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[en] (orig)
Tobias Himmel
¨
Uber die Wirkung thermoplastischer Elastomere als
Additive zur Unterdr¨
uckung des sharkskin-Effekts
Prof. Manfred H. Wagner, geboren 1948 in Stuttgart, studierte Physik und Physika-
lische Chemie an der Universit¨
at Stuttgart und der Oregon State University, Corval-
lis/USA. Nach der Promotion zum Dr.-Ing. (1976) an der Universit¨
at Stuttgart auf
dem Gebiet der rheologisch-thermodynamischen Modellbildung in der Kunststoff-
verarbeitung war er bis 1979 wissenschaftlicher Assistent am Institut f¨
ur Polymere
der Eidgen¨
ossischen Technischen Hochschule Z¨
urich. Danach folgte eine neunj¨
ahrige
T¨
atigkeit in der Industrie, bei der damaligen Hoechst-Tochter SIGRI GmbH (heute
SGL Carbon AG) in der Elektrographitentwicklung mit vielf¨
altigen internationalen
Aufgaben. Daneben war er Lehrbeauftragter der Universit¨
at Erlangen-N¨
urnberg
f¨
ur das Fachgebiet Rheologie der Polymerschmelzen.
1988 wurde er an die Universit¨
at Stuttgart auf die Professur f¨
ur Numerische Str¨
om-
ungsmechanik/Rheologie berufen. In Stuttgart besch¨
aftigte sich Prof. Wagner mit
der Entwicklung von numerischen Verfahren zur Simulation von Deformations- und
Str¨
omungsvorg¨
angen in hochviskosen newtonschen und nicht-newtonschen Fl¨
ussig-
keiten und mit der Entwicklung rheologischer Stoffgesetze f¨
ur makromolekulare
Fl¨
ussigkeiten, wie sie in der Polymererzeugung und -verarbeitung, aber auch in
der Bio- und Medizintechnik auftreten. 1998-99 war er Dekan der Fakult¨
at Ver-
fahrenstechnik und Technische Kybernetik der Universit¨
at Stuttgart. 1999 folg-
te er einem Ruf der TU Berlin und leitet seitdem das Fachgebiet Polymertech-
nik/Polymerphysik des Instituts f¨
ur Werkstoffwissenschaften und -technologien.
Zahlreiche Publikationen auf so verschiedenen Fachgebieten wie Festk¨
orperphysik,
Numerische Str¨
omungsmechanik, Rheologie polymerer Schmelzen, Kunststoffverar-
beitung, Medizintechnik, Kunstkohle und Elektrographit belegen seine vielf¨
altigen
wissenschaftlichen Aktivit¨
aten. Von 1991 bis 2003 war Prof. Wagner Vorsitzender
der Deutschen Rheologischen Gesellschaft. Von 1996 bis 2005 war er Sekret¨
ar der
Europ¨
aischen Rheologischen Gesellschaft, 2005 bis 2009 war er deren Pr¨
asident.
Seit 2004 ist er Gesch¨
aftsf¨
uhrer des International Committee on Rheology. 1981
erhielt Prof. Wagner den Annual Award der British Society of Rheology, 2002 den
Swinburne Award des Institute of Materials, London, und 2011 den Weissenberg
Award der European Society of Rheology. Die East China University of Science
and Technology, Shanghai, ernannte ihn 2002 zum Guest Professor.
Schriftenreihe Kunststoff-Forschung 76
Tobias Himmel
¨
Uber die Wirkung thermoplastischer
Elastomere als Additive zur Unterdr¨
uckung
des sharkskin-Effekts
Universit¨
atsverlag der TU Berlin
b
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen
Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet ¨
uber
http://dnb.dnb.de/ abrufbar.
Universit¨
atsverlag der TU Berlin 2013
http://www.univerlag.tu-berlin.de
Fasanenstr. 88 (im VOLKSWAGEN-Haus), 10623 Berlin
Tel.: +49 (0)30 314 76131 / Fax: -76133
E-Mail: publik[email protected]erlin.de
Zugl.: Berlin, Technische Universit¨
at, Diss., 2013
1. Gutachter: Prof. Dr. M. H. Wagner,
2. Gutachter: Dr. P. P¨
otschke
Die Arbeit wurde am 14. Februar 2013 unter Vorsitz
von Prof. Dr. S. Enders erfolgreich verteidigt.
Das Manuskript ist urheberrechtlich gesch¨
utzt.
Druck: Endformat GmbH, Berlin
Satz/Layout: Tobias Himmel
Zugleich online ver¨
offentlicht auf dem Digitalen Repositorium
der Technischen Universit¨
at Berlin:
URL http://opus.kobv.de/tuberlin/volltexte/2013/3908/
URN urn:nbn:de:kobv:83-opus-39085
[http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:83-opus-39085]
ISBN 978-3-7983-2514-2 (Druckversion)
ISBN 978-3-7983-2515-9 (Onlineversion)
ISSN 0174-4003
Vorwort des Herausgebers
Die Extrusion thermoplastischer Polymere mit hoher Molmasse und enger Molmassen-
verteilung ist in der Durchflussrate begrenzt. Erfahrungsgemäß unterliegen besonders
die metallocenkatalysierten Polyethylene (mPE) im Extrusionsprozess verschiedenarti-
gen Schmelzflussinstabilitäten, die üblicherweise unter dem Sammelbegriff “Schmelz-
bruch“ zusammengefasst werden. Die die Produktivität der Folienextrusion von mPE
limitierende und schon bei relativ kleinen Extrusionsgeschwindigkeiten auftretende
Schmelzflussinstabilität ist der so genannte “Sharkskin-Effekt“, ein periodisches Aufrei-
ßen der Folienoberfläche. Metallocenkatalysierte Polyethylene können demzufolge wirt-
schaftlich nicht ohne die Beimischung von Verarbeitungshilfsmitteln, so genannten
“Polymer Processing Aids“ (PPAs) verarbeitet werden. Bisher stehen für die Verarbei-
tung von mPE lediglich Fluor enthaltende PPAs auf dem Markt zur Verfügung. Über-
raschenderweise fand Dr. Oleg Kulikov von der Universität der Bundeswehr München,
dass sich das Auftreten von Schmelzeinstabilitäten zu sehr viel heren Extrusions-
geschwindigkeiten verschiebt, wenn man die Düse mit einem vernetzten Silikon-
Elastomer beschichtet. Da eine Beschichtung mit vernetztem Elastomer dem Abrasi-
onsverschleiß unterliegt, lag es nahe, eine dynamische Beschichtung durch Zusatz von
thermoplastischen Elastomeren (TPE) zum Polyethylen zu erreichen, wobei insbeson-
dere TPEs auf der Basis von Siloxan (TPE-S) oder Polyurethan (TPE-U) zum Einsatz
kamen. Unterschiedliche TPE-Typen zeigten allerdings eine unterschiedliche Effektivi-
tät in der Sharkskin-Unterdrückung, und es blieb unklar, worauf dies zurückzuführen
ist.
Herr Dipl.-Ing. Tobias Himmel hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Wirkmechanismen
dieser neuartigen Verarbeitungshilfsmittel aufzuklären und die Ursache ihrer unter-
schiedlichen Wirksamkeit bei der Sharkskin-Unterdrückung zu finden. Die Beantwor-
tung dieser spannenden Frage gelingt ihm durch eine Kombination verschiedener poly-
merphysikalischer und insbesondere rheologischer Untersuchungsverfahren.
Berlin, im März 2013 Manfred H. Wagner
F¨
ur Asiulka
Vorwort
Die vorliegende Arbeit entstand im Rahmen meiner T¨
atigkeit als wissenschaftlicher
Mitarbeiter am Fachgebiet Polymertechnik/-physik des Instituts f¨
ur Werkstoffwis-
senschaften und -technologien der Technischen Universit¨
at Berlin. In dieser Zeit
durfte ich mich intensiv und sehr frei mit der Polymerverarbeitung und -analytik
befassen. F¨
ur die gew¨
ahrte Freiheit und die ausgezeichnete Betreuung durch Prof.
Dr. M. H. Wagner bedanke ich mich sehr herzlich.
Dank geht ebenso an Frau Dr. P. P¨
otschke f¨
ur die fachliche Unterst¨
utzung und
die Begutachtung meiner Arbeit.
Bei den Kollegen des Fachgebiets bedanke ich mich f¨
ur die gute Arbeitsatmo-
sph¨
are. Insbesondere danke ich Frau A. John-M¨
uller und Herrn C. Wyrwich f¨
ur
ihre stete Unterst¨
utzung bei allen meinen Anliegen. F¨
ur die fachlichen Diskussio-
nen danke ich Herrn A. Kurz sowie Herrn Dr. V. H. Rol´on-Garrido. Ebenso danke
ich den Studenten, die mir im Rahmen von messtechnischen ¨
Ubungen hilfreiche
Daten geliefert haben.
Zu Beginn meiner T¨
atigkeit war ich in einem von der DFG gef¨
orderten Projekt
t¨
atig und danke f¨
ur die finanzielle Unterst¨
utzung in dieser Zeit. Weiterhin danke
ich der Max Buchner Forschungsstiftung f¨
ur ein zweij¨
ahriges Stipendium w¨
ahrend
meiner Promotion.
Abschließend danke ich besonders meiner Frau, die die Arbeit einerseits auf
sprachliche Richtigkeit gepr¨
uft hat, vor allem aber mir jeder Zeit den pers¨
onlichen
R¨
uckhalt gegeben hat und dadurch sehr zum Gelingen dieser Arbeit beigetragen
hat.
Berlin, im Februar 2013 Tobias Himmel
i
Kurzfassung
Bei der Verarbeitung von Polyethylen in Extrusionsanlagen ist der sharkskin-Effekt
als erste Auspr¨
agung des Schmelzebruchs limitierender Faktor der Produktionsge-
schwindigkeit. Herk¨
ommliche Additive, um den Beginn des sharkskin-Effekts zu
h¨
oheren Extrusionsgeschwindigkeiten verschieben zu k¨
onnen, basieren auf Fluor-
polymerverbindungen, die einen hohen Materialpreis besitzen und ¨
okologisch nicht
unbedenklich sind. Als Alternative sind von Kulikov (2005) thermoplastische Ela-
stomere (TPE) vorgeschlagen worden. Deren Anwendbarkeit hat M¨
uller (2009) dar-
gestellt. Aus beiden Arbeiten folgt eine Klassifizierung der Effektivit¨
at unterschied-
licher TPE-Typen, die bei beiden jeweils in Ans¨
atzen diskutiert wird. Ziel dieser
Arbeit ist die Kl¨
arung der Frage, worauf die experimentell bestimmten Effekti-
vit¨
atsunterschiede der thermoplastischen Elastomere als Additive zur sharkskin-
Unterdr¨
uckung zur¨
uckzuf¨
uhren sind.
In rheologischen Untersuchungen ist die Gleitgeschwindigkeit einiger TPE-Typen
gegen Stahl und die Gleitgeschwindigkeit in der polymeren Grenz߬
ache zwischen
Polyethylen (PE) und TPE bestimmt worden. Die TPE-Typen niedriger Visko-
sit¨
at zeigen dabei eine deutlich h¨
ohere Gleitgeschwindigkeit gegen¨
uber Stahl. Im
Gegensatz dazu liegt die Gleitgeschwindigkeit in der polymeren Grenz߬
ache vis-
kosit¨
atsunabh¨
angig in gleicher Gr¨
oßenordnung. In beiden F¨
allen sind die Gleitge-
schwindigkeiten direkt proportional der aufgepr¨
agten Schubspannung.
Die Materialien wurden weiterhin durch Messungen der ersten Normalspannungs-
differenz charakterisiert. Die Messdaten konnten qualitativ richtig mit den empiri-
schen Beziehungen von Laun (1978, 1986) beschrieben werden.
Unterschiede in der Gleitgeschwindigkeit und Normalspannung erkl¨
aren jedoch
nicht die unterschiedliche Wirksamkeit in der Unterdr¨
uckung des sharkskin-Effekts.
¨
Uber die Betrachtung der Grenz߬
achenspannung zwischen PE und TPE sowie
der daraus resultierenden Dispersionsstruktur, wie es bereits von P¨
otschke et al.
(1997, 2002) beschrieben wurde, kann die unterschiedliche Effektivit¨
at der TPE-
Typen letztlich erkl¨
art werden. Im Ergebnis wird gezeigt, dass abh¨
angig von der
iii
chemischen Struktur der Weichsegmente des TPE die Dispersionsstruktur unter-
schiedlich ist. Dabei zeigen TPE auf Polyester- oder Silikonbasis grobe Strukturen
mit relativ großen Tropfen. Begr¨
undet ist dies durch den zweiphasigen Aufbau der
TPE, in denen Hart- und Weichsegmente nebeneinander vorliegen. In der Schmel-
ze kommt es zu einer Phasentrennung im TPE und im Kontakt mit PE lagern
sich die Weichsegmente aufgrund unterschiedlicher Ober߬
achenspannungen in der
Phasengrenz߬
ache an und bestimmten somit deren Eigenschaften.
In ¨
Ubereinstimmung mit den Erkenntnissen von Oriani und Chapman (2003)
sind Additive zur sharkskin-Unterdr¨
uckung umso effektiver, je gr¨
ober die Disper-
sionsstruktur der Additivtropfen in der Polymermatrix sind. Anhand der in dieser
Arbeit durchgef¨
uhrten Untersuchungen l¨
asst sich die Wirkung thermoplastischer
Elastomere als Additive zur sharkskin-Unterdr¨
uckung umfassend erkl¨
aren. Die Un-
terschiedliche Wirksamkeit beruht somit auf der Zweiphasigkeit der TPE und den
aus der chemischen Basis folgenden unterschiedlichen Grenz߬
achenspannungen in
Mischung mit PE infolge derer sich unterschiedliche Dispersionsstrukturen einstel-
len.
iv
Abstract
The extrusion rate of polyethylene is limited by melt fracture. The first level of
fracture is a surface defect called sharkskin. Common polymer processing aids ba-
sed on fluoropolymers shift the onset of sharkskin to higher extrusion rates. These
materials are expensive and carry some environmental concerns. Alternatively Ku-
likov (2005) suggested thermoplastic elastomers (TPE) for sharkskin suppression.
M¨
uller (2009) showed the usability for some TPEs as polymer processing aids. Both
authors gave an experimental classification according to the efficiency of different
TPE types for sharkskin suppression. The aim of the present work is to find the
reason for the different efficiencies of TPEs for sharkskin suppression.
The slip velocity of some TPE types against steel and the slip velocity in a
polymeric interface between polyethylene (PE) and TPE were evaluated rheologi-
cally. Thereby, low viscosity types of TPE show a higher slip velocity against steel.
The determined slip velocities were viscosity independent and of the same order
of magnitude in the polymeric interface. In both cases the slip velocity is directly
proportional to the applied shear stress.
For further material characterization, measurements of first normal stress diffe-
rence were done. The data correpond well with the empirical rules proposed by
Laun (1978, 1986).
Neither differences in silp velocities nor in normal stresses explain the different
efficiency of TPEs for sharkskin suppression.
It is the interfacial tension between PE and TPE that shows to be the reason
for the different efficiency in sharkskin suppression. As described by P¨
otschke et al.
(1997, 2002), the chemical structure of the soft segments in TPEs lead to different
grades of dispersion of TPE droplets in a PE matrix. TPEs based on polyester
or silicone have a coarse structure with big droplets. This is due to the two phase
character of the TPEs, where hard and soft segments are located next to each other.
Consequently, a phase segregation occurs in the TPE in the polymer melt. The soft
v
segments aggregate in contact to PE driven by surface tension at the interface and
influence their properties.
In agreement with the work of Oriani and Chapman (2003), the efficiency of
polymer processing aids for sharkskin suppression increases with droplet size. Thus,
the efficiency of TPEs as polymer processing aids for sharkskin suppression follows
from the phase segregation inside the TPE. The interfacial tension varies according
to the chemical structure of the soft segments of the TPE. It is shown that the
different interfacial tensions give different dispersion morphologies, leading to the
conclusion that a coarse dispersion structure results in a better efficiency of the
TPE for sharkskin suppression.
vi
Inhaltsverzeichnis
Vorwort i
Kurzfassung iii
Abstract v
1 Einleitung 1
2 Grundlagen der Schmelzflussinstabilit¨
aten 5
2.1 Additive zur sharkskin-Unterdr¨
uckung ................ 14
3 Materialien 23
3.1 Polyethylen ............................... 23
3.2 Thermoplastische Elastomere . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24
3.3 Probenherstellung............................ 32
3.3.1 Blasfolie............................. 32
3.3.2 Rheometerproben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32
3.3.3 Polymerblends ......................... 33
3.4 Nachweis der Nicht-Mischbarkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34
3.4.1 Liebermann-Storch-Morawski Reaktion . . . . . . . . . . . . 34
3.4.2 Raman-Spektroskopie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35
3.4.3 Scherzelle ............................ 36
3.4.4 Heiztisch-Mikroskop . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38
3.4.4.1 Tr¨
opfchengr¨
oße.................... 41
4 Rheologische Untersuchungen 43
4.1 Rheologische Grundlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43
4.2 Wandgleiten im Rheometer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51
4.2.1 Experimentelle Bestimmung des Wandgleitens der Reinstoffe 55
vii
4.3 Gleiten in polymeren Grenz߬
achen .................. 57
4.3.1 Experimentelle Bestimmung des Gleitens in polymeren Grenz-
¨
achen.............................. 62
4.4 Einfluss der Normalspannung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69
4.5 Schlussfolgerungen aus den rheologischen Untersuchungen . . . . . . 81
5 Betrachtung der Grenz߬
achen 85
5.1 DieKapillar-Zahl............................ 85
5.2 Grenz߬
achenspannung ......................... 87
5.2.1 Temperaturabh¨
angigkeit der Grenz߬
achenspannung . . . . . 89
5.2.2 Korrektur nach van Oene . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 89
5.2.3 Experimentelle Bestimmung der Ober߬
achenspannung . . . 90
5.3 Spezielle Grenz߬
acheneffekte bei Mischungen aus PE und TPE . . . 91
5.3.1 Experimentelle Untersuchung der speziellen Grenz߬
acheneffekte 94
5.3.1.1 Analyse der Tropfendehnung . . . . . . . . . . . . 94
5.3.1.2 Analyse im Elektronenmikroskop . . . . . . . . . . 99
5.4 Schlussfolgerungen aus der Betrachtung der Grenz߬
achen . . . . . . 103
6 Zusammenfassung 105
Literaturverzeichnis 109
Anhang A - Messergebnisse zur Bestimmung der Gleitgeschwindigkeit 117
viii
1 Einleitung
Die Ausbildung von Str¨
omungsinstabilit¨
aten bei Polymerl¨
osungen und speziell das
Auftreten von Schmelzflussinstabilit¨
aten bei der Extrusion von Polymeren sind seit
Beginn der wissenschaftlichen Untersuchung dieser Effekte breit diskutiert worden.
Zun¨
achst konnten die Zusammenh¨
ange nur aus experimentellen Daten abgeleitet
werden, da geeignete theoretische Ans¨
atze aufgrund der Komplexit¨
at der Mate-
rialien fehlten. Durch das sich st¨
andig verbessernde Verst¨
andnis des Materialver-
haltens und seiner Beschreibung ist es dann gelungen, Schmelzflussinst¨
abilit¨
aten
an Modellsystemen zu beschreiben. Von zentraler Bedeutung ist dabei das von
Cogswell (1977) vorgeschlagene Modell, das anschaulich die Ursache des Beginns
der Schmelzflussinstabilit¨
aten (sharkskin) bei der Extrusion von Polymeren auf
die Umlagerung des Str¨
omungsprofils nach Austritt aus der ausformenden D¨
use
beschreibt. Aus diesem Modell l¨
asst sich leicht ableiten, dass ein Gleitfilm an
der D¨
usenwand wirksam ist, um das Einsetzen der Schmelzflussinstabilit¨
aten zu
h¨
oheren Str¨
omungsgeschwindigkeiten zu verschieben. Dies wird als sharkskin-Un-
terdr¨
uckung bezeichnet. Ein geeignetes Material hierf¨
ur stellen Fluorpolymere dar,
die quasi eine Antihaftbeschichtung aufbauen. Die Produktion und Entsorgung von
Fluorpolymeren ist allerdings aufwendig und kostenintensiv. Insbesondere f¨
ur das
sonst sehr wirtschaftliche Folienblasverfahren ist dies ein Nachteil. Dennoch wurde
wenig daran gearbeitet, geeignete Ersatzmaterialien zu finden. Einen entscheiden-
den Fortschritt machte Kulikov (2005), als er experimentell zeigen konnte, dass
auch thermoplastische Elastomere als Additive zur Unterdr¨
uckung des sharkskin-
Effekts geeignet sind. Dies ist insofern von besonderer Bedeutung, als dass dadurch
neben einer reinen Alternative zu den Fluorpolymeren auch Folien f¨
ur neue An-
wendungsgebiete produziert werden k¨
onnen. F¨
ur die Anwendung im medizinischen
Bereich d¨
urfen z. B. f¨
ur Operationshilfsmittel wie Operationsfolien keine Mate-
rialien eingesetzt werden, bei deren Herstellung eine Fluorverbindung zugegeben
wurde. Die thermoplastischen Elastomere besitzten meist auch die Zulassung f¨
ur
Medizinprodukte und k¨
onnen somit zus¨
atzliche wirtschaftliche Vorteile einbrin-
1
1 Einleitung
gen. Im Hinblick auf die Materialkosten ist grob davon auszugehen, dass Verar-
beitungshilfsmittel auf Fluorbasis gegen¨
uber den thermoplastischen Elastomeren
etwa einen 10-fach h¨
oheren Materialpreis besitzen. Insgesamt ist die Materialklas-
se der thermoplastischen Elsotmere daher sehr attraktiv, um die g¨
angigen Verar-
beitungshilfsmittel zu ersetzen. Als Ergebnis der Arbeit von M¨
uller (2009) ergibt
sich bez¨
uglich der Effektivit¨
at unterschiedlicher thermoplastischer Elastomere zur
sharkskin-Unterdr¨
uckung eine eindeutige Klassifikation der von ihm untersuchten
Materialien. Wichtig ist hierbei zu verstehen, worauf diese unterschiedliche Wirk-
samkeit beruht, denn der Kostenvorteil gegen¨
uber den Fluorpolymeren ist hinf¨
allig,
wenn das Material erst bei großen Zugabemengen wirksam ist. Bislang konnte auch
durch die Arbeiten von Kulikov (2005) und M¨
uller (2009) keine umfassende Er-
kl¨
arung gegeben werden.
Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist somit die Wirkung der thermoplastischen
Elastomere als Additive derart beschreiben zu k¨
onnen, dass sich daraus die Klassifi-
kation der Wirksamkeit, wie sie von M¨
uller (2009) beschrieben wird, erkl¨
aren l¨
asst.
Bisher wird in den genannten Arbeiten die Wirksamkeit auf die unterschiedlichen
elastischen Eigenschaften der verwendeten Materialien bzw. auf die Unterschiede
in der Viskosit¨
at zur¨
uckgef¨
uhrt. Die Materialien werden dabei in Abh¨
angigkeit die-
ser Eigenschaften als Haft- oder Gleitmittel bezeichnet. Diese empirische Einteilung
steht aber in gewisser Weise im Widerspruch zu den Prinzipien der Phasentrennung
bei der Str¨
omung nicht-mischbarer Systeme. So ist zun¨
achst davon auszugehen, dass
sich eine nicht-mischbare, niedrigviskose Phase aufgrund des in einer D¨
use vorlie-
genden Schergradienten an die D¨
usenwand anlagern wird. In Extrusionsversuchen
zeigt sich jedoch gerade, dass die niedrigviskosen Materialien eine geringere Effek-
tivit¨
at besitzen. Diese geringere Effektivit¨
at k¨
onnte aus einer unterschiedlich stark
ausgepr¨
agten Gleitgeschwindigkeit in der polymeren Phasengrenz߬
ache zwischen
der Polyethylenschmelze und dem an der D¨
usenwand anhaftenden thermoplasti-
schen Elastomer hervorgehen.
Zum weiteren Verst¨
andnis der Enstehtung des sharkskin-Effekts und den bishe-
rigen Erkenntnissen, die zu seiner Unterdr¨
uckung f¨
uhren, wird im Kapitel 2 eine
entsprechende Einf¨
uhrung gegeben. Nach einer Beschreibung der verwendeten Ma-
terialien und dem Nachweis der Nicht-Mischbarkeit von Polyethylen und den ther-
moplastischen Elastomeren im Kapitel 3 werden im Kapitel 4 die rheologischen Un-
tersuchungen zur Bestimmung der Gleitgeschwindigkeit einiger thermoplastischer
Elastomere gegen¨
uber Stahl bzw. Polyethylen beschrieben. Die rheologischen Un-
2
tersuchungen erstrecken sich zudem ¨
uber die Messung und Diskussion der ersten
Normalspannungsdifferenz und deren Bedeutung f¨
ur die sharkskin-Unterdr¨
uckung.
Die Normalspannungseffekte werden zwar vor allem bei der Coextrusion bedeutsam,
da durch deren Einfluss Instabilit¨
aten in der Phasengrenz߬
ache der coextrudierten
Schichten auftreten, tragen hier aber zum Verst¨
andnis der Phasentrennung bei vor-
liegendem Schergradienten bei. Indirekt wird damit auch der Viskosit¨
atseinfluss
erfasst. W¨
ahrend f¨
ur die rheologischen Messungen die Materialpaarungen jeweils
durch einzelne Schichten der reinen Materialien zusammengesetzt wurden, wer-
den im Kapitel 5 die Emulsionen dieser Paarungen betrachtet, so wie sie sich in
der Praxis durch die Extrusion ergeben. Dabei steht die Betrachtung der Grenz-
¨
achenspannung zwischen den dispergierten Tropfen aus thermoplastischem Elas-
tomer und der Polyethylenmatrix im Mittelpunkt. Die Struktur der Dispersion wird
qualitativ anhand von Aufnahmen mit dem Rasterelektronenmikroskop dargestellt.
Einschr¨
ankend sei darauf hingewiesen, dass sich die Arbeit in erster Linie auf die
praxisrelevante Erkl¨
arung der beschriebenen Klassifikation der Wirksamkeit der
unterschiedlichen thermoplastischen Elastomere bezieht. Wesentliche Erkenntnisse
aus der Grundlagenforschung werden dabei durch die Arbeiten von P¨
otschke et al.
(1997, 2002) gegeben.
3
2 Grundlagen der
Schmelzflussinstabilit¨
aten
Seit der Antike interessieren sich Wissenschaftler f¨
ur das Fließverhalten der Flui-
de. Alltagsnahe Stoffe wie Wasser, Milch, ¨
Ol oder Honig wurden dabei nat¨
urlich
zuerst betrachtet. ¨
Uber Jahrhunderte hinweg wurde das Wissen ¨
uber die rheo-
logischen Eigenschaften der Stoffe erweitert. Im Zuge der Industrialisierung ka-
men v¨
ollig neue Stoffe, wie zum Beispiel Kautschuk, hinzu, die quantifizierbar
ein ganz anderes Fließverhalten zeigten. Um Fließen messbar zu machen, wur-
den entsprechende Messger¨
ate entwickelt. Allen voran das Kapillarviskosimeter,
mit dem das Ausstr¨
omen einer Fl¨
ussigkeit aus einer d¨
unnen Kapillare beobach-
tet werden konnte. Auf Grundlage sehr zahlreicher Messdaten konnten Theorien
entwickelt werden, die den Aufbau der Materialen beschreiben. Interessant ist in
diesem Zusammenhang unter anderem die Arbeit von Auerbach et al. (1927), in
der Messdaten aus den Jahren 1924 bis 1927 beschrieben werden. Beobachtet wur-
den unterschiedliche Viskosit¨
atskurven von Oleatsolen, deren Erkl¨
arung noch sehr
wage war. Immerhin wurde schon von einer Strukturviskosit¨
at gesprochen und die-
se in Verbindung mit einer Fließelastizit¨
at gebracht. Auch wurde die Bedeutung
von Adh¨
asion, Ober߬
achenspannung und Wandgleiten erw¨
ahnt. Fast noch wich-
tiger ist aber, dass gleichzeitig die Vergleichbarkeit der mit Kapillarviskosimetern
und Couette-Apparaten, also Zylindersystemen, erzielten Messergebnisse best¨
atigt
wurde. Damit hatten sich zwei unterschiedliche Messverfahren etabliert, die in den
folgenden Jahrzehnten weitere wichtige Erkenntnisse zum Fließverhalten von ver-
schiedenen Materialien lieferten. Mit dem Postulat Hermann Staudingers ¨
uber die
Existenz der Makromolek¨
ule im Jahre 1925 und der darauf folgenden intensiven Un-
tersuchung der Makromolek¨
ule entstand letztlich die Materialklasse der Kunststof-
fe, deren rheologische Charakterisierung bis heute noch viele Fragen offen l¨
asst. Die
Vorz¨
uge der Kunststoffe bez¨
uglich ihrer vielf¨
altigen Materialeigenschaften und ih-
rer leichten Verarbeitbarkeit f¨
uhrten zu einer rasanten Anerkennung als neue Werk-
5
2 Grundlagen der Schmelzflussinstabilit¨
aten
Abbildung 2.1: PMMA-Str¨
ange extrudiert bei 170 C und verschiedenen Scherraten nach
[Tordella 1957].
stoffklasse. Doch in der Anwendung zeigten sich schnell Probleme, deren L¨
osung
nur durch eine grundlegende wissenschaftliche Betrachtung erreicht werden konnte.
So entstehen z. B. bei der Extrusion einer Kunststoffschmelze, d. h. dem Auspres-
sen der Schmelze aus einer D¨
use, ab einer bestimmten Geschwindigkeit sogenannte
Schmelzflussinstabilit¨
aten. Am extrudierten Stang f¨
uhrt dies zu Ober߬
achen- bzw.
Volumendefekten, die allgemein als Schmelzbruch bezeichnet werden. Beschrieben
wurde dies bereits 1949 [Spencer and Dillon 1949] und etwas sp¨
ater Ende der 1950
Jahre vertieft von Tordella [Tordella 1956, 1957, 1958]. Die Abbildung 2.1 zeigt
ein typisches Bild aus diesen Arbeiten. Der Strang aus einem Kapillarviskosimeter
zeigt ab einer bestimmten Scherrate eine deutliche Formver¨
anderung, die besonders
beeindruckend ist, da sie in keinem Zusammenhang zur Formgebung durch die D¨
use
steht. Eine Erkl¨
arung konnte seinerzeit noch nicht gegeben werden.
Da die Schmelzflussinstabilit¨
aten die Produktionsgeschwindigkeiten stark limitie-
ren, besaß das Thema von Anfang an einen hohen Stellenwert, so dass bereits 1958
die bisherigen Erkenntnisse von Metzner (1958) zusammengefasst wurden. Ein Er-
kl¨
arungsversuch bezog sich dabei auf die Ausbildung einer turbulenten Str¨
omung
innerhalb der Polymerschmelze. Auch in der bereits erw¨
ahnten Arbeit ¨
uber die
6
Oleatsole [Auerbach et al. 1927] waren mitunter Turbulenzen erkennbar. Jedoch
konnte letztlich eindeutig widerlegt werden, dass es sich bei den vergleichsweise
niedriegen Str¨
omungsgeschwindigkeiten um Turbulenz im hydrodynamischen Sinne
handelt. Es war damit klar, dass die Polymerschmelze laminar durch die D¨
use fließt
und die Instabilit¨
aten auf andere Effekte zur¨
uckzuf¨
uhren sein mussten. Erw¨
ahnens-
wert ist, dass bereits Spencer und Dillon (1949) darauf hingewiesen haben, dass die
Instabilit¨
aten wom¨
oglich am D¨
usenaustritt entstehen. Der Versuch, die Messdaten
und die sichtbaren Brucherscheinungen an den extrudierten Str¨
angen theoretisch
zu beschreiben, scheiterte seinerzeit oft daran, dass es noch keine Materialgleichun-
gen gab, die alle Eigenschaften, insbesondere die ausgepr¨
agte Viskoelastizit¨
at der
Kunststoffe richtig beschreiben konnte. Am Ende wurden drei Meinungen vertre-
ten. Tordella war der Ansicht, dass die Instabilit¨
aten am D¨
useneintritt entstehen.
Dagegen sahen Spencer und andere eher den D¨
usenaustritt als Grund daf¨
ur an.
Andere wiederum bemerkten, dass die Normalspannungen der Polymere im Ver-
gleich zu anderen Medien hoch seien und f¨
uhrten daher die Fließinstabilit¨
aten auf
Effekte in der D¨
use zur¨
uck. Zus¨
atzlich kam noch die Idee hinzu, dass es sich auch
um Gleitprozesse in der D¨
use handeln k¨
onnte. Insgesamt stellte sich also ein sehr
unklares Bild dar, das nur durch mehr Messdaten und bessere Kenntnis der in-
neren Struktur klarer werden konnte. Auch heute noch wird immer wieder in alle
genannten Richtungen diskutiert, wenn die Schmelzflussinstabilit¨
aten erkl¨
art wer-
den. Allerdings sind die Zusammenh¨
ange heutzutage schon besser verstanden. Die
historischen Entwicklungen sind 1976 [Petrie and Denn 1976] und 2001 [Denn 2001]
in ¨
Ubersichtsartikeln dokumentiert worden. Aus der F¨
ulle der im Laufe der Jahre
entstandenen Arbeiten werden im Folgenden einige Punkte herausgegriffen.
Zun¨
achst ist es hilfreich, sich einen ¨
Uberbilck ¨
uber die Schmelzflussinstabilit¨
aten
zu verschaffen. Die Abblidung 2.2 zeigt in der Auftragung der Schubspannung an
der D¨
usenwand ¨
uber der scheinbaren Scherrate an der Wand schematisch, welche
Effekte zu beobachten sind. Mittels Kapillarviskosimeter wird eine Polymerschmel-
ze extrudiert. Im Bereich niedriger Scherraten kann so ein glatter Strang extrudiert
werden. Die Schubspannung steigt bei Erh¨
ohung der Scherrate konstant an. Ab
einer kritischen Schubspannung 𝜎𝑐1¨
andert sich die Steigung und es kommt zur
ersten Form der Schmelzflussinstabilit¨
at, dem sogenannten sharkskin. Der Ort der
Entstehung liegt dabei am D¨
usenaustritt. Im Bereich C der Abbildung ¨
andert sich
die Schubspannung auch bei Steigerung der Scherrate nicht mehr. Am Strang sind
wechselnde Bereiche mit glatter Ober߬
ache und gebrochener Ober߬
ache sichtbar.
7
2 Grundlagen der Schmelzflussinstabilit¨
aten
Abbildung 2.2: Schematische Einteilung der Schmelzflussinstabilit¨
aten, wie sie mit einem
Kapillarviskosimeter bestimmt werden nach [Fyrillas et al. 1999].
Dieser Bereich wir als stick-slip bezeichnet, da es zu einem zeitweiligen Anhaften
der Schmelze gefolgt von einem Gleitabschnitt kommt. Dieser Defekt entsteht in-
nerhalb der D¨
use. Verringert man die Scherrate wieder, liegt die Schubspannung
konstant niedriger als zuvor. Es zeigt sich daher ein charakteristischer Hysterese-
bereich. Bei sehr hohen Scherraten verformt sich der Strang extrem. Man spricht
dann von gross melt fracture. Hierbei treten bereits am D¨
useneinlauf so hohe Dehn-
str¨
omungen auf, dass das Material gesch¨
adigt wird. W¨
ahrend die beiden Defekte
sharkskin und stick-slip auf Gleiteffekten des Materials an der D¨
usenwand beru-
hen, tritt gross melt fracture auch bei nicht gleitenden Materialien auf. In der
Abbildung sind die ¨
Uberg¨
ange als exakte Punkte mit einer entsprechenden kriti-
schen Schubspannung gekennzeichnet. In der Realti¨
at l¨
asst sich dies aber nicht so
exakt bestimmen. Meist werden an die Messpunkte Geraden konstanter Steigung
angelegt und deren Schnittpunkte als kritische Schubspannungen angenommen.
Der Begriff sharkskin f¨
ur die erste Art der Schmelzflussinstabilit¨
at kommt in
der Tat von seiner Bedeutung als Haifischhaut. In Abbildung 2.3 ist links eine
vergr¨
oßerte Aufnahme einer Haifischhaut gezeigt und rechts die Oberfl¨
ache einer
Polyethylenfolie, wie sie ohne Zugabe von Additiven im Rahmen dieser Arbeit her-
8
Abbildung 2.3: Zur Erkl¨
arung des Begriffs sharkskin; links: Mikroskopbild einer Haifisch-
haut [Wikipedia], rechts: defekte Ober߬
ache einer Blasfolie.
gestellt wurde. Die charakteristische Schuppenstruktur ist also f¨
ur den Namen dieses
Ober߬
achendefekts ausschlaggebend. Bemerkt sei auch, dass es sich beim sharkskin
lediglich um einen reinen Ober߬
achendefekt handelt. Die mechanische Festigkeit
des Materials ist dadurch noch nicht beeintr¨
achtigt, sondern nur das optische Er-
scheinungsbild. Hingegen sind die anderen Schmelzbruchtypen Volumendefekte, die
schließlich zu einer verminderten Festigkeit f¨
uhren.
¨
Uber die Ursachen der sharkskin-Bildung war, wie schon erw¨
ahnt, von Beginn an
vieles unklar. Verschiedene Annahmen und deren anscheinende Best¨
atigung durch
entsprechend gedeutete Messungen ließen lange Zeit Raum f¨
ur unterschiedliche Mei-
nungen ¨
uber dieses Ph¨
anomen. Obgleich es sich sicherlich um das Zusammenwir-
ken verschiedenster Mechanismen, die noch genannt werden, beim Auftreten von
sharkskin handelt, ist die folgende Betrachtung von Cogswell aus dem Jahr 1977
[Cogswell 1977] heute weitestgehend anerkannt. Die Abbildung 2.4 zeigt den wesent-
lichen Grund f¨
ur sharkskin. Beim Durchtritt der Polymerschmelze durch eine D¨
use
liegt in der Schmelze ein parabelf¨
ormiges Geschwindigkeitsprofil vor. Die Schmelze
kann nur durch die D¨
use fließen bzw. extrudiert werden, wenn ein entsprechender
Druck ausge¨
ubt wird. Dabei kommt es zur Deformation innerhalb der Schmelze.
Aufgrund der viskoelastischen Eigenschaften der Polymere wird ein Teil der De-
formationsenergie in den elastischen Anteilen gespeichert. Am D¨
usenaustritt wirkt
damit eine r¨
uckstellende Kraft, die zur sogenannten Strangaufweitung f¨
uhrt. Gleich-
zeitig ¨
andert sich das Geschwindigkeitsprofil in das einer Blockstr¨
omung. Der Aus-
9
2 Grundlagen der Schmelzflussinstabilit¨
aten
Abbildung 2.4: ¨
Anderung des Geschwindigkeitsprofils nach D¨
usemaustritt als Ursache des
sharkskin-Effekts; links: nach Cogswell [Cogswell 1977]; rechts: nach Inn [Inn et al.
1998].
gleich zwischen den unterschiedlichen Str¨
omungsprofilen f¨
uhrt in der Randschicht
der Schmelze zu Zugspannungen, die schließlich so groß werden k¨
onnen, dass die
Ober߬
ache aufreist und der sharkskin-Effekt sichtbar wird. In der Arbeit von Inn et
al. (1998) wurde diese Annahme best¨
atigt und grafisch deutlicher dargestellt, siehe
Abbildung 2.4 rechts.
Die Feststellung, dass es bei der Durchstr¨
omung von Kapillaren zu unterschiedlich
ausgepr¨
agten Geschwindigkeitsprofilen kommt, ist allgemein und nicht spezifisch f¨
ur
die Polymerschmelzen, siehe Abbildung 2.5. Es liegt aber nahe, den Einfluss von
Wandhaftung bzw. Wandgleiten auf die Ausbildung von Schmelzflussinstabilit¨
aten
zu untersuchen. In der Arbeit von Uhland (1976) wurde dies getan mit dem Er-
gebnis, dass ab bestimmten Geschwindigkeiten Wandgleiten in der D¨
use einsetzt,
was zu instation¨
arem Fließen f¨
uhrt. In weiteren Untersuchungen [L´eger et al. 1997;
M¨
unstedt et al. 2000] konnte das Wandgleiten mittels moderner Messverfahren
recht genau bestimmt werden.
Es wird also deutlich, dass stick-slip Schmelzflussinstabilit¨
aten und Wandglei-
ten zusammenh¨
angen. Daher stellt sich die Frage, wie sich eine Polymerschmelze
zur D¨
usenwand verh¨
alt. Hierzu gibt es ebenfalls sehr viele Untersuchungen. Von
fundamentaler Bedeutung sind dabei die sogenannten scaling laws von de Gen-
nes [de Gennes 1979]. Auf Basis statistischer Thermodynamik werden unter ande-
rem das Verhalten einer Polymerkette in L¨
osung sowie Wechselwirkungen zwischen
Wand und Polymer in Skalenformeln beschrieben. Unterschieden wird dabei zum
Beispiel, wie dicht die Ober߬
achenbelegung mit Polymermolek¨
ulen ist, siehe Ab-
10
Abbildung 2.5: Geschwindigkeitsprofile in Kapillaren bei verschiedenden Randbedingun-
gen [Uhland 1976].
bildung 2.6. Bei der Extrusion einer Polymerschmelze kommt diese ja zwangsl¨
aufig
mit der Wand der D¨
use in Kontakt, so dass in erster N¨
aherung auch fest an der
Wand haftende Polymermolek¨
ule betrachtet werden k¨
onnen. Die freien Enden der
Molek¨
ule sind dann in den weiteren Randbereich des Schmelzestroms mehr oder we-
niger verschlauft. Man spricht bei solchen Molek¨
ulverschlaufungen allgemein von
entanglements, die sich durch eine aufgepr¨
agte Orientierung l¨
osen k¨
onnen und in
einer Str¨
omung immer wieder neu bilden und nur eine begrenzte Zeit bestehen.
N¨
aheres dazu wird im folgenden Abschnitt betrachtet.
Wie aus der Abbildung 2.2 hervorgeht, liegen je nach aufgepr¨
agter Schergeschwin-
digkeit unterschiedliche Fließbereiche bei Kapillarviskosimetermessungen vor. Bei
entsprechender Auswertung lassen sich daf¨
ur auch die Wandgleitgeschwindigkeiten
ermitteln. In Abbildung 2.7 ist dies dargestellt [Mhetar and Archer 1998]. Ebenso
liegen sehr gute Messungen f¨
ur den ¨
Ubergang zum stick-slip Bereich vor, siehe Ab-
bildung 2.8 [Wang et al. 1996]. Zusammen mit den Formalismen nach de Gennes
und einer rheologischen Materialcharakterisierung haben es Allal et. al. in einer
Reihe von Arbeiten geschafft, die Verkn¨
upfung zwischen dem molekularen Aufbau
der verwendeten Polymere und den Fließinstabilit¨
aten bzw. den daraus resultie-
11
2 Grundlagen der Schmelzflussinstabilit¨
aten
Abbildung 2.6: M¨
oglichkeiten der Ober߬
achenbelegung; (a) geringe Belegungsdichte:
der Abstand zwischen den Bindungsstellen ist gr¨
oßer als die Kettengr¨
oße 𝑅𝐹
(”mushroom”regime); (b) hohe Belegungsdichte 𝐷 < 𝑅𝐹(the ”brush”) [de Gennes
1987].
renden Messkurven herzustellen [Allal et al. 2006; Allal and Vergnes 2007, 2009].
Damit wird das Verst¨
andnis ¨
uber die Schmelzflussinstabilit¨
at im molekularen Be-
reich wesentlich erweitert.
Die Schmelzflussinstabilit¨
aten ergeben sich also, da beim Durchstr¨
omen der D¨
use
elastische Energie im Polymer gespeichert wird, die zu einer Strangaufweitung au-
ßerhalb der D¨
use f¨
uhrt und ab einer bestimmten Geschwindigkeit gr¨
oßer ist als
die Brucharbeit, die n¨
otig ist, um die Ober߬
ache aufzureißen. Die Wandgleiteffekte
innerhalb der D¨
use wirken sich dabei auf die Menge der gespeicherten Energie aus.
Wandgleiten entsteht durch L¨
osung einer ¨
außeren Schicht des Polymerschmelzeflus-
ses von der D¨
usenwand. Daraus resultiert die Wandgleitgeschwindigkeit. Es folgt
somit, dass auch das D¨
usenmaterial einen Einfluss auf den Fließprozess haben muss,
da die Haftung je nach Materialart unterschiedlich ist. Erste Untersuchungen dazu
finden sich bereits 1963 [Benbow and Lamb 1963]. Am h¨
aufigsten wird in diesem
Zusammenhang jedoch die Arbeit von Ramamurthy zitiert [Ramamurthy 1986].
F¨
ur die in dieser Arbeit durchgef¨
uhrten Untersuchungen sind die bisherigen Aus-
f¨
uhrungen hinreichend genau, um, wie im n¨
achsten Abschnitt gezeigt, den shark-
skin-Effekt und seine Unterdr¨
uckung durch thermoplastische Elastomere als Addi-
tive zu verstehen.
12
Abbildung 2.7: Gleitgeschwindigkeit aufgetragen ¨
uber der Schubspannung f¨
ur ein Poly-
mer, das ¨
uber eine schwach besetzte Ober߬
ache geschert wird. (A) lineares Gleiten. (B)
Beeinflussung benachbarter Ketten. (C) Zwischenbereich mit linearem Gleiten. (D) In-
stabiler Bereich. (E) Terminaler Bereich mit linearem Gleiten [Mhetar and Archer
1998].
Abbildung 2.8: Scheinbare Schergeschwindigkeit aufgetragen ¨
uber der Wandschubspan-
nung f¨
ur Kapillarviskosit¨
atsmessungen an Polyethylen bei verschiedenen Temperatu-
ren. Der Sprung zeigt den ¨
Ubergang zum stick-slip Bereich [Wang et al. 1996].
13
2 Grundlagen der Schmelzflussinstabilit¨
aten
2.1 Additive zur sharkskin-Unterdr¨
uckung
Wie bereits im vorherigen Abschnitt erl¨
autert wurde, ist der Prozess des Anglei-
chens der Geschwindigkeitsprofile vom parabolischen Profil hin zum Blockprofil
maßgeblich daf¨
ur, dass sharkskin ensteht. Daher liegt es nahe, in der D¨
use daf¨
ur zu
sorgen, dass sich ein Geschwindigkeitesprofil ausbildet, dessen Form st¨
arker ausge-
glichen ist als beim klassischen Parabelprofil. Anders gesagt, sollte die Geschwin-
digkeitsverteilung in der D¨
use eine Kurve h¨
oherer Ordnung darstellen. Dies ist da-
durch zu erreichen, dass die Wandhaftung in der Randschicht des Schmelzestroms
verringert bzw. unterbunden wird. F¨
uhrt man also eine zweite Komponente ein,
die sich vorzugsweise an die Wand legt und auf der die Schmelze eine ausreichend
hohe Gleitgeschwindigkeit ausbildet, so bildet sich in der Schmelze ein gem¨
aßigtes
Geschwindigkeitsprofil aus. Jay et al. (1998) best¨
atigen mittels numerischer Simu-
lation, dass sich durch Wandgleiten das Geschwindigkeitsprofil in der gew¨
unschten
Form ¨
andert. Zahlreiche weitere Untersuchungen besch¨
aftigen sich mit diesem The-
ma. Letztlich stellt sich immer die Frage, wie an der Wand haftende Molek¨
ule mit
der Schmelze interagieren. Dazu sind, wie bereits erw¨
ahnt wurde, von de Gennes
[de Gennes 1979] ¨
Uberlegungen vorhanden. In der Abbildung 2.9 sind die Vorstel-
lungen dazu noch einmal skizziert, wie an der Wand haftende Molek¨
ule ein St¨
uck
weit in die Schmelze eindringen. Liegt eine Str¨
omung vor, so kommt es zum so-
genannten disentanglement zwischen den Molek¨
ulen an der Wand und denen der
Schmelze. Es stehen dann nur noch die relativ kurzen Kettenenden der anhaftenden
Molek¨
ule in Wechselwirkung mit den Ketten der str¨
omenden Schmelze. Der Wider-
stand gegen das Fließen in dieser Zone ist somit gering, so dass man prinzipiell von
einer niedrigeren Grenz߬
achenviskosit¨
at sprechen kann. Es bildet sich eine Gleitge-
schwindigkeit in der Grenz߬
ache aus. Von de Gennes wurde dieser Zusammenhang
wie folgt beschrieben. Die Abbildung 2.10 zeigt, ¨
ahnlich der vorherigen Abbildung,
dass an der Wand haftende Ketten sich in die Polymerschmelze hinein verschlau-
fen. W¨
ahrend die Ketten an der Wand fest verankert sind, gleitet die Schmelze
¨
uber diese hinweg. Damit ergibt sich f¨
ur das Geschwindigkeitsprofil der Schmel-
ze ein Wert gr¨
oßer null an der Wand, die Wandgleitgeschwindigkeit. Extrapoliert
man das Geschwindigkeitsprofil nun auf den Nullwert, so liegt dieser im Abstand 𝑏
hinter der Wand. Die Extrapolationsl¨
ange oder slip length 𝑏ist daher ein Maß f¨
ur
die Auspr¨
agung der Wandgleitgeschwindigkeit [Adjari et al. 1994]. Nach de Gennes
14
2.1 Additive zur sharkskin-Unterdr¨
uckung
¨
Uberlegungen kann aus der Gleitgeschwindigkeit 𝑉und der Schubspannung an der
Wand 𝜏ein Reibungskoeffizient 𝑘abgleitet werden. Es gilt:
𝑘=𝜏
𝑉.(2.1)
Die Extrapolationsl¨
ange ergibt sich dann, wenn die Visosit¨
at der Polymerschmelze
𝜂auf den Reibungskoeffizienten bezogen wird:
𝑏=𝜂
𝑘=𝜂𝑉
𝜏.(2.2)
In [Brochard-Wyart et al. 1992] wird von de Gennes und seinen Mitarbeitern wei-
terhin der Fall des Gleitens zwischen zwei nicht-mischbaren Polymeren betrachtet.
Auch hier l¨
aßt sich der Reibungskoeffizient f¨
ur die Grenz߬
ache nach Gleichung (2.1)
angeben. Die Extrapolationsl¨
ange 𝑏kann nun unterschiedlich in den beiden Mate-
rialien sein, da sie mit der jeweiligen Viskosit¨
at der Reinstoffe gebildet wird. Gleiten
die beiden Materialien sehr stark aufeinander, kommt es zum vollst¨
andigen disen-
tanglement. F¨
ur die Reibung stellt sich in diesem Falle ein konstanter Wert 𝑘0ein,
der sich aus der Gr¨
oße des Monomers 𝑎und einem monomeren Reibungskoeffizien-
ten 𝜁1zusammensetzt:
𝑘0=𝜁1𝑎2.(2.3)
Es folgt somit, dass die Gleitgeschwindigkeit im Moment der einsetzenden mono-
meren Reibung ihren Maximalwert erreicht. Aus experimentellen Daten und den
entsprechenden Berechnungen konnte de Gennes zeigen, dass bei einer Coextrusi-
on durchaus Extrapolationsl¨
angen von 100 µm erreicht werden. Experimentell
wurden entsprechende Messungen zur Bestimmung von Reibungskoeffizienten an
Modellsystemen vorgestellt [Joanny 1992; Gang et al. 1995; Vilmin and Raphael
2005]. Aus der Arbeit von Vilmin [Vilmin and Raphael 2005] geht dabei hervor,
dass zwar die Reibung mit zunehmender Anzahl der Ketten an der Wand niedriger
wird, dennoch ab einer bestimmten Belegungsdichte die Wechselwirkungen zwi-
schen den Ketten an der Wand zunehmen und sich somit ein Wert ergibt, ab dem
eine Erh¨
ohung der Kettenanzahl an der Wand zu keiner weiteren Reibungsminde-
rung beitr¨
agt. Hierin ist ein Teilaspekt der Wirkung von Additiven begr¨
undet, dass
15
2 Grundlagen der Schmelzflussinstabilit¨
aten
Abbildung 2.9: Modellvorstellungen zum Gleiten zwischen Polymer und an der Wand
haftenden Ketten; rechts [Joanny 1992], links [Vilmin and Raphael 2005].
n¨
amlich eine Zugabemenge von wenigen Massenprozent ausreichend ist, um eine
effektive Wirkung auf den Schmelzefluss auszu¨
uben. Die Abbildung 2.11 zeigt sche-
matisch die Verh¨
altnisse in der Grenz߬
ache bei nicht-mischbaren Polymeren. Die
Ausdehnung der Grenz߬
ache 𝑎𝛼𝛽 skaliert dabei mit einer statistischen Segmentl¨
ange
der Polymerkette 𝑙und dem Mischungsparameter 𝜒.
F¨
ur die Verarbeitung stellt sich nun die Frage, welche Materialien geeignet sind,
um Fließinstabilit¨
aten zu unterdr¨
ucken. Seit Jahrzehnten haben sich daf¨
ur die
Fluorpolymere als sehr geeignet erwiesen. Fluorpolymere sind allgemein daf¨
ur be-
kannt, eine besonders niedrige Ober߬
achenenergien zu besitzen, was dazu f¨
uhrt,
dass ein Haften von Fremdmaterial nur schlecht m¨
oglich ist. Im Alltag zieht man den
Nutzen daraus in der Aufbringung von Antihaftbeschichtungen, die haupts¨
achlich
unter dem Handelsnamen Teflon bekannt sind. In der Verarbeitung werden ent-
sprechende Fluorpolymere zusammen mit Flussmitteln wie z. B. Polyethylenglykol
fertig gemischt als Pulver oder Pellets dem Granulat vor der Extrusion in einer Men-
ge von 200 bis 500 ppm beigemengt. Der positve Effekt einer Teflon-Beschichtung
ist in Abbildung 2.12 gezeigt. Allgemein sei noch darauf hingewiesen, dass Additive
zur Unterdr¨
uckung der Schmelzflussinstabilit¨
aten nur den Beginn des sharkskin zu
h¨
oheren Scherraten verschieben. Ab einer hinreichend hohen Geschwindigkeit tre-
ten dann trotzdem Effekte wie z. B. gross melt fracture auf. F¨
ur die Anwendung
als Hilfsmittel bei der Extrusion von Polyethylenen sind diese Additive seit langem
bekannt [Xing and Schreiber 1996].
Obwohl die Fluorpolymeradditive schon lange Zeit im Einsatz sind, herrschte
Unklarheit, wie diese ¨
uberhaupt wirken. Durch moderne Verfahren der Mikrosko-
16
2.1 Additive zur sharkskin-Unterdr¨
uckung
Abbildung 2.10: Eine Schmelze mit entanglements gleitet mit einer Geschwindigkeit 𝑉
¨
uber eine im ”mushroom”Regime mit Polymer besetzte Oberfl¨
ache. Die offenen Kreise
sind die topologischen Verkn¨
upfungen in der Schmelze, mit einem durchschnittlichen
Abstand 𝐷𝑒. Aufgrund des Gleitens kann das Geschwindigkeitsprofil erst im Abstand
𝑏auf Null extrapoliert werden [Adjari et al. 1994].
Abbildung 2.11: Grenz߬
ache zwischen zwei schlecht mischbaren Polymeren. Die Ketten in
der Grenz߬
ache sind deutliche weniger entangled als in der Kernphase. Bei einer parallel
zur Grenz߬
ache anliegenden Schubspannung ist die Scherrate ¨
uber die Grenz߬
ache
diskontinuierlich. Der Wert f¨
ur 𝑏ist dabei ein Maß f¨
ur die Diskontinuit¨
at. [Zhao and
Macosko 2002].
17
2 Grundlagen der Schmelzflussinstabilit¨
aten
Abbildung 2.12: Effekt einer Teflon-Beschichtung auf die Extrusion von LLDPE bei zwei
verschiedenen Scherraten [Hatzikiriakos et al. 1995].
pie und aufw¨
andige Messungen konnten hier aber in den letzten Jahren wichti-
ge Erkenntnisse gesammelt werden. Besonders die Arbeiten aus der Gruppe von
Migler sind hier zu nennen [Kharchenko et al. 2003; Bigio et al. 2005]. F¨
ur die
Wirkung der Fluorpolymeradditive wird dabei angenommen, dass sich das Addi-
tiv in Tropfenform in der Polymerschmelze befindet. In der D¨
use kommt dann ein
Teil der Tropfen mit der Wand in Ber¨
uhrung und bildet eine Gleitschicht aus,
siehe Abbildung 2.13. Eine zentrale Bedeutung f¨
ur die Wirksamkeit der Additi-
ve spielt dabei die Tr¨
opfchengr¨
oße. In der ebenfalls herausragenden Arbeit von
Dubrocq-Baritaud et al.(2011) wird mikroskopisch bewiesen, dass sich das Addi-
tiv nicht als geschlossener Film ausbildet, sondern mehr oder weniger inself¨
ormig
in Str¨
omungsrichtung ausrichtet, siehe Abbildung 2.14. Es ist also nicht n¨
otig, die
komplette D¨
useninnen߬
ache zu beschichten. Damit zeigt sich nochmals, dass bereits
geringe Zugabemengen wirksam sind. Angemerkt werden muss, dass eine entspre-
chende Aussage bereits zehn Jahre zuvor getroffen wurde [Lo et al. 1999; Migler
et al. 2001], die aktuellen Bilder aber um ein Vielfaches deutlicher sind.
Bez¨
uglich der Wirksamkeit von Fluorpolymeradditiven wurde in der Arbeit von
Oriani und Chapman (2003) der Einfluss der Tropfengr¨
oße genauer untersucht. Als
18
2.1 Additive zur sharkskin-Unterdr¨
uckung
Abbildung 2.13: Schematische Darstellung des Fließens einer Polymerschmelze mit Ad-
ditiv durch eine D¨
use. Nur ein geringer Anteil des Additivs ist zur D¨
usenbeschichtung
wirksam [Kharchenko et al. 2003].
Abbildung 2.14: Elektronenmikroskopisches Bild einer D¨
usenober߬
ache; a) Nach Extru-
sion von reinem LLDPE. b) Nach Extrusion von LLDPE + 250 ppm Fluoradditiv
[Dubrocq-Baritaud et al. 2011].
19
2 Grundlagen der Schmelzflussinstabilit¨
aten
Ergebnis zeigt sich, dass bei Extrusionsbedingungen, die einen hohen Grad der Di-
spersion der Additive im Polymer erzielen, die Wirkung der Additive herabgesetzt
wird. Sind vermehrt gr¨
oßere Tropfen in der Schmelze vorhanden, tritt hingegen
schneller eine sharkskin-Unterdr¨
uckung ein. Weiterhin konnte festgestellt werden,
dass es nicht auf die gesamte Anzahl der an der Wand anhaftenden Tropfen an-
kommt, sondern die auftreffende Additivmasse entscheidend ist. Mit dem Anhaften
eines großen Tropfens ist demnach gleichzeitig viel mehr Additiv an der Wand,
als wenn mehrere kleine Tropfen an die Wand gelangen. Zur Erkl¨
arung dient die
Abbildung 2.15. Dargestellt sind zwei unterschiedliche Additivmischungen. Beide
Mischungen liegen mit gleicher Konzentration als gleichf¨
ormige Verteilung mon-
odisperser Tropfen vor. Unterschiedlich sind nur die Tropfengr¨
oßen. Die gestrichel-
te Linie stellt eine theoretische Grenzschicht dar. Tropfen, die sich weiter von der
Wand weg befinden, als diese Grenzschicht reicht, werden die D¨
usenwand auf ihrem
Str¨
omungsweg durch die D¨
use nicht treffen. Sie sind ineffektiv, so wie es auch in Ab-
bildung 2.13 dargestellt ist. Sind die Tropfen gr¨
oßer, ist auch die Grenzschichth¨
ohe
gr¨
oßer. Insgesamt befindet sich aber bei gleicher Additivkonzentration mehr Ad-
ditivmasse innerhalb der Grenzschicht bei gr¨
oßeren Tropfen. Weiterhin ist in der
Abbildung 2.15 die Annahme dargestellt, dass die Tropfen nahe der D¨
usenwand je
nach Gr¨
oße andere Str¨
omungsgeschwindigkeiten besitzten. Große Tropfen werden
dabei st¨
arker umstr¨
omt und besitzten somit eine h¨
ohere Geschwindigkeit, was zu
einer schnelleren Wirkung der Additive f¨
uhren k¨
onnte.
Auch wenn die Fluorpolymeradditive einen sehr weiten Verbreitungsgrad un-
ter den Verarbeitern haben, sind sie nicht die einzigen Stoffe, die sharkskin un-
terdr¨
ucken k¨
onnen. Wenn bei den Produkten neben der glatten Ober߬
ache nicht
auch Transparenz gefordert ist, so kann beispielsweise Bornitrid der Verarbeitung
zugegeben werden [Kazatchkov et al. 2000; Rosenbaum et al. 2000]. Ebenso wie
bei den herk¨
ommlichen Additiven, spielt auch bei Bornitrid die niedrige Ober-
¨
achenenergie eine entscheidende Rolle [Rathod and Hatzikiriakos 2004]. Weiterhin
zeigte sich, dass stark langkettenverzweigtes Polyethylen (hyper branched polyethy-
lene - HBPE), eine speziell synthetisierte Form des Polyethylens, sich als Additiv
eignet [Hong et al. 2000]. Hierbei beruht die Wirkung auf einer Phasentrennung
zwischen den Polyethylenen. Hingegen ist stark kurzkettenverzweigtes Polyethy-
len (linear branched polyethylene - LBPE) nicht wirksam [Wang et al. 2008]. Dar-
aus folgt, dass durch die starke langkettige Verzweigung die Nicht-Mischbarkeit
verst¨
arkt wird, da sich die Ketten schlecht ineinander verschlaufen k¨
onnen. Je weni-
20
2.1 Additive zur sharkskin-Unterdr¨
uckung
Abbildung 2.15: Additivtropfen im Schmelzefluss entlang der D¨
usenwand. Die Tropfenge-
schwindigkeit und die Additivmasse innerhalb der Grenzschicht nehmen mit der Trop-
fengr¨
oße zu [Oriani and Chapman 2003].
ger entanglements in der Grenz߬
ache zwischen Additiv und Polymerschmelze vorlie-
gen, desto besser ist demnach die Gleitwirkung bzw. die sharkskin-Unterdr¨
uckung.
Kulikov et al. geben weitere Vorschl¨
age f¨
ur den Ersatz der Fluorpolymere. Zum
einen konnten sie zeigen, dass Silanolverbindungen sogar noch besser wirken als
Teflonbeschichtungen [Kulikov and Hornung 2004]. Zum anderen nennt Kulikov
auch thermoplastische Elastomere als Alternativen [Kulikov 2005].
21
3 Materialien
Bei den Materialien, die zur Untersuchung verwendet wurden, handelt es sich um
lineares Polyethylen niedriger Dichte (LLDPE) und verschiedene thermoplastische
Elastomere (TPE), die als Additive zugegeben wurden. Besonders auf die Materi-
aleigenschaften der TPE wird genauer eingegangen, da sich daraus die Vorgehens-
weise f¨
ur die Durchf¨
uhrung der Messungen ergibt.
3.1 Polyethylen
Polyethylen (PE) geh¨
ort zur Gruppe der Polyolefine und wird aus dem Monomer
Ethylen in einer Polymerisationsreaktion gebildet. Vom strukturellen Aufbau her ist
es der einfachste Kunststoff, der erzeugt werden kann, denn es handelt sich lediglich
um eine Kette von Kohlenstoffatomen mit Wasserstoff als Substituent. Aufgrund
der Reaktionsf¨
uhrung kann die Kette mit mehr oder weniger linearen Verzweigun-
gen gebildet werden. Die Entdeckung des Polyethylens erfolgte 1933 zuf¨
allig. Die
¨
uberzeugenden Eigenschaften dieses Materials f¨
uhrten zu einer intensiven Entwick-
lung eines geeigneten Produktionsprozesses, so dass 1939 bereits die weltweit erste
Anlage mit einer Kapazit¨
at von 200 t/a in Betrieb genommen wurde. Neben dem
zuerst entwickelten Hochdruckverfahren kam bald auch das Niederdruckverfahren
hinzu, das durch den Einsatz sogenannter Ziegler-Natta Katalysatoren m¨
oglich wur-
de. Im Jahre 1977 konnte die PE-Familie dann um das lineare Polyethylen niedriger
Dichte (LLDPE) erweitert werden. Entwicklungen der letzten Jahrzehnte f¨
uhrten
zu einer neuen Gruppe von Katalysatoren, den Metallocen-Katalysatoren. Mit ihrer
Hilfe k¨
onnen die Materialeigenschaften, vor allem im Hinblick auf die mechanischen
Festigkeiten, besser eingestellt, eine Kapazit¨
atssteigerung in bisherigen Anlagen er-
reicht und neuartige Typen erzeugt werden. PE hat sich als Massenkunststoff eta-
bliert und ist sehr vielseitig einsetzbar. Der gr¨
oßte Anwendungsbereich findet sich
in der Folien- und Verpackungsindustrie [Domininghaus 1998].
23
3 Materialien
Tabelle 3.1: Herstellerangaben f¨
ur LLDPE XV1201.
MFI 0,7 g/10 min
Dichte bei 25 C 0,925 g/cm3
Schmelztemperatur 123 C
Bruchspannung einer 30 µm Folie 60 MPa
Bruckdehnung einer 30 µm Folie 600 %
In dieser Arbeit wurde das zum Folienblasen geeignete LLDPE 1201 XV der
Firma ExxonMobil verwendet. Es zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass
keinerlei Zus¨
atze zur Fließverbesserung beigemengt wurden. Damit ist auf den zur
Verf¨
ugung stehenden Labormaschinen sehr gut der sharkskin-Effekt zu erhalten
und seine Unterdr¨
uckung durch die Additive direkt nachweisbar. Die Tabelle 3.1
zeigt einige Herstellerangaben des Materials.
3.2 Thermoplastische Elastomere
In der Gruppe der thermoplastischen Elastomere (TPE) sind die thermoplasti-
schen Polyurethan-Elastomere (TPE-U) am l¨
angsten bekannt. Sie wurden in den
1950er Jahren von der Firma Bayer zum ersten Mal beschrieben [Domininghaus
1998]. Allgemein zeichnet die TPE ihre thermoplastische Verarbeitbarkeit bei an-
schließendem Elastomerverhalten der Produkte aus. Damit ist diese Stoffklasse das
Bindeglied zwischen Gummi und Thermoplast. Immer wenn ein Produkt aus Ex-
trusion oder Spritzguss gummiartige Eigenschaften ganz oder teilweise, wie z. B.
bei Grifffl¨
achen, aufweisen soll, werden TPE verwendet. Somit ergeben sich enor-
me konstruktive Vorteile aus der Anwendung der TPE. In der Abbildung 3.1 ist
der chemische Aufbau eines TPE-U schematisch dargestellt. Es handelt sich prin-
zipiell um ein mehrphasiges Blockcopolymer aus den drei Basisrohstoffen Polyol,
Diisocyanat und einem Kettenverl¨
angerer [H¨
attig and Winkler 2011]. Das gum-
mi¨
ahnliche Verhalten des Polyaddukts resultiert schließlich aus dem segmentartigen
Aufbau der Makromolek¨
ule, wobei das Hartsegment aus Diisocyanat und Ketten-
verl¨
angerer gebildet wird und das Polyol als quasi chemisch gebundener Weichma-
cher die Weichsegmente formt [Domininghaus 1998]. Je nach Art und Kombination
der verwendeten Rohstoffe lassen sich die Materialeigenschaften in einem weiten
Bereich einstellen. So ¨
uberdecken die TPE-U z. B. einen H¨
artebereich von 65 Shore
A bis 80 Shore D und reichen damit vom klassischen Elastomer bis zum Thermo-
24
3.2 Thermoplastische Elastomere
Abbildung 3.1: Chemische Komponenten eines thermoplastischen Polyurethans [H¨
attig
and Winkler 2011].
plasten. In der Abbildung 3.2 ist skizziert, wie sich im Festk¨
orper die segmentierten
Makromolek¨
ule anordnen und es zur Ausbildung sogenannter Hartsegmentkristal-
lite kommt. Es liegt also eine physikalische Vernetzung der Polymerketten vor.
Diese Strukturbildung ist begr¨
undet durch die Nicht-Mischbarkeit der Hart- und
Weichsegmente. Dadurch kommt es auch bei niedrigeren Temperaturen zur Pha-
sentrennung und somit zur Zusammenlagerung der Hartsegmente. Mit steigender
Temperatur l¨
osen sich die Hartsegmente in der Phase der Weichsegmente und es
entsteht eine homogene Schmelze.
In der Abbildung 3.3 ist noch einmal dargestellt, wie sich die Kristallite unter-
halb des Glas¨
ubergangs anordnen und wie oberhalb der Schmelztemperatur die
physikalische Vernetzung wieder gel¨
ost wird. Allerdings sind die Mechanismen der
Kristallisation deutlich anders, als dies bei den teilkristallinen Thermoplasten der
Fall ist. Beschrieben ist, dass die thermische Vorgeschichte der TPE-U entschei-
dend auf die morphologische Struktur wirkt. Entsprechende Untersuchungen hat
Han (2007) zusammengestellt. Es zeigt sich jedoch, dass das Materialverhalten noch
nicht ausreichend verstanden ist, obwohl diese Materialart schon lange Verwendung
findet.
Der Einfluss der thermischen Vorgeschichte auf das Materialverhalten kann ex-
perimentell einfach nachgewiesen werden. In der Abbildung 3.4 werden Messkurven
f¨
ur die komplexe Viskosit¨
at einer einzigen TPE-U Probe gezeigt, der das angege-
bene Temperaturprofil aufgepr¨
agt wurde. In den f¨
unf Abschnitten konstanter Tem-
peratur wurden jeweils die Messkurven aufgenommen. W¨
ahrend sich die Kurven
f¨
ur 𝑇= 190 C noch reproduzieren lassen, liegt bei 𝑇= 170 C in jedem Schritt
25
3 Materialien
Abbildung 3.2: Prinzipieller Aufbau des Netzwerkes in einem thermoplastischen Polyu-
rethan [H¨
attig and Winkler 2011].
Abbildung 3.3: Struktur thermoplastischer Elastomere bei Temperaturen unterhalb des
Glas¨
ubergangs (𝑇𝐺) und oberhalb der Schmelztemperatur (𝑇𝑚) [Yoon 2000].
26
3.2 Thermoplastische Elastomere
Abbildung 3.4: Messung der komplexen Viskosit¨
at einer einzigen TPE-U Probe, die das
in a) dargestellte Temperaturprofil durchl¨
auft [Yoon 2000].
ein anderes Materialverhalten vor. Dass dies nicht nur auf einer thermischen In-
stabilit¨
at des Materials beruht, ergibt sich zusammen mit den Messergebnissen aus
Abbildung 3.5. Dort sind die Werte des Speichermoduls f¨
ur drei Proben bei un-
terschiedlichen Temperaturen ¨
uber der Zeit aufgetragen. Bei 𝑇= 170 C sowie bei
𝑇= 190 C¨
andert sich der Speichermodul fortw¨
ahrend. Sollte also die thermische
Alterung dominant sein, so w¨
urden sich in Abbildung 3.4 die Kurven f¨
ur 𝑇= 190 C
nicht ¨
uberdecken.
F¨
ur rheologischen Messungen an den in der vorliegenden Arbeit verwendeten
TPE ist daher stets das gleiche Temperaturprofil bei der Probenherstellung und im
Messablauf vorzugeben.
Trotz der anscheinenden Schwierigkeit, verl¨
assliche Viskosit¨
atswerte zu erhal-
ten, werden z. B. von der BASF f¨
ur die Elastollan-Typen Viskosit¨
atsdaten aus
Kapillarviskosimetermessungen bereitgestellt. Da im Rahmen der Untersuchungen
ausschließlich der Newtonsche Bereich interessiert, der nicht in den bereitgestellten
Messdaten enthalten ist, ist die Frage, ob die Kurven mittels einem rheologischen
Modell ohne Weiteres in diesen Bereich extrapoliert werden k¨
onnen. Anders formu-
liert stellt sich also die Frage der Anwendbarkeit der sogenannten Cox-Merz-Regel
bei den thermoplastischen Elastomeren.
27
3 Materialien
Abbildung 3.5: Verlauf des Speichermoduls ¨
uber der Zeit bei verschiedenen Temperaturen
f¨
ur 𝜔= 0,56 rad/s [Yoon and Han 2000].
Cox und Merz zeigten 1958 in einer knappen Darstellung von Messergebnissen an
zwei Polystyrolproben [Cox and Merz 1958], dass sich bei doppelt-logarithmischer
Auftragung der Viskosit¨
at ¨
uber der Scherrate bzw. der komplexen Viskosit¨
at ¨
uber
der Kreisfrequenz die gemessenen Werte aus Oszillationsmessungen und Kapillar-
messungen zu einer Kurve zusammenf¨
ugen. Die Oszillationsmessungen wurden da-
bei in einem Zylindersystem durchgef¨
uhrt und die verwendete Kapillare war mit
einem L/D-Verh¨
altnis von 90 ausgesprochen lang. Unabh¨
angig von den verwende-
ten Messsystemen und Probenmaterialien wird heute allerdings die Cox-Merz-Regel
in der folgenden Form verwendet:
𝜂(˙𝛾=𝜔) = 𝜂(𝜔).(3.1)
Auch wenn bislang keine grundlegene theoretische Erkl¨
arung f¨
ur diese Regel vor-
liegt, bedient man sich ihrer gerne in der Praxis. Der Vorteil ist, dass die Messwer-
te unterschiedlicher Messverfahren anschließend zu einer Kurve zusammengesetzt
werden k¨
onnen. Sehr wahrscheinlich beruht die G¨
ultigkeit der Cox-Merz-Regel auch
darauf, dass in der doppelt-logarithmischen Auftragung kleine Abweichungen ver-
28
3.2 Thermoplastische Elastomere
Abbildung 3.6: Viskosit¨
atskurven aus Rotationsmessungen im Kegel-Platte-System (CP)
und Kapillarviskosimetermessungen (Kap) an TPE-U Proben bei verschiedenen Tem-
peraturen [Yoon 2000].
schwinden und somit der Verlauf der Messwerte als einheitlich erscheint [Dealy and
Larson 2006].
Auch f¨
ur TPE finden sich bereits Untersuchungen zur Cox-Merz-Regel [Yoon
2000], deren Ergebnisse in den Abbildung 3.6 und 3.7 dargestellt sind. Es zeigt sich,
dass sich weder Oszillations- und Kapillarviskosimetermessungen noch Rotations-
und Oszillationsmessungen in ¨
uberlappenden Messbereichen zu einer Kurve zusam-
mensetzen lassen. Es sei noch einmal erw¨
ahnt, dass es sich bei der Cox-Merz-Regel
um eine rein empirische Beziehung handelt, deren physikalische Grundlagen nicht
vollends verstanden sind. F¨
ur die Untersuchungen in dieser Arbeit gilt jedoch, dass
neben der Anwendung gleicher Temperaturprofile bei der Proben- und Messvor-
bereitung auch nur Messwerte aus gleichen Messprinzipien f¨
ur eine Auswertung
verwendet werden.
Die Untersuchungen zur Wirksamkeit als Additive zur sharkskin-Unterdr¨
uckung
wurde mit den TPE-Typen E685, E880 und ESP9213 der Firma BASF durch-
gef¨
uhrt. Die Typen E685 und E880 sind auf Polyester-Basis aufgebaut, w¨
ahrend
ESP9213 auf einer Polyether-Basis beruht. Die Typenbezeichnung leitet sich hier-
bei unteranderem aus dem Handelsnamen Elastollan und der etwaigen Shore A
29
3 Materialien
Abbildung 3.7: Vergleich der Viskosit¨
atskurven aus Rotations- (ROT) und Oszillations-
messungen (FS) an TPE-U Proben bei verschiedenen Temperaturen [Yoon 2000]. Die
Rotationsmessungen sind identisch mit Abbildung 3.6.
Tabelle 3.2: Herstellerangaben der eingesetzten TPE-Typen.
E685 E880 ESP9213 G140
Dichte bei 25 C [g/cm3] 1,21 1,21 1,11 0,995
Zugfestigkeit [MPa] 50 40 26 4-8
Reißdehnung [%] 600 650 700 >400
H¨
arte Shore A 86 78 80 50-65
H¨
arte der Feststoffe ab. Zus¨
atzlich wurde noch das G140, ein thermoplastisches
Elastomer auf Silikonbasis, der Firma Wacker verwendet. Die Tabelle 3.2 gibt eini-
ge Herstellerangaben der Materialien wieder.
Eine Gliederung der Wirksamkeit der betrachteten TPE erfolgte von M¨
uller
(2009) , indem die Gleitgeschwindigkeit nach Mooney aus Messungen im Kapillar-
viskosimeter an einer PE-Schmelze mit 0,5 m% TPE-Additivzugabe ausgewertet
wurde. Die Tabelle 3.3 gibt die Werte f¨
ur eine Wandschubspannung von 𝜏𝑊=
0,4 MPa an. Die Abbildung 3.8 zeigt den Verlauf ¨
uber den gesamten Messbe-
reich. ¨
Ublicherweise gilt f¨
ur die Wandschubspannung bei der Blasfolienextrusion
𝜏𝑊>0,3 MPa.
30
3.2 Thermoplastische Elastomere
Tabelle 3.3: Gleitgeschwindigkeiten nach Mooney bei 𝑇= 180 C, 𝜏𝑊= 0,4 MPa und
0,5 m% TPE-Zugabe [M¨
uller 2009].
Gleitgeschwindigkeit
[mm/s]
PE rein 7
PE + G140 31
PE + E685 24
PE + E880 14
PE + ESP9213 7
Abbildung 3.8: Gleitgeschwindigkeiten nach Mooney bei 𝑇= 180 C [M¨
uller 2009].
31
3 Materialien
3.3 Probenherstellung
Die Wirksamkeit thermoplastischer Elastomere als Additive zur Unterdr¨
uckung des
sharkskin-Effekts kann sehr anschaulich bei der Herstellung einer Blasfolie gezeigt
werden. F¨
ur die ersten Analysen zur Verteilung der Additive wurde eine entspre-
chende Folie erzeugt. Die weitergehenden Untersuchungen zur Wirkung der Ad-
ditive wurden vornehmlich an den Rheometerproben durchgef¨
uhrt. Aussagen zur
Tr¨
opfchengr¨
oße des im PE dispergierten TPE konnten ¨
uber die Emulsionsproben
erlangt werden.
3.3.1 Blasfolie
Die Blasfolien wurden mittels einer Schwabenthan Polytest 20 T Laboranlage her-
gestellt. Dieser Einschneckenextruder hat einen Durchmesser von 𝐷= 22 mm und
eine Schneckenl¨
ange von 𝐿= 15𝐷. Die Maschine besitzt einen einfachen konischen
Blaskopf. Die Folien wurden bei einer Kopftemperatur von 𝑇𝐾𝑜𝑝𝑓 = 180 C und
einer Drehzahl von 𝑈= 100 min1produziert. Bei diesen Parametern ergibt sich
ein Massenstrom von etwa ˙𝑚= 0,8 g/s. Die Foliendicke liegt bei 𝑑200 µm. Zur
Anschauung wurde einmal reines LLDPE und exemplarisch eine Mischung mit einer
Zugabemenge von 2 Masseprozent (m%) E685 als Additiv verarbeitet. D. h. in der
gesamten Masse der zu verarbeitenden Probencharge befanden sich bezogen auf das
Gewicht 2 % Additiv. Damit lag die Konzentration zwar um das zehnfache h¨
oher
als zur wirksamen sharkskin-Unterdr¨
uckung n¨
otig, aber diese Konzentration war
f¨
ur die Analyse der Materialverteilung im Film mittels Raman-Spektroskopie erfor-
derlich. F¨
ur die genauen Angaben ¨
uber die Wirksamkeit der TPE als Additive zur
sharkskin-Unterdr¨
uckung sei noch einmal auf die entsprechende Arbeit verwiesen
[M¨
uller 2009].
3.3.2 Rheometerproben
F¨
ur die rheologischen Untersuchungen zum Wandgleiten, der Gleitgeschwindigkeit
in polymeren Grenz߬
achen und den Normalspannungsmessungen wurden stets Pro-
benplatten der Reinstoffe ben¨
otigt, die dann gegebenfalls zu Schichtproben gesta-
pelt wurden. F¨
ur das verwendete Polyethylen ergeben sich keinerlei Probleme hin-
sichtlich der Probenvorbereitung oder Lagerung. Das Material nimmt weder Luft-
feutigkeit auf, noch altert es in kurzer Zeit. Auch das Temperaturprofil w¨
ahrend
32
3.3 Probenherstellung
der Probenherstellung ist weitgehend ohne Einfluss. Das Granulat wurde im Ofen
bei 𝑇= 180 C f¨
ur 𝑡= 15 min zwischen zwei mit Teflonfolie beschichteten Alumi-
niumplatten aufgeschmolzen und anschließend bei Raumtemperatur gepresst und
unter Druck bis auf Raumtemperatur wieder abgek¨
uhlt. Die Messwerte der auf
diese Weise hergestellten Platten sind alle reproduzierbar.
Im Gegensatz dazu steht die Probenvorbereitung der thermoplastischen Elasto-
mere. Wie bereits erw¨
ahnt, hat das w¨
ahrend der Probenherstellung aufgepr¨
agte
Temperaturprofil durchaus Einfluss auf die Messwerte. Da besonders f¨
ur die Un-
tersuchungen zu den Gleitgeschwindigkeiten jeweils die Viskosit¨
at der Reinstoffe
zugrunde gelegt wird, wurden diese wie folgt vorbereitet. Eine mit Teflonfolie aus-
gekleidete rechteckige Aluminiumform mit einer Fl¨
ache von 30 x 50 mm wurde im
Ofen auf 𝑇= 180 C vorgew¨
armt. In die Form wurde das vorgetrocknete Gra-
nulat eingef¨
ullt und mit aufliegendem Formoberteil f¨
ur 𝑡= 3 min im Ofen auf-
geschmolzen. Anschließend wurde die Form unter Druck in einer Presse weitere
zehn Minuten bei Raumtemperatur abgek¨
uhlt. Aus dem Kernbereich der so er-
zeugten, etwa 2 mm dicken Platte konnten jeweils zwei Proben f¨
ur das Rheometer
entnommen werden. F¨
ur die Messungen zum Wandgleiten standen damit gleich die
beiden Proben f¨
ur die unterschiedlichen Spaltweiten zur Verf¨
ugung. F¨
ur die Bestim-
mung der Gleitgeschwindigkeit in der polymeren Grenz߬
ache wurde von einer der
Proben die Reinstoffviskosit¨
at gemessen und die andere als Schicht zwischen zwei
Polyethylenproben zu einer entsprechenden Schichtprobe gestapelt. Da es auch bei
Raumtemperatur zu weiteren ¨
Anderungen der Materialeigenschaften in den ther-
moplastischen Elastomeren und zur Wasseraufnahme kommen kann, wurden diese
Proben immer direkt nach deren Herstellung vermessen.
3.3.3 Polymerblends
Wie sp¨
ater noch gezeigt wird, verteilt sich das TPE in Form von Tr¨
opfchen im
PE. Um Aussagen ¨
uber den Tropfenradius treffen zu k¨
onnen und f¨
ur die Analyse
im Rasterelektronenmikroskop (REM) sind sogenannte Emulsionsproben extrudiert
worden. Verwendet wurde daf¨
ur ein Einschneckenextruder Typ BX 18 der Firma
Axon mit einem Schneckendurchmesser von 𝐷= 18 mm und einer Schneckenl¨
ange
von 𝐿= 20𝐷. Bei 𝑇= 180 C ist aus einer Schlitzd¨
use mit einer Breite von 22 mm
und einer H¨
ohe von 2 mm bei einer Drehzahl von 𝑈= 80 min1ein Strang mit
einer bestimmten Konzentration an TPE extrudiert worden. F¨
ur die Bestimmung
der Tropfengr¨
oße wurden nur Proben der Materialpaarung PE/E685 mit TPE-
33
3 Materialien
Konzentrationen von 1, 5, 10 und 20 m% betrachtet. Hingegen ist die REM-Analyse
an PE/TPE-Proben der Materialien G140 und den Elastollan-Typen mit einer
TPE-Konzentration von 5 m% durchgef¨
uhrt worden.
3.4 Nachweis der Nicht-Mischbarkeit
Ausgangspunkt f¨
ur die Untersuchungen zur Wirkung der thermoplastischen Elas-
tomere als Additive f¨
ur die sharkskin-Unterdr¨
uckung ist die Annahme der Nicht-
Mischbarkeit mit Polyethylen. Um diese Annahme zu best¨
atigen, sind eine Reihe
von Untersuchungen durchgef¨
uhrt worden, die im Folgenden beschrieben werden.
3.4.1 Liebermann-Storch-Morawski Reaktion
Aufgrund des einfachen Aufbaus von Polyethylen aus Kohlenstoff und Wasserstoff
und des vergleichsweise komplizierten Aufbaus der TPE mit ihren charakteristi-
schen Stickstoffverbindungen liegt es nahe, ¨
uber eine chemische Reaktion das Vor-
kommen von TPE in der erzeugten Blasfolie qualitativ nachzuweisen. Hierzu dient
die sogenannte Liebermann-Storch-Morawski Reaktion (LSM-Reaktion). Der Test
ist zwar nicht spezifisch, aber einfach durchf¨
uhrbar und sein Ergebnis als Hinweis
brauchbar. Er ist wie folgt beschrieben in [Braun 1978]: Einige mg der Probe wer-
den heiß in 2 ml Essigs¨
aureanhydrid gel¨
ost. Nach dem Erkalten werden drei Tropfen
50proz. Schwefels¨
aure zugegeben. Ist Polyurethan in der Probe enthalten, zeigt sich
ein gelblicher Farbumschlag. Die Probe kann anschließend noch einmal auf 100 C
erhitzt werden, um eine weitere F¨
arbung zu beobachten. In der Abbildung 3.9 ist das
Resultat der Untersuchung gezeigt. Neben der Beobachtung des Farbumschlags bei
zwei Proben reinem TPE sind Folienproben mit jeweils 2 m% E685 gepr¨
uft worden.
Damit eine ausreichende Konzentration vorhanden ist, wurden die Folien vorher in
mehreren Lagen geschichtet und unter Temperatur noch einmal zu einer dickeren
Probe zusammengepresst. Wesentlich ist, dass die reine PE Probe tats¨
achlich kei-
nen Farbumschlag zeigt. Damit wurde nachgewiesen, dass sich das TPE nicht nur
an der D¨
usenwand der Blasfolienanlage anlagert und dort verbleibt, sondern immer
auch in der Folie enthalten ist.
34
3.4 Nachweis der Nicht-Mischbarkeit
Abbildung 3.9: Nachweis von TPE in Folienproben mittels LSM-Reaktion; 1) E685 rein.
2) Probe aus 100 Lagen PE Folie mit 2 m% E685. 3) Probe aus 30 Lagen reiner PE
Folie. 4) Probe aus 30 Lagen PE Folie mit 2 m% E685. 5) Vergleichsprobe TPE-Typ
Nabstar der Firma Kaneka (nicht beschrieben).
3.4.2 Raman-Spektroskopie
Nachdem gezeigt wurde, dass TPE in der Blasfolie enthalten ist, interessiert nun
die Frage, in welcher Art und Weise es im Film vorliegt. Denkbar w¨
are, dass es sich
erst an der D¨
usenwand anlagert und von dort aus einen Film auf die Ober߬
ache der
PE-Folie zieht. Eine andere M¨
oglichkeit ist die Ausbildung von Tropfen im Film.
Zur Beantwortung dieser Frage wurde dankenswerter Weise eine Folienprobe mit
2 m% E685 von Herrn Dr. Belz der Firma ThermoFisher mittels konfokaler Raman-
Spektroskopie untersucht. Verwendet wurde ein DXR MicroRaman Spektrometer
mit einem 532 nm Laser. Von den Reinstoffen wurden zun¨
achst die Ramanspektren
aufgenommen, siehe Abbildung 3.10. Der charakteristische Peak bei 1616 cm1des
E685 diente als Maß f¨
ur mapping Aufnahmen. In der Abbilung 3.11 ist das Ergeb-
nis eines LineMappings dargestellt. Entlang einer Linie von 30 µm L¨
ange wurde
bis zu einer Tiefe von 50 µm das Ramanspektrum aufgenommen. Die Schrittweite
auf der Linie und in die Tiefe betrug 1 µm, so dass sich das Ergebnisbild letzt-
lich aus 1500 Messpunkten zusammensetzt. Deutlich wird, dass es keine explizite
Schichtenstruktur im Flim gibt, sondern das TPE in Tropfen statistisch verteilt
35
3 Materialien
Abbildung 3.10: Vergleich der Ramanspektren von PE und E685.
ist. Best¨
atigt wird dies durch ein AreaMapping, siehe Abbildung 3.12, auf einer
Fl¨
ache von 20 x 30 µm2in einer Tiefe in der Folie von 30 µm. Das Bild wurde aus
600 Messpunkten erstellt. Erkennbar ist sogar, dass sich die Tropfen in die Abzu-
grichtung der Folie deformiert haben. Aufgrund der hohen Messzeit war es nicht
m¨
oglich, ein vollst¨
andiges Bild der Folie zu erstellen. Daher kann keine Aussage
¨
uber die wirkliche Gr¨
oße der Tropfen getroffen werden.
3.4.3 Scherzelle
Aus den Ergebnissen der Raman-Spektroskopie folgt, dass Tropfen aus TPE in
der Polyethylenmatrix verteilt sind. Allerdings stellt sich noch die Frage, ob ei-
ne scherinduzierte Mischung m¨
oglich ist. Dazu wurden von Herrn Dr. Eckelt von
der WEE-Solve GmbH lichtmikroskopische Aufnahmen in einer Linkam CSS 450
Scherzelle bei 𝑇= 180 C bei verschiedenen Scherraten angefertigt. Beispielhaft
ist in Abbildung 3.13 eine Schlierenbildung zu erkennen, die sich auch bei h¨
oheren
Scherraten nicht au߬
ost. Das bedeutet, dass die Tropfen in Scherrichtung deformiert
werden, sicherlich mitunter auch zerfallen k¨
onnen bzw. wieder Koaleszenz auftritt,
aber dennoch keine Mischbarkeit erreicht wird.
36
3.4 Nachweis der Nicht-Mischbarkeit
Abbildung 3.11: Ergebnis eines LineMapping entlang einer 30 µm langen Linie bis in
50 µm Folientiefe an einer PE-Folie mit 2 m% E685.
Abbildung 3.12: Ergebnis eines AreaMapping einer Fl¨
ache von 20 x 30 µm in einer Tiefe
von 30 µm in einer PE-Folie mit 2 m% E685. Vergleiche dazu Abbildung 2.14.
37
3 Materialien
Abbildung 3.13: Lichtmikroskopisch Aufnahme mit 20-facher Vergr¨
oßerung einer Probe
aus 30 Lagen PE-Folie mit 0,5 m% E685 unter Scherung; 𝑇= 180 C, ˙𝛾= 3,29 s1.
Vergleiche dazu Abbildung 2.14.
3.4.4 Heiztisch-Mikroskop
Als abschließende Untersuchung zum Mischungsverhalten der Materialien PE und
TPE sind Proben mit einem Heiztisch-Mikroskop beobachtet worden. Basierend
auf der von Rayleigh entwickelteten Theorie zum Zerfall von Fl¨
ussigkeitszylindern
aufgrund von Ober߬
achenspannungen [Rayleigh 1879], betrachtete Tomotika den
Zerfall Newtonscher Fl¨
ussigkeitsf¨
aden eingebettet in eine Newtonsche Matrix [To-
motika 1935]. Durch die Grenz߬
achenspannung und die W¨
armebewegung kommt es
zur sinusf¨
ormigen Verformung des Fadens, siehe Abbildung 3.14. Dabei gibt 𝑅0den
Anfangsradius des Fadens an, ¯
𝑅den durchschnittlichen Radius, 𝛼die Amplitude
und 𝜆die Wellenl¨
ange. Wird die Wellenl¨
ange gr¨
oßer als der Umfang des Fadens
(𝜆 > 2𝜋𝑅), wird der Faden instabil. Dies ist vor allem ein zeitlicher Effekt, da die
Amplitude exponentiell mit der Zeit ansteigt:
𝛼=𝛼0𝑒𝑞𝑡.(3.2)
In der obigen Gleichung steht 𝛼0f¨
ur die Anfangsverformung, 𝑞ist ein material-
38
3.4 Nachweis der Nicht-Mischbarkeit
Abbildung 3.14: Modell eines sinusf¨
ormig verformten Fadens zur Definition von 𝑅0,¯
𝑅,𝜆
und 𝛼[Elmendorp 1986]
Abbildung 3.15: Tropfenzerfall eines in PS eingebetteten PA6-Fadens aufgrund von Ray-
leigh Instabilit¨
at [Elemans et al. 1990].
abh¨
angiger Paramerter und 𝑡ist die Zeit. In die Berechnung von 𝑞, auf die nicht
weiter eingegangen wird, geht neben der Grenz߬
achenspannung auch das Visko-
sit¨
atsverh¨
altnis zwischen dem Fadenmaterial und der umgebenden Matrix ein. In
der Abbildung 3.15 ist der Zerfall eines Fadens in einzelne Tropfen f¨
ur einen PA6-
Faden gezeigt, der in eine PS Matrix eingebettet wurde [Elemans et al. 1990]. Die
einzelnen Aufnahmen zu unterschiedlichen Zeiten zeigen sehr deutlich, wie sich al-
lein aufgrund der W¨
armebewegung und der wirkenden Grenz߬
achenspannung die
Amplitude vergr¨
oßert, so dass es zum Tropfenzerfall kommt.
Wie in Abschnitt 3.2 beschrieben wurde, sind die TPE thermisch nicht stabil.
Um aber die Rayleigh-Instabilit¨
at eines TPE-Fadens in einer PE-Matrix innerhalb
einer akzeptablen Zeitspanne sichtbar zu machen, muss die Probe auf Temperatur
39
3 Materialien
Abbildung 3.16: Lichtmikroskopisch Aufnahme auf dem Heiztisch mit 10-facher Ver-
gr¨
oßerung; rechts: der in PE eingebettete TPE-Faden bei 𝑇= 125 C, links: Trop-
fenbildung nach Aufheizen auf 𝑇= 220 C. Der Fadendurchmesser betr¨
agt 20 - 40 µm.
gebracht werden. Daher sind die in Abbildung 3.16 dargestellten Bilder nur qualita-
tiv zu bewerten. Die Proben wurden auf einem Heiztisch der Firma Mettler Toledo
Typ FP82HT untersucht. Die Aufnahmen wurden mit einer moticam 2300 Kamera
mit 3 Megapixeln aufgenommen. Die F¨
aden wurden aus aufgeschmolzenem TPE-
Granulat von einer beheizten Aluminiumplatte gezogen und anschließend zwischen
zwei PE-Pl¨
attchen gelegt und von Ojekttr¨
agern bedeckt. Die Ojekttr¨
ager wurden
auf dem Heiztisch positioniert und die Probe zun¨
achste auf 𝑇= 125 C aufgeheizt.
Bei dieser Temperatur ist das PE gerade aufgeschmolzen und somit transparent,
um ein erstes Bild aufnehmen zu k¨
onnen. Danach ist die Probe bis auf 𝑇= 220 C
mit einer Heizrate von 10 K/min aufgeheizt worden, um qualitativ die Rayleigh-
Instabilit¨
at zeigen zu k¨
onnen.
40
3.4 Nachweis der Nicht-Mischbarkeit
Abbildung 3.17: Tropfenverteilung des TPE G140 in der PE-Matrix. Verh¨
altnis etwa
50/50.
3.4.4.1 Tr¨
opfchengr¨
oße
Alle in dieser Arbeit untersuchten TPE bilden Tropfen im PE aus. Um einen Ein-
druck ¨
uber die Gr¨
oßenverteilung der Tropfen zu erhalten, sind mit dem Heiztisch-
mikroskop D¨
unnschnitte der Emulsionsproben bzw. der Kern-Ring Proben aus dem
Rheometer (siehe Abbildung 4.25) betrachtet worden. Die Abbildung 3.17 zeigt ein
entsprechendes Bild. Klar zu erkennen ist, dass die Tropfen sehr unterschiedliche
Gr¨
oßen haben und sich in Bahnen hintereinander lagern. Die lichtmikroskopische
Au߬
osung kann maximal Strukturunterschiede von etwa 1 µm sichtbar machen.
W¨
ahrend viele Tropfen einen Radius von 𝑟3µm besitzen, erkennt man im Mi-
kroskop jedoch noch weitaus mehr Punkte, die zwar dem TPE zugeordnet werden
k¨
onnen, jedoch nicht mehr deutlich aufgel¨
ost werden. Die Tropfengr¨
oße besitzt dem-
nach eine sehr breite Verteilung, wobei f¨
ur die meisten Tropfen gilt: 𝑑𝑇𝑟𝑜𝑝𝑓𝑒𝑛 <1µm.
41
4 Rheologische Untersuchungen
Ein wesentlicher Teil der vorliegenden Arbeit basiert auf den in diesem Kapitel
beschriebenen rheologischen Untersuchungen. Einleitend werden nur einige weni-
ge rheologische Grundlagen angegeben, da an gegebener Stelle in den einzelnen
Abschnitten genauer auf die formalen Zusammenh¨
ange eingegangen wird.
4.1 Rheologische Grundlagen
Die Rheologie als Lehre vom Fließ- und Deformationsverhalten materieller Stoffe ist
quasi am 29. April 1929 mit der Gr¨
undung der Society of Rheology als eigenst¨
andige
Wissenschaftsdisziplin etabliert worden. Zuvor gab es schon eine Vielzahl an Ar-
beiten, die sich mit der Beschreibung von Fließ- und Deformationsph¨
anomenen
besch¨
aftigten, jedoch fehlte die problem¨
ubergreifende Einordnung innerhalb der
Physik. Gerade auch durch die starke Industrialisierung, die immer neu synthe-
tisierten Materialien, und vor allem die stetig erweiterten M¨
oglichkeiten des wis-
senschaftlichen Ger¨
atebaus, ergab sich ein weites Feld an Fragestellungen und da-
zugeh¨
origer experimenteller Datensammlungen. Die besten experimentellen Daten
sind jedoch wertlos, wenn eine geeignet Theorie fehlt, um die Ergebnisse formal
zu erfassen und deuten zu k¨
onnen. Durch die Schaffung des Wissenschaftszwei-
ges der Rheologie bestand die erste Aufgabe darin, die bisherigen Beschreibungen
der Kontinuumsmechanik zusammenzutragen und mit den bisherigen experimen-
tellen Ergebnissen zusammenzuf¨
ugen, um festzustellen, was man ¨
uberhaupt schon
beschreiben konnte und welche weiteren Untersuchungen und Betrachtungen erfor-
derlich waren. Wichtig f¨
ur eine entsprechende Beschreibung ist dabei immer der
Zusammenhang zwischen einer dem Material aufgepr¨
agten Deformation und der
daraus resultierenden Spannung. F¨
ur Newtonsche Fl¨
ussigkeiten wie z. B. Wasser
gilt:
𝜏=𝜂˙𝛾. (4.1)
43
4 Rheologische Untersuchungen
Die Gleichung besagt, dass eine Scherrate ˙𝛾eine Schubspannung 𝜏hervorruft. Das
Material besitzt dabei einen inneren Widerstand (¨
ussige Reibung) gegen die Defor-
mation, der mit der Deformationsrate linear zunimmt und allgemein als Viskosit¨
at 𝜂
bezeichnet wird. F¨
ur die Newtonschen Fluide ist die Viskosit¨
at ein konstanter Wert
und ¨
andert sich nicht in Abh¨
angigkeit von ˙𝛾. Polymerschmelzen hingegen zeigen nur
bei geringen Deformationsraten einen Newtonschen Bereich. Bei h¨
oheren Deforma-
tionsraten ist die Viskosit¨
at dann auch von der Deformationsrate abh¨
angig. Dabei
liegt ein kontinuierlicher ¨
Ubergang vom Newtonschen Bereich in den sogenannten
strukturviskosen Bereich vor.
Betrachtet man die Festk¨
orper, so gilt bei geringen Deformationen der Hooksche
Zusammenhang:
𝜏=𝐺 𝛾. (4.2)
In der obigen Gleichung bezeichnet 𝛾die Scherdeformation bzw. Scherung und
𝐺nennt man den Schub- oder Torsionsmodul. Die Beziehung ist f¨
ur polymere
Festk¨
orper g¨
ultig. Aus Torsionsversuchen an Dr¨
ahten und auch Polymerf¨
aden wur-
de bereits fr¨
uh deutlich, dass f¨
ur Polymere ein zeitabh¨
angiges Verhalten bez¨
uglich
der Torsion vorliegt. Daraus ließ sich ableiten, dass Polymere weder ein rein viskoses
Verhalten zeigen, wie die Newtonschen Fl¨
ussigkeiten, noch ein rein elastisches, wie
die Hookschen Festk¨
orper. Stets waren beide Anteile st¨
arker oder schw¨
acher aus-
gepr¨
agt. Polymere sind somit viskoelastisch. F¨
ur viskoelastische Materialien zeigte
sich, dass besonders die Zeit der Beanspruchung wichtig ist. Wesentlich ist da-
bei, dass viskoelastische Materialien eine Nachwirkung aus Beanspruchungen vor-
angegangener Zeiten zeigen. Formal wurde dieser Zusammenhang von Boltzmann
im Jahre 1876 erfasst und ist als Boltzmannsches Superpositionsprinzip bekannt
[Boltzmann 1876]:
𝜏(𝑡) = 𝑡
−∞
𝐺(𝑡𝑡)˙𝛾(𝑡)𝑑𝑡.(4.3)
Hierin wird 𝐺(𝑡𝑡) nun als Relaxationsmodul bezeichnet, ˙𝛾(𝑡) ist die Scherrate,
𝑡die aktuelle Zeit und 𝑡die bereits vergangene Zeit. Mit der Gleichung (4.3) wird
der Bereich der linearen Viskoelastizit¨
at beschrieben, der vorliegt, solange 𝜏𝛾
44
4.1 Rheologische Grundlagen
Abbildung 4.1: Schematischer Verlauf des Relaxationsmodul ¨
uber der Dauer der Relaxa-
tionsprozesse [Winter 2011].
ist. Messungen in diesem Bereich erfolgen dann, bezogen auf die innere Struktur
der Probe, zerst¨
orungsfrei. ¨
Uber den Relaxationsmodul lassen sich nun auch an-
dere rheologische Gr¨
oßen ausdr¨
ucken [Ferry 1980]. So gilt f¨
ur die Viskosit¨
at im
Newtonschen Bereich
𝜂0=
0
𝐺(𝑡)𝑑𝑡 (4.4)
und f¨
ur den ersten Normalspannungskoeffizienten in diesem Bereich
Ψ1,0= 2
0
𝐺(𝑡)𝑡𝑑𝑡. (4.5)
Der gesamte linear-viskoelastische Bereich l¨
asst sich somit allein ¨
uber den (linear-
viskoelastischen) Relaxationsmodul beschreiben, der eine materialspezifische Gr¨
oße
ist und unabh¨
angig von der verwendeten Messmethode ist. In Abbildung 4.1 ist
schematisch der Zeitverlauf von 𝐺(𝑡) f¨
ur einen viskoelastischen Stoff gezeigt.
In den nachfolgenden Untersuchungen der vorliegenden Arbeit werden zum einen
Daten des Newtonschen Bereichs ausgewertet und zum anderen Messkurven, die
45
4 Rheologische Untersuchungen
mittels der Messmethode der oszillatorischen Schwingung ermittelt wurden, zur
Auswertung herangezogen. F¨
ur die Untersuchungen zum Gleiten im Newtonschen
Bereich ist die Auftragung der Viskosit¨
at ¨
uber der Schubspannung wichtig. Es ist
hierbei nicht n¨
otig, die Viskosit¨
atswerte ¨
uber den Relaxationsmodul zu beschrei-
ben. Vielmehr ist es messtechnisch einfacher, die Viskosit¨
at ¨
uber Gleichung (4.1) zu
ermitteln. Im nachfolgenden Abschnitt wird dies noch ausf¨
uhrlicher betrachtet. Aus
den oszillatorischen Messungen lassen sich unter anderem Aussagen ¨
uber die Nor-
malspannung treffen. N¨
aheres dazu findet sich im Abschnitt 4.4. An dieser Stelle sei
der Vollst¨
andigkeit halber noch folgende Grundlage bez¨
uglich der oszillatorischen
Messungen erw¨
ahnt. Wird im Rheometer die Probe mit einer sinusf¨
ormigen Defor-
mation der Kreisfrequenz 𝜔und der Amplitude 𝛾0beaufschlagt, so ergibt sich ein
zeitabh¨
angiger Deformationsverlauf [Ferry 1980]:
𝛾(𝑡) = 𝛾0sin(𝜔𝑡).(4.6)
Abgeleitet nach 𝑡folgt:
˙𝛾(𝑡) = 𝛾0𝜔cos(𝜔𝑡).(4.7)
Setzt man diese Ableitung in Gleichung (4.3) ein und substituiert 𝑠=𝑡𝑡so
ergibt sich:
𝜏(𝑡) =
0
𝐺(𝑠)𝜔𝛾0cos [𝜔(𝑡𝑠)] 𝑑𝑠
=𝛾0[𝜔
0
𝐺(𝑠) sin(𝜔𝑠)𝑑𝑠]sin(𝜔𝑡) + 𝛾0[𝜔
0
𝐺(𝑠) cos(𝜔𝑠)𝑑𝑠]cos(𝜔𝑡).
(4.8)
Die Gr¨
oßen in den Klammern bezeichnen Funktionen, die nur von 𝜔abh¨
angen,
nicht aber von der verstrichenen Zeit. Die beiden Terme werden allgemein als Spei-
chermodul 𝐺(𝜔) und Verlustmodul 𝐺′′(𝜔) bezeichnet und man schreibt:
𝜏(𝑡) = 𝛾0[𝐺sin(𝜔𝑡) + 𝐺′′ cos(𝜔𝑡)] .(4.9)
46
4.1 Rheologische Grundlagen
Abbildung 4.2: Prinzipieller Verlauf der Dehnung und nacheilenden Spannung in einem
Oszillationsexperiment [Ferry 1980].
Um messtechnisch die Moduln ermitteln zu k¨
onnen, ist ein zus¨
atzlicher Ansatz
n¨
otig. Die Abbildung 4.2 zeigt prinzipiell die Verl¨
aufe von oszillierender Defor-
mation nach Gleichung (4.6) und der f¨
ur eine viskoelastische Probe nacheilenden
Spannung mit der Amplitude 𝜏0. Die Kurven sind dabei um den Phasenwinkel 𝛿(𝜔)
verschoben. F¨
ur die Spannung gilt dann:
𝜏(𝑡) = 𝜏0sin(𝜔𝑡 +𝛿).(4.10)
Vergleicht man die Gleichungen (4.9) und (4.10) so findet man:
𝐺=𝜏0
𝛾0
cos(𝛿) (4.11)
und
𝐺′′ =𝜏0
𝛾0
sin(𝛿).(4.12)
Bei vorgegebener Kreisfrequenz 𝜔und Deformationsamplitude 𝛾0k¨
onnen messtech-
nisch 𝜏0und 𝛿bestimmt und somit die Moduln berechnet werden.
Um anschaulich einen besseren Zugang f¨
ur das Verst¨
andnis des viskoelastischen
Verhaltens zu erhalten, kann man sich ein mechanisches Ersatzschaubild ableiten.
F¨
ur die Beschreibung von Polymerschmelzen werden dabei die mechanischen Ele-
mente einer Feder und eines D¨
ampfers kombiniert. Eine Reihenschaltung einer Feder
und eines D¨
ampfers bezeichnet man dabei als Maxwell-Element. Zur Beschreibung
47
4 Rheologische Untersuchungen
Abbildung 4.3: Reihenschaltung von Maxwell-Elementen zur Beschreibung der Viskoelas-
tizit¨
at und deren Relaxation [Ferry 1980].
einer Polymerschmelze schaltet man 𝑛Maxwell-Elemente parallel, siehe Abbildung
4.3. Aus jedem Maxwell-Element folgt dann eine spezifische Relaxationszeit 𝜆𝑖und
ein dazugeh¨
origer Relaxationsmodul 𝑔𝑖. Die Summe aus allen Elementen f¨
uhrt dann
zur resultierenden Gesamtgr¨
oße wie dem Relaxationsmodul:
𝐺(𝑡) =
𝑛
𝑖=1
𝑔𝑖𝑒𝑡/𝜆𝑖.(4.13)
Die 𝑛Gr¨
oßen f¨
ur 𝑔𝑖und 𝜆𝑖geben das Relaxationsspektrum an. In der Abbildung
4.4 ist dies schematisch gezeigt. Ebenso kann der Speicher- und Verlustmodul ¨
uber
das Spektrum beschrieben werden:
𝐺(𝜔) = 𝐺+
𝑛
𝑖=1
𝑔𝑖(𝜔2𝜆2
𝑖
1 + 𝜔2𝜆2
𝑖)(4.14)
und
𝐺′′(𝜔) =
𝑛
𝑖=1
𝑔𝑖(𝜔𝜆𝑖
1 + 𝜔2𝜆2
𝑖).(4.15)
Dabei bezeichnet 𝐺den Gleichgewichtswert des Moduls, f¨
ur den gilt:
lim
𝑡→∞ 𝐺(𝑡) = 𝐺.(4.16)
48
4.1 Rheologische Grundlagen
Abbildung 4.4: Prinzip der spektralen Zerlegung des Relaxationsmoduls in 𝑖Summanden
[Winter 2011].
Abschließend sei noch kurz auf die Auspr¨
agung von Normalspannungen einge-
gangen. ¨
Uber Gleichung (4.5) wurde bereits formuliert, wie sich der erste Normal-
spannungskoeffizient aus dem Relaxationsmodul ergibt. Da der Relaxationsmodul
eine materialspezifische Gr¨
oße ist, folgt daraus, dass auch die Normalspannungen je
nach Material unterschiedlich ausgepr¨
agt sind. Normalspannungen sind allgemein
eine Folge der auf einen viskoelastischen oder elastischen K¨
orper aufgebrachten De-
formation. Selbst in einfacher Scherung liegen daher Normalspannungen im K¨
orper
vor. Die Abbildung 4.5 zeigt an einem Volumenelement unter Scherung die dazu-
geh¨
origen Normalspannungen. Es gelten dabeit die folgenden Beziehungen:
Erste Normalspannungsdifferenz
𝑁1=𝜎𝑥𝑥 𝜎𝑦𝑦 (4.17)
Erster Normalspannungskoeffizient
Ψ1=𝑁1
˙𝛾2(4.18)
49
4 Rheologische Untersuchungen
Abbildung 4.5: Normalspannungen bei einfacher Scherung [Ferry 1980]
Zweite Normalspannungsdifferenz
𝑁2=𝜎𝑦𝑦 𝜎𝑧𝑧 (4.19)
Zweiter Normalspannungskoeffizient
Ψ2=𝑁2
˙𝛾2.(4.20)
Messtechnisch ist es aus physikalischen Gr¨
unden nicht m¨
oglich, die einzelnen
Spannungskomponenten 𝜎𝑖𝑖 zu bestimmen. Dennoch kann im Rheometer eine Nor-
malkraft 𝐹𝑁gemessen werden, die auf die obere Platte wirkt und aus der die
Normalspannungsdifferenzen abgeleitet werden k¨
onnen. W¨
ahrend jedoch im Mess-
system Platte-Platte die beiden Normalspannungsdifferenzen nur gekoppelt zu be-
stimmen sind, kann 𝑁1im Kegel-Platte System direkt bestimmt werden. Es gilt
[Macosko 1994]:
𝑁1=2𝐹𝑁
𝜋𝑅2.(4.21)
50
4.2 Wandgleiten im Rheometer
Allgemein bekannt ist, dass die erste Normalspannungsdifferenz wesentlich gr¨
oßer
ist als die zweite und daher haupts¨
achlich betrachtet wird. Erst bei hohen Scherra-
ten kann die zweite Normalspannungsdifferenz zus¨
atzlich die Str¨
omung beeinflus-
sen, wobei die zuverl¨
assige Messung in diesen Bereichen sehr schwierig ist. Qua-
litativ ist anzunehmen, dass die zweite Normalspannungsdifferenz in etwa 10 bis
20% der ersten Normalspannungsdifferenz entspricht und ein negatives Vorzeichen
besitzt.
4.2 Wandgleiten im Rheometer
F¨
ur die Analyse der Gleitgeschwindigkeiten zwischen Polyethylen und den ther-
moplastischen Elastomeren ist es eine Grundvoraussetzung, dass die Schichtproben
w¨
ahrend der Messung an den anliegenden Platten haften. F¨
ur Polyethylen wird
erfahrungsgem¨
Wandhaftung angenommen, f¨
ur die thermoplastischen Elastome-
re kann im Vorfeld keine Aussage gemacht werden. Um die Geschwindigkeit des
etwaigen Wandgleitens einer Probe berechnen zu k¨
onnen, geben Yoshimura und
Prud´homme (1988) eine einfache Methode an, mit der neben der Wandgleitge-
schwindigkeit auch eine Korrektur der Viskosit¨
at vorgenommen werden kann. Die
Methode beruht darauf, dass in der Messanordnung Platte-Platte zwei Messungen
in Rotation bei unterschiedlichen Spaltweiten miteinander verglichen werden. F¨
ur
die jeweiligen Messpunkte wird die Scherrate ˙𝛾vorgegeben und das Drehmoment
𝑀gemessen, das zur Aufpr¨
agung der Scherrate auf die Probe n¨
otig ist, siehe Ab-
bildung 4.6.
Nach Yoshimura und Prud´homme (1988) ergibt sich die Geschwindigkeit der
oberen Platte durch:
Ω𝑟=𝐻˙𝛾(𝜏𝑧𝜃)+2𝑢𝑠𝑙𝑖𝑝(𝜏𝑧𝜃).(4.22)
Hierbei gibt Ω die Winkelgeschwindigkeit, 𝑟den Radius mit 0 𝑟𝑅,𝐻die
Spaltweite, ˙𝛾die Scherrate und 𝑢𝑠𝑙𝑖𝑝 die Gleitgeschwindigkeit an. Die Abbildung
4.7 zeigt dies noch einmal grafisch.
Aufgrund des Wandgleitens wirkt im Messspalt die scheinbare (apparent) Scher-
geschwindigkeit ˙𝛾𝑎𝑝𝑝:
51
4 Rheologische Untersuchungen
Abbildung 4.6: Prinzipskizze des Platte-Platte Messsystems und Angabe der relevanten
Gr¨
oßen.
Abbildung 4.7: Geschwindigkeitsfeld an einer beliebigen radialen Position in der Mess-
geometrie Platte-Platte [Yoshimura and Prud’homme 1988].
52
4.2 Wandgleiten im Rheometer
˙𝛾𝑎𝑝𝑝 =Ω𝑟
𝐻.(4.23)
Eingesetzt in die Gleichung (4.22) ergibt sich:
˙𝛾𝑎𝑝𝑝 = ˙𝛾(𝜏𝑧𝜃) + 2𝑢𝑠𝑙𝑖𝑝(𝜏𝑧𝜃)
𝐻.(4.24)
Betrachtet man nun das Drehmoment 𝑀, das n¨
otig ist, um die scheinbare Scher-
geschwindigkeit auf die Probe aufzupr¨
agen, so erh¨
alt man:
𝑀= 2𝜋𝑅
0
𝑟2𝜏𝑧𝜃𝑑𝑟. (4.25)
F¨
uhrt man ¨
uber die Gleichung (4.23) die scheinbare Schergeschwindigkeit als Inte-
grationsvariable ein, ergibt sich:
𝑀=2𝜋𝑅3
˙𝛾𝑎𝑝𝑝𝑅 ˙𝛾𝑎𝑝𝑝𝑅
0
˙𝛾2
𝑎𝑝𝑝𝜏𝑧𝜃(˙𝛾𝑎𝑝𝑝)𝑑˙𝛾𝑎𝑝𝑝.(4.26)
Hierbei bezeichnet ˙𝛾𝑎𝑝𝑝𝑅 die scheinbare Schergeschwindigkeit am Rand der Platte
f¨
ur 𝑟=𝑅. Die Ableitung der obigen Gleichung nach ˙𝛾𝑎𝑝𝑝𝑅 ergibt dann die am Rand
der Platte wirkende Schubspannung 𝜏𝑅:
𝜏𝑅=𝑀
2𝜋𝑅3[3 + 𝑑𝑙𝑛(𝑀)
𝑑𝑙𝑛(˙𝛾𝑎𝑝𝑝𝑅)].(4.27)
Handelt es sich bei der Probe um eine Newtonsche Fl¨
ussigkeit, so gilt:
𝑑𝑙𝑛(𝑀)
𝑑𝑙𝑛(˙𝛾𝑎𝑝𝑝𝑅)= 1.(4.28)
Damit vereinfacht sich Gleichung (4.27) zu:
𝜏𝑅=2𝑀
𝜋𝑅3.(4.29)
Dem Konzept von Yoshimura und Prud´homme (1988) weiter folgend, wird 𝜏𝑅nun
53
4 Rheologische Untersuchungen
als unabh¨
angige Variable angesehen. Damit gilt f¨
ur die scheinbaren Schergeschwin-
digkeiten der zwei Spaltweiten 𝐻1und 𝐻2:
˙𝛾𝑎𝑝𝑝𝑅1= ˙𝛾𝑎𝑝𝑝𝑅1(𝜏𝑅) (4.30)
und
˙𝛾𝑎𝑝𝑝𝑅2= ˙𝛾𝑎𝑝𝑝𝑅2(𝜏𝑅).(4.31)
Eingesetzt in die Gleichung (4.24) gibt dies:
˙𝛾𝑎𝑝𝑝𝑅1(𝜏𝑅) = ˙𝛾𝑅(𝜏𝑅) + 2𝑢𝑠𝑙𝑖𝑝(𝜏𝑅)
𝐻1
(4.32)
und
˙𝛾𝑎𝑝𝑝𝑅2(𝜏𝑅) = ˙𝛾𝑅(𝜏𝑅) + 2𝑢𝑠𝑙𝑖𝑝(𝜏𝑅)
𝐻2
.(4.33)
Wird nun angenommen, dass die Wandgleitgeschwindigkeit nur eine Funktion der
Schubspannung ist und somit unabh¨
angig von der Spaltweite, kann die wahre Scher-
geschwindigkeit aus den beiden obigen Gleichungen berechnet werden:
˙𝛾𝑅(𝜏𝑅) = 𝐻1˙𝛾𝑎𝑝𝑝𝑅1(𝜏𝑅)𝐻2˙𝛾𝑎𝑝𝑝𝑅2(𝜏𝑅)
𝐻1𝐻2
.(4.34)
Ebenso kann dann auch auf die Wandgleitgeschwindigkeit geschlossen werden:
𝑢𝑠𝑙𝑖𝑝(𝜏𝑅) = ˙𝛾𝑎𝑝𝑝𝑅1(𝜏𝑅)˙𝛾𝑎𝑝𝑝𝑅2(𝜏𝑅)
2(1
𝐻11
𝐻2).(4.35)
Zuletzt kann die wahre Viskosit¨
at berechnet werden. ¨
Uber die Beziehung f¨
ur New-
tonsche Fluide
𝜏=𝜂˙𝛾(4.36)
54
4.2 Wandgleiten im Rheometer
ergibt sich
𝜂𝑅(˙𝛾𝑅) = 𝜏𝑅(𝐻1𝐻2)
𝐻1˙𝛾𝑎𝑝𝑝𝑅1(𝜏𝑅)𝐻2˙𝛾𝑎𝑝𝑝𝑅2(𝜏𝑅).(4.37)
Die beschriebenen theoretischen Zusammenh¨
ange bedeuten f¨
ur die Praxis nun Fol-
gendes: Es werden die Reinstoffe bei zwei unterschiedlichen Spaltweiten im Platte-
Platte-Rheometer vermessen. Dazu werden Messpunkte bei unterschiedlichen Scher-
raten aufgenommen. Die dem Rheometer vorgegebenen Scherraten sind jeweils be-
zogen auf den Rand der Platte, also 𝑟=𝑅bzw. es gilt ˙𝛾= ˙𝛾𝑎𝑝𝑝𝑅. Vom Rheometer
wird das Drehmoment 𝑀gemessen, das zur Aufpr¨
agung der Scherrate n¨
otig ist,
und daraus die Schubspannung nach Gleichung (4.29) berechnet. Da im Rahmen
dieser Arbeit die Proben nur im Newtonschen Bereich untersucht werden, k¨
onnen
die so berechneten Werte direkt verwendet werden. Eine Bestimmung von 𝜏𝑅nach
Gleichung (4.27) ist somit nicht n¨
otig. Anschließend werden die Werte f¨
ur 𝜏𝑅¨
uber
˙𝛾𝑎𝑝𝑝𝑅 linear aufgetragen. An die Messpunkte einer Spaltweite wird ein Polynom an-
gepasst, so dass letztlich f¨
ur beide Messspalte die Werte f¨
ur ˙𝛾𝑎𝑝𝑝𝑅 bei vorgegebenem
𝜏𝑅berechnet werden k¨
onnen. Somit k¨
onnen dann ˙𝛾𝑅(𝜏𝑅), 𝜂( ˙𝛾𝑅) und 𝑢𝑠𝑙𝑖𝑝(𝜏𝑅) im
Newtonschen Bereich nach den obigen Gleichungen bestimmt werden.
4.2.1 Experimentelle Bestimmung des Wandgleitens der
Reinstoffe
Nach der im Abschnitt 4.2 beschriebenen Methode wurde das Wandgleiten der Rein-
stoffe bestimmt. In der Abbildung 4.8 sind f¨
ur Polyethylen und die drei Elastollan-
Typen die Verl¨
aufe der Scherrate ¨
uber der Schubspannung f¨
ur zwei Messpaltweiten
gezeigt. Die Messgenauigkeit des Rheometers bezogen auf das Drehmoment liegt
bei Δ𝑀=±0,2µm, was einem Fehler von 𝛿𝑀=±0,5 % entspricht. Damit sind
die ermittelten Unterschiede in den Kurvenverl¨
aufen der Abbildung 4.8 signifikant,
da der Fehler deutlich kleiner als die Symbolgr¨
oße der Kurven ist. Die Messungen
wurden im Newtonschen Bereich f¨
ur Scherraten von ˙𝛾𝑎𝑝𝑝 = 0,01 1 s1durch-
gef¨
uhrt. Die durchgezogenen Linien ergeben sich aus einer Anpassung der Messwerte
an ein Polynom dritten Grades. Da die Messungen nur den Newtonschen Bereich
¨
uberdecken, enth¨
alt das Polynom nur ungerade Potenzen, weil sich bei einem Rich-
tungswechsel der aufgepr¨
agten Schergeschwindigkeit, also einem Vorzeichenwechsel,
55
4 Rheologische Untersuchungen
Abbildung 4.8: Scherrate ˙𝛾𝑎𝑝𝑝 in Abh¨
angigkeit der Schubspannung 𝜏𝑅gemessen im
Platte-Platte Rheometer bei zwei Spaltweiten zur Bestimmung des Wandgleitens
w¨
ahrend der Messung.
auch die Richtung bzw. das Vorzeichen der Schubspannung ¨
andern muss. Es gilt
daher:
˙𝛾𝑎𝑝𝑝𝑅(𝜏𝑅) = 𝑎0+𝑎1𝜏𝑅+𝑎2𝜏3
𝑅.(4.38)
F¨
ur alle Anpassungen gilt 𝑎0= 0. Die Werte der anderen Koeffizienten sind in
Tabelle 4.1 aufgelistet.
Nach Gleichung (4.35) sind die Wandgleitgeschwindigkeiten im Messbereich f¨
ur
die vier gezeigten Materialien berechnet worden. Wie erwartet, besitzt PE Wand-
haftung und damit ist 𝑢𝑠𝑙𝑖𝑝,𝑃 𝐸 = 0. In der Abbildung 4.9 ist f¨
ur die Elastollan-Typen
der Verlauf von 𝑢𝑠𝑙𝑖𝑝 ¨
uber der Schubspannung zu sehen. Aus der Abbildung geht
hervor, dass f¨
ur die thermoplastischen Elastomere (TPE) bereits im Newtonschen
Bereich Wandgleiten vorliegt. F¨
ur die weiteren Untersuchungen zur Bestimmung
der Gleitgeschwindigkeit zwischen PE und den TPE bedeutet dies, dass die Proben
so geschichtet sein m¨
ussen, dass jeweils eine PE-Schicht an den Platten anliegt.
Somit wird sichergestellt, dass nur das Gleiten der TPE im Kontakt zum PE ge-
messen wird und die Werte nicht durch Wandgleiten beeinflusst werden. F¨
ur die
56
4.3 Gleiten in polymeren Grenz߬
achen
Tabelle 4.1: Koeffizienten der Gleichung (4.38)
Spaltweite 𝑎1𝑎2
[mm] [1/Pas] [1/Pa3s]
PE 0,65 7,15 1059,50 1014
0,80 7,25 1059,63 1014
E685 0,65 1,44 1045,11 1013
0,80 1,36 1043,48 1013
E880 0,65 8,33 1041,29 1011
0,80 7,84 1041,79 1011
ESP9213 0,65 5,49 1043,29 1012
0,80 5,10 1044,44 1012
ganzheitliche Betrachtung der Wirkungsweise der thermoplastischen Elastomere
als Additive zur Unterdr¨
uckung des sharkskin-Effektes ist es zus¨
atzlich von Bedeu-
tung zu wissen, dass bereits im Newtonschen Bereich ein ausgepr¨
agtes Wandgleiten
festzustellen ist. Betrachtet wird hierbei das Gleiten von TPE gegen die Edelstahl-
platten des Messssytems. In die Abbildung eingetragen ist jeweils eine Gerade mit
der Steigung eins. Es gilt somit:
𝑢𝑠𝑙𝑖𝑝, 𝑇 𝑃 𝐸/𝑆𝑡𝑎ℎ𝑙 𝜏𝑅.(4.39)
F¨
ur das thermoplastische Elastomer auf Silikonbasis (G140) kann kein Wandgleiten
bestimmt werden. Dieses Material ¨
andert seine Eigenschaften sehr schnell bei der
Messtemperatur von 𝑇= 180 C . Nach Einlegen der Probe in den Ofen des Rheo-
meters kann nach dem Aufschmelzen noch gut ¨
uberstehendes Material abgestrichen
werden. Am Ende der Messung, was in etwa einer zehnmin¨
utigen Temperaturein-
wirkung entspricht, ist das Material deutlich fester geworden und haftet stark an
den Messplatten. Obwohl immer die gleiche Probenherstellung angewendet wur-
de, lassen sich die Messwerte f¨
ur G140 nur mit einer Mittelwertabweichung von
𝛿=±12 % reproduzieren.
4.3 Gleiten in polymeren Grenz߬
achen
In dem Artikel von Zhao und Macosko (2002) wird sehr fundiert beschrieben, wie ein
Gleiten in polymeren Grenz߬
achen messtechnisch bestimmt werden kann. Dazu sind
57
4 Rheologische Untersuchungen
Abbildung 4.9: Vergleich der Wandgleitgeschwindigkeiten f¨
ur drei Elastollan-Typen. Ein-
getragen ist jeweils noch eine Gerade mit der Steigung eins.
neben der Viskosit¨
atsbestimmung der Reinstoffe und Messungen an Schichtproben
auch Berechnungen n¨
otig, um eine Gleitgeschwindigkeit zu erhalten.
In der Abbildung 4.10 wird beispielhaft f¨
ur drei Schichten dargestellt, wie sich
die Verl¨
aufe von Schubspannung und Geschwindigkeit im Messspalt einstellen. Hier-
bei sei wiederholt erw¨
ahnt, dass sich die Profile im Platte-Platte Rheometer mit
der radialen Position ¨
andern. Messtechnisch wird im Rheometer unter anderem das
Drehmoment 𝑀erfasst, das n¨
otig ist, um der Probe im Messspalt die vorgegebenen
Deformation aufzupr¨
agen. Bezogen auf die Schubspannung bedeutet dies, dass sich
das Drehmoment aus den jeweiligen Schubspannungsanteilen zwischen Plattenmit-
telpunkt und ¨
außerem Radius 𝑅zusammensetzt. Es gilt die schon im vorherigen
Abschnitt angegebene Beziehung:
𝑀= 2𝜋𝑅
0
𝑟2𝜏𝑧𝜃𝑑𝑟. (4.40)
Daraus abgeleitet folgte:
𝜏𝑅=𝑀
2𝜋𝑅3[3 + 𝑑𝑙𝑛(𝑀)
𝑑𝑙𝑛(˙𝛾𝑎𝑝𝑝𝑅)].(4.41)
58
4.3 Gleiten in polymeren Grenz߬
achen
Abbildung 4.10: Schubspannungs- und Geschwindigkeitsprofil an der Position 𝑟=𝑅ei-
ner dreischichtigen Probe im Platte-Platte Messspalt. In den Grenz߬
achen liegt die
Gleitgeschwindigkeit 𝑉𝑠𝑙𝑖𝑝 vor [Zhao and Macosko 2002].
Die weiteren Betrachtungen werden, wie f¨
ur die Platte-Platte Geometrie ¨
ublich,
nur auf die Schubspannung am Rand bezogen. Vereinfachend wird angenommen:
𝜏=2𝑀
𝜋𝑅3.(4.42)
Der Korrekturterm aus Gleichung (4.28) kann dabei vernachl¨
assigt werden, da die
Messungen zum einen nicht weit ¨
uber den Newtonschen Bereich hinausgehen sollen
und zum anderen die korrigierte (wahre) Schubspannung am Rand f¨
ur eine struk-
turviskose Fl¨
ussigkeit nicht stark vom Newtonschen Wert abweichen kann, da die
doppelt-logarithmische Ableitung in Gleichung (4.41) stets zwischen 0 und 1 sein
muss [Schwarzel 1990]; es gilt:
3
4𝜏𝜏𝑅𝜏. (4.43)
Das Auftreten einer Gleitgeschwindigkeit in den polymeren Grenz߬
achen wird da-
59
4 Rheologische Untersuchungen
mit begr¨
undet, dass sich, im Vergleich zu den Kernbereichen der jeweiligen Schich-
ten, in der Phasengrenze nur wenige entanglements zwischen den Polymeren ausbil-
den. Bei nicht-mischbaren Polymeren wie Polyethylen (PE) und thermoplastischem
Elastomer (TPE) ist dies besonders ausgepr¨
agt. Makroskopisch betrachtet ist die
Phasengrenze somit eine Schicht, in der ein geringer Widerstand gegen Fließen
vorliegt. Anders ausgedr¨
uckt heißt das, dass die Phasengrenzfl¨
ache eine deutlich
niedrigere Viskosit¨
at besitzt, als sie in den Kernbereichen der Schichten vorliegt.
Ausgehend von Abbildung 4.7 wird w¨
ahrend einer Messung im Rheometer nur die
scheinbare Schergeschwindigkeit ˙𝛾𝑎𝑝𝑝 vorgegeben. Wie in Abschnitt 4.2.1 gezeigt,
liegt f¨
ur die ¨
außeren PE-Schichten Wandhaftung vor. Damit gilt nach Gleichung
(4.23):
˙𝛾𝑎𝑝𝑝 =Ω𝑅
𝐻=𝑉
𝐻.(4.44)
Hierin bezeichnet 𝑉die Geschwindigkeit der bewegten Platte. Die aufgepr¨
agte
Geschwindigkeit f¨
uhrt nach Abbildung 4.10 zu einem unterschiedlich starken Ge-
schwindigkeitsgradienten in den Schichten, der aber in jeder Schicht einer Materi-
alart gleich ist und ruft die gleichbleibende Gleitgeschwindigkeitsdifferenz Δ𝑉𝐼in
den Grenz߬
achen hervor. Die ¨
uber den gesamten Messspalt betrachtete Geschwin-
digkeitsdifferenz Δ𝑉setzt sich schließlich aus diesen Anteilen zusammen. F¨
ur 𝑖-
Schichten PE und 𝑗-Schichten TPE, also insgesamt 𝑛=𝑖+𝑗Schichten und damit
(𝑛1) Grenzfl¨
achen, gilt demnach:
Δ𝑉=
𝑖
Δ𝑉𝑖,𝑃𝐸 +
𝑗
Δ𝑉𝑗,𝑇𝑃𝐸 + (𝑛1)Δ𝑉𝐼.(4.45)
F¨
ur die rheologischen Untersuchungen werden Schichtproben mit konstanter Schicht-
dicke (𝑥) je Materialart verwendet. Damit wirkt in jeder Schicht die gleiche Scher-
rate:
˙𝛾𝑃 𝐸 =Δ𝑉𝑃 𝐸
𝑃𝐸
𝑏𝑧𝑤. ˙𝛾𝑇 𝑃 𝐸 =Δ𝑉𝑇𝑃𝐸
𝑇𝑃𝐸
.(4.46)
Wird nach Gleichung (4.44) der gesamte Messspalt betrachtet, ergibt sich:
60
4.3 Gleiten in polymeren Grenz߬
achen
˙𝛾𝑎𝑝𝑝 = ˙𝛾𝑖,𝑃 𝐸 (𝑖𝑖,𝑃𝐸
𝐻)+ ˙𝛾𝑗,𝑇 𝑃 𝐸 (𝑗𝑗,𝑇𝑃𝐸
𝐻)+𝑛1
𝐻Δ𝑉𝐼.(4.47)
Mit Hilfe der Definition der Viskosit¨
at
𝜏=𝜂˙𝛾(4.48)
und der Tatsache, dass, wie in Abbildung 4.10 verdeutlicht, die Schergeschwindig-
keit ¨
uber den Messspalt konstant ist, kann die Gleichung (4.47) in eine Beziehung
zwischen der Schubspannung und den Viskosit¨
aten der Reinstoffe und der schein-
baren Viskosit¨
at 𝜂𝑎𝑝𝑝 der Schichtprobe umgeformt werden. Es gilt dann:
𝜏=(𝑛1)/𝐻
1
𝜂𝑎𝑝𝑝(𝜏)[1
𝜂𝑃 𝐸 (𝜏)(𝑖𝑖,𝑃 𝐸
𝐻)+1
𝜂𝑇𝑃𝐸(𝜏)(𝑗𝑗,𝑇 𝑃 𝐸
𝐻)]Δ𝑉𝐼.(4.49)
In einem sp¨
ateren Artikel ebenfalls aus der Arbeitsgruppe von Macosko [Lee et al.
2009] wird noch eine formale Vereinfachung eingef¨
uhrt. Die Terme mit den, auf
die gesamte H¨
ohe 𝐻bezogenen, summierten Schichtdicken sind, da es sich um
ebene Schichten handelt, gleich dem Volumenanteil 𝜙𝑥des jeweiligen Polymers im
Messspalt. Somit handelt es sich bei der Klammer im Nenner der obigen Gleichung
um eine Mischungsregel. Berechnet wird damit, welche Viskosit¨
at sich einstellen
w¨
urde, wenn es kein Gleiten in den Grenz߬
achen geben w¨
urde. Der Wert wird als
mittlere Viskosit¨
at ohne Gleiten bezeichnet, 𝜂𝑎𝑣,𝑛𝑜 𝑠𝑙𝑖𝑝. Es gilt:
1
𝜂𝑎𝑣,𝑛𝑜 𝑠𝑙𝑖𝑝(𝜏)=𝜙𝑃𝐸
1
𝜂𝑃𝐸(𝜏)+𝜙𝑇 𝑃𝐸
1
𝜂𝑇𝑃𝐸(𝜏).(4.50)
Außerdem ist:
𝜙𝑃𝐸 +𝜙𝑇𝑃 𝐸 = 1.(4.51)
Aus Gleichung (4.49) folgt zusammen mit Gleichung (4.50) und unter der Be-
trachtung, dass sich in jeder Grenz߬
ache die gleiche Gleitgeschwindigkeit einstellt
𝑉𝐼=𝑉𝑠𝑙𝑖𝑝):
61
4 Rheologische Untersuchungen
𝑉𝑠𝑙𝑖𝑝(𝜏) = 𝜏𝐻
𝑛1(1
𝜂𝑎𝑝𝑝(𝜏)1
𝜂𝑎𝑣,𝑛𝑜 𝑠𝑙𝑖𝑝(𝜏)).(4.52)
Erg¨
anzend sei noch erw¨
ahnt, dass in der Arbeitsgruppe von Macosko in den Unter-
suchungen jeweils verschiedene Messmethoden verglichen wurden. Lee et al. (2009)
zeigen, dass sich nach der obigen Betrachtung und einer entsprechenden Ableitung
f¨
ur ein sliding plate Rheometer die gleichen Werte f¨
ur die Gleitgeschwindigkeit
ergeben. Der Fehler, der aus der nur auf den Plattenrand bezogenen Herleitung
entsteht, scheint somit vernachl¨
assigbar zu sein.
F¨
ur die praktischen rheologischen Untersuchungen bedeuten die oben beschrie-
benen Zusammenh¨
ange nun Folgendes: Zur Berechnung der Gleitgeschwindigkeit
𝑉𝑠𝑙𝑖𝑝(𝜏) werden die Viskosit¨
atsdaten der Reinstoffe ben¨
otigt und die scheinbare
Viskosit¨
at der Schichtprobe. Da die Gleitgeschwindigkeit eine Funktion der Schub-
spannung ist, werden Messpunkte bei vorgegebenen Schubspannungswerten auf-
genommen. Es m¨
ussen zwangsl¨
aufig die gleichen Vorgaben bei der Messung der
jeweiligen Reinstoffe wie auch bei der Schichtprobe gemacht werden. Bevor die
Schichtproben im Rheometer aufgeschmolzen werden, wird die Dicke der einzelnen
Schichten gemessen und somit der Volumenanteil bestimmt. Die aufgeschmolzene
Schichtprobe wird anschließend auf den vorgegebenen Messspalt komprimiert. An-
genommen wird dabei, dass ¨
ubersch¨
ussiges Material gleichm¨
aßig aus den Schichten
nach außen gedr¨
uckt wird, so dass sich die Probe im Messspalt immer noch aus
den zuvor bestimmten Volumenanteilen zusammensetzt. Das ¨
ubersch¨
ussige Mate-
rial wird abgestrichen. Liegen alle Messdaten vor, so werden sie punktweise in die
obige Gleichung eingesetzt und 𝑉𝑠𝑙𝑖𝑝(𝜏) wird berechnet.
4.3.1 Experimentelle Bestimmung des Gleitens in polymeren
Grenz߬
achen
Nach den Ausf¨
uhrungen im vorangegangenen Abschnitt wird die Gleitgeschwin-
digkeit in der Grenz߬
ache zwischen PE und den verschiedenen TPE bestimmt.
Die Messungen an dreilagigen Proben werden im Platte-Platte Rheometer durch-
gef¨
uhrt. Der Messbereich wird zu kleinen Schergeschwindigkeiten hin begrenzt durch
die Empfindlichkeit des Rheometers und nach oben durch die eintretende Spaltent-
leerung. Der gew¨
ahlte Messbereich liegt bei 𝜏= 30 3000 Pa. In der Abbildung
4.11 sind zun¨
achst die Viskosit¨
aten der Reinstoffe gezeigt. Zus¨
atzlich zu den bereits
62
4.3 Gleiten in polymeren Grenz߬
achen
Abbildung 4.11: Vergleich der Viskosit¨
aten der Reinstoffe.
erw¨
ahnten Materialien wurden noch die Stoffe E1185, ein weitere Elastollan-Typ
auf Polyetherbasis, und M12T85, ein hochviskoses TPE auf Polyesterbasis der Fir-
ma Merquinsa, mit in die Untersuchung einbezogen. Somit liegen sechs Material-
paarungen zwischen PE und TPE vor, wobei ein sehr weiter Bereich der Visko-
sit¨
atsverh¨
altnisse betrachtet wird.
Die Abbildung 4.12 zeigt die Viskosit¨
atsverl¨
aufe f¨
ur die Materialpaarung PE/E685.
Aus den Volumenanteilen und den Reinstoffviskosit¨
aten wird nach Gleichung (4.50)
die theoretische Viskosit¨
at ohne Gleiten berechnet (𝜂𝑎𝑣,𝑛𝑜 𝑠𝑙𝑖𝑝). Im Gegensatz zu den
Proben, die in der Literatur beschrieben sind (z. B. Polypropylen gepaart mit Po-
lyamid [Zhao and Macosko 2002]), ist das Gleiten zwischen PE und TPE so stark,
dass die verwendeten drei Schichten und damit zwei wirksame Grenz߬
achen aus-
reichen, um eine deutlich niedrigere Viskosit¨
at im Vergleich zu den Werten ohne
Gleiten zu erhalten.
In der Abbildung 4.13 und 4.14 sind die entsprechenden Verl¨
aufe f¨
ur die Ma-
terialpaarung PE/E1185 bzw. PE/G140 dargestellt. Die weiteren Diagramme der
anderen Materialpaarungen finden sich im Anhang. Aus den hier gezeigten Abbil-
dungen geht der Einfluss des Gleitens eindeutig hervor. Unabh¨
angig davon, ob die
Viskosit¨
at des TPE ober- oder unterhalb des PE liegt, wurden aus den Messungen
der Schichtproben immer Kurven erhalten, die deutlich unterhalb der errechneten
63
4 Rheologische Untersuchungen
Abbildung 4.12: Darstellung der Viskosit¨
aten der Reinstoffe, der berechneten Viskosit¨
at
ohne Gleiten (𝜂𝑛𝑜 𝑠𝑙𝑖𝑝) und der scheinbaren Viskosit¨
at der Schichtprobe am Beispiel
der Materialpaarung PE/E685.
Abbildung 4.13: Darstellung der Viskosit¨
aten der Reinstoffe, der berechneten Viskosit¨
at
ohne Gleiten (𝜂𝑛𝑜 𝑠𝑙𝑖𝑝) und der scheinbaren Viskosit¨
at der Schichtprobe am Beispiel
der Materialpaarung PE/E1185.
64
4.3 Gleiten in polymeren Grenz߬
achen
Abbildung 4.14: Darstellung der Viskosit¨
aten der Reinstoffe, der berechneten Viskosit¨
at
ohne Gleiten (𝜂𝑛𝑜 𝑠𝑙𝑖𝑝) und der scheinbaren Viskosit¨
at der Schichtprobe am Beispiel
der Materialpaarung PE/G140.
Viskosit¨
atskurve ohne Gleiten liegen. Jetzt interessiert vor allem, ob die daraus re-
sultierenden Gleitgeschwindigkeiten sich in einer Art und Weise unterscheiden, dass
die Unterschiede in Zusammenhang mit der Reinstoffviskosit¨
at gebracht werden
k¨
onnen. Immerhin folgt aus der Arbeit von M¨
uller (2009), dass das G140 besonders
gut als Additiv geeignet ist, w¨
ahrend z. B. das E880 nicht besonders tauglich ist.
F¨
ur die einzelnen Messpunkte ist nun die Gleitgeschwindigkeit 𝑉𝑠𝑙𝑖𝑝(𝜏) nach Glei-
chung (4.52) berechnet worden. Die Ergebnisse sind zur besseren ¨
Ubersicht in den
Abbildungen 4.15, 4.16 und 4.17 dargestellt. Der Vergleich zwischen E685 und G140,
den beiden TPE, die als Additiv sehr geeignet sind, zeigt interessanterweise, dass die
Gleitgeschwindigkeit zum PE f¨
ur das E685 h¨
oher liegt als f¨
ur das G140, obwohl die-
ses zuvor als effektivstes Additiv beschrieben wurde. Der weitere Vergleich der un-
terschiedlichen Elastollan-Typen ergibt weiterhin, dass auch die ungeeigneten Ty-
pen wie E880 und ESP921 eine Gleitgeschwindigkeit in der gleichen Gr¨
oßenordnung
wie E685 und G140 haben. Die abflachenden Kurven f¨
ur die Paarungen mit E880
und ESP9213 sind durch die zunehmende Spaltentleerung dieser niedrigviskosen
Schichten zu erkl¨
aren. Es l¨
asst sich also feststellen, dass die Wirkung der TPE zur
Unterdr¨
uckung des sharkskin-Effekts nicht auf deutlich unterschiedliche Gleitge-
65
4 Rheologische Untersuchungen
schwindigkeiten in der Phasengrenz߬
ache zur¨
uckzuf¨
uhren sind. In der Abbildung
4.17 ist schließlich noch die Gleitgeschwindigkeit f¨
ur das TPE M12T85 aufgetra-
gen. Obwohl dieses TPE, wie aus Abbbildung 4.11 hervorgeht, eine besonders hohe
Viskosit¨
at besitzt, ist die ausgepr¨
agte Gleitgeschwindigkeit nahezu gleich groß wie
die des E1185. Ein Einfluss der Viskosit¨
at des TPE bezogen auf die Gleitgeschwin-
digkeit in der polymeren Grenz߬
ache ist somit nicht gegeben. Die im Abschnitt 3.4
belegte Nicht-Mischbarkeit von PE und TPE ist also bei allen Paarungen in gleicher
Weise ausgepr¨
agt, so dass sich in der Phasengrenz߬
ache quasi die gleiche niedrige
Anzahl von entanglements bildet, was zu einer sehr ¨
ahnlichen niedrigen Viskosit¨
at
in der Grenz߬
ache und damit einer ¨
ahnlichen Gleitgeschwindigkeit f¨
uhrt. In die be-
schriebenen Diagramme ist jeweils die Steigung mit eingetragen. Auch hierin zeigt
sich die gleichartige Auspr¨
agung der Gleitgeschindigkeit, da alle Verl¨
aufe ann¨
ahernd
die Steigung 𝑚𝑃𝐸/𝑇 𝑃 𝐸 = 1 besitzen. Es gilt demnach wie schon in Abschnitt 4.2.1
zwischen TPE und Edelstahl ermittelt:
𝑉𝑠𝑙𝑖𝑝, 𝑃 𝐸/𝑇 𝑃𝐸 𝜏. (4.53)
Im Vergleich dazu geben Lee et al. (2009) in ihrer Arbeit f¨
ur die Materialpaarung
Polypropylen (PP) / Polystyrol (PS) eine Steigung von 𝑚𝑃 𝑃/𝑃 𝑆 = 3 und f¨
ur PE
/ Fluorpolymer (FP) eine Steigung von 𝑚𝑃𝐸/𝐹 𝑃 = 6,2 an. Die Gleitgeschwindig-
keiten k¨
onnen jedoch erst ab einer Schichtanzahl von 𝑛20 bestimmt werden.
Außerdem beginnt das Gleiten f¨
ur die Paarung PP/PS erst ab einer Schubspan-
nung von 𝜏3000 Pa und f¨
ur PE/FP ab 𝜏10000 Pa. Die TPE hingegen zeigen
ausgepr¨
agtes Gleiten bereits ab 𝜏= 30 Pa.
In Zusammenhang mit Abschnitt 4.2, in dem die Gleitgeschwindigkeit an den
Platten des Messsystems im Rheometer betrachtet wurde, zeigt die Abbildung 4.18
den Vergleich zwischen den Gleitgeschwindigkeiten bez¨
uglich Stahl und PE f¨
ur drei
Elatollan-Typen. Dabei f¨
allt auf, das die niedrigviskosen Typen E880 und ESP9213
besser auf Stahl gleiten, als das E685. Die Gleitgeschwindigkeiten in der Grenz߬
ache
zum PE sind hingegen von vergleichbarer Gr¨
oßenordnung. Daraus folgt, dass die
Typen E880 und ESP9213 schneller an der D¨
usenwand abgleiten, als das E685.
Die durchgef¨
uhrten Messungen sind durch die einsetzende Spaltentleerung im
oberen Scherratenbereich limitiert. F¨
ur einen qualitativen Vergleich bez¨
uglich der
Ergebnisse von M¨
uller (2009) sind die Messkurven auf einen Schubspannungswert
von 𝜏= 0,4 MPa extrapoliert worden und den Werten aus Tabelle 3.3 in der Tabelle
66
4.3 Gleiten in polymeren Grenz߬
achen
Abbildung 4.15: Vergleich der Gleitgeschwindigkeiten in den polymeren Grenz߬
achen zwi-
schen E685 und G140.
Abbildung 4.16: Vergleich der Gleitgeschwindigkeiten in den polymeren Grenz߬
achen zwi-
schen den verschiedenen Elastollan-Typen und zum G140.
67
4 Rheologische Untersuchungen
Abbildung 4.17: Vergleich der Gleitgeschwindigkeiten in den polymeren Grenz߬
achen zwi-
schen PE und dem hochviskosen M12T85 sowie dem E1185, das eine dem PE ¨
ahnliche
Viskosit¨
at hat.
Abbildung 4.18: Vergleich der Gleitgeschwindigkeiten von drei Elastollan-Typen gegen-
¨
uber Stahl bzw. PE.
68
4.4 Einfluss der Normalspannung
Tabelle 4.2: Vergleich der Gleitgeschwindigkeiten nach M¨
uller (2009) bei 0,5 m% TPE-
Zugabe und den extrapolierten Werten dieser Arbeit bei 𝑇= 180 C und 𝜏𝑊=
0,4 MPa.
Gleitgeschwindigkeit [M¨
uller 2009] extrapolierte Gleitgeschwindigkeit
[mm/s] [mm/s]
PE + G140 31 5
PE + E685 24 8
PE + E880 14 6
PE + ESP9213 7 7
4.2 gegen¨
ubergestellt. Die in den Extrusionsuntersuchungen ermittelte Klassifikati-
on der Wirksamkeit der unterschiedlichen TPE l¨
asst sich, wie M¨
uller (2009) zeigte,
durch die Mooney-Analyse wiedergeben. Die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit
zeigen dabei, dass dies jedoch nicht auf eine unterschiedlich starke Auspr¨
agung der
Gleitgeschwindigkeit in der Phasengrenz߬
ache zur¨
uckzuf¨
uhren ist. Wie der Ver-
gleich zeigt, f¨
uhrt die Extrapolation der Messkurven weder zu entsprechenden Wer-
ten der Gleitgeschwindigkeit, noch zur Klassifikation, wie sie sich in den Extrusi-
onsuntersuchungen darstellt. Dies ist damit zu erkl¨
aren, dass in der Untersuchung
zum Gleiten in der polymeren Grenz߬
ache stets eine festgelegte Grenz߬
ache vorge-
geben wurde, w¨
ahrend durch die Mooney-Analyse die Bedingungen, wie sie bei der
Extrusion vorliegen wesentlich besser abgebildet werden. F¨
ur die Kapillarviskosi-
metermessungen, aus denen M¨
uller (2009) anschließend die Gleitgeschwindigkeiten
nach Mooney ermittelte, wurde bereits extrudiertes Material mit entsprechender
TPE-Zugabe verwendet. Da bekannt ist, dass sich das TPE in Tropfen im PE
dispergiert, liegt f¨
ur die Kapillarviskosimetermessungen ein Wirkprinzip nach Ab-
bildung 2.13 zugrunde. Zwangsl¨
aufig muss demnach ein besonders wirksames TPE
derart im PE dispergiert sein, dass vergleichsweise viel Material an der D¨
usenwand
anhaftet und somit eine große wirksame Grenzfl¨
ache entsteht.
4.4 Einfluss der Normalspannung
Wie bereits im Kapitel 2 beschrieben, gibt es einen Einfluss der Normalspannun-
gen auf die Entstehung der Schmelzflussinstabilit¨
aten [Black and Graham 1999].
Vor allem wenn es um die Wechselwirkung von zwei viskoelastischen Komponenten
geht, bei der eine Komponente in Form von Tropfen in der anderen Komponen-
te dispergiert ist, ist die Betrachtung von Normalspannungen bzw. Normalspan-
69
4 Rheologische Untersuchungen
Abbildung 4.19: Vergleich der ersten Normalspannungsdifferenzen (𝑁1) f¨
ur die Reinstoffe
bei 𝑇= 180 C.
nungsdifferenzen hilfreich [Lerdwijitjarud et al. 2002]. F¨
ur die verwendeten Ma-
terialien sind daher im Rheometer in einem Kegel-Platte System die jeweiligen
Werte der ersten Normalspannungsdifferenz (𝑁1) gemessen worden. Die Proben
wurden, wie in Abschnitt 3.3.2 erl¨
autert, vorbereitet. Verwendet wurde ein Kegel
mit 𝑑= 25 mm Durchmesser und einem Winkel von 𝛼= 4bei einer Spitzenabnah-
me von 𝜇= 0,25 mm. Der Messbereich ist zu kleinen Schergeschwindigkeiten hin
wieder durch die Au߬
osung des Rheometers und nach oben durch die einsetzten-
de Spaltentleerung limitiert. In Abbildung 4.19 sind die Ergebnisse der Messungen
dargestellt. Man erkennt, dass das TPE G140 eine h¨
ohere erste Normalspannungs-
differenz im Vergleich zum PE besitzt, die Elastollan-Typen hingegen eine niedri-
gere. Die niedrigviskosen Typen E880 und ESP9213 zeigen im Vergleich zum PE
sehr geringe Werte. Mit in die Abbildung eingetragen ist jeweils eine Verl¨
angerung
der Messkurven mit der konstanten Steigung 𝑛= 2, da gilt:
lim
˙𝛾0𝑁1˙𝛾2.(4.54)
70
4.4 Einfluss der Normalspannung
Normalspannungsmessungen sind im Vergleich zur Bestimmung von Fließkurven
oder oszillatorischen Messungen kompliziert und besonders fehleranf¨
allig. Nachdem
das Rheometer durch interne Abgleiche auf eine hohe Genauigkeit gebracht wur-
de, muss vor Beginn der Messung die Probe m¨
oglichst gut homogenisiert werden.
F¨
ur die Polymerschmelzen bedeutet dies, dass ausreichend Zeit zur Temperierung
und Relaxation etwaiger Spannungen gegeben werden muss, bevor die Messung
gestartet werden kann. Zur Bestimmung von 𝑁1wird die Normalkraft 𝐹𝑁gemes-
sen, die w¨
ahrend einer aufgepr¨
agten Scherung von der Probe an das Messsystem
¨
ubertragen wird. Dazu muss die Probe vor Messbeginn spannungslos sein. F¨
ur PE
gelingt dies gut, w¨
ahrend bei den TPE ja schon vom Beginn der Temperierung
eine Vernetzung ¨
uberlagert ist, die es quasi unm¨
oglich macht, zu Messbeginn v¨
ollig
spannungsfrei zu sein. Ebenso ist, gerade bei hochpr¨
azisen Normalkraftaufnehmern,
jeder Luftzug als St¨
orgr¨
oße zu werten, so dass zu Beginn der Messung, wenn das
Kraftsignal noch klein ist, die Messwerte erheblich fehlerbehaftet sind. Es ist daher
w¨
unschenswert, ¨
uber die Qualit¨
at der Messungen eine Aussage treffen zu k¨
onnen.
In den herausragenden Arbeiten von Laun (1978, 1986) werden daf¨
ur geeignete
Gleichungen angegeben. Laun gibt f¨
ur die Berechnung der station¨
aren Viskosit¨
at
im Newtonschen Bereich und im Bereich der Strukturviskosit¨
at folgende Beziehung
an:
𝜂𝑠(˙𝛾) =
𝑖
𝑔𝑖𝜆𝑖
(1 + 𝑛˙𝛾𝜆𝑖)2.(4.55)
In der obigen Gleichung sind die 𝑔𝑖Relaxationsmoduln und die 𝜆𝑖die Relaxations-
zeiten. Der Wert f¨
ur 𝑛ist der Exponent zur Beschreibung der D¨
ampfungsfunktion
¨
uber eine einzelne exponentielle Funktion nach Wagner (1976) :
(𝛾0) = 𝑒𝑥𝑝 [𝑛𝛾0].(4.56)
F¨
ur ein PE niedriger Dichte (LDPE) gibt Wagner einen Wert von 𝑛= 0,143,
w¨
ahrend Laun f¨
ur das gleiche Material 𝑛= 0,18 bestimmt. F¨
ur das in dieser Arbeit
verwendete LLDPE musste der Wert zun¨
achst wie folgt bestimmt werden: In oszil-
latorischen Messungen im Platte-Platte Rheometer sind f¨
ur das PE im Frequenzbe-
reich von 𝜔= 0,6600 rad/s und im Temperaturbereich von 𝑇= 160 220 C bei
einer Schrittweite von Δ𝑇= 20 C Daten aufgenommen worden. Anschließend wur-
71
4 Rheologische Untersuchungen
Tabelle 4.3: Relaxationsmoduln und Relaxationszeiten f¨
ur PE bei 𝑇= 180 C.
i𝑔𝑖𝜆𝑖
[Pa] [s]
1 5,70 1054,14 104
2 2,53 1052,70 103
3 1,38 1051,10 102
4 6,15 1044,22 102
5 2,00 1041,61 101
6 4,87 1036,28 101
7 1,11 1033,10 100
den die einzelnen Messkurven mit Hilfe des Programms IRIS zu einer Masterkurve
bei 𝑇𝑟𝑒𝑓 = 180 C zusammengef¨
ugt, siehe Abbildung 4.20. F¨
ur die Masterkurve
wurden die Relaxationszeiten berechnet, wie sie in Tabelle 4.3 angegeben sind. Die
Viskosit¨
atswerte der Masterkurve wurden als Werte der station¨
aren Viskosit¨
at nach
Gleichung (4.55) angenommen. Die G¨
ultigkeit der Cox-Merz-Regel wurde hierbei
angenommen. Als einzige Unbekannte bleibt nun noch der konstante Wert f¨
ur 𝑛zu
bestimmen. Dazu wird zun¨
achst ein Wert f¨
ur 𝑛vorgegeben und anschließend f¨
ur
jeden Messpunkt das Fehlerquadrat berechnet. Anschließend wird die Summe der
Fehlerquadrate gebildet und 𝑛solange variiert, bis die Summe minimal geworden
ist. Die Berechnungen wurden mit der Solver-Funkion von MS Excel durchgef¨
uhrt.
Es ergibt sich:
𝑛𝐿𝐿𝐷𝑃 𝐸 = 0,25.(4.57)
Das Ergebnis ist mit in die Abbildung 4.20 eingetragen. Nach der Bestimmung
von 𝑛ist nun eine weitere Gleichung von Laun zug¨
anglich, mit der sich der stati-
on¨
are erste Normalspannungskoeffizient Ψ𝑠berechnen l¨
asst:
Ψ𝑠= 2
𝑖
𝑔𝑖𝜆𝑖2
1 + 𝑛˙𝛾𝜆3
𝑖
.(4.58)
F¨
ur die erste Normalspannungsdifferenz gilt daher:
𝑁1= Ψ𝑠˙𝛾2.(4.59)
72
4.4 Einfluss der Normalspannung
Abbildung 4.20: Zeit-Temperatur-Verschiebung der komplexen Viskosit¨
at ¨
uber der redu-
zierten Kreisfrequenz f¨
ur PE bei 𝑇= 180 C . Die durchgezogene Linie ergibt sich aus
Gleichung (4.55) mit 𝑛= 0,25.
In Abbildung 4.21 sind die 𝑁1-Messwerte f¨
ur PE bei 𝑇= 180 C im Vergleich zur
Berechnung nach obiger Gleichung dargestellt. Die Messung umfasst einen Scher-
ratenbereich von ˙𝛾= 0,05 5 s1, der hier auch im Gegensatz zu Abbildung
4.19 komplett dargestellt ist. Es ist deutlich die Streuung der Messwerte im un-
teren Scherratenbereich zu erkennen, die daher nicht zur Auswertung verwendet
werden k¨
onnen. Ist das Kraftsignal ausreichend groß, findet man eine erstaunlich
gute ¨
Ubereinstimmung von Messwerten und den Rechenwerten. Im Bereich h¨
oherer
Scherraten setzt die Spaltentleerung ein, so dass es zum Abflachen der Messkurve
kommt.
Neben dem Zugang ¨
uber die Relaxationszeiten hat Laun sp¨
ater [Laun 1986] auch
noch einen empirischen Ansatz zur Berechnung von Ψ𝑠gefunden:
Ψ𝑠= 2𝐺
𝜔2[1 + (𝐺
𝐺′′ )2]0,7
𝑓¨𝑢𝑟 𝜔 = ˙𝛾. (4.60)
Damit kann die Berechnung von 𝑁1direkt aus oszillatorischen Messungen erfolgen.
73
4 Rheologische Untersuchungen
Abbildung 4.21: Bewertung der 𝑁1-Messung im Vergleich zur Berechnung f¨
ur PE bei
𝑇= 180 C . Die durchgezogene Linie ergibt sich aus Gleichung (4.59).
In der Abbildung 4.22 sind die beiden Berechnungsm¨
oglichkeiten nach Laun mit-
einander verglichen. Dabei wurde f¨
ur Ψ𝑠=𝑓(𝐺, 𝐺′′, 𝜔) eine oszillatorische Mess-
kurve bei 𝑇= 180 C verwendet und die Berechnung f¨
ur Ψ𝑠=𝑓(𝑔𝑖, 𝜆𝑖) f¨
ur ˙𝛾=𝜔
durchgef¨
uhrt. Es zeigt sich, dass die Messwerte besser aus der Berechnung ¨
uber
das Relaxationspektrum beschrieben werden als ¨
uber die Daten der oszillatori-
schen Messung. Die Abweichung zwischen den beiden Berechnungen im Bereich
von ˙𝛾=𝜔= 0,66 liegt bei maximal 15 %. Zur qualitativen Absch¨
atzung ¨
uber
die Qualit¨
at der 𝑁1-Messungen soll es aber ausreichen, eine Berechnung nach Glei-
chung (4.60) durchzuf¨
uhren. Die Abbildung 4.23 zeigt den Vergleich der Messungen
nach Abbildung 4.19 mit den entsprechend berechneten Verl¨
aufen f¨
ur die Materia-
lien PE, ESP9213 und E880. Die Berechnung ist nahezu exakt. Hingegen zeigt sich
in Abbildung 4.24 noch einmal, dass die TPE-Typen G140 und E685 schwierig
zu messen sind. Bei diesen beiden Materialien ist die ¨
uberlagerte Vernetzung auch
nach der Probenentnahme aus dem Rheometer dadurch festzustellen, dass die Pro-
be sehr z¨
ah geworden ist. Die Typen E880 und ESP9213 hingegen zeigen keine so
ausgepr¨
agten Struktur¨
anderungen und scheinen stabiler zu sein. Letztlich ist daher
die Abweichung zwischen Berechnung und Messung f¨
ur G140 und E685 groß.
74
4.4 Einfluss der Normalspannung
Abbildung 4.22: Vergleich der Messwerte und der Berechnungsergebnisse f¨
ur 𝑁1nach
Gleichung (4.59) auf Grundlage von Gleichung (4.58) und (4.60).
Abbildung 4.23: Vergleich zwischen 𝑁1-Messung und Berechnung nach Gleichung (4.60)
und (4.59) f¨
ur PE, ESP9213 und E880.
75
4 Rheologische Untersuchungen
Abbildung 4.24: Vergleich zwischen 𝑁1-Messung und Berechnung nach Gleichung (4.60)
und (4.59) f¨
ur G140 und E685.
Als Konsequenz l¨
asst sich feststellen, dass die gemessenen 𝑁1-Werte qualitativ
auch durch Berechnung best¨
atigt werden k¨
onnen. Damit liegen eindeutig Materia-
lien mit unterschiedlichen Gr¨
oßenordnungen f¨
ur 𝑁1vor. Der Effekt dieser unter-
schiedlichen Verh¨
altnisse von 𝑁1im Vergleich zu PE l¨
asst sich anschaulich sehr
gut durch folgenden Versuch zeigen. Es wird eine Schichtprobe bestehend aus einer
Schicht PE mit einer aufliegenden Schicht TPE im Platte-Platte Rheometer mit
einer Schergeschwindigkeit von ˙𝛾= 5 s1¨
uber einen Zeitraum von 𝑡20 min be-
aufschlagt. Das qualitative Ergebnis ist dabei nicht in Messwerten gegeben, sondern
in der makroskopischen Struktur der Probe, die anschließend aus dem Rheometer
entnommen wird, siehe Abbildung 4.25. In der Messanordnung Platte-Platte liegt
¨
uber den Radius ein Schergeschwindigkeitsprofil vor, siehe Gleichung (4.23). Bei un-
terschiedlicher Normalspannungsdifferenz entsteht dadurch eine radiale Geschwin-
digkeitskomponente, die letztlich dazu f¨
uhrt, dass die anf¨
angliche Schichtstruktur in
eine Ringstruktur ¨
uberf¨
uhrt wird. Je nach Verh¨
altnis der ersten Normalspannungs-
differenz zwischen PE und TPE wandert die Komponente mit den jeweils h¨
oheren
Werten von 𝑁1nach innen. Somit bildet sich im System E880/PE ein Kern aus
reinem PE und bei der Paarung G140/PE ein Kern aus reinem G140. Um den
76
4.4 Einfluss der Normalspannung
Abbildung 4.25: Struktur¨
anderung einer Zweischichtprobe nach Scherung bei ˙𝛾= 5 s1
f¨
ur 𝑡20 min bei 𝑇= 180 C.
Kern lagert sich stets eine Mischphase aus PE und TPE. Die Umlagerung beruht
auf dem Weissenberg-Effekt.
Um das Au߬
osen der Phasengrenz߬
ache noch besser betrachten zu k¨
onnen, wurde
eigens eine Lichtquelle konzipiert, die w¨
ahrend der Messung im Ofen des Rheome-
ters die Probe von hinten durchleuchten konnte. Bei einer Schergeschwindigkeit von
˙𝛾= 1 s1wurde dann eine Zweischichtprobe ¨
uber einen Zeitraum von 𝑡= 60 min
hin beobachtet. Mit einer f¨
ur das Rheometer optional erh¨
altlichen Digitalkamera
konnten dabei Bilder aufgezeichnet werden, siehe Abbildung 4.26. Die Schicht aus
PE war jeweils rot eingef¨
arbt und ist somit in den Bildern nicht durchscheinend.
Die TPE-Schmelzen sind hingegen glasklar. F¨
ur den besseren Vergleich ist in der
Abbildung E880 im Vergleich zu E685 dargestellt. Im Laufe der Aufnahmen er-
kennt man, dass f¨
ur E685 die Schichtstruktur bei dieser geringen Scherrate quasi
unver¨
andert vorhanden ist. Bei der Probe mit E880 l¨
oste sich die Schicht jedoch
schnell auf, so dass eine Emulsion aus rotem PE mit eingeschlossenen Tr¨
opfchen
aus E880 entstand, die bereits nach 𝑡= 20 min nicht mehr transparent erschien.
Ebenfalls stabil blieb G140, w¨
ahrend sich das ESP9213 wie das E880 verh¨
alt.
77
4 Rheologische Untersuchungen
Abbildung 4.26: Struktur¨
anderung einer Zweischichtprobe durch Scherung bei ˙𝛾=1s1
bei 𝑇= 180 C. F¨
ur die Paarung PE/E880 hat sich bereits nach 𝑡= 20 min eine
Emulsion gebildet. Das System PE/E685 ist auch noch nach 𝑡= 60 min stabil.
Erkl¨
art werden kann dies mit der Differenz zwischen den ersten Normalspan-
nungen der einzelnen Paarungen. Materialien mit ¨
ahnlichen 𝑁1-Werten, d. h. mit
¨
ahnlicher Elastizit¨
at, bilden eine stabilie Schichtenstruktur. Sind die Materialien
von unterschiedlicher Elastizit¨
at, so kommt es zu starken Instabilit¨
aten in der Pha-
sengrenze. Hierbei hilft zur Erkl¨
arung auch die Arbeit von Byars et al. [Byars et al.
1994]. Darin wurden mittels rheo-optischer Messungen spiralf¨
ormige Instabilit¨
aten
im Messspalt eines Platte-Platte Rheometers an einem Boger Fluid beobachtet.
Die Form der Instabilit¨
aten lassen sich als archimedische Spiralen ¨
uber die folgende
Parameterform beschreiben:
{(𝑥, 𝑦)𝑥=𝑎 𝜑 cos(𝜑), 𝑦 =𝑎 𝜑 sin(𝜑); 0 𝜙𝑛𝜋, 𝑛 , 𝑎 > 0}.(4.61)
Dabei gibt 𝜑den Drehwinkel der Spirale an und 𝑎den Windungsabstand. Zwar
sind weder das Polyethylen noch die TPE Boger Fluide, dennoch ist ja die Phasen-
grenz߬
ache gekennzeichnet durch eine Schicht niedriger Viskosit¨
at. Infolge dessen
78
4.4 Einfluss der Normalspannung
Abbildung 4.27: Zweischichtprobe aus PE und E685 nach Scherung bei 𝑇= 180 C.
Links: Blick von oben durch das transparente E685 auf die spiralf¨
ormig verformte Pha-
sengrenz߬
ache; rechts: gleiche Probe mit ¨
uberlagerter Darstellung der Spiralstruktur.
bilden sich in der Phasengrenze ¨
ahnliche Instabilit¨
aten, wie sie in [Byars et al. 1994]
beschrieben sind. Dazu zeigt die Abbildung 4.27 ein Beispiel. Zu sehen ist eine Zwei-
schichtprobe aus PE und E685, die nach Scherung von ˙𝛾= 0,110 s1¨
uber eine
Zeit von 𝑡= 310 s bei 𝑇= 180 C aus dem Rheometer nach Abk¨
uhlung entnommen
wurde. Der Blick geht von oben auf die transparente Schicht E685 und zeigt die
entstandene Spiralform in der Grenz߬
ache. Zur besseren Dastellung ist rechts im
Bild eine entsprechende Spirale ¨
uber das Foto gelegt. F¨
ur die Spirale gilt 𝑎= 0,2,
wobei bei der Berechnung nach der Formel (4.61) beachtet werden muss, dass die
Drehrichtung mathematisch negativ ist. Auch f¨
ur die Materialpaarung PE/G140
ist die Spiralform der Phasengrenz߬
ache nach Probenentnahme noch zu erkennen,
siehe Abbildung 4.28. In der Abbildung ist der Blick direkt auf die Grenz߬
ache
gerichtet, da die TPE-Schicht sich schlecht entformen ließ. Es wird damit deutlich,
dass sich selbst bei einfacher Scherung in der Grenz߬
ache Instabilit¨
aten ausbilden.
Die Instabilit¨
at von Phasengrenz߬
achen ist besonders bei der Coextrusion von
Bedeutung. In der Arbeit von Wilson und Khomami (1993) wird experimentell an-
hand der Coextrusion zweier nicht-mischbarer Polymere gezeigt, dass die Differenz
zwischen den ersten Normalspannungsdifferenzen der beiden Extrusionspartner ent-
scheidend f¨
ur die Stabilit¨
at der Grenz߬
ache ist. Eine große Differenz f¨
uhrt schnell zu
Instabilit¨
aten der Grenz߬
ache. Dies deckt sich mit den in Abbildung 4.26 gezeigten
Ergebnissen. Weiterhin wird von Yue et al. (2008) ein Effekt diskutiert, der er-
kl¨
art, warum sich in der Paarung zwischen PE und einem TPE mit niedriger erster
79
4 Rheologische Untersuchungen
Abbildung 4.28: Blick auf die Grenz߬
ache einer Zweischichtprobe aus PE und G140 nach
Scherung bei 𝑇= 180 C.
Normalspannungsdifferenz schnell eine Emulsion bildet. Yue et al. betrachten eben-
falls Instabilit¨
aten der Coextrusion. Ein Ph¨
anomen, das dabei beobachtet werden
kann, ist die sogenannte anomale Verkapselung. Gemeint ist damit der Einschluss
einer niedrigviskosen Komponente durch eine hochviskose Komponente. Allgemein
ist davon auszugehen, dass ein hochviskoses Fluid in Mischung mit einem niedrig-
viskosen Fluid in Str¨
omung eine sogenannte core-shell Struktur annimmt. Dabei
lagert sich das niedrigviskose Material nach außen und umschließt die hochviskose
Kernst¨
omung. Eine bedeutende Anwendung findet sich z. B. im Pipelinetransport
von Erd¨
ol, dem Wasser zugegeben wird, das sich nicht ins ¨
Ol mischt, aber das
Rohr von innen benetzt und somit die Reibung verringert und einen deutlich besse-
ren Transport erm¨
oglicht [Joseph 1997]. Bei der anomalen Verkapselung hingegen
entstehen durch die sehr unterschiedlichen 𝑁1-Werte Instabilit¨
aten in der Phasen-
grenze. Durch Sekund¨
arstr¨
omung, die sich quer zur Str¨
omungsrichtung ausbilden
und durch die Unterschiede in der zweiten Normalspannungsdifferenz hervorgeru-
fen werden, kann das Material mit der h¨
oheren Viskosit¨
at in das andere Material
st¨
arker eindringen und umschließt dieses. Dieser Effekt tritt nach den Erkenntnis-
sen von Yue et al. allerdings nur bei nicht-kreisrunden Querschnitten auf. In ihrer
80
4.5 Schlussfolgerungen aus den rheologischen Untersuchungen
Arbeit haben Yue et al. experimentelle Ergebnisse durch eine entsprechende Simula-
tion best¨
atigen k¨
onnen. Bezogen auf die Abbildung 4.26 zeigt sich, dass die großen
Unterschiede in der ersten Normalspannungsdifferenz letztlich zu einer schnellen
Dispergierung des niedrigviskosen TPE E880 f¨
uhren. Anschließend entmischt sich
das System wieder, wie bereits in Abbildung 4.25 gezeigt, wenn ¨
uber eine lange Zeit
ein Schergradient anliegt. ¨
Ubertragen auf die Anwendung der Extrusion ist jedoch
nur die Art der Disperion von Bedeutung, da es entlang der Schnecke im Extruder
eine st¨
andige Materialdurchmischung gibt und die Verweilzeit in der D¨
use, in der
die Phasentrennung dann auftreten k¨
onnte viel zu gering ist.
4.5 Schlussfolgerungen aus den rheologischen
Untersuchungen
Ausgehend von der Betrachtung, dass sich die thermoplastischen Elastomere als
Additive bei der Extrusion von Polyethylen in gleicher Art an die D¨
usenwand anla-
gern und in der Phasengrenze zur PE-Schmelze eine spezifische Gleitgeschwindigkeit
ausbildet, die schließlich die Qualit¨
at der sharkskin-Unterdr¨
uckung bestimmt, sind
im Platte-Platte Rheometer die Gleitgeschwindigkeiten in der polymeren Grenz-
¨
ache bestimmt worden. Allerdings konnten hierbei keine Unterschiede festgestellt
werden, mit der die eindeutige Klassifikation der Wirksamkeit der einzelnen TPE-
Typen begr¨
undet werden kann. Vielmehr zeigt sich, dass sich mit dieser Methode
unabh¨
angig vom eingestzten TPE Geschwindigkeiten ¨
ahnlicher Gr¨
oße einstellen.
In einem weiteren Ansatz sind die unterschiedlichen Viskosit¨
aten der TPE-Typen
zusammen mit den Werten der ersten Normalspannungsdifferenz betrachtet wor-
den. Gezeigt wurde, dass die erste Normalspannungsdifferenz f¨
ur die TPE in guter
N¨
aherung nach den empirischen Beziehungen von Laun aus oszillatorischen Mes-
sungen berechnet werden k¨
onnen. Dargestellt wurde zum einen, dass ein hoher
Unterschied zwischen den Werten von 𝑁1zu einer schnelleren Dispersion des TPE
im PE f¨
uhrt und zum anderen, dass aufgrund der Nicht-Mischbarkeit in Verbin-
dung mit den Unterschieden in den Werten der ersten Normalspannungsdifferenz
eine Phasentrennung auftritt. Dabei verlagert sich stets das Material mit den niedri-
geren 𝑁1-Werten in Richtung h¨
oherer Schergeschwindigkeiten. Die niedrigviskosen
TPE-Typen besitzen gleichzeitig die vergleichsweise geringsten Werte der ersten
Normalspannungsdifferenz und k¨
onnten sich demnach bei der Extrusion in der D¨
use
bevorzugt in Wandn¨
ahe befinden. Aus den Extrusionsversuchen folgt aber, dass ge-
81
4 Rheologische Untersuchungen
rade die niedrigviskosen Typen keine so gute Wirksamkeit zeigen. Dies liegt daran,
dass die Zeit des D¨
usendurchtritts zu kurz ist, um eine entsprechende Verlagerung
der beiden Komponenten zu erzielen. Folglich ist eine Begr¨
undung der Wirksamkeit
¨
uber die Viskosit¨
at oder die erste Normalspannungsdifferenz nicht m¨
oglich.
Ein anderer Aspekt wird von Kulikov (2005) zur Diskussion gebracht. Zur Er-
kl¨
arung der unterschiedlichen Wirksamkeit der von ihm untersuchten Materialien
unterteilte er diese in Gleit- und Haftmittel und gibt folgende empirische Einteilung
an:
(𝐺
𝐺′′ )𝐻𝑎𝑓𝑡𝑚𝑖𝑡𝑡𝑒𝑙 <(𝐺
𝐺′′ )𝑃𝐸 <(𝐺
𝐺′′ )𝐺𝑙𝑒𝑖𝑡𝑚𝑖𝑡𝑡𝑒𝑙.(4.62)
F¨
ur die station¨
are Viskosit¨
at findet Laun (1986) die empirische Beziehung:
𝜂𝑠(˙𝛾) = 𝐺
2[1 + (𝐺
𝐺′′ )2]0,5
𝑓¨𝑢𝑟 𝜔 = ˙𝛾. (4.63)
F¨
ur den ersten Normalspannungskoeffizienten war bereits im Abschnitt (4.4) fol-
gende Gleichung angegeben worden:
Ψ𝑠= 2𝐺
𝜔2[1 + (𝐺
𝐺′′ )2]0,7
𝑓¨𝑢𝑟 𝜔 = ˙𝛾. (4.64)
Beide Gleichungen besitzen in den eckigen Klammern den gleichen Term. Hierbei ist
zu erkennen, dass Kulikov mit seiner Einteilung nach Formel (4.62) einen Teil der
Viskosit¨
at und gleichzeitig einen Teil der Normalspannungen erfasst. Wie bereits
beschrieben, sind weder Viskosit¨
at noch die Normalspannungen alleinige Ursache
f¨
ur die Klassifikation der Wirksamkeit. Somit ist die Einteilung wie Kulikov sie
angibt sicherlich aus seinen Versuchen abzuleiten, kann aber nicht als Begr¨
undung
f¨
ur die unterschiedliche Wirksamkeit der TPE-Typen gelten.
Die hier dargestellten rheologischen Untersuchungen zeigen, dass die Wirksam-
keit der unterschiedlichen TPE-Typen auf weiteren Effekten beruhen muss als dem
ausschließlichen Auspr¨
agen einer Gleitgeschwindigkeit oder den verschiedenen Elas-
tizit¨
aten, die sich durch die Viskosit¨
at oder die erste Normalspannungsdifferenz aus-
dr¨
ucken lassen. Alle untersuchten TPE-Typen weisen zum PE eine Gleitgeschwin-
82
4.5 Schlussfolgerungen aus den rheologischen Untersuchungen
digkeit ¨
ahnlicher Gr¨
oßenordnung auf, w¨
ahrend die niedrigviskosen TPE-Typen an
Stahl deutlich besser gleiten.
83
5 Betrachtung der Grenz߬
achen
Da ¨
uber die rheologischen Untersuchungen, die vornehmlich an geschichteten Pro-
ben durchgef¨
uhrt wurden, die unterschiedliche Wirksamkeit der TPE zur shark-
skin-Unterdr¨
uckung nicht ausreichend erkl¨
art werden konnte, wird im Folgenden
die Emulsion der TPE-Tropfen in der PE-Matrix genauer betrachtet. Im Fokus
steht hierbei die Phasengrenze der TPE-Tropfen und die sich dadurch einstellende
Grenz߬
achenspannung.
5.1 Die Kapillar-Zahl
Die in der Literatur beschriebenen experimentellen Untersuchungen an viskoelas-
tischen Systemen f¨
uhren stets auf die Abh¨
angigkeit der Tropfenverformung vom
Verh¨
altnis der Elastizit¨
at zwischen Tropfen und Matrix. Besitzt ein Tropfen eine
h¨
ohere Elastizit¨
at als die ihn umgebebende Matrix, verformt er sich nur gering,
w¨
ahrend die Verformung bei geringerer Elastizit¨
at gegen¨
uber der Matrix besonders
ausgepr¨
agt ist. F¨
ur die Vergleichbarkeit unterschiedlicher Emulsion wird die soge-
nannte Kapillar-Zahl (𝐶𝑎) verwendet. In dieser dimensionslosen Kennzahl werden
die viskosen Kr¨
afte zu den Grenz߬
achenkr¨
aften ins Verh¨
altnis gesetzt, es gilt:
𝐶𝑎 =˙𝛾𝜂𝑚𝑅
𝛾𝛼𝛽
.(5.1)
Gebildet wird 𝐶𝑎 also ¨
uber die Scherrate ˙𝛾, die Viskosit¨
at der Matrix 𝜂𝑚, den Radi-
us des dispergierten Tr¨
opfchens 𝑅und die Grenzfl¨
achenspannung 𝛾𝛼𝛽. Beschrieben
sind in der Literatur Bereiche, in denen in Abh¨
angigkeit von 𝐶𝑎 die dispergier-
ten Tropfen unterschiedliche Verformungen erfahren. Huneault et al. (1995) geben
folgende Einteilung bezogen auf eine reduzierte Kapillar-Zahl (𝐶𝑎) an:
85
5 Betrachtung der Grenz߬
achen
f¨
ur 0,1> 𝐶𝑎keine Tropfendeformation
f¨
ur 0,1< 𝐶𝑎<1 Tropfendeformation ohne Zerfall
f¨
ur 1 < 𝐶𝑎<4 Tropfendeformation und Zerfall
f¨
ur 𝐶𝑎>4 Tropfendeformation hin zu stabilen Filamenten
Wobei gilt:
𝐶𝑎=𝐶𝑎
𝐶𝑎𝑘𝑟𝑖𝑡
.(5.2)
Die reduzierte Kapillar-Zahl ist somit das Verh¨
altnis der Kapillar-Zahl zu einer
kritischen Kapillar-Zahl 𝐶𝑎𝑘𝑟𝑖𝑡. Die kritische Kapillar-Zahl gibt dabei an, oberhalb
welchem Wert der Kapillar-Zahl es zum Tropfenzerfall kommt. Der Wert f¨
ur 𝐶𝑎𝑘𝑟𝑖𝑡
wird ¨
uber das Viskosit¨
atsverh¨
altnis aus der folgenden empirischen Beziehung be-
rechnet:
𝑙𝑜𝑔 (𝐶𝑎𝑘𝑟𝑖𝑡
2)=𝑐1+𝑐2𝑙𝑜𝑔 (𝜆) + 𝑐3[𝑙𝑜𝑔 (𝜆)]2+𝑐4
𝑙𝑜𝑔 (𝜆) + 𝑐5
.(5.3)
Mit
𝜆=𝜂𝑑𝑖𝑠𝑝𝑒𝑟𝑠𝑒 𝑃 ℎ𝑎𝑠𝑒
𝜂𝑀𝑎𝑡𝑟𝑖𝑥𝑝ℎ𝑎𝑠𝑒
.(5.4)
Die kritische Kapillar-Zahl ist also allein vom Viskosit¨
atsverh¨
altnis abh¨
angig. Die
Koeffizienten der obigen Gleichung unterscheiden sich f¨
ur den Fall der Scherung
und der Dehnung und finden sich z. B. bei Utracki und Shi (1992).
Wie im Abschnitt 3.4.4.1 dargestellt, liegt eine sehr breite Verteilung der Trop-
fengr¨
oße vor. Daher ist es nicht m¨
oglich, f¨
ur die Berechnung der Kapillar-Zahl
einen repr¨
asentativen Radius einer mittleren Tropfengr¨
oße anzugeben. Die breite
Verteilung der Tropfengr¨
oße deutet aber andererseits darauf hin, dass in Scherung
die Prozesse der Koaleszenz und der Tropfenzerfall nebeneinander vorliegen. Dies
wiederum macht die Grenz߬
achenspannung 𝛾𝛼𝛽 bedeutsam.
86
5.2 Grenz߬
achenspannung
5.2 Grenz߬
achenspannung
Einf¨
uhrend werden einige Grundlagen der Adh¨
asion betrachtet, wie sie von Wu
(1982) beschrieben wurden. Definiert wird zuerst die Adh¨
asionsarbeit (work of ad-
hesion). Es ist diejenige Arbeit, die aufgebracht werden muss, um zwei sich im
Gleichgewicht befindliche Oberfl¨
achen unterschiedlicher Stoffe 𝛼und 𝛽voneinan-
der zu trennen.
𝑊𝑎=𝛾𝛼+𝛾𝛽𝛾𝛼𝛽 (5.5)
In der angegebenen Gleichung steht 𝑊𝑎f¨
ur die Ad¨
asionsarbeit, 𝛾𝑖f¨
ur die Ober-
¨
achenspannung des jeweiligen Stoffes und 𝛾𝑖𝑗 f¨
ur die Grenz߬
achenspannung zwi-
schen den beiden Phasen. Diese Formulierung wurde bereits 1869 von Dupr´e vorge-
schlagen [Dupr´e 1869]. Thermodynamisch betrachtet ist die Oberfl¨
achenspannung
𝛾die Arbeit, die n¨
otig ist, um eine Ober߬
ache zu formen. Sie ergibt sich nach
Gleichung (5.6) aus der ¨
Anderung der Gibbsschen freien Energie des Systems 𝐺
bezogen auf die Ober߬
ache 𝐴bei konstanten Werten von Temperatur (𝑇), Druck
(𝑝) und Molanzahl (𝑛);
𝛾=(𝐺
𝐴)𝑇,𝑝,𝑛
.(5.6)
Somit wird durch die Adh¨
asionsarbeit letztlich angegeben, um wieviel sich die
Gibbssche freie Energie erniedrigt, wenn die beiden Ober߬
achen der Stoffe 𝛼und 𝛽
zusammen gebracht werden und eine Grenz߬
ache bilden. Wird die Gleichung (5.5)
nach der Grenz߬
achenspannung umgestellt, ergibt sich
𝛾𝛼𝛽 =𝛾𝛼+𝛾𝛽𝑊𝑎.(5.7)
Dadurch wird deutlich, dass eine hohe Grenz߬
achenspannung einer geringen Adh¨
a-
sionsarbeit entspricht und somit die Stoffe 𝛼und 𝛽leichter voneinander zu trennen
sind. Auf die Additive zur Unterdr¨
uckung des sharkskin ¨
ubertragen bedeutet dies,
dass besonders diejenigen Materialien geeignet sind, die zum Polyethylen eine hohe
Grenz߬
achenspannung besitzten.
87
5 Betrachtung der Grenz߬
achen
Aus einer molekularen Betrachtung ergeben sich unterschiedliche Kr¨
afte bzw.
Energien, die die Wechselwirkungen zwischen Molek¨
ulen bilden. Zum einen gibt es
zwischen jedem Molek¨
ulpaar dispersive Kr¨
afte, die dadurch entstehen, dass sich
die Elektronen der Molek¨
ule gegenseitig beeinflussen. Zus¨
atzlich k¨
onnen polare
Kr¨
afte z. B. aufgrund von Dipol-Wechselwirkungen und Wasserstoffbr¨
uckenbin-
dungen einen entscheidenen Anteil an den gesamten Wechselwirkungen ausmachen.
Gerade an der Grenz߬
ache zweier unterschiedlicher Stoffe ist die Wechselwirkung
auf molekularer Ebene f¨
ur die Adh¨
asion entscheidend. Die makroskopisch ausgebil-
dete Ober߬
achenspannung setzt sich also stets aus einem dispersen Anteil (d) und
einem polaren Anteil (p) zusammen. Es gilt:
𝛾=𝛾𝑑+𝛾𝑝.(5.8)
Dieser Sachverhalt l¨
asst sich auch auf die Adh¨
asionsarbeit ¨
ubertragen, so dass sich
Gleichung (5.7) wie folgt ¨
andert:
𝛾𝛼𝛽 =𝛾𝛼+𝛾𝛽𝑊𝑑
𝑎𝑊𝑝
𝑎(5.9)
Aus einer theoretischen Betrachtung der Anziehungskr¨
afte zwischen den Stoffen 𝛼
und 𝛽lassen sich folgende Formulierungen f¨
ur die dispersen und polaren Anteile
der Adh¨
asionsarbeit ableiten [Wu 1982]:
𝑊𝑑
𝑎=4𝛾𝑑
𝛼𝛾𝑑
𝛽
𝛾𝑑
𝛼+𝛾𝑑
𝛽
(5.10)
𝑊𝑝
𝑎=4𝛾𝑝
𝛼𝛾𝑝
𝛽
𝛾𝑝
𝛼+𝛾𝑝
𝛽
(5.11)
Eingesetzt in Gleichung (5.9) ergibt sich die Grenz߬
achenspannung als sogenanntes
harmonisches Mittel:
𝛾𝛼𝛽 =𝛾𝛼+𝛾𝛽4𝛾𝑑
𝛼𝛾𝑑
𝛽
𝛾𝑑
𝛼+𝛾𝑑
𝛽
4𝛾𝑝
𝛼𝛾𝑝
𝛽
𝛾𝑝
𝛼+𝛾𝑝
𝛽
.(5.12)
88
5.2 Grenz߬
achenspannung
5.2.1 Temperaturabh¨
angigkeit der Grenz߬
achenspannung
Den bisherigen Ausf¨
uhrungen zur Grenz߬
achenspannung lag stillschweigend die An-
nahme zugrunde, dass die Stoffe bei Raumtemperatur vorliegen. Allerdings darf der
Temperatureinfluss nicht außer Acht gelassen werden. Die zu untersuchenden Po-
lymere liegen als Schmelze bei einer Verarbeitungstemperatur von 𝑇= 180 C vor.
Die Berechnung der Grenz߬
achenenergie muss sich daher zwangsl¨
aufig auf diesen
Zustand beziehen, um eine schl¨
ussige Aussage treffen zu k¨
onnen. Wu (1982) stellt
als Ergebnis von entsprechenden Untersuchungen fest, dass es keine Temperatu-
rabh¨
angigkeit der polaren Anteile bei Polymeren gibt. Es gilt daher:
𝑑𝛾𝑝
𝑑𝑇 = 0.(5.13)
Mit Hilfe der Gruppenbeitragsmethode, wie sie z. B. von van Krevelen und te
Nijenhuis (2009) sehr gut beschrieben ist, lassen sich viele Stoffeigenschaften mit
ausreichender Genauigkeit berechnen. F¨
ur die Temperaturabh¨
angigkeit der Ober-
¨
achenspannung findet man:
𝛾(𝑇) = 𝛾(298𝐾)[𝜌(𝑇)
𝜌(298𝐾)]4
.(5.14)
Der Temperatureinfluss auf die Oberfl¨
achenspannung l¨
asst sich somit auf den Dich-
teunterschied zwischen Raumtemperatur und Schmelzezustand zur¨
uckf¨
uhren. Mit
Gleichung (5.14) wird der Wert f¨
ur die Ober߬
achenspannung bei der gew¨
unschten
Temperatur berechnet und anschließend ¨
uber Gleichung (5.8) der disperse Anteil
bestimmt. Die Temperaturabh¨
angigkeit der Dichte kann f¨
ur Polymere am besten
aus pvT-Messungen ermittelt werden.
5.2.2 Korrektur nach van Oene
In der Literatur finden sich unterschiedlichen Untersuchungen, aus denen eindeutig
hervorgeht, dass die Gleichungen zur Beschreibung von Emulsionen Newtonscher
Fluide nicht direkt auf die Verh¨
altnisse der viskoelastischen Systeme ¨
ubertragen
werden k¨
onnen. So sollte z. B. die Grenz߬
achenspannung nach einem Ansatz von
89
5 Betrachtung der Grenz߬
achen
van Oene (1972) mit der Differenz der ersten Normalspannungsdifferenzen der Ma-
terialpartner bei Scherung korrigiert werden:
𝛾𝛼𝛽, 𝑘𝑜𝑟𝑟 =𝛾𝛼𝛽 +1
6𝑅(𝑁1, 𝑑𝑖𝑠𝑝 𝑁1, 𝑚𝑎𝑡𝑟𝑖𝑥).(5.15)
Die korrigierte Grenz߬
achenspannung f¨
ur den Fall der gescherten Emulsion ergibt
sich demnach aus der Grenz߬
achenspannung ohne Scherung 𝛾𝛼𝛽, dem Tr¨
opfchen-
radius 𝑅und den ersten Normalspannungsdifferenzen der dispersen Phase 𝑁1, 𝑑𝑖𝑠𝑝
und der Matrix 𝑁1, 𝑚𝑎𝑡𝑟𝑖𝑥. Die Korrektur wird hier nur der Vollst¨
andigkeit halber
erw¨
ahnt, ist jedoch im Weiteren nicht betrachtet worden. Wie beschrieben, ist es
nicht m¨
oglich, einen Wert f¨
ur den Radius anzugeben, der f¨
ur die TPE-Tropfen
charakteristisch ist. Ebenfalls fehlt im Rahmen dieser Arbeit die M¨
oglichkeit, die
Korrektur anschließend auf ihre Anwendbarkeit ¨
uberpr¨
ufen zu k¨
onnen.
5.2.3 Experimentelle Bestimmung der Ober߬
achenspannung
Die Wirkung der Ober߬
achenspannung kann man sehr leicht erkennen. Sie f¨
uhrt
z. B. dazu, dass sich Fl¨
ussigkeitstropfen auf einer festen Ober߬
ache unterschied-
lich stark spreiten oder sich in einer Kapillare an der Phasengrenze ein Meniskus
ausbildet. Die Messung von Ober߬
achenspannungen ist hingegen eine besondere
messtechnische Herausforderung, denn die wirkende Spannung herrscht nur in ei-
ner Schicht von wenigen Nanometern an der Phasengrenze, in der es nicht m¨
oglich
ist, direkt zu messen. Indirekt wird die Ober߬
achenspannung z. B. ¨
uber die Ring-
methode oder die Wilhelmy-Platten-Methode durch eine Kraftmessung bestimmt.
Ebenso kann ein Kontaktwinkel an einem liegenden, h¨
angenden oder schr¨
agen Trop-
fen gemessen und dar¨
uber die Ober߬
achenspannung bestimmt werden. F¨
ur Poly-
merschmelzen sind allerdings aufgrund der vergleichsweise hohen Temperaturen, bei
denen die Schmelzen vorliegen und deren hoher Viskosit¨
at nur wenige Verfahren zur
Bestimmung der Ober߬
achenspannung ¨
uberhaupt geeignet. Im Rahmen dieser Ar-
beit sind Messungen von Kontaktwinkeln am liegenden Tropfen auf festen PE- und
TPE-Proben bei Raumtemperatur durchgef¨
uhrt worden. Als Test߬
ussigkeiten sind
Methyleniodid, Formamid und destilliertes Wasser verwendet worden. Anschlie-
ßend erfolgte die Berechnung der Grenzfl¨
achenspannung bei Verarbeitungstempe-
ratur ¨
uber die Dichtekorrektur mittels pvT-Daten. Dass dieses Vorgehen nicht zu
verl¨
asslichen Daten f¨
uhrt, wird bereits von P¨
otschke et. al (1997) beschrieben und
90
5.3 Spezielle Grenz߬
acheneffekte bei Mischungen aus PE und TPE
wurde best¨
atigt. Hingegen konnten P¨
otschke et al. (2002) mit der Methode des
h¨
angenden Tropfens die Ober߬
achenspannungen f¨
ur verschiedene TPE-Typen be-
stimmen.
5.3 Spezielle Grenz߬
acheneffekte bei Mischungen
aus PE und TPE
Der Materialbeschreibung in Abschnitt 3.2 ist zu entnehmen, dass die thermoplas-
tischen Elastomere selbst schon ein zweiphasiges System darstellen. Auch wenn die
reine TPE-Schmelze homogen erscheint, kann es in dieser wieder zur Phasentren-
nung kommen, wenn ein anderes Material eingemischt wird. Diese Phasentrennung
ist als spezieller Grenz߬
acheneffekt bez¨
uglich der betrachteten Mischung aufzufas-
sen. Es ist daher zwingend notwendig, die Beschaffenheit der Phasengrenze ge-
nauer zu ermitteln, um f¨
ur den vorliegenden Fall anschließend Aussagen bez¨
uglich
der Mischungen zwischen PE und TPE treffen zu k¨
onnen. In der herausragen-
den Arbeit von P¨
otschke et al. (2002) sind erstmalig entsprechende Messungen
der Ober߬
achenspannung am h¨
angenden Tropfen durchgef¨
uhrt worden. Wie bereits
beschrieben, sind die TPE thermisch nicht stabil, da die Polyurethanbildung um-
kehrbar ist und sich in der Schmelze die Urethanbindungen wieder ¨
offnen [Allport
and Mohajer 1973]. Aus diesem Grund haben P¨
otschke et al. (2002) die Ober-
¨
achenspannungen an einzelnen Modellsystemen f¨
ur die Weich- und Hartsegmente
getrennt ermittelt. Ihre Untersuchungen bezogen sich zudem auf die Mischung der
TPE in Polyolefinen. Sie konnten zeigen, dass es deutliche Unterschiede in der
Ober߬
achenspannung zwischen den einzelnen Komponenten gibt. Von besonderer
Bedeutung ist hierbei die chemische Basis der verschiedenen TPE. Dieser Aspekt ist
im Rahmen der vorliegenden Arbeit bisher nicht betrachtet worden. Zun¨
achst zeigt
sich, dass die Ober߬
achenspannung der Hartsegmente sehr viel h¨
oher ist als die der
Weichsegmente. Vergleicht man die Ober߬
achenspannung der Weichsegmente so
liegt diese f¨
ur Typen auf Polyesterbasis deutlich oberhalb derer f¨
ur Typen auf Po-
lyetherbasis. Daraus l¨
asst sich ableiten, dass die Phasentrennung in den TPE auf
Polyesterbasis gegen¨
uber denen auf Polyetherbasis schneller und st¨
arker abl¨
auft.
F¨
ur Mischungen mit PE nehmen P¨
otschke et al. (2002) generell an, dass aufgrund
der Phasentrennung im TPE und nach Betrachtung der sich einstellenden Grenz-
¨
achenspannungen die Weichsegmente in der Phasengrenze anlagern. Damit wird
wiederum das Verhalten an der Phasengrenze durch die chemische Basis des TPE
91
5 Betrachtung der Grenz߬
achen
bestimmt. Begr¨
undet durch die unterschiedlichen Grenz߬
achenspannungen ergeben
sich bei sonst gleichen Bedingungen bei den TPE auf Polyesterbasis gr¨
obere Struk-
turen der Dispersion als bei denen auf Polyetherbasis. Nach P¨
otschke und Pionteck
(2012) liegen die Grenz߬
achenspannungen bei 𝑇= 160 C bei folgenden Werten:
𝛾𝑃𝐸/𝑇 𝑃 𝐸𝐻𝑎𝑟𝑡𝑠𝑒𝑔𝑚𝑒𝑛𝑡 = 14,4mN
m,(5.16)
𝛾𝑃𝑃/𝑇 𝑃𝐸𝐻𝑎𝑟𝑡𝑠𝑒𝑔𝑚𝑒𝑛𝑡 = 13,2mN
m,(5.17)
𝛾𝑃𝐸/𝑇 𝑃 𝐸𝑃 𝑜𝑙𝑦𝑒𝑠𝑡𝑒𝑟𝑏𝑎𝑠𝑖𝑠 = 9,2mN
m,(5.18)
𝛾𝑃𝑃/𝑇 𝑃𝐸𝑃 𝑜𝑙𝑦𝑒𝑡ℎ𝑒𝑟𝑏𝑎𝑠𝑖𝑠 = 5,4mN
m.(5.19)
Die Messwerte zeigen nach P¨
otschke und Pionteck (2012) eine Genauigkeit von
𝛿𝛾𝛼𝛽 =±0,4 mN/m und sind somit signifikant unterschiedlich. Die gemessenen
Werte zwischen Polypropylen (PP) als Matrix und PE werden sich in Bezug auf
die TPE-Typen auf Polyetherbasis kaum unterscheiden, so dass auch hier die Un-
terschiede deutlich bleiben.
Im Abschnitt 2.1 wurde das Model von Oriani und Chapman (2003) beschrieben
und in Abbildung 2.15 dargestellt. Ihre Untersuchungen an Fluorpolymeradditiven
zeigten, dass f¨
ur die Wirksamkeit die Gr¨
oße der dispergierten Tr¨
opfchen von ent-
scheidender Bedeutung ist. Liegt ein hoher Grad der Dispersion vor, also sind viele
kleine Tr¨
opfchen in der Schmelze verteilt, so wird die Wirkung stark herabgesetzt.
Große Tropfen hingegen zeigen eine gute Wirkung. Zusammen mit den bisherigen
Ergebnissen der vorliegenden Arbeit und den Messungen von P¨
otschke et al. (2002)
l¨
asst sich darauf schließen, dass aufgrund der unterschiedlichen chemischen Basis
der TPE die in der PE-Schmelze dispergierten Tr¨
opchen eine derart unterschiedli-
che Gr¨
oße besitzen, dass TPE auf Polyesterbasis gegen¨
uber denen auf Polyetherba-
sis eine h¨
ohere Wirksamkeit zeigen. Dies deckt sich zudem mit den Ausf¨
uhrungen
in Abschnitt 5.2, wonach besonders die Materialien als Additive zur sharkskin-
Unterdr¨
uckung geeignet sind, die zum PE eine hohe Grenz߬
achenspannung auf-
92
5.3 Spezielle Grenz߬
acheneffekte bei Mischungen aus PE und TPE
Tabelle 5.1: Werte des minimalen Tropfendurchmessers nach Taylor (1932).
Material chemische Basis 𝜆 𝑑𝑇 𝑎𝑦𝑙𝑜𝑟
[108m]
G140 Silikon 0,4 4,6
E685 Ester 1,0 4,4
E880 Ester 0,4 4,6
E1185 Ether 1,0 1,8
ESP9213 Ether 0,6 1,8
weisen. Da das Material G140, das auf einer Silikonbasis beruht, die effektivste
Wirksamkeit zeigte, sollte die Dispersion mit PE dabei die gr¨
obste Struktur auf-
weisen. Leider sind f¨
ur dieses Material keine Grenz߬
achenspannungen beschrieben.
Um den Tropfendurchmesser in Dispersionen beschreiben zu k¨
onnen, wird oft
auf das Modell von Taylor zur¨
uckgegriffen. F¨
ur Newtonsche Systeme formulierte
Taylor (1932) die folgende Beziehung des stabilen Durchmessers eines kugelf¨
ormigen
Tropfens (𝑑𝑇𝑎𝑦𝑙𝑜𝑟), der nicht mehr in weitere Tropfen zerf¨
allt:
𝑑𝑇𝑎𝑦𝑙𝑜𝑟 =4𝛾𝛼𝛽 (𝜆+ 1)
˙𝛾𝜂𝑚(19𝜆/4 + 4).(5.20)
Der stabile Tropfendurchmesser ist abh¨
angig von der Grenz߬
achenspannung 𝛾𝛼𝛽,
der Scherrate ˙𝛾, der Viskosit¨
at der Matrixphase 𝜂𝑚und dem Viskosit¨
atsverh¨
altnis
𝜆nach Gleichung 5.4. Einen Vergleich zwischen der Berechung nach Taylor und
einer elektronenmikroskopischen Bildanalyse an PE/TPE-Proben ist von P¨
otschke
et al. (1997) durchgef¨
uhrt worden. Die Berechnung nach Taylor f¨
uhrt demnach
zu kleineren Werten, als in der Bildanalyse ermittelt, da die TPE-Tropfen in der
PE-Matrix stark koaleszieren. F¨
ur die Viskosit¨
atwerte bei ˙𝛾= 160 s1und 𝑇=
180 C sind die Werte von 𝑑𝑇 𝑎𝑦𝑙𝑜𝑟 f¨
ur die unterschiedlichen Materialien in Tabelle
5.1 angegeben. Angenommen wurde dabei f¨
ur das Material G140 der gleiche Wert
der Grenz߬
achenspannung wie f¨
ur die Polyesterbasis. Die tabellierten Durchmesser
sind rein qualitativ zu sehen, zeigen aber deutlich, dass der Viskosit¨
atseffekt in der
Tat zu vernachl¨
assigen ist. Allein die Unterschiede in der Grenz߬
achenspannung
wirken signifikant auf den Tropfendurchmesser.
93
5 Betrachtung der Grenz߬
achen
5.3.1 Experimentelle Untersuchung der speziellen
Grenz߬
acheneffekte
Die Ausf¨
uhrungen des vorherigen Abschnitts zeigen, dass die Grenz߬
acheneffekte an
den dispergierten TPE-Tr¨
opfchen von entscheidender Bedeutung f¨
ur die Wirksam-
keit als Additiv zur sharkskin-Unterdr¨
uckung sind. Zur qualitativen Best¨
atigung
sind zwei experimentelle Untersuchungen durchgef¨
uhrt worden, die im folgenden
beschrieben werden.
5.3.1.1 Analyse der Tropfendehnung
F¨
ur die Betrachtung einer Tropfendehnung in einem nicht-mischbaren System zei-
gen Delaby et al. (1996) eine Methode auf, die sich gut auf die in dieser Arbeit
betrachteten PE/TPE-Paarungen anwenden l¨
asst. Die Abbildung 5.1 zeigt prinzi-
piell die Idee der Methode. Ein eingebetteter Tropfen mit dem Anfangsdurchmesser
𝐷0wird sich affin zur Deformation der Matrix dehnen, wenn Grenzfl¨
acheneffekte
zwischen Tropfen und Matrix zu vernachl¨
assigen sind. In diesem Falle gilt in der
Abbildung 5.1 f¨
ur die Deformationen 𝜆=𝜆𝑑. Im Gegensatz dazu sind f¨
ur die
PE/TPE-Systeme die Grenz߬
acheneffekte zum einen nicht zu vernachl¨
assigen und
zum anderen gibt es deutliche Unterschiede in der Grenz߬
achenspannung zwischen
den einzelnen TPE-Typen. Folglich muss die Tropfendeformation in Abh¨
angigkeit
des TPE-Typs, und hier speziell bezogen auf die chemische Basis der Weichsegmen-
te, unterschiedlich sein.
Zur Analyse der Tropfendehnung sind Proben in folgender Vorgehensweise her-
gestellt worden: Reines PE-Granulat wurde auf einem Mikroskopheiztisch zwischen
zwei Objekttr¨
agern zu einem Pl¨
attchen gepresst. Einer L¨
osung von TPE in Tetrahy-
drofuran wurde durch einmaliges Eintauchen einer Nadel ein Tropfen entnommen,
der auf dem PE-Pl¨
attchen ausgestrichen wurde. Die nun fein verteilten Tr¨
opfchen
auf dem PE wurden mit einem zweiten PE-Pl¨
attchen abgedeckt. Auf dem Mikro-
skopheiztisch wurde die Probe zwischen zwei Objekttr¨
agern aufgeschmolzen. Im
Lichtmikroskop ist anschließend eine Stelle auf der Probe gesucht worden, die viele
Tr¨
opfchen unterschiedlicher Gr¨
oße zeigt. Diese Stelle ist umkreist und die Probe
nach Abk¨
uhlung auf ihre endg¨
ultige Dimension von 7 𝑥15 mm zugeschnitten wor-
den, so dass der Kreis mittig in der Probe liegt. Mit Hilfe des SER Dehntools des
Rheometers konnte die Probe anschließend bei 𝑇= 180 C um das 2,5-fache der ur-
spr¨
unglichen L¨
ange gedehnt werden. Die Dehnrate betrug dabei ˙𝜖= 0,01 s1. Am
94
5.3 Spezielle Grenz߬
acheneffekte bei Mischungen aus PE und TPE
Abbildung 5.1: Affine Deformation eines eingebetteten Tropfens, wenn Grenz-
¨
acheneffekte zu vernachl¨
assigen sind [Delaby et al. 1996].
Abbildung 5.2: PE-Probe mit eingebetteten Tropfen (innerhalb des Kreises); oben: vor
der Dehnung, unten: nach 2,5-facher Dehnung bei 𝑇= 180 C.
Ende der Dehnungsphase wurde die Probe durch ¨
Uberspritzen mit destilliertem
Wasser im gedehnten Zustand z¨
ugig abgek¨
uhlt. Wie aus Abbildung 5.2 hervorgeht,
ersteckt sich der zuvor markierte Bereich nun nahezu ¨
uber die gesamte Probe. Es
ist daher nicht m¨
oglich, gezielt einzelne Tropfen vor und nach der Dehnung auf der
Probe wiederzufinden. Da die Dehnung aber uniaxial verlief, erfuhr jeder Bereich
der Probe die gleiche Dehnung. Folglich erfuhr auch jeder Tropfen unabh¨
angig von
seiner Ausgangslage die gleiche Deformation. Mit dem Heiztisch-Mikroskop wurde
die Probe wieder auf 𝑇= 130 C aufgeheizt, um die Dehnung der Tropfen in der
PE-Matrix betrachten zu k¨
onnen. Die R¨
uckstellung der Tropfen bei dieser Tempe-
ratur ist ein sehr langsamer Prozess, der die Auswertung nicht beeinflusste.
95
5 Betrachtung der Grenz߬
achen
Die Abbildungen 5.3 bis 5.7 zeigen jeweils die Zust¨
ande vor und nach der Deh-
nung der Proben. Die gut sichtbaren Tropfen besitzen vor der Dehnung einen Ra-
dius von 3 6 mm. Rein qualitativ macht diese Untersuchung deutlich, dass die
Tropfen der TPE-Typen G140, E685 und E880 wenig deformiert werden, w¨
ahrend
die Typen E1185 und ESP9213 starke Verformung zeigen. Die unterschiedlichen
Viskosit¨
aten der Tropfen sind hierbei zu vernachl¨
assigen, da die Elastollan-Typen
f¨
ur die chemische Basis Polyester und Polyether jeweils durch einen Typen hoher
und niederer Viskosit¨
at repr¨
asentiert sind, vgl. Abbildung 4.11. Somit ist die unter-
schiedliche Deformation der Tropfen auf die Grenz߬
achenspannung zur¨
uckzuf¨
uhren.
In ¨
Ubereinstimmung mit den bisherigen Ausf¨
uhrungen zeigen die Polyester-Typen
eine geringere Verformung im Vergleich zu den Polyethertypen. Die Anbindung der
Tropfen an die Matrix ist also schlechter.
Abbildung 5.3: In PE eingebettete Tropfen aus silikonbasiertem G140 vor und nach 2,5-
facher Dehnung der Matrix.
96
5.3 Spezielle Grenz߬
acheneffekte bei Mischungen aus PE und TPE
Abbildung 5.4: In PE eingebettete Tropfen aus polyesterbasiertem E685 vor und nach
2,5-facher Dehnung der Matrix.
Abbildung 5.5: In PE eingebettete Tropfen aus polyesterbasiertem E880 vor und nach
2,5-facher Dehnung der Matrix.
97
5 Betrachtung der Grenz߬
achen
Abbildung 5.6: In PE eingebettete Tropfen aus polyetherbasiertem E1185 vor und nach
2,5-facher Dehnung der Matrix.
Abbildung 5.7: In PE eingebettete Tropfen aus polyetherbasiertem ESP9213 vor und nach
2,5-facher Dehnung der Matrix.
98
5.3 Spezielle Grenz߬
acheneffekte bei Mischungen aus PE und TPE
Abbildung 5.8: Elektronenmikroskopische Aufnahme der typischen Bruchbilder an einer
PE-Probe; links: Zipfel- und Fadenbildung durch duktilen Bruch, rechts: Treppenmus-
ter durch Spr¨
odbruch.
5.3.1.2 Analyse im Elektronenmikroskop
Nach dem Model von Oriani und Chapman (2003) ist die Tropfengr¨
oße entschei-
dend f¨
ur die Wirksamkeit eines Additivs zur sharkskin-Unterdr¨
uckung. Die Wer-
te in Tabelle 5.1 spiegeln zudem die Klassifizierung der Wirksamkeit der ver-
schiedenen TPE-Typen wider, wie sie von M¨
uller (2009) experimentell in Ex-
trusionsversuchen ermittelt wurde. Demnach muss sich an Extrusionsproben aus
PE/TPE-Mischungen eine unterschiedliche Struktur der Dispersion zeigen, wie sie
auch P¨
otschke et al. (2002) angeben. Dazu sind die in Abschnitt 3.3.3 beschriebenen
Emulsionsproben in einem Rasterelektronenmikroskop (REM) betrachtet worden.
Die extrudierten Str¨
ange sind dabei zun¨
achst in ¨
ussigem Stickstoff abgek¨
uhlt und
anschließend quer zur Extrusionsrichtung gebrochen worden. Diese Proben wur-
den einzeln f¨
ur 12 Stunden in Tetrahydrofuran (THF) bei Raumtemperatur und
weitere 4 Stunden bei 60 C gelagert. Da das THF nur die TPE l¨
ost, konnten die-
se spezifisch aus der Probenoberfl¨
ache entfernt werden. Nach weiteren 12 Stunden
Trocknung bei 60 C konnten die Bruch߬
achen mit Gold gesputtert und im REM
betrachtet werden.
Um die REM-Bilder korrekt zu analysieren, werden kurz zwei f¨
ur PE typi-
sche Bruchph¨
anomene dargestellt, wie sie von Ehrenstein et al. (2011) beschrie-
ben sind. Die Probenvorbereitung ¨
uber die Abk¨
uhlung in ¨
ussigem Stickstoff und
das anschließende Brechen ergibt sogenannte spr¨
ode Gewaltbr¨
uche. Da sich der
Spr¨
odbruch quer durch das Material ausbreitet, entstehen an Inhomogenit¨
aten im
Material charakteristische Keilstufen. Die Bruchfront teilt sich in mehrere Teilbah-
99
5 Betrachtung der Grenz߬
achen
Abbildung 5.9: Elektronenmikroskopische Aufnahme am Rand einer Emulsionsprobe mit
5 m% G140, einem TPE auf Silikonbasis. Die Bruch߬
ache der Probe liegt quer zur
Extrusionsrichtung und ist 1000-fach vergr¨
oßert. Pfeile deuten beispielhaft auf die
Hohlr¨
aume durch das herausgel¨
oste TPE.
nen, die sich im weiteren Verlauf wieder vereinigen. Es entstehen Treppenmuster
und absplitternde Sp¨
ane. Ist das Material jedoch nicht ausreichend abgek¨
uhlt, ent-
steht ein duktiler Bruch. Das bedeutet, dass es im Material zun¨
achst einen Verstre-
ckungsvorgang gibt, der erst bei einer ausreichend hohen Verformung zum Bruch
f¨
uhrt. Charakteristisch f¨
ur dieses Bruchbild ist die Zipfel- und Fadenbildung. Die
Abbildung 5.8 zeigt Beispiele dieser Bruchformen. Die Auswaschung einer Kompo-
nente, so wie es durch das THF erfolgt, f¨
uhrt zu deutlich sichtbaren Vertiefungen
bzw. schwarz erscheinenden L¨
ochern auf der Bruchober߬
ache.
Die Abbildungen 5.9 bis 5.13 zeigen nun jeweils die charakteristische Tropfenver-
teilung im Randbereich der Emulsionsproben. Dabei ist klar zu erkennen, dass die
Tr¨
opfchen bei dem Material G140 vergleichsweise groß sind. Die Polyestertypen zei-
gen immer noch deutlich gr¨
oßere Tropfen als die Polyethertypen. Bei dem Material
E1185 sind die Tropfen sogar erst bei 2000-facher Vergr¨
oßerung deutlich, siehe Ab-
bilung 5.12. Somit best¨
atigt sich zum einen das Modell von Oriani und Chapman
(2003) und ebenso die Aussage von P¨
otschke et al. (2002), dass die Polyesterty-
pen aufgrund ihrer h¨
oheren Grenz߬
achenspannung zu einer gr¨
oberen Dispersion
f¨
uhren. Angemerkt sei noch, dass die Emulsionsproben eine sehr viel h¨
ohere TPE-
Konzentration beinhalten als es praktisch zur sharkskin-Unterdr¨
uckung notwendig
ist. Die hohe TPE-Zugabe f¨
uhrt aber erst zu eindeutig sichtbaren Effekten.
100
5.3 Spezielle Grenz߬
acheneffekte bei Mischungen aus PE und TPE
Abbildung 5.10: Elektronenmikroskopische Aufnahme am Rand einer Emulsionsprobe
mit 5 m% E685, einem TPE auf Polyesterbasis. Die Bruch߬
ache der Probe liegt quer
zur Extrusionsrichtung und ist 1000-fach vergr¨
oßert. Pfeile deuten beispielhaft auf die
Hohlr¨
aume durch das herausgel¨
oste TPE.
Abbildung 5.11: Elektronenmikroskopische Aufnahme am Rand einer Emulsionsprobe
mit 5 m% E880, einem TPE auf Polyesterbasis. Die Bruch߬
ache der Probe liegt quer
zur Extrusionsrichtung und ist 1000-fach vergr¨
oßert. Pfeile deuten beispielhaft auf die
Hohlr¨
aume durch das herausgel¨
oste TPE.
101
5 Betrachtung der Grenz߬
achen
Abbildung 5.12: Elektronenmikroskopische Aufnahme am Rand einer Emulsionsprobe
mit 5 m% E1185, einem TPE auf Polyetherbasis. Die Bruch߬
ache der Probe liegt quer
zur Extrusionsrichtung und ist 1000-fach vergr¨
oßert. Pfeile deuten beispielhaft auf die
Hohlr¨
aume durch das herausgel¨
oste TPE.
Abbildung 5.13: Elektronenmikroskopische Aufnahme am Rand einer Emulsionsprobe
mit 5 m% ESP9213, einem TPE auf Polyetherbasis. Die Bruch߬
ache der Probe liegt
quer zur Extrusionsrichtung und ist 1000-fach vergr¨
oßert. Pfeile deuten beispielhaft auf
die Hohlr¨
aume durch das herausgel¨
oste TPE.
102
5.4 Schlussfolgerungen aus der Betrachtung der Grenz߬
achen
5.4 Schlussfolgerungen aus der Betrachtung der
Grenz߬
achen
Die im vorherigen Kapitel beschriebenen rheologischen Untersuchungen lieferten
keine abschließenden Erkenntnisse, mit deren Hilfe sich die unterschiedliche Wirk-
samkeit der TPE-Typen zur Unterdr¨
uckung des sharkskin-Effekts erkl¨
aren l¨
asst.
Die praxisnahe Betrachtung der Emulsion zwischen PE und TPE zeigt, dass Grenz-
¨
acheneffekte zwischen Tropfen und Matrix von besonderer Bedeutung sind. Die ex-
perimentelle Bestimmung der Grenz߬
achenspannung ist dabei besonders schwierig.
Aufgrund der Zweiphasigkeit des TPE, in denen die Weichsegmente die eine und
die Hartsegmente die andere Phase bilden, k¨
onnen Ober߬
achenspannungen sinn-
voll nur an Modellsystemen der Einzelphasen gemessen werden. Zus¨
atzlich sind
die Ober߬
achenspannungsmessungen noch bei Temperaturen um 160 C zu mes-
sen. Aparativ eignet sich daher nur die Methode des h¨
angenden Tropfens f¨
ur solche
Messungen. Die Ergebnisse einer entsprechenden Untersuchung sind von P¨
otschke
et al. (2002) erstmalig beschrieben. Es zeigt sich, dass es in Mischung mit Po-
lyolefinen neben der Ausbildung von Tropfen zu einer Anlagerung der Weichseg-
mente in der Phasengrenz߬
ache kommt. Damit sind die Grenz߬
acheneigenschaften
bestimmt durch die chemische Basis der TPE. In ¨
Ubereinstimmung mit den in
der Literatur beschriebenen Erkenntnissen, den Ergebnissen von Kulikov (2005)
und M¨
uller (2009) kann die unterschiedliche Wirksamkeit der TPE zur sharkskin-
Unterdr¨
uckung auf die chemische Struktur der TPE zur¨
uckgef¨
uhrt werden. Bisher
ist dieser Aspekt nicht betrachtet worden. Aus den qualitativen Untersuchungen
und in Verbindung mit dem Modell von Oriani und Chapman (2003) ergibt sich,
dass die silikon- und polyesterbasierten TPE besonders grobe Dispersionsstruktu-
ren im PE zeigen. Die Tropfen dieser Materialklasse sind verh¨
altnism¨
aßig groß.
F¨
ur Fluorpolymere zeigten Oriani und Chapman (2003), dass die Effektivit¨
at der
Additive abh¨
angig von der Tropfengr¨
oße ist. Große Tropfen bringen somit beim
Anhaften mehr Additivmasse an die Wand. Kleine Tropfen haben im Gegensatz
dazu eine geringere Wahrscheinlichkeit, ¨
uberhaupt an die Wand zu kommen und
die im Falle des Haftens mitgef¨
uhrte Additivmasse ist zu gering, um wirkungsvoll
ein Gleiten hervorzurufen. Somit zeigt sich, dass die Mechanismen der sharkskin-
Unterdr¨
uckung durch TPE analog zu denen der Fluorpolymere sind. Die Gr¨
oße der
Additivtropfen folgt bei den TPE direkt aus der chemischen Basis.
103
6 Zusammenfassung
In der vorliegenden Arbeit sind Untersuchungen zur Wirkung thermoplastischer
Elastomere (TPE) als Additive zur Unterdr¨
uckung des sharkskin-Effekts bei der
Extrusion von Polyethylen beschrieben. W¨
ahrend bereits aus den Arbeiten von
Kulikov (2005) und M¨
uller (2009) die Wirksamkeit und eine Klassifikation der
Effektivit¨
at einiger TPE-Typen hervor geht, ist es das Ziel dieser Arbeit gewe-
sen zu kl¨
aren, wodurch sich diese unterschiedliche Effektivit¨
at ergibt. Neben den
¨
okologischen Vorteilen gegen¨
uber den herk¨
ommlichen Verarbeitungshilfmitteln auf
Fluorbasis erzielen die TPE eine Kostenersparnis. Diese Vorteile verringern sich je-
doch deutlich, wenn die Zugabemengen f¨
ur die wirksame sharkskin-Unterdr¨
uckung
hoch sind. Aufgrund der unterschiedlichen Effektivit¨
at eignen sich daher nur einige
spezielle Typen aus der großen Gruppe der TPE. In dieser Arbeit ist dargestellt,
anhand welcher Kriterien eine Materialauswahl f¨
ur die Verwendung von TPE zur
sharkskin-Unterdr¨
uckung zu treffen ist, um vor allem die Kostenvorteile maximal
nutzen zu k¨
onnen.
Die Entstehung des sharkskin-Effekts ist durch das Modell von Cogswell (1977)
gut beschrieben. Die Extrusion von viskoelastischem Material f¨
uhrt zwangsl¨
aufig
zur Strangaufweitung außerhalb der Extrusionsd¨
use und einer ¨
Anderung des Str¨
om-
ungsprofils. Am D¨
usenaustritt anhaftendes Material wird abgel¨
ost, wenn sich zwi-
schen der haftenden Randschicht und der weiterstr¨
omenden Kernphase des Ma-
terials eine ausreichend hohe Zugspannung aufgebaut hat und es dadurch zum
koh¨
asiven Bruch kommt. Dieser sich fortlaufend wiederholende Prozess f¨
uhrt zur
charakteristischen Ober߬
achenstruktur des sharkskin-Effekts. Die Unterdr¨
uckung
dieses Schmelzebruchs erfolgt ¨
uber die Anlagerung eines Verarbeitungshilfsmittels
an der Wand der ausformenden D¨
use und der sich einstellenden Gleitgeschwin-
digkeit in der Phasengrenze zur Polymerschmelze. Somit wird eine Reduktion der
Spannungen an der Extrudatober߬
ache hervorgerufen. Basierend auf der Arbeit von
Zhao und Macosko (2002) ist im Platte-Platte Rheometer die Gleitgeschwindigkeit
in der Phasengrenz߬
ache zwischen Polyethylen und verschiedenen TPE-Typen er-
105
6 Zusammenfassung
mittelt worden. Als Ergebnis zeigt sich, dass die verschiedenen thermoplastischen
Elastomere zum Polyethylen jeweils eine ¨
ahnlich hohe Gleitgeschwindigkeit ausbil-
den. Dabei ist die Gleitgeschwindigkeit direkt proportional der anliegenden Schub-
spannung und bereits sehr deutlich bei Vorhandensein von nur zwei Grenz߬
achen
im Messspalt ab Messbeginn zu ermitteln. Im Gegensatz dazu stehen die Unter-
suchungen von Lee et al. (2009), in denen f¨
ur die Systeme Polystyrol (PS) / Po-
lypropylen (PP) und Polyethylen (PE) / Fluorpolymer (FP) Gleiten erst ab einer
Grenz߬
achenzahl gr¨
oßer als 20 und ab Schubspannungen gr¨
oßer als 𝜏= 3000 Pa
messbar sind.
Nach der Methode von Yoshimura und Prud´homme (1988), bei der Rotations-
messungen bei zwei unterschiedlichen Spaltweiten miteinander verglichen werden,
wird f¨
ur PE und ausgew¨
ahlte TPE die Wandgleitgeschwindigkeit gegen¨
uber Stahl
bestimmt. Es ist gezeigt worden, dass f¨
ur PE keine Wandgleitgeschwindigkeit vor-
liegt. Im Gegensatz dazu konnte eine Wandgleitgeschwindigkeit f¨
ur die TPE ermit-
telt werden, die ebenfalls eine direkte Proportionalit¨
at zur Schubspannung zeigt.
Aus einem Vergleich der Gleitgeschwindigkeiten gegen¨
uber Stahl und PE folgt, dass
die niedrigviskosen TPE eine h¨
ohere Gleitgeschwindigkeit gegen¨
uber Stahl zeigen,
als es das h¨
oher viskose TPE zeigt. F¨
ur das h¨
oher viskose TPE liegen die Gleit-
geschwindigkeiten gegen¨
uber Stahl und PE in der gleichen Gr¨
oßenordnung. Wie
sp¨
ater gezeigt wird, sind die Eigenschaften an der Phasengrenze zwischen PE und
TPE durch die chemische Struktur der Weichsegmente bestimmt. Im Kontakt mit
Stahl hingegen ist nur die Viskosit¨
at der TPE entscheidend f¨
ur den Wert der Gleit-
geschwindigkeit.
An den untersuchten Materialien wurden Messungen der ersten Normalspan-
nungsdifferenz durchgef¨
uhrt. Diese sind mit den empirischen Beziehungen nach
Laun (1978, 1986) verglichen worden und zeigen qualitiv gute ¨
Ubereinstimmung.
Einschr¨
ankend ist dabei eine der Messung ¨
uberlagerte Vernetzung des Materials,
die bei den TPE-Typen h¨
oherer Viskosit¨
at deutlicher ausgepr¨
agt ist. Exemplarisch
wird der Einfluss der Differenz der ersten Normalspannungsdifferenz zwischen PE
und TPE auf die Phasentrennung betrachtet. Im Platte-Platte Rheometer lagert
sich das Material mit den niedrigeren Werten der ersten Normalspannungsdifferenz
und folglich der niedrigeren Viskosit¨
at in Richtung steigender Schergeschwindigkei-
ten. In einer Rohrstr¨
omung f¨
uhrt dies zur Umlagerung der niedrigviskosen Kom-
ponente an die Wand. Auf die Extrusionsanwendung ¨
ubertragen ist dies jedoch zu
106
vern¨
achl¨
assigen, da die Zeit des D¨
usendurchtritts der Schmelze zu kurz ist, um diese
Phasentrennung entlang des Schergeschwindigkeitsgradienten hervorzurufen.
Die weiteren Untersuchungen zur Wirkung der TPE als Additive zur sharkskin-
Unterdr¨
uckung erstrecken sich ¨
uber die Betrachtung der Grenz߬
acheneffekte in der
Phasengrenze zwischen dispergierten TPE-Tropfen und PE-Matrix. Aus den Er-
gebnissen von P¨
otschke et al. (1997, 2002), die f¨
ur spezielle PE/TPE-Systeme die
Grenz߬
achenspannung und die Dispersionsstruktur ermittelt haben, folgt, dass die
chemische Basis der TPE-Weichsegmente entscheidenden Einfluss auf die Grenz-
¨
achenspannung besitzt. Begr¨
undet ist dies durch den zweiphasigen Aufbau der
TPE, in denen Hart- und Weichsegmente nebeneinander vorliegen. In der Schmelze
kommt es zu einer Phasentrennung im TPE und im Kontakt mit PE lagern sich die
Weichsegmente aufgrund unterschiedlicher Ober߬
achenspannungen in der Phasen-
grenz߬
ache an und bestimmten somit deren Eigenschaften. Abh¨
angig davon stellt
sich eine unterschiedliche Dispersionsstruktur ein. Dabei zeigen TPE auf Polyester-
oder Silikonbasis grobe Strukturen mit relativ großen Tropfen. Diese Ergebnisse
werden qualitativ anhand von lichtmikroskopischen Aufnahmen an einzelnen TPE-
Tropfen in der PE-Matrix bzw. rasterelektronenmikroskopischen Bildern an Emul-
sionsproben best¨
atigt und tragen wesentlich zur Erkl¨
arung der unterschiedlichen
Effektivit¨
at der TPE bei.
Abschließend kann die Wirkung thermoplastischer Elastomere als Additive zur
sharkskin-Unterdr¨
uckung wie folgt beschrieben werden. Aufgrund der Nicht-Misch-
barkeit von PE und TPE dispergiert das TPE in Form von Tropfen in der PE-
Matrix. Die Dispersionsstruktur wird dabei von der Grenz߬
achenspannung zwi-
schen PE und TPE beeinflusst. Innerhalb der TPE-Phase kommt es bedingt durch
die unterschiedlichen Ober߬
achenspannungen von Hart- und Weichsegmenten zur
Phasentrennung. Im Kontakt zum PE lagern sich die Weichsegmente in der Grenz-
¨
ache der Tropfen an. Die chemische Struktur der Weichsegmente f¨
uhrt dabei zu
unterschiedlichen Werten in der Grenz߬
achenspannung. F¨
ur TPE auf Polyetherba-
sis resultiert daraus eine sehr feine Dispersionsstruktur mit vielen kleinen Tropfen,
w¨
ahrend TPE auf Polyester- oder Silikonbasis grobe Strukturen mit großen Tropfen
zeigen. Dem Modell von Oriani und Chapman (2003) folgend ist die Effektivit¨
at
von Additiven zur sharkskin-Unterdr¨
uckung abh¨
angig von der anhaftenden Masse
einzelner Additivtropfen an der D¨
usenwand. Das Anhaften weniger großer Tropfen
ist dabei effektiver als ein Anhaften vieler kleiner Tropfen. F¨
ur alle untersuchten
PE/TPE-Systeme wird in der Phasengrenz߬
ache eine Gleitgeschwindigkeit gleicher
107
6 Zusammenfassung
Gr¨
oßenordnung festgestellt. Die Dispersionsstruktur ist jedoch abh¨
angig von der
chemischen Basis der Weichsegmente sehr unterschiedlich. Anhand der unterschied-
lichen Tropfengr¨
oße kann nun die Klassifizierung der Effektivit¨
at der TPE, wie sie
bereits von M¨
uller (2009) beschrieben wurde, erkl¨
art werden. Die TPE-Typen auf
Polyester- bzw. Silikonbasis sind also effektiver, da sie gr¨
oßere Tropfen in der PE-
Matrix bilden. Die geringere Effektivit¨
at eines niedrigviskosen TPE auf Polyesterba-
sis ist weiterhin durch die in dieser Arbeit ermittelte Gleitgeschwindigkeit gegen¨
uber
Stahl zu erkl¨
aren. Anhaftende Tropfen dieses Materials gleiten daher vergleichswei-
se schnell entlang der D¨
usenwand ab. Zur effektiven sharkskin-Unterdr¨
uckung bei
der Extrusion von Polyethylen sind somit diejenigen thermoplastische Elastome-
re geeignet, deren Weichsegmente eine besonders hohe Grenz߬
achenspannung zum
Polyethylen zeigen und deren Viskosit¨
at ¨
ahnlich der des Polyethylens ist.
108
Literaturverzeichnis
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Anhang A - Messergebnisse zur
Bestimmung der
Gleitgeschwindigkeit
117
Anhang A - Messergebnisse zur Bestimmung der Gleitgeschwindigkeit
Abbildung 1: Darstellung der Viskosit¨
aten der Reinstoffe, der berechneten Viskosit¨
at oh-
ne Gleiten (𝜂𝑛𝑜 𝑠𝑙𝑖𝑝) und der scheinbaren Viskosit¨
at der Schichtprobe am Beispiel der
Materialpaarung PE/E880.
Abbildung 2: Darstellung der Viskosit¨
aten der Reinstoffe, der berechneten Viskosit¨
at oh-
ne Gleiten (𝜂𝑛𝑜 𝑠𝑙𝑖𝑝) und der scheinbaren Viskosit¨
at der Schichtprobe am Beispiel der
Materialpaarung PE/ESP9213.
118
Abbildung 3: Darstellung der Viskosit¨
aten der Reinstoffe, der berechneten Viskosit¨
at oh-
ne Gleiten (𝜂𝑛𝑜 𝑠𝑙𝑖𝑝) und der scheinbaren Viskosit¨
at der Schichtprobe am Beispiel der
Materialpaarung PE/M12T85.
119
Schriftenreihe Kunststoff-Forschung
der Technischen Universität Berlin
Herausgegeben von Helmut Käufer
ISSN 0174-4003
01: Biangardi, Harald J.: Bestimmung der Orientierung und
molekularen Ordnung in Polymeren. - 1980. - 145 S. -
A5. - Br.
ISBN-10: 3-7983-0737-7 vergriffen
02: Kristukat, Peter: Verhalten von teilkristallinen Thermo-
plasten beim Pressrecken und dabei erreichbare Eigen-
schaften von POM. - 1980. - 137 S. - A5. - Br.
ISBN-10: 3-7983-0738-5 vergriffen
03: Arnold, Gerhart: Pressrecken zum Einbringen orien-
tierter Bereiche für Konstruktionsteile aus teilkris-
tallinen Thermoplasten. - 1980. - 140 S. - A5. - Br.
ISBN-10: 3-7983-0739-3 vergriffen
04: Käufer, Helmut; Burr, August; Hüppe, Reinhard u.a.:
Wissenschaftliche Arbeiten und Einrichtung der Kunst-
stofftechnik. - 1980. - 118 S. - A5. - Br.
ISBN-10: 3-7983-0740-4 vergriffen
05: Hofbauer, Lothar: Entwicklung einer Kalanderausform-
theorie und beispielhafte technische und wirtschaftliche
Erprobung an PVC-Folien. - 1981. - 210 S. - A5. - Br.
ISBN-10: 3-7983-0750-4 vergriffen
06: Jitschin, Michael: Entwicklung eines Konstruktions-
katalogs mit Lösungssammlungen schnappbarer Form-
und Kraftschlussverbindungen an Kunststoffteilen und
beispielhafte Anwendungen. - 1981. - 129 S. - A5. - Br.
ISBN-10: 3-7983-0763-6 vergriffen
07: Zapf, Wolfgang: Verhalten und Beurteilung stoßbelasteter
Kunststoffbauteile. - 1981. - 127 S. - A5. - Br.
ISBN-10: 3-7983-0764-4 vergriffen
08: Naranjo-Carvajal, Alberto; Burr, August: Abkühlungs-
beschreibung bei Thermoplasten im Spritzgieß-Prozess
durch Kombinierung experimenteller und rechnerischer
Methoden in FORTRAN IV. - 1981. - 49 S. - A5. - Br.
ISBN-10: 3-7983-0771-7 vergriffen
09: Rautenberg, Lutz: Walzgereckte Thermoplastplatten, ihre
Technologie, Eigenschaften und Strukturen. - 1982. -
205 S. - A5. - Br.
ISBN-10: 3-7983-0810-1 vergriffen
10: Burr, August: Spritzgießpressrecken thermoplastischer
Formteile am Beispiel von Zahnrädern aus Polyoxi-
methylen. - 1983. - 148 S. - A5 - Br.
ISBN-10: 3-7983-0811-X vergriffen
11: Käufer, Helmut; Huppe, Reinhard; Mähler, Dieter u.a.:
Anwendungstechnische Arbeiten aus der Polymertech-
nik. - 1983. - 123 S. - A5. - Br.
ISBN-10: 3-7983-0835-7 vergriffen
12: Käufer, Helmut; Thomssen, Udo u.a.: Verarbeitungs-
technische und konstruktive Arbeiten aus der Polymer-
technik. - 1983. - 127 S. - A5. - Br.
ISBN-10: 3-7983-0938-8 vergriffen
13: Käufer, Helmut; Fischer, Klaus D; u.a.: Erarbeitung
von Beurteilungsverfahren für angeklebte Fassaden-
Verkleidung. - 1984. - 90 S. - A5 - Br.
ISBN-10: 3-7983-0965-5 vergriffen
14: Woite, Bernd F.: Beitrag zur Dimensionierung statisch und
stoßartig belasteter Platten und Sandwichplatten aus
Thermoplasten. - 1984. - 275 S. - A5. - Br.
ISBN-10: 3-7983-0966-3 vergriffen
15: Thomssen, Udo: Gestaltung gewölbter Körper am Bei-
spiel spritzgegossener Halbkugelschalen aus Thermo-
plasten. - 1984. - 186 S. - A5. - Br.
ISBN-10: 3-7983-1033-5 vergriffen
16: Hüppe, Reinhard: Sensoreinsatz zur direkten, kontinuier-
lichen Erfassung und Regelung von Produkteigen-
schaften beim Spritzgießen. - 1985. - 252 S. - A5. - Br.
ISBN-10: 3-7983-1034-3 vergriffen
17: Lemke, Hans-Jürgen: Qualitätsabhängige Regelung und
Überwachung des Spritzgießprozesses mittels Rechner-
einsatz. - 1985. - 190 S. - A5. - Br.
ISBN-10: 3-7983-1063-7 vergriffen
18: Fischer, Klaus-Dieter: Stahl-Thermoplast-Leichtbauträger
in wirtschaftlicher recycling-freundlicher Verbund-
konstruktion mit Belastungs- und Anwendungs-
analyse. - 1986. - 173 S. - A5. - Br.
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wertung für gezielte Anwendungen am Beispiel von
Polypropylen. - 1988. - 126 S. - A5. - Br.
ISBN-10: 3-7983-1112-9 vergriffen
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Flächen am Beispiel von Halbkugelschalen aus faser-
versrkten Kunststoffen. - 1989. - 186 S. - A5. - Br.
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halten spritzgießpressgereckter Flachstäbe und Folge-
rungen für Schrumpfteile. - 1989. - 174 S. - A5. - Br.
ISBN-10: 3-7983-1286-9 vergriffen
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1989. - 196 S. - A5. - Br.
ISBN-10: 3-7983-1287-7 vergriffen
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komplexen Bauteilen aus teilkristallinen Thermoplasten
durch Umformen. - 1990. - 180 S. - A5. - Br.
ISBN-10: 3-7983-1288-5 vergriffen
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wandige, eigenverstärkte Präzisionsformteile (Thermo-
plastische Zahnräder). - 1990. - 170 S. - A5. - Br.
ISBN-10: 3-7983-1355-5 vergriffen
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plasten am Beispiel von Polypropylen-Recyclaten. -
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ISBN-10: 3-7983-1356-3 vergriffen
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eigenverstärkter Thermoplastbleche. - 1991. - 166 S. -
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Kunststoff-Metall-Klebungen als Basis einer Entwick-
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