Nachhaltig gut !
Universitätsverlag der TU Berlin
ISBN 978-3-7983-2877-8 (print)
ISBN 978-3-7983-2878-5 (online)
Öffentliche Grünanlagen der 1950er- und 1960er-Jahre – Qualitäten neu entdecken
Leitfaden
Öffentliche Grünanlagen der
1950er- und 1960er-Jahre
Qualitäten neu entdecken
Leitfaden
zum Erkennen typischer
Merkmale des Stadtgrüns
der Nachkriegsmoderne
Sylvia Butenschön | Wolfgang Gaida
Inge Gotzmann | Heino Grunert
Ursula Kellner | Kirsten Krepelin (Hrsg.)
Öffentliche Grünanlagen der
1950er- und 1960er-Jahre
Qualitäten neu entdecken
LEITFADEN
zum Erkennen typischer
Merkmale des Stadtgrüns
der Nachkriegsmoderne
Gefördert durch:
Ein Forschungs-und Vermittlungsprojekt von:
Bund Heimat und Umwelt in Deutschland e. V. (BHU)
Deutsche Gartenamtsleiterkonferenz (GALK) e. V.,
Arbeitskreis ‚Kommunale Gartendenkmalpflege‘
Technische Universität Berlin, Institut für Stadt- und
Regionalplanung, Fachgebiet Denkmalpflege
ÖFFENTLICHE GRÜNANLAGEN
der 1950er- und 1960er-Jahre
Qualitäten neu entdecken
LEITFADEN
zum Erkennen typischer Merkmale des
Stadtgrüns der Nachkriegsmoderne
Herausgeber:
Sylvia Butenschön
Wolfgang Gaida
Inge Gotzmann
Heino Grunert
Ursula Kellner
Kirsten Krepelin
Universitätsverlag der TU Berlin
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Bibliografi sche Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in
der Deutschen Nationalbibliografi e; detaillierte bibliografi sche
Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de/ abrufbar.
Universitätsverlag der TU Berlin, 2016
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Fasanenstr. 88, 10623 Berlin
Tel.: +49 (0)30 314 76131 / Fax: -76133
E-Mail: publikationen@ub.tu-berlin.de
Das Manuskript ist urheberrechtlich geschützt.
Umschlagabbildung: Julia Lenz, 2016
Druck: Aumüller Druck GmbH & Co. KG, Regensburg
Text: Ursula Kellner, Wolfgang Gaida
Satz/Layout: Sylvia Butenschön, Kirsten Krepelin, Alexandra Zettl
ISBN 978-3-7983-2877-8 (print)
ISBN 978-3-7983-2878-5 (online)
Zugleich online veröffentlicht auf dem institutionellen Repositorium
der Technischen Universität Berlin:
DOI 10.14279/depositonce-5540
http://dx.doi.org/10.14279/depositonce-5540
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5
Vorwort
Nachhaltig gut –
Das gartenkulturelle Erbe der Nachkriegsmoderne
Das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderte For-
schungs- und Vermittlungsprojekt ‚Qualitäten öffentlicher Grünan-
lagen der 1950er- und 1960er-Jahre – erkennen und kommunizie-
ren‘ möchte auf das gartenkulturelle Erbe der Nachkriegsmoderne
in unseren Städten aufmerksam machen. Die damals entstande-
nen Grünfl ächen haben Qualitäten und Potenziale, die häufi g
verschüttet sind und übersehen werden. Eine größere Bekanntheit
und öffentliche Beachtung dieser Grünanlagen mit ihren Eigen-
arten und Besonderheiten kann zur Wertschätzung und damit zur
langfristigen Erhaltung dieser Ojekte beitragen.
Dazu dient auch dieser Leitfaden, der neugierig machen soll. Für
Fachleute und interessierte Laien soll er vor allem aber Wissen
vermitteln, um die Anlagen dieser Zeit aufzuspüren – selbst dann,
wenn sie nur noch in Teilen erhalten sind – und ihre Qualitäten zu
erkennen.
Zu diesem Zweck werden nachfolgend die für die 1950er- und
1960er-Jahre typischen Gestaltungselemente öffentlicher Grün-
anlagen – Raumstruktur, Formensprache, Materialien und Ausstat-
tung – kurz beschrieben und beispielhaft durch Abbildungen
veranschaulicht.
Wir freuen uns auf und über eine intensive Nutzung dieses kleinen
Büchleins. Möge es als Taschenbuch im wahren Wortsinne bei der
Erkundung des öffentlichen Grüns der Nachkriegsmoderne gute
Dienste leisten!
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Qualitäten erkennen
In den Anfangsjahren der Bundesrepublik Deutschland und der
DDR entstanden im Wiederaufbau der Städte zahlreiche neue
öffentliche Grünflächen, sowohl eigenständige Anlagen als auch
solche in Korrespondenz mit kommunalen Wohn-, Verwaltungs-
und Kulturbauten sowie Sozialeinrichtungen.
Basierend auf dem städtebaulichen Leitbild der ‚Stadtlandschaft‘
sowie der ‚gegliederten und aufgelockerten Stadt‘ wurden flie-
ßende Grünräume zum verbindenden Element. Wege sollten
abseits vom Verkehr durch Grün führen, Parks oder Plätze, Inseln
gleich, Ruhepole und Erholungsorte im städtischen Getriebe
bilden. Öffentliche Spiel- und Sportplätze sollten allen Gruppen
der Stadtbevölkerung für Freizeit und Erholung zur Verfügung
stehen.
Wie die Bauten jener Jahre spiegeln die Grünanlagen die Ansätze
der PlanerInnen wider, die sowohl konservative, restaurative Leit-
bilder und Gestaltungsauffassungen weitertrugen als auch höchst
fortschrittliche Planungs- und Gestaltungsideen generierten. Zwar
reichen die gestalterischen Wurzeln der Nachkriegsmoderne in die
erste Hälfte des 20. Jahrhunderts zurück, doch auf der Suche nach
einer Formensprache als Ausdruck einer neuen gesellschaftlichen
Identität gelangten sie im Verlauf der 1950er- und 1960er-Jahre
zu ihrer typischen Ausprägung. Gestalterische Prämissen dieser
Epoche, die teilweise zeitversetzt in beiden deutschen Staaten zu
finden sind, waren die Abkehr von Monumentalität, Axialität und
Symmetrie hin zu Leichtigkeit, Offenheit und freien Formen. Weitere
Kennzeichen waren arten- und strukturreiche Pflanzungen, künst-
lerische Installationen und vor allem Brunnen.
Zur Entwicklung einer neuen Gartenkultur trugen insbesondere die
Bundesgartenschauen und die Internationalen Gartenbauaus-
stellungen bei, die in schöner Regelmäßigkeit moderne Gestal-
tungskonzepte in Verbindung mit der Verwendung innovativer
Materialien und Konstruktionen einem breiten Publikum zugäng-
lich machten: Schwingende Räume, in denen zierliche Metallper-
golen, gläserne Trennelemente, organisch geformte Elemente aus
Beton und Kunststoff angeordnet wurden.
Zeitzeugen
Noch heute können die damals entstandenen Grünanlagen
etwas vom Lebensgefühl der Nachkriegszeit vermitteln. Teil-
weise auf oder aus Trümmermaterialien hergestellt, zeugen sie
vom Improvisationsvermögen der damaligen Gärtner und Land-
schaftsarchitekten. Die Transparenz und Leichtigkeit weisen auf
den Aufbruch in eine demokratische Gesellschaft hin und die
Verwendung moderner Formen und Materialien erinnert an
den wirtschaftlichen Aufschwung der Zeit. Zugleich können die
damals neu geschaffenen Stadtlandschaften als eine Form von
Kulturlandschaft angesehen werden, die mit ihrem inzwischen 50-
bis 60-jährigen Gehölzbewuchs einen hohen Anteil an Natur im
urbanen Raum stellt – angesichts des Klimawandels ein nicht zu
unterschätzendes Positivum.
Damit sind die noch erhaltenen Gärten, Park- und Grünanlagen
der 1950er- und 1960er-Jahre wertvolle Zeugnisse des gesellschaft-
lichen, politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Aufbruchs.
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Wissen und Wertschätzung bedingen einander
Inzwischen sind jedoch viele in der Nachkriegszeit entstandene
Anlagen grundlegend (teilweise schon mehrfach) umgestaltet
oder im Detail verändert. Sie genügten nicht mehr den Nutzungs-
ansprüchen oder waren den Verantwortlichen einfach nicht mehr
‚modern‘ genug. Die mangelnde Qualität von Baustoffen nach
dem Krieg und die damalige Experimentierfreudigkeit mit uner-
probten Materialien und Konstruktionen haben ihr Übriges dazu
getan.
Letztendlich hat auch mangelnde Pflege, teilweise aus Unkenntnis,
oft aufgrund fehlender Wertschätzung oder der Notwendigkeit
von Einsparungen, über die Jahrzehnte zu großen Substanzver-
lusten beim gartenkulturellen Erbe dieser Zeit geführt – verstärkt
durch einen häufig im Gefolge auftretenden Vandalismus. Und
aktuell scheinen in der Diskussion um die Nachverdichtung der
Städte gerade wieder die großzügigen, von ihren Kritikern despek-
tierlich als ‚Abstandsgrün‘ bezeichneten Grünflächen eine will-
kommene Verfügungsmasse zu sein.
Ohne Wasser lohnt
das Sitzen auf dem
Rand nicht mehr.
Die Becken geben
dem Weg aber noch
einen Rhythmus und
strukturieren den
Raum.
Sprudelnde Fontä-
nen in den erhöhten
Wasserbecken
beleben in den
1960er-Jahren den
Spazierweg im Stadt-
park. Abdeckplatten
am Beckenrand
bieten Sitzmöglich-
keiten.
Gänzlicher Sub-
stanzverlust in der
Ausstattung lässt
eine unstrukturierte
Rasenfläche zurück,
an der ein Spazier-
gang viel vom frühe-
ren Reiz verloren hat.
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Für die Zukunft erhalten
Die Erhaltung des gartenkulturellen Erbes aus den 1950er- und
1960er-Jahren ist nicht nur aus denkmalpfl egerischer Sicht
notwendig, sondern auch, weil zu erwarten ist, dass die Anlagen
jener Zeit wertvolle Anregungen für die Zukunft der Städte liefern:
So könnte zum Beispiel die damalige kleinteilige, am Hausgarten
orientierte Gestaltung Vorbildfunktion erhalten, wenn aufgrund
des demographischen Wandels eine alternde, weniger mobile
Stadtbevölkerung auf quartiersnahe Freifl ächen angewiesen ist.
Die kurzen Fußwege kommen sowohl Menschen mit einem kleinen
Bewegungsradius als auch solchen mit einem knappen Zeitbudget
entgegen. Sportbegeisterte und Gesundheitsbewusste wissen
Grünverbindungen zu schätzen. Auch ist anzunehmen, dass die
damals artenreich gestalteten Pfl anzungen eine fl exiblere Antwort
auf den Klimawandel geben als die aktuellen, meist artenarmen
Pfl anzungen öffentlicher und halböffentlicher Anlagen.
Eine kleinteilige
Gestaltung mit
unterschiedlichen,
qualitätvollen Auf-
enthaltsbereichen
bietet Rückzugsorte
und Verweil-
möglichkeiten im
Quartier.
Artenreiche
Pfl anzungen
haben in Zeiten des
Klimawandels ein
Zukunftspotenzial.
Räumliche
Grundstruktur
10
10
Die öffentlichen Grünanlagen der 1950er- und 1960er-Jahre
bieten durch separate, unterschiedlich gestaltete Parkbereiche
vielfältige Nutzungsmöglichkeiten, die jeweils auf spezielle
Nutzergruppen zugeschnitten sind. Spielplätze für Kinder aller
Altersstufen, ruhige Plätze für ältere Menschen, darüber hinaus
Sonderbereiche wie Verkehrsübungsplätze, Minigolfanlagen oder
Rollerbahnen ermöglichen eine Fülle an Aktivitäten in den Grün-
anlagen.
Um die Raumqualität zu erhöhen, wird die vorgefundene Topo-
graphie gestalterisch ausgenutzt: Vertiefungen werden zu Senk-
gärten, vermitteln bei Spielplätzen Geborgenheit oder sind zur
Anlage von Teichen genutzt, Erhöhungen als Aussichtsterrassen
gestaltet oder skulptural ausgebildet.
Höhenunterschiede werden durch breite Treppenanlagen mit
fl achen Stufen überwunden, was zur Weitläufi gkeit beiträgt und
ein Gefühl des Ineinanderfl ießens von Parkräumen vermittelt.
Weite Rasenfl ächen mit wenigen markanten Bäumen erhalten
durch dichte Gehölzpfl anzungen in den Randbereichen ihre
räumliche Wirkung.
Besonders markant sind oftmals die Sondergärten, die sich mit
ihren geometrischen, auch rasterförmigen Strukturen vom übrigen
Park absetzen. Rosengärten, Heidegärten oder Stauden-Sich-
tungsgärten sollten zudem besondere Pfl anzen-Hightlights bieten.
Räumliche Grundstruktur
11
Räumliche Grundstruktur
Untergeordnete
Wege sind oft
deutlich schmaler
als die Hauptwege
und weisen andere
Materialien auf.
Plattenwege führen
teilweise tief in die
Beete hinein, so
dass Besucherinnen
und Besucher die
gestaltete Natur
intensiver wahr-
nehmen können.
Wege in sanften
Bögen verbinden
die unterschiedlich
gestalteten Parkbe-
reiche miteinander.
Schleppstufen mit
niedrigen, lang-
gezogenen Auf-
tritten dienen dem
Überwinden von
flachen Steigungen.
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Dichte Gehölz-
pfl anzungen
grenzen die Grün-
anlage nach außen
ab, während sich
der Park nach innen
zu weitläufi gen,
unzerschnittenen
Rasenfl ächen
öffnet.
Solitärbäume mit
besonders auffälli-
gen Wuchsformen
setzen Akzente in
teppichartigen
Pfl anzungen aus
Bodendeckern
(Gehölze und Stau-
den), die oftmals
von Zwiebelpfl an-
zen durchsetzt sind.
Topographische
Differenzierungen
sind skulptural
herausgearbeitet,
z. B. als Rasenhügel,
oder werden zu
Terrassierungen
genutzt, steilere
Böschungen sind
mit bodendecken-
den Gehölzen wie
Rosen oder Cotone-
aster bepfl anzt.
Räumliche Grundstruktur
Sondergärten treten
in ihrer formalen,
oft rasterförmigen
Gestaltung als
besondere Park-
bereiche hervor.
Bodenbeläge
14
14
Zu Beginn der 1950er-Jahre steht bei der Auswahl der Bodenbeläge
neben Funktionalität und Sicherheit vor allem die Wirtschaftlich-
keit im Vordergrund. Die Materialknappheit als Folge des Krieges
fordert Sparsamkeit und einfache Bauweisen. Baustoffe werden,
wenn möglich, ‚recycelt‘: Aus Trümmern zerstörter Anlagen und
Bauten wird noch Verwertbares zusammengetragen, neu aufge-
baut oder an anderer Stelle wieder eingebracht.
Auf Wegen und Plätzen fi nden sich in den 1950er-Jahren die glei-
chen Materialien wie vor dem Zweiten Weltkrieg: Kiesfl ächen,
wassergebundene Wegedecken oder auch Asphalt als kosten-
günstige Lösung. Pfl asterklinker, Natursteinpfl aster und -platten
bleiben dagegen vornehmlich ‚höherwertigen‘ Situationen
vorbehalten, wie zum Beispiel Terrassen oder auch Plätze und
Wege in kleinräumigen Gartenanlagen.
Wie vor dem Krieg werden Natursteinplatten, auch in Kombination
mit Mosaikpfl aster, in polygonalem oder rechteckigem Zuschnitt
verlegt. Als Alternative bieten sich zunehmend die preiswerteren
Betonplatten an. In rechtwinkligen (später auch sechseckigen)
Formaten werden sie in betongrau oder mit farbiger Oberfl äche
angeboten. In den 1960er-Jahren kommen dann Waschbeton-
platten hinzu.
Dem damals gewünschten Eindruck von Unregelmäßigkeit und
Asymmetrie kommt polygonales Plattenmaterial entgegen. Bei
rechteckigen Formaten wird der Effekt durch ein Verlegen mit
verspringenden Außenkanten erreicht.
Als zum Ende der 1950er-Jahren die Entwürfe erneut architektoni-
scher und strenger werden, sind auch wieder geometrische Platz-
fl ächen mit geraden Außenkanten erwünscht. Größere Flächen
werden durch strenge Raster gegliedert.
Bodenbeläge
15
Bodenbeläge
Natursteinplatten
(wie zum Beispiel
Roter Wesersand-
stein) mit polygo-
nalen Zuschnitten
werden im wilden
Verband, häufig
in Kombination
mit Mosaikpflaster
verlegt.
Klinkerbeläge sind
vor allem in höher-
wertigen Anlagen
zu finden – und im
Norden verbrei-
teter als im Süden
Deutschlands.
Betonplatten in
rechtwinkligen
und quadratischen
Formaten haben
graue oder rot,
grün, blau bzw.
gelb eingefärbte
Oberflächen. Eine
Besonderheit sind
gefärbte Betonplat-
ten als Imitate für
Sandsteinplatten.
Wieder verwendete
Materialien werden
zu kunstvollen
Wegebelägen
zusammengefügt.
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Bodenbeläge
Waschbetonplatten
mit unterschiedlich-
sten Kiesvorsätzen
sind ein charakte-
ristisches Merkmal
von Anlagen, die in
den 1960er-Jahren
entstanden.
Ein besonderes
Merkmal dieser Zeit
bei der Verlegung
von Betonplatten ist
die Kreuzfuge.
Häufi g sind auch
Halbverband oder
Reihenverband
anzutreffen.
Gehölze
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Gehölze
Die Gehölzpfl anzungen unmittelbar nach dem Krieg folgen einem
pragmatischen Ansatz, der vor allem die Staubbindung im Fokus
hat und danach strebt, die ‚Kriegswunden‘ der Städte so schnell
wie möglich mit Grün zu ‚heilen‘. Die Strategie ist eine landschaft-
liche Gestaltung nahe an der heimischen Pfl anzenwelt. Für einen
zeitnahen Erfolg greift man unter anderem zu schnellwüchsigen
Pappeln, Späten Traubenkirschen, Schwarzem Holunder, Brom-
beeren und Erbsensträuchern – schnellwüchsigen Gehölzen, die
auf den schwierigen Standorten der Kriegstrümmer wuchsen. Für
langlebige Bäume wie Eichen oder Linden wird das Prinzip der
Pionier- und Ammenbäume genutzt. Auch Obstgehölze fi nden
angesichts der Nahrungsmittelknappheit ihren Platz in den Grün-
anlagen.
Mit zunehmendem wirtschaftlichem Aufschwung tritt jedoch
wieder der Zieraspekt in den Vordergrund. Blü tengehö lze wie
Weigelie oder Perlmuttstrauch bieten optische Glanzpunkte.
Forsythien, Magnolien und andere frü hblü hende Arten und Sorten
sorgen bereits im kahlen Frü hling fü r Farbe. Buntlaubige Gehö lze
sowie solche mit einer intensiven Herbstfä rbung lassen Pfl an-
zungen farbenfroh und dynamisch erscheinen.
Der sehr beliebte Rhododendron wird häufi g geplanzt, denn
seine Blüte ist ein besonderes Highlight. In der übrigen Zeit bildet
der immergrüne Strauch zusammen mit Nadelgehö lzen wie
Wacholder, Eibe oder Zwergkiefer ein dichtes, ü ber das ganze
Jahr hinweg in Farbe und Textur gleichbleibend stabiles Grünele-
ment.
Sommerliche Glanzpunkte setzen auch Rosenbeete, die zahlreich
vor allem an Sitzplätzen zu fi nden sind.
Während bis in die erste Hälfte der 1960er-Jahre bei den Pfl an-
zungen – vielfach Gehölze in Kombination mit Stauden – Wert
auf Vielfalt und Abwechslung gelegt wird, tritt ab Mitte der
1960er-Jahre der Aspekt der wirtschaftlichen Pfl ege in den Vorder-
grund. Die Artenvielfalt vor allem bei bodendeckende Pfl an-
zungen wird stark reduziert, wenige pfl egeleichte Gehölzarten
dominieren.
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Gehölze
Exotische Gehölze
Acer negundo,
Aesculus parviflora,
Ailanthus altissima,
Ostrya
carpinifolium,
Parrotia persica,
Paulownia
tomentosa,
Rhus typhina,
Nothofagus
antarctica,
Aralia elata
Immergrüne
Gehölze
Picea omorika,
Taxus baccata
'Dovastonii Aurea',
Tsuga canadensis,
Hedera helix
'Arborescens',
Stranvesia davi-
diana, Juniperus
communis 'Suecica',
Ulex europaeus
Obst- und
Fruchtgehölze
Cydonia oblonga,
Mespilus germa-
nica, Morus alba,
Morus nigra, Aronia
melanocarpa
Laubgehölze
Acer platanoides
'Globosum',
Alnus glutinosa
'Laciniata',
Carpinus betulus
'Fastigiata',
Fraxinus ornus,
Populus tremula
'Pendula',
Salix alba 'Tristis'
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Gehölze
Buntlaubige
Gehölze
Acer platanoides
'Schwedleri',
Acer saccharinum
'Laciniatum Wieri',
Fagus sylvatica
'Purpurea Pendula',
Prunus cerasifera
'Nigra',
Corylus maxima
'Purpurea'
Sträucher
Cotoneaster dam-
meri 'Skogsholm',
Euonymus alatus,
Euonymus fortunei,
Cornus stolonifera,
Cotinus coggygria,
Cotoneaster hori-
zontalis,
Cornus alba
'Sibirica',
Symphoricarpus x
chenaultii
Blütengehölze
Laburnum
anagyroides,
Prunus serrulata
'Kanzan',
Kolkwitzia amabilis,
Chaenomeles
japonica,
Spiraea japonica
'Anthony Waterer',
Weigela fl orida,
Kerria japonica
K l e t t e r p fl a n z e n
Clematis montana
var. rubens,
Clematis x
jackmanii,
Clematis montana,
Hydrangea
petiolaris,
Rosa 'New Dawn',
Rosa 'Paul’s Scarlet
Climber',
Rosa 'White Dorothy
Perkins'
Mauern
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Neben geschnittenen Hecken und dichten freiwachsenden
Gehölzpfl anzungen bilden Mauern ein gestalterisches Mittel, um
unterschiedlich nutzbare und gestaltete Parkbereiche räumlich
voneinander zu trennen.
In verschiedenen Höhen dienen Mauern als Einfassung von
Spielplätzen oder Senkgärten, Wasserbecken und Sonder-
gärten. Notwendig sind sie als Hangbefestigung, wo keine
Fläche für Böschungen vorhanden ist oder diese aus gestalteri-
schen Gründen nicht erwünscht sind. Während hohe Mauern zu
geschützten, intimen Rückzugsräumen verhelfen, bieten langge-
streckte, kniehohe Mauern Sitzmöglichkeiten für den Aufenthalt.
Aufgrund der Mittel- und Materialknappheit werden in der
ersten Zeit nach dem Krieg neben Trümmer- oder Bruchsteinen,
Backsteinen und Hartbrandklinkern, in erster Linie Natursteine
verwendet, die regional anstehen. Bei Stützmauern überwiegt
Naturstein, der mit Mörtel oder trocken aufgebaut ist. Die Vermau-
erungsweise reicht von regelmäßigen Klinkerverbänden bis zu
breiten, versetzten Fugen bei bruchrauhen Natursteinplatten.
Abdeckplatten aus Beton oder Naturstein schützen die Mauern
vor Witterungsschäden.
Mit der Perfektionierung der Ortbetonherstellung erhalten Sicht-
betonmauern eine künstlerische Gestaltung: Vor allem stark struk-
turierte Oberfl ächen, die durch unterschiedliche Schalungsmate-
rialien und -einlagen entstehen, sind ein typisches Merkmal der
Zeit.
Daneben entwickelt die Industrie Betonfertigelemente, von denen
der u-förmige Karlsruher Gartenstein wohl der bekannteste ist. Er
wird etwa ab 1963 sowohl für niedrige Stützmauern als auch für
Treppen verwendet. Zur gleichen Zeit fi ndet man auch die ersten
Waschbetonmauern in öffentlichen Grünanlagen, meist als breite
und relativ niedrige Stützmauern ohne Abdeckplatten. Beton-
formstein-Mauern bilden leichte, transparente Begrenzungen
unterschiedlicher Gartenräume.
Mauern
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Mauern
Einfassungsmauern
geringerer Höhe,
zum Teil auch in
Verbindung mit
einer Hecke, schlie-
ßen Grünräume
optisch nach außen
ab oder grenzen
Parkbereiche mit
unterschiedlichen
Nutzungen gegen-
einander ab.
Mauern in Kniehöhe
bieten sich als
Sitzgelegenheit an
(und sind auch als
solche geplant)
– gleich ob aus
Naturstein mit
Abdeckplatte, aus
Klinkern oder aus
Waschbeton.
Stützmauern zur
Hangsicherung
sind überwiegend
aus Naturstein
hergestellt, wobei
die Steine vermör-
telt oder trocken
aufgeschichtet sein
können.
Hohe Mauern
trennen Grünräume
voneinander, so
dass im Innern der
Umfassung intime
Rückzugsräume
entstehen. Häufig
verwendete Mate-
rialien sind Klinker
und verputzter Stein.
24
Mauern
Durch das nach-
trägliche Bearbei-
ten des Ortbetons,
z. B. durch Sand-
strahlen, oder
durch die Art der
Schalung, z. B. mit
profi lierten Brettern,
erhalten diese
Mauern eine künst-
lerisch gestaltete
Oberfl äche.
Waschbetonmauern
variieren je nach
Farbe und Korngröße
der Kiesvorsätze
im Aussehen. Erst
die industrialisierte
Fertigung hat zu der
allgegenwärtigen
Uniformität geführt.
Waschbetonmauern
sind fast immer ohne
eine Abdeckung
ausgeführt.
Für Natursteinmau-
ern wird meist regi-
onal anstehendes
Gestein verwendet.
Aber auch braun-
roter Sandstein ist
häufi g anzutreffen,
da seine Farbe gut
mit dem Grün der
Vegetation harmo-
niert.
Beton-
Ornamentsteine
ermöglichen eine
leichte, transpa-
rente Begrenzung
von Grünräumen,
ohne eine zu starke
Grenze zu formu-
lieren.
Kleinarchitekturen
26
26
Kleinarchitekturen wie Pergolen oder andere freistehende Über-
dachungen, Rankgerüste, kleine Cafés und Pavillons sind typische
Elemente der Grünanlagen dieser Zeit. Letztere bildeten auch
Bühnen für Musik und Tanz und waren so zentrale Orte des Vergnü-
gens im Park.
Das Erscheinungsbild dieser Kleinarchitekturen ist durchaus viel-
fältig, je nachdem, ob sich die Planerinnen und Planer traditio-
nellen oder modernen Gestaltungsmustern verpfl ichtet sahen.
Dem entsprechen auch die verwendeten Materialien und deren
Kombination. Traditionelle Baustoffe wie Naturstein und Holz
stehen neben neuen Werkstoffen wie gefärbtem Beton, Wasch-
beton oder Faserbeton.
Typisch ist in dieser Zeit noch die eher wuchtige Pergola in der
Tradition der 1930er-Jahre: Auf Natursteinstelen oder auf massiven
Stein- und Holzpfosten liegen grobe Rund- oder Kanthölzer, alles
mit meist großen Querschnitten. Oft stehen diese Pergolen im
Zusammenhang mit dicken Natursteinmauern. Aber auch die
Kombination von Stahl und Holz ist bereits keine Seltenheit.
Ab Mitte der 1950er-Jahre verändern sich mit einem generellen
Wandel in der Garten- und Parkgestaltung auch die Entwürfe der
Kleinarchitekturen. Der Trend geht weg von ‚bodenständigen‘
Lösungen mit ihrer gestalterischen Schwere hin zu Leichtigkeit und
Transparenz.
Um diese zu erzielen, werden Materialien bevorzugt, die sich bei
gleicher statischer Belastbarkeit gering dimensionieren lassen:
Jetzt entstehen Pergolen und Rankgerüste als schlanke Stahlrohr-
konstruktionen. Glas und Stahl oder Glas und Beton werden mitein-
ander kombiniert. Geschwungene, heitere Formen fi nden Einzug
in die Parks und Gärten. Der Überstand der fl achen Bedachungen
scheint ob seiner minimalen Dimensionierung zu schweben.
Mit dem notwendigen Metall-Schutzanstrich ziehen auch die für
die 1950er-Jahre charakteristischen klaren, heiteren Farben in die
Grünanlagen ein. Diese Art der Farbgebung geht mit der Rück-
kehr zu architektonischen Formen in den 1960er-Jahren wieder
zurück. Der Wunsch nach leicht wirkender Gestaltung bleibt
jedoch zunächst noch erhalten.
Kleinarchitekturen
27
Kleinarchitekturen
Pergolen aus
Stahlrohr vermitteln
Transparenz und
Leichtigkeit, da sich
das Material bei
gleicher statischer
Belastbarkeit gering
dimensionieren
lässt.
Rankgerüste aus
Stahlrohr lassen
sich in vielfältigen,
zum Teil dynamisch
wirkenden Formen
herstellen.
Traditionelle
Pavillons strahlen
aufgrund der
verwendeten Ma-
terialen (Naturstein,
Holz, häufig ein
Reetdach) eine
‚bodenständige‘
Schwere aus.
Traditionelle
Pergolen und
Laubengänge
mit Natursteinstelen
oder massiven Stein-
und Holzpfosten
sowie groben Rund-
oder Kanthölzern als
Auflagen stehen in
der Gestalttradition
der Vorkriegszeit.
28
Kleinarchitekturen
Phantasie-Gebäude
wie das Milchhäus-
chen in Form eines
Fliegenpilzes laden
die Parkbesucher
ein, den Alltag zu
vergessen.
Schmale Beton-
scheiben tragen
das überstehende
Dach der Sitzlaube,
das zu schweben
scheint.
Kleinarchitekturen,
hier mit dem zeit-
typischen vorkra-
genden ‚Flugdach‘,
haben unterschied-
liche Funktionen
und dienen
beispielsweise als
Kiosk.
Halb offen, halb
geschlossen bildet
dieser Pavillon
eine gelungene
Kombination von
traditionellen und
moderen Formen
und Materialien.
Spielplätze
30
30
Die auf Plätzen oder in öffentlichen Grünanlagen angelegten
Spielplätze boten den Kindern mit fortschreitendem Wieder-
aufbau der Städte Orte, an denen sie sich abseits vom Verkehr
sicher aufhalten konnten. Das Angebot dieser Spielplätze, die
im Verantwortungsbereich der Gartenämter lagen, reichte vom
einfachen Sandkasten bis hin zu vielseitig ausgestatteten Anlagen
mit Nutzungsangeboten für die unterschiedlichen Altersstufen.
Neben klassischen Spielgeräten wie Wippen, Rutschen und Klet-
tergerüsten – typisch aus buntem Metallrohr – regten Holzele-
mente zum Beispiel in Form von Baumstämmen oder -wurzeln
die Phantasie an. Oft wurden auch skulpturale Elemente wie
Tierfi guren oder Märchengestalten auf den Spielplätzen aufge-
stellt. Ein Beispiel dafür ist der Betonelefant, den die Bildhauer
Vinzenz Wanitschke, Johannes Peschel und Egmar Ponndorf von
der Dresdner Produktionsgenossenschaft ‚Kunst am Bau‘ 1962
entwarfen. In Serie produziert wurde er als ‚Rüsselrutsche‘ überall in
der DDR auf Spielplätzen aufgestellt – und ist heute noch beispiels-
weise in einem Hinterhof in der Dresdner Altstadt, im Clara-Zetkin-
Park in Leipzig und in Neubrandenburg zu fi nden.
Auf Begeisterung bei den Kindern stießen Wasserspielplätze, auf
denen das Wasser aus Rohren fl oss, aus Düsen spritzte und in
fl achen Mulden stehend zum Planschen einlud.
Zudem gab es Anlagen oder Teilbereiche mit sehr speziellen Spiel-
angeboten, welche die Nutzung bereits vorgaben: Dies konnten
ebenso gut Bodenspielfelder als auch Roller- und Rollschuh-
bahnen oder Verkehrsübungsplätze sein.
Anregend waren Spielplätze, die durch ihre Ausstattung in eine
Phantasiewelt führten, wie zum Beispiel die damals entstandenen
Indianerspielplätze. Abenteuer- oder Robinson- und Bauspiel-
plätze, wie sie in den 1960er-Jahren angelegt wurden, forderten
dagegen die Kinder in ihrer Kreativität.
Spielplätze
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Spielplätze
Klettergeräte
wie Hangelbögen,
Kugeln, Pilze u. v. m.
aus farbigen Metall-
konstruktionen sind
ein Standardaus-
stattungselement
der Spielplätze.
Bunte Metallspiel-
geräte werden
auch zu figürlichen
Elementen wie einer
Eisenbahn oder
einer Tiergestalt. Im
Hintergrund thront
der Elefant als
‚Rüsselrutsche‘.
Skulpturale
Elemente treten
häufig in Gestalt
von Märchen- oder
Tierfiguren auf.
Zentrales Element
der Spielplätze ist
fast immer ein Sand-
kasten, der in ganz
unterschiedlichen
Formen vorkommt.
32
Bodenspielfelder für
klassische Brettspiel-
arten wie Mühle,
Dame oder Schach
konnten meist
mit ausleihbaren
Spielfi guren genutzt
werden.
Die Mitte der
1950er-Jahre
aufkommenden
Minigolfanlagen
sind ein Anziehungs-
punkt in vielen
Stadtparks und
Grünanlagen.
Skulpturale
Elemente gibt es
auch in sehr ab-
strakten Formen,
die der kindlichen
Phantasie viel Raum
lassen.
Für Kinder entstan-
den Rollerbahnen
und Verkehrsgärten,
in denen das regel-
konforme Verhalten
im Straßenverkehr
geübt werden kann.
Spielplätze
Sitzmöglichkeiten
34
34
Grünanlagen, die eine Vielzahl von unterschiedlichen Sitzmög-
lichkeiten anbieten, laden zu längerem Verweilen ein. Fest instal-
lierte Sitzgruppen ermöglichen Gespräche und gemeinsames
Spiel. In vielen Parks und auf Stadtplätzen stehen zudem Stühle
zur Verfügung, welche die Besucher zur gewünschten Stelle inner-
halb der Anlage tragen und dort fl exibel anordnen können. Diese
zwanglose Benutzung kam der neuen Vorstellung von informeller
Freiraumnutzung entgegen, förderte Geselligkeit und soziale Inter-
aktion
Die modernen Bänke in den öffentlichen Grünanlagen der
1950er-Jahre sind vielfach eine Kombination aus Stahlrohr und
Holz. Optisch ‚schwere‘ Beton-Holz- oder Gusseisen-Holz-Kombi-
nationen gibt es zwar nach wie vor, doch das schlanke runde
Stahlrohr erzielt eine leichtere Wirkung.
Dazu kommen zahlreiche Varianten leichter Gartenstühle aus
schlankem Stahlrohr mit Sitzfl ächen und Rückenlehnen aus Holz
oder mit farbigen Kunststoffschnüren bespannt. Auch Sitzfl ächen
und Rückenlehnen aus Holz und Stahl sind sowohl bei Bänken als
auch Stühlen häufi g farbig. Ein Großteil von ihnen ist mit Rücken-
und Armlehnen versehen, um ein angenehmes Sitzen zu ermögli-
chen und damit zu einem längeren Aufenthalt im Grünen einzu-
laden.
Feste Sitzgelegenheiten sind so angeordnet, dass der Besucher
in den offenen Raum blickt, rückwärtig aber durch eine Hecke
oder ein bauliches Element geschützt ist. Sitznischen verstärken
das Gefühl von Intimität und Geborgenheit. An erhöht liegenden
Stellen sind Bänke so positioniert, dass den Besuchern ein Über-
blick über die Parkanlage ermöglicht oder der Blick auf Besonder-
heiten der Grünanlage gelenkt wird.
Sitzmöglichkeiten
35
Sitzmöglichkeiten
Betonbänke mit
Holzauflage sind als
Gruppe zusammen-
gestellt, um eine
gesellige Runde zu
ermöglichen.
Leichte Stühle aus
Metall können infor-
mell zu unterschied-
lichen Sitzgruppen
kombiniert werden.
Bänke mit hoher Rü-
ckenlehne in Stahl-
Holz-Kombination
bieten bequeme
Sitzmöglichkeiten.
Die Rundung im
Bereich des Knies ist
dafür ein wichtiges
Detail.
Gegenüberlie-
gende Sitzgelegen-
heiten sind häufig
mit Spieltischen
kombiniert, auf
denen Brettspiele
integriert sind.
36
Für Bänke werden
die unterschied-
lichsten Materialien
und Materialkombi-
nationen verwen-
det.
Eine moderne
Ausstrahlung haben
Bänke, die vollstän-
dig aus Beton als
spezielle Formsteine
hergestellt sind.
Sitzmöglichkeiten
Aus Beton lassen
sich auch andere
Möblierungen
herstellen – hier
Sitzhocker, die
zusammen mit
der Sitzmauer der
Beeteinfassung
einen multifunktio-
nalen Aufenthalts-
raum bilden.
Wasseranlagen
38
38
Die Jahrhunderte alte Tradition, Grünanlagen durch Wasseran-
lagen zu schmücken und aufzuwerten, lebt auch in den 1950er-
und 1960er-Jahren fort. In Korrespondenz mit Bauten, auf Plätzen
und in Parks entstehen Wasserbecken und Teiche, vielfach auch
Brunnen mit Wasserspielen. Auffällig ist die große Zahl von Trink-
brunnen an Schulen und in der Nähe von Spielplätzen.
Während großfl ächige Seen und Teiche, wie sie in großen Parks
oder in Grünzügen entstehen, sich in ihrer Form kaum von denen
der 1930er-Jahre unterscheiden, entwickelt sich bei kleineren
Anlagen eine für die 1950er- und 1960er-Jahre typische Gestal-
tung. Die Künstlichkeit des Gewässers wird durch klar erkennbare
Randkonturen betont. Deren Verlauf kann sowohl gerundet-
organischen Formen nachempfunden sein – typisch die Nieren-
form – oder auch geometrische Figuren abbilden. Dabei geht die
Tendenz zu asymmetrisch gewinkelten Formen, wobei der rechte
Winkel vermieden wird.
Die Becken können bündig in die umgebende Fläche eingelassen
oder eher als Brunnen mit niedrigen Randumfassungen ausge-
bildet sein. Typische Materialien sind Beton, Waschbeton und
Naturstein, vielfach Muschelkalk.
Sprudler, Fontänen und Wasserspiele setzen lebendige Akzente.
Dabei wird eher auf Feingliedrigkeit gesetzt. Häufi g sind ‚tanzen-
de‘ Wasserstrahlen zu beobachten, die durch bewegliche Düsen
erzeugt werden. Das Plätschern des Wassers, das vom nahen Sitz-
platz aus wahrgenommen wird, lässt die Betriebsamkeit ringsum
vergessen.
In Grünanlagen fi nden zudem Vogeltränken ihren Platz auf Rasen-
fl ächen am Rande von Gehölzen oder direkt in der Nähe von Sitz-
plätzen, damit die Besucherinnen und Besucher die Natur beob-
achten können.
Vielfach sind die Brunnen, auch die Trinkbrunnen, detailreich mit
Skulpturen geschmückt, die sowohl naturalistisch als auch abstrakt
sein können. In den 1960er-Jahren werden die Brunnen – adäquat
den Gebäuden – wieder monumentaler. Jetzt sind quadratische
und rechteckige Grundfl ächen vorherrschend, das Wasser fl ießt
über massive Steinblöcke und die Umrandungen sind aus dem
damals meist verwendeten Material, dem Waschbeton.
Wasseranlagen
39
Wasseranlagen
Wasserbecken in
organischen
Formen betonen
ihre Künstlichkeit
durch klar erkenn-
bare Randkonturen.
Vor allem auf
Plätzen inmitten des
städtischen Getrie-
bes sind Wasserbe-
cken mit Sprudlern
beliebt, denn das
Plätschern, das
vom nahen Sitzplatz
aus wahrgenom-
men wird, lässt die
Betriebsamkeit
ringsum vergessen.
An Vogeltränken
auf Rasenflächen
am Rande von
Gehölzen oder
direkt in der Nähe
von Sitzplätzen kön-
nen Besucherinnen
und Besucher die
Natur beobachten.
Kleine Wasser-
becken in geome-
tischen Formen
können bündig in
die umgebende
Fläche eingelassen
oder mit niedrigen
Randumfassungen
ausgebildet sein.
Typische Materia-
lien sind Naturstein,
Beton und seltener
Klinker.
40
Tanzende Strahlen,
die durch beweg-
liche Dü sen erzeugt
werden, setzen
lebendige Akzente
und vermitteln ein
Gefühl von Leichtig-
keit.
Große, geometri-
sche Beckenformen,
oft massive Blöcke,
über die das Wasser
fl ießt, kennzeichnen
Brunnen aus den
1960er-Jahren.
Vorherrschende
Materialien sind
Beton und Wasch-
beton.
Sowohl freistehende
als auch in Mauern
eingelassene
Trinkbrunnen sind
vielfach detailreich
mit Skulpturen
geschmü ckt, die
sowohl naturalistisch
als auch abstrakt
sein kö nnen.
Wasseranlagen
P fl a n z g e f ä ß e
42
42
Zur typischen Ausstattung öffentlicher Grünanlagen zählen
Blumenkübel und Beete, die sich mit fester Umrandung über
ihre Umgebung erheben. Sie werden als Solitärobjekte oder in
Gruppen vor allem inmitten offener Flächen platziert. Vorzugs-
weise üppig mit blütenreichen Einjährigen bestückt, sorgen sie für
farbige Akzente.
Leicht sollen die Pfl anzgefäße wirken, gleich aus welchem Mate-
rial sie bestehen, ob aus glasierter Keramik, Ton (Terrakotta) oder
Beton. Da diese Materialien per se schwer sind, musste die Form
den Eindruck von Leichtigkeit hervorrufen. Eine geringe Grund-
fl äche mit sich darüber wölbender Kugel oder Halbkugel, sich
weitender fl acher Schale und die Kegelform lassen die Gefäße
über dem Boden ‚schweben‘. Hinzu kommen freie und unkonven-
tionelle Formen, die beispielsweise an Löffel oder Waben erinnern.
Typisch für die 1950er- und 1960er-Jahre sind die weit ausladenden
Schalen aus Faserzement, die als erste die Firma Eternit herstellte.
Das neue Material war nicht nur gut formbar, sondern auch wider-
standsfähiger gegen Frost als Keramik und erforderte kein Heraus-
und Hereinstellen bei Saisonbeginn und -ende.
Hochbeete sind meist quadratisch oder rechteckig, später
kommen andere geometrische Formen hinzu. Meistens sind sie
in regelmäßiger Anordnung gruppiert und fest in die Gesamtan-
lage integriert. Dort wo solche Beete als Raumbegrenzung wirken
sollen, sind sie etwas höher, inmitten von Platzfl ächen nur etwas
über die umliegenden Flächen herausgehoben. Die Beetum-
fassungen werden meist aus Beton, vermehrt aus Waschbeton,
manchmal auch mit Naturstein, hergestellt.
Pflanzgefäße
43
Pflanzgefäße
Schwerere Beton-
kübel in verschiede-
nen Formen werden
gruppiert. Eine
saisonal wech-
selnde Bepflanzung
steht im Kontrast zur
massiven Form.
Vom Material her
leicht und zudem
fast unbegrenzt
formbar ist der
Werkstoff Faser-
zement, bekannt
unter der Firmen-
bezeichnung Eternit.
Widerstandsfähiger
gegen Frost als
Keramik erfordern
Gefäße aus Faser-
beton kein Heraus-
und Hereinstellen
bei Saisonbeginn
und -ende
Die Form der
Pflanzschalen aus
Beton – eine ge-
ringe Grundfläche
mit sich darüber
wölbender Kugel
oder Halbkugel,
Kegel, eine sich wei-
tende flache Schale
– lässt die Gefäße
leicht erscheinen.
44
Quadratische Hoch-
beete geben einer
Platzfl äche Struktur.
Der Blumenschmuck
aus Wechselbe-
pfl anzung wird mit
niedrigen Leuchten
zusätzlich in Szene
gesetzt.
Am Platzrand ange-
ordnete Hochbeet-
fl ächen rahmen die
Aufenthaltsfl äche
und geben den Bän-
ken einen schützen-
den ‚Rückhalt‘.
Hochbeete in sechs-
eckiger Grundform
werden in verschie-
denen Höhen ge-
staffelt und bilden
einen geschützten
Aufenthaltsraum.
Pflanzgefäße
Kunstobjekte
46
46
Sowohl mit der Demokratisierung der bundesrepublikanischen
Nachkriegsgesellschaft als auch im Aufbau einer sozialistischen
Gesellschaft in der DDR setzt sich die Prämisse durch, dass Kunst für
jedermann zugänglich sein müsse. Was liegt also näher, als Skulp-
turen im Freiraum, in Grünanlagen und auf öffentlichen Plätzen
vor Gebäuden, aufzustellen.
Eine ideale Bühne bieten die Bundesgartenschauen, die zeitge-
nössische Kunstwerke in ihr Konzept einbinden. Die Internatio-
nale Gartenbauausstellung 1953 in Hamburg richtet sogar eine
Sonderausstellung ‚Plastik im Freien‘ aus. Dabei sind unterschied-
liche Trends auszumachen, die sich auch im öffentlichen Freiraum
widerspiegeln. Gezeigt werden sowohl Kunstwerke von eher realis-
tischer Darstellung, die sich am klassischen Ideal orientieren oder
expressionistische Züge aufweisen, als auch abstrakte Plastiken.
Insbesondere bei Ausstattungselementen wie Trinkbrunnen,
Vogeltränken und Spielfi guren bleibt man eher dem Kleinen und
Detailreichen verhaftet. Beliebt sind Kinder- und Tiermotive.
Im Gegensatz zur Bundesrepublik, wo die Abstraktion als die
‚wahre Kunst‘ angesehen wird, folgen die Kunstwerke der DDR,
die großteils eine politische Motivation hatten, dem sozialisti-
schen Realismus. Figürliche Darstellungen repräsentieren in ihrer
Haltung, durch teilweise pathetische Gesten, durch ihre Tätigkeit,
Kleidung und Attribute die Ziele und Errungenschaften des Sozia-
lismus. Durch Sport- und Tanzdarstellungen oder Tiermotive wird
der Raum als ‚Freizeitraum‘ markiert.
Werden bei den temporären Sonderausstellungen vorzugsweise
Originale ausgestellt, bedient man sich bei der Ausstattung öffent-
licher Grünanlagen häufi g Kopien aus Bronze oder anderen über-
dauernden Materialien, wie Kunststein, Zementguss oder Zinkguss.
Kunstobjekte
47
Kunstobjekte
Der ‚Silberfisch‘ am
Rande eines Teiches
ist ein Beispiel für
die Präsentation
abstrakter Kunst in
enger Korrespon-
denz zur natürlichen
Umgebung.
(Trink-)Brunnen
werden häufig
künstlerisch ausge-
staltet und gern mit
farbigen Mosaiken
versehen.
Symbolische Dar-
stellungen setzen
auf die Assoziati-
onsbereitschaft des
Betrachters: Diese
Grazien verkörpern
das Geben und
Nehmen.
Eine figürliche,
dem klassischen
Bild verpflichtete
Personengruppe
schmückt einen
intimen Gartenraum
der Begegnung.
48
Sport- und Tanzdar-
stellungen oder Tier-
motive markieren
dagegen Grünan-
lagen als ‚Freizeit-
raum‘ – sowohl in
der DDR als auch in
Westdeutschland.
Tiergruppen fi n d e n
sich häufi g in zoolo-
gischen Gärten und
Ausstellungsgärten,
können aber auch
auf die Geschichte
des Ortes verweisen.
In der politischen
Kunst der DDR ver-
weisen die Figuren
durch Haltung,
Geste, Tä tigkeit,
Kleidung und Attri-
bute auf die Ziele
und Errungenschaf-
ten des Sozialismus.
Kunstobjekte
Akteure & Quellen
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Akteure & Quellen
Das Team
des Forschungs- und Vermittlungsprojektes
Deut sche Gar ten amt s l ei te rkon f eren z (GALK) e. V.,
Arbeitskreis ‚Kommunale Gartendenkmalpflege‘
Doris Fath, Darmstadt
Wolfgang Gaida, Oberhausen
Heino Grunert, Hamburg
Dr. Ursula Kellner, Laatzen
Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU) e. V.
Dr. Martin Bredenbeck (bis Mai 2016)
Dr. Inge Gotzmann
Technische Universität Berlin, Institut für Stadt- und Regional-
planung, Fachgebiet Denkmalpflege
Dr.-Ing. Sylvia Butenschön
Kirsten Krepelin
Alexandra Zettl
52
Quellen
Zeichnungen
S. 10: Willy Alverdes, Fritz Witte und I. Thrower, 1951: Entwurf für den
Englischen Garten im Tiergarten Berlin, Landesdenkmalamt Berlin
S. 14, 18, 22, 26, 30, 34, 38, 42 und 46 sowie die Details aus diesen
Abbildungen auf dem jeweils vorangehenden Kapiteltitel:
Julia Lenz, Berlin (JuliaLenz7@gmx.de)
Fotonachweise
S. 7 a: Kreismuseum Bitterfeld, b: Peter Fibich, c: Kirsten Krepelin
S. 8 a, b: Sylvia Butenschön
S. 11 a: Michael Schwan, b: Sylvia Butenschön,
c: Michael Schwan, d: Kirsten Krepelin
S. 12 a: Ursula Kellner, b: Sylvia Butenschön, c: Rudolf Schröder,
d: Werner Kellner
S. 15 a: Werner Kellner, b: Almuth Spelberg, c: Claus Lange,
d: Kirsten Krepelin
S. 16 a: Marco Dziallas, b: Georg Gremmer
S. 19 a-d: Hans-Roland Müller
S. 20 a, c, d: Hans-Roland Müller, b: Kirsten Krepelin
S. 23 a: Sylvia Butenschön, b: Wolfram Hirt, c: Sylvia Butenschön,
d: Altmuth Spelberg
S. 24 a: Sylvia Butenschön, b: Werner Kellner, c: Claus Lange,
d: Werner Kellner
S. 27 a: Alexandra Zettl, b: Almuth Spelberg, c: Almuth Spelberg,
d: Werner Kellner
S. 28 a: Kirsten Krepelin, b: Hans Weingartz, c: Jaellee,
d: Kirsten Krepelin
S. 31 a: Stephanie Jäger, b: Ute Eckardt, c: Kirsten Krepelin,
d: Gerlinde Johanns / Andreas Vogel
S. 32 a: Meinrad Gfall, b: Bärbel Mäkeler,
c: Langendreer hat‘s e. V., d: Ursula Kellner
S. 35 a: Kirsten Krepelin, b: Angela Pfennig, c: Almuth Spelberg,
d: Wolfram Hirt
S. 36 a, b: Kirsten Krepelin, c: Sylvia Butenschön
S. 39 a, b: Werner Kellner, c: Sylvia Butenschön,
d: Hagen Engelmann
S. 40 a: Sylvia Butenschön, b: Anke Elsner,
c: Studienprojekt Geisenheim
S. 43 a: Gartenamt Düsseldorf, b, c: Werner Kellner,
d: Claus Lange
S. 44 a: Grit Hottenträger, b: Sylvia Butenschön, c: Ursula Kellner
S. 47 a, b: Sylvia Butenschön, c: Kirsten Krepelin, d: Karsten Ratzke
S. 48 a: Angela Pfennig, b: Kirsten Krepelin, c: Sylvia Butenschön
Nachhaltig gut !
Universitätsverlag der TU Berlin
ISBN 978-3-7983-2877-8 (print)
ISBN 978-3-7983-2878-5 (online)
Öffentliche Grünanlagen der 1950er- und 1960er-Jahre – Qualitäten neu entdecken
Leitfaden
Öffentliche Grünanlagen der
1950er- und 1960er-Jahre
Qualitäten neu entdecken
Leitfaden
zum Erkennen typischer
Merkmale des Stadtgrüns
der Nachkriegsmoderne