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[de] (orig)
BAUFORSCHUNG UND DENKMALPFLEGE
Jahrbuch des Fachgebiets Historische Bauforschung und Baudenkmalpflege
Technische Universität Berlin
1 – 2017
.
Bauforschung und Denkmalpflege | 1
Jahrbuch des Fachgebiets Historische Bauforschung und Baudenkmalpflege
Technische Universit Berlin
Herausgeber
Thekla Schulz-Brize
Elgin von Gaisberg
Martin Gussone
2017
Universitätsverlag der TU Berlin
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Universitätsverlag der TU Berlin, 2017
http://verlag.tu-berlin.de
Fasanenstr. 88, 10623 Berlin
Tel.: +49 (0)30 314 76131 / Fax: -76133
Dieses Manuskript ist urheberrechtlich geschützt.
Gutachter (peer review)
Antonia Brauchle Claudia Bührig Thorsten Dame Gabi Dolff-Bone-
kämper Thomas Drachenberg Jörg Haspel Catharine Hof – Dorothée
Sack Christof Krauskopf Kerstin Wittmann-Englert
Redaktion und Lektorat
Martin Gussone, Maria Köppen
Satz und Layout
Maria Köppen, Martin Gussone
Druck
buchdruck.de
Umschlagabbildung: Workshop Kathmandu Nepal. Foto: Maria Köppen.
Abbildung Forschungsprojekte: Serapaion Ephesos. Foto: Ilhan Sinan
Abbildung Jahrgangsprojekt MSD 201416 und Register: Erweiterungsbau
Tieranatomisches Theater Berlin. Foto: Antonia Brauchle
Abbildung Ausgewählte Abschlussarbeiten und Abstracts: MSD 201416
Abschlussexkursion. Foto: Claudia Winterstein
ISBN 978-3-7983-2942-3 (print)
ISBN 978-3-7983-2943-0 (online)
ISSN 2567-2398 (print)
ISSN 2567-2401 (online)
Zugleich online veröffentlicht auf dem institutionellen Repositorium
der Technischen Universität Berlin:
DOI 10.14279/depositonce-6041
http://dx.doi.org/10.14279/depositonce-6041
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der
Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind
im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.
iiiBauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Editorial
Mit der Übernahme des Fachgebiets Historische Bauforschung und Bau-
denkmalpflege im Jahre 2015 und der Umstrukturierung des Masterstu-
diengangs Denkmalpflege, der im Wintersemester 2017/2018 mit sei-
nem ersten Jahrgang starten wird, in den Masterstudiengang Historische
Bauforschung und Denkmalpflege erfolgt nun auch eine Neuordnung
des Jahrbuchs.
Das vorliegende Jahrbuch Bauforschung und Denkmalpflege soll einen
Einblick in die Aktivitäten des Fachgebiets in Forschung und Lehre ver-
mitteln. Nach einer Einführung zu den neuen Entwicklungen des Fachge-
biets werden die verschiedenen Forschungsprojekte der Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter sowie einzelner Doktoranden für den Zeitraum 2015/16
in Kurzaufsätzen vorgestellt. Im Weiteren folgt eine ausführliche Zu-
sammenfassung der Ergebnisse des Jahrgangsprojekts 2014–16 „Das
Tieranatomische Theater in Berlin-Mitte“ von Axel Schuhmann und Clau-
dia Winterstein. Dieses Jahrgangsprojekt wurde von Elgin von Gaisberg
geleitet, die von Oktober 2014 bis September 2015 die Leitung des
Fachgebiets stellvertretend innehatte. Die Absolventen dieses Jahrgangs
präsentieren in diesem Jahrbuch die vier besten Abschlussarbeiten in
kurzen Beiträgen sowie Abstracts sämtlicher Abschlussarbeiten.
Das Jahrbuch richtet sich an Interessenten der Historischen Bauforschung
und Denkmalpflege. Studierenden, Doktoranden und Mitarbeitern so-
wie Kooperationspartnern bietet dieses Jahrbuch eine wissenschaftliche
Plattform für die Präsentation der aktuellen Ergebnisse des Fachgebiets
in Forschung und Lehre. Folglich wird das Jahrbuch nach Abschluss je-
des Jahrgangs erscheinen.
Dieses Jahrbuch trägt eine ISBN Nummer und kann daher nach den gän-
gigen Regeln zitiert werden. Die vorliegenden Studien- und Abschlussar-
beiten sind am Fachgebiet archiviert und können dort nach Anmeldung
eingesehen werden. Im Zuge der Neuordnung des Jahrbuchs werden
die künftigen Ausgaben für eine bessere Verbreitung parallel als Online-
Journal im institutionellen Repositorium der Universitätsbibliothek der
TU Berlin sowie in gedruckter Form als Print-on-Demand erscheinen. Im
Zuge der neuen Ausrichtung werden einzelne Sektionen zudem einen
Peer-Review-Verfahren unterzogen für das ausgewählte Lehrbeauftragte
gewonnen werden können. In diesem Heft wurden der Aufsatz zum Jahr-
gangsprojekt und die Kurzbeiträge der vier ausgewählten Abschlussar-
beiten begutachtet.
Für Anregungen sind wir aufgeschlossen, und über Rückmeldungen wür-
den wir uns sehr freuen. Nun wünsche ich Ihnen bei der Lektüre des
ersten Jahrbuchs Bauforschung und Denkmalpflege viel Freude.
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IV Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Inhalt
Impressum
Editorial
Aktuelle Entwicklung des Fachgebiets Historische Bauforschung
und Baudenkmalpflege
Sehen – Erkennen – Erhalten. Aktuelle Aufgaben der Historischen
Bauforschung und Denkmalpflege. Auszug aus der Antrittsvor-
lesung von Thekla Schulz-Brize vom 25.04.2016
Forschungsprojekte
Thekla Schulz
Bauuntersuchung des Serapeion in Ephesos
Christine Ruppert
Einblicke in eine antike Monumentalarchitektur.
Rekonstruktion des Portals des sogenannten Serapeions in Ephesos
Daniel Musall
Bausicherungsmaßnahmen des Westabschlusses der Oberen Agora
in Ephesos während der Kampagne 2015
Martina Müller-Wiener – Martin Gussone
Hira Survey Project Najaf, Iraq. Konzept und Ergebnisse der Ers-
ten Feldkampagne 2015
Youssef El Khoury
A House of Many Faces. Additions and Interventions in Vernacu-
lar Domestic Architecture in Mount Lebanon during the Twentieth
Century
MSD 2014–16 – Jahrgangsprojekt (peer reviewed)
Axel Schuhmann – Claudia Winterstein
Das Tieranatomische Theater in Berlin-Mitte.
Dokumentation und bauhistorische Untersuchung der Erweite-
rungsbauten von 1874 und 1935/36
MSD 201416 Ausgewählte Abschlussarbeiten (peer reviewed)
Tillmann Kühnel
Olympia, Griechenland: Bauliche Überreste eines Heiligtums
nördlich des Kronoshügels. Bauaufnahme und Bauforschung
ii
iii
1
8
14
20
24
29
36
43
69
V
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Kamila Kojder – Jasmin Schäfer
Erfurt, Benediktsplatz 1. Bauforschung in den mittelalterlichen
Kelleranlagen
Kerstin Frischke – Elisa Haß
Brandenburg, Rangsdorf, Waldsiedlung. Bebauung und Gestaltung
1928–1945
Michael Maria Bastgen – Dominik Geppert
Zum Denkmalwert von Kernkraftwerken
MSD 2014–16 – Abschlussarbeiten Abstracts
Yakinthi Kaperoni
Rhodos: Die ehemalige Industriezone aus der Zeit der italieni-
schen Kolonisation nach 1924 im südöstlichen Teil der Stadt
Jörg-Peter Riekert – Virginia Rush
Pisa, Italien: Camposanto, Portal 1: Bauforschung
Sophie Theres Nagele – Stamatina-Ioanna Triantafyllou – Karin Welte
Berlin-Siemensstadt: Bahnhof Wernerwerk.
Dokumentation – Schadensanalyse – Nutzungskonzept
Stephan Golombek – Kristina Schindler
Klosterhle. Bauforschung an der historischen Wasserhle in
Neuzelle
Franziska Schlicht
Potsdam, Brandenburg: Die Pyramide im Neuen Garten zu Pots-
dam. Dokumentation und Sanierungsvorplanung
Maria Gromadzka – Ana Milardovic – Fatma Öz – Christina Weber
Potsdam-Babelsberg: Park Babelsberg, Hofgärtnerhaus.
Bauaufnahme, Bauforschung, Nutzungskonzept
Stefanie Gerhard – Anita Lenz
Brandenburg, Landkreis Barnim, Gemeinde Wandlitz: Die Denkma-
le der Gemeinde Wandlitz. Ein denkmaltopographischer Überblick
Anne Krugmann – Christin Sonnek
Brandenburg (Havel) Plaue: Gartenstadt und Denkmalpflege.
Neue Erkenntnisse zur Errichtung der Gartenstadt Plaue
Marie Mamerow
Die Denkmalpflege zur Zeit des Nationalsozialismus am Beispiel
von Jüterbog
Lorenz Schröter
Ingolstadt, Paradeplatz 4: Neues Schloss, Kavaliersbau, Turm.
Bauforschung am Dachwerk
74
79
84
89
90
91
92
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98
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VI Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Register
Mitarbeiter 2015
Verzeichnis laufender Forschungsprojekte 2015. Fachgebiet His-
torische Bauforschung und Baudenkmalpflege
Verzeichnis der Absolventen
Abschlussarbeiten Masterstudiengang Denkmalpflege, Jahrgang
2014–16
Verzeichnis Dozenten und Förderer. Masterstudium Denkmal-
pflege, Jahrgang 2014–16
103
104
108
109
110
1Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Im Oktober 2015 übernahm Thekla Schulz-Brize die Leitung des Fach-
gebiets und tritt die Nachfolge von Dorothée Sack an. Damit geht eine
Ära der Bauforschung und Denkmalpflege an der TU Berlin zu Ende, die
im Folgenden kurz zusammengefasst werden soll. Im Anschluss werden
erste Überlegungen zur Fortsetzung und Weiterentwicklung des Fachge-
biets und Masterstudiengangs in Lehre und Forschung vorgestellt.
Im Jahre 1998 wurde das Fachgebiet und der damit eng verbundene
Masterstudiengang unter der Bezeichnung Fachgebiet Historische Bau-
forschung und Aufbaustudiengang Denkmalpflege von Dorothée Sack
eingeführt und 2003 in den Masterstudiengang Denkmalpflege umge-
wandelt. Elgin von Gaisberg, seit 2012 Honorarprofessorin an der TU
Berlin für das Fach Archäologische Bauforschung, leitete das Fachgebiet
und den Studiengang während des Interims im Wintersemester 2014/15
und im Sommersemester 2015.
Masterstudiengang Denkmalpflege,
zunftig Historische Bauforschung und Denkmalpflege
Im Mittelpunkt des Masterstudiengangs Denkmalpflege steht seit dessen
Einführung das Jahrgangsprojekt. Hierbei werden am Beispiel eines his-
torisch bedeutenden Baudenkmals aus dem Raum Berlin-Brandenburg
alle relevanten wissenschaftlichen Kompetenzen der Historischen Baufor-
schung und Denkmalpflege vermittelt (Bauaufnahme, Baubeschreibung,
Raumbucherstellung, Bauphasenanalyse, Archivrecherche, architektur-
historische Einordnung, Bau- und Schadenskartierung, denkmalpflegeri-
scher Bindungsplan, Konservierungs- und Nutzungskonzept).
Aktuelle Entwicklung des Fachgebiets
Historische Bauforschung und Baudenkmalpflege
Prof. Dr.-Ing. Thekla Schulz-Brize (links);
Prof. Dr. phil. Elgin von Gaisberg (mitte);
Prof. i.R. Dr.-Ing. Dorothée Sack (rechts).
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Aktuelle Entwicklung des Fachgebiets
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Absolviert werden eine Vielzahl weiterer Lehrveranstaltungen aus den
Bereichen Bauforschung, Denkmalpflege, Architektur- und Kunstge-
schichte sowie Konservierung, Restaurierung und Sanierung. Insgesamt
werden die Lehrveranstaltungen von Professoren und wissenschaftlichen
Mitarbeitern verschiedener Fachgebiete der TU Berlin geleitet. Zusätz-
lich konnten als Lehrbeauftragte renommierte Kollegen des Berliner und
Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege, der Stiftung Preu-
ßische Schlösser und Gärten sowie Kollegen von namhaften Ingenieur-
und Architekturbüros gewonnen werden, die inzwischen seit vielen Jah-
ren den Masterstudiengang Denkmalpflege bereichern. Auf diese Weise
werden die Studierenden von den kompetenten Kollegen der verschie-
denen Fachdisziplinen nicht nur in optimaler Weise betreut, sondern
können im Hinblick auf ihre berufliche Zukunft auch wertvolle Kontakte
knüpfen. Der Studiengang baut auf den Kenntnissen unterschiedlicher
Fachrichtungen auf. Da die Studierenden aus unterschiedlichen Studi-
engängen stammen, lernen sie auch untereinander die verschiedenen
Kompetenzen. Das Studium ist interdisziplinär angelegt und vermittelt die
fachspezifische Zusatzqualifikation für eine verantwortungsvolle Tätigkeit
in Denkmalämtern, Architekturbüros mit Schwerpunkt im Bereich Bau-
forschung und Denkmalpflege oder Forschungsinstitutionen. Durch die
enge Kooperation mit den Landesämtern und Stiftungen werden die Stu-
dierenden früh an Forschungsprojekte herangeführt und auf diese Wei-
se ist eine enge Verknüpfung zwischen Forschung und Lehre garantiert.
Eine erste Forschungsarbeit, die Studierende selbständig durchführen,
ist die Masterarbeit. Bereits im ersten Semester können die Studierenden
ein Objekt für ihre Masterarbeit auswählen, das ihren Wünschen und
Erfahrungen entspricht und ihre beruflichen Qualifikationen weiterent-
wickelt. Hier reicht das Spektrum der Bauuntersuchung und Entwicklung
der Denkmalpflegestrategien von Bauwerken in Berlin und Brandenburg
Team des Fachgebiets Historische Bauforschung und
Baudenkmalpflege der TU Berlin.
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Aktuelle Entwicklung des Fachgebiets
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
über das gesamte Bundesgebiet bis hin zur antiken Architektur im Mit-
telmeerraum oder auch der Architektur im globalen Kontext. In diesem
Zusammenhang ist wichtig zu erwähnen, dass die Studierenden inzwi-
schen aus vielen verschiedenen Ländern zum Masterstudium an die TU
Berlin kommen. Somit ist dieser Studiengang international geprägt, was
sich u.a. in der Wahl der geographisch weit gestreuten Masterthemen
widerspiegelt.
Der Masterstudiengang Denkmalpflege ist dank des unermüdlichen En-
gagements von Dorothée Sack international bekannt und außerordent-
lich angesehen. So gilt es auch in Zukunft die genannten Inhalte des
Masterstudiengangs weiterzuführen, dessen Stärken zu festigen und das
Profil zu schärfen. So wird die größte Aufgabe der kommenden Semester
sein, den dreisemestrigen postgradualen Studiengang in einen vierse-
mestrigen konsekutiven Masterstudiengang umzustrukturieren und da-
bei für die anderen Studiengänge des Instituts für Architektur innerhalb
der Fakultät Planen, Bauen, Umwelt stärker zu öffnen. Das bewährte
Jahrgangsprojekt soll unbedingt weiter bestehen bleiben. Von großer
Bedeutung wird eine Stärkung der Bauaufnahme sein und damit ver-
bunden eine Erweiterung des Methodenspektrums der Bauaufnahme. So
soll neben dem traditionellen Handaufmaß und der Bauteilaufnahme
die zeitgemäße digitale Bauaufnahme und die verschiedenen Metho-
den der Photogrammetrie sowie das zukunftsorientierte Laserscanning
vermittelt werden. Für die anschauliche Präsentation von komplexen
baukonstruktiven Zusammenhängen, Bauphasen, Rekonstruktionen und
Ergebnissen der Forschungsprojekte soll die 3D Animation und Visuali-
sierung eingeführt werden. Bei archäologischen Stätten, Baudenkmälern
und städtebaulichen Ensembles werden inzwischen immer stärker neben
dem Erhalt, dem zukünftigen Umgang und der angemessenen Nutzung
Handaufmaß der Studierenden im Rahmen des Jahr-
gangsprojektes 2015–17 – Weißes Haus im Neuen
Garten, Potsdam. H. Bücherl 2015.
Photogrammetrische Dokumentation eines Wohnhau-
ses der Newar in Dhulikhel (Nepal). G. Richter 2016.
Related document tools
Überprüfung der Originalität und des Vertrauens der Dokumente
Ein Plug kann die Ähnlichkeitsüberprüfung zu einem Teil des Schreib-Workflows machen. Identific fügt eine weitere Schicht hinzu, wenn Vertrauen und Verifizierung wichtig sind. Sie sind nützlich, wenn Qualität und Vertrauen wichtig sind.
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Aktuelle Entwicklung des Fachgebiets
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
auch Strategien für eine nachhaltige denkmalpflegerische Ertüchtigung
in Verbindung mit einer touristischen Erschließung mit ausreichenden
Informationen zu den Objekten gefordert. Diese Kompetenzen sollen
in neu zu schaffenden Modulen Site Management und World Heritage
vermittelt werden. Insgesamt ist es bei einem viersemestrigen Masterstu-
diengang möglich, die Betreuung der Masterthesis zu stärken. Geplant
sind Seminare, bei denen die Objekte im Raum Berlin-Brandenburg mit
allen Studierenden aufgesucht werden sollen, um vor Ort die jeweils
angemessenen Methoden und den Aufbau einer Masterarbeit zu dis-
kutieren. Das ist für die Studierenden wichtig, weil sie sich mit dieser
ersten wissenschaftlichen Arbeit für ihre berufliche und wissenschaftliche
Zukunft qualifizieren.
Forschung am Fachgebiet Historische Bauforschung
und Baudenkmalpflege
Ein Forschungsschwerpunkt der neuen Fachgebietsleiterin Thekla Schulz-
Brize ist die archäologische Bauforschung der hellenistischen und römi-
schen Architektur des östlichen Mittelmeerraumes. Weitere Forschungen
führen nach Asien. In früheren Jahren wurden die buddhistische Tem-
pel- und Klosterarchitektur in Sri Lanka untersucht. Inzwischen stehen die
Bauforschung und der Wiederaufbau der Architektur des Kathmandu-
Tales in Nepal im Fokus. Ein dritter Schwerpunkt ist die Bauuntersuchung
und Visualisierung der Synagogen, u.a. in Regensburg und in Sulzbach-
Rosenberg.
Das Forschungsspektrum des Fachgebiets Historische Bauforschung
und Baudenkmalpflege ist insgesamt weitgespannt und bezieht aus-
drücklich auch die Studierenden aller Studiengänge des Instituts
für Architektur ein, selbstverständlich auch Studierende der Fächer
Archäologie, Restaurierung und Kunstgeschichte sowie anderer Fach-
richtungen. Auf diese Weise wird ein früher Zugang zu Fragestellungen
und Methoden der Forschungen ermöglicht und eine Einheit von Lehre
und Forschung garantiert. Von besonderer Bedeutung sind die interna-
tionalen Forschungskooperationen und -projekte sowie die interdiszi-
plinäre Zusammenarbeit mit anderen Fachgebieten in und außerhalb
Tachymetrische Bauaufnahme im Rahmen des Jahr-
gangsprojektes 2015–17 – Weißes Haus im Neuen
Garten, Potsdam. H. Bücherl 2015.
Berlin-Brandenburg
Wittenberg
Resafa,Syrien
Kathmandutal,Nepal
Ephesos, Türkei
Selinus, Türkei
Monte Turcisi, Italien
Ainos, Türkei
Samos,Griechenland
Didyma, Türkei
Ostia Antika, Italien Hira Survey, Iraq
Damaskus, Syrien
Ar Raqqah,Syrien
Badajoz, Spanien
Palermo, Italien
Messene, Griechenland
GJU Amman, Jordanien
Laufende (schwarz) und abgeschlossene (grau)
Forschungsprojekte des FG Historische Bauforschung
und Baudenkmalpflege. Darstellung: I. Ciomu
5
Aktuelle Entwicklung des Fachgebiets
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
der TU Berlin. In diesem Zusammenhang soll ausdrücklich die enge Zu-
sammenarbeit mit dem Deutschen Archäologischen Institut in Berlin und
dem Österreichischen Archäologischen Institut in Wien erwähnt werden.
Die Forschungsprojekte umfassen drei Bereiche: Bauforschung und
Denkmalpflege erstens in Berlin, Brandenburg und Umgebung, zweitens
im Mittelmeerraum mit Bauwerken und Ensembles der griechisch-römi-
schen Antike und späterer Epochen, drittens im globalen Kontext.
Bauforschung und Denkmalpflege in Berlin und
Brandenburg
In Berlin und Brandenburg wie auch in anderen nahe gelegenen
Bundesländern werden vom Fachgebiet seit Jahren bauhistorische und
bauarchäologische Untersuchungen an bedeutenden historischen Ge-
uden durchgeführt. Dazu zählen die mit dem Kooperationspartner
‚Stiftung Preische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburgdurch-
geführten Bauforschungen zu den Berliner Schlössern Schönhausen,
Charlottenburg und zum Schloss auf der Pfaueninsel. In der Lutherstadt
Wittenberg wird in einem interdisziplinären Forschungsprojekt zusam-
men mit Historikern, Kirchen- und Kunsthistorikern der Universitäten
Leipzig und Halle-Wittenberg anhand von baulichen Quellen und Ar-
chivalien der Wandel untersucht, der im 16. Jahrhundert durch Univer-
sitsgndung und Reformation stattgefunden hat.
Geplant ist ein Projekt zur Erforschung der Berliner Synagogen, die wie
zahlreiche andere Synagogen von den Nationalsozialisten zerstört wur-
den. Diese Synagogen werden in Form von 3D-Visualisierung rekons-
truiert, um auf diese anschauliche Weise an die inzwischen zerstörten
Bauwerke und die jüdische Tradition in Berlin zu erinnern.
Schnitt durch die Apsis der Neuen Synagoge, Berlin.
Zeichnung: F. A. Stüler (1800–1865).
Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin:
Inv. Nr. 17279.
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Aktuelle Entwicklung des Fachgebiets
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Bauforschung und Denkmalpflege im Mittelmeerraum
Ein neuer Schwerpunkt des Fachgebiets ist die arcologische Bau-
forschung der hellenistischen und mischen Architektur im westlichen
Kleinasien - in Samos, Didyma, Ephesos, Lagina und in der Troas. Im
Fokus der jährlichen Sommerkampagne stehen die Forschungsprojekte
in Ephesos in Kooperation mit dem Österreichischen Archäologischen
Institut in Wien: Serapeion, obere Agora, Verulanushallen, Kirche in
Pamucak und Kapelle am Clivus Sacer. Auf der Grundlage der bau-
historischen Untersuchung wird beim Serapeion eine Teilanastylose
vorbereitet. Im Bereich der oberen Agora werden Konservierungsmaß-
nahmen durchgehrt.
Die tigkeit während der jährlichen Sommerkampagne in Didyma
umfasst zwei Schwerpunkte: Zum einen die Baudokumentation und
Bauforschung im Rahmen der laufenden Ausgrabungen als Koope-
rationspartner des Akademieprojektes „Kulte im Kult, angesiedelt
am Seminar für Klassische Archäologie der Martin-Luther-Universität
Halle-Wittenberg, und zum anderen die Konzeption und Durchhrung
des Site Managements für die gesamte Ausgrabungsstätte Didyma im
Auftrag des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Istanbul.
Auf dem Monte Turcisi in Sizilien werden in Kooperation mit dem Deut-
schen Archäologischen Institut die baulichen Überreste einer Befesti-
gungsanlage aus der Zeit der griechischen Kolonisation im 5./4. Jh.
v. Chr. untersucht. Im Rahmen einer internationalen Summer School,
die im Herbst 2016 gemeinsam mit der Universität Catania veran-
staltet wird, werden Studierende der Architektur und der Archäologie
an diesem Objekt die Methoden der archäologischen Bauforschung
erlernen.
Besonders erwähnenswert ist hierbei die langjährige Forschungs-
tigkeit von Dorote Sack und ihren Mitarbeitern, Studierenden und
Doktoranden im Orient, vor allem die Untersuchung der spätantiken
Pilgerstadt und fhislamischen Kalifenstadt von Resafa in Nordsyrien.
Weitere große Stadtforschungsprojekte wurden in Damaskus in Syrien
Epesos Serapeion, Nordostecke des Frontgiebels.
T. Schulz 2013.
Internationale Summerschool zur Bauaufnahme am
Monte Turcisi (Sizilien), Herbst 2016. C. Winterstein.
Resafa, Luftbild von Nordosten.
M. Stephani 1999.
7
Aktuelle Entwicklung des Fachgebiets
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
sowie in Beirut und Tripoli im Libanon durchgehrt. Derzeit werden die
Forschungsergebnisse zu Syrien aufbereitet und für die Endpublikation
ausgewertet.
Im Jahre 2015 wurde ein Survey-Projekt zur Erforschung der r die frü-
hislamische Architektur und Urbanistik bedeutenden Anlagen von al-
Hira bei Najaf im Irak unter der Leitung von Martina ller-Wiener in
Kooperation mit der Orientabteilung des Deutschen Arcologischen
Instituts neu begonnen.
Von außerordentlicher Bedeutung ist die Mitarbeit im Archaeological
Heritage Network“ des Auswärtigen Amtes, konkret im Projekt „Stun-
de Null - eine Zukunft r die Zeit nach der Krisein Syrien, das am
27. April 2016 in Anwesenheit des ehemaligen Außenministers Frank-
Walter Steinmeier in Berlin gestartet wurde. Im Rahmen dieses Projekts
wird gemeinsam mit Prof. Dr.-Ing. Christian Raabe und Yasser Shretah
von der RWTH Aachen an der German Jordanian University in Amman
der Masterstudiengang Conservation Studies im Fhjahr 2017 ein-
geführt. Ziel ist es, syrische Geflüchtete und Jordanier als Studierende
r verantwortliche Positionen im Bereich der Bauforschung, der Kon-
servierung, Restaurierung, eventuell Umnutzung und Wiederaufbau
auszubilden
Bauforschung und Denkmalpflege im globalen Kontext
Der Schwerpunkt der Forschungen in Asien ist derzeit die Architektur des
Kathmandu-Tales in Nepal. Diese Projekte, welche in Kooperation mit
der Kathmandu University und HimalAsia durchgeführt werden, stehen
im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau und der Sicherung der histo-
rischen Monumente nach den Erdbeben von 2015 und werden von der
Gerda Henkel Stiftung finanziert.
Archaeological Heritage Network.
Foto: A. Paasch, Deutsches Archäologisches Institut.
Workshop zur Dokumentation der Newar-Architektur in
Dhulikhel, Nepal.
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8
Sehen – Erkennen – Erhalten.
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Am Beginn der Forschungen steht immer eine unbändige Neugier, der
Wissensdrang. Wir wollen es wissen, stellen uns einer wissenschaftlichen
Fragestellung. Natürlich führt uns der Weg wie bei allen anderen Al-
tertumswissenschaften in die Bibliothek, ins Archiv, um alle bisherigen
Forschungen und Quellen zu studieren. Aber am Anfang ist unser Weg
als Bauforscher in einem Punkt ein ganz besonderer, da unsere Primär-
quelle das historische Monument vor Ort ist. Das kann oft sehr unbe-
quem sein. Wir gehen bei Wind und Wetter, Sonne, Regen und Schnee
vor Ort zum Gebäude. Anders als bauende Architekten unterwerfen wir
uns dem Monument, wollen nichts am Gebäude verändern, nichts hin-
zufügen. Wir wollen das Bauwerk analysieren, verstehen und stellen Fra-
gen. Wie war das konstruktive Gefüge des Gebäudes? Welcher Entwurf
liegt dem Bauwerk zugrunde? Welche Leitidee hatte der Architekt? Mit
welchen Schwierigkeiten hatte er zu kämpfen? Wie war der Bauablauf?
Welche etwaigen Bauphasen hat das Bauwerk erfahren?
Damit sind wir mitten in den Kerndisziplinen der Architektur: Entwurf, Bau-
konstruktion und Gestaltung. Diesen kreativen Prozess haben wir Baufor-
scher zumeist durch ein Architekturstudium selbst erfahren. Bauforschung
ist das Spiegelbild dieses kreativen Prozesses, die Analyse der vorhandenen
Sehen – Erkennen – Erhalten.
Aktuelle Aufgaben der Historischen Bauforschung und Denkmalpflege
Auszug aus der Antrittsvorlesung von Thekla Schulz-Brize vom 25.04.2016
Samos, Grundmauern des römischen Naiskos (vorne).
T. Schulz 2000.
9Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Architektur. Die Ergebnisse dieser Analysen und die Erkenntnisse der For-
schungen nnen im Idealfall in einer Art der Wechselwirkung wieder in den
kreativen Prozess der Entstehung von Architektur einfließen. In diesem Sinne
ist die Bauforschung - und die Denkmalpflege ohnehin- integraler Bestandteil
einer Architekturabteilung, und somit hat die historische Bauforschung auch
traditionell ihre wissenschaftliche Heimat in den Technischen Universitäten.
Am Anfang dieses Prozesses steht das Bestreben, dieses Objekt zu erkennen
und zu verstehen. So ist die wichtigste Grundlage der Historischen Baufor-
schung die verformungsgenaue Bauaufnahme, das Vermessen eines Ge-
bäudes von einem unabhängigen Messsystem und das Zeichnen des bauli-
chen Zusammenhangs mit all seinen Details an Ort und Stelle. Dabei kommt
es auf das genaue Hinsehen an, wie es Robert Koldewey, der Ahnherr der
historischen Bauforschung treffend zusammenfasst:
Niemand kann mir weismachen, daß er ein antikes Bauwerk ganz versteht,
wenn er es nicht gemessen und gezeichnet hat […] unmittelbar vor dem Ob-
jekt. Das Papier ist die Platte, das Auge das Objektiv, aber ein denkendes
Objektiv […]1
Der Wille des genauen Hinsehens setzt vieles voraus: Ausdauer und Geduld,
außerdem eine Wertschätzung der zu untersuchenden Architektur und der
damit verbundenen Handwerkskunst. Ein anderer Aspekt ist die Erfahrung,
weil nur das erkannt und verstanden werden kann, was auch bekannt ist.
Durch das genaue Hinsehen wird der analytische Blick des Bauforschers ge-
scrft und auf diese Weise der Erfahrungswert und der Grad der Erkenntnis
gesteigert. Dabei kommen die verschiedenen Methoden je nach Objekt zum
Einsatz: das Handaufm, die digitale Bauaufnahme, Laserscan oder inzwi-
schen auch wieder verstärkt die Photogrammetrie. Allen Methoden ist eines
gemein, sie bilden nur die Grundlage, das Hilfsgerüst für das genaue Hin-
sehen und das Zeichnen vor Ort. Das Foto oder der Laserscan schaffen nur
ein Abbild des Bauwerks. Die Bauaufnahme setzt ein Verständnis des Bau-
forschers voraus, der das Original analysiert. In der Bauaufnahme werden
die wesentlichen Details hervorgehoben und von unwesentlichen Details, wie
Brüchen etc. unterschieden. Diese Vorgänge setzen genaues Hinsehen und
Erkennen voraus.
Samos, Wandquader des römischen Naiskos mit
Entsühnungszeichen als Spolie in der frühchristlichen
Basilika verbaut. T. Schulz 2000.
Samos, Rekonstruktion der Nordmauer des römischen
Naiskos. T. Schulz 1994.
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10
Sehen – Erkennen – Erhalten.
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Die historische Bauforschung hat ihren Ursprung in der archäologischen
Bauforschung des Mittelmeerraums, ein Kulturraum, in dem auch ich
das Sehen und Erkennen gelernt habe. Das ist deshalb auch heute noch
so interessant, weil es sich bei der antiken Repräsentationsarchitektur um
Gliederbauten handelt, bei denen jedes Bauteil seinen unverwechselba-
ren Platz innerhalb des tektonischen Gefüges einnimmt. Diese Steinbau-
ten – zumeist aus Marmor – wurden in ihrer handwerklichen Ausführung
nie übertroffen. So ist es besonders wertvoll, das Sehen und Erkennen,
am griechischen und römischen Original zu lehren und zu lernen. Es ist
mir eine große Freude, dass wir damit bereits im letzten Semester in dem
Depot der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin beginnen
konnten, wo ich zuvor auch schon mit Regensburger Studenten gearbei-
tet habe. Das ist der Auftakt eines gemeinsamen Forschungsprojektes mit
dem Antikenmuseum und der FU Berlin. Dazu möchte ich auch betonen,
dass das Zeichnen von Bauteilen letztlich nur noch an der TU Berlin, und
in meiner Nachfolge auch an der OTH Regensburg gelehrt wird. Mein
Ziel ist es natürlich, die wichtige und etwas in Vergessenheit geratene
Methode wieder weiter zu verbreiten. Vor allem für die Schulung des
Sehens ist es von außerordentlicher Bedeutung, außerdem die wichtige
Grundlage für das Erkennen und Rekonstruieren von baukonstruktiven
Zusammenhängen.
Kerngebiet der Bauaufnahme ist natürlich das Zeichnen und Vermes-
sen ganzer Häuser mit allen Stockwerken, was ausführlich im Rahmen
der Jahrgangsprojekte unseres Studiengangs Denkmalpflege vermittelt
wird. Dabei lernen die Studenten die verschiedenen Methoden der Bau-
aufnahme und analysieren die Bauphasen der Bauwerke. Neben der
zeichnerischen Dokumentation werden die Baubeschreibung und auch
die fotografische Dokumentation vermittelt, was zusätzliche Erkenntnisse
über die baulichen Zusammenhänge liefert. Die Bauforschung ist die
Grundlage für die Denkmalpflege des Gebäudes, basierend auf dem
denkmalpflegerischen Bindungsplan, einer Kartierung aller Schäden,
der Erarbeitung eines Konservierungs- und Nutzungskonzeptes.
In archäologischen Ausgrabungen lag in früheren Jahren in der Regel
die ganze Konzentration auf dem Gebiet der Forschung, während der
Denkmalpflege dieser Stätten eine eher untergeordnete Rolle zukam.
Keine archäologische Ausgrabung kann ohne Site Management Plan
und Denkmalkonzept auskommen, und zwar bereits vor Beginn der Ak-
tivitäten, bei der Durchführung und erst recht nach Abschluss der For-
schungsprojekte. Neben der Bauforschung ist die Bewahrung der Ru-
inenstätten mit den antiken Monumenten gleichrangig. So spielen die
Überlegungen zu den Aspekten Sehen Erkennen Erhalten selbstver-
ständlich nicht nur in der Bauforschung und Denkmalpflege in Berlin und
Brandenburg, sondern auch bei antiken Bauwerken eine Rolle.
Anmerkungen
1 Gruben 2000
Gottfried Gruben: Klassische Bauforschung. In: Adolf H. Borbein,
Tonio Hölscher, Paul Zanker (Hrsg.): Klassische Archäologie. Darmstadt
2000, 270.
Bauteilaufnahme im Depot der Antikensammlung der
Staatlichen Museen zu Berlin. U. Dirschedl 2015.
Bauteilaufnahme im Depot der Antikensammlung der
Staatlichen Museen zu Berlin. U. Dirschedl 2015.
Forschungsprojekte
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.
13Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Die Ausgrabungen von Ephesos werden von Priv.-Doz. Mag. Sabine
Ladstätter, der Direktorin des Österreichischen Archäologischen Instituts
geleitet, auf deren Einladung jährlich seit 2011 Forschungen im Bereich
der Historischen Bauforschung stattfinden, die zunächst von der OTH
Regensburg aus geleitet wurden und durch den Stellenwechsel an die
TU Berlin 2015 auf das Fachgebiet Historische Bauforschung und Denk-
malpflege übertragen werden konnten. In enger Kooperation mit dem
ÖAI konnten seit 2011 folgende Forschungsprojekte in Ephesos etabliert
werden: Serapeion (a), Obere Agora (b), spätantike Residenz südlich der
Marienkirche (c), Kirche in Pamucak (d) und Kapelle am Clivus Sacer
(e). (Vgl. Abb. 1) Die spätantike Residenz wird von Katharina Sahm im
Rahmen einer Dissertation erforscht, die mit einem Promotionsstipendi-
um der Frauenbeauftragten der Bayerischen Fachhochschulen finanziert
wird. Die Kirche in Pamucak, die sich auf einem Hügel nahe der Mün-
dung des Hafens befindet, wird von Katinka Sewing untersucht mit einer
Finanzierung der Koç Universität in Istanbul. Die kleine Kapelle am Cli-
vus Saver ist die Abschlussarbeit von Franziska Houschka, Studentin des
Masterstudiengangs Historische Bauforschung an der OTH Regensburg.
Diese Projekte stehen erst am Anfang und werden somit in den künftigen
Jahrbüchern erscheinen. Von den Bauforschungen im Serapeion und im
Bereich der oberen Agora können bereits erste Ergebnisse im Folgenden
dargestellt werden.
Thekla Schulz
Bauforschungen in Ephesos
Abb. 1: Lage des Serapeion und der anderen Projekte.
C. Kurtze 2014.
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14
Thekla Schulz
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Bauuntersuchung des Serapeion in Ephesos
Der Serapis-Tempel ist vor allem wegen seiner monolithischen Bauweise
und seines ungewöhnlichen Entwurfs für die Architekturgeschichte der An-
tike von außerordentlicher Bedeutung. Der sehr gute Erhaltungszustand
bietet die nahezu einzigartige Möglichkeit, die versrzten Architekturele-
mente in Lage und Position genau zuordnen zu können1. (Vgl. Abb. 2)
Der Tempel gehört zu einer gren Platzanlage, die am Nordabhang des
lbüldağ errichtet wurde. Die an drei Seiten von Hallen gerahmte und im
Norden von einem Propylon erschlossene Platzanlage nimmt eine Gße
von ca. 100 m auf 75 m ein. An der dem Propylon gegenüberliegenden
Seite erhob sich der Tempel über einer mächtigen Freitreppe. Die Vorder-
seite wird durch die Vorhalle mit acht prostylen Säulen und der mächtigen
r betont. Der gesamte Säulen-, Tür- und Gebälkaufbau besteht aus
monolithischen Architekturelementen aus weißem Marmor, der von der
Insel Prokonnesos stammt2. (Vgl. Abb. 4)
Die Ausgrabung des Serapeion begann im Jahre 1911 unter der Leitung
von Rudolf Heberdey und dem Bauforscher Wilhelm Wilberg, von dem
auch die erste Rekonstruktion des Grundrisses stammt3. (Vgl. Abb. 3)
Nach dem 1. Weltkrieg wurden die Arbeiten 1926 unter der Leitung von
Josef Keil und seinen Mitarbeitern Franz Miltner und dem Bauforscher Max
Theuer fortgesetzt. Sie legten den Platz vor dem Tempel und das Propylon
frei. Unterhalb des Propylons wurden zwei sekundär verwendete Statuen-
basen gefunden mit der Dedikation an Kaiser Caracalla und der Nennung
des Stifters, bei der auch der Gott Serapis erwähnt wird. Der Tempel wird
wegen dieser Erwähnung seither mit dem Serapis-Kult in Verbindung ge-
bracht. Einen Grundriss und eine perspektivische Rekonstruktion der Ge-
samtanlage mit den drei Erscheinungstüren im Giebel des Tempels fertig-
ten W. Wilberg und M. Theuer an4.
Abb. 2: Serapeion, Überblick vom Kran. N. Gail 2014.
Abb. 4: Serapeion, Perspektive. W. Wilberg, M. Theuer.
KEIL 1964, Abb. 55.
Abb. 3: Serapis-Tempel, Grundriss. W. Wilberg.
HEBERDEY 1913, Abb. 30.
15
Bauforschungen in Ephesos
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Ziel der Bauuntersuchung des Serapis-Tempels, die bislang in den Jah-
ren 2011 bis 2014 stattfand, ist die zeichnerische Rekonstruktion des
gesamten Tempels basierend auf einer detaillierten Dokumentation5. So
wurde während der vier Kampagnen auf der Basis eines Laserscans6 zu-
chst die Sturzlage des Tempels dokumentiert und anschließend wurden
284 Architekturelemente inventarisiert und detailliert beschrieben, dabei
ausgewählte Architekturelemente verformungsgenau mit allen technischen
Details und der Bauornamentik im M 1:10 gezeichnet. In der Kampagne
2014 wurden die in situ befindlichen Mauern, Nischen, Fböden und
Wasserkale des Tempels ebenfalls auf der Basis von Laserscans vor Ort
im Handaufmim M 1:50 in Grundriss und Schnitten gezeichnet7. Die
Bauuntersuchung des Tempels führt zu zeichnerischen Rekonstruktionen.
Diese detaillierte Bauforschung ist die elementare Grundlage für die künf-
tige Präsentation und geplante Teilanastylose der Tempelruine und führt
außerdem zu weiteren Überlegungen zur Deutung des Monuments.
Der Hauptraum des Tempels, die Cella, nimmt eine lichte Weite
von 17,24 m auf 20,18 m ein mit einer Apsis im Süden 6,22 m auf
7,30 m. Die Cellawände sind mit Nischen gegliedert, zu beiden Seiten
der Apsis mit jeweils einer Nische und die Längswände mit jeweils sechs
Nischen. In den Nischen sind Wasserbecken zu rekonstruieren. Das Was-
ser lief innerhalb der Cella von den Nischen in einem an allen vier Seiten
umlaufenden offenen Kanal und floss unter der Türschwelle in einem ge-
schlossenen Kanal ab.
Die ngswände der Cella sind mehrschalig gearbeitet. Ihre Stärke beträgt
einschließlich der Korridore und Nischen insgesamt 6,10 m. Unmittelbar
hinter der Türwand der Cella hren jeweils links und rechts Stufen hinunter
zu seitlichen Korridoren, die zu beiden Seiten der Apsis an der Rückseite
des Tempels in Treppenhäusern münden. Insgesamt sind vier Treppenläufe
zu rekonstruieren, von deren der zweite im Osten noch in situ erhalten ist.
(Vgl. Abb. 5 und 6)
Abb. 5: Serapis-Tempel, östliches Treppenhaus.
T. Schulz 2014.
Abb. 6: Serapis-Tempel, Rekonstruktion der Treppen-
häuser. T. Schulz 2014.
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16
Thekla Schulz
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Im Pronaos zeichnen Ritzlinien auf der Oberseiten der Euthynterie die
Mittelachsen der Säulen und damit auch die Stoßfugen der Architravblö-
cke vor. Diese Vorzeichnung ist als Reißboden im Pronaos zu verstehen,
ein interessantes Detail zum Bauablauf des Tempels8.
Die Vorderseite des Tempels wird durch die prostylen Säulen, die mächti-
ge Tür und durch den Giebel mit den drei Erscheinungstüren betont. Die
Säulenhöhe kann mit ca. 14 m rekonstruiert werden. Die Säulenschäfte
sind mit ca. 40 t die größten und damit schwersten Bauteile des Tempels.
(Vgl. Abb. 7)
Der Architrav über den Säulen und den Anten, der außen und innen
jeweils mit drei Faszien gearbeitet wurde, ist vollständig in zum Teil
stark gebrochenen Blöcken erhalten. Über dem Architrav folgte der
Fries mit einem Rankenornament. Die Rankenornamentik des Frieses
folgt einem klaren Rhythmus: Aus drei Akanthusblättern wachsen zu bei-
den Seiten jeweils zwei runde Ranken und eine Halbpalmette. Dieses
Motiv wiederholt sich, wobei in den runden Ranken im Wechsel Eroten
und Tierprotomen auftreten9. An der Nordwestecke beginnt der Fries
mit einem Greifen, bei dem die teilweise dunkle Marmoräderung gut
sichtbar ist. Der längste Friesblock ist mit drei Akanthusblättern, zwei
runden Rankenwerken und zwei Halbpalmetten gearbeitet. Von der Mit-
telachse der Akanthusblätter bis zur Mittelachse der Halbpalmetten be-
trägt der Abstand 1,955 m. Damit beträgt das vollständige Achsmaß
des Frieses 3,91 m. In die Rückseite der Friesblöcke sind immer genau
an der Stelle, wo an der Vorderseite die drei Akanthusblätter auftreten,
große U-förmigen Einlassungen von 1,05 m Breite eingearbeitet. Auf
der Rückseite der Friesblöcke sind folglich insgesamt fünf von sechs U-
förmige Einarbeitungen erhalten, die alle gleich dimensioniert sind und
im regelmäßigen Abstand angeordnet waren. (Vgl. Abb. 8 und 9) Mit
diesen U-förmigen Einarbeitungen ist eine hölzerne Deckenkonstruktion
zu rekonstruieren, die auf den Architravblöcken auflag, bis zur Schwelle
der Erscheinungstür auf der Oberkante des Horizontalgeisons reichte
und damit insgesamt eine Höhe von 1,78 m einnahm. Die Holzkonst-
ruktion bestand unten aus zwei Trägern, analog sicher auch oben. Diese
Holzträger bildeten zusammen mit anderen Holzelementen ein hölzer-
nes Flächentragwerk mit monumentalen Stegen und Kassettenfeldern.
Abb. 7: Serapis-Tempel, Rekonstruktion der Vorderseite.
Zeichnung: T. Schulz 2015;
digitale Umsetzung: C. Ruppert 2015.
17
Bauforschungen in Ephesos
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Abb. 8: Serapis-Tempel, Fries der westlichen Frontseite.
Zeichnung: T. Schulz 2014;
digitale Umsetzung: A. Zeitler 2014.
Abb. 9: Serapis-Tempel, Rückseite der Friesblöcke mit
U-förmigen Einarbeitungen. T. Schulz 2014.
Abb. 10: Serapis-Tempel, Rekonstruktion, Querschnitt.
T. Schulz 2014.
Abb. 11: Serapis-Tempel, Rekonstruktion, Querschnitt.
Zeichnung: T. Schulz 2014;
digitale Umsetzung: A. Zeitler 2014.
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18
Thekla Schulz
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Statisch ist die gesamte Konstruktion wie eine Scheibe aufzufassen. (Abb.
10)
Zahnschnitt, Konsolengeison und Sima bestehen jeweils aus einem Block.
Erhalten sind die beiden Eckblöcke im Osten und Westen, der Firstblock
und 30 weitere Blöcke des Horizontal- und Schräggeisons. Bemerkenswert
ist, dass fast alle Bcke des Tympanons und der Erscheinungstüren erhal-
ten sind. Die Blöcke und somit auch die Fugen sind symmetrisch ange-
ordnet. Die Dachneigung des Serapis-Tempels ist im Vergleich zu anderen
Tempeln extrem steil, weil der Giebel mit Erscheinungstür ausgestattet ist,
der Dachraum somit sicher begehbar und entsprechend hoch dimensio-
niert war. (Abb. 11)
Die Stufen der Freitreppe und die dazugehörigen Treppenwangen wurden
auf einem separaten Fundament errichtet. Der gesamte Stufenbau ent-
stand erst nach dem vollständigen Abschluss der Arbeiten am Tempel. Die
einzelnen Stufen bestehen nicht aus prokonnesischen, sondern aus ephe-
sischen Marmor und sind zweitverwendet10. Einige dieser Blöcke tragen
an der Rückseite eine bilinguale Inschrift11, andere sind an der ckseite
mit drei Faszien und wieder andere mit einem bauchigen und ansonsten
ornamentlosen Fries gearbeitet. Diese Stücke gehörten wahrscheinlich zu
einer Hallenarchitektur12. (Abb. 12 und 13)
Abb. 12: Serapis-Tempel, Freitreppe. T. Schulz 2014.
Abb. 13: Serapis-Tempel, Freitreppe, sekundär verwen-
detes Architekturelement. T. Schulz 2014.
19
Bauforschungen in Ephesos
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Anmerkungen
1 Für die Möglichkeit, einen so bedeutenden Tempel in Ephesos untersuchen
zu können, und für die laufende Unterstützung bei allen inhaltlichen und or-
ganisatorischen Fragen danke ich der Leiterin der Ausgrabung von Ephesos,
Dr. Sabine Ladstätter, sowie Astrid Pircher und Helmut Schwaiger. Ihnen al-
len, sowie Niki Gail, Sinan Ilhan, Robert Kalasek, Thomas Koch, Christian
Kurtze, Georg Plattner, Martin Pließnig, Walter Prohaska, Sirri Seren, Hans
Täuber, Barbara Thuswaldner sei für die freundschaftliche interdisziplinäre
Zusammenarbeit gedankt. Der Ephesus Foundation danke ich für die finan-
zielle Unterstützung.
2 Ergebnis der petrologischen Untersuchungen von Walter Prohaska bislang
unpubliziert.
3 Heberdey 1912, 182; Heberdey 1913, 77–88, Abb. 28–32.
4 Keil 1926, 265–271, Abb. 53; Keil 1964, 102–105, Abb. 54–55.
5 In ganz besonderer Weise danke ich meinen jungen Kollegen der Baufor-
schung: Tina Brandmeier, Tina Bratschi, Anika Fischer, Anna Hohlheimer,
Alexander Lischke, Daniel Musall, Maximilian Naumann, Karo Piechazcek,
Christine Ruppert, Michael Salberg, Marcel Tschannerl, Matthias Wittmann,
Annika Zeitler.
6 Die Laserscans des Grundrisses mit der Sturzlage der Bauteile erstellten Bar-
bara Thuswaldner und Robert Kalasek von der TU Wien.
7 Die Laserscans der einzelnen Bauteile und des gesamten Tempels erarbeite-
te Christian Kurtze und die umfangreiche Fotodokumentation Niki Gail.
8 Christine Ruppert wird diese Details ausführlich im Rahmen ihrer Masterar-
beit und der geplanten Publikation vorlegen.
9 Eine ausführliche Analyse des Frieses wird Georg Plattner demnächst publi-
zieren.
10 Ergebnis der Untersuchungen von Walter Prohaska – bislang unpubliziert.
11 Die epigraphische Untersuchung leitet Hans Taeuber.
12 Eine detaillierte Bauuntersuchung dieser Architekturelemente wird von Anni-
ka Zeitler im Zuge der Restaurierung der Freitreppe durchgeführt.
Literatur
Heberdey 1912
Rudolf Heberdey: 9. Vorläufiger Bericht über die Ausgrabungen in Ephesos.
ÖJh 15, 1912, Beibl. 182.
Heberdey 1915
Rudolf Heberdey: 11. Vorläufiger Bericht über die Ausgrabungen in Ephesos
2013. ÖJh 18, 1912, Beibl. 77–88.
Keil 1926
Josef Keil: 12. Vorläufiger Bericht über die Ausgrabungen in Ephesos. ÖJh 23,
1926, Beibl. 247–300, Abb. 47.
Keil 1964
Josef Keil: Ephesos. Ein Führer durch die Ruinenstätte und ihre Geschichte.
Wien 1964.
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20 Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Abb. 3: Blick zum Pronaos und der Türwand.
C. Ruppert 2013.
Einblicke in eine antike Monumentalarchitektur.
Rekonstruktion des Portals des sogenannten Serapeions in Ephesos1
Das Hauptportal2 ist eines der zentralen Architekturelemente des Se-
rapeions. Es ist sowohl auf Grund der hochwertigen Ausführung, als
auch auf Grund seiner Größe bemerkenswert (vgl. Abb. 1 und 2).
Mit einer lichten Breite von 5,345 m ist es mit den Portalen monu-
mentaler hellenistischer Tempel, wie dem Apollon-Tempel in Didyma
(5,63 m x ~14 m)3 oder dem Artemision in Sardes (6,10 m x ~12 m)4 gleich-
zusetzen. Auch innerhalb des Serapeions ist das Portal eines der bestim-
menden Elemente; es nimmt mehr als ein Viertel der Breite der Türwand ein
(vgl. Abb. 3) und setzt sich aus neunzehn Bauteilen aus feinkristallinem,
weißem Marmor zusammen. Es ist dem in hocharchaischer Zeit entstan-
denen ionischen Türtypus zuzuordnen und weist den für diesen bezeich-
nenden reichen Bauschmuck sowie die, im Gegensatz zu den restlichen
Baugliedern, monumentale Ausführung auf.5
Einer der Beweggründe eine Einzeluntersuchung des Portals vorzuneh-
men war, der außergewöhnlich gute Erhaltungszustand der Bauteile. Die
Bearbeitungsspuren und diverse Hilfskonstruktionen, wie Ritzlinien, sind
heute noch deutlich erkennbar und erlauben so einen tiefen Einblick
in die konstruktiven Details des Tempels (vgl. Abb. 4). Dies ist umso
bedeutender, da bisher neben vereinzelten Untersuchungen6 kaum
bauhistorische Studien zu antiken Portalen publiziert wurden und über
deren Aufbau, Funktions- und Bauweisen nur wenig bekannt ist. Das
Ziel der durchgeführten Untersuchung war es also, das Portal in seinem
ursprünglichen Zustand zeichnerisch zu rekonstruieren und die bautech-
nischen Aspekte (Bauhergang, konstruktive Verbindungen, das Öffnen
und Schließen der Türflügel, usw.) zu klären. Hierfür wurden erst die
dem Portal zugehörigen Fragmente innerhalb der Masse aller erhalte-
ner Fragmente des Tempels identifiziert und mit verformungsgerechten
Bauaufnahmen und Fotos dokumentiert. Insgesamt 43 Fragmente konn-
ten dem Portal zugewiesen werden. Diese wurden anschließend ihrer
ehemaligen Position im aufgehenden Mauerwerk zugeordnet und zu ur-
sprünglich neunzehn Bauteilen rekonstruiert (Abb. 5).
Einen wichtigen Anhaltspunkt bildeten hierbei die technisch-funktionellen
Bedingungen, welche aus der Verbindung der steinernen Bauteile des
Christine Ruppert
Abb. 1: Bauteile des Oberbaus (Inv.-Nr. 3 und 4).
C. Ruppert 2013.
Abb. 2: Archivfoto einer Türsturzkonsole.
Archivfoto des ÖAI, Inv.-Nr. A-W-OAI-
DIA-012371-1400 (Ausschnitt).
21Jahrbuch Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Abb. 4: Grundriss des Pronaos und Ansicht der
Türwand mit den in situ erhaltenen Bauteilen des
Hauptportals.
Bauaufnahme durch A. Zeitler, T. Brandmeier und
C. Ruppert 2014, Umzeichnung C. Ruppert.
Portals mit den beweglichen Türflügeln resultierten. So konnten durch
die Einbeziehung der für das Anbringen und Bewegen der Flügel not-
wendigen Vorkehrungen (Drehrinnen, Anschlag, Türpfannen, usw.) ver-
lorene Bereiche der Rahmung und des Unterbaus rekonstruiert werden.
Hierbei waren Vergleiche mit zeitgleichen kleinasiatischen Portalen, oft
auch deutlich kleineren Ausmaßes, von großem Nutzen, da sie einen
Einblick in die damals geläufigen Techniken erlaubten. Weitere wichtige
Anhaltspunkte bildete der in situ erhaltene Türunterbau und die noch
aufrechtstehenden Pfostenfragmente, welche verbindliche Maße lieferten
(vgl. Abb. 3).
Die Hauptschwierigkeit der Rekonstruktion bestand in der Ermittlung der
lichten Höhe der Tür7, da von der Türrahmung auf Grund von Steinraub
nur wenige, stark beschädigte Fragmente erhalten sind8. Diese haben
lediglich ermöglicht eine minimale lichte Höhe von knapp über 9 m zu
ermitteln, nicht aber die absolute Höhe der Tür. Um diese näher be-
stimmen zu können, wurde die Untersuchung auf den über dem Portal
liegenden Wandabschluss ausgedehnt. So konnte anhand des Bezugs
des Portals zur Kapitell- und Frieszone die Höhe von oben eingegrenzt
werden, das heißt eine maximale Höhe konnte bestimmt werden9. Dank
dieses Vorgehens konnten schließlich folgende lichte Maße für das Portal
rekonstruiert werden: 5,345 x 9,35 m, was einer Proportion von annä-
hernd 1:1,75 entspricht.
Des Weiteren, hat der gute Erhaltungszustand der Bauteile zahlreiche
Erkenntnisse zur Bautechnik ermöglicht. An dieser Stelle soll nur ein
Advertisement
22
Christine Ruppert
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Beispiel herausgegriffen werden: der Bauablauf. Das Herausarbeiten
des Bauhergangs hat deutlich gemacht, welch sorgfältige Planung und
welch enormer Aufwand hinter dem Versatz der Bauteile steckte. In der
Tat, muss die Errichtung des Portals eine große Herausforderung dar-
gestellt haben, denn die bis zu 10 m langen Bauglieder waren durch
komplexe, teils sehr ungewöhnliche, konstruktive Verbindungen10 an-
einander gefügt. Um die Reihenfolge, in welcher die tonnenschweren
Bauteile in Position gebracht wurden, zu bestimmen, lieferten die er-
haltenen Ritzlinien (vgl. Abb. 4) wichtige Hinweise. Hierbei hat sich her-
ausgestellt, dass der Aufbau des Portals nicht isoliert von der Errichtung
des umliegenden Wandaufbaus betrachtet werden kann. Die einzelnen
Errichtungsphasen des Portals haben im Gegenteil den Aufbau der Tür-
wand maßgeblich bestimmt, sodass der Versatz der Wandquader immer
wieder unterbrochen, respektive gezielt weitergeführt werden musste, je
nach dem Voranschreiten des Türaufbaus. Während des Aufbaus dien-
ten die Wandquader so teils als Stütze des noch unvollständigen Por-
tals, an anderer Stelle hingegen musste der Versatz der Wandquader in
einer bestimmten Höhe unterbrochen werden, um den Zugang zu den
jeweilig zu versetzenden Bauteilen des Portals zu erlauben. Der Aufbau
der Türwand musste demnach präzise auf jenen des Portals abgestimmt
werden. Es zeigt sich also, dass das Portal nicht nur hinsichtlich seiner
architektonischen Wirkung, sondern auch konstruktiv eines der zentralen
Elemente des Tempels war.
Abb. 5: Zuordnung der erhaltenen Fragmente des
Portals (links); Rekonstruktion des Originalzustands des
Portals (rechts). C. Ruppert 2014.
23
Einblicke in eine antike Monumentalarchitektur.
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Anmerkungen
1 Die Autorin hat das Portal im Rahmen ihrer im Januar 2015 vorgestellten Abschluss-
arbeit an der OTH Regensburg bearbeitet (M.A. Historische Bauforschung: C. Rup-
pert, Das Hauptportal des sog. Serapeions in Ephesos, unveröffentlichte Masterarbeit
(Regensburg 2015). Die Arbeit vor Ort erfolgte während jeweils einmonatiger Kampa-
gnen im Sommer 2013 & 2014.
2 Mit dem Begriff Portal ist die gesamte Türkonstruktion mit Unterbau (Türtreppe &
-schwelle), Rahmung (Pfosten und Türsturz), Oberbau (Fries, Türsturzkonsolen und
Geison) und Türflügeln gemeint und nicht, wie im alltäglichen Sprachgebrauch nur die
Türflügel, welche beim Serapeion, wie bei den meisten antiken Portalen nicht erhalten
sind.
3 (Breite x rekonstruierte Höhe) Maße nach: Müller-Wiener 1988, 106.
4 (Breite x rekonstruierte Höhe) Maße nach: Butler 1925, 39.
5 Der ionische Türtypus wurde ausschließlich in repräsentativ-sakralen Kontexten ge-
nutzt. Die kennzeichnenden Merkmale sind ein mit umlaufenden Faszien geschmück-
ter Rahmen, gefolgt von einem Fries und einer durch seitliche Türkonsolen gestützte
Verdachungsplatte.
6 Siehe Büsing-Kolbe 1978 zu frühen griechischen Türen; Gruben 1972 zu kykladi-
schen Türen; Gruben Gruben 1997 zu Tür des Pantheon. Siehe auch unveröffent-
lichte Dissertation von KLENK 1924 zur griech. Terminologie und Vitruv IV. 6 zur lat.
Terminologie.
7 und somit der Proportion der Türöffnung.
8 Hier sollte angemerkt werden, dass die Rekonstruktion der lichten Höhe die Haupt-
schwierigkeit bei fast allen antiken Portalen ist. Insgesamt sind nur wenige Portale im
Originalzustand erhalten und meistens kann nur die lichte Breite am Grundriss abge-
lesen werden, die Höhe muss rekonstruiert werden. Da es zudem wenige Einzelstudien
zu Portalen gibt, gibt es auch kaum verlässliche Vergleichsbeispiele.
9 Hierfür konnte die Autorin sich zum Teil auf eine im Jahr zuvor erschienene Masterar-
beit zum Säulen- und Wandaufbau des Tempels stützen, siehe Piechaczek 2014.
10 Ein Beispiel hierfür sind die über einen Meter langen Marmordübel, welche die beiden Lagen
des Oberbaus verbanden und das Herabstürzen des auskragenden Geisons verhinderten.
Literatur
Buttler 1925
Howard Crosby Butler: Architecture. Pt. 1. The Temple of Artemis. Leyden 1925.
Büsing-Kolbe 1978
Andrea Büsing-Kolbe: Frühe griechische Türen. JdI 93, 1978, 66174.
Gruben 1972
Gottfried Gruben: Kykladische Architektur. MüJb 23, 1972, 636.
Gruben Gruben 1997
Doris Gruben Gottfried Gruben: Die Türe des Pantheon. RM 104, 1997, 374.
Klenk 1924
Heinrich Klenk: Die antike Tür, unveröffentliche Dissertation. Gießen 1924.
Müller-Wiener 1988
Wolfgang Müller-Wiener: Griechisches Bauwesen in der Antike. München 1988.
Piechaczek 2014
Karoline Piechaczek: Der Säulen- und Wandaufbau des Serapis Tempels in Ephesos, un-
veröffentlichte Masterarbeit OTH Regensburg. Regensburg 2014.
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24 Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Der hier näher behandelte Westabschluss wird in insgesamt sechs
Gebäude unterteilt. Dies sind von Norden nach Süden das Westchal-
chidicum, der Pollio-Bau (der durch einen kleinen Zwischenbau vom
Westchalchidicum abgetrennt ist), der Domitiansbrunnen, fünf teilweise
überwölbte Kammern und ein größerer Sockelbau1 (vgl. Abb. 1).
Der Bauaufnahme liegt ein Laserscan durch Christian Kurtze, einen vom
ÖAI beauftragten Geodäten, zugrunde. Dieser Scan wird hierbei nur als
Stütze herangezogen, um die jeweiligen Festpunkte nutzen zu können.
Die verformungsgerechte Bauaufnahme erfolgt mit analogen Hilfsmit-
teln, die aufgrund der Umstände, dass in dem Bereich sämtliche Be-
sucher von Ephesos vorbeikommen, jederzeit wieder neu ausgerichtet
werden können. Mit Hilfe von horizontalen Maurerschnüren und über
Lote entsteht ein unabhängiges Messsystem, das mit einem Maßstab von
1:50 auf Papier übertragen wird. Damit sind sämtliche Verformungen
und Einarbeitungen zeitgleich am Objekt und auf dem Plan überprüfbar.
So konnten sehr schnell verschiedene Schadensbilder kenntlich gemacht
und für drei Gebäudeabschnitte gesonderte Voraussetzungen zugeord-
net werden.
Bausicherungsmaßnahmen des Westabschlusses der Oberen Agora
in Ephesos hrend der Kampagne 2015
Daniel Musall
Abb. 1: Blick vom Bülbüldağ auf den Westabschluss
des sog. Staatsmarktes von Ephesos (v.l.o.n.r.u.: West-
chalchidicum, Pollio-Bau mit Zwischenbau, Domitians-
brunnen, Ostkammern IV-VIII und Sockelbau).
D Musall 2014.
25Jahrbuch Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Ostkammern VII und VIII
Die Bezeichnung Ostkammer rührt daher, dass Anfang der 1970er eine
Untersuchung der Substruktionen des westlich vom Staatsmarkt gelege-
nen Domitianstempels stattfand. Hier wurden die Kammern als West-
kammern bezeichnet, da sie westlich der Domitiansgasse liegen.2 Die
auf der östlichen Seite der Gasse liegenden Kammern, die am Westab-
schluss der Oberen Agora angeordnet sind, wurden daher als Ostkam-
mern bezeichnet. Sie bestehen von Norden nach Süden aus drei Kam-
mern im Westchalchidicum und fünf Kammern im Bereich zwischen dem
Domitansbrunnen und dem Sockelbau, der den südlichen Abschluss der
Gebäudereihe bildet.
Die Ostkammern VII und VIII sind die einzigen, deren Gewölbe noch
erhalten sind. Des Weiteren sind diese Kammern die einzigen, die durch
einen kleinen Durchgang miteinander verbunden sind. Allerdings bil-
det dieser Durchgang ein statisches Problem. Der notwendige Sturz des
Durchgangs ist im Westbereich der Trennmauer im Mauerverband ein-
gebunden und hat eine wenn auch sehr geringe Übergreifungslänge.
Im Osten stößt der Sturz stumpf gegen die vorhandene Mauer eines
früheren Bauabschnittes. Dadurch kann in dem Bereich keine Kraftüber-
tragung ins Erdreich erfolgen. Die Last der beiden Gewölbebögen leitet
sich somit über den Westbereich ab. Hier ist ein weiter nach Westen
reichender Ausbruch von Mauersteinen zu erkennen. Dadurch können
die auftretenden Kräfte nur noch bedingt abgeleitet werden und dies
führt dazu, dass die Stabilität der Gewölbe nicht mehr gewährleistet ist
(vgl. Abb. 2). Am Randbereich der Ostkammer VIII kann zusätzlich ein
Loslösen der einzelnen Mauerschichten festgestellt werden.Der Bereich
der beiden Kammern ist seit letztem Jahr für den Tourismus abgesperrt
worden, was allerdings nicht alle Personen aufhält. Hier gilt es weitere
Sicherungsmaßnahmen zu ergreifen.
Domitiansbrunnen
Der Domitiansbrunnen ist in seinem heutigen Erscheinungsbild eine
Anastylose von Anton Bammer aus den 1970er Jahren3. Die Bogenstei-
ne wurden damals wieder aufgerichtet und auf Stahlbetonpfeiler gestellt.
Diese Ausbesserungen und Ergänzungen finden sich auch in Teilberei-
chen des Pollio-Baus.
Bei genauerer Betrachtung des modernen Materials wurde festgestellt,
dass es keine Verbindung mit dem Bestandsmaterial gibt. Weder im F-
punkt, noch im nach Osten verlaufenden Bereich finden sich die notwen-
digen Verankerungen mit den bestehenden Bauteilen. Neben der sehr
schlechten Qualität des Betons wurden regional üblich glatte Be-
währungsstäbe verwendet. An den Kanten der Betonbauteile sind zudem
Risse und Abplatzungen zu erkennen, die auf teilweise starke Korrosions-
schäden der Bewehrung schließen lassen. Die Oberfläche der Stahlbe-
tonpfeiler ist ungewöhnlich rau. Schalungsoberflächen sind in der Regel
etwas glatter, je nach Oberflächenbeschaffenheit der Schalung. Bei nä-
herer Betrachtung des südlichen Betonpfeilers konnte auf der Südseite im
Anschlussbereich zum nächsten Gebäude eine um etwa 2 3 cm brei-
tere Betonkante beobachtet werden, die eine typische Schalungsober-
Abb. 2: Südansicht Nordwand Ostkammer VIII mit
Durchgang zu Ostkammer VII.
D. Musall 2015.
Abb. 3: Westansicht des südlichen Stahlbetonpfeilers
Domitiansbrunnen. Deutlich erkennbare Schäden
in Form von Frostsprengungen an den Kanten und
offenliegenden Bewehrungseisen. D. Musall 2015.
Advertisement
26
Daniel Musall
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
fläche aufweist. Daraus lässt sich schließen, dass die ursprüngliche Beto-
noberfläche nachträglich um den genannten Wert abgearbeitet wurde.
Dies kann nur auf optische Belange zurückgeführt werden, denn eine
Wegnahme der Betonüberdeckung von 2 3 cm hat zur Folge, dass da-
durch die Bewehrungsstäbe dichter an der Betonoberfläche liegen und
somit Feuchtigkeit an den Stahl gelangt. Baukonstruktiv sind Betonüber-
deckungen im Innenbereich von Gebäuden üblicherweise mind. 3 cm
stark. Im Außenbereich bzw. im Bereich von Feuchtigkeit und Nässe er-
höht sich der Wert auf mind. 5 cm. Tatsächlich sind an vielen Bereichen
der Betonpfeiler am Domitiansbrunnen die Bewehrungen direkt an der
Oberfläche zu sehen. Dieser Umstand fördert die Korrosion des Stahls
und mindert damit die Stabilität des Bauwerks (vgl. Abb. 3).
Neben dem Problem der Bewehrung ergibt sich in diesem Bereich ein
weiteres, nicht minder schwerwiegendes statisches Problem. Aufgrund
der fehlenden Rückverankerung mit dem aufgehenden Bereich des Brun-
nens in Richtung Osten bzw. im Fußbereich der Stahlbetonpfeiler können
auftretende Kräfte nicht abgeleitet werden. Auch die durch die Bogen-
konstruktion auftretenden Druckkräfte nach Norden und Süden werden
nicht aufgefangen und abgeleitet. Im Bereich des Bogens befindet sich
eine Stahlschiene, die nicht kraftschlüssig mit den Betonbauteilen ver-
bunden ist und auf der die Bogenteile nur aufgehängt wurden.
Eine weitere Untersuchung des Brunnens erfolgt durch Dana Macouno-
vá, eine vom ÖAI beauftragte Steinrestauratorin. Für ihre Arbeiten wurde
im vergangenen Jahr ein Stahlrohrgerüst aufgebaut und beschlossen,
die Bogenteile abzubauen, um den Bogendruck zu reduzieren. Die Ar-
beit wird zusätzlich von einem ortsansässigen Tragwerksplaner betreut.
Westchalchidicum
Die meisten Schadensbilder, die beim Westchalchidicum festgestellt
werden konnten, lassen sich mit den teils schweren Erdbeben4 in der
Stadtgeschichte von Ephesos erklären. Hierzu zählen verschobene
Mauersteine und Wandbereiche, sowie entsprechende Rissbildungen
im Mauerverbund. Als weitere Schadensquelle konnten Frostschäden
identifiziert werden. Im Laufe der Jahrhunderte wurde durch Erosion auf
den Oberseiten der Ruinenwände Schwemmmaterial abgelagert und an-
schließend durch Regen und Schneeschmelze in die Fugenbereiche der
Wandschalen geschwemmt. Dies führte dann durch Frosteinwirkung zu
den Verformungen der Mauerverbände und dadurch zu statischen Be-
einträchtigungen der Wände.
Da auf dem Domitiansplatz und somit westlich vor dem Westchalchi-
dicum alle Touristenströme der verschiedenen Führungen gesammelt
werden, bestand dringender Handlungsbedarf. Nach mehreren Be-
sprechungen mit dem ÖAI und dem Direktor des Ephesos Museums in
Selçuk, Cengiz Topal, wurde beschlossen, die schwer beschädigten Teile
abzubauen und verschobene Steinblöcke in eine sichere Lage zurückzu-
bringen.
Mit Hilfe der Bauaufnahme und der Fotodokumentation wurde ein Ver-
satzsystem ausgearbeitet und in die Planunterlagen übernommen (vgl.
Abb. 4). Im Anschluss daran wurden die notwendigen Arbeiten von zwei
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Bausicherungsmaßnahmen des Westabschlusses der Oberen Agora
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
türkischen Mitarbeitern ausgeführt. Während der Arbeiten stellte sich he-
raus, dass weit mehr Bereiche und Bauteile schadhaft bzw. gebrochen
sind. Somit mussten weit mehr Bauteile gesichert werden als ursprünglich
geplant.
Im Bereich der Südwand des Westchalchidicums kam es zu einer Absche-
rung eines Steinblockes. Der gebrochene Teil wurde herausgelöst und
für eine anschließende Behandlung durch Steinrestauratoren des ÖAI
gesichert. Das Aufrichten einiger Bauteile im Bereich der Südwestecke
der Ostkammer III führte zum Verrutschen anderer Bauteile, die anschlie-
ßend ebenfalls aufgerichtet und in ihrer Lage gesichert werden mussten.
Viel schwieriger waren die Arbeiten im Bereich der Ostkammer I, bei der
der gebrochene Sturz abgenommen werden sollte. Dieser Sturz war vor-
her durch Stahlträger, die von den Lorenbahnen früherer Ausgrabungen
stammten, unterstützt worden. Die darüber liegenden Bauteile wurden
ebenfalls abgebaut und vor der Ostkammer I abgelegt und mit den ent-
sprechenden Inventarnummern versehen. Aus Sicherheitsgründen wurde
von den Arbeitern der Sturz komplett inklusive der Stahlträger abgenom-
men und auf den Trägern abgelegt. Hierbei konnte der Sturz in seiner
gebrochenen Lage vollständig gesichert und inventarisiert werden. Nach
Abschluss dieser Arbeit wurden die freigelegten Bereiche erneut näher
untersucht. Dabei musste festgestellt werden, dass der nördliche Kämp-
ferblock in insgesamt sechs Teile zerbrochen war. Grund hierfür war nicht
nur das brüchige Material des verwendeten Konglomeratgesteins, son-
dern auch die Auflagerung des Trägers. Zum Ausgleich von Höhendiffe-
renzen war ein kleines Stahlplättchen auf einen vorspringenden Teil des
Kämpferblocks gelegt worden. Die daraus resultierende höhere Punkt-
last hatte dazu geführt, dass der Block sowohl in Längsrichtung zum
Stahlträger komplett durchbrach, als auch zusätzlich in Querrichtung
mehrere Brüche aufweist.
Abschließend zu den Sicherungsarbeiten wurden alle Blöcke in ihrer
neuen Lage fotodokumentiert und in die Bauaufnahmepläne übertra-
gen. Der vorab gefertigte Versatzplan wurde durch die notwendig gewor-
denen zusätzlichen Bauteile ergänzt. Somit kann eine lückenlose Doku-
mentation der Bauteile bis zu diesem Zeitpunkt gewährleistet werden und
unterstützt somit auch die Arbeiten der Steinrestauratoren (s. Abb. 5).
Abb. 4: Planunterlage für den Bauteilversatz am
Beispiel der Ostansicht der Westmauer des Westchal-
chidicums. D. Musall 2015.
Abb. 5: Blick von der Mauerkrone Westwand West-
chalchidicum auf versetzte und dokumentierte Mauer-
blöcke als Vorbereitung für die Steinrestauration.
D. Musall 2015.
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Daniel Musall
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Ein Schlüssel zur Minimierung von weitreichenden Schäden, die häufig
übersehen wird, ist die bautechnische Überwachung und Wartung von
Ruinen. Werden anfallende notwendige Arbeiten rechtzeitig ausgeführt
und die Überwachung der Bausubstanz konsequenter durchgeführt, wür-
den die Kosten im Vergleich zu einer großen Baumaßnahme, wie z.B. bei
einer Generalrestaurierung, viel geringer ausfallen.
Nicht zu vernachlässigen sind auch die in Ephesos vorherrschenden Tou-
ristenströme. Werden Ruinen und unsichere Bereiche großräumig abge-
sperrt und überwacht, so können zusätzlich Gefährdungen für Menschen
minimiert werden.
Anmerkungen
1 Scherrer 1995.
2 Alzinger 1972–75.
3 Vetters 1972–75.
4 Bammer 1972–75.
Literatur
Alzinger 1972–75
Wilhelm Alzinger: Das Regierungsviertel. ÖJh 50, 1972–75, Beibl. 230–300.
Bammer 1972–75
Anton Bammer: Griechische Architektur Teil C: Restaurierungen von Bauwer-
ken. ÖJh 50, 1972-75, Beibl. 393–406.
Scherrer 1995
Peter Scherrer (Hrsg.): Ephesos – Der neue Führer. Wien 1995.
Vetters 1972-75
Hermann Vetters, Domitiansterrasse und Domitiansgasse, ÖJh 50, 1972–75,
Beibl. 312, Tafel 3.
29Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Hira Survey Project – Najaf, Iraq.
Konzept und Ergebnisse der Ersten Feldkampagne 2015
Das Gebiet des historischen al-Hira liegt im heutigen Irak, ca. 160 km
südlich von Bagdad und in unmittelbarer Nachbarschaft der beiden
Städte Najaf und Kufa. Am Rand der Alluvialebene des Euphrats bil-
det das östliche Ende der etwa 30 km langen, annähernd in Ost-West
Richtung verlaufenden südlichen Bruchkante des Kerbela-Plateaus einen
erhöhten keilförmigen Geländesporn. Weite Teile des auf diesem ca. 20
Quadratkilometer umfassenden Areal gelegenen historischen Siedlungs-
gebiets sind heute überbaut, die noch ungestörten Flächen sind vom
Wachstum der beiden Städte akut bedroht. (Abb. 1)
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren die Ruinen von al-Hira noch
deutlich sichtbar und wurden von europäischen Reisenden wie Bruno
Meissner1, Louis Massignon2 und Alois Musil3 besucht und beschrieben.
Dieses Interesse der frühen historischen Forschung an al-Hira speiste
sich vor allem aus den Berichten der arabischen Historiographen und
Dichter, aus denen der Stadt und ihren Palästen einen geradezu my-
thischer Glanz zuwuchs. Insbesondere die Paläste von al-Hira waren
sprichwörtlich, ihre Architektur wird als Vorbild angeführt für die spätere
Repräsentationsarchitektur der Abbasidenkalifen.
Zwischen ca. 270–602 AD war al-Hira die Hauptstadt der arabischen
Fürstendynastie der Lakhmiden und entwickelte sich im 5. und 6. Jahr-
hundert zu einem bedeutenden politischen, wirtschaftlichen und kul-
Martina Müller-Wiener – Martin Gussone
Abb. 1: Hira Survey 2015, Lageplan
(im Original 1:50.000). Grundlage: Google Earth,
Digital Globe 2010 (Aufnahmedatum: 31.3.2010);
Zeichnung: M. Gussone, U. Siegel, M. Müller-Wiener,
I. Salman 2016.
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Martina Müller-Wiener – Martin Gussone
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
turellen Zentrum im südmesopotamischen Raum. Ihre Bedeutung und
ihren Reichtum verdankt die Stadt ihrer strategisch günstigen Lage am
Kreuzungspunkt mehrerer großen Handelsrouten. Die Lage am Euphrat
verband die Stadt mit dem Persischen Golf und Syrien. Zugleich kontrol-
lierten die Herren von al-Hira den lukrativen Handel von und nach der
Arabischen Halbinsel.4
Das al-Hira Survey Project wurde 2014 initiiert, um die bisher geleiste-
ten Arbeiten zusammenzuführen und durch neue Feldforschungen die
Siedlungsgeschichte, Struktur und räumliche Ordnung von al-Hira zu
erschließen.
Forschungsgeschichte und Forschungsdesign
Die archäologische Erforschung von al-Hira steht trotz diverser Vorar-
beiten noch am Anfang. 1930 und 1931 erfolgten erste umfangreiche
archäologische Ausgrabungen unter der Leitung von David Talbot Rice5.
Die eigentliche Bedeutung dieser Untersuchungen wird allerdings dadurch
gemindert, dass sie nur in drei kurzen Artikeln publiziert wurden und die
Verortung der Grabungsschnitte im Gelände nicht mehr nachvollziehbar
ist. Dasselbe gilt für eine Ausgrabung der irakischen Antikenverwaltung,
bei der an der Hangkante zum bahr Najaf eine als Palast gedeutete, iso-
lierte Struktur ausgegraben wurde.6 Weitere archäologische Untersuchun-
gen galten einem Friedhof7 sowie einem Gebiet im Bereich des al-Najaf
International Airport8. (Abb. 2, 3)
Ein von einer französischen Mission 1990 begonnener Survey, bei dem
Hinweise auf Keramikproduktionsstätten gefunden wurden, musste nach
einem halben Tag abgebrochen werden9. Weitere, bislang unpublizierte
Ausgrabungen wurden 2014 im Gelände südlich der dar al-imara von
Kufa durchgeführt sowie 2015 westlich des al-Najaf International Airport
(unpubliziert).
Auch wenn durch die genannten Untersuchungen einige vereinzelte
Strukturen mehr oder weniger detailliert ergraben und dokumentiert
wurden, bleibt deren räumlicher und chronologischer Zusammenhang
mit dem historischen al-Hira, ebenso wie die Ausdehnung der Siedlung
und ihre räumliche Ordnung unklar. Hier setzt das seit November 2014
laufende al-Hira Survey Project an, das eine grflächige, methodisch
breit gefächerte Untersuchung des nicht überbauten Gebiets des histori-
schen al-Hira zum Ziel hat. Die systematische archäologische Erforschung
Abb. 3: al-Najaf, Airport Excavation.
Blick nach Süden. M. Gussone 2015.
Abb. 2: al-Najaf, Airport Excavation,
Stuckdekoration. M. Gussone 2015.
31
Hira Survey Project – Najaf, Iraq.
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
der Stadt verspricht einen Zuwachs an Wissen über die Siedlungsge-
schichte, Architektur und materielle Kultur einer Periode am Übergang
zwischen paganen bzw. christlichen Kulturen zu islamischen, für die Aziz
al-Azmeh die Bezeichnung Paleo-Islam geprägt hat10.
Zentrale Fragen, die in das Konzept des Forschungsprojekts eingeflossen
sind, beziehen sich auf die Siedlungsgeschichte, Struktur und räumliche
Ordnung der Stadt sowie ihre Beziehung zu den benachbarten Städ-
ten Kufa und Najaf. Durch den Survey und die damit verbundenen Vor-
arbeiten werden Informationen zur Lokalisierung und Ausdehnung der
Siedlung, ihrer räumlichen Ordnung, Flächennutzung, Chronologie und
materiellen Kultur gewonnen. Außerdem werden rezente Störungen im
Gelände kartiert und Gebiete von hohem archäologischem Denkmal-
wert ausgezeichnet.11 In einem weiteren Schritt wird es darum gehen,
über vergleichende Analysen Bezüge zu städtebaulichen und architek-
tonischen Traditionen des mesopotamischen Raums und der arabischen
Halbinsel herzustellen. Die Arbeiten finden in Kooperation des Deut-
schen Archä ologischem Institut (DAI), der TU Berlin/FG Historische Bau-
forschung und Baudenkmalpflege und der irakischen Antikenbehö rde
(SBAH) statt und wurden in der ersten Projektphase durch die Max van
Berchem Fondation unterstützt.12 (Abb. 4)
Methode
In der ersten Projektphase wurden die schriftlichen, fotografischen und
zeichnerischen Dokumentationen der bislang durchgeführten archäolo-
gischen Ausgrabungen einer systematischen Revision unterzogen hin-
sichtlich Grabungsmethoden, Lokalisierung, Topographie und Ergebnis-
se13. Basierend auf diesen Vorarbeiten erfolgte zwischen dem 5. und
13. Oktober 2015 eine erste Survey-Kampagne, bei der vier Bereiche
systematisch begangen wurden. (Abb. 1) Neben ausgewählten Gebie-
ten im Bereich der Hangkante wurde das Gebiet des ehemaligen fran-
zösischen Survey begangen sowie große zusammenhängende Flächen
innerhalb des al-Najaf International Airport und südlich davon erfasst.
Abhängig von Ausdehnung, Topographie und Zustand der Flächen er-
folgten die Begehungen in unterschiedlicher Intensität. Auf den weniger
ausgedehnten, stark durch rezente Besiedlung gestörten Flächen im Be-
reich der Hangkante sowie des ehemaligen französischen Survey gingen
die Teammitglieder in regelmäßigen Bahnen in einem Abstand von 5m
bis 10m voneinander, auf den Flächen innerhalb des Flughafens und
südlich wurde das Gebiet mit einem Abstand von 10 bis 20 m erfasst.
Während der Begehung wurden an der Oberflä che sichtbare Strukturen
und Konzentrationen von Ziegelbruch oder Keramik mit GPS-Geräten
(Garmin 64s/st) eingemessen und in einem Feldbuch dokumentiert. Di-
agnostische Oberflä chenfunde wurden eingesammelt, anschließend sta-
tistisch ausgewertet und fotografisch dokumentiert. (Abb. 5) Ausgewählte
Funde wurden außerdem zeichnerisch dokumentiert und in einer Daten-
bank erfasst. Weiterhin erfolgte im Rahmen der Nachbearbeitungsphase
die Kartierung der erfaßten Daten in einem Geografischen Informations
System (GIS), das in der Folge kontinuierlich erweitert wurde und in dem
neben den archäologischen Strukturen auch rezente Störungen erfaßt
sind. Zusätzlich dazu wurden nach einem vordefinierten Muster so ge-
nannte area-sheets erstellt, die in systematischer Form die wesentlichen
topographischen Charakteristika, Störungen, Oberflächenbefunde,
Abb. 4: Teilnehmer des al-Hira Survey Project,
Arbeitsbesprechung vor Ort. M. Gussone 2015.
Abb. 5: Keramik Assemblage. M. Müller-Wiener 2015.
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Martina Müller-Wiener – Martin Gussone
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Fundvorkommen und schließlich eine chronologische Einordnung der
begangenen Flächen zusammenfassen.
Ergebnisse
Alle untersuchten Bereiche weisen deutliche Spuren von Besiedlung
auf. Allerdings variieren Anzahl, Qualität und Aussagekraft der doku-
mentierten Funde und Befunde je nach Zustand der Flächen erheblich.
Im Bereich der Hangkante zum bahr Najaf (Abb. 1, Areal 1) sind die
Oberflächen und ursprünglich anstehende Architekturreste aufgrund
der Besiedlung weiter Bereiche und rezenter Bau- und Infrastruktur-
maßnahmen stark gestört. Eine Ausnahme bildet der so genannte Tell
Ta’arizat, der Gipsestrichböden und in geringer Höhe anstehende
Wände zeigte. Die Zahl der Oberflächenfunde ist jedoch hier, ebenso
wie an anderen Stellen an der Hangkante, zu gering, um belastbare
Aussagen zur Zeitstellung zu erlauben. (Abb. 6)
Deutlich anders gelagert ist die Situation in dem nur ausschnitts-
weise erfassten Gebiet westlich des Flughafens, das auch von der
französischen Mission begangen wurde. (Abb. 1, Areal 2) Hier konnten,
trotz Besiedlung und intensiver landwirtschaftlicher Nutzung der Flächen
durch Palmenhaine, eine vergleichsweise große Anzahl von Keramik und
Glasfragmenten eingesammelt werden, die unter anderem auch Fehl-
brände umfassten, sowie Teile von Modeln mit Stempeldekoren. Außer-
dem wurden Aschekonzentrationen verzeichnet. Auch wenn diese Be-
funde aufgrund des begrenzten Umfangs der begangenen Fläche keine
allgemeinen Schlussfolgerungen zulassen, ist dieses vorläufige Ergeb-
nis von besonderem Interesse. Erstens bestätigt es die bereits von der
französischen Mission angestellten Beobachtungen, dass in diesem Are-
al Keramikproduktionsstätten gelegen waren. Zweitens sind die Funde
für die Chronologie des Areals im Kontext des gesamten Surveygebiets
von Interesse: Die gefundenen Modeln und gemodelten Fragmente las-
sen sich über Vergleiche mit Funden aus irakischen und nordsyrischen
Fundorten in die erste Hälfte des 9. Jh. datieren. Vergleichbare Kera-
miken wurden in keinem anderen der vom Survey erfassten Gebiete
gefunden.
Die größten zusammenhängenden Flächen, die im Rahmen des Sur-
veys erfasst wurden, befinden sich im Gebiet dlich des al-Najaf In-
ternational Airport sowie innerhalb des Flughafens. (Abb. 1, Areale 3
und 4) Hier konnten auf einer Fläche von ca. 175 ha. insgesamt 297
Strukturen oder Befunde kartiert werden, die eine Besiedlung des Ge-
Abb. 6: Hangkante zum bahr Najaf, Tell Ta‘arizat.
M. Gussone 2015.
33
Hira Survey Project – Najaf, Iraq.
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
biets belegen: Erhebungen von einem halben Meter bis zu mehreren
Metern Höhe, teilweise mit an der Oberfläche erkennbaren Mauerzü-
gen und Putzkanten sowie Ziegelkonzentrationen und Konzentrationen
von Keramikbruch.
Basierend auf der Auswertung der Keramik- und Münzfunde können
drei chronologische Phasen unterschieden werden: 6.–7. Jh., 8. Jh.
sowie 9. Jh.. Zugleich zeigt eine Kartierung der Funde, dass die Fund-
plätze im östlichen Bereich des Gebiets prozentual überwiegend Fun-
de der beiden ersten Siedlungsperioden (6.–7. Jh., 8. Jh.) aufweisen,
während im Westen der untersuchten Areale verstärkt auch Funde ver-
zeichnet wurden, die dem 9. Jh. zuzuordnen sind. In der Zusammen-
schau mit den Daten aus dem Gebiet westlich des Flughafens (Abb. 1,
Areal 2), die eine Datierung in das 9. Jh. nahelegen, ergibt sich damit
der schlüssige Gesamteindruck eines chronologischen Nebeneinander
von Zeitschichten beziehungsweise Siedlungsaktivitäten.
Dieses erste Ergebnis scheint die Arbeitshypothese zu bestätigen, die
auf der Revision der früheren Ausgrabungen basiert: dass die älteren
Siedlungsgebiete von al-Hira weiter östlich zu lokalisieren sind und das
Wachstum der Siedlung von Osten nach Westen erfolgte. Zur Klärung
dieser Hypothesen sind in den nächsten Jahren weitere Kampagnen
mit Oberflächensurveys in den noch nicht erfassten Gebieten inner-
halb sowie südlich und östlich des Flughafens, magnetische Prospekti-
onen und UAV-gestützte Luftbildaufnahmen sowie Testsondagen vor-
gesehen.
Abb. 7: Hira Survey 2015, Areale 2, 3 und 4.
Lageplan, Siedlungsreste und Fundvorkommen,
im Original 1:10.000.
Grundlage: Geo Eye 2015; Zeichnung: U. Siegel, M.
Gussone, M. Müller-Wiener, I. Salman 2016.
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Martina Müller-Wiener – Martin Gussone
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Anmerkungen
1 Meissner 1899/1900, s. Meissner 1901.
2 Massignon 1910, s. Massignon 1910.
3 1912, s. MUSIL 1927.
4 historischer Überblick: Rothstein 1899/1968, Fisher 2011, Toral-Niehoff
2014.
5 Rice 1932a, Rice 1932b, Rice 1934.
6 Ali 1946.
7 ash-Shams 1987-88.
8 Kabi 2012; Gabbari 2014.
9 Rousset 1994, Rousset 2001.
10 Al-Azmeh 2014.
11 Müller-Wiener et al. 2016.
12 Für die Kooperation und vielltige Unterstzung sowie den intensiven wis-
senschaftlichen Austausch bei der ersten Feldkampagne (5.–13. Oktober
2015) ist dem Leiter der Antikenberde von Najaf zu danken, Muhammad
Hadi Bidan al-Mayali, und seinen Mitarbeitern, Walid Matar und Wissam Abd
al-Hussein (State Boaard of Antiquities Najaf), sowie Alaa al-Lami (University
of Bagdad) und Nabeel al-Mezel (University of Kufa). Das Hira Survey Project
wird geleitet von Martina ller-Wiener, Museum für Islamische Kunst Berlin/
Universit Frankfurt und Margarete van Ess (DAI Orient Abteilung), weitere
Teilnehmer auf deutscher Seite waren: Martin Gussone (TU Berlin, FG His-
torische Bauforschung und Baudenkmalpflege) sowie Ibrahim Salman und
Ulrike Siegel (beide DAI Orientabteilung). Für umfangreiche Beratung und
logistische Unterstützung im Vorfeld der Kampagne ist Wolfgang Straub zu
danken (TU Berlin, Kartographieverbund).
13 Müller-Wiener/Siegel, im Druck.
Literatur
Al-Azmeh 2014
Azis al-Azmeh: Emergence of Islam in Late Antiquity. Cambridge 2014.
Ali 1946
M. 'Ali: Tanqibat fi al-Hira. Sumer 2/1, 1946, 29–32 (arab.: excavations in
al-Hira).
ash-Shams 1987–88
M. ash-Shams: Hafriyat Maqbarat al-Hira. Sumer 45, 1987–88, 42–56 (arab.:
excavations of the graveyard in al-Hira).
Fisher 2011
Greg Fisher: Between Empires. Arabs, Romans, and Sasanians in Late Antiqui-
ty. Oxford 2011.
Gabbari 2014
Sakir 'Abd al-Zahra Gabbari: Tanqibat Madinat al-Hira al-Qadima li’l-mawa-
sim 2007–2009–2010. Sumer 59, 2014,157–184 (arab.: excavations in the
historic city of al-Hira, campaigns 2007, 2009, 2010).
35
Hira Survey Project – Najaf, Iraq.
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Ka'bi 2012
Naser Ka'bi: Report on the Excavations of Hira in 2010-2011. Journal of the
Canadian Society for Syriac Studies 12, 2012, 3–10.
Massignon 1910
Louis Massignon: Mission ensopotamie (1907-1908). Kairo 1910.
Meissner 1901
Bruno Meissner: Von Babylon nach den Ruinen von Hîra und Huarnaq.
Leipzig 1901.
ller-Wiener et al. 2016
Martina Müller-Wiener Ulrike Siegel Martin Gussone Ibrahim Salman:
Archaeological Survey of al-Hira/Iraq. Fieldwork Campaign 2015. Fondation
Max van Berchem Bulletin 29, 2016 5–7.
ller-WienerSiegel, im Druck
Martina Müller-Wiener Ulrike Siegel: The Pre-Islamic and Early Islamic City
of al-Hira. First Results of the Archaeological Survey 2015. In: Proceedings of
ICAANE 10, 2016 (im Druck).
Musil 1927
Alois Musil: The Middle Euphrates. A Topographical Itinerary. New York 1927.
Rice 1932a
David Talbot Rice: The Oxford Excavations at Hira, 1931. Antiquity 6/23,
1932, 276–291.
Rice 1932b
David Talbot Rice: The Oxford Excavations at Hira. Journal of the Royal Central
Asian Society, 1932, 254–268.
Talbot Rice 1934
David Talbot Rice: The Oxford Excavations at Hira. Ars Islamica 1/1, 1934,
51–73.
Rothstein 1899/1968
Gustav Rothstein: Die Dynastie der Lahmiden in al-Hira, ein Versuch zur ara-
bisch-persischen Geschichte zur Zeit der Sasaniden. Berlin 1899. Reprint Hil-
desheim 1968.
Rousset 1994
Marie-Odile Rousset: Quelques precisions sur le materiel de Hira (céramique
et verre). Archéologie Islamique 7, 1994, 19–55.
Rousset 2001
Marie-Odile Rousset: La céramique de al-Hira à décor moulé, incise ou appli-
qué. Techniques de fabrication et apercu de la diffusion. In: Estelle Villeneuve
Pamela M. Watson (eds.): La ramique Byzantine et Proto-Islamique en
Syrie-Jordanie (IVe-VIIIe siècles apr. J.-C.). Actes du Colloque tenu à Amman
les 3, 4 et 5 décembre 1994. Beyrouth 2001, 221–230.
Toral-Niehoff 2014
Isabel Toral-Niehoff: Al-Hira. Eine arabische Kulturmetropole im spätantiken
Kontext. Leiden 2014.
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36 Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Youssef El Khoury
A House of Many Faces.
Additions and Interventions in Vernacular Domestic Architecture in
Mount Lebanon during the Twentieth Century
The subject of the work is the additions and interventions made to
vernacular domestic architecture in Mount Lebanon during the twen-
tieth century . In other words, it is about how buildings, that were built
without codified knowledge, have been transformed since the early
industrial until the modern contemporary period (late 20th century),
and how they have been alteredfrequently over many phases – to fit
the lives of their users.
This work combines a narrative style with a scientific approach and
aims to adopt an alternative methodology to the mainly typological ap-
proach that has been used in studying vernacular architecture in Mount
Lebanon so far. The project is not about establishing the typologies
of architectural models, but about showing where the gaps are in the
typological approach by viewing the houses from different perspectives
and with complementary methodologies borrowed and adapted from
geography, sociology and studies on material culture. The main moti-
vation behind this work being that one has to understand the vernacu-
lar traditional architecture in order to preserve it as heritage.
The work presented is divided into two volumes: volume I, containing
the text four chapters followed by the bibliography and appendix;
and volume II, containing illustrations, photographs, plans and the
drawings of the studied houses. It introduces and defines the subject
of the work, and also gives an overview of the literature and sources
consulted, in addition, a methodological framework is set, regulating
and explaining the adopted approach. With Bauforschung as the main
method of work, by studying the metamorphosis of vernacular ar-
chitecture” in its four manifestations pre-industrial, early industrial,
modern and contemporary this research attempts to reconstruct some
of the changes and evolutions in everyday life, understood as a con-
cept that may be used as a guide-line for an understanding of socie-
ty’”, in the last century, a period of accelerated transformations when
compared to pre-industrial eras. Though those four manifestations are
intertwined, coexisting, and are not evidently discernible, they corres-
pond more or less to the historical periods.
After defining the framework and the methodological approach in the
first chapter, the second chapter is divided in two sections. The first pro-
vides an overview of the history of Mount Lebanon from the nineteenth
century, not from the point of view of a historian but rather from that
of an architect; its focus is on understanding the changes that led to
the transformations of the built environment. The second section pro-
vides a critical assessment of the typologies of the traditional domestic
architecture in Lebanon as established so far; it argues that the main
feature of this architecture the additive aspect is often neglected,
thus distorting the understanding of this heritage.
Using the methods and theoretical frameworks established in in the first
chapter, and the description of the historic factors and changes to the
Fig. 1: Southern part of the bay of Jounieh 1905.
J. Delores.
Fig. 2: Southern part of the bay of.Jounieh 2010.
Y. El Khoury.
37
A House of Many Faces.
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
urban–rural dynamic discussed in the second chapter, the third chapter
theoretically divides Mount Lebanon into three zones –sub-urban, peri-
urban and rural in terms of the level of influence they are subjected to
from the capital Beirut. These zones have been ever shifting outwards
with the urban densification of the capital, the centre of influence. This
influence is regulated by the geographic and cultural diffusion and the
symbiotic interaction with the city, the economic and the cultural cen-
tre. With the uncontrolled urban densification, these zones have been
in a state of constant flux as the networks of interaction have grown,
branched out and intertwined. The chapter then introduces the case
studies (fourteen in total), the most illustrative houses selected from the
samples documented in the field survey (around 70 houses surveyed
out of the visited ones). Each house – the primary source of the work
is described and analysed based on the successive phases of construc-
tion it has undergone. This chronological structure reveals the needs
and purposes of the users in each intervention, and the repercussions
for the existing structure, mainly in terms of the transformations to the
spatial relations and how they reflect cultural and socio/economical
changes.
Finaly observations and conclusions from the analysis of the houses
studied, focus in particular on the coexistence and superposition of
different building types, the increasing specialisation of function, the
changing notions of privacy, the evolving building technology, and the
annexation and integration of service spaces that were previously out-
side the house.
From pre-industrial vernacular to modern vernacular, house models
migrate horizontally and vertically, flickeringdown the classes and
wandering between them in a symbiosis between country and city.
While being transformed from shelters to villas and signifiers of status
Fig. 3: House of Amira Karam Riachi in Khenshara,
parcel number 803 (the object is not discussed in the
case studies). Preliminary cadastral plan (traced from
aerial photographs and not yet officially topographi-
cally surveyed and measured, plan from the 1930s
provided by the municipality). Due to the general lack
of information in the archives in Lebanon in most of
the rural areas, the work turns to the houses themsel-
ves as primary sources.
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38 Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
or conveyors of self-image and identity, the case studies reveal the evo-
lution of habitat models, modernised” from vernacular to high style,
which are in return “vernacularised”.
During the last century uncontrolled urban growth transformed the
area around the uncontrolled urban growth around the capital Beirut
along the coast, as well as the surrounding mountains (Fig. 1 and 2).
The following example illustrate the field work building archaeology
method that was adopted in the thesis.
The field work consists of interviewing the users of the house, and dra-
wing and surveying the structures on site. The information is then com-
pared to the archives if they exist. In this case only the cadastral plan
was found. Due to the general lack of information in the archives in
Lebanon in most of the rural areas, the work turns to the houses them-
selves as primary sources.
The established plans conclude that the house was built in the mid 19th
century. First as a pre-industrial vernacular structure built with dry stone
masonry and having a basement of three barell vaults supporting a
rectangular flat earth roof monocellular unit, the whole forming a ter-
raced house. In the 1930s the terrace recieved a modern central hall
house addition like the ones spreading since the late 19th century from
Beirut. Only in the 1960s, services like the kitchen and the toiltets were
integrated within the house. illustrating the changing in the comfort
levels and notopns of privacy. What appears to be a central hall house
at first sight, is a complex and constantly metamorphosing living orga-
nism reflecting the changing social and familial structure of its users.
Fig. 4: House of Amira Karam Riachi in Khenshara. Sket-
ches and measures on site taken by author in 2010.
Y. El Khoury.
Fig. 6: House of Amira Karam Riachi in Khenshara, exterior view, the two most represen-
tative building phases are in this case easily visible on the façade.
Y. El Khoury.
Fig. 5: House of Amira Karam Riachi in Khenshara,
interior view of the central hall in the first floor.
Y. El Khoury.
39
A House of Many Faces.
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
wood storage
Now empty
Probably was used as
storage and Working area.
Basement
Terraced garden
Protruding
door frame
in masonry Kitchen
Bath-
room
WC
Terrace
Planned to
be built as
an additional
room
Living room
WC
now depot
Dining
Protruding
stones
Bedroom Bedroom
Salon
(Dar)
Veranda
First floor
Fig. 7: House of Amira Karam Riachi in Khenshara,
floor plans with mapped phases of construction and
unified legend. Y. El Khoury.
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MSD
Jahrgangsprojekt
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.
43Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Auf dem heutigen Campus Nord der Humboldt-Universität zu Berlin
befindet sich mit dem Tieranatomischen Theater1 von Carl Gotthard
Langhans ein Hauptwerk des Frühklassizismus in Berlin. Dieser auch als
‚Zootomie‘2 bezeichnete Bau wurde 1789/90 als Hörsaalgebäude der
Königlichen Tierarzneischule, die in den Jahren 1786/87 unter Friedrich
Wilhelm II. gegründet worden war, errichtet. In Anlehnung an Palladios
Villa Rotonda und den von ihr beeinflussten Gebäuden ist der Bau von
Langhans (Abb. 1) als symmetrischer, frei in die Landschaft positionierter
Solitär konzipiert3.
Die ‚Zootomie‘ wurde 1874 unter Andreas Christian Gerlach4, dem
damaligen Direktor der Königlichen Tierarzneischule, nach Plänen
des Architekten Julius Emmerich nach Süden erweitert (Gerlach-Bau)5.
Ziemlich in die Jahre gekommen, wurde das Gebäude im Jahr 1934
umfassend instandgesetzt6 und in den Jahren 1935/36 der erste An-
bau um einen weiteren ergänzt (Wolff-Bau)7. Mit dieser letzten größe-
ren Baumaßnahme erhielt der offiziell als Tieranatomisches Theater der
Humboldt-Universität zu Berlin bezeichnete Baukomplex seine bis heute
bestehende Disposition (Abb. 2).
Langhans´ ‚Zootomie‘ ist das älteste erhaltene akademische Lehrgebäu-
de Berlins und „zugleich einer der ältesten und bedeutendsten medizi-
nischen Forschungsbauten in Deutschland“8. Mit ihrer nahezu authen-
tischen Innenausstattung das Kernstück bildet der runde Kuppelsaal,
der als Hörsaal diente (Abb. 3) – und mit ihrer bautechnisch innovativen
Kuppelkonstruktion in Form eines Bohlenbinderdaches, das als eines
der ersten seiner Art in Preußen gilt9, fand die ‚Zootomie‘ weitreichende
Beachtung. Dagegen sind die beiden Anbauten, der Gerlach- und der
Wolff-Bau, in der Literatur nur am Rande erwähnt und waren bislang
kein Gegenstand umfassender baugeschichtlicher Betrachtungen10. Sie
konnten schließlich im Zuge eines sog. Jahrgangsprojektes des Master-
studiengangs Denkmalpflege (MSD) der Technischen Universität Berlin
von Herbst 2014 bis Frühjahr 2015 dokumentiert und untersucht wer-
den11.
Abb. 1: Tieranatomisches Theater von C. G. Langhans.
F. D. Gilly 1797.
Axel Schuhmann – Claudia Winterstein
Das Tieranatomische Theater in Berlin-Mitte.
Dokumentation und bauhistorische Untersuchung der Erweiterungs-
bauten von 1874 und 1935/36
Abb. 2: Tieranatomisches Theater mit Erweiterungsbau-
ten, Panoramaaufnahme, Ansicht West, Langhans-Bau
(links), Gerlach-Bau (Mitte) und Wolff-Bau (rechts).
T. Kühnel 2015.
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44
Axel Schuhmann – Claudia Winterstein
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Vom vorstädtischen Garten zur Tierarzneischule und
zum Campus Nord
Das heutige Areal des Campus Nord der Humboldt-Universität (Abb. 4)
war noch in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts weitestgehend frei von
Bebauung, lag aber innerhalb der durch die Zoll- und Akzisemauer von
1736 umschlossenen Stadt Berlin12. Zu jener Zeit wurde dieser westlich
der Dammstraße, der späteren Friedrichstraße, gelegene Stadtteil noch
als Spandauer Viertel bezeichnet. Nur die Bauten der von Friedrich I.
als Pesthaus gegründeten und von Friedrich Wilhelm I. zum Bürgerhos-
pital umgewidmeten Charité sowie einige Werften befanden sich be-
reits in diesem nördlich der Spree gelegenen Bereich13. Zwischen den
Charité-Bauten im äußersten Nordwesten des Stadtgebiets und den di-
rekt am Nordufer der Spree, dem Schiffbauerdamm, gelegenen Werften
erstreckte sich ein weitläufiges Areal, auf dem sich mehrere Gärten von
Berliner Bürgern befanden. Einer dieser Gärten gehörte dem Reichsgra-
fen Reuß, der ihn 1784 an den Hofrat Bertram veräußerte. Er muss zu
den „schönsten und größten Gärten Berlins“ gehört haben, und bildete,
nachdem er in Staatsbesitz gekommen war, den Bauplatz für die König-
liche Tierarzneischule mit dem Tieranatomischen Theater und war damit
die Keimzelle des heutigen Campus Nord14.
In den 1820er Jahren wurden mehrere der benachbarten Gärten von
Grundstücksspekulanten aufgekauft und eine Parzellierung durchge-
führt. Diese bildete die Grundlage für eine planmäßige Erschließung
des Bereichs zwischen Akzisemauer, Friedrichstraße, Spree und Chari-
tégraben (dem späteren Humboldthafen) mit der Luisenstraße als neuer
Hauptachse. Ab 1828 erhielt der neu entstandene Stadtteil den Namen
Friedrich-Wilhelm-Stadt.
Zur Tierarzneischule gehörten von Anfang an auch Nutzbauten, die in
direktem Zusammenhang mit der Pferdepflege standen, wie Ställe und
Remisen, Schmieden, Reitbahnen und Pferdebäder. Zusätzlich gab es
auf dem Gelände Wohnungen und ein Speisehaus für den Kastellan, für
Angestellte und Bedienstete15. Obwohl sich im Laufe der weiteren Nut-
zungsgeschichte der Gebäudebestand der Tierarzneischule veränderte
und erweiterte, blieb der großzügige, parkähnliche Charakter der Ge-
samtanlage bis heute erhalten.
Abb. 3: Abschlusspräsentation des Jahrgangsprojekts
am 30.06.2015 im Anatomischen Theater.
C. Winterstein 2015.
Abb. 4: Campus Nord der HU Berlin mit Tieranato-
mischem Theater. Grundlage HU Berlin.
45
Das Tieranatomische Theater in Berlin-Mitte.
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Ein Gebäude – mehrere Phasen – viele Nutzer
In seiner über 200-jährigen Geschichte hatte das Gebäude des Tierana-
tomischen Theaters eine Vielzahl unterschiedlicher Nutzer und Träger,
die im Folgenden in aller Kürze dargelegt werden sollen. Nach ihrer
Fertigstellung im Jahr 1790 wurde die ‚Zootomie‘ zunächst durch die
Königliche Tierarzneischule genutzt16, die ab 1887 zur Königlich Tier-
ärztlichen Hochschule umgewidmet wurde17. Nach Fertigstellung des
ersten Erweiterungsbaus von 1874 nutzte das Anatomische Institut ei-
nen Teil der Räume, bevor ab 1885 auch das Chemisch-Physiologische
Institut mit in das Gebäude einzog18. Seit dem Jahr 1920 wurden die
Räume schließlich durch das aus der Abteilung für Nahrungsmittelkunde
hervorgegangene Institut für Lebensmittelhygiene genutzt19, für das der
jüngste Anbau, der Wolff-Bau, mit einer Schlachthalle errichtet worden
war. In die Zeit dieser zweiten Erweiterung fällt auch die Eingliederung
der Tierärztlichen Hochschule in die Friedrich-Wilhelms-Universität20.
Gemeinsam mit der ehemaligen Landwirtschaftlichen Hochschule be-
gründete sie die Landwirtschaftlich-Tierärztliche Fakultät21. Nach Ende
des 2. Weltkriegs bis in das Jahr 1990 wurde das Gebäude durch das
Institut für Lebensmittelhygiene der Veterinärmedizinischen Fakultät der
Humboldt-Universität genutzt22, bis nach der Vereinigung der beiden
deutschen Staaten im Jahr 1990 eine Zeit des Leerstands folgte, da
die veterinärmedizinischen Fachbereiche von Humboldt-Universität und
Freier Universität Berlin zu einem an der FU angesiedelten Fachbereich
fusioniert wurden. Im Zuge der 2005 begonnenen Sanierung des ältes-
ten Teils des Tieranatomischen Theaters, Langhans´ ‚Zootomie‘, wurden
baubegleitend bauarchäologische und restauratorische Untersuchungen
durchgeführt. Dabei standen die ursprüngliche Bohlenbinderkonstrukti-
on der Kuppel, die bauzeitliche Fassung der Kuppel sowie der Fassaden
und die ursprüngliche Ausstattung im Mittelpunkt23. Die beiden Anbauten
aus den Jahren 1874 und 1935/36 waren von diesen Untersuchungen
jedoch weitgehend ausgenommen. Nach der Wiedereröffnung im Jahre
2012 wurde das Gebäude durch das Hermann von Helmholtz-Zentrum
für Kulturtechnik, einem Zentralinstitut der Humboldt-Universität, bezo-
gen24. Im Langhans-Bau beherbergt es heute neben Veranstaltungs-, Bi-
bliotheks- und Büroräumen eine Dauerausstellung zur Geschichte des
Tieranatomischen Theaters. Die beiden Anbauten blieben bislang unsa-
niert und in weiten Teilen ungenutzt25.
Die Arbeiten ab 2014
Im Rahmen eines zweiten Projektabschnittes sind nun auch die Instand-
setzung und Umnutzung des Gerlach- und des Wolff-Baus geplant26. Die
Arbeitsergebnisse des MSD-Jahrgangsprojekts fließen in die Voruntersu-
chungen zu diesen Sanierungen ein. Grundlegendes Ziel der als inter-
disziplinäre Lehrforschungsprojekte angelegten MSD-Jahrgangsprojekte
ist eine vielschichtige, intensive Auseinandersetzung mit dem Untersu-
chungsobjekt. Im Laufe der zweisemestrigen Bearbeitungszeit werden die
Arbeitsschritte und –methoden der Bauforschung mit Bauaufnahme, ver-
schiedenen Baudokumentationsformen, Archivalienforschung und der
Sanierungsvorplanung am jeweiligen Jahrgangsobjekt erlernt27. Im Falle
der Erweiterungen des Tieranatomischen Theaters standen neben der
Dokumentation des heutigen Bestandes Fragen nach der Rezeption der
Advertisement
46
Axel Schuhmann – Claudia Winterstein
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
‚Zootomie‘ bei der Errichtung der Anbauten, nach der Baufuge und Ver-
zahnung zwischen Gerlach-Bau und Wolff-Bau sowie nach der Bestim-
mung der Bauphasen für die technischen Einbauten und die vorhandene
Ausstattung im Zentrum der Untersuchungen.
Nach einer verformungsgetreuen Bauaufnahme28 (Abb. 5), die durch
die im Frühjahr 2015 begonnenen Trockenlegungsarbeiten im Funda-
mentbereich auch auf sonst nicht zugängliche Gebäudeteile ausgedehnt
werden konnte, wurden als weitergehende Untersuchungen am Objekt
mehrere Befundöffnungen angelegt sowie Bohrkerne für die dendrochro-
nologische Datierung29 des Dachwerks entnommen. Erweiterte Erkennt-
nisse zu den beiden Anbauten konnten durch eine Literaturrecherche, die
umfangreiche Auswertung von Archivalien sowie durch Gespräche mit
ehemaligen Mitarbeitern des Instituts für Lebensmittelhygiene gewonnen
werden. Diese einzelnen Bausteine bildeten die Grundlage für die Ent-
wicklung eines Bauphasenplans, die Herausarbeitung des Denkmalwer-
tes der beiden Anbauten und die Erstellung eines denkmalpflegerischen
Bindungsplans. Zusätzlich wurden die Baumaterialien und Schäden von
Gerlach-Bau und Wolff-Bau kartiert, die Schäden einer Bewertung und
Kategorisierung unterzogen und ein Maßnahmenkatalog zur Sanierung
entwickelt. Für einzelne, besonders betroffene Bereiche erfolgte eine De-
tailplanung. Darüber hinaus entwickelten die Studierenden Perspektiven
für alternative Nutzungskonzepte für die leer stehenden Anbauten des
Tieranatomischen Theaters. Nach Abschluss der Arbeiten wurden die
Ergebnisse des Jahrgangsprojekts vor Vertretern der Bauabteilung der
Humboldt-Universität, des Helmholtz-Zentrums für Kulturtechnik und des
Landesdenkmalamts Berlin präsentiert30.
Auch wenn bereits vor Beginn des Jahrgangsprojekts die Hauptbaupha-
sen des Tieranatomischen Theaters bekannt waren, so konnten durch die
aktuellen Untersuchungen dennoch zahlreiche Erkenntnisse gewonnen
werden, die zu einem detaillierteren Gesamtbild beitragen. Diese Ergeb-
nisse sollen im Weiteren dargestellt werden.
Gliederung und räumliche Disposition der
Erweiterungsbauten
Die heutige Disposition des Gebäudekomplexes (Abb. 6) ist Ergebnis
der im Laufe der langen Nutzungsgeschichte vorgenommenen Anpas-
sungen und Umbauten. Die erste Erweiterung, der Gerlach-Bau, ist über
eine schmale, brückenartige Verbindung an der Südwestseite des Ur-
sprungsbaus angeschlossen. Ihr Architekt Julius Emmerich übernahm
für den Anbau die Traufhöhe31 und Geschosszahl des Langhans-Baus
und orientierte sich bei der Gebäudetiefe an der Breite des Risalits. Sein
Entwurf sieht eine horizontale Gliederung des Gebäudes in einen So-
ckel, eine Wandzone und ein Wandgebälk mit Dachgesims als oberem
Abschluss vor (Abb. 7). Die zweigeschossigen und dreiachsigen Fassa-
den im Westen und Osten sind durch eine Kolossalordnung zusammen-
gefasst und strukturiert: Über einer durchgehenden Sockelzone sind in
die Wandzone vier Dreiviertelsäulen auf Postamenten eingestellt, die die
drei Fensterachsen in den tiefer liegenden Wandflächen einfassen. Die
Gliederung der Postamente ist auf den Wandflächen an den Ecken des
Gebäudes weitergeführt. Ein als Wandgebälk mit Architrav, Metopen-
Abb. 5: Studierende des Masterstudiengangs Denk-
malpflege bei der Bauaufnahme im Dach DG 05 des
Gerlach-Baus, Januar 2015. A. Schuhmann 2015.
47
Das Tieranatomische Theater in Berlin-Mitte.
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Triglyphen-Fries und Geison gestaltetes Abschlussgesims schließt die
Wand auf ihrer gesamten Breite oben ab. Die Kolossalordnung ist nach
dem Vorbild der römisch-dorischen Ordnung angelegt32. Die drei Fens-
ter im Erdgeschoss sind in stehendem Format mit horizontalem Sturz und
die höheren und breiteren im Obergeschoss mit Rundbogenabschluss
ausgeführt. Ihre Brüstungzone ist durch Baluster gestaltet. Der Anbau
besteht aus verputztem Ziegelmauerwerk, lediglich einige architektoni-
sche Gliederungselemente wie das Sockelgesims und das Sohlbankge-
sims der Fenster im Erdgeschoss sind aus Naturstein gefertigt. Emmerich
übernahm zahlreiche Einzelformen des Ursprungsbaus wie die Sockel-
höhe, die Baluster und den Metopen-Triglyphen-Fries. Andere Elemente
wie die Bukranien im Scheitel der Rundbogenfenster finden sich noch
am Brückenbau, sind aber an den Rundbogenfenstern des eigentlichen
Anbaus durch konsolartige Schlusssteine ersetzt33.
Die Breite des im Jahr 1936 fertiggestellten zweiten Anbaus, des eben-
falls aus verputztem Ziegelmauerwerk bestehenden Wolff-Baus, ent-
spricht wieder der Gesamtbreite des Langhans-Baus, wodurch der
Gerlach-Bau in den Hintergrund zurücktritt. Die Fassadengliederung des
zweiten Anbaus führt grundsätzlich die der beiden älteren zweigeschos-
sigen Gebäudeteile fort (Abb. 2). Details wie die Bauornamentik sind
jedoch deutlich reduziert worden. Der Wandaufbau der beiden Schmal-
seiten ist stark vereinfacht und besteht nur aus einem Sockel, der Wand-
fläche und dem oberen Abschluss mit einem Gesims in der Form des
auch an den älteren Bauten ausgeführten Wandgebälkes mit Metopen-
Triglyphen-Fries. Die Höhe des Sockels ist reduziert auf die Höhe der
unteren Sockelzone des Gerlach-Baus. Beide Schmalseiten sind überein-
stimmend in zwei Geschosse und drei Achsen unterteilt, wobei im Erd-
geschoss jeweils in der mittleren Achse eine Tür zwischen den äußeren
beiden Fenstern liegt, während die drei Achsen im Obergeschoss durch-
gehend Fenster aufweisen. Darüber sind zur Belichtung der Dachräume
in den Achsen außerdem drei kleine quadratische Fenster angeordnet,
die innerhalb der Frieszone drei Metopenfelder einnehmen. Die beiden
Abb. 6: Grundriss mit Langhans-Bau (grau) und den
Anbauten von Gerlach (EG 01 bis EG 09) und Wolff
(EG 10 bis EG 21).
TU Berlin, MSD 2014–16.
Abb. 7: Gerlach-Bau, Ansicht West.
A. Schuhmann 2015.
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48
Axel Schuhmann – Claudia Winterstein
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
schmalen nördlichen Fassadenabschnitte dieses jüngsten Anbaus, die im
rechten Winkel an die Ost- und Westfassade des Gerlach-Baus ange-
setzt wurden, sind dagegen asymmetrisch aufgebaut: Zur Belichtung gibt
es nur jeweils eine Fensterachse mit zwei stehenden Fenstern in EG und
OG und einem kleinen quadratischen Fenster im darüber liegenden Me-
topenfeld der Frieszone, dem Drempel des Dachgeschosses. Diese eine
Fensterachse liegt an beiden Fassaden außermittig und ist nahe an den
Gerlach-Bau herangerückt. Den geringsten Bezug zu den Fassaden des
Langhans- und Gerlach-Baus weist die breite Südfassade (Abb. 8) auf.
Zwar sind auch hier Sockel und Abschlussgesims in Form eines Wand-
gebälks weitergeführt, im Gegensatz zu den übrigen Fassaden bleibt das
Erdgeschoss jedoch fensterlos und weist als einzige Öffnung ein zent-
rales zweiflügeliges Tor auf. Im Obergeschoss finden sich über diesem
eine auffällig breite Fensteröffnung liegenden Formats und zu beiden
Seiten jeweils ein stehendes Fenster, das denen der anderen Fassaden
entspricht. In diesen äußeren beiden Fensterachsen sind wiederum kleine
quadratische Fenster in den Metopen der Frieszone des Abschlussgesim-
ses vorhanden.
Was die räumliche Struktur der beiden Anbauten betrifft, so ist das Erd-
geschoss (Abb. 6) der ersten Erweiterung (Gerlach-Bau) in neun sehr
unterschiedlich große und heterogen zugeschnittene Räume unterteilt,
während das Obergeschoss von nur einem großen Raum, dem sog.
Kursussaal vollständig eingenommen wird. Die letzte offizielle Nutzung
erfolgte durch das Institut für Lebensmittelhygiene und diente der Lehre.
Von dem im Jahre 1936 fertiggestellten Wolff-Bau wurden nur der öst-
liche und mittlere Teil des langgestreckten Baukörpers unmittelbar für
die Lehre des Instituts für Lebensmittelhygiene genutzt, der westliche Teil
beherbergte hingegen eine Wohnung. Über den Eingang auf der Ost-
seite erfolgt der Zugang ins Erdgeschoss zu einem Vorraum, von dem
aus ein ehemaliger Institutsraum, ältere Toilettenräume, eine massiv ge-
Abb. 8: Wolff-Bau, Ansicht Süd. C. Winterstein 2015.
Abb. 9: Längsschnitt durch die Anbauten, Handaufmaß
(im Original M 1:25). TU Berlin, MSD 2014–16.
49
Das Tieranatomische Theater in Berlin-Mitte.
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
baute Treppe zum Obergeschoss und die zentral gelegene Schlachthalle
erschlossen werden. Letztere erstreckt sich über zwei Geschosse und wird
nicht nur durch das große Fenster der Südfassade, sondern zusätzlich, in-
direkt von einem großen Deckenoberlicht belichtet, das wiederum selbst
über ein Dachfenster belichtet wird. Von dieser Halle aus ist an ihrer
Westseite ein Kühlraum zugänglich, außerdem erfolgt von hier auch die
Verbindung zu den Erdgeschossräumen des Gerlach-Baus. Im Oberge-
schoss befindet sich ein Laborraum und eine innerhalb der Schlachthalle
gelegene, von Pfeilern gestützte Galerie, von der aus ein kleiner Raum
an deren Ende und der Kursussaal im Gerlach-Bau erschlossen werden.
Die baulich getrennte Wohnung ist von der Westseite separat erschlossen
und als einziger Gebäudebereich zum Teil unterkellert. Im Erdgeschoss
werden über den mittleren Eingangsflur, in dem sich auch die Treppe
zum Obergeschoss befindet, die Küche im Süden und ein weiterer Raum
im Norden erschlossen. Im Obergeschoss liegen das ehemalige Bad
und zwei Zimmer sowie ein Zugang zum Dachgeschoss. Im Erdgeschoss
wurde der Kühlraum und im Obergeschoss der kleine Raum am Ende
der Galerie aus dem Wohnbereich ausgenommen und funktional dem
mittleren Gebäudeteil zugewiesen.
Das Dachgeschoss (Abb. 9) ist über die Treppen im ehemaligen Insti-
tutsbereich und in der Wohnung erschlossen und weist drei verschiedene
Höhenniveaus auf. Es ist als Kaltdach ausgebildet und war zu keiner Zeit
dauerhaft genutzt.
Am Äußeren des Gebäudes lassen sich die unterschiedlichen Baupha-
sen an der mit jeder Erweiterung deutlicher reduzierten Bauornamentik
ablesen, während sich im Gebäudeinneren die Situation meist nicht so
eindeutig darstellt. Einige bauliche Details, die jedoch erst auf den zwei-
ten Blick zu erkennen sind, erbrachten zusätzliche Hinweise zu einzelnen
Bauphasen und zu baukonstruktiven Lösungen, die durch die Architekten
der beiden Anbauten zur Anwendung kamen.
Konstruktive Besonderheiten und ihre Aussagen für die
Baugeschichte
Die Fundamente
Die Außenmauern der beiden Erweiterungsbauten wurden im Zuge von
Abdichtungsarbeiten im Frühjahr 2015 an der Aenseite bis zu ihrer Un-
terkante in einer Tiefe von rund 1,5 m unterhalb der Geländeoberkante
freigelegt und konnten daher auch im Bereich der Fundamente dokumen-
tiert und untersucht werden (Abb. 10). Dabei zeigte sich, dass die Funda-
mentunterkante bis auf den unterkellerten Teil des Wolff-Baus auf einem
Niveau von -2,75 m (gemessen von OK Wandsockel) liegt. Mit Ausnahme
des Kellers sind die Fundamente sämtlicher Außenmauern zuchst aus
gebrochenen Kalksteinblöcken in Mörtel, darüber aus Ziegelmauerwerk
in einer geringeren Wandstärke ausgeführt. Lediglich im Bereich der Kel-
lerwände ist kein Naturstein-, sondern ausschließlich Ziegelmauerwerk
nachzuweisen. Beim Gerlach-Bau bestehen die Fundamente einheitlich
ab einem Niveau von -1,75 m (gemessen von OK Wandsockel) aus 21
Lagen Ziegelmauerwerk, beim Wolff-Bau ist der Materialwechsel auf drei
unterschiedlichen Niveaus nachweisbar, so dass das Fundamentmauer-
Advertisement
50
Axel Schuhmann – Claudia Winterstein
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
werk in diesem Geudeteil aus 8 bzw. 16 bzw. 21 Lagen Ziegeln besteht.
Insgesamt kamen für die Fundamente zwei Sorten Ziegel unterschied-
licher Farbigkeit und Formate zum Einsatz: ein etwas größerer rötlicher
Ziegel im ‚Normalformat34 und ein etwas kleinerer gelblicher Ziegel35.
Sämtliche Sockel- und Fundamentmauern des Gerlach-Baus sind in re-
gelmäßigem Kreuzverband aus dem rötlichen ‚Normalziegel‘ in Kalk-
mörtel gemauert, lediglich für einige Ausbesserungen im Bereich von
nachträglich eingebrachten Rohrdurchführungen und veränderten Öff-
nungen an der Nordmauer fanden die gelben Ziegel Verwendung. Rund
75 cm unterhalb der Sockeloberkante wurde in einer späteren Phase eine
bituminöse Sperrschicht nachträglich in das Mauerwerk eingebracht.
Der Wolff-Bau zeigt dagegen sowohl im Hinblick auf das Material als
auch den Mauerwerksverband ein heterogenes Bild. Das Mauerwerk
besteht zwar hauptsächlich aus den gelblichen Ziegeln, in den unteren
Lagen sind jedoch auch rötliche Ziegel zu finden. Deren Oberflächen
weisen allerdings deutliche Abarbeitungsspuren auf, woraus sich schlie-
ßen lässt, dass sie zweitverwendet sind und vermutlich ursprünglich von
der abgebrochenen Südfassade des Gerlach-Baus stammen. Besonders
umfangreich ist der Bestand an zweitverwendeten rötlichen Ziegeln in
der nordwestlichen Fundamentecke des Wolff-Baus, d.h. im Bereich der
Wohnung36. Oberhalb des Bruchsteinfundamentes sind dort 16 Lagen
aus wiederverwendeten rötlichen Ziegeln in regelmäßigem Kreuzver-
band aufgemauert. Darüber sind bis zur Sockeloberkante weitere sechs
Lagen aus gelblichen Ziegeln nachzuweisen. Genau an diesem Materi-
alwechsel befindet sich eine bituminöse Sperrschicht. Sie liegt in diesem
Bereich nur ca. 50 cm unterhalb der Sockeloberkante und wurde an-
ders als am Gerlach-Bau nicht nachträglich, sondern wohl bereits in
der ersten Bauphase des Anbaus eingebracht.
Abb. 10: Gerlach-Bau, Ansicht West (links) und
Wolff-Bau, Ansicht Nord (rechts) mit Eintragung der
Fundamentbereiche, Umzeichnung des Handaufmaßes
(im Original M 1:25). TU Berlin, MSD 2014–16.
51
Das Tieranatomische Theater in Berlin-Mitte.
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
In der Westecke, im Anschlussbereich zwischen Gerlach- und Wolff-
Bau lässt sich am Fugenverlauf und Steinschnitt des Ziegelmauerwerks
nachvollziehen, dass die Mauer des Gerlach-Baus an dieser Stelle weiter
nach Süden verläuft und die Mauer des Wolff-Baus stumpf dagegenge-
setzt ist. Damit wurde die ehemalige Außenwand des Gerlach-Baus zur
Innenwand des späteren Wolff-Anbaus. Darüber hinaus lassen sich auf
der Ostseite des Wolff-Baus anhand von Unregelmäßigkeiten im Funda-
ment und einem gemauerten Ziegelblock, auf den man bei der Ausfüh-
rung des Bruchsteinfundamentes offensichtlich Rücksicht genommen hat,
Spuren einer Vorgängerbebauung nachweisen. Möglicherweise handelt
es sich um die Reste von Revisionsschächten für Entwässerungsanlagen,
die auf Plänen des Jahres 1927 zu erkennen sind37.
Die Ausführung der Bauplastik
Die Vielfalt der Bauplastik des Gebäudekomplexes wurde mit jedem Er-
weiterungsbau immer stärker reduziert. Dennoch gibt es mit dem for-
mal nach dem Vorbild der dorischen Ordnung gestalteten Wandgebälk
(Abb. 11) ein architektonisches Gliederungselement, das in allen drei
Hauptbauphasen 1790, 1874 und 1935/36 zur Anwendung kam.
Es besteht aus Architrav, Metopen-Triglyphen-Fries und einem vorkragen-
den Geison als Dachgesims. Der Architrav wird durch ein durchlaufen-
des Band (Taenia) von den Metopen und Triglyphen getrennt. Unter der
Taenia ‚hängtin der Achse der Triglyphen eine Regulaplatte, die in der
Breite den Triglyphen entspricht.
Die Ausführung des Wandgebälks ist durch den Einsatz unterschiedlicher
Materialien gekennzeichnet: Lediglich die Metopen sind bei beiden Er-
weiterungsbauten in gleicher Weise als Putzflächen ausgeführt, während
die Regula, Triglyphen und das Geison des Gerlach-Baus von 1874
als eigenständige Bauterrakotten hergestellt wurden. Die Taenia wurde
aus vorkragenden Backsteinen gemauert und verputzt. Das Geison am
Gerlach-Bau besteht aus drei verschieden hohen Lagen (14 cm, 15 cm
und 22 cm) von Terrakottaformsteinen (Abb. 12), die in unterschiedli-
cher Breite vorkommen, unterschiedlich tief einbinden und einzeln in der
Wand verankert sind38.
Abb. 11: Originalzeichnung des ersten Erweiterungs-
baus mit Detail zur Ausbildung des Frieses.
Gerlach 1873. Archiv der HU Berlin, A_Pr_Br_
Rep_042 (Karten)_Nr_470_7.
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Axel Schuhmann – Claudia Winterstein
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Für den Anbau des Jahres 1935/36 wurden die am Gerlach-Bau in Ter-
rakotta ausgeführten Teile der Bauornamentik aus Kunststein hergestellt
(Abb. 12), wofür jene wohl abgeformt wurden. Dafür spricht, dass die
Nachbildungen in den Profilen exakt übereinstimmen. Die einzige Aus-
nahme bildet ein kurzes Fassadenstück, an dem noch sechs Triglyphen
aus Terrakotta verbaut sind39. Da dieses Phänomen nur an diesem einen
Abschnitt auftritt, ist von einer Herkunft der Teile aus der zurückgebau-
ten Ost-, Süd- oder Westfassade des Gerlach-Baus auszugehen40. Das
Dachgesims des Anbaus von 1935/36 wurde ebenfalls nicht mehr in Ter-
rakotta, sondern in Kunststein ausgeführt. Dabei wurde das Gesims nicht
mehr horizontal in einzelne Formsteine unterteilt, sondern konnte nun
über seine gesamte Höhe aus einem einzigen Stück hergestellt werden,
wobei diese Formsteine eine regelmäßige Breite zwischen 75 und 80 cm
aufweisen.
Als ein Merkmal der Erweiterung von 1935/36 ist die Weiterführung
der Formen aus den vorangegangen Phasen auszumachen. Gleichzeitig
wird das Gesamtrepertoire der architektonischen Gliederungselemente
stark reduziert. Wie am Beispiel der Ziegel des Fundamentbereichs be-
reits dargelegt, wurde beim Wolff-Bau Baumaterial aus den abgebro-
chenen Fassadenbereichen des Gerlach-Baus wiederverwendet. Diese
Wiederverwendung dürfte aus ökonomischen Gründen erfolgt sein. Dass
man auch die beim Abbruch erhaltenen Triglyphen in die neu errichtete
Fassade integrierte, kann dagegen schon beinahe als denkmalpflegeri-
sche Maßnahme zum Schutz der originalen Substanz verstanden werden.
Ein Bauteil im Erdgeschoss des Gerlach-Baus
Im Zuge der aktuellen Sanierungsmaßnahmen musste im Erdgeschoss
des Gerlach-Baus eine Bodenöffnung durchgeführt werden41. Dabei
kam unterhalb des Estrichs in einer Raumecke (EG 04) ein rund ge-
mauertes Bauteil (Innendurchmesser 110 cm) auf einem quadratischen
Unterbau (Abb. 13) zum Vorschein. Die ringförmige Mauer ist aus tra-
pezförmigen Ziegeln im Sonderformat aufgemauert, die radial gesetzt
sind und nicht in die Außenwand des Gerlach-Baus einbinden. Trotzdem
wurde das ringförmige Bauteil so weit wie möglich in die Ecke des Rau-
mes gesetzt. In dessen Zentrum sind Reste eines zweiten runden Mauer-
zuges gleicher Bauart nachweisbar, dessen rekonstruierter Durchmesser
Abb. 12: Gebälk am Gerlach-Bau aus Terrakotta
(links) und Wolff-Bau aus Kunststein (rechts). Fugen-
schnitt zur Verdeutlichung nachgezeichnet.
A. Schuhmann 2015.
53
Das Tieranatomische Theater in Berlin-Mitte.
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
ungefähr 80 cm beträgt. Von diesem sind nur noch eine bis zwei Zie-
gellagen erhalten, die ansonsten durch spätere Installationen überbaut
sind. Beide Mauerringe waren und sind nicht verputzt. Zwischen ihnen
gibt es einen geschlossenen Boden aus festem Mörtel, der 110 cm unter
der Oberkante des Fußbodens liegt. Da sich weder Kalk- bzw. Sinterreste
noch Versottungs- oder Rußspuren an den Innenseiten der Mauern nach-
weisen ließen, kann eine Nutzung als Wasserbecken oder unmittelbarer
Teil eines Ofens ausgeschlossen werden. Auch in den bekannten Plänen
und schriftlichen Quellen finden sich keine Hinweise, die Rückschlüsse
auf ihre Funktion zuließen. Die zeitweilige Nutzung des Erdgeschosses
als Mensa, die wohl bis 1920 andauerte42, könnte einen vagen Hinweis
für eine Nutzung liefern43.
Beobachtungen an den Eisenstützen im Gerlach-Bau
Das Erdgeschoss des Gerlach-Baus weist heute durch den sukzessiven Ein-
bau zahlreicher Zwischennde eine kleinteilige, recht unübersichtliche
Raumstruktur auf (Abb. 6: EG 01 bis EG 09). Ursprünglich befand sich
dort ein einziger grer Raum, der sog. Präparationssaal44, dessen De-
ckenkonstruktion sich an verschiedenen Stellen noch beobachten lässt: In
Nord-Süd-Richtung verlaufen drei parallel angeordnete preische Kap-
pen, deren Eisenträger auf zwei Reihen gusseiserner Stützen lagern. Durch
die eingebrachten Zwischennde sind die ursprünglichen Proportionen
der Kappendecke im Raum jedoch nicht mehr ablesbar; die einzelnen
Kappen wirken fälschlicher Weise unterschiedlich breit.
Eine detaillierte Untersuchung der gusseisernen Stützen erbrachte inter-
essante Erkenntnisse zur ehemaligen Raumstruktur, zum ursprünglichen
Tragsystem der Kappendecke und zu einer nicht näher datierbaren bau-
lichen Veränderung. In Raum EG 08 sind zwei Stützen teilweise in die
späteren nde eingemauert, jedoch noch zum Teil sichtbar, wobei sich
die dliche in ihrer schlichteren Form ohne Basis und Kapitell auffällig
von der anderen unterscheidet. Zwei weitere, auf den ersten Blick nahezu
a)
b)
Abb. 13: Raum EG 04, Baubefund unter dem Fußbo-
den: a) äußerer Mauerring, b) innerer Mauerring.
A. Schuhmann 2015.
Abb. 14: Raum EG 04, freistehende Stützen,
Blick nach Süden. L. Schröter 2015.
Abb. 15: Wand zwischen Raum EG 01 und EG 03,
eingebaute Stütze. T. Kühnel 2015.
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54
Axel Schuhmann – Claudia Winterstein
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
identische, Stützen befinden sich freistehend in Raum EG 04 (Abb. 14).
Aus statisch-konstruktiver Sicht war davon auszugehen, dass sich im wei-
teren Verlauf der Eisenträger nach Norden weitere Stützen befanden oder
in den dortigen Wänden noch eingemauert befinden. Tatsächlich brach-
ten zwei Befundöffnungen in Raum EG 01 und EG 06 zwei symmetrisch
zueinander angeordnete Stützen mit schlichten Eisenkapitellen (Abb. 15),
vergleichbar zur nördlichen Stütze in Raum EG 08, zum Vorschein. Analog
zum südlichen Stützenpaar wären auch vor der Nordwand des Gerlach-
Baus zwei weitere Stützen zu erwarten. Die in diesem Bereich frei liegenden
Eisenträger zeigen allerdings keinerlei Spuren, die darauf hinweisen könn-
ten, dass dort jemals ein weiteres Paar Eisenstützen vorhanden war. Ein
genauerer Blick auf die beiden Stützen in Raum EG 04 zeigte schließlich,
dass diese keineswegs gleicher Art und Zeitstellung sind. Die nördliche
besitzt eine schlichte Basis, wohingegen der Fußpunkt der südlichen glatt
ausgebildet ist. Die beiden kelchartigen Kapitelle erwiesen sich darüber
hinaus als nach oben offene Hüllkörper, die für ein einheitliches Erschei-
nungsbild in Raum EG 04 sorgen und das vorhandene Eisenkapitell der
nördlichen Stütze verdecken.
Im Ergebnis lässt sich feststellen, dass die preußische Kappendecke im
Gerlach-Bau ursprünglich von lediglich vier gleichartigen Eisenstützen ge-
tragen wurde, die etwa in der Raummitte gelegen sind, wo sie annähernd
ein Quadrat bilden45. Die Eisenstützen befinden sich in einer Achse mit
den beiden mittleren Unterzügen über dem Kursussaal im Obergeschoss
sowie den beiden Hängewerken im Dach. Südlich der vier Stützen im P-
parationssaal im Erdgeschoss wurde zu einem späteren Zeitpunkt ein wei-
teres, schlicht gestaltetes Stützenpaar eingebaut (vgl. dazu auch Abb. 23).
Abb. 16: Schlachthalle EG 10 und Kühlkammer EG 17
mit Verlauf des Rohrbahnsystems und Lage der Waage.
A. Brauchle 2014; TU Berlin, MSD 2014-16.
55
Das Tieranatomische Theater in Berlin-Mitte.
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Ob dies im Zusammenhang mit einer zusätzlich eingebrachten Last im
Saal des Obergeschosses zusammenhängt oder mit einer Reparatur der
Kappendecke, lässt sich nicht bestimmen. In einem letzten Schritt wurden
nach der neuen Raumaufteilung und dem Einbau der dünnen Zwischen-
wände die beiden unterschiedlichen Stützen in Raum EG 04 mittels der
Kelchkapitelle gestalterisch angeglichen, was auf eine gewisse Bedeutung
dieses Raumes schließen lässt.
Die technische Ausstattung der Schlachthalle
Für die Anforderungen an die Lehre der Fleischbeschau, und wohl auch
für die anschließende Fleischverwertung, wurde die Schlachthalle (EG 10)
im Anbau von 1935/36 mit mehreren technischen Elementen (Abb. 16)
ausgestattet, die sich nach bisherigem Stand der Untersuchungen noch
in großen Teilen erhalten haben. Die Halle (Abb. 17) erhielt für die An-
lieferung der zu untersuchenden Tiere ein großes Tor, außerdem einen
Kühlraum (EG 17) zur Aufbewahrung der geschlachteten Tiere. Für den
leichteren Transport innerhalb der Halle wurde an drei Seiten ein U-för-
miges Rohrbahnsystem eingebaut, an dem die Tierhälften entweder über
Laufkatzen oder Haken bewegt werden konnten. Die Rohrbahn besitzt an
der Stelle des Tores eine Unterbrechung und vor der Kühlkammer eine
Weiche (Abb. 18), von der Abzweige zu einer Waage und in die Kam-
mer führen. Die Waage wurde erst nachträglich in das System integriert
und erforderte den Einbau einer zusätzlichen Wand. Zur Belichtung und
Belüftung der Halle diente ein großes Fensterband in der Südfassade,
an dem sich einzelne Wendeflügelelemente öffnen lassen. Zusätzlich
gibt es ein Deckenoberlicht, das zusammen mit dem darüber liegenden
Dachflächenfenster mittels eines aufwendigen Systems aus Stahlseilen
und Umlenkrollen geöffnet werden konnte. Das Deckenoberlicht und das
Dachflächenfenster begrenzen innerhalb des Dachwerkes gemeinsam mit
abgehängten Leichtbauwänden einen großen abgeschlossenen Raum
(DG 04), der lediglich der Belichtung und Belüftung der Schlachthalle
dient (Abb. 19). In der DDR-Zeit wurden schließlich an einem mittig unter
dem Deckenoberlicht verlaufenden Doppel-T-Träger eine Einschienenlauf-
katze und ein Schwenkkran (Baujahr 1962) eingebaut.
Die Decke über dem Kursussaal im Gerlach-Bau
Die Decke über dem großen Kursussaal im Gerlach-Bau (OG 02) wird
von vier mächtigen, von West nach Ost verlaufenden Unterzügen getra-
gen, die zwischen den beiden Außenmauern in der Achse der Mauer-
pfeiler und vorgelagerten Dreiviertelsäulen spannen. Von unten sind die
Unterzüge und die zwischen ihnen liegenden Felder mit einer dunklen
Holzvertäfelung verkleidet, die durch Eckleisten entlang der Tger und die
Gliederung der Felder mittels Leisten zurückhaltend gestaltet ist (Abb. 20).
Auf den Unterzügen lagern in regelmäßigen Abständen in Nord-Süd-
Richtung zehn Deckenbalken, auf die schmale Dielen aufgenagelt sind,
die den Fußboden des Dachraumes bilden.
In ihrem oberen Drittel sind die Deckenbalken einheitlich genutet.
An allen einsehbaren Stellen wird diese Nut jedoch nicht mehr genutzt.
Unterhalb der Nut befinden sich dagegen seitlich an die Deckenbalken
Abb. 17: Blick in die Schlachthalle EG 10 in Richtung
Süden. A. Brauchle 2014.
Abb. 18 (li.): Weiche der Rohrbahn,
Blick in die Kühlkammer. C. Winterstein 2015.
Abb. 19 (re.): Dachraum DG 04, Deckenoberlicht und
Dachflächenfenster über der Schlachthalle.
L. Schröter 2015.
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56
Axel Schuhmann – Claudia Winterstein
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
angenagelte Leisten, auf denen sägeraue Bretter mit aufgelagerter Schüt-
tung liegen. Diese Leisten wurden im Bereich der im Dachraum (DG 05)
befindlichen Revisionsöffnungen wohl ausgetauscht. Hier bestehen sie
aus einfachen Latten, an den anderen Stellen sind sie jedoch schlicht pro-
filiert. Sowohl die Leisten und die Unterseite der Bretter als auch die untere
Hälfte der Deckenbalken zeigen Reste einer weißen Farbfassung. Diese
Befunde zeugen von einer älteren Deckengestaltung und -fassung im da-
runterliegenden Kursussaal. An der Unterseite der Deckenbalken sind da-
rüber hinaus nachträglich gefertigte Ausnehmungen zur Anbringung der
heute vorhandenen Deckenvertäfelung sichtbar.
Aus den Archivalien ergibt sich kein klares Bild zur baulichen Entwicklung
der Holzbalkendecke über dem Kursussaal. Der Befund zeigt jedoch, dass
Aufbau und Gestaltung der Decke seit der Errichtung des Gerlach-Baus
im Jahre 1874 mindestens zwei Veränderungen unterworfen waren: Es ist
davon auszugehen, dass in einer ersten Phase eine zeittypische Decken-
konstruktion mit in die Nuten der Deckenbalken eingelassener Stakung
und aufliegender Schüttung vorlag. Nach Entfernung der Stakung wurde
eine neue Verbretterung eingebracht, die von profilierten Leisten einge-
fasst ist. Reste einer Farbfassung deuten darauf hin, dass die Unterseite der
Konstruktion zu diesem Zeitpunkt sichtbar war46. In einer späteren Phase
wurde die Decke des Kursussaales mit der beschriebenen Holzvertäfelung
verkleidet. Die schmalen Dielen im Dachraum, die in der Breite den Die-
len im Dach des Wolff-Baus entsprechen, lassen für diesen Bereich des
Gerlach-Baus eine bauliche Veränderung in den Jahren 1935/36 vermu-
ten. Ob jedoch die Holzvertäfelung im Kursussaal derselben Bauphase
zuzuordnen ist, lässt sich anhand der Befunde nicht eindeutig belegen47.
Die Datierung des Dachwerks
Nicht nur die Holzbalkendecke über dem Obergeschoss, sondern auch
das Dachwerk des Gerlach-Baus wurde mit der Errichtung des zweiten
Anbaus 1935/36 grundlegend verändert. Die im Rahmen des Jahr-
Abb. 20: Kursussaal OG 02 mit Untersicht der Decke.
M. Gromadzka 2015.
57
Das Tieranatomische Theater in Berlin-Mitte.
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
gangsprojekts durchgeführte dendrochronologische Untersuchung des
Dachwerks erbrachte zwar aufgrund der mangelnden Eignung zahlrei-
cher Hölzer zur Probenentnahme und der schlechten Auswertbarkeit ei-
niger Proben nur sehr eingeschränkte Ergebnisse48, insgesamt ergibt die
Befundlage49 jedoch ein recht genaues Bild der baulichen Veränderun-
gen und der Zugehörigkeit der erhaltenen Bauelemente.
Der Gerlach-Bau besaß ursprünglich eine gestaffelte Dachlandschaft:
ein flach geneigtes Zeltdach über dem nahezu quadratischen Kursussaal
sowie ein niedrigeres, flaches Walmdach über dem südlich anschlie-
ßenden, etwas schmaleren Gebäudeteil50. Von dem Zeltdach sind die
beiden doppelten Hängewerke (Abb. 21 und Abb. 22), die in Achse der
mittleren Unterzüge liegen, erhalten51. Dendrochronologisch datiert wur-
de lediglich die erwähnte Strebe, die Werkzeugspuren an Hängesäulen
und Spannriegel52 sowie den Streben53 weisen jedoch auf unterschiedli-
che Alter der Bauhölzer hin. Der heute nicht mehr vorhandene Kniestock
des Zeltdaches verlieh dem Gerlach-Bau ursprünglich ein in der Höhe
gestaffeltes äußeres Erscheinungsbild54. Der Metopen-Triglyphen-Fries
der ‚Zootomie‘ lief in einheitlicher Höhe um den Langhans- und den
Gerlach-Bau herum, der Gebäudeteil mit dem Kursussaal war durch
den Kniestock, der außen in Form einer Attika oberhalb des Gebälks in
Erscheinung trat, jedoch hervorgehoben.
Die übereinstimmende dendrochronologische Datierung von Hölzern
in unterschiedlichen Bereichen des heutigen Dachraumes über beiden
Anbauten sowie das übergreifende System der Abbundzeichen verdeut-
lichen, dass mit der zweiten Erweiterung aus den Jahren 1935/36 das
gesamte Dach überformt und vereinheitlicht wurde. Das Dachwerk ist
heute als eine zusammenhängende Konstruktion aus zwei sich recht-
winklig schneidenden Walmdächern ausgeführt.
Der Kniestock über dem Kursussaal wurde zu diesem Zweck abgetragen,
sämtliche Sparren wurden erneuert. Die Dachneigung über diesem Ge-
bäudeteil ist steiler ausgeführt als zur Erbauungszeit. Das Rähm des süd-
lichen Hängewerks wurde nicht mehr als Auflager benötigt und entfernt,
Abb. 21: Dachraum DG 05, Hängewerke.
A. Brauchle 2014.
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58
Axel Schuhmann – Claudia Winterstein
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
die drei anderen Rähme wurden aufgedoppelt, um den neuen Sparren
ein der gewünschten Dachneigung entsprechendes höheres Auflager
zu schaffen. Über den Hängesäulen des südlichen Hängewerks wurde
an die in Längsrichtung verlaufenden Rähmhölzer eine Verlängerung in
den Dachraum nach Süden hin angeschlossen (Abb. 22). An einigen
Stellen des Dachwerks, hauptsächlich an Sparren, sind Schäden und
äußerst einfach ausgeführte Reparaturmaßnahmen zu beobachten, die
wohl auf leichtere Kriegsschädigungen des Baus zurückzuführen sind55.
Abb. 22: Längsschnitt Bauphasenplan.
TU Berlin, MSD 2014–16
Bauphasen der Konstruktion
(geschnittene Bauteile/ Bauteile in Aufsicht)
Bauphase 1: erste Erweiterung (1874-1875)
Bauphase 2: Umbauten (1876-1934)
Bauphase 3: zweite Erweiterung (1935-1936)
Bauphase 4: Umbauten (1937-1977)
Bauphase 5: Umbauten (1978-1980)
Bauphase 6: Umbauten (nach 1980)
Bauphasen der Konstruktion
(geschnittene Bauteile/ Bauteile in Aufsicht)
Bauphase 1: erste Erweiterung (1874-1875)
Bauphase 2: Umbauten (1876-1934)
Bauphase 3: zweite Erweiterung (1935-1936)
Bauphase 4: Umbauten (1937-1977)
Bauphase 5: Umbauten (1978-1980)
Bauphase 6: Umbauten (nach 1980)
Abb. 23: Grundriss Erdgeschoss, Bauphasenplan.
TU Berlin, MSD 2014–16
59
Das Tieranatomische Theater in Berlin-Mitte.
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Resümee und Ausblick
Die im Rahmen des MSD-Jahrgangsprojekts erfolgte bauhistorische
Untersuchung der Erweiterungsbauten des Tieranatomischen Theaters
zeigt, dass von dem 1874 errichteten ersten Anbau, dem Gerlach-Bau,
mit Ausnahme des südlichen Abschlusses sämtliche Außenmauern er-
halten sind. Die südlich anschließende Erweiterung von 1935/36, der
Wolff-Bau, nahm in ihrer Gliederung die Maßgaben des Gerlach-Baus
auf, indem die Längsmauern dessen südlichen Gebäudeteils in den An-
bau integriert wurden (Abb. 23). Während das Äußere des Gebäudes
deutlich die unterschiedlichen Entstehungsphasen zeigt, sind im Inneren
des Wolff-Baus durch eine einheitliche Oberflächengestaltung die er-
haltenen Gebäudeteile des Gerlach-Baus nicht unmittelbar erkennbar.
Innerhalb des Hauptkörpers des Gerlach-Baus erfuhr das Dachwerk mit
der Errichtung des zweiten Anbaus eine starke Veränderung, die auch
Einfluss auf die Gestalt der Fassaden hatte. Zwischen den beiden Haupt-
bauphasen 1874 und 1935/36 und in deren Folge bis zur Aufgabe
der Gebäudenutzung in den 1990er Jahren erfolgten lediglich kleinere
Eingriffe, die eine veränderte und kleinteiligere Raumaufteilung sowie
eine Erneuerung der Ausstattung mit sich brachten. Diese Maßnahmen
sind zumeist nicht genau datierbar und lassen sich nur größeren Zeitab-
schnitten zuordnen.
In der Erweiterung des Tieranatomischen Theaters finden sich Fenster
und Türen unterschiedlicher Bauart und -zeit56. Aus der Entstehungszeit
des Gerlach-Baus scheinen noch die Fenster der äußeren Fensterebene
und die Türen des Kursussaales erhalten zu sein. Fenster und Türen im
Wolff-Bau sind recht einheitlich und stammen wohl zumeist noch aus der
Bauzeit dieser Erweiterung.
Das Tieranatomische Theater ist in seiner Gesamtheit als Baudenkmal
in die Berliner Denkmalliste eingetragen. Während die Denkmalbegrün-
dung ausführlich die historische, künstlerische, bautechnikgeschichtliche
und wissenschaftsgeschichtliche Bedeutung von Langhans‚Zootomie‘
ausführt, finden dagegen die beiden Anbauten von 1874 und 1935/36
lediglich als solche Erwähnung57. Auf der Grundlage der intensiven
Auseinandersetzung mit den Erweiterungsbauten im Rahmen des MSD-
Jahrgangsprojekts kann jedoch auch den Anbauten durchaus ein eigen-
ständiger Denkmalwert zugestanden werden.
In künstlerischer Hinsicht erscheint die Bezugnahme beider Anbauten
auf Langhans‚Zootomie‘ bemerkenswert, durch die im Laufe von fast
150 Jahren ein in allen Teilen zusammengehöriges Bauwerk entstanden
ist. Sowohl im Falle des Gerlach- als auch des Wolff-Baus bemühen sich
die Architekten in jeweils zeittypischer Umsetzung um eine gestalterische
Anpassung an die frühklassizistischen Formen des Langhans-Baus. Ge-
rade die weiteren Bauten Walther Wolffs auf dem Gelände der Tier-
ärztlichen Hochschule, die eine eigenständige Formensprache zeigen,
zu nennen sind hier der Neubau der Chirurgischen Pferdeklinik im
Stil des Expressionismus und das der Neuen Sachlichkeit zuzurechnende
Schmiede-, Kassen- und Apothekengebäude58 machen deutlich, dass
es sich bei seinem Anbau um eine bewusste Rücknahme des eigenen
Gestaltungswillens zugunsten der zurückhaltenden Auseinandersetzung
mit der Gestalt des bestehenden Gebäudes handelt. Die Bezugnahme
auf den Langhans-Bau erfolgte bei beiden Anbauten allerdings unter
Verwendung zeitgenössischer Materialien und bautechnischer Lösungen.
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60
Axel Schuhmann – Claudia Winterstein
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
So lässt sich im Inneren des Gebäudes eine Art historischer Abriss der
jeweils modernen Baukonstruktionen in Preußen nachvollziehen: Der
1790 fertiggestellte Hörsaal wird von der in Preußen erstmalig beleg-
ten Konstruktion einer Kuppel aus Bohlenbindern überdeckt, während
das Erdgeschoss der Erweiterung durch Emmerich eine für das 19. Jahr-
hundert typische Konstruktion aus gusseisernen Stützen mit einer flachen
Kappendecke aufweist. Auch die zweite Erweiterung von 1935/36 be-
herbergt mit der Schlachthalle einen Bereich, der mit seiner technischen
Ausstattung und Belichtung hervorragend an die Bedürfnisse der Tier-
beschau und -verwertung angepasst ist. Einzigartig sind dabei nicht die
konstruktiven und planerischen Details, sondern vielmehr das Nebenein-
ander und der gute Erhaltungszustand der für die jeweilige Zeit typischen
Lösungen.
Auch in wissenschaftsgeschichtlicher Hinsicht ist den beiden Anbauten
eine Bedeutung zuzusprechen. Denn durch die kontinuierliche Nutzung
und Anpassung des Gebäudes über 200 Jahre hinweg spiegelt es die
Entwicklungsgeschichte sowohl der Institution der Tierarzneischule in
Berlin als auch der Forschung und Lehre im Bereich Tiermedizin wider.
Anhand der großen Lehrsäle des klassischen Hörsaals in der ‚Zooto-
mie‘, des Präparations- und des Kursussaals im Gerlach-Bau und der
Schlachthalle im Wolff-Bau ist der stetig veränderte bzw. erweiterte
pädagogisch-didaktische Ansatz ablesbar.
Die zu ihrer Erbauungszeit moderne technische Ausstattung in der
Schlachthalle ist in weiten Teilen erhalten und nach erstem Augenschein
ohne großen Aufwand instandzusetzen. In ihrer Gesamtheit stellt sie ein
Zeugnis der Nutzungsgeschichte durch das Institut für Lebensmittelhygi-
ene der Humboldt-Universität dar. Diese Ausstattungselemente in eine
zukünftige Nutzung des Gebäudes einzubeziehen, bedeutet einerseits
eine Herausforderung für die planenden Architekten, kann aber auf der
anderen Seite auch zur Identifikation mit dem Gebäude und zur Bewah-
rung des baulichen Erbes eines inzwischen nicht mehr existenten Instituts
beitragen. Bis heute prägt das Tieranatomische Theater das Bild des
Campus Nord. Eine demgemäß an die Geschichte des Ortes und den
Denkmalwert angepasste neue Nutzung ist auch für die beiden Erweite-
rungen des Gebäudes wünschenswert59.
Anmerkungen
1 In der Literatur finden sich für dieses Gebäude daneben auch die Bezeich-
nungen Anatomisches Theater oder Anatomiegebäude der Tierarzneischule.
2 Zu dieser Bezeichnung s. Kempf 2008, 14.
3 Für eine umfassendere Darstellung dieses Gebäudes s. Denkmaltopogra-
phie 2003, 613 f. und Kempf 2008; dort finden sich auch zahlreiche weiter-
führende Literaturhinweise.
4 Daher stammt für diesen ersten Anbau die Bezeichnung Gerlach-Bau.
5 „Dieser Bau wurde im Jahre 1874 ausgeführt und besteht in einem An-
bau an das alte Anatomiegebäude. Er enthielt einen Sektionsraum mit 4
Sektionstischen, einen Mikroskopirsaal (sic!), 2 Lehrerzimmer [im EG]
und 3 Räume für die pathologische-anatomische Sammlung [im OG].“
s. Schütz 1890, 259.
6 Lerche 1945, 75–79.
7 Der Entwurf für die Erweiterung ist noch durch den Regierungs- und Bau-
61
Das Tieranatomische Theater in Berlin-Mitte.
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
rat Walther Wolff erfolgt (daher im Folgenden die Bezeichnung Wolff-Bau).
Nach Aussage Lerches schied Wolff jedoch bereits vor Baubeginn aus. Die
Ausführung der nur zum Teil realisierten und durch Lütge überarbeiteten
Entwürfe Wolffs oblag dem Baurat Schmidt. Vgl. Lerche 1945, 80–84.
8 Haspel in: Kempf 2008, 9.
9 Diese neuartige Konstruktionsweise war von Langhans ab 1788
lediglich bei einigen kleineren Parkbauten erprobt worden, die
‚Zootomie‘ gilt dagegen als „erste[r] auch von der Öffentlichkeit
wahrgenommene[r] Großbau Deutschlands mit einem Bohlen-
dach“, Rüsch 1997, 23–25. 222–227. In diesem Zusammenhang
scheint erwähnenswert, dass David Gilly zur Illustration des Titelblat-
tes seiner wegweisenden Schrift zu Bohlendachkonstruktionen aus
dem Jahre 1797 eine Abbildung von Langhans‚Zootomie‘ verwen-
det (Abb. 1), s. GILLY 1797. Vgl. auch Denkmaltopographie 2003,
614; Kempf 2008, 17.
10 Vgl. dazu die bislang ausführlichste Darstellung in Kempf 2008,
202–204; Abb. 139–146 und den dort aufgeführten Forschungs-
stand.
11 Das Jahrgangsprojekt zu den Erweiterungsbauten des Tieranatomi-
schen Theaters wurde im Wintersemester 2014/15 und im Sommer-
semester 2015 durchgeführt und unter Leitung von Elgin von Gais-
berg durch Antonia Brauchle, Ursula Hüffer, Axel Schuhmann und
Claudia Winterstein betreut. Die studentischen Teilnehmer des MSD
waren: Michael Maria Bastgen, Kerstin Frischke, Dominik Geppert,
Stefanie Gerhard, Stephan Golombek, Maria Gromadzka, Elisa
Haß, Yakinthi Kaperoni, Kamila Kojder, Anne Krugmann, Tillmann
Kühnel, Anita Lenz, Marie Mamerow, Ana Milardovic, Sophie Theres
Nagele, Fatma Öz, Jörg-Peter Riekert, Virginia Rush, Jasmin Schä-
fer, Kristina Schindler, Franziska Schlicht, Lorenz Schröter, Christin
Sonnek, Stamatina-Ioanna Triantafyllou, Manuela Urquijo Montoya,
Christina Weber, Karin Welte.
12 Zschocke 2007, 25.
13 Zschocke 2007, 97; 177.
14 Wendland 1979, 262–267; Kempf 2008, 32–34.
15 Kempf 2008, 42–56; 60 Abb. 8.
16 Neben dem zentralen Hörsaal, dem ‚zootomischen Theater‘, um-
fasste das Gebäude auch eine umfangreiche Fachbibliothek und
Lehrsammlung sowie Vorbereitungs- und Arbeitsräume; s. dazu
Hoffmann – Farchmin 1965, 163 f.; Kempf 2008, 68 f.
17 Schütz 1890, 226 f.; Koch 1965a, 46.
18 Koch 1965b, 121.
19 Nusshag 1959/60, 222.
20 Ab 1949 erhielt die Berliner Universität den Namen Humboldt-Uni-
versität zu Berlin.
21 Koch 1965a, 51.
22 Scheibner 1990, 207–211.
23 Kempf 2008, 224 f.
24 Vgl. http://www.kulturtechnik.hu-berlin.de/content/chronologie,
abgerufen am 2. Mai 2016.
25 Einige der Räume werden lediglich als Abstellräume genutzt.
26 Die Arbeiten an den Fassaden der beiden Anbauten begannen zeit-
gleich mit dem Jahrgangsprojekt des MSD im Herbst 2014; die In-
nenräume sollen in einem späteren Schritt saniert werden.
27 Zu den vorherigen Jahrgangsprojekten s. die Jahrbücher des
Masterstudiums Denkmalpflege an der TU Berlin, Hefte 1–11,
2005–2015.
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Axel Schuhmann – Claudia Winterstein
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
28 Die Bauaufnahme erfolgte im Handaufmaß im Maßstab 1:25. Sie
wurde durch die tachymetrische Punktaufnahme unterstützt; einzelne
Fassadenbereiche wurden photogrammetrisch aufgenommen.
29 Die Entnahme der Bohrkerne erfolgte durch Alexander Janus vom
Labor für Dendrochronologie des Deutschen Archäologischen Ins-
tituts in Berlin. Die Auswertungen wurden unter Mitwirkung der Stu-
dierenden des MSD in den Laborräumen des DAI vorgenommen.
Das dendrochronologische Gutachten wurde von Karl-Uwe Heuß-
ner, dem Leiter des Labors, erstellt.
30 Die im Rahmen des Projekts entstandenen Pläne und schriftlichen
Ausarbeitungen wurden dem Bauamt der Humboldt-Universität so-
wie dem Landesdenkmalamt Berlin übergeben. Sie können darüber
hinaus im Fachgebiet Historische Bauforschung und Baudenkmal-
pflege der TU Berlin eingesehen werden.
31 Wie im Abschnitt zur Datierung des Dachwerks ausführlicher darge-
stellt wird, erhielt der Hauptkörper des Gerlach-Baus jedoch ober-
halb des von Langhans´ ‚Zootomie‘ übernommenen Gebälks eine
niedrige Attikazone, wodurch sich eine leichte Höhenstaffelung der
einzelnen Baukörper ergab. Diese Attika ist am heutigen Bau nicht
mehr vorhanden.
32 Die Säulen des Gerlach-Baus folgen in Aufbau und Gestalt dem
Säulenpaar am Portikus von Langhans´ ‚Zootomie‘, sie sind ledig-
lich etwas gestreckter, da sie als Kolossalordnung anderthalb Ge-
schosse zusammenfassen. Langhans nimmt in der Gestaltung der
dorischen Säulen der ‚Zootomie‘ deutlichen Bezug zur Säulenlehre
Giacomo Barozzi da Vignolas, s. hierzu Kempf 2008, 101–103.
33 Wie historische Pläne zeigen, waren die Fenster der heute nicht mehr
existierenden Südfassade des Gerlach-Baus allerdings ebenfalls mit
Bukranien geschmückt; s. Kempf 2008, 207 Abb. 140. Bei diesen
handelte es sich wohl um Abgüsse eines Bukranions des Ursprungs-
baus, das sich über dem nun durch den Brückenbau verdeckten
Fenster befand. Wie eine restauratorische Untersuchung belegt,
wurde das originale Bukranion bei einem der Fenster des Brücken-
baus wiederverwendet, s. Kempf 2008, 203.
34 Das ‚Normalformatentspricht einem Ziegelmaß von 25 cm x 12 cm
x 6,5 cm. Es wurde 1870 in Preußen eingeführt und war ab 1871
für staatliche Bauaufgaben verbindlich vorgeschrieben; s. dazu:
Zirkular-Erlass des Preussischen Handels-Ministers über die Einfüh-
rung des neuen Ziegelformats 1870. Im Jahr 1871 beschloss der
Architektenverein zu Berlin, künftig auch bei Privatbauten dieses
Ziegelformat bevorzugt zu verwenden. Es fand in der Folge zuneh-
mend Ausbreitung im gesamten Reichsgebiet, vorwiegend jedoch
im Gebiet des Norddeutschen Bundes. Ab 1881 kam für dieses
Ziegelformat auch die Bezeichnung ‚Reichsformatauf. Zum Nor-
malformat bzw. Reichsformat vgl. HdA 3,1 1891, 20; SCHRADER
1997, 163–167.
35 Das Ziegelformat beträgt 24 cm x 11,5 cm x 6,3 cm.
36 Dadurch lässt sich der Bauablauf von 1935/36 nachvollziehen.
Offensichtlich wurde mit dem Bau des unterkellerten Bereichs be-
gonnen, für den wahrscheinlich Ziegel der abgebrochenen Süd-
mauer des Gerlach-Baus verwendet wurden.
37 Quelle: Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz/ I.HA,
Rep.76Va, Nr. 10025/ Bauten und Reparaturen am Anatomiege-
bäude in Berlin und Anschaffung der Utensilien/ 1912–1944 /
Blatt-Nr. 92 (rot).
38 Der heutige Bestand entspricht der Planung von 1873: vgl. Lan-
63
Das Tieranatomische Theater in Berlin-Mitte.
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
desarchiv Berlin, Pr_Br_Rep_042 (Karten)_Nr_470_1, Blatt VIII: ‚Er-
weiterungsbau des Anatomie-Gebäudes der Thierarzeneischule in
Berlin (Detail)‘.
39 Raue 2014, Teilansicht Nordwest.
40 Insgesamt müssen nach Abbruch dieser Fassaden 31 solcher Trigly-
phen aus Terrakotta zur Verfügung gestanden haben; vgl. Landes-
archiv Berlin, Pr_Br_Rep_042 (Karten)_Nr_470_1, Blatt III und IV:
‚Erweiterungsbau des Anatomie-Gebäudes der Thierarzeneischule
in Berlin‘.
41 Die Bodenöffnung war nötig, um eine Mediendurchführung in die
Außenmauer einzubringen. Sie wurde Anfang Juni 2015 angelegt.
42 Lerche 1945, 38 f.
43 Ein im Handbuch der Architektur beschriebener „Kesselherd mit
Lauffeuer“ ähnelt diesem Bauteil in gewisser Weise. Auch die Tat-
sache, dass dieser im Abschnitt über Anstaltsherde“ bzw. „Mas-
senkocheinrichtungen geführt wird, unterstützt diese Annahme.
Die Zuschreibung muss aber bis auf weiteres hypothetisch bleiben,
vgl. HdA 3,5 1892, 18. Abb. 16.
44 Kempf 2008, 203.
45 Vgl. dazu den historischen Plan in Kempf 2008, Abb. 141.
46 Dabei irritiert allerdings die schlichte Materialwahl der Verbretterung
mit sägerauer Oberfläche. Möglicherweise handelt es sich nicht um
eine Fassung, sondern der Farbauftrag ist lediglich ein Schutzan-
strich. Diese Hypothese liefert allerdings keine befriedigende Erklä-
rung für die profilierten Leisten.
47 Ihre Datierung in diese Bauphase ist jedoch sehr wahrscheinlich, da
nach der Fertigstellung des Wolff-Baus lediglich funktional und tech-
nisch bedingte Veränderungen an der Gesamtanlage vorgenom-
men wurden, rein gestalterische Maßnahmen dagegen nicht belegt
sind.
48 Insgesamt konnten nur zehn der ursprünglich 16 geplanten Höl-
zer beprobt werden, vier der Proben erbrachten kein Ergebnis. Fünf
Hölzer wurden 1928 bis 1933 gefällt, womit sie Wolffs Erweiterung
zugeordnet werden können. Ein Holz die westliche Strebe des süd-
lichen Hängewerks erbrachte als Fälldatum das Jahr 1785. Die-
ses unerwartete Ergebnis könnte mit der Wiederverwendung eines
oder mehrerer Balken erklärt werden, die ursprünglich beim Bau
von Langhans´ ‚Zootomie‘ verwendet wurden. In diesem Zusam-
menhang ist der Abbruch der rückwärtigen mehrläufigen Treppe
im westlichen Risalit der ‚Zootomie‘ zu erwähnen, der laut Plan-
unterlagen zwischen 1843 und 1877, sehr wahrscheinlich jedoch
zeitgleich mit der Errichtung des Gerlach-Baus 1874 erfolgte; vgl.
Kempf 2008, 88. 200; Abb. 28. Möglicherweise waren einige Bal-
ken der Treppenanlage in Dimension und Zustand für die Errich-
tung der Hängewerke im Dach des ersten Erweiterungsbaus zu ge-
brauchen. Die dendrochronologisch datierte Strebe weist allerdings
keine Spuren von Holzverbindungen auf, die von einer vorherigen
Einbausituation stammen.
49 Neben der dendrochronologischen Untersuchung bietet der Bau
mit seinen zahlreich vorhandenen Abbundzeichen, den Beil- und
Sägespuren an Balkenoberflächen sowie konstruktiven Details aus-
sagekräftige Hinweise. Daneben wurden auch Archivalien und his-
torische Planunterlagen berücksichtigt.
50 s. dazu die historischen Pläne der Jahre 1875, 1914 und 1919 in
Kempf 2008, Abb. 140–143.
51 Konstruktiv sind die beiden mittleren Unterzüge als Hängebalken
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64
Axel Schuhmann – Claudia Winterstein
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
der doppelten Hängewerke ausgeführt. Grundsätzlich benötigen die
Unterzüge zum einfachen Abtrag der Lasten aus der Geschossde-
cke keine weitere Unterstützung, wie die beiden äußeren Unterzüge
zeigen, die frei über die gesamte Breite des Kursussaales spannen.
Die zusätzliche Last aus der Dachhaut macht für die beiden mittleren
Achsen jedoch die Hängewerke notwendig. Auf die insgesamt vier
Hängesäulen ist ein umlaufendes Rähm gezapft, das den Sparren
des Zeltdaches als oberes Auflager diente. Die Aussteifung erfolgt in
Querrichtung durch die Streben und Spannriegel der Hängewerke,
in Längsrichtung durch Kopfbänder zwischen den Hängesäulen und
dem Rähm.
52 In der Regel Sägespuren, an einzelnen Stellen scheinen die Hölzer
zu einem späteren Zeitpunkt gebeilt worden zu sein.
53 Beilspuren.
54 s. Kempf 2008, Abb. 140–141.
55 Zu den Kriegsschäden s. Lerche 1945, 236–243.
56 Sie wurden im Rahmen der Untersuchung systematisch erfasst und
aufgrund ihrer Charakteristika zeitlich eingeordnet.
57 Denkmaltopographie 2003, 613 f.
58 Beide Gebäude sind als Einzeldenkmale gelistet. Die Chirurgische
Pferdeklinik entstand 1923-26, das Schmiede-, Kassen- und Apo-
thekengebäude 1930-33; Denkmaltopographie 2003, 617–619.
59 Entsprechende Konzepte wurden von den Studierenden im Rah-
men des MSD-Jahrgangsprojekts vorgeschlagen. Als Grundlage für
sämtliche Überlegungen zu Sanierung und Umnutzung der Anbau-
ten des Tieranatomischen Theaters wurde ein denkmalpflegerischer
Bindungsplan entwickelt, in den die gewonnenen Erkenntnisse zur
Bau- und Nutzungsgeschichte und die denkmalpflegerischen Be-
deutungskriterien eingeflossen sind. Die Anforderungen zum Erhalt
der einzelnen Gebäudeteile wurden dabei in drei Kategorien un-
terschieden: unbedingt erhaltenswert, erhaltenswert, ohne Bindung.
Daneben stellt die erarbeitete Material- und Schadenskartierung
eine umfassende Grundlage für die Beurteilung des Handlungsbe-
darfs und den Vorschlag eines Instandsetzungskonzepts mit geeig-
neter Maßnahmenplanung dar. Die am Bau dokumentierten Schä-
den betreffen hauptsächlich die Oberflächen der Außenwände, der
Innenräume und der Dachhaut, konstruktiv bedeutend sind lediglich
einige Schäden an Sparren, Stielen und Streben des Dachwerks.
Die vier von den Studierenden vorgeschlagenen Nutzungskonzepte
sind durchweg vom Bemühen um einen bestandsschonenden Um-
gang mit der vorhandenen Denkmalsubstanz geprägt. Sie reichen
von der Musealisierung des Gesamtgebäudes über die Einrichtung
von Büroräumen und einer Werkstatt zur Ergänzung der Ausstellung
in der ‚Zootomie‘ bis zu einem Studentencafé und gar der Einrich-
tung einer Mikrobrauerei, die mit der Herstellung, Erforschung und
Vermittlung des Lebensmittels Bier an die frühere Nutzung des Ge-
bäudes durch das Institut für Lebensmittelhygiene anknüpft.
Literatur
Denkmaltopographie 2003
Landesdenkmalamt Berlin (Hrsg.): Denkmale in Berlin. Bezirk Mitte Ortsteil
Mitte. Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Petersberg 2003.
65
Das Tieranatomische Theater in Berlin-Mitte.
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Gilly 1797
David Gilly: Ueber Erfindung. Construction und Vorteile der Bohlen-Dächer mit
besonderer Rücksicht auf die Urschrift ihres Erfinders. Berlin 1797.
HdA 3,1 1891
Erwin Marx: Handbuch der Architektur 3. Teil. Bd. 1. Constructions-Elemente.
2. Aufl. Darmstadt 1891.
HdA 3,5 1892
Max Knauff Eduard Schmitt: Handbuch der Architektur 3. Teil. Bd. 5. Koch-,
Spül-, Wasch- und Bade-Einrichtungen. 2. Aufl. Darmstadt 1892.
Hoffmann, Farchmin 1965
Renate Hoffmann Günter Farchmin: Vue de la Zootomie à Berlin. In: Kurt
Schröder (Hrsg.): Veterinärmedizin in Berlin 1790–1965. Wissenschaftliche Zeit-
schrift der Humboldt-Universität zu Berlin. Sonderband 1965, 155–166.
Kempf 2008
Jens-Oliver Kempf: Die Königliche Tierarzneischule in Berlin von Carl Gotthard
Langhans. Eine baugeschichtliche Gebäudemonographie. Berlin 2008.
Koch 1965a
Tankred Koch: Zur Geschichte der Veterinärmedizinischen Fakultät der Hum-
boldt-Universität zu Berlin. In: Kurt Schröder (Hrsg.): Veterinärmedizin in Berlin
1790–1965. Wissenschaftliche Zeitschrift der Humboldt-Universität zu Berlin.
Sonderband 1965, 9–83.
Koch 1965b
Tankred Koch: Geschichte des Instituts für Veterinär-Anatomie. In: Kurt Schröder
(Hrsg.), Veterinärmedizin in Berlin 1790–1965. Wissenschaftliche Zeitschrift der
Humboldt-Universität zu Berlin. Sonderband 1965, 117–125.
Lerche 1945
Martin Lerche: Chronik des Instituts für Lebensmittelhygiene der Universität Berlin
Bd. 1. Berlin 1945.
Nusshag 1959/60
Wilhelm Nusshag: Zur Geschichte der veterinärmedizinischen Fakultät und ihrer
Institute. In: Wissenschaftliche Zeitschrift der Humboldt-Universität zu Berlin. Bei-
heft zum Jubiläumsjahrgang IX. 1959/60, 215–228.
Raue 2014
Jan Raue: Restauratorisches Gutachten des Büros für Restaurierung Dr. Jan
Raue. Bearbeitung und Kartierung 11/2014 (nicht publiziert).
Rüsch 1997
Eckart Rüsch: Baukonstruktion zwischen Innovation und Scheitern. Verona, Lang-
hans, Gilly und die Bohlendächer um 1800. Petersberg 1997.
Scheibner 1990
Gerhard Scheibner: Entwicklung der tierärztlichen Lebensmittelhygiene. In: Vol-
ker Deutrich (Hrsg.): Von der Königlichen Tierarzneischule zur Veterinärmedi-
zinischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin 1790-1990. 200 Jahre
veterinärmedizinische Ausbildung und Forschung in Berlin. München 1990,
205–212.
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66
Axel Schuhmann – Claudia Winterstein
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Schrader 1997
Mila Schrader: Mauerziegel als historisches Baumaterial. Ein Materialleitfaden
und Ratgeber. Suderburg-Hösseringen 1997.
Schütz 1890
Wilhelm Schütz: Die Thierärztliche Hochschule zu Berlin 1790–1890. Festschrift,
Berlin 1890.
Wendland 1979
Folkwin Wendland: Berlins Gärten und Parke. Berlin 1979.
Zirkular-Erlass des Preussischen Handels-Ministers über die Einführung des neu-
en Ziegelformats 1870
Zirkular-Erlass des Preussischen Handels-Ministers über die Einführung des neu-
en Ziegelformats. Deutsche Bauzeitung 4. 1870, 397.
Zschocke 2007
Helmut Zschocke: Die Berliner Akzisemauer. Die vorletzte Mauer der Stadt.
Berlin 2007.
MSD
Abschlussarbeiten
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.
69Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Im Jahr 2011 wurden am nördlichen Fuß des Kronoshügels in Olympia
bei Bauarbeiten antike Gebäudestrukturen entdeckt. Diese stellen die
ersten größeren in diesem Bereich gefundenen baulichen Überreste
außerhalb der Archäologischen Stätte von Olympia dar und wurden
in den Jahren 2011 bis 2014 durch die 7. Ephorie der Prähistorischen
und Klassischen Altermer in Olympia unter der Leitung von Dr. Geor-
gia E. Hatzi in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Aliki Moustaka von der
Universität Thessaloniki bis zu dem in Abb. 1 abgebildeten Zustand
freigelegt.
Da die archäologische Erforschung der neu entdeckten Strukturen so-
wie die Untersuchung der zahlreichen Kleinfunde zur Zeit noch andau-
ern, liegen abschließende Publikationen bis jetzt nicht vor. In der grie-
chischen Zeitschrift Eliaki Protochronia, Eliako Panorama 15 wurden
die Strukturen aufgrund von Inschriftenfunden erstmals als Überreste
eines Heiligtums der Geburtsttin Eileithyia ausgewiesen.1
Die bisherigen Alterseinsctzungen gehen von einer Gndung des
Heiligtums in archaischer Zeit und Nutzung desselben bis in mische
Zeit aus.2
Abb. 1: Das Heiligtum am nördlichen Fuß des Kronos-
hügels von Nordwesten. T. Kühnel, 2015.
Tillmann Kühnel
Olympia, Griechenland: Bauliche Überreste eines Heiligtums
nördlich des Kronoshügels. Bauaufnahme und Bauforschung
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70
Tillmann Kühnel
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Baubeschreibung
Das nach dem bisherigen Kenntnisstand längsrechteckige Gebäude ist
etwa in ostwestlicher Richtung orientiert. Es wird von unterschiedlichen
Mischmauerwerkswänden begrenzt, welche eine im Innern befindli-
che, tiefer gegründete Muschelkalkquaderkonstruktion umfangen bzw.
teilweise überlagern. Dabei ist der östliche Gebäudeabschluss gra-
bungsbedingt noch nicht sicher geklärt, denn die südliche Außenmau-
er läuft nach 17,0 m in die östliche Grabungskante hinein, während
die nördliche Außenmauer nach 13,70 m durch eine kürzlich verlegte
Wasserleitung gestört ist. Die Breite des Gebäudes differiert zwischen
ca. 8,25 m im Westen und ca. 8,40 m im Osten (vgl. Abb. 3 und 4).
Zum Außenraum hin weisen die erhaltenen Mauerzüge keine erkenn-
baren Öffnungen auf. Jedoch liegen an der zum Teil noch in der
Grabungskante befindlichen Ostwand von Raum A3 mit übereinander-
liegenden, pfeilerartigen Abschlüssen der verschiedenen Wandkonstruk-
tionen und schwellenartigen, unterschiedlich hoch gelagerten Muschel-
kalkquadern deutliche Hinweise dafür vor, dass die Erschließung des
Gebäudes von der Ostseite her erfolgte.
An den Außenwänden sind mit Ausnahme von zwei pfeilerartigen
Mauervorsprüngen im Westen keine weiteren Gliederungen feststell-
bar. Um Raum C sind die äußeren Mauern als opus mixtum, bei den
übrigen Räumen als opus testaceum ausgeführt. Letzteres ruht bei
der Ostwand von Raum A in Teilbereichen auf Quadermauerwerk.
Im Inneren ist das Gebäude in vier unterschiedlich große Räume unter-
teilt. Die Räume sind durch Wände aus unterschiedlichen Mauerwerks-
arten voneinander abgetrennt. Diese bestehen ebenfalls aus Misch-
mauerwerk, bei der Wand zwischen den Räumen A und B aus opus
testaceum, das in Teilbereichen auf Quadermauerwerk ruht und bei der
Wand zwischen den Räumen B und C aus opus mixtum, das nach
Osten versetzt zumindest teilweise ebenfalls auf einer Quadermauer
gegründet ist. Die Räume B und D sind durch Wände aus opus spica-
tum voneinander getrennt, dessen Gründung auf einer Feldsteinschicht
deutlich höher als bei den anderen Mischmauerwerkswänden liegt.
Durch zwei unterschiedlich breite Maueröffnungen in der zentralen
Längsachse des Gebäudes sind die Räume A, B und C miteinander
verbunden. Raum D weist mit Ausnahme einer schmalen fensterartigen
Öffnung in der Westwand heute keine erkennbare Verbindung mehr zu
den anderen Räumen auf.
Ergebnisse der Bauaufnahme
Ein verformungsgetreues Aufmaß der freigelegten Strukturen war bislang
nicht erfolgt. In einer achtwöchigen Bestandsaufnahme wurden daher
ein tachymetrisch gestütztes Handaufmaß durchgeführt und unter Zuhil-
fenahme photogrammetrischer Methoden steingerechte Pläne im Maß-
stab M1:20 erstellt.4 Zudem wurde das Objekt in dem für die Archäo-
logische Stätte von Olympia verbindlichen Koordinatensystem verortet.
Nicht durch die Pläne abgedeckte Bereiche wurden fotografisch und
durch ein mit der Software Agisoft PhotoScan photogrammetrisch erstell-
tes 3D-Modell dokumentiert (Abb. 2). Die Fotodokumentation ist mit ei-
ner detaillierten Beschreibung in Form eines Raumbuchs erstellt worden.
Abb. 2: 3D-Modell – Übersicht von Nordwesten.
T. Kühnel, 2015.
71
Olympia, Griechenland: Bauliche Überreste eines Heiligtums
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Abb. 4: Bauphasenplan Schnitt D mit
Raumbezeichnungen und Bauphasen.
T. Kühnel, 2015.
Abb. 3: Bauphasenplan Grundriss mit
Raumbezeichnungen. (siehe Anmerkung 3)
T. Kühnel, 2015.
Abb. 5: Mauerwerkskartierung Grundriss
mit Mauerwerksarten.
T. Kühnel, 2015.
Abb. 6: Schnitt A mit Höhen vermuteter Bodenauf-
bauten und Gründungshöhen.
T. Kühnel, 2015.
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72
Tillmann Kühnel
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Ergebnisse der Bauforschung
Bei einem Vergleich der vorgefundenen Bausubstanz mit den Beschrei-
bungen des Tempels der Eileithyia durch den antiken Reisenden Pausani-
as (Paus. VI, 20, 2; 20, 3)5 konnten bei entsprechender Interpretation
des Textes6 Anhaltspunkte gefunden werden, die nahelegen, dass es
sich bei dem Objekt um das dort beschriebene Doppelheiligtum der
Eileithyia und des Sosipolis handeln könnte.
Des Weiteren konnten am mehrfach umgebauten sowie erweiterten
Bestand fünf Bauphasen abgegrenzt werden (Abb. 3 und 4), für deren
zeitliche Einordnung jedoch noch ein Abgleich mit der Auswertung der
Funde erfolgen muss.
Die chronologische Einteilung in Bauphasen erfolgte in erster Linie an-
hand der unterschiedlichen Mauerwerksarten (Abb. 5), der Anschlüsse
und Stöße, der Gründungshöhen (Abb. 6) sowie der unterschiedlichen,
teilweise setzungsbedingten Schädigungsgrade der Bausubstanz. Weiter
flossen die Höhenlagen von Resten (Streifen/Schichten) ehemaliger Bo-
denaufbauten, von Putzabbruchkanten, die als Bodenwandanschlüsse
erkannt werden konnten (Abb. 6) und einzelner Bauteile zueinander in
diese Überlegungen mit ein (Abb. 7). Zur Einordnung der vorgefunde-
nen Bauarten und Materialien wurden Vergleiche mit Gebäuden in der
Archäologischen Stätte von Olympia und Bauten in der näheren Umge-
bung durchgeführt.
Zusammenfassung und Ausblick
Insbesondere das Aussehen des Gebäudes in seinen verschiedenen
Bauphasen, aber auch diese selbst werfen noch Fragen auf. So werden
zwischen den vorstehend ausgewiesenen Bauphasen aufgrund der Lage
der Bauteile zueinander durchaus noch weitere größere Umbauten und
unter Umständen Bauphasen am Anfang und gegen Ende der Nutzung
des Gebäudes vermutet. Zur Verfolgung dieser Hinweise sind weitere
archäologisch unterstütze Untersuchungen der bislang noch nicht aus-
reichend freigelegten Anschlüsse der Muschelkalkquader und - auch zur
genaueren zeitlichen Einordnung der Bauphasen - ein Abgleich mit den
bei der Grabung gemachten Feststellungen erforderlich. Auch die de-
tailliertere Untersuchung der verwendeten Baustoffe (Ziegel, Putze und
Mörtel) und deren Zusammensetzung lässt hierzu weitere Ergebnisse er-
warten.
Weiter sind die maximalen Ausmaße, die das Gebäude erreichte, gra-
bungsbedingt noch nicht ermittelt und die Verehrung einer weiteren
Gottheit in dem Kultbau sowie die Nutzung der Räume A und D noch
nicht abschließend geklärt.
Abb. 7: Sich überlagernde Sockelsteine in der
Nordwestecke von Raum A. T. Kühnel, 2015.
73
Olympia, Griechenland: Bauliche Überreste eines Heiligtums
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Anmerkungen
1 Hatzi 2015, 40–41.
2 Nach Auskunft vom 18.03.2016 von Prof. Dr. Aliki Moustaka.
3 Die verschiedenen Bereiche wurden im Rahmen der Abschlussarbeit mit den
Bezeichnungen Raum A–D versehen, die ausschließlich die Beschreibung
übersichtlich und wertfrei strukturieren soll. Damit sind weder räumliche Zu-
sammenhänge noch Bauphasen gemeint. Die unterschiedlichen Bauphasen
sind hingegen in den Abb. 3–4 in der üblichen Weise farblich hervorgeho-
ben.
4 Die Bauaufnahme von 07/2015 bis 09/2015 wurde mit Yakinthi Kaperoni
durchgeführt, die daran sechs Wochen teilnahm und als Grundlage des
gezeigten Grundrisses die Originalzeichnungen des südlichen Bereichs des-
selben und die der Schnitte B und C anfertigte.
5 Meyer 1967, 332–333.
6 Dörpfeld 1966, 113–114, 263.
Literatur
Dörpfeld 1966
Wilhelm Dörpfeld: Alt-Olympia Erster Band. Neudruck der Ausgabe 1935.
Osnabrück 1966,113–114, 263.
Hatzi 2015
Georgia E. Hatzi: Projekte der Siebten Ephorie während der zwei Jahre 2013–
2014 in Eliaki Protochronia. Eliako Panorama 15, 2015, 40–41.
Meyer 1967
Ernst Meyer: Pausanias Beschreibung Griechenlands. Zürich 1967.
Ermöglicht wurde das Projekt durch die freundliche Genehmigung und Unter-
stützung der 7. Ephorie der Prähistorischen und Klassischen Altertümer in Olym-
pia (vertreten durch deren ehemalige Leiterin Dr. Georgia E. Hatzi) sowie von
Prof. Dr. Aliki Moustaka (Universität Thessaloniki) und der Vermittlung von PD Dr.
Reinhard Senff (Deutsches Archäologisches Institut, Abteilung Athen). An dieser
Stelle sei den Beteiligten und den Betreuern dieser Arbeit, Prof. Dr.-Ing. Thekla
Schulz-Brize und Claudia Mächler M.A., nochmals herzlich gedankt.
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74 Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich die ehemals aufge-
lockerte Bebauungsstruktur auf dem Grundstück am Benedikts-
platz 1 in Erfurt zu einem aus acht Einzelgebäuden bestehenden
Gesamtkomplex. Im Rahmen des Forschungsprojekts „Ein hochmittelal-
terlicher jüdischer Wohn- und Handelskomplex in Erfurt und seine Aus-
malung“1 wird die Entstehungsgeschichte dieses Gebäudeensembles in
der historischen Altstadt derzeit untersucht.
Die Masterarbeit mit der Aufgabenstellung der Bauforschung in den
zugehörigen Kelleranlagen war Teil des laufenden Forschungsprojekts.
Die Untersuchungen erfolgten mit der Zielstellung, die Entwicklung des
Kellerkomplexes zu erforschen um Rückschlüsse auf die darüberliegende
Bebauung zu erhalten. Frühere Veröffentlichungen und Untersuchungen2
zum Kellerkomplex stellten sich als unvollständig und teilweise überholt
heraus, sodass die Bauforschung losgelöst von dem bis dahin bekannten
Forschungsstand erfolgte.
Keller stellen für bauhistorische Untersuchungen eine wichtige Quelle
dar, da dort zumeist weniger Umbaumaßnahmen stattfanden und sich
daher oftmals Teile der ältesten Bausubstanz erhalten haben. Während
Gebäude dem Zeitgeschmack angepasst wurden, aufgrund von verän-
derten Nutzungsanforderungen umgebaut oder gar durch Brände zer-
stört wurden, blieben Teile von Kellern oftmals unverändert. Am Bene-
diktsplatz 1 entstand seit dem Mittelalter, bedingt durch städtebauliche
Veränderungen wie Parzellenteilungen oder Grundstückszusammenle-
gungen sowie der Errichtung neuer Gebäude, ein komplexes unterir-
disches System von insgesamt 22 Kellerräumen und Verbindungs- bzw.
Erschließungsgängen.
Aufgabenstellung und Vorgehensweise
Die Bauforschung in den Kelleranlagen umfasste zunächst eine Doku-
mentation des Bestands. In Form eines Begehungsprotokolls wurden
bauliche Merkmale wie Material, Konstruktion und Besonderheiten
raumweise aufgenommen und fotografisch dokumentiert. Das zur Ver-
fügung gestellte verformungsgetreue Aufmaß des Kellergeschosses wur-
de in einem weiteren Arbeitsschritt vervollständigt.3 Dafür wurden die
im Aufmaß fehlenden Bauelemente wie Pforten, Öffnungen, Nischen,
Stützen, Treppen und Raumecken von Hand eingemessen und die CAD-
Zeichnung um die Deckenspiegel der Gewölbe ergänzt.
Wie schon frühere Untersuchungen zu Erfurter Kellern gezeigt haben,
können Natursteingewände für eine chronologische Einordnung der Kel-
ler wertvolle Hinweise liefern.4 Aus deren Form und Konstruktion lassen
sich zeittypische Merkmale ableiten. Die Ausführung des Steinschnitts
und die unterschiedliche Oberflächenbearbeitung der Werksteine kön-
nen zur Datierung herangezogen werden. Die Art der Einbindung von
Gewände- und Bogensteinen in das Mauerwerk lässt außerdem erken-
nen, ob Bauteile zeitgleich eingebaut oder nachträglich verändert wur-
Erfurt, Benediktsplatz 1.
Bauforschung in den mittelalterlichen Kelleranlagen
Abb. 1: Nachträglich eingewölbter romanischer
Ursprungsbau K.019. Derzeit als Schaudepot für
jüdische Grabsteine genutzt.
K. Kojder, J. Schäfer 2015.
Abb. 2: Handzeichnung der vermutlich ältesten
erhaltenen Kellerpforte K (zwischen K.018 und K.017)
in Ansicht, Schnitt und Grundriss (M 1:10).
K. Kojder, J. Schäfer 2015.
Kamila Kojder – Jasmin Schäfer
75Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
den. Ein Fokus der Untersuchungen lag deshalb auf einem steingenauen
Handaufmaß der Kellerpforten im Maßstab 1:10 (Abb. 2). Von insge-
samt sechzehn vorhandenen Pforten wurden zehn in Ansicht, Schnitt und
Grundriss gezeichnet, zwei weitere Pforten wurden maßstäblich skizziert.
Ein Vergleich der Kellerpforten am Benediktsplatz 1 mit Pforten aus an-
deren Erfurter Kellern erlaubte zudem die Erstellung einer relativen Chro-
nologie. Dazu wurden alle Pforten des Kellerkomplexes nach den Krite-
rien des Erfurter Kellerkatasters analysiert und in eine Typensystematik
eingeordnet. Hauptmerkmale für die Kategorisierung waren dabei die
Anzahl und Form der Bogen- sowie Gewändesteine und das Vorhanden-
sein von Schluss- und Kämpfersteinen.5 Altwasser konnte feststellen, dass
es eine abnehmende Tendenz der Bogensteinanzahl im Laufe der Zeit
gibt. Die fortschreitende Technik erlaubte die Herstellung und den Ver-
satz größerer Werksteine, sodass auch die anfangs kleinteiliger ausge-
führten Gewände auf Monolithe reduziert wurden.6 Ausgehend von den
untersuchten Pforten wurde die Entwicklung der Kelleranlage analysiert.
Zur Veranschaulichung dienten Befundfotografien, Grundrissausschnitte
sowie axonometrische Darstellungen der Bauabfolgen der Kellerräume
und deren einstiger Erschließung. Aus allen gewonnenen Erkenntnissen
wurde ein Bauphasenplan für den gesamten Kellerkomplex erarbeitet,
der die Entwicklung des Grundstückgefüges zusammenhängend dar-
stellt.
Ergebnisse der Bauforschung
Für den gesamten Kellerkomplex ergaben sich insgesamt 19 Bau- und
Umbauphasen. Da ein Großteil der Bauphasen zeitlich nicht genau defi-
niert werden konnte und Bautätigkeiten auf dem Grundstück möglicher-
weise parallel vonstatten gingen, wurden vier Hauptgruppen gebildet.
Die Legende zeigt die vier Gruppen jeweils in Farbfamilien auf einer
Zeitskala von der Romanik (frühes 13. Jahrhundert) bis ins 20. Jahrhun-
dert. Die vertikale Richtung legt die Phasen dabei chronologisch nach-
einander fest. Für Bereiche, die keiner eindeutigen Bauphase zugeord-
net werden konnten, dienen Schraffuren in den Farben der vermuteten
Phasen (Abb. 3). Anfangs waren auf dem Gelände nur der quadratische
Keller K.019 sowie möglicherweise ein weiterer Keller K.003 vorhanden.
Im Anschluss daran wurde der Keller K.017 südlich an K.019 errichtet.
In diesen beiden ältesten Kellerräumen konnte romanische Bausubstanz
nachgewiesen werden. Die heute noch vorhandene kleinteilige Pforte K
in K.017 sowie die Pfortennische L in K.019 zeugen von einer Erbauung
im 13. Jahrhundert.7 In der Nordwand von K.017 sind im östlichen Joch
Rollschichten erkennbar. Das Mauerwerk ist wahrscheinlich Bestandteil
der Rückwand von K.019. Anhand dieses Befundes lässt sich die relative
Chronologie zwischen den beiden Kellerräumen bestimmen. In diesem
Zeitraum wurde auch der Keller K.007 auf dem östlichen Grundstücks-
bereich erbaut. Die in der Nordwand auffällige Mauerwerkstechnik aus
abwechselnd liegenden und schräg gestellten Steinschichten erinnert an
das fischgrätartige Muster des opus spicatum (Abb. 4). Diese Technik,
bei der das opus spicatum gegen das Erdreich gemauert wurde, ist cha-
rakteristisch für den Bau romanischer Keller.8 Ursprünglich bildete der
heute sichtbare Abschnitt demnach die Rückwand von K.007 und wurde
bei der Neuanlage von K.010 als dessen Nordgiebel verwendet.
Die bis dahin vorhandenen Kellerräume waren zur Erbauungszeit mit
einer Holzbalkendecke flachgedeckt. Die ältesten Kellerräume K.019
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76
Kamila Kojder – Jasmin Schäfer
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Abb. 3: Bauphasenplan der Kelleranlage.
K. Kojder, J. Schäfer 2015.
Abb. 4: Tonnengewölbter Kellerraum K.010.
Die Wand a zeigt das opus spicatum (links) und eine
zugesetzte barocke Natursteinpforte P.G (rechts).
K. Kojder, J. Schäfer 2015.
77
Erfurt, Benediktsplatz 1. Bauforschung in den mittelalterlichen Kelleranlagen
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
und K.017 wurden im frühen 14. Jahrhundert9 mit einem Kreuzgratge-
wölbe versehen, in beiden Räumen haben sich allerdings Konsolsteine
erhalten, die dort eine ehemalige Holzbalkendecke beweisen. Die nach-
trägliche Einwölbung der Keller K.007 und K.010 zeigt sich an mehre-
ren Durchbrüchen und Öffnungen im Mauerwerk, die dort eine zweite
Gewölbeschale vor den ursprünglichen Innenwänden erkennen lassen.
Anschließend erfolgten Bautätigkeiten größtenteils auf dem nördlichen
Gelände. Der ehemals flachgedeckte Keller K.002 entstand dort zuerst
und wurde über einen Abgang aus westlicher Richtung erschlossen. Um
160010 wurde der westlich davon errichtete Keller K.001 über einen Ver-
bindungsgang angeschlossen und beide Räume zeitgleich eingewölbt.
Die beiden Keller liegen verglichen mit den anderen Räumen des Kom-
plexes um bis zu 1,50 m tiefer, was vermuten lässt, dass es ursprünglich
keinen Zusammenhang zwischen dem nördlichen und südlichen Grund-
stück gab. Ab dem 17. Jahrhundert waren bereits alle Kellerräume in
ihrer Grundform vorhanden. Von da an erfolgten Umbauten hauptsäch-
lich aufgrund von Grundstücksveränderungen. In diesem Zusammen-
hang wurde das heutige Haupterschließungs- und Verbindungssystem
der Kelleranlage mehrmals umgestaltet.
In jüngerer Zeit erfolgten nur noch kleinere Umbaumaßnahmen, bei-
spielsweise als Teile des Kellerkomplexes als Luftschutzbunker während
des Zweiten Weltkriegs genutzt wurden. In den letzten 800 Jahren ent-
stand unter dem Gebäudeensemble am Benediktsplatz 1 ein komplexes
System aus zusammenhängenden Kellerräumen. Während der Unter-
suchungen zeichnete sich ab, dass aufgrund der baulichen Struktur des
Kellergefüges zwei weitere, heute nicht zugängliche Kellerräume vermu-
tet werden. Im Erdgeschoss befinden sich oberhalb von K.003 massive
Natursteinwände, die dort das Vorhandensein eines ehemals romani-
schen Steinhauses wahrscheinlich machen. Sollte sich bei den laufenden
Forschungen diese These bestätigen, so ist es naheliegend, dass auch
dieses Haus unterkellert war. Eine Erschließung des Kellers K.003 über
die heutige Kellerpforte B aus südlicher Richtung würde so den abkni-
ckenden Verlauf des Kellerhalses K.004 erklären. Auch im nordöstlichen
Grundstücksbereich wird aufgrund der beiden heute zugesetzten Pforten
in K.007 ein weiterer Kellerraum K.005 vermutet. Eine endoskopische
Untersuchung durch diese Zusetzungen könnte das Vorhandensein des
Raumes bestätigen.
Anmerkungen
1 Die Untersuchungen werden gefördert durch die Deutsche Forschungsge-
meinschaft. Die gemeinsame Projektleitung tragen Dr.-Ing. Barbara Perlich
und Prof. Dr. Christoph Merzenich.
2 Siehe dazu Brüggemann 1995, Dwars et al. 1955, Fuchs – Eberhardt 2001,
Reinhardt – Wagner 1994, Schönburg 1996.
3 Das uns zur Verfügung gestellte Aufmaß wurde 2014 von der TU Berlin an-
gefertigt.
4 Altwasser 2007. Für die Erstellung eines Kellerkatasters wurde Elmar Alt-
wasser in Zusammenarbeit mit Gerd Schöneburg und Volker Düsterdick be-
auftragt. Zwischen 2000 und 2003 konnten ca. 135 Kellerräume in der
Erfurter Kernstadt untersucht werden und in einem unveröffentlichten Unter-
suchungsbericht vorgestellt werden.
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78
Kamila Kojder – Jasmin Schäfer
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
5 Altwasser 2007, 33.
6 Altwasser 2007, 35.
7 Außerdem konnten im Steinsaal über K.019 Einzelhölzer durch eine dend-
rochronologische Untersuchung auf das Jahr 1245d datiert werden. NITZ
2005, 266. Wahrscheinlich ist, dass das gesamte Steinhaus mit Keller zeit-
gleich errichtet wurde.
8 Düsterdick 2001, 164.
9 Cramer et al. 2005, 91. Datierung der Einwölbung aufgrund des Stein-
metzzeichens am Mittelpfeiler in K.019, das mit einem Steinmetzzeichen im
Erfurter Dom vergleichbar ist.
10 Nitz 2005, 266. Im Erdgeschoss konnten zwei Einzelhölzer dendrochrono-
logisch auf das Jahr 1601d datiert werden. In diese Zeit fällt vermutlich die
Erbauung von K.001.
Literatur
Altwasser 2007
Elmar Altwasser: unpublizierter Untersuchungsbericht. Typologie der Erfurter Kel-
ler - Teil 1. Marburg September 2007.
Brüggemann 1995
Silvia Brüggemann: Auswertung der Archivalien zum Anwesen Fischmarkt 27 in
Erfurt. Vorläufige Bewertung zur Entstehung des Hauskomplexes. Weimar 1995.
Cramer et al. 2005
Johannes Cramer Manfred Schuller Stefan Winghart (Hrsg.): Forschungen
zum Erfurter Dom. Erfurt 2005.
Düsterdick 2001
Volker Düsterdick: Über die Schwierigkeit, romanische Keller in Erfurt zu erken-
nen. In: Hans-Otto Pollmann (Hrsg.): Archäologie und Bauforschung in Erfurt,
Erfurt 2001, 157–170.
Dwars et al. 1955
Karlheinz Dwars Günter Ermer Siegbert Fliegel Bernhard Köllmer Karl-
Heinz Mattke: Bauaufnahme aus dem Lehrstuhl für Baugestaltung. Bauaufnah-
me und Entwerfen. Haus zum Großen Paradies und Esel in Erfurt. In: Hochschu-
le für Architektur und Bauwesen Weimar; Wissenschaftliche Zeitschrift 2,1955,
Weimar 1955, 190–207.
Fuchs – Eberhardt 2001
Christine Fuchs I. Eberhardt: Gebäudekomplex Benediktsplatz 1/ Fischmarkt
27, Erfurt. Bauhistorische und restauratorische Untersuchung. Erfurt 2001.
Nitz 2005
Thomas Nitz: Stadt-Bau-Geschichte. Stadtentwicklung und Wohnbau in Erfurt
vom 12. bis zum 19. Jahrhundert. Dissertationsschrift, Berlin 2005.
Reinhardt – Wagner 1994
Holger Reinhardt, Ortrud Wagner: Ein Wohnraum des 13. Jahrhunderts in Erfurt.
Arbeitshefte des Thüringischen Landesamtes für Denkmalpflege. Erfurt 1994,
51–55.
Schöneburg 1996
Gerd Schöneburg: Bauhistorische Einschätzung der Kelleranlagen unter dem
Hausgrundstück Fischmarkt Nr. 27 in Erfurt. Erfurt 1996.
79Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Der folgende Beitrag stellt die im Rahmen einer Abschlussarbeit des Mas-
terstudiengangs Denkmalpflege an der TU Berlin ermittelten Erkenntnis-
se zu einem Teilgebiet der ca. 10 km südlich der Berliner Stadtgrenze
liegenden Gemeinde Rangsdorf im Kreis Teltow-Fläming im Bundesland
Brandenburg zusammenfassend vor. Voraussetzung für eine denkmal-
pflegerische Auseinandersetzung war zunächst eine Bestandserfassung
und -dokumentation gefolgt von einer Analyse, um letztlich Schutzziele
sowie angemessene Maßnahmen zur Bewahrung des historischen Be-
stands formulieren zu können.
Die nördlich des Ortskerns gelegene sogenannte Waldsiedlung1 erfuhr
ihre erste Bebauung Ende der 1920er Jahre und stellt eine für diese Zeit
typische Berliner Vorortsiedlung dar.2 Der ausgewählte zeitliche Rahmen
1928-1945 hat seinen Ausgangspunkt in der ab dem Jahr 1928 begin-
nenden Siedlungsentwicklung, die mit der Parzellierung von Teilen des
ehemaligen Guts Spiekermann und dem Verkauf der so entstandenen
Grundstücke einsetzt (Abb. 1). Zu dieser Zeit entstand die den topo-
grafischen Gegebenheiten angepasste Straßenstruktur des weiterhin mit
üppigem Baumbestand ausgestatteten Geländes. Ein wesentlicher Teil
der heute noch vorhandenen Gebäude wurde errichtet und es entwickel-
te sich ein überwiegend durch Einfamilienhäuser, aber auch eine Reihe
von Lauben geprägtes, reines Wohngebiet. Spätestens mit Ausbruch des
Zweiten Weltkriegs im Jahr 1939 nahmen die Bautätigkeiten in Rangs-
dorf deutlich ab, um schließlich im weiteren Kriegsverlauf nahezu gänz-
lich zum Erliegen zu kommen. Da nach Kriegsende in dem nur marginal
von Kriegsschäden betroffenen Gebiet der Bau neuer Wohnhäuser erst
Brandenburg, Rangsdorf, Waldsiedlung.
Bebauung und Gestaltung 1928–1945
Abb. 1: Parzellierungs-Plan Rangsdorf (Kreis Teltow),
Eigentümer: Gemeinde Rangsdorf, 1:2.000.
Walter Gottschalk, 1928
(Gemeindearchiv Rangsdorf, o. Inv.-Nr.).
Kerstin Frischke – Elisa Haß
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80 Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Kerstin Frischke – Elisa Haß
Abb. 2: Wohnhaus Frühlingstraße 7, Straßenfassade.
K. Frischke, E. Haß 2015.
Abb. 3: Laube Frühlingstraße 20, Blick auf Süd- und Ostfassade.
K. Frischke, E. Haß 2015.
Abb. 4: Ahornstraße, Blick in südliche Richtung.
K. Frischke, E. Haß 2015.
81
Brandenburg, Rangsdorf, Waldsiedlung.
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
langsam wieder zunahm, entstand durch diese zeitliche Zäsur ein weit-
gehend geschlossener Bestand aus zwischen 1928 und 1945 erbauten
Objekten. Diese zeigen eine gestalterische Vielfalt an Baukörperformen,
wobei vorwiegend traditionelle, aber auch moderne Bauweisen vorzufin-
den sind. Die sogenannte klassische Moderne3 wurde von den 1933 an
die Macht gekommenen Nationalsozialisten abgelehnt, was sich in den
Folgejahren im Untersuchungsgebiet in einer verstärkten Hinwendung zu
traditionellen Bauweisen niederschlug.4
Im Kontext der hier vorgestellten Arbeit konnte der für den Untersu-
chungszeitraum relevante Bestand mit Hilfe von Archivalien bestimmt,
datiert und kartiert werden.5 Hierzu galt es zunächst eine Entscheidungs-
grundlage zur Bestimmung der näher zu untersuchenden Objekte zu
schaffen. Dafür wurden alle Gebäude des Gesamtbestands in diversen
Bauteilkategorien entsprechend vorzufindender bauzeitlicher Substanz
aus dem Untersuchungszeitraum 1928-1945 bewertet.6 Hierbei waren
Überformungen an zahlreichen Gebäuden festzustellen. Letztlich konnte
eine Gruppe von 33 in dieser Phase errichteten Wohnhäusern (Abb. 2)
und Lauben (Abb. 3), deren sichtbare Bausubstanz nahezu vollständig
der Bauzeit entstammt, ermittelt werden. In Form von Einzelerfassungen
wurden die wesentlichen Informationen des gegenwärtigen Erschei-
nungsbilds dieser ermittelten Gebäude und aller Straßen (Abb. 4) in
einer Kombination aus Text und Fotodokumentation, zumeist in Verbin-
dung mit einer Kurzbeschreibung, dargestellt. Unter Einbeziehung von
gesichteten historischen Dokumenten und Plänen fanden darüber hinaus
die jeweiligen geschichtlichen Hintergründe und Entwicklungsphasen
Berücksichtigung.
Eines der Wohnhäuser (Abb. 5) wurde exemplarisch in einem Begehungs-
protokoll erfasst, wobei eine detaillierte Aufnahme des Innenraums statt-
fand. Bei dem Gebäude handelt es sich um das in den Jahren 1929/30
nach den Plänen des Architekten und Bauherrn Andreas Max Petersen
errichtete Wohnhaus Ahornstraße 20 (zur Bauzeit Ahornstraße 11). Das
Giebelhaus mit Ziegelsockel, strukturierter Putzfassade sowie steilem
Satteldach, war eines der ersten Häuser im Untersuchungsgebiet.7 Da-
mit besitzt es als frühes Bauzeugnis der Siedlungsentwicklung Rangsdorfs
zur Zeit der Weimarer Republik ortshistorische Bedeutung. Bedingt durch
Abb. 5: Ahornstraße 20, Straßenfasssade.
K. Frischke, E. Haß 2015.
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82
Kerstin Frischke – Elisa Haß
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
die geschlossen erhaltene und nahezu vollständig bauzeitliche Substanz
verfügt es über einen außerordentlichen bauhistorischen Wert. Bei der
in diesem Zusammenhang angewandten gesamtheitlichen Betrachtung
war neben der baulichen und gestalterischen Form von Außenhülle
und Gebäudeinnerem inkl. aller architektonischen und bauhistorischen
Merkmale auch die Lage und Ausrichtung des Bauwerks und dessen Ein-
bindung in das umliegende Gelände sowie der Bezug zur Straßen- und
Wegestruktur Gegenstand der Untersuchung. Hierbei konnte ermittelt
werden, dass Fassade, Raumstruktur und etliche Baudetails des Wohn-
hauses sowie die Straßenführung und die direkte Umgebung in ihrer
Gesamtheit nahezu unverfälscht und größtenteils unbeschädigt erhalten
geblieben und damit aus denkmalpflegerischer Sicht zu bewahren sind.
Aufgrund der Analyse der Untersuchungsergebnisse konnte für dieses
Objekt ein konkreter Denkmalverdacht begründet werden.
Abschließend galt es Schutzziele und Maßnahmen zur Bewahrung des
aus der ersten Bebauungsphase stammenden Bestands zu formulieren.
Hierzu waren die für das gesamte Untersuchungsgebiet gewonnenen
Erkenntnisse heranzuziehen. So ließen sich einzelne ortsprägende und
markante, zum Teil architektonisch in besonderer Weise ausgeformte
Bauwerke feststellen, bei denen ein Verdacht auf ein Einzeldenkmal ver-
mutet werden kann. Hier bedarf es umfangreicherer Prüfungen, ob und
inwieweit sich im Einzelnen ein Verdacht begründen lässt. An verschiede-
nen Stellen der Siedlung konnten zudem kleinere Abschnitte mit hohem
Anteil an denkmalfähiger Substanz definiert werden, in denen Straßen-
raum, Einfriedungen und Bebauung städtebaulich sowie baugeschicht-
lich relevant sind. Darüber hinaus sind der ursprüngliche Straßenverlauf,
die originale Straßenpflasterung sowie die straßenbegleitenden, alten Al-
leebäume erhalten und besitzen als Zeugnisse der Siedlungsentwicklung
städtebauliche und ortshistorische Bedeutung. Die Gestalt der Siedlung
und das Zusammenwirken mit dem Naturraum konnten erhalten wer-
den und sind es wert, auch in Zukunft erhalten zu bleiben. Allerdings
beansprucht die Neubebauung der letzten 70 Jahre einen großen Anteil
im Untersuchungsgebiet, der sich verstreut zwischen die ursprüngliche
Bebauung setzt. Auch haben zahlreiche der im Untersuchungszeitraum
errichteten Gebäude bereits Überformungen erfahren, sodass letztend-
lich die Erkenntnis stand, dass die Waldsiedlung in Rangsdorf insgesamt
die Voraussetzung für einen Denkmalbereich nicht erfüllt.
83
Brandenburg, Rangsdorf, Waldsiedlung.
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Anmerkungen
1 Spätestens mit dem Übersichtsplan von Richard Henning aus dem Jahr 1946
ist die Bezeichnung Waldsiedlung für dieses Gebiet geläufig. Übersichtsplan
Rangsdorf, Waldsiedlung, M 1:1.000, Vermessungs- und Ingenieur Büro
Richard Henning, Rangsdorf, Seebadallee 54, Juni 1946 (Gemeindearchiv
Rangsdorf, o. Inv.-Nr.).
2 Wie in Rangsdorf entstanden an vielen Orten entlang den in die Metro-
pole Berlin führenden Bahnstrecken sogenannte Stadtrandsiedlungen.
Einen Überblick zur deutschen Suburbanisierungsgeschichte mit einem
Schwerpunkt auf städtebaulichen, architektonischen und planungsge-
schichtlichen Gesichtspunkten liefert ein 2001 erschienener Sammelband:
Harlander 2001.
3 Diese Anfang des 20. Jh. aufkommenden Grundprinzipien neuen Bauens,
welche sich bspw. in der Verwendung von Flachdächern, Einsatz neuer
Werkstoffe, Materialien und Fertigungstechniken niederschlugen, stießen
bei konservativen Vertretern traditionalistischer Bauweisen auf zum Teil hef-
tigen Widerstand. Siehe hierzu: Huse 1975.
4 Waren bis zu diesem Zeitpunkt einige mit Flachdach versehene Wohnhäu-
ser in der Waldsiedlung entstanden, kann für die Zeit von 1934-1945 auf-
grund der Untersuchungen die Annahme geäußert werden, dass nur noch
sehr wenige bis gar keine Häuser mit dieser Dachform ausgestattet wurden.
Auch das gestalterische Schaffen von einem der prägenden lokalen Akteu-
re, dem Architekten Otto Werner, weist in dieser Phase einen Wandel auf.
5 Da das Landeshauptarchiv Potsdam während der Bearbeitungszeit der Mas-
terarbeit geschlossen war, standen lediglich die Bestände des Gemeinde-
archivs Rangsdorf und von Privatleuten zur Verfügung.
6 Es wurden folgende Einstufungen angewandt: A = original instandgehal-
ten, B = baugleich ersetzt, C = formgleich ersetzt, D = beliebig ersetzt.
Nach 1945 erbaute Objekte erhielten durchgehend die Bewertung O und
fielen dadurch aus der weiteren Betrachtung.
7 Die Bauakte zu diesem Wohnhaus gehört zum Nachlass von Alfred Seidel,
dem ehemaligen Inhaber der seinerzeit bauausführenden Firma, und befin-
det sich derzeit in Privatbesitz.
Literatur
Harlander 2001
Tilman Harlander (Hrsg.): Villa und Eigenheim. Suburbaner Städtebau in
Deutschland. Stuttgart, München 2001.
Huse 1975
Norbert Huse: Neues Bauen 1918 bis 1933. München 1975.
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84 Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Zum Denkmalwert von Kernkraftwerken
Mögen in anderen Ländern noch viele Jahrzehnte bis zur Einstellung der
nuklearen Energiegewinnung vergehen in Deutschland ist der Atom-
ausstieg beschlossen und wird bis 2022 die Abschaltung auch des letz-
ten der acht verbliebenen Kernkraftwerke zur Folge haben. Während
bereits 1997 mit dem Atom-Ei“ in Garching (Abb.1) der erste deutsche
Forschungsreaktor als Denkmal anerkannt wurde, fehlt die Eintragung
eines der großindustriellen Leistungskraftwerke der 1970er und 1980er
Jahre nach wie vor. Auch die internationale Betrachtung zeigt, dass bis-
her lediglich in den USA eine institutionelle Anerkennung von zivilen,
aber auch etlichen militärischen Zeugnissen der Kernindustrie erfolgte.
In Großbritannien, Schweden und der Schweiz konnte zumindest eine
theoretische denkmalpflegerische Auseinandersetzung mit dem Denk-
malwert und der Erhaltung von Kernkraftwerken nachgewiesen werden,
wogegen Fachpublikationen in der deutschen Denkmalpflege bis heute
ausstehen. Ohne eine öffentliche Diskussion jedoch wird der derzeit an-
gedachte Rückbau zur „grünen Wiese“ ausnahmslos fortgeführt werden,
was in wenigen Jahren das Verschwinden der letzten Zeugnisse eines
Industriezweigs zur Folge hat, der wie kein anderer das Bewusstsein der
Gesellschaft in Deutschland bewegt und geprägt hat. Doch können wir
es uns erlauben, das bauliche Erbe der Kernenergie vollends aus dem
nationalen Gedächtnis zu löschen?
Sehr schnell wird die Mutmaßung angeführt, dass ein Erhalt schlicht un-
realistisch sei – zu groß seien die Folgen der radioaktiven Belastung, zu
streng die gesetzliche Rückbauverpflichtung der Betreiber. De facto setzt
die Entlassung aus dem Atomgesetz jedoch lediglich den Nachweis der
erfolgten Dekontamination sämtlicher Gebäude- und Anlagenteile vor-
aus, sodass die Gebäudehüllen nach erfolgreicher Durchführung i.d.R.
auf konventionelle Weise abgebrochen oder gar einer neuen Nutzung
zugeführt werden. So geschehen etwa in Greifswald, wo das ehemali-
ge Maschinenhaus heute zur Kranproduktion genutzt wird oder in Chi-
non (Frankreich), wo gar das Reaktorgebäude als Museum erhalten ist
(Abb. 2). Da Kernkraftwerke zudem im Wesentlichen wie konventionel-
le Wärmekraftwerke funktionieren mit dem einschneidenden Unter-
schied, dass die benötigte Temperatur nicht durch Verbrennung fossiler
Rohstoffe, sondern per Kernspaltung erzeugt wird – entsprechen sich die
technischen Anlagen in großen Teilen, sind frei von Kontamination und
können mit dem gewohnten industriedenkmalpflegerischen Aufwand er-
halten bleiben.
Trotz dieser Chancen stößt die Erhaltung innerhalb des von radioaktiver
Kontamination betroffenen Reaktorgebäudes, in welchem sich nahezu
alle kernenergiespezifischen Komponenten des Kraftwerks befinden, an
ihre Grenzen. Dabei ergeben sich zwei grundlegende Probleme. Zum
einen bedeuten die gängigen Dekontaminationsverfahren ein irreversi-
bles Auseinanderbauen oder Zersägen der Anlagen, was zunächst die
Entwicklung einer denkmalverträglicheren Rückbaumethode notwendig
machen würde. Zum anderen werden einige der Anlagenteile durch
zu starke Bestrahlung aktiviert und somit selbst zur Strahlenquelle, was
einen Erhalt nahezu verunmöglicht und aus der eine zwingende End-
lagerung zur Folge hat. Hierzu zählt definitiv auch das Herzstück des
Abb. 1: „Atom-Ei“ der Technischen Universität
München, im Kühlbecken gespiegelt (Gerhard Weber
1956–57), 2009.
Foto/©: Technische Universität München.
Abb. 2: Reaktor A1 des Centrale nucléaire de Chinon
(Pierre Dufau 1957–64), 1963.
Foto: Henri Baranger ©Électricité de France.
Michael Maria Bastgen – Dominik Geppert
85
Zum Denkmalwert von Kernkraftwerken
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Kernkraftwerks: der Reaktor, der Ort, an dem die bei der Kernspaltung
freiwerdende Kernenergie in Wärme umgewandelt wird.
Eine Übersicht über die kontaminierten und aktivierten Bereiche ist Ab-
bildung 3 zu entnehmen. Kann die Denkmalwürdigkeit eines Kernkraft-
werks trotz dieser schwerwiegenden wie unvermeidlichen Substanzverlus-
te überhaupt gerechtfertigt werden?
Zu diesem Zweck wurden verschiedene Ansätze der Denkmalbewertung
auf ihrer Anwendbarkeit untersucht, wobei Kernkraftwerke nicht allei-
ne als bedeutende Industriedenkmale anzusehen sind. So kann unter
Anderem dargelegt werden, wie den Kernkraftwerken ein Streitwert im
doppelten Sinne inhärent ist: Während die durch eine denkmalrechtli-
che Unterschutzstellung ausgelöste Debatte lediglich zu prognostizieren
bleibt, belegt die Geschichte wie schon die Existenz der Kraftwerke seit
den 1970er Jahren einen bis heute andauernden fundamentalen ge-
sellschaftlichen Dissens auslöste, welcher letzten Endes zum Konsens –
dem sogenannten Atomkonsens – führte, der den Wandel der deutschen
Energiepolitik hin zur erneuerbaren Stromerzeugung zur Folge hat. Da-
bei eskalierte die Kontroverse an einigen Schauplätzen so sehr, dass aus
friedlichen Großdemonstrationen teilweise bürgerkriegsähnliche Ausein-
andersetzungen zwischen Staatsmacht und Demonstranten erwuchsen,
die die Kernkraftwerke zu „Stätten wichtiger politischer Ereignisse“ ma-
chen (Abb.4).
Weiterhin zeigt sich, wie die der Kernenergiedebatte jahrelang zuteil-
werdende Öffentlichkeit ein charakteristisches Bild eines Kernkraftwerks
prägte – mit kuppelförmigem Reaktorgebäude und Kühlturm (Abb. 5).
Abb. 3: Längsschnitt KKP Philippsburg 2 –
Einschätzung der Erhaltungsfähigkeit des Reaktor-
gebäudes und des Maschinenhaus vom Typ
Druckwasserreaktor anhand von Expertenbefragungen
verändert auf Basis ©Energie Baden-Württemberg AG
Abb. 4: Hubschraubereinsatz während der
Auseinandersetzungen am Bauplatz des
Kernkraftwerks Brokdorf, 1981
Foto: Herbert Piel ©P!ELmedia.
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86
Michael Maria Bastgen – Dominik Geppert
Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Auch wenn keines dieser Elemente ein notwendiger Bestandteil der Anla-
gen ist, besitzt insbesondere die Komposition beider, zumindest aber das
zur augenscheinlichen Identifizierung hinreichende Reaktorgebäude in
Kuppelform die Fähigkeit, die vielerlei mit der Kernenergie verbundenen
Assoziationen im Betrachter hervorzurufen. Der baulichen Hülle eines
Kernkraftwerks wohnt somit ganz unabhängig von dem Vorhandensein
des Reaktordruckgefäßes ein Symbolwert inne.
Den Erhalt von Kernkraftwerken zu realisieren stellt zweifellos eine beson-
dere Herausforderung dar. Nicht nur die hohen zu erwartenden Kosten
der Befreiung von ihren radioaktiven Altlasten, auch ihre ideologischen
Aufladung machen sie zu einem unbequemen Erbe. Und so verdient
diese „unbequeme Altlastdem Super-GAU für die Denkmalpflege
umso mehr unseren Schutz: als Erinnerung an den gesellschaftlichen
Konflikt und als Mahnmal der noch für Millionen von Jahren unterirdisch
erhaltenen radioaktiven Abfälle.
Abschließend wurde daher unter der Prämisse, dass der Erhalt gleich
mehrerer Standorte unrealistisch sei, ein Bewertungskatalog entwickelt,
der die spezifische Eignung einzelner Kraftwerke zu einer Unterschutz-
stellung stellvertretend für die Gesamtheit der Kernkraftwerke im Bundes-
gebiet nach denkmalfachlichen Kriterien und Gesichtspunkten der Um-
setzbarkeit überprüfen soll. Die Erkenntnisse aus den an den Standorten
Brokdorf und Brunsbüttel modelmäßig durchgeführten Studien wurden
zu einer Evaluierung und Fortentwicklung des Bewertungskatalogs re-
flektiert, wobei sich die gewählte Vielfalt in der Betrachtung als durchaus
gerechtfertigt erwies.
Abb. 5: Eigene ikonische Darstellung des „idealen
Kernkraftwerks und Darstellung auf einem Anti-AKW-
Plakat (1982) von Hubert Hoffmann als Symbol.
MSD
Abschlussarbeiten – Abstracts
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.
89Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Yakinthi Kaperoni
Rhodos: Die ehemalige Industriezone aus der Zeit der italienischen
Kolonisation nach 1924 im südöstlichen Teil der Stadt
Die ehemalige Industriezone zeigt Spuren baulicher Aktivitäten seit der
Antike, die Besiedlung konzentrierte sich später jedoch auf das Gebiet
innerhalb der mittelalterlichen Befestigung. Das übrige, ehemalige an-
tike Stadtgebiet wurde erst während der osmanischen Zeit wieder neu
besiedelt. Nach der osmanischen Eroberung wurde die christliche Be-
völkerung aus dem Gebiet der mittelalterlichen Stadt vertrieben. Für sie
wurden neue Siedlungen außerhalb der Befestigung gebaut. Im südöstli-
chen Teil der Stadt wurden die ersten Gebäude mit gewerblicher Nutzung
in den letzten Jahren der osmanischen Herrschaft errichtet. Entscheidend
für die Entwicklung der Industrie auf diesem Gelände war allerdings die
Zeit der italienischen Herrschaft seit 1912, so war in der Stadt Rhodos in
den 1920er und 1930er Jahren eine rasante industrielle Entwicklung zu
verzeichnen. Mit der Ausweisung als Industriezone im italienischen Bau-
leitplan im Jahr 1924, erlangte das Gelände seinen industriellen Charak-
ter. Die Industriezone stand dann während der zweiten Phase der italie-
nischen Herrschaft in voller Blüte, ebenso während der ersten Jahrzehnte
nach der Eingliederung des Inselkomplexes ins restliche Griechenland.
Ihr Verfall begannt in den 1970er Jahren und endete Ende der 1990er
Jahre. Heute sind die Industriebauten verlassen. Sie sind ungenutzt, wer-
den in der Stadtplanung nicht berücksichtigt und bezeugen nur noch die
Zeit der Industrialisierung des vergangenen Jahrhunderts auf Rhodos. In
den Gebäudekomplexen mit ihrem Äußeren sind aber deren morpho-
logischen Elemente und ein Teil von deren Ausstattung erhalten geblie-
ben, was ihre Erhaltung erforderlich macht. Die Industriegebäude haben
zudem städtebauliche Bedeutung, weil sie einen wesentlichen Teil eines
städtebaulichen Konzepts, nämlich den italienischen Bauleitplan darstel-
len. Zudem hat das Gebiet eine historische Bedeutung, weil sich dort die
politischen Ambitionen der Gouverneure Mario Lago (1924-1936) und
Cesare Maria De Vecchi (1936-1941) widerspiegeln. Eine künstlerische
Bedeutung kommt dem Gebiet zu, weil die Industriebauten in der zeit-
genössischen Formensprache des Eklektizismus und moderne Architek-
turformen, die in einem neuen, aus der Kolonisten eingeführte Form von
Klassizismus und im Rationalismus gebaut wurden. Wissenschaftliche Be-
deutung haben sie, weil die Ausstattung der Industriebauten Zeugnis der
Technikgeschichte und der Industrialisierung der Gesellschaft von Rhodos
ist. Der Analyse des Geländes folgt der denkmalpflegerische Bildungs-
plan, in dem die baulichen Anlagen in drei Kategorien unterteilt sind:
1. Unbedingt erhaltenswert sind die baulichen Anlagen mit besonders
hoher Bedeutung für das Erscheinungsbild und die Geschichte des Ge-
ländes.
2. Erhaltenswert sind die baulichen Anlagen mit hoher Bedeutung für
das Erscheinungsbild und die Geschichte des Geländes, die zu dessen
Authentizität als Denkmalbereich beitragen und grundsätzlich erhalten
werden sollen.
3. Ohne Bindung sind die baulichen Anlagen mit untergeordneter Be-
deutung für das Erscheinungsbild und die Geschichte des Geländes.
Abb. 1: Pfeilerhalle mit islamischem Bogen des Indus-
triekomplexes C.A.I.R., Beispiel kolonialer, eklektiyis-
tischer Architektur der ersten Phase der italienischen
Herrschaft auf Rhodos (1924–1936).
Y. Kaperoni 2016.
Abb. 2: Westliche Ansicht des Industriekomplexes
S.A.M.I.C.A., Beispiel der kolonialen modernen Archi-
tektur der zweiten Phase der italienischen Herrschaft
auf Rhodos (1936–1947). Im vorderen Bereich die
baulichen Reste des ägyptischen Tempels Rhodos.
Y. Kaperoni 2016.
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90 Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Jörg-Peter Riekert – Virginia Rush
Pisa, Italien: Camposanto, Portal 1: Bauforschung
Der Camposanto ist Teil des Gebäudeensembles des Domplatzes von
Pisa, der 1987 in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen wurde.
Mit seiner rund 128 Meter langen Südwand (Abb. 1 und 2) bildet der mo-
numentale Friedhof als jüngstes Gebäude (Bauzeit ca. 1278 bis 1350)
den nördlichen Abschluss der Piazza del Duomo. Seine in 45 Blendbö-
gen aus weißem Marmor unterteilte Südfassade ist heute von zwei Por-
talen durchbrochen (Abb. 2, Portal 2 und 3); eine weitere, östlich des
tabernakelbekrönten Hauptportals gelegene Portalöffnung das Objekt
dieser Arbeit (Abb. 2, Portal 1) wurde nach bisherigem Kenntnisstand
bereits in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts wieder zugesetzt. Die
Innenseiten aller Außenwände des Camposanto waren komplett fresken-
geschmückt, bis am 27. Juli 1944 eine amerikanische Brandbombe das
Dach vollständig zerstörte. Die schwer beschädigten und nun ungeschütz-
ten Fresken wurden daraufhin in einer groß angelegten Rettungsaktion
abgenommen, über die folgenden Jahrzehnte und bis heute restauriert
und Stück für Stück wieder am ursprünglichen Ort angebracht.1
Mit der Abnahme des sich ursprünglich innenseitig am Ostende der Süd-
wand befindlichen Freskos Trionfo della Morte“ wurde 1944 erstmals
wieder die Innenwand des zugesetzen Portals 1 mit dessen flachem Korb-
bogen (Abb. 3) sichtbar. Allerdings wurde das Portal seither nie einge-
hend unter Bauforschungsaspekten untersucht. Da Ende 2017 nun auch
der Trionfo della Morte“ restauriert an seinen Ursprungsort zurückkehren
soll, bot sich vor dessen Wiederanbringung die auf unabsehbare Zeit
letzte Möglichkeit zur Untersuchung und Dokumentation des zugesetzten
Portals in seinem innenseitigen Wandzusammenhang. Über einen per-
sönlichen Kontakt zur Opera della Primaziale Pisana wurde die ausste-
hende Dokumentation im Rahmen dieser Masterarbeit ermöglicht die
Opera della Primaziale konzentriert ihre eigene Bauforschung derzeit im
Zusammenhang mit deren Fassadenrestaurierung auf die Kathedrale; am
Camposanto steht dagegen die Restaurierung der Fresken im Vorder-
grund. Unsere Arbeit wurde von der Opera della Primaziale und unseren
dortigen Ansprechpartnern großzügig unterstützt (neben allen Informa-
tions-, Zugangs- und Recherchemöglichkeiten wurde uns so für die ge-
samte Zeit der Dokumentation beispielsweise ein Gerüst zur Verfügung
gestellt), gleichzeitig war eine ausschließlich zerstörungsfreie Methodik
Vorgabe für die Arbeit. Innen- wie außenseitig wurde der Wand- und
Bodenbereich von Portal 1 per Handaufmaß im Maßstab 1:20, mit Theo-
dolitmessungen sowie fotografisch aufgenommen, mittels Hand- und
CAD-Zeichnungen dokumentiert, eine detaillierte Material- und Scha-
denskartierung durchgeführt und eine Zuordnung nach unterscheidbaren
Bau- und Restaurierungsphasen vorgenommen. Im Vergleich der Unter-
suchungsergebnisse mit den beiden Portalen 2 und 3 konnten wichtige
Rückschlusse auf ursprüngliche bauliche Zustände aller drei Portale gezo-
gen werden, die abschließend auch den Versuch einer Rekonstruktion des
Zustands von Portal 1 vor dessen Zusetzung ermöglichten.
Anmerkungen
1 Für einen Überblick zur Restaurierungsgeschichte vgl. Coalucci Gianto-
massi 2014, 263–267.
Abb. 1: Blick entlang der Südwand des Camposanto
von West nach Ost Richtung Kathedrale. J.-P. Riekert, V.
Rush 2015.
Abb. 2: Blick von der eingerüsteten Kathedralkuppel
auf den Camposanto. J.-P. Riekert, V. Rush 2015.
Portal 3 Portal 2 Portal 1
Abb. 3: Innenseite Portal 1, Handzeichnung im Origi-
nal M 1:20. J.-P. Riekert, V. Rush 2015.
91Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Sophie Theres Nagele – Stamatina-Ioanna Triantafyllou – Karin Welte
Berlin-Siemensstadt: Bahnhof Wernerwerk.
Dokumentation – Schadensanalyse – Nutzungskonzept
Gegenstand der Masterthesis ist der stillgelegte S-Bahnhof Wernerwerk,
der unter Denkmalschutz stehenden Siemensbahn in Berlin-Siemensstadt.
Der Bahnhof ist Teil einer geschichtsträchtigen Gesamtanlage. Er gehört
zur Bahnstrecke der ehemaligen Siemensbahn, die vom Siemenskonzern
erbaut wurde, um die verkehrstechnische Infrastruktur des Stadtteils Sie-
mensstadt auszubauen. Zweck des Ausbaus war es, die Anfahrtswege
für die Mitarbeiter zu verkürzen. Der Bahnhof besteht aus zwei Zugangs-
bauten, von denen der südlich gelegene nur zum Schichtwechsel in den
Werksbauten geöffnet war. Die Strecke mit ihren vier Bahnhöfen, mehre-
ren Gleisviadukten, einem Abstellbahnhof mit Reiterstellwerk und einem
Gleichrichterstellwerk für die Stromversorgung, wurde in den Jahren von
1927 bis 1929 errichtet. Am 18. Dezember 1929 wurde die Siemens-
bahn in Betrieb genommen. Wernerwerk ist einer von vier Bahnhöfen
der stillgelegten Strecke, die durch Berlin-Siemensstadt führt. Sie wurde
größtenteils nach den Plänen von Hans Hertlein erbaut und vom Sie-
mens-Konzern finanziert. Nach der Fertigstellung wurde die Strecke der
Deutschen Reichsbahn übergeben.1 Nach dem zweiten Weltkrieg nahm
der Zugverkehr schnell ab und durch den Bau der Berliner Mauer im
August 1961 verschlimmerte sich diese Situation zusehends. Nach dem
zweiten Reichsbahnstreik 1980 wurde die Siemensbahn dann endgültig
außer Betrieb gesetzt.2 Heute, nach fast 36 Jahren, stehen die beiden
Bahnhofsgebäude, nach vielen Zwischennutzungen, leer und verfallen
langsam. Wir versuchen mit unserer Masterarbeit einen Überblick über
den heutigen Bestand der beiden Zugangsgebäude des Bahnhofs Wer-
nerwerks (Südgebäude und Nordgebäude) zu geben. Aufgrund, des
schlechten statischen Zustands des Bahnsteigs, war es uns leider nicht
möglich diesen zu dokumentieren, daher konzentriert sich unsere Arbeit
ausschließlich auf die Bahnhofsbauten. Wir haben eine umfangreiche
Bauforschung am Objekt durchgeführt und unsere Erkenntnisse wurden
durch archivarische Dokumente (Planunterlagen, historische Fotos etc.)
bestätigt. Den Schwerpunkt der Dokumentation und die Kartierung des
Zustands haben wir auf die beiden Eingangshallen der Zugangsbauten
(Nordgebäude und Südgebäude) und der Fassaden gelegt. Die Grund-
lage für unsere Material- und Schadenskartierung war ein Handaufmaß
der zwei Bahnhofsbauten. Wir haben beide Bahnhofgebäude und die
Erweiterung des Nordgebäudes, zusätzlich in einem Begehungsprotokoll
genau dokumentiert um die Schäden und deren Ursachen nachzuvoll-
ziehen. Außerdem haben wir für den Bahnhof Wernerwerk ein denkmal-
gerechtes Nutzungskonzept entwickelt, dass als Impuls zur Reaktivierung
der Gesamtstrecke wirken könnte. Dieses könnte in mehreren Schritten
ausgeführt werden. Man könnte einen Teil des Konzepts ausführen oder
auch den gesamten Entwurf. Wir wollen Menschen von außerhalb in die
Siemensstadt bringen und auch Anwohner für die Anlage interessieren.
Am Ende könnte die verwilderte Landschaft auf dem Bahnsteig zu einem
einzigartigen Naturerlebnis durch den urbanen Industriedschungel der
Siemensstadt werden.
Anmerkungen
1 Bley 1978, 244–258.
2 Krupjuweit 2012.
Abb. 1: Bahnhof Wernerwerk,
Nordgebäude, Nordfassade.
S. T. Naegele, S. Triantafyllou 2015.
Abb. 2: Bahnhof Wernerwerk,
Nutzungskonzept, Süd- und Nordgebäude.
S. T. Naegele, S. Triantafyllou 2015.
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92 Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Stephan Golombek – Kristina Schindler
Klostermühle. Bauforschung an der historischen
Wassermühle in Neuzelle
Die Klostermühle ist ein Teil der barocken Klosteranlage von Neuzelle
und als solches ein Denkmal. Sie befindet sich heute unscheinbar und
kaum noch als Mühle zu erkennen am Rand der Frankfurter Straße, mit-
ten im Ortskern. Sie ist eine der letzten Erinnerungen an die ehemalige
Mühlenstraße am Flusslauf der Dorche und damit von großer Bedeutung
für den Ort und die Geschichte der Region.
Bereits 1732 erbaut, bestand das Gebäude der Klostermühle aus einem
Wirtschafts- und einem Wohnabschnitt.1 In den darauf folgenden Jahr-
hunderten wurde dieses durch etliche An- und Umbauten geprägt.
1888 wurde die Mühle um einen Speicher erweitert, der noch heute von
der Hofseite aus sichtbar ist. Vier Jahre später brach man das Mühlen-
gebäude bis auf die Grundmauern ab und ersetzte es durch zwei neue
Baukörper. Formal wurde der Wohn- und Wirtschaftsbereich voneinan-
der getrennt und als zwei separate Häuser errichtet.
Eine Verbindung zwischen den Gebäudeteilen bestand nur noch im Inne-
ren. Von den beiden Baukörpern ist heute nur noch das Mühlengebäude
erhalten. Nach der Einstellung des Mühlenbetriebs in den 1950er Jah-
ren wurde die Mühle entkernt und als Konfektionsverkaufsstelle genutzt.
Bis heute ist das Innere des Gebäudes, mit Ausnahme des Kellers, fast
vollständig durch die DDR Umbauten geprägt. In diesem Zuge entstand
auch ein neues Wohnhaus, welches bis heute besteht.
Das Mühlengebäude vereint die Baugeschichte aus drei Epochen und
insgesamt sieben Bauphasen in sich. Zweifellos am interessantesten sind
die barocken Grundmauern des Ursprungsbaus. An vielen Stellen im
Kellergeschoss konnten diese noch nachgewiesen und in einem Grund-
riss verortet werden. In Verbindung mit historischen Plänen und Quellen
sowie den Befunden vor Ort wurde so das frühe Erscheinungsbild der
Klostermühle rekonstruiert und festgehalten. Vergleicht man den aktu-
ellen Bestand mit den barocken Überlieferungen2, so versteckt sich die
Raumstruktur von 1732 noch immer in den Grundmauern. Fensteröff-
nungen und Türdurchgänge lassen sich selbst nach den zahlreichen
Überformungen und Umbauten noch klar erkennen. Durch die Baufor-
schung konnten außerdem Erkenntnisse zu den Maschinen des histori-
schen Mahlgangs und ihren Standorten in der Mühle gewonnen werden.
Dieser Forschungsstand kann bei einer möglichen Nachnutzung der
Klostermühle beachtet und verarbeitet werden. Unter Zuhilfenahme des
rekonstruierten Grundrisses kann insbesondere der barocke Baukörper
wieder verdeutlichtet und erfahrbar gemacht werden.
Anmerkungen
1 Jahreszahl wurde vom Wappenstein am Gebäude entnommen.
2 Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Signatur: Rep. 3B Regierung Frank-
furt (Oder) II Neuzelle, Nr. 475; Töpler 2015, 175.
Abb. 1: Klostermühle, Blick von der Frankfurter Straße.
S. Golombek, K. Schindler 2015.
Abb. 2: Speicher, Kelleranlage.
S. Golombek, K. Schindler 2015.
Abb. 3: Wappenstein an der Klostermühle Neuzelle.
S. Golombek, K. Schindler 2015.
93Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Franziska Schlicht
Potsdam, Brandenburg: Die Pyramide im Neuen Garten zu Pots-
dam. Dokumentation und Sanierungsvorplanung
Die Pyramide im Neuen Garten wurde zwischen 1791 und 1792 von
dem Baukonstrukteur Andreas Ludwig Krüger unter König Friedrich Wil-
helm dem II. entworfen und um 1833 durch Friedrich Wilhelm dem III.
baulich verändert. Sie ist Teil eines gestalterischen Konzepts der Garten-
kunst des 18. und 19. Jhs. Sie ist eine Architekturstaffage, die ihre frühe-
re profane Nutzung als Eiskeller hinter einer bedeutungsvollen Fassade
verbirgt, die der Ägyptenbegeisterung der Zeit entsprach.
Die vorliegende Arbeit untersuchte den aktuellen baulichen Zustand der
Pyramide. Für die Sanierungsvorplanung wurden ein Schadenskatalog,
Material- und Schadenskartierungen, eine Maßnahmenbeschreibung
und Detailzeichnungen angefertigt. Mittels der Mehrbildphotogram-
metrie wurde eine dreidimensionale Plangrundlage der Außen- und
Innenflächen des Gebäudes geschaffen, um die Kartierungen und Be-
standszeichnungen zu erstellen (Abb. 1 und Abb. 2). Das Ziel der Arbeit
bestand in einem ausformulierten Sanierungskonzept, das Hauptproble-
me am Gebäude offenlegt und dringliche Sanierungsziele nach Prioritä-
ten geordnet benennt.
Um die Objekt- und Zustandserfassung der Pyramide durchzuführen
wurden Vermessungs- und Plangrundlagen geschaffen. Eine Kombina-
tion aus terrestrischer und luftgestützter Photogrammetrie mittels eines
UAV wurden angewendet, um die Datengrundlage für das 3D-Modell
zu schaffen. Aus dem Modell wurden Orthoansichten der Außenflächen
generiert, auf deren Grundlage händisch kartiert wurde. Ferner war es
möglich durch beliebige Schnittebenen im Modell konstruktive Details
am Gebäude zu verdeutlichen und Bestandszeichnungen anzufertigen.
Die Zeichnungen konnten mit Informationen aus dem partiellen Hand-
aufmaß vor Ort angereichert werden.
Die vorliegende Arbeit kommt zu dem Schluss, dass einige Schäden oder
Problemstellen am Gebäude im Hinblick auf eine Sanierung besonders
berücksichtigt werden sollten. Die Priorität muss zukünftig auf der Erneu-
erung der Gesimsabdeckung liegen, da fast alle weiteren Schadensbil-
der am Gebäude durch Feuchteeintrag in Folge der defekten Blechab-
deckung entstanden sind. Mittels der Mehrbildphotogrammetrie konnte
die Portalsituation in konstruktiver Hinsicht und die Fassaden im Hinblick
auf ihre Schäden exakt erfasst werden. Die Fassadendeformationen
konnten durch die Photogrammetrie genau dokumentiert werden. Für
den Fassadenbereich wird die mechanische Entfernung des biologischen
Bewuchses und eine regelmäßige Nachkontrolle vorgeschlagen. Ebenso
wichtig für die Substanzerhaltung ist die anschließende Neuverfugung
der vorgeblendeten Fassaden, um erneuter Besiedlung und dem Eintrag
von Niederschlagswasser vorzubeugen.
Literatur
Gussone 2008.
Parlasca 1991–92.
Tietze 1999, 19–40.
Verhoeven et al. 2013.
Abb. 1: Texturiertes 3D-Modell der Pyramide im
Neuen Garten (Potsdam). Schlicht 2016.
Abb. 2: Silhouettenschattierte Darstellung der Außen-
fassade und des Gewölbes im Inneren.
Schlicht 2016.
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94 Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Maria Gromadzka – Ana Milardovic – Fatma Öz – Christina Weber
Potsdam-Babelsberg: Park Babelsberg, Hofgärtnerhaus.
Bauaufnahme, Bauforschung, Nutzungskonzept
Das Forschungsobjekt dieser Arbeit ist das Hofgärtnerhaus im Park von
Potsdam-Babelsberg, welches von Johann Heinrich Strack 1861-65 (1. Bau-
phase) im Cottagestil mit Elementen der Tudorgotik erbaut wurde. Unter-
sucht wurden alle die Geschosse des Objektes (ohne Dachgeschoss). Die
überkommene Bausubstanz wurde in ihrem gegenrtigen Bestand ein-
gehend untersucht, dokumentiert und analysiert. Dabei bildete das Objekt
selbst die Hauptquelle der Forschungen, welche durch Literaturrecherchen
und Aktenstudium ergänzt wurden. Als Arbeitsgrundlage wurden neue Pne
erstellt (Grundrisse aller drei Geschosse, Schnitt, Fassadenansichten). Zudem
wurden ein Fassaden- und ein Raumbuch erarbeitet, welche den aktuellen
Baubestand und bedeutende Baubefunde und Datierungen festhalten. Da
besonders wertvolle Fenster aus der ersten Bauphase erkannt wurden, wurde
für diese ein Fensterkataster mit Detailzeichnungen, ausführlichen Informati-
onen und Datierungen angefertigt. Ein Schäden- und Maßnahmenkatalog
dokumentiert den aktuellen Zustand des Gebäudes und schlägt dazu pas-
sende substanzschonende Maßnahmen vor. Auf der Grundlage dieser For-
schungen konnten Bauphasen ermittelt werden, der Denkmalwert und eine
Bindung definiert werden.
Die ursprüngliche Bausubstanz hat sich im Wesentlichen erhalten und wurde
in den folgenden drei Bauphasen (2. Bauphase: 18661929, 3. Baupha-
se: 19301945, 4. Bauphase: 19461999) nur geringgig verändert. So
wurde an den Außenbau eine Glas-Stahl-Konstruktion im Eingangsbereich
(2. Bauphase), Außenzunge in das Kellergeschoss (2. und 3. Bauphase),
Gauben an der Ostfassade (4. Bauphase) und vor allem durch die an die
Fassade angebrachten Winterfenster (2. Bauphase) neu hinzugegt. Der
Innenbau wurde besonders durch den Einbau der Innenläden (2. Baupha-
se) sowie die Raumtrennung der Räume 1.07 (2. Bauphase) und 1.06 (4.
Bauphase) geprägt. Zudem fanden hrend der dritten Bauphase Verän-
derungen im Erdgeschoss an der Enfilade statt, welche den Grundriss des
Hofgärtnerhauses als architektonisches Gestaltungsmittel ausmacht. Der
Zustand des Baus nach Vollendung aller Bauphasen wurde als besonders
denkmalswert und daher als unbedingt erhaltenswert eingestuft.
Der Denkmalwert wird auf Grund des städtebaulichen, geschichtlichen und
künstlerischen Wertes des Baus definiert. Städtebaulich bedeutend ist dessen
Lage innerhalb der Parkanlage Babelsberg im Zusammenhang mit dem Ba-
belsberger Schloss. Überdies ist der englische neogotische Stil des Baus als
eigenständiger ästhetischer Wert erkannt worden, auch im Zusammenhang
mit den übrigen im Park befindlichen Bauten gleichen Stils. Dieser ästhetische
Wert wird auch durch den großzügig angelegten Grundriss mit Enfiladen im
Erd- und Obergeschoss verdeutlicht. Mit diesen Baumerkmalen einherge-
hend werden auch die historische Funktion des Hofgärtners sowie seine Stel-
lung innerhalb der damaligen Hofhierarchie architektonisch zum Ausdruck
gebracht. Zurrderung des Geländes der Hofgärtnerei soll dem Bau eine
neue Nutzung als familienfreundliches Café mit Schulungsglichkeiten zu-
gehrt werden. Darüber hinaus sollen auch Räumlichkeiten für die Verwal-
tung der Stiftung Preußische Schlösser und rten Berlin-Brandenburg zur
Verfügung entstehen. Somit soll ein r das gesamte Parkgelände wichtiger
Bezugspunkt geschaffen werden.
Abb. 1: Westfassade mit dem Haupteingang.
Ch. Weber, 2015.
Abb. 2: Fenster im Erker (Raum 1.02).
F. Öz, 2015.
95Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Stefanie Gerhard – Anita Lenz
Brandenburg, Landkreis Barnim, Gemeinde Wandlitz: Die Denkmale
der Gemeinde Wandlitz. Ein denkmaltopographischer Überblick
Anliegen dieser Arbeit ist es, ein breites Publikum mit dem vielfältigen
Denkmalbestand der Gemeinde Wandlitz im Landkreis Barnim, Land
Brandenburg bekannt zu machen. Dabei sollen neben der konventio-
nellen Veröffentlichungsweise in den brandenburgischen Denkmalto-
pographie-Bänden auch die neuen Medien genutzt werden. Durch die
Verlinkung der Arbeit mit der Homepage der Gemeinde Wandlitz kann
sich ein vielfältigeres Publikum über die Geschichte und die Denkmale
der Region auf unkomplizierte Weise informieren. Die Gemeinde hat
wiederum mit der Zusammenstellung aller Denkmale die nötige Arbeits-
grundlage, weitere Satzungen und Denkmaleintragungen anzuregen.
Im Vordergrund der Arbeit stehen die in der brandenburgischen Denk-
malliste aufgeführten, also bereits gesetzlich geschützten Gebäude und
Anlagen. Den Großteil der Arbeit nimmt die flächendeckende Darstellung
des Denkmalbestandes in Katalogform ein. Die Autorinnen orientieren
sich dabei am Schema der brandenburgischen Denkmaltopographie-
Bände. In der Denkmalliste sind 43 Denkmale der Gemeinde Wandlitz
eingetragen. Unter diesen 43 befinden sich Gebäude und Anlagen, die
sich in Teilobjekte aufsplitten. Insgesamt weist die Gemeinde 80 denk-
malgeschützte Bauten auf, die sich auf neun Ortsteile verteilen. Bei zwei
von den 80 Denkmalen handelt es sich um durch Satzung geschützte
Denkmalbereiche zum einen im OT Basdorf, zum anderen im OT Zer-
penschleuse. Zu den ältesten Bauten gehören die evangelischen Dorf-
kirchen, von denen einige nach Bränden im neuen Stil wieder aufgebaut
wurden. Die jüngste Kirche ist die katholische Kirche im OT Wandlitz
aus dem Jahr 1936. Die Zeitspanne reicht im Folgenden vom 17. bis
zur zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Hervorzuheben seien der OT
Schönwalde als Spinnerdorfgründung unter König Friedrich II. mit dem
Nebenschauplatz Dammsmühle, der OT Basdorf mit dem nationalsozi-
alistischen Zwangs- und Fremdarbeiterlager und den zeitgleichen Sied-
lungsanlagen, der OT Wandlitz mit der Villenkolonie und Bahnhofsanla-
ge aus den 1930er Jahren, der OT Lanke mit der Gutsanlage und dem
Anwesen von Joseph Goebbels am Bogensee, sowie der OT Prenden mit
der DDR-zeitlichen Bunkeranlage. Der so genannte „Honeckerbunker“
ist zudem das jüngste Denkmal.
Die Anzahl an Denkmalen, von denen in der Arbeit ausschließlich die
äußeren Architekturmerkmale im Vordergrund der Beschreibungen
stehen, ist schon umfangreich. Dennoch bleibt festzuhalten, dass die
Denkmalliste über die Gemeinde mit neuen, denkmalwürdigen Objekte
fortgeführt werden muss. Die Feststellung der Denkmalfähigkeit obliegt
dabei der Gemeinde gemeinsam mit dem Brandenburgischen Landes-
amt für Denkmalpflege.
An diese Adresse geht auch die Feststellung, dass Fachliteratur über die
Region der Gemeinde Wandlitz nur gering vorhanden ist. Das nördliche
Brandenburg verdient auch Beachtung, da in den Randgemeinden nörd-
lich der Großstadt Berlin durch Zuzug viele Eigenheime entstehen und
den Orten ein Identitätsverlust droht. Die vorliegende Arbeit versucht die
Lücke ein wenig zu schließen.
Abb. 1: OT Basdorf, Lichtspieltheater Hubertus,
Vorderansicht. A. Lenz 2015.
Abb. 2: OT Schönwalde, Schloss Dammsmühle,
Vorderansicht. A. Lenz 2015.
Abb. 3: OT Wandlitz,
Bahnhof Wandlitzsee mit Bahnhofvorplatz.
A. Lenz 2015.
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96 Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Anne Krugmann – Christin Sonnek
Eine umfassende Bestandsaufnahme der, seit 1992 als Einzeldenkmal
unter Schutz gestellten, Gartenstadt Plaue bei Brandenburg an der Ha-
vel stellt das Thema der vorliegenden Arbeit dar. Die während des Ers-
ten Weltkrieges für die Arbeiter der Königlich-Preußischen Pulverfabrik
in Kirchmöser im Auftrag des Berliner Reichsamtes des Innern erbaute
Siedlung wurde bis zur deutschen Wiedervereinigung 1989 von einer
Baugenossenschaft unterhalten und anschließend privatisiert. Dies hatte,
trotz einer bereits seit 1996 bestehenden Erhaltungssatzung, erhebliche,
in großen Teilen nicht genehmigte, bauliche Veränderungen zur Folge.
Eine aktuelle Bestandsaufnahme als Grundlage einer daraus resultie-
renden Überarbeitung der Richtlinien für zukünftige Sanierungs- und Re-
novierungsarbeiten erwies sich als unabdingbar. Neben der Gebäude-
substanz der Siedlung selbst, und der umfangreichen Untersuchung des
Hauses in der Querstraße I, Nummer 5, bildete die erstmalige komplexe
Auswertung der vorhandenen historischen Bauakten und Pläne sowie
die kritische Auseinandersetzung mit bereits vorhandenen Fachkonzep-
ten und Gutachten die Basis unserer Arbeit. Ging man bisher von der
Verwendung nur zweier Fassadengestaltungen für den Haustyp 5 aus,
konnten unsere Untersuchungen eine weitere Fassadenvariante hierfür
feststellen. Auch das straßenseitige Farbkonzept für die Querstraße I,
Nummer 5, wurde zum Teil widerlegt. Dieses größtenteils bauzeitlich
erhaltene Wohnhaus lieferte uns wertvolle Aufschlüsse. Die umfassen-
den Untersuchungen zur Erstfassung aller Bauteile und Details zeigte ein
überraschend abwechslungsreiches Farbkonzept.
Bezüglich der originalen Anstriche der Fassadenteile kann der erarbeitet
Fassungsbericht mit bestehenden Gutachten konform gehen, während
Baudetails abweichende Farbbefunde aufweisen. Auch wenn die Ergeb-
nisse lediglich auf Untersuchungen einer Wohneinheit beruhen, erscheint
eine erneute restauratorische Untersuchung des Gesamtbestandes sinn-
voll. Bauzeitliche Einbauten wurden in einem Raumbuch und Detailauf-
nahmen der erforschten Innenraumerfassung in einem Fassungsbericht
dokumentiert. Die Recherche des historischen Materials stützte die bereits
im Rahmen der Bestandsaufnahme festgestellten erschwerten Baubedin-
gungen und deren Auswirkungen auf das Baugeschehen. Bedingt durch
Inflation sowie Arbeiter- und Baustoffmangel fanden im Verlauf der vier
großen Bauphasen zunehmend weniger Haustypen Verwendung. Die
dem Architekten eigene, der kriegsbedingten Mangelwirtschaft entge-
genkommende Typisierung, Orientierung zum Handwerk sowie die im-
plizierten Möglichkeiten der Selbstversorgung der Bewohner ließen sich
eindeutig feststellen.
Im Rahmen der äußeren Bestandserfassung aller Wohneinheiten der
Siedlung zeigte sich, dass straßenseitig die meisten Häuser, zumindest
in Teilen, den denkmalpflegerischen Prinzipien folgen, während im rück-
wärtigen Bereich uneinheitliche Veränderungen in Form von An- und
Erweiterungsbauten, hohen Einfriedungen und heterogenen Garagen-
komplexen vorgenommen wurden. Die bestehenden Richtlinien bedür-
fen, unter Berücksichtigung der heutigen Wohnansprüche, einer drin-
genden Überarbeitung.
Brandenburg (Havel) – Plaue: Gartenstadt und Denkmalpflege.
Neue Erkenntnisse zur Errichtung der Gartenstadt Plaue
Abb. 1: Gartenstadt Plaue, Eingangssituation 1918.
Paul Schmitthenner Archiv des Architekturmuseums der
TU München.
Abb. 2: Gartenstadt Plaue, Gärten, 1918.
Paul Schmitthenner Archiv des Architekturmuseums der
TU München, Foto-Nr. 297.
Abb. 3: Scheidtstr. 24, negatives Sanierungsbeispiel.
A. Krugmann, 2015.
97Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Marie Mamerow
Die Denkmalpflege zur Zeit des Nationalsozialismus am Beispiel
von Jüterbog
Trotz der seit den 1990er Jahren wachsenden Zahl von Untersuchungen
zu dem Thema „Denkmalpflege und Nationalsozialismusist das Bild
bisher lückenhaft geblieben. Sowohl die rechtliche als auch die gesell-
schaftliche Ausgangssituation war in den verschiedenen Regionen des
Deutschen Reiches höchst unterschiedlich und zudem an die Ansichten
der jeweils zuständigen Konservatoren gebunden. Die Analyse der Klein-
stadt Jüterbog soll in diesem Sinne ein exemplarisches Beispiel für die
Provinz Brandenburg und die Arbeitsweise des Provinzialkonservators
Erich Blunck sein. Nach Betrachtung verschiedener Bauwerke in kommu-
naler, kirchlicher und privater Hand offenbart sich das große Spektrum
denkmalpflegerischer Debatten der 20er und 30er Jahre des 20. Jahr-
hunderts auch in der Praxis der denkmalpflegerischen Arbeit. Neben
verschiedenen Aspekten der Altstadtgesundung“, wie dem Umgang
mit Reklame und der Verbesserung der „heimatlichen Baugesinnung“
und dem Erhalt der historischen Stadtbefestigung, trotz des ansteigen-
den Verkehrsaufkommens, gibt es auch Beispiele einer schöpferischen
Denkmalpflege.
Die 1938 von Robert Sandfort in Sgraffito-Technik gestalteten Rathaus-
giebel mit Emblemen nationalsozialistischer Organisationen dürften
auch überregional am prominentesten sein. Der stark invasive Eingriff,
den Blunck offenbar genehmigte, ist jedoch nicht als repräsentativ für die
Denkmalpflege jener Zeit in Jüterbog zu bezeichnen, sondern bleibt in
seiner Explizität ein singuläres Exempel. Viel eher ist eine gestalterische
Herangehensweise der Denkmalpflege Bluncks kennzeichnend, die durch
Neuschöpfungen, Rekonstruktionen und gezielte Unterstützung bestimm-
ter Maßnahmen, wie der Freilegung von Fachwerk, im Kleinen das Be-
streben hatte, ein malerisches und harmonisches Gesamtbild der Stadt
zu schaffen. Einmal mehr zeigt sich am Beispiel von Jüterbog, dass in der
Denkmalpflege im Jahr 1933 kein entscheidender Bruch stattgefunden
hatte. Eher lässt sich ein gemeinsamer konservativer und modernekriti-
scher Hintergrund der völkischen Politik“ des Nationalsozialismus und
den vor allem bürgerlichen Kreisen entstammenden Denkmalpflegern
feststellen. Die Nationalsozialisten wussten die Denkmalpflege durchaus
für ihre Interessen zu nutzen, was jedoch nicht mit einer vorbehaltlosen
Unterstützung der Disziplin und ihrer gesetzlich wenig gefestigten Situa-
tion verbunden war. Ähnliches lässt sich auch für die Zusammenarbeit
zwischen Blunck und den Organen der Stadt Jüterbog feststellen, solan-
ge sie den gleichen Vorsatz verfolgten, wurde dem Provinzialkonservator
mitunter ein großes Maß an Mitbestimmung eingeräumt. Auch die Hoff-
nung der Denkmalpfleger auf ein einheitliches Gesetz blieb unerfüllt,
sodass die Beziehung zum Staat einseitig bezeichnet werden muss. Trotz
gedanklicher Gemeinsamkeiten kann letztendlich nicht von einer „nati-
onalsozialistischen Denkmalpflege“ die Rede sein. Vielmehr sollte von
einer langjährig parallelen Entwicklung gesprochen werden.
Anmerkungen
1 Besonders hervorzuheben sind die folgenden Arbeiten zum Thema, zumeist
mit lokalen Schwerpunkten: Scheck 1995; Fleischner 1999; Schlicht 2007;
Pusback 2016; Hanson 2011.
Abb. 1: Blick auf das Jüterboger Rathaus, Zeichnung
aus dem Jahr 1938. BAA (Bauaktenarchiv) Jüterbog,
Zeichenmappe III/8/01/XXV/28.
Abb. 2: Das Dammtor vonterbog vor 1938 und heute
Montage einer aktuellen Aufnahme des Dammtores
(M. Mamerow 2015) und eines historischen Fotos (nach
Buchinger Cante 2000, 164)
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98 Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Lorenz Schröter
Ziel dieser Masterarbeit ist es, die heute von einem Zeltdach verdeckte und
dadurch geschützte Schweifhaube auf dem südwestlichsten Eckturm der
Schlossanlage des Neuen Schlosses in Ingolstadt auf ihren Bedeutungs-
wert hin zu untersuchen. Grundlage hierfür waren die Untersuchungen
am Dachwerk vor Ort. Hierzu wurden verformungsgetreue Handaufma-
ße im Maßstab 1:20 erstellt und in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen
Landesamt für Denkmalpflege dendrochronologische Gutachten1 beauf-
tragt. Die Einzigartigkeit dieser Haubenkonstruktion wurde durch den
Austausch mit Bauforschern aus dem deutschsprachigen Raum bestätigt.
Um diesen Wert wissenschaftlich herauszuarbeiten, wurde zunächst der
historische und städtebauliche Kontext, in dem sich die Haube befindet,
dargestellt. Auf die Beschreibung der Entstehungsgeschichte der Stadt
Ingolstadt, der Baugeschichte des Neuen Schlosses, der gegenwärtige
Bausituation des Neuen Schlosses sowie der Entstehungsgeschichte des
’Kavaliersbaus’ wie auch des südwestlichen Eckturms, folgen Beschrei-
bungen der gegenwärtigen Turmdachkonstruktion sowie der Situation
um 1572, wie sie Jakob Sandtner in seinen Ingolstädter Stadtmodellen
aus Holz dargestellt hat. Vor der Auswertung der Beobachtungen erfolgt
ferner die Darstellung des Forschungsstandes zu Schweifhauben. Den
Denkmalwert dieser Haube macht die zur damaligen Zeit eher unge-
wöhnliche Konstruktionsweise aus, welche um das Jahr 1569 in einer für
diese Zeit veralteten bzw nicht mehr aktuellen Weise erbaut wurde. Dä-
cher im Allgemeinen und Turmdächer im Speziellen wurden im 16. Jh. in
der Stockwerk-Bauweise errichtet. Als Beispiel seien hier die Türme der
Münchner Frauenkirche erwähnt, die 1524/1525 ihre markanten Hau-
ben erhielten.2 Diese gelten derzeit auch als die frühesten Dachwerke
dieser Art in Süddeutschland.3 Die Dachkonstruktion ist anschließend in
bisher jeder Turmhaube in ähnlicher Weise zur Ausführung gekommen.
In der Ingolstädter Haube hingegen wurde völlig auf eine Stuhlkonstruk-
tion verzichtet. Die formgebenden wie auch dachhauttragenden Hölzer,
die von der Traufe bis zum Dachspitz durchlaufen, sind somit auch die
tragenden Hölzer. Um dies überhaupt zu ermöglichen, wurde aus eiche-
nen Vollhölzern der gewollte tangentialförmige Schwung herausgearbei-
tet, wodurch sich Sparren ergeben, die zuerst nach innen und dann nach
außen verlaufen. Vor allem in der Gotik wurden Spitzdächer mit von der
Traufe bis zum Dachspitz durchlaufenden Sparren gebaut.4 Der oder die
Gründe für den Rückgriff auf eine ’veraltete’ Bauweise an diesem Eck-
turm konnten bisher noch nicht eindeutig geklärt werden. Es besteht die
Möglichkeit, dass es eine ältere Schweifhaubenbedachung gegeben hat,
die nicht ’funktionierte’. Dies lässt sich aber bisher noch nicht abschlie-
ßend belegen. Nichtsdestotrotz ist an diesem Dachwerk in einmaliger
Weise die Geschichte der handwerklichen Fähigkeiten der letzten Jahr-
hunderte ablesbar und es stellt deshalb ein einzigartiges Denkmal dar.
Anmerkungen
1 Dendrochronologische Baualtersbestimmung 2015;
Dendrochronologischer Bericht 2015.
2 Knobling 2013, 82–85.
3 Schilling 2015, 20–21; Hübler 1935; Grüner 2005, 1.
4 Stolberg 1923.
Ingolstadt, Paradeplatz 4: Neues Schloss, Kavaliersbau, Turm.
Bauforschung am Dachwerk
Abb. 1: Ingoldtadt, Neues Schloss um 1572, Ansicht
von Südost.
Aufnahme: Bayerisches Nationalmuseum München:
Modell Stadt Ingolstadt (Inv.-Nr. Modell 5;
Foto-Nr. D 84740).
Abb. 2: Baualtersplan, Schnitt.
Schröter 2016.
99Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Literatur Abstracts
Bley 1980
Peter Bley: Berliner S-Bahn, Vom Dampfzug zur elektrischen Stadtschnellbahn,
Düsseldorf 1980.
BUCHINGER – CANTE 2000
Marie-Luise Buchinger Marcus Cante: Denkmaltopographie Bundesrepublik
Deutschland. Denkmale in Brandenburg. Landkreis Teltow-Fläming (Band 17.1).
Worms am Rhein 2000.
Coalucci – Giantomassi 2014
Gianluigi Coalucci – Carlo Giantomassi: L’intervento conservativo sugli affreschi
del Camposanto di Pisa. In: Cattedrali Europee. Il Patrimonio Pittorico. Atti del
Convengno (Pisa, 17–18 ottobre 2013) Pontedera 2014, 263–67.
Dendrochronologischer Baualtersbestimmung 2015
Dendrochronologische Baualtersbestimmung: Ingolstadt, Neues Schloss, Kava-
liersbau. Turm: Friederike Geschwind, 18.09.2015: Bayerisches Landesamt für
Denkmalpflege: Dendrolabor. Universität Bamberg. (Unpubliziertes Gutachten)
Dendrochronologischer Bericht 2015
Dendrochronologischer Bericht: Ingolstadt, Neues Schloss, Kavaliersbau: Neu-
bewertung der Dendrochronologischen Gutachten 1994, 1996 und 1997,
09.11.2015: Dendrolabor, Universität Bamberg: Dendrolabor, Universität Bam-
berg. (Unpubliziertes Gutachten)
Fleischner 1999
Susanne Fleischner: „Schöpferische Denkmalpflege“. Kulturideologie des Nati-
onalsozialismus und Positionen der Denkmalpflege. Beiträge zur Denkmalpflege
und Bauforschung 1, Münster 1999.
Grüner 2005
Karl Grüner: Aus der Kuppel des Felsendoms wurde der bayerische Zwiebelturm.
2005 (http://www.kgmediendienste.de/Texte/Zwiebeltuerme.htm, letzter Zugriff:
28.09.2015).
Gussone 2008
Martin Gussone: Die „Ägyptisierung“ der Pyramide im Neuen Garten zu Pots-
dam. In: Koldewey-Gesellschaft (Hrsg.): Bericht über die 44. Tagung für Ausgra-
bungswissenschaft und Bauforschung vom 24. bis 28. Mai 2006 in Wrocław/
Breslau (Habelt-Verlag: Bonn 2008) 228–237.
HANSON 2011
Armin Hanson: Denkmal- und Stadtbildpflege in Potsdam 1918–1945. Berlin
2011.
Hübler 1935
Hans Hübler: Die „Welsche Haube“ und die „Zwiebel“. Karlsruhe 1935.
Knobling 2013
Clemens Knobling: Wie ein Münchner Wahrzeichen entstand. mikado 1–2.2013,
2013, 82–85.
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100 Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Kurpjuweit 2012
Klaus Kurpjuweit: Tegel könnte auch über eine S-Bahnstrecke erschlossen wer-
den. Der Tagesspiegel vom 10.07.2012 (http://www.tagesspiegel.de/berlin/
nachnutzung-des-flughafens-tegel-koennte-auch-ueber-eine-s-bahnstrecke-
erschlossen-werden/6858046.html).
Parlasca 1991–92
Klaus Parlasca: Archäozoologische Ausstattungen in Garten der Goethe-Zeit.
Nürnberger Blätter zur Archäologie – Sonderdruck Heft 8, 1991–1992, 34–40.
Pusback 2016
Birte Pusback: Stadt als Heimat. Die Danziger Denkmalpflege zwischen 1933
und 1939. Köln 2016.
Scheck 1995
Thomas Scheck: Denkmalpflege und Diktatur. Die Erhaltung von Bau- und
Kunstdenkmälern in Schleswig-Holstein und im Deutschen Reich zur Zeit des
Nationalsozialismus. Berlin 1995.
Schlicht 2007
Sandra Schlicht: Krieg und Denkmalpflege. Deutschland und Frankreich im
II. Weltkrieg. Schwerin 2007.
Schillig 2015
Christiane Schillig: Wie entstanden die bayerischen Zwiebeltürme? Monumente 5,
2015, 20–21.
Stolberg 1923
Friedrich Stolberg: Das Turmdachwerk vom Mittelalter bis zur Barockzeit, darge-
stellt an Landkirchen aus dem Lahngebiet. Karlsruhe 1923.
TIETZE 1999
Christian Tietze: Pyramiden in Brandenburg. In: Pückler Pyramiden Panorama.
Neue Beitrage zur Pücklerforschung 4. Branitz 1999, 19–40.
Töpfler 2015, 175.
Winfried Töpfler: Neuzeller Studien 4. Görlitz-Zittau 2015, 175.
Verhoeven et al. 2013
Geert Verhoeven Christopher Sevara Wilfried Karel Camilo Ressl Michael
Doneus – Christian Briese: Undistorting the Past: New Techniques for Orthorec-
tification of Archaeological Aerial Frame Imagery. In: good Practice in Archaeo-
logical Diagnostics. Aus der Reihe Science in Archaeology, 31–67.
Register
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103Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Register
Mitarbeiter 2015
Fachgebiet Historische Bauforschung und Baudenkmalpflege
Leitung des Fachgebiets
Prof. Dr.-Ing. Thekla Schulz-Brize, ab Oktober 2015
Prof. Dr. Elgin von Gaisberg, bis September 2015
Sekretariat und Fachgebietsverwaltung
Dipl.-Ing., Dipl.-Wi.-Ing. (FH) Kristin Brenndörfer
Wissenschaftlich-Technischer Angestellter
Dipl.-Ing. Martin Gussone
Wissenschaftliche Mitarbeiter
Dr.-Ing. des. Antonia Brauchle M.Sc., bis Sept. 2015
Dipl.-Ing. (FH) Heike Bücherl M.A., ab Oktober 2015
Axel Schuhmann M.A. M.Sc.
Dipl.-Ing. Claudia Winterstein
Wissenschaftliche Mitarbeiter in Drittmittelprojekten
Dipl.-Ing. Isabelle Frase: Wittenberg, Schloss Charlottenburg, Exkursi-
onsplanung
Prof. Dr. Elgin von Gaisberg: Didyma, Wittenberg, Schloss Charlottenburg
Dr.-Ing. Catharine Hof: Resafa (DFG)
Tobias Horn M.A. M.Sc.: Resafa (assoziiert)
Arch. Youssef Khoury (assoziiert)
Dipl.-Ing. Maike Kohnert M.Sc.: Wittenberg
Christoph Konrad M.A.: Resafa (assoziiert)
Dr. Anne Mollenhauer: Resafa, (assoziiert)
PD Dr. Martina Müller-Wiener: Resafa (DFG/TOPOI), al-Hira
Dipl.-Ing. (FH) Daniel Musall M.A., Ephesos, Nepal, seit Okt. 2015
Ines Oberhollenzer M.A. M.Sc. Resafa (assoziiert)
Dipl.-Ing. (FH) Mada Saleh M.Sc., Resafa, Didyma
Dipl.-Ing. (FH) Ibrahim Salman M.Sc.: Resafa
Dr.-Ing. des. Ulrike Siegel: Resafa, (assoziiert)
Dipl.-Ing. Konstantin Wächter M.Sc.: Didyma, Wittenberg, Schloss Charlottenburg
Olga Zenker B. Sc.
Tutoren
Iulia Ciomu, ab Juli 2015
Maria Köppen B. Sc., ab Oktober 2015
Dipl.-Ing. (FH) Mada Saleh M.Sc., bis Juli 2015
cand. math. Christof Wedig
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104 Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Register
Verzeichnis laufender Forschungsprojekte 2015
Fachgebiet Historische Bauforschung und Baudenkmalpflege
Globaler Kontext
Nepal – Architektur des Kathmandu-Tales, seit 2015
Gesamtleitung: Prof. Dr.-Ing. Thekla Schulz-Brize
Mitarbeit: Dipl.-Ing. (FH) Daniel Musall M.A., Dipl.-Ing. Josef Steiner,
Hon.-Prof. Dr. Peter Morsbach, Dipl.-Kfm. Gerald Richter
Workshop in Dhulikhel mit Studenten nepaalesischer Universitäten, Bau-
aufnahme exemplarischer Bauten der Newar-Architektur, fotografische
Dokumentation und Digitalisierung historischer Plattenaufnahmen von
Architektur des Kathmandu-Tals
Kooperation mit der Kathmandu Universität und der OTH Regensburg,
gefördert durch die Gerda Henkel Stiftung
Mittelmeerraum
Didyma, Türkei. Bauforschung und Site Management
Bauforschung im Rahmen der Ausgrabungen des laufenden Aka-
demieprojektes „Kulte im Kult“
Gesamtleitung: Prof. Dr. Helga Bumke, Lehrstuhl f. Klassische Archäolo-
gie, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.
Leitung Bauforschung: Prof. Dr. Elgin v. Gaisberg.
Mitarbeit: Dipl.-Ing. (FH) Mada Saleh M.Sc., Dipl.-Ing. Konstantin
Wächter M.Sc.
Kultbau im Bereich des Moscheeareals, Kultbau im Bereich der Kapelle
des Hl. Georgios, Fortschreibung des Gesamtvermessungsplan und Ar-
chitekturfragmente des 2. Naiskos
Didyma, Türkei. Site Management für die archäologische Zone
(im Auftrag des Deutschen Archäologischen Instituts)
Leitung: Prof. Dr. Elgin v. Gaisberg.
Mitarbeit: Olga Zenker B. Sc.
Tempelareal – Erweiterung des Besucherleitsystems, Heilige Straße –
Dokumentationsarbeiten und Planung der Erschließung,
‚Mandramauer‘ – Konzept Wiederherstellung
Ephesos, Türkei. Serapis-Tempel
Projektleitung: Prof. Dr.-Ing.Thekla Schulz-Brize
archäologische Bauforschung, Planung für eine künftige Präsentation
und Teil-Anastylose
Kooperation mit dem Österreichischen Archäologischen Institut (ÖAI),
gefördert durch die Ephesus Foundation
Ephesos, Türkei. Obere Agora
Gesamtleitung: Prof. Dr. Dirk Steuernagel
Bearbeitung dstoa: Prof. Dr.-Ing.Thekla Schulz-Brize
Bearbeitung Westbereich: Dipl.-Ing. (FH) Daniel Musall M.A.
archäologische Bauforschung, Schadensdokumentation, Bausiche-
rungsmaßnahmen
Foto: M. Köppen 2017.
Foto: D. Musall 2015.
105Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Register
Kooperation mit dem Österreichischen Archäologischen Institut (ÖAI),
gefördert durch die Deutsche Forschungs Gemeinsschaft (DFG)
Monte Turcisi, Sizilien, seit 2016
Gesamtleitung: Dr. des. Melanie Jonasch
Bauforschung: Dipl.-Ing. Claudia Winterstein
Erforschung eines griechischen Militärstützpunktes in Ostsizilien
Kooperation mit dem Deutschen Archäologischen Institut (DAI), der So-
printendenza BB.CC.AA. di Catania und der Universität Catania
Ostia Antica, Italien. Präventiver Erdbebenschutz und historische
Reparaturen von Mauerwerk
Drei Fallstudien: Tempio Rotondo, Forumsthermen und Caseggiato della
Cisterna
Forschungsprojekt: Dr. Laura Pecchioli
Kooperation mit der Humboldt Universität, der Soprintendenza Rom
und Ostia, der Universität Aarhus, dem Deutschen Zentrum für Luft- und
Raumfahrt (DLR), dem Exzellenzcluster TOPOI Berlin, der Freien Univer-
sität Berlin (FU) und der Peter Pazmany-Universität Budapest.
Resafa, Syrien. Vorgängerprojekte 1983-2005
Resafa-Sergiupolis / Rusafat Hisham Pilgerstadt und Kalifenre-
sidenz, seit 2006
Gesamtleitung: Prof. Dr.-Ing. Dorothée Sack Mohammed Sarhan;
Technischer Direktor: Dipl.-Ing. Martin Gussone
Kooperationen: Deutsches Archäologisches Institut, Berlin-Damaskus und
Direction Générale des Antiquités et des Musées de la Syrie (DGAMS), Da-
maskus/Raqqa; Prof. Dr. Michaela Konrad, Professur für Archäologie der Rö-
mischen Provinzen, Universität Bamberg.
Resafa Teilprojekt 1. Archäologische Karte‘ Erstellung einer
Archäologischen Karte mit Zeitschichtenplänen zur Geschichte
und Entwicklung der Stadt Resafa und ihres Umlands
Prof. Dr.-Ing. Dorothée Sack, Dipl.-Ing. Martin Gussone, Dr.-Ing. des. Diet-
mar Kurapkat, Dr.-Ing. des. Anne Mollenhauer, Ines Oberhollenzer M.A.
M.Sc., Dipl.-Ing. Ibrahim Salman M.Sc.
Kooperationen: Prof. Dr.-Ing. habil. Hans Heister, Dipl.-Ing. Wolfgang Liebl;
Universität der Bundeswehr, München; Dr.-Ing. Manfred Stephani, TU Mün-
chen.
Resafa – Teilprojekt 2. ‚Archäologie und Prospektionen‘ – Die Re-
sidenz des Kalifen Hisham b. Abd al-Malik im Umland von Resafa
Integriert in das Exzellenzcluster 264 Topoi, gefördert durch die Fritz
Thyssen Stiftung
Prof. Dr.-Ing. Dorothée Sack, Dipl.-Ing. Martin Gussone, Christoph Kon-
rad M.A.; PD Dr. Martina Müller-Wiener, Dr.-Ing. des. Ulrike Siegel
Kooperation: Dr. Helmut Becker, Becker Archaeological Prospections; Prof. Dr.
Stefan Heidemann, Universität Hamburg; Prof. Dr.-Ing. Günter Hell, Hochschu-
le Karlsruhe Technik und Wirtschaft; Prof. Dr. Brigitta Schütt, Dr. Brian Be-
ckers, Dr. Jan Krause, FU Berlin; Dr.-Ing. Manfred Stephani, TU München.
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106 Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Register
Resafa Teilprojekt 3. ‚Stadtmauer‘ Bauforschung zur Klärung
der Entstehung und ihrer Veränderungen
Dr.-Ing. Catharine Hof, gefördert durch die DFG
Resafa Teilprojekt 4. ‚Planung und Durchführung von Konsoli-
dierungs- und Restaurierungsmaßnahmen
Prof. Dr.-Ing. Dorothée Sack; Tobias Horn M.A. M.Sc; Dipl.-Ing. Ibrahim
Salman M.Sc.; Axel Schuhmann M.A. M.Sc.
Kooperationen: Univ.-Prof. Dr.-Ing. Klaus Dierks, TU Berlin; Dipl.-Ing.
Jan-Martin Klessing, Prof. Dipl.-Ing. Frithjof Berger; Dipl.-Ing. Chafiq
Hamzé; Dipl-Geophys. Burkart Ullrich, Dipl.-Ing. Ronald Freibothe, Dr.
Thomas Hiller, FU Berlin/TOPOI
Resafa Teilprojekt 5. Site Management‘ Touristische Erschließung
Dr. Anne Mollenhauer
al-Hira Survey Projekt, Iraq, seit 2015
Gesamtleitung: PD Dr. Martina Müller-Wiener, Dr. Margarete van Ess.
Mitarbeit: Dipl.-Ing. Martin Gussone, Dipl.-Ing. Ibrahim Salman M.Sc.,
Dr.-Ing. des. Ulrike Siegel.
Kooperation: German Archaeological Institute (DAI), State Board of An-
tiquities and Heritage (SBAH), Kufa University.
Funded by Max van Berchem Foundation.
Berlin-Brandenburg, Sachsen-Anhalt
Berlin, Schloss Charlottenburg. Baubegleitende Dokumentation
Fassaden, Konditorhof und Altes Schloss, Ostflügel, seit 2015
Gesamtleitung: Prof. Dr. Elgin von Gaisberg;
Mitarbeit: Dipl.-Ing. Isabelle Frase, Dipl.-Ing. Konstantin Wächter M.Sc.
Wittenberg, Sachsen-Anhalt. Das ernestinische Wittenberg:
Die Universität und die Stadt 1486–1547, seit 2009
Bauhistorische Untersuchungen: Prof. Dr. Elgin von Gaisberg, Dipl.-Ing.
Isabelle Frase, Dipl.-Ing. Maike Kohnert M.Sc., Dipl.-Ing. Konstantin
Wächter M.Sc.
Gesamtprojekt, beteiligte Fächer: Prof. Dr. iur. Heiner Lück, MLU Halle-
Wittenberg (Rechtsgeschichte); Prof. Dr. Enno Bünz, Universität Leipzig
(Landesgeschichte); Prof. Dr. Leonhard Helten, MLU Halle-Wittenberg
(Kunstgeschichte); Prof. Dr. Armin Kohnle (Kirchengeschichte); Prof.
Dr.-Ing. Dorothée Sack, TU Berlin (Historische Bauforschung); Prof. Dr.
Hans-Georg Stephan, MLU Halle-Wittenberg (Archäologie Mittelalter/
frühe Neuzeit); Prof. Dr. Ernst-Joachim Waschke, Stiftung Leucorea. Lan-
desprojekt des Landes Sachsen-Anhalt und der Stiftung Leucorea Wit-
tenberg
Wittenberg Teilprojekt Bauforschung 1. Die Bau- und Umbauge-
schichte der Stadtkirche St. Marien und der Kirchhof.
Baubegleitende Untersuchungen und Archivalienauswertung. Prof. Dr.
Elgin v. Gaisberg, Mitarbeit: Dipl.-Ing. Maike Kohnert M.Sc.
Wittenberg – Teilprojekt Bauforschung 2. Collegium Friderizianum
Prof. Dr. Elgin v. Gaisberg, seit 2015
107Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Register
Wittenberg – Teilprojekt Bauforschung 3.
Das Augusteum in Wittenberg
Dissertationsvorhaben, Dipl.-Ing. Isabelle Frase
Wittenberg – Teilprojekt Bauforschung 4.
Die Fronleichnamskapelle auf dem Kirchhof
Dipl.-Ing. Konstantin Wächter M.Sc.
Verzeichnis der Absolventen
Masterstudium Denkmalpflege, Jahrgang 2014–16
Michael Bastgen
Kerstin Frischke
Dominik Geppert
Stefanie Gerhard
Stephan Golombek
Maria Gromadzka
Elisa Haß
Yakinthi Kaperoni
Kamila Kojder
Anne Krugmann
Tillmann Kühnel
Anita Lenz
Ana Milardovic
Sophie Nagele
Fatma Öz
Jörg-Peter Riekert
Virginia Rush
Marie Mamerow
Jasmin Schäfer
Kristina Schindler
Franziska Schlicht
Lorenz Schöter
Christin Sonnek
Stamatina-Ioanna Triantafyllou
Christina Weber
Karin Welte
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108 Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Register
Abschlussarbeiten
Masterstudiengang Denkmalpflege, Jahrgang 2014–2016
Tillmann Kühnel
Olympia, Griechenland: Bauliche Überreste eines Heiligtums nördlich
des Kronoshügels. Bauaufnahme und Bauforschung.
Gutachter: T. Schulz-Brize; C. Mächler
Yakinthi Kaperoni
Rhodos: Die ehemalige Industriezone aus der Zeit der italienischen
Kolonisation nach 1924 im südöstlichen Teil der Stadt: Argumente für
die Unterschutzstellung einer gefährdeten Anlage
Gutachter: E. v. Gaisberg; C. Winterstein
Jörg-Peter Riekert, Virginia Rush
Pisa / Italien, Camposanto, Portal I: Bauforschung
Gutachter: E. v. Gaisberg; D. Sack
Sophie Theres Nagele, Stamatina-Ioanna Triantafyllou, Karin Welte
Berlin-Siemensstadt – Bahnhof Wernerwerk.
Dokumentation – Schadensanalyse – Nutzungskonzept
Gutachter: J. Haspel; Th. Dame
Stephan Golombek, Kristina Schindler
Klostermühle. Bauforschung an der historischen Wassermühle in Neu-
zelle
Gutachter: E. v. Gaisberg; L. Böwe
Franziska Schlicht
Die Pyramide im Neuen Garten zu Potsdam Dokumentation und Sa-
nierungsvorplanung anhand eines dreidimensionalen Modells
Gutachter: E. v. Gaisberg; D. Dorsemagen
Maria Gromadzka, Ana Milardovic, Fatma Öz, Christina Weber
Potsdam-Babelsberg, Park Babelsberg, Hofgärtnerhaus, Bauaufnahme,
Bauforschung, Nutzungskonzept
Gutachter: E. v. Gaisberg; D. Dorsemagen
Stefanie Gerhard, Anita Lenz
Brandenburg, Landkreis Barnim, Gemeinde Wandlitz: Die Denkmale der
Gemeinde Wandlitz – Ein denkmaltopographischer Überblick
Gutachter: E. v. Gaisberg; C. Rolka
Anne Krugmann, Christin Sonnek
Brandenburg (Havel) Plaue. Gartenstadt und Denkmalpflege. Neue
Erkenntnisse zur Errichtung der Gartenstadt Plaue und die bauhistorische
und restauratorische Untersuchung eines letzten bauzeitlichen Hauses
Gutachter: J. Cramer; A. Heinecke
Kerstin Frischke, Elisa Haß
Brandenburg, Rangsdorf, Waldsiedlung Bebauung und Gestaltung
1928–1945. Bestandserfassung, denkmalpflegerische Ansätze zur Er-
haltung
Gutachter: E. v. Gaisberg; Th. Dame
109Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Register
Marie Mamerow
Die Denkmalpflege zur Zeit des Nationalsozialismus am Beispiel von
Jüterbog
Gutachter: E. v. Gaisberg; K. Kappel
Kojder, Kamila, Jasmin Schäfer
Erfurt – Benediktsplatz 1, Bauforschung und Nutzungskonzept in den
mittelalterlichen Kelleranlagen
Gutachter: E. v. Gaisberg; B. Perlich
Lorenz Schröter
Ingolstadt, Paradeplatz 4, Neues Schloss, Kavaliersbau, Turm: Baufor-
schung am Dachwerk
Gutachter: E. v. Gaisberg; T. Aumüller
Michael Maria Bastgen, Dominik Geppert
Zum Denkmalwert von Atomkraftwerken – Chancen des Erhalts
Gutachter: G. Dolff-Bonekämper; GA: T. Dame
Bei der Aufzählung der Gutachter erfolgt die Nennung numerisch –
Erstgutachter, Zweitgutachter.
Masterstudiengang Denkmalpflege Jahrgang 2014–
2016 – Exkursion Franken (Bad Windsheim).
Fachgebiet Historische Bauforschung und Baudenk-
malpflge 2015.
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110 Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Register
Verzeichnis Dozenten und Förderer
Masterstudium Denkmalpflege, Jahrgang 2014–16
Dr.-Ing. des. Antonia Brauchle M.Sc.
FG Historische Bauforschung, MSD (bis 09.2015)
UD Landkreis Oder Spree, Beeskow
PJ Bauaufnahme
PJ Bauaufmaß und Dokumentation
PIV Inventarisation - Raumbuch
IV Historische Baukonstruktionen I und II
Dr.-Ing. Jens Birnbaum
Stiftung Preußissche Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg
SE Methoden der Konservierung, Praxisbeispiele
Dr.-Ing. Claudia Bührig
Deutsches Archäologisches Institut
SE Theorie und Terminologie der Denkmalpflege im internationalen
Kontext
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Johannes Cramer
FG Bau- und Stadtbaugeschichte
VL Baugeschichte der Antike
VL Baugeschichte des Wohnens
SE Baustelle Denkmal
Dr. phil. Dipl.-Ing. (FH) Thorsten Dame M.Sc.
Laufwerk B
PIV Städtebauliche Denkmalpflege I und II
IV Einführung in die Industriedenkmalpflege I und II
Prof. Dr. Gabi Dolff-Bonekämper
FG Denkmalpflege
VL Geschichte und Theorie der Denkmalpflege
Dr.-Ing. Dirk Dorsemagen
Stiftung Preußissche Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg
SE Methoden der Konservierung
Dr. Thomas Drachenberg
Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und
Archäologisches Landesmuseum
IV Denkmalpflege in der Praxis
Prof. Dr. Elgin von Gaisberg
FG Historische Bauforschung, MSD
VL Methoden der Bauforschung
PJ Bauaufnahme
PJ Bauaufmaß und Dokumentation
VL Aspekte der Bauforschung
PIV Einführung in die Archivforschung
Dr. Michael Gauß
SE Kommunikationstechniken
111Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Register
Prof. Dr. Jörg Haspel
Landeskonservator, Landesdenkmalamt Berlin
VL Denkmalkunde
Dipl.-Ing. Garrelt Hermanussen
Architekt, Sachverständiger für Holzschutz
PIV Sanierungstechnologien II, Holzschutz
Dipl.-Ing. Ursula Hüffer
Hüffer • Ramin Architekten
PIV Sanierungskonzepte und -technologien I und II
Dr. Ruth Klawun
Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches
Landesmuseum PIV Städtebauliche Denkmalpflege I und II
Dr. Christof Krauskopf
Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches
Landesmuseum
SE Einführung in die Archäologie
Prof. Dr. Christoph Merzenich
FH Erfurt, Konservierung und Restaurierung
PIV Architektur- und Raumfassungen
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Frank Neitzel
FG Geodäsie und Ausgleichungsrechnung
Dr.-Ing. Caroline Rolka
TU Dresden, Institut für Landschaftsarchitektur
PIV Gartendenkmalpflege I und II
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Klaus Rückert
FG Tragwerksentwurf und -konstruktion
Univ.-Prof. Dr. rer.-pol. Rudolf Schäfer
el-Gouna, Urban Development
VL Rechtliche Grundlagen des Denkmalwesens
Dr. Tilo Schöfbeck
Freier Bauforscher
PIV Einführung in die Dendrochronologie
Axel Schuhmann M.A. M.Sc.
FG Historische Bauforschung, Masterstudium Denkmalpflege
PJ Bauaufnahme
PJ Bauaufmaß und Dokumentation
Dipl.-Ing. Axel Seemann
Beratender Ingenieur
VL Tragwerkslehre für Denkmalpfleger und Kunsthistoriker
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112 Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Register
Dr. Jürgen Tietz
Freier Journalist
IV Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten und das Verfassen wis-
senschaftlicher Texte
Dr.-Ing. Christian Wieck
R&S Ingenieursozietät Rek - Wieck - Dr. Schwenk
IV Geodäsie für Denkmalpfleger
Prof. Dr. Kerstin Wittmann-Englert
FG Kunstgeschichte
VL Historismus in der Architektur
VL Iconic Architecture
Prof. Dipl.-Ing. Albert Wiedemann †
FH Erfurt, Vermessungskunde und Geoinformationssysteme
PIV Photogrammetrie für Denkmalpfleger
Dipl.-Ing. Claudia Winterstein
FG Historische Bauforschung, Masterstudium Denkmalpflege
PJ Bauaufnahme
PJ Bauaufmaß und Dokumentation
Ü Perzeption und Präsentation
M.Sc. Daniel Wujanz
FG Geodäsie und Ausgleichungsrechnung
PIV Laserscanning in der Bauforschung
Abkürzungen
FG Fachgebiet
IV Integrierte Veranstaltung PJ Projekt
PIV Projektintegrierte Veranstaltung SE Seminar
Ü Übung VL Vorlesung
113Bauforschung und Denkmalpflege, Nr. 1–2017
Register
Die Schriftenreihe Bauforschung und Denkmalpflege.
Jahrbuch des Fachgebiets Historische Bauforschung und Baudenkmalpflege. Technische Universität Berlin
wird herausgegeben von:
Prof. Dr.-Ing. Thekla Schulz-Brize
Prof. Dr. phil. Elgin von Gaisberg
Dipl.-Ing. Martin Gussone
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Universitätsverlag der TU Berlin
ISBN 978-3-7983-2942-3 (print)
ISBN 978-3-7983-2943-0 (online)