geodäsie und Ausgleichungsrechnung
IV Geodäsie für Denkmalpfleger
- Jürgen Giese M.A.
FG Historische Bauforschung, Masterstudium Denkmalpflege
PJ Bauaufnahme
PJ Bauaufmaß und Dokumentation
IV Geodäsie für Denkmalpfleger
- Univ.-Prof. Dr.-Ing. Lothar Gründig
FG Geodäsie und Ausgleichungsrechnung
- Prof. Dr. Jörg Haspel
Landeskonservator, Landesdenkmalamt Berlin
VL Denkmalkunde
- Univ.-Prof. Dr.-Ing. Olaf Hellwich
FG Computer Vision and Remote Sensing
- Dr. Gisela Holan
Staatliche Museen zu Berlin (SMB), Bau, Technik, Innere Dienste
IV Denkmalpflege in der Praxis
- PD Dr. Annemarie Jaeggi
FG Kunstwissenschaft
VL Wohnbauten der Weimarer Republik
- Dr. Ruth Klawun
Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und
Archäologisches Landesmuseum
PIV Städtebauliche Denkmalpflege I und II
- Dr. Christof Krauskopf
Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und
Archäologisches Landesmuseum
SE Einführung in die Archäologie
- Univ.-Prof. Dr. Johannes Küchler
ehem. FG Geschichte und Theorie der Landschaftsentwicklung
- Univ.-Prof. Cordula Loidl-Reisch
FG Landschaftsbau-Objektbau
- Prof. Dr.-Ing. Gert Th. Mader
Exkursion Bauforschung in Bayern
- Prof. Dr. Christoph Merzenich
FH Erfurt, Fachbereich Konservierung und Restaurierung
PIV Architektur- und Raumfassungen
- Dr.-Ing. Thomas Nitz
PIV Einführung in die Archivforschung
VL Einführung in die Dendrochronologie
- Dr.-Ing. Caroline Rolka
FG Landschaftsbau-Objektbau
PIV Gartendenkmalpflege I und II
- Univ.-Prof. Dr.-Ing. Klaus Rückert
FG Tragwerksentwurf und -konstruktion
- Univ.-Prof. Dr.-Ing. Dorothée Sack
FG Historische Bauforschung, Masterstudium Denkmalpflege
PJ Bauaufnahme
PJ Bauaufmaß und Dokumentation
Ü Perzeption und Präsentation
VL Methoden der Bauforschung
VL Die orientalische Stadt zwischen Heute und Gestern
- Univ.-Prof. Dr. rer.-pol. Rudolf Schäfer
FG Baurecht und Bauverwaltungslehre
VL Rechtliche Grundlagen des Denkmalwesens
- Dr. Stefan Simon
Saatliche Museen zu Berlin (SMB), Rathgen-
Forschungslabor
SE Methoden erhaltender Objektsanierung
- Dr. Sc.tec. Philipp Speiser
FG Bau- und Stadtbaugeschichte
IV Denkmalpflege im ländlichen Raum
SE Theorien der Denkmalpflege
- Daniela Spiegel M.A.
FG Historische Bauforschung, Masterstudium Denkmalpflege
PJ Bauaufnahme
PJ Bauaufmaß und Dokumentation
PIV Inventarisation - Raumbuch
Ü Perzeption und Präsentation
- Dr. Jürgen Tietz
IV Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten und das
Verfassen wissenschaftlicher Texte
- Prof. Dr.-Ing. Karsten Westphal
PIV Sanierungstechnologien I und II
- Dipl.-Ing. Albert Wiedemann
PIV Photogrammetrie für Denkmalpfleger
Verzeichnis der Dozenten und Förderer des MSD 2005-07
Abkürzungen
FG Fachgebiet
IV Integrierte Veranstaltung
PJ Projekt
PIV Projektintegrierte Veranstaltung
SE Seminar
Ü Übung
VL Vorlesung
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62
Merseburg-Exkursion, 20. – 21. Oktober 2005
Alljährlich steht ganz am Beginn des Studiums eine zweitägige Exkursion, die dem gegenseitigen Kennenlernen
dient und bereits an Fragestellungen und Methoden der Historischen Bauforschung heranführt. Um dieses Ziel
zu erreichen, hat sich der Besuch der malerisch an der Saale gelegenen Bischofsstadt Merseburg bewährt, wo
wir uns intensiv mit der Baugeschichte des dortigen Domes auseinandersetzten.
Der erste Tag galt der Einführung in die bauforscherischen Methoden der Betrachtung und Analyse von
Architektur. Den Studierenden wurde deutlich, wie bereits die einfachen Methoden der genauen Beschreibung
und detaillierten Beobachtung maßgeblich zur Entschlüsselung von Bauphasen beitragen können. Unter
der Anleitung von Dorothée Sack und Daniela Spiegel wurden genaue Beobachtungen am Westbau, an
den Langhausfassaden, der Bischofskapelle und im Innern des Domes angestellt. Einen Einblick in die
Gefügeforschung ermöglichte der von Jürgen Giese geführte Rundgang durch das Dachwerk.
Dieselben Methoden wurden dann am zweiten Tag auf den an den Dom anschließenden Kreuzgang angewandt,
wo es den Studierenden in Gruppenarbeit gelang, die wichtigsten Etappen seiner komplizierten Baugeschichte
nachzuvollziehen.
Mader/ Franken-Exkursion, 24. – 27. April 2006
Letztmalig wurde unsere alljährliche Exkursion nach Franken in diesem Jahr von Prof. Dr.-Ing. Gert Mader
geleitet, den wir in den wohlverdienten Ruhestand verabschieden mussten. Seit Beginn des Aufbaustudiengangs
Denkmalpflege der TU Berlin hatte der ehemalige Leiter der Abteilung ‚Bauforschung’ im Bayerischen Landesamt
für Denkmalpflege mit Begeisterung mit den Studierenden abgeschlossene und laufende Denkmalbaustellen
besucht, um die komplexen Probleme der Restaurierung und Sanierung von Baudenkmälern direkt am Objekt
zu erörtern. In brisanten Diskussionen forderte er stets die Studierenden auf, Maßnahmen und Ergebnisse
kritisch zu hinterfragen.
Themenschwerpunkte waren auch dieses Jahr wieder Haustein- und Dachwerksanierungen. Zur Einstimmung
in das erste Thema begann die Exkursion auf der Kronacher Festung Rosenberg mit praktischen Übungen zur
Erfassung historischer Steinbearbeitungen. Am nächsten Tag wurde die Ruine der Burg Altenstein besucht,
um unterschiedliche Probleme der Ruinensicherung sowie der touristischen Erschließung des Geländes zu
diskutieren. Am Nachmittag fuhren wir zum Zisterzienserkloster Birkenfeld, an dessen Werksteinfassaden
unterschiedliche Restaurierungskonzepte im Vergleich beobachtet und bewertet werden konnten. Der dritte
Tag, den wir in Bad Windsheim verbrachten, war dem zweiten Themenfeld der Dachwerksanierung gewidmet.
Dort besuchten wir verschiedene Dachwerke, die besonders behutsame Sanierungen erfahren haben. Die
Führung wurde begleitet von Walter Schwarz vom Büro Liebberger & Schwarz, der als Tragwerksplaner einige
dieser Dachsanierungen geleitet hat. Den letzten Tag empfingen uns die Architekten Andreas Konopatzki und
Eduard Knoll in Rothenburg ob der Tauber, um uns verschiedene ihrer Restaurierungs- und Sanierungsprojekte
vorzustellen.
Abschluss-Exkursion Erzgebirge, 24. – 27. Juli 2006
Zum Abschluss des Sommersemesters besuchen wir im Rahmen einer Exkursion stets eine Denkmalregion mit
dem Ziel, innerhalb eines begrenzten Kulturkreises an unterschiedlichen Objekten denkmalpflegerische und
bauforscherische Fragestellungen mit den jeweils zuständigen Fachleuten zu diskutieren. Die Exkursion wurde
wieder von unserem Kollegen und Absolventen des 3. Jahrganges (2000-2002) Dipl.-Ing. Mike Schnelle in
bewährter Weise organisiert und führte uns dieses Jahr in die Bergbaustädte des Erzgebirges.
Anhand von Denkmälern in Schwarzenberg, Beierfeld, Schneeberg und Annaberg-Buchholz konnten wir teilweise
sehr unterschiedliche Sanierungskonzepte besichtigen und mit den dortigen Architekten und Denkmalpflegern
diskutieren. Einen sehr unmittelbaren und erlebnisreichen Einblick in die Entwicklung des Bergbaus in dieser
Region konnten wir beim Einfahren in die Zinngrube „Sauberger Stollen“ gewinnen. Wieder über Tage genossen
wir bei herrlichem Sommerwetter schließlich eine Führung durch den Park des Schlosses Lichtenwalde, wo uns
die kürzlich abgeschlossenen gartendenkmalpflegerischen Sanierungsmaßnahmen erläutert wurden.
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64
Qatna/ Syrien, Untersuchung zur Restaurierung von
Lehmziegelbauten des 3. bis 1. Jahrtausends v. Chr.
Fidaa Hlal B.A.
Resafa / Syrien, Basilika A – Untersuchungen zur
Standsicherheit der Apsis
Dipl.-Ing. Wilfried Wolff
Antiochia (Antakya) / Türkei, Stadtmauer
Bestandsdokumentation und Bauforschung am
„Eisernen Tor“
Dipl.-Rest. Andrea Banea, Dipl.-Ing. (FH) Björn Grimm
Daphne (Antakya) / Türkei, Das Megalopsychia-
Mosaik und sein architektonischer Kontext
Bestandsaufnahme, Bauphasen, Restaurierungskonzept
Dipl.-Rest. (FH) Magdalena Baur
Stvolínky (Drum) / Tschechien, Allerheiligenkirche
Baudokumentation und Bauforschung
Dipl.-Ing. (FH) Helena Ammerich, Mgr. Eliška Fechnerová,
Dipl.-Archäologin Zoi Spyranti
Berlin-Mitte, Ehemalige Jüdische Mädchenschule
Ein Schulgebäude der Neuen Sachlichkeit in der
Spandauer Vorstadt
Dipl.-Ing. Ana Criado del Arco, Dipl.-Ing. (FH) Kirsten Reiß
Berlin-Brandenburg, Grenzlandschaft Dreilinden
Geschichte, Bestandserfassung und Denkmalwert
Dipl.-Ing. (FH) Jens Meier, Dipl.-Ing. Jocelyn Oth,
Tobias Wolf M.A.
Verzeichnis der Abschlussarbeiten des MSD, Jahrgang 2005-07
Die Abschlussarbeit wird im dritten Semester des Masterstudiums Denkmalpflege erstellt. Darin soll gezeigt
werden, dass die Studierenden des MSD in der Lage sind, Fragestellungen der Denkmalpflege selbstständig
nach praktischen und wissenschaftlichen Methoden und Erkenntnissen zu bearbeiten.
Die Fragestellung der Abschlussarbeit wird in Absprache mit den betreuenden Professoren festgelegt und in
einem Zeitraum von vier Monaten bearbeitet. Die Arbeit kann einzeln oder – abhängig vom Umfang des zu
bearbeitenden Themas – auch in Form einer Gruppenarbeit angefertigt werden.
Die Abschlussarbeiten können im Fachgebiet Historische Bauforschung, Masterstudium Denkmalpflege einge-
sehen werden. Die Urheberrechte liegen bei den Autoren.
Die Absolventen erstellen Poster von ihren Abschlussarbeiten, auf denen die wesentlichen Ergebnisse zusam-
mengefasst werden. Diese werden im folgenden veröffentlicht, um die Ergebnisse der Arbeiten bekannt zu
machen und den wissenschaftlichen Austausch zu ermöglichen.
In diesem Jahr haben nicht alle Studierenden das Masterstudium Denkmalpflege abgeschlossen. Bei der Über-
sicht auf S. 78 wird deshalb zwischen Teilnehmern und Absolventen unterschieden. Einige der syrischen Studie-
renden haben noch die Gelegenheit die Kurse nachzuholen, die sie durch die Teilnahme an einem intensiven
Sprachkurs zur Verbesserung der erforderlichen Deutsch-Kenntnisse im vergangenen Jahr nicht belegen konn-
ten, andere Studierende haben das Studium – bedingt durch Schwangerschaft oder andere Verpflichtungen
– einige Zeit ausgesetzt. In beiden Fällen werden die Studierenden ihre Abschlussarbeit mit einem anderen
Jahrgang zu Ende bringen und ihre Ergebnisse in dem Jahrbuch des jeweiligen Jahrgangs vorstellen können.
Potsdam-Sanssouci, Der Bauschmuck des
Ensembles Neues Palais.
Exemplarische Bestandserfassung und Maßnahmen-
planung an der Kolonade.
Dipl.-Rest. (FH) Suleika Behan
Potsdam-Sanssouci, Das Stibadium im Paradiesgarten
Baudokumentation und Sanierungsvorplanung
Dipl.-Ing. (FH) Stefan Edelhoff, Martin Sählhof M.A.,
Dipl.-Ing. Andreas Salgo
Potsdam-Sanssouci, Die Pergola der Villa Liegnitz
Bestandsdokumentation, Bauforschung und
Sanierungskonzeption
Dipl.-Ing. (FH) Markus Bunke, Dipl.-Ing. (FH) Kristina
Eisenacher
Brandenburg/ Havel, St. Johannis – Die ehemalige
Franziskanerkirche und ihre nördlichen Anbauten
Dokumentation und Bauforschung
Stephanie Herold M.A., Dipl.-Ing. Ulrike Schmitz
Burg/Spreewald, Zweite Kolonie, Galeriestall von 1786
Bestandsdokumentation, Schadenskartierung,
Bauforschung
Dipl.-Ing. Michaela Gohlke
Dortmund-Derne, Ehemalige Zeche Gneisenau
Bestandsdokumentation und Überlegungen zur
Umnutzung einer denkmalgeschützten Maschinenhalle
Dipl.-Ing. (FH) Sonja Palmer
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65
QATNA / SYRIEN, UNTERSUCHUNG ZU DER RESTAURIERUNG VON
LEHMZIEGELBAUTEN DES 3. BIS 1. JAHRTAUSENDS V. CHR.
Zur Problem- und Zielstellung
Bis heute gibt es in Syrien keine wirksamen, me-
thodisch fundierten Erhaltungsmaßnahmen, um
die bei archäologischen Grabungen freigelegten
Lehmziegelgebäude oder ihre Reste zu bewah-
ren. Ziel der Masterarbeit war es daher, neue Er-
kenntnisse für einen dauerhaften Erhalt dieser bei
archäologischen Grabungen freigelegten Lehmzie-
gelbauten zu gewinnen. Die Masterarbeit umfasste
folgende Schritte:
- Erarbeitung eines Überblicks über die allgemeinen
und lokal spezifischen Probleme bei der Restau-
rierung von Lehmziegeln in den archäologischen
Stätten Syriens.
- Analyse der unterschiedlichen Restaurierungsansät-
ze an verschiedenen Ausgrabungsorten in Syrien.
- Untersuchung der Haltbarkeit der verwendeten
Materialien und der jeweiligen Vor- und Nachteile
der verschiedenen Restaurierungsmethoden.
Allgemeine Schäden an historischen Lehmziegeln
- Auswaschung der Oberfläche der Lehmziegel
- Erosion und Zerstörung des Mauerwerks
- Tiefe und lange Risse im Mauerwerk
- Salzausblühungen.
Allgemeine Ursachen der Schäden
- Die Hauptursache der Schäden sind die natürli-
chen Zerstörungskräfte der Verwitterung.
- Bewuchs schadet dem Lehmziegelbauwerk
durch das sich ausdehnende Wurzelgeflecht.
- Größere Tiere zertrampeln die Lehmziegel, In-
sekten fressen die Häckselzuschläge.
- Durch Menschen verursachte Schäden sind
zum Einen auf Bewohner, zum Anderen auf
Besucher der historischen Stätten zurückzufüh-
ren. Nicht zuletzt sind wissenschaftliche Unter-
suchungen bzw. archäologische Ausgrabungen
Ursache für Schäden/ Störungen der ursprüng-
lichen Befunde.
- Für Lehmziegelmauern mit direktem Erdkontakt
ist aufsteigende Bodenfeuchtigkeit ein Problem.
Fidaa Hlal, MSD 2005-07
TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN, FAKULTÄT VI, INSTITUT FÜR ARCHITEKTUR
UNIV.-PROF. DR.-ING. DOROTHÉE SACK, FACHGEBIET HISTORISCHE BAUFORSCHUNG, MASTERSTUDIUM DENKMALPFLEGE,
Restaurierungsmaßnahmen
An vielen Ausgrabungsstätten wird eine Kombi-
nation verschiedener Restaurierungstechniken
verwendet. Im Folgenden werden die verbrei-
tetsten dieser Techniken vorgestellt.
- Auftrag weiterer Putzschichten (Lehm-Häcksel-
Schicht und Kalkschicht) auf das historische
Mauerwerk , z. B. Tall Mardich (Tall Mard)
/ Ebla.
- Die Errichtung von Schutzkonstruktionen (Eisen-
gerüste mit Zeltstoff) , z. B. Tall Mozan / Urkeš1.
- Abtragung des originalen Mauerwerks und
Wiederaufbau mit neuen Lehmziegeln
z. B. Tall Baidar / Nabada
- Ersetzen der schadhaften Lehmziegel durch
neue Lehmziegel oder durch Zement und Kies
z. B. Tall Hariri (Tall arr) / Mari2.
- Auftrag eines modifizierten Lehmputzes (Lehm-
Acronal S 650- Dryssoil) auf einem zusätzlichen
Putzträger, es erfolgt kein Verbund mit dem dar-
unter liegenden Mauerwerk , z.B. Tall Schech
Hamad (Tall Šē amad) / Dr Katlimmu3.
Salzausblühungen
Aushöhlung wegen aufsteigender
Bodenfeuchtigkeit
Absandung und
Erosion des
Mauerwerks
Tall Harr /Mari Schäden des Lehmziegelmauerwerks
Tall Mard / Ebla, 2006. Neue Kalkputzschicht.
Tall Mozan/ Urkeš, 2002. Eisen-Zeltmaterial-Konstruktion und die
Fenster des Zeltmaterials (nach G. Buccellati).
Tall arr / Mari, 2006. Verschiedenen Restaurierungsmaßnahmen.
1 G. Buccellati/ M. Kelly-Buccellati:Überlegungen zur funktionellen und historischen Bestimmung des Königspalastes von Urke, Bericht über die 13.
Kampagne in Tall Mozan Urke: Ausgrabungen im Gebiet AA, Juni-August 2000, in: Mitteilungen der deutschen Orient-Gesellschaft zu Berlin. 133
(2001) S. 59- 76.
2 M. Bendakir - J.C. Margueron - F. Vitoux: Erhaltungsmaßnahmen für die Lehmziegelarchitektur. Bericht über den Stand der Forschungen in: Mari, in
Baghdader Mitteilungen. Band 34. 2003. S. 165-179.
3 Frank Gerdesmeier: Bauwerkserhaltung in: Tell Schech Hamad, Kampagnen 2003 / 2004, Dezember 2004.
Die Restaurierung eines Lehmziegelpalasts,
das Beispiel Tall Mishrife (Tall Mišrife)/Qatna
Die Baukonstruktion des Königspalasts (von ca.
1700 v. Chr. bis ca. 1340 v. Chr.) ist nach heu-
tigem Forschungsstand einmalig im Alten Ori-
ent. Durch das Anordnen von Horizontal- und
Vertikalsteinschichten wurde hier versucht, das
Lehmziegelmauerwerk vor Feuchtigkeit zu schüt-
zen. Dennoch ist die Ruine durch einen großen
Verlust des Lehmziegelmaterials und geschädigte
Fußböden gekennzeichnet, da die Stadt in einer
niederschlagsreichen Region Syriens liegt.
Um die Ruine zu bewahren, wurden folgende
Maßnahmen ergriffen: Die Lehmziegelfundamen-
te wurden bis zur unteren Fußbodenkante mit den
Steinverblendungen an beiden Seiten wiederauf-
gebaut. Darauf wurden die Lehmziegelmauern bis
zu einer Höhe von 60cm errichtet und verputzt.
Die erste Ziegellage ist aus Lehm, Häcksel und
20% Luftkalk, die weiteren aus Luftkalk, Häcksel
und Ocker. Die Fußbodenfundamentierung wur-
de mit Stampflehm und einer darauf liegenden
Kiesschicht ergänzt. Für den Wiederaufbau wur-
den neuen Lehmziegel hergestellt.
Die Herstellung der Besucherwege sowie die Um-
zäunung der Ausgrabungs- und Restaurierungs-
bereiche wird noch diskutiert.
Fazit
Die Restaurierungsarbeiten archäologischer
Stätten mit Lehmziegelarchitektur müssen mit
Berücksichtigung der folgenden, unterschiedli-
chen Bedingungen ausgeführt werden:
- Äußere Einwirkungen
- Baumaterialien
- Baugrundlagenen für die Präsentation archäolog.
Stätten.
Im Bereich archäologischer Ausgrabungsstätten
beruht die Qualität einer Restaurierung (außer der
Maßgabe des Erhalts der historischen Substanz
und Materialien) auch auf dem Erscheinungsbild
und der Ästhetik des Ruinencharakters.
Eine effektive Restaurierung ist nach den denk-
malpflegerischen Standards und den Kapazitäten
eines Restaurierungsprojektes zu planen.
Tall Mišrife/ Qatna, 2003. Raum F. Substanzverlust
Fußbodenfundament
Fußboden aus Kalkmörtel
Steinverblendung
Reste der Mauer-
fundamente
Tall Mišrife/ Qatna, 2004. Raum F. Wiederaufbau und Verputzen.
Tall Šē amad, 2003. Modifizierter
Lehmputz(3)
Tall Šē amad, 2003.
Putzträger(3)
Übersicht der untersuchten archäologischen Stätten in Syrien
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66
Zielstellung
Das Projekt „Resafa intra und extra muros – Pilger-
stadt und Kalifenresidenz“ ist am FG Historische
Bauforschung angesiedelt und wird unter der Leitung
von Univ.-Prof. Dr.-Ing. Dorothée Sack durchgeführt
(s.a. S. 18-23).
In der vorliegenden Arbeit soll die Standsicherheit
der Apsis im Osten des Mittelschiffes der Basilika A
untersucht und beurteilt werden.
Hierzu erfolgte im August und September des Jahres
2006 eine Untersuchung vor Ort.
Topographie und Geologie
Die Stadt Resafa liegt am Rande eines Wadi, das
im Südosten von einem flachen Höhenrücken be-
grenzt wird. Die Landschaft ist leicht hügelig.
Geologisch handelt es sich um einen ehemaligen
Küsten- oder Lagunenbereich.
Der Zustand des Baugrundes ist inhomogen mit
Schichtenwasser und Hohlräumen.
RESAFA / SYRIEN, BASILIKA A –
UNTERSUCHUNGEN ZUR STANDSICHERHEIT DER APSIS
Wilfried Wolff, MSD 2005-07
TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN, FAKULTÄT VI, INSTITUT FÜR ARCHITEKTUR
UNIV.-PROF. DR.-ING. DOROTHÉE SACK, FACHGEBIET HISTORISCHE BAUFORSCHUNG, MASTERSTUDIUM DENKMALPFLEGE,
Um die Basilika wurden gegen Ende des 12. Jh.
allseitig große Widerlagerblöcke zur Stabilisie-
rung angeordnet.
Schadensaufnahme 2006
Es wurden folgende typische Schäden erfasst:
- Kippen von Wänden/Pfeilern senkrecht zur
Wandebene und in Wandebene
- Beulen und Schalenbildung von Wänden und
Pfeilern
- Materialversagen
- Absenkung und Fehlen von Schlusssteinen in
Bögen
Schadenschronologie
Der Vergleich historischer Fotos mit neuen Aufnah-
men zeigt den Verlust von Bauteilen für Basilika A
und andere Gebäude. Für Wände und Apsis sind
kaum Veränderungen erkennbar.
Die Schäden sind nach Art und Umfang abhängig
von verschiedenen Einflussfaktoren. Die Ursachen
von Veränderungen müssen in jedem Einzelfall ge-
klärt werden.
Karte Syriens, SYRIA-Historical Places, 2nd Edition 2005
Sindbad printing & Graphic Art est, Damaskus 2005
Ulbert, T., Bartl , K.: Abschlußbericht zur Restaurierung der früh-
christlichen Basilika des Heiligen Kreuzes Basilika A, 2004-2005.
Konservierte Bereiche sind dunkel markiert (Plangrundlage Ulbert 1986)
Ansicht Basilika A von Südosten, 2006
Deutsches Archäologisches Institut
Orient-Abteilung
Podbielskieallee 69-71
14195 Berlin-Dahlem
Resafa-Archiv. Bild Nr. 5-38
Aufnahme 1981
Aufnahme August 2006
Geschichte der Stadt
- Um 300 n. Chr. Märtyrertod des römischen
Offiziers Sergius wegen seines Bekenntnisses
zum christlichen Glauben
- Blüte des Pilgerwesens und der Stadt ab dem
5. u. 6. Jh.
- 1. H. des 8. Jh. Residenz des Kalifen Hisham b.
Abd al-Malik
- Mitte/ Ende 13. Jh. Aufgabe der Stadt in Folge der
Mongoleneinfälle
- um 1691 Wiederentdeckung durch engl. Reisende.
- Anfang 20. Jh. Besuch von F. Sarre/ E. Herzfeld
in Resafa, Bauaufnahmen und kunsthistorische Ein-
ordnung der Bauten von H. Spanner und S. Guyer
- 1952 Beginn der Ausgrabungen unter J. Kollwitz
Baugeschichte Basilika A
- 5. Jh. Vorgängerbau der Basilika A
- 80er Jahre des 6. Jh. Anordnung von kleinen
Doppelbögen in den Weitarkaden
- Ende des 9. Jh. Reparaturen der Apsis
- Ende des 11. Jh. Unterfangung der Westwandarkade
- Ende des 12. Jh. Anordnung von Stützmassiven
Baubeschreibung der Basilika A und ihrer Apsis
Es handelt sich um eine dreischiffige Basilika.
Die Orientierung erfolgt in Ost-West-Richtung.
Im Osten des Mittelschiffes liegt die zu untersu-
chende Apsis.
Für tragende Bauteile wurde hauptsächlich ört-
lich vorkommender Gipsstein in Quadern von
0,80x0,70x0,70 m bis 1,10x0,90x0,90 m ver-
wendet. Die Querschnitte der Säulen aus Kalk-
stein betragen ca. 70 cm.
Materialuntersuchung Steine und Mörtel
Die Steinproben weisen erheblich voneinander
abweichende Eigenschaften hinsichtlich Dichte
(1,0 KN/m³ - 2,6 KN/m³) und Wasseraufnah-
mefähigkeit (bis zu 25%) auf.
Die untersuchten Mörtel lieferten für alle Proben
eine große Porosität und hohe Wasseraufnah-
mefähigkeit. In keinem Fall konnten wasserab-
weisende Eigenschaften nachgewiesen werden.
Statische Betrachtung
Probleme mit der Standsicherheit sind seit der
Errichtung der Basilika A bezeugt.
Erdbeben und schlechter Baugrund sind die we-
sentlichsten Schadensursachen.
Die größten Setzungen im Bereich des Anschlus-
ses zwischen Apsiswand und Südwand betragen
ca. 1,20 m, obwohl die in Vergleichsrechnun-
gen ermittelten Bodenpressungen relativ gering
sind.
Geringe Bewegungen, der Verlust von Substanz
in den Widerlagern oder eine Verringerung des
im Mauerwerk vorhandenen Verbundes können
jedoch zum Kippen von Wänden führen.
Untersuchungsergebnisse
Anzahl und Größe von Rissen nehmen weder
in der Apsis selbst, noch in den angrenzenden
Wänden oder in der Kalotte erkennbar zu.
Unzweifelhaft weisen die Bauteile jedoch erheb-
liche Schadensbilder auf. Da die vorgenannten
Schäden über einen fotografisch dokumentier-
ten Zeitraum von 50, teilweise 90 Jahren keine
nachweisbaren Veränderungen zeigen, scheint
eine unmittelbare Gefährdung der Standsicher-
heit nicht gegeben.
Kurzfristige Maßnahmen
- Entfernen des biogenen Bewuchses auf der
Oberseite der Apsis-Kalotte
- Verhinderung des Eindringens von Wasser in
die Kalotte und die angrenzenden Wände
Langfristige Maßnahmen
- Stabilisierung der Südwand z.B. durch Wieder-
herstellung eines Bogens oder Verrin-
gerung der Auflast
- Bauwerksvermessungen in zwei- bis vierjähri-
gen Abständen
- Schutz des Bauwerkes vor Souvenirmitnahme,
Erkletterung und Ähnlichem
- Messungen zu Temperatur, Luftdruck, Wind,
Luftfeuchte und Niederschlag
- systematische Untersuchung des Baugrundes
- dauerhafte ingenieurmäßige Begleitung der
o.g. Maßnahmen
Detailaufnahmen: Fenster in der Apsis
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Prozessfarbe SchwarzProzessfarbe Schwarz
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ANTIOCHIA (ANTAKYA) / TÜRKEI, STADTMAUER –
Bestandsdokumentation und Bauforschung am Eisernen Tor
Andreea Banea Björn Grimm MSD 2005-07
TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN, FAKULTÄT VI, INSTITUT FÜR ARCHITEKTUR
UNIV.-PROF. DR.-ING. DOROTHÉE SACK, FACHGEBIET HISTORISCHE BAUFORSCHUNG, MASTERSTUDIUM DENKMALPFLEGE,
Abb.3: Der umfangreichste, belegbare Erhaltungszustand um 1930;
oben: die Stadtseite mit dem Fragment der Aquäduktbrücke (rechts);
unten: die Feldseite mit dem deutlich erkennbaren Bogenfragment der
Stauanlage, östl. Tor bis heute zerstört, sonst unveränderter Zustand
Allgemein
Der Chronist Libanius schreibt 358/59:
„Antio-
chia übertrifft Rom, wenn nicht an Größe, so an
Schönheit und Bildung“
1. Nachdem man den Ver-
teidigungsgürtel der Stadt in der Spätantike etwas
enger zog, erreichte die sich im Osten über Ge-
birgskämme hinwegziehende Wehrmauer in der
Parmeniusschlucht eine Höhe von über 30 Metern,
und wird hier das Eiserne Tor genannt (Abb.1).
Über mehrere Jahrhunderte entwickelte sich die-
ses zu einem Multifunktionsbauwerk, welches als
Aquäduktbrücke, Stadttor und Talsperre diente.
Die außerordentliche Bedeutung des Bauwerks für
die heutige Zeit begründet sich darin, dass es der
einzige konkrete Beleg dafür ist, dass bereits die
Römer Bogenstaumauern bauten 2 (Abb.3). Die
Perfektionierung dieses Konstruktionstyps gelang
erst im 20. Jh., wodurch er zur Standardlösung
für besonders hohe Stauanlagen wurde. Aufgrund
dieser Einzigartigkeit, des beeindruckenden Erhal-
tungszustands, der Gefährdung durch Naturkatas-
trophen und Vernachlässigung sowie der Tatsache,
dass es die ihm gewidmete Staufunktion seit rund
1500 Jahren erfüllt, ist das Eiserne Tor ein Kandidat
für die Welterbeliste der UNESCO.
Diese Arbeit ist der vorläufige Abschluss umfang-
reicher Aufmaßarbeiten und bauforscherischer
Untersuchungen an diesem Bauwerk, die im Jah-
re 2004 unter Leitung von Herrn Prof. Dr. Brands
(Universität Halle- Wittenberg) begonnen und seit-
her jährlich durchgeführt wurden. Sie umfasst eine
erstmalig durchgeführte, genaue Beschreibung
und Bauphasenscheidung auf Grundlage bauhis-
torischer Untersuchungen. Bisher galt:
„Not many
remains are left of the `iron gate dam´ to the east
of Antakya“
3. Diese Aussage ist unzutreffend.
Ergebnisse der Bauforschung (Abb.2)
Neben dem fragmentarisch erhaltenen Felskanal
eines Aquädukts, stadtauswärts ca. 200m vom
untersuchten Bauwerk entfernt gelegen, welcher
höchstwahrscheinlich in Verbindung mit einem per
Inschrift 4 datierten Felstunnel über der Petrus- Kir-
che zu sehen und daher wohl Mitte des 3. Jh. v.
Chr. entstanden ist, lassen sich für das Eiserne Tor
selbst, drei wesentliche Bauphasen nachweisen.
Der noch heute in der stadtseitigen Fassade
ablesbare Kalksteinbogen bezeichnet Baupha-
se I. Er war Bestandteil einer Brücke des zweiten
Daphne-Aquädukts 5, welches nach anerkanntem
Forschungsstand Anfang des 2. Jh. unter Trajan
begonnen und später vermutlich durch Hadrian
vollendet oder repariert wurde 6.
Für Bauphase II lässt sich ein Stadtmauerverlauf
in diesem Bereich der Parmeniusschlucht erstmals
nachweisen. Er wurde in einem ersten Bauabschnitt
neben der Wasserleitung errichtet. Sinterungen auf
diesen Bauteilen sind ein weiterer Beleg dafür, dass
man das Aquädukt noch lange Zeit weiternutzte 7.
In einem zweiten Bauabschnitt, mit gleichen ma-
terialspezifischen und konstruktiven Merkmalen,
wurde dieser Mauer feldseitig eine Stauanlage vor-
gesetzt. Einer möglichen Datierung aufgrund des
stilistischen Vergleichs mit der südlichen, theodosi-
anischen Stadtmauer 8, steht die Beschreibung des
Chronisten Prokop gegenüber, der die bergseitige
Verkleinerung der Stadt und den Bau der Stauan-
lage als das Werk Justinians bezeichnet 9. Somit
ergibt sich ein möglicher Datierungsrahmen von
408 bis 553/560 10, wobei der
terminus ante quem
durch die Datierung von Prokops
Bauten
geliefert
wird. Das östliche Tor ist wohl ebenfalls in dieser
Zeit entstanden, auch wenn die Bautechnik eine
andere ist 11.
Die groß angelegte Reparatur zur Wiederherstel-
lung der Stadtmauer nach einem schweren Zerstö-
rungsereignis erfolgte in Bauphase III. Entgegen
bisheriger Vermutungen
12 ist sie keinesfalls eine
antike Baumaßnahme, da hierfür Spolien verwen-
det wurden, die zumindest teilweise von einem
Bauwerk stammen, welches selbst nicht als antik zu
bezeichnen, sondern erst in der Zeit nach der ara-
bischen Eroberung der Stadt entstanden ist. Dieser
terminus post quem
von 639 wird durch eine mus-
limische Inschrift in Kufi belegt 13.
Ausblick
Einige Schadensbilder weisen darauf hin, dass die
Existenz des Eisernen Tores bis in die heutige Zeit
ausschließlich der lediglich periodisch auftretenden
und kurzen Stauseebildung zu verdanken ist. So ist
eine Unterströmung des Bauwerks zu befürchten,
die nur deswegen noch keinen Einsturz verursach-
te, weil es sich während der Trockenzeiten immer
wieder konsolidieren konnte. Untersuchungen
hinsichtlich der Standsicherheit sind schnellstens in
Angriff zu nehmen. Ein Erhalt wird nicht zuletzt da-
von abhängen, inwieweit sich ein Wertegefühl ge-
genüber dem kulturellen Erbe in der Bevölkerung
formen lässt.
1 Libanius gen. Der letzte Grieche, or. XI 270, in Downey,
Water Supply
, S.172
2 Die bisher älteste, erhaltene und baugleiche Bogenstaumauer „Bend-e-Kebar“ in
der Nähe von Teheran/Iran entstand im 11.-13. Jh. Es ist mehr als wahrschein-
lich, dass die Bogenstaumauer von Antiochia das Vorbild für diese Talsperre war
3 Schnitter,
A History of Dams
, Rotterdam/Brookfield, 1994, S.79
4 „COSSVTIVS“ Inschrift - Dat. nach Campbell,
AJA Vol. XLII
1938, S.206
5 Die Quellen des ca. 6 km entfernten „Plateau de Daphne“ wurden seit dem 1.
Jh. zur Wasserversorgung Antiochias herangezogen
6 „Aquädukt des Trajan“ - Wilber,
Antioch on the Orontes II, The Exc...
1933
7 Nach Johannes Phocas nutzte man eines der beiden Daphne- Aquädukte gar bis
ins Mittelalter hinein (bei Wilber, vgl. 6), ob über die gesamte Länge (also auch
am
Eisernen Tor) ist noch zu untersuchen
8 nach Malalas, bei Downey,
A History of Antioch in Syria
, S.452
Der Mauerabschnitt wurde im 19.Jh. abgerissen. Einziges Zeugnis ist ein Kupfer-
stich von Cassas (1799), in Voyage pittoreque de la Syrie, de la Palestine et de la
Basse-Egypt
9 Prokop,
Bauten
; in der Übersetzung von Otto Veh, S. 131
10 Früh- bzw. Spätdatierung von Prokops
Bauten,
nach Cameron,
Procopius and
the 6th Century,
S.84-86
11 Für das großformatige
opus quadratum
des Tores und das typische
opus
mixtum
dieser Bauphase wurde der nach optischer Beurteilung gleiche Mörtel
verwendet. Die Ausformung der Anlage ist heute lediglich durch historische
Abbildungen zu belegen
12 French and Lightfoot,
The Eastern Frontier of the Roman Empire
, BAR 553
13 Für deren Entzifferung danken wir Ibrahim Salman. Eine engere Eingrenzung ist
von weitergehenden Untersuchungen dieser Bauphase, sowie von C-14 Analysen
zu erwarten, deren Ergebnis zum Zeitpunkt dieser Arbeit noch nicht vorlag
Abb.1: Der Mauerverlauf hinunter zu Parmenius und dem Eisernen Tor
Abb.2: Eisernes Tor, Bauphasenplan; Bauphase I: Aquäduktbrücke des zweiten Aquädukts Daphne- Antiochia; Bauphase II: Stadt- und Staumauer in
zwei Bauabschnitten; Bauphase III: Reparatur des oberen Bereichs nach dessen Zerstörung; Neuzeitlich: Verkleinerung des Grunddurchlasses
Bauphase I - Anf. 2. Jh.
Bauphase II - 408 bis 553/560
Bauphase III - nicht vor 639
Neuzeitliche Reparatur
5m
Ansicht von Stadtseite
(Blick nach Süden) Ansicht von Feldseite
(Blick nach Norden)
Vertikalschnitt (VS)
Horizontalschnitt - HS2 (gesüdet) Horizontalschnitt - HS2 (genordet)
msd-2005-07-cs.indd 67msd-2005-07-cs.indd 67 24.01.2007 18:52:5824.01.2007 18:52:58
Prozessfarbe SchwarzProzessfarbe Schwarz
68
DAPHNE (ANTAKYA) / TÜRKEI, DAS MEGALOPSYCHIA-MOSAIK
UND SEIN ARCHITEKTONISCHER KONTEXT
Bestandsaufnahme, Bauphasen, Restaurierungskonzept
Das Mosaik und sein Fundort
Antakya, in der Osttürkei gelegen, ehemals Anti-
ochia, ist eine der bedeutendsten Städte der An-
tike. Seit den 1930er Jahren werden hier durch
amerikanische und französische Wissenschaftler
archäologische Ausgrabungen durchgeführt.
1932 wurde in dem von Antakya 8 km entfern-
ten Dorf Harbiye, dem einstigen Daphne, bei
Ausgrabungen ein kleiner Teil einer römischen
Villa entdeckt. Darunter befand sich ein Raum
mit dem Fußbodenmosaik der Megalopsychia.
Das Mosaik wird auf das 5. Jh. n. Chr. datiert.
Magdalena Baur, MSD 2005-07
TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN, FAKULTÄT VI, INSTITUT FÜR ARCHITEKTUR
UNIV.-PROF. DR.-ING. DOROTHÉE SACK, FACHGEBIET HISTORISCHE BAUFORSCHUNG, MASTERSTUDIUM DENKMALPFLEGE,
chia, dargestellt. Dieser Charakterzug wird dem
Hausherrn der Villa zugesprochen. Im Mittelfeld sind
Jagdszenen mit verschiedenen männlichen Personen
aus der griechischen Mythologie dargestellt. Das Be-
deutendste an dem Stück bildet aber der Randfries.
Hier werden Menschen und Gebäude dargestellt.
Vermutet wird, dass es sich um Darstellungen aus
Antiochia und Umgebung handelt.
Eine 17-tägige Untersuchung vor Ort ermöglichte
eine vollständige Zustandserfassung des Mosaiks.
Diese erfolgte schriftlich, fotografisch und die Kar-
tierung in digitaler Form. Dafür dienten als Grund-
lage entzerrte Detailfotografien.
Die digitale Schadenskartierung ermöglichte in
kurzem Zeitraum die Erfassung aller auftretenden
Erscheinungsbilder.
In dem folgenden Jahr wurde fast die ganze rö-
mische Villa ausgegraben (Abb. 8). Fast überall
waren die Fußböden mit figürlichen und geome-
trischen Mosaiken bestückt.
In der Kampagne im August 2006 in der Türkei
stand das Megalopsychia-Mosaik, das sich im
städtischen archäologischen Museum Antakya
befindet, im Vordergrund der Untersuchungen.
Das Mosaik
Das Mosaik wird aufgrund seiner Größe von fast 50
qm im archäologischen Museum liegend präsentiert.
Zur Bergung 1932 wurde es in 17, für die Bergung
handliche Teile zersägt (Abb. 1).
In der Mitte des Mosaiks wird die Großherzigkeit
personifiziert in Gestalt einer Frau, der Megalopsy-
Mit der fotografischen Dokumentation konnten
die vorher schriftlich und digital kartierten Schä-
den auch bildlich festgehalten werden.
Die folgenden Fotos (Abb. 4-7) zeigen eine
kleine Auswahl der an dem Mosaik auftretenden
Schäden und Störungen des optischen Erschei-
nungsbildes.
Die Kombination aus beschreibender, grafischer
und fotografischer Zustandserfassung ermög-
licht eine umfassende Dokumentation des Ob-
jekts und seiner Schäden.
Restaurierung
Der zweite Teil der praktischen Arbeit in der Tür-
kei galt Proberestaurierungen, die an verschie-
denen Stellen des Mosaiks mit unterschiedlichen
Schadensbildern vorgenommen wurden. Zum
einen handelte es sich um Festigungen von
losen Mosaiksteinchen, zum anderen konnte
durch Reinigungstests die starke Verschmutzung
der Oberfläche dargestellt werden.
Durch die voraus gegangene Objekterfassung
und die Restaurierungstests konnte ein Konzept
für eine mögliche und nötige Restaurierung des
Mosaiks erarbeitet werden. Aufgrund des be-
denklichen Zustandes des Mosaiks sollte damit
bald begonnen werden. Das Objekt muss in
seinem jetzigen Zustand bewahrt und vor weite-
rem, fortschreitenden Zerfall geschützt werden.
Bauphasenplan
Der theoretische Teil der Arbeit beinhaltete die
Erstellung eines Bauphasenplans zur Entstehung
und Entwicklung der Villa. Diesem Arbeitsschritt
lagen die Publikationen von 1938, zwei Plan-
skizzen und ein archäologischer Grundriss zu-
grunde. Die historischen Bauphasen konnten
mit einigen Schwierigkeiten erarbeitet werden.
Das Ergebnis ist jedoch letztendlich nicht zu-
frieden stellend. Teilweise widersprechen sich
die Angaben der Literatur und der Pläne und
können so in vielen Bereichen der Villa keine
übereinstimmenden Resultate liefern.
Der entstandene Plan (Abb. 8) ist als Grundlage
für eine weitere archäologische Auseinanderset-
zung mit der Bausubstanz der Yakto-Villa und
ihren Bauphasen zu sehen.
Abb. 3 Die Kartierung veranschaulicht in diesem Beispiel
an einem Detail des Randfrieses den an dem Mosaik bestehen-
den Zustand und alle auftretenden Schäden.
Abb. 4-7
Ausgewählte Detail-
fotografien zur Veran-
schaulichung einiger
an dem Mosaik auf-
tretender Schäden.
4) durch Aufwerfung
entstandener Riss
5) verschiedenfarbige
Übermalungen
von Fehlstellen
6) fehlende Mosaik-
steinchen
7) Ergänzungen in der
Mosaikschicht
Abb. 8 Dieses Bild zeigt den erarbeiteten Bauphasenplan. Erkennbar sind drei Phasen:
- Erbauung im 3. Jh.
- Ergänzungen aus dem 4. Jh.
- Wiederaufbau nach einer Zerstörung und Umbaumaßnahmen im 5. Jh.
Abb. 1 Das Megalopsychia- Mosaik in seinem heutigen
Erscheinungsbild. Das fast 50 qm große Mosaik wurde für die
Bergung in 17 Einzelteile zersägt.
Abb. 2 Diese Abbildung zeigt das 1932 gefundene Stück
der Yakto-Villa mit integriertem Megalopsychia-Mosaik an seiner
Fundstelle.
msd-2005-07-cs.indd 68msd-2005-07-cs.indd 68 24.01.2007 18:53:0324.01.2007 18:53:03
Prozessfarbe SchwarzProzessfarbe Schwarz
69
1 Proben zu den dendrochronologischen Datierungen
wurden von Mgr. Michal Panáček entnommen und von
Ing. Tomáš Kyncl im November 2006 ausgewertet.
2 Archiv des Nationalmuseums Prag, Sammlung F, Kt.
177 - Stolinky, Taxa der Herrschaft 1608, Fol.1.
3 Staatliches Kreisarchiv in Česká Lípa, Pfarramt
Drum, Liber Memorabilium Ecclesiae et Parochiae
Drumensis (1723-1936), Pag. 185.
4 Ebd., Pag. 54-55.
5 Korb, E.: Die Pfarrkirche in Drum. In: Mitteilungen
des Nord-böhmischen Excursions-Club 18 (1895),
257-259.
Befund
Verdeckter Linienverlauf des Befundes
vermutete Rekonstruktion
Gotik
2. Hälfte 16. Jh. bis Barock
um 2000
2. Hälfte 16. Jahrhundert
Barock (1770)
Klassizismus (1811)
STVOLÍNKY (DRUM) / TSCHECHIEN, ALLERHEILIGENKIRCHE
Baudokumentation und Bauforschung
Einleitung
Das Dorf Stvolínky liegt im südlichen Teil des
Landkreises Česká Lípa, der sich in Nordböh-
men befindet und an Sachsen (Umgebung von
Zittau) grenzt. Die zentral im Dorf gelegene Al-
lerheiligen-Pfarrkirche blickt auf eine umfang-
reiche Baugeschichte zurück. Die ursprüngliche
Baustruktur ist teilweise heute noch zu erkennen
und erlaubt durch die Befunde weiterer Baupha-
sen Rückschlüsse auf die Geschichte des Kir-
chengebäudes und die Anforderungen, denen
es ausgesetzt war. Der Zweite Weltkrieg löste den
größten Einschnitt in der Geschichte der Kirche
aus: Leerstand und Verfall. Das Gebäude wurde
uns deshalb von einem tschechischen Verein nahe
gelegt, der sich um den Erhalt sakraler Architek-
tur in Nordböhmen kümmert. Unser Ziel war es,
die Baugeschichte der Kirche zu erforschen und
somit den Grundstein zu einer denkmalpflegege-
rechten Instandsetzung zu schaffen.
Methoden
Für die Arbeit wurde von uns ein verformungs-
getreues Handaufmaß (Grundriss, Längs- und
Querschnitt) im Maßstab 1:50 erstellt. Die Fas-
saden wurden photogrammetrisch aufgenom-
men und entzerrt. Vorhandene Holzkonstruktio-
nen wurden dendrochronologisch datiert1. Zur
Dokumentation wurde ein Raumbuch erstellt,
in dem neben den Forschungsergebnissen am
Bauwerk die Ergebnisse der Archivrecherche zu-
sammengefügt wurden.
Baugeschichte
Die geostete Saalkirche mit angebautem Turm,
Kapelle und Sakristei steht neben der ehemali-
gen Sommerresidenz der Bischöfe von Leitme-
ritz. Das Langhaus ist nachweislich gotischen
Ursprungs: Neben den zugemauerten Spitz-
bogenfenstern in den Süd- und Westfassaden
wurde ein entsprechendes Portal-Fragment in
der Südfassade gefunden. Eine archivalische
Niederschrift bestätigt für das Jahr 1608 eine
überdachte Brücke, die die Kirche mit der da-
maligen Festung (dem heutigen Schloss) ver-
band2. Baubefunde zeigen, dass in diesem
Zusammenhang eine Empore eingebaut wurde.
Weil die Empore Rücksicht auf den Durchgang
zum Turm nahm und der Turm dendrochronolo-
Nordseite, 1. Drittel des 20. Jh., Nationales
Denkmalamt Prag, Fotoarchiv, Nr. F45.112
Helena Ammerich, Eliška Fechnerová, Zoi Spyranti, MSD 2005-07
TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN, FAKULTÄT VI, INSTITUT FÜR ARCHITEKTUR
UNIV.-PROF. DR.-ING. DOROTHÉE SACK, FACHGEBIET HISTORISCHE BAUFORSCHUNG, MASTERSTUDIUM DENKMALPFLEGE,
STRASSE DES 17. JUNI 152, SEKR. A 58, 10623 BERLIN, TEL. 030-314-796 11, MAIL: [email protected]
Bauphasenplan, im Original M 1:50, 2006.
gisch auf das Jahr 1567 datiert werden konnte,
kann man den Bau der Brücke und der Empore
frühestens in die Zeit um 1570 zuordnen. 1770
erfolgte der Anbau der Hl.-Anna-Kapelle3. Auf-
grund der zahlreichen Baubefunde und der
Eintragung in die Pfarrchronik4 lässt sich die
Überformung der Kirche von 1811 sehr de-
tailliert nachvollziehen: Der Chor wurde neu
gebaut, das Langhaus aufgestockt und die Sa-
kristei errichtet. Die Fassaden wurden durch
neue Tür- und Fensteröffnungen gegliedert. In
das Langhaus wurde eine dreiseitige Empore
eingebaut und der Chor mit klassizistischen
Malereien ausgestattet, die noch heute unter
den jüngeren Farbfassungen vorhanden sind.
Im Jahr 1883 wurde das aus Holz bestehende
5. OG des Turmes durch massives Mauerwerk
ersetzt und 1894 die Kirche im Innenraum mit
einer zeitgemäßen Malerei neu gefasst5. Seit
dem Ende des Zweiten Weltkriegs gibt es kei-
ne feste Kirchengemeinde mehr. Obwohl bis
in die 1980er Jahre vereinzelt Gottesdienste
gehalten wurden, verfällt das Gebäude. Zwi-
schen 1996 und 2000 fiel die gesamte Kir-
cheneinrichtung organisiertem Kunstraub zum
Opfer. Seit 2004 finden schrittweise Repara-
turmaßnahmen am Dach statt.
Rekonstruktion der gotischen Bauphase (Zustand vor 1567).
Denkmalpflegerische Stellungnahme
Eine Notsicherung der einsturzgefährdeten Hl.-
Anna-Kapelle und die Reparatur des Daches
sollte schnellstmöglich durchgeführt werden.
Erst nach diesen grundlegenden Maßnahmen
können weitere Reparaturen folgen. Ein re-
stauratorisches Gutachten sollte den Wert und
den Zustand aller erhaltenen Wandmalereien
bestimmen. Offene Fragen, z.B. hinsichtlich ei-
nes Vorgängerbaues oder der Form des 1811
abgerissenen mittelalterlichen Chors, könnten
durch eine archäologische Untersuchung ge-
klärt werden.
Innenansicht, Blick nach Osten, Zustand
2006.
Innenansicht, Blick nach Osten, Zustand
1996, Nationales Denkmalamt Liberec,
Fotoarchiv, Nr. 119857 (Foto R. Kursa).
Ansicht Westfassade, im Original M 1:50,
2006.
Farbbefund an der Nordwand im Langhaus,
vermutlich 16. Jh., 2006.
msd-2005-07-cs.indd 69msd-2005-07-cs.indd 69 24.01.2007 18:53:1024.01.2007 18:53:10
Prozessfarbe SchwarzProzessfarbe Schwarz
70
BERLIN-MITTE, EHEMALIGE JÜDISCHE MÄDCHENSCHULE
Ein Schulgebäude der Neuen Sachlichkeit in der Spandauer Vorstadt
Ana Criado del Arco, Kirsten Reiß, MSD 2005-07
TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN, FAKULTÄT VI, INSTITUT FÜR ARCHITEKTUR
UNIV.-PROF. DR.-ING. DOROTHÉE SACK, FACHGEBIET HISTORISCHE BAUFORSCHUNG, MASTERSTUDIUM DENKMALPFLEGE,
Repräsentative Räume (Bild f aus Wasmuths Monatshefte für Baukunst und Städtebau 15.1931, 1931)
Die ehemalige jüdische Mädchenschule befindet
sich in Berlin-Mitte und ist Teil des Denkmalbe-
reichs der Spandauer Vorstadt. Das Schulhaus
wurde im Auftrag der jüdischen Gemeinde von
Berlin durch ihren Gemeindearchitekten Ale-
xander Beer 1927-28 erbaut. Dem im Stil der
Neuen Sachlichkeit, mit spätexpressionistischen
Elementen gestalteten Baudenkmal kommt eine
geschichtliche und städtebauliche Bedeutung
zu.
Baubeschreibung
Das Schulgebäude befindet sich in geschlossener
Bebauung in der Auguststraße 11-13 und ist ein
Teil der jüdischen Gemeindeeinrichtungen in der
Oranienburger Straße.
Das Volumen ist in einer ungleichschenkligen
U-Form organisiert, die von einem fünfgeschos-
sigen Vorderhaus mit einem langen Seitenflü-
gel am Hof und einem turmartigen Körper an
der Straßenfassade gebildet wird. Diese ist mit
dunklen Eisenklinkern verblendet, während die
Hoffassaden verputzt sind. Durch ihre horizon-
tale Gliederung entsteht der Eindruck einer
waagerechten Schichtung des Baukörpers. Das
Raumprogramm umfasst neben den Klassenräu-
men eine Turnhalle, eine Aula, diverse Fachräu-
me und eine Dachterrasse.
Nutzungsgeschichte
Das Gebäude entstand als eines der letzten
Bauvorhaben der jüdischen Gemeinde vor der
Machtübernahme der Nationalsozialisten und
wurde 1930 von der jüdischen Mädchenschule
bezogen. Die Schulgeschichte vor dem Ausbruch
des Zweiten Weltkrieges war geprägt von der
Politik der NS-Diktatur. 1941 begannen im Hof
während des Schulbetriebes die Deportationen
der sog. Alterstransporte. Die Schule in der Au-
guststraße wurde 1942 geschlossen, bis Ende
des Krieges benutzte das katholische St. Hedwigs
Hospital ihre Räume. Mitte der 1950er Jah-
re konnte die ursprüngliche Nutzung durch die
Bertolt-Brecht Oberschule wieder aufgenommen
werden. Diese Kontinuität wurde nach der Wie-
dervereinigung durch die 2. Gesamtschule des
Bezirks Berlin-Mitte weitergeführt, bis diese 1996
wegen Schülermangel schließen musste.
Ziele
Das Schulgebäude wurde 1996 an die Jüdi-
sche Gemeinde restituiert und hat seit diesem
Zeitpunkt keine dauerhafte Nutzung. Dieser
Leerstand begünstigt den Zerfall des Denkmals.
Ziel der Arbeit war es, sowohl seinen Bestand
zu dokumentieren als auch die Historie zu ana-
lysieren, um den Denkmalwert herauszustellen.
Es wurde eine Planungsgrundlage erstellt, die
neben einem Gebäudeaufmaß einen denkmal-
pflegerischen Bindungsplan und eine Analyse
der Nutzungsmöglichkeiten beinhaltet.
Ausblick
Das Potential des Gebäudes liegt in seiner Denk-
malaussage, in der Quantität an brachliegenden
großteiligen Flächen in der Innenstadt sowie in
der Erhaltungsqualität bauzeitlicher Substanz und
Raumstruktur. Um das Geschichtszeugnis zu er-
halten, müssen in naher Zukunft eine Grundsiche-
rung der Bausubstanz und eine Revitalisierung des
Gebäudes durch einen neuen Nutzer erfolgen.
Die vorliegende Arbeit bildet die Basis, auf der die
erforderliche Planung aufbauen kann.
Schülerinnen im Klassenraum und auf der Dachterrasse, 1930er Jahre.
(Katalog der Berliner Biennale: Von Mäusen und Menschen, 2006, Privatarchiv
Hannah Schulze)
Abschnitt der Hoffassade um die Haupttreppe,1930er Jahre.
(Aus Wasmuths Monatshefte für Baukunst und Städtebau 15.1931, 1931) Fassade, Auguststraße 11-13, 2006.
a Aula
(Raum 4.08)
b Turnhalle
(Raum 1.08)
c Duschraum
(Raum 1.07)
d Foyer
(Raum 1.00)
e Klassenraum
(Raum 2.05)
f Treppe
(Raum 4.00)
Aufmaß, Grundriss EG, im Original M.1:200
msd-2005-07-cs.indd 70msd-2005-07-cs.indd 70 24.01.2007 18:53:1524.01.2007 18:53:15
Prozessfarbe SchwarzProzessfarbe Schwarz
71
BERLIN – BRANDENBURG, GRENZLANDSCHAFT DREILINDEN
Geschichte, Bestandserfassung und Denkmalwert
Lage
Die von einer interdisziplinär besetzten Dreier-
gruppe entwickelte Masterarbeit beschäftigt sich
mit dem mehrere Quadratkilometer großen Ge-
biet um den Kleinmachnower Ortsteil Dreilinden
im Südwesten Berlins. Vor dem Zweiten Weltkrieg
war die Region ein beliebter Wohnort und galt als
Großberliner Stadterweiterungsland. Die Abriege-
lung West-Berlins in Folge der deutschen Teilung
zerschnitt die historischen Verbindungen. Zwischen
1961 und 1989 prägten die Grenzanlagen die
Landschaft. An der Transitautobahn existierten zwei
gegenüberliegende Grenzübergänge in Drewitz
und Albrechts Teerofen. Im Zuge der Verlegung
des Autobahnverlaufs 1969 entstanden zwei neue
Übergänge bei Kleinmachnow und am Zehlen-
dorfer Autobahnkreuz. Ab 1981 wurde auch der
Teltowkanal wieder eröffnet. Dazu wurde eine Was-
ser-Grenzübergangsstelle bei Dreilinden errichtet.
Bestandsaufnahme
Die Bestandserfassung der einstigen Grenzanlagen
erfolgte in mehreren Begehungen im Sommer und
Herbst 2006. Auf Grundlage von historischem und
aktuellem Karten- und Fotomaterial wurden die
noch vorhandenen Bestandteile aufgenommen
und soweit möglich in ihrer Funktion zugeordnet.
Für die Kartierung wurde eine symbolhafte Legen-
de erarbeitet, die eine summarische Erfassung der
Spuren und Reste ermöglichte. Der ehemalige
Grenzstreifen wurde im Maßstab 1:5000 aufge-
nommen.
Der Bestandsaufnahme der ehemaligen Grenzü-
bergänge ging eine Recherche zur Baugeschichte
in Archiven und Bauämtern voraus. Lücken in der
Überlieferung, die es vor allem bei den in Bran-
denburg gelegenen Objekten durch die Geheim-
haltungsvorschriften der DDR gab, wurden soweit
möglich durch den Vergleich von Luftbildern und
Zuhilfenahme von Zeitungsartikeln geschlossen.
Anschließend wurde eine schematische Kartierung
im Maßstab 1:1000 angelegt.
Karte der Umgebung des Kleinmachnower Ortsteils Dreilinden (o. M. 2003). Das Bearbeitungsgebiet befindet sich etwa in der Bildmitte.
Jens Meier, Jocelyn Oth, Tobias Michael Wolf, MSD 2005-07
TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN, FAKULTÄT VI, INSTITUT FÜR ARCHITEKTUR
UNIV.-PROF. DR.-ING. DOROTHÉE SACK, FACHGEBIET HISTORISCHE BAUFORSCHUNG, MASTERSTUDIUM DENKMALPFLEGE,
Blick entlang des Teltowkanals nach Westen im Bereich der ehemaligen
GÜSt Dreilinden für Transitschiffe. Im Hintergrund die 1993 abgebro-
chene strategische Brücke mit Postenturm.
Ausschnitt aus der Kartierung der ehemaligen Grenzanlagen. Die Karte
zeigt das Gebiet des Grenzstreifens nordwestlich der ehemaligen GÜSt
Drewitz (2006).
Ziel der Bestandsaufnahme war es, die Verände-
rungen seit der deutschen Wiedervereinigung zu
beschreiben und die derzeitige Situation zu bewer-
ten. Dabei wurde neben baulichen Hinterlassen-
schaften und Resten von Grenzsicherungen auch
die Vegetation einbezogen.
Bewertung
Der Bestandsaufnahme schloss sich die denk-
malpflegerische Bewertung der Zeugnisse an.
Dabei wurden schon bestehende Schutzmecha-
nismen durch Denkmal- und Landschaftsschutz
berücksichtigt, überprüft und Korrekturen vorge-
schlagen. Außerdem wurde ein Maßnahmenka-
talog für die Erhaltung formuliert.
Fazit
Die Einzelergebnisse flossen in das endgültige
Konzept für die Denkmallandschaft Dreilinden
ein. Der Denkmalwert des betrachteten Gebie-
tes ergab sich aus der hohen Dichte von un-
terschiedlichen Zeichen der deutschen Teilung,
die ein Netz von Denkmalbereichen bilden. Als
verbindende Elemente erwiesen sich dabei ne-
ben dem Grenzstreifen die Verläufe der alten
und neuen Autobahn. Unter Berücksichtigung
schon bestehender oder geplanter Nutzungen
wurden Vorschläge für ein Denkmalkonzept er-
arbeitet, das zukünftig einen weitgehenden Er-
halt der Zeugnisse gewährleisten kann und die
Entwicklung der Region als Denkmallandschaft
in öffentlichkeitswirksamer Weise unterstützt.
mm
BAB115
F
BR
F
BR
BR
BR
o
o
o
o
o
BR
K
s
BR
s
BR
BR
BR
BR
K
BR
ST
1
2
14 13
15
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18
19
20
21
22
23
24
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30
31
32
74
75
7
6
87
96
97
98
99
M. 1:5000
0100 200
Schematischer Plan der Denkmallandschaft Dreilinden. Dargestellt sind
die einzelnen Denkmalbereiche und die verbindenden Elemente (2006).
Blick entlang des ehemaligen Grenzstreifens westlich der Siedlung Drei-
linden nach Süden (2006).
Abbildungsnachweis
Kartenausschnitt oben: Bezirkskarte Steglitz-Zehlendorf 1:20000. Herausgegeben
von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin 2003
Pläne unten links und rechts: Jocelyn Oth
Fotografie oben: Jens Meier
Fotografie unten: Hettler & Lange GmbH
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Prozessfarbe SchwarzProzessfarbe Schwarz
72
Suleika Behan, MSD 2005-07
TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN, FAKULTÄT VI, INSTITUT FÜR ARCHITEKTUR
UNIV.-PROF. DR.-ING. DOROTHÉE SACK, FACHGEBIET HISTORISCHE BAUFORSCHUNG, MASTERSTUDIUM DENKMALPFLEGE,
STRASSE DES 17. JUNI 152, SEKR. A 58, 10623 BERLIN, TEL. 030-314-796 11, MAIL: [email protected]
1- Neues Palais, Fassadenfront zur Ehrenhofseite.
2- Nördliche Communs mit Kolonnadenpavillon.
4- Bauschmuck an der Ostseite des Südpavillons der Kolonnade.
5 bis 7- Schäden am Bauschmuck , Nordseite des Südpavillons.
Legende
kavernöse Auswitterung
Absanden
Verschmutzungen, Filme und Krustenbildung
hohlaufliegende Krusten
festanhaftende Krusten
oberflächliche Verschmutzung
biogener Bewuchs
Salzausblühungen
eingewanderte Kupferionen
Fehlstellen
defekte Altergänzungen
defekte Vierungen
defekte Fugen
Risse / Schalen
korrodierte Metallverbindungen
alte Risssanierung
POTSDAM-SANSSOUCI, DER BAUSCHMUCK DES ENSEMBLES NEUES PALAIS
Exemplarische Bestandserfassung und Maßnahmenplanung an der Kolonnade
Das Ensemble Neues Palais
Bei der vorliegenden Arbeit wird der Bauschmuck
des Ensembles Neues Palais, Communs und Ko-
lonnade betrachtet. Die Gebäude befinden sich
im Park Sanssouci in Potsdam und bilden dessen
westlichen Abschluss. An den Bauplanungspha-
sen zur Entstehung der Gebäude waren mehre-
re Baumeister beteiligt. Die erste Planungsphase
erfolgte bereits im Jahre 1755. Durch den Sie-
benjährigen Krieg kam sie aber zum Erliegen.
Zwischen 1763 und 1769 ließ Friedrich II. die
Gebäude dann errichten.
Von der allgemeinen Baubeschreibung geht die
Arbeit auf den Bauschmuck über.
Das Ensemble hat ein reiches Programm an figür-
lichem und ornamentalem Skulpturenschmuck.
Am Neuen Palais stellt der Bauschmuck der
Gartenseite den Schrecken des Krieges und die
Verherrlichung antiken Heldentums dar, während
an der Hofseite Sinnbilder der Segnungen des
Friedens zu finden sind. Die dem Neuen Palais
gegenüberliegende dreiteilige Baugruppe Com-
muns und Kolonnade glorifiziert den Sieg im Sie-
benjährigen Krieg.
Skulpturen und szenische Reliefs zeigen Kriegs-
und Siegesgötter, Siegestrophäen, Wappenkar-
tuschen, Fahnenarrangements, tubablasende
Genien, Lorbeerkränze sowie Girlanden. Die
Thematik von Krieg und Frieden gipfelt in der
Bauplastik der Kolonnade mit dem mittleren Tri-
umphtor.
Rötelskizzen
Auf dem Bauschmuck sowie an der Fassade befin-
den sich Schriftzüge, Steinmetzzeichen und Mar-
kierungen, die mit Rötel auf den Stein gebracht
worden sind. Im Rahmen der Arbeit wurden diese
kartiert. Dazu wurde ein Katalog erstellt.
Den Abschluss der Arbeit bildet die aus der Be-
standserfassung resultierende Maßnahmenpla-
nung.
Abb. 73 : K11
Abb. 75 : K12
Abb. 74: K11
Abb. 76: K12
Bestandserfassung
In naher Zukunft findet eine umfangreiche
Restaurierung der Kolonnade statt. Aufgrund
der Zugänglichkeit an der Musterachse, die
sich am Südpavillon befindet, erfolgte hier eine
exemplarische Bestandsaufnahme und
Maßnahmenplanung.
Der aufgenommene Bauschmuck wurde
über-wiegend aus unterschiedlichen Sand-
stein-varietäten sowie vereinzelt aus Stuck-
ele-menten hergestellt. Dem Material entspre-
chend differiert der Schadensgrad.
Folgende Schäden lassen sich feststellen:
1. entfestigte Bereiche, sandende Partien
2. Verschmutzungen und Krustenbildung
a. hohlaufliegende Krusten mit darunter
befindlichen einzelnen Kornlagen
b. festanhaftende Krusten
c. oberflächliche Verschmutzung
d. biogener Bewuchs
e. Salzausblühungen
3. Fehlstellen
4. defekte Altergänzungen
5. defekte Vierungen
6. defekte Fugen
7. Risse / Schalen
8. korrodierte Metallverbindungen
Maßnahmenplanung
Nach der Beurteilung der Schäden kann nun
die Maßnahmenplanung erfolgen:
1. Festigung
2. Reinigung
a. Abnahme der hohlaufliegenden Krusten
b. Ausdünnen / Abnahme der festanliegen-
den Krusten mit darunter absandender
Oberfläche
-mit Laser an Bauschmuckteilen
-mit Mikrostrahlgerät / FM-Technik an
weniger hochwertigen Teilen
c. Entfernen der oberflächlichen Verschmutzung
d. Entfernen des biogenen Bewuchses
e. Entsalzung
3. Fehlstellenergänzung mittels RM
4. Austausch defekter Altergänzungen
5. Austausch defekter Vierungen
6. Austausch defekter Fugen
7. Risssanierung und Sicherung von Zonen
mit Riss- und Schalenbildung
a. Verdübeln von tiefen Rissen und Andübeln
von Schalen
b. Injizieren tiefer Risse unter Isolierung der
Rissflanken
c. Schließen von Rissoberflächen und aller
sonstiger Risse
d. Schlemmen
8. Sanierung korrodierter Metallverbindungen
a. Vor Ort
b. Ausbau aller sichtbaren und korrodierten
Metalle mit zerstörerischer Wirkung
9. Retusche für farblich nicht stimmige
Bereiche
Schadenskartierung, Kolonnade Südpavillon, Nordfassade. Bauschmuck - obere Ranke,
o.M., im Original M 1: 20, 2006
Literatur:
Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Berlin 1993
Drescher, Badstübner-Gröger, Das Neue Palais in Potsdam, Berlin 1991
msd-2005-07-cs.indd 72msd-2005-07-cs.indd 72 24.01.2007 18:53:3524.01.2007 18:53:35
Prozessfarbe SchwarzProzessfarbe Schwarz
73
Abb. 1: Carl Graeb, Innenansicht des Stibadiums (Farblithogra-
phie um 1860), nach: Generaldirektion der Stiftung Preußische
Schlösser und Gärten Berlin – Brandenburg (Hrsg.), Friedrich
Wilhelm IV. – Künstler und König zum 200. Geburtstag, Austel-
lungskatalog Potsdam (Frankfurt/Main 1995), Abb. 7.22a
Abb. 4: Zustand der Mosaikbodenplatten
Großflächige Estrichausbesserungen
nach Absenkung der Mosaikplatten in
den Randbereichen und Verlust einzelner
Mosaiksteine.
POTSDAM-SANSSOUCI, DAS STIBADIUM IM PARADIESGARTEN
Baudokumentation und Sanierungsvorplanung
Aufgabenstellung
Das Stibadium im Paradiesgarten befindet sich
in Potsdam-Sanssouci und ist als Bestandteil der
„Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin“ in
die Liste des UNESCO-Welterbes eingetragen.
Das Stibadium wurde 1846 nach Entwürfen von
Ludwig Persius (1803–1845) für König Fried-
rich Wilhelm IV. von Preußen (1795–1861) als
Gartenhaus errichtet. Im Zeiten Weltkrieg unbe-
schädigt, weist es dennoch ein umfangreiches
Schadensbild auf. Für eine zukünftige Instand-
setzung bestand seitens der Stiftung Preußische
Schlösser und Gärten der Bedarf, den gegen-
wärtigen Bauzustand zu dokumentieren, das
Schadensbild zu bewerten und Maßnahmen
vorzuschlagen.
Der Paradiesgarten
Die Anlage des Paradiesgartens erfolgte zwi-
schen 1841 und 1845 im Stil eines italienischen
Stefan Edelhoff, Andreas Salgo, Martin Sählhof, MSD 2005-07
TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN, FAKULTÄT VI, INSTITUT FÜR ARCHITEKTUR
UNIV.-PROF. DR.-ING. DOROTHÉE SACK, FACHGEBIET HISTORISCHE BAUFORSCHUNG, MASTERSTUDIUM DENKMALPFLEGE,
STRASSE DES 17. JUNI 152, SEKR. A 58, 10623 BERLIN, TEL. 030-314-796 11, MAIL: [email protected]
Ergebnisse der Bauuntersuchung
Bei der Untersuchung erwies sich das Stibadium
in seiner Gesamtheit als bauzeitlich, jedoch wur-
den Teile der Substanz bei Reparaturen durch
Austausch oder Ergänzung mehrmals instand
gesetzt. Das aktuelle Schadensbild ließ sich so-
wohl in konstruktive und substanzielle Schäden,
als auch in Schäden der Oberfläche einteilen.
Ursächlich hierfür war im Wesentlichen neben
der ungeeigneten Nutzung als Abstellraum und
Lager auch das langjährige Ausbleiben der
Wartung. In der Folge kam es zu mechanischen
Schäden und einer fortschreitenden Schädigung
durch freie Bewitterung.
Maßnahmenplanung
Um einem weiteren Verfall vorzubeugen sind
dringend konservierende Maßnahmen erfor-
derlich. Standsicherheit und Tragfähigkeit des
konstruktiven Gefüges im Mauerwerk und der
Dächer sind zu verbessern. Hierzu gehören die
Sicherung der ausbrechenden Teile des Kranz-
gesimses und die fachgerechte Behandlung der
Mauerwerksrisse. Zudem müssen die Dächer
gepflegt und ein geeigneter Bewitterungsschutz
für den Winter entwickelt werden. Langfristig ist
die Originalsubstanz zu erhalten und das Er-
scheinungsbild sowie der innere Raumcharakter
zu bewahren. Für die Materialien Stein, Holz
und Putze sind restauratorische Maßnahmen zu
ergreifen. Die nachvollziehbare Wiederherstel-
lung eines geschlossenen Raumeindrucks und
der Zusammenhänge zum Gartenraum sind
wünschenswert.
Abb. 5: Terrakottasäule S4, Kapitell
Die zwölf Säulen bestehen aus mehreren
vorgefertigten Terrakotta-Einzelteilen.
1936 wurden Teile ersetzt und Ausbrüche
geschlossen. Das Kapitell von S4 ist um
ca. 5 cm aus der Achse verschoben.
Abb. 6: Zustand des Sandsteingebälks
Durch Umwandlung des Kalium-Karbo-
nats zu Kalium-Sulfat bei karbonatisch
gebundenen Sandsteinen treten an den
Oberflächen Gipsanreicherungen auf. Am
Gebälk führt die Verkrustung zu Substanz-
verlust.
Nutzgartens durch Hermann Sello (1800–1876)
und Peter-Joseph Lenné (1789–1866), wobei
vorhandene Maulbeerbäume mit Weinfestons
versehen wurden. Als Zwischenpflanzungen
wählte Sello Mais, Kürbisse und andere schnell-
wüchsige Blattpflanzen. Seit den 1950er Jahren
wird der Paradiesgarten als botanischer Garten
genutzt und ist in diesem Zusammenhang stark
verändert worden. Von seiner ursprünglichen
Anlage sind nur noch Teile erhalten. Hierunter
nimmt das Stibadium einen besonderen Stellen-
wert ein, da es als zentrales Element des Gartens
in außerordentlich starker Weise Gebäude- und
Gartenarchitektur miteinander verknüpfte.
Das Stibadium
Der Bau mit einer geschlossenen streng kubischen
Form wird von einem weithin sichtbaren dorischen
Gebälk bekrönt, in dessen offenen Metopenfel-
dern ursprünglich bunte Glasvasen eingestellt wa-
ren. Der nicht unterkellerte Massivbau besteht aus
verputztem Ziegelmauerwerk. Der zum Teil auch
tragende Bauschmuck ist in Sandstein und Ter-
rakotta ausgeführt. Der Innenraum mit axialsym-
metrisch strukturiertem Grundriss besteht aus der
Abfolge von Atrium, der kleineren quadratischen
Exedra und der abschließenden halbrunden Apsis.
Im Atrium sind um ein Becken zwölf Terrakottasäu-
len aufgestellt, die das nach innen entwässernde
Dach tragen. Die Exedra wird von einer flachen
Zeltdachkonstruktion nach oben abgeschlossen,
die Apsis besitzt ein flaches Halbkegeldach. Alle
Dächer sind als Holzkonstruktionen ausgeführt
und mit einer Zinkblechdeckung versehen.
Abb. 2: Formtreues Handaufmaß, Grundriß, o.M.,
im Original M 1: 25, 2006
Abb. 3: Formtreues Handaufmaß, Längsschnitt, o.M.,
im Original M 1: 25, 2006
Abb. 7: Bestands- und Schadenskartierung, Westfassade, o.M., Original M 1: 50, 2006
msd-2005-07-cs.indd 73msd-2005-07-cs.indd 73 24.01.2007 18:53:4124.01.2007 18:53:41
Prozessfarbe SchwarzProzessfarbe Schwarz
74
POTSDAM-SANSSOUCI, DIE PERGOLA DER VILLA LIEGNITZ
Bestandsdokumentation, Bauforschung und Sanierungskonzeption
1841 errichtete der Architekt A. D. Schadow
(1797–1869) im Auftrag des Kronprinzen
Friedrich Wilhelm IV. (1795 - 1861) die Villa
Liegnitz. Diese wurde als Wohnsitz der Fürstin
von Liegnitz (1800–1873), zweite Gemahlin
des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III.
(1770–1840) erbaut und liegt am östlichen
Rand des Parks von Sanssouci. Als architekto-
nischer Bestandteil der ehemals aufwendig ge-
stalteten Gartenanlage liegt die 1841 errichtete
Pergola in unmittelbarer Nähe gegenüber dem
Haupteingang der Villa.
Die Pergolakonstruktion ist rund 25 m lang und
asymmetrisch konzipiert. Eine dezentral ange-
ordnete Exedra verbindet den nördlichen und
südlichen Pergolagang und bildet den gestalte-
rischen Mittelpunkt der Anlage.
Bau- und Nutzungsgeschichte
Die Baugeschichte der Pergola steht in einem
direkten Zusammenhang mit der Nutzungsge-
schichte der Villa.
Die wichtigsten Bauphasen sind der Ursprungs-
bau von 1841 sowie die ersten Umbaumaßnah-
men vor 1861, welche noch heute in hohem
Maß das Erscheinungsbild der Anlage prägen.
Neben weiteren baulichen Veränderungen um
1900 erfolgten nach 1907 nur noch kleinere
Instandsetzungsmaßnahmen.
Markus Bunke, Kristina Eisenacher, MSD 2005-07
TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN, FAKULTÄT VI, INSTITUT FÜR ARCHITEKTUR
UNIV.-PROF. DR.-ING. DOROTHÉE SACK, FACHGEBIET HISTORISCHE BAUFORSCHUNG, MASTERSTUDIUM DENKMALPFLEGE,
STRASSE DES 17. JUNI 152, SEKR. A 58, 10623 BERLIN, TEL. 030-314-796 11, MAIL: [email protected]
Bestandserfassung
Die Pergola an der Villa Liegnitz zählt aufgrund
ihres Aussagewertes für den handwerklich-
technischen Entwicklungsstand und als ein be-
deutendes Zeugnis für die Vorliebe der Zeit für
Laubengänge und Pergolen zu den bedeutenden
Pergolenanlagen der ersten Hälfte des 19. Jh.1
Leider befindet sie sich zur Zeit in einem stark
gefährdeten Zustand. Dieser ist Ausdruck einer
lang andauernden Bedeutungslosigkeit der Anla-
ge. Einzelne Bauteile wie z. B. der Fußboden, die
Pfeiler auf der Exedrarückwand und die halbrun-
de Exedrabank sind nicht mehr vorhanden.
Die sichtbaren Schadensphänomene sind primär
auf eine mangelnde Instandhaltung und dau-
erhafte Durchfeuchtung der Bauteile sowie auf
den Einfluss des uneingeschränkten Bewuchses
zurückzuführen.
Sanierungskonzeption
Die Planung der Einzelmaßnahmen sowie die
Bewertung und der Umgang mit den vorhande-
nen Bauphasen des Bauwerks kann nur auf der
Grundlage einer denkmalpflegerischen Gesamt-
zielsetzung erfolgen. Neben dem Ursprungsbau
gehören die Umbauphasen vor 1907 heute zur
gewachsenen Struktur der Anlage, so dass die-
se als erhaltenswert eingestuft werden. Baukon-
struktiv fehlerhaft ausgeführte Maßnahmen dieser
Abb. 6 Schadenskartierung: Ansicht West, Original im Maßstab 1:50 (2006)
Abb. 2 Historische Darstellung der Pergola (vor 1861)
Aus: A.D. Schadow, Villa der Frau Fürstin von Liegnitz im Gar-
ten von Sanssouci, Arch. Skizzenbuch 52,1861, Blatt 3
Abb. 1 Situationsplan (1862)
Aus: A.D. Schadow, Villa der Frau Fürstin von Liegnitz im Gar-
ten von Sanssouci, Arch. Skizzenbuch 52,1861, Blatt 5
Abb. 5 Bauphasenplan: Grundriss, Original im Maßstab 1:50
Abb. 4 Pergola (Zustand 2006)
Abb. 3 Ansicht Ost der Pergola und Villa (vor 1907)
SPSG, Glasplattensammlung
Zeitspanne sind hinsichtlich ihrer bauschädigen-
den Wirkung zu untersuchen und gegebenen-
falls denkmalpflegerisch neu einzuschätzen.
1 vgl. D. Fischer- Leonhardt, Die Wiederverwendung der
Römischen Pergola an den Bauten Karl Friedrich Schinkels im
Berliner Raum, Diss., TU- Berlin, 1999, 165
Phase I, Ursprungsbau (1841)
Phase II, Veränderungen (vor 1861)
Phase III, Veränderungen (um 1900)
Phase IV, Veränderungen (nach 1907)
vermutete Bauzeit
(Farbe entsprechend Zeitpunkt der Ausführung)
Schräglage/ Setzung
Schadenskartierung Putz
geschädigte Putzoberfläche
Oberflächenverlust
Hohllagen
Oberflächenrisse in der Putzschicht
tiefe, ins Mauerwerk reichende Risse
Legende Bauphasenkartierung
Schadenskartierung Mauerwerk
intakte Fugen- und Fugenflanken
Mauerziegel ohne Verbund
mechanische Überarbeitung
passive Rückwitterungszone
aktive Rückwitterungszone
Fehlstelle/ mechanische Beschädigung
Risse/ Rissbildung
Kalkmörtelergänzung
Zementmörtelergänzung/ -schlämme
biogener Bewuchs/ Vegetation
rostende Eisenteile
gebrochene Zinkgußelemente
alte Sanierungsmaßnahme
Schadenskartierung Allgemein
Verschmutzung, leichte Krustenbildung
starke Krustenbildung
partielle Abwitterung/Reliefbildung
Formverlust/Abwitterung >3 mm
Schadenskartierung Naturstein
Herauswitterung Gesteinskomponenten
Salzausblühungen
Aufsicht Bauteil
(Farbe entsprechend Zeitpunkt der Ausführung)
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Prozessfarbe SchwarzProzessfarbe Schwarz
75
BRANDENBURG / HAVEL: ST. JOHANNIS
Die ehemalige Franziskanerkirche und ihre nördlichen Anbauten - Dokumentation und Bauforschung
Die ehemalige Franziskanerklosterkirche St. Jo-
hannis liegt am Ufer der Havel in der Altstadt
Brandenburgs. An ihrer Nordseite befinden sich
aus unterschiedlichen Zeiten stammende nied-
rigere Anbauten. Von diesen wurde, basierend
auf einer Bauaufnahme, ein detaillierter Bau-
altersplan erstellt. Eine Verbandsanalyse der
Nordwand des Langhauses half bei der zeitli-
chen Zuordnung der einzelnen Bauphasen.
Ergebnisse der Bauforschung
Nachdem zunächst um 1250 die Kirche in
Saalform erbaut wurde, folgte der Anbau eines
einstöckigen tonnengewölbten Gebäudeteils im
Norden, der wahrscheinlich als Sakristei genutzt
wurde. Vermutlich um 1320 wurde die Kirche
aufgestockt und für eine Wölbung vorbereitet.
Dabei erhielt sie einen provisorischen Ostab-
schluss. Dieser bestand bis zum Bau des Chors
Anfang des 15. Jahrhunderts. Stilistische Verglei-
Abb. 4 St. Johannis, nördliche Anbauten, Abwicklung Südwand Obergeschoss (ehemalige Außenwand des Langhauses)
Analyse des Mauerverbandes im Rahmen der Bauforschung, o.M.
Stephanie Herold, Ulrike Schmitz, MSD 2005-07
TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN, FAKULTÄT VI, INSTITUT FÜR ARCHITEKTUR
UNIV.-PROF. DR.-ING. DOROTHÉE SACK, FACHGEBIET HISTORISCHE BAUFORSCHUNG, MASTERSTUDIUM DENKMALPFLEGE,
St. Johannis, nördliche Anbauten, Baualterspläne
Abb. 5 Schnitt B-B, o.M. (auf Grundlage des Schnittes der Messbild-
stelle GmbH Dresden)
Abb. 6 Grundriss Obergeschoss, o.M.
Abb. 7 Grundriss Erdgeschoss, o.M.
che und die Einbeziehung in den historischen
Kontext ergaben hier, dass man die überlieferte
mittelalterliche Inschrift,1 welche die Wölbung der
Kirche auf das Jahr 1420 datiert, in Bezug zum
Bau des neuen Chores setzen kann. Die Datie-
rung bezieht sich also offenbar auf die Wölbung
der Kirche inklusive des Chores.
Um die Mitte des 15. Jahrhunderts wurden die
nördlichen Anbauten in westlicher Richtung um
einen repräsentativen, kapellenartigen Raum
erweitert. Dieser war jedoch nicht öffentlich
zugänglich, sondern verfügte nur über eine
Verbindung zum Mönchschor. Die aufwändige
Gestaltung dieses Sakralraums lässt auf das
Florieren des Brandenburger Konvents zu die-
ser Zeit schließen, was sich auch durch dessen
Vorreiterrolle innerhalb der franziskanischen
Observanzbewegung widerspiegelt.2
Abb. 1 St. Johannis, Ansicht Ost
Abb. 2 St. Johannis, nördliche Anbauten, Ansicht Nordost
Abb. 3 St. Johannis, Grundriss Erdgeschoss (erstellt von der Messbild-
stelle GmbH Dresden im Auftrag der UD Brandenburg), o.M.
Gegen Ende des 15. Jahrhunderts kam es zur
Aufstockung und Erweiterung der nordöstlichen
Anbauten. Die geplante Bibliotheksnutzung des
Obergeschosses beruhte wahrscheinlich auf ei-
ner Änderung der Ansprüche an Bibliotheken,
die sich in Deutschland im 15. Jahrhundert
durchsetzte und sich in einer Verschiebung der
bis dahin vom Streben nach Sicherheit geprägten
Anforderungen zugunsten besserer Arbeitsbedin-
gungen ausdrückt.
Obwohl viele Fragen beantwortet werden konn-
ten, musste doch auch einiges ungeklärt bleiben,
so beispielsweise der Grund für die Vergröße-
rung der Sakristei an der Nordseite der Kirche zu
dieser Zeit. Da sich die Klausur auf der Südseite
befand, wäre eine Anordnung der Sakristei auf
dieser Seite wahrscheinlicher.
Insgesamt zeigte sich, dass es sich bei der Bran-
denburger Franziskanerkirche von Anfang an um
ein Gebäude mit einem gewissen repräsentativen
Anspruch handelte, soweit sich dieses mit den
Bauauflagen der Bettelorden vereinbaren ließ.
Dabei ist zu vermuten, dass dies auch auf der be-
sonderen Rolle der Markgrafen als Wohltäter und
Unterstützer des Klosters beruhen könnte. Dieser
in der Literatur nicht beachtete Umstand deckt
sich mit der zeitlichen Einordnung der baulichen
Entwicklung von Kloster und Kirche und unterstützt
diese.
Nach Beendigung der Baumaßnahmen des 15.
Jahrhunderts kam es in der Folgezeit mehrfach zu
Ausbesserungen und Renovierungsmaßnahmen,
die in erster Linie durch die widrigen Baugrund-
verhältnisse in diesem Gebiet begründet sind.
Durch einen Bombeneinschlag am 31. 3. 1945
wurden der Westgiebel der Kirche und große Tei-
le des westlichsten Jochs zerstört.
Ausblick
Die Abrissplanungen zu DDR-Zeiten erhielten
durch den Einsturz des Langhausdaches 1986
neuen Auftrieb. Nach der Wende wurde mit um-
fangreichen Sicherungsmaßnahmen begonnen,
die sich bis heute fortsetzen. Seit 1992 wird die
Ruine durch ein flaches Notdach geschützt. Die
Zukunft der Kirche wird jedoch nicht nur vom
erfolgreichen Abschluss der laufenden statischen
Sicherungsmaßnahmen abhängen, sondern auch
von einem zukünftigen Nutzungskonzept, das das
Gebäude wieder ins Bewusstsein der Stadt und
ihrer Bewohner bringt.
1 Die Inschrift ist durch den Stadtschreiber Garcaeus aus dem
Jahre 1582 überliefert. Vgl. Finke, Daniel: Nachrichten von Al-
terthümern und Urkunden der Chur- und Hauptstadt Branden-
burg, gedruckt von 1749 bis 1753 in fünf Einladungsschriften
und jetzt wegen ihrer Seltenheit und Erheblichkeit aufs neue
zusammen gedruckt. In: Magazin für die neue Historie und Ge-
ographie 13 (1779).
2 Observanz bezeichnet die (strenge) Beachtung der Ordens-
regeln. Vgl. Doelle, Ferdinand: Die Observanzbewegung in der
sächsischen Franziskanerprovinz bis zum Generalkapitel von
Parma 1529 (= Reformationsgeschichtliche Studien und Texte
30-31). Münster 1918.
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Prozessfarbe SchwarzProzessfarbe Schwarz
76
Ansicht Nord, Fassade mit Galerie Ansicht Westfassade, beidseitige
Einhüftigkeit der Giebel
Erdgeschoss: hauptsächliche Nutzung des Galeriestalls um
1786 als Viehstall
Obergeschoss: Nutzung 1786 als Unterkunft und Futterkammer,
Erschließung durch vorstehende Galerie über eine Treppe
Grundriss Erdgeschoss mit Bauphasen und Schadenskartier-
tung, o.M., im Original, M 1:50
Grundriss Obergeschoss mit Bauphasen und Schadenskartie-
rung, o.M., im Original, M 1:50
Längsschnitt mit Bauphasen und Schadenskartierung, o.M., im
Original, M 1:50
Querschnitt, Blick auf den Westgiebel, mit Bauphasen und
Schadenskartierung, o.M., im Original, M 1:50
Innenseite Ostgiebel mit baugeschichtlich bedeutender Spitz-
säule und überkämmenden Kehlbalken
Baugeschichtlicher Befund, rote
Farbfassung mit blauem Rand
Knotenpunkt mit Längsver-
band als historisches Merkmal
BURG / SPREEWALD, ZWEITE KOLONIE, GALERIESTALL VON 1786
Bestandsdokumentation - Schadenskartierung - Bauforschung
Michela Gohlke, MSD 2005-07
TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN, FAKULTÄT VI, INSTITUT FÜR ARCHITEKTUR
UNIV.-PROF. DR.-ING. DOROTHÉE SACK, FACHGEBIET HISTORISCHE BAUFORSCHUNG, MASTERSTUDIUM DENKMALPFLEGE,
QUELLEN:
- Gutachterliche Äußerung zum Denkmalwert durch das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege (BLDAM)
- Gutachten zur dendrochronologischen Untersuchung, Deutsches Archäologisches Institut (DAI), Zentrale, 2006
HM
Der seit 2002 unter Denkmalschutz stehende
Galeriestall ist in die Landschaft des Spreewalds
eingebunden. Der Galeriestall ist einer der selten
gewordenen Bauten im Spreewald. Als relativ gut
erhaltenes Gebäude der ländlichen Bauweise ist
es ein Vertreter der Stallbauten.
Der Stall steht einzeln auf dem heute dreiteiligen
Hof. Besonders auffällige Merkmale sind die
vorkragende Galerie und die ungleichen
Dachtraufenhöhen, die auch als Einhüftigkeit
bezeichnet werden.
Bis in die 1960er Jahre wurden die Ställe des
Erdgeschosses als solche verwendet. Anschließend
wurden sie als Schuppen genutzt. Die ehemalige
Futterkammer fungiert heute als Holzlager. Kohle
wird in der östlich liegenden Kammer gelagert. Das
Obergeschoss wurde ebenfalls zu einer Lagerungs-
stätte.
Die Bauaufnahme wurde im Handaufmaß
durchgeführt. Alle Bauteile sind in den Zeichnungen
mit der Genauigkeitsstufe III dargestellt
(„Anforderungen an eine Bestandsdokumentation
in der Baudenkmalpflege“, BLDAM, Wünsdorf
2002). Die Aufmaßpläne dienten anschließend zur
Kartierung der Bauphasen und Schäden. Parallel
dazu wurde eine Dokumentation der Quellen, des
Gefüges und der Schäden sowie ein Raumbuch
des Galeriestalls angefertigt.
Insgesamt weist der Galeriestall vier verschiedene
Bauphasen auf. Dabei spielen die dritte und
vierte Phase eine eher untergeordnete Rolle. Die
meisten Veränderungen im Inneren und Äußeren
wurden in der zweiten Phase von 1920-1930
vorgenommen. Durch die Unterfütterung der
geschädigten Grundschwellen des Galeriestalls
mit Ziegelmauerwerk entstand ein heterogenes
Erscheinungsbild, an dem sich die unterschiedlichen
Bauphasen ablesen lassen. Dies ist an der
Außenseite besonders an der Südwand sichtbar.
Alle Schäden wurden in der Schadensanalyse
explizit beschrieben. Dabei wurden hauptsächlich
Schäden durch baukonstruktive Fehler und durch
den Einbau falschen Baumaterials festgehalten. Eine
bis vor kurzem falsche Nutzung der Futterkammer
als Holzlager führte zu einer deutlichen Verformung
der begrenzenden Trennwände. Als Folge einer
Umbaumaßnahme in der zweiten Bauphase
versagte die Schlussbohle im Bereich der Nordwand
der östlichen Kammer des Erdgeschosses.
Zusätzlich zur baugeschichtlichen Betrachtung
wurden die konstruktiven Elemente untersucht.
Dabei wurden Spitzsäulen in den Giebelseiten
und im mittleren Bereich des Galeriestalls sowie
eine besondere Ausführung des Längsverbandes
identifiziert. Des weiteren konnte ein Farbbefund an
der Gefachoberfläche festgestellt werden. Von der
West- zur Ostrichtung verlaufende Abbundzeichen
geben Auskunft über den Vorgang der Aufrichtung
des Dachwerks. Die einzigen metallischen Bauteile
sind Nägel an den Giebeldreiecken und die
eisernen Türbeschläge.
Bei einer kurz- bis mittelfristigen Teilrekonstruktion
des Galeriestalls sollte eine Einheitlichkeit der
Konstruktionsverbindungen und die Gefache so
weit wie möglich erhalten bleiben, hierzu ist eine
zimmermannsmäßige Ausführung anzuwenden.
Bauphase I, 1786, Erbauung
Bauphase II, 1920-1930, Umbau und Bauteilersatz
Bauphase III, 1960-1970, Ersatz- und Umbaumaßnahmen
Bauphase IV, Unterstützungs-, Sicherungs- und Ersatzmaßnahmen
Bezeichnung für baugeschichtlich bedeutende Bauteile
Kennzeichnung vorhandener Schäden
Legende
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DORTMUND-DERNE, EHEMALIGE ZECHE GNEISENAU
Bestandsdokumentation und Überlegungen zur Umnutzung einer denkmalgeschützten Maschinenhalle
Lage
Die ehemalige Zechenanlage Gneisenau be-
findet sich im Ruhrgebiet Nordrhein-Westfalens
im Regierungsbezirk Arnsberg. Sie liegt im Nor-
den der Stadt Dortmund, in der dem Stadtbe-
zirk Scharnhorst zugehörigen Gemeinde Dort-
mund- Derne. Die Industriedenkmale der Zeche
Gneisenau sind sehr zentral an der Hauptstraße
des Ortes gelegen, in unmittelbarer Umgebung
der ehemaligen Arbeiterwohnsiedlungen, dem
Bahnhof und dem Autobahnanschluss.
Geschichte
Die gesamte Zechenanlage, benannt nach August
Wilhelm Anton Graf Neithardt von Gneisenau,
wurde 1985, nach fast 100 jähriger Tätigkeit,
stillgelegt. Der Gebäudebestand wurde bis auf
Schacht II und IV abgerissen, das Gelände als Bau-
land überarbeitet. Die übrig gebliebenen Schächte
stehen unter Denkmalschutz. Sie sind verfüllt, und
über ihnen thronen hohe Fördertürme. Beide För-
dertürme besitzen noch ihre dazugehörigen Ma-
schinenhäuser, wobei der Schacht IV durch seine
doppelte Förderung eine Zwillingsdampfmaschine
besitzt und entsprechend auch zwei Maschinen-
häuser. Mit dem Südlichen dieser Maschinenhäu-
ser setzt sich diese Arbeit genauer auseinander.
Ziel der Arbeit
Aufgabe und Ziel der Arbeit war es, eine exakte
Bestandsaufnahme zu erstellen und weiterführende
Überlegungen zur Umnutzung anzustellen.
Durch den Vergleich des historischen Planmaterials
mit dem heutigen Bestand wurden neue Bestands-
pläne im Maßstab 1:50 angefertigt, wobei vorhan-
dene Schäden aufgenommen und in die Bestands-
pläne eingetragen wurden. Vor Ort entstand ein
Raumbuch für die Maschinenhalle, das mit Hilfe
von angefertigten Zeichnungen und Fotos den
aktuellen Zustand dokumentiert. Weitere Schäden
am Gebäude wurden in einem Schadenskatalog
aufgezeigt, um eine komplette Zustandsübersicht
zu erhalten. In einem zweiten Schritt wurde ein
Bauphasenplan aufgestellt sowie die Bau-und Nut-
zungsgeschichte recherchiert.
Ansicht der Fördertürme mit Maschinenhäusern von Schacht II und Schacht IV der ehem. Zeche Gneisenau, Blickrichtung Nord-Ost, 2006.
Sonja Palmer, MSD 2005-07
TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN, FAKULTÄT VI, INSTITUT FÜR ARCHITEKTUR
UNIV.-PROF. DR.-ING. DOROTHÉE SACK, FACHGEBIET HISTORISCHE BAUFORSCHUNG, MASTERSTUDIUM DENKMALPFLEGE,
Grundriss Obergeschoss, Bestandszeichnung 2006 Ansicht Süden, Bestandszeichnung 2006
Industriegeschichte des Ortes
Durch die Industrialisierung wurde das Land-
schafts- und Siedlungsbild der Ortschaft Derne
geprägt. Zunächst war Derne eine kleine Bau-
ernschaft mit Fachwerkhäusern der Handwerker
und Kötter in den Siedlungskernen im Malbach-
tal. Mit den ersten Abteufarbeiten für den Koh-
lebergbau im Jahr 1873 begann die industrielle
Nutzung des Ortes.
Durch die Industrie stiegen die Einwohnerzahlen.
Das bedingte den Bau von Zechenhäusern und
Zechensiedlungen für die Bergarbeiterfamilien.
Baukörper Schacht IV
Die beiden 1933/34 errichteten, denkmalge-
schützten Maschinenhäuser befinden sich im süd-
östlichen Bereich des ehemaligen Zechengeländes.
Die in Funktion und Struktur identischen Gebäude
sind ca. 15 m hoch, rechteckig und aus kohlege-
branntem Klinker gemauert. Den Abschluss bildet
ein flachgeneigtes Satteldach mit umlaufender
Brüstung. Beide Gebäude umrahmen das 58 m
hohe Fördergerüst. An der Südseite des südlichen
Maschinenhauses erstreckt sich eine 7 m breite
und 9 m hohe Gebäudeabtreppung. Von 1985 bis
Ende 1999 wurde der Schacht IV nur noch für die
zentrale Wasserhaltung benötigt. Im Zuge dieser
Umstellung kam ein kleines Fördergerüst und Ma-
schinenhaus unterhalb des Fördergerüstes dazu.
Denkmalwert des Schachtes IV
Für die Wertigkeit eines Baudenkmals wird zwi-
schen einer geschichtlichen, städtebaulichen,
künstlerischen und wissenschaftlichen Bedeu-
tung unterschieden.
Die Entwicklung der Zeche Gneisenau zu einem
der größten und bedeutendsten Bergwerke des
Ruhrgebietes führte zur vollständigen Umfor-
mung des ehemals ländlichen Raumes, zu einer
ausschließlich von der Schwerindustrie gepräg-
ten Stadtlandschaft. Das Fördergerüst mit seinen
Maschinenhäusern dokumentiert ausschnittartig
diesen Umwandlungsprozess. Es ist ein Identifi-
kationsobjekt der Bevölkerung hinsichtlich ihrer
ehemaligen Arbeitsstätte mit Wahrzeichencha-
rakter für Dortmund-Derne.
Zustand
Feuchteschäden, Salzausblühungen und Riss-
bildungen am Hauptbaustoff Ziegel bestimmen
die häufigsten Schadensbilder der beiden Ge-
bäude. Biogener Befall an den Außenwänden
und Deformationen am Dachtragwerk sind im
Innern der Gebäude festzustellen. Bei länger
andauernder Brache wird sich der Zustand zu-
nehmend verschlechtern und auf die gesamte
Stabilität der Gebäude einwirken, nicht nur be-
zogen auf die vorhandenen Schäden, sondern
auch auf den fortschreitenden Vandalismus.
Maschinenhalle
Heizzentrale
WC
Treppenh.
0 5m 0 5m
Lochblech RissbildungVerschmutzung
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Absolventen MSD 2005-2007
Dipl.-Ing. (FH) Helena Ammerich
Dipl.-Rest. Andreea Banea
Dipl.-Rest. (FH) Magdalena Baur
Dipl.-Rest. (FH) Suleika Behan
Dipl.-Ing. (FH) Markus Bunke
markus[email protected]
Dipl.-Ing. Ana Teresa Criado del Arco
Dipl.-Ing. (FH) Stefan Edelhoff
Dipl.-Ing. (FH) Kristina Eisenacher
Mgr. Eliška Fechnerová
Dipl.-Ing. Michaela Gohlke
Dipl.-Ing. (FH) Björn Grimm
Stephanie Herold M.A.
Fidaa Hlal B. Arch.
Dipl.-Ing. (FH) Jens Meier
meier_jens@t-online.de
Dipl.-Ing. Jocelyn Oth
Dipl.-Ing. (FH) Sonja Palmer
Dipl.-Ing. (FH) Kirsten Reiß
Martin Sählhof M.A.
Dipl.-Ing. Andreas Salgo
Dipl.-Ing. Ulrike Schmitz
Diplom-Archäologin Zoi Spyranti
Tobias Michael Wolf M.A.
Dipl.-Ing. Wilfried Wolff
mehl@ingbuero-wolff-meibert.de
Teilnehmer MSD 2005-2007
Mohamed Anas Al Saeed B.Sc.
Dipl.-Ing. Gabriele Krause
Dipl.-Ing. (FH) Eva S. Koch
Dipl.-Ing. Rommy Nitschke
rommy[email protected]
Hanaa Abdulkarim Saleh Arch.
Ibrahim Salman Arch.
ibrahim-[email protected]
Verzeichnis der Absolventen und Teilnehmer des MSD 2005-07
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Abbildungsnachweis
Abbildungsnachweise
S. 7 A. Salgo
S. 8 O.: J. Meier, U.: M. Gussone
S. 9 A. Mollenhauer
S.10 J. Giese, D. Spiegel auf Grundlage von o.: R. Goscinny, A. Uderzo: Asterix bei den Olympischen
Spielen, 1972, u.: R. Goscinny, A. Uderzo: Asterix als Legionär, 1971.
S. 11 M. Taschner/ M. Gussone
S. 13 Museumsinsel: in: C. Wedel (Hrsg.), Die neue Museumsinsel, Berlin 2002, 23; Kabel: in: B. Maaz
(Hrsg.), Alte Nationalgalerie Berlin, Stuttgart - London, 2001, 88; Faltblatt Koldewey: M. Gussone
/ Vorlage Staatliche Museen Berlin Vorderasiatisches Museum; Ishtar-Tor: W. Andrae, in: E.W.
Andrae, R.M. Boehmer, Bilder eines Ausgräbers, Berlin 1989, T. 56; Zeughaus + Köpenick: M.
Gussone; Luftbild Köpenick: U. Techel/ Motzen.
S. 14 Schoeler-Schlösschen: M. Gussone; Messene: J. Giese; Pisa: P. Zalewski; Rheinsberg: D. Dorse-
magen; Whitney-Museum: H. Searing, New American Art Museums, New York 1982, 60.
S. 15 Karl Friedrich Schinkel, Führer zu seinen Bauten, Bd. 1, München – Berlin 2006; Masterstudium
Denkmalpflege Jahrbuch 2004-06, Berlin 2006; Resafa-Umland, Archäologische
Geländebegehungen, geophysikalische Untersuchungen und Digitale Geländemodelle zur
Prospektion in Resafa, in: Damaszener Mitteilungen 14, 2004; C. Mohn: Mittelalterliche
Klosteranlagen der Zisterzienserinnen, Petersberg 2006
S. 17 Resafa Grabung u. Basilika A: M. Gussone; Postamente Altes Museum: E. v. Gaisberg; Messene:
J. Giese
S. 18-23 Poster Resafa / Syrien: Bildnachweise dort
S. 24/25 Poster Charlottenburg: Bildnachweise dort
S. 26/27 Poster Schönhausen: Bildnachweise dort
S. 29 Google Earth, 20. November 2006
S. 30 M. Gussone
S. 31 J. Meier
S. 33 1. - 3., 4. Reihe li: M. Gussone; 4. re., 5. Reihe: B. Grimm
S. 34-40 Poster Strausberg Bürgerhaus, Bildnachweise dort
S. 41 Foto o.: M. Gussone, Arbeitsproben: F. Hlal, G. Krause
S. 42-43 Arbeitsproben: MSD 2005-07
S. 44-45 Arbeitsproben: H. Ammerich, A. Criado del Arco, E. Fechnerova, F. Hlal, Z. Spyranti
S. 46-47 Arbeitsproben: A. Al Saeed, S. Edelhoff, B. Grimm, M. Sählhof, A. Salgo
S. 48-49 Arbeitsproben: A. Criado del Arco, K. Reiß, H. Saleh, I. Salman, W. Wolff
S. 50 Google-Earth, 20. November 2006
S. 51 J. Giese
S. 52 von oben nach unten: 1. B. Grimm; 2.-5. M. Bunke
S. 53-55 Poster Berlin – Zehlendorf, Garten Springer, Bildnachweise dort
S. 56-60 Arbeitsproben: S. Behan, M. Bunke, S. Edelhoff, K. Eisenacher, M. Gohlke , R. Nitschke, S. Palmer
S. 63 Merseburg: Y. Khoury; Franken: 1. u. 2. Reihe li.: J. Meier; 1. u. 2. Reihe re.: A. Salgo;
Erzgebirge: J. Meier
S. 65-77 Poster Abschlussarbeiten MSD 2005-07: Bildnachweise dort
S.78 A. Salgo
S.80 o. li, u.: M. Gussone; o. re: F. Hlal, G. Krause
Abbildungen ohne gesonderten Nachweis stammen von den Autoren der jeweiligen Seiten.
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Vom Backwerk zum Bauwerk - Ein Haus und sein Eigentümer
Ist Denkmalpflege konsumierbar? Wir wollen hier nicht über Geschmack sprechen, sondern
über Handwerk. Das Bürgerhaus Georg-Kurtze-Str. 1 in Strausberg ist vor rund 300 Jahren
von ehrlichen Handwerkern errichtet worden, die etwas von ihrem Geschäft verstanden. So
hat das Haus einige Kriege, schwierige Zeiten und Umbauphasen überstanden und hat sich
bis in unsere Zeit erhalten.
Auch der jetzige Eigentümer des ehrwürdigen Bürgerhauses, Herr Bäckermeister Benno Klein,
versteht etwas von seinem Handwerk. Nur mit der richtigen Hingabe, der entsprechenden
Erfahrung und dem Wissen um die richtigen Rezepte und die entscheidenden Zutaten kann
das Werk gelingen.
So können wir also hoffen, dass das ehrwürdige Bürgerhaus am ehemaligen Stadttor von
der Einsicht seines Eigentümers profitiert, dass vor allem ein handwerklicher, denkmalge-
rechter Umgang, der die Substanz schont und den Charakter des Hauses berücksichtigt, der
Bedeutung des Hauses am Eingang zum historischen Zentrum entspricht. Die eines Tages
gelungene Restaurierung wird gewiss dem Stolz seines Eigentümers und der Stadt Strausberg
zugute kommen.
Guten Appetit.
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bisher erschienene Jahrbücher des Masterstudium Denkmalpflege (MSD):
– Berlin, 2006: MSD-Jahrbuch 2004-06 (Heft 2)
– Berlin, 2005: MSD-Jahrbuch 2003-05 (Heft 1)
– Berlin, 2004: Jahrbuch 5 Jahre Aufbaustudium Denkmalpflege (Sonderheft)
JAHRBUCH
MSD 2005-07
Masterstudium Denkmalpflege der Technischen Universität Berlin
Heft 3
ISBN-Nr.: 978-3931278-46-5