Jahrestagung der
Deutschen Gesellschaft
für Musikpsychologie
~
Fraunhofer
115
12.-14. September 2014,
Fraunhofer
Institut
für
Integrierte Schaltungen
-Programm und
Abstracts-
Tagungsband zur Jahrestagung
der
Deutschen Gesellschaft
für
Musikpsychologie, DGM
vom
12. bis 14. September 2014, am Fraunhofer
Institut
für
Integrierte
Schaltungen Erlangen
herausgegeben
für
die DGM von Franziska Olbertz
Tagungsorganisation: Frederik Nagel
Redaktion und Layout des Tagungsbandes: Franziska Olbertz
Den
Druck des Tagungsbandes unterstützen
mit
Werbeanzeigen:
Wißner, Schattauer, Hogrefe, LlT-Verlag, Olms
Das
Fraunhofer-Institut bzw. die Fraunhofer-Gesellschaft sind nicht Herausgeber
dieses
Mediums
und sind nicht haftungsbegründend eingeschaltet.
Angewandte
Musikpsychologie
Tagungsband zur Jahrestagung
der
Deutschen Gesellschaft
für
Musikpsychologie, Fraunhofer
IIS
Erlangen, vom 12. bis 14.09.2014,
hg.
für
die DGM von Franziska Olbertz, Osnabrück, September 2014
©Deutsche Gesellschaft
für
Musikpsychologie e.V.
Neuer Graben 29, D-49074 Osnabrück
http://www.music-psychology.de
)G
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Jahrestagung
2014
"Angewandte Musikpsychologie"
MICHAEL
HORN,
ALEXANDER
LINDAU,
HANS-JOACHIM MAEMPEL,
STEFAN
WEINZIERL
(TU
Berlin)
Livekonzert und Medienmusik: Eine immersive
optoakustische Simulationsumgebung für eine
wahrnehmungspsychologische Vergleichsstudie
Fragestellung: Der Alltag des Musikhörens
wird
heute
in ganz überwiegendem Maße
von
Medienmusik
bestimmt. Welche Rolle
spielt da noch das Livekonzert?
Inwiefern
unterscheidet
es
sich von medialer Musik,
sowohl in sensorischer, ästhetischer als
auch in
emotionaler
Hinsicht? Einschlägige
empirische Untersuchungen hierzu sind
bisher -mutmaßlich aufgrund der
damit
verbundenen
methodischen Herausforde-
rungen -selten. Der vorliegende Beitrag
beschreibt die Entwicklung einer immersi-
ven optoakustischen Simulationsumgebung
für
eine einschlägige Laborstudie, präsen-
tiert
die erstellten Stimuli und erste Unter-
suchungsergebnisse.
Stimulusproduktion: Die dynamischen Bin-
auralsynthese (Lindau
et
al. 2007)
stellt
ein
ideales Werkzeug
für
die flexible Herstel-
lung realitätsnaher akustischer Stimuli dar.
Sie
basiert
auf
der
Vermessung sogenannter
binauraler Raumimpulsantworten (BRIRs),
welche das raumakustische Übertragungs-
verhalten prinzipiell beliebiger Schallquellen
zu
den Ohren eines menschlichen Empfän-
gers enkodieren. Kunstkopf-Torso-Simulato-
ren
mit
automatisiert
bewegbaren Kunst-
köpfen (Lindau &Weinzierl, 2006) erlauben
die Vermessung der
BRIRs
für
verschiedene
Kopforientierungen eines Hörers. Filtert
man nachhallfrei aufgenommene Musiksig-
nale
mit
BRIRs
die entsprechend
der
aktuel-
len Kopforientierung in Echtzeit ausge-
tauscht
werden
und
gibt
das Ergebnis
über
Kopfhörer
wieder,
kann sich ein
auditiver
Eindruck einstellen, der von
untrainierten
Hörern
nicht
mehr
sicher von der akusti-
schen Realität unterschieden
werden
kann
(Lindau, 2014). Als musikalische Stimuli
wurden
zwei kurze Stücke
mit
einem
pro-
fessionellen
Streichquartett
und
einer
Sän-
gerin im reflexionsarmen
Raum
der TU Ber-
Iin aufgenommen. Für die binaurale Simula-
tion
einer Konzertsituation wurden
mit
ei-
nem binauralen Messroboter (Lindau &
Weinzierl, 2006) in einem Konzertsaal
für
fünf
Quellpositionen und
an
zwei Sitzplät-
zen
BRIRs
für
verschiedene Kopforientie-
rungen vermessen.
Als
Schallquellen dien-
ten dabei Lautsprecher, die
das
Abstrah-
lungsverhalten
der
zu
simulierenden Musi-
ker annäherten. Um medial-typische Abmi-
schungen der Konzertsituation produzieren
zu
können,
richtete
ein Tonmeister zusätz-
lich verschiedene gängige
Mikrofonverfah-
ren ein, die ebenfalls akustisch vermessen
wurden. Die Aufnahmespuren
der
Mikro-
fonverfahren
wurden
durch Filterung des
nachhallfreien Audiomaterials
mit
den ver-
messenen Mikrofon-Raum-Impulsantworten
synthetisiert. Zur binauralen Simulation
medialer Wiedergabeumgebungen
wurden
(a)
ein in-ear Kopfhörer, (b) 1-, 2-, und 5-
kanalige Lautsprechersetups
in
einem
pro-
fessionellen Tonstudio sowie
(c)
eine Wel-
lenfeldsyntheseanlage aus
56
kreisförmig
angeordneten Lautsprechern jeweils
am
sweet spot
mit
dem
erwähnten Messrobo-
ter
vermessen.
Unter
Verwendung
der
syn-
thetischen
Mikrofonspuren
produzierte ein
Tonmeister schließlich
für
jedes Wiederga-
Jahrestagung
2014
"Angewandte Musikpsychologie" )G1
1I
beverfahren marktübliche Abmischungen.
Auf der optischen Seite stellt die stereosko-
pische Bildaufnahmetechnik das technische
Äquivalent zur Binauraltechnik dar.
Mit
kommerziellen stereoskopischen Kameras
lassen sich -zumindest
für
begrenzte Sicht-
felder -überzeugende maßstabsgetreue
Bewegtbildstimuli erzeugen.
So
wurden
im
Konzertsaal stereoskopische Aufnahmen
aus
der Perspektive
der
zwei Hörerplätze
sowie monoskopische Aufnahmen aus ver-
schiedenen Kameraperspektiven -typisch
für
eine konventionelle Musikvideoproduk-
tion
-aufgezeichnet.
Die
medialen Settings
wurden ebenfalls stereoskopisch
gefilmt
und um die -in einen
dort
aufgestellten
Fernseher
montierten
-vorproduzierten
Musikvideos ergänzt.
Hörversuch und erste Ergebnisse: In einem
Hörversuch nach dem Repertory-Grid-
Verfahren (Kelly, 1955)
wurden
18 Ver-
suchspersonen Triaden
zu
vergleichender
Testbedingungen präsentiert und die dabei
auffallenden Unterschiede und deren be-
deutungsgemäße Gegenteile abgefragt.
Die
Versuche lieferten 376
Attributpaare
die
sich zunächst grob in auditive (Lautheit,
Distanz, Raumeindruck, Klangbildgeometrie,
Klangfarbe, Dynamik, Sprachverständlich-
keit, Artefakte), visuelle (Helligkeit, Farbe,
Betrachtungswinkel, Bilddramaturgie,
Be-
wegtheit), audiovisuelle (Ton-Bild-passung,
Ton-Bilddramaturgie) und supramodale
(Klarheit, Unvermitteltheit, Natürlichkeit,
Sozialität, Emotionalität, Gefallen, Aktivie-
rung) Unterschiedsqualitäten
unterteilen
lassen.
Die gefundenen Bewertungsdimensionen
liefern erstmals empirisch
fundierte
Unter-
schiedsmerkmale medialer und natürlicher
Musikwahrnehmung und liefern
so
potenti-
elle Ansatzpunkte
für
technische Optimie-
rungen.
Literatur
Kelly,
G.
A.
(1955):
The
Psychology
of
Personal
Constructs,
Volume
Gne: ATheory
Of
Personality.
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York:
W.W.
Norton
&
Co.
lindau,
A.;
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S.
(2006):
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-
An
instrument
for software-based
measurement
cf
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in
multiple
degrees
of
freedom",
in:
Bildungswerk
des
VDT
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Bericht
der
24.
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leipzig,
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lindau,
A.;
Hohn,
T.;
Weinzier!,
S.
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"Binaural
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cf
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environments",
in:
Proc.
cf
the
122nd
AES
Convention. Vienna, preprint no.
7032
lindau,
A.
(2014):
Binaural
Resynthesis
of
Acoustical
Environments. Technology and Perceptual
Evaluation. Dissertation, Berlin: Technische
Universität
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