scieee Science in your language
[en] (orig)
Herstellung und Untersuchung
polymereingebetteter
Fl¨ussigkristallsysteme mit Hilfe der
Holografie
Von der Fakult¨
at f¨
ur Naturwissenschaften
der Universit¨
at Paderborn
zur Erlangung des akademischen Grades eines
Doktors der Naturwissenschaften
-Dr. rer. nat.-
genehmigte Dissertation
von
Master of Science in Physics
ANDREAS REDLER
Paderborn - Deutschland
1. Gutachter: Prof. Dr. Heinz-Siegfried Kitzerow
2. Gutachter: Prof. Dr. Siegmund Greulich-Weber
2011
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Theoretische Grundlagen 5
2.1 Holografie .................................... 5
2.1.1 Grundz¨
uge der Interferenzmuster ................... 6
2.1.2 Kristallstruktur bei Vier-Strahl-Interferenz .............. 7
2.1.3 Translationssymmetrie ......................... 8
2.1.4 Punktsymmetrie ............................ 10
2.1.5 Gesamtsymmetrie ........................... 13
2.2 Fl¨
ussigkristalle ................................. 15
2.2.1 Nematische Phase ........................... 16
2.3 Polymere Fl¨
ussigkristalle ........................... 17
2.4 Polymer-eingebettete Fl¨
ussigkristalle ..................... 18
2.4.1 Durch Holografie erzeugte polymer-eingebettete Fl¨
ussigkristalle . 20
2.5 Reaktions-Diffusions-Modell .......................... 22
3 Experimente 25
3.1 Holografische Anordnung ........................... 25
3.1.1 Zweistrahlinterferenzaufbau ...................... 25
3.1.2 Dreidimensionale Anordnung ..................... 27
iii
3.1.2.1 Aufstellung und Justierung der Apparatur ......... 33
3.1.3 Strahlparameter des Umbrella-Aufbaus ............... 36
3.2 Verwendete Substanzen ............................ 39
3.2.1 Isotrope Acrylatmonomere ...................... 39
3.2.2 Thiol-en-System ............................ 41
3.2.3 Fl¨
ussigkristall .............................. 41
3.2.4 Photoinitiatoren ............................. 42
3.3 Probenpr¨
aparation ............................... 46
3.3.1 Verwendete Mischungen ....................... 46
3.3.2 Mikroskopie ............................... 47
4 Ergebnisse und Diskussion 49
4.1 Prinzipielle Untersuchung eindimensionaler Gitter ............. 49
4.1.1 Beugungsverhalten Polymer-eingebetteter Fl¨
ussigkristalle ..... 50
4.1.2 Analyse der Beugungseffizienz .................... 55
4.1.3 Kinetik der Gitterbildung am System mit Trimethylolpropantriacrylat 56
4.2 Zwei- und dreidimensionale Strukturen .................... 64
4.2.1 Einfluss geometrischer Strahlparameter auf die Struktur ...... 65
4.2.1.1 Auswirkungen der Phasen auf die Struktur ........ 68
4.2.1.2 Variation der Intensit¨
atsverh¨
altnisse ............ 69
4.2.1.3 ¨
Anderung der Polarisationszust¨
ande der vier Laserstrah-
len ............................... 70
4.2.1.4 Einfluss des Einfallswinkels ................. 73
4.2.2 Verschiedene Prismenaufs¨
atze .................... 74
4.2.2.1 Geschliffener Retroreflektor, 54,73............ 75
4.2.2.2 Geschliffener Retroreflektor, 39.............. 79
4.2.2.3 Prisma A f¨
ur eine einfache kubische (sc) Struktur (70,5)81
iv
4.2.2.4 Prisma B f¨
ur eine kubisch fl¨
achenzentrierte (fcc) Struk-
tur (38,9)........................... 84
4.2.3 Beugungsuntersuchungen ...................... 89
4.2.3.1 Einfluss der Intensit¨
atsvariation .............. 94
4.2.3.2 Beugungseffizienz unter Verwendung einer Halbkugel . . 103
5 Zusammenfassung und Ausblick 105
0.1 Prisma A ....................................116
0.2 Prisma B ....................................117
0.3 Allseitig polierte Halbkugel ..........................118
v
Kapitel 1
Einleitung
Klassische Materialien zur Aufnahme von Hologrammen oder zur holografischen Da-
tenspeicherung basieren auf lichtempfindlichen anorganischen Verbindungen wie zum
Beispiel Silberbromid [Lie88] oder Lithiumniobat [Fre07]. Allerdings wurden in den letz-
ten Dekaden f¨
ur den gleichen Zweck aussichtsreiche organische Materialien entwickelt,
so haben Rhee et. al. [RCVS95] die dynamischen Hologrammaufnahmen in reakti-
ven DuPont Polymeren f¨
ur photografische Filmanwendungen untersucht. Polymere in
Kombination mit photoleitenden und elektrooptischen Eigenschaften k¨
onnen auch f¨
ur
photorefraktive Anwendungen von Vorteil sein [Kip07]. Bezogen auf die M¨
oglichkeiten
der Molek¨
ul- und Strukturanordnung und der daraus resultierenden funktionellen Eigen-
schaften sind Polymermischungen oder organische Verbindungen besonders vielseitig.
Die holografische Bildung von polymereingebetteten Fl¨
ussigkristallen PDLCs bietet die
besondere M¨
oglichkeit [Drz95], Hologramme und optische Elemente zu erstellen, deren
Beugungseffizienzen mit angelegten elektrischen und magnetischen Feldern gesteuert
werden k¨
onnen [TNS+95].
Polymereingebettete Fl¨
ussigkristallsysteme (PDLC) k¨
onnen Verwendung finden als Dis-
plays oder auch als Fenster, die mit Hilfe eines elektrischen Feldes zwischen trans-
parentem und transluzentem Zustand geschaltet werden. Zus¨
atzlich kommen sie als
vielversprechende Anwendungen auf dem Gebiet der Photonik in Betracht, da der
feldinduzierte Wechsel zwischen einem beugenden und nicht beugenden Zustand die
Herstellung von elektrisch ansprechbaren optischen Bauelementen oder Hologrammen
erm¨
oglicht.
Holografisch erzeugte polymereingebettete Fl¨
ussigkristallsysteme [QLSC04] sind be-
1
2Kapitel 1. Einleitung
z¨
uglich ihrer m¨
oglichen Anwendungen als optisch brechende Bauelemente wie z. B.
schaltbare Linsen oder Strahldeflektoren umfangreich erforscht. Grundlegende For-
schungen auf dem Gebiet der Erzeugung und Charakterisierung von eindimensionalen
Gittern sind hinreichend bekannt [KSJ96, Kit98, Hoi05]. Diese Gitter k¨
onnen mit Hil-
fe von Polymerisation induzierter Phasenseparation [MLR+92, Lou93] hergestellt wer-
den. Zu diesem Zweck wird ein mit zwei koh¨
arenten Strahlen erzeugtes Interferenz-
muster auf eine Mischung aus einem photoreaktiven Monomer, einem Photoinitiator
und einem Fl¨
ussigkristall gelenkt. Die Bildung des PDLC kann mit entsprechenden
Reaktions-Diffusions-Modellen [ZM94, BC00, MKN+05] beschrieben werden. Solche
Modelle wurden zwar entwickelt und in Ver¨
offentlichungen diskutiert, die Gr¨
oßen eini-
ger entscheidender Materialeigenschaften und Parameter wurden dabei jedoch ledig-
lich abgesch¨
atzt. Umfassende Studien, die neben den optischen Eigenschaften auch
experimentelle Messungen der photochemischen Reaktionsgeschwindigkeit und der
Diffusionskoeffizienten desselben Systems einschließen, fehlten bislang. Daher wur-
de f¨
ur ein schlichtes PDLC-System die Beugungseffizienzmessung mit den theoreti-
schen Werten verglichen, dazu wurden Polymerisationsraten aus der Doktorarbeit von
Herrn Hoischen [Hoi05] verwendet und Diffusionskonstantenbestimmungen von Ming-
xue Tang aus der Arbeitsgruppe von Frau Prof. Schmidt durchgef¨
uhrt.
In polymereingebetteten Fl¨
ussigkristallsystemen k¨
onnen auch mehrdimensionale Struk-
turen ¨
ahnlich zu den photonischen Kristallen hergestellt werden [TNS+02, EQC03b,
EQC03a, YCWL03]. Hierf¨
ur ist die Interferenz von mindestens drei Strahlen erforder-
lich, die aus einem komplexeren optischen Holografie-Aufbau resultiert. Eine Apparatur
aus vier interferierenden Strahlen f¨
ur die Herstellung von dreidimensionalen Struktu-
ren basierend auf der Lithografie wurde von Herrn Meisel im Rahmen seiner Doktor-
arbeit [Mei06] implementiert und zum Einschreiben dreidimensionaler Gitter in Pho-
tolackschichten eingesetzt. Dort lag der Fokus auf der Untersuchung photonischer
Bandl¨
ucken diverser in Photolackschichten eingeschriebener Gitter.
In dieser Arbeit wurden neben eindimensionalen Gittern auch mehrdimensionale Struk-
turen in PDLCs eingeschrieben und untersucht. Simultan beim Einschreiben des ein-
dimensionalen Gitters wurde die Beugungseffizienz aufgenommen, um so die Gitter-
kinetik zu beobachten. Der sogenannte Umbrella-Aufbau, bei dem vier Laserstrahlen
in einem Ort zur Interferenz gebracht werden, wurde realisiert. Der Zweck dieser ex-
perimentellen Anordnung ist, mehrdimensionale Strukturen in PDLCs zu erstellen, um
3
diese anschließend zu charakterisieren. Dabei stellte sich die Frage, wie ein spezielles
Prisma geschaffen sein sollte, um die vier Laserstrahlen in der Testzelle zur Interferenz
zu bringen. Zun¨
achst wurden die vier Strahlen mit Hilfe eines geschliffenen Retrore-
flektors in der Probe zur Interferenz gebracht. Danach ersetzten speziell angefertigte
Prismen mit den gew¨
unschten Einfallswinkeln den Retroreflektor. Außerdem wurde der
Einfluss der vier Parametersets (die Intensit¨
atsverh¨
altnisse, der Einfallswinkel zwischen
den umgebenden Strahlen und dem zentralen Strahl, die Polarisationszust¨
ande und
die relativen Phasen der Strahlen) auf die Interferenzstruktur mit Hilfe des Programms
PovRay untersucht.
Kapitel 2
Theoretische Grundlagen
2.1 Holografie
Das Prinzip der Holografie wurde erstmals 1947 als ein Verfahren zur Kompensation
von Aberrationen im Elektronenmikroskop [Gab48, Gab49] vom Physiker Dennis Ga-
bor entwickelt. Er erhielt 1971 f¨
ur diese Verdienste den Nobelpreis f¨
ur Physik. Gabor
hatte mit einem Elektronenstrahl ein Hologramm einer Probe aufgenommen und im An-
schluss mit koh¨
arentem Licht optisch rekonstruiert. Bei der Holographie wird zus¨
atzlich
zur Intensit¨
at des einfallenden Lichtes die Phase mit Hilfe der Interferenz gespeichert.
Dazu wird koh¨
arentes Licht verwendet, um pr¨
azise Interferenzmuster zu erzeugen. Bei
Beleuchtung eines Objektes mit diesem Licht entsteht durch Reflexion und Streuung ein
Wellenfeld, das als Objektwelle bezeichnet wird. Ein zweiter Lichtstrahl, die Vergleichs-
bzw. Referenzwelle, beleuchtet das lichtempfindliche Aufnahmemedium, so dass In-
terferenz zwischen diesen beiden Wellenfeldern entsteht. Es wird die relative Phase
zwischen Objekt- und Referenzwelle aufgezeichnet. Verschiedene holographische Ver-
fahren unterscheiden sich in der F¨
uhrung von Objekt- und Referenzwelle. Durch ¨
Uberla-
gerung von zwei oder mehreren ebenen Wellen entstehen ein- beziehungsweise mehr-
dimensionale Gitterstrukturen.
In dieser Arbeit wurden mehrere Laserstrahlen miteinander zur Interferenz gebracht.
Dadurch k¨
onnen abh¨
angig von der Anzahl und der Geometrieanordnung der Laser-
strahlen verschiedene Interferenzmuster entstehen. Werden zum Beispiel zwei koh¨
aren-
5
6Kapitel 2. Theoretische Grundlagen
te Laserstrahlen einander ¨
uberlagert, so entsteht ein eindimensionales Interferenzmu-
ster. Die Besch¨
aftigung mit der Bestrahlungsst¨
arke dieses Interferenzmusters ist nicht
nur f¨
ur eine experimentelle Realisierung, sondern auch f¨
ur eine theoretische Berech-
nung und Betrachtung der entstehenden Gitter wichtig. Das Unterkapitel 2.1 enth¨
alt
Symmetriebetrachtungen der Gitter. Sie sind aus der Arbeit von Herrn Meisel [Mei06]
zusammenfassend entnommen und k¨
onnen dort in ausf¨
uhrlichen Einzelheiten nachge-
lesen werden.
2.1.1 Grundz¨uge der Interferenzmuster
Eine ebene Welle kann durch das elektrische Feld ~
Eam Ort ~r zum Zeitpunkt tausge-
dr¨
uckt werden:
~
E(~r, t) = ~
A ei(~
k·~rωt)(2.1)
Der komplexe Vektor ~
Abeinhaltet die Amplitude und die Polarisationsrichtung der Wel-
le, der Wellenvektor wird durch ~
kund die Kreisfrequenz durch ωausgedr¨
uckt.
Durch ¨
Uberlagerung koh¨
arenter ebener Wellen entstehen bestimmte Interferenzmuster.
Es wird nur die Interferenz ebener Wellen mit der gleichen Kreisfrequenz ωer¨
ortert, so
dass die Betr¨
age der beteiligten Wellenvektoren gleich sind
~
ku=k, (f¨ur u = 1...n).(2.2)
Durch Summation mehrerer elektrischer Feldvektoren kann die Interferenz beschrie-
ben werden. Hierbei ist die Bestrahlungsst¨
arke Ddem zeitlichen Mittel des Poynting-
Vektors [Hec05] und folglich dem Quadrat des resultierenden elektrischen Feldes pro-
portional. Die periodische Bestrahlungsst¨
arke ist reell, positiv und kann als eine Fou-
rierreihe dargestellt werden [MMB+03,BGLC97,Tur01,MWB04,Mei06]:
D(~r)
n
X
u=1
~
Auei(~
ku~rωt)
2
=
n
X
u=1
n
X
m=1
au,m ei~
Gu,m·~r (2.3)
~
Gu,m := ~
ku~
km, au,m := ~
Au·~
A
m(2.4)
2.1. Holografie 7
Aus den Differenzen der Wellenvektoren ~
kuin den einzelnen Summanden, die im Grun-
de eine 2-Strahl-Interferenz darstellen, ergeben sich stehende Wellen mit den Wellen-
vektoren ~
Gu,m, die gleichzeitig die reziproken Gittervektoren [Kit99,MWB04] bilden. Die
Summanden auf der rechten Seite der Gleichung (2.3) stellen die Fourierkomponenten
dar. Die komplexen Gewichtsfaktoren au,m der Stehwellen resultieren aus den relativen
Amplituden und Polarisationen der einfallenden ebenen Wellen.
Im Folgenden werden die Symmetrieeigenschaften der Bestrahlungsst¨
arke (2.3) kri-
stallografisch erl¨
autert. Diese k¨
onnen aus den Grundgr¨
oßen der Fourierdarstellung
~
Gu,m und au,m herangezogen werden [Shm93, Bue49, Was55, BE62, Mer92]. Die Vek-
toren ~
Gu,m spannen im Fourierraum das reziproke Gitter auf. Ihnen k¨
onnen Translati-
onssymmetrien unabh¨
angig von den au,m zugeordnet werden. Die Bestrahlungsst¨
arke
ist periodisch, wenn alle Vektoren ~
Gu,m auf einem Gitter im reziproken Raum liegen
[GTVG97, GR01, WNT+03]. Im Zusammenhang mit den Gittervektoren k¨
onnen aus
den Gewichtsfaktoren au,m die Punktsymmetrien bestimmt werden. Die Gesamtheit
der Symmetrieelemente, die sowohl die Translations- als auch die Punktsymmetrie be-
schreiben, ergibt die Kristallstruktur, die einer der 230 kristallografischen Raumgrup-
pen [Shm93,Hah83] zugeordnet werden kann.
2.1.2 Kristallstruktur bei Vier-Strahl-Interferenz
Zur Darstellung einer dreidimensionalen Kristallstruktur sind drei linear unabh¨
angige
Basisvektoren erforderlich. Die gleiche Bedingung gilt f¨
ur den Fourierraum mit den zu-
geh¨
origen reziproken Basisvektoren [Kit99,PCG94]. Falls die Anzahl n in Gl. (2.3) gleich
vier ist, erh¨
alt man sechs vom Nullvektor verschiedene Differenzvektoren f¨
ur ~
Gu,m. Die-
sen sechs Kombinationen liegen in einem dreidimensionalen Raum selbstverst¨
andlich
drei linear unabh¨
angige Gittervektoren, beispielsweise ~
G1,2,~
G1,3und ~
G1,4zu Grunde.
Vergleicht man die Funktion f¨
ur die Bestrahlungsst¨
arke (2.3) mit bekannten Funktio-
nen, die die gew¨
unschte Gesamtsymmetrie aufweisen, so lassen sich Bedingungen
an Dbestimmen [MWB04], die zu diesen Symmetrien f¨
uhren. Dazu werden die bei-
den Fouriertransformierten ~
Gu,m und au,m der beiden Funktionen im reziproken Raum
miteinander verglichen. Aus der R¨
ontgenbeugungstheorie k¨
onnen geometrische Struk-
turfaktoren Fn
hkl [Kit99, Shm93, Hah83] mit bekannter kristallografischer Symmetrie f¨
ur
den Vergleich herangezogen werden. Die ¨
Ubereinstimmung der reziproken Gittervek-
8Kapitel 2. Theoretische Grundlagen
toren ~
Gu,m und damit der Translationssymmetrien der beiden Fouriertransformierten
sollte gegeben sein [Mei06]. Entsprechend sollten auch die Gewichtsfaktoren au,m der
beiden Transformierten sich decken.
2.1.3 Translationssymmetrie
Die Vor¨
uberlegung zielt darauf ab, drei linear unabh¨
angige Basisvektoren ~
buaufzu-
stellen, die das reziproke Gitter mit einer bestimmten Translationssymmetrie aufspan-
nen [Kit99, PCG94, Mei06]. Dazu liegen vier nicht-komplanare Wellenvektoren ~
kuvor.
Ihre Betr¨
age sind gleich groß, d. h. dass nur ihre Richtungen die Translationssymmetri-
en der Interferenzmuster beeinflussen. Sie beschreiben die Menge aller Gittervektoren
~
Gu,m. Hieraus k¨
onnen die drei Basisvektoren konstruiert werden, deren ganzzahlige Li-
nearkombinationen die anderen Gittervektoren ausdr¨
ucken. Das Hauptaugenmerk wird
nun auf die Einstellung der Strahlrichtungen gelegt, um ein Interferenzmuster mit be-
stimmten Translationssymmetrien zu erreichen. Es werden zwei Spalten von Bedin-
gungsgleichungen aufgestellt [Kit99, Mei06]. Dabei gilt f¨
ur die Basisvektoren ~
b1,~
b2und
~
b3mit den oben genannten Bedingungen, dass sie in der Menge der Differenzvektoren
~
Gu,m =~
ku~
kmvorhanden sein m¨
ussen.
~
k1~
k2=~
˜
b1
~
k2~
k3=~
˜
b2
~
k3~
k4=~
˜
b3
~
k1~
k2=~
b1
~
k1~
k3=~
b2
~
k1~
k4=~
b3
~
k1
2=
~
k2
2=
~
k3
2=
~
k4
2
(2.5)
Die beiden Strahlenkonfigurationen jeweils einer Translationssymmetrie in Gleichung
(2.5) unterscheiden sich dadurch, dass rechts ~
k1in allen drei Gleichungen enthalten
ist, w¨
ahrend links die Vektoren ~
k2und ~
k3zweimal vorkommen. Die Gleichung (2.5)
greift auf die reziproken Gittervektoren aus (Tab. 2.1) des jeweiligen Falls einer fcc-,
bcc- oder sc- Translationssymmetrie im Realraum zur¨
uck [Kit99,Mei06]. Ein reziprokes
Gitter kann mit unterschiedlichen Basisvektoren aufgespannt werden [Kit99]. Daher ist
auch deren Aufstellung nicht eindeutig. Da bei der Umbrella-Geometrie ein zentraler
Strahl vorkommt, ist es zweckm¨
aßig die Aufstellung so zu w¨
ahlen, dass der dazu-
geh¨
orige Wellenvektor ~
k1in jedem Ausdruck der drei Basisvektoren enthalten ist (siehe
2.1. Holografie 9
Gleichung 2.5 rechts). Es werden die drei k¨
urzesten primitiven Gittervektoren des rezi-
proken Gitters herangezogen [STD03,CYL05].
Tabelle 2.1:
Primitive reziproke Gittervektoren f¨
ur die drei kubischen Translationssymmetrien; a ist die
jeweilige kubische Gitterkonstante.
sc: bcc: fcc:
~
b1=2π
a·(1,0,0) ~
b1=2π
a·(0,1,1) ~
b1=2π
a·(1,1,1)
~
b2=2π
a·(0,1,0) ~
b2=2π
a·(1,0,1) ~
b2=2π
a·(1,1,1)
~
b3=2π
a·(0,0,1) ~
b3=2π
a·(1,1,0) ~
b3=2π
a·(1,1,1)
Durch L¨
osen der Gleichungssysteme (2.5) mithilfe der Basisvektoren (Tab. 2.1) f¨
ur die
drei kubischen Translationssymmetrien, erh¨
alt man jeweils vier Wellenvektoren ~
ku(sie-
he Tab. 2.2). Aus dem Gleichungssystem (2.5) links ergeben sich Strahlenanordnun-
gen, bei denen je zwei benachbarte Lichtstrahlen den Winkel γ1umgeben. Im rech-
ten Gleichungssystem (2.5) beinhalten alle Strahlenanordnungen einen zentralen Licht-
strahl ~
k1. Dieser kann als Achse eines Kegels mit dem halben ¨
Offnungswinkel γ2gese-
hen werden. Auf dessen Mantel befinden sich die drei ¨
ubrigen Strahlen in regelm¨
aßi-
ger Anordnung. Dieses Vier-Strahlen-Gef¨
uge wird als Regenschirm- bzw. Umbrella-
Konfiguration angegeben [PCG94].
Tabelle 2.2:
Jeweils vier Wellenvektoren f¨
ur die drei kubischen Translationssymmetrien, die sich durch
L¨
osen der Gleichungssysteme (2.5) ergeben [Mei06].
Gleichungssystem (2.5) links Gleichungssystem (2.5) rechts
~
k1·a
π
~
k2·a
π
~
k3·a
π
~
k4·a
π
γ1,2
sc: bcc: fcc:
(1,1,1) (4,2,0) (0,1,2)
(-1,1,1) (4,0,-2) (2,-1,0)
(-1,-1,1) (2,0,-4) (0,1,-2)
(-1,-1,-1) (0,-2,-4) (-2,-1,0)
109,4736,87101,54
sc: bcc: fcc:
(1,1,1) (1,1,1) (3,3,3)
(-1,1,1) (1,-1,-1) (5,1,1)
(1,-1,1) (-1,1,-1) (1,5,1)
(1,1,-1) (-1,-1,1) (1,1,5)
70,53109,4738,94
10 Kapitel 2. Theoretische Grundlagen
2.1.4 Punktsymmetrie
Die Punktsymmetrien beinhalten die Dreh-, Spiegel- und Inversionssymmetrien des In-
terferenzmusters. Bei der Interferenz von vier Strahlen stellen sich sechs verschiede-
ne Differenzvektoren ~
Gu,m =~
ku~
kmein, die ungleich null und unter der Bedingung
~
Gu,m =~
Gm,u zusammengefasst sind. Sie k¨
onnen durch eine Linearkombination der
Basisvektoren ~
buausgedr¨
uckt werden.
Die Gesamtsymmetrie der Struktur setzt sich zusammen aus dem Durchschnitt der
Menge der Punktsymmetrien und der Menge der Symmetrien des Translationsgitters
(Translationssymmetrie und Punktsymmetrie des Translationsgitters). Durch Zuordnung
der Struktur zu einer der 230 kristallografischen Raumgruppen [Hah83] k¨
onnen die
Gesamtsymmetrien kategorisiert werden. Dabei hat die Raumgruppe Nr. 1 Transla-
tionssymmetrie in drei Richtungen und die Identit¨
atsoperation als Symmetrieoperati-
on, die Raumgruppe Nr. 2 hat zus¨
atzlich noch die M¨
oglichkeit der Inversion. Steigt
die Zahl der Symmetrieelemente, so erh¨
oht sich auch die Nummerierungszahl. Bei
der Implementierung der Umbrella-Konfiguration k¨
onnen die entstehenden Interferenz-
strukturen zugeh¨
origen Gesamtsymmetrien zugeordnet werden. Dabei ist es wichtig
zu ¨
uberlegen, wie die Fourieramplituden au,m aussehen m¨
ussten, damit die resultieren-
de Struktur zu einer bestimmten kristallografischen Raumgruppe geh¨
ort. Hierzu wird
ein Vergleich der Bestrahlungsst¨
arke (2.3) mit Funktionen bekannter Symmetrie durch-
gef¨
uhrt [MWB04, Mei06]. Solche Funktionen sind als tabellierte Liste zu jeder der 230
kristallografischen Raumgruppen mit der Nummer Nbekannt und heißen geometrische
Strukturfaktoren FN
hkl =AN
hkl +iBN
hkl [Shm93,Hah83].
Die drei Basisvektoren~
b1,2,3haben den gleichen L¨
angenbetrag und umschließen jeweils
gleiche Winkel miteinander. Daher ist das reziproke Gitter f¨
ur die Umbrella-Konfiguration
rhomboedrisch. Bei einer Transformation aus dem Reziproken bleibt das Gitter im Real-
raum rhomboedrisch. Es besitzt die neuen Basisvektoren ~a1,2,3mit
~ai= 2π~
bj×~
bk/
~
b1·~
b2×~
b3und mit zyklisch permutierenden Indizes (i,j,k) [Kit99]. F¨
ur
einen einfacheren Fall wird die Bestrahlungsst¨
arke (2.3) im rhomboedrischen Kristall-
2.1. Holografie 11
Koordinatensystem (~xr||~a1, ~yr||~a2, ~zr||~a3)folgendermaßen angegeben [MWB04]:
˜
D(~rr)˜
D(~rr)
2a11 +a22 +a33 +a44
2
+Re {a12}cos (2πxr)Im {a12}sin (2πxr)
+Re {a13}cos (2πyr)Im {a13}sin (2πyr)
+Re {a14}cos (2πzr)Im {a14}sin (2πzr)
+Re {a32}cos (2π(xryr)) Im {a32}sin (2π(xryr))
+Re {a43}cos (2π(yrzr)) Im {a43}sin (2π(yrzr))
+Re {a24}cos (2π(zrxr)) Im {a24}sin (2π(zrxr)) .
(2.6)
Diese Angabe hat den Vorteil, dass der halbe ¨
Offnungswinkel γ2des Kegels keine Rolle
spielt und die Bestrahlungsst¨
arke nicht beeinflußt. Daher kann man sich bei der Analyse
der Gesamtsymmetrien auf eine einzige Umbrella-Konfiguration beschr¨
anken.
Die geometrischen Strukturfaktoren FN
hkl f¨
ur die rhomboedrischen Raumgruppen, die
mit den Nummern N = 148, 150, 155, 160, 161, 166 und 167 bei [Shm93, Hah83] im
rhomboedrischen Kristallsystem enthalten sind, beinhaltet die Tabelle 2.3 als Auflistung
[MWB04].
Der geometrische Strukturfaktor der Raumgruppe Nr. 146 setzt sich zum Beispiel aus
folgenden Teilen mit hkl = 100 zusammen:
F146
hkl =A146
hkl +iB146
hkl
=cos [2π(hx +ky +lz)] + cos [2π(kx +ly +hz)] + cos [2π(lx +hy +kz)]
+i{sin [2π(hx +ky +lz)] + sin [2π(kx +ly +hz)] + sin [2π(lx +hy +kz)]}
F146
100 =cos [2πx] + cos [2πz] + cos [2πy] + i{sin [2πx] + sin [2πz] + sin [2πy]}(2.7)
Vergleicht man die Bestrahlungsst¨
arke aus (2.6) mit den geometrischen Strukturfakto-
ren der rhomboedrischen Raumgruppen (Tabelle 2.3), so folgt [Mei06]:
Die r¨
aumlichen Koordinaten xr,yrund zrsind in der Bestrahlungsst¨
arke ˜
Dsowohl
(2.6) nur einzeln als auch zweifach als Differenzen (zrxr;yrzr;xryr;) vor-
handen. Daher beschr¨
ankt sich die Betrachtung in Tab. 2.3 auf die F¨
alle (h, k, l) =
(i, 0,0) und (h, k, l) = (i, i, 0). Die ersten Strukturfaktoren f¨
ur i= 1, die ungleich
null sind, weisen die Raumgruppen Nr. 146, 148, 155, 160 und 166 auf.
12 Kapitel 2. Theoretische Grundlagen
Tabelle 2.3:
Geometrische Strukturfaktoren FN
hkl der sieben rhomboedrischen kristallografischen Raum-
gruppen [Shm93,Hah83] mit verk¨
urzter Darstellung:
E(ccc)=c(hkl)+c(klh)+c(lhk); O(ccc)=c(khl)+c(lkh)+c(hlk);
E(sss)=s(hkl)+s(klh)+s(lhk); O(sss)=s(khl)+s(lkh)+s(hlk);
c(hkl)=cos(2π(hxr+kyr+lzr)) und s(lkh)=sin(2π(lxr+kyr+hzr)). Die Großbuchstaben E und
O stehen f¨
ur gerade (Even) und ungerade (Odd) Permutationen der ganzen Zahlen h, k
und l. In den Argumenten der Sinus- und Kosinusfunktionen bleiben xr, yrund zran fester
Position. F¨
ur (h,k,l)=(1,0,0) gilt: E(sss)=O(sss) und E(ccc)=O(ccc); f¨
ur (h,k,l)=(1,-1,0) gilt:
E(sss)=-O(sss) und E(ccc)=O(ccc) [MWB04,Mei06].
N˜
AN
hkl ˜
BN
hkl ˜
AN
100 ˜
AN
110 ˜
BN
100 ˜
BN
110
146 E(ccc)E(sss)˜
A146
100 ˜
A146
110 ˜
B146
100 ˜
B146
110
148 E(ccc) 0 ˜
A146
100 ˜
A146
110 0 0
155 E(ccc) + O(ccc)E(sss)O(sss) 2 ˜
A146
100 2˜
A146
110 0 2 ˜
B146
110
160 E(ccc) + O(ccc)E(sss) + O(sss) 2 ˜
A146
100 2˜
A146
110 2˜
B146
100 0
161
h+k+l gerade
E(ccc) + O(ccc)
h+k+l gerade
E(sss) + O(sss)
0 0 0 0
h+k+l ungerade
E(ccc)O(ccc)
h+k+l ungerade
E(sss)O(sss)
0 0 0 0
166 E(ccc) + O(ccc) 0 2 ˜
A146
100 2˜
A146
110 0 0
167
h+k+l gerade
E(ccc) + O(ccc)
h+k+l gerade
0
0 0 0 0
h+k+l ungerade
E(ccc)O(ccc)
h+k+l ungerade
0
0 0 0 0
Bei der Betrachtung der Koeffizienten Re{alm}und Im{alm}in (2.6) kommen die
dazu geh¨
orenden trigonometrischen Funktionen in Tabelle 2.3 mit gleichen Vor-
faktoren vor, die jeweils gleich eins sind. Auf Grund der Forderung nach rhomboe-
drischer Gesamtsymmetrie l¨
asst sich dadurch die Anzahl der alm auf vier Gr¨
oßen
2.1. Holografie 13
u, v, p und qbegrenzen.
u:= Re {a12}=Re {a13}=Re {a14}
v:= Re {a32}=Re {a43}=Re {a24}
p:= Im {a12}=Im {a13}=Im {a14}
q:= Im {a32}=Im {a43}=Im {a24}
(2.8)
Mit Hilfe der Gleichungen in (2.8) folgt f¨
ur ˜
D:
˜
D(~rr)a11 +a22 +a33 +a44
2
+u[cos(2πxr) + cos(2πyr) + cos(2πzr)]
p[sin(2πxr) + sin(2πyr) + sin(2πzr)]
+v[cos(2π(xryr) + cos(2π(yrzr))cos(2π(zrxr)]
q[sin(2π(xryr) + sin(2π(yrzr))sin(2π(zrxr)] .
(2.9)
Durch den Real- und Imagin¨
arteil des geometrischen Strukturfaktors F146
hkl der niedrig-
sten rhomboedrischen Raumgruppe kann ˜
D(2.9) f¨
ur verschiedene u, v, p, q - Werte
angegeben werden [Mei06]:
˜
D(~rr)D0+u·˜
A146
100 p·˜
B146
100 +v·˜
A146
110 q·˜
B146
110,
D0:= a11 +a22 +a33 +a44
2.
(2.10)
Durch Einschr¨
ankung der u, v, p, q - Werte folgen h¨
ohere Symmetrien. So zeigt z.B. der
Vergleich von Gleichung (2.10) mit der Tabelle 2.3, dass die aus der Bedingung pgleich
null erhaltene Struktur zur Raumgruppe Nr. 155 geh¨
ort.
2.1.5 Gesamtsymmetrie
W¨
ahlt man einen Winkel von γfcc = 38,94(siehe Tabelle 2.2) f¨
ur die Umbrella-Kon-
figuration, so ist es m¨
oglich eine fcc-Translationssymmetrie zu erzielen. Da in (2.6)
eine trigonometrische Funktion mit der Summe (~xr+~yr+~zr)fehlt und somit eine
f¨
ur die fcc-Gesamtsymmetrie notwendige vierz¨
ahlige Drehachse nicht vorhanden ist,
k¨
onnen Strukturen mit fcc-Gesamtsymmetrie nicht realisiert werden [Mei06]. Stattdes-
sen k¨
onnen diese Strukturen rhomboedrisch sein. So stellten Miklyaev et al. [MMB+03]
14 Kapitel 2. Theoretische Grundlagen
Systeme mit rhomboedrischer Gesamtsymmetrie bei fcc-Translationssymmetrie her.
F¨
ur das rhomboedrische Koordinatensystem lauten die reziproken Gittervektoren ~
blr:
~
b1r=2π
|~a1r|(1,0,0) ,~
b2r=2π
|~a2r|(0,1,0) ,~
b3r=2π
|~a3r|(0,0,1) .(2.11)
Setzt man die Vorfaktoren v, p und qgleich null, so gewinnt man eine relativ einfache
dreidimensionale Struktur mit Inversionssymmetrie. Diese Struktur wird zur rhomboe-
drischen Raumgruppe Nr. 166 gez¨
ahlt. Dementsprechend gilt f¨
ur die Belichtungsst¨
arke
im rhomboedrischen Koordinatensystem [Mei06]:
D(~rr)D0+uncos ~
b1r·~rr+cos ~
b2r·~rr+cos ~
b3r·~rro.(2.12)
Die Transformation der Darstellung vom rhomboedrischen System ~
blr ins kubische Ko-
ordinatensystem ~
blk kann mithilfe einer Matrix [Hah83,MMB+03] vollzogen werden:
P1=
1 1 1
11 1
1 1 1
~
blk =~
blrP1.(2.13)
Somit werden die reziproken Gittervektoren im kubischen System wie folgt dargestellt:
~
b1k=2π
afcc
(1,1,1) ,~
b2k=2π
afcc
(1,1,1) ,~
b3k=2π
afcc
(1,1,1) .(2.14)
Im kubischen Kristallsystem ~rk= (xk, yk, zk)gilt f¨
ur die Bestrahlungsst¨
arke [Mei06]:
D(~rk)D0+u[cos 2π
afcc
(xk+yk+zk)
+cos 2π
afcc
(xkyk+zk)+cos 2π
afcc
(xk+ykzk)].
(2.15)
Im kartesischen Laborsystem ~r = (x, y, z)gilt entsprechend:
D(~rk)D0+u[cos 2π
afcc
(x
6+y
2+z
22)
+cos 2π
afcc
(x
6y
2+z
22)
+cos 2π
afcc
(2x
6+z
22)].
(2.16)
2.2. Fl¨ussigkristalle 15
2.2 Fl¨ussigkristalle
Der Begriff Fl¨
ussigkristall kennzeichnet Substanzen mit einem zus¨
atzlichen Aggre-
gatzustand zwischen dem isotrop fl¨
ussigen und dem anisotropen, kristallinen Zustand.
Die erste Beschreibung eines Fl¨
ussigkristalls erfolgte 1888 durch Friedrich Reinitzer
[Rei88], indem er auf das farbenvielf¨
altige Erscheinungsbild von Cholesterylbenzoat
beim Schmelzen und Erstarren einging. Diese Verbindung wurde zwar bei 145C fl¨
ussig,
verlor ihre doppelbrechenden Eigenschaften aber erst bei Temperaturen ¨
uber 179C.
Anschließend untersuchte Otto Lehmann [Leh89] neben dieser noch weitere Substan-
zen und f¨
uhrte den Begriff fließende Kristalle ein. George H. Heilmeier [HZ68] nutz-
te die M¨
oglichkeit der Ausrichtung vom nematischen (siehe im folgenden Unterkapitel
2.2.1) Fl¨
ussigkristall p-n-Butoxy Benzoes¨
aure entlang eines elektrischen Feldes dazu,
die Molek¨
ule des hinzugegebenen dichroitischen Farbstoffes Methylrot zu orientieren.
Die Entdeckung dieses Effektes von elektrooptischer Schaltbarkeit f¨
uhrte schließlich
zum wachsenden Interesse auf Grund von technischen Anwendungsm¨
oglichkeiten.
In einem Kristall sind die Atome bzw. Molek¨
ule regelm¨
aßig auf einem dreidimensiona-
len Kristallgitter angeordnet. Es existiert eine Fernordnung f¨
ur die Position und auch f¨
ur
die Orientierung, wenn die Molek¨
ule eine anisotrope Form aufweisen. Diese Ordnung
verschwindet nach Schmelzen des Kristalls. Bei Fl¨
ussigkristallen gehen die Verbindun-
gen jedoch nicht direkt in isotrope Fl¨
ussigkeiten ¨
uber, sondern nehmen eine bis meh-
rere Phasen zwischen den beiden Zust¨
anden fest und fl¨
ussig ein, die sogenannten
Mesophasen. Sie zeigen eine Orientierungsfernordnung der Teilchen. Abh¨
angig von
der Molek¨
ulstruktur und der verbliebenen Positionsfernordnung k¨
onnen verschiedene
Phasen vorliegen [Cha93, dGP95]. Der gr¨
oßte Anteil thermotroper Fl¨
ussigkristalle be-
steht aus st¨
abchenf¨
ormigen Molek¨
ulen. Entsprechend der historischen Nomenklautur
von Friedel [Fri22] k¨
onnen diese in drei Typen eingeteilt werden: cholesterisch, smek-
tisch und nematisch. Da die cholesterische Phase die chirale Variante der nematischen
Phase darstellt, wird heute systematisch zwischen nematischen und smektischen, so-
wie chiralen und nicht-chiralen Fl¨
ussigkristallen unterschieden. Im Folgenden wird die
nematische Phase n¨
aher betrachtet.
16 Kapitel 2. Theoretische Grundlagen
2.2.1 Nematische Phase
Die nematische Phase weist lediglich eine Orientierungsordnung der Molek¨
ule auf. Die
L¨
angsachsen der meist st¨
abchenf¨
ormigen Molek¨
ule ordnen sich nahezu parallel zu-
einander an und unterscheiden sich dadurch von der isotropen Fl¨
ussigkeit (Abb.2.1).
Die Vorzugsrichtung der Molek¨
ule wird mit Hilfe des Direktors ~n, einem Einheitsvektor,
beschrieben.
Abbildung 2.1:
Schematische Darstellung der Molek¨
ulordnung in der kristallinen, nemati-
schen und isotropen Phase.
Als Folge der Orientierungsordnung zeigt die nematische Phase Doppelbrechung, wie
ein optisch einachsiger Kristall. Die Orientierung entlag der Vorzugsrichtung ist nicht
perfekt, weil der insgesamt fl¨
ussige Charakter des Systems eine relativ freie Beweglich-
keit der einzelnen Molek¨
ule bedingt. Der in Gleichung (2.17) definierte Ordnungsgrad
S beschreibt die G¨
ute der Anordnung.
S=1
23·cos2ϑ1(2.17)
Der Winkel ϑgibt die Neigung der Molek¨
ull¨
angsachse gegen¨
uber dem Direktor an. Die
spitzen Klammern bedeuten, dass der Mittelwert ¨
uber das Molek¨
ulensemble gebildet
wird. In einem System aus perfekt zum Direktor angeordneten Molek¨
ulketten wird der
Wert f¨
ur den Ordnungsgrad gleich eins. Der Wert von Sliegt typischerweise zwischen
0,3 und 0,7 [Ste94] f¨
ur nematische Phasen und nimmt mit steigender Temperatur ab
(siehe Abb. 2.2).
Mit steigender Temperatur bewegen sich die Molek¨
ule st¨
arker bis die parallele Mo-
lek¨
ulanordnung schließlich ganz verloren geht. Die entsprechenden fl¨
ussigkristallinen
2.3. Polymere Fl¨ussigkristalle 17
Abbildung 2.2:
Ordnungsparameter S der nematischen Phase in Abh¨
angigkeit von der Tem-
peratur [Ste94].
Eigenschaften verschwinden. Der Fl¨
ussigkristall wird isotrop und der Ordnungsgrad
wird null.
2.3 Polymere Fl¨ussigkristalle
In dieser Arbeit wurde zwar nicht mit polymeren Fl¨
ussigkristallen gearbeitet, zum Zwecke
der ¨
Ubersichtlichkeit und der klaren Abgrenzung soll hier aber kurz auf diese Substan-
zen eingegangen werden. LCP steht f¨
ur Liquid Crystal Polymer und beinhaltet Poly-
mere, die im Temperaturbereich ¨
uber dem Schmelzpunkt thermotrope oder in L¨
osun-
gen lyotrope Mesophasen bilden [DGG+98]. Die Makromolek¨
ule fl¨
ussigkristalliner Poly-
mere enthalten fl¨
ussigkristall-¨
ahnliche (mesogene) Monomereinheiten. Bilden die me-
sogenen Molek¨
uleinheiten selbst die Polymerkette, spricht man von Hauptkettenpoly-
meren. In Seitenkettenpolymeren sind die fl¨
ussigkristallinen Baugruppen direkt oder
¨
uber einen Spacer an eine nicht-fl¨
ussigkristalline Hauptkette gebunden. Es k¨
onnen
Polymernetzwerke vorhanden sein, falls durch Einsatz multifunktioneller Monomere
die einzelnen Polymerketten untereinander verbunden sind. Fl¨
ussigkristalline Polyme-
18 Kapitel 2. Theoretische Grundlagen
re kommen auch in der Natur vor. So entstehen z. B. lyotrope Phasen, wenn DNA in
Wasser vorliegt.
2.4 Polymer-eingebettete Fl¨ussigkristalle
Ein mehrphasiges System aus einem niedermolekularen Fl¨
ussigkristall und einem Po-
lymer bezeichnet man als polymer-eingebetteten Fl¨
ussigkristall (engl.: Polymer-Dis-
persed Liquid Crystal, PDLC). Diese k¨
onnen z. B. aus einem reaktiven Monomer, ei-
nem niedermolekularen nicht-reaktiven Fl¨
ussigkristall und einem Initiator durch Photo-
Polymerisation (PIPS - polymerisation-induced phase separation) hergestellt werden.
Die Polymerisation hat zur Folge, dass das Polymer und der Fl¨
ussigkristall eine Pha-
senseparation erfahren [BKST96, SKBT96]. Idealerweise sollte der in der Polymerma-
trix eingebettete Fl¨
ussigkristall in der Gestalt von kleinen K¨
ugelchen dispergiert sein.
Bei den meisten PDLCs erf¨
ahrt das Licht eine Streuung, die von der Gr¨
oße, Form und
Dichte der Fl¨
ussigkristalltr¨
opfchen, von den Brechungsindizes des Fl¨
ussigkristalls und
des Polymers sowie von der Wellenl¨
ange bestimmt [Drz95] wird. Der wichtigste Para-
meter f¨
ur die Transmission ist jedoch der effektive Brechungsindex, der von der Orien-
tierung der Tr¨
opfchen abh¨
angt. Ohne ein angelegtes externes Feld ist diese zuf¨
allig.
Wenn einfallendes Licht die Vielzahl der Tr¨
opfchen und Polymer¨
uberg¨
ange passiert, so
variiert der Brechungsindex von Tr¨
opfchen zu Tr¨
opfchen, wobei das Licht stark gestreut
wird. Bei einem angelegten elektrischen Feld richten sich einige Fl¨
ussigkristallmolek¨
ule
so aus, dass der Direktor parallel zum Feld steht. Die Doppelbrechung der Tr¨
opfchen
ist reduziert und die Streuung wird verringert. Bei Anlegen hoher Felder ist nahezu
jedes Fl¨
ussigkristallmolek¨
ul so orientiert, dass der Direktor parallel zum Feld verl¨
auft
und der effektive Brechungsindex dem ordentlichen Brechungsindex entspricht. Sollte
dieser mit dem Brechungsindex vom Polymer ¨
ubereinstimmen, so findet keine Lichtbre-
chung an den Phasengrenzen zwischen Fl¨
ussigkristall und Polymer statt. Das System
erscheint transparent (Abbildung 2.3).
Die Herstellung von Gitterstrukturen in PDLCs kann auch durch den thermischen Effekt
eines Intensit¨
atsgitters [KSJ96] durchgef¨
uhrt werden.
Liegt eine homogene Mischung aus einem Fl¨
ussigkristall und einem erweichten Poly-
mer vor, so kann sie mit einer gewissen Rate gek¨
uhlt werden, um eine Phasensepa-
2.4. Polymer-eingebettete Fl¨ussigkristalle 19
Abbildung 2.3:
Schematische Darstellung des einfallenden Lichtstrahls an einem ¨
ublichen
PDLC-System, links: Streuender Zustand bei Weglassen eines elektrisches
Feldes, rechts: Transparenter Zustand bei Anlegen eines hohen elektrischen
Feldes.
ration zu induzieren. Dabei sollte die Schmelztemperatur des Polymerbindematerials
niedriger sein als die Entmischungstemperatur. Sobald sich das Polymer verh¨
artet, bil-
den sich Fl¨
ussigkristalltr¨
opfchen, die bis zum Erreichen der Glas¨
ubergangstemperatur
des Polymers anwachsen. Dabei h¨
angen K¨
uhlrate und Tr¨
opfchengr¨
oße antiproportional
zusammen. Zur Herstellung von kleinen Tr¨
opfchen sind schnellere K¨
uhlraten geeignet,
da nicht gen¨
ugend Zeit zum Ausbilden von gr¨
oßeren Tropfen zur Verf¨
ugung steht.
Im folgenden Unterabschnitt wird auf die durch Polymerisation induzierte Phasensepa-
ration [MLR+92,Lou93] n¨
aher eingegangen.
20 Kapitel 2. Theoretische Grundlagen
2.4.1 Durch Holografie erzeugte polymer-eingebettete Fl ¨ussigkri-
stalle
Mit Holografie lassen sich holografisch strukturierte polymer-eingebettete Fl¨
ussigkri-
stalle (H-PDLC) erzeugen. Als Ausgangsmaterial dient ebenfalls eine homogene Mi-
schung, die einen nicht-reaktiven Fl¨
ussigkristall, ein reaktives Monomer und einen licht-
empfindlichen Photoinitiatior enth¨
alt. Das Beleuchten der Probe mit einem hologra-
fischen Interferenzmuster (Abb.2.4 (a)) f¨
uhrt zur Polymerisation an Orten mit hoher
Strahlungsintensit¨
at. Hier findet eine rasche Vernetzung des Monomers zu einem Po-
lymer statt. Infolgedessen diffundiert das Monomer an diese Orte (Abb.2.4 (b)). Die
entstehende Struktur besteht aus zwei Phasen, die jeweils eine hohe Konzentration an
Polymer oder an Fl¨
ussigkristall aufweisen (Abb.2.4 (c)). Als Folge entsteht eine r¨
aumli-
che Brechungsindexmodulation, ein Phasenhologramm (Abb.2.4 (d)).
2.4. Polymer-eingebettete Fl¨ussigkristalle 21
Abbildung 2.4:
Schematischer Entstehungsprozess von H-PDLCs am Beispiel einer eindimensionalen Struktur.
(a) Homogene Mischung aus Monomer (Pr) und Fl¨
ussigkristall (LC) vor einer Bestrahlung. (b) Die
Interferenzstruktur bzw. das Intensit¨
atsgitter ist sinusf¨
ormig. An den helleren Stellen polymerisiert
das Monomer und der Fl¨
ussigkristall diffundiert an die dunkleren Stellen. (c) Periodische Abfolge
von Stellen mit hoher Konzentration an Polymer oder an Fl¨
ussigkristall. (d) Brechungsindexmo-
dulation entlang der x-Richtung.
22 Kapitel 2. Theoretische Grundlagen
2.5 Reaktions-Diffusions-Modell
Die Interferenz zweier koh¨
arenter Laserstrahlen f¨
uhrt zu einer ungleichf¨
ormigen Be-
strahlungsverteilung. Die Polymerisationsrate steigt mit h¨
oherer Belichtungsintensit¨
at,
so dass in den helleren Regionen mehr Monomere pro Sekunde sich auf Grund von
chemischen Reaktionen verketten als in den dunkleren Regionen. Die ortsabh¨
angi-
ge Polymerisationsrate bewirkt einen Konzentrationsgradienten des Monomers, der die
Monomerdiffusion aus den dunklen an die hellen Stellen erzeugt. Die r¨
aumliche Varia-
tion der Monomer-, Polymer- und Fl¨
ussigkristallkonzentrationen korreliert mit der r¨
aum-
lichen Modulation des Brechungsindex und ergibt ein Phasengitter.
Unter der Annahme, dass die Monomere frei diffundieren, kann f¨
ur die Monomerkon-
zentration u(x, t)eine eindimensionale Diffusionsgleichung aufgestellt werden:
u(x, t)
t =
x D(x, t)u(x, t)
x F(x, t)u(x, t).(2.18)
In Gleichung (2.18) ist F(x, t)die Polymerisationsrate und D(x, t)ist der Diffusionskoef-
fizient, der auf Grund von ¨
Anderungen der Polymerkonzentration und der Beweglichkeit
der Monomere nicht konstant ist.
Die r¨
aumliche Intensit¨
atsverteilung der Interferenz zweier planarer Wellen ist gegeben
durch
I(x, t) = I0[1 + V(t)·cos(k·x)] .(2.19)
In Gleichung (2.19) ist I0die mittlere Strahlungsintensit¨
at, Vist der Interferenzkontrast
und kist gegeben durch k= 2π/Λmit Λals Gitterkonstante. Unter der Annahme der
Proportionalit¨
at zwischen der Polymerisationsrate und der Intensit¨
atsverteilung kann
man schreiben
F(x, t) = F0[1 + V(t)·cos(k·x)] .(2.20)
F¨
ur numerische Berechnungen wird eine Methode verwendet, die von Zhao und Mou-
roulis [ZM94] entwickelt und von anderen Gruppen [CLHS97,OLK+06] erweitert wurde.
Auf Grund der Periodizit¨
at der Monomerkonzentration, k¨
onnen die L¨
osungen der Glei-
chung (2.18) in eine Fourierreihe entwickelt werden. Nach Ersetzen der Gr¨
oße D(x, t)
in Gleichung (2.18) durch eine Fourierreihe und nach Trennung von verschiedenen
2.5. Reaktions-Diffusions-Modell 23
Harmonischen, erh¨
alt man ein gekoppeltes Differentialgleichungssystem [ZM94]. Be-
trachtet man nur die Amplituden ui(τ)der ersten vier Fourierterme (i= 0,1,2,3) der
Monomerkonzentration, so ergeben sich folgende vier gekoppelte Differentialgleichun-
gen [ZM94]:
du0(τ)
=u0(τ)1
2V u1(τ),(2.21)
du1(τ)
=V u0(τ)[1 + Rexp(ατ)cosh(αV τ)] u1(τ)
1
2VRexp(ατ)sinh(αV τ)u2(τ),
(2.22)
du2(τ)
=1
2VRexp(ατ)sinh(αV τ)u1(τ)
[1 + 4Rexp(ατ)cosh(αV τ)] u2(τ)
1
2V3Rexp(ατ)sinh(αV τ)u3(τ),
(2.23)
du3(τ)
=1
2VRexp(ατ)sinh(αV τ)u2(τ)
[1 + 9Rexp(ατ)cosh(αV τ)] u3(τ).
(2.24)
Der Parameter R:= Dak2/F0beschreibt das Verh¨
altnis der Diffusionsrate Dak2zur
Polymerisationsrate F0mit dem Anfangsdiffusionskoeffizienten Daund der reduzierten
Zeit τ:= F0t.
Die Konzentration von polymerisierten Monomeren N(x, t)ergibt nach einer Belich-
tungszeit t
N(x, t) =
t
Z
0
F(x, t0)u(x, t0)dt0.(2.25)
Das Einsetzen des Ausdrucks in Gleichung (2.20) f¨
ur die Gr¨
oße F(x, t)und der Fourier-
reihe f¨
ur die Monomerkonzentration in die Gleichung (2.25) erm¨
oglicht die Entwicklung
der Polymerkonzentration in eine Reihe
N(x, t) = N0(t) + N1(t)cos(k·x) + N2(t)cos(2k·x) + ... , (2.26)
wobei die Amplituden der Harmonischen niedriger Ordnung wie folgt als eine Funktion
24 Kapitel 2. Theoretische Grundlagen
von τausgedr¨
uckt werden k¨
onnen:
N0(τ) =
τ
Z
0u0(τ0) + 1
2V u1(τ0)0,(2.27)
N1(τ) =
τ
Z
0V u0(τ0) + u1(τ0) + 1
2V u2(τ0)0,(2.28)
N2(τ) =
τ
Z
01
2V u1(τ0) + u2(τ0) + 1
2V u3(τ0)0,(2.29)
N3(τ) =
τ
Z
01
2V u2(τ0) + u3(τ0)0,(2.30)
Die Verteilung der Fl¨
ussigkristallkonzentration ΦLC ist durch die lokale Massenerhal-
tung bestimmt und kann beschrieben werden mit
ΦLC(x, t) = 1 u(x, t)N(x, t).(2.31)
Das Profil des Brechungsindex ist gegeben durch [BC00]
n(x, t) = hnLCiΦLC (x, t) + npN(x, t) + nmu(x, t),(2.32)
mit npals dem Polymer- und nmals dem Monomer-Brechungsindex. Der mittlere Bre-
chungsindex des Fl¨
ussigkristalls ist bestimmt durch
hnLCi=r2n2
0+n2
e
3.(2.33)
Kapitel 3
Experimente
3.1 Holografische Anordnung
Durch den hier verwendeten Aufbau soll eine Gitterstruktur auf holografischem Wege
erzeugt werden. Der diodengepumpte Nd :Y V O4Festk¨
orperlaser im Dauerstrichbe-
trieb (Verdi, Coherent) hat eine Emissionswellenl¨
ange von 532 nm und wird zur Initiali-
sierung der Polymerisation benutzt. Dieser Laser hat eine Ausgangsleistung von bis zu
5 W und zeichnet sich durch eine besonders gute Strahlqualit¨
at mit einer Beugungs-
maßzahl M2kleiner als 1,1aus. Die Strahlqualit¨
at bezieht sich auf die Fokussierbarkeit
und die Divergenz eines Laserstrahls. Den Angaben des Herstellers zufolge hat der
Verdi-Laser eine Frequenzlinienbreite von weniger als f¨
unf Megahertz [Coh]. Daraus
ergibt sich eine m¨
ogliche Koh¨
arenzl¨
ange von ca. vierzig Metern.
3.1.1 Zweistrahlinterferenzaufbau
Durch Interferenz zweier Strahlen entsteht eine Intensit¨
atsmodulation des Laserlichts
und die eindimensionale Gitterstruktur kann im PDLC gebildet werden. Zun¨
achst pas-
siert der Laserstrahl einen Strahlteiler. Die beiden Teilstrahlen werden mit Hilfe von
Spiegeln am Ort der Probe zur ¨
Uberlagerung gebracht (Abb. 3.1). Die Gitterkonstante
Λkann mit Hilfe der Gleichung (3.1) berechnet werden.
Λ = λ0
n(sin (α1) + sin (α2)) (3.1)
25
26 Kapitel 3. Experimente
Abbildung 3.1:
Skizzierter Aufbau mit zwei gr¨unen Strahleng¨angen (durchgezogene
Linie) zur Erzeugung eindimensionaler HPDLCs und deren simultane
Beugungseffizienzuntersuchung mit dem roten Strahlengang
(gestrichelte Linie).
Die Winkel α1,2liegen zwischen dem jeweiligen einfallenden Strahl und der Probennor-
malen, zu deren Berechnung Gleichung (3.2) verwendet werden kann.
α1,2=arcsin b1,2
l1,2(3.2)
Die Einstellung der Winkel α1,2wurde so vorgenommen, dass eine Gitterkonstante von
4µm in der Probe entstehen sollte. W¨
ahrend der Beleuchtung mit gr¨
unem Laserlicht
der beiden interferierenden Strahlen wird die Probe gleichzeitig mit einem He-Ne Laser
(633 nm) bestrahlt, dessen rotes Laserlicht die Polymerisation nicht initiiert. Am Ort des
0. und 1. Beugungsmaximums hinter der Probe kann der zeitliche Intensit¨
atsverlauf mit
Photodioden (Thorlabs) detektiert werden. Vor diesen Photodioden sind Rotfilter fixiert,
um den Strahlungseinfall des gr¨
unen Lasers und anderer nicht erw¨
unschter Lichtquel-
len zu verhindern. Mit Hilfe des digitalen Speicheroszilloskops DataSys 940 (Gould)
werden zeitabh¨
angig die Intensit¨
atsdaten erfasst, als Bin¨
arcode gespeichert und in ei-
ne ASCII-Datei am Computer transformiert.
3.1. Holografische Anordnung 27
3.1.2 Dreidimensionale Anordnung
Die f¨
ur die Herstellung von dreidimensionalen PDLC-Strukturen benutzte Holografie-
Apparatur ist in Abbildung 3.2 gezeichnet. Hiermit kann ein Gitter in der Testzelle un-
terhalb eines Prismas unter Verwendung des oben genannten diodengepumpten Nd :
Y V O4Festk¨
orperlasers geschrieben werden. Hierzu wird der Dauerstrichlaser in vier
Teilstrahlen aufgeteilt. Auf Grund der großen Koh¨
arenzl¨
ange ist es nicht erforderlich, die
optischen Wege der Teilstrahlen bezogen auf den Arbeitsbereich des optischen Tisches
gleich lang zu machen.
Abbildung 3.2:
Skizze vom experimentellen Aufbau der Umbrella-Konfiguration
mit vier gr¨unen Strahleng¨angen zur Erzeugung mehrdimensionaler
HPDLCs.
Der vom Laser ausgehende Strahl wird durch das Passieren des Strahlaufweiters BE
(siehe Tabelle 3.1) auf einen Strahldurchmesser von zehn Millimetern vergr¨
oßert. Nun
wird er vom Strahlteilerw¨
urfel ST1 in zwei Teilstrahlen mit jeweils f¨
unfzigprozentiger In-
28 Kapitel 3. Experimente
tensit¨
at aufgeteilt.
Der um f¨
unfundvierzig Grad umgelenkte Teilstrahl 1 durchwandert die Iris S1 und den
variablen Neutraldichtefilter VNDF1 bevor er mit Hilfe des Periskopsystems Pk in sei-
ner Strahlh¨
ohe, d. h. in seinem Abstand zur optischen Tischoberfl¨
ache vergr¨
oßert wird.
Der Spiegel M6 lenkt ihn auf den Spiegel M7, der ihn wiederum zentral von oben auf
die Oberfl¨
ache eines Prismas (Abbildung 3.4,3.5 und 3.6) fallen l¨
asst. Zwischen dem
Spiegel M7 und dem Prisma befinden sich noch Halterungen f¨
ur den Polarisator P
Abbildung 3.3:
Foto vom experimentellen Aufbau der Umbrella-Konfiguration mit
vier eingezeichneten Strahleng¨angen des gr¨unen Laserlichts zur
Erzeugung mehrdimensionaler HPDLCs. Die Abk¨urzungen sind in
Tabelle 3.1 aher erl¨autert.
3.1. Holografische Anordnung 29
und die Verz¨
ogerungsplatte λ/2. Der Polarisator (siehe Tabelle 3.1) besteht aus einem
Glan-Taylor-Prisma, das unter Ausnutzung der Doppelbrechung und Totalreflexion nur
p-polarisiertes Licht hindurchl¨
asst. Die sich anschließende Verz¨
ogerungsplatte kann
nun das linear polarisierte Licht um einen w¨
ahlbaren Winkel drehen.
Der am Strahlteilerw¨
urfel ST1 direkt transmittierte Lichtstrahl bildet sp¨
ater die drei
Mantelstrahlender Regenschirm-Anordnung. Er f¨
allt zun¨
achst auf den Spiegel M1 und
wird am Strahlteiler ST2 in die zwei Strahlen 2 und B separiert.
Der Strahl 2 durchdringt die Iris S2 und den variablen Neutraldichtefilter VNDF2. Er f¨
allt
auf den Spiegel M8, der ihn schr¨
ag nach oben auf den anderen Spiegel M3 umlenkt.
Hier durchquert er den Polarisator Pund die Verz¨
ogerungsplatte λ/2, um unter einem
bestimmten Winkel zum zentralen Strahl 1, jedoch senkrecht auf die Seitenfl¨
ache des
Prismas einzufallen.
Der Strahl B wird am Strahlteilerw¨
urfel S3 in die Strahlen 3 und 4 zerlegt. Beide pas-
sieren jeweils eine Iris und einen variablen Neutraldichtefilter. Der Strahl 3 wird direkt
vom Spiegel M9 durch den Polarisator und die Verz¨
ogerungsplatte auf die Seitenfl¨
ache
des Prismas gelenkt. Der Strahl 4 wird ebenfalls mit Hilfe der beiden Spiegel M5 und
M4 durch den Polarisator und die Verz¨
ogerungsplatte auf die Seitenfl¨
ache gerichtet.
Die beiden Strahlen 3 und 4 haben den gleichen Einfallswinkel wie der Strahl 2 zum
zentralen Strahl 1.
Bei jedem direkt vor dem Prisma seitlich einfallenden Laserstrahl (die Strahlen 2 bis
4) hat der Strahlengang einen Winkel von 120zum jeweils benachbarten Strahlen-
gang. Zu Beginn wurde ein handels¨
ublicher Retroreflektor aus dem Material BK 7 als
Prisma benutzt. Um den zentralen Laserstrahl 1 einfallen lassen zu k¨
onnen, wurde vor-
her die Spitze des Retroreflektors abgeschnitten, geschliffen und poliert (siehe Abbil-
dung 3.4 links). Der Winkel zwischen der jeweiligen Seitenfl¨
ache und der Grundfl¨
ache
betr¨
agt 54,73. Das bedeutet, dass nur dieser Winkel zwischen dem zentralen Strahl
und jeweils einem Mantelstrahl, der senkrecht auf die Seitenfl¨
ache einf¨
allt, eingestellt
wird. Sobald man andere Winkel (siehe Tabelle 3.2 im n¨
achsten Unterkapitel) errei-
chen m¨
ochte, m¨
ussten die Seitenstrahlen 2 bis 4 nicht senkrecht, sondern unter einem
bestimmten Winkel zum Lot einfallen. Daf¨
ur wurden kleine Keile aus Aluminium mit ent-
sprechendem Winkel angefertigt, mit einem Justierspiegel beklebt und gleichm¨
aßig auf
dem bearbeiteten Retroreflektor angebracht. Die Strahlen wurden nun so justiert, dass
30 Kapitel 3. Experimente
sie senkrecht auf diese Spiegel einfielen.
Sp¨
ater wurde dazu ¨
ubergegangen, zwei speziell angefertigte Prismen von Feinoptik-
Tackmann zu nutzen. Diese bestehen ebenfalls aus dem Material BK 7, das einen Bre-
chungsindex von 1,51872 aufweist und damit im Bereich der Brechungsindizes der
Tabelle 3.1:
Zum Aufbau der Holografie-Apparatur mit Umbrella-Anordnung verwendete Komponenten.
Symbol Bauelement: Spezifikationen (Hersteller, Typ).
BE Laserstrahlaufweiter mit einer breitbandigen Antireflexbeschich-
tung von 350 650nm (Thorlabs, BE03M-A).
λ/2λ/2-Pl¨
attchen: λ= 532nm (Thorlabs, WPH05M-532), montiert in
Rotationshalterungen mit hoher Pr¨
azision (Thorlabs, PRM1/M).
M1-9 Spiegel: dielektrischer Breitbandspiegel, 350 650nm (Thorlabs,
BB2-E02), montiert auf Spiegelhalter, die um zwei Achsen kipp-
bar sind.
P Glan-Taylor-Polarisator: 0,35 2,3µm (Thorlabs, DGL10), mon-
tiert in eine Rotationshalterung (Thorlabs, RSP1/M).
Pk Periskopsystem (Thorlabs, RS99/M).
S1-4 Iriden zum Verkleinern des Laserdurchmessers und Verschlie-
ßen der Laserstrahlung (Thorlabs, ), montiert in eine Rotations-
halterung (Thorlabs, RSP1/M).
ST1-3 Strahlteilerw¨
urfel: λ= 400 700nm (Thorlabs, BS016), montiert
auf einer Prismenhalterung (Thorlabs, KM100B/M bzw. K6X).
VNDF1-4 variabler Neutraldichtefilter: optische Dichte 0-4, Durchmesser
50mm (Thorlabs, NDC-50C-4M).
Prisma Drei verschiedene Prismen: Retroreflektor aus BK 7 mit abge-
schliffener Spitze (Thorlabs, PS972, siehe Abb. 3.4). Prisma A
aus BK 7 mit dem Seitenfl¨
achenwinkel von 73,07(Feinoptik-
Tackmann, siehe Abb. 3.5). Prisma B aus BK 7 mit dem Seiten-
fl¨
achenwinkel von 39,6(Feinoptik-Tackmann, siehe Abb. 3.6).
3.1. Holografische Anordnung 31
Abbildung 3.4:
Fotos von einem handels¨
ublichen Retroreflektor (Thorlabs) aus dem Materi-
al BK 7 zur Erzeugung mehrdimensionaler HPDLCs mit abgeschnittener und
geschliffener Spitze f¨
ur den zentralen Strahlengang. Rechts: Drei gleiche Kei-
le mit Justierspiegeln zwecks Einstellung eines Einfallswinkels von 38,94im
PDLC. Unten: Skizze vom Querschnitt des Retroreflektors.
PDLC-Komponenten liegt. Beim Prisma A betr¨
agt der Winkel zwischen der Seiten-
und der Grundfl¨
ache 73,07und die untere Kante ist 33,71 mm lang (siehe Abbildung
3.5). Auf Grund des Snelliusschen Brechungsgesetzes wird im polymer-eingebetteten
Fl¨
ussigkristall der f¨
ur eine sc-Translationssymmetrie geforderte Winkel von 70,53(Ta-
belle 2.2) erzielt. Das Prisma B hat einen Winkel von 39,6zwischen der Seiten- und
der Grundfl¨
ache (siehe Abbildung 3.6). Hier ist die untere Kante jedoch l¨
anger und hat
einen Wert von 71,44 mm. Auch hier wird durch das Snelliussche Brechungsgesetz im
PDLC ein Winkel von 38,94erreicht, der f¨
ur die fcc-Translationssymmetrie notwendig
ist.
Bei diesen beiden Prismen wurden kleine Spiegel direkt auf die Seitenfl¨
achen gebracht
und die Strahlen dazu senkrecht einfallend justiert. Unter Ber¨
ucksichtigung des Bre-
chungsindex der Prismen gen¨
ugen jene somit den Anforderungen f¨
ur den Einfallswin-
kel, die sich aus bestimmten Strukturprofilen ergeben (siehe Tabelle 3.2).
32 Kapitel 3. Experimente
Abbildung 3.5:
Fotos von einem durch Feinoptik-Tackmann aus dem Material BK 7 speziell
angefertigten Prisma f¨
ur die Vier-Strahleninterferenz. Die untere Kante hat ei-
ne L¨
ange von 33,71 mm und der Winkel zwischen der Seiten- und der Grund-
fl¨
ache betr¨
agt 73,07.
In Abbildung 3.7 ist eine Pr¨
azisionshalbkugel, die ebenfalls aus dem Material BK7
besteht, zu sehen. Sie wurde von J. Hauser GmbH &Co. KG hergestellt und diente
dem Zwecke der Beugungsuntersuchungen, die nach dem Beleuchten der mit PDLC-
Systemen gef¨
ullten Testzellen durchgef¨
uhrt wurden.
Zwischen der Testzelle und dem jeweiligen Prisma sowie der Halbkugel bei anschlie-
ßenden Beugungsuntersuchungen wurde Immersions¨
ol getr¨
opfelt. Es ist nach DIN 58884
normiert und hat einen Brechungsindex von 1,518.
3.1. Holografische Anordnung 33
Abbildung 3.6:
Fotos von einem durch Feinoptik-Tackmann aus dem Material BK 7 speziell
angefertigten Prisma f¨
ur die Vier-Strahleninterferenz. Die untere Kante hat ei-
ne L¨
ange von 71,44 mm und der Winkel zwischen der Seiten- und der Grund-
fl¨
ache betr¨
agt 39,6.
Abbildung 3.7:
Fotos von einer durch J. Hauser GmbH &Co. KG aus dem Material BK 7
speziell angefertigten Pr¨
azisionshalbkugel f¨
ur Beugungsuntersuchungen. Der
Radius betr¨
agt 15 mm.
3.1.2.1 Aufstellung und Justierung der Apparatur
Das Experiment zur Umbrella-Anordnung wurde mehrmals neu aufgebaut und dabei
sukzessive optimiert. So wurden zum Beispiel die anfangs verwendeten Halterungen
TR250/M (Thorlabs) von Spiegeln, Polarisatoren und Verz¨
ogerungsplatten der Seiten-
strahlen durch massivere Halterungen P350/m mit einem Durchmesser von 1,5 inch
34 Kapitel 3. Experimente
ersetzt, um eine bessere Stabilit¨
at zu erzielen. Die prinzipielle Vorgehensweise der Er-
stellung der Vier-Strahl-Geometrie soll im Folgenden beschrieben werden.
Auf dem optischen Tisch RS 4000 TM von Newport wird der Strahlengang des Verdi-
Lasers betrachtet und teilweise markiert. Dabei wird der Abstand zwischen Tisch und
Strahlengang jeweils direkt vor dem Laser und am Tischrand ¨
uberpr¨
uft. In unmittelbarer
N¨
ahe des Laserstrahlausgangs wird der Strahlaufweiter BE (siehe Abbildung 3.2 und
Tabelle 3.1) so montiert, dass der Strahlmittelpunkt seine H¨
ohe ¨
uber dem Tisch bei-
beh¨
alt. Hinter den Strahlaufweiter wird ein Strahlteilerw¨
urfel derart gesetzt, dass sich
die H¨
ohe des transmittierten Strahles A zwar nicht ¨
andert, dieser aber seitlich ein wenig
abgelenkt wird. Diese leichte Ablenkung zur Seite dient dem Zweck, eventuelle R¨
uck-
reflexanteile vom Laserausgang fernzuhalten.
Durch den Strahlteilerw¨
urfel liegen nun zwei Strahlen vor, der transmittierte Strahl A
und der sp¨
atere zentrale Strahl 1. Unterhalb des Weitergangs vom Strahl 1 wird ein
m¨
oglichst zentraler Punkt markiert, ¨
uber dem sich das Prisma mit der Testzelle befin-
den soll. Es wird eine Gerade durch diesen Punkt gezogen, die parallel zum Verlauf
des Strahles A sein sollte. In einem Winkel von 120wird eine neue Linie durch den
markierten Punkt gezeichnet. Zu dieser neuen Linie wird wiederum eine Gerade im
120-Winkel durchgezogen. Auf den drei Geraden wird der Abstand s1von einund-
zwanzig Zentimetern abgemessen und an deren Positionen wird nochmal der Abstand
s2von f¨
unf Zentimetern diesmal in senkrechter Richtung eingezeichnet. Die dabei ent-
standene Grundseite des Umbrella-Aufbaus ist in Abbildung 3.8 skizziert.
Abbildung 3.8:
Skizzierte Grundseite des Umbrella-Aufbaus. Die Linien stellen die Projektio-
nen der drei seilichen Strahleng¨
ange auf dem optischen Tisch dar.
3.1. Holografische Anordnung 35
Die Kreise geben die Positionen der Halterungen f¨
ur die Spiegel an. Diese Halterungen
sind f¨
unfunddreißig Zentimeter lange Zylinder, die auf zwei senkrecht zueinander befe-
stigten Lineartischen MT1/M (Thorlabs) stehen.
Beim Strahl A werden die Strahlteiler und die Spiegel so eingebaut, dass die Strahlen
2, 3 und 4 am jenen Ende der Geraden in Abbildung 3.8 ankommen, das jeweils ge-
gen¨
uber den Kreisen liegt. Das Periskopsystem wird montiert und der zentrale Strahl 1
auf den Schnittpunkt der Linien gelenkt (Abbildung 3.8). Der Schnittpunkt wird mit ei-
nem gr¨
oßeren Spiegel abgedeckt und auf dem Spiegel wird die Einfallstelle des Strahls
1 d¨
unn markiert. Ein St¨
uck von einem weißen Blatt Papier (oder auch ein anderes fluo-
reszierendes Material) wird mit einer Nadel durchgestochen, um dieses Loch direkt
in den Strahlengang m¨
oglichst nahe am oberen Spiegel zu halten. Bei einem senk-
rechten Lichteinfall auf den unteren Spiegel, sollte der reflektierte Strahl in sich selbst
¨
ubergehen und es d¨
urfte kein Lichtpunkt auf dem Papier zu sehen sein. Falls jedoch ein
Lichtpunkt neben dem Loch vorhanden ist, werden die Schrauben der Feinjustierung
des oberen Spiegels solange gedreht, bis der Lichtpunkt im Loch verschwindet. Da-
bei verschiebt sich aber auch der Lichtstrahl von seiner markierten Position. Nun wird
¨
uber die Schrauben des Spiegels am Periskopsystem gedreht, um die markierte Positi-
on wieder einzustellen. Dieser Prozess wird solange wiederholt, bis der Lichtpunkt auf
die markierte Stelle f¨
allt und in sich selbst ¨
ubergeht. Danach wird der untere Spiegel
entfernt und das gew¨
unschte Prisma zusammen mit der Testzelle, das sich auf einem
W¨
urfel CM1-P01 (Thorlabs) mit einem um 45geneigten Spiegel befindet, zentral auf
den oben genannten Schnittpunkt angebracht. Auf allen drei Seitenfl¨
achen wird jeweils
ein kleiner Spiegel befestigt. Er dient dazu, nach dem vorhin beschriebenen Verfahren
die Spiegel auf den Halterungen so zu justieren, dass die Strahlen 2, 3 un 4 senkrecht
auf die Fl¨
achen des Prismas einfallen.
Erst wenn die vier Strahlen f¨
ur die Umbrella-Geometrie justiert sind, erfolgt der Einbau
der Polarisatoren und der Verz¨
ogerungsplatten. Daraufhin wird eine Schnittebene in
einer frei gew¨
ahlten H¨
ohe ¨
uber dem Prisma und parallel zur Tischoberfl¨
ache betrach-
tet. Ein Blatt Papier wird fixiert. Die Lichtstrahlpunkte werden darauf eingezeichnet und
mit dem zentralen Punkt verbunden. Durch diese Verbindungslinien entsteht ein Abbild
der Einfallsebenen. Zu den Geraden werden Linien unter einem Winkel eingezeichnet,
der f¨
ur den Polarisationswinkel des jeweiligen Strahls steht. Senkrecht zu diesen neu
gezeichneten Linien werden Polarisationsfolien gelegt. Dreht man nun die Verz¨
oge-
36 Kapitel 3. Experimente
rungsplatten, so wird es dunkel, wenn der gezeichnete Polarisationswinkel und damit
die gew¨
unschte Polarisation selbst am Strahl eingestellt ist.
3.1.3 Strahlparameter des Umbrella-Aufbaus
Im Unterkapitel 2.1.3 auf Seite 8wurde der Zusammenhang zwischen der Transla-
tionssymmetrie und den Strahlrichtungen ~
bicharakterisiert. Im Abschnitt 2.1.4 wurden
aus vorgegebenen Gesamtsymmetrien Bedingungen f¨
ur die Fourieramplituden al,m ent-
wickelt. Durch Holografie k¨
onnen nur bestimmte Symmetrien und somit nicht jede be-
liebige verwirklicht werden. Es liegen jedoch Parameter vor, die einen Freiheitsgrad in
ihrer Wahl besitzen. Diese Parameter u, v, p, q haben f¨
ur die experimentelle Realisie-
rung des holografischen Aufbaus eine wichtige Bedeutung. Deren Wahlfreiheit ist zum
Beispiel f¨
ur die Maximierung des Interferenzmusterkontrastes von Vorteil. Die Untersu-
chung dieser Parameter und deren Resultat werden hier in abgek¨
urzter Form darge-
stellt, eine ausf¨
uhrliche Betrachtung findet sich in [Mei06].
Mit Hilfe strahlspezifischer Zylinderkoordinaten k¨
onnen die elektrischen Feldvektoren
von linear polarisierten Lichtwellen wiedergegeben werden (siehe Abbildung 3.9). Die
Koordinaten ρiund αihaben ~
kials Zylinderachse mit i= 1,2,3,4:
~
Ai=ρi·[~sisin(αi) + ~picos(αi)] (3.3)
Der Winkel αikann Werte zwischen 0und πannehmen. Der Wertebereich f¨
ur ρiliegt
zwischen −∞ und . Die Einheitsvektoren ~siund ~pientsprechen der Richtung der
senkrechten und der parallelen Komponente von ~
Aibezogen auf die Einfallsebene. Die
dazugeh¨
orige Einfallsebene wird durch den jeweiligen Seitenwellenvektor ~
kiund den
zentralen Wellenvektor ~
k1aufgespannt [Mei06]:
~si:= ~
ki×~
k1
~
ki×~
k1
mit i 6= 1 (3.4)
~pi:= ~
ki×~si
~
ki×~si
mit i = 1,2,3,4.(3.5)
F¨
ur den Einheitsvektor des zentralen Strahles mit i= 1, der parallel zur Probennorma-
len verl¨
auft, wird die Definition ~s1:= ~s2festgelegt. Die beiden oberen Gleichungen aus
3.1. Holografische Anordnung 37
Abbildung 3.9:
Darstellung der Einfallsebene, die hier durch die Vektoren k1und k2geht. Der
Vektor p1liegt in der Ebene, der Vektor s1steht senkrecht auf ihr und der
Vektor ~
A1steht im Winkel αzur Ebene. Er kann als Linearkombination der
Vektoren p1und s1abgebildet werden, siehe Gleichung (3.3).
(2.8) ergeben dann:
Re {a12}=~
A1·~
A2=u
Re {a13}=~
A1·~
A3=u
Re {a14}=~
A1·~
A4=u
(3.6)
Re {a32}=~
A3·~
A2= 0
Re {a43}=~
A4·~
A3= 0
Re {a24}=~
A2·~
A4= 0
(3.7)
Die Bedingungen in Gleichung (3.7) besagen, dass die Polarisationsrichtungen der Ne-
benstrahlen (i= 2,3,4) paarweise senkrecht aufeinander stehen. Daher ist deren In-
terferenz miteinander ausgeschlossen. Setzt man nun in diese Bedingungen den Aus-
druck aus Gleichung (3.3) ein, so erh¨
alt man:
α2,3,4=arccos 1
3sin(γ).(3.8)
38 Kapitel 3. Experimente
Alle drei Nebenstrahlen haben den gleichen Polarisationswinkel, der zwischen dem
elektromagnetischen Feldvektor und der jeweiligen Einfallsebene einzustellen ist. Setzt
man nun den Ausdruck f¨
ur den Winkel aus Gleichung (3.8) in die Gleichungen unter
(3.6) ein, so ergeben sich ρ2, ρ3und ρ4in Abh¨
angigkeit von ρ1,
ρ2=u
ρ1·3sin(γ)
sin(α1)p3sin2(γ)1 + cos(α1)cos(γ).(3.9)
Tauscht man in Gleichung (3.9)α1durch (α1+120)oder (α1120)aus, so erh¨
alt man
den entsprechenden Ausdruck f¨
ur ρ3oder ρ4. Der Einfallswinkel γder drei Strahlen zu
dem zentralen Strahl ist durch die Translationssymmetrie (Tab. 2.2) gegeben. Dage-
gen f¨
uhrt die Wahlfreiheit der Parameter ρ1und α1dazu, dass durch unendlich viele
Weisen das Interferenzmuster aus Gleichung (2.9) erstellt werden kann. F¨
ur dessen
Bestrahlungsst¨
arke mit v=p=q= 0 gilt:
˜
D(~rr)a11 +a22 +a33 +a44
+ 2u[cos(2πxr) + cos(2πyr) + cos(2πzr)] .
(3.10)
Diese Interferenzmuster haben einen unterschiedlichen mittleren Bestrahlungsanteil
(a11 +a22 +a33 +a44), um die die Funktion um ±6uvariiert. Mit Hilfe der Gleichung
(3.3) kann der Kontrast des Interferenzmusters wie folgt ausgedr¨
uckt werden [MWB04,
Mei06]:
C=˜
Dmax
˜
Dmin
=ρ2
1+ρ2
2+ρ2
3+ρ2
4+ 6u
ρ2
1+ρ2
2+ρ2
3+ρ2
46u.(3.11)
Zur Maximierung des Kontrastes k¨
onnen optimale Werte f¨
ur ρ1und α1bestimmt wer-
den:
αopt
1=arccot cos(γ)
p3sin2(γ)1!(3.12)
ρopt
1=u·p13,5.(3.13)
F¨
ur die Intensit¨
aten der Nebenstrahlen erh¨
alt man:
ρopt
2=u·1
3ρopt
3,4=u·2
3(3.14)
Die optimalen Strahlparameter sind f¨
ur γfcc und γsc in Tabelle 3.2 aufgelistet.
3.2. Verwendete Substanzen 39
Tabelle 3.2:
Strahlparameter des Umbrella-Aufbaus bei maximalem Kontrast Cf¨
ur (u, v, p, q) =
(u, 0,0,0) und fcc- sowie sc-Translationssymmetrie [MWB04].
γ αopt
1αopt
2,3,4Iopt
1:Iopt
2:Iopt
3:Iopt
4
fcc arccos 7
9= 38,9428,9623,281:0,11 :0,44 :0,44
sc arccos 1
3= 70,5375,5252,241:0,11 :0,44 :0,44
3.2 Verwendete Substanzen
Auf alle hier gebrauchten Verbindungen wird in den folgenden Unterabschnitten einge-
gangen. Die Abk¨
urzungen f¨
ur die Substanzbezeichnungen werden in diesen Unterab-
schnitten erkl¨
art. Es wurden verschiedene PDLC-Proben mit jeweils unterschiedlichen
Zusammensetzungen eingewogen. Im Wesentlichen k¨
onnen die Probeneinwaagen in
drei PDLC-Systeme eingeteilt werden. Die ersten beiden Systeme beinhalten entwe-
der TMPTA oder Ebecryl 1290 als Polymer-Vorl¨
aufersubstanz. Das Polymerisations-
verhalten dieser Mischungen ist auf Grund fr¨
uherer Messungen, die von Herrn Hoi-
schen [Hoi05] durchgef¨
uhrt wurden, bereits bekannt. Dieser hatte das Reaktionsver-
halten durch Photo-DSC Messungen [Hik91] charakterisiert. Das dritte System enth¨
alt
DPHPA. Es wurde von Sutherland et al. [SNT93] in etwas anderen Konzentrationsan-
teilen holografisch anhand eines Ein-Strahl-Aufbaus untersucht.
3.2.1 Isotrope Acrylatmonomere
Trimethylolpropantriacrylat (TMPTA) ist ein viskoses trifunktionales Monomer und diente
als Prepolymer f¨
ur die Einwaage von PDLC-Systemen. Das z¨
ahfl¨
ussige Ebecryl 1290
wurde ebenfalls als reaktive Komponente in PDLCs verwendet. Beim dem dritten hier
verwendeten Monomer Dipentaerythritol penta/-hexaacrylat (DPHPA) handelt sich um
ein hoch effizient vernetzendes Prepolymer. Dieses wird sehr h¨
aufig zum Aush¨
arten
unter Bestrahlung mit ultraviolettem Licht benutzt.
Bei Ebecryl 1290 handelt es sich nicht um ein Monomer, sondern um ein Oligomer auf
Urethanbasis, dessen Monomereinheiten photoreaktive Acrylatgruppen enthalten, so
40 Kapitel 3. Experimente
Abbildung 3.10:
Strukturformeln von TMPTA und DPHPA.
dass es photochemisch in ein vernetztes Polymer ¨
uberf¨
uhrt werden kann. Ein Oligomer
besteht aus Molek¨
ulen, die mehrere gleiche oder ¨
ahnliche Grundeinheiten enthalten.
Die Zahl dieser Einheiten ist jedoch gering (im Gegensatz zu einem Polymer).
Tabelle 3.3:
Daten der Monomere.
Monomer Molmasse Funktionalit¨
at Brechungsindex Hersteller
TMPTA 296 g
mol 3 1,474 UCB
Ebecryl 1290 1000 g
mol 6 1,494 UCB
DPHPA 524,5g
mol 5-6 1,49 Sigma-Aldrich
3.2. Verwendete Substanzen 41
3.2.2 Thiol-en-System
Bei der Herstellung von PDLCs wurden nicht nur Acrylatmonomere, sondern auch ein
Thiol-en-System verwendet. Dessen Produktname lautet NOA 65 (Norland Optical Ad-
hesive, Norland Optics). Diese Substanz ist klar und farblos. Als fl¨
ussiges Photopo-
lymer h¨
artet NOA 65 im ultravioletten Licht aus und ist eine Art Kleber. Es ist selbst
eine Mischung aus Trimethylpropan-diallylether, Trimethylpropan-tristhiol, Isophoron-
diisocyanat und aus dem Photoinitiator Benzophenon f¨
ur den ultravioletten Lichtbe-
reich. Die Polymerisation beruht auf einer radikalischen Vernetzung und einer stufen-
weisen Polymerisation [Hoi05].
3.2.3 Fl¨ussigkristall
Bei allen PDLC-Einwaagen wurde der gleiche Fl¨
ussigkristall E7 verwendet. Dieser setzt
sich aus Cyanobiphenyl- und Cyanoterphenyl-Derivaten zusammen (siehe Tabelle 3.4).
Er besitzt keine reaktiven Verbindungen und geht somit keine chemischen Reaktionen
mit den oben genannten Polymeren bei Photobelichtung ein.
Tabelle 3.4:
Zusammensetzung des nematischen Fl¨
ussigkristalls E7 vom
Hersteller Merck.
Anteil Inhalt Substanzbezeichnung
51 % 5CB 4-pentyl-4’-cyanobiphenyl
25 % 7CB 4-n-heptyl-4’-cyanobiphenyl
16 % 8OCB 4-n-octyloxy-4’-cyanobiphenyl
8 % 5CT 4-cyano-4-n-pentyl-p-terphenyl
Sein Kl¨
arpunkt liegt laut Angabe des Herstellers Merck bei 58C. In Tabelle 3.5 sind der
außerordentliche und der ordentliche Brechungsindex (neund no) enthalten. Diese In-
dizes sind g¨
ultig f¨
ur eine Wellenl¨
ange von 633nm bei Raumtemperatur. Zum Vergleich
sind die Brechungsindizes aus drei weiteren Literaturquellen f¨
ur dieselbe Wellenl¨
ange
42 Kapitel 3. Experimente
bei ann¨
ahernd gleicher Temperatur angegeben. Die Indizes aus [ATM+07, LWB+05]
sind unter Zuhilfenahme der Cauchy-Formel durch die Verwendung dreier dort experi-
mentell bestimmter Parameter berechnet worden.
Tabelle 3.5:
Ordentlicher und außerordentlicher Brechungsindex des nemati-
schen Fl¨
ussigkristalls E7 bei einer Wellenl¨
ange von 633nm.
E7 Temperatur neno
20C 1,73372 1,52068
[LWG+05] 20C 1,7378 1,5188
[ATM+07] 26C 1,728 1,518
[LWB+05] 20C 1,737 1,519
3.2.4 Photoinitiatoren
Der Photoinitiator Bengalrosa (RB), 4,5,6,7-Tetrachlor-2’,4’,5’,7’Tetraiodfluoreszein, wur-
de urspr¨
unglich von Gnehm [Sch85] als Farbstoff synthetisiert, der die roten Farben in
dem sogenannten Bengalis-Muster f¨
ur Baumwollmaterialien imitierte [Nec89]. Es ist gut
geeignet f¨
ur eine holografische Bestrahlung mit einem diodengepumpten Festk¨
orperla-
ser Nd :Y V O4, da er ein breites Absorptionsspektrum mit einem Maximum bei 550nm
aufweist. In Abbildung 3.12 sind Transmissions- und Extinktionsverhalten von Bengal-
rosa, das zu 1% in Methanol gel¨
ost wurde, f¨
ur ein Wellenl¨
angenintervall von 320nm bis
850nm dargestellt. Die Extinktion Eist das logarithmische Verh¨
altnis aus einfallender
Strahlung I0und austretender Strahlung I:
E=lg I
I0
.(3.15)
Die Spektren wurden mit dem Spektrometer Lambda 19 von PerkinElmer aufgenom-
men.
3.2. Verwendete Substanzen 43
Abbildung 3.11:
Strukturformel von Bengalrosa.
Da Beugung und Streuung unbedeutend sind und die Reflexionsverluste durch Re-
ferenzmessungen ber¨
ucksichtigt werden, ¨
ahneln sich Extinktion und Absorption. Bei
Weißlicht betrachtet, zeigt sich Bengalrosa dem Namen entsprechend mit rosanen bis
roten Farbanteilen. Das Spektrum in Abbildung 3.12 zeigt, dass Bengalrosa bei Be-
strahlung mit rotem Licht im Bereich von 633nm sehr schwach sowohl transmittiert als
auch absorbiert.
Abbildung 3.12:
Extinktions- und Transmissionsverhalten vom Pho-
toinitiator Bengalrosa gel¨
ost zu 1% in Methanol.
Der Photoinitiator Irgacure 784, Bis (eta 5-2,4-cyclopentadien-1-yl) Bis [2,6-difluoro-3-
(1H-pyrrol-1-yl) phenyl]titanium, ist ein orangenes Pulver mit einem Schmelzpunkt von
¨
uber 160C. Irgacure 784 hat Absorptionsmaxima bei 398nm und bei 470nm. Licht ab
einer Wellenl¨
ange von etwa 550nm wird zu ¨
uber sechzig Prozent transmittiert (siehe
44 Kapitel 3. Experimente
Abbildung 3.14).
Abbildung 3.13:
Strukturformel von Irgacure 784 und Aufspaltung
durch Photonenabsorption [LHH09].
Abbildung 3.14:
Extinktions- und Transmissionsverhalten vom Pho-
toinitiator Irgacure 784 gel¨
ost zu 1% in Methanol.
Bei der Substanz N-Vinyl-2-Pyrrolidon (NVP) handelt es sich um ein Monomer, das
¨
ublicherweise als Photoinitiator f¨
ur andere Polymere genutzt wird. In dieser Arbeit hat
es die Funktion eines Kettenverl¨
angerers.
N-Phenylglycin (NPG) ist ein farbloser Feststoff, der als kristallines Pulver vorliegt und
bei 305C schmilzt. NPG hat die Funktion eines Koinitiators. In Tabelle 3.6 sind die
3.2. Verwendete Substanzen 45
Abbildung 3.15:
Extinktions- und Transmissionsverhalten vom NVP gel¨
ost zu 1%
in Ethanol. Die Strukturformel vom NVP ist rechts unten ein-
gef¨
ugt.
Photoinitiatoren aufgelistet.
Abbildung 3.16:
Extinktions- und Transmissionsverhalten vom NPG gel¨
ost zu 1%
in Methanol. Die Strukturformel vom NPG ist rechts unten ein-
gef¨
ugt.
46 Kapitel 3. Experimente
Tabelle 3.6:
Daten der verwendeten Photoinitiatoren.
Initiator Molmasse λabs. [nm] Hersteller
Bengalrosa 1017,64 g
mol 550 Sigma-Aldrich
Irgacure 784 534,4g
mol 398, 470 Ciba
NVP 111,14 g
mol 275 Sigma-Aldrich
NPG 151,16 g
mol 270 Sigma-Aldrich
3.3 Probenpr¨
aparation
In diesem Abschnitt wird auf die Vorgehensweise bei der Herstellung der PDLC-Proben
eingegangen. Es wird nur das generelle Verfahren beschrieben. Die genauen Zusam-
mensetzungen und Einwaagen sind an entsprechender Textstelle vermerkt. Beim Ein-
wiegen und Bef¨
ullen der Testzellen wurde unter Rotlicht gearbeitet.
3.3.1 Verwendete Mischungen
Alle PDLC-Mischungen wurden holografisch durch polymerisationsinduzierte Phasen-
separation erstellt. Die Ausgangsmischungen enthielten immer den niedermolekularen
Fl¨
ussigkristall E7. Dieser ist im jeweiligen vernetzbaren Monomer dispergiert. Er wur-
de zuerst eingewogen. Als zweite Komponente kam das jeweilige Monomer, entweder
TMPTA, Ebecryl 1290, DPHPA oder NOA 65, hinzu. Handelte es sich beim Monomer
um TMPTA oder Ebecryl 1290 in der Mischung, so wurde Irgacure 784 als Photoinitiator
verwendet. Bei Systemen mit DPHPA als Prepolymer wurden zus¨
atzlich der Vernetzer
NVP und der Koinitiator NPG eingesetzt. Erst dann erfolgte die Einwaage des Pho-
toinitiators Bengalrosa. Bei Substanzen mit NOA 65 wurden einerseits Irgacure 784
und andererseits NPG und Bengalrosa dazugegeben. Diese beiden Photoinitiatoren
Irgacure 784 und Bengalrosa wurden jeweils zu einem Massenteil von ca. 1% zu der
entsprechenden Probe hinzugef¨
ugt. Die Proben mit TMPTA oder Ebecryl 1290 wur-
den zur Homogenisierung in Dichlormethan CH2Cl2gel¨
ost. Die PDLC-Mischungen mit
3.3. Probenpr¨
aparation 47
DPHPA l¨
osten sich sehr schwer oder ¨
uberhaupt nicht in Dichlormethan, daher wurden
sie in Ethanol gel¨
ost. Auch die Einwaagen mit NOA 65 wurden in Ethanol gel¨
ost.
Alle Proben wurden nach Einwaage und Zugabe des jeweiligen L¨
osungsmittels in ein
Ultraschallbad gestellt, um die Homogenisierung zu optimieren. Um eine sp¨
atere Gas-
bl¨
aschenbildung zu vermeiden, ist es wichtig, dass das L¨
osungsmittel m¨
oglichst vollst¨
andig
verdampft. Dazu wurden die Mischungen f¨
ur etwa zw¨
olf Stunden in einem Trocken-
schrank bei etwa 50C getrocknet.
Unter Ausnutzung der Kapillarkr¨
afte wurden die Testzellen mit den Mischungen nach
dem Trocknen gef¨
ullt, indem jeweils ein kleiner Tropfen auf die Seite mit dem geschnit-
tenen Glaspl¨
attchen gegeben wurde (siehe Abbildung 3.17). Die in dieser Arbeit ver-
wendeten Probezellen hatten einen Glaspl¨
attchenabstand von 10µm, 25µm und 50µm.
Sie wurden von der Firma E.H.C. in Japan bezogen.
Abbildung 3.17:
Schematische Darstellung einer Testzelle.
3.3.2 Mikroskopie
Mikroskopische Aufnahmen wurden mit Hilfe des Polarisationsmikroskops von der Fir-
ma Leitz Wetzlar und verschiedener Objektive durchgef¨
uhrt. Im oberen Bereich des
Okularstrahlenganges war die Digitalkamera Nikon D90 angebracht. Unter Variation
der Belichtungszeit wurden die betrachteten Bilder mit der Software Camera Control
Pro (Version 2.4.0, c
Nikon Corporation) aufgenommen und gespeichert. Vor der mi-
kroskopischen Betrachtung ist es jedoch wichtig, Proben-, ¨
Ol- und Fettreste mit Hilfe
von Ethanol oberhalb von der Testzelle zu entfernen.
Kapitel 4
Ergebnisse und Diskussion
4.1 Prinzipielle Untersuchung eindimensionaler Gitter
Es wurden eindimensionale Gitter mit Hilfe des Holografieaufbaus aus Abschnitt 3.1.1
in verschiedene Proben eingeschrieben, die im Wesentlichen aus unterschiedlichen
Polymer-Vorl¨
aufersubstanzen bestanden. Alle Proben beinhalteten jeweils den glei-
chen Fl¨
ussigkristall E7. Es wurden als photoreaktive Komponenten ein Urethan-Acrylat-
Oligomer (Ebecryl 1290), ein trifunktionales Acrylatmonomer (TMPTA), ein pentafunk-
tionales Acrylatmonomer (DPHPA) oder ein Thiol-en-System (NOA 65) hinzugef¨
ugt. Bei
den beiden erstgenannten wurde Irgacure 784 als Photoinitiator verwendet. Beim DPH-
PA kamen zum Photoinitiator Bengalrosa, der Koinitiator NPG und der Kettenverl¨
ange-
rer sowie Vernetzer NVP hinzu. Nur bei NOA 65 wurden jeweils beide Photoinitiatoren
ausprobiert. Mit diesen Mischungen wurden Testzellen mit einer Dicke von 50µm gef¨
ulllt
und anschließend mit der Interferenzstrahlung der zwei sich ¨
uberlagernden gr¨
unen La-
serstrahlen beleuchtet. Gleichzeitig wurde diese Stelle mit rotem Laserlicht bestrahlt.
So konnte das Beugungsverhalten simultan zum Einschreiben des eindimensionalen
Gitters untersucht werden. Zun¨
achst soll im Folgenden auf die Beugung n¨
aher einge-
gangen werden.
Die Beugungseigenschaften induzierter Gitter k¨
onnen durch die Beugungseffizienz be-
schrieben werden. Diese ist definiert als das Verh¨
altnis aus der Lichtintensit¨
at I1der
ersten Beugungsordnung und der Intensit¨
at I0des einfallenden Lichtstrahls, η=I1/I0.
49
50 Kapitel 4. Ergebnisse und Diskussion
Abbildung 4.1:
Beugungsmuster an einer eindimensionalen PDLC-Struktur mit der 0. Beu-
gungsordnung in der Mitte und den beiden 1. Beugungsordnungen jeweils
links und rechts von dem Mittleren.
Die Einzelheiten des Beugungsmusters sind abh¨
angig von dem Parameter
Q=2πλd
nΛ2.(4.1)
Er wurde urspr¨
unglich von Raman und Nath [RN35] eingef¨
uhrt, um die durch Schall-
wellen induzierte optische Beugung zu beschreiben. Dieser Parameter ver¨
andert sich
mit der Dicke d. So kann ein Gitter als Volumen-Gitter bezeichnet werden, wenn die
Bedingung Q >> 1erf¨
ullt ist. Kogelnik’s gekoppelte Wellentheorie [Kog69] erbringt gu-
te Resultate f¨
ur Q-Werte gr¨
oßer oder gleich zehn (Q10). Kleine Werte (Q << 10)
hingegen entsprechen d¨
unnen Gittern, die mit Hilfe der von Raman und Nath [RN35]
entwickelten Beugungstheorie beschrieben werden k¨
onnen. Die hier verwendete Wel-
lenl¨
ange betrug λ= 0.633µm und die Gitterkonstante Λ=4µm (siehe Abschnitt 3.1.1).
Daraus resultiert ein Wert f¨
ur Q8, der genau im Grenzgebiet zwischen den beiden
vorhin beschriebenen Bereichen in [RN35] und [Kog69] liegt.
Im anschließenden Unterabschnitt sollen die experimentell erfassten Beugungseffizi-
enzen dargestellt werden.
4.1.1 Beugungsverhalten Polymer-eingebetteter Fl¨ussigkristalle
Das eindimensionale Gitter wurde mit einer Bestrahlungsintensit¨
at von 8,5 mW/cm2
bei Raumtemperatur eingeschrieben. Neben der Suche nach einem geeigneten PDLC-
System stellt sich auch die Frage in welchen Verh¨
altnissen die einzelnen Komponenten
innerhalb einer Probe enthalten sein m¨
ussten, um ein relativ schnelles Einschreiben
des eindimensionalen Gitters zu bieten und m¨
oglichst hohe und stabile Beugungseffi-
4.1. Prinzipielle Untersuchung eindimensionaler Gitter 51
zienzen zu erzielen.
Es wurde zun¨
achst eine Reihe von Proben mit unterschiedlichen Anteilen des NOA 65
Abbildung 4.2:
Beugungseffizienz in Abh¨
angigkeit von der Zeit f¨
ur die Probe bestehend aus
47%NOA 65, 52%E7 und 1%Irgacure 784.
erstellt. Eine gleichzeitige Betrachtung der Beugung beim Einschreiben des Gitters er-
gab, dass der gr¨
oßte Teil der Proben mit NOA 65 sehr schwache Beugungseffizienzen
von eins bis zwei Prozent aufwies. Als Beispiel ist in Abbildung 4.2 das Beugungsver-
halten der Probe mit 47%NOA 65, 52%E7 und 1%Irgacure 784 zu sehen. Die Probe
Abbildung 4.3:
Beugungseffizienz in Abh¨
angigkeit von der Zeit f¨
ur die Probe bestehend aus
69%NOA 65, 30%E7 und 1%Irgacure 784.
52 Kapitel 4. Ergebnisse und Diskussion
mit 69%NOA 65, 30%E7 und 1%Irgacure 784 zeigte eine Beugungseffizienz von zw¨
olf
Prozent und war damit h¨
oher als bei den anderen Proben aus der gleichen Reihe. Bis
zum Erreichen eines konstanten Wertes dauert der Anstieg jedoch etwa f¨
unfunddreißig
Sekunden (Abbildung 4.3). Die Probe mit Bengalrosa als Photoinitiator und NOA 65 als
Polymer wies keine Beugungen auf.
Eine andere Reihe von Proben enthielt unterschiedliche Anteile des reaktiven Mono-
Abbildung 4.4:
Beugungseffizienz in Abh¨
angigkeit von der Zeit f¨
ur die Probe bestehend aus
35%DPHPA, 21%NVP, 4%NPG, 39%E7 und 1%Bengalrosa.
mers DPHPA. Diese Proben konnten in Dichlormethan nicht gel¨
ost werden und konnten
daher nicht homogen durchmischt werden. Das Ausprobieren weiterer L¨
osungsmittel
zeigte, dass Ethanol einige der Proben besser l¨
oste. Stellenweise blieben auch hier
ungel¨
oste Anteile zur¨
uck. Die Beugungsmessungen zeigten, dass die Effizienz wie in
Abbildung 4.4 bei zwei bis drei Prozent lag.
Eine weitere Probenreihe enthielt sowohl Ebecryl 1290 als auch TMPTA in unterschied-
lichen Verh¨
altnissen. In den Abbildungen 4.5 bis 4.7 sind die Beugungseffizienzen von
drei verschiedenen Zusammensetzungen aus Ebecryl 1290 und TMPTA aufgetragen.
Alle Beugungseffizienzen betragen fast drei Prozent. In Abbildung 4.5 ist der zun¨
achst
steile Anstieg zu Beginn ein Indiz f¨
ur diffuse Streuung.
Bei allen vorhin genannten Probenreihen war eine sehr starke Entstehung der Streu-
ung w¨
ahrend des Einschreibens des Gitters zu beobachten, die sich st¨
orend auf die
Messung auswirkte. Der steile Anstieg der Intensit¨
at des gebeugten Lichts ist vermut-
lich auf diffuse Streeung zur¨
uckzuf¨
uhren, zu der auch Probenbereiche außerhalb des
4.1. Prinzipielle Untersuchung eindimensionaler Gitter 53
Abbildung 4.5:
Beugungseffizienz in Abh¨
angigkeit von der Zeit f¨
ur die Probe bestehend aus
34%Ebecryl 1290, 35%TMPTA, 30%E7 und 1%Irgacure 784.
Abbildung 4.6:
Beugungseffizienz in Abh¨
angigkeit von der Zeit f¨
ur die Probe bestehend aus
29%Ebecryl 1290, 30%TMPTA, 40%E7 und 1%Irgacure 784.
Interferenzmusters beitragen. Um diese Fehlerquelle auszuschließen, wurde der Strahl-
durchmesser verkleinert. So ist bei der Aufnahme der Beugungseffizienz in Abbildung
4.7 der Strahldurchmesser auf etwa einen Millimeter reduziert worden.
In Abbildung 4.8 ist die Beugungseffizienz der PDLC-Mischung aus 51%Ebecryl 1290,
48%E7 und 1%Irgacure 784 dargestellt. Nach einer mehr als zw¨
olf Sekunden langen
Anstiegsphase liegt sie bei etwas mehr als drei Prozent.
Abbildung 4.9 zeigt die Entwicklung der Beugungseffizienz bei der PDLC-Mischung
54 Kapitel 4. Ergebnisse und Diskussion
Abbildung 4.7:
Beugungseffizienz in Abh¨
angigkeit von der Zeit f¨
ur die Probe bestehend aus
31%Ebecryl 1290, 34%TMPTA, 34%E7 und 1%Irgacure 784.
Abbildung 4.8:
Beugungseffizienz in Abh¨
angigkeit von der Zeit f¨
ur die Probe bestehend aus
51%Ebecryl 1290, 48%E7 und 1%Irgacure 784.
mit 49%TMPTA, 50%E7 und 1%Irgacure 784. In (a) ist ein Maximum der Beu-
gungseffizienz zu sehen, dem sich ein leichter Abfall auf einen konstanten Wert an-
schließt. Auch andere Forschergruppen haben diesen unerw¨
unschten R¨
uckgang beob-
achtet [SCYK09]. Durch Variation der Bestrahlungsparameter stellte sich heraus, dass
der Abfall der Beugungseffizienz nicht eintritt, wenn die Intensit¨
at kleinere Werte auf-
weist. Dazu wurde der Strahldurchmesser des einschreibenden Laserlichts auf zehn
Millimeter erweitert, so dass das Gitter mit einer Intensit¨
at von 3 mW/cm2erstellt wur-
4.1. Prinzipielle Untersuchung eindimensionaler Gitter 55
Abbildung 4.9:
Beugungseffizienz in Abh¨
angigkeit von der Zeit f¨
ur die Probe bestehend aus
49%TMPTA, 50%E7 und 1%Irgacure 784 bei unterschiedlichen Beleuch-
tungsintensit¨
aten I0. a) I0= 8,5 mW/cm2, b) I0= 3mW/cm2.
de. Die Aufweitung des Strahldurchmessers f¨
uhrte dazu, dass h¨
ohere S¨
attigungswerte
der Beugungseffizienz sich einstellten (siehe Abbildung 4.9 (b)). Die h¨
oheren Bestrah-
lungswerte in Abbildung 4.9 (a) sind ein Indiz daf¨
ur, dass gr¨
oßere Reaktionsraten zu
einem Zusammenwachsen der Fl¨
ussigkristallmolek¨
ule f¨
uhren, die einen Umfang errei-
chen, bei dem Zufallsstreuung auftritt [BNTS00,SGWC03].
4.1.2 Analyse der Beugungseffizienz
F¨
ur das Volumen-Gitter kann die Beugungseffizienz η1mit Hilfe des Ausdrucks aus
der gekoppelten Wellentheorie f¨
ur ein sinusf¨
ormiges Gitter [Kog69, Yeh93] berechnet
werden:
η1=sin2π δn d
λ cosθ,(4.2)
mit der Dicke ddes Gitters, der Amplitude δn der Brechungsindexmodulation, der Wel-
lenl¨
ange λund dem Einfallswinkel des einfallenden Strahls.
56 Kapitel 4. Ergebnisse und Diskussion
Im Raman-Nath-Bereich [RN35] kann die Beugungseffizienz berechnet werden durch
η2=J2
12π δn d
λ=(
X
r=0
(1)r
r! Γ(r+ 2) ·π δn d
λ2r+1)2
,(4.3)
mit der Besselfunktion J1erster Ordnung und der Gammafunktion Γ. Die Beugungsef-
fizienzen aus den Gleichungen (4.2) und (4.3) k¨
onnen als Funktionen von ξ=π δn d/λ
beschrieben werden. Sie sind in der Abbildung 4.10 jeweils in Abh¨
angigkeit von ξund
δn aufgetragen. In Abbildung 4.10 a ist der prinzipielle Verlauf der Funktionen η1(ξ)
und η2(ξ)durch die Gleichungen (4.2) und (4.3) gegeben, obwohl diese Ausdr¨
ucke nur
G¨
ultigkeit f¨
ur einen Bereich mit kleinen Werten von ξbesitzen. Die vertikale Linie bei
ξ0,3markiert den maximalen Wert, der sich bei experimentellen Messungen erge-
ben hatte. In Abbildung 4.10 b sieht man einen merklichen Unterschied zwischen η1und
η2in dem entsprechenden Intervall der δn-Werte. F¨
ur die experimentell untersuchten
Parameter gilt deutlich die N¨
aherung ξ < 0,4.
4.1.3 Kinetik der Gitterbildung am System mit Trimethylolpropan-
triacrylat
Im Unterabschnitt 2.5 wurde das Reaktions-Diffusions-Modell f¨
ur eindimensionale Git-
ter vorgestellt. Die L¨
osung der Diffusionsgleichung (2.18) gibt die Monomerkonzentra-
tion in Abh¨
angigkeit von zwei Variablen, der Zeit und des Ortes, an. Die Abh¨
angigkeit
vom Ort ist periodisch und wird in eine Fourierreihe entwickelt. Eine Fourierreihe hat
im Grunde unendlich viele Summanden. Es wurden oben jedoch die Summanden nach
dem vierten Glied beim Aufstellen der gekoppelten Differentialgleichungen weggelas-
sen. Im Folgenden soll gezeigt werden, welchen m¨
oglichen Einfluss das Modell durch
das Weglassen h¨
oherer Glieder erf¨
ahrt. In Abbildung 4.11 sieht man jeweils in einem
Diagramm die Amplituden der nullten, ersten, zweiten und dritten Harmonischen der
Monomerkonzentration. Sie sind aufgetragen gegen die reduzierte Zeit τ. Wenn das
Verh¨
altnis R aus Diffusionsrate und Polymerisationsrate ein Hundertstel betr¨
agt, so
zeigt die nullte Amplitude einen exponentiellen Abfall, der langsam und stetig gegen
die Null strebt. Die drei weiteren Amplituden bewegen sich zun¨
achst einem Maximum
bzw. Minimum zu, um dann ebenfalls in einem relativ großen Intervallbereich von τge-
gen die Null zu streben. Die geradzahlig nummerierten Amplituden befinden sich im
4.1. Prinzipielle Untersuchung eindimensionaler Gitter 57
Abbildung 4.10:
Beugungseffizienzen η1eines dicken Gitters nach Gl. (4.2) und η2eines d¨
unnen
Gitters nach Gl. (4.3). In a) sind η1und η2als Funktionen des Parameter ξ:=(πn)
und in b) sind sie als Funktionen der Brechungsindexmodulation δn dargestellt. Die
vertikale Linie markiert den S¨
attigungswert der Beugungseffizienz, die mit Hilfe der
experimentellen Parameter berechnet wurde.
positiven Quadranten und die Ungeraden im Negativen. Dies bedeutet, dass die un-
geradzahlig nummerierten Amplituden in der Summe aller Amplituden und damit die
Gesamtmomomerkonzentration herabsenken.
Ist die Diffusionsrate halb so groß wie die Polymerisationsrate oder sogar noch gr¨
oßer,
so erreicht die nullte Amplitude den Wert null schon viel fr¨
uher als bei relativ kleinen Dif-
fusionsraten. Die dritte Amplitude ist gleich zu Beginn beim Wert Null. Sogar die zweite
Amplitude zeigt keine Auslenkung, wenn die Diffusionsrate f¨
unfmal so groß ist wie die
Polymerisationsrate. Die nullte Amplitude f¨
allt dann viel steiler ab.
¨
Uber die Formeln in (2.27 -2.30) k¨
onnen die Amplituden der Fourierreihe von der Po-
lymerkonzentration (2.26) errechnet werden. Auch hier wurden die Summanden nach
58 Kapitel 4. Ergebnisse und Diskussion
Abbildung 4.11:
Die Amplituden der nullten, ersten, zweiten und dritten Harmonischen der Monomerkon-
zentration sind gegen die reduzierte Zeit τaufgetragen und f¨
ur vier verschiedene Verh¨
alt-
nisse von R aus Diffusion und Polymerisation dargestellt.
dem vierten Glied weggelassen. In Abbildung 4.12 sind die Amplituden der nullten, er-
sten, zweiten und dritten Harmonischen der Polymerkonzentration in Abh¨
angigkeit von
der reduzierten Zeit τaufgetragen. In jeweils einem Diagramm ist der Verlauf von nur
einer Amplitude bei vier verschiedenen Werten von R (0,01; 0,5; 1 und 5) enthalten, um
den Einfluss des Verh¨
altnisses auf die jeweilige Amplitude besser zu verdeutlichen. Mit
steigendem Wert von R, erreicht die Amplitude N0sehr viel schneller ihren S¨
attigungs-
wert von 0,5. Die Amplitude N1steigt bei allen vier Verh¨
altnissen zun¨
achst an. Betr¨
agt
die Diffusionsrate ein Hundertstel der Polymerisationsrate, so f¨
allt die zweite Amplitude
langsam auf einen konstanten Wert ab. Mit gr¨
oßerem R nimmt sie auch h¨
ohere kon-
4.1. Prinzipielle Untersuchung eindimensionaler Gitter 59
Abbildung 4.12:
Die Amplituden der nullten, ersten, zweiten und dritten Harmonischen der Polymerkonzen-
tration. Aufgetragen gegen die reduzierte Zeit τ. Ein Diagramm stellt jeweils eine Amplitude
dar f¨
ur vier verschiedene Verh¨
altnisse von R aus Diffusion und Polymerisation.
stante Werte an. Die Amplitude N2befindet sich im negativen Bereich. Ihr Auftreten
beschreibt die Abweichung eines mehr rechteckigen Gitters von einem sinusf¨
ormigen
Gitter. Die Amplitude N3hat relativ kleine Werte und geht sogar gegen null, sobald R
gr¨
oßer eins wird. Das bedeutet, dass h¨
ohere Amplituden bei großen Werten von R kei-
ne Rolle spielen und nur bei kleineren Werten ber¨
ucksichtigt werden m¨
ussten.
In den Abbildungen 4.11 und 4.12 sind die jeweiligen Amplituden der Monomer- und
Polymerkonzentration in Abh¨
angigkeit von τgezeigt. F¨
uhrt man nun eine Fourierent-
wicklung sowohl von der Monomerkonzentration u(x, t)als auch von der Polymerkon-
zentration N(x, t)mit Hilfe der entsprechenden Amplituden durch, so kann die gesamte
60 Kapitel 4. Ergebnisse und Diskussion
Konzentration ortsabh¨
angig dargestellt werden.
In Abbildung 4.13 ist die Gesamtkonzentration gegen den Ort x, der auf die Einheit der
Abbildung 4.13:
Die Gesamtkonzentration in der Summe aus Polymer- und Monomerverteilung in
Abh¨
angigkeit vom Ort x in Einheiten der Gitterkonstanten Λ. Dargestellt in vier Diagrammen
f¨
ur vier verschiedene R-Werte des Verh¨
altnisses aus Diffusions- und Polymerisationsrate.
In den Teilbildern ist zus¨
atzlich die Entwicklung der Konzentration ¨
uber die reduzierte Zeit
τaufgetragen.
Gitterkonstanten skaliert ist, aufgetragen. Das Intensit¨
atsmuster der beiden interferie-
renden Strahlen hat ein Maximum bei x = 0 und x = 1 und ein Minimum bei x = 0,5.
F¨
ur alle Werte von R liegt in jedem Teilbild bei 0,5 (bzw. -0,5) ein Minimum vor, das
heißt, dass an dieser Stelle der Monomergehalt zur¨
uckgeht und der Fl¨
ussigkristallan-
4.1. Prinzipielle Untersuchung eindimensionaler Gitter 61
teil w¨
achst. Hat R den Wert 5, so erreicht die Gesamtkonzentration bei 0 ein Maximum.
Durch Diffusion des Monomers und Polymerisation steigt hier der Polymergehalt. Der
Verlauf der Konzentration ist sinusf¨
ormig. Bei kleineren Werten von R verh¨
alt sich die
Monomer- und die Polymerverteilung in dem Bereich um x = 0 (hohe Lichtintensit¨
at)
nicht sinusf¨
ormig. Es gibt scheinbar seitliche ¨
Uberschwinger bei |x| 0,25, die sich
verst¨
arkt zeigen, wenn die Entwicklung mit steigendem τbetrachtet wird. Dies ist je-
Abbildung 4.14:
Gegen den Ort x in Einheiten der Gitterkonstanten Λaufgetragene Konzen-
trationen bei gleichem Wert f¨
ur τ, jedoch mit verschiedenen Werten f¨
ur R.
doch vermutlich lediglich darauf zur¨
uckzuf¨
uhren, dass h¨
ohere Glieder der Fourierreihe
vernachl¨
assigt wurden, die bei kleineren Werten von R nicht unbedingt verschwinden.
An dieser Stelle ist daher die physikalische Interpretation mit Vorbehalt zu betrachten.
In Abbildung 4.14 sind zur Verdeutlichung der Position der ¨
Uberschwinger vier Polymer-
und Monomerverteilungen bei gleichem Wert f¨
ur τdargestellt. Der sinusf¨
ormige Verlauf
ist deutlich zu erkennen bei R mit dem Wert 5.
Die Abbildung 4.15 zeigt sowohl das r¨
aumliche als auch das zeitliche Verhalten der
Brechungsindexmodulation, das man durch L¨
osen der Gleichungen (2.21 -2.24) und
anschließendem Einsetzen der numerischen L¨
osungen in den Ausdruck (2.32) erh¨
alt.
Die entsprechenden Brechungsindizes des Fl¨
ussigkristalls und des Monomers wurden
der Tabelle 3.5 und der Tabelle 3.3 entnommen. Der Brechungsindex von TMPTA als
Polymer betr¨
agt 1,51389. Die Brechungsindexmodulation ist erforderlich, um nach Glei-
62 Kapitel 4. Ergebnisse und Diskussion
Abbildung 4.15:
Die Entwicklung der r¨
aumlichen Verteilung des Brechungsindexes w¨
ahrend
des zeitlichen Verlaufs der Polymerisation.
chung (4.2) bzw. (4.3) die Beugungseffizienz theoretisch zu berechnen. In Abbildung
4.16 sind simulierte Beugungseffizienzen eines Volumen-Gitters in Abh¨
angigkeit von
der Zeit f¨
ur verschiedene Werte von R nach Gleichung (4.2) dargestellt. Ab einem Wert
von 50 f¨
ur R tritt eine Art S¨
attigungseffekt ein. Das bedeutet, dass die berechnete Beu-
gungseffizienz f¨
ur noch h¨
ohere Werte keine Ver¨
anderung zeigt. Zum Vergleich sind die
experimentellen Werte aus Abbildung 4.9(b) auch in dieser Abbildung enthalten. Der
Anfangsdiffusionskoeffizient Davon TMPTA in einer f¨
unfzig prozentigen Mischung mit
E7 betr¨
agt 2,6·1011m2/s nach [Tan11]. Daraus und aus dem in der Doktorarbeit von
Herrn Hoischen [Hoi05] untersuchten Polymerisationsverhalten erh¨
alt man einen sehr
großen Wert f¨
ur R, der weit ¨
uber 200 liegt. Abbildung 4.17 zeigt nach Gleichung (4.3)
berechnete Beugungseffizienzen eines d¨
unnen Gitters (Raman-Nath-Bereich), die dar-
aus resultieren, dass f¨
ur R ebenfalls unterschiedliche Werte eingesetzt wurden. Auch
hier tritt mit einem gr¨
oßeren R ein zunehmend gleich bleibender Verlauf der Beugungs-
effizienz auf. Die gleichen experimentellen Werte wie in Abbildung 4.16 sind auch hier
als Vergleich eingef¨
ugt.
Das Gitter mit dem oben errechneten Wert von Q8liegt im Bereich zwischen
dem d¨
unnen und dem Volumen-Gitter. Wie erwartet, befinden sich die experimentell
4.1. Prinzipielle Untersuchung eindimensionaler Gitter 63
Abbildung 4.16:
Verhalten der Beugungseffizienz η: Vergleich der Simulationen f¨
ur ein dickes
Gitter mit den experimentell erfaßten Daten der Probe mit 49% TMPTA, 50%
E7 und 1% Irgacure 784.
Abbildung 4.17:
Verhalten der Beugungseffizienz η: Vergleich der Simulationen f¨
ur ein d¨
unnes
Gitter mit den experimentell erfaßten Daten der Probe mit 49% TMPTA, 50%
E7 und 1% Irgacure 784.
64 Kapitel 4. Ergebnisse und Diskussion
erfassten S¨
attigungwerte der Beugungseffizienz in dem schmalen Intervall zwischen
den beiden theoretischen Werte, die man f¨
ur ein d¨
unnes [RN35] und ein Volumen-
Gitter [Kog69] erh¨
alt.
4.2 Zwei- und dreidimensionale Strukturen
Nachdem die im wesentlichen vier verschiedene PDLC-Systeme mit Hilfe des Zwei-
strahlinterferenzaufbaus untersucht wurden, r¨
uckte die holografische Herstellung durch
den Umbrella-Aufbau in den Vordergrund. Dabei wurden solche PDLC-Systeme und
Mischungsverh¨
altnisse von vornherein außer Acht gelassen, bei denen das Einschrei-
ben des eindimensionalen Gitters weniger erfolgreich verlief. Die beiden hier haupts¨
achlich
verwendeten Systeme enthielten außer dem Fl¨
ussigkristall und dem Photoinitiator ent-
weder (a) DPHPA, NVP und NPG oder (b) nur TMPTA. Hier wurde das Augenmerk nicht
auf die Zusammensetzung gerichtet, sondern auf andere geometrische Parameter, die
das Einschreiben von zwei- bis dreidimensionalen Strukturen in PDLCs beeinflussen.
So wurden die vier Strahlen direkt auf die Testzelle unter verschiedenen Winkeln ge-
lenkt. Durch diese direkte Einstrahlung aus der Luft k¨
onnen jedoch keine Winkel α
im Inneren des PDLC-Systems erreicht werden, die den Grenzwinkel der Totalreflexi-
on αGR =arcsin (1/nP robe)¨
uberschreiten. Bei der Mischung aus TMPTA und E7 liegt
dieser Grenzwinkel bei 40. Die Geometrien aus Tabelle 3.2 k¨
onnen somit ohne Pris-
menaufsatz nicht realisiert werden. Es wurden trotzdem kleinere Winkel eingestellt und
die TMPTA-E7-Mischungen wurden bei gleichen Intensit¨
aten der drei Seitenstrahlen
beleuchtet. In Abbildung 4.18 ist eine mikroskopische Aufnahme zu sehen von solch
einer Probe bei einem Winkel von 24zwischen dem jeweiligen Seitenstrahl und dem
zentralen Strahl.
Die gleichen Mischungen wurden auch unter den drei verschiedenen und oben be-
schriebenen Prismenaufs¨
atzen bestrahlt. Die Beobachtungen und Untersuchungen dar¨
uber
sind weiter unten im Unterkapitel 4.2.2 enthalten.
Zun¨
achst soll auf die sich stellende Vor¨
uberlegung eingegangen werden, welchen Ein-
fluss die vier Parametersets Phasen, Intensit¨
aten, Polarisationen und Einfwallswinkel
auf die PDLC-Struktur aus¨
uben (siehe Unterkapitel 4.2.1). Zudem wird die Interferenz-
4.2. Zwei- und dreidimensionale Strukturen 65
Abbildung 4.18:
Mikroskopische Aufnahme einer TMPTA-E7-Mischung bei einem Winkel von
24zwischen einem Seitenstrahl und dem zentralen Strahl.
struktur berechnet und dargestellt. Im Unterkapitel 4.2.3 wird das Beugungsverhalten
der mit vier Strahlen (Umbrella) erzeugten Proben diskutiert.
4.2.1 Einfluss geometrischer Strahlparameter auf die Struktur
F¨
ur die Erzeugung von dreidimensionalen Strukturen in PDLCs ist ein Aufbau mit vier
miteinander interferierenden Strahlen erforderlich. Dazu und um die gew¨
unschten geo-
metrischen und optischen Parameter zu bestimmen, wurden die jeweiligen Intensit¨
ats-
verteilungen Ides Interferenzfeldes berechnet. So lautet die Gleichung (2.3) in etwas
anderer Darstellung:
I="N
X
l=1
~
Al·ei(~
kl·~r+ϕl)#·"N
X
m=1
~
Am·ei(~
km·~r+ϕm)#(4.4)
mit der gleichen Bedeutung von ~
Alwie in Gleichung (3.3). Diese Intensit¨
atsgleichung
kann ausmultipliziert werden
I=
N
X
l=1
~
Al
2+ 2
N
X
l=2
l1
X
m=1
~
Al·~
Amei[(~
kl~
km)·~r+ϕlϕm].(4.5)
Die Orientierungen der Wellenvektoren der vier Laserstrahlen k¨
onnen wie folgt definiert
66 Kapitel 4. Ergebnisse und Diskussion
werden [LS08]:
~
k1=k ~ez,(4.6)
~
k2=k(sinγ cosβ1~ex+sinγ sinβ1~ey+cosγ ~ez),(4.7)
~
k3=k(sinγ cosβ2~ex+sinγ sinβ2~ey+cosγ ~ez),(4.8)
~
k4=k(sinγ cosβ3~ex+sinγ sinβ3~ey+cosγ ~ez).(4.9)
Der Einheitsvektor ~eiverl¨
auft in Richtung der jeweiligen Koordinatenachse, der Win-
kel γliegt zwischen dem Laserstrahl und der z-Achse und der Winkel βibefindet sich
zwischen der Projektion des Laserstrahls auf der x-y-Ebene und der x-Achse (siehe
Abbildung 4.19).
Abbildung 4.19:
Anordnung der Wellenvektoren der vier Laserstrahlen im rechtwinkligen Koor-
dinatensystem
Setzt man die Ausdr¨
ucke aus (4.9) in (4.5) mit N= 4 ,β1= 180,β2=60und
4.2. Zwei- und dreidimensionale Strukturen 67
β3= 60ein, so erh¨
alt man [LS08]:
I=
~
A1
2+
~
A2
2+
~
A3
2+
~
A4
2
+ 2 ~
A1·~
A2cos (kx sinγ +kz kz cosγ +ϕ1ϕ2)
+ 2 ~
A1·~
A3cos 1
2kx sinγ +3
2ky sinγ +kz kz cosγ +ϕ1ϕ3!
+ 2 ~
A1·~
A4cos 1
2kx sinγ 3
2ky sinγ +kz kz cosγ +ϕ1ϕ4!
+ 2 ~
A2·~
A3cos 3
2kx sinγ +3
2ky sinγ +ϕ2ϕ3!
+ 2 ~
A2·~
A4cos 3
2kx sinγ 3
2ky sinγ +ϕ2ϕ4!
+ 2 ~
A3·~
A4cos 3ky sinγ +ϕ3ϕ4.
(4.10)
Die Amplitude und der Polarisationswinkel αlsind in ~
Alenthalten (Gl. (3.3)). Die Glei-
chung (4.10) erh¨
alt man auch durch Weglassen des Imagin¨
arteils in Gleichung (2.6)
und durch Transformation des rhomboedrischen Kristallsystems in ein kartesisches Ko-
ordinatensystem. Aus den Gleichungen (4.10) und (3.3) geht hervor, dass insgesamt
vier Parametersets die Intensit¨
atsverteilung und damit die Interferenzstruktur beeinflus-
sen. Zu den vier Sets geh¨
oren: Das Verh¨
altnis der Intensit¨
aten I1:I2:I3:I4, der
Winkel γzwischen dem zentralen Strahl und jeweils einem der umgebenden Seiten-
strahlen, der Polarisationszustand αeines jeden Strahls und die relativen Phasen ϕ
der Strahlen zueinander. Der Einfluss dieser Parametergruppen auf die resultierende
Intensit¨
atsstruktur wurde mithilfe des Programms POV-Ray untersucht. Der Algorith-
mus dieses Programms gestattet es, die Ausbreitung von Lichtstrahlen zu berechnen
(engl. ray tracing) und komplizierte Strukturen im dreidimensionalen Raum graphisch
darzustellen. Die Gleichung (4.10) kann direkt in POV-Ray eingegeben werden. Bei
Vorgabe bestimmter Werte f¨
ur die Parametersets kann die Intensit¨
atsstruktur visuali-
siert werden. Verwendet man hierf¨
ur die Parameterwerte f¨
ur ein fcc-Translationsgitter
aus Tabelle 3.2 in Abschnitt 3.1.3, so sieht das Intensit¨
atsmuster wie in Abbildung 4.20
aus.
68 Kapitel 4. Ergebnisse und Diskussion
Abbildung 4.20:
Mit POV-Ray simuliertes dreidimensionales Gitter aus der Intensit¨
atsgleichung
(4.10) mit den Parameterwerten des fcc-Translationsgitters aus Tabelle 3.2. In
a) ist die Querschnittsfl¨
ache der x-y-Ebene und in b) sind alle drei Raumrich-
tungen dargestellt.
4.2.1.1 Auswirkungen der Phasen auf die Struktur
Bei einer Interferenz zweier Strahlen bildet die Differenz der beiden Wellenvektoren
den Gittervektor des entstandenen eindimensionalen Gitters. ¨
Andert man nun die rela-
tive Phase zwischen den beiden Strahlen, so verschieben sich die Orte mit maximaler
und minimaler Interferenz in die gleiche Richtung. Die eindimensionale Struktur bleibt
jedoch erhalten. Bei der Interferenz von vier Strahlen enth¨
alt die Menge aller Gittervek-
toren ~
Gl,m drei linear unabh¨
angige Gittervektoren (siehe Abschnitt 2.1.3), die jeweils
einzeln betrachtet eine eindimensionale Struktur ergeben. Das Aufspannen dieser line-
4.2. Zwei- und dreidimensionale Strukturen 69
ar unabh¨
angigen Gittervektoren ergibt eine ¨
Uberlagerung der drei dazugeh¨
origen ein-
dimensionalen Strukturen. Aus dieser ¨
Uberlagerung folgt ein dreidimenionales Gitter.
Ver¨
andert man die Phase zweier Strahlen und damit die entsprechende eindimensio-
nale Struktur, so verschieben sich die Orte mit maximaler und minimaler Intensit¨
at. Das
dreidimensionale Interferenzmuster sollte jedoch gleich bleiben. Um diese Annahme
zu pr¨
ufen, werden im Folgenden die Einfl¨
usse der Phasen der vier Strahlen auf das
Interferenzgitter anhand der Berechnungen mit POV-Ray untersucht. L¨
asst man das
Intensit¨
atsverh¨
altnis bei 1:0,1:0,4:0,4, den Einfallswinkel γbei 38,94und die Po-
larisationswinkel α1und α2,3,4bei 28,96bzw. 23,28konstant und variiert lediglich die
Phasenbeziehungen ϕiϕjzwischen den Strahlen, so ergeben sich im Wesentlichen
zwei Ergebnisse. Die ¨
Anderung der Phasen zwischen dem zentralen Strahl und dem
jeweiligen benachbarten Strahl 2, 3 oder 4 f¨
uhrt zu einer Verschiebung des Gitters bei
unver¨
andertem Interferenzmuster (siehe Abbildung 4.21 a-c). Werden die Phasen zwi-
schen den Strahlen 2, 3 und 4 ge¨
andert, so bleibt das Intensit¨
atsmuster unver¨
andert
und wird nicht verschoben (Abbildung 4.21 d).
4.2.1.2 Variation der Intensit¨
atsverh¨
altnisse
Im Folgenden wird der Einfluss verschiedener Intensit¨
aten auf das Interferenzmuster
betrachtet. Die Polarisationswinkel und der Einfallswinkel bleiben wie vorhin konstant.
Da die vielen m¨
oglichen Werte f¨
ur die Phasenbeziehungen keinerlei Ver¨
anderung des
Intensit¨
atsmusters zeigen, werden sie f¨
ur alle weiteren Berechnungen mit null gleich-
gesetzt. In Abbildung 4.22 sind simulierte dreidimensionale Interferenzgitter bei vier
verschiedenen Intensit¨
atsverh¨
altnissen dargestellt: a) 1:1:1:1 , b) 1:0,33:0,33:0,33 , c)
2:0,11:0,44:0,44 und d) 1:1,5:1,5:1,5 . Sind die Intensit¨
aten aller vier Strahlen gleich,
so entsteht zwar ein rhomboedrisches Gitter (Abb. 4.22 a), aber der Kontrast des Inter-
ferenzmusters ist nicht maximal (siehe Abschnitt 3.1.3). In Abbildung 4.22 b wurde die
Interferenz f¨
ur den Fall berechnet, dass die drei umgebenden Strahlen jeweils dreißig
Prozent der Intensit¨
at des zentralen Strahls aufweisen. In Abbildung 4.22 c wurde die
Intensit¨
at des zentralen Strahls verdoppelt. In beiden F¨
allen entsteht zwar ein rhom-
boedrisches Gitter, die Drehsymmetrie ist jedoch vermindert und der Kontrast ist noch
immer nicht optimal. In Abbildung 4.22 d ist eine rhomboedrische Struktur kaum oder
70 Kapitel 4. Ergebnisse und Diskussion
Abbildung 4.21:
Simulierte dreidimensionale Interferenzgitter: Phasen¨
anderungen zwischen Strahl 1 und a) 2, b)
3 und c) 4. Die Gerade charakterisiert eine Ebene, die sich mit steigender Phase entlang der
Pfeilrichtung bewegt. In d) wurden die Phasen zwischen den Strahlen 2, 3 und 4 variiert, das
Intensit¨
atsmuster blieb unver¨
andert.
erst nach genauerem Hinsehen erkennbar. Hier sind die Intensit¨
aten der umgebenden
Strahlen jeweils um f¨
unfzig Prozent gr¨
oßer als die Intensit¨
at des zentralen Strahls.
4.2.1.3 ¨
Anderung der Polarisationszust¨
ande der vier Laserstrahlen
Bei einem konstanten Intensit¨
atsverh¨
altnis von 1 : 0,11 : 0,44 : 0,44 und einem gleich
bleibenden Einfallswinkel γvon 38,94k¨
onnen die Polarisationswinkel α1,2,3,4wie folgt
variiert werden. Zun¨
achst werden die Feldvektoren der Strahlen parallel zu deren je-
weiligen Einfallsebene gelegt, das heißt alle Polarisationswinkel sind gleich null. Das
daraus berechnete Intensit¨
atsmuster ist in Abbildung 4.23 a zu sehen. Die eingezeich-
4.2. Zwei- und dreidimensionale Strukturen 71
Abbildung 4.22:
Simulierte dreidimensionale Interferenzgitter mit ge¨
anderten Intensit¨
aten:
a) 1:1:1:1 , b) 1:0,33:0,33:0,33 , c) 2:0,11:0,44:0,44 und d) 1:1,5:1,5:1,5 . Die rhomboedrische
Struktur ist in allen vier Bildern zu sehen, der Kontrast ist jedoch nicht optimal.
neten Linien sollen die gebrochene Radialsymmetrie verdeutlichen. Diese Brechung
wird noch deutlicher, wenn man die Polarisationswinkel alle gleich 90setzt (Abb. 4.23
b). Damit stehen die Feldvektoren jeweils senkrecht zur Einfallsebene. Ein ¨
ahnliches
Ergebnis erh¨
alt man, wenn man nur den Polarisationswinkel α2des Strahles 2 erst null
(Abb. 4.23 c) und dann neunzig Grad (Abb. 4.23 d) setzt und f¨
ur die restlichen Polari-
sationswinkel die Werte aus der Tabelle 3.2 ¨
ubernimmt. Auch wenn der Feldvektor des
zweiten Strahls um 180gedreht wird, geht die Symmetrie verloren (Abb. 4.23 e). Das
ist nicht ¨
uberraschend, da die Drehung des Feldvektors wie eine Phasenverschiebung
um λ/2wirkt, so dass z. B. anstelle einer konstruktiven Interferenz f¨
ur α= 0eine de-
struktive Interferenz f¨
ur α= 180auftritt. Liegen die Feldvektoren der Strahlen drei und
vier jeweils in der Einfallsebene und sind die Polarisationswinkel α1und α2der beiden
anderen Strahlen gleich 28,96bzw. 23,28, so ist auch hier die Radialsymmetrie ein-
72 Kapitel 4. Ergebnisse und Diskussion
geschr¨
ankt (Abb. 4.23 f).
Abbildung 4.23:
Simulierte dreidimensionale Interferenzgitter mit ge¨
anderten Polarisationswinkeln: a) α1,2,3,4= 0,
b) α1,2,3,4= 90, c) α1= 28,96,α2= 0,α3,4= 23,28, d) α1= 28,96,α2= 90,α3,4= 23,28,
e) α1= 28,96,α2=23,28,α3,4= 23,28, und f) α1= 28,96,α2= 23,28,α3,4= 0. Die
Markierungslinien in a) und c) sollen die Rotationssymmetrie verdeutlichen, die in b), d), e) und f)
nicht mehr vorhanden ist.
4.2. Zwei- und dreidimensionale Strukturen 73
4.2.1.4 Einfluss des Einfallswinkels
Der letzte zu untersuchende Strahlparameter ist der Einfallswinkel γ. Mit den Werten
aus der Tabelle 3.2 f¨
ur die anderen Paramter und der Steigerung des Einfallswinkels
von 30bis 60in 10-Schritten, erh¨
alt man Intensit¨
atsgitter wie in Abbildung 4.24 ge-
zeigt. Die Reihenfolge a bis d entspricht steigendem Winkel. Zwei parallele Geraden
markieren jeweils die Gitterebenen. Mit h¨
oherem Einfallswinkel nimmt der Abstand zwi-
schen diesen Ebenen ab. Der Einfallswinkel bestimmt im Wesentlichen die Intensit¨
ats-
struktur der vier interferierenden Strahlen in der Umbrella-Anordnung.
Abbildung 4.24:
Simulierte dreidimensionale Interferenzgitter mit ansteigendem Einfallswinkel γ: a) 30, b) 40,
c) 50und d) 60. Mit h¨
oherem Einfallswinkel verringert sich der Abstand zweier Gitterebenen
zueinander und damit die Gitterkonstante.
74 Kapitel 4. Ergebnisse und Diskussion
4.2.2 Verschiedene Prismenaufs¨
atze
In den folgenden Unterabschnitten sind die Ergebnisse mehrerer durchgef¨
uhrter Ver-
suchsreihen zusammengefasst. Hierbei wurden nach Abdunkelung des Laborraumes
50µm dicke Glastestzellen mit verschiedenen PDLC-Mischungen gef¨
ullt und im An-
schluss durch die vier gr¨
unen Laserstrahlen mit unterschiedlichen Parametern jeweils
f¨
ur dreißig Sekunden beleuchtet. Einige der erstellten Pentaacrylat-Mischungen sind in
Tabelle 4.1 mit den jeweiligen Massenprozentangaben aufgelistet. So wurden die Pro-
Tabelle 4.1:
Auszug einiger Mischungen hergestellt aus E7, DPHPA, NVP, RB und NPG mit unterschied-
lichen Gewichtsanteilen.
Mischung E7 (%) DPHPA (%) NVP (%) RB (%) NPG (%)
35 42,8 34,9 15,2 1,6 5,5
43 45 40,1 10,6 1,7 2,6
47 11,2 75,7 11 1 1,1
48 21 66,3 10,3 1,2 1,2
49 31,1 56,6 9,7 1,4 1,2
50 29,4 47,3 20,8 1,3 1,2
52 44,7 39,4 10 2,6 3,3
61 41,2 34 19,6 1,2 4
ben (1) direkt, (2) durch ein Prisma mit abgeschnittener und polierter Spitze, durch ein
Prisma mit einem Seitenfl¨
achenwinkel von (3) γ= 73,07und durch ein Prisma mit ei-
nem Winkel von (4) γ= 39,6bestrahlt. Der (1) direkte Lichteinfall auf die Grenzfl¨
ache
zwischen Luft und Testzelle innerhalb des Mediums Luft (n21) ist theoretisch unter
dem Einfallswinkel γ2= 90m¨
oglich. Das bedeutet, dass nach dem Snelliusschen Bre-
chungsgesetz (n1sin(γ1) = n2sin(γ2)) der Winkel (γ1) zwischen dem zentralen Strahl
und jedem Seitenstrahl in der Probe (n1) maximal 40,5unter perfekten Bedingungen
betragen kann. Der Winkel von 70,53f¨
ur die sc-Struktur innerhalb der Probe ist daher
4.2. Zwei- und dreidimensionale Strukturen 75
durch (1) direkte Einstrahlung nicht realisierbar und kann nur mit Hilfe eines Prismas
wie im Fall (3) erm¨
oglicht werden. Der Winkel von 38,94f¨
ur die fcc-Struktur liegt im
Grenzbereich der Totalreflexion bezogen auf das Medium Luft. Um diesen Winkel unter
Ausnutzung des Snelliusschen Brechungsgesetzes innerhalb der Probe zu erreichen,
wurden die Spiegel so justiert, dass der Winkel zwischen dem zentralen Strahl und
jedem Seitenstrahl 75außerhalb der Testzelle betrug. Durch die (1) direkte Einstrah-
lung unter dem Einfallswinkel von 75wurden Proben der Mischung aus TMPTA (50%),
E7 (49%) und Irgacure 784 (1%) dreißig Sekunden lang bestrahlt. Diese Proben zeig-
ten anschließend nur diffuse Streuung aber keine Beugung, sobald man mit dem roten
Laserstrahl die Testzelle an entsprechender Position beleuchtete. Unter dem Mikro-
skop waren keine eindeutigen Strukturen zu erkennen. Daher ist auch f¨
ur den Winkel
von 38,94mit der damit verbundenen fcc-Struktur ein Prisma wie im Fall (4) erforder-
lich. Dieser Winkel ist jedoch zun¨
achst mit Hilfe des Prismas mit abgeschnittener und
polierter Spitze durch die Verwendung spezieller Justierkeile eingestellt worden. Zum
Vergleich wurde eine unbeleuchtete Testzelle mit der Mischung aus TMPTA (50%), E7
(49%) und Irgacure 784 (1%) bei Raumtemperatur und normalem Tageslicht f¨
ur etwa
drei Tage aufbewahrt und anschließend unter einem Mikroskop betrachtet. In Abbil-
dung 4.25 ist eine Aufnahme von dieser Probe zu sehen. Es bilden sich unterschiedlich
große Fl¨
ussigkristalltr¨
opfchen.
Bei der ersten Verwendung von jeweils einem der Prismen war es erforderlich, von
Neuem die Justage des Verlaufs der vier Strahlen, wie im Unterabschnitt 3.1.2.1 auf
Seite 35 beschrieben, durchzuf¨
uhren.
4.2.2.1 Geschliffener Retroreflektor, 54,73
Ziel war es zu pr¨
ufen, ob bei einem Winkel zwischen zentralem Strahl und jedem Sei-
tenstrahl, der nicht den beiden Winkeln 70,53und 38,94mit bestimmter Symmetrie
entspricht, eine Struktur entstehen kann. Mit dem an der Spitze geschliffenen Retro-
reflektor aus Abbildung 3.4 kann auf einem direkten Einstrahlweg durch das Prisma
ein Einfallswinkel der Seitenstrahlen von 54,73erzielt werden. Bei diesem Winkel er-
gibt sich eine rhomboedrische Gesamtstruktur (trigonal) ohne sc- oder fcc-Translations-
symmetrie. Bei dieser trigonalen Gitterstruktur erh¨
alt man mit Hilfe geeigneter Wellen-
vektoren aus der Bedingung 2πn/λ0=π/a
~
kf¨
ur einen Einfallswinkel von 54,73die
76 Kapitel 4. Ergebnisse und Diskussion
Abbildung 4.25:
Mikroskopische Aufnahme der PDLC-Mischung aus TMPTA (50%) und E7 (49%) mit verschieden
großen Fl¨
ussigkristalltr¨
opfchen.
Gitterkonstante a=3λ0/n. In diesem Fall betr¨
agt die Gitterkonstante 0,6µm. Zur Jus-
tage wurden kleine Spiegel an den Seitenfl¨
achen des Retroreflektors angebracht, um
die Strahlen so zu justieren, dass sie senkrecht auf die jeweilige Fl¨
ache treffen. Die
Intensit¨
aten betrugen 10 mW/cm2, 1,16 mW/cm2, 4,39 mW/cm2und 4,4 mW/cm2und
entsprachen dem Verh¨
altnis 1 : 0,11 : 0,44 : 0,44. Die beleuchteten PDLC-Mischungen
bestanden entweder zu 50%aus TMPTA, 1%aus Irgacure 784 und 49%aus E7 oder im
Wesentlichen zu 47%aus DPHPA, 21%aus NVP, 1,2%aus NPG, 1,3%aus Bengalro-
sa und 29,5%aus E7 mit einigen Variationen der Gewichtsanteile. Die Belichtungszeit
betrug jeweils dreißig Sekunden.
In Abbildung 4.26 ist eine mikroskopische Aufnahme in Transmission von der Mischung
50 (siehe Tabelle 4.1) mit der Zusammensetzung 29,4%E7, 47,3%DPHPA, 20,8%
NVP, 1,2%NPG und 1,3%RB zu sehen. Das untere Bild stellt eine Nachbearbeitung
der oberen Originalaufnahme dar. Es wurde mit dem Programm Picture It’ bez¨
uglich
seiner Licht- und Schattenwerte optimiert und nachgebessert, um die Strukturen im
kleineren Detail sichtbar zu machen. Bestrahlt wurde diese Probe durch den geschlif-
fenen Retroreflektor mit dem Winkel von 54,73.
Erkennbar sind zwei diagonal verlaufende Strukturrichtungen, die auf die Existenz ei-
nes dreidimensionalen Gitters hindeuten. Die Richtung des dritten Gittervektors geht
aus der Bildebene heraus beziehungsweise in sie hinein. Das l¨
asst sich daraus schlie-
ßen, dass im Bild recht kurze vertikale Linien die Tiefe kennzeichnen. Die Abst¨
ande der
Gitterebenen sind recht klein und liegen unter 0,5µm. Mit der Software Scion Image
4.2. Zwei- und dreidimensionale Strukturen 77
Abbildung 4.26:
Oben: Mikroskopische Aufnahme in Transmission von der PDLC-Mischung aus 29,4%E7, 47,3%
DPHPA, 20,8%NVP, 1,2%NPG und 1,3%RB (Mischung 50 Tabelle 4.1) nachdem sie unter einem
Einfallswinkel von 54,73bestrahlt worden ist. Unten: Mit der Software Picture It’ nachbearbei-
tete Aufnahme von oben zwecks besserer Detailansicht mit einem eingef¨
ugten und durch die
Fouriertransformation erstellten Bild.
wurde das Bild mit Hilfe der schnellen Fouriertransformation (FFT) umgerechnet (sie-
he Abbildung 4.26). Die darin enthaltenen Pfeile markieren zwei schwach zu sehende
Beugungsspots, deren Verbindungslinie f¨
ur die Richtung der Normalen einer Gitternetz-
ebene steht.
Nach der Bestrahlung durch den gleichen geschliffenen Retroreflektor wurde die Mi-
schung 48 (Tabelle 4.1) mit den PDLC-Komponenten aus 21%E7, 66,3%DPHPA,
10,3%NVP, 1,2%NPG und 1,2%RB mikroskopisch betrachtet (Abbildung 4.27). Der
Anteil von DPHPA wurde sehr stark auf Kosten vom NVP und des Fl¨
ussigkristalls
erh¨
oht. Auch hier wurde das obere Bild mit Picture It’ nachbearbeitet und die Fou-
78 Kapitel 4. Ergebnisse und Diskussion
Abbildung 4.27:
Oben: Mikroskopische Aufnahme in Transmission von der PDLC-Mischung aus 21%E7, 66,3%
DPHPA, 10,3%NVP, 1,2%NPG und 1,2%RB(Mischung 48 Tabelle 4.1) nachdem sie unter einem
Einfallswinkel von 54,73bestrahlt worden ist. Unten: Mit der Software Picture It’ nachbearbeite-
te Aufnahme von oben zwecks besserer Detailansicht. Die Pfeile in dem kleinen fouriertransfor-
mierten Bild unten links markieren zwei gegen¨
uberliegende Beugungsspots. Rechts: Mit PovRay
entsprechend berechnete Gitterstruktur aus der Blickrichtung der (111) Ebenennormale.
riertransformation angewendet, um die Strukturlinien besser erkennen zu k¨
onnen und
den Netzebenenabstand zu bestimmen. Man sieht vor allem im rechten Teilbereich der
Abbildung Streifen, die parallel verlaufen und sich durch das ganze Bild ziehen. Der Ab-
stand liegt auch hier unter 0,5µm. Der zu erwartende Abstand f¨
ur die Netzebenen (¯
110)
betr¨
agt d¯
110 =acos(α) = 0,6µm cos(31,3)= 0,51µm. Im rechten Bild ist die mit PovRay
berechnete Gitterstruktur f¨
ur den Einfallswinkel 54,73aus der Blickrichtung der (111)
Ebenennormale dargestellt.
Mit demselben Prisma bei gleichem Winkel von 54,73wurde ein PDLC-System aus
49%E7, 50%TMPTA und 1%Irgacure 784 bestrahlt. Die Abbildung 4.28 zeigt das mi-
4.2. Zwei- und dreidimensionale Strukturen 79
Abbildung 4.28:
Mikroskopische Aufnahme in Transmission von der PDLC-Mischung aus 49%E7, 50%TMPTA
und 1%Irgacure 784 nachdem sie unter einem Einfallswinkel von 54,73bestrahlt worden ist.
kroskopische Bild einer solchen Probe. Zu erkennen im Hintergrund sind gerade und
parallel verlaufende Linien, die einen Abstand unter 0,5µm aufweisen. Dies entspricht
ebenfalls dem Abstand von 0,42µm der Netzebenen der berechneten Gitterstruktur
(oben links in der Abbildung 4.28). Ganz deutlich zu sehen sind aber auch bis zu einige
Mikrometer große Fl¨
ussigkristalltropfen.
4.2.2.2 Geschliffener Retroreflektor, 39
Bei dem selbst geschliffenen Retroreflektor wurden zus¨
atzlich drei speziell angefertig-
te Keile aus Aluminium (siehe Abbildung 3.4 rechts) auf die Seitenfl¨
achen angebracht.
Auf den Keilen sind kleine Spiegel befestigt, um die Strahlen so zu justieren, dass sie
senkrecht auf die jeweilige Spiegelfl¨
ache treffen. L¨
asst man nach dem Justieren die
Keile weg und bestrahlt die Probe durch dieses Prisma, so bildet sich nach dem Snel-
liusschen Brechungsgesetz ein Einfallswinkel von 38,94in der PDLC-Substanz. Die
dabei entstandene Struktur mit fcc-Translationssymmetrie hat eine Gitterkonstante von
a=33·λ0/(2n)=0,9µm. Auf diese Weise wurde das System aus 49%E7, 50%TMPTA
und 1%Irgacure 784 beleuchtet. Die Abbildung 4.29 zeigt strukturierte Linienverl¨
aufe
des TMPTA-Systems mit einem Abstand von 0,25µm. Dies entspricht dem Abstand von
80 Kapitel 4. Ergebnisse und Diskussion
Abbildung 4.29:
Oben: Mikroskopische Aufnahme in Transmission von der PDLC-Mischung aus 49%E7, 50%
TMPTA und 1%Irgacure 784 nachdem sie unter einem Einfallswinkel von 38,94bestrahlt worden
ist. Unten: Mit der Software Picture It’ nachbearbeitete Aufnahme von oben zwecks besserer
Detailansicht.
0,2µm der Netzebenen (¯
422).
Auch DPHPA-Systeme wurden unter dem Winkel von 38,94nach Justierung der
Strahlen mit Hilfe der Keile bestrahlt. In Abbildung 4.30 sind mikroskopische Aufnah-
men von zwei PDLC-Proben zu sehen: a) 21%E7, 66,3%DPHPA, 10,3%NVP, 1,2%
NPG und 1,2%RB (Mischung 48 Tabelle 4.1) und b,c) 31,1%E7, 56,6%DPHPA, 9,7%
NVP, 1,2%NPG und 1,4%RB (Mischung 49 Tabelle 4.1). In Abb. 4.30 a) sieht man
parallele Gitterstriche. Die Netzebenen (¯
422) haben einen Abstand von 0,3µm. Im Mi-
kroskop war es m¨
oglich auf unterschiedliche Ebenen zu fokussieren, daher sind in Abb.
b) nicht nur parallele Linien, sondern auch tiefer liegende Schichten zu erkennen, die
ein periodisches Verhalten in der Richtung senkrecht zur Bildebene zeigen. Im rechten
oberen Teilbild von Abb. c) ist eine zweidimensionale Gitterstruktur bemerkbar. Links
unten in diesem Bild deutet sich die Gitterrichtung der dritten Dimension an. Man be-
kommt den Eindruck, dass eine tiefer liegende Gitterschicht zwar leicht versetzt ist,
jedoch insgesamt genau wie die obere verl¨
auft. Die in Abb. b) und c) zugrundeliegen-
de PDLC-Mischung hat etwa 10%mehr E7 auf Kosten des DPHPA, wenn man sie
4.2. Zwei- und dreidimensionale Strukturen 81
Abbildung 4.30:
Mikroskopische Aufnahme in Transmission von der PDLC-Mischung a) aus 21%E7, 66,3%DPH-
PA, 10,3%NVP, 1,2%NPG und 1,2%RB (Mischung 48 Tabelle 4.1), b) und c) aus 31,1%E7,
56,6%DPHPA, 9,7%NVP, 1,2%NPG und 1,4%RB (Mischung 49 Tabelle 4.1). F¨
ur beide Mi-
schungen wurde derselbe Einfallswinkel von 38,94verwendet. Die kleineren Bilder stellen die
entsprechenden Fouriertransformationen dar.
mit der Probe von Abb. a) vergleicht. In Abb. b) und c) wurde die gleiche Mischung
verwendet, allerdings erfolgte die Bestrahlung in Abb. b) nur zehn Sekunden. Die Fou-
riertransformation in Abb. a) und c) zeigt jeweils vier Beugungspunkte und damit zwei
Gitterrichtungen. In Abb. b) ist durch die Fouriertransformation nur eine Gitterrichtung
erkennbar. Vermutlich war hier die Belichtungsdauer f¨
ur eine eindeutige Ausbildung der
zweiten Gitterrichtung zu kurz.
4.2.2.3 Prisma A f¨ur eine einfache kubische (sc) Struktur (70,5)
Durch das speziell angefertigte Prisma A aus Abbildung 3.5 kann ein Einfallswinkel
von 70,5f¨
ur die Seitenstrahlen erreicht werden. In diesem Fall wird eine einfache ku-
bische Struktur (engl. simple cubic, sc) mit einer Gitterkonstante von a =3λ/(2n)=
82 Kapitel 4. Ergebnisse und Diskussion
0,3µm erwartet (Tab.2.2). Auch hier wird die Justage, wie oben beschrieben, mit Hilfe
von kleinen Spiegeln durchgef¨
uhrt. Die Intensit¨
aten betrugen I1= 10 mW/cm2, I2= 1,13
mW/cm2, I3= 4,45 mW/cm2und I4= 4,41 mW/cm2und entsprachen dem Verh¨
altnis 1
: 0,11 : 0,44 : 0,44. F¨
ur dreißig Sekunden wurde die PDLC-Mischung aus 29,5%E7,
47%DPHPA, 21%NVP, 1,2%NPG und 1,3%RB (Mischung 50 Tabelle 4.1) mit Hilfe
der Umbrella-Anordnung bestrahlt. Die mikroskopischen Bilder in Transmission dieser
Proben sind in den Abbildungen 4.31 und 4.32 zu sehen. Die rechten Bilder darin sind
wieder nachbearbeitet.
Bei der Bestrahlung der Probe aus Abbildung 4.31 wurde der jeweilige Polarisations-
Abbildung 4.31:
Links: Mikroskopische Aufnahme in Transmission von der PDLC-Mischung aus 29,5%E7, 47%
DPHPA, 21%NVP, 1,2%NPG und 1,3%RB (Mischung 50 Tabelle 4.1) nachdem sie unter einem
Einfallswinkel von 70,5und den Polarisationswinkeln αi=0bestrahlt worden ist. Rechts: Mit der
Software Picture It’ nachbearbeitete Aufnahme von links zwecks besserer Detailansicht.
winkel αaller vier Strahlen (siehe Unterkapitel 3.1.3) so eingestellt, dass der elektri-
sche Feldvektor in der jeweiligen Einfallsebene lag (α= 0, siehe Abbildung 3.9). Es
sind lineare Strukturen mit einer kleinen Gitterkonstanten von 0,2µm zu sehen. Dies
entspricht dem Abstand der (110)-Netzebenen. Außerdem sind schwarze Stellen er-
4.2. Zwei- und dreidimensionale Strukturen 83
kennbar, die die Struktur in relativ kleinen Bereichen unterbrechen.
Die gleiche Substanzmischung wurde unter den gleichen Einfallswinkeln der Wellen-
Abbildung 4.32:
Mikroskopaufnahme von der gleichen Mischung wie in Abb. 4.31 jedoch mit den Polarisationswin-
keln αi=76und α2,3,4=52.
vektoren ~
kiso bestrahlt, dass der jeweilige Polarisationswinkel der drei Seitenstrah-
len 52(siehe Tabelle 3.2) betrug. Der Winkel des zentralen Strahls hatte einen Wert
von 76, er wurde somit so justiert, dass die Schwingungsrichtung des E-Feldes ent-
sprechend der Vorgaben aus Tabelle 3.2 f¨
ur eine sc-Symmetrie eingestellt wurden. In
Abbildung 4.32 ist die so erstellte Probe zu sehen. Lineare Strukturen sind erkennbar.
Aber auch hier treten vereinzelt schwarze Stellen auf. Die Einstellung der sc-Symmetrie
entsprechenden Polarisationswinkel f¨
uhrte dazu, dass experimentell eine zweite Gitter-
periodizit¨
at durch die Fouriertransformation erkennbar ist (Abb. 4.32). Etwa in der Mitte
der Abbildung ist das berechnete Bild der Schnittebene der theoretisch zu erwartenden
Gitterstruktur dargestellt.
84 Kapitel 4. Ergebnisse und Diskussion
4.2.2.4 Prisma B f¨ur eine kubisch fl¨
achenzentrierte (fcc) Struktur (38,9)
Um bei der Interferenz von vier Laserstrahlen die oben beschriebene Geometrie f¨
ur die
fcc-Translationssymmetrie (siehe Tabelle 3.2) und damit einen Einfallswinkel von 38,9
zwischen den Seitenstrahlen und dem zentralen Strahl zu erreichen, wurde das oben
genannte Prisma B (Abbildung 3.6) speziell angefertigt. Verglichen mit dem geschliffe-
nen Retroreflektor hat dieses Prisma den Vorteil, dass man die Justierkeile nicht mehr
ben¨
otigt und die Laserstrahlen senkrecht auf die Seitenfl¨
achen einfallen k¨
onnen. Da-
durch wird nicht nur der Justageprozess vereinfacht, es sollen vor allem beim ¨
Ubergang
von Luft in das Prisma st¨
orende Brechungs-, Streu- und Reflexionsverluste vermindert
werden. Die Intensit¨
aten betrugen I1= 10,36 mW/cm2, I2= 1,17 mW/cm2, I3= 4,38
mW/cm2und I4= 4,4 mW/cm2und entsprachen wie oben dem Verh¨
altnis 1 : 0,11 : 0,44
: 0,44, das Voraussetzung f¨
ur ein kubisch fl¨
achenzentriertes (engl. face-centered cubic,
fcc) Gitter ist (Tab. 2.2). Die Gitterkonstante a hat den Wert 0,9µm. Der Polarisations-
winkel der drei Seitenstrahlen betrug 23und die Schwingungsebene des elektrischen
Feldvektors des zentralen Strahles schloss einen Winkel von 29mit der Einfallsebene
ein (siehe Abbildung 3.9).
Es wurde eine Mischung aus 49%E7, 50%TMPTA und 1%Irgacure 784 f¨
ur dreißig
Sekunden bestrahlt. In Abbildung 4.33 ist oben eine mikroskopische Aufnahme und un-
ten deren Nachbearbeitung zu sehen. Man kann die diagonal verlaufenden Gitterlinien
erkennen, die stellenweise parallel im Abstand von 0,7µm zueinander verlaufen. Ein
Blick auf Abbildung 4.29 zeigt eine ¨
ahnliche Struktur, die unter vergleichsweisen Bedin-
gungen jedoch mit dem geschliffenen Retroreflektor erstellt worden ist.
Mit den gleichen Intensit¨
aten I1= 10,36 mW/cm2, I2= 1,17 mW/cm2, I3= 4,38 mW/cm2
und I4= 4,4 mW/cm2und den Polarisationszust¨
anden α1= 29und α2,3,4= 23wurde
die Mischung aus 29,5%E7, 47%DPHPA, 21%NVP, 1,2%NPG und 1,3%RB (Mi-
schung 50 Tabelle 4.1) f¨
ur dreißig Sekunden bestrahlt. Die Abbildung 4.34 zeigt solch
eine Probe. Es hat sich eine wabenf¨
ormige Struktur gebildet, die sich ¨
uber das ganze
Bild zieht. Das Gitter, das sich in zwei Raumrichtungen periodisch fortsetzt, ist eindeu-
tig zu erkennen und wird mit Hilfe der Fouriertransformation best¨
atigt. Diese beiden
Richtungen liegen in der Bildebene. So wurde der Fokus des Lichtmikroskops in der
Bildtiefe verschoben. Es entstand die Aufnahme in Abbildung 4.35, in der die tiefere
Gitterschicht hervortritt und mit der oberen Strukturschicht zusammen sichtbar wird.
4.2. Zwei- und dreidimensionale Strukturen 85
Abbildung 4.33:
Oben: Mikroskopische Aufnahme in Transmission von der Probe aus 49%E7, 50%TMPTA und
1%Irgacure 784, nachdem sie unter einem Einfallswinkel von 38,94bestrahlt wurde. Unten: Mit
der Software Picture It’ nachbearbeitete Aufnahme zwecks besserer Detailansicht.
Durch diese Nebeneinanderdarstellung erscheinen auch die Gitterabst¨
ande kleiner als
in Abbildung 4.34.
Die gleiche PDLC-Mischung aus DPHPA wurde unter denselben Polarisationszust¨
anden,
aber mit den doppelt so großen Intensit¨
aten I1= 20,9 mW/cm2, I2= 2,3 mW/cm2, I3=
9,2 mW/cm2und I4= 9,2 mW/cm2der vier Strahlen dreißig Sekunden lang beleuchtet.
Es entstand ebenfalls eine wabenf¨
ormige Struktur (siehe Abbildung 4.36) mit paralle-
ler Abfolge der Gitterlinien, die das ganze Bild einnehmen und auch aus der Bildebe-
ne hinausgehen. Diese PDLC-Mischung wurde erneut mit den Intensit¨
aten I1= 20,9
mW/cm2, I2= 2,3 mW/cm2, I3= 9,2 mW/cm2und I4= 9,2 mW/cm2der vier Strahlen
beleuchtet mit dem einzigen Unterschied, dass der Polarisationszustand des zentralen
Strahles ge¨
andert wurde, α1= -29. Es entstand wiederum eine wabenf¨
ormige Git-
terstruktur (siehe Abbildung 4.37). In den Abbildungen 4.34-4.37 ist jeweils ein Net-
zebenenabstand von etwa 0,3µm bestimmt worden. Dies entspricht dem Abstand der
Netzebenen (422), der nach der theoretischen Berechnung 0,2µm betr¨
agt. In Abbil-
dung 4.37 unten rechts ist ein Querschnitt der berechneten Interferenzstruktur f¨
ur den
86 Kapitel 4. Ergebnisse und Diskussion
Abbildung 4.34:
Mikroskopische Aufnahme in Transmission von der Mischung aus 29,5%E7, 47%DPHPA, 21%
NVP, 1,2%NPG und 1,3%RB (Mischung 50 Tabelle 4.1) nachdem sie unter einem Einfallswinkel
von 38,94und den Polarisationswinkeln α1=29und α2,3,4=23bestrahlt worden ist.
Abbildung 4.35:
Mikroskopaufnahme von der selben Probe (Mischung 50 Tabelle 4.1) und an der gleichen Position
wie in Abb. 4.34 jedoch mit einem in der Bildtiefe verschobenen Fokus.
Einfallswinkel 38,94und die Polarisationswinkel α1=29und α2,3,4=23eingef¨
ugt. Ver-
glichen mit den Abbildungen 4.34-4.37 fehlt in den experimentellen Aufnahmen eine
4.2. Zwei- und dreidimensionale Strukturen 87
Abbildung 4.36:
Mikroskopische Aufnahme von der gleichen Mischung wie in Abb. 4.35 aber mit jeweils doppelt
so großer Intensit¨
at bestrahlt.
Abbildung 4.37:
Mikroskopische Aufnahme von der Mischung 50, die bis auf den Polarisationswinkel α1=-29unter
gleichen Bedingungen wie in Abb. 4.36 erstellt wurde.
dritte Gitterrichtung der durchgef¨
uhrten Fouriertransformation zufolge. Die berechne-
te Interferenzstruktur spiegelt nur die Gitterstruktur der vier Laserstrahlen wieder. Bei
dieser Simulation wird das Reaktions- und Diffusionsverhalten der einzelnen Mischung
88 Kapitel 4. Ergebnisse und Diskussion
nicht ber¨
ucksichtigt. Hier besteht also die Annahme, dass das Inferenzmuster sich 1:1
im PDLC nach Bestrahlung wiederfindet. Da die Proben der Mischung 50 keine exakte
Kongruenz mit der berechneten Interferenzstruktur aufwiesen, wurden Proben anderer
Mischungen bestrahlt.
Die PDLC-Mischung aus 21%E7, 66,3%DPHPA, 10,3%NVP, 1,2%NPG und 1,2%
Abbildung 4.38:
Links: Transmissionsmikroskopische Aufnahme einer Probe, die aus der Mischung 21%E7, 66,3%DPH-
PA, 10,3%NVP, 1,2%NPG und 1,2%RB (Mischung 48 Tabelle 4.1) hergestellt wurde durch Bestrah-
lung unter einem Einfallswinkel von 38,94und den Polarisationswinkeln α1= 29und α2,3,4= 23.
Mitte: Nach der Fouriertransformation sind sechs regelm¨
aßig um einen zentralen Punkt angeordnete
Spots zu sehen. Rechts: Bild, das sich nach R¨
ucktransformation ergibt. Oben rechts: Querschnitt der zu
erwartenden, theoretisch berechneten Gitterstruktur.
RB (Mischung 48 Tabelle 4.1) wurde mit den Intensit¨
aten I1= 10,36 mW/cm2, I2= 1,17
mW/cm2, I3= 4,38 mW/cm2und I4= 4,4 mW/cm2der vier Strahlen beleuchtet. Der
Polarisationswinkel der drei Seitenstrahlen betrug 23und der Polarisationswinkel des
zentralen Strahles hatte einen Wert von 29. Anschließend wurde die Probe mit Hilfe ei-
nes Mikroskops in Transmission betrachtet. Links in Abbildung 4.38 ist ein vergr¨
oßerter
Aussschnitt zu sehen. In der Mitte ist das fouriertransformierte Bild zu sehen. Im Zen-
trum befindet sich ein Punkt, der von sechs weiteren Spots in regelm¨
aßiger Anordnung
umgeben wird. Es k¨
onnen drei Verbindungslinien durch jeweils zwei gegen¨
uber lie-
gende Punkte gezogen werden (siehe Pfeile). Jede Einzelne dieser Verbindungslinien
steht f¨
ur die Richtung der Normalen einer Gitternetzebene (siehe r¨
ucktransformiertes
Bild, rechts). Oben rechts ist der Querschnitt der zu erwartenden Gitterstruktur dar-
gestellt. Es zeigt sich eine gute ¨
Ubereinstimmung mit der experimentell beobachteten
Aufnahme.
4.2. Zwei- und dreidimensionale Strukturen 89
4.2.3 Beugungsuntersuchungen
Die Umbrella-Geometrie wurde bez¨
uglich der Intensit¨
aten der Strahlen dadurch ver-
bessert, dass das oben genannte Intensit¨
atsverh¨
altnis 100% : 11% : 44% : 44% (Tab.
3.2) zum Teil schon durch die Strahlteilerw¨
urfel ann¨
ahernd vorhanden war. So war
es nicht zwingend erforderlich, alle vier Neutraldichtefilter dementsprechend jeweils
einzeln nachjustieren zu m¨
ussen. In diesen Versuchsreihen wurde das Prisma B f¨
ur
einen Einfallswinkel von 38,9verwendet. Die Polarisatoren und λ/2-Pl¨
attchen wurden
gem¨
den Polarisationszust¨
anden in Tabelle 3.2 justiert. Die Winkel zwischen den
elektrischen Feldvektoren ~
Alund der jeweiligen Einfallsebene betrugen α1= 29und
α2,3,4= 23.
Die gef¨
ullten Glastestzellen wurden durch die vier gr¨
unen Laserstrahlen mit den oben
genannten Parametern jeweils f¨
ur dreißig Sekunden beleuchtet. Direkt darauf erfolg-
te eine ¨
Uberpr¨
ufung des eingeschriebenen Gitters, indem die bestrahlte Probenstel-
le in den Strahlengang des roten Laserstrahls gehalten wurde, um die Beugungsord-
nungen zu beobachten (Abbildung 4.39). Nach dem Einschreiben zeigten die PDLC-
Strukturen zum Teil eine diffuse Streuung, die bei anschließenden Beugungsuntersu-
chungen st¨
orte. Der transmittierte zentrale Strahl war stets heller und ausgepr¨
agter. Er
hatte einen gr¨
oßeren Spotdurchmesser als die seitlichen Beugungsordnungen. In Ab-
bildung 4.39 ist das Beugungsmuster an der im linken Bild dargestellten dreidimensio-
nalen Struktur der gleichen Probe der Mischung 48 wie in Abb. 4.38 zu sehen. Im mitt-
leren Bild ist die mit rotem Laserstrahl beleuchtete Testzelle, die an einer kreisf¨
ormigen
Halterung fixiert ist, erkennbar. Im rechten Bild sieht man auf dem Schirm einen relativ
großen Lichtfleck in der Mitte. Dessen kreisf¨
ormige Umh¨
ullende wird durch die diffuse
Streuung verursacht. W¨
are der Schirm das Ziffernblatt einer Uhr, so bef¨
anden sich die
drei kleineren, ¨
außeren und gebeugten Lichtpunkte zum Beispiel auf der zw¨
olf, auf der
vier und auf der acht. Sie haben alle die gleiche Distanz von neun Zentimetern zum Mit-
telpunkt bei einem Schirmabstand von 3,5 cm. Dies entspricht einem Beugungswinkel
von 68, der wie folgt erkl¨
art werden kann. Bestahlt man das dreidimensionale, inner-
halb der Testzelle eingeschriebene Gitter mit einem senkrecht einfallenden Laserstrahl,
so sind drei gebeugte Lichtstrahlen zu erwarten, die genau in die Richtung gehen, die
90 Kapitel 4. Ergebnisse und Diskussion
Abbildung 4.39:
Beugungsmuster an der links dargestellten dreidimensionalen Struktur der gleichen Probe wie in
Abb. 4.38 aus zwei verschiedenen Perspektiven aufgenommen. Im mittleren Bild ist die mit rotem
Laserstrahl beleuchtete Testzelle innerhalb der kreisf¨
ormigen Halterung zu sehen. Im rechten Bild
kann man auf dem Schirm einen sehr hellen Lichtfleck mit gr¨
oßerem Umfang und drei kleinere
Lichtpunkte erkennen.
die Schreibstrahlen zur Erzeugung der Interferenzstruktur einnahmen. So w¨
urde der
Beugungswinkel beim Gitter mit der fcc-Translationssymmetrie innerhalb der Testzelle
dem Einfallswinkel von 38,9entsprechen. Nach dem Snelliusschen Brechungsgesetz
erh¨
alt man dann einen Beugungswinkel von 71,5in der Luft.
Bei einigen Proben war einer der drei Spots schw¨
acher oder erst gar nicht vorhan-
den bzw. kaum sichtbar. Zwei der Spots erschienen beim bloßen Betrachten relativ
gleich hell. Beim großen Teil der Proben zeigten Messungen mit Hilfe des optischen
Leistungsmessger¨
ates bei diesen zwei gebeugten Lichtpunkten nahezu gleiche Werte
der Intensit¨
aten. Das h¨
aufige Fehlen des dritten erwarteten Beugungsmaximums weist
darauf hin, dass beim ¨
Ubergang eines gebeugten Strahls von der Testzelle in Luft der
Winkel der Totalreflexion erreicht wird und dadurch ein Beugungsspot auf dem Schirm
ausbleibt. Tabelle 4.2 enth¨
alt zus¨
atzlich zu den in Tab. 4.1 aufgelisteten Pentaacrylat-
Mischungen eine Spalte mit dem jeweiligen Messwertebereich der Beugungseffizienz
bezogen auf die Summe der seitlichen Beugungsordnungen f¨
ur verschiedene Proben
aus einer Mischung. Diese Proben wurden unter dem Einfallswinkel von 38,9, mit dem
Intensit¨
atsverh¨
altnis 1 : 0,11 : 0,44 : 0,44 und mit den Polarisationswinkeln α1= 29und
4.2. Zwei- und dreidimensionale Strukturen 91
Tabelle 4.2:
Verschiedene Mischungen (siehe Tabelle 4.1). Die rechte Spalte zeigt den Bereich der Beu-
gungseffizienzen bezogen auf die Summe der Seitenordnungen dieser Proben an, nach-
dem sie durch die Umbrella-Geometrie nahezu unter gleichen Bedingungen bestrahlt wor-
den sind.
Mischung E7 DPHPA NVP RB NPG Beugungs-
(%) (%) (%) (%) (%) effizienz (%)
35 42,8 34,9 15,2 1,6 5,5 schwach
43 45 40,1 10,6 1,7 2,6 14-19
47 11,2 75,7 11 1 1,1 keine
48 21 66,3 10,3 1,2 1,2 25-32
49 31,1 56,6 9,7 1,4 1,2 17-31
50 29,4 47,3 20,8 1,3 1,2 12-23
52 44,7 39,4 10 2,6 3,3 keine
61 41,2 34 19,6 1,2 4 keine
α2,3,4= 23erstellt.
Ausgehend von diesem Intensit¨
atsverh¨
altnis f¨
ur eine fcc-Struktur aus Tabelle 3.2 wurde
der zentrale Lichtstrahl so eingestellt, dass seine Intensit¨
at einen Wert von I1= 20,9
mW/cm2annahm. Die anderen hatten die Werte I2= 2,3 mW/cm2, I3= 9,2 mW/cm2und
I4= 9,2 mW/cm2. Die Winkel zwischen den elektrischen Feldvektoren ~
Alund der jewei-
ligen Einfallsebene betrugen α1= 29und α2,3,4= 23. Mit diesen Justiereinstellungen
wurde die Probe in Abbildung 4.37 beleuchtet und anschließend das Beugungsverhal-
ten untersucht. Mit steigender Feldst¨
arke steigt die Transmission IT(E)/I0kontinuierlich
auf etwa 76%(Abbildung 4.40). Die Beugungseffizienz nimmt dagegen kontinuierlich
um acht Prozent ab. Das bedeutet, dass die Abnahme der Beugung und die Zunahme
der Transmission sich wie erwartet verhalten. Der Einschaltvorgang dauert weniger als
0,5s (siehe Abbildung 4.41). Der Ausschaltvorgang liegt bei einer Sekunde.
92 Kapitel 4. Ergebnisse und Diskussion
Abbildung 4.40:
Transmissionsanstieg bei gleichzeitiger Abnahme der Beugungseffizienz an derselben Probe wie
in Abb. 4.37 (Mischung 50) nach Umbrella-Bestrahlung mit den Einstellungen f¨
ur eine fcc-Struktur
aus Tabelle 3.2.
Abbildung 4.41:
Zunahme der Transmission und Abnahme der Beugungsintensit¨
at durch Einschalten einer Span-
nung von 1kV an der Probe aus Abb. 4.37.
4.2. Zwei- und dreidimensionale Strukturen 93
Die Probe aus Abb. 4.38 wurde mit den Intensit¨
aten I1= 10,36 mW/cm2, I2= 1,17
mW/cm2, I3= 4,38 mW/cm2und I4= 4,4 mW/cm2der vier Strahlen beleuchtet (S. 88).
Die Intensit¨
aten wurden, verglichen mit den Bestrahlungsintensit¨
aten f¨
ur die Probe aus
Abb. 4.37 damit jeweils halbiert. Das Intensit¨
atsverh¨
altnis blieb jedoch nahezu gleich.
Das anschließend untersuchte feldabh¨
angige Beugungsverhalten dieser Probe zeigt
ebenfalls wie die Probe in Abb. 4.40 einen Transmissionsanstieg sowie eine Abnahme
der Beugungseffizienz (4.42). Bei Anlegen einer Spannung von 1kV dauert auch hier
der Einschaltvorgang weniger als 0,5s und der Ausschaltvorgang liegt bei etwa 1s (Abb.
4.43).
Folglich gilt f¨
ur diese beiden Proben, dass die jeweils unterschiedlichen Intensit¨
atswer-
Abbildung 4.42:
Gleiches Beugungsverhalten wie in Abb. 4.40 jedoch an der Probe aus Abb. 4.38 (Mischung 48),
die mit den halben Intensit¨
atswerten hergestellt wurde.
te bei gleichem Intensit¨
atsverh¨
altnis 1 : 0,11 : 0,44 : 0,44 keinen wesentlichen Einfluss
auf das Beugungsverhalten aus¨
uben. Um experimentell zu untersuchen, ob auch an-
dere Intensit¨
atsverh¨
altnisse zum gleichen Beugungsverhalten f¨
uhren k¨
onnen, wurden
im anschließenden Unterabschnitt 4.2.3.1 die Verh¨
altnisse variiert.
94 Kapitel 4. Ergebnisse und Diskussion
Abbildung 4.43:
Unter den gleichen eingestellten optischen Herstellungsparametern f¨
ur eine fcc-Struktur aus Ta-
belle 3.2 zeigt die Probe aus Abb. 4.38 durch Anlegen einer Spannung von 1kV das gleiche
Verhalten wie die Probe in Abb. 4.41.
4.2.3.1 Einfluss der Intensit¨
atsvariation
Es wurden Versuchsreihen zu vier verschiedenen Intensit¨
atsverh¨
altnissen durchgef¨
uhrt.
Die anderen Parameter wie der Einfallswinkel und die Polarisationszust¨
ande wurden
wie oben genannt beibehalten. Die hier zugrundeliegende Fragestellung war, ob trotz
Variation der Intensit¨
aten eine dreidimensionale Struktur beibehalten werden kann und
ob ein ¨
ahnliches Beugungsverhalten wie in den Abbildungen 4.40 -4.43 auftritt. In Ta-
belle 3.2 liegt ein festes Verh¨
altnis f¨
ur die vier Intensit¨
aten einer fcc-Struktur vor. Verdop-
pelt man (A) nur die Intensit¨
at des zentralen Strahls, so bleiben die Fourieramplituden
a1j(Gl. (2.8)S.13) trotzdem gleich und es ist die gleiche Struktur zu erwarten. Sind die
Intensit¨
aten der Seitenstrahlen untereinander zwar gleich, aber kleiner (B), gleich (C)
oder gr¨
oßer (D) als die Intensit¨
at des zentralen Strahles, so sind die Fourieramplituden
a12 und a13 ungleich und die Voraussetzung f¨
ur eine rhomboedrische Gesamtstruktur
in Gl. (2.8) ist nicht mehr g¨
ultig. Beim ersten eingestellten Intensit¨
atsverh¨
altnis A (sie-
he Tabelle 4.3) wurde die Intensit¨
at des zentralen Strahls erh¨
oht, die Intensit¨
at eines
Seitenstrahles auf elf Prozent und die Intensit¨
at der beiden anderen Strahlen auf je-
4.2. Zwei- und dreidimensionale Strukturen 95
weils vierundvierzig Prozent eingestellt. Die Intensit¨
aten der Seitenstrahlen hatten die
gleichen, f¨
ur eine fcc-Symmetrie erforderlichen Verh¨
altnisse wie in Tabelle 3.2 und nur
die zentrale Strahlintensit¨
at nahm den doppelten Wert an. Beim zweiten Verh¨
altnis B
wurde die Intensit¨
at des zentralen Strahles auf ¨
uber das Dreifache seines vorherigen
Wertes erh¨
oht, so dass die Intensit¨
aten der drei Mantelstrahlen jeweils ein Drittel des
zentralen Strahls betrugen. Im dritten Fall C haben alle vier Strahlen nahezu die glei-
che Intensit¨
at. Zum Schluss wurden ausgehend vom Verh¨
altnis in A die Intensit¨
aten der
Seitenstrahlen auf das anderthalbfache angehoben (siehe Verh¨
altnis D in Tabelle 4.3).
Die Proben der Mischungen bestehend aus 29,5%E7, 47%DPHPA, 21%NVP, 1,2%
Tabelle 4.3:
Auflistung von den vier eingestellten Intensit¨
atsverh¨
altnissen A bis D mit den jeweiligen
Werten f¨
ur die justierten Strahlintensit¨
aten der Umbrella-Geometrie.
Intensit¨
atsverh¨
altnis I1mW
cm2I2mW
cm2I3mW
cm2I4mW
cm2
A 2 : 0,11 : 0,44 : 0,44 41,4 2,3 8,1 8,7
B 1 : 1
3:1
3:1
327,5 8,9 9,1 9,2
C 1 : 1 : 1 : 1 8,7 8,9 9,1 9,2
D 1 : 1,5 : 1,5 : 1,5 5,6 8,9 9,1 9,2
NPG, 1,3%RB (Mischung 50 Tabelle 4.1) oder aus 31,1%E7, 56,6%DPHPA, 9,7%
NVP, 1,2%NPG, 1,4%RB (Mischung 49) wurden f¨
ur dreißig Sekunden mit Hilfe der
Umbrella-Anordnung bestrahlt. Dazu wurde das Prisma B mit dem Einfallswinkel von
38,9verwendet. Die Polarisationszust¨
ande wurden gem¨
der fcc-Struktur in Tabelle
3.2 eingestellt. Die Intensit¨
aten wurden gem¨
den vier F¨
allen A-D (Tab. 4.3) einge-
stellt. Nach erfolgter Belichtung mit dem gr¨
unen Laserlicht, wurde das Beugungsver-
halten mit Hilfe des roten Lasers betrachtet (siehe Abbildung 4.39). Ein seitlicher Beu-
gungsspot wurde gew¨
ahlt und an dessen Position ein Detektor (PDA36A-EC, Thorlabs)
angebracht, um die Beugungseffizienz in Abh¨
angigkeit von der Amplitude eines ange-
legten elektrischen Feldes zu messen. Die Beugungseffizienz ist in diesem Fall definiert
als das Verh¨
altnis aus der Summe der Lichtintensit¨
aten Iider seitlichen Beugungsspots
und der Intensit¨
at I0des einfallenden Lichtstrahls vor der Probe, η=I1/I0. Teilt man
96 Kapitel 4. Ergebnisse und Diskussion
die Transmissionsintensit¨
at bei angelegtem Feld IT(E)durch die Lichtintensit¨
at vor der
Probe I0, so erh¨
alt man den Transmissionsgrad IT(E)/I0.
Beim Fall A zeigte die Mischung 50 nach Einschreiben einer Struktur mit dem Inten-
sit¨
atsverh¨
altnis I1: I2: I3: I4= 2 : 0,11 : 0,44 : 0,44 eine Zunahme der Transmission
bis zw¨
olf Prozent bei Erh¨
ohung des angelegten elektrischen Feldes auf 40 V/µm. Ein
reines Beugungsph¨
anomen wurde nicht beobachtet, es zeigte sich nur, dass die diffuse
Streuung sich auch mit dem Feld schwach ¨
anderte.
Nach Verwendung des Intensit¨
atsverh¨
altnisses B (I1: I2: I3: I4= 1 : 1
3:1
3:1
3) zum
Abbildung 4.44:
Transmission und Beugungseffizienz an einer Probe der Mischung 50 nach Beleuchten mit Hilfe
der Regenschirm-Anordnung, bei der die drei seitlichen Strahlintensit¨
aten jeweils ein Drittel der
zentralen Strahlintensit¨
at betragen (B, Tabelle 4.3).
Einschreiben einer Struktur in eine Probe aus der gleichen Mischung wurde das ange-
legte Feld schrittweise um 2 V/µm bis 40 V/µm erh¨
oht und die Beugungseffizienz sowie
die Transmission wurden untersucht. In diesem Fall nimmt die Transmission kontinuier-
lich zu (Abbildung 4.44). Die Beugungseffizienz ist zun¨
achst bei f¨
unf Prozent und sinkt
auf etwa vier Prozent, sobald das angelegte Feld auf 10 V/µm erh¨
oht wird. Steigert
man weiter die Feldst¨
arke, so nimmt die Beugungseffizienz auf ¨
uber sechs Prozent zu.
Die Abnahme der Beugungseffizienz k¨
onnte daher kommen, dass die diffuse Streuung
zun¨
achst abnimmt. Bei h¨
oheren Feldern werden vermutlich statt der ersten Beugungs-
4.2. Zwei- und dreidimensionale Strukturen 97
ordnung transmittierte Lichtanteile gemessen, die mit der Transmission ansteigen. Da-
her k¨
onnte es sich hier um eine scheinbare Beugungseffizienz handeln.
Abbildung 4.45 zeigt die Transmission des durchgehenden Strahles und die gleichzeiti-
Abbildung 4.45:
Transmissionszunahme bei gleichzeitiger Abnahme der Beugungseffizienz an einer Probe der
Mischung 50 nach Umbrella-Bestrahlung mit vier gleichen Strahlintensit¨
aten (C, Tabelle 4.3). Ein-
gef¨
ugtes Bild: Berechnetes rhomboedrisches Gitter bei gleichem Verh¨
altnis aus Abb. 4.22 a.
ge Abnahme der Beugungseffizienz eines seitlichen Lichtspots, nachdem eine Struktur
in der Mischung 50 mit dem Intensit¨
atsverh¨
altnis I1: I2: I3: I4= 1 : 1 : 1 : 1 (C, Tabelle
4.3) hergestellt wurde. Das eingef¨
ugte Bild zeigt die im Unterabschnitt 4.2.1.2 (Abb.
4.22 a) theoretisch berechnete rhomboedrische Struktur f¨
ur das Verh¨
altnis C. Das an-
gelegte elektrische Feld wurde jeweils schrittweise um 2 V/µm bis zur Grenze von 40
V/µm erh¨
oht. Legt man kein elektrisches Feld an, so betr¨
agt die Beugungseffizienz 23%
und bleibt konstant bis 8 V/µm. Bei Erh¨
ohung des Feldes auf 38 V/µm geht jene auf na-
hezu 16%runter. Gleichzeitig steigt die Transmissionsintensit¨
at auf ¨
uber 72%. Die Beu-
gungsabnahme bei gleichzeitiger Transmissionszunahme mit steigendem elektrischen
Feld entspricht dem erwarteten Beugungsverhalten des in Abb. 4.22 a dargestellten
rhomboedrischen Gitters.
Es wurde ein viertes Intensit¨
atsverh¨
altnis eingestellt, bei dem die Intensit¨
aten der Sei-
98 Kapitel 4. Ergebnisse und Diskussion
Abbildung 4.46:
Transmissionsabnahme und keine wesentliche Ver¨
anderung der Beugungseffizienz an einer Pro-
be der Mischung 50 nach Umbrella-Bestrahlung mit dem anderthalbfachen Wert der Intensit¨
aten
der Seitenstrahlen im Vergleich zur zentralen Strahlintensit¨
at (D, Tabelle 4.3). Eingef¨
ugtes Bild:
Interferenzmuster f¨
ur das Verh¨
altnis D aus Abb. 4.22 d.
tenstrahlen ann¨
ahernd den anderthalbfachen Wert der zentralen Strahlintensit¨
at er-
reichten (D, Tabelle 4.3). Auch hier wurde beim Einschreiben der Vier-Strahl-Interfe-
renzstruktur die gleiche Mischung 50 verwendet und unter analogen Bedingungen, z. B.
bei gleichen Polarisationszust¨
anden hergestellt. Die anschließende feldabh¨
angige In-
tensit¨
atsuntersuchung ergab eine Abnahme der Transmission auf etwa 55%(Abbildung
4.46). Die Beugungseffizienz liegt bei zwei Prozent. Nicht nur ist die Beugungseffizienz
sehr schwach, sondern auch ihre ¨
Anderung ist nicht vorhanden bei einer Feldsteige-
rung. Die scheinbare Beugungseffizienz beruht im Grunde auf einer diffusen Streuung.
Die Abnahme der Transmission k¨
onnte zusammenfallen mit der Herabsetzung diffu-
ser Streuanteile bei h¨
oheren Feldern. Eingef¨
ugt in Abb. 4.46 ist das im Unterabschnitt
4.2.1.2 (Abb. 4.22 d) theoretisch berechnete Interferenzmuster f¨
ur das Verh¨
altnis D.
Dieses Interferenzmuster zeigt nicht zusammenh¨
angende Punkte, die eher als Streu-
zentren gesehen werden k¨
onnen.
Auch andere Mischungen aus Tabelle 4.1 wurden durch die Umbrella-Geometrie mit
den vier Laserstrahlen beleuchtet. Es wurden mehrere Versuchsreihen durchgef¨
uhrt,
4.2. Zwei- und dreidimensionale Strukturen 99
bei denen die Intensit¨
atsverh¨
altnisse, wie in Tabelle 4.3 angegeben, zum Einschreiben
einer Struktur Verwendung fanden. So zeigten die Mischungen 35, 47, 52 und 61 kei-
ne oder kaum wahrnehmbare Beugungsordnungen. Die Mischung 49 mit 31,1%E7,
56,6%DPHPA, 9,7%NVP, 1,2%NPG und 1,4%RB wies allerdings ein interessantes
Beugungsintensit¨
atsverhalten auf, das im Folgenden gezeigt werden soll.
Nach Einschreiben einer Struktur mit dem Intensit¨
atsverh¨
altnis I1: I2: I3: I4= 2 : 0,11 :
0,44 : 0,44 l¨
asst die Probe der Mischung 49 eine starke Transmissionszunahme erken-
nen. Bei einer am Anfang schwachen Beugungseffizienz steigt diese zun¨
achst auf fast
neun Prozent und sinkt wieder ab einer elektrischen Feldst¨
arke von 18 V/µm (Abbil-
dung 4.47). Dass die Beugungseffizienz zun¨
achst ansteigt, k¨
onnte daran liegen, dass
mit steigenden Feldern die diffuse Streuung abnimmt. Erst ab der Feldst¨
arke von 18
V/µm sinkt die Intensit¨
at der Beugungsordnung.
Hier wurde der zeitliche Verlauf sowohl von der transmittierten als auch von der gebeug-
ten Strahlintensit¨
at aufgenommen, w¨
ahrend eine Spannung an der Probe von 1,5 kV
ein- und ausgeschaltet wurde. Diese Spannung entspricht einem elektrischen Feld von
30 V/µm. Diese Intensit¨
aten sind in Abbildung 4.48 gegen die Zeit aufgetragen. Sobald
die Spannung anliegt, steigt die transmittierte Intensit¨
at innerhalb von einer halben Se-
kunde auf einen konstanten Wert an. Die gebeugte Intensit¨
at macht dagegen zun¨
achst
einen kleinen Sprung, um dann in weniger als einer halben Sekunde auf einen kon-
stanten Wert zu fallen. Nach Ausstellen der Spannung braucht der transmittierte Licht-
strahl etwa zwei Sekunden, um auf den urspr¨
unglichen Intensit¨
atswert abzuklingen. An
dieser Stelle weist der gebeugte Lichtstrahl einen Sprung auf, bevor er den Intensit¨
ats-
wert vor dem Einschalten der Spannung erreicht. Offenbar sind Zu- und Abnahme der
Beugungsintensit¨
at auf verschiedene Prozesse mit unterschiedlichen Zeitkonstanten
zur¨
uckzuf¨
uhren, die eine diffuse Streuung enthalten.
Nach Einstellung des Intensit¨
atsverh¨
altnisses B (I1: I2: I3: I4=1:1
3:1
3:1
3) zum
Einschreiben einer Struktur in die gleiche Mischung wurde auch die Beugungseffizi-
enz dieser Probe untersucht. Legt man ein elektrisches Feld an, so erh¨
oht sich die
Transmission auf fast siebzig Prozent und die Beugungseffizienz sinkt um zwei Prozent
von elf auf neun Prozent (Abbildung 4.49). Der Vergleich mit Abbildung 4.44 zeigt eine
st¨
arkere Transmissionszunahme bei der Mischung 50, die bei dem gleichen Intensit¨
ats-
verh¨
altnis hergestellt wurde. Hier geht jedoch die Beugungseffizienz zun¨
achst zur¨
uck,
100 Kapitel 4. Ergebnisse und Diskussion
Abbildung 4.47:
Starke Transmissionszunahme bei zun¨
achst gleichzeitiger Zunahme der Beugungseffizienz an
einer Probe der Mischung 49 nach Umbrella-Bestrahlung mit dem Intensit¨
atsverh¨
altnis der Sei-
tenstrahlen aus Tabelle 3.2 und einer zweifachen zentralen Strahlintensit¨
at (A, Tabelle 4.3). Bei
einer Feldst¨
arke von etwa 18 V/µm sinkt die Beugungseffizienz.
Abbildung 4.48:
Zunahme der Transmission und Abnahme der Beugungsintensit¨
at durch Einschalten einer Span-
nung von 1,5kV an einer Probe der Mischung 49 nach Umbrella-Bestrahlung mit dem Intensit¨
ats-
verh¨
altnis der Seitenstrahlen aus Tabelle 3.2 und einer zweifachen zentralen Strahlintensit¨
at (A,
Tabelle 4.3).
4.2. Zwei- und dreidimensionale Strukturen 101
Abbildung 4.49:
Transmissionszunahme bei gleichzeitiger Abnahme der Beugungseffizienz an einer Probe aus
Mischung 49 nach Umbrella-Bestrahlung mit dem Intensit¨
atsverh¨
altnis I1: I2: I3: I4= 1 : 1
3:1
3:1
3
(B, Tabelle 4.3).
um dann um zwei Prozent anzusteigen.
Bestrahlt man diese Probe mit dem Intensit¨
atsverh¨
altnis C, bei dem alle Strahlinten-
sit¨
aten nahezu den gleichen Wert aufweisen, so nimmt die Transmission auf bis zu 55%
sehr stark zu und die Beugungseffizienz sinkt um etwa 6%, wenn man das angelegte
elektrische Feld von 0 auf 40 V/µm (siehe Abbildung 4.50). Dieses Verhalten ist auch
bei der Probe aus Mischung 50 in Abbildung 4.45 zu beobachten.
Nach einer Umbrella-Bestrahlung einer Probe der Mischung 49 mit dem anderthalbfa-
chen Wert der Intensit¨
aten der Seitenstrahlen im Vergleich zur zentralen Strahlintensit¨
at
(D, Tabelle 4.3) l¨
asst sich eine starke Transmissionssteigerung beobachten (Abbildung
4.51), sobald ein elektrisches Feld angelegt wird. Die Beugungseffizienz ist jedoch
recht schwach und liegt bei etwa 2,8%. Sie erh¨
oht sich zun¨
achst um 0,7%. Ab einer
Feldst¨
arke von 18 V/µm sinkt die Beugungseffizienz bis auf etwa 2,3%. Der gleichzei-
tige Anstieg der Beugung und der Transmission bedeutet, dass bei der Beugung die
diffuse Streuung hinzukommt. So ist deren Abnahme mit einer ¨
Uberlagerung der Zu-
nahme der Beugungseffizienz verbunden. Erst ab einer Feldst¨
arke von 18 V/µm tritt die
diffuse Streuung in den Hintergrund.
102 Kapitel 4. Ergebnisse und Diskussion
Abbildung 4.50:
Gleiche feldabh¨
angige Untersuchung mit demselben Intensit¨
atsverh¨
altnis C wie in Abb. 4.45 je-
doch f¨
ur eine Probe aus Mischung 49.
Abbildung 4.51:
Feldabh¨
angige Beugungsuntersuchung mit demselben Intensit¨
atsverh¨
altnis D wie in Abb. 4.46
jedoch f¨
ur eine Probe aus Mischung 49. Eingef¨
ugtes Bild: Interferenzmuster f¨
ur das Verh¨
altnis D
aus Abb. 4.22 d.
4.2. Zwei- und dreidimensionale Strukturen 103
Die Proben, die mit Hilfe der Intensit¨
atsverh¨
altnisse A, B und D erstellt wurden, zeigten
gr¨
oßtenteils zwei gebeugte Strahlen mit jeweils unterschiedlichem Abstand zum direkt
transmittierten Strahl auf dem Schirm. Folglich liegen verschiedene Beugungswinkel
vor, die auf unterschiedliche Periodizit¨
aten schließen lassen. Ein Beugungsverhalten
mit drei gebeugten Strahlen wie in Abbildung 4.39 und mit gleichen Abst¨
anden zur
Richtung des transmittierten Strahles wurde nicht beobachtet. Durch das Anbringen
der Halbkugel (Unterabschnitt 4.2.3.2) an die Proben konnte ebenfalls kein dritter Beu-
gungspunkt festgestellt werden. Vermutlich liegt eine Struktur mit keiner oder nur einer
einz¨
ahligen Drehsymmetrie vor. Außerdem tritt die diffuse Streuung sehr stark in den
Vordergrund. Dagegen zeigte die mit Hilfe des Intensit¨
atsverh¨
altnisses C erstellte Pro-
be aus der Mischung 49 ein Beugungsverhalten wie in 4.39 mit gleichen Abst¨
anden
zum Mittelpunkt. Die feldabh¨
angigen Messungen beim Verh¨
altnis C zeigten, dass das
Beugungsverhalten dem einer rhomboedrischen Struktur wie in den Abbildungen 4.40
-4.42 ¨
ahnlich ist.
4.2.3.2 Beugungseffizienz unter Verwendung einer Halbkugel
Die PDLC-Mischung aus 29,4%E7, 47,3%DPHPA, 20,8%NVP, 1,2%NPG und 1,3%
RB (Mischung 50 aus Tab. 4.2) wurde mit den gleichen Parametereinstellungen des
Umbrella-Aufbaus f¨
ur eine sc-Struktur beleuchtet, die in Tabelle 3.2 aufgelistet sind.
Ein seitlich gebeugter Strahl wurde zur Beugungseffizienzmessung ausgew¨
ahlt. Doch
wurde diesmal an der Austrittsstelle des transmittierten Laserstrahls und damit direkt
hinter der Testzelle eine Halbkugel platziert. Um einen Sprung des Brechungsindex zwi-
schen der Testzelle und der Halbkugel zu vermeiden, wurde dort Immersions¨
ol (Unter-
kap. 3.1.2 S. 32) hineingetropft. Die Verwendung des ¨
Ols schließt eine Zwischenschicht
aus Luft aus. Durch die Halbkugel erreicht man, dass das innerhalb der Testzelle pro-
pagierende Licht ungehindert austritt. Eine m¨
ogliche Totalreflexion an der Grenzfl¨
ache
zwischen Glas und Luft wird vermieden, denn die gebeugten Lichtstrahlen fallen auch
bei großen Beugungswinkeln immer senkrecht auf die Kugeloberfl¨
ache ein. Das Beu-
gungsbild auf einem Schirm sah dem in Abbildung 4.39 sehr ¨
ahnlich. Das dritte Beu-
gungsmaximum trat auf und war deutlicher zu sehen. Der Beugungswinkel lag bei 70,5
und entsprach direkt dem erwarteten Winkel innerhalb der Probe f¨
ur die sc-Struktur.
104 Kapitel 4. Ergebnisse und Diskussion
Nach dem Anlegen und schrittweisem Erh¨
ohen der elektrischen Spannung wurde die
Beugungseffizienz bezogen auf einen gebeugten Seitenstrahl simultan aufgenommen.
Die Abbildung 4.52 zeigt mit steigendem elektrischen Feld eine kontinuierliche Zunah-
me der Transmission IT(E)/I0um etwa acht Prozent bei gleichzeitiger Abnahme der
Beugungseffizienz. Das Verhalten ist dem in Abbildung 4.40 fast gleich, die Beugungs-
effizienz erreicht jedoch insgesamt h¨
ohere Werte.
Abbildung 4.52:
Durch die Verwendung der in Abschnitt 3.1.2 beschriebenen Halbkugel ist ein Transmissionsan-
stieg bei gleichzeitiger Abnahme der Beugungseffizienz an einer Probe der Mischung 50 nach
Bestrahlung mit den Parametern f¨
ur eine sc-Struktur aus Tabelle 3.2 zu sehen.
Kapitel 5
Zusammenfassung und Ausblick
Polymer-eingebettete Fl¨
ussigkristalle mit einer eindimensionalen Gitterstruktur wurden
anhand eines Zwei-Strahlaufbaus holografisch erzeugt. Um die Kinetik der Gitterbil-
dung zu untersuchen, wurde gleichzeitig mit einem roten Laserstrahl die Beugungseffi-
zienz gemessen. Sowohl die chemischen Komponenten als auch die Mischungsverh¨
alt-
nisse wurden variiert. Der Vergleich unterschiedlicher photoreaktiver Ausgangsverbin-
dungen ergab folgende Ergebnisse: Bei der Verwendung einer kommerziellen Thiol-
en-Mischung (NOA65, Norland Optical Adhesive) als reaktive Komponente zeigte sich,
dass die Beugungseffizienz anstieg, sobald der Anteil an NOA65 erh¨
oht wurde. Dabei
wurde jedoch mehr Zeit bis zum Erreichen eines S¨
attigungswertes ben¨
otigt. Die PDLC-
Systeme mit dem Triacrylat (TMPTA, Trimethylolpropantriacrylat) hatten Beugungsef-
fizienzen, bei denen sich sogar ein leichter Abfall nach Erreichen eines Maximums
anschloss. Die Erweiterung des Strahldurchmessers f¨
uhrte zu einem Anstieg der Beu-
gungseffizienz mit konstantem S¨
attigungswert. Die Proben mit dem Pentaacrylat (DPH-
PA, Dipentaerythritol penta/-hexaacrylat) waren nicht l¨
oslich in Dichlormethan und nicht
so leicht mischbar mit dem nematischen Fl¨
ussigkristall (E7, Merck). Daher wurden die
Proben in Ethanol gel¨
ost.
Ein eindimensionales Gitter wurde in die Mischung aus 50%des Fl¨
ussigkristalls E7,
49%des Monomers TMPTA und 1%des Photoinitiators Irgacure 784 eingeschrieben.
Zum Vergleich wurde mit Hilfe der eindimensionalen Diffusionsgleichung des Reaktions-
Diffusionsmodells die entsprechende Beugungseffizienz f¨
ur das Volumen- und f¨
ur das
Raman-Nath-Gitter simuliert. Es wurden die Brechungsindizes von TMPTA sowohl als
Monomer als auch als Polymer bestimmt. Es wurden der ordentliche und der außeror-
105
106 Kapitel 5. Zusammenfassung und Ausblick
dentliche Brechungsindex des Fl¨
ussigkristalls E7 f¨
ur eine Wellenl¨
ange von 633nm ver-
wendet. In Zusammenarbeit mit anderen Mitarbeitern der Universit¨
at Paderborn wurden
zum ersten Mal die Messung der chemischen Reaktionsgeschwindigkeit der Polymeri-
sation von TMPTA und die Bestimmung der Diffusionskoeffizienten an demselben Sy-
stem durchgef¨
uhrt. Es zeigte sich eine ¨
Ubereinstimmung der experimentellen mit der
simulierten Beugungseffizienz.
Bei einer Interferenz von vier koh¨
arenten Strahlen haben die theoretischen Vor¨
uberle-
gungen bez¨
uglich der vier Parametersets bestehend aus Phasen, Intensit¨
atsverh¨
altnis-
sen, linearen Polarisationszust¨
anden und Einfallswinkeln gezeigt, dass verschiedene
Phasen der Teilstrahlen eine Verschiebung des Interferenzsmusters, aber keine ¨
Ande-
rung desselben zur Folge haben. Die Intensit¨
atsverh¨
altnisse bestimmen zusammen mit
den Zust¨
anden des linear polarisierten Lichts den Kontrast des Interferenzmusters. Va-
riierende lineare Polarisationszust¨
ande ver¨
andern die Rotationssymmetrie (siehe Ab-
bildung 4.23). Die Gr¨
oße der Gitterkonstanten wird durch den Einfallswinkel zwischen
dem jeweiligen Seitenstrahl und dem zentralen Strahl bestimmt.
Zur experimentellen Realisierung wurde eine Apparatur zur Interferenz von vier Strah-
len (Umbrella-Setup) aufgebaut. Zu Beginn der Arbeit wurde ein aus einem Retro-
reflektor selbst gefertiges Prisma zum Einschreiben der Interferenzstrukturen verwen-
det. ¨
Uber entsprechende Keilvorrichtungen und Justierungen ist es m¨
oglich, innerhalb
eines Toleranzbereichs den Einfallswinkel zu variieren. Zwei bestimmte speziell entwor-
fene und gefertigte Prismen erm¨
oglichten es, zwei bestimmte Einfallswinkel einzustel-
len, bei denen eine kubisch primitive bzw. eine fl¨
achenzentrierte Struktur erwartet wird.
Bei der Umbrella-Geometrie wurden folgende Materialsysteme f¨
ur die Herstellung von
Proben benutzt: Pentaacrylat (DPHPA), Urethan-Acrylat-Oligomer (Ebecryl 1290) und
Triacrylat (TMPTA). Da die Proben mit dem Thiol-en-System (NOA 65) im eindimen-
sionalen Fall eine relativ lange Zeit bis zum Erreichen eines S¨
attigungswerts der Beu-
gungseffizienz erforderten, wurde auf deren Verwendung verzichtet. Die Mischungen
mit dem Urethan-Acrylat-Oligomer oder mit dem Triacrylat wiesen zwar Beugungsver-
halten auf, verglichen mit den Proben aus dem Pentaacrylat waren deren Beugungsef-
fizienzen jedoch geringer. Die Pentaacrylat-Proben wurden in gr¨
oßeren Mengen Etha-
nol gel¨
ost und mehrere Stunden mit dem Ultraschallbad behandelt, um eine bessere
L¨
oslichkeit zu erreichen. Es stellte sich heraus, dass die Einwaage aus 29,5%E7, 47%
DPHPA, 21%NVP, 1,2%NPG und 1,3%RB nicht nur relativ hohe Beugungseffizienzen
107
innerhalb der Pentaacrylat-Mischungen erreichte, sondern auch eindeutig erkennbare
und regelm¨
aßige Strukturen unter dem Mikrsokop zeigte. Experimentelle Belichtungs-
reihen mit vier unterschiedlichen Intensit¨
atsverh¨
altnissen zeigten unterschiedliche Beu-
gungsbilder und unterschiedliches Verhalten beim Anlegen eines elektrischen Feldes.
Beim Intensit¨
atsverh¨
altnis von 1 : 0,11 : 0,44 : 0,44 nahm die Transmission bei h¨
oher-
en Feldern zu, gleichzeitig sank die Beugungseffizienz. Dieses Verhalten entsprach
dem Beugungsverhalten an einem PDLC-Gitter mit fcc-Struktur. Auch das Intensit¨
ats-
verh¨
altnis von 1 : 1 : 1 : 1 zeigte wie erwartet eine Zunahme der Transmission und eine
Abnahme der Beugungseffizienz. Die anderen Verh¨
altnisse zeigten diffuse Streuung,
die bei unstrukturierten PDLC’s vorzufinden ist. Durch die speziell gefertigte Halbkugel
konnte eine h¨
ohere Beugungseffizienz f¨
ur eine sc-Struktur beobachtet werden.
Eine interessante Fragestellung, die in anschließenden Arbeiten untersucht werden
k¨
onnte, w¨
are die Verwendung von zirkular polarisierten anstatt von linear polarisier-
ten Strahlen. Dazu k¨
onnte das Intensit¨
atsverh¨
altnis von 1 : 1 : 1 : 1 gew¨
ahlt werden.
Die zeitintensiven Justierungen k¨
onnten beim Umbrella-Aufbau durch folgende mecha-
nische Erweiterungen und Verbesserungen verk¨
urzt werden. N¨
utzlich w¨
are eine Fixie-
rung des Prismas und ein automatisiertes Einbringen der Testzellen direkt unter das
Prisma. Dies h¨
atte den Vorteil, dass es ausreichen w¨
urde, nur einmal die optische Ju-
stierung durchzuf¨
uhren. Mit den eingestellten Strahlparametern w¨
urden dann die wei-
teren Proben bestrahlt. Eine wesentlich komplexere Erweiterung w¨
are der Einbau von
Detektoren unterhalb des Prismas und der Probe. Dazu m¨
ußte man die Interferenz-
ebene anheben und zum zentralen gr¨
unen Laserstrahl gleichzeitig einen koh¨
arenten
roten Laserstrahl auf die PDLC-Mischung einfallen lassen, um anschließend die jewei-
ligen zeitlichen Entwicklungen der Beugungseffizienzen simultan zum Bestrahlen zu
beobachten.
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0.1 Prisma A
Abbildung 0.1:
Schematische Darstellung des Prismas A von der Seite mit entsprechenden
angenangaben.
Abbildung 0.2:
Schematische Darstellung des Prismas A von oben mit entsprechenden angenangaben.
Material: N-BK7, Grade A
0.2 Prisma B
Abbildung 0.3:
Schematische Darstellung des Prismas B von der Seite mit entsprechenden
angenangaben.
Abbildung 0.4:
Schematische Darstellung des Prismas B von oben mit entsprechenden angenangaben.
Material: N-BK7, Grade A
0.3 Allseitig polierte Halbkugel
Abbildung 0.5:
Skizze der Halbkugel.
Durchmesser: 30 mm
Durchmessertoleranz: ±0,1 mm
Mittendicke: 14 mm
Mittendickentoleranz: ±0,1 mm
Passe: λ/ 10 mit λ= 633 nm
Material: N-BK7, Grade A